Planungshinweise Löschwassertechnik - Roth - Brandschutz- und ...

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Planungshinweise Löschwassertechnik - Roth - Brandschutz- und ...

Planungshinweise Löschwassertechnik

Wandhydranten

Löschwasser-Einspeise und Entnahmeeinrichtungen

Füll- und Entleerungsstationen

Druckerhöhungsanlagen


Die Broschüre wurde überreicht durch:


Planungshinweise Löschwassertechnik

Planungshinweise Löschwassertechnik

Artikel-Nr.: 924 366.0000 – 01

Ausgabe: März 2008

Herausgeber: GLORIA GmbH

Diestedder Straße 39

59329 Wadersloh

Tel. +49 2523 / 77-0

www.gloria.de

Nachdruck und sonstige Vervielfältigung, auch auszugsweise,

nur mit ausdrücklicher Genehmigung der GLORIA GmbH gestattet.

Die Urheberrechte und die strafrechtliche Verfolgung von Zuwiderhandlungen‚

behalten wir uns vor.

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Hinweise für den Benutzer

Planungshinweise Löschwassertechnik

Diese Broschüre ist alle Personen gerichtet, der sich mit der Planung und Auslegung von

Löschwasseranlagen beschäftigen. Angesichts der vielfältigen örtlichen Gegebenheiten und der

anwendbaren Normen ist es besonders wichtig, für den Bedarfsfall bereits in der Projektierungsphase

das richtige Konzept auszuwählen.

Dieses Dokument soll Sie bei der Konzipierung solcher Anlagen unterstützen. Schwerpunkte bilden

die aktuellen Normen und deren Umsetzung. Als weitere Grundlage der behandelten Themen sind

umfangreiche Erfahrungen während der Entwicklung und dem Betrieb von Löschwasseranlagen

herangezogen worden.

Diese Planungshinweise können jedoch nicht als alleiniger Leitfaden sein und die Kenntnisse der

gelten Vorschriften und Normen ersetzen. Für den Umgang mit dieser Broschüre werden vielmehr

grundlegende Kenntnisse im Bereich Sanitärinstallation und baulicher Brandschutz vorausgesetzt.

Als Komplettanbieter im Bereich Löschwassertechnik wird GLORIA einem hohen Anspruch gerecht

und entwickelt die eigene Produktpalette entsprechend den Bedürfnissen der Kundschaft ständig

weiter und ist auch im Bereich der nationalen Normung wie auch im europäischen Normungswesen

tätig. Somit ist diese Broschüre ein Produkt der aktuellen Informationen auf der Planungsseite und

aktiver Mitgestaltung im Normungswesen sowie jahrelanger Kompetenz auf der Herstellerseite.

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Planungshinweise Löschwassertechnik

Inhaltsverzeichnis

Hinweise für den Benutzer ................................................................................................................... 4

Inhaltsverzeichnis ................................................................................................................................. 5

1 Planung einer Löschwasseranlage .............................................................................................. 7

1.1 Rechtliche Grundlagen............................................................................................................................. 7

1.2 Fachplaner ............................................................................................................................................... 7

1.3 Fachfirma für die Anlagenerrichtung ........................................................................................................ 7

1.4 Planungsablauf ........................................................................................................................................ 8

1.4.1 Informationsbeschaffung ...........................................................................................................................................8

1.4.2 Löschwasserbereitstellung ........................................................................................................................................8

1.4.3 Auswahl einer Löschwasseranlage ...........................................................................................................................9

1.4.4 Anzahl und Installationsorte der Schlauchanschlusseinrichtungen.........................................................................11

1.4.5 Konzeptionierung des Rohrleitungssystems ...........................................................................................................12

1.4.6 Mittelbarer und unmittelbarer Anschluss an das Trinkwassernetz ..........................................................................14

1.4.7 Auslegung eines Vorlagebehälter bei mittelbarem Anschluss.................................................................................16

1.4.8 Auswahl einer Druckerhöhungsanlage für die Löschwasseranlage........................................................................16

1.4.9 Auswahl der geeigneten Schlauchanschlusseinrichtungen.....................................................................................20

1.4.10 Absprache von Sonderausführungen mit den für den Brandschutz zuständigen Stellen...................................21

1.4.11 Genehmigung des Anschlusses an das Trinkwassernetz durch den Wasserversorger.....................................21

1.4.12 Dokumentation der Löschwasseranlage.............................................................................................................21

2 Löschwasseranlagen „trocken“.................................................................................................. 22

2.1 Schematische Darstellung ..................................................................................................................... 22

2.2 Definition und Einsatzbereich................................................................................................................. 23

2.3 Allgemeine Anforderungen..................................................................................................................... 23

2.4 besondere Anforderungen an Rohrleitungssystem und Armaturen ....................................................... 23

2.5 Löschwasser-Einspeiseeinrichtungen.................................................................................................... 24

2.6 Löschwasser-Entnahmeeinrichtungen ................................................................................................... 25

2.7 Be- und Entlüfter für Löschwasseranlagen „trocken“ ............................................................................. 26

2.8 Druckerhöhungsanlagen in Löschwasseranlagen „trocken“................................................................... 26

3 Trinkwasserinstallation mit Wandhydranten............................................................................. 27

3.1 Schematische Darstellung ..................................................................................................................... 27

3.2 Definition und Einsatzbereich................................................................................................................. 28

3.3 Allgemeine Anforderungen..................................................................................................................... 28

3.4 besondere Anforderungen an Rohrleitungssystem und Armaturen ....................................................... 29

3.5 Druckerhöhungsanlagen in Trinkwasser-Installationen.......................................................................... 29

3.6 Wandhydranten mit formstabilem Schlauch, Typ S nach DIN 14461-1.................................................. 30

3.7 Be- und Entlüfter in Trinkwasser-Installationen mit Wandhydranten...................................................... 31

4 Löschwasseranlagen „nass“ ...................................................................................................... 32

4.1 Schematische Darstellung ..................................................................................................................... 32

4.2 Definition und Einsatzbereich................................................................................................................. 33

4.3 Allgemeine Anforderungen..................................................................................................................... 33

4.4 besondere Anforderungen an Rohrleitungssystem und Armaturen ....................................................... 33

4.5 Druckerhöhungsanlagen in Löschwasseranlagen „nass“....................................................................... 34

4.6 Wandhydranten mit formstabilem Schlauch, Typ F nach DIN 14461-1.................................................. 35

4.7 Wandhydranten mit Flachschlauch nach DIN 14461-6 .......................................................................... 36

4.8 Wandhydranten mit Schaummittelzumischung („Schaum-Wasser-Wandhydranten“)........................... 37

5 Löschwasseranlagen „nass/trocken“ ........................................................................................ 38

5.1 Schematische Darstellung ..................................................................................................................... 38

5.2 Definition und Einsatzbereich................................................................................................................. 39

5.3 Allgemeine Anforderungen..................................................................................................................... 39

5.4 besondere Anforderungen an Rohrleitungssystem und Armaturen ....................................................... 40

5.5 Füll- und Entleerungsstationen .............................................................................................................. 42

5.5.1 Hinweise zur Sanitärinstallation...............................................................................................................................42

5.5.2 Hinweise zur Elektroinstallation...............................................................................................................................42

5.6 Druckerhöhungsanlagen in Löschwasseranlagen „nass/trocken“ .......................................................... 44

5.7 Wandhydranten für Löschwasseranlagen „nass/trocken“ ...................................................................... 45

5.8 automatische Entleerungseinrichtungen ................................................................................................ 45

5.8.1 Hydraulische Entleerungseinrichtungen ..................................................................................................................46

5.8.2 elektrische Entleerungseinrichtungen......................................................................................................................47

5.9 Be- und Entlüfter in Löschwasseranlagen „nass/trocken“ ...................................................................... 48

6 Normverzeichnis...............................................................................................................................

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Planungshinweise Löschwassertechnik

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Planungshinweise Löschwassertechnik

1 Planung einer Löschwasseranlage

1.1 Rechtliche Grundlagen

Vor der Planung einer Feuerlösch- und Brandschutzanlage ist ein Brandschutzkonzept zu erstellen.

Es sind die jeweiligen Landesbauordnungen, für die Objektart geltende Gesetze, Verordnungen und

Richtlinien (z.B. Hochhausrichtlinie, Industriebaurichtlinie, Versammlungsstättenverordnung, Garagenverordnung)

sowie die anerkannten Regeln der Technik dabei unbedingt zu berücksichtigen.

Für die Erstellung des Brandschutzkonzeptes und die weitere Fachplanung der Löschwasseranlagen

sind Angaben und Genehmigungen bei den für den Brandschutz zuständigen Stellen, wie z.B.

Bauaufsicht, Feuerwehr, Gutachter, einzuholen. Darüber hinaus sind dem Wasserversorgungsunternehmen

die zur Beurteilung der Anlage notwendigen Unterlagen (Zeichnungen, Berechnungen)

vorzulegen.

Löschwasseranlagen dürfen nur durch eine Fachfirma geplant und errichtet werden. Der Einbau muss

nach den anerkannten Regeln der Technik erfolgen. Es dürfen zudem grundsätzlich nur Bauteile

verwendet werden, die den geltenden Normen, Vorschriften und sonstigen Bestimmungen entsprechen

und als Betriebssicher gelten. Ausnahmen sind in jedem Fall von der für den Brandschutz

zuständigen Stelle abzustimmen und von Ihr freigeben zu lassen.

Feuerlösch- und Brandschutzanlagen kommen während ihrer Lebensdauer nur im Brandfall zum

Einsatz. Sind sie mit Wasser gefüllt und nicht durchflossen, besteht die Gefahr, dass das Wasser so

lange in den Anlagen verbleibt, so das es hygienisch bedenklich wird. Sind solche Anlagen mit der

Trinkwasserversorgungsanlage verbunden, stellen sie eine Gefahr für das Trinkwasser dar.

Bei der Planung muss daher darauf geachtet werden, dass sich entweder stagnierendes Wasser nicht

bilden kann oder aber, dass es mit Sicherheit von der Trinkwasserversorgungsanlage ferngehalten

wird. Anlagen in denen Löschmittelzusätze verwendet werden, dürfen nur mittelbar angeschlossen

werden.

Jeder Planer sollte deshalb, auch aus haftungsrechtlichen Gründen, sein Augenmerk nicht nur auf die

Einhaltung der Brandschutzanforderungen richten, sondern muss auch die hygienische Anforderungen

bei seiner Anlagenauslegung zwingend beachten. Gerade bei der Löschwassertechnik ist wegen

der Kompliziertheit der Materie ein hohes Risiko durch Planungs- und Ausführungsfehler gegeben.

Die sich daraus ergebenen Konsequenzen im Schadensfall, können typischer Weise erst nach Jahren

auftreten.

1.2 Fachplaner

Die Planung ist von fachkundigen Personen auszuführen, der im allgemeinen Sprachgebrauch in der

Regel als „Fachplaner“ bezeichnet wird.

In Anlehnung an DIN 1988-1 und DIN 14462 kann als fachkundig gelten, wer aufgrund seiner

fachlichen Ausbildung, seiner Kenntnisse und Erfahrungen sowie seiner Kenntnisse der einschlägigen

Bestimmungen die ihm übertragenen Arbeiten beurteilen und mögliche Gefahren erkennen kann. Die

Kenntnis der einschlägigen Normen und Vorschriften ist dabei unabdingbar.

Je nach Objekttyp und Bauauflagen kann zudem die Auflage bestehen, dass zusätzlich zu den

Arbeiten des Fachplaners für die technische Auslegung der Anlage auch ein Brandschutzgutachten zu

einen Brandschutzsachverständigen zu erstellen ist.

1.3 Fachfirma für die Anlagenerrichtung

Die Errichtung von Löschwasseranlagen darf nur durch eine Fachfirma im Sinne von DIN 14462

erfolgen. Als Fachfirma gilt dabei ein Unternehmen, wenn deren Mitarbeiter über die erforderliche

Ausbildung und praktische Erfahrung verfügen, um die Installation entsprechend dem aktuellen Stand

der Technik und den Vorgaben der Bauteil-Hersteller zuverlässig durchführen zu können und

mögliche Gefahren erkannt werden können. Das Unternehmen muss hierfür auch über die

erforderlichen Werkzeuge und Prüfeinrichtungen verfügen und Zugang zu den Informationen der

Hersteller zu den Bauteilen haben.

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1.4 Planungsablauf

Planungshinweise Löschwassertechnik

1.4.1 Informationsbeschaffung

Vor der Konzeption einer Löschwasseranlage ist es erforderlich wichtige Gegebenheiten im Vorfeld

abzuklären. Nur so ist eine effektive und optimale Planung möglich. Das Sammeln von Informationen

ist unerlässlich.

Für weitere Planung der Löschwasseranlagen sollten daher die wesentlichen Grundlagen für die

anstehende Auslegung bekannt sein. So sollten folgende Bedingungen abgeklärt werden:

• Gibt es besondere Bauauflagen oder gelten für das Objekt bestimmte Sondervorschriften

aufgrund besonderer Risiken oder geltenden Vorschriften für bestimmte Objektarten

(wie z.B. Musterbauverordnungen für Hochhäuser, Versammlungsstättenrichtlinie)?

• Liegt bereits ein Brandschutzgutachten vor und was sagt dieses aus?

• Existiert schon ein Brandschutzkonzept und/oder gibt es bereits Absprachen mit der für den

Brandschutz zuständigen Stelle?

• Wer soll die Löschwasseranlage im Brandfall nutzen (reine Selbsthilfe, nur für anwesende

Personen / Bedienung nur durch die Feuerwehr / Nutzung durch beide Personenkreise)?

• Welche Brandlasten sind abzusichern und welche Brandklassen müssen erfüllt werden?

• Welche Anforderungen werden an die Wandhydranten gestellt (Wasserlieferung,

Mindestdrücke, gleichzeitige Nutzung)?

• Gibt es spezielle Anforderungen an die Wandhydranten (z.B. Kombinationsmodell mit

Feuerlöscher und/oder Handfeuermelder)?

• Ist zu Nennweite der Zuleitung und des Wasserzählers ausreichend dimensioniert

(insbesondere bei Löschwasseranlagen nass/trocken zu beachten!)

• Müssen die Rohrleitungen oder Entnahmestellen der Löschwasseranlage im frostgefährdeten

Bereich installiert werden?

• Welcher maximale Höhenunterschied ist innerhalb der Löschwasseranlage vorhanden?

o Zwischen Wasserversorgung und Feuerlöschanlage (Druckerhöhung, Füll- u.

Entleerungsstation)

o Zwischen Feuerlöschanlage und ungünstigst gelegener Entnahmestelle

• Muss eventuell hygienisch unbedenkliches Wasser als Löschwasser verwendet werden?

Dieses kann z.B. in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen oder auch in Gebäuden, in

denen Lebensmittel verarbeitet/gelagert werden, erforderlich sein.

1.4.2 Löschwasserbereitstellung

Nach den für Brandschutz geltenden Rechtsvorschriften der einzelnen Bundesländer ist der Brandschutz

als Grundschutz eine Aufgabe der Gemeinden. Von der Gemeinde ist jeweils zu prüfen,

welche Löschmittel zur Anwendung kommen sollen. Wird Löschwasser zum Brandschutz benötigt, so

ist zunächst festzustellen, inwieweit das Löschwasser aus offenen Wasserläufen, Teichen, Brunnen,

Behältern (Löschwasserbehälter, auch Behälterfahrzeuge) oder dem öffentlichen Trinkwasserrohrnetz

entnommen werden kann. Zu ermitteln ist die insgesamt günstigste Lösung.

Feuerlösch- und Brandschutzanlagen in Grundstücken und Gebäuden dienen dem Objektschutz im

Sinne des DVGW-Arbeitsblattes W 405. Der Lieferumfang von Wasser für den Objektschutz ist für

jeden Einzelfall mit dem zuständigen Wasserversorgungsunternehmen zu vereinbaren.

Hinsichtlich benachbarter Gebäude ist es zu berücksichtigen, dass auch während der Löschwasserentnahme

die Trinkwasserversorgung gewährleistet sein soll. Genauso darf die Trinkwasserentnahme

nicht die Löschwasserversorgung gefährden. Es dürfen keine unübersehbaren Risiken, die den Bedarf

der Wasserverteilungsanlagen gefährden, eingegangen werden.

Innerhalb des Gebäudes ist aber davon auszugehen, dass im Brandfall in diesem Gebäude keine

Trinkwasserentnahme mehr erfolgt. Der Ansatz des Trinkwasserbedarfs für die Dimensionierung des

Versorgungsanschlusses kann daher in der Regel entfallen.

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Planungshinweise Löschwassertechnik

Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze sollte in einem ersten Vorgespräch mit dem örtlichen

Wasserversorger besprochen werden, ob er Löschwasser für die Wandhydrantenanlage aus seinem

Netz zur Verfügung stellen wird, insbesondere in welchem Umfang (Wassermenge) und mit welchen

garantierten Drücken (Mindestfließdruck bei Löschwasserentnahme im Gebäude gemäß ausgewählter

Löschwasseranlage, maximaler Ruhedruck).

1.4.3 Auswahl einer Löschwasseranlage

Nachdem die grundsätzliche Informationsbeschaffung erfolgt ist, sollte als nächster Schritt ermittelt

werden, welcher Typ von Löschwasseranlage in Frage kommt.

Löschwasseranlagen werden grundsätzlich zunächst einmal dahingend unterteilt, ob es sich um

Selbsthilfeeinrichtungen, die im Brandfall durch anwesende Personen bedient werden können, handelt

oder ob die Anlage ausschließlich für die Nutzung durch die Feuerwehr konzipiert ist.

Dementsprechend unterscheidet man die Löschwasseranlage „trocken“ von den typischen

Wandhydrantenanlagen.

Die Wandhydrantenanlagen werden dann - abhängig von der Art der Löschwasserbereitstellung –

nochmals untergliedert in Löschwasseranlagen „nass“, Löschwasseranlagen „nass/trocken“ und einer

reinen Trinkwasserinstallation mit angeschlossenen Wandhydranten.

Die nachfolgende Darstellung verdeutlicht diese Einteilung der Löschwasseranlagen. Zusätzlich

werden auch die jeweils zugehörigen Schlauchanschlusseinrichtungen (Wandhydranten,

Einspeiseeinrichtungen oder Entnahmeeinrichtungen) mit aufgeführt.

Abbildung 1 - schematische Übersicht der verschiedenen Löschwasseranlagen

Die einzelnen Details zu den verschiedenen Löschwasseranlagen sind in den nachfolgenden

Kapiteln 2 - 5 jeweils individuell für Löschwasseranlagen „trocken“, „nass“ „nass/trocken“ sowie für

Trinkwasser-Installationen mit Wandhydranten detailliert aufgeführt.

Die letztendliche Auswahl der Löschwasseranlage und der zugehörigen Schlauchanschlusseinrichtungen

muss zum einen die unterschiedenen Einsatz- und Verwendungsmöglichkeiten berücksichtigen.

Zusätzlich sind aber auch Betriebssicherheit und Kosten für Errichtung und Betrieb der

Löschwasseranlage sowie die Löschwasserbereitstellung (insbesondere bei Löschwasseranlagen

„nass/trocken“) berücksichtigt werden.

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Planungshinweise Löschwassertechnik

Abbildung 2 zeigt einen möglichen Entscheidungsbaum für die Auswahl einer Löschwasseranlage:

Abbildung 2 - beispielhafter Entscheidungsbaum für die Auswahl einer Löschwasseranlage

Für die Auswahl der erforderlichen und für den jeweiligen Anwendungsfall optimalen

Löschwasseranlage ist aber natürlich keine pauschale Beurteilung immer zielführend und universell

verwendbar, da sie nicht alle objektspezifische Rahmenbedingungen berücksichtigen kann,

Daher st es auch hilfreich, sich die Vor- und Nachteile der verschiedenen Anlagentypen vor Augen zu

halten, um gegebenenfalls auch verschiedene Einzelaspekte abwägen zu können.

