50 Jahre Theater im Bahnhof

friedricheugen

5zig Jahre

Theater im Bahnhof

Z E I T I M

RAMPENLICHT

Dokumentation

zu einer besonderen

Kraichgauer Bühne,

gefüllt mit Texten,

Bildern und Wissenswertem

über viele

Jahre Amateurtheater.

50

Jahre

Theater im

Bahnhof,

Dielheim

Diese Broschüre

ist ein Dankeschön an

unser Publikum, unsere

Freunde und nicht zuletzt

auch an alle, die auf der

Bühne, hinter der Bühne

und weit um die Bühne

herum dazu beigetragen

haben, dass alles

so gut gelang.

E I N E R E T R O S P E K T I V E


Titelbild: Willi Mann, als Pater Lorenzo in der satirischen Komödie

„Es war die Lerche“ von Ephraim Kishon, 2010. Bild: Holger Segnitz, Bammental

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IMPRESSUM

Herausgeber Theater im Bahnhof e.V. , Dielheim

Verantwortlich im Sinne des Presserechts Edgar Kloé

Konzept, Layout, Grafik, Satz Friedrich E. Becht

Recherche Edgar Kloé, Roland Laier, Arno Friedrich, Edgar Sauer, Heinz Laier

Texte wenn nicht anderweitig gekennzeichnet Friedrich E. Becht

Bilder Der weitaus größte Teil Friedrich E. Becht, weitere Urheber nicht bekannt.

Korrektorat Judith Stier Druck Saxoprint, Dresden

eMail info@theaterimbahnhof.com Web www.theaterimbahnhof.com

Theater im Bahnhof, Dielheim

Gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst über

den Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg.

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Z E I T I M

RAMPENLICHT

theater

im bahnhof

1 9 6 3 – 2 0 1 3


5zig

Jahre!!

Theater im Bahnhof

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[Editorial]

Geburtstage sind Anlass in Erinnerungen zu schwelgen, Freunde zu treffen,

aber auch in die Zukunft zu blicken. Doch fortschreitendes Alter bringt es mit

sich, dass Fitness und Tatendrang sich mindern. Es gibt auch Ausnahmen:

unser „Theater im Bahnhof“ zum Beispiel - in diesem Jahr ein halbes Jahrhundert

jung - kommt noch ohne diese Mängel aus. Bretter, die die Welt bedeuten, haben

wir nach Dielheim geholt, viel riskiert und noch mehr erreicht. In der vorliegenden

Chronik haben wir alles aufgelistet: Die Gründerjahre, den Aufschwung bis

hin zum heutigen Theaterbetrieb. Deshalb wollen wir unseren Geburtstag angemessen

feiern. Wir wollen das zusammen mit Menschen tun, die uns begleitet

haben - und das waren viele. So die Initiatoren in den 60ziger Jahren, die aus dem

„Nichts“ starteten und belächelt wurden, aber auch die vielen Helfer und Förderer,

die den oft verschlungenen Weg voller Optimismus mit uns gegangen sind.

Nicht vergessen wollen wir auch den Mut den wir brauchten und der noch heute

unser Angebot auszeichnet: Es wird bei uns kein „Dorfprogramm“ geboten, sondern

ein interessanter Querschnitt aus Komödien, Schauspielen, Kleinkunst, Konzerten,

Kinder- und Jugendtheater und Lesungen. Immer im Auge hatten wir die Finanzen.

Mit Aufführungen haben wir die notwendigen Mittel eingespielt um Geld für Kostüme,

Mieten und Manuskripte zu haben. Und an Fasching wurde mit originellen Bällen

Zählbares in die Kassen gespült. Das alles wäre nichts, hätte es nicht Menschen

gegeben, die mit viel Idealismus bei der Sache waren und noch immer sind.

Unser Jubiläum ist mehr als nur ein Geburtstag. Es ist der Beweis, dass wir etwas

bewegt haben. Mit Hilfe von Gönnern und dank der guten Zusammenarbeit mit

der Gemeinde Dielheim und dem Landesverband Amateurtheater Baden Württemberg

konnten wir auch große Pläne verwirklichen. So haben wir mit unserem

Theaterraum ein Schmuckstück geschaffen, auf das auch unsere Mitbürger Stolz

sein dürfen. Lassen Sie uns also feiern, plaudern, zurück schauen und froh in die

Zukunft blicken. Es wird neue, ungekannte Herausforderungen geben, an denen wir

weiter wachsen können. Und betrachten wir das Geschaffene als ein Vermächtnis an

unsere Jugend - frei zur eigenen Gestaltung.

Edgar Kloé [Vorsitzender]


Gibt es das eigentlich, ein persönliches Lieblingsstück? Eigentlich nein - Lieblingsstücke vielleicht.

Und doch, einem Theatergänger über 5 Jahrzehnte, sollte so etwas festzustellen möglich sein -

auch wenn es schwerfällt. Versuchen wir es und beschränken uns auf das Amateurtheater. Nehmen

wir, weil es naheliegt, das Theater im Bahnhof in Dielheim. Und nehmen wir weiter an, wir haben

alle Stücke gesehen - die eigenen Produktionen natürlich. So fokussiert, bleibt uns die Selektion als

Mittel der Wahl. Wir teilen auf in Kinder- und Erwachsenenstücke, heiter und ernst, und stellen fest,

wir kommen ins Schwitzen. Mit der Transpiration steigt die Inspiration, und Letztere sagt uns: Leg die

Suchkriterien neu fest! Die neuen Fragen lauten dann so: Welches Stück hat am meisten berührt?

Sind Szenen daraus in uns noch lebendig? Was hat beeindruckt? Und voilà, wir werden fündig!

Die Freude ist groß, doch die Überraschung

größer: Wie kann es sein, dass es kaum „heitere“

Stücke ins innere Ranking geschafft haben? Bei

mir, dem Autor dieser Zeilen, ist es so. All die gut

gemachten Lustspiele und Schwänke, die einen

angenehmen, gelungenen Abend bescherten,

kommen in der Nachsicht kaum zum tragen.

Woran liegt das? Möglicherweise ist es bei Ihnen,

lieber Leser, ganz anders. Bei mir überwiegen

auf jeden Fall die Stücke, die eine packende

Geschichte erzählten, dramatische Wendungen

hatten und bei denen der Autor die schicksalhaften

Züge der Story auf einen Punkt brachte,

der noch heute nachwirkt. Blieb dabei der

Bezug zur Realität erhalten, dann scheint in mir

etwas haften zu bleiben, was ich für mein Leben

brauchen kann, was mir hilft, die Welt ein wenig

Vom Lieblingsstück

besser zu verstehen - um vielleicht mit diesem

Wissen in meinem Leben etwas besser zurecht

zu kommen. Kurz gesagt: Stoff, aus dem großee

Dramen „gestrickt“ sind. Damit breche ich keine

Lanze allein für das „ernste“ Schauspiel. Nicht

umsonst ist das Angebot im Theater breit gefächert.

Auch die anderen Genres haben ihre

gleiche und volle Berechtigung. Es braucht beides:

Große, beindruckende Geschichten und

„Geschichtchen“, die den Alltag, den Frust vergessen

lassen und uns einen unbeschwerten

Abend bescheren. Wenn beide Formen sich

darüber hinaus an geltenden dramatischen Regeln

orientieren, umso schöner und ergiebiger.

Wer sich die Mühe macht, die Stücke während

der 50 Jahre beim Theater im Bahnhof, Dielheim

durchzusehen, wird unter anderm eine

Entdeckung machen. Er wird feststellen, wie um

eine Balance gerungen wird zwischen den vermeintlichen

Polen „Ernst“ und „Heiter“, mit mehr

Ausschlägen mal nach der einen, mal nach der

anderen Seite. Aus meiner Sicht: Weiter so! Wir

haben ein aufgeschlossenes Publikum, das uns

dieses Ringen wert ist. Ihr Friedrich E. Becht

Ach ja, Sie wollten mein Lieblingsstück

wissen: „Von Mäusen und Menschen“ von

John Steinbeck, bereits 1979 gespielt auf der

Bühne der Kulturhalle in Dielheim und auf einer

kleinen Tournee an Gymnasien im Umkreis.

Oben links ein Szenenbild aus diesem Stück.

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[Worte]

Seit 50 Jahren bildet das Theater im Bahnhof ein lebendiges Element der

regionalen Kulturszene. Dabei waren gerade zu Anfang die Hindernisse

groß, doch die gemeinsame Faszination für die Bühne ließ eine Gruppe

junger Dielheimer im Jahr 1963 den mutigen Schritt machen, ein eigenes

Amateurtheater zu gründen. Als erstes Domizil diente eine alte Bäckerei,

wo zwar ein Proberaum, aber noch kein Platz für Aufführungen zur Verfügung

stand. Bessere Räumlichkeiten bot das ehemalige Bahnhofsgebäude,

das von den Mitgliedern mit großem Einsatz renoviert wurde. Dort erfüllte

sich auch der Wunsch nach einer eigenen Spielstätte mit dem Anbau eines

Theaterraums. Der Anbau liefert den Rahmen für Aufführungen unterschiedlichster

Art, für die eigenen Produktionen, auch die erfolgreichen Inszenierungen

der Jugendgruppen und für eine breite Vielfalt von Gastauftritten.

Das anspruchsvolle Projektziel der Gründer ist aufgegangen. Sie haben

bewiesen, dass mit großem Engagement, mit ihrer ansteckender Begeisterung

und dem nötigen Durchhaltevermögen der Aufbau, die Etablierung

und erfolgreiche Führung eines sehr lebendigen Amateurtheaters glückt.

Das Theater im Bahnhof hat sich zu einem Vorzeigeobjekt für die Gemeinde

Dielheim entwickelt und hat in den zurückliegenden Jahren mit der Durchführung

von drei Kraichgauer Theatertagen und den deutsch-französischen

Theatertagen schon besondere kulturelle Ereignisse nach Dielheim geholt.

Meine herzliche Gratulation zum Jubiläum verbinde ich mit der Hoffnung, dass

das Theater im Bahnhof seine Vielfalt, Frische und Originalität auch weiterhin

bewahren kann. Ich wünsche den Vereinsmitgliedern für die Zukunft alles Gute

für Ihr Theater, weiter viel Erfolg und ein großes, begeistertes Publikum.

Hans-Dieter Weis [Bürgermeister]

Hans-Dieter Weis, Bürgermeister von Dielheim,

ist Schirmherr der Jubiläumsveranstaltungen

5zig Jahre Theater im Bahnhof e.V., Dielheim


Vom Licht und dem guten Ton

Es werde Licht! Dieser Satz hat bei uns im Theater im Bahnhof beileibe keine biblische Dimension,

aber eine Parallele: Auch hier bliebe alles „wüst und leer“, die Bühne unbespielbar dunkel. Um alles

mit Leben zu füllen, braucht es nun mal Licht, auch bei uns. Und dafür sind unsere Bühnentechniker

zuständig. Sie sind es, die die Schauspieler ins rechte Licht rücken und so ganz nebenbei noch für

den guten Ton sorgen. Mit moderner Bühnentechnik legen sie, weit vor der Aufführung, die Beleuchtung

der einzelnen Szenen fest. Beleuchtung ist heute das falsche Wort. Immer mehr werden sie zu

Light-Sound-Designern, die emotionale Stimmungen für die Szenen kreieren.

Die Zeiten, in denen sich das Bühnenlicht mit

zwei Rampenleuchten auf „Hell“ und „Düster“

reduzieren ließ, sind vorbei. Unseren Bühnentechnikern

geht es heute darum, mit ausgeklügelter

audiovisueller Technik das szenische

Arrangement so effektvoll wie

möglich zu unterstützen. Dabei sind

eine ganze Reihe von unterschiedlichen

Scheinwerfern, über programmierbare

Regiepulte gesteuert, im Einsatz.

Neben der Beleuchtung gehört

effektvoller Sound ebenso dazu. Ohne

Computer „geht“ da nichts mehr. Hier

wird eingespielt, gesampelt, arrangiert

und schließlich aus einzelnen Tracks

die endgültige Audiodatei gemixt.

Von dort werden die Dateien, fein

säuberlich aufbereitet, auch wieder abgerufen

und über die Audioanlage im Saal wiedergegeben.

Gut gemacht, erzeugen sie zusammen

mit dem dramatischen Geschehen tiefe Gefühle

und mitreißende Stimmungen bei den Theaterbesuchern.

Unsere Techniker haben alles im

Griff, von der Pyrotechnik bis hin zu Schnee und

Nebel. Das ist die kreative Seite der Arbeit. Die

andere ist, wie so oft, schlichterer Natur, aber

ebenso wichtig: Auf- und Abbau, verkabeln, bedienen,

überprüfen, warten und instandhalten

sind die Stichworte dazu. Die Bühnentechnik unterliegt

besonderen Sicherheitsbestimmungen

und gesetzlichen Vorschriften. Diese müssen

penibel eingehalten werden, um niemanden

zu gefährden. Auch dafür sind unsere Bühnen-

techniker verantwortlich. Da ist es von großem

Vorteil, wenn man, wie wir, nicht nur auf „alte

Hasen“ zurückgreifen kann, die schon mehrere

Jahrzehnte verantwortlich tätig sind,

Die Ton und Lichtechniker Ihr Arbeitsbereich

ist bei uns auf der Empore. Von dort aus

steuern sie die ganze Saaltechnik, das Saallicht,

das Bühnenlicht und die Toneinspielungen. Mit den

Akteuren hinter der Bühne, können sie per Interkom

sprachlich kommunizieren.

sondern sich auch schon auf den jungen, ehrgeizigen

Nachwuchs stützen kann. Die Freude

am Theater und an der feinen Technik ist bei

beiden Generationen vorhanden. Wie sagte

schon der große Theatermann Berthold Brecht:

Denn man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln

sieht man nicht...

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[Worte]

Junge Männer, zwischen 15 und 16 Jahren alt, legten 1963 den Grundstein

zum heutigen Theater im Bahnhof. 21 dieser „jungen Männer“, aber auch

Frauen dieser Zeit, sind noch heute aktiv bzw. eng mit dem Theater verbunden.

Diese personelle Kontinuität ist sehr selten, jedoch wahrscheinlich ein

Grundstein für die überaus positive Entwicklung, die das Theater im Bahnhof

Dielheim in den letzten 50 jahren genommen hat. Eine weitere Komponente zur

positiven Vereinsentwicklung war sicher auch 1973 die Anmietung und der Um-

und Ausbau des alten SWEG-Bahnhofs zur eigenen Produktions- und Spielstätte.

Getreu dem Goethe-Zitat: „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“, sind

die Spielpläne im Theater im Bahnhof seit der Gründung zu sehen. Fast alles ist

zu finden, bis hin zu Kinderstücken und Kleinkunst. Die Anzahl der Produktionen

verdient Respekt und Anerkennung, und auch die künstlerische Qualität

sowie die Besucherzahlen stimmen.

Die Verantwortlichen haben auch die Wichtigkeit der Jugendarbeit schnell erkannt.

Seit 20 Jahren gibt es eine Kooperation mit der Musikschule Horrenberg-

Dielheim. Unter der Leitung von professionellen Theaterpädagogen werden

8- bis 19-Jährige an das Theaterspielen herangeführt. Über 25 eigenständige,

interessante Inszenierungen wurden erarbeitet und aufgeführt. Das Theater im

Bahnhof war auch mehrmals souveräner und liebevoller Gastgeber des regionalen

Festivals „Kraichgauer Theatertage“, das federführend von der Theater- und Spielberatung

Baden-Württemberg Heidelberg, in Kooperation mit dem Landesverband

Amateurtheater Baden-Württemberg, durchgeführt wird.

Das Theater im Bahnhof Dielheim ist durch seine Vielseitigkeit, seinen umfangreichen

Spielplan sowie seine professionell geführte Jugendarbeit ein Glanzlicht unter

den über 600 Mitgliedsbühnen des LABW. Dass dies auch in Zukunft so bleibt

und dass immer genügend engagierte Führungskräfte und motivierte Mitwirkende

zur Verfügung stehen sowie dass zahlreiche Zuschauer kommen, wünsche ich

persönlich und im Namen des Präsidiums und der über 600 Mitgliedsbühnen im

Landesverband Amateurtheater Baden-Württemberg (LABW).

Rolf Wenhardt [LABW Präsident]

Angenehm ist am Gegenwärtigen die Tätigkeit,

am Künftigen die Hoffnung und am Vergangenen

die Erinnerung. (Aristoteles)


Masken bilden und Frisuren kreieren

„Maskenbildnerei soll nicht bemerkt werden, sondern wirken“. Dieser Satz ist Leitspruch und Anspruch

zugleich für unsere Damen von der Maske. Sie sind für den optisch stimmigen, charaktervollen Auftritt

der SchauspielerInnen verantwortlich. Unter ihren fachkundigen Händen werden junge Menschen

zu Greisen, Männer zu Charakterköpfen, hübsche Frauen zu Monstern oder schöne Mädchen noch

schöner, ganz nach Bedarf. Das alles will erlernt, gekonnt und vor jeder Aufführung geschafft sein.

Dazu braucht es Akribie, Feingefühl und ein feines Händchen. Kein Wunder, dass in diesem Metier

die Frauen das Sagen haben - so auch bei uns, und das schon über Jahrzehnte.

In der Tat haben wir in unseren Reihen Damen,

die schon über 40 Jahre die „Puderquaste

schwingen“. Das ist nicht despektierlich gemeint -

im Gegenteil. Wer weiß, was vor den Aufführungen

geleistet werden muss, wird ihnen Respekt

zollen. Oft Stunden vor der Aufführung sind sie

am „werkeln“, um die DarstellerInnen im Rampenlicht

optisch so passabel, wie von der Regie

gewünscht, erscheinen zu lassen. Den in Abstimmung

und in Proben mit der Spielleitung festgelegten

Schminkplan gilt es penibel abzuarbeiten.

„Eine Maske anlegen“ ist kein Schminken im

landläufigen Sinn, sondern erfordert Talent und

eine spezielle Ausbildung. Fachseminare, Workshops

und Kurse im eigenen Haus vermitteln

das nötige Rüstzeug. Die Hautpflege unter Berücksichtigung

unterschiedlicher Hauttypen und

die Verhinderung von Infektionen stehen dabei

ebenso auf dem Programm, wie die umfangreiche

Material- und Werkzeugkunde. Dieses

Wissen findet in der Praxis verantwortungsvoll

Anwendung: Für jede Person gibt es aus hygienischen

Gründen ein eigenes Set an Schminkutensilien.

Auf diese Basis baut dann der kreative

Teil des Schaffens auf: das „Grundieren“,

das „Auszeichnen“ bis hin zum Herstellen von

Bärten aus echtem Haar oder der Modelage

von Nasen, Warzen, Wunden oder gar einer

Vollglatze - um nur einiges zu nennen. Das alles

ist echte feinfühlige Handarbeit mit künstlerischem

Anspruch am „lebenden Objekt“, z.B. bei

Tier- und Fantasiemasken. „Maske machen“ ist

wichtig. Denn nur so werden aus DarstellerInnen

auch optisch klare Charaktere. Schließlich soll

der jugendliche Liebhaber auch begehrenswert

erscheinen, und dem kauzigen Alten sollte man

seinen Hang zum „Süffeln“ schon ansehen...

Die Maskenbildnerinnen Lange bevor der

Vorhang sich hebt, sind sie in Aktion. Aber auch nach

dem Schlussvorhang sind sie wieder gefragt, um

beim Abschminken zu helfen und um Perücken, Bärte

und andere Hilfsmittel für den nächsten Einsatz zu

präparieren.

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[ ]

Frühe

Jahre


Das Ensemble aus dem ersten eigenverantwortlich

erarbeiteten Stück „Der Bergteufel“ von 1964

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D

ie Welt im Kraichgau und ganz

besonders im beschaulichen Dielheim

war im Jahr 1963 noch „irgendwie“

in Ordnung. Die drei örtlichen Gewalten:

Pfarrer, Bürgermeister und „Doktor“, hatten

noch richtig viel zu sagen - nicht nur auf ihrem

Fachgebiet. Die politischen Entscheidungen

lagen, praktischerweise und demokratisch

gewählt, in mehreren Händen einer Partei.

