Nachhaltigkeitsbericht 2008-2010 der Holcim

holcim.ch

Nachhaltigkeitsbericht 2008-2010 der Holcim

Nachhaltigkeitsbericht

Daten und Fakten 20082010

Holcim (Schweiz) AG

Strength. Performance. Passion.


Berichtsstandard

Dieser Bericht wurde nach den Grundsätzen der GRI

(Global Reporting Initiative) zusammengestellt. Er enthält

detaillierte Angaben zur nachhaltigen Entwicklung

der Holcim Schweiz in den Bereichen Zement-, Kies- und

Betonproduktion sowie Distribution während der Jahre

20082010. Bestandteil des vorliegenden Berichtes ist

eine Tabelle, in der die Inhalte gemäss Nomenklatur der

GRI aufgelistet sind. Dieses GRI-Inhaltsverzeichnis lässt

sich unter www.holcim.ch > Nachhaltige Entwicklung

als PDF-Datei herunterladen. An derselben Stelle finden

sich auch jährlich aktualisierte Umweltdaten der Holcim

Schweiz. Die GRI attestiert der Publikation eine Übereinstimmung

auf dem Niveau B. Der nächste Nachhaltigkeitsbericht

erscheint voraussichtlich im Jahr 2014.

Titelbild: Die Holcim Kapitäne Karl Boschert (l.) und Yvon Goujon beim

Kiestransport auf dem Rheinschiff «Schwägalp»


PRODUKTE & PROFIL 4

Nachhaltigkeit als Strategie

Die Holcim Schweiz ist die grösste Baustoffherstellerin des Landes. Sie

setzt sich für eine umweltgerechte Produktion von Zement, Kies und

Beton ein.

VERANTWORTUNG 12

Langfristig planen und handeln

Die Holcim Schweiz will dauerhafte Werte schaffen – und zwar für die gesamte

Gesellschaft. Besonders wichtig ist den Werken eine gute Nachbarschaft

mit Standort gemeinden und Umweltorganisationen.

MITARBEITENDE 18

Gemeinsam für mehr Sicherheit

Die Holcim Schweiz fördert ihre Mitarbeitenden und pflegt einen offenen

Dialog auf allen Stufen. Das Engagement für die Arbeitssicherheit wurde

weiter intensiviert.

ÖKOLOGIE 26

Umweltschutz auf drei Säulen

Seit vielen Jahren engagiert sich die Holcim Schweiz für eine umweltschonende

Produktion. Der innovative Zement Optimo verbessert ihre

Energie- und Klimabilanz noch einmal markant.

UMWELTDATEN 40

Zementwerke Eclépens, Siggenthal, Untervaz

Kieswerk Kirchberg

Betonwerk Bussigny

Nachhaltigkeitsbericht

1


Systemgrenzen und Bezeichnungen

Alle Umweltdaten in diesem Bericht beziehen sich ausschliesslich

auf Produktionsstandorte innerhalb der

Schweiz. Nicht berücksichtigt sind Daten betreffend

Büromaterialverbrauch, Geschäftsreisen, Arbeitswege

der Mitarbeitenden usw. Sämtliche Aussagen in diesem

Bericht – soweit sie nicht mit einer anderen Zeitangabe

versehen sind – beziehen sich auf den Stand am Ende der

Berichtsperiode (31. Dezember 2010). Der Bericht benutzt

die Bezeichnung Holcim Schweiz. Dieser Begriff ist nicht

im streng rechtlichen Sinn zu verstehen und bezeichnet

kein juristisch selbstständiges Unternehmen. Vielmehr

erfasst diese Bezeichnung alle juristischen Einheiten,

die unter der Aufsicht der Geschäftsleitung der Holcim

(Schweiz) AG stehen. Die Holcim (Schweiz) AG ist das

national im Zementbereich tätige Unternehmen mit Werken

in Eclépens, Siggenthal und Untervaz. Dazu gehört

auch das Tochterunternehmen Holcim Kies und Beton AG

(siehe juristische Struktur, Seite 8).

Grafiken

Für eine bessere Übersicht zeigen die Grafiken wo verfügbar

die Daten der beiden letzten Berichtsperioden

(2002–2004 sowie 2005–2007) als Durchschnittswert

(heller Farbton).

Weblinks

• www.holcim.ch

• www.holcim.com

• www.cemsuisse.ch

• www.betonsuisse.ch

• www.fskb.ch

• www.fshbz.ch

• www.wbcsd.org > projects > cement

2 Nachhaltigkeitsbericht


Liebe Leserin, lieber Leser

Die Berichtsperiode stand im Zeichen der Wirtschaftskrise.

Obwohl die stotternden Finanzmärkte kein Anlass

zur Freude waren, registrierte die Holcim Schweiz mit

Genugtuung, dass wieder solide Werte gefragt sind:

reales Wirtschaften, langfristige Perspektive, nachhaltiges

Handeln. Das sind genau diejenigen Eckpfeiler, auf

denen unser Unternehmen seit Jahren ruht. Nur wenn

wirtschaftliches Denken mit sozialer und ökologischer

Verantwortung einhergeht, lässt sich ein dauerhafter

Erfolg erzielen. Ich bin überzeugt, dass es der Holcim

Schweiz auch dank unserer nachhaltigen Grundhaltung

gelungen ist, die Krise gut zu überstehen.

Neben der unsicheren Wirtschaftslage beschäftigte sich

die Holcim Schweiz in den vergangenen Jahren aber vor

allem mit der Entwicklung und Markteinführung eines

neuartigen, CO 2-sparenden Zements. Holcim Optimo

ist ein universell einsetzbarer Zement auf der Basis von

gebranntem Schiefer. Dieses natürliche Sedimentgestein

wird in der Nähe unseres süddeutschen Schwesterwerks

Dotternhausen gewonnen. Holcim ist die einzige Herstellerin

in Mitteleuropa, die einen solch bahnbrechenden

Baustoff auf Schieferbasis anbieten kann.

Holcim Optimo verfügt nicht bloss über hervorragende

technische Eigenschaften, sondern bietet einen entscheidenden

Vorteil für die Umwelt: Er verursacht rund zehn

Prozent weniger CO 2-Emissionen als die am meisten

verwendeten herkömmlichen Zemente – für jede Tonne

Zement bedeutet dies 70 Kilogramm weniger CO 2 in der

Atmosphäre. Optimo steht sinnbildlich für das gesamte

Engagement von Holcim: Innovation zum Nutzen der

Umwelt und gleichzeitig im Dienste der Fachleute der

Bauwirtschaft. Allein dank Optimo gelingt es der Holcim

Schweiz, jedes Jahr 125 000 Tonnen CO 2 einzusparen. Das

ist etwa gleich viel, wie 20 000 Autos pro Jahr ausstossen!

Damit die Holcim Schweiz den umweltschonenden

Zement Optimo herstellen kann, hat das Unternehmen in

der Berichtsperiode stark in seine Zementwerke Eclépens,

Siggenthal und Untervaz investiert. Um den Schiefer anzuliefern,

zu lagern und zu verarbeiten, haben die Werke

neue Silos errichtet und Installationen für den Bahnverlad

und die Weiterverarbeitung gebaut. Parallel dazu läuft

gegenwärtig ein zusätzliches Umweltprojekt in Untervaz:

Die Zementproduktion wird mit einer neuen Technologie

für die Stromerzeugung ausgestattet – eine weitere Pionierleistung

der Holcim Schweiz im Klimaschutz.

Ein Blick zurück: Die schweizerische Zementindustrie

hatte sich 2003 – notabene als erste Branche – in einer

freiwilligen Zielvereinbarung mit dem Bund verpflichtet,

die fossilen CO 2-Emissionen bis 2010 um rund 44 Prozent

gegenüber 1990 zu reduzieren. Dank unzähligen

Effizienz massnahmen und dem Einsatz von Ersatzbrennstoffen

hat die Zementindustrie diese Ziele mehr als

erreicht. Die Holcim Schweiz, die mit Abstand grösste

Herstellerin unseres Landes, erzeugt heute sogar nur

noch halb so viel CO 2 aus der Verbrennung wie 1990.

Gemeinsam mit den anderen Zementherstellern der

Schweiz trägt Holcim mit einer Reduktion von 1,5 Millionen

Tonnen CO 2 über einen Drittel zum gesamten

Schweizer Reduktionsziel gemäss Kyoto-Protokoll bei.

Dieser Erfolg bedeutet aber gleichzeitig auch, dass

wei tere Fortschritte immer schwieriger zu erreichen

sind. Dies zeigt sich beispielsweise in zunehmenden

Ziel konflik ten bei Umweltmassnahmen: So können

Anstrengungen zur Luftreinhaltung die Energieeffizienz

der Werke vermindern. Technische Fortschritte werden

dereinst wohl weitere Verbesserungen ermöglichen.

Doch dies braucht erstens Zeit und bringt zweitens hohe

Kosten mit sich.

Getreu unserer Nachhaltigkeitsphilosophie werden wir

aber auch weiterhin unser Möglichstes tun, um einen

wichtigen Beitrag zu einer prosperierenden Zukunft für

kommende Generationen zu leisten. Die Holcim Schweiz

– und darauf sind wir stolz – hat immer mehr als die

Pflicht getan. Es gehört zu unserem Anspruch, nicht

bloss wirtschaftlich und technologisch, sondern auch im

sozialen und ökologischen Bereich Spitzenreiter zu sein.

Urteilen Sie selbst, wie wir unsere Aufgabe erfüllt haben.

Im vorliegenden dritten Nachhaltigkeitsbericht legen wir

wiederum detailliert Rechenschaft darüber ab. Vielen

Dank für Ihr Interesse an unserem Engagement – und

gute Lektüre!

Strength. Performance. Passion.

Kaspar E. A. Wenger

Vorsitzender der Geschäftsleitung

Holcim (Schweiz) AG

EDITORIAL

Nachhaltigkeitsbericht

3


Nachhaltigkeit

als Strategie

Die Holcim Schweiz ist die grösste Baustoffherstellerin

des Landes. Sie setzt sich für eine umweltgerechte

Produktion von Zement, Kies und Beton ein.

4 Nachhaltigkeitsbericht


PRODUKTE & PROFIL

Die Holcim (Schweiz) AG ist eine Tochtergesellschaft

des ebenfalls in der Schweiz beheimateten und in rund

70 Ländern tätigen Baustoffunternehmens Holcim Ltd.

Ihre Kerntätigkeiten umfassen Herstellung und Vertrieb

von Zement, Kies und Beton. Die inländische Zementindustrie

liefert jährlich rund 4,6 Millionen Tonnen

Zement. Mit einer Jahresproduktion von über 2,6 Millionen

Tonnen Zement ist die Holcim Schweiz Marktführerin

im Land. Auch bei der Produktion von Transportbeton,

Kies, Sand und Schotter verfügt die Holcim Schweiz über

bedeutende Marktanteile. Das Unternehmen ist lokal

stark verankert und international ebenso gut vernetzt.

