Programmheft herunterladen - Münchner Philharmoniker

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konzerte 2006 /2007

DAnIeLe GAttI / PHILHArMonISCHer CHor MÜnCHen

15. / 16. APrIL 2007


sonntag, 15. april 2007, 19 Uhr

5. abonnementkonzert g

montag, 16. april 2007, 20 Uhr

4. abonnementkonzert k

giUseppe Verdi

oUVertüre zU „lUisa miller“

Chor „gerUsalem, la grande, la promessa Città !“

aUs „i lombardi alla prima CroCiata“

Chor „o signore, dal tetto natio Ci Chiamasti !“

aUs „i lombardi alla prima CroCiata“

ballettmUsik aUs „maCbeth“

Chor „patria oppressa !“ aUs „maCbeth“

oUVertüre zU „i Vespri siCiliani“

Chor „spUntato eCCo il dì d’esUltanza !“ aUs „don Carlo“

giUseppe Verdi

oUVertüre zU „nabUCCo“

Chor „gli arredi festiVi giù Cadano infranti !“ aUs „nabUCCo“

Chor „Va’, pensiero, sUll’ale dorate !“ aUs „nabUCCo“

ballettmUsik aUs „otello“

oUVertüre zU „la forza del destino“

Chor „gloria all’egitto !“ Und triUmphmarsCh aUs „aida“

daniele gatti

dirigent

philharmonisCher Chor münChen

einstUdierUng: andreas herrmann

konzerte 2006/2007

109. Spielzeit Seit der GründunG 1893

generalmUsikdirektor CHriStiAn tHieleMAnn

ehrendirigent zuBin MeHtA

intendant wouter HoekStrA


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Verehrte Konzertbesucher,

liebe Freunde der Münchner Philharmoniker !

nach einem inspirierenden ausflug in die moderne mit

werken von györgy ligeti und dem neuen Violinkonzert

von brett dean, kehren wir nun mit generalmusikdirektor

Christian thielemann wieder zu dem romantischen repertoire

zurück. drei wegweisende komponisten der romantik stehen

hier in der reihenfolge ihrer geburt mit jeweils einem werk

auf dem programm. zunächst ludwig van beethoven mit seiner

„leonore“-ouvertüre nr. 3, die wie drei weitere ouvertüren

der oper „fidelio“ zuzuordnen ist und in ihrer dramaturgie

große nähe zum handlungsverlauf der oper hält. mit felix

mendelssohn bartholdys konzert für Violine und orchester

präsentieren wir ihnen den außergewöhnlichen geiger nikolaj

znaider. er führt die reihe der jungen, erstklassigen geiger

fort, die in der laufenden saison mit den münchner philharmonikern

zu hören waren: Vadim repin, sergey khachatryan,

thomas zehetmair und frank peter zimmermann. der konzertabend

schließt mit Johannes brahms’ symphonie nr. 3.

das darauffolgende konzertprogramm ist fabelhaft für unseren

philharmonischen Chor geeignet: ausschnitte aus opern

des italienischen komponisten giuseppe Verdi unter der leitung

des italienischen dirigenten daniele gatti. es erwartet

sie ein abend mit ausgewählten Chor- und orchesterstücken,

die sie auf eine reise durch einige der bekanntesten Verdiopern

nehmen: „macbeth“, „don Carlo“, „nabucco“, „aida“

und andere.

bei dieser gelegenheit möchte ich unserem philharmonischen

Chor einmal ein großes kompliment aussprechen.

dieser Chor bereichert und unterstützt das musikalische

schaffen der münchner philharmoniker in hohem maße.

das ist schon alleine aus organisatorischen gründen eine

erstaunliche leistung, denn die mitglieder des Chores sind

zum großteil keine berufsmäßigen sänger, sondern proben

in ihrer freizeit. ein großes dankeschön für diesen unermüdlichen,

künstlerischen einsatz !

ihr

wouter hoekstra

intendant


Sigrid Neef

ein Verdi der besonderen art

ouvertüren, ballettmusiken und Chöre aus opern von giuseppe Verdi

Lebensdaten des Komponisten

geboren am 10. oktober 1813 in le roncole

bei busseto (herzogtum parma); gestorben am

21. Januar 1901 in mailand.

Zu den aufgeführten Werken

„Luisa Miller“ (luise millerin), text von

salvatore Cammarano nach friedrich schillers

bürgerlichem trauerspiel „kabale und liebe“

(Uraufführung am 8. dezember 1849 in neapel)

„I Lombardi alle prima crociata“ (die

lombarden auf dem ersten kreuzzug), text

von temistocle solera nach dem gleichnamigen

epos von tommaso grossi (Uraufführung

am 11. februar 1843 in mailand)

„Macbeth“, text von francesco maria piave

und andrea maffei nach der tragödie von

william skakespeare (Uraufführung der italienischen

erstfassung am 14. märz 1847 in

florenz; Uraufführung der französischen

zweitfassung am 21. april 1865 in paris)

„I vespri siciliani“ (die sizilianische Vesper),

text von eugène scribe und Charles duveyrier

nach ihrem libretto „le duc d’albe“ (Uraufführung

der französischen erstfassung am

13. Juni 1855 in paris; Uraufführung der italienischen

zweitfassung am 26. dezember

1855 in parma)

„Don Carlo“ (don Carlos), text von Joseph

méry und Camille du locle nach dem dramatischen

gedicht „don karlos, infant von spanien“

von friedrich schiller (Uraufführung

der französischen erstfassung am 11. märz

1867 in paris; Uraufführung der italienischen

zweitfassung am 2. dezember 1872 in neapel)

„Nabucodonosor“ (nabucco), text von temistocle

solera nach dem schauspiel „nabuchodonosor“

von auguste anicet-bourgeois und

franz Cornu (Uraufführung am 9. märz 1842

in mailand, teatro alla scala)

„Otello“ (othello), text von arrigo boito

nach der gleichnamigen tragödie von william

shakespeare (Uraufführung am 5. februar

1887 in mailand)

„La forza del destino“ (die macht des

schicksals), text von francesco maria piave

nach dem schauspiel „alvaro o la fuerza del

sino“ von angel perez de saavedra (Uraufführung

am 10. (22.) november 1862 in st.

petersburg)

„Aida“, text von antonio ghislanzoni

nach einem szenarium von auguste edouard

mariette-bey (Uraufführung am 24. dezember

1871 in kairo)

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„Pietà“, „rispetto“, „pace“

nicht wenige seiner 26 opern haben einen

kaum zu übertreffenden bekanntheitsgrad,

einige ihrer arien oder Chöre weiß fast jedes

kind zu trällern. giuseppe Verdi gilt als komponist

menschlicher leidenschaften schlechthin.

Und doch ist man immer wieder überrascht,

in welchen formen und wie eindringlich

dieser komponist seiner sehnsucht nach

einem sein jenseits der leidenschaften ausdruck

gibt, der sehnsucht nach „pietà“, „rispetto“

und „pace“, nach erbarmen, respekt

und frieden.

Verdi hat in seinem leben erfahren müssen,

dass der mensch von sich aus wenig vermag.

als genialer sohn armer eltern, fand er früh

einen väterlichen förderer, und in dessen tochter

die geliebte ehefrau und mutter seiner beiden

kinder. Verdi studiert, komponiert, arbeitet

wie ein galeerensklave. doch der künstlerische

erfolg bleibt aus. 1838/39 sterben seine

beiden kinder, 1840 die geliebte frau. Verdi

ist 27 Jahre alt und fühlt sich am ende. nirgends

ein hauch von „pietà“.

nur einmal noch will er es versuchen. er komponiert

den „nabucodonosor“ (nabucco). es

wird ein überwältigender erfolg. über nacht

wird Verdi 1842 vom unbekannten provinztalent

zum italienischen nationalkomponisten,

zum künder des „risorgimento“, der italienischen

befreiungsbewegung, bei der ein Volk

„rispetto“ für sich fordert.

der komponist wird zum abgeordneten des

ersten republikanischen parlaments in turin

(1860) und zum senator in rom (1874). Verdi

dient der republik auch dann noch, als er

sich in seinen hoffnungen getäuscht sieht,

denn die politischen Veränderungen haben

weder zu mehr „pietà“, noch „rispetto“ unter

den menschen geführt.