Die „Zerstreuungs- und Unterhaltungsindustrie“

zeigte erste zaghafte Ansätze in Form

von 13 Wirtschaften (teilweise auch mit

Kegelbahnen) und, man höre und staune,

einem Kino. Letzteres, sehr argwöhnisch

beäugt, zeigte ein durch den örtlichen

Klerus mit „Filmempfehlungen nach Alter“

belegtes Programm. Und das klassische

kulturelle Leben in der „aufstrebenden,

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Theater-

spiele?

Wass

wolle

die?

1963 Bislang standen

auf den Dielheimer

Bühnen gestandene

Mannsbilder und brave

Hausfrauen in tränenreichen

Stücken. Das sollte

sich bald ändern. Ganz

junge „Wilde“ waren

zunächst äußerst zahm

dabei, den „Laden“

aufzumischen...

Des a noch?


modernen Gemeinde“ (O-Ton der damaligen

Gemeindebroschüre) mit ihren hochfliegenden

Plänen (Autobahn, Lehrschwimmbecken,

etc.) zeigte sich vielfältig nach außen, aber

nicht ganz so vielgestaltig nach innen. Das

klassisch-kulturelle Angebot für Erwachsene

und Jugendliche (!) bestand aus Gesang,

Blasmusik und Sport - alles verteilt auf mehrere

Vereine. Und das sei nicht unterschlagen:

auch aus theatralem Spiel, treffender, aus dem

Laienspiel: gepflegt, ganzjährig zu kirchlichen

Anlässen und zur dunklen Jahreszeit in Form

von Winterfeiern. Fast jeder Verein im Ort

zelebrierte geradezu diese Form der Unterhaltung

zum Zwecke des eigenen finanziellen

Überlebens. Die Feier war zielführend ausgerichtet

und bestand meist aus wenigen, dem

Vereinszweck entsprechenden Darbietungen,

aus einer Tombola mit Gewinnen, die man bei

den örtlichen Geschäftsleuten und Mitgliedern

eingesammelt hatte, und einem großen theatralen

Ereignis, einem Schau- und Rührstück

mit lehrhaftem Charakter. Alles, was im Kino

mit Bann belegt war, durfte auf offener Bühne

gezeigt werden: hinterhältiger Mord, Lug und

Trug in allen Variationen, anrührende Liebesbeziehungen,

die durch Teufelsblendwerk in

Gefahr gerieten und, wie durch Zauberhand,

zum Guten fanden. Doch nicht nur das, auch

Lustiges wurde geboten, bis die „Schwarte

krachte“!

Vom Laienspiel bis zum Amateurtheater

ist oft ein langer Weg.

Wir wählten überraschenderweise

den kürzesten. Der Dielheimer

kulturellen Szene (1963) sei Dank.

Denn wir erkannten schnell:

Es muss etwas geschehen.

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Dies wurde zu allgemeiner Erheiterung und bis

zum Schenkelklopfen der Anwesenden durch

dorfweit bekannte Mimen dargestellt, die

auch im richtigen Leben Züge der gezeigten

Charaktere glaubhaft machen konnten. Fast

jede darstellerische Form gab es zu sehen.

Von Mysterienspielen mit „lebendem Bild“

(die Schauspieler froren die Szene ein, indem

sie minutenlang unbeweglich auf der Stelle

standen, um die Botschaft zu verdichten*) über

Schwänke von brachialer Gewalt und tränenreiche

Wald- und Forststücke spannte sich der

Bogen. Bei Titeln wie „Maria Goretti“ wurde

sogar eine knappe Stunde lang auf der

Bühne gestorben. Einmalig und unvergessen

die Resonanz: Das Stück wurde zum Dorfgespräch

und die junge, schöne und schön

„sterbende Schauspielerin“ zum Star der ledigen

Männer. Allen Aufführungen war gemein:

Sie wurden gerne gesehen, von Erwachsenen

wie von Jugendlichen. Durch einen Kunstgriff

ließ man auch die ganz Kleinen am Genuss

teilhaben: Am Nachmittag der Premiere um

14 Uhr gab es die Generalprobe vor einer

„riesigen“ lärmenden Kinderschar; unter ihnen

auch der Autor dieser Zeilen und einige noch

heute im Theater im Bahnhof tätige Mitglieder.

Dermaßen vorgeprägt, verwundert es nicht,

Auch nach der Gründung des heutigen

Theater im Bahnhof gab es noch christliche

Mysterienspiele zu sehen. Hier „Syra, die

christliche Sklavin“, 1966, von H. Caron. Als

Dank an den kath. Ortsgeistlichen, unterstützt

durch SchauspielerInnen der neuformierten

„Spielgruppe 63“.

*Unten:

Ein „Lebendes Bild“, wie oben beschrieben.


Mit Stücken wie „Versöhnung am Hubertushof“

oder „Der Meisterlügner“ wurde die

Laienspieltradition unter anderem Vorzeichen

zunächst weitergeführt. Sehr zur Freude des

Publikums und der jungen Truppe - meist auf

der Pfarrsaalbühne, aber auch auf Tournee in

der nahen Region.

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Bild unten:

Die

jungen

Theaterpioniere

wagten sich

auch an

ungewohnte

Aufgaben:

Hier eine

unbekannte,

aber mutige

Person beim

Schminken

mit dem

Fettstift.

Die Idee:

Weitreichend,

mutig und,

wie alle

guten Ideen,

zunächst

belächelt!

dass diese später als junge „Männer“ mit gerade

mal 16 Jahren (ok, einer war schon 18)

eine Idee hatten: Wie wäre es, selbst Theater

zu spielen und vielleicht berühmt zu werden?

Die jungen Leute kannten sich von der Schule,

vom Sport und anderen Interessen, was die

Idee beflügelte. Und in einzelnen Familien der

Freunde gab es auch Laienschauspieler, denen

man nacheifern wollte. Bereits nach den

ersten Überlegungen gab es einen Entschluss,

entsprungen jungendlichem Mut und sehr

weitreichend: Wir wollen Theater spielen! Unabhängig,

als reine Theatergruppe! Gesagt,

getan. Der Gründungsversammlung am 15.

Dezember 1963 stand nichts mehr entgegen.

Noch am selben Tag wurde ein Stück geplant.

Dazu brauchte es „Mittäter“. Sie wurden

gesucht und im erweiterten Freundeskreis

schnell gefunden. Das Abenteuer Bühnenspiel

begann. Und ganz Dielheim fragte sich: Was

wolle die? Theater spiele? Des a noch! Ja, sie

wollten - und wie.


Hinter einem großen Werk steckt immer eine mehr oder weniger zündende Idee. Diese gilt es zu

entwickeln. Dazu wird sie „abgeklopft“, geprüft, verworfen, verglichen, geformt, geändert, angepasst,

feingeschliffen, realisiert und schließlich dem staunenden Publikum präsentiert. Die Rede ist hier nicht

von einer erhabenen Inszenierung, sondern vom Bühnenbild schlechthin, dem Ort einer dramatischen

Handlung. Genauer gesagt handelt es sich um ein Bild, das die Zuschauer sich vom Ort des

Geschehens machen sollen, oder eben auch nicht. Und genau das ist die Crux. Deshalb ist die Idee

wichtig, und zwar lange bevor die erste Schraube ihren Weg durch Holz windet.

Den Spielort gibt der Autor des Stückes vor. Soweit,

so gut. Wie ist er aber nun beschaffen?

Was zeichnet ihn aus? Diese und viele weitere

Fragen verschweigt uns der Autor. Und das ist

gut so, denn nur so können die Männer vom

Bühnenbau kreativ werden und eine Idee, in

Absprache mit der Regie, gebären, entwickeln

und... (siehe oben). Die Idee hat in unserem Falle

viele Väter: das Stück, die Regie, den oder die

Bühnenbildner. Ideen sind Produkte mit einer

kurzen Verfallzeit. Deshalb werden sie festgehalten

als Skizze und als Beschreibung. Danach

wechselt die Idee ihren Aggregatzustand in

kurzen Intervallen: vom Skizzenblatt in den Kopf

und zurück in immer kürzeren Zeitabständen.

(Dazu bitte den Bildteil beachten). Der Vorgang

hält an, bis schließlich der, erst auf den zweiten

Blick weise, Satz fällt: „Wenn alles stimmig

ist, dann passt es auch.“ Gemeint ist: Liegt eine

Einheit zwischen Autor, Bühnenbildnerei und Regie

vor und ist anzunehmen, dass alle Anliegen

des Stückes fehlerlos zum Besucher transportiert

werden und das Ganze alle praktischen,

gesetzgeberischen, sicherheitstechnischen und

natürlich auch alle künstlerischen Kriterien erfüllt,

dann ist es an der Zeit, Holz, Nägel, Schrauben,

Farbe und Textilien zu bestellen.

Was ab jetzt passiert, ist Handwerkskunst, nicht

vom Allerfeinsten, da alles nicht lange gebraucht

wird, aber dafür vom Haltbarsten für kurze Zeit

und von besonderen Nutzen und oft mit dem

bei den Erbauern beliebten Ah- und Oh-Effekt.

Vom Publikum geäußert, wird dieser als „beson-

Von Bildern und Bauten

ders wertvoll“ eingestuft. Und wenn beim Spiel

das Bühnenbild hält, was seine Optik verspricht,

dann lächelt sogar die Spielleitung unauffällig.

Was aber, wenn verlangt wird, den Ort zu verschweigen,

bzw. die Regie es für besser erachtet,

der Zuschauer möge doch bitteschön den

Ort in seinem Kopf herstellen und mit eigenen

Farben ausmalen? Dann und wirklich nur dann,

bleibt die Bühne leer; von ein paar Requisiten

abgesehen. Aber auch diesem Zustand liegt

eine Idee zu Grunde, die erst einmal geboren

und entwickelt werden muss.

Der profane Auf- und Abbau der Kulissen ist auf

der nach oben offenen Genuss-Skala für Bautenteams

unten angesiedelt. Trotzdem geschieht

auch das ohne Murren, dafür aber rustikal und

lautstark.

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Bühnenbilder können ganz

schön aufwändig sein. Sorgfältige

Planung ist deshalb unerlässlich.

Ganz wichtig ist die Bildidee. Sie

muss den Charakter des Stückes

optisch „tragen“. Links, bei dem Stück

„Die deutschen Kleinstädter“, 1999,

ergänzten sich das skurille Bild und

die groteske Inszenierung ideal.

Stimmig

wirken, ohne

naturalistisch

zu sein, das

war 2004

beim Stück

„Ein wahrer

Held“, gefragt.

Links das

Szenenbild

und darüber

der Entwurf.


Aufbruch durch Abruch oder „Auferstanden aus Ruinen“

Zugegeben, die Überschrift ist salopp formuliert, doch sie trifft den Kern: Der Weg zu den „Sternen“

war mühselig, aber spannend und lohnend. Bühnenspiel ist nun mal ohne Infrastruktur nicht zu

haben. Deshalb war man schon früh bestrebt, dies zu ändern. Ein ehrwürdiger Backofen musste

als erster den Mimen weichen, und später war ein kleiner Bahnhof Schauplatz dramatischer Veränderungen.

Viel Schmutz, Schweiß und manche blutunterlaufene Finger mussten in Kauf genommen

werden, um dem Bühnenspiel die notwendige Bühne zu geben und es neu auferstehen zu lassen.

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Aufbruch


Aufbruch Sturm und Drang.

Zukunftsweisende Entscheidungen. Hilfe von außen.

Mut, Schweiß, Ideen und - viel Spaß.

Was

soll en Des?

Was

machen die do?

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„Schinderhannes“, war für die noch junge

„Spielgruppe“ das „Gesellenstück“. Die Vorstellung

war ausverkauft und der Verein war

über Nacht, in der Umgebung, in aller Munde.

Der Mut hatte sich gelohnt - der Aufbruch war

geschafft.

Nun standen sie also da, die neuen

Theaterspieler, voller Tatendrang und

buchstäblich mit nichts. Keine Räume,

keine Kulissen, keine Kostüme, keine Texte,

nur ausgerüstet mit einem Schreibblock als

Protokollbuch. Und darauf stand etwas ganz

Wichtiges, das Gründungsprotokoll. Schnell

war klar, Drang allein genügt nicht. Doch Not

macht erfinderisch und schlau. Die Cleverness

bestand darin, das zu nutzen, was es bereits

gab - und das war einiges. Doch wie, ohne

sich preiszugeben? Dazu muss man wissen,

das wichtigste, selbstauferlegte eherne Gesetz

lautete unmissverständlich: selbstständig

bleiben. Einige Zeit später kam ein ebenso

folgenreicher Passus dazu: „Es dürfen nur aktive

Mitglieder aufgenommen werden, die nicht älter

sind als die derzeit vorhandenen!“ Und die

„Vorhandenen“ waren jung, sehr jung sogar.

Dieser Satz war nicht als Affront gegen „Ältere“

gedacht. Vielmehr sollte dem eigenen Weg,

Theater zu machen“, unbeeinflusst von der örtlichen

Laienspieltradition Vorrang eingeräumt

werden. Auch die in nur wenigen Tagen neu

hinzugekommenen Mitglieder wurden darauf


Erste Aufführungen in eigener Verantwortung. Bereits das zweite

Historienstück bescherte ein ausverkauftes Haus. Über 600 Menschen

wollten die Premiere in der Sport- und Kulturhalle in Dielheim sehen.

eingeschworen. Aus diesem Grund gingen die

jungen „Herren“, (genauer gesagt waren es

Teenager) sehr sorgsam zu Werke. Kompromisse

wurden eingeplant, Etappen festgelegt und

Teilverbündete gesucht. Schon kurze Zeit später

wurde ein wichtiger Erfolg verbucht, einer der

wichtigsten Männer im Ort, Pf. Martin Walter,

(„Der Fußballpfarrer“) konnte als Sympathisant

gewonnen werden. Das war bereits ein

Meilenstein. Denn mit Ihm war der Zugriff auf

den Pfarrsaal mit Bühne und auf einen großen

Fundus an Kostümen gegeben. Die Symphatie

wurde kurzerhand und klugerweise zur Allianz

ausgebaut: Ihm wurde nahegelegt, die im

Pfarrsaal für seinen Fußballclub SG Dielheim

stattfindende Weihnachtsfeier mit Laienspieleinlage

doch einfach den jungen Spielwilligen zu

überlassen. Er war begeistert über so viel jugendlichen

Elan und stellte dafür einen Probenraum

zur Verfügung. Neudeutsch ausgedrückt,

war eine Win Win-Situation entstanden. Beide

Parteien profitierten voneinander. Allerdings

überließ er nichts dem Zufall. Stück und Inhalt

unterlagen der freiwilligen Selbstkontrolle und

zu den Proben war er meist anwesend. Das

vorgeschlagene Stück mit Namen „Der Bergteufel“

überzeugte ihn, da der Teufel im Stück

vom Guten besiegt wurde. Es konnte losgehen.

Jetzt galt es nur noch ein kleines Problem zu

überwinden: Es gab keinen Spielleiter, geschweige

denn genügend SchauspielerInnen

für die 11 Rollen, inklusive der 2 Damenrollen.

Nach dem Motto, wenn man will, geht alles,

wurde der Spielleiter festgelegt. Bestimmt wurde

derjenige in der Runde, der auf die größte

Erfahrung seiner seit Jahren schauspielernden

Brüder verweisen konnte. Das restliche Ensemble

wurde aus dem Freundeskreis und oft unter

Bitten und Betteln rekrutiert. Jetzt wurde heftig

Text gelernt und geprobt in einem per Ölofen

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überhitzten Raum, in dem es alt und nach

Weihrauch roch. Nach fast einem Jahr Vorbereitung

wude das Stück aufgeführt, und das mit

durchschlagendem Erfolg: Das abendfüllende

Stück mit seinem Sieg über Tod und Teufel

rührte die Herzen und dann die Hände der

Zuschauer zum fast frenetischen Applaus. Die

Winterfeier selbst geriet zur Nebensache, und

noch am selben Abend wurden die glücklichen

Akteure für ein Gastspiel im Nachbarort

Rauenberg verpflichtet. Vor Freude trunken

nahmen sie an. Ein Tross spielwütiger Teenager

brach kurze Zeit später, bepackt mit Kulissen,

Requsiten und mit „Mann und Maus“ auf, um

in Rauenberg seine Kunst zu zeigen. In einem

umfunktionierten Raum mit Kegelbahn wurden

zunächst die Hühner von der Bühne getrieben

(kein Witz!) und alles

gründlich gereinigt,

um die Grundlage

für einen ähnlichem

Erfolg wie zuvor zu

schaffen. Um diesen

sicherzustellen, wurde

eigens ein Musiker mit

Akkordeon verpflichtet.

Er musizierte laut

Protokollbuch „zwischen den Pausen“. Wie wir

uns das vorzustellen haben, bleibt ein historisches

Geheimnis. Doch den Teenagern auf der

Bühne blieb der Erfolg auf den Fersen. Derart

verwöhnt war klar, der Erfolg braucht einen

Namen. Gewählt wurde der Kürze wegen

„Spielgruppe 63“. Und sozusagen obendrauf

gab man sich auch noch einen organisatorischen,

vereinsmäßigen Halt. Ein Spielleiter mit

Assistent, ein Schriftführer, 8 Beiräte und ein

Vereinsdiener bildeten die Führungscrew. Und

um dem Schlendrian vorzubeugen, wurde

unter Strafandrohung Disziplin eingefordert. So

abgefedert gerieten große, nein sehr große

Ziele ins Visier. Und ganz wichtig: losgelöst von

Abhängigkeiten, also alles auf eigene Faust

und Verantwortung. Der Spielleiter, ein Fan

„Der Bandit von Venedig“ als letztes

historisches Spektakel markierte

den Wendepunkt in der Stückauswahl,

hin zu Komödien und bekannten

Schauspielen, aber auch zeitkritischen

kleineren Stücken.


Die Idee

setzt sich durch!

historischer Epen und von „Sandalenfilmen“,

gab die Richtung vor. „Hasso, der Rebell“ hieß

schließlich das monströse Werk. Das bedeutete:

viele Mitspieler, Statisten, Helfer und „viel“ Technik,

mit noch mehr historischen Kostümen, dafür

aber, der Kosten wegen, weniger aufwändigen

Kulissen. Ohne Vorkenntnisse, geschweige

denn Erfahrung, wurde ein Stück auf die große

Bühne der Dielheimer Mehrzweckhalle gestellt,

das von der Saalmiete bis zur letzten Requisite

eigenverantwortlich über die Bühne ging und,

man höre und staune, die Besucher in seinen

Bann zog. Schnell wurde der Ruf: „mehr davon“

unüberhörbar. Was jetzt folgte, ist für dörfliche

Verhältnisse phänomenal: Ein noch aufwändigeres

Stück sollte es nun sein. Mit „Schinderhannes“

von Fritz Kanders, so die Idee,

sollte der Durchbruch gelingen. Das Ansinnen

gestaltete sich äußerst schwierig, denn die Verbindungen

zur Pfarrgemeinde und den Spielmöglichkeiten

dort mussten aus wirtschaftlichen

Gründen beibehalten werden. Das bedeutete:

zweigleisig fahren - das große Stück in der

Mehrzweckhalle und die kleineren Stücke im

Pfarrsaal. Dass dabei die sogenannten kleinen

Stücke oft abendfüllende Wald- und Forststücke

waren, machte die Sache nicht einfacher.

Mit jugendlichem Elan und einer mittlerweile

„stattlichen“ Anzahl an Bühnenpersonal und

Mitgliedern sollte alles gelingen. Und es gelang.

Kurz gesagt: Die historische Handlung um

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den Räuberhauptmann „Schinderhannes“, sehr

direkt und inklusive Enthauptung auf offener

Bühne dargestellt und in den Pausen mit Blasmusik

verziert, übertraf alle Erwartungen. Mehr

als 600 Zuschauer wollten die Premiere sehen:

Die eilends herbeigeschafften Stühle reichten

bei weitem nicht aus. „Schinderhannes“ wurde

zum Dorfgespräch und auch die Zeitungen

würdigten die Leistung der „Newcomer“. Die

Erfolge der „Spielgruppe“, wie das Theater im

Bahnhof oft noch heute in der Bevölkerung genannt

wird, hatten damit einen Status erreicht,

der es erforderlich machte, Flagge zu zeigen.