Produktion und Vertrieb von Zement, Kies und Beton

sind ein regionales Geschäft – hauptsächlich wegen der

hohen Transportkosten für die gewaltigen Tonnagen.

Trotzdem gibt es Synergien über die Landesgrenzen

hinaus, etwa bei der Energie- und Rohstoffbeschaffung

und in der Logistik. Der Konzern hat sich daher in länderübergreifenden

Einheiten organisiert: Die Region Central

Europe besteht aus den Ländergesellschaften Schweiz

inklusive Vorarlberg, Süddeutschland und Italien. Entsprechend

werden die Zementproduktion, das Energie-

Management sowie Finanzen & Controlling zentral geleitet.

Alle anderen Aktivitäten wie Kies- und Betonproduktion,

Marketing und Technik, Verkauf, Human Resources oder

Kommunikation stehen unter der Führung der jeweiligen

Länderleitung. Die Holcim Schweiz beschäftigt rund

1300 Mitarbeitende und betrieb in der Berichtsperiode

drei Zementwerke im Inland sowie ein Mahlwerk in

Vorarlberg. Kies produziert das Unternehmen an rund

20 Standorten, die über langfristig gesicherte Ressourcen

verfügen. Beton stellt die Holcim Schweiz in gut 40 regionalen

Werken her und zudem in mobilen Betonzentralen

bei grossen Baustellen. In der Berichtsperiode hat die

Holcim Schweiz einige ihrer Standorte konsolidiert (siehe

Tabelle Seite 6). Seine Produkte vertreibt das Unternehmen

in der gesamten Schweiz sowie im angrenzenden

Ausland.

Simona Kunz, Leiterin Verkauf Nordwestschweiz, berät

Curdin Cathomen von Implenia bei der Betonwahl in Kleindöttingen. 5

Nachhaltigkeitsbericht


STANDORTE UND VERÄNDERUNGEN DER HOLCIM SCHWEIZ

Kieswerk

Betonwerk

Zementwerk

Zementwerk Eclépens

Anfang 2008 schloss die Holcim

Schweiz das älteste und kleinste

Zementwerk in Brunnen (SZ). Die

Zementproduktion wurde Mitte

September, der Versand im November

2008 defi nitiv eingestellt, weil

der Standort aus ökologischen und

wirtschaftlichen Gründen keine

Perspektive hatte (siehe auch Kapitel

Mitarbeitende). In Zusammenarbeit

mit den Gewerkschaften entwickelte

Holcim einen ausgewogenen Sozialplan

für die betroffenen Personen.

Das Areal wurde an die Schwyzer

Kantonalbank verkauft.

Im Mai 2008 weihte die Holcim

Schweiz die neue Betonanlage

in Oberdorf ein. Am Nidwaldner

Standort produziert Holcim seit den

1950er Jahren Beton – nun in einem

neuen Werk mit zwei leistungsfähigen

Betonmischern. Die höhere

Anlagenleistung ermöglicht es, die

Kunden schneller und effi zienter

zu bedienen.

6 Nachhaltigkeitsbericht

Zementwerk

Siggenthal

Im August 2008 eröffnete Holcim ein

grosses, modernes Kieswerk in Kirchberg

bei Wil (SG). In der Folge wurde

die Kiesaufbereitung an den beiden

anderen Ostschweizer Standorten in

Schwarzenbach und Jonschwil Ende

2010 aufgegeben. Auffüllung und

teilweise Wandkiesabbau fi nden in

begrenztem Umfang weiterhin statt,

bis die endgültigen Rekultivierungsarbeiten

abgeschlossen sind.

Im Januar 2009 übernahm die

Holcim Schweiz die Kalt Kies- und

Betonwerk AG. Damit verstärkte die

Baustoffherstellerin ihre Präsenz im

Grossraum Zurzach. Zur Kalt Kies-

und Betonwerk AG gehören ein Kies-

und ein Betonwerk in Kleindöttingen

sowie ein Betonwerk in Leibstadt im

Kanton Aargau.

Ende 2009 weihte Holcim in Lully bei

Estavayer-le-Lac am Neuenburgersee

ein Betonwerk ein, das die alte Anlage

auf derselben Parzelle ersetzt. Die

Anlage verfügt über eine Jahresleistung

von 25 000 bis 30 000 Kubikmeter

Beton sowie eine umfassende

Restbeton-Recycling-Waschanlage.

Das ältere Werk in Payerne konnte

damit stillgelegt werden.

Hauptsitz Zürich

Zementwerk Untervaz

Im Februar 2010 gründete Holcim

mit Partnern in Satigny bei Genf

die Société Romande de Recyclage

SRREC. SRREC ist eine Alternative zur

Nutzung der Genfer Kiesvorkommen.

Die Aufbereitung von Abbruchmaterialien

schont die Kiesressourcen

und das Deponievolumen für

minerali sche Baustellenabfälle. Die

Anlage verfügt über eine Kapazität

zur Aufbereitung von jährlich

50 000 Tonnen Abbruchmaterial.

Im Dezember 2010 übernahm

Holcim die Hupfer AG vom französischen

Baustoffkonzern Lafarge.

Damit verstärkt sie ihre Marktpräsenz

für Transportbeton und

Zuschlagstoffe im Grossraum Basel.

Zur Hupfer AG gehören die drei

Betonwerke in Aesch, Allschwil und

Augst und eine Beteiligung an der

Kutag AG in Thürnen.

Mahlwerk Lorüns

Die Holcim Schweiz betreibt in den drei

Verkaufsregionen Deutschschweiz, Westschweiz

und Tessin 3 Zementwerke sowie

insgesamt über 40 Beton- und 20 Kieswerke.

Das Mahlwerk Lorüns liegt ausserhalb der

Berichtsgrenze; es wurde Anfang 2011

geschlossen. Um die Lesbarkeit der Karte zu

verbessern, sind nahe oder am selben Ort gelegene

Werke nebeneinander eingezeichnet.

Eine genaue und jederzeit aktualisierte Karte

fi ndet sich auf www.holcim.ch.


Know-how für Nachhaltigkeit

Keine andere Branche der Schweiz verarbeitet so

viele natürliche Ressourcen und transportiert solche

Material mengen wie die Bauwirtschaft. Beton ist nach

Wasser die am meisten verwendete Ressource. Es gibt

keine Alternative für diesen enorm vielseitigen und

dauerhaf ten Baustoff. Wegen der erforderlichen hohen

Temperaturen verbraucht die Zementherstellung indes

viel Energie, und es entstehen erhebliche Mengen an

Luftschadstoffen und Kohlendioxid. Die Holcim Schweiz

bemüht sich daher seit Jahrzehnten, die Umweltauswirkungen

ihrer Tätigkeit so weit wie möglich zu minimieren

– etwa durch den schonenden Abbau in den Steinbrüchen

und Kieswerken und durch fachgerechte Renaturierungen.

Transporte, insbesonders auf lange Distanzen,

wickelt das Unternehmen nach Möglichkeit per Bahn

ab. Holcim hat es auch geschafft, die bedeutendste

Umweltauswirkung – die Luftemissionen – markant zu

reduzieren, insbesondere jene des Treibhausgases CO 2

aus der Zementherstellung. Zwischen 1990 und 2010 hat

die Holcim Schweiz die CO 2-Emissionen aus dem Verbrennungsprozess

in etwa halbiert.

Solche Fortschritte sind nur möglich, weil sich die Holcim

Schweiz nicht bloss zu einer nachhaltigen Entwicklung

bekennt, sondern Jahr für Jahr mehrere Millionen

Franken in entsprechende Massnahmen investiert. Ein

wichtiger Pfeiler des Umweltengagements ist der Einsatz

von alternativen Brenn- und Rohstoffen, wie etwa Altreifen,

Kunststoffen, Trockenklärschlamm oder verunreinigten

Böden. Dadurch vermindert das Unternehmen

Kohlendioxid-Emissionen und leistet gleichzeitig einen

gesellschaftlichen Beitrag zur ökologischen Entsorgung

von Reststoffen. Mit dem wachsenden Einsatz alternativer

Brennstoffe ist Holcim in den letzten Jahren zu einer

wichtigen Lösungsanbieterin in der Schweizer Abfallwirtschaft

geworden.

Optimo – der umweltschonende Baustoff

Beton ist der moderne Baustoff schlechthin – und

Zement ist sein Bindemittel, das die Bauwerke wie

Klebstoff zusammenhält. Ein Kubikmeter Frischbeton

besteht aus etwa 300 Kilogramm Zement, 150 Liter

Wasser, 600 Kilogramm Sand und 1400 Kilogramm Kies.

Ausserdem müssen rund 2000 Megajoule Energie für die

Herstellung aufgewendet werden, rund vier Fünftel davon

fallen auf die Zementproduktion. Das ist viel Energie

– und doch deutlich weniger, als die Produktion anderer

Baustoffe wie Glas, Metall oder Backsteine benötigt.

Die Fachleute von Holcim arbeiten kontinuierlich an der

Optimierung ihrer Produkte. So brachten sie vor wenigen

Jahren selbstverdichtende Betone auf den Markt, wasserdurchlässigen

Festkies für sickerfähige Bodenbeläge

oder Leicht- und Dämmbetonrezepturen mit wärmeisolierenden

Eigenschaften. In der Berichtsperiode entwickelte

Holcim einen neuartigen Zement, der sowohl über

Eugen Brühwiler

Professor für Erhaltung und

Sicherheit von Bauwerken,

ETH Lausanne

PRODUKTE & PROFIL

In einem vierjährigen Forschungsprojekt

entwickelten

wir im Auftrag von cemsuisse und

dem Bund einen hochleistungsfähigen

Faserbeton, der härter, dauerhafter

und tragfähiger ist als herkömmlicher

Stahlbeton. Auch ist die

Energie- und CO 2-Bilanz des neuen

Betons insgesamt deutlich besser. In

der Entwicklungsphase und in drei

Pilot projekten haben wir eng mit

Fachleuten der Holcim Schweiz zusammengearbeitet.

Dabei kamen uns

ihr technisches Wissen und ihre praktische

Erfahrung zugute. Die Kooperation

empfand ich stets als sehr offen

und konstruktiv. Die Kompetenz

und das Engagement von Holcim haben

entscheidend zum Gelingen des

Projekts beigetragen.

Nachhaltigkeitsbericht

7


JURISTISCHE STRUKTUR

hervorragende bautechnische Eigenschaften verfügt als

auch über eine deutlich verbesserte Ökobilanz: Optimo.

Dank Optimo kann ein Grossteil der heute in der Schweiz

verwendeten Zemente durch ein ökologisches und technisch

ausgereiftes Produkt abgelöst werden.

Optimo ist ein normierter Portlandkompositzement,

der aus den Hauptbestandteilen Portlandzementklinker,

gebrannter Schiefer und Kalkstein besteht. Gebrannter

Schiefer wird aus dem Sedimentgestein Ölschiefer

hergestellt, das brennbare organische Anteile enthält.