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Verdi ersehnt für sich und die welt nur noch

eins: „pace“. Und wie kein zweiter komponist

wird er zum gestalter kollektiver Visionen

von „pietà“, „rispetto“ und „pace“.

„Luisa Miller“

Vier dramen von friedrich schiller weckten

Verdis interesse und wurden von ihm vertont:

„die Jungfrau von orleans“ 1845, „die räuber“

1847, „kabale und liebe“ („luisa miller“) 1849

und schließlich „don Carlos“ 1867. in allen

schiller-opern wird der weltenlauf durch

liebende herzen gespiegelt. die liebe geht

zugrunde, das dunkel der welt wächst, aber

auch die kraft des widerstands.

so auch in „luisa miller“. ein eigennütziger

machthaber trennt zwei liebende herzen. das

mädchen luisa gerät in solche not, dass sie

Verrat an ihrem geliebten übt, und der junge

mann bringt seine luisa und sich selbst um.

in der endlichen welt tragen die bösewichter

den sieg davon, doch befreit der tod die liebenden

von allen täuschungen, Verstellungen

und fesseln und lässt ein anderes, besseres

sein zur hoffung und gewissheit werden.

schillers rebellentum, sein „in tyrannos“,

interessierten Verdi, vertont aber hat er die

Verstrickungen in die kleinheit der welt und

die befreiung zu seelischer größe.

die ouvertüre gehört nicht zu den bekanntesten

und populärsten Verdis (wie etwa die zur

„sizilianischen Vesper“ oder zur „macht des

schicksals“), aber zu seinen besten. sie ist ein

frühes meisterwerk in der form eines sonaten-allegros.

webers „freischütz“-ouvertüre

ist hier mitzuhören. allerdings ist bei Verdi

die ganze welt zur „wolfsschlucht“ geworden,

mit lieblichen wie irrlichternden holzbläserepisoden

und einem teuflischen kehraus.


Giuseppe Verdi

um 18


„I Lombardi alla prima crociata“

Verdis oper basiert auf einem patriotischen

gedicht, das einer Vergangenheit huldigt, in

der die lombardei politisch mächtig war. so

wie beim ersten kreuzzug, einem als glaubenskrieg

getarnten raubzug.

konnten sich damals mailändische „war lords“

als fremdherrscher gerieren, so hatten die

lombarden der Verdi-zeit selbst unter fremdherrschaft

zu leiden. auch Verdis librettist

temistocle solera wurde in spielberg, dem

berüchtigten burgverlies der Österreicher,

gefangen gehalten. einstige größe und Unabhängigkeit

wurden beschworen, um aus

gegenwärtiger kleinheit und knechtung herauszufinden.

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zwei mailändische brüder kämpfen um eine

frau. ihren privaten streitigkeiten können

sie durch den kreuzzug gen Jerusalem entfliehen.

die tochter eines der brüder (giselda)

zieht als pilgerin mit, erlebt unterwegs not und

leiden, wird gefangen genommen, erfährt und

weckt die liebe eines muselmanen. die Christin

und der moslem geben heimat und familie

auf und finden erfüllung in ihrer liebe,

auch wenn ihr glück nur von kurzer dauer

ist, und der tod sie trennt.

Verdis musik erzählt die geschichte eines

lernens durch leiden. erst die unbedingte

liebe befreit von unseligen anfechtungen

und Verstrickungen. heimat, familie und

glaube müssen aufgegeben werden. der

wahre kreuzzug hat kein geographisches

ziel. das „heilige grab“ ist überall.

es geht um das verblendete streben nach

ruhm und gold. das führt zu katastrophen

und erzwingt innere wandlungen. ein moment

der inneren ergriffenheit tut sich in

dem Chor „gerusalem, la grande, la promessa

città !“ kund. Verdis musik lässt keinen

zweifel daran, dass mit Jerusalem kein geographischer

ort gemeint ist, sondern ein

raum für „pietà“, „rispetto“ und „pace“.

in diesem sinne gab Verdi dem 4. akt die bezeichnung

„das heilige grab“. giselda ist vom

Vater verdammt, hat ihre mutter und ihren

geliebten verloren. allen weltlichen hoffnungen

abgestorben, wird sie zu Visionen fähig,

erschaut mitten in der wüste wasser. das rettet

die pilger und kreuzritter vor dem Verdursten.

für einen augenblick werden die lombarden

vom geist der demut erfasst: „o signore,

dal tetto natio ci chiamasti !“

es handelt sich um ein gebet und zugleich

um die erhörung des gebets. während in

worten die ferne heimat beschworen und

befreiung aus der not ersehnt wird, säuseln

bereits die winde und rauschen die wasser,


vollzieht sich musikalisch das wunder der

errettung.

bei der Uraufführung am teatro alla scala in

mailand wurde diese hymne ebenso bejubelt

wie ein Jahr zuvor der freiheitschor aus dem

„nabucco“.

„Macbeth“

Verdis „macbeth“-oper ist mehr als eine interpretation

von shakespeares tragödie. ein

schottischer „war lord“ und seine lady folgen

den Verlockungen ihrer eigenen ruhmsucht

und täuschen sich bei der enträtselung

wahrer prophezeiungen. sie morden sich hinauf

auf den königsthron, zerstören dabei ihr

land, ihre liebe und ihre seelen. laut Verdi

gibt es in seiner oper „nur drei rollen: lady

macbeth – macbeth – die hexen. die hexen

beherrschen das drama, alles stammt von

ihnen, sie sind die töchter des Chaos“.

Verdis Umarbeitung des „macbeth“ für die

pariser französische zweitfassung 1865 führte

zu einem zugeständnis an die form der

„grand’opéra“, bei der ein ballett unumgänglich

war. so schuf Verdi ein in die handlung

integriertes hexen-ballett. Verunsichert und

geängstigt von den eigenen mörderischen

taten sucht macbeth die hexen auf, erbittet

auskunft über sein weiteres schicksal und

erhält sie. dazu Verdi selbst: „das erscheinen

der göttin der nacht, hekate, unterbricht die

hexen-tänze und bietet raum für ein ernstes,

strenges adagio – gespielt von der klarinette

oder bassklarinette – , so dass im Unisono

mit Cello und fagott ein stumpfer, starrer

ton entsteht, wie das der situation gemäß

ist.“

meist versuchen die herrschenden, ihre

machtgelüste in fernen gegenden zu be-

friedigen, das eigene land hingegen als zufluchtsstätte

für das eigene Volk zu bewahren.

was aber dann, wenn – wie in „macbeth“

– das Volk von den eigenen herrschern verfolgt

und ermordet wird ? die weltgeschichte

geizte seither nicht mit ähnlichen situationen.

dabei machen es die modernen medien

immer schwerer, das „wahre“ zu erkennen.

denn die auf die opfer gerichtete kamera

verzerrt sehr oft die situation, nimmt den

opfern ihre glaubwürdigkeit. anders bei

Verdi. in seiner musik bleibt der schmerz

unnahbar und keusch, die Verzweiflung

unverstellt, so auch in dem Chor „patria

oppressa !“

es handelt sich um eine musik ganz nahe

am schweigen, um einen gesang, ganz nahe

am Verstummen, um Äußerungen im angesicht

der letzten dinge. es ist nicht der einzige

Chor dieser art in der musikgeschichte,

aber er ist einer ihrer bedeutendsten.

„I vespri siciliani“

„die sizilianische Vesper“ ist eine oper über

die Vergeblichkeit menschlichen planens und

hoffens. in dem von den franzosen besetzten

sizilien regt sich widerstand gegen die fremdherrschaft.

es werden pläne geschmiedet, die

besatzer zu verjagen. doch da erweist sich,

dass der hoffnungsträger der italiener einen

französischen Vater hat und dieser gar als

gouverneur sizilien regiert. nun werden pläne

geschmiedet, die beiden Völker miteinander

zu versöhnen, aber die alten Vorhaben kommen

den neuen in die Quere, so dass schließlich

die Versöhnung bringende hochzeit zum

blutbad mutiert.

die ouvertüre ist eine musikalische glanznummer.

sie setzt sich aus dem themenmaterial

der oper zusammen, doch nicht

in potpourri-form, sondern dem klassischen

sonatenprinzip folgend, mit einleitung und

anschließendem allegro-hauptteil. so schlägt

die introduktion mit einer rhythmischen

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grundformel das „todesmotiv“ an, flankiert

von einem „de profundis“-psalm aus dem

finale des 4. akts. als allegro-hauptthema

erscheint das motiv der massaker-szene,

wenn im letzten finale anstelle der geplanten

hochzeit die sizilianer und franzosen

aufeinander einschlagen. Verdi lässt das

seitenthema sich breit entfalten, denn es

entstammt der erkennungsszene zwischen

dem französischen Vater und seinem sich

als italiener wähnenden sohn. die ouvertüre

schafft ein musikalisches gleichnis: das

seitenthema ist voll wärme, innigkeit und

beseeltheit, kann sich aber nicht gegen das

hauptthema durchsetzen.