Immer öfter sah man deshalb die Theaterleute

bei Umzügen oder Veranstaltungen der Gemeinde.

Die öffentliche Präsenz führte zu einem

Mitgliederzuwachs. Der ermöglichte es „locker“,

zwei Spielorte zu bedienen: Im Pfarrsaal wurden

die noch immer herzzereißenden Stücke

gespielt, und zu Pf. Walters Geburtstag durfte

es auch mal was Christliches sein. Und in der

Schnell zeigte die „Spielgruppe 63“ öffentliche

Präsenz durch Teilnahme an örtlichen

Festen. Auch für die Mitglieder gab es intern

Veranstaltungen wie Ausflüge und Partys.

Bei den jährlichen Hauptaufführungen im

Spätherbst reihte sich von nun an Komödie

an Komödie. Szenen aus „Kirsch und Kern“

links oben, „Mein Mann der Dieb“ rechts,

„Zirkus“ unten und unten rechts das Ensemble

von „Der kerngesunde Kranke“.

Mehrzweckhalle gingen die historischen Stücke

wie „Der Bandit von Venedig“, über die Bühne;

Stücke, die den guten Ruf der Theatermacher

festigten. Nach innen gelang es überraschend

gut, trotz der vielen Arbeitseinsätze, die Mitglieder

bei Laune zu halten. Schließlich waren alle

noch jung, und zu feiern verstand man, ohne

dafür proben zu müssen. Ausflüge, Grill-, Silvester-

und unzählige andere Partys, aber auch

die „Tourneeeinsätze“ festigten den Zusammenhalt.

Und wo es nichts zu feiern gab, wurde

ein Grund erfunden. Die sogenannte „Blinde

Kindstaufe“ war ein geflügeltes Wort, um eine

feierarme Zeit zu überbrücken - ein Fest ohne

Kind, aber mit Feier. Das alles waren Maßnahmen,

die dazu dienten, den Spaß hochzuhalten.

Und wenn Sie jetzt fragen, ja, aber woher

wusste die „Spielgruppe 63“, wie „Theater

geht“? Das ist eine gute Frage, und auf diese

gibt es eine gute Antwort - im nächsten Kapitel.


Unser Theaterhaus, unsere Spielstätten

„Die Besucher des großen Hauses werden gebeten, ihre Plätze einzunehmen!“ Wer kennt diese

Ansage nicht? In ganz großen Musentempeln üblich, doch in Dielheim nicht. Der Grund liegt nicht

am fehlenden „Großen Haus“, sondern ist bautechnisch bedingt: Die Spielstätten für das Theater

im Bahnhof haben getrennte Dächer. Und das ist gut so. Denn zwei Theaterhäuser könnten wir uns

wirklich nicht leisten. Was wir aber können, ist: auf beide zurückgreifen. Und das tun wir regelmäßig,

je nach Anforderung oder besser gesagt, je nach Jahreszeit:

Meist im Herbst auf das „Großes Haus“, die

Kulturhalle in Dielheim, und in der übrigen Zeit

auf unser „Schmuckkästchen“, das Theater im

Bahnhof. Der Name ist hier Programm, oder wie

es der römische Komödiendichter Plautus (um

250–184 v. Chr.) ausgedrückt hat: Nomen est

omen! Und das, obgleich er unser Theaterhaus

noch gar nicht kannte. Aber sicher hätte er die

gleiche Freude daran gehabt wie wir. Womit

auch fast bewiesen wäre, dass es diesen Zustand

lange Zeit nicht gab und er hart erarbeitet

werden musste. Zunächst auch, je nach Blickwinkel,

gegen etablierte Kulturträger oder ältere

Rechte am Kulturleben. Dass dabei zum Zwecke

der Schlichtung auch mal Anwälte beauftragt

werden mussten, zeugt vom „Kampf“ der jungen

Ideen gegen tradierte Rechte. Heute ist ein gutes

Miteinander gegeben und es kann den Besuchern,

aufgrund der beiden Häuser, ein breites

Spektrum an Stücken und Veranstaltungen angeboten

werden. Das ist nicht selbstverständlich.

Deshalb geht ein großes Dankeschön an die

Gemeinde Dielheim, die uns die Kulturhalle nun

schon seit mehreren Jahrzehnten zur geflissentlichen

Nutzung und zur Erbauung und Freude

der Zuschauer überlässt. Danke.

Unsere Spielstätten Links unser

Schmuckstück und ganzer Stolz, das

Theater im Bahnhof in der Bahnhofstraße,

und unten das „Große Haus“, die Dielheimer

Kulturhalle in der Pestalozzistr. 11

30


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[ ]

Die

Etablierung


Die Etablierung

Suche nach Raum. Engagements und Erweiterungen.

Feste, Bälle, Open Air. Aus der Backstube zu größeren „Brötchen“.

Vom Spieltrieb zum Spielbetrieb.

Zukunft?

ja bitte!

Mut bestimmte die ersten Jahre

der wild entschlossenen

Theatermacher“. Vielleicht

war es auch einfach der unbekümmerte,

jugendliche Drang, etwas „Großes“

schaffen zu wollen. Wie dem auch sei,

die Fakten sprachen für die junge Truppe,

denn der Erfolg beim Publikum war

gegeben. Das ist bemerkenswert, waren

doch die Voraussetzungen äußest dürftig:

Geprobt wurde in Wohnstuben und

Wirtshäusern, und Proben auf der Bühne

waren erst eine Woche vor den Aufführungen

möglich, da andere Vereine

die Halle ebenfalls nutzten. Noch in der

Nacht der Premiere musste abgebaut

und am nächsten Tag die Halle gereinigt

werden, um sie für den Schulsport

freizugeben. Das hatte einmal sogar

unerfreuliche Konsequenzen: Wenige

Tage vor der Premiere fand das entsetzte

Theatervölkchen seine fertigen Kulissen,

zerstört durch Wind und Wetter, im Freien

liegend vor. Sie wurden als gefährlich

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für Kinder eingestuft und kurzerhand ins Freie

befördert. Die Antwort darauf war ein offener

Brief in Form eines Flugblattes, der Ärger und

eine Gerichtsverhandlung einbrachte. Dessen

ungeachtet ging der Spielbetrieb weiter: Immer

mehr gab es „Tourneen“ mit Stücken, wie der

„Meisterlügner“, die zunächst im Pfarrsaal

Premiere feierten, und im Spätherbst gab man

ein aufwändiges Stück auf der großen Bühne

der heutigen Kulturhalle. Der Erfolg war schwer

erkauft: ohne Raum zum Proben, auch nicht

für den Bau und die Lagerung der Kulissen. In

allen Sälen herrschte „Bauverbot“, und nicht

der kleinste Nagel durfte in den Bühnenboden

versenkt werden. Es brauchte Erfindergeist und

Glück, denn dieser Zustand gefährdete das

Theaterprojekt. Das Glück kam

in Gestalt einer kleinen ehemaligen

Bäckerei und wurde

beim Schopf gepackt: Besichtigen,

Pläne schmieden, Preis

verhandeln, zuschlagen. In

dieser Reihenfolge kam man

zum ersehnten Clubraum und

einer Scheune als Lager. Die

Freude war groß und legte

sich schnell: Der riesige Backofen

störte und musste raus.

Überlegungen halfen nichts;

Muskelkraft war angesagt. Das so heimelig

aussehende Teil mit seiner riesigen Brotluke

erwies sich als hartnäckiges Unikum. Viel

Schweiß, gepaart mit einem unbeugsamen

Willen, zwangen den Backofen raus und einen

ansehlichen Clubraum rein. Diese Maßnahme

wirke sich strukturell und personell positiv aus:

Zu der inzwischen zum e.V. mutierten „Spielgruppe

63“ stießen immer mehr Mitglieder,

was hochfliegenden Plänen Auftrieb verlieh.

So gerüstet, wurden jetzt ganz große „Brötchen“

gebacken: gesprochener Text allein

auf der Bühne genügte plötzlich nicht mehr,

jetzt sollten es auch Lieder sein. Das Musical

„Halleluja Billy“, bescheiden als „Songstück“

angekündigt, entsprach den Vorstellungen und

geriet unversehens zum „Gesellenstück“ oder,

besser gesagt, zum Start in eine Ära, die bis

heute in ihren Grundzügen noch besteht. Den

über 40 Mitwirkenden gelang es spielend,

singend und tanzend und unterstützt von der

6 Mann starken Band „Blue Dominos“, die

Herzen der Zuschauer zu erobern. Obgleich

bei den Vorbereitungen wegen der Dimensionen

fast gescheitert, wurde mit „Halleluja Billy“

ein Meilenstein gesetzt. Eine Einladung zu den

Deutsch-Französischen-Theatertagen in Barle-Duc

(Frankreich) war die Folge. Auch dort

erregte die Inszenierung Aufsehen und

Plakat und Szenenbilder aus Halleluja Billy, 1973

wurde mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Ereignisreiche Tage und eine kleine Tournee

schlossen sich an. Im Rückblick lässt sich

feststellen, das Stück war ein Kraftakt in allen

Bereichen und brachte die Mitwirkenden an

die Grenze des Machbaren, auf der Bühne

und in der Organisation. Gleichzeitig wurde

ein deutliches Zeichen gesetzt, nach innen wie

nach außen; nach innen, weil es gelang, auch

mit Hilfe von Fachkräften in der Choreografie

und der Musik die eigenen Grenzen weit

hinauszuschieben; und nach außen, weil die


Bereits ab 1971 kamen kleine Theaterformen auf die Dielheimer Bühne. Oben „Dunkelrote Rosen“

eine Persiflage. Mitte „Der Lügner“, „Die Mauer“ und unten „Picknick im Felde“.

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vermeintliche „Schnapsidee“ einiger Jugendlicher

den Kritikern offensichtlich Respekt und

Achtung abnötigte. Der junge Verein begann,

so etwas wie einen Spielplan aufzulegen. Der

wurde nach außen nicht kommentiert, aber

nach innen mit einem klaren Konzept verwirklicht.

Hilfe von außen wurde nicht nur zugelassen,

sondern bewusst gesucht. Schulungen,

Workshops, Seminare im ganzen Spektrum

der Theaterarbeit wurden intensiviert und die

Begegnung mit Gleichgesinnten und anderen

Amateutheatern ausgebaut. Begleitet wurden

diese Ideen durch Hans Bernhard, dem Leiter

der Spielberatung Baden-Württemberg. Er

brachte, durch intensiven Austausch mit der

Führungscrew, die junge Truppe behutsam auf

einen Weg, der noch heute nachwirkt. Besuche

von Spieltagen, Amateurtheaterfestivals,

aber auch Besuche bei befreundeten Theatern

setzten eine tiefgreifende Entwicklung in

Gang: Man begann, die eigene Arbeit kritisch

zu hinterfragen. Die Ergebnisse dieser Reflektion

zeigten sich bald in einem veränderten

Spielplan. Herz-Schmerz-Stücke wurden

ersetzt durch zeitgemäßere Literatur,

ohne das Publikum vor den Kopf zu

stoßen. Und der „alte Zopf“ Laienspiel

war eigentlich schon durch „Halleluja

Billy“ abgeschnitten worden. Um das Publikum

nicht zu vergraulen, wurde das Projekt „Gutes

Amateurtheater“ bedächtig, aber zielgerichtet

angegangen. Der Spielleitung kam dabei eine

große Bedeutung zu. Die damaligen Spielleiter

hatten rasch erkannt, auf was es ankommt und

gingen, auch in Sachen Ausbildung und im

Lernen mit „Augen und Ohren“, vorneweg. Folgerichtig

entwickelte sich der Spielplan schnell

weiter, und man begann, organisatorisch und

technisch aufzurüsten. Werbung, Öffentlichkeitsarbeit,

Technik, Maske, Bühnenbau bis hin zur

Vorstandschaft erlebten Veränderungen, die

alle das gleiche Ziel hatten: besser zu werden.

Die Kommunikation über die wenigen Medien

wurde prägnanter, galt es doch, das veränderte

Profil deutlich zu machen: Im Frühjahr wurde

versucht, kleinere Produktionen kabarettistischer-

und kleinkünstlerischer Natur sowie Kammerstücke

zu etablieren; wohlwissend, damit

nur ein kleines Publikum zu erreichen; gedacht

als „Fingerübungen“ für alle, aber auch für

die im Spätjahr nicht zum Zuge gekommenen

SpielerInnen. Und im Spätherbst sollte eine

„große“ Aufführung folgen, die aus zeitgenössischen

Stücken, Klassikern oder „gehobenen“

Komödien besteht. Und so kam es auch, bis

auf ganz wenige Ausnahmen. Stücke, wie

John Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“,

Alfonso Pasos „Lasst uns Lügen erzählen“ oder

auch „Arsen und Spitzehäubchen“ von Josef

Kesselring standen auf dem Spielplan. Stücke

die echte „Knaller“ wurden, waren nicht selten.

„Spiel‘s nochmal Sam“ von Woddy Allen oder

Dario Fo‘s „Zufälliger Tod eines Anarchisten“

zählen dazu. (Eine komplette Auflistung finden

Sie in diesem Heft) Vergessen sei auch nicht

Volles Programm?

Aber hall0!

die kleine Theaterform, die vielen Einakter von

Kishon bis Valentin, von Cocteau bis Arrabal,

oder das absurde „Taschentheater“; immer

fand die „Spielgruppe 63“ ihr Publikum. Viel

Mut zum Risiko bedurfte es Kleinkunstfestivals

mit einem Non-Stop-Tagesprogramm unter

freiem Himmel auf die Beine zu stellen. Jazzer,

Liedermacher, Gaukler, Sängerinnen und

die Sketche der Gastgeber standen auf dem

Programm. Der Kultur im ländlichen Raum

zuliebe war es bereits ein Erfolg, wenn Einnahmen

und Ausgaben sich ausglichen. Und wenn

sich „Miese“ einstellten, schaute man darüber

hinweg, weil der Bekanntheitsgrad durch diese


Aktivität geradzu nach oben schoss. Kein Wunder,

denn im Rundfunk wurden Durchsagen

und Interviews gesendet, und überregionale

Zeitungen berichteten darüber. Bei so viel

künstlerischem und organisatorischem Aufwand

für Aufführungen und Veranstaltungen

stellt sich natürlich die Frage: Wer zahlte das

alles? Klar, die Spielgruppe! - und zwar mit

jenem Geld, das anderswo eingespielt wurde.

Alle waren jung und wussten deshalb genau,

was die jungen Leute suchten - und lieferten,

was fehlte: Musik, Tanz, Spaß! Mittlerweile

auch imTheatergeschäft“ zur Erkenntnis

gelangt: „Qualität bringt‘s“, entschied man sich

beim musikalischen Personal auf der Showbühne

bewusst immer für die zwar Teureren, dafür

aber Besten ihres Faches. Und das funktionierte

hervorragend. Die ersten Versuche mit dieser

Unterhaltungsform firmierten noch als „Tanz in

den Mai“ oder „Frühlingsball“, doch bald stiegen

die ersten richtig großen Faschingsbälle,

ausgestattet mit zugkräftigem Motto, angereichert

mit Showelementen und prächtiger,

auf das jeweilige Motto

abgestimmter Saaldeko,

in den närrischen Himmel.

Sie „trafen ins Schwarze“,

und Erfolg reihte sich an

Erfolg. Mehr als anderthalb

Jahrzehnte bildeten die

begeistert gefeierten Faschingsbälle das monetäre

Polster für große Pläne. Der Einsatz auf der

Theaterbühne litt nicht darunter, im Gegenteil.

Das spielerische Vermögen wurde gesteigert,

auch mit willkommener Hilfe von Seiten des

BDAT (Bundesverbandes deutscher Amateurtheaters),

des LABW (Landesverband Amateurtheater

Baden-Württemberg) und der Theater-

und Spielberatung Baden-Württemberg in

Heidelberg. Zu allen Institutionen wurden und

werden bis heute, über die normale Verbundenheit

hinaus, freudschaftliche Beziehungen

gepflegt. Die anfängliche Skepsis

Theater

im Bahnhof!

Wie bitte?

in der Bevölkerung und der Gemeindeverwaltung

gegenüber den „jungen Leuten“ wich

langsam, aber sicher einer „kontrollierten“ Achtung.

Mit der wachsenden Leistungfähigkeit kamen

Aufführungen auf die Bühne, die aufhorchen

ließen. Die Erfolge bei Spielbegegnungen

und die Ausrichtung der Deutsch-Französischen

Theatertage und die mehrmalige Ausrichtung

der Kraichgauer Theatertage förderten ihrerseits

den guten Ruf der Dielheimer Theaterfreunde.

Die heraufbrechenden gesellschaftlichen

Veränderungen zeigten im Theaterbetrieb

früh Wirkung. Die Macher

der „Spielgruppe 63“ hatten

Familie und berufliche

Aufgaben, die zwangsläufig

das Engagement

einschränkten. Und ganz

junge Leute stießen kaum

dazu. Trotzdem gelang es immer wieder bei

den Aufführungen, die Lücken zu „stopfen“

mit SpielerInnen, die erstaunlich schnell in das

Ensemble integriert wurden. Klar, gab es auch

oft nur kurzfristige Einsätze. Doch über die

Jahre gesehen, war das Glück, MitmacherInnen

zu finden, bis zum heutigen Tag erstaunlich

oft präsent. An Tourneeeinsätze war nicht

mehr zu denken, und die finanzielle Quelle

„Fasching“ wurde beendet, ehe sie versiegte.

Die Veränderungen im gesellschaftlichen

Umfeld wurden zwar früh erkannt, aber etwas

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unterschätzt, noch lief ja alles „richtig“ und gut;

wenn auch mit sehr viel Aufwand verbunden.

Das führte etwas später bei den „Motoren“

der Gruppe zu ernsten Überlegungen und

gewagten Ideen: Den Veränderungen sollte

mit einer „großen Sache“ begegnet werden.

Ein eigenes Haus sollte es sein, denn die

Zustände in der „Backstube“ waren durch Lage

und Räumlichkeiten schlicht nicht mehr hinzunehmen.

Jetzt wurde gesucht, gefunden und

meist wegen Unbezahlbarkeit verworfen. Die

gesellschaftlichen Veränderungen bewirkten

aber auch, dass die durch Dielheim führende

Nebenbahnstrecke und damit auch das kleine

Bahnhofgebäude aufs „Abstellgleis“ musste. Als

noch niemand ahnte, wie es mit dem Gebäude

und dem Gelände weitergehen würde,

spielten die Theaterleute auf volles Risiko. Sie

mieteten, unter den mitleidig-fragenden Blicken

der Betreiberin SWEG, kurzerhand das äußerst

marode Bahnhofgebäude an. Die nach außen

nicht geäußerten Pläne sahen eine „Instand-

Besetzung“ mit einer Totalrenovierung innen

vor - aus eigener Kraft und auf eigene Kosten,

versteht sich. Weiter sollten eine rasche „kulturelle

Belebung“ durch kleine Veranstaltungen, ein

politsches Engagement in Sachen Vorplatz und,

wie so oft, auch Allianzen für die gute Idee

gebildet werden - denn auch die Nachbarn

waren nicht gerade entzückt. Das Gebäude,

im miserablen Zustand aber in der Phantasie

der Mieter einem Palast nicht unähnlich und

in der Raumaufteilung ideal, wurde postwendend

auf „Erhaltungswürdigkeit“ getrimmt. Das

Kalkül war: „Wenn alles ganz toll aussieht, wird

man uns schon nicht rausschmeißen, wenn das

Gebäude an die Gemeinde verkauft wird“.

Deshalb wurden rasch und schweißtreibend

Kabel, sanitäre Anlagen, Treppen und Raumaufteilung

unter den kritischen Augen des

natürlich hauseigenen Architekten verlegt und

angepasst. Das Ergebnis kann sich noch heute

sehen lassen. Noch während der Arbeiten

ging man den politischen Teil an, denn die

Alternativen für das Areal lauteten: Abriss und

Wohngebiet oder Sanierung und Parkanlage.