Aufgrund dieser Anteile kann der Ölschiefer ohne jegliche

Energiezufuhr gebrannt werden. Dabei entstehen zwei

Produkte: zum einen Energie, die für die Stromgewinnung

genutzt wird, zum anderen umweltschonendes Material

für Bindemittel – der gebrannte Schiefer. Dieser wird fein

gemahlen und schliesslich mit Portlandzementklinker,

hochwertigem Kalkstein und Gips zum Zement gemischt.

Der Schiefer kann exklusiv in der Lagerstätte beim

süddeutschen Holcim Werk in Dotternhausen gewonnen

werden. Holcim ist in Mitteleuropa daher die einzige

Herstellerin, die einen solch innovativen Zement auf der

Basis von gebranntem Schiefer anbieten kann. Optimo

verursacht rund zehn Prozent weniger CO 2-Emissionen

Holcim (Schweiz) AG, Würenlingen (AG)

98 %

Die juristische Struktur der Holcim (Schweiz)

AG zeigt alle Beteiligungen des Unternehmens

und deren rechtliche Firmensitze.

Eingezeichnet ist auch die Systemgrenze,

auf die sich dieser Bericht bezieht. Der

gemeinsame Verwaltungssitz der Unternehmen

befindet sich in Zürich.

8 Nachhaltigkeitsbericht

Holcim (Vorarlberg) GmbH

Bludenz, Österreich

54 %

54 %

51 %

als der am meisten verwendete herkömmliche Zement –

für jede Tonne Zement gelangen 70 Kilogramm CO 2 weniger

in die Atmosphäre. Pro Jahr spart die Holcim Schweiz

damit 125 000 Tonnen CO 2: Das ist etwa gleich viel CO 2,

wie eine Stadt der Grösse Frauenfelds ausstösst.

Um den neuen Zement zu produzieren, haben alle drei

Zementwerke der Holcim Schweiz in der Berichtsperiode

stark in neue Anlagen investiert. Seit Herbst 2010 wird

gebrannter Schiefer in gemahlener Form aus Dotternhausen

in die Schweizer Zementwerke geliefert. Die Werke

in Eclépens und Untervaz werden per Bahn beliefert. In

Siggenthal kommt der Schiefer in einer ersten Phase noch

per LKW. Holcim hat jedoch bereits Land in Siggenthal

erworben, um das werkseigene Schienennetz für die

Lieferung des Schiefers zu erweitern.

Fachleute am Werk

Die Holcim Schweiz ist nicht bloss Herstellerin, sondern

auch Dienstleisterin, die neben dem Verkauf hochwertiger

Produkte auch umfassende Beratung und Gesamtlösungen

anbietet. Fachleute der Holcim helfen den Kunden,

die Anwendungsgebiete von Beton und Zement zu

100 % Holcim Kies und Beton AG

100 % Hunziker & Cie AG

Zürich (ZH)

Würenlingen (AG)

Holcim Bétondrance SA

Martigny (VS)

Holcim BF+P SA

Bussigny-près-Lausanne (VD)

Holcim (Cham) AG

Cham (ZG)

66 % Kalt Kies- und Betonwerk AG

Böttstein (AG)

Praz SA

Sierre (VS)

Basaltstein AG

Buchs (AG)

Rohstoffgewinnung Hohentengen GmbH

Hohentengen, Deutschland

19 %

70 %

98 %

45 %

Berichtsgrenze

Klinker und Zement

Kies und Beton

Immobilien


optimieren und entwickeln massgeschneiderte Zemente

und Betonrezepturen für besondere Anwendungen. Bei

Bedarf greifen die Fachleute dabei für Analysen und Spezialprüfungen

auf eigene akkreditierte Labors zurück.

Dank dem internen Know-how kann Holcim zum Gelingen

von anspruchsvollen Vorhaben beitragen, so etwa

beim Gotthard-Alptransit: Im Norden werden Spezialbindemittel

zur Verdickung von Bohrschlamm eingesetzt, in

Sedrun arbeitet Holcim am Logistikkonzept und wickelt

es ab, und im Süden betreibt Holcim alle Baustellenanlagen.

Eine andere grosse Herausforderung meisterten die

Holcim Fachleute beim Dach des Learning Center der ETH

Lausanne, wo es zwei riesige Gewölbe aufzubauen galt –

eine wagemutige Baustelle, die sämtliche Gesetze der

Statik herausforderte. In zweijährigen Vorarbeiten entwickelte

Holcim in den werkseigenen Labors eine speziell

für diesen Zweck abgestimmte Betonrezeptur.

Das Qualitätsbewusstsein von Holcim äussert sich auch

in exakt festgelegten Prozessen. Alle Werke sind nach der

internationalen Qualitätsnorm ISO 9001:2000 zertifiziert

und bürgen damit für eine kontinuierliche Überwachung

und Verbesserung von Produkten und Arbeitsabläufen.

Ausserdem sind sämtliche Produktionsstandorte gemäss

AUSZÜGE AUS DEM MISSION STATEMENT HOLCIM LTD

Wir streben danach, das weltweit angesehenste und

attraktivste Unternehmen der Branche zu sein, und

schaffen Nutzen für sämtliche Anspruchsgruppen.

Wir haben zum Ziel, in unserer Branche stets die höchste

Kundenzufriedenheit zu erreichen.

Es ist unser Ziel, in unseren wichtigen Märkten die beste

Wettbewerbsposition zu erreichen – durch innovative

Produktgestaltung und optimale Betriebsabläufe.

Wir wollen eine führende Rolle bei der Ausübung der

sozialen Verantwortung in unserem Einflussbereich

einnehmen.

Holcim bekennt sich zu einer nachhaltigen Entwicklung,

die es erlaubt, Bedürfnisse der heutigen Generation

zu erfüllen, ohne die Möglichkeiten kommender Generationen

zu beschneiden.

Es ist unser Ziel, mit Regierungen, internationalen Organisationen

und Nichtregierungsorganisationen einen

aktiven Dialog aufrechtzuerhalten und als ein geschätzter

und glaubwürdiger Partner anerkannt zu werden.

Unsere Anspruchsgruppen sind wichtig für uns, und wir

verpflichten uns, über unsere Leistungen und Fortschritte

im Hinblick auf unsere Ziele der nachhaltigen Entwicklung

öffentlich Bericht zu erstatten.

Gesamtlösung am Ceneri

PRODUKTE & PROFIL

Die Neue Alpentransversale NEAT ist das Schweizer Pionierbauwerk

des 21. Jahrhunderts. Neben dem Gotthard-

Basistunnel, dem längsten Tunnel der Welt, der im

Herbst 2010 durchgestochen wurde, braucht die neue

Eisenbahnverbindung Anschlussbauten. So etwa den

rund 15 Kilometer langen Monte-Ceneri-Basistunnel.

Wie schon am Gotthard ist die Holcim Schweiz auch an

diesem Grossbauwerk zwischen Bellinzona und Lugano

massgeblich beteiligt.

Mit einem durchdachten Gesamtkonzept schaffte es

Holcim im Jahr 2009, den Zuschlag als Zulieferantin für

den zentralen Tunnelbau am Ceneri zu erhalten. Die

Zusatzleistungen bestehen darin, dass Holcim zu den

Baustoffen auch Dienstleistungen liefert und die volle

Verantwortung für die Materialqualität übernimmt. Für

Grossprojekte gibt es bei der Holcim Schweiz ein eigenes

Team, das flexibel und kreativ auf die Bedürfnisse der

Auftraggeber eingehen kann.

Im konkreten Fall organisiert die Holcim Schweiz die

ganze vorgelagerte Logistik des Tunnelvortriebs und stellt

künftig den Beton direkt im Berg bereit. Ähnlich wie beim

Gotthardtunnel erfolgt ein Zwischenangriff: am Ceneri

über einen Zugangsstollen bei Sigirino. Dadurch kann der

Tunnel an vier Stellen gleichzeitig ausgebrochen werden.

Das verkürzt die Bauzeit wesentlich. Holcim hat bei Sigirino

– vereinfacht gesagt – eine Art Kiosk für Baustoffe

eingerichtet, an dem sich die beteiligten Bauunternehmen

unkompliziert nach Bedarf bedienen können.

Die Bauzeit für dieses letzte Teilstück der NEAT dauert

voraus sichtlich bis 2018. Der für das gesamte Projekt

benötigte Beton entspricht rund zwei Dritteln der Jahresproduktion

der Holcim Schweiz. Dank dem neuen Durchstich

liegt der höchste Punkt der Alpentransversale auf

bloss 550 Metern über Meer. Die maximalen Neigungen

übertreffen kaum je 7 Promille. Dadurch können auch

schwere Güterzüge die Schweiz ohne zusätzliche Lokomotive

durchqueren.

Nachhaltigkeitsbericht

9


Zementproduktion duktion Zementproduktion Kiesproduktion Kiesproduktion Kiesproduktion Betonproduktion Betonproduktion Betonproduktion Gesamtumsat Ges

ZEMENTPRODUKTION [Mio. t]

02-04 05-07 2008 2009 2010

2,53

Die Zementproduktion ist nach einer Optimierung

der Produktionsstandorte in den

Jahren 2008 und 2009 wieder gestiegen.

Die Anlagen sind ausgelastet.

Der Umsatz der Holcim Schweiz ist in den

vergangenen Jahren gestiegen. Wesentlichen

Anteil daran hatten die Bereiche Kies

und Beton. Balken unten: Zement; Mitte:

Kies; oben: Beton. Die Zahlen umfassen auch

interne Kies- und Zementverkäufe.

KIESPRODUKTION [Mio. t]

Auch die Kiesproduktion hat nach zwei

schwächeren Jahren fast das Niveau der

Vorperiode erreicht.

WERTSCHÖPFUNGSRECHNUNG HOLCIM LTD [Mia. CHF]

BETONPRODUKTION [Mio. m 3 ]

2006 2007 2008 2009 2010

Nettoverkaufserlös 24,0 27,1 25,2 21,1 21,7

Einkäufe -13,4 -14,1 -15 -12,0 -12.6

Abschreibungen -1,7 -1,9 -2,0 -1,9 -1,9

Nettowertschöpfung 8,8 11,1 8,2 7,2 7,1

Mitarbeitende -4,2 -4,6 -4,5 -3,9 -4,0

Steuern -1,1 -1,2 -0,7 -0,6 -0,6

Dividenden -1,0 -1,2 -1,3 -0,8 -0,7

Nettofinanzkosten -0,8 -0,8 -0,8 -0,8 -0,8

Gewinn 1,7 3,3 0,9 1,2 0,9

Der Mutterkonzern Holcim Ltd war in den vergangenen drei Jahren von der Finanzkrise betroffen

und konnte die Nettowertschöpfung der Vorjahre nicht halten. Das Unternehmen erreichte

jedoch weiterhin sehr solide Wirtschaftszahlen (gerundete Werte).

Die Holcim Schweiz hat die Wirtschaftskrise

gut überstanden. Die Betonproduktion

verminderte sich zunächst, hat inzwischen

jedoch die Vorjahreszahlen übertroffen.