„Don Carlo“

Verdi hat schillers „don Carlos“ als einen

tragisch scheiternden Versuch gelesen, misstrauen

durch liebe und freundschaft zu

ersetzen und damit innerer wie äußerer

knechtschaft zu entkommen. im weltreich

des spanischen königs philipp ii. geht die

sonne nicht unter, aber sie erhellt keine

glücklichen lande. es herrscht zwang in

weltlichen wie in geistlichen dingen. freiheitsregungen,

wie gerade in flandern, werden

blutig unterdrückt. auch die römischkatholische

kirche setzt ihr glaubensmonopol

mit gewalt durch und bedient sich dabei

schauspiele besonderer art, nämlich öffentlicher

Verbrennungen von andersgläubigen,

„autodafés“ genannt (lateinisch: actus fidei;

spanisch: auto de fe).

ein höhepunkt des „don Carlo“ ist eine

solche autodafé-szene, eingeleitet vom Chor

„spuntato ecco il dì d’esultanza !“ ihre Vielschichtigkeit

ist enorm. in ihr erklingen die

evokationen einer schaulustigen menge,

loyalitätsbekundungen eines Volkes gegenüber

seinem herrscher. inmitten der lobgesänge

ertönt ein düsterer marsch: mönche

führen von der kirche Verurteilte zur hin-

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richtung und berufen sich auf die strenge

und gerechtigkeit gottes. deputierte der

flandrischen aufständischen erflehen gnade

für ihr gepeinigtes Volk. Vergeblich.

die Verbrennung der Verurteilten beginnt.

das Volk begrüßt die hinrichtung als festliches

spectaculum, die mönche als feier zum

ruhm gottes, während sich die flandrischen

gesandten schaudernd fragen, warum der

himmel dies alles duldet und menschen im

namen gottes derart furchtbares anzetteln.

„Nabucco“

der 1842 am teatro alla scala in mailand

uraufgeführte „nabucodonosor“ (nabucco)

wurde schicksalswendend für Verdi. mit

ihm begann sein erfolg als opernkomponist.

zugleich ist das phänomen der schicksalswende

das thema dieser oper, abgehandelt

am beispiel der hebräer. ihrem gott und

damit ihren eigenen kulturellen und ethischen

wurzeln untreu geworden, werden

sie ein opfer der babylonischen eroberer.

die babylonier selbst werden ein opfer

ihrer hybris.

die ouvertüre fasst wie in einem brennspiegel

den weg des leidens, der einsicht und

der erkenntnis zusammen. es geht um die

erkenntnis der Unabwendbarkeit von leiden

und der notwendigen besinnung auf die wurzeln

des seins.

bevor die babylonier den tempel in Jerusalem

einnehmen, haben die hebräer bereits

kapituliert, in der erkenntnis ihres abfalls

von gott, dem sie nur noch äußerlich dienen.

angst und schrecken, der zorn gottes, sind

schon in den einleitenden orchestertakten

des Chors „gli arredi festivi giù cadano infranti

!“ manifest und teilen sich dem ganzen

Volk mit. dann mahnen die leviten, die priester

und tempeldiener, zum gebet (noch heu-


Giuseppe Verdi

um 1899


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te sagt man im übertragenen sinne „jemandem

die leviten lesen“), frauen und kinder

flehen zu gott, und schließlich umweht ein

hauch kommender gnade des reuige Volk.

Von erkenntnis spricht auch Verdis musik im

Chor „Va’, pensiero, sull’ale dorate !“ bei diesem

Chor handelt es sich um das berühmteste

musikstück der oper, vielleicht von Verdis

gesamten Œuvre. musikalisch einfach gehalten,

formelhaft im rhythmus, mit gleichförmiger

phrasenbildung und vorwiegend unisoner

(einstimmiger) textur, erscheint dieser Chor

als komponiertes ideal eines kollektiven affekts,

einer idealen gleichgestimmtheit. so

konnte er später zum musikalischen symbol

eines nach selbstbestimmung strebenden

italien werden.

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„Otello“

Von einem „inkubus“ sei er besessen, und in

einem furchtbaren furor jage er dahin, bis er

die geliebte, unschuldige frau tötet und nach

dem erwachen aus dem taumel sich selbst.

so giuseppe Verdi über seinen othello. er

hat diese figur über alles geliebt und sehr

gut verstanden. Von ähnlicher besessenheit,

von wutausbrüchen und Jähzorn spricht Verdis

eigenes leben. die oper „otello“ handelt

vom ungestümen fall eines menschen.

was also soll hier ein ballett ? selbst kenner

von Verdis schaffen wissen meist nichts von

einem „otello“-ballett. Verdi selbst hat dafür

gesorgt, dass es nicht zur drucklegung kam.

noch vor der Uraufführung am mailänder

teatro alla scala war der librettist arrigo

boito damit beschäftigt, den text der oper

ins französische zu übersetzen, da „otello“


ereits wenig später zur pariser erstaufführung

an der grand’opéra vorgesehen war.

für diese aufführung war nun (nach pariser

gepflogenheiten) ein ballett erforderlich.

Verdi suchte lange zeit nach einem entsprechenden

platz und integrierte es schließlich

in den 3. akt.

die szenische situation: otellos eifersucht ist

auf dem siedepunkt. er will desdemona unverzüglich

ermorden, was durch die ankunft

einer venezianischen delegation verhindert

wird. der aufs höchste erregte muss sich

verstellen, um seine venezianischen auftraggeber

über seinen wahren seelenzustand zu

täuschen. während im original otello nur

sekunden zeit bleiben, um aus dem furor

aufzutauchen und sich als gelassener staatsmann

zu geben, verschafft ihm nun das ballett

– eine art Vorbereitungs- und auftrittsmusik

für die delegation aus Venedig – mehr

zeit, sich auf die neue situation einzustellen.

„La forza del destino“

da wirft einer seine pistole weg, um seine

friedliche absicht zu demonstrieren, doch

dabei löst sich eine kugel und trifft tödlich.

aber nicht dieser zufall, sondern standesdünkel

und rassenhass sind die motoren

des schicksals, zerstören die liebe zwischen

einer weißen und einem farbigen, lösen unversöhnliches

rachebegehren aus. „pietà“,

„rispetto“ und „amore“ werden dem moloch

geopfert. „schicksal“ ist hier ein von menschen

verursachtes Verhängnis, von diesen

zwar ungewollt, aber unbewusst doch immer

wieder reproduziert.

diese kette zu zerreißen, mühen sich viele

von Verdis figuren. in den frühen werken

hilft ihnen der tod, in den späteren opern

die abkehr vom weltlichen leben, die zuflucht

in einöde oder kloster.

die ouvertüre setzt die von der hauptgestalt

leonora gewählte lösung ins rechte licht.

angekündigt von zweimal drei e-moll-akkorden

– ehernen „ausrufezeichen“ als erinnerung

an die berühmten drei es-dur-akkorde in der

„zauberflöte“ – , erklingt ein drängendes

motiv, in dem flucht- und angriffsgebärden

ununterscheidbar sind: das „schicksals“motiv.

in dreifachem piano erhebt sich in

den streichern eine melodie aus leonoras

gebet „non m’abbandonar, pietà, pietà di

me, signore“ (Verlasse mich nicht, erbarmen,

erbarme dich meiner, herr). es gibt

kein schnelles, kein billiges erbarmen, in

der ouvertüre nicht, noch in der oper. Um

seelenfrieden muss leonora ihr leben lang

ringen, so wie der komponist selbst auch.

die bitte um frieden ist die grundmelodie

aller Verdi-opern. als „melodia“ hat Verdi

daher leonoras letztes friedensgebet bezeichnet,

und aus dem musikalischen material

dieser nummer ist die ouvertüre der

oper gestaltet.