Kaum fertig, lud man die Gemeinderäte zu

Kleinkust in den nun innen sehr schmucken

Bahnhof ein und natürlich auch zu Verhandlungen.

Um es kurz zu machen: Mit viel Glück,

Arbeit und Menschen, die für einen Park um

den Bahnhof Partei ergriffen, wurde schließlich

das fast Unmögliche geschafft - dank vieler

...und es

bewegt sich

doch!

Mitbürger und der Gemeinde Dielheim gab

es nun ein ausreichend großes „Clubhaus“

für.. na, was wohl? - Das „Theater im Bahnhof“.

Die immer mal wieder laut gewordenen Rufe

nach einem neuen Namen, der zum theatralen

Tun passt, konnte mit dem „neuen Haus“,

recht schnell erhört werden. Den alten Namen

gab es nur noch kurze Zeit als Anhängsel

zum neuen Namen - Theater im Bahnhof. Im

Nachhinein kann festgestellt werden, mit den

neuen Möglichkeiten begann auch eine neue

Zeit. Alles war jetzt da, Club- und Proberaum,

Kulissenlager, eine kleine Werkstatt und Platz

im Keller und unterm Dach für den Fundus. Die

Außenanlagen wurden von der Gemeinde

als Park angelegt und das Bahnhofsgebäude

fachgerecht renoviert und unter Denkmalschutz

gestellt - ein existenzieller Meilenstein, ohne

den es das Theater im Bahnhof wahrscheinlich

nicht mehr gäbe...

Bild links oben,

symbolische Schlüsselübergabe

für das neue Theaterhaus 2003.


Theater braucht Besucher. Eine Binsenweisheit, auch für uns als Amateurtheater. Schon kurz nach der

Gründung haben wir deshalb entschlossen gehandelt. Zunächst kamen wir zum Publikum, indem

wir für andere Vereine spielten. Eine gute Idee. Doch wir wollten unabhängig sein. Auf die Frage, wie

fülle ich einen Saal mit Zuschauern, gaben wir uns eine einfache Antwort: Spiele ein volksnahes Stück

und erzähle es vielen Menschen, und es wird gut werden. Und das tat es auch. Ganz so, wie es bei

exotischen Neuheiten üblich ist. Im Grunde hat sich daran bis auf den heutigen Tag wenig geändert.

Gut, wir sind mit unseren Fünfzig nicht mehr

taufrisch und kaum mehr exotisch. Auch hat

sich das gesellschaftliche Umfeld total verändert,

und damit auch die Wahl der kommunikativen

„Waffen“. Uns war früh bewusst, dass

wir uns auf die gepflegte Mundwerbung nicht

mehr verlassen konnten. Zu einflussreich waren

schnell die flimmernden, musikalischen und

sonstigen Konkurrenten geworden. Öffentlichkeitsarbeit

hieß das Zauberwort welches nun,

neben der jetzt „gehaltvollen Inszenierung“, alles

richten musste. Lehrgänge wurden besucht

und ein eigenes „Amt“ mit Namen „WerbÖff“

(Werbung und Öffentlichkeitsarbeit) dem Vorstand

angegliedert. Ein wichtiger Schritt, der

heute als unverzichtbar gilt und seiner Zeit

voraus war. Noch immer erzählen wir den

Menschen draußen, was wir tun, was sie erwartet

und wer wir sind. Die verbale Kommunikation

ist dabei nur noch ein winziger Teil.

Von Artikeln, Heften, Plakaten und dem Web

Denn heute bestimmen kommunikative Medien

unser Bild in der Öffentlichkeit. Die Klassiker Plakat

und Programmheft, mit viel Liebe gemacht

und auf das Stück abgestimmt, haben noch immer

hohen Stellenwert. Regelmäßige Berichte

und Ankündigungen in der Presse, oft mit unserem

Logo, sind selbstverständlich geworden.

Und bei den Online-Medien, wie das Internet,

gehörten wir ebenfalls zu den ersten Vereinen in

Dielheim, die dessen Notwendigkeit erkannten

und darüber nach außen und innen kommunizierten.

Aktuelles, Hintergrundinfos und Bilder

stehen hier kurzfristig bereit. Wir investieren in

das Aussehen unserer Website (schon 3x überarbeitet)

genauso wie in Dienste, die den Aufenthalt

auf unserer Site angenehmer machen

und den Nutzern helfen, schnell zur gesuchten

Info zu gelangen. Und es geht weiter. Karten-

und andere Services sind angesagt. Damit Sie

wissen, was wir meinen: Einfach nachschauen

oder auf unseren Seiten schmökern. Und zwar

hier: www.theaterimbahnhof.com

Plakat, Website, Presseartikel Grundlage

der Kommunikation mit unserem Publikum. Dazu

gehören auch unsere Artikel in der Presse, damit unsere

Besucher immer wissen, was läuft.

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39

[ ]

Heute


Neuzeit Wie, was, wo und wie.

Alt und Jung im Tandem. Spielplan, und dann?

Quo vadis, Theater im Bahnhof?

A

lter Bahnhof - neue Möglichkeiten! So

könnte man, zugegeben etwas

gerafft, die heraufbrechende „neue

Zeit“ für das Theater im Bahnhof bezeichnen.

Gesellschaftliche Veränderungen hielten in

immer stärkerem Maße in der Gruppe und

auch im nun nicht mehr ganz so beschaulichen

Dielheim Einzug.

Tradierte und

liebgewonnene

Veranstaltungen

„zogen“ nicht mehr.

Tanzveranstaltungen

mit Livemusik

wurden von

Diskotheken

abgelöst, und auch

diese bekamen

relativ schnell das Etikett „out“. Die Macher der

ehemaligen „Spielgruppe“ kamen ins „gesetzte“

Alter und Familie und Beruf forderten ihren

Tribut. Noch wurden Hochzeiten und andere

Feste im Theaterkreis „würdig“ begangen, doch

immer schneller wurde klar: Der Vereinsbetrieb

im herkömmlichen Stil lässt sich nicht mehr

halten. Tourneen waren schon längere Zeit auf

Grund des Verschwindens der „Winterfeiern“

und aus Mangel an Helfern obsolet geworden.

Zu aufwändig gerieten die Vor- und Nacharbeiten.

Spielstätten, wie den Pfarrsaal, hat man

einer anderen Bestimmung zugeführt, und die

Kleinkunstfestivals wurden noch rechtzeitig vor

den roten Zahlen aus dem Programm genommen.

Neue Ideen waren also gefragt. Und was

lag näher, als den neuen Namen „Theater im

Bahnhof“ mit Leben zu füllen und den Bahnhof

zum Mittelpunkt zu machen? Schnell gab es

erste zaghafte

Versuche: Der

Spielplan

Wirtschaft.

ehemalige

Schalterraum mit

seinem originellen

Schild: „Bitte nicht

auf den Boden

spucken“ wurde

kurzerhand zur

Kabarettbühne

umfunktioniert und

erfolgreich bespielt. Viele Honoratioren und

„Multiplikatoren“ wurden dazu eingeladen.

Denn es galt zu zeigen, was geschaffen wurde:

ein ordentliches Haus mit vielen Möglichkeiten.

Doch das Wichtigste war, das Haus ermöglichte

das Proben ohne Hinternisse. Das wiederum

begünstigte die Qualität der Aufführungen.

Produktionen, wie „Der zufällige Tod eines

Anarchisten“ von Dario Fo, um nur ein Stück

herauszugreifen, wurden möglich; ein Stück,

das auch auf Spieltagen und einer Profibühne

in Heidelberg gespielt wurde. Die neue

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Ausrichtung zeigte sich bald auch im weiteren

Veranstaltungkalender: „Die Sommernacht am

Bahnhof“, als „Volksfest“ mit Musik, Feuerwerk

und Kleinkunst rund um den Bahnhof inszeniert,

ersetzte die bisherigen Großveranstaltungen

und wurde über viele Jahre zur einträglichen

„Cash-Cow“. Durch die vielen kleinen und

großen Erfolge ermuntert, stießen die Überlegungen

einiger kreativer „Theater-Funktionäre“

rasch in neue Dimensionen vor. Vielleicht war

es schlichte Weitsicht oder einfach das Gespür,

die Zeichen der Zeit zu erkennen und den

kommenden, sehr tief gehenden Veränderungen

in Gesellschaft und Arbeitswelt zuvorzukommen.

Vielleicht war es aber auch schlicht

die Liebe zu den „Brettern“ und zum Verein.

Wahrscheinlich war es von beidem etwas, das

die Überlegung reifen ließ: Wie wäre es, ein

eigenes, „richtiges“ Theaterhaus zu haben? Die

Idee erschien zu verwegen und die Ablehnung

folgte auf dem Fuße. Noch mehr Arbeit wurde

befürchtet. Selbst der vom Hausarchitekten

entworfene, etwas kühne, aber durchaus

realistische Entwurf eines Theateranbaus

mitsamt der Versicherung, hierin liege die

Zukunft und keineswegs ein mehr an Arbeit,

sondern eher das Gegenteil; auch die besten

Argumente konnten die ablehnende Haltung

nicht auflösen. Doch, wie die Erfahrung zeigt,

brauchen gute Ideen ihre passende Zeit. Eine

wichtige Änderung für die Theaterleute ergab

sich dafür anderenorts: Die Dielheimer „Sport-

u. Kulturhalle“ mutierte sehr zur Freude der

kulturtragenden Vereine in Dielheim zur reinen

Kulturhalle. Das eröffnete mehr Spielraum und

die Aussicht, stressfreier proben zu können. Im

Bahnhof stand inzwischen Kleinkunst auf dem

Programm, von der Jazz-Matinee bis hin zu

literarischem Kabarett. Auch Theatergästen aus

dem fernen Norwegen bot man ein Forum mit

der Aufführung „Lofoten-Walzer“. Eine weitere

Neuerung stach dabei besonders ins Auge:

Lasst uns Lügen erzählen - 1984

Hier sind sie richtig - 1991

Arsen und Spitzenhäubchen - 1988

Kinder und Jugendliche, vor allem die eigenen,

wollten und sollten ebenfalls Theater spielen.

War das der Beginn einer heraufdämmernden

„Ära der Jungen“? Fest steht, es war der Beginn

der Spiel-Planwirtschaft. Ab sofort musste

abgestimmt geplant werden - eine gute

Vorübung für das Kommende. Mit den jungen

Leuten vor Augen setzte sich zeitgleich bei den

Machern und einem Teil der Mitglieder eine


Erkenntnis durch: Wir sind in die Jahre gekommen.

Welche Jahre mit „die“ gemeint sind,

konnten die Verantwortlichen im Rückblick

erkennen: Zwischen dem eigenen Lebensalter

und den jungen Leuten klaffte eine „Generationen-Lücke“.

Der Rückblick wirkte, da gewissenhaft

ausgeführt, erhellend. Wichtig ist dann,

dass daraus die richtigen Schlüsse gezogen

werden. Doch diese zogen sich zunächst etwas

hin, bis der gefallene

Groschen das Resultat

freigab: „Uns fehlen junge

Menschen, und das darf

nicht so bleiben“. Es war

nicht so, dass generell MitspielerInnen bei den

Stücken fehlten. Nein, die wurden überraschenderweise

und mit sehr viel Glück immer wieder

gefunden und mal mehr oder weniger, auf

lange Sicht gesehen, erfolgreich intergriert.

Nein, was fehlte, war eine ganze Generation

fast überall im Verein. Von „Überalterung“

konnte guten Gewissens noch nicht gesprochen

werden, doch die Frage nagte immer

deutlicher. „Was kommt eigentlich nach uns?“

Ein gutmeinendes Echo antwortete: “Nichts“.

Die gute Absicht hinter dem „Nichts“ erkannten

die Macher und machten sich auf den Weg,

das zu ändern. Ähnlich der Bibel, die da sagt:

„Wer klopfet, dem wird aufgetan.“, klopften die

Macher bei ihren kulturellen Freunden der

Musikschule Horrenberg-Dielheim an. Aufgetan

Alles Jugend,

oder was?

wurde die Tür und kurze Zeit später auch eine

geniale Idee. Die Idee wurde nicht auf die

lange Bank geschoben - sie wurde umgesetzt

und gipfelte in der Zusammenarbeit der

Musikschule Horrenberg-Dielheim und dem

Theater im Bahnhof in Sachen Jugendarbeit.

Über die musischen Sparten hinweg sind bis

heute bei der Musikschule ausgebildete

Theaterpädagogen und -innen angestellt, die

mit Kindern und Jugendli-

chen, in Gruppen

eingeteilt, arbeiten. Das

Theater im Bahnhof zahlt

für die Ausbilder bei der

Musikschule, stellt seine Infrastruktur, wie

Bühnen, Technik und Fundus samt Betreuung

und vieles mehr zur Verfügung und erhebt bei

den Eltern der KInder einen geringen Mitgliedsbeitrag.

Die Kinder und Jugendlichen

werden also vom Theater im Bahnhof subventioniert.

Diese geniale Idee zeigte bald Früchte.

Ohne jegliche Übertreibung lässt sich feststellen:

Die Ausbildung ist sehr erfolgreich. Angeleitet

durch die Fachkräfte zeigte sich früh, was

bei guter Ausbildung machbar ist, nämlich

herausragendes Amateurtheater. Die vielen

guten Aufführungen, vom liederlich, literarischen

Jugendkabarett „Liebe in jeder Beziehung“

über die wundervollen Aufführungen

von „Der kleine Prinz“ über „Warten auf Godot“

bis hin zu der aktuellen Kinder-für-Kinder-

Links: „Der zufällige

Tod eines

Anarchisten“,

1984, erregte

Aufsehen und

wurde auf Spieltagen

und auch

mehrere male

auf einer Profibühne

gespielt.

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43

Lauf doch nicht immer weg -1986

Literarisches Kabarett - 1985

Die beiden untersten

Bilder:

„Antigone“,

wurde 1985 auch

auf einer kleinen

Tournee in den

Gymnasien

der Umgebung

gespielt.

Haus mit „Maschimaschine“ weiter. Ein

volles Haus erwartete die übrigens über


Produktion „Urmel aus dem Eis“; immer äußerst

sehenwert, immer Aufführungen, die ihresgleichen

suchen. Doch bis zu den heutigen

angesehenen Produktionen bei den Erwachsenen

wie auch Kindern und Jugendlichen war

noch viel Arbeit und Schweiß angesagt. Die

ersten Aufführungen im Bahnhof fanden im

Probenraum und sogar im umgebauten

Clubraum statt; gut besucht, aber so nicht auf

Dauer zu halten: zu eng,

feuerpolizeilich problematisch

und für die

SchauspielerInnen und

Helfer mit unzumutbarem

Aufwand verknüpft. Der Probenraum, schon

einmal Ausgangspunkt hochfliegender Pläne,

geriet, nachdem der Ernst der Lage zum Thema

wurde, erneut in den Fokus. Für die vor einigen

Jahren gereifte Idee, ein kleines Theater

anzubauen, war unversehens die Zeit gekommen.

Erste Überlegungen führten zu Plänen,

die zunächst noch kritisch beäugt wurden. Die

alten Argumente aber griffen nicht mehr so

richtig. Lag den Mitgliedern das Theaterspielen

am Herzen, mussten sie handeln. Die Überzeugungsarbeit

gestaltete sich äußerst mühsam.

Doch wer Überzeugen will, muss im Herzen

brennen und einen langen Atem haben. Und

es gab Mitglieder und Multiplikatoren, die

genau dieses hatten. Kleine Allianzen halfen

Karate Billy kehrt zurück - 1994

Rentnerband,

oder wie?

auch, und schließlich war sogar der kontrovers

diskutierte Finanzierungplan unter Dach und

Fach und die Baupläne für das eigene Haus,

badisch korrekt, auf das „Machbare“ geschrumpft.

Macht nichts, was einmal gebaut ist,

kann angepasst werden. Die „Aborigines“ in

der Führungcrew hatten das Feuer weitergetragen

- und schließlich brannte es mal mehr oder

weniger hell - aber es brannte. Harte Arbeit

war nun angesagt, auch

zu ungewöhnlicher Zeit

für Berufstätige. Denn der

Finanzierungsplan, sehr

freundlich unterstützt von

der Gemeinde Dielheim, dem Land Baden-

Württemberg über den Landesverband

Amateutheater Baden-Württemberg, sah

schweißtreibende Eigeninititve vor. In Sonderschichten

und mit Hilfe der Bauleute und

unserem leitenden Architekten gelang das

Werk. Korrekt denkmalschützerisch angebaut

an den Bahnhof, stand es nun stolz vor seinen

Erbauern: Knapp über hundert Sitzplätze, ein

Balkon für die Technik und als Bühne der

ehemalige Schalterraum bzw. Probenraum,

nun aber ohne das Schild „Nicht auf den

Boden spucken“. Der „Tag der offenen Tür“

sollte allen zeigen: Wir haben es geschafft!

Doch zu nah ans Bauende gelegt, war den

Akteuren eine gewisse, verständliche Müdigkeit

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45

Außer Kontrolle - 1995

nicht abzusprechen. Dessen ungeachtet war

klar, das neue Haus eröffnet neue Möglichkeiten:

einfachere Abläufe, ungestörtes Proben, ein

Jahresprogramm für die Bühne, organisatorisch

problemlose Sitzungen und Platz zum Feiern.

Die Vorteile überwogen und schafften der

klaren Erkenntnis Raum: Gut so. Der geordnete

Proben- und Spielbetrieb begann. Auf der

Bahnhofsbühne spielen heute alle, die Erwachsenen,

die Jugendlichen und auch die Kinder.

Hinzu kam schnell auch ein kleines Jahresprogramm

an Gastspielen. Alles, was auf dieser

Bühne möglich ist, wurde schon angeboten:

Liederabende, Schauspiele, Komödien,

Kindertheater, Kabarett, Comedy, kleine

Konzerte, Lesungen, Buchvorstellungen und so

Ich will Muissow sehen - 1976

Pension Schöller - 2001 Von Mäusen und Menschen - 1979

weiter. Mit diesem Haus ist es gelungen, der

Bevölkerung im Umkreis ein kulturelles Zentrum

zu geben, dessen Programme gerne angenommen

werden. Derzeit, um es einmal

deutlich zu sagen, ist diese Form des Arbeitens

für das Amateurtheater in Dielheim die einzig

mögliche - wie lange das so bleibt, weiß

niemand. Auf Grund rasanter, einschneidender

Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft

kommen nicht nur auf das Theater im Bahnhof

tiefgreifende Herausforderungen zu. Es gilt,

nicht weniger als einem Paradigmenwechsel zu

begegnen. Etwas flapsig ausgegedrückt:

Rentnerband, oder wie? - Jugend, oder was?


der Blick in

die Kristallkugel

Das „Geschäft“ läuft (noch) gut, auch für das

Theater im Bahnhof. Mit „Geschäft“ ist der kulturelle

Auftrag gemeint, den zweifelsfrei unser

Amateurtheater hat. Die Realisierung dieses

Auftrags zeigt sich zunächst freundlich: Es

wurde noch nie soviel Amateurtheater gespielt,

wie derzeit, und noch nie in einer so hohen

Qualität. Heißt das, der Auftrag ist erfüllt, das

Amateurtheater ist bei den Menschen angekommen?

„Kultur boomt“, ist zwar ein gängiges

Schlagwort, und es gilt auch für das Amateurtheater.