Gesamtumsatz UMSATZ [Mio. CHF]

Aufteilung Wertschöpfung

02-04 05-07 2008 2009 2010

704

205

128

371

2,70

799

248

158

393

2,56

798

231

154

413

10 Nachhaltigkeitsbericht

2,52

847

248

168

431

2,59

895

276

183

436

02-04 05-07 2008 2009 2010

6,30

7,12

6,12

6,39

6,67

02-04 05-07 2008 2009 2010

1,45

1,67

1,48

1,51

1,72

AUFSCHLÜSSELUNG

NETTOWERTSCHÖPFUNG [%]

FINANZKOSTEN

66

MITARBEITENDE

13

DIVIDENDEN

STEUERN

Mit zwei Dritteln haben die Mitarbeitenden

den grössten Anteil an der Nettowertschöpfung

2010 von Holcim Ltd.

11

10

Betonproduktion Gesamtumsatz Aufteilung Wertschöpfung


dem Standard ISO 14001:2004 zertifiziert. Dieser belegt,

dass das Unternehmen in Übereinstimmung mit den

Umweltgesetzen produziert und seine Umweltleistung

laufend verbessert. Die Zementwerke verfügen überdies

seit 2010 über eine Zertifizierung nach dem Arbeitssicherheitsstandard

OHSAS 18001.

Erfolgreich im Markt

Der Bausektor ist ein wichtiger Faktor für die schweizerische

Volkswirtschaft. Die Branche erwirtschaftet fast

6 Prozent der gesamten Wertschöpfung und beschäftigt

etwa 7 Prozent aller Erwerbstätigen. In der Regel reagiert

die Bauwirtschaft empfindlich auf die Konjunktur. Die

Holcim Schweiz kam in der Berichtsperiode trotz der

Weltwirtschaftskrise ökonomisch erfolgreich über die

Runden. Zum einen erwies sich die Bauwirtschaft auch

dank den staatlichen Investitionsprogrammen als robust,

zum anderen ergriff Holcim eine Reihe von Sparmassnahmen,

um die Kosten zu senken. Als Qualitätsanbieter

behauptete sich das Unternehmen besonders dort,

wo Know-how und Service gefragt waren. Die Holcim

Schweiz konnte in der Berichtsperiode ihren Umsatz

steigern und erzielte im Jahr 2010 einen Umsatz von

knapp 900 Millionen Franken. Knapp die Hälfte davon

erwirtschaftete die Sparte Zement, etwas weniger als ein

Drittel entfiel auf die Betonherstellung und der Rest auf

die Kiesproduktion.

Holcim Ltd ist an der SWX Swiss Exchange Börse kotiert.

Der Konzern wird seit acht Jahren ununterbrochen im

Dow Jones Sustainability World Index DJSI geführt. In der

Beurteilung von 2010/2011 erhielt Holcim Bestnoten für

Recyclingstrategie, Biodiversitätsmanagement, Umweltberichterstattung,

Produktionsstandards, Mitarbeiterentwicklung,

Sozialberichterstattung und den Dialog mit

seinen Anspruchsgruppen. Holcim Ltd berichtet in Übereinstimmung

mit den International Financial Reporting

Standards (IFRS) vierteljährlich über die finanzielle Situation

des Konzerns (www.holcim.com). Als hundertprozentiges

Tochterunternehmen veröffentlicht die Holcim

(Schweiz) AG keine eigenen detaillierten Finanzzahlen.

Nachhaltigkeit auf höchstem Niveau

PRODUKTE & PROFIL

Lässt sich eine nachhaltige Bauweise auch in einer solch

extremen Umgebung wie dem Hochgebirge verwirklichen?

Diese Frage stellte sich, als es galt, die Monte-Rosa-

Hütte des Schweizer Alpenclubs SAC zu ersetzen. Die ETH

Zürich nahm sich der Aufgabe an und entwickelte einen

faszinierenden Plan: ein Bauwerk, das auf 2883 Metern

über Meer mit einem Minimum an Energie auskommt.

Die Holcim Schweiz war begeistert von der Idee, die

genau zu den eigenen Vorstellungen von Nachhaltigkeit

passt – und unterstützte das ambitionierte Vorhaben

als Hauptsponsor.

Nach fünf Jahren Planung und knapp zwei Jahren Bauzeit

– es konnte nur während der kurzen Bergsommer gebaut

werden – wurde die kühne Vision im September 2009

Realität. Nach einer Winterpause steht die neue SAC-

Hütte seit Frühjahr 2010 allen Gästen offen und bietet

120 Schlafplätze für tatendurstige Wanderer und Bergsteiger.

Mit ihrer Aufsehen erregenden Aluminium-Hülle

und ihrem innovativen Innenleben ist die Neue Monte-

Rosa-Hütte zu einem Symbol für die moderne Schweiz

geworden. Sie verbindet alpine Tradition mit der Technik

des 21. Jahrhunderts.

Das Kraftwerk der Hütte besteht aus einer Photovoltaikanlage

und einem Solarkollektor. Bei Bedarf unterstützt

ein kleines, rapsölbetriebenes Blockheizkraftwerk die

Energieversorgung. Gefiltertes Schmelzwasser steht als

Warm- und Kaltwasser zum Kochen und Duschen zur Verfügung.

Eine biologische Mikrofilterkläranlage reinigt das

Abwasser, das in Toiletten und Waschmaschinen erneut

eingesetzt wird. Zudem versorgt eine Lüftungsanlage alle

Räume mit Frischluft und gewinnt Wärme aus der verbrauchten

Luft zurück. Wetter- und Besucherprognosen

fliessen direkt in die Regelung ein, um die Energieflüsse

optimal zu steuern.

Die Verbindung von hervorragender Architektur und wegweisender

Technologie ist ein Meilenstein. Die Erfahrungen,

die in der Neuen Monte-Rosa-Hütte gemacht werden,

dürften das nachhaltige Bauen entscheidend prägen.

Nachhaltigkeitsbericht

11


Langfristig planen

und handeln

Die Holcim Schweiz will dauerhafte Werte schaffen –

und zwar für die gesamte Gesellschaft. Besonders wichtig

ist den Werken eine gute Nachbarschaft mit Standortgemeinden

und Umweltorganisationen.

12 Nachhaltigkeitsbericht


2006 war es, als im Steinbruch Mormont des Zementwerks

Eclépens überraschend keltische Relikte zum Vorschein

kamen. Seither entdeckten Archäologen bei ihren

Untersuchungen auf dem Gelände mehr als 300 Opfergruben

mit Knochen, Bronzegefässen, Eisenwerkzeugen,

Keramik, Münzen und Schmuck aus der Zeit 100 Jahre

vor Christus. Eine archäologische Sensation, die über die

Fachwelt hinaus grosse Beachtung fand.

2009 lief die inzwischen vierte Ausgrabungsetappe an.

Holcim unterstützt die Kantonsarchäologin und ihr Team

seit Beginn tatkräftig: Die aufwendigen Forschungen

werden finanziell gefördert – und das Zementwerk stellt

Maschinen und Personal zur Verfügung, um den Boden

zu präparieren. So konnten die Experten bis heute einen

reichen archäologischen Schatz zutage fördern und

damit viele neue Erkenntnisse über unsere Urahnen, die

Helvetier, gewinnen.

Die archäologischen Grabungen in Eclépens illustrieren

die Haltung der Holcim Schweiz, sich unkompliziert

für die Gemeinschaft einzusetzen. Mit dem Erhalt von

Betriebs- und Abbaubewilligungen fühlt sich das Unternehmen

verpflichtet, auf Natur und Nachbarn Rücksicht

zu nehmen. Dabei kann Holcim auf rund hundert Jahre

Firmengeschichte zurückblicken. Aus langer Erfahrung

weiss das Unternehmen, was verantwortungsvolles

Wirtschaften ist. In einem kleinen Land mit knappen Ressourcen

wie der Schweiz sind nachhaltige Beziehungen

für einen Industriebetrieb besonders wichtig.

Dauerhafte Fundamente

VERANTWORTUNG

Es ist die Vision* von Holcim, am Fundament der zukünftigen

Gesellschaft mitzubauen. Holcim will ein Unternehmen

sein, das Werte für alle Stakeholder schafft, nicht

nur für Kunden und Aktionäre. Daher hat Holcim die

nachhaltige Entwicklung zum zentralen Prinzip ihrer

Tätigkeit erhoben. In seinem Mission Statement* bekennt

sich der Konzern dazu, seine Geschäftstätigkeit so auszurichten,

dass sie gegenwärtige Bedürfnisse befriedigt,

Ivo Schmid (l.), Umweltbeauftragter des Zementwerks Siggenthal, mit Steinbruchleiter

Reinhard Toferer bei der Renaturierung des Steinbruchs Gabenchopf. 13

Nachhaltigkeitsbericht


14 Nachhaltigkeitsbericht

ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu

beeinträchtigen.

Um diesen Anspruch in allen Gruppengesellschaften kohärent

umzusetzen, hat Holcim Ltd in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie*

ein einheitliches Vorgehen für die ganze

Gruppe festgelegt und Ziele und Prioritäten definiert. Als

vordringlich erachtet der Konzern die Bereiche Klima und

Energie, Arbeitssicherheit, gesellschaftliches Engagement,

Beziehungen zu Anspruchsgruppen sowie nachhaltiges

Bauen. Innerhalb der Branche will das Unternehmen

bei diesen Themen eine Vorreiterrolle übernehmen.

Alle Ländergesellschaften, so auch die Holcim Schweiz,

haben eine sorgfältige Situationsanalyse vorgenommen.

Die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit wurden in

Massnahmenpläne integriert und mit Budgets versehen.

Gruppenweite Standards und ein systematisches Benchmarking

erlauben es dem Baustoffhersteller, seine Nachhaltigkeitsleistungen

kontinuierlich weiter zu entwickeln.

ISO-Zertifizierungen bilden das Grundgerüst. Die insgesamt

über 60 Zement-, Kies- und Betonwerke der Holcim

Schweiz sind seit einigen Jahren alle nach den ISO-Normen

9001 (Qualität) und 14001 (Umweltmanagement)

zertifiziert. Die Zementwerke verfügen überdies seit 2010

über eine Zertifizierung nach dem international verbreiteten

Arbeitssicherheitsstandard OHSAS 18001.

Holcim geht aber noch einen Schritt weiter. So umfasst

das Umweltmanagementsystem das eigens entwickelte

«Plant Environmental Profile (PEP)» – ein Überwachungs-

und Berichtssystem, das über den ISO-14001-Standard

hinausgeht. Auch das gruppenweite Arbeitsschutzmanagementsystem

reicht weiter als der Standard

OHSAS 18001. Holcim misst die Leistungen in diesen

Bereichen daher nach eigenen Massstäben.

Transparente Geschäftsführung

Holcim Ltd hat einen Verhaltenskodex* (Code of Conduct)

aufgestellt, der für alle Beschäftigten weltweit gilt. Der

Kodex hält die wichtigsten Prinzipien in den Bereichen

Corporate Governance (gute Geschäftsführung), Umweltschutz

und Gesellschaft fest. Namentlich bekennt

sich Holcim Ltd im Kodex zum fairen Wettbewerb, zur

Ächtung von Bestechung und Korruption sowie zu einer

offenen und transparenten Kommunikation.