Hierzu soll die nachfolgende Tabelle 1 eine Hilfestellung geben:

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Planungshinweise Löschwassertechnik

Bedienung durch die Feuerwehr oder anderweitig speziell geschultes Personal X X X X

Bedienung durch anwesende Personen (Laien) X X X X

Unmittelbarer (direkter) Anschluss an die Trinkwasserversorgung zulässig X X

Eignung für frostgefährdete Bereiche X O O X X

Trinkwasserqualität bleibt in der Löschwasseranlage erhalten X X

Fremdeinspeisung durch Feuerwehr ist zulässig X X X

Schaummittelzumischung / Schaum-Wasser-Wandhydrant zulässig X X X

In der Regel keine elektrische Verkabelung erforderlich X X O

Druckerhöhungsanlage wird in der Regel nicht benötigt X X X

Vordruckschwankungen beeinflussen nicht die Wandhydranten X X X

Wandhydrant sind bei Ventilbetätigung sofort einsatzbereit X X

Stromausfall/Elektronikstörung beeinflusst nicht die Löschwasserversorgung X X X

Alarmmeldung bei Betätigung eines Wandhydranten O O X X

X = geeignet / zutreffend O = eingeschränkt geeignet / nur bedingt zutreffend (Sonderfall oder nur mit Zusatzausstattung)

Tabelle 1 - Vor- und Nachteile der verschiedenen Löschwasseranlagen

1.4.4 Anzahl und Installationsorte der Schlauchanschlusseinrichtungen

Als nächster Schritt werden in der Regel die erforderliche Anzahl und die Installationsorte der

Wandhydranten beziehungsweise Löschwasser-Einspeise- und Entnahmeeinrichtungen definiert.

Vorgaben hierzu können entweder in objektspezifischen Bauauflagen oder Verordnungen (z.B.

Hochhaus-Richtlinie) enthalten sein oder sie sind im Rahmen eines Brandschutzgutachtens bzw.

Brandschutzkonzepts festzulegen.

Im Wesentlichen sollten Wandhydranten und Entnahmeeinrichtungen immer leicht auffindbar und gut

erreichbar sein. In der Regel befinden sie sich daher z.B. immer in unmittelbarer Nähe zu

Treppenhäusern und sonstigen Fluchtwegen. Es muss hierbei beachtet werden, dass sich die Türen

später um 180° öffnen lassen sollten und dass der Feuerlöschschlauch später auch wirklich in alle

Richtungen genutzt werden kann und dass bei Bedienung des Wandhydranten der Fluchtweg jedoch

nicht behindert werden darf. Hierfür sind Einbauschränke besonders geeignet, jedoch darf hierdurch

weder die statisch erforderliche Wandstärke unterschritten werden noch darf die vorgegebene

Feuerwiderstandsdauer beeinträchtigt werden.

Die Installationshöhe der Einrichtungen muss so gewählt werden, dass bei Wandhydranten das

Schlauchanschlussventil später 1400 (+/- 200 mm) über Oberkante Fertigfußboden angeordernet ist.

Für Löschwasser-Entnahmeeinrichtungen gilt ein Maß von 1200 (+/- 400 mm) über Fertigfußboden

bzw. 800 (+/- 400 mm) über Fläche für die Feuerwehr bei Löschwasser-Einspeiseeinrichtungen.

Die Anzahl richtet sich ganz entscheidend nach der gewählten Ausführung und den örtlichen

Gegebenheiten, wobei stets die gesamte Grundfläche des Gebäudes durch die Einrichtungen

abgesichert sein sollte. Nach DIN zulässig sind bei Wandhydranten mit formstabilem Schlauch 30 m

Schlauchlänge bzw. 15 m bei Wandhydranten mit Flachschlauch. Im Normalfall darf der Abstand

zwischen zwei Wandhydranten nicht somit mehr als 60 m bzw. 30 m betragen. Dabei sind aber auch

noch bauliche Hindernisse (Trennwände, Ecken, etc.) zu beachten sowie auch Hindernisse, die erst

durch den späteren Betrieb des Objektes entstehen können (Regale, Lagerflächen,

Maschinenaufstellungen, etc.), die den „Luftlinien-Abstand“ deutlich verringern können.

Zwar sind technisch auch größere Schlauchlängen möglich (früher waren formstabile Schläuchen bis

35 m und Flachschläuchen bis 30 m Schlauch zulässig), jedoch sind derartige Anlagen nicht mehr

DIN-konform. Diese Ausführungen sollten daher nur in begründeten Einzelfällen eingesetzt werden.

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Löschwasseranlage „trocken“

Trinkwasser-Installation

mit Wandhydranten Typ S

Löschwasseranlage „nass“

Löschwasseranlage „nass/trocken“,

unmittelbarer Anschluss

Löschwasseranlage „nass/trocken“,

mittelbarer Anschluss


1.4.5 Konzeptionierung des Rohrleitungssystems

Auslegungsgrundlagen

Planungshinweise Löschwassertechnik

Für die Druckverlustberechnung und damit auch die Rohrleitungsdimensionierung ist es hilfreich, an

dieser Stelle zunächst eine Isometriezeichnung des Rohrleistungssystems zu erstellen. Hierbei kann

bei Löschwasseranlagen „trocken“ oder „nass/trocken“ auch sofort die Anzahl der erforderlichen Be-

und Entlüfter (siehe Kapitel 2.7 bzw. 5.7) und die Notwendigkeit von zusätzlichen Entleerungseinrichtungen

(siehe Kapitel 2.4 bzw. 5.4) ermittelt werden.

Auf Basis dieser Rohrleitungsisometrie wird nun die Dimensionierung der Löschwasserleitungen

vorgenommen. Weil die Rohrleitungsdimensionierung abhängig von der gewählten Löschwasseranlage

vorzunehmen ist, entnehmen Sie die weiteren Informationen hierzu bitte den jeweiligen

Kapiteln unter Abschnitt 2.4, 3.4, 4.1 beziehungsweise 5.1.

Bei der Auslegung von Wandhydrantenanlagen ist darauf zu achten, dass die Summe aus Druckstoß

und Ruhedruck den zulässigen Betriebsdruck der Armaturen und Wandhydranten nicht übersteigen

darf (bei Wandhydranten in der Regel 12 bar).

Rohrleitungsverlauf und -materialien

Rohrleitungen sind nach den Anforderungen der einschlägigen Normen (insbesondere DIN 14462 und

DIN 1988) sowie dem anerkannten Stand der Technik und unter Berücksichtigung von Herstellervorgaben

auszuwählen und zu verlegen. Trinkwasser- und Nicht-Trinkwasserleitungen sind

entsprechend DIN 2403 bzw. bei Löschwasserleitungen nach DIN 4066 zu kennzeichnen,

Löschwasserleitungen und Zuleitungen zu Löschwasseranlagen sollten nicht durch frostgefährdete

Bereiche verlegt werden. Ist dieses unumgänglich, so müssen sie durch besondere Maßnahmen

ausreichend gegen Einfrieren geschützt werden, wobei auch mögliche Störfälle, wie z.B. der Ausfall

der Stromversorgung (z.B. bei Rohrbegleitheizungen) hierbei mit zu berücksichtigen sind.

Löschwasseranlagen „nass“ sollten in frostgefährdeten Bereiche grundsätzlich nicht vorgesehen

werden, sondern die Wandhydrantenanlage in diesen Fällen als Löschwasseranlage „nass/trocken“

ausgeführt werden.

Die Leitungen müssen für den Nenndruck PN 10 bemessen werden, sofern nicht höhere Innendrücke

einen höheren Nenndruck erforderlich machen (sie hierzu insbesondere Kapitel 2.4 und 5.4).

Zulässige Werkstoffe für Rohrleitungen sind in DIN 14462 - Tabelle 1 beschrieben. Danach sind

folgende Rohre zulässig:

• Rohre aus schmelztauchverzinkten Eisenwerkstoffen nach DIN EN 10255 und DIN EN 10240

mit Gewindeverbindungen nach DIN EN 10242 oder auch mit Klemmverbindungen

• Rohre aus nichtrostendem Stahl nach DVGW GW 541

mit Klemmverbindungen oder Pressverbindungen nach DVGW W 534

• Kupferrohre nach DIN EN 1057 und DVGW GW 392

mit Rohrverbindungen nach DVGW GW 2 und Fittings nach DVGW GW 6, DVGW GW 8,

DIN EN 1254-1, -4 und -5 bei Hartlötverbindungen, nach DIN 2607 und DIN EN 14640 bei

Schweißverbindungen, nach DVGW W 534 und DIN EN 1254-7 bei Press- und

Steckverbindungen sowie nach DVGW W 534, DIN EN 1254-2 und -4 bei

Schweißverbindungen und DVGW W 534 und DIN 1254-7 bei metallisch dichtenden

Klemmverbindungen.

• Innenverzinnte Kupferrohre nach DIN EN 1057 und DVGW GW 392 mit

Rohrleitungsverbindungen nach DVGW GW 2 und Fittings mit Pressverbindung nach

DVGW W 534 und DIN EN 1254-7 oder Steckverbindung nach DVGW W 534 und

DIN EN 1254-2 und -4 oder Fittings mit metallisch dichtender Klemmverbindung nach

DVGW W 534 und DIN EN 1254-2 und -4.

Brennbare Werkstoffe (z.B. Kunststoffrohre) dürfen nur verwendet werden, wenn die Rohrleitungen

erdverlegt werden oder die Rohrleitungen in einem Hausanschlussraum eingebaut sind, in dem keine

Brandlast vorhanden ist. Flexible Anschlußleitungen aus Edelstahl können zum Ausgleich von

seitlichen Verschiebungen und Winkelbewegungen verwendet werden, z.B. als Kompensatoren vor

und hinter Druckerhöhungsanlagen.

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Planungshinweise Löschwassertechnik

Kommen innerhalb der Löschwasseranlage verschiedene Werkstoffe zur Anwendung, so ist

besonders darauf zu achten, dass es später nicht zu elektrochemischer Korrosion kommt.

Press-, Klemm und Steckverbindungen sind bei Löschwasseranlagen „trocken“ und „nass/trocken“ nur

dann zulässig, wenn sie für den Einsatz (insbesondere im Hinblick auf die Kräfte beim Füllvorgang

sowie äußere Brandeinwirkung bei leerer Leitung) geeignet sind. Dieses darf dann angenommen

werden, wenn Sie von einer anerkannten Prüfstelle für die Verwendung in Wasserlöschanlagen (wie

zum Beispiel Trocken-Sprinkleranlagen oder Sprühwasserlöschanlagen) freigegeben wurden.

Dichtungsmaterialien müssen konstruktiv (z.B. Kupplungen mit gekammerter Dichtung) oder durch

entsprechende Werkstoffauswahl (z.B. Metalkammdichtung) ausreichend gegen Brandeinwirkung

geschützt sein, sofern die Leitungen nicht in Schächten oder Kanälen der Feuerwiderstandsklasse

F30 nach DIN 4102-2 verlegt sind.

Bei allen Rohrleitungen muss ein funktionsfähiger Potenzialausgleich nach den einschlägigen Normen

der Elektrotechnik hergestellt werden.

Anforderungen an Armaturen

Sollen innerhalb Löschwasseranlagen oder in der Zuleitung zur Löschwasserleitung Armaturen

installiert werden, so darf von diesen Armaturen keine Beeinträchtigung der Löschwasseranlage

ausgehen können. Sie sind mindestens für den gleichen Nenndruck wie die Löschwasserleitung

selber zu bemessen.

(Wand-)hydranten, Schieber und sonstige Bedieneinrichtungen von Feuerlösch- und Brandschutzanlagen

müssen stets gut zugänglich sein und jederzeit ohne Schwierigkeiten betätigt werden können.

Besondere Anforderungen an Absperreinrichtungen

Absperreinrichtungen sind möglichst zentral anzuordnen und sofern sie die Löschwasserbereitstellung

beeinflussen können besonders zu kennzeichnen und gegen unbefugtes Schließen zu sichern.

Armaturen mit einem Schließvorgang auf/zu durch eine 90° Drehung der Betätigungseinrichtungen

(z.B. Kugelhahn) dürfen nur dann verwendet werden, wenn sie als Absperrorgane für

Wartungsarbeiten dienen und nicht für den regelmäßigen Gebrauch bestimmt sind. In Löschwasseranlagen

„trocken“ sind Absperreinrichtungen (außer der Einspeisearmatur und den Entnahmearmaturen)

grundsätzlich nicht zulässig.

Besondere Anforderungen an Schmutzfänger für Feuerlöschanlagen / Filteranlagen

Bei Löschwasseranlagen „nass/trocken“ sollte zum Schutz der Füllarmatur der Füll- und

Entleerungsstation immer ein Schmutzfänger vorgeschaltet sein. Es muss aus ausreichend

korrosionsbeständigem Material bestehen und die Maschenweite darf 0,25 mm nicht unterschreiten.

Ebenso empfiehlt es sich bei mittelbar angeschlossenen Anlagen den Schwimmerventilen am

Vorbehälter ebenso stets einen Schmutzfänger vorzuschalten, um Störungen an den

Schwimmerventilen zu vermeiden.

Filteranlagen sollten Löschwasseranlagen „nass“ oder „nass/trocken“ nicht vorgeschaltet sein, um

Störungen bei größeren Wasserentnahmemengen zu vermeiden. Sie sollten bei diesen Anlagen stets

erst im Abgang zu den Trinkwasserverbrauchern installiert werden (siehe auch die schematische

Darstellung der Anlagen in Kapitel 4.1 bzw. Kapitel 5.1).

Besondere Anforderungen an Druckminderer in Feuerlöschanlagen

Gemäß DIN 1988-5 sind Druckminderer generell in Feuerlöschleitungen zu vermeiden. Sind diese

unumgänglich, so sind die örtlichen Bestimmungen des Brandschutzes zu beachten. Die minimal

notwendigen Druckwerte an den Entnahmestellen dürfen nicht beeinflusst werden.

Der Einsatz von Druckminderern kann unter folgenden Umständen notwendig werden:

• Bei der Versorgung von mehreren Stockwerken ist unter Berücksichtigung der maximal

zulässigen Drücke an den Entnahmestellen, die Aufteilung in mehrere Druckzonen notwendig.

In solchen Fällen wird der Druckminderer entweder in die Zonensteigleitung oder in die

Stockwerksleitung eingebaut.

• Bauartenbedingt, verläuft die Kennlinie einer vorgeschalteten Druckerhöhungsanlage so, dass

in gewissen Bereichen (oftmals bei geringer oder ohne Wasserabnahme) die maximal

zulässigen Druckwerte der Entnahmestellen oder sonstiger Feuerlöschkomponenten

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Planungshinweise Löschwassertechnik

überschritten werden. Hierbei kommt der Druckminderer direkt hinter der Druckerhöhungsanlage

zum Einsatz.

• Bei Vordruckschwankungen größer als 1 bar können Druckminderer und Druckerhöhungsanlage

hintereinander geschaltet erforderlich werden. Höhere Eingangsdrücke verschieben

die Pumpenkennlinie nach oben. Dieses hat zur Folge, das bei dem definierten

Ausschaltdruck ein größerer Volumenstrom zustande kommt. Der höhere Volumenstrom

verursacht beim Abschalten der Pumpe somit einen höheren Druckstoß.

Druckminderer dürfen nicht nach der Nennweite der Rohrleitungen dimensioniert werden. Die

eingesetzten Druckminderer müssen für den zu erwartenden Spitzendurchfluss geeignet sein (siehe

hierzu Tabelle 4 und 5 der DIN 1988-5).

1.4.6 Mittelbarer und unmittelbarer Anschluss an das Trinkwassernetz

Möglichst sofort in Absprache mit dem Wasserversorgungsunternehmen sollte dann die Anschlussart

an das Trinkwassernetz diskutiert werden, sofern eine derartiger Anschluss vorgesehen ist.

Grundsätzlich ist nach DIN 1988-6 der unmittelbare Anschluss von Feuerlöschanlagen

an das Trinkwassernetz nur dann zulässig, wenn Stagnation innerhalb des Leitungsnetzes

konstruktiv ausgeschlossen ist. Hierzu kann entweder die Feuerlöschleitung im

Normal entleert gehalten werden (Löschwasseranlage „nass/trocken“, siehe Kapitel 5)

oder die Feuerlöschleitungen müssen mittels nachgeschalteter Verbraucher ständig

durchspült werden, wobei die Verbrauchsmengen mindestens so groß sein müssen

wie der Brandschutzbedarf, der der Planung zugrunde liegt.

Bei trinkwasserführenden Zuleitungen zu Vorlagebehälter sowie bei Zuleitungen zu Feuerlösch- und

Brandschutzanlagen, die unmittelbar angeschlossen sind, ist durch konstruktive Maßnahmen eine

ausreichende Wassererneuerung sicherzustellen. Dies geschieht im Idealfall durch die Anbindung

einer Verbrauchsleitung, die unmittelbar vor der Feuerlösch- und Brandschutzanlage bzw. vor der

Nachspeisearmatur des Vorbehälters abgriffen wird. Der Abstand zwischen dem Abzweig dieser

Verbrauchsleitung und dem Punkt, bis zu dem es ohne Absicherung zur Stagnation kommen kann,

darf maximal 10 x Rohrleitungsnennweite betragen. Bei einer Rohrleitung in DN 80 also pauschal

betrachtet bis zu 0,8 m.

Ein Alibispülbecken ist selbstverständlich für diese Verbrauchsleitung nicht ausreichend. Die angeschlossenen

Verbraucher müssen selbstverständlich über mindestens die gleiche Spülleistung

verfügen, wie eine automatische Spüleinrichtung. Vor allem muss die Entnahme häufig und

regelmäßig erfolgen, d.h. ein ständiges Durchfließen der Verbrauchsleitung muss gewährleistet sein.

Ist der Abgriff durch eine entsprechende Verbrauchsleitung nicht möglich, ist der Einsatz einer

automatischen Spüleinrichtung notwendig. Bei Spüleinrichtungen ist einmal wöchentlich selbsttätig ein

Wasservolumen vom 1,5fachen Leitungsinhalt der Zuleitung bis zur Feuerlösch- und Brandschutzanlage

zu spülen. Dabei sollte der Volumenstrom bei 20 - 50 % des Berechnungsdurchflusses liegen.

Unmittelbarer Anschluss

Besitzt die Feuerlösch- und Brandschutzanlage einen direkten Anschluss in Form eines festen

Anschlusses (also ohne freien Auslauf nach DIN EN1717) an das Trinkwassernetz, so spricht man

von einem „unmittelbaren Anschluss“. Auch ein Anschluss mittels Systemtrenner oder Rohrtrenner gilt

also als unmittelbarer Anschluss.

In diesem Fall müssen auch innerhalb der Feuerlöschanlage alle geltenden Normen und Vorschriften

für Trinkwasserinstallationen erfüllt werden. So muss eine ausreichende Wassererneuerung in allen

Anlagenteilen sichergestellt sein. Ferner darf kein Nichttrinkwasser (z.B. Wasser aus

Feuerwehrfahrzeugen, Löschteichen oder Schaummittelzusätze) eingespeist werden, so dass

Fremdeinspeisungen grundsätzlich unzulässig sind.

Das Wasserversorgungsnetz, Wasserzähler und sämtliche Einrichtungen vor der Löschwasseranlage

müssen gemäß dem maximal zu erwartenden Spitzenvolumenstrom ausreichend bemessen sein.

Dabei ist zu beachten, dass der Löschwasserbedarf in vielen Fällen den Trinkwasserbedarf übersteigt.

Eine entsprechende Anpassung der Trinkwasserversorgungsanlage an den erhöhten Bedarf würde zu

einer Überdimensionierung führen, mit der Gefahr des Stagnierens des Trinkwassers bzw. von

unzulässigen Verkeimungen, und ist somit nicht zulässig.

Die Installation von Wandhydrantenanlagen mit unmittelbarem Anschluss an das Trinkwassernetz

muss durch eine im Installateurverzeichnis eines WVU eingetragene Fachfirma erfolgen.

Seite 14 Technische Änderungen vorbehalten 924 366-01


Planungshinweise Löschwassertechnik

Aus brandschutztechnischer Sicht ist der unmittelbare Anschluss von Löschwasseranlagen meist die

zuverlässigere Lösung, da die Wasserversorgung als nahezu unerschöpflich angesehen werden kann

und Störungen wie zum Beispiel ein Stromausfall in alle Regel nicht zum vollständigen Ausfall der

Löschwasseranlage führen.

Aus Sicht der Trinkwasserversorgung ist diese Anschlussart jedoch oftmals problematisch, da

Löschwasseranlagen in der Regel nur selten benutzt werden und somit eine Gefahr hinsichtlich

Stagnation und damit Verkeimung der Trinkwasseranlage darstellen können. Bei Löschwasseranlagen

„nass/trocken“ ist zudem der in der Regel deutlich höhere Volumenstrom für die Flutung der im

Normalfall leeren Löschwasserleitung zu beachten, der im Brandfall kurzfristig aus dem Trinkwassernetz

entnommen wird.