„Aida“

ein ägyptischer feldherr erringt den sieg

in der schlacht, ihm wird die ehre des helden,

die liebe der künftigen herrscherin

zuteil, und doch führt sein weg in den tod.

denn er liebt eine gefangene, eine tochter

des besiegten Volks der Äthiopier. in kaum

einer anderen oper hat Verdi den riss zwischen

äußerem glanz und innerem elend

eindringlicher geschildert als in seiner oper

„aida“.

das große finale des 2. akts „gloria all’

egitto !“ gehört zu den berühmtesten sze-

nen der opernliteratur: hochstimmung und

dramatik, eine sich selbst feiernde siegermacht.

auch wer mit der handlung der oper

nicht vertraut ist, kann sich der suggestion

nicht entziehen – freude, dank und stolz.

ein unerhörter, ein erfüllter augenblick.

nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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1

„I Lombardi alla prima

crociata“

dramma lirico in quattro atti

libretto di temistocle solera

atto terzo: „la ConVersione“

sCena prima

la Valle di Giosafat sparsa di varii colli praticabili,

fra i quali primeggia quello degli ulivi.

in lontananza vedesi Gerusalemme. Cavalieri

Crociati, donne, pellegrini, che escono in processione

a capo scoperto.

Coro

di dentro.

gerusalem, gerusalem, la grande,

la promessa città !

oh sangue bene sparso... le ghirlande

d’iddio s’apprestan già !

escono.

deh per i luoghi che veder n’è dato,

e di pianto bagnar,

possa nostr’alma coll’estremo fato

in grembo a dio volar !

pellegrini

gli empi avvinsero là fra quei dirupi

l’agnello del perdon:

a terra qui cadean gl’ingordi lupi

Quand’ei rispose: io son !

sovra quel colle il nazarén piangea

sulla città fatal;

È quello il monte, onde salute avea

il misero mortal !

tUtti

deh ! per i luoghi che veder n’è dato,

e di pianto bagnar,

possa nostr’alma coll’estremo fato

in grembo a dio volar !

o monti, o piani, o valli eternamente

sacri ad uman pensier !

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„Die Lombarden auf dem ersten

Kreuzzug“

lyrisches drama in vier akten

libretto von temistocle solera

dritter akt: „die bekehrUng“

erste szene

das tal von Josaphat, umgeben von mehreren

begehbaren Hügeln, unter denen der Ölberg

herausragt. in der Ferne sieht man Jerusalem.

kreuzritter, Frauen, pilger, die barhäuptig in

einer prozession auftreten.

Chor

Aus der Ferne.

Jerusalem, Jerusalem, die große,

die verheißene stadt !

o zurecht vergossenes blut… die märtyrerkronen

gottes liegen schon bereit !

treten heraus.

ach, von diesem ort, den wir hier sehen

und der von tränen benetzt ist,

möge unsere seele im letzten augenblick

zu gottes schoß emporsteigen !

pilger

die gottlosen banden dort auf einem dieser

steilen felsen das lamm der Vergebung fest:

hier fielen die gefräßigen wölfe zu boden,

als er sagte: ich bin es !

auf diesem hügel weinte der nazarener

über die unselige stadt;

das ist der berg, von dem aus

der elende sterbliche seine erlösung empfing !

alle

ach, von diesem ort, den wir hier sehen

und der von tränen benetzt ist,

möge unsere seele im letzten augenblick

zu gottes schoß emporsteigen !

o berge, o ebenen, o täler, ewig seid ihr

dem menschlichen gedächtnis heilig !


ecco arriva, ecco arriva il dio vivente

terribile guerrier !

gerusalem, gerusalem !

S’allontanano per la valle.

atto QUarto: „il santo sepolCro“

sCena terza

le tende lombarde presso al Sepolcro

di rachele.

CroCiati, pellegrini e donne

o signore, dal tetto natio

Ci chiamasti con santa promessa.

noi siam corsi all’invito d’un pio,

giubilando per l’aspro sentier.

ma la fronte avvilita e dimessa

hanno i servi già baldi e valenti !

deh ! non far che ludibrio alle genti

sieno, Cristo, i tuoi fidi guerrier !

o fresc’aure volanti sui vaghi

ruscelletti de’ prati lombardi !

fonti eterne ! purissimi laghi !

o vigneti indorati dal sol !

dono infausto, crudele è la mente

Che vi pinge sì veri agli sguardi,

ed al labbro più dura e cocente

fa la sabbia d’un arido suol !

hier kommt, hier kommt der lebendige gott,

der furchtbare krieger !

Jerusalem, Jerusalem !

entfernen sich in richtung tal.

Vierter akt: „das heilige grab“

dritte szene

die lombardischen zelte in der nähe des

Grabes von rachel.

kreUzritter, pilger Und fraUen

o herr, vom heimatlichen dach hast du uns

mit einem heiligen Versprechen gerufen.

wir sind dem aufruf eines heiligen eilig

gefolgt, jubelnd auf dem harten weg.

aber das haupt deiner ehemals kühnen diener

ist schon entmutigt und gedemütigt !

o Christus ! lass nicht zu, dass deine tapferen

krieger zum gespött der leute werden !

o welch’ frische winde wehen über den

lieblichen bächen der lombardischen wiesen !

ewige Quellen ! kristallklare seen !

o ihr weinberge, von der sonne vergoldet !

Unselig und grausam ist der gedanke,

der euch erkenntnis bringt,

und auf den lippen brennt der sand des

dürren bodens noch heftiger und glühender !

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1

„Macbeth“

melodramma in quattro atti

libretto di francesco maria piave

atto QUarto

sCena prima

luogo deserto ai confini della Scozia e

dell’inghilterra. in distanza la foresta di

Birnam. profughi scozzesi, uomini, donne,

Fanciulli. Macduff in disparte, addolorato.

Coro

patria oppressa ! il dolce nome

no, di madre aver non puoi,

or che tutta a’ figli tuoi

sei conversa in un avel.

d’orfanelli e di piangenti

Chi lo sposo e chi la prole

al venir del nuovo sole

s’alza un grido e fere il Ciel.

a quel grido il Ciel risponde

Quasi voglia impietosito

propagar per l’infinito:

patria oppressa, il tuo dolor !

suona a morto ognor la squilla,

ma nessuno audace è tanto

Che pur doni un vano pianto

a chi soffre ed a chi muor.

nessun dona un vano pianto

a chi soffre ed a chi muor !

patria oppressa ! patria oppressa !

patria mia ! oh patria !

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„Macbeth“

musikdrama in vier akten

libretto von francesco maria piave

Vierter akt

erste szene

An einem öden ort an der Grenze zwischen

Schottland und england. in der Ferne der

wald von Birnam. Schottische Flüchtlinge,

Männer, Frauen, kinder. Abseits Macduff,

von Schmerz erfüllt.

Chor

geknechtetes Vaterland ! nie mehr kannst du

den süßen namen der mutter hören,

jetzt, da du für alle deine kinder

zur totengruft geworden bist.

Von waisen und klagenden,

ob mann, ob weib, ob kinder,

erhebt sich bei sonnenaufgang

ein wehklagen und lässt den himmel erzittern.

auf dieses wehklagen erwidert der himmel,

so als sei er mitleidig gestimmt,

um es für alle ewigkeit kund zu tun:

geknechtetes Vaterland, dein schmerz !

stets läutet die totenglocke,

aber niemand ist so mutig,

den leidenden und den sterbenden

ein vergebliches klagen zu schenken.

niemand schenkt ein vergebliches klagen

den leidenden und den sterbenden !

geknechtetes Vaterland !

mein heimatland ! o heimatland !