Die Holcim Schweiz hat Massnahmen ergriffen, um

sicher zustellen, dass ihre Mitarbeitenden diese Grundsätze

beachten. Das Unternehmen schult zum Beispiel

sämtliche Kader- und Verkaufsleute im Kartellrecht.

Dank genauer Kenntnis der Wettbewerbsvorschriften

können die Mitarbeitenden ihre Verantwortung im

eigenen Zuständigkeitsbereich wahrnehmen.

*Alle erwähnten Dokumente sind auf den Webseiten der Holcim

Schweiz (www.holcim.ch) und des globalen Holcim Konzerns

(www.holcim.com) zugänglich.

Die Holcim Schweiz als lokal stark verankerte Unternehmung

setzt auf langfristiges Denken und Handeln.

Das Unternehmen tätigt keine riskanten Geschäfte,

spekuliert nicht und bezieht Stakeholder konsequent in

die Geschäftstätigkeit mit ein. Die Grundsätze der guten

Unternehmensführung widerspiegeln sich auch in der

Organisationsstruktur der Holcim Schweiz: Transparente

Führungsprozesse gewährleisten eine effektive Kontrolle

der Geschäftsleitung durch den Verwaltungsrat.

Die Rechte und Pflichten der Geschäftsleitung und des

Verwaltungsrats sind im Organisationsreglement näher

umschrieben. Beispielsweise schreibt das Dokument vor,

dass Mitglieder dieser Gremien bei Befangenheit in den

Ausstand treten.

Die Entschädigung des Verwaltungsrats ist verbindlich

geregelt. Verwaltungsräte erhalten ein festes Honorar

und Sitzungsgeld, Boni werden keine entrichtet.

Zwischen dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung

gibt es keine personellen Überschneidungen.

Die Holcim Schweiz verfügt ausserdem über eine eigene

Abteilung für interne Audits, welche die Umsetzung von

Prozessen und Initiativen überprüft. Neben dem internen

Audit verfasst auch die externe Revisionsstelle jährlich

einen Bericht zuhanden des Verwaltungsrats.

Nicht zuletzt dank ihren klaren Geschäftsgrundsätzen

und ausgebauten Managementsystemen hatte die

Holcim Schweiz in der Berichtsperiode erneut keine

Bussen zu entrichten – weder für wettbewerbswidriges

Verhalten oder arbeitsrechtliche Verstösse noch für

Übertretungen des Umweltgesetzes.

Ihren Zulieferern empfiehlt Holcim, Managementsysteme

aufzubauen und zu pflegen und ihre Verantwortung

gegenüber Mitarbeitenden, Umwelt und Ethik

wahrzunehmen. Regelmässige Lieferanten überprüft

die Holcim Schweiz mit einem Fragebogen. Erreicht ein

Anbieter zu wenige Punkte, zeigt ihm Holcim auf, in

welchen Bereichen und Tätigkeiten Nachbesserungen

vorgenommen werden müssen. Besonders streng

bewertet Holcim Sicherheitsfragen.

Anspruchsgruppen einbeziehen

Wichtige Partner bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsprinzipien

sind Anspruchsgruppen wie Kunden,

Mitarbeitende, Hochschulen, Behörden, Medien, Umweltorganisationen

und Standortgemeinden. Eine offene

und rasche Kommunikation über wichtige Ereignisse und

Entwicklungen im Unternehmen ist dabei unabdingbar.

Dieser Grundsatz ist denn auch in den internen Richtlinien

für Medienbeziehungen und Krisenkommunikation

festgeschrieben. Die Holcim Schweiz informiert

die Medien offen und umfassend. Politiker, Behörden

und andere Verantwortungsträger erhalten periodisch

einen Newsletter, in dem das Unternehmen über seine

Anstren gungen für eine nachhaltige Entwicklung


erichtet. Ein- bis zweimal jährlich veröffentlichen die

Zementwerke und ausgewählte Kieswerke zudem eine

Informationsbroschüre mit wichtigen Mitteilungen für

alle Anwohnenden.

Die Holcim Schweiz hat während ihrer langjährigen

Tätigkeit zu zahlreichen Anspruchsgruppen ein Vertrauensverhältnis

aufgebaut. Das Unternehmen organisiert

für Kunden Ausbildungskurse und Tagungen, stellt

Referenten für Seminare und führt Anlässe durch. Ein

einvernehmliches Verhältnis besteht auch mit Umweltorganisationen.

Renaturierungen von Steinbrüchen und

Kiesabbaugebieten erfolgen in enger Zusammenarbeit

mit Organisationen wie Pro Natura und WWF. Auch mit

lokalen Landschafts- und Naturschutzorganisationen ist

Holcim ständig in Kontakt – zum Beispiel beim Projekt

Geopark «Gole della Breggia» (TI), wo derzeit ein ehemaliges

Zementwerk rückgebaut wird (siehe Seite 17).

Die Beziehungen zu den Behörden der Standort gemeinden

sind für Holcim besonders wichtig, und das Unternehmen

pflegt sie dementsprechend intensiv. Die Werkleiter

tauschen sich regelmässig mit den zuständigen

Gemeindebehörden aus. Dies gibt beiden Seiten die Möglichkeit,

ihre Wünsche und Bedürfnisse frei zu äussern.

Beispiel für einen solchen Austausch sind die Anlagen des

neuen Kieswerks in Kirchberg (SG), die sich harmonisch in

die Landschaft einfügen. Anliegen der Gemeinde wie die

Farbgebung der verschiedenen Gebäude und die Giebeldächer

wurden im Projekt eingeplant und umgesetzt.

Wie wichtig der Austausch zwischen lokalen Anspruchsgruppen

und Holcim ist, zeigt auch ein Beispiel aus der

Innerschweiz. In einem Rechtsstreit um den Kiesabbau

vor Stansstad einigten sich Holcim und die See anwohnenden

2010 aussergerichtlich. In konstruktiven Gesprächen

wurde eine für alle Beteiligten annehmbare Lösung

gefunden. Obwohl der Regierungsrat Nidwalden Holcim

eine Betriebsbewilligung bis 2030 erteilt hatte, erklärte

sich das Unternehmen bereit, den Kiesabbau vor Stansstad

bis Ende Oktober 2013 einzustellen.

Die Bevölkerung kann jederzeit auf dem Internet Umweltinformationen

zu den Zementwerken abrufen und

Betriebe nach Voranmeldung besichtigen. Die Werke

engagieren sich zudem für Projekte in der Region und

unterstützen lokale Vereine. Wie gross das gegenseitige

Interesse ist, zeigen Besucherzahlen von öffentlichen

Anlässen. So zählte das Zementwerk Siggenthal am Tag

der offenen Tür im Jahr 2008 über 7000 Besucher.

Mit Sponsoring fördert die Holcim Schweiz regelmässig

Veranstaltungen und Initiativen von Anspruchsgruppen.

In der Berichtsperiode überarbeitete das Unternehmen

sein Sponsoringkonzept und richtete es auf Projekte

und Institutionen aus, die einen Beitrag zur Nachhaltigkeit

leisten. Pro Jahr setzt das Unternehmen dafür

gesamtschweizerisch über eine halbe Million Franken

ein, vor allem an den Schnittstellen von Bildung, Kultur,

Bauen und Umwelt. Nicht immer geht es um monetäre

VERANTWORTUNG

Heidi Kohler

Vorsteherin Departement Forst- und

Landwirtschaft Untervaz,

Präsidentin Kommission FEKLHAS

Die Holcim Schweiz nimmt

ihre Verantwortung gegenüber

Umwelt und Bevölkerung sehr ernst.

So hat das Zementwerk Untervaz

vorbildlich gehandelt, als es um neue

Abbauetappen ging: Das Werk informierte

früh und umfassend über

seine Pläne und zog alle Betroffenen

mit ein. Dies gilt insbesondere

für die Kommission FEKLHAS, welche

die Rekultivierungs- und Ersatzmassnahmen

in den Abbaugebieten begleitet.

In der Kommission sind alle

Entscheidungsträger vertreten: der

Departementschef und Revierförster

von Untervaz, das Amt für Natur

und Landschaft, das Amt für Wald,

Pro Natura, Holcim sowie eine Ökologiefachperson.

Im offenen Dialog

haben wir bisher immer konstruktive

Lösungen gefunden.

Nachhaltigkeitsbericht

15


16 Nachhaltigkeitsbericht

PARTNERSCHAFTEN DES HOLCIM KONZERNS

WBCSD

Dieser Zusammenschluss von rund

200 international tätigen Unternehmen

hat sich zum Ziel gesetzt,

Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit

in Einklang zu bringen. Der

World Business Council for Sustainable

Development (WBCSD) will einerseits

den Unternehmen das Konzept

der nachhaltigen Entwicklung

nahebringen und ihnen dabei helfen,

die Art und Weise, wie sie operieren,

zu verbessern. Andererseits vertritt

der WBCSD Unternehmensinteressen

in der internationalen Politik,

wenn es um das Thema nachhaltige

Entwicklung und Unternehmensverantwortung

geht.

Wertschöpfung

UN Global Compact

Produktfokus Geografische Diversifikation Lokales Management

Globale Standards

Umweltbewusstsein

Diese weltweite Initiative der

Vereinten Nationen umfasst zehn

Prinzipien, die präzisieren, was

Verantwortung für ein Unternehmen

heisst. Ziel der Initiative ist es,

das gesellschaftliche Engagement

von Unternehmen zu fördern sowie

eine gerechtere und nachhaltigere

Weltwirtschaft zu schaffen. Holcim

hat sich damit unter anderem

verpflichtet, die Menschenrechte zu

respektieren, jede Diskriminierung

auszuschliessen, Umweltgefährdungen

zu vermeiden, zur Verbreitung

umweltfreundlicher Technologien

beizutragen und gegen alle

Arten der Korruption vorzugehen.

Holcim Ltd ist eine Reihe von Partnerschaften mit Stakeholdergruppen eingegangen. Dabei

geht es dem Unternehmen darum, Interessen zu vertreten, Erfahrungen auszutauschen und

gemeinsame Ziele für die Gesellschaft zu erreichen.

DIE NACHHALTIGE STRATEGIE DES HOLCIM KONZERNS

Kostenmanagement

Innovation

im Markt

Personal -

führung

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Soziale

Verantwortung

Dieses Holcim Strategiehaus gilt für alle Ländergesellschaften. Es zeigt die wesentlichen Bausteine,

mit denen das Unternehmen nachhaltige Werte schaffen will.

Ziel

Strategie

Richtlinien

Basis

IKRK Corporate Support Group

2009 trat Holcim als erstes Unternehmen

der Baustoffindustrie

der Corporate Support Group des

Internationalen Komitees vom Roten

Kreuz bei. Als Mitglied finanziert

Holcim humanitäre Projekte als Teil

ihrer Selbstverpflichtung zur nachhaltigen

Entwicklung. Die beiden

Partner legen jährlich fest, welche

Aktivitäten des IKRK von Holcim

unterstützt werden. Darüber hinaus

wollen beide Organisationen während

der Partnerschaft ihre

Erfahrung austauschen, beispielsweise

bezüglich Krisen- und Risikomanagement,

Wasserversorgung

und Infrastrukturentwicklung.