Mittelbarer Anschluss

Wenn die Feuerlösch- und Brandschutzanlage durch die Zwischenschaltung eines drucklosen Vorbehälters

mit freiem Auslauf nach DIN EN 1717 und anschließender Druckerhöhungsanlage keine direkte

Verbindung zum Trinkwasser-Versorgungsnetz hat, spricht man von einem „mittelbaren Anschluss“.

Diese Anlagen gelten als Nichttrinkwasser-Anlagen, so dass DIN 1988 für Anlagenteile hinter dem

freie Auslauf in der Regel keine Anwendung mehr findet. Die Errichter der Wandhydrantenanlage

muss bei einem mittelbarem Anschluss für die Arbeiten ab dem freien Auslauf somit nicht zwingend in

ein Installateurverzeichnis eines Wasserversorgungsunternehmens eingetragen sein.

Der mittelbare Anschluss ist aus brandschutztechnischer Sicht oftmals problematisch, da im Falle

eines Stromausfalls oder auch anderen Störung der Druckerhöhungsanlage die Löschwasseranlage

nicht mehr einsatzbereit ist. Im Rahmen des Brandschutzkonzeptes müssen daher besonders auch

Aspekte wie Redundanzanlagen, Phasenausfallüberwachung, Notstromversorgung und ähnliche

Maßnahmen erörtert werden, die die Betriebssicherheit der Löschwasseranlagen erhöhen.

Die häufigsten Gründe, weshalb dennoch eine Löschwasseranlage mit mittelbarem Anschluss

vorgesehen wird, sind dabei folgende:

• Die Feuerlöschanlage weist einen so hohen Spitzendurchfluss auf, dass sie eine Gefahr für

vorgeschaltete Trinkwasserverteilungsanlagen darstellt (z. B. Druckabsenkung, Druckstöße).

• Eine ausreichende Wassererneuerung in allen Anlagenteilen kann nicht sichergestellt werden

und es besteht somit die Gefahr der Stagnation im Leitungssystem.

• Die Feuerlöschanlage soll über eine Fremdeinspeisung verfügen oder dem Löschwasser

sollen Zusätze zugemischt werden, wie z.B. bei Schaum-Wasser-Wandhydranten.

• Trinkwasserleitungen der öffentlichen Wasserversorgung und Leitungen einer Eigenwasserversorgung

sollen zur Löschwasserversorgung zusammengeführt werden.

Auch beim mittelbaren Anschluss ist die Zuleitung bis zum freien Auslauf natürlich als

Trinkwasserleitung anzusehen und entsprechend auszulegen. Hier gelten alle vorher dargestellten

Regeln für direkte Trinkwasseranschlüsse. Insbesondere auf die Vermeidung von Stagnation in der

Zuleitung zum Vorlagebehälter ist zu achten.

Die nachfolgende Abbildung 3 zeigt beispielhaft einen unmittelbaren Anschluss mit vorgeschalteter

Verbrauchsleitung zur Spülung der Zuleitung.

924 Abbildung 366-01 3 - Beispiel eines mittelbaren Technische Änderungen Anschlusses vorbehalten mit vorgeschalteter Verbrauchsleitung

Seite 15


Planungshinweise Löschwassertechnik

1.4.7 Auslegung eines Vorlagebehälter bei mittelbarem Anschluss

Der Vorlagebehälter muss geschlossen sein und ständig in Verbindung mit der Atmosphäre stehen.

Die Ausführung kann zum Beispiel nach DIN EN 12845 erfolgen. Das Material des Behälters sollte

lichtundurchlässig sein, bzw. der Installationsort sollte über keine Sonneneinstrahlung verfügen, damit

eine unnötig hohe Verkeimung vermieden wird.

Der Behälter sollte über einen Überlauf verfügen, damit bei einer evtl. Funktionsbeeinträchtigung der

Zulaufarmatur kein unkontrollierter Wasseraustritt zustande kommt. Der Querschnitt des Überlaufes

muss ≥ 4x des Zulaufquerschnittes betragen.

Der Zulauf zum Vorlagebehälter erfolgt durch eine oder mehrere wasserstandsabhängig gesteuerte

Armaturen als freier Auslauf nach DIN EN 1717 und DIN EN 13076 bzw. DIN EN 13077. Im

Bereitschaftszustand darf der Wasserinhalt des Behälters keine Verbindung zur Nachspeisearmatur

besitzen

Die wasserstandsabhängig gesteuerten Armaturen dürfen nicht plötzlich öffnen und schließen

(Öffnungs- und Schließzeit > 0,5 s). Die Nennweite von Schwimmerventilen ist auf DN 50 zu

begrenzen. Bei großen Bedarfsmengen sind mehrere Schwimmerventile oder ein Membranventil mit

Nennweite > DN 50 zu verwenden.

In den Behälter ist eine Füllstandsabfrage einzubringen, die bei Minimalpegel, einer nachgeschalteten

Druckerhöhungsanlage als Wassermangelschutz dient und so einen Trockenlaufen der Pumpen

verhindert.

Der Vorlagebehälter ist so auszuführen, dass eine ausreichende Nachführung von Löschwasser

sichergestellt ist. Dabei sollte der zu vom Wasserversorger garantierte Mindestvolumenstrom und

sowie Volumenstrom der Nachspeisearmatur mindestens so groß wie der Spitzenvolumenstrom der

Löschwasseranlage sein. Kann das Löschwasser nicht in der erforderlichen Menge nachgespeist

werden, so muss der Vorlagebehälter so vergrößert werden, dass die erforderliche Wassermenge für

einen Zeitraum von zwei Stunden bereitgestellt wird.

Selbst wenn die Wassernachspeisung größer als die Löschwasserabnahme ist, darf das Behältervolumen

nicht beliebig klein gewählt werden. Bei der Berechnung sind Schalthysteresen von Zulaufarmaturen

und von Schwimmerschaltern, evtl. Strudelbildungen, turbulente Strömungen, etc. zu

berücksichtigen. Dabei hat es sich bewährt die Behältergröße entsprechend der Berechnung nach

DIN 1988-5 für Trinkwasseranlagen durchzuführen.

Anstelle von mehreren Vorbehältern für unterschiedliche Löschanlagen kann ein gemeinsamer

Vorbehälter eingesetzt werden, wenn die Gleichzeitigkeit und die Anforderungen des gemeinsamen

Betriebes berücksichtigt werden und andere Bestimmungen nicht entgegenstehen.

Alternativ zu Vorlagebehältern können auch Löschwasserbehälter, Löschwasserbrunnen nach

DIN 14210, Löschwasserteiche nach DIN 14220 und Regenwasserrückhaltebecken sowie Behälter

anderer Löschanlagen verwendet werden, wenn die Gleichzeitigkeit und die Anforderungen des

gemeinsamen Betriebs berücksichtigt werden und andere Bestimmungen dem nicht entgegen stehen.

1.4.8 Auswahl einer Druckerhöhungsanlage für die Löschwasseranlage

Druckerhöhungsanlagen in Löschwasseranlagen sind oftmals problematisch, da Störungen dieser

Anlagen zu einer Funktionsbeeinträchtigung bzw. zum kpl. Funktionsausfall der Löschwasseranlage

führen können. Ist der Einsatz einer Druckerhöhungsanlage unumgänglich, muss der Auslegung und

Ausführung einer großen Bedeutung zukommen.

So lassen einige Einsatzbedingungen nur einen mittelbaren Anschluss zu und somit ist in diesen

Fällen eine Druckerhöhungsanlage unumgänglich. Des Weiteren kommen Druckerhöhungsanlagen

zum Einsatz, wenn die erforderlichen Druckwerte bzw. Volumenströme an den Entnahmestellen der

Löschwasseranlage nicht durch die Trinkwasserversorgung gewährleistet werden können.

Druckerhöhungsanlagen sind grundsätzlich so auszulegen, zu betreiben und zu unterhalten, dass die

ständige Betriebssicherheit der Wasserversorgung gegeben ist und weder die öffentliche

Wasserversorgung noch andere Verbrauchsanlagen störend beeinflusst werden. Eine nachhaltige

Veränderung der Trinkwassergüte muss bei unmittelbaren Anschluss ausgeschlossen sein.

Seite 16 Technische Änderungen vorbehalten 924 366-01


Planungshinweise Löschwassertechnik

Ausführung der Druckerhöhungsanlage:

• Für Feuerlöschzwecke ist eine Einpumpenanlage ausreichend, jedoch ist die Frage, ob eine

Redundanz aus sicherheitstechnischen Gründen erforderlich ist, besonders zu beleuchten. In

diesen Fällen ist dann aber in der Regel eine 100%ige Redundanzanlage einzusetzen, da ein

Ausfall der Steuerung ebenso möglich ist, wie der Ausfall einer einzelnen Pumpe.

• Bei mittelbarem Anschluss ist dafür Sorge zu tragen, dass die Pumpe gegen Trockenlaufen /

Wassermangel geschützt ist. Bei unmittelbarem Anschluss kann von einem

• Flatterschaltungen sind durch geeignete Maßnahmen (z.B. Ansteuerung über Grenztaster

oder Drehzahlregelung der Pumpe) zu vermeiden.

• Wenn hinter der Druckerhöhungsanlage kein Druckminderer installiert ist, soll die

Druckdifferenz zwischen Ein- und Ausschaltdruck nicht größer als 2,5 bar sein.

• Der Endruck der Druckerhöhungsanlage sollte in der Regel den Wert von 10 bar nicht

überschreiten.

Aufstellung und Unterbringung der Druckerhöhungsanlage

• Der Aufstellungsort sollte so gewählt werden, dass der Vordruck der Pumpe mindestens

0,5 bar beträgt.

• Der Raum muss frostfrei, gut belüftet, abschließbar und nicht anderweitig genutzt sein.

Schädliche Gase dürfen nicht in den Raum eindringen.

• Ein ausreichend bemessener Entwässerungsanschluss ist erforderlich.

• Der Betriebsraum der Druckerhöhungsanlage sollte nicht in unmittelbarer Nähe von Wohn-

und Schlafräumen liegen.

Beispieldarstellung einer Druckerhöhungsanlage für Feuerlöschzwecke:

Abbildung 4 - Vorderansicht einer GLORIA

Druckerhöhungsanlage FLP II

Abbildung 5 - Rückseite einer

GLORIA Druckerhöhungsanlage FLP II

924 366-01 Technische Änderungen vorbehalten Seite 17


Planungshinweise Löschwassertechnik

Allgemeine Empfehlungen in Bezug auf die konzeptzonale Ausführung einer Druckerhöhungsanlage

zur Erzielung der erforderlichen Betriebssicherheit, gemäß Stand der Technik:

• Die Pumpe ist in regelmäßigen Abständen automatisch einzuschalten, damit ein Festsetzen

der Mechanik vermieden wird.

• Die Absperrklappen vor und hinter der Druckerhöhungsanlage sind gegen unbefugtes

Betätigen zu sichern.

• Der Hauptschalter zur Abschaltung der Versorgungsspannung ist nicht für jedermann frei

zugänglich.

• Sobald sich die Druckerhöhungsanlage nicht mehr im normalen Automatikmodus befindet, z.

B. durch das Umschalten von der Betriebsart „Automatik“ in „Hand“ oder in „Aus“, ist dieses

durch geeignete Einrichtungen zu melden.

• Priorität hat der Brandschutz, vor dem Pumpenschutz. Das bedeutet folgendes:

o Bei einem Drahtbruch in der Trockenlaufschutzleitung (Druckschalter Zulaufseite oder

Schwimmerschalter im Vorbehälter) wird die Pumpe nicht abgeschaltet.

o Bei einem Drahtbruch in der Pumpenansteuerungsleitung (Druckschalter

o

Enddruckseite) läuft die Pumpe an.

Bei Drahtbruch oder Kurzschluss in der Pumpenansteuerungsleitung (Fern Ein/Aus)

läuft die Pumpe an. Dieses wird durch spezielle Steuergeräte erzielt, welche mit der

Funktion der Linienauswertung bzw. den Schleifen einer Füll- und Entleerungsstation

vergleichbar sind.

o Die Abschaltung der Pumpe durch Schutzeinrichtungen, wie z. B. bei Übertemperatur,

sollte nur erfolgen, wenn keine Löschwasserentnahme vorhanden ist.

• Eine Beeinflussung der Spannungsversorgung, z. B. durch den Ausfall eines Außenleiters, ist

durch geeignete Einrichtungen zu melden.

• Die wichtigsten Betriebszustände der Druckerhöhungsanlage, wie z. B. Betrieb und Störung

sind durch geeignete Einrichtungen an einer ständig besetzten Stelle zu melden, damit bei

einer Beeinflussung der Betriebsbereitschaft, entsprechende Sofortmaßnahmen ergriffen

werden können.

• Das druckabhängige Ein- und Ausschalten der Pumpe ist während der Löschwasserentnahme

zu vermeiden. Somit wird gewährleistet, dass bei einem Löschangriff mit evtl. nur einen

Wandhydranten mit geringer Wasserentnahme, keine Wurfweitenänderung durch das Einund

Ausschalten der Pumpe entsteht. Dieses ist durch eine Drehzahlregelung der Pumpe

ebenso realisierbar wie durch eine Kombinationsansteuerung von „Fern Ein/Aus“ und

„Druckschaltersteuerung“. Die Auswertung „Fern Ein/Aus“ sollte hierbei, wie bereits oben

erwähnt, auf Drahtbruch und Kurzschluss überwacht werden. Die Auswertung des „Fern

Ein/Aus“ erfolgt je nach Löschwasseranlage unterschiedlich.

o Bei der Löschwasseranlage „nass“ – Die Ansteuerung „Fern Ein/Aus“ erfolgt über die

Verkabelung der Grenztaster die an den Schlauchanschlussventilen innerhalb der

Wandhydranten montiert sind.

o Bei der Löschwasseranlage „nass/trocken“ – Die Ansteuerung „Fern Ein/Aus“ erfolgt

über die Verkabelung des potentialfreien Kontakts (Pumpenansteuerung) der

elektrischen Steuerung der Füll- und Entleerungsstation.

o Bei Löschwasseranlagen „trocken“ ist dagegen eine fallspezifische Betrachtung der

bestmöglichen Ansteuerung erforderlich.

Eine Druckerhöhungsanlage für Löschwasseranlagen ist ein sicherheitsrelevanter Hauptbestandteil

der gesamten Anlage. Störungen dieser Anlagen können zu einem kpl. Ausfall der

Löschwasserversorgung führen. Somit werden an die elektrische Installation hohe Ansprüche gestellt:

• Die elektrische Anlage zur Löschwasserversorgung muss mit einer eigenen Zuleitung direkt

von dem Hauptverteiler eingespeist werden. (DIN VDE 0108 Teil 1)

Seite 18 Technische Änderungen vorbehalten 924 366-01


Planungshinweise Löschwassertechnik

• Die elektrischen Leitungen von bauaufsichtlich vorgeschriebenen Druckerhöhungsanlagen zur

Löschwasserversorgung müssen i. d. R. so ausgeführt oder durch Bauteile so verkleidet

werden, dass diese bei äußerer Brandeinwirkung für eine Zeitdauer von 90 Minuten

funktionsfähig bleiben. (Beiblatt 1 zu DIN VDE 0108 Teil 1) Je nach Bundesland können

jedoch auch Abweichungen hiervon möglich sein. Im Zweifelsfall sind die geltenden

Vorschriften bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde zu erfragen. (DIN VDE 0100 Teil 560)

• Beim Anschluss sind die technischen Anschlussbedingungen des örtlichen EVU zu beachten.

• Der Querschnitt der elektrischen Anschlussleitung ist nach dem Gesamtanschlusswert zu

bestimmen.

• Die externe Absicherung erfolgt nach DIN VDE 0100 Teil 430.

• Ein Potentialausgleich der Rohrleitung vor und hinter der Druckerhöhungsanlage hat nach den

örtlichen Vorschriften zu erfolgen.

• Die Druckerhöhungsanlage bedarf gegebenenfalls einer Sicherheitsstromversorgung. Diese

kann notwendig werden, da Druckerhöhungsanlagen für Löschwasserzwecke der Gruppe von

notwendigen Sicherheitseinrichtungen angehören, die im Gefahrenfall (insbesondere im

Brandfall) der Sicherheit von Personen dienen.

Die Notwendigkeit einer Sicherheitsstromversorgung wird i. d. R. in folgenden Verordnungen

bzw. Vorschriften geregelt.

o Bauordnungsrichtlinien

o Arbeitsschutzrichtlinien

Je nach Bundesland oder aber auch je nach Gebäudeart findet eine unterschiedliche

Regelung statt.

Im Zweifelsfall sind die geltenden Vorschriften bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde zu

erfragen.

Ist gemäß den geltenden Richtlinien eine Sicherheitsstromversorgungsanlage notwendig, so

wird die Ausführung dieser Anlage durch die DIN VDE 0108 Teil 1 reglementiert.

• Wenn nur eine Stromquelle für Sicherheitszwecke vorhanden ist und keine zweite Stromquelle

gefordert ist, darf diese nicht für andere Zwecke verwendet werden. (DIN VDE 0100 Teil 560)

• Auflagen durch ein evtl. vorliegendes Brandschutzgutachten sind ebenso zu berücksichtigen.

Anforderungen an evtl. erforderliche Sicherheitsstromversorgungsanlagen für Anlagen zur

Löschwasserversorgung:

• Die Nennbetriebsdauer der Ersatzstromquelle muss 12 Stunden betragen.

• Die Umschaltzeit auf die Ersatzstromquelle darf max. 15 Sekunden betragen.

Zulässige Ersatzstromquellen sind dabei in DIN VDE 0108 Teil 1 definiert:

• Ersatzstromaggregat sowie Schnell- und Sofortbereitschaftsaggregat gemäß DIN VDE 0108

Teil 1 (z. B. durch ein Dieselaggregat).

• Besonders gesichertes Netz

Für ein besonders gesichertes Netz müssen die beiden voneinander unabhängigen

Einspeisungen folgenden Anforderungen genügen:

o Bei Störung der allgemeinen Stromversorgung aus der einen Einspeisung muss die

andere Einspeisung mindestens die Versorgung der notwendigen

Sicherheitseinrichtungen übernehmen.

o Fehler im Stromversorgungsnetz der einen Einspeisung dürfen keine Störungen in

Stromversorgungsnetz der anderen Einspeisung auslösen. Dies liegt z. B. vor bei:

- Einspeisung aus einem öffentlichen Verteilungsnetz und einem davon

unabhängigen Kraftwerk (z. B. öffentliches Netz und Ersatzstromaggregat, in

der Praxis die gebräuchlichste Art).

924 366-01 Technische Änderungen vorbehalten Seite 19


Planungshinweise Löschwassertechnik

- Zwei voneinander unabhängigen Kraftwerken (z. B. Eigenstromerzeugung

durch Firmeneigenes Wärmekraftwerk und Dieselersatzstromaggregat / keine

gängige Praxis).

- Zwei voneinander unabhängigen öffentlichen Verteilungsnetzen, netzschutztechnisch

entkoppelt (Findet man ggf. nur in Großbetrieben wie z. B. in der

Chemieindustrie. Somit keine gängige Praxis). Klärung meist nur über das

Energieversorgungsunternehmen möglich.

Die Umschaltung auf eine zulässige Ersatzstromquelle wird durch eine Netzüberwachung und

Umschaltung bei Netzausfall erreicht. Dieses wird durch ein Netzumschaltgerät am Hauptverteiler der

Sicherheitsstromversorgung realisiert. (siehe auch das Kapitel Zubehör / Netzumschaltgerät)

1.4.9 Auswahl der geeigneten Schlauchanschlusseinrichtungen

Unter Berücksichtigung der Hinweise und Vorgaben zur Auswahl in dem Kapitel der jeweiligen

Löschwasseranlage ist nun die geeignete Schlauchanschlusseinrichtung auszuwählen. Zu

unterscheiden sind dabei Löschwassereinspeise- und –entnahmeeinrichtgungen, die ausschließlich in

Löschwasseranlagen „trocken“ zum Einsatz kommen (siehe Kapitel 2) und Wandhydranten, die in

erster Linie Selbsthilfezwecken dienen, aber je nach Ausführung auch von der Feuerwehr mit genutzt

werden können (siehe Kapitel 3 bis 5).

Wandhydranten sind zu unterscheiden in die mittlerweile üblichen Wandhydranten mit formstabilem

Schlauch, die auch zur Anwendung durch nicht speziell geschultes Personal geeignet sind, und den

Wandhydranten mit Flachschlauch (Feuerwehr-Druckschlauch), die nur für speziell geschulte Kräfte

(z.B. eine Werkfeuerwehr) bestimmt sind und somit z.B. in öffentlich zugänglichen Gebäuden nicht

eingesetzt werden dürfen sondern hauptsächlich nur noch im Industriebau eine Rolle spielen.