Giuseppe Verdi um 18 5


1

„Don Carlo“

opera in quattro atti

libretto di françois-Joseph méry e

Camille du locle

traduzione italiana di achille

de lauzières

atto seCondo

parte seConda

una gran piazza innanzi nostra donna

d’Atocha. A destra la Chiesa, cui conduce una

grande scala. A sinistra un palazzo. in fondo,

altra scalinata che scende ad una piazza inferiore

in mezzo alla quale si eleva un rogo di cui

si vede la cima. Grandi edifizi e colline lontane

formano l’orizzonte. le campane suonano a

festa. la calca, contenuta appena dagli Alabardieri,

invade la scena.

sCena prima

Coro di popolo, poi coro di Frati, che menano

i condannati.

Coro di popolo

spuntato ecco il dì d’esultanza,

onore al più grande dei regi !

in esso hanno i popol’ fidanza,

il mondo è prostrato al suo piè !

il nostro amor ovunque l’accompagna,

e questo amor giammai non scemerà.

il nome suo è l’orgoglio della spagna,

e viver deve nell’eternità !

Coro di frati

traversano la scena conducendo i condannati

del Santo uffizio.

il dì spuntò, dì del terrore,

il dì tremendo, il dì feral.

morran, morran, morran !

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„Don Carlo“

oper in vier akten

libretto von françois-Joseph méry und

Camille du locle

italienische übersetzung von achille

de lauzières

zweiter akt

zweiter teil

ein großer platz vor nostra donna d’Atocha.

rechts die kirche, zu der eine große treppe

führt. links ein palast. im Hintergrund eine

andere kleine treppe, die auf einen unteren

platz führt, in dessen Mitte sich ein Scheiterhaufen

erhebt, von dem die Spitze zu sehen

ist. Große Gebäude und entfernte Hügel bilden

den Horizont. die Glocken läuten festlich. die

Menge, welche die Hellebardenträger kaum

zurückhalten können, strömt auf die Bühne.

erste szene

Chor des Volkes, dann Chor der Mönche,

welche die Verurteilten geleiten.

Chor des Volkes

der tag der freude ist angebrochen,

ehre dem größten aller könige !

ihm vertraut das Volk,

die welt liegt zu seinen füßen !

Unsere liebe begleitet ihn überall hin,

und diese liebe wird niemals schwinden.

sein name ist der stolz spaniens,

möge er ewig leben !

Chor der mÖnChe

überqueren die Bühne und bringen die

Verurteilten der Heiligen inquisition herbei.

der tag ist gekommen, der tag des schreckens,

der tag des grauens, der tag des Unheils.

sie werden sterben, sterben, sterben !


giusto è il rigore, giusto gli è il rigor

dell’immortal.

ma di perdón voce suprema

all’anatema - succederà,

se il peccator all’ora estrema

si pentirà !

il popolo, rimasto silenzioso per un momento,

riprende le grida di gioia. i frati s’allontanano.

le campane suonano di nuovo.

Coro di popolo

spuntato è il dì d’esultanza (etc.)

onor al re, onor al re,

onor al re, onor al re !

marCia

Coro di popolo

spuntato ecco il dì d’esultanza (etc.)

onor al re ! onor al re !

ei vivrà nell’eternità,

ei vivrà nell’eternità.

onor al re ! onor al re !

gerecht ist die strenge, gerecht ist ihm die

strenge des Unsterblichen !

aber auf den bannfluch wird

die göttliche stimme der Verzeihung folgen,

wenn der sünder in seiner letzten stunde

bereuen wird !

das Volk, das für einen Moment ganz still war,

bricht erneut in Jubelschreie aus. die Mönche

entfernen sich. die Glocken läuten von neuem.

Chor des Volkes

der tag der freude ist angebrochen (usw.)

ehre dem könig, ehre dem könig,

ehre dem könig, ehre dem könig !

marsCh

Chor des Volkes

der tag der freude ist angebrochen (usw.)

ehre dem könig ! ehre dem könig !

er lebe in ewigkeit,

er lebe in ewigkeit.

ehre dem könig ! ehre dem könig !

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18

„Nabucodonosor“ (Nabucco)

dramma lirico in quattro atti

libretto di temistocle solera

parte prima

Così ha detto il Signore:

„ecco, io do questa città

in mano del re di Babilonia;

egli l’arderà col fuoco“.

Geremia 3 ,

sCena prima

Gerusalemme: interno del tempio di Salomone.

ebrei, leviti e Vergini ebree.

tUtti

gli arredi festivi giù cadano infranti,

il popol di giuda di lutto s’ammanti !

ministro dell’ira del nume sdegnato

il rege d’assiria su noi già piombò !

di barbare schiere l’atroce ululato

nel santo delùbro del nume tuonò !

leViti

i candidi veli, fanciulle, squarciate,

le supplici braccia gridando levate;

d’un labbro innocente la viva preghiera

È dolce profumo gradito al signor.

pregate, fanciulle ! in voi della fiera

falange nemica s’acqueti il furor !

tutti si prostrano a terra.

Vergini

gran nume, che voli sull’ale de’ venti,

Che il folgor sprigioni di nembi frementi,

disperdi, distruggi d’assiria le schiere,

di david la figlia ritorna al gioir !

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„Nabucco“

lyrisches drama in vier akten

libretto von temistocle solera

erster teil

So sprach der Herr:

„Siehe, ich gebe diese Stadt

in die Hand des königs von Babylon;

er wird sie niederbrennen.“

Jeremias 3 ,

erste szene

Jerusalem: inneres von Salomons tempel.

Hebräer, leviten, hebräische Jungfrauen.

alle

möge der festliche schmuck am boden

zerschellen, das Volk Juda hülle sich in trauer !

als Vollstrecker des zorns des wütenden gottes

fiel der könig assyriens schon über uns her !

das grauenvolle geschrei barbarischer horden

erklang schon im heiligen tempel gottes !

leViten

ihr mädchen, zerreißt die weißen schleier,

erhebt wehklagend die flehenden arme;

das inständige gebet unschuldiger lippen

steigt als süßer duft zum herrn empor.

betet, mädchen ! möge durch euch der zorn

der stolzen feindestruppen besänftigt werden !

Alle werfen sich zu Boden.

JUngfraUen

großer gott, der du auf den flügeln des windes

fliegst, den blitz aus bebenden wolken sendest,

vertreibe, zerstöre die horden assyriens, für

davids tochter kehre die freude zurück !


Giuseppe Verdi um 1895

(mit seinem librettisten

Arrigo Boito)


0

peccammo ! ma in cielo le nostre preghiere

ottengan pietade, perdono al fallir !

tUtti

deh ! l’empio non gridi, con baldo blasfema:

ebrei e leViti

„il dio d’israello si cela per tema ?“

tUtti

non far che i tuoi figli divengano preda

d’un folle che sprezza l’eterno poter !

non far che sul trono davidico sieda

fra gl’idoli stolti l’assiro stranier !

Si alzano.

parte terza

sCena QUarta

le sponde dell’eufrate. ebrei incatenati e

costretti al lavoro.

ebrei

Va’, pensiero, sull’ale dorate;

Va’, ti posa sui clivi, sui colli,

ove olezzano tepide e molli

l’aure dolci del suolo natal !

del giordano le rive saluta,

di sionne le torri atterrate...

oh mia patria sì bella e perduta !

oh membranza sì cara e fatal !

arpa d’or dei fatidici vati,

perché muta dal salice pendi ?

le memorie nel petto raccendi,

Ci favella del tempo che fu !

o simìle di sòlima ai fati

traggi un suono di crudo lamento,

o t’ispiri il signore un concento

Che ne infonda al patire virtù !

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wir haben gesündigt ! aber im himmel

mögen unsere gebete erbarmen finden,

Vergebung für die Verfehlungen !

alle

ach ! möge der feind nicht mit kühner

blasphemie lästern:

hebrÄer Und leViten

„Versteckt sich der gott israels vor furcht ?“

alle

lass nicht zu, dass deine söhne opfer eines

wahnsinnigen werden, der die macht des

ewigen verachtet ! lass nicht zu, dass auf

davids thron der fremde assyrer inmitten

seiner törichten götzenbilder sitzt !