Partnership for Biodiversity

Holcim ist 2006 mit der Internationalen

Naturschutzorganisation IUCN

eine Partnerschaft für die biologische

Vielfalt eingegangen, die 2010

um drei Jahre verlängert wurde. Die

Partnerschaft zielt darauf ab, verlässliche

Standards für den Schutz

der Ökosysteme zu entwickeln und

sie sektorweit umzusetzen. Für die

IUCN ist die Partnerschaft zu einem

Modell geworden, um Biodiversitätsaspekte

in die Geschäftstätigkeit

von Unternehmen einzubringen.

In einem ersten Schritt haben die

Experten Inputs in die bestehenden

Management ansätze gegeben, um

die Biodiversität besser zu schützen.

Nun geht es in einem zweiten

Schritt darum, das Biodiversitätsmanagement

in den Abbaugebieten

weltweit umzusetzen.


Unterstützung, sondern mitunter auch um Material oder

Dienstleistungen. So stellt Holcim für die Bundesfeiern

auf dem Rhein jeweils ihre beiden Schiffe «Kiesueli» und

«Schwägalp» zur Verfügung.

Mit ihrem Sponsoring strebt die Holcim Schweiz grundsätzlich

eine längerfristige Zusammenarbeit an. Nachhaltigkeit

wird dabei nicht nur als technische Herausforderung

in Architektur und Bautechnik verstanden, sondern

generell als Beitrag für eine bessere Lebensqualität. Das

grösste Engagement in der Berichtsperiode war die Beteiligung

am Bau der visionären, energieeffizienten Neuen

Monte-Rosa-Hütte im Wallis, die Anfang 2010 eröffnet

wurde (siehe Seite 11).

Erfahrungen austauschen

Um Erfahrungen zu teilen und gemeinsame Ziele zu

erreichen, ist die Holcim Schweiz Mitglied einer Reihe von

Verbänden und Organisationen. Innerhalb der Baustoffbranche

gehört sie dem Verband der Schweizerischen

Cementindustrie (cemsuisse), dem Fachverband der

Schweizerischen Kies- und Betonindustrie (FSKB) sowie

der Betonsuisse Marketing AG an. Die Holcim Schweiz ist

ausserdem Mitglied bei SwissHoldings, dem Verband der

Industrie- und Dienstleistungskonzerne in der Schweiz.

Um die Forschung über zukunftsgerichtetes Bauen voranzubringen,

hat Holcim an der ETH Zürich einen Lehrstuhl

für nachhaltiges Bauen ermöglicht.

Im Bereich der Nachhaltigkeit ist die Holcim Schweiz

unter anderem Vorstandsmitglied bei der Öbu – dem

schweizerischen Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften.

Weiter hat Holcim im Jahr 2010 eine Zusammenarbeit

mit der gemeinnützigen Stiftung Insieme begonnen.

Ziel der Kooperation ist es, innerhalb des Unternehmens

Arbeitsplätze für Menschen mit einer Behinderung zu

schaffen. Die Holcim Schweiz engagierte sich in der

Berichtsperiode auch im Energie Trialog Schweiz:

200 namhafte Persönlichkeiten aus Umweltorganisationen,

Behörden, Wissenschaft und anderen Unternehmen

suchen im Rahmen dieser Initiative nach einer Lösung

für die Energieversorgung der Zukunft.

Schliesslich unterstützt die Holcim Schweiz die «Wirtschaftswochen»

und stellt Referentinnen und Referenten

für ihre Durchführung an Schweizer Mittelschulen.

Die Wirtschaftswochen sind ein Programm der Ernst

Schmidheiny Stiftung, die sich auf die Förderung des

Verständnisses für wirtschaftliche Zusammenhänge von

Jugendlichen konzentriert (www.esst.ch). Die Wirtschaftswochen

gelten als Musterbeispiel einer aktiven

Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft. Bis heute

haben über 60 000 Maturandinnen und Maturanden

an einer solchen Seminarwoche teilgenommen.

Zementwerk als Attraktion

VERANTWORTUNG

Seit vielen Jahren richtet die Holcim Schweiz ihr Augenmerk

auf die sorgfältige Renaturierung ehemaliger

Abbaugebiete und den Rückbau verlassener Werke. An

jedem ihrer Standorte sucht Holcim nach einer sinnvollen

Folgenutzung. So auch im Falle der Saceba, die aus wirtschaftlichen

Gründen stillgelegt wurde. Das Werk

bei Morbio nahe der italienischen Grenze versorgte den

Kanton Tessin von 1960 bis Ende 2003 mit Zement.

Eine Arbeitsgruppe – bestehend aus Vertretern des

Kantons, diverser Gemeinden, des Naturparks «Gole della

Breggia» und der Holcim Schweiz – entwickelte eine

ganz spezielle und nachhaltige Lösung für die Zukunft

des Saceba-Areals. Nach langjähriger Planung fiel im

Juni 2010 der Startschuss zur Umnutzung.

Der Rückbau des Zementwerks erfolgt ohne Sprengungen,

damit sich möglichst viel Material zurückgewinnen

lässt. Abgerissen wird aber nicht alles: Auf dem

Gelände wird ein Zementlehrpfad entstehen. Einzelne

Elemente der Produktionsstätte bleiben erhalten und

werden fortan als Anschauungsobjekte dienen. Vom

Unter tagesteinbruch bis zu den Öfen zeigt der Lehrpfad

alle wichtigen Schritte der Zementproduktion.

Der «Percorso del cemento» erweitert den umliegenden

Geopark um eine attraktive Komponente. Dieser vermittelt

bereits heute faszinierende Einblicke in die Gesteinswelt

des Tessins. Mit dem Zementlehrpfad erhalten die

Besuchenden bald auch einen lebendigen Eindruck davon,

wie aus Gestein modernes Baumaterial entsteht.

Die Kosten für dieses einzigartige Projekt belaufen sich

auf mehrere Millionen Franken. Die Holcim Schweiz

trägt den weitaus grössten Teil und beweist damit, dass

nachhaltige Entwicklung für sie kein Lippenbekenntnis

ist. 2012 soll der Rückbau abgeschlossen und der

Zement lehrpfad eröffnet werden. Dann wird Holcim das

Gelände der Stiftung «Parco delle Gole della Breggia»

überschreiben und den Standort der lokalen Bevölkerung

zurückgeben.

Nachhaltigkeitsbericht

17


Gemeinsam für

mehr Sicherheit

Die Holcim Schweiz fördert ihre Mitarbeitenden und pfl egt

einen offenen Dialog auf allen Stufen. Das Engagement für

die Arbeitssicherheit wurde weiter intensiviert.

18 Nachhaltigkeitsbericht


MITARBEITENDE

Dass die Holcim Schweiz die Wirtschaftskrise gut bewältigt

hat, verdankt sie vor allem dem grossen Einsatz

und Know-how ihrer rund 1300 Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter. Als Baustoffproduzentin, die immer öfter

komplexe Dienstleistungen wie Beratung, Konzepte und

Untersuchungen anbietet, ist das Unternehmen im besonderen

Masse auf das Engagement und den Teamgeist

des Personals angewiesen. Gemäss ihrer Vision möchte

Holcim das attraktivste Unternehmen der Branche für

Arbeitnehmende sein.

Die Basis der fairen Zusammenarbeit bilden die fortschrittlichen

Anstellungsbedingungen: Das Lohnniveau

liegt bei der Holcim Schweiz über dem Branchendurchschnitt.

Das Unternehmen bietet seinen Mitarbeitenden

darüber hinaus grosszügige Sozialleistungen: Alle

Mitarbeitenden haben Anrecht auf mindestens fünf

Wochen Ferien pro Jahr – eine Woche mehr als gesetzlich

vorgeschrieben. Auch der Mutterschaftsurlaub liegt mit

18 Wochen bei vollem Lohn deutlich über den gesetzlichen

Vorgaben von 14 Wochen bei 80 Prozent Lohn.

Weiter gewährt die Holcim Schweiz einen freiwilligen

Vaterschaftsurlaub von einer Woche bei voller Lohnfortzahlung

und einer Zusatzwoche mit 80 Prozent Lohn,

sofern der Arbeitnehmer dies wünscht. Ausserdem entrichtet

die Firma Ausbildungsstipendien für Kinder von

weniger gut situierten Mitarbeitenden.

Die Gleichbehandlung der Geschlechter sowie von Angehörigen

verschiedener Nationalitäten, Religionen und

Hautfarben ist selbstverständlicher und längst etablierter

Teil der Unternehmenskultur. Mitarbeitende, die sich bei

Anstellung, Entlöhnung, Weiterbildung oder Beförderung

übergangen fühlen, können auf der Grundlage des

Anstellungsreglementes ihr Recht einfordern. Auch im

Bereich Datenschutz setzt Holcim auf Transparenz. Alle

Mitarbeitenden haben die Möglichkeit, jederzeit Einblick

in die über sie gespeicherten Daten zu nehmen und

gegebenenfalls eine Berichtigung zu verlangen.

Die Sicherheitsverantwortliche Claudia Briner

beim Aufstieg im Betonwerk Bülach. 19

Nachhaltigkeitsbericht


Voneinander lernen

Die Baustoffindustrie ist nach wie vor

eine Männer domäne. Auch bei der Holcim

Schweiz sind weniger als ein Fünftel der

Angestellten weiblich.

Holcim liegt viel daran, die Mitarbeitenden rechtzeitig

und umfassend über wichtige Geschäftsentscheide

zu informieren und ihnen verständlich zu machen, wie

diese zustande kamen. Neben dem Intranet spielen

für die interne Kommunikation an den Standorten die

Anschlag bretter nach wie vor eine bedeutende Rolle.

Grössere Werke verfassen gedruckte Mitteilungen für

ihre Mitarbeitenden. Zudem gibt die Holcim Schweiz

dreimal jährlich die Mitarbeiterzeitschrift Contact heraus.

Jeweils zu Beginn des Jahres legen Mitarbeitende in

einem Dialoggespräch gemeinsam mit ihren Vorgesetzten

individuelle Ziele fest, an denen sie am Jahresende

Im höheren Kader hat der Frauenanteil

gegenüber der letzten Berichtsperiode (helle

Balken) zugenommen. EM: Mitarbeitende;

FM: First Management Level; MM: Middle

Management; SM: Senior Management; TM:

Top Management; T: Total

gemessen werden. Dies stellt sicher, dass alle Mitarbeitenden

mindestens einmal jährlich eine systematische

Rückmeldung zu ihrer Arbeit erhalten. Nachhaltigkeitsprinzipien

spielen bei der Beurteilung von Mitarbeitenden

eine wesentliche Rolle: Beim Feedbackgespräch wird

das Verhalten in Sicherheits-, Gesundheits- und Umweltfragen

über alle Mitarbeiterstufen hinweg im selben

Mass bewertet wie die Arbeitsleistung oder die Fachkompetenz.