Wandhydranten sind aufgrund des Löschmediums Wasser grundsätzlich nur für die Brandklasse A

nach DIN EN 3 (feste, glutbildende Stoffe) geeignet. Die einzige Ausnahme bilden Wandhydranten mit

Schaummittelzumischung, so genannte Schaum-Wasser-Wandhydranten, die je nach Schaummittel

auch die Brandklasse B (flüssige bzw. flüssig werdende Stoffe) mit abdecken können.

Sofern besondere optische Ansprüche gestellt werden, gestattet es die DIN 14461-1 mittlerweile

neben Schränken aus Edelstahl auch Wandhydranten mit Türen aus transparenten Werkstoffen zu

verwenden. Hierbei bietet sich als kostengünstige Variante Plexiglas oder Makrolon an oder als

widerstandsfähigere Oberfläche ESG-Glastüren. Die nachfolgende Abbildung zeigt beispielhaft

derartige Sonderausführungen.

Abbildung 7 – Modell 7002 S

mit transparenter ESG-Glastür

Abbildung 6 - Modell 7152 S

aus Edelstahl mit ausgestanzten

Piktogrammen

Abbildung 8 - Modell 7112 S

Sonderausführung Köln/Bonn

(ähnlich DIN)

Seite 20 Technische Änderungen vorbehalten 924 366-01


Planungshinweise Löschwassertechnik

Grundsätzlich sollten Feuerlöscheinrichtungen immer zusammengefasst werden. So empfiehlt es sich

immer Kombinationsmodelle mit einem Feuerlöscherfach zu installieren, wenn zusätzlich zu den

Wandhydranten auch Feuerlöscher in dem Objekt an gleicher Stelle vorgehalten werden sollen. Ist für

das Objekt auch eine Brandmeldezentrale vorgesehen, so sollte in dem Wandhydranten oder

zumindest in unmittelbarer Nähe auch ein Handfeuermelder mit vorgesehen werden. Für die spätere

Ausschreibung ist dabei aber unbedingt zu beachten, dass der Handfeuermelder zur Brandmeldezentrale

kompatibel sein muss und daher immer zusammen mit der Zentrale ausgeschrieben werden

sollte und zum Lieferumfang des Wandhydranten gehören sollte. Gleichzeitig ist aber darauf zu

achten, dass der Ausschnitt für den Feuermelder groß genug ist, um den Melder später auch wirklich

im Wandhydranten montieren zu können.

Als weitere Regel sind grundsätzlich Einbauschränke (Bauart „B“ nach DIN 14461) der Aufputz-

Installation von Wandschränken (Bauart „C“ nach DIN 14461) vorzuziehen, sofern dadurch nicht die

statisch erforderliche Wanddicke unterschritten wird oder die vorgeschriebene Feuerwiderstandsdauer

beeinträchtigt wird.

Von der Installation von Wandhydranten mit Rollladen sollte grundsätzlich kein Gebrauch gemacht

werden, da hier beobachtet werden konnte, dass die Rollladen in der Paniksituation oftmals nicht

problemlos geöffnet werden können und – bei Rollladen mit Kunststofflamellen – durch

Hitzeeinwirkung auch Verformungen auftreten können, durch die der Wandhydrant nicht mehr

problemlos geöffnet werden kann. Aus diesem Grund sind Rollladen auch nach den geltenden

Normen für Wandhydranten (DIN 14461-1 und DIN 14461-6) nicht zugelassen.

Um auch unter normalen Umgebungsbedingungen einen guten Korrosionsschutz zu bieten, werden

GLORIA Wandhydranten aus verzinktem Stahlblech anstelle von kostengünstigem Schwarzblech

gefertigt und pulverbeschichtet. In Bereichen mit direkten Witterungseinflüssen oder grundsätzlich

hoher Luftfeuchtigkeit sollte dennoch immer darauf geachtet werden, dass dort Wandhydranten aus

Edelstahl installiert werden.

Wandhydranten sollten nach DIN 14461-1 und -6 sowie nach BGV A8 bzw. GUV grundsätzlich nach

Einbau signalrot, RAL 3001, lackiert werden. Hierzu kann der Wandhydrant entweder mit einer

werksseitigen Pulverbeschichtung in RAL 3001 vorgesehen werden oder aber auch in einer neutralen

Farbgebung ausgeschrieben werden, die dann im Bedarfsfall auch andere Farbtöne ermöglichen

würde. Seitens GLORIA wird hierfür serienmäßig eine Pulverbeschichtung mit einem Glattlack im

Farbton RAL 7035 („lichtgrau“) oder eben eine Endlackierung im Farbton RAL 3001 mit einem

Strukturlack angeboten.

1.4.10 Absprache von Sonderausführungen mit den für den Brandschutz zuständigen

Stellen

Grundsätzlich empfiehlt es sich die geplante Ausführung der Löschwasseranlage im Vorfeld mit den

für den Brandschutz zuständigen Stellen abzustimmen. Im Falle von Abweichungen zwischen dem

ermittelten System und den ursprünglichen Auflagen der zuständigen Dienststelle oder falls

Sonderlösungen, die von den einschlägigen DIN-Normen abweichen zum Einsatz kommen sollen, ist

in jedem Fall die Zustimmung der Dienststelle einzuholen.

1.4.11 Genehmigung des Anschlusses an das Trinkwassernetz durch den

Wasserversorger

Die Berechnungen der Löschwasseranlage einschließlich des ermittelten Löschwasserbedarfs und

der gewünschten Anschlussart sind möglichst zusammen mit schematischen Zeichnungen des

Rohrleitungssystems dem Wasserversorgungsunternehmen zur Genehmigung vorzulegen.

1.4.12 Dokumentation der Löschwasseranlage

Nach den geltenden Normen ist ein Prüfbuch zu erstellen, in dem der Aufbau der

Wandhydrantenanlage sowie alle Absprachen mit den für den Brandschutz zuständigen Stellen sowie

mit dem Wasserversorger zu dokumentieren sind. So können z.B. Sonderregelungen bei den

späteren Instandhaltungsarbeiten und Prüfungen mit berücksichtigt werden und im Streitfalle

gegebenenfalls auch Bestandsschutz für Sonderkonstruktionen ausgesprochen werden.

Das somit vorbereitete Prüf- und Kontrollbuch ist vom Installateur der Wandhydrantenanlage um die

Dokumentation der verwendeten Bauteile und den Wartungsvorgaben zu ergänzen und bei

Inbetriebnahme dem Betreiber zu übergeben. Das Dokument ist dann vom Betreiber fortzuführen und

um alle die Löschwasseranlage betreffenden Ereignisse, wie Einsätze, Prüfungen,

Instandhaltungsarbeiten und Reparaturen zu ergänzen

924 366-01 Technische Änderungen vorbehalten Seite 21


2 Löschwasseranlagen „trocken“

2.1 Schematische Darstellung

Planungshinweise Löschwassertechnik

Seite 22 Technische Änderungen vorbehalten 924 366-01

Steigleitung trocken

für die Feuerwehr

Steigleitung trocken

für die Feuerwehr

Abbildung 9 – Löschwasseranlage „trocken“


Planungshinweise Löschwassertechnik

2.2 Definition und Einsatzbereich

Löschwasseranlagen „trocken“ dienen nicht der Selbsthilfe sondern sind ausschließlich zur Nutzung

durch die Feuerwehr bestimmt. Sie sollten ihr dabei insbesondere bei schlecht unzugänglichen

Gebäuden das zeitraubende Verlegen von Schlauchleitungen ersparen und somit einen möglichst

schnellen Löschangriff durch die Feuerwehr ermöglichen.

Es handelt sich hierbei um Löschwasserleitungen, in die das Löschwasser erst im Brandfall durch die

Feuerwehr eingespeist wird. In der Regel wird das Leitungssystem über das Feuerwehrfahrzeug an

mit Löschwasser versorgt, welches aus Hydranten, Löschwasserteichen oder nahe gelegenen

Flüssen entnommen wird. Die Löschwasserentnahme erfolgt an den einzelnen Entnahmeeinrichtungen

im Gebäude, an denen die Feuerwehr eigens mitgebrachte Schläuche und Strahlrohre

ankuppelt. Nach Gebrauch wird die Löschwasseranlage über eine Entleerungseinrichtung wieder

entleert.

Die Vorteile der Löschwasseranlagen liegen - neben der Ersparnis für die Feuerwehr im Brandfall

Schlauchleitungen verlegen zu müssen - darin, dass sie ohne Einschränkungen auch für Installationen

in frostgefährdeten Bereichen geeignet ist und der Feuerwehr auch Fremdeinspeisungen, wie z.B.

eine Schaummittelzumischung ermöglicht. Außerdem weist sie eine hohe Betriebssicherheit auf, da

sie – außer bei großen Gebäudehöhen, die eine Druckerhöhungsanlage erforderlich machen – ohne

elektrische Komponenten auskommt. Der entscheidende Nachteil liegt natürlich in der fehlenden

Selbsthilfemöglichkeit für anwesende Personen, weshalb Löschwasseranlagen „trocken“ auch z.B.

nicht auf die Anzahl erforderlicher Feuerlöscher nach Arbeitsstättenrichtlinie angerechnet werden.

2.3 Allgemeine Anforderungen

Grundsätzlich muss sichergestellt werden, dass nur Bauteile installiert werden, die den geltenden

Normen und sonstigen Bestimmungen entsprechen. Abweichungen und Sonderkonstruktionen sind

einer Risikoanalyse zu unterziehen und mit den zuständigen Stellen abzustimmen sowie im Prüfbuch

zu dokumentieren.

So wird z.B. vereinzelt auf die Installation eines Schutzschrankes bei Einspeiseeinrichtungen

verzichtet, wodurch die Anschlusskupplungen aber nun für Jedermann leicht zugänglich sind und

durch das Hineinstecken von Müll z.B. die Funktionsfähigkeit der gesamten Anlage beeinflusst werden

kann. Diese Ausführung stellt also ebenso ein Sicherheitsrisiko dar, wie z.B. auch der Einbau von

Schlauchanschlussventilen anstelle von Entnahmearmaturen an den Entnahmestellen, da die Ventile

leicht durch Unbefugte geöffnet werden können und so die Befüllung und Nutzung der

Löschwasseranlage durch die Feuerwehr aufgrund der geöffneten Ventile nicht mehr möglich ist.

2.4 Besondere Anforderungen an Rohrleitungssystem und Armaturen

Löschwasseranlagen „trocken“ dürfen keine unmittelbare Verbindung mit anderen Leitungssystemen,

insbesondere nicht zu trinkwasserführenden Installationsteilen. Werden in einem Gebäude mehre

Steigleitungen installiert eingebaut, so ist jede als getrennte Löschwasseranlage auszuführen und mit

einer eigenen Löschwasser-Einspeiseeinrichtungen auszuführen. Über die allgemeinen

Anforderungen nach Kapitel 1.4.5 ist zu beachten:

Die Rohrleitungswerkstoffe den Anforderungen von DIN 14462 entsprechen, mit Ausnahme von

schwarzem Stahlrohr. Da es sich nicht um eine Trinkwasserinstallation handelt, können im Einzelfall

und nach Abstimmung mit der Feuerwehr auch andere metallische Werkstoffe verwendet werden,

wenn bestimmte Anwendungen den Einsatz eines Rohrmaterials nach DIN 14462 verbieten. Die

Forderung, dass grundsätzlich nur verzinktes Stahlrohr zulässig ist besteht nicht mehr.

Die Rohrleitungssystem ist in Druckstufe PN 16 auszuführen. Hinsichtlich der Befestigung der

Rohrleitungen sind die erhöhten hydraulischen Kräfte beim Füllvorgang zu berücksichtigen.

Ansonsten ist die Rohrleitungsbefestigung gemäß DIN 1988-2 vorzunehmen.

Press-, Klemm und Steckverbindungen sind bei Löschwasseranlagen „trocken“ nur zulässig, wenn sie

für den Einsatz (insbesondere im Hinblick auf die Kräfte beim Füllvorgang sowie äußere

Brandeinwirkung bei leerer Leitung) geeignet sind. Dieses darf dann angenommen werden, wenn Sie

von einer anerkannten Prüfstelle für die Verwendung in Wasserlöschanlagen (wie zum Beispiel

Trocken-Sprinkleranlagen oder Sprühwasserlöschanlagen) freigegeben wurden.

924 366-01 Technische Änderungen vorbehalten Seite 23


Planungshinweise Löschwassertechnik

Die Steigleitungen der Löschwasseranlage werden üblicherweise in DN 80 dimensioniert. Bei Einsatz

kleinerer Nennweiten sowie bei Leitungslängen > 100 m ist die ausreichende Dimensionierung

rechnerisch nachzuweisen. Dabei muss - sofern keine abweichenden Vorgaben bestehen – nachgewiesen

werden, dass an den Entnahmeeinrichtungen die Druckdifferenz zwischen Einspeisestelle

und Entnahmestelle nicht mehr als 1 bar + geodätischem Druckunterschied bei einer

Durchflussmenge von 300 l/min an der Entnahmestelle beträgt. Abzweigungen von der Steigleitung

müssen mindestens die gleiche Nennweite wie die angeschlossenen Armaturen haben.

Sind aufgrund objektspezifischer Gegebenheiten mit Ausnahme der Einspeise- und Entnahmeeinrichtungen

sowie der Be- und Entlüfter weitere Armaturen zwingend erforderlich, so müssen diese

so beschaffen sein, dass von ihnen keine Beeinträchtigung der Löschwasseranlage ausgehen kann.

Sie sind ebenso wie die Löschwasserleitungen für die Druckstufe PN 16 auszulegen. Zusätzliche

Absperreinrichtungen sind innerhalb von Löschwasseranlagen „trocken“ grundsätzlich nicht zulässig.

Die Löschwasseranlage muss am tiefsten Punkt des Rohrleitungssystems über eine plombierbare

Entleerungseinrichtung verfügen, die üblicherweise direkt an der Einspeisearmatur montiert ist. In

unmittelbarer Nähe der Entleerung ist eine ausreichende Entwässerungsmöglichkeit vorzusehen. Im

Einzelfall, zum Beispiel bei Rohrleitungsführungen unterhalb des Niveaus der Einspeisearmatur kann

der Einbau einer automatischen Tiefenentleerung (siehe Abschnitt 5.8) in Kombination mit einer

Entleerung an der Einspeisearmatur zur Druckentlastung sinnvoll sein, z.B. wenn diese Entleerung in

einem im Brandfall nur schwer zugänglichen Bereich liegt.

Für Wartungs- und Prüfungszwecke muss in der Nähe der obersten Entnahmestelle ein

Entwässerungsanschluss nach DIN 1988-100 vorhanden sein, der für Prüfwassermenge von

300 l/min ausreichend groß dimensioniert sein muss. Ebenso ist im Bereich der Be- und Entlüfter ein

Ablauf über freie Atmosphäre für die Tropfwasserleitung vorzusehen. Hiervon kann allerdings

abgesehen werden, wenn austretendes Wasser keine Schäden verursachen kann. Das

Entwässerungssystem für die Löschwasseranlage muss innerhalb von Gebäuden nach DIN 1986-100

bzw. nach den Normen der Reihe DIN EN 12056 gebaut und dimensioniert werden.

2.5 Löschwasser-Einspeiseeinrichtungen

Zur Löschwassereinspeisung sind so genannte Löschwasser-Einspeiseeinrichtungen nach

DIN 14461-2 vorzusehen. Sie bestehen aus einem Schutzschrank nach gleicher Norm mit einer

eingebauten Einspeisearmatur nach DIN 14461-4 und einem B/C-Kupplungsschlüssel.

Abbildung 10 - GLORIA Einspeiseeinrichtung 7005 S

Die Einspeiseeinrichtung ist gut zugänglich und in unmittelbarer Nähe zur vorgesehenen Fläche für

die Feuerwehr gut sichtbar anzuordnen. Sie ist so zu installieren, dass die Kupplungen der

Einspeisearmatur (800 ± 200) mm über der Fläche für die Feuerwehr liegen.

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Planungshinweise Löschwassertechnik

Es ist darauf zu achten, dass bei Einspeisearmaturen nach DIN der Anschluss von oben erfolgen

sollte, um direkt an der Armatur das Entleerungsventil mit vorsehen zu können. Alternativ kann der

Anschluss von unten vorgesehen werden, wobei dann die Anschlusskupplungen um 180° gedreht

werden müssen und zusätzlich am tiefsten Punkt der Rohrleitung eine Entleerungseinrichtung zu

installieren ist. Ein seitlicher Anschluss der Armatur an die Rohrleitung ist nicht möglich. Ferner ist es

nach DIN 14461-2 verboten die Zuleitung durch den Innenraum des Schrankes zu führen.

Sollen Einbauschränke vorgesehen werden, so darf dadurch die statisch erforderliche Wanddicke

nicht unterschritten werden und die vorgeschriebene Feuerwiderstandsdauer darf nicht beeinträchtigt

sein. Bei Installationen im Außenbereich oder sonstigem Witterungseinflüssen ist aus Gründen des

Korrosionsschutzes immer Schutzschrank aus Edelstahl vorzusehen.

Alle Feuerlösch-Schlauchanschlusseinrichtungen sind gemäß DIN 14461-2 nach Einbau zu lackieren

(in der Regel wird der Farbton RAL 3001 „signalrot“ vorgesehen) und deutlich sichtbar zu

kennzeichnen. Einspeiseeinrichtungen sind dabei außen mit einem Schild „Löschwasserleitung

trocken“ im Format 148 x 420 mm zu kennzeichnen und müssen innen mit einem gleichgroßen

Hinweisschild mit dem Text „Vor Gebrauch Entleerungsventil schließen, nach Gebrauch

Entleerungsventil öffnen“ versehen sein. Diese Schilder gehören in der Regel bereits zum normalen

Lieferumfang der Schutzschränke.

Befindet sich das Entleerungsventil für die Löschwasserleitung nicht direkt an der Einspeisearmatur,

so muss im Schrank der Löschwassereinspeisung zusätzlich ein Hinweisschild angebracht werden,

welches in deutlich lesbarer und dauerhafter Schrift anzeigt, wo sich die Entleerungsstelle befindet.

Dieses ist bauseitig entsprechend mit vorzusehen.

Solange die Löschwasserleitungen nicht betriebsbereit sind – entweder aufgrund festgestellter

Defekte oder auch schon während der Bauphase – muss die Einspeiseeinrichtung zudem gut lesbar

mit einem Hinweisschild „Außer Betrieb“ gekennzeichnet sein.

2.6 Löschwasser-Entnahmeeinrichtungen

Zur Löschwasserentnahme ist in jedem Geschoss mindestens eine Entnahmeeinrichtungen

vorzusehen. Die Entnahmeeinrichtungen müssen DIN 14461-2 entsprechend und aus einem

Schutzschrank nach gleicher Norm mit eingebauter Entnahmearmatur nach DIN 14461-5 bestehen.

Abbildung 11 – GLORIA Entnahmeeinrichtung 7006 S

Die Schutzschränke sind so zu montieren, dass die Entnahmearmatur später (1.200 ± 400) mm über

Oberkante Fertigfußboden angeordnet ist. Bei Kombinationsmodellen mit weiteren (Brandschutz-)

Einrichtungen sind gegebenenfalls zusätzliche Anforderungen für diese Einbauteile mit zu berücksichtigen,

wie zum Beispiel die Einbauhöhe von Handfeuermeldern.

Bei der Anordnung ist ferner zu beachten, dass die Entnahmearmatur nur ein seitliche an die

Zuleitung angeschlossen werden kann und die Bedienung der Einrichtung mit einem

Kupplungsschlüssel nach DIN 14822-1 bzw. -2 ungehindert möglich sein muss.

924 366-01 Technische Änderungen vorbehalten Seite 25


Planungshinweise Löschwassertechnik

Sollen Einbauschränke vorgesehen werden, so ist darauf zu achten, dass dadurch die statisch

erforderliche Wanddicke nicht unterschritten wird und dass die vorgeschriebene Feuerwiderstandsdauer

nicht beeinträchtigt wird.

Alle Feuerlösch-Schlauchanschlusseinrichtungen sind gemäß DIN 14461-2 nach Einbau zu lackieren

(in der Regel wird der Farbton RAL 3001 „signalrot“ vorgesehen) und deutlich sichtbar zu

kennzeichnen.

