Bildkomposition - STYX Marketing GmbH

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Bildkomposition - STYX Marketing GmbH

Kapitel sechs

Bildkomposition

Die Drittel-Regel ist eine der

Grundregeln der Bildkomposition

- leicht zu verstehen und

einfach einzusetzen.

Eine der bekanntesten

Regeln zur Bildkomposition

ist die „Drittel-

Regel”. Dazu teilt man

ein Motiv gedanklich in

3 x 3 gleichgroße Felder.

Wenn Schwerpunkte

des Motivs auf den

Linien oder den Kreuzungspunkten

dieses

Rasters liegen, werden

Bilder als inte ressant

und ausgewogen emp -

funden. Liegen wichtige

Ele mente einfach

in der Mitte, wirkt das

langweilig.

58 Die Drittel-Regel

Manche Kameras blenden Raster ein,

doch mit Schätzen geht es auch.

60 Der Horizont

Soll der Horizont auf dem oberen oder

dem unteren Drittel liegen?

62 Vertikale Drittel

Liegt das Hauptmotiv auf einem

senkrechten Drittel, ist die Komposition

ein Kinderspiel.

64 Die Regeln brechen

Zu jeder Regel gibt es Ausnahmen -

das gilt auch für die Drittelregel.

56 CHIP FOTO-VIDEO digital

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Kapitel sechs Bildkomposition

Die Drittel-Regel

Unter all den bekannten

Gestaltungsgrundsätzen ist die

Drittel-Regel die einfachste. Dabei

wird der Bildausschnitt durch je

zwei vertikale und horizontale

Linien so unterteilt, dass neun

gleich große Felder entstehen. Die

Bildobjekte werden dann auf den

Drittellinien platziert. Bei Landschaften

sollten Sie beispielsweise

den Horizont entweder ein Drittel

vom unteren Bildrand oder ein

Drittel vom oberen Bildrand entfernt

setzen. Und ein besonderes

Objekt platziert man im Bild am

besten ein Drittel vom linken oder

rechten Bildrand entfernt.

Wie bei anderen Gestaltungsregeln

muss daran nicht stur fest-

Gitterlinien als Hilfe

o Komposition leichtgemacht: Bei

vielen Kameramodellen lassen sich

Gitter auf dem LCD einblenden.

Manche Kameras unterstützen die

Bildgestaltung mit der Drittel-Regel.

Horizontale und vertikale Linien

lassen sich dazu auf dem Display

einblenden und überlagern die

Szene im Hintergrund. So sieht man

die Drittel und kann dank der horizontalen

Linien einschätzen, wo

zum Beispiel der Horizont liegen

sollte. Bei der vertikalen Ausrichtung

ist Vorsicht geboten, da die

Kamera häufig leicht „nach oben

zielt“. Dies hat zusammenlaufende

Linien zur Folge – hohe Objekte

wie Bäume oder Gebäude stürzen

dadurch in die Mitte des Bildes.

Richten Sie das Hauptaugenmerk

deshalb mehr auf die horizontale

als auf die vertikale Ausrichtung.

Fujifilm FinePix F810 35 mm * f 2,8 * 1/300 Sek * ISO 100

gehalten werden. Doch wenn es

keine zwingenden Gründe gibt, es

anders zu machen, lassen sich mit

dieser Regel immer interessantere

Aufnahmen gestalten als bei mittiger

Platzierung.

Die Drittel-Regel ist eigentlich

eine vereinfachte Version des

„Goldenen Schnitts“, ein schon in

der griechischen Antike formuliertes

mathematisches Verhältnis,

das seit Jahrhunderten von

Künstlern und Architekten verwendet

wird. Der Goldene Schnitt

nutzt komplexe geometrische Zusammenhänge,

um perfekte Pro-

„Die Drittel-Regel ist

ein leicht anwendbares

Kompositionsprinzip.”

portionen bei so unterschiedlichen

Dingen wie etwa einem

Gebäude oder einem menschlichen

Körper zu definieren.

Die Drittel-Regel ist im Moment

der Aufnahme einfach anzuwenden.

Die Drittel können im

Sucher oder auf dem LCD einfach

geschätzt werden.

Die Drittel-Regel sollte man

dennoch nicht sklavisch befolgen.