Auf Kaderstufe sind diese Aspekte ebenso relevant

für die Ausschüttung eines Bonus wie die Erreichung

der Leistungsziele.

Die Holcim Schweiz führt regelmässig Mitarbeiterbefragungen

durch – die nächste ist für das Jahr 2011 vorgesehen.

Die Ergebnisse der letzten Befragung im Jahr 2008

itarbeitende Mitarbeiter nach Sparten

Fluktuation

Mitarbeitende Mitarbeiter nach Sparten

MITARBEITERBESTAND

Mitarbeiter nach SpartenFluktuation

BESTAND NACH SPARTEN

FLUKTUATION [%]

Fluktuation Gründe de

02-04 05-07 2008 2009 2010

1330

1283

1318

1283

1266

02-04 05-07 2008 2009 2010

In der Berichtsperiode baute die Holcim Etwas weniger als die Hälfte der insgesamt Die Fluktuationsrate ist gering und hängt

Schweiz den Personalbestand leicht ab. 2008 rund 1270 Mitarbeitenden der Holcim

stark von der Arbeitsmarktsituation ab. 2008

kam es durch die Schliessung des Zement- Schweiz arbeiten in den Kies- und Betonwer- kam es zu einer erhöhten Rate aufgrund der

werks in Brunnen zu rund 20 Kündigungen. ken. Ein gutes Drittel ist in den Zementwer- Werkschliessung in Brunnen. Die Zahlen umken

beschäftigt.

fassen keine befristeten Arbeitsverhältnisse,

Pensionierungen und Todesfälle.

Frauenanteil Fluktuation

erufsunfälle

FRAUENANTEIL Berufsunfälle Nichtberufsunfälle [%]

Gründe des Ausscheidens Frauenanteil

Nichtberufsunfälle Veteilung Unfälle

Frauenanteil

FRAUEN IM Nichtberufsunfälle KADER

Kader 2010

[%] Veteilung AUSTRITTSGRÜNDE

Unfälle Frauenanteil Veteilung Unfälle

FRAUEN

198

20 Nachhaltigkeitsbericht

1068

MÄNNER

Veteilung Unfälle

ÜBRIGE

EM FM MM SM TM T

17,2

323

435

ZEMENT

11,2

12,0

6,7

KIES UND

BETON

508

14,3

15,6

6,9

6,0

KÜNDIGIUNG

ARBEITGEBER

74

108

12,7

6,3

PENSIONIERUNGEN (INKL. FRÜH-

PENSIONIERUNGEN)

11,3

KÜNDIGUNG

ARBEITNEHMENDE

143

In der Berichtsperiode erfolgten die meisten

Austritte aufgrund von Kündigungen durch

Mitarbeitende, danach folgen die Pensionierungen.

In der Grafik nicht enthalten sind

Abgänge nach befristeten Verträgen sowie

durch Krankheit und Tod.


fielen insgesamt sehr positiv aus, zeigten aber im Bereich

der Mitarbeitergespräche Handlungsbedarf auf. In der

Berichtsperiode richtete Holcim daher ein besonderes

Augenmerk auf diesen Bereich. Im Jahr 2010 führte das

Unternehmen Dialogschulungen für Vorgesetzte durch,

in denen Themen wie Gesprächsvorbereitung, wertschätzendes

Feedback und erfolgreiche Gesprächsführung

trainiert wurden.

Im offenen Gespräch können Schieflagen erkannt und

Massnahmen getroffen werden. Dem Gedanken des echten

Dialogs entspricht, dass die Vorgesetzten ihrerseits

durch die Mitarbeitenden eingeschätzt und in Bezug auf

ihre Führungskompetenzen beurteilt werden. Sie erhalten

zudem Rückmeldungen zu ihrem Informations- und

Kommunikationsverhalten. Das Vorgesetztenfeedback

dient der Weiterentwicklung der Führungsqualitäten

des Kaders.

Potenziale erkennen und nutzen

Die kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeitenden ist

ein wesentlicher Faktor für den nachhaltigen Unternehmenserfolg.

Die Holcim Schweiz unterstützt deshalb

die persönliche und berufliche Entwicklung ihrer Mitarbeitenden.

In den vergangenen Jahren gab das Unternehmen

im Durchschnitt pro Kopf und Jahr rund 1200 Franken

für die Ausbildung aus. Das Weiterbildungsangebot

der Holcim Schweiz umfasst verschiedene Ebenen:

Interne Schulungen werden auf Stufe des Mutterkonzerns

oder der Ländergesellschaft sowie an den Standorten

durchgeführt. Mitarbeitende nehmen aber auch an

diversen externen Kursen und Lehrgängen teil.

Die Holcim Schweiz versucht zudem gezielt, das kreative

Potenzial seiner Mitarbeitenden zu fördern. Dazu hat

die Sparte Kies und Beton in der Berichtsperiode die

Plattform «Idea» eingerichtet, wo Mitarbeitende Ideen

einbringen können. Die eingereichten Projekte werden

von Fachleuten geprüft – und die überzeugendsten

Ideen werden umgesetzt. Auch eine Vielzahl kleiner und

grösserer Erfindungen, die in den Holcim Werken zur

Anwendung kommen, zeugen vom Können, vom Engagement

und der Eigeninitiative der Mitarbeitenden. So

entwickelte ein Mitarbeiter einen mobilen Bindemittelstreuer,

um auf praktische Weise Staubaufwirbelungen

im Kieswerk zu verhindern. Das Gerät ist nun erfolgreich

im Einsatz zugunsten der Gesundheit des Personals

und der Umwelt. Auch im Bereich der Sicherheit zeigen

die Mitarbeitenden Innovationsgeist: Ein langjähriger

Mitarbeiter des Werks Siggenthal ersann nach einem

Unfall eine einfache, aber effiziente Vorrichtung, welche

die Arbeit an den Wärmetauschern sicherer macht. Heute

wird der Sicherheitsschieber in allen Werken der Holcim

Schweiz eingesetzt.

Stefan Haas

Geschäftsleiter LPlus,

Unternehmergruppe

Wettbewerbsfähigkeit

MITARBEITENDE

LPlus ist eine Initiative der

Schweizer Wirtschaft zur Vermeidung

von Jugendarbeitslosigkeit.

Ich bin unterwegs, um Unternehmer

und Manager zu motivieren,

zusätzliche Lehrstellen zu schaffen

und das Berufsbildungsangebot zu

optimieren. Meine Erfahrungen mit

der Holcim Schweiz sind dabei sehr

positiv. Das Unternehmen nimmt

seine Verantwortung wahr und tut

viel für die Nachwuchsförderung.

Holcim bietet beispielsweise bereits

in der Berufsfindungsphase Informationsveranstaltungen

und Schnupperlehren

an. Auch ist Holcim jeweils

bei den Ersten, wenn es darum geht,

neue Berufsbilder oder Attestlehren

einzuführen. Dieses Engagement ist

eine Investition in die Zukunft.

Nachhaltigkeitsbericht

21


In die Zukunft investieren

Eine Berufslehre ist ein solides Fundament für die

berufl iche Laufbahn. Deshalb engagiert sich die Holcim

Schweiz stark in der Ausbildung von Lernenden. Ende

2010 standen an sieben Standorten insgesamt 47 Lernende

in zwölf Berufsfeldern in Ausbildung. Mit den

Lehrstellen leistet die Holcim Schweiz einerseits einen

Beitrag gegen die Jugendarbeitslosigkeit, andererseits

sichert sich das Unternehmen auch einen kompetenten

Nachwuchs, was letztlich wiederum der Gesellschaft

zugutekommt.

Wer bei der Holcim Schweiz eine Ausbildung absolviert,

steht unter der Obhut erfahrener Berufsbildnerinnen

und Berufsbildner. Innerhalb des Unternehmens sind

22 Personen entsprechend weitergebildet und nehmen

ihre Aufgabe mit grossem Engagement wahr. Die

Auszubildenden profitieren von einer vortrefflichen

Infrastruktur und zahlreichen Möglichkeiten, innerhalb

des Unternehmens praktische Fähigkeiten zu erwerben

und Verantwortung zu übernehmen. Im Berichtszeitraum

haben 75 Prozent der Lehrlinge direkt im Anschluss an

ihre Ausbildung eine Anstellung bei Holcim erhalten.

Auch auf akademischem Niveau sucht das Unternehmen

nach den besten Köpfen. Der 2010 lancierte Förderpreis

für angehende Bauingenieure (Holcim Junior Award) prämiert

im Themenbereich Beton die jeweils beste Diplomarbeit

der teilnehmenden Hoch- und Fachhochschulen.

DIE SICHERHEITSPYRAMIDE DES HOLCIM KONZERNS

Stellung und

Verantwortung

Einführung

und Ausbildung

22 Nachhaltigkeitsbericht

Sicherheitsanweisungen

Gefährliche

Arbeiten

Wieder-

eingliederung

am Arbeitsplatz

Ergebnis-

abklärung

und Korrektur-

massnahmen

Inspektion

und Testen

von Anlagen

Gefahren-

beurteilung

und Risiko-

abschätzung

Gesundheit

und Wellness

Einkauf Management von

Veränderungen

Gesundheit im

Werksareal

Sicherheit in der

Planung

Geplante

Inspektionen

Mitsprache der

Mitarbeitenden

Aus den elf Gewinnern werden die drei besten Diplomarbeiten

ermittelt und mit namhaften Preisgeldern ausgezeichnet.

Mit dem Junior Award positioniert sich Holcim

als innovative Partnerin für Nachwuchskräfte.

Ob an den Hochschulen, in den Lehrberufen oder bei den

Unternehmungen – in der Baustoffbranche sind Männer

deutlich in der Mehrzahl. Frauen machen bei Holcim

rund 20 Prozent der Belegschaft aus. Das Unternehmen

bemüht sich daher verstärkt um weiblichen Nachwuchs.

Anlässlich des jährlich durchgeführten Aktionstags

«Mädchen – Technik – los!» lud Holcim letztmals im

November 2010 die schulpflichtigen Töchter der Mitarbeitenden

ein, die Tätigkeiten in einem Zementwerk

kennenzulernen. Die Mädchen konnten bei praktischen

Experimenten in den Labors der Zementproduktion und

bei einer Führung durch das Zementwerk einen Einblick

in technische Berufe gewinnen. Dass ihnen die Holcim

Schweiz eine Perspektive bieten kann, beweist das

Beispiel derjenigen Bauingenieurin, die im Jahr 2009 als

erste Frau die Leitung eines Werkes übernahm.

Sozialpartnerschaft pflegen

Die Holcim Schweiz pflegt ein offenes und einvernehmliches

Verhältnis zu Arbeitnehmerorganisationen. Ende

2010 haben die beiden Sozialpartner den Gesamtarbeitsvertrag

verbessert und um weitere drei Jahre verlängert.