Entnahmeeinrichtungen sind außen mit einem Schild „Löschwasserleitung, trocken für Feuerwehr“

(neue Ausführung) oder „Steigleitung trocken für die Feuerwehr“ (alte Ausführung) im Format

74 x 210 mm zu kennzeichnen. Diese Schilder gehören in der Regel bereits zum normalen

Lieferumfang der Schutzschränke.

2.7 Be- und Entlüfter für Löschwasseranlagen „trocken“

Be- und Entlüfter sind selbsttätige Einrichtungen mit Schwimmkörper für Löschwasserleitungen, die an

den Endpunkten und obersten Stellen der Löschwasserleitung sitzen und eine schnelle Flutung sowie

eine Entleerung der Leitung nach Gebrauch ermöglichen.

Bei Löschwasseranlagen „trocken“ ist an den Endpunkten der Steigleitung jeweils mindestens ein

selbsttätiger Be- und Entlüfter mit einer Entlüftungsmenge von mindestens 2.000 l/min vorzusehen.

Durch die Länge der Rohrleitung und/oder durch den Rohrverlauf können zudem weitere Be- und

Entlüfter erforderlich werden. So sollten bei langen horizontalen Rohrleitungswegen in vertretbaren

Abständen weitere Be- und Entlüfter installiert werden, wenn ansonsten eventuell mit Druckstöße zu

rechnen wäre.

Be- und Entlüfter in Löschwasseranlagen müssen DIN 14463-3 entsprechen und dementsprechend

für einen Betriebsdruck von mindestens 16 bar im Dauerbetrieb zugelassen sein und spätestens bei

einem Schließdruck von 0,3 bar den Wasseraustritt abregeln.

Der Einbau von Be- und Entlüftern darf nur in vertikaler Anordnung erfolgen. Der Be- und Entlüfter

muss später ohne Veränderung der Löschwasseranlagen auswechselbar sein. Der

Tropfwasseranschluss muss mit einer nicht absperrbaren Tropfwasserleitung mit Ablauf über freie

Atmosphäre verbunden sein; es sei denn, dass austretendes Wasser keinen Schaden verursachen

kann.

Die nachfolgende Abbildung zeigt beispielhaft einen Be- und Entlüfter nach DIN 14463, wie er für

Löschwasseranlagen „trocken“ zugelassen ist.

Abbildung 12 - GLORIA Be- und Entlüfter BEG 50

Entlüftungsmenge 3.000 l/min

2.8 Druckerhöhungsanlagen in Löschwasseranlagen „trocken“

Auch bei Löschwasseranlagen trocken muss sichergestellt sein, dass der erforderliche Mindestdruck

an allen Entnahmestellen erreicht wird. Nach DIN 14462 ist hierfür ab einer Gebäudehöhe von mehr

als 30 m im Regelfall immer eine Druckerhöhungsanlage vorzusehen. Weite Vorgabe wie z.B. die

Hochhaus-Richtlinie sind zusätzlich zu beachten.

Die Auswahl der Druckerhöhungsanlage erfolgt grundsätzlich gemäß der Anforderungen bei

Löschwasseranlagen (siehe Kapitel 1.4.8). Bei Löschwasseranlagen „trocken“ ist zu berücksichtigen,

dass die Anlagen im Normalfall leer sind, so dass Standardanlagen in der Regel nicht eingesetzt

werden können, da z.B. eine Entlüftung der Pumpe vor Einsatz erfolgen müsste und auch der tägliche

Probelauf sowie eine druckabhängige Anlagensteuerung nicht ohne weiteres möglich ist.

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Planungshinweise Löschwassertechnik

3 Trinkwasserinstallation mit Wandhydranten

3.1 Schematische Darstellung

Abbildung 13 - Trinkwasser-Installation mit Wandhydranten

924 366-01 Technische Änderungen vorbehalten Seite 27


3.2 Definition und Einsatzbereich

Planungshinweise Löschwassertechnik

Trinkwasser-Installationen mit Wandhydranten sind Wandhydrantenanlagen, die in der Regel

ausschließlich der Selbsthilfe dienen und bei denen somit auch spezielle „Selbsthilfe-Wandhydraten“

(Wandhydrant Typ „S“ nach DIN 14461-1) in die Trinkwasserleitungen integriert werden. Hierfür muss

gemäß DIN 1988-6 der Trinkwasserverbrauch im Anlagensystem größer sein als der erforderliche

maximale Löschwasserbedarf und die Feuerwehr muss auf die Anschlussmöglichkeit für eigene

Feuerwehrschläuche an dem Wandhydranten verzichten. Aus diesem Grund wird teilweise auch eine

Löschwasseranlage „trocken“ zusätzlich zu dieser Wandhydranten-Installationen mit vorgesehen.

Die in diesem System zu verwendenden Wandhydranten vom Typ S nach DIN 14461-1 sind speziell

zum Betrieb mit den in Trinkwassernetzen üblichen Drücken und Durchflussmengen konzipiert. Sie

verfügen daher über einen formstabilen Schlauch mit geringerer Nennweite und einem Strahlrohr mit

geringerer Wasserlieferung als die „normalen“ vom Wandhydranten vom Typ F. Außerdem sind sie

mit einem besonderen Schlauchanschlussventil (eigensichere Armaturenkombination mit Rückflussverhinderer

und Rohrbelüfter) ausgestattet, das zudem auch eine DIN-DVGW-Zulassung nach

DIN 14461-3 für den Trinkwasseranschluss besitzen muss.

Ein Nachteil dieser Anlagenform liegt in den niedrigen Betriebsdrücken und damit auch geringeren

Durchflussmengen, die damit zu einer geringeren Löschwirkung führen. Außerdem ist diese

Anlagenausführung nicht zur Nutzung durch die Feuerwehr als Löschwasserversorgung geeignet, so

dass im Einzelfall auch eine zusätzliche Installation einer Löschwasseranlage „trocken“ neben dieser

Wandhydrantenanlage erforderlich sein kann (siehe Entscheidungsbaum unter Abschnitt 1.4.3). Bei

der Planung und Errichtung der Anlage muss zudem die Einhaltung der Trinkwasserreinhaltung

besonders beachtet werden.

Ein Vorteil ist die in der Regel günstigeren Errichtungskosten verglichen mit einer Löschwasseranlage

„nass“ oder „nass/trocken“. Wichtiger ist aus brandschutztechnischer Sicht, dass durch die direkte

Versorgung aus dem Trinkwassernetz in der Regel eine hohe Betriebssicherheit gewährleistet und die

Wandhydranten jederzeit ohne zeitliche Verzögerung einsatzbereit sind, da durch die Trinkwasserinstallation

Wasser mit ausreichendem Druck stets an jedem Wandhydranten ansteht.

3.3 Allgemeine Anforderungen

Aufgrund der direkten Einbindung in die Trinkwasserinstallation stehen nur solche Löschwassermengen

und –drücke zur Verfügung, wie sie zum Betrieb „normaler“ Trinkwasserverbraucher benötigt

werden. Gemäß DIN 1988-6 und DIN 14462 dürfen daher für diesen Anwendungsfall nur

Wandhydranten vom Typ S nach DIN 14461-1 mit einer Löschwasserlieferung von 24 l/min bei 2 bar

Fließdruck installiert werden. Hierbei handelt es sich um Wandhydranten, die speziell für diesen

geringen Betriebsdruck und die reduzierte Löschwassermenge konzipiert sind. Sie dienen

ausschließlich der Selbsthilfe anwesender Personen und können nicht durch die Feuerwehr genutzt

werden, z.B. als Löschwasserversorgung und zum Anschluss mitgebrachter Feuerwehr-

Druckschläuche.

Vor Errichtung dieser Anlagenausführung ist ein Brandschutzkonzept zu erstellen, in dem die

Wirksamkeit der Einrichtung bei den geringeren Löschwassermengen des Wandhydranten Typ S

nachzuweisen ist. Ferner muss aufgrund der fehlenden Anschlussmöglichkeit zur Versorgung der

Feuerwehr im Brandfall eine Freigabe der der für den Brandschutz zuständigen Stelle erfolgen. Im

Einzelfall kann auch als Auflage erteilt werden, dass zusätzlich zu dieser Wandhydrantenanlage noch

für die Belange der Feuerwehr Löschwasseranlage „trocken“ (siehe Abschnitt 2) zu errichten ist.

In Ausnahmefällen kann auch die Installation von Wandhydranten Typs „F“ mit speziellen

eigensicheren Armaturen 1 vorgenommen werden. Hierzu muss eine Freigabe der zuständigen Stellen

(insbesondere von Seiten des Wasserversorgers) vorliegen. Ferner ist zu beachten, dass bei diesen

Anlagen der Trinkwasserverbrauch immer noch größer als der deutlich gestiegene

Löschwasserbedarf (siehe Abschnitt 4.1 bzw. 4.7) liegen muss.

Grundsätzlich muss immer sichergestellt sein, dass bei dieser Anlagenform neben den brandschutztechnischen

Regelungen auch alle Regeln bezüglich Trinkwasserinstallation eingehalten werden,

insbesondere DIN 1988, DIN EN 1717 und DIN EN 806. Es dürfen nur Bauteile installiert werden, die

1 Zum Zeitpunkt des Drucks sind solche Armaturen nicht mit einer DVGW-Zulassung erhältlich. Seitens des DVGW liegt ferner

ein Antrag bei zuständigen Normungsausschuss vor, diese Sonderregelung aus der Norm zu streichen (Stand: April 2006).

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Planungshinweise Löschwassertechnik

den geltenden Normen und sonstigen Bestimmungen entsprechen. Armaturen, die unmittelbar mit

dem Trinkwassernetz verbunden ins, insbesondere das Schlauchanschlussventil des Wandhydranten

muss zudem eine DVGW-Zulassung besitzen. Abweichungen sind einer Risikoanalyse zu

unterziehen. Sollen Sonderkonstruktionen vorgesehen werden, so sind sie dann mit den zuständigen

Stellen abzustimmen und müssen im späteren Prüfbuch explizit dokumentiert werden.

3.4 Besondere Anforderungen an Rohrleitungssystem und Armaturen

Das Rohrleitungssystem muss bei dieser Anlagenform allen Anforderungen an

Trinkwasserinstallationen genügen. Fremdeinspeisungen sind unzulässig; dies gilt auch sowohl für

eine eventuelle Einspeisemöglichkeit für die Feuerwehr („Noteinspeisung“) wie für den Anschluss von

Wandhydranten mit Schaummittelzumischung (Schaum-Wasser-Wandhydranten). Über die

allgemeinen Anforderungen nach Kapitel 1.4.5 ist zu beachten:

Alle Wandhydranten und Stockwerksleitungen (Verbrauchsleitungen) sind über eine gemeinsame

Steigleitung zu versorgen. Stichleitungen zwischen Steigleitung und Wandhydrant dürfen maximale

eine Länge vom 10 x Rohrleitungsdurchmesser haben. Hinter jedem Wandhydranten müssen sich

zudem Trinkwasserinstallationen befinden, die über ausreichende Verbrauchsmengen verfügen, um

eine Stagnation innerhalb des Leitungssystems auszuschließen (mindestens 2 x 24 l/min bei einem

Wandhydranten vom Typ S).

Die Werkstoffe der Rohrleitungen müssen entsprechend DIN 14462 ausgewählt werden. Die gilt nicht

nur für die Anschlussleitung der Wandhydranten sondern eben für das gesamte Rohrleitungssystem,

da ansonsten im Brandfall durch eine Beschädigung der Rohrleitung eventuell die Wirksamkeit der

Wandhydrantenanlage nicht mehr gegeben wäre.

Die Dimensionierung der Trinkwasserleitung erfolgt nach den Erfordernissen der angeschlossenen

Trinkwasserverbraucher. D.h. die Rohrleitungsdimension darf nicht aufgrund der angeschlossenen

Wandhydranten vergrößert werden.

Bei Anschluss von Wandhydranten vom Typ S muss sichergestellt sein, dass an allen Wandhydranten

bei einer Durchflussmenge von jeweils 24 l/min noch ein Fließdruck von mindestens 2 bar vorhanden

ist. Dabei ist von der gleichzeitigen Nutzung von je zwei benachbarten Wandhydranten auszugehen.

Der Auslegungsvolumenstrom für den Brandfall liegt somit bei 48 l/min. Werden Wandhydranten vom

Typ F mit entsprechendem Sonder-Schlauchanschlussventil oder vorgeschaltetem Systemtrenner BA

beziehungsweise Rohrtrenner GB angeschlossen (Ausnahmefall), so sind die höheren Mindestfließdrücke

und größeren Durchflussmengen gemäß Kapitel 4.1 zu beachten. Gleiches gilt bei der

Installation von Wandhydranten mit Flachschlauch (Details siehe Kapitel 4.7).

Das Rohrleitungssystem ist grundsätzlich für Nenndruck PN 10 zu bemessen, sofern nicht höhere

Innendrücke einen höheren Nenndruck erforderlich machen. Der zulässige Fließdruck am

Wandhydranten darf max. 8 bar bei einem Volumenstrom von 24 l/min betragen. Der maximale

Ruhedruck der Installation darf 12 bar nicht übersteigen.

Hinsichtlich der sonstigen Armaturen innerhalb der Trinkwasserinstallation ist zu beachten, dass diese

nach den Anforderungen der DIN 1988-6 auszuwählen sind und so beschaffen sein müssen, dass von

ihnen keine Beeinträchtigung der Wandhydranten ausgehen kann. Absperreinrichtungen, die sich in

der Zuleitung zu Wandhydranten befinden, sind möglichst zentral anzuordnen, speziell zu

kennzeichnen und gegen unbefugtes Schließen zu sichern.

3.5 Druckerhöhungsanlagen in Trinkwasser-Installationen

Grundsätzlich sollte bei dieser Anlagenform keine Druckerhöhungsanlage allein für die

Feuerlöscheinrichtungen erforderlich sein. Wenn dieses der Fall sein, so ist zu überlegen, die

Wandhydrantenanlage als Löschwasseranlage „nass“ gemäß Abschnitt 4 auszuführen.

Insofern dienen Druckerhöhungsanlagen bei dieser Anlage grundsätzlich in erster Linie auch der

„normalen“ Trinkwasserversorgung und würden im Brandfall dann gegebenenfalls eben auch die

Löschwasserversorgung mit sicherstellen.

In diesen Fällen ist somit, natürlich unter Berücksichtigung der brandschutztechnischen Aspekte bei

der Auswahl von Druckerhöhungsanlagen in Löschwasseranlagen (siehe Abschnitt 1.4.8), die

Druckerhöhungsanlage gemäß DIN 1988-5 auszulegen und zu betreiben. Grundsätzlich ist also hier

anders als bei reinen Feuerlösch-Druckerhöhungsanlagen eine Anlage mit Reservepumpe

vorzusehen. Lediglich, wenn gemäß Brandschutzkonzept eine 100%ige Redundanzanlage sowieso

924 366-01 Technische Änderungen vorbehalten Seite 29


Planungshinweise Löschwassertechnik

mit vorgesehen werden muss, kann im Einzelfall darauf verzichtet werden, da die Reservepumpe im

Prinzip durch die Redundanzanlage sichergestellt würde, sofern ansonsten eine 2-Pumpen-Anlage

zum Einsatz käme.

3.6 Wandhydranten mit formstabilem Schlauch, Typ S nach DIN 14461-1

Wandhydranten vom Typ S nach DIN 14461-1 sind ausschließlich für die Brandbekämpfung durch

Laien (Selbsthilfe) mit Löschwasser, das direkt aus dem Trinkwassernetz entnommen wird,

vorgesehen.

Der Wandhydrant besteht nach Norm dabei im Wesentlichen aus folgenden Bauteilen:

• dem eigentlichen Schutzschrank in einer Ausführung nach DIN 14461-1

• einer drehbaren Montageverschraubung 1“ aus Messing als Verbindungselement zwischen

Rohrleitung und Schlauchanschlussventil, im Einzelfall auch direkt im Ventil integriert

• dem Schlauchanschlussventil, Ausführung nach DIN 14461-3 in Baugröße 1“ als


Sicherungsarmatur mit integriertem Rückflussverhinderer und Schlauchbelüfter, wahlweise mit

lösbarer Verbindung zur Schlauchhaspel oder direkt eingebundenem Verbindungsschlauch,

mit DVGW-Zulassung zum direkten Trinkwasseranschluss.

einer ausschwenkbaren Schlauchhaspel nach DIN EN 671-1 mit entsprechender CE-

Kennzeichnung, bestückt mit 30 m formstabilem Schlauch DN 19 und einem Strahlrohr mit

einer Ausbringungsmenge von 24 l/min.

• Einer selbstklebenden Bedienungsanleitung im Schrank, mindestens DIN A5, sowie außen

einen Piktogramm „Feuerlöschschlauch“ mit Zusatztext „Typ S“.

Die nachfolgende Abbildung zeigt den typischen Wandhydranten Typ S nach DIN 14461-1:

Abbildung 14: Wandhydrant Typ S nach DIN 14461-1, GLORIA Modell 7002 CS

Werden Wandhydranten in Außenbereichen installiert oder ist aus anderen Gründen von einer

erhöhten Korrosionsgefahr auszugehen, so sollten Wandhydrantenschränke aus Edelstahl

vorgesehen werden. Alle Wandhydranten sind gemäß DIN 14461-1 nach Einbau zu lackieren, wobei

gemäß BGV A8 und GUV der Farbton RAL 3001 „signalrot“ vorzusehen ist.

Zusätzlich sind die Schränke außen mit einem Symbolschild „Feuerlöschschlauch“ im Format 200 x

200 mm zu kennzeichnen, welches zusätzlich noch den Zusatztext „Typ S“ umfassen muss. Auf der

Schrankinnenseite, möglichst in Nähe des Schlauchanschlussventils, ist zudem eine

Bedienungsanleitung als selbstklebende Folie, Mindestformat DIN A 5, in dauerhafter Ausführung

anzubringen. Diese Schilder gehören in der Regel bereits zum normalen Lieferumfang der

Seite 30 Technische Änderungen vorbehalten 924 366-01


Planungshinweise Löschwassertechnik

Schutzschränke. Je nach örtlichen Gegebenheiten (siehe z.B. (z.B. Arbeitsstättenrichtlinie BGV A8)

muss das Symbolschild jedoch in nachleuchtender Ausführung ausgeführt werden.

Die Nutzung des Wandhydranten durch die Feuerwehr ist nicht vorgesehen. Aus diesem Grund dürfen

Wandhydranten vom Typ S nur eingebaut werden, wenn hierfür das Einverständnis der für den

Brandschutz zuständigen Dienststelle vorliegt.

Für den einwandfreien Betrieb des Wandhydrant genügt ein Mindestfließdruck von 2 bar bei einer

Entnahmemenge von 24 l/min. Dabei muss nach Norm sichergestellt sein, dass der Fließdruck auch

bei gleichzeitigem Betrieb von zwei Wandhydranten immer garantiert wird. Um die erforderlichen

Kräfte am Schlauch beim Löscheinsatz nicht zu hoch werden zu lassen, wurde in DIN 14461-1 der

zulässige Fließdruck bei geöffnetem Strahlrohr auf max. 7 bar begrenzt, wobei die neue DIN 14462

sogar Drücke bis 8 bar zulässt. Der maximale Betriebsdruck und damit der höchst zulässige

Ruhedruck im Rohrleitungssystem ist auf 12 bar begrenzt.

Bei Trinkwasserinstallation mit Wandhydranten können Wandhydranten vom Typ S in der Regel auf

die erforderlichen Löschmitteleinheiten und damit auf die Anzahl vorzuhaltender Feuerlöscher

angerechnet werden. Nähere Informationen hierzu sind zum Beispiel der Arbeitsstättenrichtlinie

ASR 1.201 zu entnehmen.

Nicht betriebsbereite Wandhydranten (auch wenn nur vorübergehend nicht betriebsbereit oder gerade

im Bau) sind gut lesbar mit einem Hinweisschild „Außer Betrieb“ zu kennzeichnen.

3.7 Be- und Entlüfter in Trinkwasser-Installationen mit Wandhydranten

Gemäß DIN 14461-1 sind alle Wandhydranten mit einem Schlauchanschlussventil als eigensichere

Armatur für die Trinkwasserinstallation ausgestattet. Auch alle anderen Verbraucher müssen nach

DIN EN 1717 mit Einzelabsicherung ausgeführt werden.

Be- und Entlüfter, wie sie z.B. bei Löschwasseranlagen „trocken“ oder „nass/trocken“ eingesetzt

werden oder als Sammelabsicherung für die Wandhydranten vorgesehen wurden, sind daher bei

Trinkwasseranlagen mittlerweile nicht mehr erforderlich.