Wer aber genauer hinsieht, stellt fest:

höchst wahrscheinlich nicht mehr lange. Gut,

Interventionen und Investitionen in noch bessere

Ausbildung, mit noch mehr Theaterpädagogen

und Lernangeboten, werden kurzfristig das

Niveau weiter anheben und möglicherweise

auch verbreitern. Aber eines können alle diese

Maßnahmen nicht: Die negativen Auswirkungen

der Bevölkerungspyramide aufhalten und

den Menschen Zeit schenken, damit sie diesem

Die Brautwerber von Loches - 2002

Auftrag überhaupt nachgehen und ihn erfüllen

können. Das sind die Fakten. Zu beobachten ist

dies beim Theater im Bahnhof in Dielheim. Klar

ausgedrückt, die Kinder und Jugendlichen genießen

eine qualitativ hochwertige Ausbildung,

das ist gut so, gehen dann aber von der Schule

ab zur Uni oder ins Berufsleben. Genau ab

diesem Moment bricht das Engagement beim

ausbildenden Theater ein. Allenfalls Auftritte

während der Studienzeit im Studentenkabarett

sind noch machbar. Für Berufseinsteiger

und überhaupt im Beruf bleibt keine Zeit, kein

Freiraum mehr für solche Aktivitäten. Zu sehr

fordert das „Geschäft“ die Menschen. Heute

hier, morgen dort, wie im Refrain des gleichnamigen

Liedes beschrieben, bleiben Bindungen

auf der Strecke. Wenn überhaupt, ist nur noch

Kurzfristiges an wechselnden Orten denkbar.

Von den Theaterausgebildeten aus über 20

Jahren unserer Lernoffensive blieb bisher niemand,

geschweige denn ein kleines Ensemble

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47

Kein Platz für Idioten - 2003

Ein wahrer Held - 2004

Theatercomics

übrig, um dem Auftrag Amateurtheater weiter

nachzukommen. Was bleibt? Seniorentheater,

begrüßenswert, aber kein Ersatz für die Nachfolge.

Schließen? - Noch nicht. Weitermachen

vielleicht, um dann zu schließen? Oder vom

aktiven Amateurtheater zum Kulturanbieter

professioneller Inhalte werden? Ein denkbarer

Weg. Mit anderen Worten, die Zukunft ist mitten

unter uns; je früher wir Antworten finden, je

besser. Es gibt viel zu tun. Toi, toi, toi für weitere

50 Jahre.

Schlußfolgerung

Die Herausforderung

2.0 ist da:

Amateurstatus

vs. Professionalität.

Amateurtheater in Zeiten

des allgemeinen „Tralala“.

Die Farbe der Zukunft -

schwarz oder weiß?

- Schauen wir mal!


5zig Jahre darstellendes Spiel in Bildern

Szenen einer Leidenschaft

Selbstverständlich können die Bilder im Heft nur einen kleinen Auschnitt aus 5zigjährigem theatralen

Schaffen zeigen; wohl wissend, dass sich vielleicht einige wichtige Wegbegleiter nicht im Bild

wiederfinden. Das ist keine Absicht, sondern der schieren Menge und der Qualität der Bilder, dem

Layout und natürlich auch der „Qual der Wahl“ für den großen Überblick geschuldet.

Der Revisor - 2011

Ein wahrer Held - 2004

Offene Zweierbeziehung - 2007 Der Revisor - 2011

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Otello darf nicht platzen - 2007

Der zerbrochne Krug - 2008

Die Brautwerber von Loches - 2002

Oh (je) du Fröhliche - 2006 Das Festkomitee - 2005


Essen und Trinken, halten Leib und Seele zusammen - eine Binsenweisheit auch für Bühnenmenschen.

Ganz besonders nach einer gelungenen Aufführung ist der leibliche Hunger besonders

groß. Damit in einer solchen Situation und bei einer Fülle weiterer Gelegenheiten keine Mangelerscheinungen

zu Tage treten, gibt es beim Theater im Bahnhof die Abteilung „Gegen Hunger

und Durst“, neudeutsch auch Catering genannt. Sie besteht aus Damen und Herren, die seit den

Anfängen dabei sind, uns die physiologische Basis der musischen Arbeit zu erhalten.

Eine weitere wichtige Arbeit besteht darin,

unsere Theaterbesucher zu einem „geneigten

Publikum“ werden zu lassen. Das erfordert

Feingefühl von der Küchencrew, einschließlich

des Services. Auch große bis ganz große Aufgaben

wie das Verköstigen von Festpublikum,

von hungrigen Ensembles bei Theatertagen

oder Gästen beim Open Air, bis hin zu feinen

Silvestermenüs - alles wurde schon mit Bravour

„gestemmt“. Unvergessen sind auch die legendären

Partys früherer Zeiten mit viel „Schweinereien“

vom Grill oder das immer noch aktuelle,

archaische Frühstück „off the Road“ bei den

Ausflügen - allesamt kulturell wirksame Maßnahmen,

um die Leistungsfähigkeit auf der Bühne

und um die Bühne herum zu erhalten. Den

dankbaren Genießern obliegt es, höchstes Lob

zu spenden: Hopfen und Schmalz, Gott erhalt‘s.

And last but not least: Catering and Ticketing

Das Ticketing, ein Service mit einer klaren Zielgruppe:

unsere Besucher. Das ist unser Kartenservice,

für des Deutschen Unkundige auch Ticketing

genannt. Ja genau, das sind die Leute

mit den Eintrittskarten. Besondere Kennzeichen:

ordnungsliebend, leise, exakt und, man glaubt

es kaum, servicefreundlich. Frage: Welches Amateurtheater

hat noch Platzanweiser? Sehen Sie,

wir schon. Das nennt man perfekten Service

made by Theater im Bahnhof. Gut, das ist auch

unserem Platzsystem geschuldet, da es (im „Großen

Haus“) keine Platznummern gibt, dafür aber

nummerierte Reihen. Trotzdem, das gehört einfach

dazu. Dass die korrekten Kartenkontingente

für jedes Stück und jede Vorstellung sauber

gedruckt und portioniert bei den jeweiligen Verkaufsstellen

ausliegen und es dabei auch keine

Überschneidungen mit anderen Kontingenten

gibt, braucht man eigentlich nicht erwähnen.

Das ist so! Und dass dabei die Organisation

unseren Besuchern verborgen bleibt, ist gut so.

Den korrekten Eintrittsausweis besitzend, genießen

sie einfach die Vorstellung. Damit ist aber

noch nicht Schluss, es fehlt noch etwas. Denn zur

perfekten Ordnungsliebe gehört auch die Statistik.

Fein säuberlich errechnet und zu Diagrammen

gestaucht, liefert sie Hinweise über „Besucherströme“,

„Tendenzen“ und andere knallharte

Fakten. Und um noch servicefreundlicher zu werden,

richtet sich derzeit der Blick nach weit vorne,

hin zu einem Reservierungssystem über das Internet,

damit alles noch ein Stück geräuschloser

und perfekter läuft. So sind sie halt, unsere Leute

vom K-Service.

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51

[ ]

Daten

Fakten

Bilder


5zig Jahre

Theater im Bahnhof

Die Bausteine unseres Hauses 2013

Leitung und Organisation

Vorstandschaft Wir sind ein eingetragener Verein und als solcher organisiert. Doch schon seit den

ersten Tagen haben wir eine Vorstandschaft. Sie bestimmt die Geschicke des Vereins, setzt Leitplanken

und gibt die Richtung vor. Das war bisher so und das soll auch in Zukunft so sein. Deshalb

braucht es Menschen die sich engagieren, Macherinnen und Macher, die nicht verwalten, sondern

die Zeichen der Zeit erkennen und den Verein weiter entwickeln. Wenn dazu noch ein geeignetes

Organ namens Herz mit den zwei Kammern „Jugend“ und „Theater“ in der Brust schlägt, kann

eigentlich nichts schief gehen; so wie bisher geschehen.

Die Vorstandschaft im Jubiläumsjahr 2013

Edgae Kloé - 1. Vorsitzender

Edgar Sauer - 2. Vorsitzender, Ticketing

Karin Laier - Schriftführerin, Korrespondenz

Arno Friedrich - Schatzmeister, Buchhaltung

Winfried Fuchs - Presse u. Öffentlichkeitsarbeit

Valentin Keller - Catering

Peter Knopf - Bild und Bühne

Heinz Laier - Gastspiel-Organisation

Roland Laier - Ton und Technik

Franz Mann - Beirat Clubhaus

Rudolf Sauer - Beirat Clubhaus

Marianne Friedrich - Betreuung Jugend

Tobias Behner - Jugendvertreter

Künstlerische Organisation seit 2008

Keine Aufführung kommt ohne diejenigen aus,

die sich mühen, um bei unseren Gästen einen

guten Eindruck zu hinterlassen. Ob auf oder

hinter der Bühne, ohne Sie geht nichts - doch

bisher ging alles. Verlässlichkeit heißt das

Zauberwort.

Manfred Maier - Regie

Petra Kirsch - Regie Jugend

Heinz Laier - Regie

Michael Stier - Regie

Willi Mann - Regie

Friedrich E. Becht - Regie

Eva Rostock - Regieassistenz

Matthias Paul - Gastregie

Roland Laier - Ton u. Technik

Malte Kappelhoff - Ton u. Technik

Uwe Kornstädt - Ton u. Technik

Traudl Kloé - Maske

Lore Becht - Maske

Gabi Sauer - Maske

Annerose Schlund - Frisuren

Peter Knopf - Bild und Bühne

Heinz Laier - Bild und Bühne

Harald Rudolf - Bild und Bühne

Friedrich E. Becht - Webmaster

Die Vorstandschaft 2013

Vorne von links: Arno Friedrich, Rudolf Sauer,

Edgar Sauer, Roland Laier, Heinz Laier, Franz

Mann, Peter Knopf - Hinten: Tobias Behner,

Marianne Friedrich, Karin Laier, Winfried Fuchs,

Valentin Keller, Edgar Kloé

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Weiterbildung und Festivalbesuche

Weiterbildung muss sein, keine Frage. Schon früh haben wir das erkannt und unsere SchauspielerInnen

angehalten, an Seminaren und Kursen teilzunehmen. Atem- und Sprechtechnik, Rollenarbeit,

Stehgreifspiel, etc. hießen die Angebote, die wir uns unter professioneller Anleitung erarbeiteten.

Kaum 5 Jahre nach der Gründung belegten die ersten Dielheimer Schauspieler Kurse und

Lehrgänge im damals noch überschaubaren Angebot unseres Landesverbandes Amateurtheater

Baden-Württemberg. Kaum zurück, wurde das Wissen weitergereicht an die Zuhausegebliebenen.

Später kamen Workshops für Öffentlichkeitsarbeit,

Bühnentechnik, Schminken und Regielehrgänge

hinzu. Schon früh haben einzelne Spieler

große Theaterluft geschnuppert, indem sie

am Heidelberger Stadttheater als Komparsen

auftraten. Auch der Besuch von Theaterfestivals

im In- und Ausland gehört in diese Rubrik. Bei

den Göppinger und Hanauer Theatertagen

waren wir ebenso gern gesehene Gäste, wie

bei den Deutsch-Französischen Theaterbegegnungen

oder den Deutschen Theatertagen;

nicht zu vergessen die Kraichgauer Theatertage

oder (wie die Zeit vergeht) der Auftritt im

Landespavillion Stuttgart. Immer stand und

steht dabei das Lernen und der Ausstausch

mit Gleichgesinnten im Mittelpunkt. Das ist

auch so, wenn wir uns der Kritik stellen, indem

wir uns mit einem Stück am Festival beteiligen

- wie schon so oft geschehen. Damit ist aber

das Thema Weiterbildung noch nicht erschöpft.

Im Gegenteil: Heute liegt bei uns die Ausbildung

von jungen Theaterleuten komplett in der

Hand von theaterpädagogisch ausgebildeten

Lehrkräften. Mehr dazu unter „Jugend“ in diesem

Heft. Solides Handwerk von Beginn an,

das ist unsere Devise. Besonders die Aufführungen

unserer Theaterjugend beweisen immer

wieder, dass wir auf dem richtigen Weg

sind. Selbst im eigenen Haus im alten Bahnhof

haben wir aus eigenem Antrieb heraus Workshops

veranstaltet, indem wir uns Fachkräfte ins

Haus geholt haben. So haben in jüngster Zeit

unsere Damen von der Maske ein Wochenende

lang zusammen gelernt und gearbeitet.

Probenwochenende Auch das Proben am

Wochenende, ist eine spezielle Form der Weiterbildung.

Weg vom Alltag und vom privaten Umfeld

lässt sich sehr intensiv und zielführend arbeiten.


5zig Jahre

Theater im Bahnhof

Fundament unseres Hauses seit 1963

Regisseure, Vorsitzende und andere Wegweiser

Unsere Gründungsmitglieder und die Vorsitzenden seit 1963 Nur fünf Vorsitzende in 50 Jahren

wurden „verschlissen“. Das heißt, nicht ganz: Einer ist ja noch „dran“: Das nennt man Kontinuität.

Und das zahlt sich aus, wie man leicht anhand dieser Broschüre feststellen kann.

Regisseure seit 1963 Die Menschen von der Regie sind spezielle Spezies. Sie haben immer recht,

auch wenn sie nicht recht haben. Da muss man als TheaterfreundIn durch. Dann klappt‘s.

Unsere Vorsitzenden seit der Gründung

Edgar Greulich von 1963 bis 1967

Friedrich E. Becht von 1967 bis 1969

Edgar Greulich von 1969 bis 1970

Friedrich E. Becht von 1970 bis 1984

Manfred Maier von 1984 bis 2003

Anton Ottmann von 2003 bis 2006

Edgar Kloé von 2006 bis heute

Die Gründungsmitglieder

Martin Bambach, 18 Jahre*

Edgar Greulich, 16 Jahre*

Manfred Maier, 16 Jahre*

Seit den ersten Stunden mit dabei

Friedrich E. Becht, 16 Jahre*

Edgar Kloé, 16 Jahre*

Rudolf Sauer, 14 Jahre*

*Alter zum Zeitpunkt der Gründung

Unsere Regisseure seit der Gründung

Edgar Greulich - 1963 bis 1964

Friedrich E. Becht - 1964 bis 1993, 2013

Manfred Maier - 1976 bis heute

Willi Mann - Regie*

Heinz Laier - Regie*

Michael Stier - Regie*

Petra Kirsch - Regie Jugend*

Hildegund Sauer - Regieassistenz*

Tobias Behner - Regieassistenz*

Eva Rostok - Regieassistenz*

Matthias Paul - Gastregisseur

Thorsten Kreilos - Gastregisseur

Sehr viele Regiearbeiten wurden im Laufe unserer

Geschichte mit Assistenzen ausgeführt. Alle exakt

aufzuzählen würde den Rahmen sprengen.

*in den letzten 5 Jahren.

Gruppenbild mit Vorsitzenden

Seit 1963 - von links nach rechts:

Greulich Edgar,

Friedrich E. Becht,

Manfred Maier,

Dr. Anton Ottmann,

Edgar Kloé.

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Geselligkeit und Ausflüge

Geselligkeit, wie kleine Feste und Feiern oder auch Ausflüge, sind beim Theater im Bahnhof von „Alters

her“ fester Bestandteil. Wer aber glaubt , es ginge dabei nur darum, zu feiern um des Feierns willen,

der irrt. Sicher, feiern, eine Auszeit nehmen, ist etwas Schönes. Doch gibt es auch weitere Gründe,

gesellige Veranstaltungen für die Mitglieder einzuplanen. Zusammen fröhlich sein und gemeinsames

Erleben stärken die Gemeinschaft. Denn das sich Begegnen außerhalb des regulären Tuns

lässt uns offener werden füreinander. Es zeigt uns unseren Gegenüber in einem etwas anderen Licht.

Denn wir erleben ihn als „anderen“, freieren

Menschen, losgelöst von der, wenn auch freiwilligen,

so doch zielgerichteten gemeinsamen

Aufgabe. Wir erfahren möglicherweise mehr

darüber, wie er denkt und was ihn bewegt.

Auch manche vermeintliche „Marotte“ klärt

sich auf und wird verständlich. Gemeinsames

Erleben bringt auch den Austausch über die

Theaterpläne und Ideen zum Fließen. Schon

manche gute Idee wurde unter diesem Vorzeichen

geboren und später erfolgreich umgesetzt.

Beim Theater im Bahnhof versteht man

zu feiern und Feierlichkeiten zu zelebrieren.

Lange Tradition haben Ausflüge, auch über

mehrere Tage, mit legendärem „Off the Road“-

Frühstück. Hier zeigt der Verein sich immer besonders

spendabel. Oder die schon über mehrere

Jahrzehnte stattfindende Party an Silvester.

Hier ist stets alles geboten, was eine Feier zur

Feier macht; vom hauseigen kreierten mehrgängigen

Menu bis hin zum eigenen DJ. Nicht

zu vergessen: die Grill- und Schlachtfeste, die

Mai-Wanderungen, die kleinen Abstecher und

gemeinsamen Besuche örtlicher Feste. Dabei

geht es mal zünftig, mal angemessen, immer

aber herzerfrischend unkompliziert zu. Zur

Geselligkeit zählen auch schon mal Geburtstage

oder andere, eigentlich familiäre Feiern.

Das zeigt, dass freundschaftliche Beziehungen

noch heute eine wichtige Rolle in der Theatergemeinschaft

spielen. Das festlich ausgerichtete

Miteinander war und ist gut. Was die Zukunft

bringt, wissen wir nicht. Was wir aber wissen, ist:

Geselligkeit, wohl dosiert, schafft Freiraum und

lässt für viele Vieles leichter werden.

Fahren, wandern, besichtigen Ausflüge

in die nahe Umgebung oder auch mal ins Ausland

gehören genau wie das Helferfest zum Vereinsleben

beim Theater im Bahnhof schon immer dazu.

Ob im ersten Jahrzehnt (oben) oder in den 90ziger

Jahren (unten) - diese Veranstaltungen werden

noch heute gerne angenommen.


Faschingsbälle und andere Feiern seit 1963

Fasching und Narretei - lange finanzielle Basis unserer Bühnenkunst

Faschingsbälle Unzählige Menschen haben getanzt bis spät in die Nacht, hatten viel Spaß und

Freude dabei und erinnern sich noch gerne an die legendären Faschingsbälle „Ball im All“, „Ball

Brasil“, „Dschungelball“, „Schlafmützenball“ oder den „Ball unter Wasser“, um nur einige zu nennen.

Legendär, weil immer mit Thema, immer mit Top-Bands, wie die „Blue Dominos“, „The Flippers“ oder

„The Chains“, und immer mit einer auf das Motto abgestimmen Saaldeko, mit Show-Opening und

der Service-Crew der „Spielgruppe 63“ im passenden Outfit... und immer ausverkauft.

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Feste feiern Wer feste schafft,

darf auch Feste feiern... Feiern

macht nicht nur Spaß und

gehört dazu, nein, feiern ist

auch Ausgleich und Erholung

und das Lachen dabei Wellness.

Die Leute vom Theater

im Bahnhof verstehen zu

feiern. Selbst als das Ganze

noch „Spielgruppe 63“ hieß,

war bereits feiern angesagt,

mal rustikal-ursprünglich und

manchmal durchaus fein. So

ist der feierlich begangene

Silvesterabend seit über 40

Jahren so sicher wie die Mitternachtsböller.

Und manchmal

geraten die Aufräumarbeiten

am Tag danach zum

Höhepunkt der Feier.


Feste mit Charakter oder die „Sommernacht am Bahnhof

Eine weitere finanzielle Basis - für die Bühnenkunst

Open Air Angenehmes mit Nützlichem zu verbinden, ist für viele Menschen die hohe Schule der

Lebenskunst. Für das Theater im Bahnhof war dies, was die eigenen „Volksfeste“ angeht, über viele

Jahre gelebte Praxis. So stand z. B. die „Sommernacht am Bahnhof“ für gutes Essen und Trinken mit

Pfiff, handgemachte Musik und erfrischend präsentierte Kleinkunst; alles hausgemacht und, in der

Regel bei gutem Wetter, charmant präsentiert. Das Angenehme (für die Gäste) und das Nützliche

(für die Kasse) diente einem höheren Zweck: der finanziellen Absicherung der Theaterideen.

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Open Air Kleinkunstfestival, das Kunstforum im Wald

Einige Jahre Wirklichkeit: Dielheim, Zentrum der Kleinkünstler

Dielheim Wer Kleinkunst liebt und das Festival kannte, hat es bis heute nicht vergessen. Hier gaben

sich regional bekannte Liedermacher, Folksänger, Jazzmusiker, Pantomimen und andere Künstler

der „kleinen Muse“ die Ehre; einen ganzen Tag, bis in den Abend hinein: Bühnenkunst vom Feinsten.