Setzen sich.

dritter teil

Vierte szene

das ufer des euphrats. Hebräer in ketten bei

der zwangsarbeit.

hebrÄer

flieg gedanke, auf goldenen flügeln; fliege,

lasse dich auf den hängen und hügeln nieder,

wo die süßen lüfte seines heimatlichen

bodens zart und lieblich duften !

grüße die Ufer des Jordans,

von zion die niedergerissenen mauern...

o mein heimatland, so schön und so verloren !

o erinnerung, so lieblich und so schicksalhaft !

goldene harfe der prophetischen dichter,

warum hängst du stumm an der weide ?

entflamme die erinnerungen in der brust,

erzähle uns von vergangenen zeiten !

entreiße dir ähnlich dem schicksal

Jerusalems einen ton der bitteren klage,

oder der herr stimme dich harmonisch,

damit wir unser schicksal mutig ertragen !


„Aida“

opera in quattro atti

libretto di antonio ghislanzoni

atto seCondo

sCena seConda

uno degli ingressi della città di tebe. Sul

davanti, un gruppo di palme. A destra, il tempio

di Ammone. A sinistra, un trono sormontato

da un baldacchino di porpora. nel fondo,

una porta trionfale. la scena è ingombra di

popolo. entra il re, seguito dai Ministri, Sacerdoti,

Capitani, Flabelliferi, porta insegne etc.

Quindi Amneris con Aida e Schiave. il re va

a sedere sul trono. Amneris prende posto alla

sinistra del re.

popolo

gloria all’egitto, ad iside

Che il sacro suol protegge !

al re che il delta regge

inni festosi alziam !

gloria ! gloria ! gloria !

gloria al re !

donne

s’intrecci il loto al lauro

sul crin dei vincitori !

nembo gentil di fiori

stenda sull’armi un vel.

danziam, fanciulle egizie,

le mistiche carole,

Come d’intorno al sole

danzano gli astri in ciel !

saCerdoti

della vittoria agli arbitri

supremi il guardo ergete;

grazie agli dei rendete

nel fortunato dì.

„Aida“

oper in vier akten

libretto von antonio ghislanzoni

zweiter akt

zweite szene

einer der eingänge der Stadt theben. im Vordergrund

eine Gruppe von palmen. rechts der

tempel Amuns, links ein thron, darüber ein

purpurfarbener Baldachin. im Hintergrund ein

triumphbogen. Auf der Bühne drängt sich das

Volk. der könig tritt auf, gefolgt von Ministern,

priestern, Hauptleuten, Fächerträgern, Standartenträgern

usw. Sodann Amneris mit Aida und

Sklavinnen. der könig setzt sich auf den thron.

Amneris setzt sich zur linken des königs.

Volk

ruhm sei Ägypten und isis,

die den heiligen boden beschützt !

auf den könig, der über das delta herrscht,

erheben wir festliche hymnen !

ruhm ! ruhm ! ruhm !

ruhm dem könig !

fraUen

der lotus verschlinge sich mit dem lorbeer

auf dem haar der sieger !

eine liebliche blumenwolke

breite einen schleier über den waffen aus.

Ägyptische mädchen, lasst uns

die mystischen reigen tanzen,

wie um die sonne herum

die sterne am himmel tanzen !

priester

erhebt euren blick zu den höchsten

herren über den sieg;

danket den göttern

an diesem glücklichen tag.

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1


popolo

Come d’intorno al sole

danzano gli astri in ciel !

inni festosi alziam al re,

alziamo al re.

saCerdoti

grazie agli dei rendete

nel fortunato dì.

marCia

le truppe egizie, precedute dalle fanfare, sfilano

dinanzi al re. Seguono i carri di guerra, le

insegne, i vasi sacri, le statue degli dei.

ballabile

un drappello di danzatrici che recano i tesori

dei vinti.

popolo

Vieni, o guerriero vindice,

Vieni a gioir con noi;

sul passo degli eroi

i lauri, i fior versiam !

gloria al guerrier, gloria !

gloria all’egitto, gloria !

saCerdoti

agli arbitri supremi

il guardo ergete;

grazie agli dei rendete

nel fortunato dì.

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Volk

wie um die sonne herum

die sterne am himmel tanzen !

festliche hymnen stimmen wir dem könig an,

stimmen wir dem könig an.

priester

danket den göttern

an diesem glücklichen tag.

marsCh

die ägyptischen truppen defilieren hinter den

trompetern vor dem könig. es folgen die Streitwagen,

die Feldzeichen, die heiligen Gefäße, die

Götterstatuen.

tanzstüCk

eine Gruppe von tänzerinnen, die die Schätze

der Besiegten bringen.

Volk

komm, o krieger und rächer,

komm und freue dich mit uns;

auf den weg der helden

streuen wir lorbeer und blumen !

ruhm sei dem krieger, ruhm !

ruhm sei Ägypten, ruhm !

priester

erhebt euren blick zu den höchsten

herren über den sieg;

danket den göttern

an diesem glücklichen tag.

Übersetzung: Claudia Jost


daniele gatti

der italienische dirigent kam in mailand zur

welt und studierte klavier, Violine, komposition

und dirigieren am giuseppe Verdi-

konservatorium seiner heimatstadt; bereits

im alter von 27 Jahren dirigierte er erstmals

an der mailänder scala. es schlossen sich

gastdirigate am teatro la fenice in Venedig,

am teatro Comunale di bologna, an der staatsoper

berlin und an der new Yorker metropolitan

opera an. Von 1992 bis 1997 war gatti

musikdirektor des orchesters der accademia

nazionale di santa Cecilia in rom, das ihm

anschließend den ehrentitel „accademico“

verlieh. Von 1995 bis 1997 war daniele gatti

außerdem principal guest Conductor des

royal opera house Covent garden. 1996 übernahm

er die leitung des royal philharmonic

orchestra in london, 1998 wurde er musikalischer

leiter des teatro Comunale di bologna.

im Verlauf seiner karriere stand daniele gatti

am pult nahezu aller bedeutenden orchester

europas und der Vereinigten staaten, wie z. b.

der berliner und wiener philharmoniker, der

sächsischen staatskapelle dresden, des symphonieorchesters

des bayerischen rundfunks,

des london symphony orchestra, des Concertgebouw

orkest amsterdam, des israel philharmonic

orchestra sowie der großen symphonieorchester

von new York, philadelphia, boston,

Chicago, los angeles und san francisco. daniele

gatti ist auch immer wieder als gastdirigent

an renommierten opernhäusern tätig,

so z. b. an der wiener staatsoper und bei

den festspielen von aix-en-provence.

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andreas herrmann

andreas herrmann, geboren 1963 in münchen,

übernahm 1996 als Chordirektor die

künstlerische leitung des philharmonischen

Chores münchen. mit ihm realisierte er zahlreiche

einstudierungen für dirigenten wie

Christian thielemann, James levine, zubin

mehta, mariss Jansons, lorin maazel, krzysztof

penderecki, daniele gatti, frans brüggen

und viele andere. seine ausbildung an der

münchner musikhochschule, zuletzt in der

meisterklasse von michael gläser, ergänzte

andreas herrmann durch verschiedene internationale

Chorleitungsseminare und meister-

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kurse bei renommierten Chordirigenten wie

eric ericson und fritz schieri. im rahmen seiner

tätigkeit als professor an der hochschule

für musik und theater in münchen unterrichtet

herrmann seit 1996 dirigieren/Chorleitung

in den studiengängen Chordirigieren, komposition,

gehörbildung, musiktheorie, schul- und

kirchenmusik; 1998/99 und erneut 2001/02

wurde ihm die Vertretung des lehrstuhls

evangelische kirchenmusik/Chordirigieren

anvertraut. 2004/05 übernahm hermann interimistisch

die leitung des madrigalchores der

hochschule für musik und theater münchen;

ambitionierte sonderprojekte, wie konzertreisen

nach italien, tV-aufnahmen, Uraufführungen

neuer musik und die gestaltung von programmen

mit alter musik und originalinstrumenten

standen hier im Vordergrund. zehn

Jahre, von 1996 bis 2006, leitete andreas herrmann

den hochschulchor und betreute in dieser

zeit unzählige oratorienkonzerte, opernaufführungen

und a-cappella-programme aller

musikalischen stilrichtungen. internationale

konzertreisen als Chor- und oratoriendirigent

führten herrmann u. a. nach italien, frankreich,

Österreich, Ungarn, bulgarien, in die

schweiz und in die Volksrepublik China. mit

zahlreichen Chören, orchestern und ensembles

entfaltet er über seine position beim philharmonischen

Chor hinaus eine rege konzerttätigkeit.


philharmonischer Chor münchen

der philharmonische Chor münchen ist einer

der führenden großen konzertchöre deutschlands.

sein repertoire erstreckt sich über die

gesamte Chormusik und umfasst anspruchsvolle

a-cappella-literatur aller epochen und

konzertante opern von mozart über Verdi,

puccini, wagner und strauss bis hin zu

schönbergs „moses und aron“ und henzes

„bassariden“. der philharmonische Chor

pflegt diese literatur genauso wie die Chorwerke

von bach, mozart, beethoven, schubert,

brahms, schumann, bruckner, reger, strawinsky,

orff und penderecki. er musizierte

unter der leitung so bedeutender komponisten

und dirigenten wie gustav mahler, hans

pfitzner, krzysztof penderecki, lorin maazel,

rudolf kempe, herbert von karajan, sergiu

Celibidache, seiji ozawa, zubin mehta, mariss

Jansons, James levine und Christian thielemann.