924 366-01 Technische Änderungen vorbehalten Seite 31


4 Löschwasseranlagen „nass“

4.1 Schematische Darstellung

Planungshinweise Löschwassertechnik

Abbildung 15: Löschwasseranlage "nass"

Seite 32 Technische Änderungen vorbehalten 924 366-01


Planungshinweise Löschwassertechnik

4.2 Definition und Einsatzbereich

Löschwasseranlagen „nass“ sind Wandhydrantenanlagen die ständig mit Wasser befüllt sind und

unter Druck stehen. Es handelt sich hierbei um Nichttrinkwasserleitung nach DIN 1988-1, bei der in

der Regel kein ausreichender Wasseraustausch gegeben ist oder die von vorne herein mit Nicht-

Trinkwasser (z.B. Regenwasser, Wasser aus Löschteichen, Flusswasser, etc.) betrieben werden.

Somit darf bei dieser Anlagenform auch keine unmittelbare Verbindung zur Trinkwasser-Installation

bestehen.

Üblicher Weise werden hier Wandhydranten mit formstabilem Schlauch installiert, die sich als

Selbsthilfe-Einrichtung eignen, aber auch von der Feuerwehr im Bedarfsfall mit genutzt werden

können (Typ F nach DIN 14461-1). In Einzelfällen können aber auch Wandhydranten nach

DIN 14461-6 mit einem Flachschlauch (Feuerwehr-Druckschlauch) zum Einsatz kommen, die zur

Anwendung durch speziell geschultes Personal ausgelegt sind. dDurch den ständig anstehenden

Betriebsdruck sind die Wandhydranten immer sofort einsatzbereit.

Löschwasseranlagen „nass“ haben den Vorteil, dass hier die Feuerlöscheinrichtung eindeutig vom

Trinkwassernetz getrennt ist und separat ausgeführt wird. Sie ist damit hinsichtlich der Einhaltung der

Trinkwasserrichtlinien unproblematisch. Sie sind daher gemäß DIN 1988-6 eine Lösungsmöglichkeit

zur Errichtung von Wandhydrantenanlagen mit einem Löschwasserbedarf größer 2 x 24 l/min.

Die Löschwasseranlage „nass“ findet auch dann Anwendung, wenn eine (ausreichende)

Löschwasserbereitstellung durch den Wasserversorger nicht gegeben ist, da durch den

Vorlagebehälter auch eine Zwischenspeicherung erforderlicher Löschwassermengen möglich ist.

Problematisch ist jedoch der Umstand, dass bei Ausfall der Druckerhöhungsanlage die gesamte

Wandhydrantenanlage nicht mehr betriebsbereit ist, so dass gerade auf diesen Punkt besonderer

Augenmerk zu legen ist (siehe auch Abschnitt 1.4.8).

Ebenso ist zu beachten, dass diese Anlagenform konzeptionell eine Verkeimung des Löschwassers

beinhaltet, da die Anlage nur im Brandfall betrieben wird und das Wasser im System somit eventuell

über Jahre hinweg stagniert. Im Brandfall sowie bei einer sonstigen Löschwasserentnahme, wie z.B.

Betätigung des Wandhydranten durch Unbefugte („Putzwasserentnahme“), ist also von Wasser der

Gefahrenklasse 4 oder 5 auszugehen. In Lebensmittel verarbeitenden Betrieben, Krankenhäusern

und Altenheimen sind solche Anlage also unter Umständen als bedenklich anzusehen.

4.3 Allgemeine Anforderungen

Löschwasseranlagen „nass“ sind nach DIN 1988-6 als Nichttrinkwasseranlagen definiert, die keine

unmittelbare Verbindung zur Trinkwasser-Installation haben dürfen. Sie müssen über einen

Vorlagebehälter mit freien Auslauf AA, AB oder AD nach DIN EN 1717 und nachgeschalteter

Druckerhöhungsanlage vom Trinkwassernetz getrennt sein oder werden von vorneherein mit

Betriebswasser betrieben. Hinter der Druckerhöhungsanlage ist eine Fremdeinspeisung oder auch

das Zumischen von Schaummitteln zulässig, so dass dieses System auch für Schaumlöschanlagen

oder zum Anschluss von Schaum-Wasser-Wandhydranten geeignet ist.

Üblicher Weise werden bei Löschwasseranlage „nass“ Wandhydranten des Typs „F“ nach

DIN 14461-1 eingesetzt. Diese Wandhydranten verfügen über eine Schlauchhaspel mit formstabilem

Schlauch mit entsprechender Düse, wodurch die Handhabung durch den Laien möglich ist. Die

Nutzung durch die Feuerwehr ist ebenso gegeben, da ein Abkupplung der vorhandenen

Schlauchhaspel und der Anschluss von eigens mitgebrachten Schläuchen möglich ist.

In Einzelfällen können aber auch Wandhydranten nach DIN 14461-6 mit einem Flachschlauch

(Feuerwehr-Druckschlauch) zum Einsatz kommen, die zur Anwendung durch speziell geschultes

Personal ausgelegt sind. Der Betreiber muss hierfür ständig eine ausreichende Anzahl entsprechend

unterwiesener Personen vorhalten, so dass diese Wandhydranten in der Praxis eigentlich nur noch in

Industrieben mit eigener Werkfeuerwehr installiert werden.

4.4 Besondere Anforderungen an Rohrleitungssystem und Armaturen

Über die allgemeinen Anforderungen nach Kapitel 1.4.5 ist zu beachten:

Das Rohrleitungssystem muss bei dieser Anlagenform bis zum Vorlagebehälter mit freiem Auslauf

den Anforderungen an Trinkwasserinstallationen genügen. Dahinter sind Fremdeinspeisungen

924 366-01 Technische Änderungen vorbehalten Seite 33


Planungshinweise Löschwassertechnik

grundsätzlich zulässig; dies gilt auch sowohl für eine Einspeisemöglichkeit für die Feuerwehr

(„Noteinspeisung“) wie für den Anschluss von Wandhydranten mit Schaummittelzumischung

(Schaum-Wasser-Wandhydranten).

Die Werkstoffe der Rohrleitungen müssen entsprechend DIN 14462 ausgewählt werden (siehe

Abschnitt 1.4.5). Die gilt nicht nur für die Leitungen der Löschwasseranlage „nass“ sondern auch für

die Zuleitung zum Vorlagebehälter, da ansonsten im Brandfall durch eine Beschädigung der

Rohrleitung eventuell die Wirksamkeit der Wandhydrantenanlage nicht mehr gegeben wäre.

Die Rohrleitungsdimensionierung ist bei Löschwasseranlagen „nass“ nicht vorgegeben und wird in der

Regel durch eine Druckverlustberechnung ermittelt. Ein mögliches Berechnungsverfahren ist in

DIN 1988-3 angegeben. Dabei ist je nach Löschwasserbedarf der Feuerwehr bei gleichzeitiger

Nutzung von drei Wandhydranten entweder ein Fließdruck von mindestens 3,0 bar bei einer Durchflussmenge

von jeweils 100 l/min (= insgesamt 300 l/min bzw. 18 m³/h) oder aber 4,5 bar bei einer

Durchflussmenge von 200 l/min (= insgesamt 600 l/min bzw. 36 m³/h) sicherzustellen. Diese

Leistungsdaten sind Anforderungen für die Nutzung der Wandhydranten durch die Feuerwehr mit

deren Feuerlöschgeräten. Bei Schaum-Wasser-Wandhydranten sind zusätzlich die Vorgaben des

jeweiligen Herstellers hinsichtlich Durchflussmenge und Mindestfließdrücken zur Schaumerzeugung

zu beachten.

Das Rohrleitungssystem ist grundsätzlich für Nenndruck PN 10 zu bemessen, sofern nicht höhere

Innendrücke einen höheren Nenndruck erforderlich machen. Der zulässige Fließdruck am

Wandhydranten darf max. 8 bar bei voll geöffnetem Strahlrohr betragen. Der maximale Ruhedruck der

Installation darf 12 bar nicht übersteigen.

Hinsichtlich der sonstigen Armaturen innerhalb der Trinkwasser-Installation ist zu beachten, dass

diese nach den Anforderungen der DIN 1988-6 auszuwählen sind und so beschaffen sein müssen,

dass von ihnen keine Beeinträchtigung der Wandhydranten ausgehen kann. Absperreinrichtungen, die

sich in der Zuleitung zu Wandhydranten befinden, sind möglichst zentral anzuordnen, speziell zu

kennzeichnen und gegen unbefugtes Schließen zu sichern.

4.5 Druckerhöhungsanlagen in Löschwasseranlagen „nass“

Druckerhöhungsanlagen in Löschwasseranlagen „nass“ müssen entsprechend den brandschutztechnischen

Anforderungen (siehe Kapitel 1.4.8) ausgewählt werden. Gerade bei dieser Form eine

Löschwasseranlage ist besonders auf eine möglichst hohe Betriebssicherheit zu achten. So sind hier

Sicherheitsstromversorgung und Redundanz besonders bedeutsam.

Wenn gemäß Brandschutzkonzept auf eine Sicherheitsstromversorgung und/oder Redundanzanlage

verzichtet werden kann, sollte bei diesen Anlagen dann mindestens immer auch eine Löschwasser-

Einspeiseeinrichtung nach DIN 14461-2 (siehe Abschnitt 2.5) als Noteinspeisung für die Feuerwehr

hinter der Druckerhöhungsanlage mit vorgesehen werden.

Der Vorbehälter für die Löschwasserbereitstellung ist entsprechen Kapitel 1.4.7 auszuwählen. Die

typische Auslegung nach DIN 1988-5 für einen Vorbehälter zeigt die nachfolgende Beispielrechnung:

Beispielrechnung: Volumenberechnung bei einer Löschwasseranlage „nass“:

Das erforderliche Nutzvolumen (in m³) des Vorbehälters nach DIN 1988-5 muss mind. 3 % des

Spitzenvolumenstroms (in m³/h) der Löschwasseranlage betragen.

Es gilt somit:

Behältervolumen = 0,03 x V max. in m³

Bei einem Spitzenvolumenstrom der Löschwasseranlage „nass“ von beispielsweise 3 x 100 l/min

(= 18 m³/h) ergibt sich damit folgende Rechnung:

Behältervolumen = 0,03 x 18 = 0,54

Somit muss in diesem Beispiel ein Vorlagebehälter mit einem Nutzvolumen (nicht Nenninhalt!) von

540 l (= 0,54 m³) installiert werden. Aufgrund der marktüblichen Behältergrößen würde man damit in

diesem Fall in der Regel einen 800 l Behälter auswählen.

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Planungshinweise Löschwassertechnik

4.6 Wandhydranten mit formstabilem Schlauch, Typ F nach DIN 14461-1

Bei Wandhydranten vom Typ F nach DIN 14461-1 ist die Brandbekämpfung durch Laien (Selbsthilfe)

wie auch durch die Feuerwehr möglich. Der Wandhydrant besteht nach Norm dabei im Wesentlichen

aus folgenden Bauteilen:

• dem eigentlichen Schutzschrank in einer Ausführung nach DIN 14461-1

• einer drehbaren Montageverschraubung 2“ aus Messing als Verbindungselement zwischen

Rohrleitung und Schlauchanschlussventil

• dem Schlauchanschlussventil, Ausführung nach DIN 14461-3 mit aufgeschraubter C-

Festkupplung aus Messing in Baugröße 2“

• einer ausschwenkbaren Schlauchhaspel nach DIN EN 671-1 mit entsprechender CE-

Kennzeichnung, bestückt mit 30 m formstabilem Schlauch DN 25 und einem Strahlrohr mit

6 mm Austrittsöffnung

• Einer selbstklebenden Bedienungsanleitung im Schrank, mindestens DIN A5, sowie außen

einen Piktogramm „Feuerlöschschlauch“ mit Zusatztext „Typ F“.

Abbildung 16: Wandhydrant Typ F nach DIN 14461-1, GLORIA Modell 7112 S

Während im Selbsthilfefall der Löschangriff mit dem formstabilem Schlauch ausgeführt wird, nutzt die

Feuerwehr den Wandhydranten in der Regel eher zur Löschwasserversorgung, indem Sie die

vorhandene Schlauchhaspel am Ventil abkuppelt und einen selber mitgebrachtem Schlauch mit

entsprechendem Strahlrohr anschließt. Aus diesem Grund richten sich die zu garantierenden

Mindestfließdrücke von 3 bar bei 3 x 100 l/min bzw. 4,5 bar bei 3 x 200 l/min auch in erster Linie nach

den Anforderungen der Feuerwehr (entweder Löschangriff mit CM-Mehrzweckstrahlrohr oder

Hohlstrahlrohr). Beide Leistungswerte sind mit einem formstabilen Schlauch nicht realisierbar.

Um die erforderlichen Kräfte am Schlauch beim Löscheinsatz nicht zu hoch werden zu lassen, wurde

in DIN 14462 der zulässige Fließdruck bei geöffnetem Strahlrohr auf max. 8 bar begrenzt. Der

maximale Betriebsdruck und damit der höchst zulässige Ruhedruck im Rohrleitungssystem in

DIN 14461-1 ist auf 12 bar festgeschrieben.

Wandhydranten vom Typ F können entsprechend Arbeitsstättenrichtlinie in der Regel auf die

erforderlichen Löschmitteleinheiten und damit auf die Anzahl vorzuhaltender Feuerlöscher

angerechnet werden. Nähere Informationen hierzu sind zum Beispiel der Arbeitsstättenrichtlinie

ASR 1.201 zu entnehmen.

924 366-01 Technische Änderungen vorbehalten Seite 35


4.7 Wandhydranten mit Flachschlauch nach DIN 14461-6

Planungshinweise Löschwassertechnik

Der Wandhydrant mit Flachschlauch dient sowohl zur Selbsthilfe durch unterwiesene Personen als

auch der Feuerwehr bei der Brandbekämpfung. Der Wandhydrant ist nicht zur typischen Selbsthilfe

durch Nutzung durch ungeschultes Personal geeignet, weshalb diese Ausführung z. B. in Gebäuden

mit öffentlichem Personenverkehr nicht installiert werden sollte.

Der Wandhydrant muss DIN 14461-6 entsprechend und besteht in der Regel aus folgenden Bauteilen:

• dem eigentlichen Schutzschrank in einer Ausführung nach DIN 14461-6

• einer drehbaren Montageverschraubung 2“ aus Messing als Verbindungselement zwischen

Rohrleitung und Schlauchanschlussventil

• dem Schlauchanschlussventil, Ausführung nach DIN 14461-3 mit aufgeschraubter C-

Festkupplung in Baugröße 2“

• einer Schlauchhaltevorrichtung nach DIN EN 671-2, in der Regel als Schlauchtrommel

ausgeführt, und bestückt mit 15 m Flachschlauch C-42 und einem Hohlstrahlrohr oder oftmals

auch einem CM-Mehrzweckstrahlrohr nach früherer DIN 14365 (Norm zurückgezogen).

• Einer selbstklebenden Bedienungsanleitung im Schrank, mindestens DIN A5, sowie außen

einen Piktogramm „Feuerlöschschlauch“ ohne weiteren Zusatztext.

Die zu garantierenden Mindestfließdrücke liegen in der Regel bei 3 bar bei 3 x 100 l/min, wenn der

Wandhydrant mit einem CM-Mehrzweckstrahlrohr ausgestattet ist bzw. 4,5 bar bei 3 x 200 l/min bei

Ausrüstung mit einem Hohlstrahlrohr. Letztendlich kann auch bei der Ausführung mit CM-

Mehrzweckstrahlrohr im Einzelfall der höhere Leistungswert gefordert werden, wenn die Feuerwehr

sich z. B. die Möglichkeit erhalten möchte, den Wandhydranten im Bedarfsfall auch mit einem eigenen

Hohlstrahlrohr betreiben zu können.

Um die erforderlichen Kräfte am Schlauch beim Löscheinsatz nicht zu hoch werden zu lassen, wurde

in DIN 14462 der zulässige Fließdruck bei geöffnetem Strahlrohr auf max. 8 bar begrenzt. Der

maximale Betriebsdruck und damit der höchst zulässige Ruhedruck im Rohrleitungssystem ist auf

12 bar festgeschrieben.

Der Flachschlauch in dem Wandhydranten muss anders als ein formstabiler Schlauch zum

Löschangriff stets vollständig und knickfrei ausgerollt werden, da ansonsten eine einwandfreie

Wasserlieferung nicht möglich ist bzw. es sogar im Einzelfall zu Beschädigungen am Wandhydranten

oder des Schlauches kommen kann, wenn dieser nicht abgerollt befüllt wird.

Aus diesem Grund ist auch die Schlauchlänge auf maximal 15 m begrenzt worden, damit auch

Entstehungsbrände in direkter Nähe des Wandhydranten noch problemlos gelöscht werden können.

Größere Schlauchlängen können daher im Einzelfall eine Einschränkung in der Nutzbarkeit des

Wandhydranten bedeuten.

Aufgrund der zu beachtenden besondere Vorgehensweise in der Handhabung dieser Wandhydranten

sind sie auch nicht als Selbsthilfeeinrichtung für ungeschulte Personen geeignet. Sie dürfen daher

nach Arbeitsstättenrichtlinie auch nicht auf die Anzahl der vorzuhaltenden Feuerlöscher angerechnet

werden.

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Abbildung 17: Wandhydrant mit Flachschlauch, GLORIA Modell 7004 S

Technische Änderungen vorbehalten 924 366-01


Planungshinweise Löschwassertechnik

4.8 Wandhydranten mit Schaummittelzumischung

(„Schaum-Wasser-Wandhydranten“)

Schaum-Wasser-Wandhydranten kommen dort zum Einsatz, wo erhöhte Anforderungen an die

Löschkraft eines Wandhydranten gestellt werden. Insbesondere in Bereichen, wo Brände der

Brandklasse B (flüssige Stoffe) auftreten können, ist die Anwendung von Schaummitteln erforderlich.

Der Schaum-Wasser-Wandhydrant ist nicht bislang nicht genormt, die Anforderungen und

Auslegungen können somit nur in Anlehnung an DIN 14461-6 (Wandhydranten mit Flachschlauch)

beziehungsweise DIN 14461-1 (Wandhydrant mit formstabilem Schlauch) erfolgen.

Die Verwendung bedarf im Grund immer geschulter Fachkräfte. Der Bediener muss grundlegende

Kenntnisse im Umgang mit Wasser und Schaum als Löschmittel haben. So muss er entscheiden

können, welches der beiden Löschmittel bei einem Brand das geeignetere Löschmittel ist und wie die

Einrichtung dann dementsprechend zu bedienen ist (z. B. Handhabung von Zumischer, Strahlrohre,

Schaumrohr u. ä.). Beim Löschangriff mit Schaum ist ferner zu beachten, dass der Einsatz in

elektrischen Anlagen, die unter Spannung stehen, anders als beim Löschangriff mit Wasser

grundsätzlich nicht zulässig ist.

Hinsichtlich der Betriebsdrücke gilt hier grundsätzlich auch die Vorgabe der DIN 14462, die

Fließdrücke über 8 bar am Strahlrohr bzw. hier Schaumrohr untersagt. Hierbei sind aber zudem die

Druckverluste innerhalb des Zumischsystems gegebenenfalls zusätzlich zu berücksichtigen, ebenso

wie die erforderlichen Fließdrücke zum bestimmungsgemäßen Schaummittelbetrieb.

So muss nach DIN 14366-1 bei Verwendung von Schwer- oder Mittelschaumrohren ein Fließdruck

von mindestens 5 bar am Schaumrohr sichergestellt werden. Hinzuzurechnen ist, dass der

Druckverlust innerhalb eines Normzumischers pauschalisiert bei ca. 1/3 des Eingangsdrucks liegt und

zusätzlich der Flachschlauch auch noch zusätzliche Druckverluste erzeugt. Bei dieser Konstellation

sollte daher zum Beispiel der Eingangsdruck am Ventil mindestens bei 8 bar liegen.

Da diese Einrichtung nicht in Normen geregelt ist und hersteller- und armaturenbedingt auch

unterschiedliche Druckwerte vorliegen, kann die obige Rechnung nicht pauschalisiert werden. Bei der

Verwendung von Schaum-Wasser-Wandhydranten bedarf es daher immer der Angabe der

individuellen Vorgaben des Herstellers hinsichtlich der erforderlichen Drücke und Durchflussmengen.