Die Dielheimer Theaterleute waren Gastgeber und Aktive zugleich. Bewust stand das künstlerische

Angebot und nicht kommerzielles Interesse im Vordergrund. Gut, „Woodstock“ oder die

„Waldeck“ war es nicht, aber die Ausstrahlung reichte schnell bis in die Winkel der Region.


Was wäre ein Leben ohne Rückblende, ohne die guten Erinnerungen, die es meist gestatten, über

das Vergangene zu lächeln, und uns veranlassen, in der Gegenwart ein wenig nachsichtiger mit uns

zu sein? - Höchstwahrscheinlich nur schwer erträglich. Das gilt auch für eine Gemeinschaft wie unser

Theater im Bahnhof. Da gibt es die kleinen Anekdoten, Bonmots, Geschichtchen, die im Nachgang

betrachtet oder einfach, weil wir uns geändert haben, plötzlich skurril bis aberwitzig daherkommen;

Episoden am Rande, die das Bild einer Gemeinschaft vervollständigen und, wenn gleich nicht präziser,

so doch liebevoller zeichnen, als jedes Protokollbuch.

Bar le Duc - Frankreich, 1975 I Die damalige Spielgruppe

63 auf großer Gastspielreise; angereist

mit einem Überlandbus für die über 40 (!) Akteure

mit Anhang und einem Kleinbus für die

Band als Begleitfahrzeug. Das Ziel: ein riesiges

Zirkuszelt - Spielort der Deutsch-Französischen

Theatertage. Die riesige Menge an Kulissen

und Requisiten waren bereits vor Ort, transportiert

durch einen Sattelschlepper, der unterwegs

nach Spanien war, um von dort Orangen nach

Heidelberg zu bringen. Ein solches Fahrzeug,

leer auf den Weg nach Süden, wo doch unsere

Kulissen nach Bar le Duc mussten? Das war

ein Fall für unseren legendären Mann mit dem

Beinamen „Besorgungen aller Art“. Der Legende

nach soll er sogar in der Lage gewesen sein

binnen Stunden die Ausleihe eines einsatzfähigen

Leopard II zu bewerkstelligen. So klappte

natürlich der Transport vorzüglich, bis auf die

Tatsache, dass der Rücktransport sich um etliche

Wochen verzögerte. Das war kein Beinbruch,

schließlich musste ja ein leerer Fernlastzug von

Spanien über Bar le Duc nach Dielheim gefunden

werden. Aber wie gesagt: alles kein Problem.

Bar le Duc I Unser Gastspiel in Frankreich war ein

Erfolg, in jeder Hinsicht. Zu dieser Zeit waren alle

noch „richtig“ jung, und deshalb wurde, nach

der Aufführung versteht sich, auch „richtig“ gefeiert.

Aus diesem Anlass haute die Band zu später

Stunde und vom guten Wein befeuert noch einmal

kräftig in die Tasten, um dann etwas später

ebenso kräftig nachzulassen. Wenn Musiker

nicht mehr musizieren wollen, suchen sie sich ein

neues Spielfeld, möglichst besetzt mit Damen.

Anekdoten und Randnotizen

Und als es an der Zeit war, sich die möglichen

Züge mit der Dame auszudenken, der Wein

aber seinen Tribut forderte, kam es zu einem

nicht folgenschweren, aber amüsanten „Unfall“.

Alles begann mit einem trauten Bild: Bassgitarrist

und die erwählte Dame sitzen nebeneinander,

ohne Lehne, mit dem Rücken zum Publikum. Er

erklärt ihr die Welt und legt dabei seine rechte

Hand auf ihre rechte Schulter, um mit der Linken

das Gesagte zu unterstreichen. Der als Führer im

Lied angestellte Leadgitarrist gesellt sich dazu.

Auf der rechten Seite sitzend, sucht seine linke

Hand auf dem Rücken der Dame ebenfalls Halt.

Die auf der Schulter ruhende Hand rutscht, dem

schweren Wein geschuldet und der Gravitation

folgend, ab und trifft auf die suchende Hand.

Beide finden sich, sind sich zugeneigt und von

nun an zärtlich vereint. Eine schönes Bild für die

Zuschauer. Nur die Herzdame wunderte sich,

da sie noch beide Hände frei hatte. Tja.

Teil I - Andere Länder andere Sitten. I In der kurzen

Zeit unseres Aufenhaltes geschah manch Merkwürdiges.

Ein männliches Mitglied unserer fröhlichen

Theatergesellschaft war, so wurde berichtet,

auf der Suche nach einem ruhigen Ort, um

seinen eigenen Geschäften nachzugehen. Der

Suchende wurde kurze Zeit später von einem

ebenfalls suchenden männlichen Mitglied im

höchst erregten Zustand und im Zwiegespräch

mit einer Sanitärkeramik vorgefunden. Der Zweite

hörte, durch eine dünne Zwischenwand getrennt,

wie Ersterer die zu niedere und überhaupt

für seine Zwecke völlig artfremde Gestaltung der

Keramik verfluchte. Da das Fluchen, großzügig

ausgelegt, wie ein Hilferuf klang, gab er sich zu

60


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erkennen und erklärte sich zur Hilfe bereit. Die

Rettung gestaltete sich trotz Aufklärung über

den korrekten Sachverhalt schwierig, da Ersterer

unter hohem körperlichen Druck und in Rage erklärte,

er bestehe darauf, diese aus seiner Sicht

völlig missratene Sanitärkeramik dem von Ihrem

Schöpfer zugewiesenen Zweck zu entfremden.

Im übrigen „sch..“ er darauf. Nur unter Androhung

brachialer Gewalt war der so Frustrierte

davon abzubringen, das unschuldige Bidet in

seine Gewalt zu bringen...

Teil II - Andere Länder... I Ort der Handlung: ein

Restaurant, klein, nett und romantisch am Hang

gelegen. Auf eigene Faust agierende Theaterfreunde

hatten es sich an einem Tisch bequem

gemacht, als sich eine sich ihnen gegenüber

befindliche Tür öffnete, ein Frau mittleren Alters

aus der Öffnung trat, kurz innehielt, sich den engen

Rock glatt strich und umschaute. Mit ihrer

Handlung war die Dame plötzlich ins Zentrum

des Interesses der Speisewilligen geraten. Sie

nahm sich Zeit, ihren Sitzplatz ins Visier, drehte

sich aber noch einmal um und schloss bedächtig

die Tür, nicht ohne zuvor noch einmal

kurz über den Rock zu streichen und das Licht

zu löschen. Zwischen dem Löschen des Lichts

und dem Schließen der Tür gab sie für Sekunden

die Sicht auf die Öffnung frei, aus der sie

gekommen war. Und was es zu sehen gab, war

so unerwartet, wie „anrüchig“ für ein Restaurant.

Die feine Dame war direkt vom „Thron“ in den

Gastraum herab gestiegen, darauf geben alle

Augenzeugen noch heute Brief und Siegel. Und

sie tat das, ohne adligen Geblüts zu sein.

Dielheim I Kurz vor Mitternacht: Ein Auto mit Anhänger

rumpelte den mit Randsteinen bewehrten

Gehweg hoch und kam vor einer ehemaligen

Bäckerei zum Stehen. Weitere Fahrzeuge

hielten an, Türenschlagen, Stimmengewirr, ein

Verschlag wurde knarzend geöffnet, ein großes

Eingangstor aufgewuchtet. Halblaute bis laute

Befehle hallten durch eine hallenartige Einfahrt.

Frauen kicherten, einschneidende Männerstimmen

forderten mehr Einsatz und mahnten zur

Vorsicht. Für die Nachbarn der ehemaligen Bäckerei

war dieses nächtliche Treiben ein untrügliches

Zeichen: „Die Theader-Kinschdler kumme

wieda hom - Herr hilf uns, un geb denne die

Ruh“. Die nächtliche Aktion wurde schnell und

routiniert abgeschlossen. Kulissen wie Requisiten

waren verstaut, der Hänger untergebracht,

das Eingangstor veriegelt; Zeit also, sich in der

zur Vereinszentrale umgebauten Backstube der

„Manöverkritik“ zu widmen. Junge Männer- und

junge Frauenstimmen bemühten in vielen Variationen

und teils über- und durcheinander die

Botschaft: „Mir ware ned schlecht!“. Gut getane

Theaterarbeit macht durstig und hungrig. Die

Abtlg. „Gegen Hunger und Durst - heute Catering“,

fand den für solche Notsituationen angelegten

Proviant und handelte spontan, aber

wie vorgesehen. Mit viel Ursprünglichkeit wurde

gegessen und getrunken und schließlich nur

noch getrunken. Zäh wechselten die Themen.

Zur fortgeschrittenen Stunde kam man schließlich

von der Innen- zur Weitsicht und schließlich

zur globalen Sicht auf die Dinge. Zeit und Raum

spielten kaum noch eine Rolle und der Ölofen

bullerte zuverlässig und anheimelnd-meditativ.

Auch nicht das heraufbrechende Tageslicht

störte die Dispute. Die Back- und Diskutierstube

hatte ja nur ein Fenster zum eh fast dunklen

Hof. Als sich kaum noch ein diskutierwürdiges

Thema finden ließ, traten die ersten Mahnerinnen

auf den Plan und erklärten mit hochroten

Wangen, dass Körper und Geist eines künstlerischen

Menschen ganz profan Ruhe benötige

um erneut hochgradig schöpferisch tätig werden

zu können. Nur widerwillig folgte man den

weisen aber nicht weisungsbefugten Damen.

Der Grund war einleuchtend: Alle Themen waren

sorgfältig behandelt, zugegeben, aber eben

noch nicht von allen. Und zudem schloss der

Vorrat an Proviant ein Frühstücksgespräch nicht

aus. Die Versammlung schloss demokratisch legitimiert

mit dem gemeinsam getragenen Wunsch


zur Fortsetzung. Als die nun geistig hochtrainierten

jungen Damen und Herren das freundlich

flutende morgendliche Licht erblickten, kniffen

sie erschreckt die Augen zusammen; um eben

diese Augen wenige Sekunden später, als das

Haupttor geöffnet wurde, sehr weit aufzureißen:

Vor dem Haus waren fleißige Menschen

dabei, Blumenteppiche und Altäre zu richten,

für die Fronleichnamsprozession. Die Restdiskussion

und Verabschiedungzeremonie der

Ruhewilligen brach abrupt ab. Nach wenigen

Schrecksekunden wurde die Tür geschlossen

und beratschlagt: Wenn die uns sehen, so voller

Tatendrang, morgens, auf unserem langen,

schweren Marsch nach Hause, über Blumenteppiche

wandelnd, und mit Mädchen - obwohl

doch alles rein künstlerisch - wir werden zum

Dorfgespräch! Dank hochkonzentriertem Austausch

war nach wenigen Minuten klar, einem

Imageschaden musste unter allen Umständen

vorgebeugt werden, auch unter hohem körperlich

und geistigem Einsatz und dem Verzicht auf

Ruhe. Der einstimmig gefasste Beschluss hieß:

Umkehren. Der Ölofen bullerte aus Sicherheitsgründen

erst eine halbe Stunde später erneut.

Zuvor hatten Fachkräfte den Restproviant optisch

ansprechend aufbereitet und zum Verzehr

freigegeben. Und der kleine Kaffeevorrat wurde

durch im Grunde frühstücksfremde Getränke

ergänzt. Dem Wunsch zur Fortsetzung der

Gespräche wurde schneller als erwartet stattgegeben.

So geriet die Runde über lange Zeit

zur Ideenschmiede für zukünftige große Taten.

Erst als die Stimulanzien Musik und Tanz ihren

Einsatz nicht mehr rechtfertigten und die Sonne

den Zenit überschritten hatte... Gut, Sie ahnen

es schon...

Teil I - Schwein muss man haben I So sagt der

Volksmund, und auch die theaterbeflissenen

Herren in unserer Frühgeschichte waren dieser

Meinung. Gegenüber dem Volksmund sollte

sich das Glück ganz konkret in einem gesund

ernährten und deshalb schmackhaften Landschwein

manifestieren. Der Entschluss, dieser

zur damaligen Zeit wegweisenden Art der Fleischeslust

zu frönen, wurde einstimmig aber undemokratisch

gefasst - das Schwein durfte nicht

abstimmen. Wie von der Bühne her gewohnt,

musste auch dieses Vorhaben minutiös geplant

und verwirklicht werden. Dass das Glück in

Gestalt eines ganzen Schweines auch Schattenseiten

hat, wurde schnell klar: Ihm stehen

unprofessionelle Grillgrößen gegenüber. Ein

Gang zum Baustoffhändler löste das Problem.

Und da es an Fachkräften grundsätzlicher Art

nicht mangelte, stoben im Hof zur „Backstube“

die Funken. Es wurde geschnitten, geflext, geschweißt

und gefeilt, dass selbst das Schwein

seine Freude daran gehabt hätte, wenn nicht...

Der Lohn harter Arbeit folgte auf dem Fuße: Eine

Grillmaschine ohne Fehl und Tadel, dem schweinernen

Gut exakt angepasst und versehen mit

einer von kulinarischen Kennern ausgetüftelten

Schwenkvorrichtung, stand vor den erschöpften

Erbauern. Schön, edel und kaum von der Stelle

zu bewegen. :-((

Teil II - Schwein muss man kaufen I Zum Glück gab

es bei der damaligen „Spielgruppe 63“ für alles

Fachleute. So machten sich Teile des Vorstandes,

(schon von Amts wegen Fachkräfte) und gewiefte

Händler auf, das Landschwein auszusuchen

und seinem Zweck zuzuführen. Im Ortsteil Unterhof

wurden sie fündig. Das Prachtexemplar wurde

vielfach beäugt, für würdig befunden und

unter heftigem Widerstand in den eigens geliehenen

Hänger geladen. Dann musste der Kauf

vollzogen werden. Einer uralten Gepflogenheit

zu Folge versammeln sich, aus diesem Anlass,

Kaufwillige und Schweinehändler in dessen guter

Stube um einen runden Tisch. So auch hier.

Die Dämmerung war fortgeschritten und die

Lampe über dem Tisch verbreitete wohliges Licht.

Für jeden Teilnehmer galt es nun, im Gedenken

an das brave Tier das erste Glas Schnaps zu

leeren. Dann wurde dessen Gesundheit gepriesen

und ein Glas Schnaps gelehrt. Der dritte

Schnaps leitete über zum eigentlichen Kaufakt,

indem er die Pateien freundlich stimmte, was sich

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direkt auf den Kaufpreis auswirkte. Die Scheine

welchselten dann diskret den Besitzer. Dieses

Ereignis wurde beglaubigt durch einen vierten

Schnaps, der einer Person verboten wurde, um

den sicheren Transport zu gewährleisten und

der Sau Unanehmlichkeiten zu ersparen. Das Ritual

verlangte zwingend noch einen Obstler unter

dem Türrahmen, mit dem das Schicksal der

Fracht entgültig besiegelt wurde. Die Heimfahrt

zur fortgeschrittenen Stunde ging für Mensch

und Tier fehlerfrei vonstatten. Die nächste Hürde

tauchte erst in Gestalt des Hauses auf, in dessen

Stall das Schwein seine letzte Nacht verbringen

sollte: Der Besitzer war ausgegangen und der

Stall konnte vom Schwein nicht bezogen werden...

:-(( Ganz im Sinne des Landschweines

wurde kurzfristige Abhilfe notwendig. Erste Anlaufstelle

für Notwendigkeiten aller Art war das

Gasthaus zur Sonne. Dort traf man unvermittelt

auf einen Rest entschlossener Schweinekäufer,

die man zuvor im Eifer hatte sitzen lassen. Diese,

ihrerseits in Ermangelung einer echten Sau

und echtem Geld, hatten das Kaufritual nachempfunden.

Entsprechend gestaltete sich die

Notbesprechung. Die erlösende Idee kam von

einem den Theaterleuten wohlgesinnten Gast,

der das Schwein für eine Nacht in seinem Stall

beherbergte. Der gelungene Abschluss der

Transaktion und die zum Wohl des Tieres gefundene

Lösung und die schwierige, aber getane

Arbeit verlangten nach nächtlicher Erholung im

Gasthaus zur Sonne. Eine „Erholung“, durch die

das morgendliche Schlachtfest fast ins Wanken

geraden wäre. Aber das ist ein weiteres Kapitel.

Teil III - Schwein gut, alles gut I Das frühmorgendliche

Zeremoniell, das unser Landschwein zur „armen

Sau“ werden ließ, soll hier nicht beschrieben

werden. Nicht aus Pietät, sondern weil dem

Autor und weiteren Helfern die Strapazen um

den Kauf so sehr zugesetzt hatten, dass ein

Aufstehen zu früher Stunde unverantwortlich

gewesen wäre. Ein ausreichend besetztes Team

erledigte, was zu erledigen war. Die zu spät

Gekommenen mussten dafür erneut Schwerst-

arbeit verrichten: den standhaften Grill zum

Austragungsort der abendlichen Feier transportieren.

Unter Einsatz aller vereinten muskulären

Kräfte wuchtete man das Qualitätsteil auf ein

Transportgerät für den Hobbywinzer, mit dem

schicken Namen Agria. Das Gerät beantwortete

den zweckfremden Gebrauch mit bedenklichem

Ächsen und Stönen, tat aber, widerwillig,

seinen Dienst. Das Ziel der Fracht war der

Rohbau(!) des SG-Clubhauses. Diesen fenster-

und türlosen Ort hatte man in weiser Vorraussicht

angemietet. Der Grill kam zu stehen, wo

er sollte, und konnte, unter frenetischem Beifall

entzündet, seiner Bestimmung übergeben werden.

Unbeeindruckt ob der Last, schaukelte das

Gerät nun Stunde um Stunde das Schwein in

voller Größe der kulinarischem Vorsehung zu.

Das Gerät machte Konstrukteuren wie Genießern

unbändige Freude. So euphorisiert, gebar

man die Idee, die abendliche Feier musikalisch

zu vervollkommnen. Der theatereigene Musikant

stand sofort bereit. Was gebraucht wurde,

war lediglich ein Instrument. Nicht irgend eins,

nein, ein Klavier. Kein Problem, denn es gab

ein alterwürdiges, doch dafür nur mittelmäßig

verstimmtes Klavier im Fundus des Theaters.

Kein Problem? Doch: Es war fast übernatürlich

schwer. Als das Problem in seiner Tragweite erkannt

wurde, richteten sich alle Augen auf die

Grill-Transporteure. Die nötige Erfahrung stand

dort bereit und wurde ergänzt um junge Männer

mit Erfahrung im muskulären Teil des Transportwesens

- der Auftrag wurde standrechtlich

erteilt. Unter Aufbieten der letzten Kraftreserven

gelang es, das altehrwürdige Stück auf den

Weg zu bringen. Alle waren froh, es geschafft

zu haben, nur die Agria nicht. Schließlich musste

der Musikant nebst Klavierhocker ja auch noch

„verladen“ werden. Seine Aufgabe bestand

darin, musikalisch den langen Weg zu begleiten.

Klavier, Hocker, Pianist, Fahrer und Agria

erreichten auf „letzter Rille“, aber glücklich ihr

Ziel. Einer fröhlichen Feier stand nichts mehr im

Wege, denn das Schwein hatte inzwischen zu

einer Farbe gefunden, die Kennern den Mund


efeuchtete. Alles war tiptop vorbereitet, und

so ging das kulinarisch-musikalische Fest, als in

der Tendenz zwischen heiter und ausgelassen

angesiedelt, in die Analen ein. Erst zu später

Stunde kamen Misstöne auf, die zunächst beim

verstimmten Klavier verortet wurden, sich später

aber zu einer Art Rütlischwur steigerten: nämlich

nie mehr Schwein, sondern nur noch Stallhasen

grillen zu wollen und dabei nie mehr Musik vom

Klavier, sondern nur noch per Blockflöte ans

Ohr gelangen zu lassen. Denn ein ganz Aufgeweckter

unter den Feiernden hatte erkannt: Grill

und Klavier können nicht vor Ort bleiben. Und

so war es auch. :-o

Abgesang auf die Entenmörder

Musik statt Triebwagen

Entenmörder I Die Strecke der Nebenbahnlinie

der SWEG (Südwestdeutsche Eisenbahngesellschaft)

Wiesloch-Walldorf - Schatthausen führte

über den Bahnhof Dielheim - der heute das

Theater im Bahnhof beherbergt. Die Triebwagen

auf dieser Strecke, aber auch die anderen,

heute seltsam anmutenden, Schienenfahrzeuge

hatten es nicht eilig. Des Nachbarn Hund, bis

hin zum sportfernen Läufer, alle konnten es

mit dem dieselnden Gefährt in Sachen Geschwindigkeit

ohne Anstrengung aufnehmen.