Wie auch bei anderen Regeln

kann gerade eine Nichtbeachtung

zu interessanten Effekten

führen. Es hängt stets davon ab,

wie das Bild wirken soll.

l Hier folgt die Komposition recht

genau der Drittel-Regel. Der obere wie

untere (sichtbare) Rand des Zauns liegt

auf einer horizontalen Drittellinie, der

Pfosten rechts auf einer vertikalen.

58 CHIP FOTO-VIDEO digital

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Kapitel sechs Bildkomposition

Der Horizont

Bei Landschaftsaufnahmen,

die nach der Drittel-Regel

gestaltet werden, steht man vor

der Frage, ob der Horizont auf das

obere oder untere Drittel gelegt

werden soll.

Der schlechteste Platz für den

Horizont ist in der Bildmitte, weil

das Foto dadurch in zwei Hälften

zerteilt wird. Das sieht nicht nur

merkwürdig aus, es ist oft auch

verwirrend. Der Betrachter weiß

dann einfach nicht, auf welchen

Teil er blicken soll. Das ist wie

bei einer Zeitung mit zwei gleich

groß gesetzten Titeln.

Dieser Fehler entsteht – oft

unbewusst – dann, wenn Sie sich

u Wenn der Vordergrund Interessantes

zeigt - wie hier die Spiegelung der

Lichter im Wasser - sollte man den

Horizont auf das obere Drittel legen.

nicht klar darüber sind, ob der

Himmel oder der Vordergrund

im Fokus stehen soll. Dies sollten

Sie stets bewusst entscheiden,

weil Ihre Aufnahme nicht wirkt,

wenn beides gleich gewichtet

wird. Alter nativ machen Sie einfach

zwei Bilder, einmal mit dem

Himmel als Kernelement, einmal

mit dem Vordergrund. So können

Sie später in Ruhe entscheiden,

welches der Bilder schöner und

interessanter ist. Vielleicht sind ja

sogar beide gut geworden.

Manchmal nimmt Ihnen die

Eindeutigkeit des Motivs die Entscheidung

ab: Wenn Sie einen Sonnenuntergang

fotografieren, wird

wahrscheinlich der Himmel das

interessantere Element sein. In

dem Fall legt man den Horizont auf

das untere Drittel. Sollte im Vorder-

Nikon D50 105 mm * f 8 * 2 Sek * ISO 200

grund ein entscheidendes Objekt

sein, etwa ein rustikaler Holzsteg,

werden Sie die Kamera nach unten

bewegen und so den Horizont

im oberen Drittel platzieren.

Manchmal ist die Entscheidung

kompliziert. Bei Sonnenuntergängen

kann es eindrucks voll

geschichtete Wolkenformationen

geben, sodass der eigentliche Horizont

nicht die stärkste Linie ist. In

diesem Fall sollten Sie das visu ell

stärk s te Element nach der Drittel-

Regel ausrichten. Mal ist es der

Horizont, ein anderes Mal eine

Wolkenformation.

„Der untauglichste Platz

für den Horizont ist die

Mitte. Man zerschneidet

dadurch ein Bild in konkur

rierende Hälften.“

Das Stativ ist bei Landschaftsaufnahmen

eines der besten Hilfsmittel

für die Gestaltung. Mit

einem Stativ kann die Kamera

ganz in Ruhe ausgerichtet werden,

insbesondere bei Modellen

mit eingebauter Wasserwaage.

Darüber hinaus ermöglicht es

Ihnen, sich intensiver mit der

Szene auseinanderzusetzen. Die

Kamera und der Ausschnitt werden

fixiert, was Ihnen Zeit gibt,

ganz verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten

auszuprobieren.

l Sonnenuntergänge mit dem Spiel

verschiedener Grautöne am Himmel

sind oft spektakulär. Platzieren Sie

den Horizont auf dem unteren Drittel.

60 CHIP FOTO-VIDEO digital

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Kapitel sechs Bildkomposition

Vertikale Drittel

Dass der Horizont möglichst

nicht in der Bildmitte liegen

sollte, haben wir schon angesprochen.

Das ist richtig, wenn der

Hori zont ein essenzieller Teil des

Bildes ist. Wenn allerdings ein anderes

größeres Objekt das zentrale

Motiv sein soll, wird der Horizont

zum sekundären Element. Bei der

Bemühung, den Horizont in absolut

jeder Aufnahme nach der Drittel-Regel

zu platzieren, würde man

schlussendlich eine Serie gekünstelter

Aufnahmen produzieren.

Gestalterisch sind die vertikalen

Linien gleichermaßen wichtig.