Schaum-Wasser-Wandhydranten dürfen nicht auf die erforderlichen Löschmitteleinheiten und damit

auf die Anzahl vorzuhaltender Feuerlöscher angerechnet werden, wenn sie mit einem Flachschlauch

ausgestattet sind. Auch bei Schaum-Wasser-Wandhydranten mit formstabilem Schlauch ist jedoch

eine Rücksprache mit den zuständigen Stellen zu empfehlen, da auch hier zumindest einsatztaktische

Grundkenntnisse erforderlich sind, insbesondere in welchen Fällen bevorzugt mit Wasser und wann

mit Schaum zu löschen ist. Auch gelten hinsichtlich der Handhabung der Wandhydranten in

elektrischen Anlagen, die unter Spannung stehen, besondere Vorgaben.

Abbildung 18: Schaum-Wasser-Wandhydrant Typ 7000 S

924 366-01 Technische Änderungen vorbehalten Seite 37


5 Löschwasseranlagen „nass/trocken“

5.1 Schematische Darstellung

Planungshinweise Löschwassertechnik

DN 100

Abbildung 19: Löschwasseranlage "nass/trocken"

Seite 38 Technische Änderungen vorbehalten 924 366-01


Planungshinweise Löschwassertechnik

5.2 Definition und Einsatzbereich

Löschwasseranlagen „nass/trocken“ dienen der Selbsthilfe, sind aber auch zur Nutzung durch die

Feuerwehr geeignet. Wie bei Löschwasseranlagen „nass“ werden hier meist Wandhydranten mit

formstabilem Schlauch installiert, die sich als Selbsthilfe-Einrichtung eignen, aber auch von der

Feuerwehr im Bedarfsfall mit genutzt werden können (Typ F nach DIN 14461-1). In Einzelfällen

können aber auch Wandhydranten nach DIN 14461-6 mit einem Flachschlauch (Feuerwehr-

Druckschlauch) zum Einsatz kommen, die zur Anwendung durch speziell geschultes Personal, wie

zum Beispiel einer Werkfeuerwehr, ausgelegt sind.

Die Löschwasserleitungen sind bei dieser Anlagenform im Normalfall leer und werden erst im

Brandfall - in der Regel mittels einer Füll- und Entleerungsstation nach DIN 14463-1 (kurz: FES) –

automatisch geflutet. Hier sind die Schlauchanschlussventile in den Wandhydranten mit einem

elektrischem Signalgeber, dem so genannten Grenztaster, ausgestattet, der mit dem Steuergerät der

Füll- und Entleerungsstation verkabelt ist und bei Betätigung des Ventils einen Alarm auslöst. Die

Einsatzbereitschaft der Wandhydranten muss sich dabei nun nach maximal 60 Sekunden einstellen,

indem alle Entleerungen geschlossen werden und die Wasserzufuhr zu den Wandhydranten über die

Füll- und Entleerungsstation freigegeben wird und das Leitungssystem so geflutet wird. Sobald nach

Einsatz alle Ventile wieder geschlossen sind, erfolgt ebenso automatisch wieder die Entleerung der

Löschwasserleitungen.

Löschwasseranlagen „nass/trocken“ werden installiert, um Wandhydrantenanlage auch mit größeren

Volumenströmen als 2 x 24 l/min mit unmittelbarem (direkten) Trinkwasseranschluss betreiben zu

können, wobei eine Stagnation innerhalb der Löschwasserleitungen dabei durch die Füll- und

Entleerungsstationen wirksam vermieden werden kann. Die Station muss dabei gemäß DIN 1988-6

neben der brandschutztechnischen Konformität zu DIN 14463-1 auch ein DVGW-Prüfzeichen tragen

und mit einem integrierten Rückflussverhinderer ausgestattet sein.

Ein zweiter wichtiger Einsatzbereich sind Wandhydrantenanlagen, bei denen Rohrleitungsteile durch

frostgefährdete Bereiche (Außenbereiche oder z.B. unbeheizte Lagerhallen) geführt werden. Dadurch,

dass die Leitungen erst im Brandfall gefüllt werden, kann ein Einfrieren des Löschwassers in den

Leitungen vermieden werden. Hierbei kann die Anlagen im Einzelfall auch mit Betriebswasser (Nicht-

Trinkwasser) oder mit einem mittelbaren Trinkwasseranschluss betrieben werden, wobei dann der

Rückflussverhinderer innerhalb der Füll- und Entleerungsstation entfallen kann.

Ein Vorteil der Löschwasseranlage „nass/trocken“ ist der mögliche direkte Anschluss an das Trinkwassernetz

auch für Wandhydrantenanlagen mit einem Löschwasserbedarf > 24 l/min bei vollem

Erhalt der Trinkwasserqualität.

Anders als bei der Löschwasseranlage „nass“ wird hier eine erhöhte Funktionssicherheit

gewährleistet, indem der erforderliche Druck zum Betrieb der Wandhydranten in der Regel durch das

Trinkwassernetz gewährleistet ist und Füll- und Entleerungsstationen so konzipiert sind, dass im

Störfall immer die Löschwasserleitungen geflutet werden. Zudem verfügen die Anlagen über eine

interne Stromquelle für 60 h Funktionserhalt und bieten aufgrund der elektrischen Ansteuerung auch

noch die Möglichkeit der Alarmgebung bei Anlagenbetätigung bzw. der Einbindung von z.B.

Brandmeldezentralen oder sonstiger Gebäudeleittechnik.

Ein Nachteil der Anlagen liegt in den oftmals relative großen Volumenströmen, die zur Erstbefüllung

der Anlage innerhalb von 60 Sekunden erforderlich werden, sowie in dem Zeitverlust aufgrund der erst

verzögerten Wasserlieferung an sich. Außerdem ist durch die Füllzeit auch die mögliche

Rohrnetzgröße begrenzt, wenn unzulässig hohe Fließgeschwindigkeiten vermieden werden sollen.

5.3 Allgemeine Anforderungen

Löschwasseranlagen „nass/trocken“ gelten nach DIN 1988-6 als Trinkwasseranlagen und sind

dementsprechend auszulegen, sofern sie nicht über einen Vorlagebehälter mit freiem Auslauf AA, AB

oder AD nach DIN EN 1717 vom Trinkwassernetz getrennt sind oder mit Nicht-Trinkwasser betrieben

werden.

Üblicher Weise werden bei Löschwasseranlage „nass/trocken“ Wandhydranten des Typs „F“ nach

DIN 14461-1 eingesetzt. Diese Wandhydranten verfügen über eine Schlauchhaspel mit formstabilem

Schlauch mit entsprechender Düse, wodurch die Handhabung durch den Laien möglich ist. Die

Nutzung durch die Feuerwehr ist ebenso gegeben, da ein Abkupplung der vorhandenen

Schlauchhaspel und der Anschluss von eigens mitgebrachten Schläuchen möglich ist.

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Planungshinweise Löschwassertechnik

In Einzelfällen können aber auch Wandhydranten nach DIN 14461-6 mit einem Flachschlauch

(Feuerwehr-Druckschlauch) zum Einsatz kommen, die zur Anwendung durch speziell geschultes

Personal ausgelegt sind. Der Betreiber muss hierfür ständig eine ausreichende Anzahl entsprechend

unterwiesener Personen vorhalten, so dass diese Wandhydranten in der Praxis eigentlich nur noch in

Industrieben mit eigener Werkfeuerwehr installiert werden.

Anders als bei Löschwasseranlagen „nass“ ist der Anschluss von Wandhydranten mit Schaummittel-

Zumischung, so genannten Schaum-Wasser-Wandhydranten, gemäß DIN 1988-6 nicht zulässig

sofern eine unmittelbare Verbindung zum Trinkwassernetz besteht, da die Füll- und

Entleerungsstation während der Anlagennutzung im Brandfall alleine keine ausreichende Absicherung

für das Trinkwassernetz darstellt.

Auch bei dieser Anlagenform dürfen selbstverständlich grundsätzlich nur Bauteile installiert werden,

die den geltenden Normen und sonstigen Bestimmungen entsprechen. Sollen Sonderkonstruktionen

vorgesehen werden, so ist deren Einsatz mit den zuständigen Stellen abzustimmen und im Prüfbuch

zu dokumentieren.

Bei unmittelbar mit dem Trinkwassernetz verbundenen Löschwasseranlagen ist zudem auch auf die

Einhaltung der Regelungen nach DIN 1988-6 und DIN EN 1717 zu achten, so wie darauf, dass die

Füll- und Entleerungsstation ein DVGW-Prüfzeichen tragen muss und mit einem integriertem

Rückflussverhinderer ausgestattet sein muss.

5.4 Besondere Anforderungen an Rohrleitungssystem und Armaturen

Üblicherweise werden Löschwasseranlagen „nass/trocken“ unmittelbar an das Trinkwassernetz

angeschlossen, um den dort vorhandenen Vordruck ausnutzen zu können. Ein mittelbarer Anschluss

mit Vorlagebehälter und Druckerhöhungsanlage ist aber ebenso möglich, wie der Betrieb der Anlage

mit Betriebswasser (Nicht-Trinkwasser). Über die allgemeinen Anforderungen nach Kapitel 1.4.5 ist zu

beachten:

Anders als bei Löschwasseranlagen „nass“ oder Trinkwasser-Installationen mit Wandhydranten

können bei Löschwasseranlagen „nass/trocken“ Löschwasserleitungen hinter der Füll- und

Entleerungsstation auch problemlos durch frostgefährdete Bereiche geführt werden, ohne dass in der

Regel besondere Schutzmaßnahmen erforderlich werden. Fremdeinspeisungen sind allerdings nur

dann zulässig, wenn die Anlage mittelbar über Vorbehälter mit freiem Auslauf mit Trinkwassernetz

verbunden ist.

Die Rohrleitungsdimensionierung ist nicht direkt vorgegeben und wird in der Regel durch die

Kombination einer Druckverlustberechnung und einer Füllzeitberechnung ermittelt. Ein mögliches

Berechnungsverfahren für die Druckverlustberechnung ist in DIN 1988-3 angegeben, wobei zusätzlich

zu beachten ist. Dabei ist je nach Löschwasserbedarf der Feuerwehr bei gleichzeitiger Nutzung von

drei Wandhydranten entweder ein Fließdruck von mindestens 3,0 bar bei einer Durchflussmenge von

jeweils 100 l/min (= insgesamt 300 l/min bzw. 18 m³/h) oder aber 4,5 bar bei einer Durchflussmenge

von 200 l/min (= insgesamt 600 l/min bzw. 36 m³/h) sicherzustellen.

Bei Löschwasseranlagen „nass/trocken“ ist immer auch eine Füllzeitberechnung durchzuführen, da im

Alarmfall gemäß DIN 14462 und DIN 1988-6 nach maximal 60 Sekunden das Leitungsnetz vollständig

geflutet und der erforderliche Mindestfließdruck sichergestellt sein muss.

Die für diese Flutungsphase erforderlichen Wassermengen und Volumenströme überschreiten dabei

oftmals den späteren Löschwasserbedarf, so dass diese Berechnung nicht nur für Rohrleitungsdimensionierung

sondern auch für die Auswahl vorgeschalteter Armaturen wie insbesondere dem

Wasserzähler sowie die Abstimmung der vom Wasserversorger bereitgestellten Wassermengen

unabdingbar ist.

Überschlägig kann die Füllzeit allgemein nach folgender Formel berechnet werden:

Rohrleitungslänge ab FES [m] x Rohrvolumen [l/m]

Füllzeit [min] = -----------------------------------------------------------------------

garantierter Volumenstrom [l/min]

Die nachfolgende Beispielrechnung veranschaulicht die Anwendung dieser Formel.

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Planungshinweise Löschwassertechnik

Beispiel für eine Füllzeitberechnung:

Vorgaben:

Berechnung:

o geplante Füllzeit 60 Sekunden (zulässiger Höchstwert)

o Wandhydranten Typ F, Vorgabewert: 3 x 100 l/min

o Rohrleitungsgesamtvolumen ab FES: 150 m DN 80 (bei DN 80 mit 5,5 l/m)

o Garantierte Wasserlieferung vom Wasserversorger: 10 l/s mit entsprechendem Zähler

a) Löschangriff:

Q Brandfall = 3 x 100 l/min = 300 l/min

Q WVU = 10 l/s = 600 l/min

Die Wasserlieferung ist also ausreichend, um einen Löschangriff wirksam durchführen zu

können.

b) Erstbefüllung

150 m x 5,5 l/m 825 l

tFlutung = ------------------------ = --------------- = 1,375 min = 82,5 s

600 l/min 600 l/min

Die Wasserlieferung ist nicht ausreichend, um die Leitungen innerhalb des maximal

zulässigen Grenzwerts von 60 Sekunden zu fluten. Es ist zu prüfen, inwiefern durch

Verringerung der Rohrleitungsquerschnitte das Rohrleitungsvolumen sinnvoll reduziert

werden kann, wobei natürlich die Druckverluste im Rohrleitungssystem steigen würden.

Ansonsten ist eine Löschwasserbevorratung mittels Vorlagebehälter erforderlich.

Unabhängig von dieser rein theoretischen Überschlagsrechnung sind in der Praxis auch die

dynamischen Vorgänge während des Öffnen der Füllarmatur sowie der unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten

innerhalb der Gesamtrohrleitung durch veränderte Nennweite und unterschiedliche

Druckverhältnissen an verschiedenen innerhalb des Rohrleitungssystems zu berücksichtigen, sowie

andere Faktoren wie z.B. die in DIN 14463-1 festgelegten Reaktionszeiten auf einzelne Meldebefehle.

Spätestens wenn bei der oben genannten Überschlagsrechnung eine Füllzeit > 45 Sekunden ermittelt

wurde, empfiehl es sich daher eine detaillierte Füllzeitberechnung durchzuführen, bei der auch die

oben genannten Faktoren mit berücksichtigt werden. Entsprechende Berechnungen bietet GLORIA für

die eigenen Anlagen an.

Hinsichtlich der zulässigen Fließgeschwindigkeiten gilt DIN 1988-2. Nach Absprache mit den

zuständigen Stelle kann hiervon im Einzelfall abgewichen werden, wenn es um die Erstflutung des

Rohrleitungsnetzes und damit einem kurzzeitigen Spitzenvolumenstrom geht. Um die Sicherheit von

Bauteilen zu gewährleisten und eventuelle Schäden durch Druckstöße zu vermeiden, sollte aber

unbedingt sichergestellt werden, dass Fließgeschwindigkeiten größer 5 m/s ausgeschlossen sind.

Die Werkstoffe der Rohrleitungen müssen entsprechend DIN 14462 ausgewählt werden (siehe

Abschnitt 1.4.5). Die gilt nicht nur für die Leitungen der eigentlichen Löschwasseranlage, sondern

auch für die Zuleitung, da ansonsten im Brandfall durch eine Beschädigung der Rohrleitung eventuell

die Wirksamkeit der Wandhydrantenanlage nicht mehr gegeben wäre.

Das Rohrleitungssystem muss nach Norm mindestens für Nenndruck PN 16 bemessen sein, wobei

bei Löschwasseranlagen „nass/trocken“ grundsätzlich die Auslegung auf einen Nenndruck von 16 bar

empfehlenswert ist, da durch die Fließgeschwindigkeiten bei der Erstbefüllung des Rohrleitungssystems

je nach Rohrleitungsführung und Druckverhältnissen höhere Kräfte auftreten können.

Hinsichtlich der Befestigung der Rohrleitungen sind die erhöhten hydraulischen Kräfte beim

Füllvorgang ebenso mit zu berücksichtigen. Ansonsten ist die Rohrleitungsbefestigung gemäß

DIN 1988-2 vorzunehmen.

Press-, Klemm und Steckverbindungen sind bei Löschwasseranlagen „nass/trocken“ nur zulässig,

wenn sie für den Einsatz (insbesondere im Hinblick auf die Kräfte beim Füllvorgang sowie äußere

Brandeinwirkung bei leerer Leitung) geeignet sind. Dieses darf dann angenommen werden, wenn Sie

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Planungshinweise Löschwassertechnik

von einer anerkannten Prüfstelle für die Verwendung in Wasserlöschanlagen (wie zum Beispiel

Trocken-Sprinkleranlagen oder Sprühwasserlöschanlagen) freigegeben wurden.

Der Fließdruck am Wandhydranten darf max. 8 bar bei voll geöffnetem Strahlrohr betragen. Der

maximale Ruhedruck der Installation darf 12 bar nicht übersteigen.

Hinsichtlich des Rohrleitungsverlaufs ist darauf zu achten, dass gemäß DIN 14462 an allen Stellen ein

Gefälle von mindestens 0,5% zur Füll- und Entleerungsstation bzw. zu von der Station automatisch

gesteuerten Entleerungen oder offenen Düsen sichergestellt sein muss, um eine automatische und

restlose Entleerung der Leitung nach Gebrauch sicherstellen zu können. Dementsprechend sind bei

Rohrleitungsführungen unterhalb der Decke mit Fallleitungen zu Wandhydranten dort jeweils derartige

zusätzliche automatische Tiefenentleerung (siehe Abschnitt 5.6) erforderlich. Ferner sollte die Anlage

so konzipiert sein, dass Druckschläge bei der Befüllung möglichst vermieden werden.

Hinsichtlich der installierten Armaturen ist zu beachten, dass diese so beschaffen sein müssen, dass

von ihnen keine Beeinträchtigung der Wandhydranten ausgehen kann. Absperreinrichtungen, die sich

in der Zuleitung zu Wandhydranten befinden, sind möglichst zentral anzuordnen, speziell zu

kennzeichnen und gegen unbefugtes Schließen zu sichern, ebenso wie auch die

Absperreinrichtungen innerhalb der Füll- und Entleerungsstation.

5.5 Füll- und Entleerungsstationen

5.5.1 Hinweise zur Sanitärinstallation

Die Füll- und Entleerungsstation ist grundsätzlich am tiefsten Punkt des Rohrleitungssystems zu

installieren. Erfolgt aufgrund der örtlichen Gegebenheiten eine Leitungsführung bzw. die Installation

von Entnahmestellen unterhalb des Niveaus der Füll- und Entleerungsstation, müssen zusätzliche

automatische Tiefenentleerungen (siehe Abschnitt 5.8) eingesetzt werden. Handbetätigte Kugelhähne

sind nicht zulässig.

Bei Füll- und Entleerungsstation mit Membranüberwachung über Druckschalter empfiehlt es sich

zudem zu externen Tiefenentleerungen oder offener Düsen ein Höhenunterschied von 2 m

sicherzustellen (ggf. durch einfaches Verspringen der Rohrleitung als senkrechte Schleife), um eine

Membranstörung möglichst schnell detektieren zu können. Dieses ist bei GLORIA Füll- und

Entleerungsstationen vom Typ FES II ab Baujahr 08/2006 nicht mehr erforderlich.

Die Zuleitung zur Füll- und Entleerungsstation sollte so ausgeführt werden, dass die

Rohrleitungslänge zwischen Füll- und Entleerungsventil und letztem vorgeschaltetem

Trinkwasserabzweig nicht länger als 10 x Rohrleitungsnennweite ist, um die Gefahr von Stagnation in

der Zuleitung minimieren zu können. Kann dieser in DIN 1988-6 angegebene Grenzwert nicht

eingehalten werden oder sind die vorgeschalteten Trinkwasserverbraucher selber nicht ausreichend

groß, um eine regelmäßige Spülung der Zuleitung gewährleisten zu können, so ist die Füll- und

Entleerungsstation mit einem zusätzlichen Spülventil für die Zuleitung auszustatten.

Der Einbauort der Station selber muss frostsicher und gut belüftet sein. Er muss zudem gegen

unbefugten Zugriff geschützt sein, um die Anlagen gegen Missbrauch und Manipulation zu schützen.

Für Wartungs- und Reparaturarbeiten muss die Anlage dort gut zugänglich installiert sein.

Für den ordnungsgemäße Entleerung der Löschwasserleitung, die durch die Füll- und

Entleerungsstation gewährleistet wird, muss gemäß DIN 14462 ein Abfluss mit Mindestnennweite

DN 100 vorhanden sein. Der Anschluss der Station hat dabei über einen freien Auslauf zu erfolgen.

5.5.2 Hinweise zur Elektroinstallation

Bei der Elektroinstallation von Füll- und Entleerungsstationen ist folgendes zu beachten:

• Die elektrischen Leitungen für Anlagen zur Alarmierung und Erteilung von Anweisungen an

Besucher und Beschäftigte müssen so ausgeführt oder durch Bauteile umkleidet werden,

dass sie bei äußerer Brandeinwirkung für eine Zeitdauer von 30 Minuten funktionsfähig

bleiben. Dieses betrifft somit die Verkabelung von optischen oder akustischen

Alarmeinrichtungen, welche an der Füll- und Entleerungsstation angeschlossen sind, oder die

Abfrage der potentialfreien Kontakte, wenn diese für eine Alarmierung genutzt werden.