Trotzdem, so der Volksmund, soll es zu folgenleichten,

aber mörderischen Unfällen mit freilaufendem

Federvieh gekommen sein. Deshalb

gab der Volksmund - nicht die Enten- diesem

rasenden Unheil den Namen „Entenmörder“.

Das blieb so, bis auch der „Entenmörder“

Federn lassen musste und die Weichen ihn auf

das Altenteil führten.

Entenmörder II Fast 20 Jahre später sollte exakt

dieser Name fröhliche Urständ feiern; und das

kam so: Die Aufführung des Stückes „Karate-

Billy kehrt zurück“ verlangte zwingend, weil

von der Regie gewünscht, nach musikalischer

Aufwertung. Ohne die halbe Musikwelt casten

zu müssen, konnten Musiker aus den eigenen

Reihen verpflichtet werden. Um zur Spielreife

zu gelangen, war lediglich Fleiß von Seiten der

Musikanten notwendig. Ihnen oblag es, möglichst

rasch die notwendige Geschmeidigkeit

der verschollen geglaubten Kunst auf Bühnenniveau

zu hieven. Der Applaus der Massen

lockte, und die Herren gaben sich keine musikalische

Blöße. Alles lief wie am Schnürchen.

Dergestalt gepusht, kam der Wunsch auf, die

Formation klangtechnisch zu erweitern und

am besten zeitgleich „Schauspiel und Musik“,

sozusagen in einem 2 Sparten-Haus, zu vereinen.

Da Musikern ein starker Freiheitsdrang

innewohnt, „besorgten“ sie sich eifrig allerlei

stimmstützendes und tonverschönerndes Gerät,

ohne zu vergessen, das „Große Ganze“ um

milde Gaben zu bitten. Um die noch bestehende

Diskrepanz zwischen dem sehr guten

Gerät und der ins Auge gefassten guten Musik

zu schmälern, hieß das Motto: proben, proben,

proben! Zuvor jedoch stand die Frage im

Raum: Was? Und da alle Musikgeküssten die

wilden 60er erlebt hatten, war diese Frage nur

theoretischer Natur. Es sollte Rock, Soul oder

so, mit einem Hauch Pop sein. Die Idee enthielt

auch den Gedanken, bei der „Sommernacht

am Bahnhof“ die eventuell auftretende Kühle

mit heißer Musik erwärmen zu wollen. Da alles

einen Namen braucht, damit man es überhaupt

denken kann, und der Verkehr an der

„Dielheimer Eisenbahnlinie“ in der verklärten

Erinnerung der Musiker der ersten amerikanischen

Union Pacific Railroad verdammt nahe

kam, sollte der Name an die Eisenbahnpioniere

im Kraichgau denken lassen. Fortan nannten

sie sich „Die Entenmörder“. Ein dem Einklopfen

der Schwellen beim Eisenbahnbau im tiefen

Westen ähnlicher Rhythmus erscholl ab sofort

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zu Probenzeiten jetzt auch im ehrwürdigen

Bahnhof an der ehemaligen Railroad nach

Schatthausen. Kaum war die musikalischspielerische

Geschmeidigkeit wieder hergestellt,

erklärte man den fehlenden Rest zum Stilmittel.

„Die Entenmörder“ erfreuten sich bald einer

Beliebtheit, wie ihr Namensgeber zu seinen

besten Zeiten. Sie spielten variabel in der

Besetzung bei der „Sommernacht am Bahnhof

und zu allen möglichen und unmöglichen

Anlässen und immer mit ehrlichem Herzen und

gesunder Kehle, viele Jahre lang.

Vergleichbares, wie dem zu früheren Zeiten am

Bahnhof angeklebten Kiosk mit seinen Süßwaren

und den schädlichen Comics, der einmal

der letzte Kiosk vor der Autobahn hätte sein

können - wenn es eine solche schon gegeben

hätte - geschah auch den „Entenmördern“.

Noch vor dem globalen Durchbruch wurden

Weichen umgelegt, und der Zug „Entenmörder

II“ fuhr, der glutrot am Horizont versinkenden

Sonne entgegen, - ins „Nirgendwo“.

Die Entenmörder

(The Ducks Murderer)

1994 - 1999

Starring:

Wolfgang Rössler (Guitar, Bass)

Edgar Sauer (Guitar, Vocal)

Günter Heber (Guitar, Bass, Vocal)

Arnold Ramp (Piano/Keyboard)

Gerald Teufel (Accordeon)

Andrea Knopf (Vocal)

Die Entenmörder, in der Stammformation,

bei der Probe im Alten Bahnhof.


5zig Jahre

Theater im Bahnhof

Ein wenig Statistik - von 1963 bis 2013

Kaum zu glauben, aber beglaubigt - Auszüge

Unsere Stücke Auch wir mussten erst einmal lernen. (Das tun wir immer noch.) Zunächst haben wir

Stücke aufgegriffen, die wir kannten: vom Laientheater in der Gemeinde und vom Schultheater.

Doch wir haben schnell gemerkt, dass das nicht alles sein kann, und begriffen, was unser Ziel sein

muss: gutes Amateurtheater. Theater, das sich ernst nimmt, ohne dass der Spaß dabei verloren

geht. Schließlich mussten und müssen wir ja nicht spielen und für andere da sein, sondern wir wollen

es. Wir haben zielgerichtet gearbeitet, uns Hilfe geholt und nie aufgegeben. Heute können wir

zurückblicken auf eine lange Liste an Inszenierungen. Alle haben etwas gemeinsam: Sie sind Stufen

unserer Entwicklung. Wer aufmerksam liest, kann den Fortschritt erkennen, aber auch manchen

Rückschlag; und er kann die Meilensteine zählen. Diese haben wir für Sie hervorgehoben.

Inszenierungen der Erwachsenen nach Genres

Dramen 2

Farcen 7

Improvisationen 1

Kabarettabende 8

Komödien 35

Krimis 1

Kurzstücke 33

Märchen 1

Kinderstücke 2

Mysterienspiele 2

Parodien 5

Phantasiespiele 2

Rezitationen 6

Schauspiele 14

Schwänke 7

Sketche 10

Songstücke 3

Tragikomödien 2

Tragödien 2

Volksstücke 7

Das sind: 150 Inszenierungen seit 1963

In den 50 Jahren des Bestehens haben Jung und Alt

zusammen 175 Stücke auf die Bühne gebracht!!

Inszenierungen der Theaterjugend nach Genres

Grusicals 1

Kinderstücke 5

Komödie 4

Krimi 1

Märchen 4

Mitmachkrimi 1

Szenen 1

Theaterstücke 7

Tragödie 1

Die Theaterjugend „Bahnhofkids“ und die

„Jungen Erwachsenen“, gegründet 1993,

präsentierten seither 25 Inszenierungen.

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Unsere Inszenierungen seit 1963

1964 Der Bergteufel Volksstück P. Hardt

1965 Hasso, der Rebell Schauspiel W. Webels

1966 Versöhnung am Hubertushof Volksstück F. Rieder

1966 Die Hexe von Bergamo Volksstück P. Hardt

1966 Die Nudelberger Feuerwehr Humoreske Webels/Silber

1966 Der Verlobungsstürmer Humoreske H. Kirchhoff

1966 Der Schinderhannes Schauspiel F. Kanders

1966 Syra, die christliche Sklavin Myst.-Spiel H. Caron

1966 Vergib uns unsere Schuld Myst.-Spiel H. Caron

1966 Mutter Therese Volksstück H. Caron

1967 Der Meisterlügner Schwank H. Kirchhoff

1967 Der Bandit von Venedig Schauspiel A. Seidel

1968 Kirsch und Kern Komödie L. Bender

1969 Die Erbtante Luststück M. Krinner

1969 Mein Mann, der Dieb Schwank L. Bender

1969 Der kerngesunde Kranke Komödie P. Pflug

1971 Warum 17. Juni Szenen Eig. Texte

1971 Die Mauer Szene E. St. V. Miley

1971 Später Besuch Szene P. Pflug

1971 Das Ferienparadies Komödie M. Brett

1972 Der Lügner Szene J. Cocteau

1972 Kabarett des Teufels Kurzstück M. Kadow

1972 Lies deine Zeitung Szene J. Cocteau

1972 Der Plakatträger Szene H. Engelhardt

1972 An diesem Dienstag Szene W. Borchert

1972 Zirkus Komödie E. Autengruber

1973 Die verzauberten Brüder Märchen J. Schwarz

1973 Halleluja Billy Songstück Lange/Ernst

1974 Der Lügner und die Nonne Komödie C. Götz

1974 Dunkelrote Rosen Parodie P. Nicolai

1975 Charlys Tante Schwank B. Thomas

1975 Ein Wort für das Andere Szene J. Tadieu

1975 Die Glocke Szene P. Slavik

1975 Box und Cox Komödie J. M. Morton

1975 Schwarz auf Weiß Komödie M. Brett

1976 Fazz und Zwoo Kinderstück K. Campell

1976 Ich will Muissow sehen Komödie V. Katajew

1977 Zwischen den Stühlen Kabarett Tucholsky etc.

1977 Das Rennen Drama K. Hughes

1977 Charlys Tante Schwank B. Thomas

1978 Die Maus Komödie P. King

1979 Von Mäusen und Menschen Schauspiel J. Steinbeck

1980 Was Sie wollen Einakter E.m Kishon

1981 Werdende Väter Einakter E. Kishon

1981 Heiraten ist immer ein Risiko Komödie S. O‘Hara

1981 Abseits Szene E. Kishon

1982 Der Dompteur Szene H. Wiener

1982 Schattenspiele Szenen Eig. Produktion

1982 Ritter Unkenstein Parodie K. Valentin

1982 Maschimaschine Kinderstück P. Maar

Schinderhannes 1966

Halleluja Billy 1973

Von Mäusen und Menschen

1979


1982 Ehemann auf nüchternen Magen Komödie J. Mitchell

1984 Zufäll. Tod eines Anarchisten Farce D. Fo

1984 Lasst uns Lügen erzählen Komödie A. Paso

1984 Szenario Sketche Kishon/Loriot

1985 Antigone Tragödie Jean Anouilh

1985 Musik und Dichtung lit. Kabarett Eig. Produktion

1985 Picknick im Felde Farce F. Arrabal

1986 Lauf doch nicht immer weg Komödie P. King

1987 Spiel‘s nochmal Sam Komödie W. Allen

1987 Kurzstücke Szenen div. Autoren

1988 Arsen und Spitzenhäubchen Komödie J. Kesselring

1988 Kurzstücke Szenen div. Autoren

1989 Biedermann u. d. Brandstifter Schauspiel M. Frisch

1989 Kurzstücke Szenen div. Autoren

1990 Vorsicht Trinkwasser Komödie W. Allen

1990 Kurzstücke Szenen div. Autoren

1991 Hier sind Sie richtig Komödie M.Camoletti

1991 Theater v. Kindern für Kinder* Szenen div. Autoren

1992 Warte bis es dunkel ist Krimi F. Knott

1992 Kabarett, Satire, Mundart Szenen div. Autoren

1993 Der nackte Wahnsinn Komödie M. Frayn

1993 Kabarett, Satire, Mundart II Szenen div. Autoren

1993 Traum-Theater v. Kindern* Szenen div. Autoren

1994 Wunschmaschine v. Kindern* Kinderstück Eig. Produktion

1994 Karate Billy kehrt zurück Schauspiel K. Pohl

1994 Kurzstücke Szenen div. Autoren

1995 Außer Kontrolle Komödie R. Cooney

1995 Der kleine Prinz* Märchen S. Exùpery

1995 Gemalte Fensterscheiben Rezitation div. Autoren

1996 Die Maus Komödie P. King

1996 Der Kontrabass Stück P. Süßkind

1996 Kurzstücke Szenen div. Autoren

1997 Heimatlos Schauspiel Gruber/Reinh.

1997 Momo* Märchen M. Ende

1997 Ich Narr des Glücks Rezitation H. Heine

1997 Prinzessin von Oz* Märchen L.. F. Brown

1998 Hexenschuss Komödie J. Graham

1998 Kurzstücke Szenen div. Autoren

1999 Die deutschen Kleinstädter Stück A. v. Kotzebue

1999 Theater Comics I Sketche div. Autoren

1999 Das Kabinett der Dr. Caligari Grusical C. Trafik

1999 Der 35. Mai* Stück E. Kästner

2000 Ewig rauschen die Gelder Komödie M. Cooney

2000 Kugeln und Kisten v. Kindern* Stück Eig. Text

2000 Übergangszeit Rezitation div. Autoren

2001 Pension Schöller Schwank Laufs/Jakobi

2001 Theatercomics II Sketche div. Autoren

2001 Liebe in jeder Beziehung Revue Eig. Texte

2002 Die Brautwerber von Loches Komödie G. Feydeau

2002 Die Physiker Stück F. Dürrenmatt

Der zufällige Tod eines

Anarchisten 1984

Spiels nochmal Sam 1987

Die deutschen Kleinstädter

1999

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2003 Eine Woche voller SamsTage* Stück P. Maar

2003 Warten auf Godot Stück S. Becket

2003 Theatercomics III Sketche div. Autoren

2003 Kein Platz für Idioten Volksstück F. Mitterer

2004 Bunbury Komödie O. Wild

2004 Die verflixte Hexenprüfung* Kinderstück S. Rippegather

2004 Ein wahrer Held Tragikomödie J. M. Synge

2005 Alles „K“ na klar* Mitmachkrimi Eig. Produktion

2005 Theatercomics IV Sketche div. Autoren

2005 Hinter verschlossenen Türen Komödie Eig. Produktion

2005 Das Festkomitee Komödie A. Ayckbourn

2005 Gretchen 89ff Komödie L. Hübner

2005 Liebeslust Lyrik div. Autoren

2006 Blue Box* Komödie Eig. Produktion

2006 Ibrahim u.d. Blumen d. Koran Phantasie E. Schmitt

2006 Schaurige Beauty-Woche* Komödie E. Karl

2006 Shake... Macbeth Dramödie H. Laier

2006 Oh(je) du Fröhliche Komödie W. Binder

2006 Yvonne, Burgunderprinzessin* Märchen W. Gombrovic

2007 Banden, Tod und Freunde* Improvisation Eig. Produktion

2007 Offene Zweierbeziehung Farce Fo/Rame

2007 Theatercomics V Sketche div. Autoren

2007 Die Sache mit dem Bild* Stück E. Karl

2007 Otello darf nicht platzen Komödie K. Ludwig

2008 Trotzdem Comedy H. Laier

2008 Leonce und Lena Stück G. Büchner

2008 Der zerbrochne Krug Lustspiel H. v. Kleist

2009 Bezahlt wird nicht Farce Dario Fo

2009 Kraftvoll im Abgang Komödie Wolf, Siegel

2009 Mit aller Freundschaft Comedy Laier/Stier

2009 Die 8 Frauen Stück R. Thomas

2010 Ganz nah dran Comedy Laier/Stier

2010 Der widerspenstigen Zähmung Schauspiel Shakespeare

2010 Es war die Lerche Komödie E. Kishon

2010 Josef und Maria Stück P. Turini

2011 Dazwischen Comedy Laier/Stier

2011 Sieghard&Grimm Dramödie H. Laier

2011 Der Revisor Komödie N. Gogol

2012 Kurz vor knapp Comedy Laier/Stier

2012 Die spanische Fliege Schwank Arnold/Bach

2013 Urmel aus dem Eis* Kinderstück Kruse/Pinkus

2013 Antigone Tragödie Jean Anouilh

2013 Der Hauptmann von Köpenik Tragödie C. Zuckmayer

*Aufführungen unserer Bahnhofkids im Alter von 8 bis 16 Jahren.

Kein Platz für Idioten 2003

Der zerbrochne Krug 2008

Der Revisor 2011

Die spanische Fliege 2012


5zig Jahre

Theater im Bahnhof

Merkwürdiges in Zahlen von 1963 bis 2013

Kaum zu glauben, aber so war es.

Arbeitsnachweise So richtig müssen wir natürlich niemandem etwas nachweisen. Doch interessant

ist es schon, einmal das „nebenbei“ Geschehene aufzuschlüsseln. Erstaunliches kommt so zutage;

selbst für uns, die wir dabei waren. Auch wir hatten vergessen, dass wir einmal die Dielheimer

Straßenkerwe und den Maiausschank „erfanden“ oder den „Tanz in den Mai“ und den „Ostertanz“

lange Jahre gepflegt haben, oder auch, dass wir Gastgeber des Lofoten-Theaters aus Norwegen

und einer Theatergruppe aus Japan waren. Stichwort „Gastgeber“: Wir haben auch die Deutsch-

Französischen Theatertage und die Kraichgauer Theatertage nach Dielheim geholt. Auch waren

wir Initiatoren der „Hobby und Kunst-Austellungen“. Besonders stolz sind wir auch darauf, dass wir

schon viele kulturelle „Hochkaräter“ nach Dielheim holen konnten. Unvergessen ist dabei eine der

letzten Lesungen der großen deutschen Lyrikerin Hilde Domin auf der Dielheimer Bahnhof-Bühne.

Zahlen die es in sich haben

Inszenierungen 172

Zuschauer bis heute 65.000*

Proben 7500

Gastspiele im Ausland 2

Gastspiele Theatertage Inland 9

Sitzungen bis heute 300*

Feste mit Volksfestcharakter 30

Große Faschingsbälle 15

Ausflüge u. große Wanderungen 100*

Kleinkunstfestivals 5

Deutsch-Französische Theatertage 1

Kraichgauer-Theatertage 3

Hobby u. Kunstausstellungen 3

Kunstausstellungen 3

Jazzfrühschoppen 1

Hinzu kommen Lesungen, Buchvorstellungen,

Kabarett- und Mundartabende, kleinere Konzerte

mit moderner oder klassischer Ausrichtung

und A-Cappella-Chorkonzerte.

Von uns initiiert und eine Zeit lang realisiert

Dielheimer Straßenkerwe

Hobby- und Kunstausstellungen

Große Tanzveranstaltungen an Ostern

Großer „Tanz in den Mai“

Maiausschank

und viele, viele weitere Aktionen.

...und dazu unzählige vereinsinterne Aktionen

Gastpiele außerhalb der Region

Theaterbesuche

Kulturbegegnungen

Festivalbesuche

Kleinere Wanderungen und Ausflüge

Silvesterpartys

Grill- und andere Partys

und vieles mehr.

*Die Zahlen sind auf- bzw. abgerundet.

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Dabei sein ist nicht alles

Von dicken Brettern, die die Welt bedeuten

Wer sie oft betreten hat, um zu spielen, kennt die Standfestigkeit, die sie vermitteln. Er kennt aber

auch die Barriere, die sie bilden, das unsichtbare Hindernis, das sich auftut, wenn man sie zum

ersten Mal betritt. Da ist das flaue Gefühl im Magen, die kurze innere Unsicherheit, wenn das Herz

im Hals schlägt statt in der Brust. Da ist auch das Gefühl des Ausgeliefert-Seins, das sich kurz nach

dem ersten Satz aus dem Staube macht, um Platz zu schaffen für das Spiel zwischen dem Ich und

dem Publikum. Wer Erfahrung hat im Betreten dieser „Bretter, die die Welt bedeuten“, kennt das

alles. Er hat erlebt, dass ihn dieser Schritt stärkt; nicht nur im Spiel, sondern auch draußen im rauhen

„Spiel des Lebens“, in vielfältiger Weise und in unterschiedlicher Intensität.