Um in dieser bandbreite dem publikum

stilsicherheit präsentieren zu können,

tritt der philharmonische Chor münchen

außer in der gängigen konzertchor-formation

von etwa 90 sängerinnen und sängern auch

in kleineren oder größeren besetzungen auf.

die arbeit in wechselnden kammerchor- und

Vokalensemble-besetzungen versetzt ihn über

das klassisch-romantische repertoire hinaus

in die lage, sowohl barocke literatur als auch

musik der moderne auf höchstem niveau darzubieten.

die Chorarbeit lag in der mittlerweile

gut 110-jährigen geschichte des ensembles

immer in der hand ausgewiesener experten

in sachen Chormusik wie rudolf lamy, hansrudolf

zöbeley, Josef schmidhuber, Joshard

daus, michael gläser und des jetzigen dresdner

kreuzkantors roderich kreile. seit 1996

hat andreas herrmann, professor für Chorleitung

an der hochschule für musik und

theater in münchen, die künstlerische leitung

inne. die wichtigste aufgabe des philharmonischen

Chors ist die mitwirkung bei konzerten

der münchner philharmoniker mit Chorbeteiligung

in der philharmonie am gasteig.

darüber hinaus runden eigene konzerte und

aufnahmen das angebot ab. außerdem erhält

der Chor immer mehr einladungen von externen

Veranstaltern. er ist gern gesehener gast

bei konzertereignissen in deutschland, im

europäischen und außereuropäischen ausland;

so unternahm der philharmonische Chor

in der vergangenen spielzeit eine tournee mit

werken von Carl orff nach Ägypten und präsentierte

„trionfo di afrodite“ und „Carmina

burana“ in den opernhäusern von alexandria

und kairo.

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die münchner philharmoniker

Generalmusikdirektor

Christian thielemann

Ehrendirigent

zubin mehta

1. Violinen

werner grobholz

sreten krsti˘c

lorenz nasturica-herschovici

Julian shevlin

konzertmeister

karel eberle

odette Couch

stv. konzertmeister/in

mathias freund

Vorspieler

manfred hufnagel

theresia ritthaler

katharina krüger

masako shinohe

Claudia sutil

philip middleman

nenad daleore

peter becher

regina matthes

wolfram lohschütz

mitsuko date-botsch

martin manz

n.n.

2. Violinen

simon fordham

alexander möck

Stimmführer

iiona Cudek

stv. Stimmführerin

matthias löhlein

Vorspieler

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dietmar forster

Josef thoma

zen hu-gothoni

anja traub

katharina reichstaller

nils schad

Clara bergius-bühl

esther merz-leijssen

katharina triendl

ana Vladanovic-lebedinski

bernhard metz

namiko fuse

Qi zhou

Clément Courtin

n.n.

Bratschen

helmut nicolai

martin-albrecht rohde

konzertmeister

burkhard sigl

Julia mai

stv. Solo

max spenger

herbert stoiber

wolfgang stingl

gunter pretzel

wolfgang berg

dirk niewöhner

beate springorum

agata Józefowicz-fiolek

konstantin sellheim

thaïs Coelho

n.n.

Violoncelli

helmar stiehler

michael hell

konzertmeister

stephan haack

thomas ruge

stv. Solo

herbert heim

Veit wenk-wolff

sissy schmidhuber

elke funk-hoever

manuel von der nahmer

isolde hayer

sven faulian

david hausdorf

n.n.

Kontrabässe

matthias weber

slawomir grenda

Solo

alexander preuß

stv. Solo

stephan graf

Vorspieler

holger herrmann

erik zeppezauer

stepan kratochvil

Jesper Ulfenstedt

shengni guo

Flöten

michael martin kofler

burkhard Jäckle

Solo

hans billig

stv. Solo

martin belič

Ulrich biersack

piccoloflöte


Oboen

Ulrich becker

marie-luise modersohn

Solo

lisa outred

bernhard berwanger

kai rapsch

englischhorn

Klarinetten

alexandra gruber

n.n.

Solo

annette maucher

stv. Solo

peter flähmig

albert osterhammer

Bassklarinette

Fagotte

lyndon watts

n.n.

Solo

Jürgen popp

barbara kehrig

Jörg Urbach

kontrafagott

Hörner

eric terwilliger

ivo gass

Solo

david moltz

Ulrich haider

stv. Solo

hartmut hubert

robert ross

alois schlemer

hubert pilstl

Trompeten

guido segers

florian klingler

Solo

bernhard peschl

stv. Solo

franz Unterrainer

markus rainer

Posaunen

dany bonvin

n.n.

Solo

matthias fischer

stv. Solo

bernhard weiß

benjamin appel

Tuba

thomas walsh

Pauken

stefan gagelmann

guido rückel

Solo

manfred trauner

walter schwarz

stv. Solo

Schlagzeug

arnold riedhammer

1. Schlagzeuger

Harfe

sarah o’brien

Orchestervorstand

guido segers

wolfgang berg

manuel von der nahmer

Stipendiaten der

Orchesterakademie

2006 /2007

Violine

Johanna kölmel

akemi mercer

miryam nothelfer

stefanie pfaffenzeller

Viola

alice mura

maria ropero encabo

Violoncello

magdalena eichmeyer

susanne tscherbner

Kontrabass

mantaro Jo

Xu luo

Flöte

Jozef hamernik

Oboe

kai-na syu

Klarinette

matthias mauerer

Fagott

tonia solle

Trompete

Veronika seidl

Posaune

lukas klingler

Tuba

Christoph gigler

Schlagzeug

andré philipp kollikowski

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8

die geschichte der

münchner philharmoniker

die münchner philharmoniker wurden 1893

auf privatinitiative von franz kaim, sohn

eines klavierfabrikanten, gegründet und

prägen seither unter renommierten dirigenten

das musikalische leben münchens. bereits

in den anfangsjahren des orchesters –

zunächst unter dem namen „kaim-orchester“

– garantierten dirigenten wie hans winderstein,

hermann zumpe und der brucknerschüler

ferdinand löwe hohes spieltechnisches

niveau und setzten sich intensiv

auch für das zeitgenössische schaffen ein.

Von anbeginn an gehörte zum künstlerischen

konzept auch das bestreben, durch

programm- und preisgestaltung allen bevölkerungsschichten

zugang zu den konzerten zu

ermöglichen. mit felix weingartner, der das

orchester von 1898 bis 1905 leitete, mehrte

sich durch zahlreiche auslandsreisen auch

das internationale ansehen.

gustav mahler dirigierte das orchester in

den Jahren 1901 und 1910 bei den Uraufführungen

seiner 4. und 8. symphonie. im november

1911 gelangte mit dem inzwischen in

„konzertverein-orchester“ umbenannten ensemble

unter bruno walters leitung mahlers

„das lied von der erde“ zur Uraufführung –

nur ein halbes Jahr nach dem tod des komponisten

in wien.

Von 1908 bis 1914 übernahm ferdinand löwe

das orchester erneut. in anknüpfung an das

triumphale wiener gastspiel am 1. märz 1898

mit anton bruckners 5. symphonie leitete er

die ersten großen bruckner-konzerte und

begründete so die bis heute andauernde

bruckner-tradition des orchesters.