(Beiblatt 1 zu DIN VDE 0108 Teil 1)

• Sonstige elektrischen Leitungen müssen i. d. R. nicht den Vorschriften zum Funktionserhalt

von elektrischen Leitungen entsprechen. Dieses ergibt sich aus folgenden Gegebenheiten:

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Planungshinweise Löschwassertechnik

o Die Steuerung verfügt über eine integrierte Notstromversorgung mit einer

o

Überbrückungszeit von mind. 60 Stunden. Nach der Überbrückungszeit kommt es zu

einer Zwangsöffnung des Hauptmembranventils, wodurch die Befüllung der

Rohrleitung erfolgt.

Die Auslöselinien / Schleifen werden auf Drahtbruch und Kurzschluss überwacht und

jegliche Störung führen ebenfalls zum Öffnen des Hauptmembranventils.

o Jegliche sicherheitsrelevante Störungen der Füll- und Entleerungsstation ziehen

ebenso das Öffnen der Füllarmatur nach sich.

o Ein Spannungsausfall führt i. d. R. zum Schließen der Entleerungseinrichtungen

• Durch die Beschichtung der Absperrarmaturen und durch den Rückflussverhinderer wird der

Potentialausgleich des Rohrleitungsnetzes unterbrochen. Ein Potentialausgleich der

Rohrleitung vor und hinter der Station hat nach den örtlichen Vorschriften zu erfolgen.

• Steuerleitungen sollten nicht direkt neben Starkstromkabel bzw. Leitungen mit einer erhöhten

Störstrahlung verlegt werden. Eine Beeinflussung der Signalverarbeitung ist selbst bei der

Verwendung von abgeschirmten Leitungen möglich.

• Bei vorhandener Brandmeldeanlage empfiehlt es sich, zur schnelleren Einsatzbereitschaft der

Wandhydranten neben der Grenztaster-Ansteuerung auch eine parallele Ansteuerung über

eine Brandmeldezentrale vorzusehen.

• Sofern ein Druckknopfmelder als Notauslösung für die Station vorgesehen ist, sollte dieser in

der Nähe der Tür zum Installationsraum der Anlage angebracht werden.

Achtung!

Vorgaben durch ein Brandschutzgutachten oder bauordnungs- oder arbeitsschutzrechtlicher

Anforderungen sind generell zu berücksichtigen. Diese Vorgaben können den Einsatz von

elektrischen Leitungen mit Funktionserhalt bei Brandeinwirkung, in größerem Umfang erfordern.

Das nachfolgende Schema stellt eine typische Anlagenverkabelung dar:

Versorgungsspannung

230 V AC

akustische Alarmierung

Druckknopfmelder als

Notauslösung

Elektr. Steuerung der

Füll- u. Entleerungsstation

E30

Ventilstation

Auslösemöglichkeit

über Brandmeldezentrale

Grenztaster am

Schlauchanschlussventil

Auslöselinie / Schleife

auf Drahtbruch und

Kurzschluss überwacht

evtl. weitere Auslöselinie

der FES-Steuerung

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Mögliche Ansteuerung

einer Druckerhöhungsanlage

Mögliche Ansteuerung

von Steuerungen für

zusätzliche Entleerungen

Mögliche Anbindung

an eine Fernanzeige

oder an die

Gebäudeleittechnik

evtl. E30

Abbildung 20: Verkabelungsschema FES II


Planungshinweise Löschwassertechnik

5.6 Druckerhöhungsanlagen in Löschwasseranlagen „nass/trocken“

Druckerhöhungen in Löschwasseranlagen „nass/trocken“ werden immer dann erforderlich, wenn der

vorhandene Betriebsdruck nicht ausreicht, um den vorgegebenen Mindestfließdruck an allen

Wandhydranten garantieren zu können.

Grundsätzlich gelten auch hier die allgemeinen brandschutztechnischen Anforderungen gemäß der

Abschnitte 1.4.7 und 1.4.8. Gerade bei Löschwasseranlagen „nass/trocken“ empfiehlt es sich zudem,

die Druckerhöhungsanlagen im Brandfall über die Alarmmeldung der Füll- und Entleerungsstation

direkt zuzuschalten. Die GLORIA Füll- und Entleerungsstationen verfügen hierfür über eine eigene

Schnittstelle zu GLORIA Druckerhöhungsanlagen, wobei hierüber in der Regel auch Anlagen anderer

Hersteller mit angesteuert werden können.

Am häufigsten kommt dabei eine Anlage mit unmittelbarem (direktem) Trinkwasseranschluss vor, um

den vorhandenen Vordruck nutzen zu können. Bei dieser Anschlussart muss die Füll- und

Entleerungsstation aber generell über ein Spülventil für die Zuleitung verfügen, da bedingt durch den

Aufbau, die Stichstrecke der Zuleitung den Grenzwert von 10 x Leitungsnennweite überschreitet.

Die nachfolgende Abbildung zeigt einen hierfür typischen Aufbau der Löschwasserzuleitung:

evtl. Druckminderer

Druckerhöhung Füll- u. Entleerungsstation

mit Spülventil

Abbildung 21: unmittelbar angeschlossene FES mit Druckerhöhungsanlage

Ebenso ist aber auch der mittelbare Anschluss an das Trinkwassernetz mittels Vorbehälter mit freiem

Auslauf und anschließender Druckerhöhungsanlage möglich. Diese Anschlussart wird insbesondere

dann gewählt, wenn die Wasserversorgung nicht ausreichend ist, um die Flutung des

Rohrleitungsnetzes innerhalb von 60 Sekunden gewährleisten zu können oder wenn

Fremdeinspeisungen, wie z.B. eine Noteinspeisung für die Feuerwehr oder der Anschluss von

Schaum-Wasser-Wandhydranten vorgesehen ist.

Bei der Auslegung des Vorbehälters muss dann neben den Volumenströmen des Löscheinsatzes

auch die erforderlichen Wassermengen zur Erstbefüllung des Rohrleitungsnetzes angemessen

berücksichtigt werden (siehe Abschnitt 1.4.7). Die Auslegung des Vorbehälters nach DIN 1988-5 kann

analog des folgenden Rechenbeispiels erfolgen:

Beispielrechnung:

Volumenberechnung bei einer mittelbar angeschlossenen Löschwasseranlage „nass/trocken“:

Das erforderliche Nutzvolumen des Vorbehälters ergibt sich aus folgenden Berechnung:

Erstens aus 3% des Spitzenvolumenstroms (in m³/h) der Löschwasseranlage wie in DIN 1988-5

festgelegt. Bei einer Wandhydrantenanlage mit drei oder mehr Wandhydranten, die auf einen

Löschwasserbedarf von 100 l/min ausgelegt sind, also 540 l (siehe auch Beispielrechnung unter

Abschnitt 4.5).

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Planungshinweise Löschwassertechnik

Zweitens aus dem Volumen des Rohrleitungsnetzes hinter der Füll- und Entleerungsstation, welches

im Alarmfall innerhalb von maximal 60 Sekunden zu befüllen ist.

Das ergibt bei einer beispielhaft angenommenen Rohrleitung von

80 m DN 50 (ca. 2 Liter Rohrinhalt je laufender m) 160 Liter

+ 60 m DN 80 (ca. 5 Liter Rohrinhalt je laufender m) 300 Liter

= Behältervolumen für die Erstbefüllung der Rohrleitung: 460 Liter

Der Nutzinhalt des Behälters müsste in diesem Beispiel mind. 1000 Liter (540 + 460 Liter) betragen.

5.7 Wandhydranten für Löschwasseranlagen „nass/trocken“

Zum Einsatz in Löschwasseranlagen „nass/trocken“ kommen wahlweise entweder Wandhydranten mit

formstabilem Schlauch vom Typ F nach DIN 14461-1 (siehe Abschnitt 4.6) oder im Einzelfall dann

auch ein Wandhydrant mit Flachschlauch nach DIN 14461-6 (siehe Abschnitt 4.7). Wandhydranten

des Typ S nach DIN 14461-1 sind grundsätzlich ebenso wenig für Löschwasseranlagen

„nass/trocken“ vorgesehen wie Schaum-Wasser-Wandhydranten, obschon im Einzelfall auch derartige

Einrichtungen angeschlossen werden könnten.

Die Wandhydranten in Löschwasseranlagen „nass/trocken“ entsprechen im Grunde in allen Punkten

derer für Löschwasseranlagen „nass“, nur sind die Schlauchanschlussventile hier zusätzlich mit einem

so genannten Grenztaster ausgestattet, der als elektrischer Signalgeber für die Füll- und

Entleerungsstation im Falle einer Ventilbetätigung dient.

Außerdem müssen alle Wandhydranten noch mit einem zusätzlichen Hinweis auf die verzögerte

Wasserlieferung bei Löschwasseranlagen „nass/trocken“ versehen werden, indem unter oder neben

die Bedienungsanleitung ein Aufkleber mit zum Text „Wasser kommt nach max. 60 Sekunden“

anzubringen ist.

Abbildung 22: an einem Schlauchanschlussventil montierter Grenztaster

5.8 Automatische Entleerungseinrichtungen

Automatische Entleerungseinrichtungen werden innerhalb von Löschwasserleitungen „nass/trocken“

immer dann eingesetzt, wenn die Löschwasserleitungen nicht mit ausreichendem Gefälle zur Füll- und

Entleerungsstation verlegt werden können. Typische Anwendungsfälle sind Fallleitungen von der

Decke zu einzelnen Wandhydranten oder Versprünge innerhalb des Rohrleitungssystems, die

aufgrund baulicher Gegebenheiten nicht vermeidbar.

Grundsätzlich werden zwei verschiedene Bauarten unterschieden: Die hydraulischen

Entleerungseinrichtungen, die über den in den Löschwasserleitungen vorhandenen Wasserdruck

betrieben werden, und die elektrischen Entleerungseinrichtungen, die direkt über die Füll- und

Entleerungsstation zwangsgesteuert werden.

In beiden Fällen ist jedoch immer zu beachten, dass die Entleerungen automatisch Öffnen, so dass an

den verschiedenen Installationspunkten solcher Entleerungen stets auch entsprechende

Abflussmöglichkeiten für das austretende Wasser vorhanden sein müssen.

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Planungshinweise Löschwassertechnik

5.8.1 Hydraulische Entleerungseinrichtungen

Bei hydraulischen Entleerungen handelt es sich aus einer Armaturenkombination von Schmutzfänger

und Absperreinrichtung (für Wartungszwecke) mit einem federbelastetem Entleerungsventil. Die

Entleerung arbeitet somit autark ohne Stromversorgung oder sonstige direkte Ansteuerung durch die

Füll- und Entleerungsstation.

Wird im Brandfall die Löschwasserleitung befüllt, so wird durch den anstehenden Wasserdruck das

federbelastete Ventil ab einem voreingestellten Schließdruck von 0,5 bar oder 1,0 bar geschlossen,

abhängig von der Ausführung des Entleerungsventil. Genauso wird nach einem Löschangriff die

Hauptentleerung an der Füll- und Entleerungsstation geöffnet, wodurch die Hauptleitung entleert wird

und zudem der Druck im Leitungssystem abfällt. Sobald der Schließdruck der hydraulischen

Entleerung somit wieder unterschritten wird, öffnet sich das Ventil und das Restwasser wird aus der

Leitung abgelassen.

Bei hydraulischen Entleerungen mit 1,0 bar Schließdruck darf die Wassersäule, die auf der

Entleerungseinrichtung lastet max. 8 m betragen; bei 0,5 bar Schließdruck sogar nur 3 m. Werden

diese Grenzen überschritten, so ist die einwandfreie Funktion der Entleerung nicht mehr

gewährleistet, so dass die Verwendungsmöglichkeit der Entleerungen in diesem Punkt begrenzt ist.

Der Vorteil hydraulischer Entleerungseinrichtungen liegt in den niedrigen Anschaffungskosten, da

insbesondere eine Verkabelung zwischen Füll- und Entleerungsstation entfällt und keine zusätzliche

Stromversorgung erforderlich ist. Dem gegenüber ist zu beachten, dass die Entleerungen bis zum

Erreichen des Ansprechdrucks geöffnet bleiben, also auch während der Füllphase dort Wasser austritt

und die Füllzeit der Anlage damit verlängert wird. Dementsprechend ist immer ein möglichst geringer

Ansprechdruck zu verwenden. Je nach Bauobjekt kann es auch möglich sein, dass

Restwassermengen mit einer Gebäudehöhe von mehr als 8 m auf einer Entleerung liegen, so dass

die Verwendung dieser Entleerungen überhaupt nicht mehr möglich ist.

Abbildung 23: hydraulische Entleerungseinrichtung HYE

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Planungshinweise Löschwassertechnik

5.8.2 Elektrische Entleerungseinrichtungen

Elektrische Entleerungseinrichtungen sind Armaturenkombinationen aus einem Schmutzfänger und

einem Kugelhahn als Absperreinrichtung zu Wartungszwecken, denen ein Magnetventil als

eigentliches Entleerungsventil nachgeschaltet ist. Die Steuerung der Entleerung erfolgt direkt

zwangsgesteuert über die Füll- und Entleerungsstation, wobei für je sechs Entleerungseinrichtungen

immer eine zusätzliche Spannungsversorgung vom Typ GSV 24-3 zusätzlich erforderlich ist.

Elektrische Entleerungseinrichtungen sind im Normalfall stets geöffnet und gewährleisten so, dass das

Leitungssystem immer entleert ist. Im Brandfall sowie auch bei Störungen werden die Magnetventile

innerhalb der Entleerungen über die Füll- und Entleerungsstation geschlossen. Dadurch wird

sichergestellt, dass die Entleerungen bereits während der Füllphase geschlossen sind und somit –

anders als bei hydraulischen Entleerungen – hier kein Wasser während der Flutung austritt.

Ebenso wird nach einem Löschangriff über die Füll- und Entleerungsstation wie in DIN 14462

gefordert wieder zwangsweise geöffnet und die Löschwasserleitung somit wieder entleert. Durch

Einstellungen an der Füll- und Entleerungsstation kann dabei der Zeitpunkt, zu dem diese

zusätzlichen Entleerungen im Gebäude geöffnet werden, variiert werden. Hierdurch kann man bei

verzweigten Leitungssystemen z.B. die Hauptentleerung an der Füll- und Entleerungsstation zuerst

öffnen und so dort das Abfließen der Hauptwassermengen sicherstellen, bevor man dann

zeitverzögert die zusätzlichen Entleerungseinrichtungen im Gebäude öffnet.

Der Vorteil der elektrischen Entleerungseinrichtungen liegt also darin, dass der Schaltzustand der

Entleerung durch die Füll- und Entleerungsstation direkt gesteuert wird. Insbesondere für die Flutung

der Leitung ergeben sich dadurch Vorteile, so dass man bei kritischen Füllzeiten ausschließlich auf

elektrische Entleerungseinrichtungen zurückgreifen sollte. Nachteil ist die erforderliche Verkabelung

zwischen Füll- und Entleerungsstation, den zusätzlichen Stromversorgungen für die Entleerungen und

die Entleerung selber, wodurch die Kosten für diese Entleerungen höher sind als bei hydraulischen

Entleerungseinrichtungen.

Abbildung 25: elektrische Entleerung EA 24

Abbildung 24: Stromversorgung GSV 24-3

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5.9 Be- und Entlüfter in Löschwasseranlagen „nass/trocken“

Planungshinweise Löschwassertechnik

Bei der Steigleitung „nass – trocken“ muss die Entlüftungsleistung aller eingesetzten Be- und Entlüfter

so bemessen sein, dass die Befüllung der kpl. Rohrleitung in max. 60 Sekunden möglich ist. Auch

Stichstrecken zu Wandhydranten mit einer Länge über 2 m sind dabei jeweils mit mindestens einem

Be- und Entlüfter zu versehen, um einerseits Druckschläge durch Luftpolster zu vermeiden und

andererseits auch ein Ablassen der Luft über den Wandhydrantenschlauch zu vermeiden, was zu

einer ungleichmäßigen Wasserlieferung führen würde.

Die grundsätzliche Anzahl und die benötigte Nennweite von Belüftern mit Tropfwasserleitung ist aus

der DIN 1988-2 Tabelle 4 ersichtlich:

• Bei Steigleitungen bis DN 50:

Belüfter mit Mindestnennweite DN 20, Tropfwasserleitung DN 25

• Bei Steigleitungen größer DN 50:

Belüfter mit Mindestnennweite DN 32, Tropfwasserleitung DN 25

Beispielhafte Abbildungen von Be- und Entlüftern nach DIN 14463-3:

Abbildung 26 – GLORIA BEV 25

Entlüftungsmenge 1.000 l/min

Abbildung 27 - GLORIA BEG 50

Entlüftungsmenge 3.000 l/min

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Planungshinweise Löschwassertechnik

6 Verzeichnis der wichtigsten Normen

DIN 1988 Technische Regeln für Trinkwasserinstallationen (TRWI)

Teil 3 „Ermittlung von Rohrdurchmessern“

Teil 4 „Schutz des Trinkwassers; Erhaltung der Trinkwassergüte“

Teil 5 „Druckerhöhung und Druckminderung“

Teil 6 „Feuerlösch- und Brandschutzanlagen“

Teil 8 „Betrieb der Anlagen“

DIN 14461 Feuerlösch-Schlauchanschlusseinrichtungen

Teil 1 „Wandhydranten mit formstabilem Schlauch“

Teil 2 „Einspeiseeinrichtungen und Entnahmeeinrichtungen für

Steigleitungen trocken“

Teil 3 „Schlauchanschlussventile PN 16“

Teil 4 „Einspeisearmatur PN 16 für Löschwasserleitungen“

Teil 5 „Entnahmearmatur PN 16 für Löschwasserleitungen“

Teil 6 „Schrankmaße und Einbau von Wandhydranten mit Flachschlauch

nach DIN EN 671-2“

DIN 14462 Löschwassereinrichtungen – „Planung und Einbau von Wand-

hydrantenanlagen und Löschwasserleitungen“

DIN 14463 Löschwasseranlagen – Fernbetätigte Füll- und Entleerungsstationen

Teil 1 „Füll- und Entleerungsstationen für Wandhydranten“

Teil 2 „Füll- und Entleerungsstationen für Wasserlöschanlagen mit leerem

oder drucklosem Rohrnetz – Anforderungen und Prüfverfahren“

Teil 3 „Be- und Entlüftungsventile für Löschwasserleitungen nass/trocken

und trocken“

DIN 14811 Druckschläuche

Teil 1 „Anforderungen, Prüfung, Behandlung“

Teil 2 „Ermittlung des Druckverlustes“

DIN EN 671 Ortsfeste Löschanlagen – Wandhydranten

Teil 1 „Schlauchhaspeln mit formstabilem Schlauch“

Teil 2 „Wandhydranten mit Flachschlauch“

Teil 3 „Instandhaltung von Schlauchhaspeln mit formstabilem Schlauch

und Wandhydranten mit Flachschlauch“

DIN EN 694 Feuerwehrschläuche – Formstabile Schläuche für Wandhydranten

DIN EN 1717 Schutz des Trinkwassers vor Verunreinigungen in Trinkwasser-

Installationen und allgemeine Anforderungen an Sicherungs-

einrichtungen zur Verhütung von Trinkwasserverunreinigungen

durch Rückfließen

DIN EN 14540 Feuerlöschschläuche - Flachschläuche für Wandhydranten

DIN EN 15182 Strahlrohre für die Brandbekämpfung

Teil 1 „allgemeine Anforderungen“

Teil 2 „Hohlstrahlrohre PN 16“

Teil 3 „Strahlrohre mit Vollstrahl und/oder einem unveränderlichen

Sprühstrahlwinkel PN 16“

DIN VDE 0132 Brandbekämpfung in elektrischen Anlagen

DVGW Arbeitsblatt W 405 Technische Regeln des DVGW;

Wasserversorgung, Rohrnetz/Löschwasser – „Bereitstellung

von Löschwasser durch die öffentliche Trinkwasserversorgung“

BGR 133 Sicherheitsregeln für die Ausrüstung von Arbeitsstätten mit Feuerlöschern

BGV A8 Unfallverhütungsvorschrift: Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung

am Arbeitsplatz“

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