Er hat gelernt, dass dieses ständige Überschreiten

der Grenze zwischen Realität und der immer

wieder neu zu erschaffenden Wirklichkeit

im Spiel in ihm etwas bewirkt: Selbstsicherheit.

Mit dem Begehen der Bühnenbretter, die ihm

stets festen Halt geben, gewinnt er zunehmend

Vertrauen in die eigene Stärke. Innere Barrieren

werden als überwindbar gesehen, er überspringt

sie leichter. So beginnt sich etwas zu

drehen: das vermeintliche Bretter-Hindernis wird

unversehens zum Sprungbrett für vielgestaltiges

Erleben. Ein Schatz an tiefen, reichen Erfahrungen

winkt als Lohn. Immer neu positiv „aufgeladen“

kann er so auch die unausweichlichen,

unsäglichen Widrigkeiten, die eine freiwillige

Vereinigung von Menschen nun mal mit sich

bringt, nicht nur ertragen, sondern vom Negativen

ins Positive kehren. Denn er weiß auch: Dabei

sein ist wirklich nicht alles. Vor diesen Erfahrungen

riecht es auf den Amateurbühnen der

Welt nicht nur nach Schminke, Farbe und alten

Klamotten, sondern immer auch nach Schweiß.

Das kommt von den „dicken Brettern“, die gebohrt

werden müssen, bevor sie zu den Brettern,

die die Welt bedeuten, werden können.

Vieldeutige Bretter Sie sind die bauliche

Grundlage für unser Spiel. Die metaphorische Bedeutung

müssen wir ihnen selbst beimessen.


5zig Jahre

Theater im Bahnhof

Unsere Theaterjugend

„Es gibt keine Jugend ohne Theater und es gäbe auch längst kein

Theater mehr auf der Welt oder hätte es nie gegeben, wäre es nicht

zu jeder Zeit und in jeder Generation vor allem eine Sache und ein

Gebot der Jugend, die es neu erleben, neu erproben, neu zu

schaffen bestimmt und berufen ist.“

Carl Zuckmayer

1993, das Theater im Bahnhof in Dielheim

erkennt die Zeichen der Zeit und ergreift

die Initiative: Ab sofort sollen Kinder und

Jugendliche an das Bühnenspiel herangeführt

werden, in einer möglichst professionellen

Form. Schnell war klar, aus eigener Kraft konnte

dieses Vorhaben nicht gestemmt werden. Nach

kurzem Suchen fand man mit der Musikschule

Horrenberg-Dielheim den idealen Kooperationspartner.

Zusammen wurde ein Theater-

Unterrichts-Projekt ins

Jung und Alt

in Kooperation

Leben gerufen, um

Kindern und Jugendlichen

die Möglichkeit

zu eröffnen, die

Grundtechniken des Theaterspiels zu erlernen

und natürlich auch selbst Stücke auf die Bühne

zu bringen. Unterrichtet werden die jungen

TeilnehmerInnnen von speziell ausgebildeten

Theaterpädagogen und Lehrern. Der Unterricht

besteht aus Übungsspielen und aus

Proben für das aktuelle Stück. Atemtechniken,

Stimm- und Sprachübungen, Ausdrucksspiele,

die die gestischen, mimischen und stimmlichen

Darstellungsmöglichkeiten fördern, sind weitere

Bestandteile des Unterrichts. Wenn ein Stück

schon weit gediehen ist, wird nur noch geprobt,

viel geprobt. Dann müssen auch die Bühne

gestaltet, die Kostüme genäht und die Requisiten

beschafft werden. Selbst das Bühnenbild

und die Beleuchtung, alles gehört zur Aufgabe

und kommt, wenn möglich, aus eigener

Hand. Manchmal gehen auch Eltern oder

andere Erwachsenen hilfreich zur Hand, wenn

die eigenen Möglichkeiten nicht ausreichen.

Beim Bühnenbau und bei der Beleuchtung

ist logischerweise öfter die Hilfe der Fachleute

vom Theater im Bahnhof gefragt. Nicht ohne

Grund: Unter ihrer Anlei-

tung sollen die jungen

Spieler auch hinter den

Kulissen aktiv werden,

selbst Bühnenbauer

oder Beleuchter werden. Das Miteinander in

allen Bereichen, das Arbeiten auf ein gemeinsames

Ziel hin ist gewollt und wird gefördert.

Musikalisch steht den jungen Theaterleuten

ebenfalls professionelle Hilfe zur Seite. Hansjörg

Widmer, Klavierlehrer der Musikschule, hat

schon manche Inszenierung begleitet und ihr

die musikalische Note verliehen. Wie überall,

so kommt es auch hier auf das verlässliche

Zusammenspiel an; zwischen den Kooperationspartnern,

den Kindern und Jugendlichen

und ihren Lehrkräften. Das Projekt ist erfolgreich

und läuft gut, aber wie alles, nie ganz

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73

störungsfrei, das ist klar. Doch wenn sich alle,

wie bisher geschehen, verständigen und auch

ein wenig Kindsein bewahrt haben, dann wird

noch lange Erfolg beschieden sein. Schon ist

mehr als eine ganze Generation durch diese

Theaterschule gegangen und herangereift, um

bei den Erwachsenen spielen zu können; zugegeben,

es bleiben nicht so viele wie erhofft,

das ist wohl dem Zeitgeist geschuldet, aber sie

tragen immer die Liebe zum Theater im Herzen;

eine Affinität, die alle TeilnehmerInnen ein

Leben lang zu ihrem persönlichen, beruflichen

und gesellschaftlichen Vorteil begleiten wird.

Antigone - 2013

Bunbury - 2004 Warten auf Godot - 2003

Urmel aus dem Eis - 2013


5zig Jahre

Theater im Bahnhof

Unsere Theaterjugend

Aufgeschlossen, lernbegierig und einfach gut!

Das Theater-Unterrichtprojekt für Kinder und Jugendliche Seit nunmehr 20 Jahren lebt dieses Projekt

als Kooperation zwischen dem Theater im Bahnhof und der Musikschule Horrenberg-Dielheim und

zeigt, was bewirkt werden kann, wenn zwei an einem Strang ziehen und wenn die Ziele und die

Zuordnungen klar definiert sind: Hier die pädagogischen Fachkräfte, die mit den jungen Menschen

arbeiten, und dort die persönliche Hilfe in der Organisation und Administration, das Vorhalten der

Infrastruktur, wie Bühne, Technik, Fundus, Werkstatt und vielem mehr. Das alles ergibt in der Summe

junge Menschen mit Selbstsicherheit und Vertrauen in die eigene Stärke.; jene Stärke, die befähigt,

Ziele zu formulieren und diese auch zu erreichen. Hinzu kommen die heute so geschätzten Dinge,

wie Sicherheit im Sprechen und Präsentieren. Und nicht zuletzt lernen und erleben alle TeilnehmerInnen

soziale Intelligenz und erkennen, wie wichtig Phantasie und Krativität sind; alles gute

Voraussetzungen für ein achtsames Leben in Beruf, Gesellschaft und Freizeit.

Das Theater-Unterrichtprojekt in Zahlen

Gründung 1993

Inszenierungen 25

Eigene Stücke 3

Die Partner

Theater im Bahnhof, Dielheim

Musikschule Horrenberg-Dielheim

Die Lehrkräfte aktuell

Matthias Paul

Petra Kirsch

Die Lehrkräfte bislang

Vera Bühl

Jutta Werbelow

Ariane Hellinger

Yvonne Zahn

Ann Kristin Ebert

Jan-Bart de Clerc

Gisela Sieron

In 20 Jahren wurden durch das Theater-

Unterrichtprojekt 80 Kinder und Jugendliche

ausgebildet!

Die Aufführungsorte

Kulturhalle, Dielheim

Theater im Bahnhof, Dielheim

Rathaus II, Innenhof, Dielheim

Beteiligungen

Schultheaterwochen, Mannheim

Spezielle Aufführungen

Leimbachtalschule, Dielheim

Ottheinrich Gymnasium, Wiesloch

Johann-Philipp-Bronner-Schule, Wiesloch

Berta-Benz Realschule, Wiesloch

Aufführungen pro Inszenierung

Zwischen 4 und 10 Aufführungen

Die Gruppen aktuell

Altersklasse 10-17 Jahre mit 10 Teilnehmern

Altersklasse 18-25 Jahre mit 7 Teilnehmern

Anzahl der Gruppen und Teilnehmer

Die Anzahl bewegt sich zwischen 2 und 3,

die Teilnehmerzahl zwischen 15 und über 30.

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Aufgaben im Theater gibt es viele und ganz

spezielle wie die Bühnentechnik, der Kulissenbau,

die Herstellung der Requisiten und Kostüme. Alles

aber dient nur einem großen Ziel: der Aufführung.

Eine Unterrichtstunde bei den Bahnhofkids

ist, von außen betrachtet, etwas chaotisch.

Doch dahinter steckt System. Denn Theater

ist zunächst mal das Spiel mit Kreativität und

Phantasie. Wenn alles in die richtigen Bahnen

gelenkt wird, entstehen daraus Tragödien, Komödien

oder auch Kinderstücke, wie bei den

Bahnhofkids. Deshalb lautet die Devise: Spaß

muss es machen! So erklärt sich auch das

scheinbare Chaos. Ja, da wird oft gelacht und

herumgealbert, was sich aber beim genaueren

Betrachten als bewusste Improvisationsübung

herausstellt, mit dem Ziel, Selbstsicherheit und

Vertrauen zu fördern. Da ist auch die Lust

am Verkleiden, dem In-eine-andere-Rolleschlüpfen

zu spüren. Dazu werden gezielt aber

spielerisch Ausdrucksmöglichkeiten erarbeitet,

Bewegungs- und Haltungsformen und die

Wahrnehmung trainiert, um alles später in der

Rolle abrufbereit zu haben. Auch das macht

Spaß. Es macht auch Freude festzstellen, was

man aus abgelegter Kleidung und Schaumstoff

an phantastischen Gebilden erschaffen kann.

Und das geht weiter, wenn es darum geht, im

Kleister zu matschen und mit Farbe dem kreativen

Spiel freien Lauf zu lassen für das Bühnenbild,

oder Gags und Ideen entstehen zu lassen,

um sie dann in das Stück einzubauen. Doch es

ist auch die Freude am Tag der Aufführung, die

Gewissheit, etwas Großes geleistet zu haben,

die freudigen Gesichter im Publikum und die

herzliche Umarmung zu erleben, wenn alles

geklappt hat. Das alles lohnt die Mühe - die

Mühe? Ja, es ist auch Mühe. Aber gern getane

Mühe ist Freude. Auf die richtige Balance

kommt es an. Und darum sorgen und kümmeen

sich bei uns in Dielheim speziell ausgebildete

Theaterlehrerinnen und -lehrer zusammen

mit dem Theater im Bahnhof.


Darstellendes Spiel in Bildern

Theater mit jungen Menschen im Theater im Bahnhof

Bahnhofskids und Junge Erwachsene Unter diesen Namen firmiert der Nachwuchs im Theater im

Bahnhof. Unter professioneller Führung ausgebildet, geben die jungen Menschen Zeugnis davon,

was heute im Jugendtheater möglich ist: Aufführungen, die berühren, die vor Spielfreude sprühen

und die spüren lassen, wie sinnvoll kreatives Tun für die Entwicklung von Menschen ist.

Links von oben nach unten:

„Ferienspaß“ freie Improvisationen -

„Bühnentechnik“ für Kinder

„Der Widerspenstigen Zähmung“ - 2010

Rechts von oben nach unten:

„Eine Woche voller Samstage“ - 2003

„Momo“ - 1997

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Links oben bis unten:

„Urmel aus dem Eis“

- 2013

„Bunbury“ - 2004

„Eine Woche voller

Samstage“ - 2003

Rechts Mitte u. unten:

„Warten auf Godot“

- 2003

„Momo“ - 1997


Drei Wörter, zwei Bedeutungen, ein Haus

Theater im Bahnhof Diese drei Worte sind nicht nur ein Name, sondern Programm. Möglich wurde

dies durch etwas Glück, gute Ideen, beherzte Entscheidungen, Hilfe von außen und eine Menge

Tatkraft. Theater im Bahnhof steht nicht nur für eine Vereinigung von Theaterfreunden, sondern auch

für ein Theaterhaus; klein, fein, überschaubar und unendlich wichtig für den Verein „Theater im Bahnhof“.

Wir sind überzeugt: Dieses Haus ist darüberhinaus ein wichtiger kultureller Beitrag für unsere

Gemeinde und die nahe Region. Die Bilder zeigen, worauf wir alle ein wenig Stolz sein dürfen.

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Der Hauptmann von Köpenik von Carl Zuckmayer

Eine Tragikomödie - Jubiläumsaufführung zum 5zigsten

Manfred Maier Schuster Wilhelm Voigt

Peter Laier Schwager Friedrich Hoprecht

Sabine Rachel Frau Marie Hoprecht

Willi Mann Bürgermeister Obermüller, Kallenberg und Gefangener

Gudrun Göhler Frau Mathilde Obermüller und Tingel-Tangel-Sängerin

Bernd Winter Adolf Wormser, Prokurist Knell, Buttje, Zuchthausdirektor, 1. Bahnbeamter

Edgar Sauer Zuschneider Wabschke, Jellinek, Gefangener, 2. Bahnbeamter, Soldat

Sophie Herrmann Krankes Mädchen, Kellnerin

Winfried Fuchs Krakauer, Gebweiler, Gefangener, Rosencrantz, Kriminaldirektor

Tobias Behner Hauptmann von Schlettow, Feldwebel, Kriminalinspektor

Hildegund Sauer Herbergsmutter, Tingel-Tangel-Sängerin

Edgar Greulich Oberwachtmeister, Grenadier, Gefangener, Zeck

Hannelore Weinmann Fanny, Tingel-Tangel-Sängerin, Bänkelsängerin

Rudolf Sauer Arbeitsuchender, Solojodler, Gefangener, Stadtschutzmann Killian

Gill Herrmann Plörösenmieze, Sängerin

Eberhard Weinmann Soldat, Bulcke, Zivilist, Gefangener, Gefreiter

Tatjana Stadter Tingel-Tangel-Direktorin, Bänkelsängerin

Klaus Hofstetter Zivilist, Soldat, Gefangener

Hristina Wagner Kellnerin, Tingel-Tangel-Tänzerin

Gilbert Ritz Bänkelsänger, Schlangenbeschwörer, Aufseher

Dieter Fuchs Zivilist, Gefangener, Dienstmann

Franz Mann Schutzmann

Masken, Frisuren Waltraud Kloé, Lore Becht, Gabriele Sauer, Annerose Sutter

Kostüme Loni Rössler, Roswita Ferdinand

Bühne Peter Knopf, Harald Rudolf, Rudolf Sauer

Technik Roland Laier, Malte Kappelhoff

Souffleuse Evelyne Sauer

Regieassistenz Hildegund Sauer

Inszenierung Manfred Maier

Carl Zuckmayer entlarvt in dem Stück „Der Hauptmann von Köpenick“ die Obrigkeitsgläubigkeit

im Deutschen Reich. So wie David sich Goliath stellt und ihn besiegt, führt der „Hauptmann von

Köpenick“ pfiffig und unerschrocken einen Schelmenstreich gegen die Staatsmacht durch. Das

dient Carl Zuckmayer dazu, sowohl den Bürokratismus als auch den Militarismus in Preußen

satirisch aufs Korn zu nehmen. Geschickt entwickelt er neben der eigentlichen Handlung auch

die gegenläufige Geschichte der Hauptmanns-Uniform.


5zig Jahre

Theater im Bahnhof

Zu guter Letzt

Zeit im Rampenlicht - eine wertvolle Zeit, auch in Zukunft

Aus bescheidenen Anfängen heraus... Immer

wieder werden solche Worte bemüht, wenn

es um einen Rückblick geht, weil es meist auch

stimmt. Doch viel wichtiger ist, was daraus

geworden ist, und noch interessanter, was

diese Zeit mit uns gemach hat, mit denjenigen,

die eine weite Strecke mitgegangen sind,

vielleicht sogar bis heute? Letzteres lässt sich

nur feststellen, wenn man das Vergangene

nicht nur betrachtet, sondern wertet, wenn

man kaum sichtbaren Strängen folgend die

dem System Amateurtheater innewohnenden

Regeln erkennt, die wegweisend, bestimmend,

ausschlaggebend dafür waren und noch

immer sind. Oder ist es eher die freiwillige

Organisationsform „Verein“, die stärker prägt

als die zugrunde liegende Idee? Nach 50

Jahren Theater im Bahnhof lässt sich feststellen:

Amateurtheater prägt die Beteiligten äußerst

nachhaltig und sehr positiv. Da ist zunächst die

Form: Bühnenspiel, angesiedelt zwischen Berufs-

und Laienbühne; eine Theaterform, die die

Laienspieltradition nicht verneint, keinem kommerziellen

Zwang unterliegt und die Theater

als Kunstform begreift, bereit, sich künstlerischen

Kriterien zu stellen. Ein weiterer Aspekt ist für

Amateure noch bedeutender: Theaterspielen

heißt nicht nur, anderen Menschen Unterhaltung

zu bringen, sondern durch das Erarbeiten

dramatischer Texte die eigene Persönlichkeit

im Zusammenspiel mit Anderen zu entfalten. Es

heißt auch, sich einordnen in das Gesetz des

Kreises, in dem jeder seine Aufgabe erfüllt, die

seiner Fähigkeit entspricht. So kann sich soziales

Empfinden, Sensibilität, die Fähigkeit zur Empa-

thie und zu künstlerischem Erleben entfalten;

alles Dinge, die nicht verkümmern dürfen; ganz

besonders in unserer Gesellschaft, in der Beliebigkeit

triumphiert. Wenn wir Menschen uns in

unserem Wesen verwirklichen wollen, brauchen

wir das; um so dringlicher, je mehr die Beliebigkeit

Raum greift. Theater verlangt körperliche

Aktivität und fordert geistige Beweglichkeit

beim Arbeiten mit Text und dem Umsetzen des

Stoffes in die mediengerechte Form. Spieler, Regie,

die Technik, die Maske und Werbung sehr

direkt, aber auch indirekt die Administration

und Verwaltung, also alle Beteiligten schaffen

zusammen einen Wert, der durch die Präsentation

vor Publikum zu einem starken Erlebnis

wird. Das alles geschieht freiwillig, organisiert in

einem Verein. Immer noch machen sich nur wenige

Vereine Gedanken über ihre Vereinskultur:

Wie ist das Miteinander beschaffen, was fügt

zusammen, was trennt? Gibt es ungeschriebene

Gesetze? Sind diese sinnvoll? Wie gut oder

schlecht wird kommuniziert, nach innen und

nach außen? Gehen wir achtsam miteinander

um? Dies alles sind wichtige Kriterien, die über

den Erfolg entscheiden und prägend wirken.

Dass Theater zur Mitmenschlicheit erzieht, deutet,

anregt, herausfordert, unterhält und erbaut,

gilt für theaterschaffende Amateure und Publikum

gleichermaßen. Die 5zig Jahre Theater

im Bahnhof haben allen Beteilgten auf ihrem

Weg durch die Zeit geholfen, ihre Persönlichkeit

zum Positiven für sich und die Gesellschaft zu

entwickeln - eine wertvolle Zeit. Es bleibt zu

wünschen, dass junge Menschen nachkommen

und Gleiches empfinden und erleben.

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Der Revisor - 2011

Das Leben geht weiter. Annehmen, gute

Entscheidungen treffen. Miteinander und für

einander da sein. Und für unser Publikum.

Danke

unserem Publikum!


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www.theaterimbahnhof.com

„Wer bereit ist, aus Liebe zu einigen Quadratmeter Bretterboden und

aus Begeisterung für das Stück Leben, das aus diesen Brettern entstehen

kann, alles auf sich zu nehmen und jede Kleinigkeit und jede

Schmutzarbeit mit der gleichen Liebe zu tun, mit der er eine große Rolle

spielt oder faszinierende Regie führt – das ist ein Theatermensch.“

J.B. Barrault

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