Normalerweise reicht es aus,

die Drittel-Regel entweder auf die

hori zontalen oder die vertikalen

Linien auszurichten. Es muss

nicht beides gleichzeitig sein.

In Studio-Porträts beispielsweise

wird die Person meist in die

Mitte gesetzt. Das ist bei einzelnen,

zentralen Motiven in Ordnung.

Häufig soll aber ein Objekt

im Zusammenhang mit seiner

Umgebung aufgenommen werden.

Dann kommen die vertikalen

Drittellinien zum Einsatz,

die interessantere Aufnahmen ermöglichen,

indem das Objekt auf

dem linken oder rechten Drittel

platziert wird.

r Im Studio kann man perfekte Bildaufteilungen

viel einfacher planen.

Diese Vase ist exakt auf dem linken

Drittel platziert.

Canon EOS 300D 77 mm * f 11 * 1/200 Sek * ISO 100

Dieser Strandwächterturm ist

auf dem linken Drittel viel besser

platziert als in der Bildmitte.

62 CHIP FOTO-VIDEO digital

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Kapitel sechs Bildkomposition

Die Regeln brechen

Die Drittel-Regel besagt,

dass Bilder nicht in zwei gleich gewichtete

Hälften unterteilt werden

sollen – weder horizontal

noch vertikal. Dies verleiht der

Gestaltung eine gewisse Dynamik

und Spannung – statische,

emotionslose Bilder werden vermieden.

Trotzdem gibt es Situationen,

in denen die Drittel-Regel

ignoriert werden sollte.

Zum einen ist die Drittel-Regel

nicht die wirksamste Gestaltungsregel.

Linien haben viel stärkeren

Einfluss auf Kompositionen, ebenso

wie Formen oder Kontraste.

Wird ein Motiv durch Linien dominiert,

muss man sich um die

u Manchmal geht es darum, die Sym-

me trie eines Objektes betonen, anstatt

sie zu verschleiern, so wie bei dieser

verwitterten Kaimauer.

Drittel-Regel wenig Gedanken machen,

da sie zur Bildwirkung kaum

beiträgt. Einfacher ausgedrückt:

Die Anwendung der Drittel-Regel

ist sinnvoll, wenn sich in einer

Szene nichts anderes aufdrängt.

Wenn also nichts im Motiv als

bildwichtig auffällt, dann spricht

nichts dagegen, sich an die Drittel-

Regel zu halten. Gibt es aber Elemente

im Bild, die gestalterische

Dominanz übernehmen können,

kann die Drittel-Regel die Wirkung

des Bildes kaum erhöhen.

Das Foto des Traktors mit dem

geschlagenen Holz ist ein gutes

Beispiel. Die Linie des dominierenden

Baumstamms vor dem

Traktor ist so stark, dass sich der

Rest des Bildes einfach drum herum

gestaltet. Wäre der Traktor

auf einem Drittel platziert, wür-

Canon EOS 30D 28 mm * f 5,6 * 1/500 Sek * ISO 400

den die Stämme zu stark gewichtet,

und das Gesamtbild würde

aus der Balance geraten.

Das Gefühl für eine grundlegende

Balance des Gesamtbildes

ist enorm wichtig. Technisch orientierte

Fotografen mit Vorliebe

für feste Regeln tun sich mit dieser

Anforderung eventuell schwerer,

doch man kann den Blick für

wirkungsvolle Kompositionen

durchaus trainieren.

Anzumerken ist noch, dass

das Bild mit dem Traktor gestalterisch

eigentlich recht komplex

ist. Nicht ein einzelnes Element

„Wo Linien die Szenerie

dominieren, muss man

sich über die Drittel-Regel

keine Gedanken machen.”

macht die Wirkung aus, sondern

die Verflechtung der Linien und

Formen untereinander.

Um Gestaltung mit Linien und

Formen geht es im nächsten Kapitel.

Eins soll zur Drittel-Regel noch

gesagt werden: Sie dient dazu, dass

Bilder nicht zu künstlich oder

grundlos symmetrisch wirken.

Bei manchen Motiven kommt

es allerdings genau darauf an –

beispielsweise beim Fotografieren

von künstlich geschaffenen

Strukturen. Symmetrie betont

diesen Umstand und hebt den

künstlichen Ursprung hervor.

l Das komplexe Wechselspiel von

Linien und Formen wirkt stärker als

jeder Effekt, den die Drittel-Regel auf

die Bildkomposition gehabt hätte.

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