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in die amtszeit von siegmund von hausegger,

der dem orchester von 1920 bis 1938

als generalmusikdirektor vorstand, fielen

u. a. die Uraufführungen zweier symphonien

bruckners in ihren jeweiligen originalfassungen

sowie die Umbenennung in „münchner

philharmoniker“ und damit endgültige

namensgebung.

Von 1938 bis zum sommer 1944 stand der

österreichische dirigent oswald kabasta an

der spitze des orchesters, der die brucknertradition

der münchner philharmoniker

glanzvoll fortführte und auch bei zahlreichen

gastspielreisen im in- und ausland unter

beweis stellte.

das erste konzert nach dem zweiten weltkrieg

eröffnete eugen Jochum mit der ouvertüre

zu shakespeares „ein sommernachtstraum“

von felix mendelssohn bartholdy,

dessen musik in der zeit des nationalsozialismus

verfemt war.

mit hans rosbaud gewannen die philharmoniker

im herbst 1945 einen herausragenden

orchesterleiter, der sich zudem leidenschaftlich

für neue musik einsetzte.

rosbauds nachfolger war von 1949 bis 1966

fritz rieger, in dessen amtszeit die grundlagen

für die erfolgreiche Jugendarbeit der

philharmoniker gelegt wurden. in der Ära

rudolf kempes, der das orchester von 1967

bis zu seinem frühen tod im Jahre 1976 leitete,

bereisten die philharmoniker erstmals

die damalige Udssr und stiegen zu einem

internationalen spitzenorchester auf.


im februar 1979 leitete sergiu Celibidache

seine erste konzertserie bei den münchner

philharmonikern. im Juni desselben Jahres

erfolgte Celibidaches ernennung zum generalmusikdirektor.

konzertreisen führten ihn und

das orchester durch viele länder europas,

nach südamerika und asien. die gemeinsamen

legendären bruckner-konzerte trugen

wesentlich zum internationalen ruf des

orchesters bei.

nach langen interimsjahren im münchner

herkulessaal erhielten die philharmoniker

1985 mit der philharmonie im städtischen

kulturzentrum am gasteig nach über 40 Jahren

endlich wieder einen eigenen konzertsaal

– ihre alte heimstatt, die sog. „tonhalle“ in

der türkenstraße, war 1944 völlig zerstört

worden.

Von september 1999 bis Juli 2004 war James

levine Chefdirigent der münchner philharmoniker.

mit ihm unternahmen die münchner

philharmoniker ausgedehnte konzerttourneen:

nach einer großen europatournee im

winter 2000 gastierten sie mit James levine

im februar 2002 u. a. in der Carnegie hall in

new York. im sommer 2002 gaben sie ihr

gemeinsames debüt bei den „proms“ in

london.

im frühjahr 2003 wurde den münchner philharmonikern

vom deutschen musikverleger-

Verband der preis für das „beste konzertprogramm

der saison 2003/2004“ verliehen.

Unter dem titel „Jugend horcht !“ haben die

münchner philharmoniker in den letzten Jahren

ein umfangreiches angebot für kinder

und Jugendliche entwickelt.

mit kinder-kammerkonzerten, schul- und

Jugendkonzerten, workshops, probenbesuchen,

schulbesuchen von philharmonikern,

instrumentendemonstrationen sowie einem

schüler- und studentenabonnement erhalten

kinder und Jugendliche vielfältige möglichkeiten,

sich mit klassischer musik und der

arbeit eines großen symphonieorchesters zu

beschäftigen.

in der saison 2004/2005 nahmen insgesamt

rund 26.000 kinder und Jugendliche an ca.

170 Veranstaltungen teil. im Januar 2004

ernannten die münchner philharmoniker

zubin mehta zum ersten „ehrendirigenten“

in der geschichte des orchesters.

im mai 2003 unterzeichnete Christian thielemann

seinen Vertrag als neuer generalmusikdirektor.

am 29. oktober 2004 dirigierte er

sein antrittskonzert mit der 5. symphonie

von anton bruckner, kurz zuvor wurde er im

rahmen der „echo klassik“-preisverleihung

2004 als einziger preisträger mit dem prädikat

„artist of the Year“ ausgezeichnet.

am 20. oktober 2005 wurde den münchner

philharmonikern die ehre zuteil, unter leitung

von Christian thielemann ein konzert vor

papst benedikt XVi. im Vatikan zu geben, an

dem rund 7.000 geladene gäste teilnahmen.

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9


München Ticket: (14 ct./min)

Tel. +49 (0)180 5 481816

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Open Air

Konzerte

2007

Landeshauptstadt München und

Bayerischer Rundfunk präsentieren

Samstag, 30. Juni 2007, 21.00 Uhr

Claus Peter Flor

Waltraud Meier Mezzosopran

Louis Joseph Ferdinand Hérold

Ouvertüre zu „Zampa“

Ernest Chausson

„Poème de l’amour et de la mer“, op. 19

Ottorino Respighi

„Pini di Roma“

Richard Wagner

„Schlussgesang der Brünnhilde“

aus „Götterdämmerung“

®

Sonntag, Sonntag, 1. Juli Juli 2007, 2007, 21.00 21.00 Uhr Uhr

Mariss Jansons

Lang Lang Klavier

Ludwig van Beethoven

Konzert für Klavier und Orchester

Nr. 1 C-Dur, op. 15

Ludwig van Beethoven

Symphonie Nr. 7 A-Dur, op. 92

Konzert ausverkauft!

www.klassik-am-odeonsplatz.de


programmvorschau

Freitag, 27. April 2007,

20 Uhr

7. Abonnementkonzert C

Samstag, 28. April 2007,

19 Uhr

7. Abonnementkonzert F

Sonntag, 29. April 2007,

19 Uhr

4. Abonnementkonzert H5

Johannes Brahms

„ein deutsches requiem“

op. 45

Christian Thielemann

dirigent

Christine Schäfer

sopran

Christian Gerhaher

bariton

Chor des Bayerischen

Rundfunks

einstudierung:

Peter Dijkstra

Freitag, 4. Mai 2007, 20 Uhr

5. Abonnementkonzert K5

Samstag, 5. Mai 2007,

19 Uhr

6. Abonnementkonzert G

Sonntag, 6. Mai 2007,

11 Uhr

7. Abonnementkonzert M

Ludwig van Beethoven

konzert für klavier und

orchester nr. 3 c-moll

op. 37

Siegfried Matthus

„lamento“

auftragswerk der münchner

philharmoniker

Uraufführung

Christian Thielemann

dirigent

Radu Lupu

klavier

Sonntag, 13. Mai 2007,

19 Uhr

6. Abonnementkonzert D

Montag, 14. Mai 2007,

19 Uhr

3. Jugendkonzert

Dienstag, 15. Mai 2007,

20 Uhr

6. Abonnementkonzert E

Carl Maria von Weber

ouvertüre zu

„der freischütz“

Max Bruch

konzert für Violine und

orchester nr. 1 g-moll

op. 26

Georg Friedrich Haas

„bruchstück“

auftragswerk der münchner

philharmoniker

Uraufführung

Bernd Alois Zimmermann

„photoptosis“

Markus Stenz

dirigent

Arabella Steinbacher

Violine

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textnachweise:

sigrid neef schrieb ihren text über die ouvertüren,

ballettmusiken und Chöre aus opern

von giuseppe Verdi als originalbeitrag für die

programmhefte der münchner philharmoniker.

die texte der opernchöre zitieren wir

nach dem (gesungenen) wortlaut von Verdis

partituren; für die wortgetreue übersetzung

ins deutsche danken wir Claudia Jost. die

lexikalischen angaben zu den opern redigierte

stephan kohler. alle rechte bei den autorinnen

und autoren; jeder nachdruck ist seitens

der Urheber genehmigungs- und kostenpflichtig.

bildnachweise:

abbildungen zu giuseppe Verdi und den

ouvertüren, ballettmusiken und Chören aus

seinen opern: Christian springer, Verdi und

die interpreten seiner zeit, wien 2000; hans

kühner, giuseppe Verdi mit selbstzeugnissen

und bilddokumenten, reinbek bei hamburg

1995; h. C. robbins landon, das kleine Verdibuch,

salzburg 1976.


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