In den Zementwerken gibt es eine Betriebskommission,

Audits

und System-

verbesserung

Gesetzliche

Vorschriften

Information und

Berichtswesen

Management-

Verpflichtung

Die OH&S-Pyramide von Holcim Ltd zeigt, wie vielfältig die Elemente sind, die sich auf die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz auswirken. Oberstes Ziel

aller Sicherheitsanstrengungen des Unternehmens ist die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden (OH&S: Occupational Health and Safety).


in der Vertreterinnen und Vertreter der Mitarbeitenden

Einsitz haben. Mit den Gewerkschaften und den

internen Betriebskommissionen führt die Geschäftsleitung

der Holcim Schweiz regelmässig Gespräche. Im

Gesamtarbeitsvertrag mit den Gewerkschaften hat sich

das Unternehmen verpflichtet, die Mitarbeitenden und

die Betriebskommissionen im Falle einschneidender

Massnahmen frühzeitig zu informieren. Gemeinsam mit

den Gewerkschaften wird nach Möglichkeiten gesucht,

Abbaumassnahmen zu vermeiden oder – falls unumgänglich

– sie sozial verträglich zu gestalten.

Dieser Verpflichtung kam die Holcim Schweiz zum Beispiel

bei der schrittweisen Stilllegung des Zementwerks

Brunnen im Jahr 2008 nach. Das in die Jahre gekommene

Werk entsprach hinsichtlich Energieeffizienz und Luftreinhaltung

nicht mehr den heutigen Standards, und eine

Sanierung wäre wirtschaftlich nicht tragbar gewesen.

Für die 44 von der Schliessung betroffenen Personen entwickelte

die Holcim Schweiz in enger Zusammenarbeit

mit den Gewerkschaften Syna und Unia einen Sozialplan,

der bei Frühpensionierungen die Rentenkürzung

aufgrund fehlender Beitragsjahre ausglich. Die gekündigten

Mitarbeitenden wurden entschädigt und bei der

Stellensuche unterstützt, wobei die allermeisten nahtlos

eine neue Anstellung fanden.

Unfälle minimieren

Mit einer breit angelegten Sicherheitskampagne verfolgt

der Mutterkonzern seit 2002 das Ziel, Unfälle mit Todesfolge

oder schweren Verletzungen zu verhindern. Sämtliche

Unfälle, die zu mehr als einem Tag Arbeitsausfall

führen, sollen vermieden werden. Der Konzern verlangt,

dass die Unfallzahlen im Verhältnis zu den geleisteten

Arbeitsstunden jedes Jahr um 30 Prozent zurückgehen.

Im Berichtszeitraum hat die Holcim Schweiz daher ihre

jährlichen Aufwendungen für Schulungen im Sicherheitsbereich

gesteigert. Sie liegen nun bei schätzungsweise

einer halben Million Franken jährlich. Die Holcim Schweiz

hat denn auch grosse Fortschritte im Bereich Sicherheit

und Gesundheit der Mitarbeitenden erzielt: Die Zahl der

Unfälle in Schweizer Werken sank von 2006 bis 2009 von

37 auf 17 Unfälle pro Jahr. 2010 kam es zu 19 Unfällen.

Fest steht, dass Fortschritte umso schwieriger zu

erzielen sind, je besser die Ausgangsbasis ist. Und dass

der grösste Gegner im Kampf gegen Betriebsunfälle die

Routine ist. Arbeitsabläufe, die täglich verrichtet werden,

sind gefährlich, gerade weil normalerweise alles gut geht.

Es können sich Unachtsamkeiten einschleichen, Schutzmassnahmen

werden vernachlässigt. Mit der Kampagne

«Bewusstsii – conscience – coscienza» thematisiert

Holcim in der Sparte Kies und Beton daher die persönliche

Einstellung zum Thema Sicherheit und fördert den

kollegialen Austausch innerhalb der Belegschaft. Ziel ist

es, die positive Einstellung der Mitarbeitenden gegenüber

den hohen Sicherheitsanforderungen weiter zu stärken.

Ein nachhaltiger Tag

MITARBEITENDE

Am 24. September 2010 verliessen die Beschäftigten am

Hauptsitz der Holcim Schweiz in Zürich für einen Tag ihre

Schreibtische und setzten sich am inzwischen bereits

dritten «Community Day» für die Natur und für benachteiligte

Menschen ein. Ziel der Mitarbeitenden war es

nicht allein, eine gute Tat zu vollbringen, sondern auch

einen befruchtenden Perspektivenwechsel zu erleben.

Der Community Day ist ein Firmenausflug der besonderen

Art: Drei Institutionen öffneten der Holcim Schweiz

ihre Türen und luden sie zur Mitarbeit ein. So pflegte

ein Teil der Belegschaft unter fachkundiger Anleitung

einen Jungwald. Diese Mitarbeitenden unterstützten

den Forstbetrieb der Stadt Bülach (ZH) beim Auslichten

des Baumbestands und beim Räumen; eine schweisstreibende,

aber befriedigende körperliche Arbeit im Dienste

der biologischen Vielfalt. Je mehr Licht zum Boden durchdringt,

desto mehr Pflanzen- und Tierarten können dort

gedeihen.

Nicht nur in der Natur, auch in zwei sozialen Einrichtungen

packten die Angestellten von Holcim mit an: Die

Stiftungen «Pigna» und «Wagerenhof» betreuen Menschen

mit geistigen und körperlichen Behinderungen und

engagieren sich für deren Ausbildung und Berufsintegration.

Ob in den Werkstätten oder in der Gärtnerei – einen

Tag lang erlebten die Mitarbeitenden von Holcim bei der

gemeinsamen Arbeit hautnah, dass für manche Menschen

die tägliche Arbeit mit grössten Schwierigkeiten

verbunden ist.

An der gemeinsamen Abendveranstaltung bei der

Stiftung «Wagerenhof» tauschten die Beteiligten ihre

Erfahrungen und Erlebnisse aus. Die Mitarbeitenden der

Holcim Schweiz empfanden es als äusserst bereichernd,

ihren Arbeitsplatz für einmal zu wechseln und ihren

Horizont zu erweitern. Auch wenn ihr Einsatz zeitlich

begrenzt war, so ist er doch bedeutsam in ihrer Signalwirkung:

für die Menschen der verschiedenen Institutionen

sowie für die Mitarbeitenden selbst, die voller nachhaltiger

Eindrücke nach Hause zurückkehrten.

Nachhaltigkeitsbericht

23


Die Anzahl der Berufs unfälle ging innerhalb

der letzten Jahre deutlich zurück. In der Grafik

ist jeder Unfall verzeichnet, welcher der

Suva gemeldet wurde, auch Bagatellunfälle.

(Werte 2002 sind nicht verfügbar.)

Die Konzernleitung erliess 2008 elf neue Sicherheitsdirektiven,

die das Unfallpotenzial in gefährlichen Situationen

minimieren. Dies betraf unter anderem das Sichern von

Anlagen und die Fahrzeug- und Verkehrssicherheit. Auch

muss bei allen Arbeiten ab 1,8 Metern Höhe eine Absturzsicherung

getragen werden, wenn keine baulichen

Rückhaltevorrichtungen wie Geländer oder Abschrankungen

vorhanden sind. Mitte 2010 kamen Bestimmungen

über das Arbeiten an Halden und Böschungen dazu. Der

Umgang mit Sicherheitsbestimmungen wird erlernt und

geübt. Wichtigstes Gebot ist auch hier: das Bewusstsein

der Mitarbeitenden schulen und die Motivation für das

Thema Sicherheit fördern.

Oft sind es scheinbare Kleinigkeiten, die viel bewirken. In

allen Werken werden beispielsweise Maschinen und Anlagen

beim Freischalten und Sichern mit einem personalisierten

Sicherheitsschloss markiert. Farbe des Schlosses

sowie der aufgedruckte Name oder das Foto der oder des

Fluktuation

Mitarbeitenden geben auch bei unübersichtlichen Anlagen

auf einen Blick Auskunft, wer auf der Anlage tätig ist

und wer für welche Sicherungsmassnahmen die Verantwortung

trägt. Auch sind die Werke dabei, Verkehrsströme

zu entflechten. In Untervaz sorgen beispielsweise seit

2009 bauliche Veränderungen und Markierungen dafür,

dass sich die Wege von Fussgängern und Fahrzeugen

nicht mehr kreuzen. Zudem soll klar geregelt werden, in

welchen Bereichen telefoniert werden darf und wo nicht.

Die Einhaltung der Sicherheitsstandards vor Ort wird

seit Anfang 2010 durch sogenannte «Safety Observation

Tours» regelmässig überprüft. Kaderleute aus den

lokalen Werken führen Sicherheitsinspektionen durch. Sie

überprüfen zusammen mit der jeweiligen Werksleitung,

ob die vorgesehenen Schutzmassnahmen bestehen und

ob die Mitarbeitenden die Sicherheitsvorschriften kennen

und befolgen. Sicherheitskontrollen hat es in den Holcim

Werken immer gegeben. Neu an den Safety Observation

Gründe des Ausscheidens

ter nach Sparten

Mitarbeitende Mitarbeitende Mitarbeiter nach SpartenMitarbeiter

nach Sparten

Fluktuation

DIE 5 SICHERHEITSGRUNDREGELN DES HOLCIM KONZERNS

Halten Sie Sicherheitsvorschriften

ein und achten Sie

darauf, dass alle

anderen diese ebenfalls

einhalten.

ufsunfälle Veteilung Unfälle

BERUFSUNFÄLLE

Berufsunfälle Berufsunfälle Nichtberufsunfälle

UNFALLARTEN

NICHTBERUFSUNFÄLLE

Nichtberufsunfälle Veteilung Unfälle Vete

03-04 05-07 2008 2009 2010

123

79

60

24 Nachhaltigkeitsbericht

Regeln zur PersönlichenSchutzausrüstung,

die für eine

bestimmte Tätigkeit

gelten, sind zu jeder

Zeit einzuhalten.

54

63

Freischaltungs- und

Sicherungsvorschriften

sind stets zu

befolgen.

BERUFS-

UNFÄLLE

59

Das Arbeiten unter

Alkohol- und

Drogeneinfluss ist

verboten.

138

NICHTBERUFS-

UNFÄLLE

In der Freizeit erlitten die Mitarbeitenden

der Holcim Schweiz während der Berichtsperiode

(Durchschnitt der drei Jahre) mehr

als doppelt so viele Unfälle wie während

der Arbeitszeit.

Sämtliche Verletzungen,

Unfälle,

Beinahe-Unfälle

sowie Sachschäden

sind zu melden.

03-04 05-07 2008 2009 2010

135

150

151

150

112

2010 ging erstmals seit einiger Zeit auch die

Anzahl der Nicht-Berufs unfälle gegenüber

den Vorjahren deutlich zurück. In den Zahlen

sind auch Bagatellunfälle enthalten. (Werte

2002 sind nicht verfügbar.)


Tours ist, dass Mitglieder der Unternehmensleitung –

Abteilungsleiter und Topmanager – eingeladen sind,

an den Rundgängen teilzunehmen. So erfahren sie aus

erster Hand, wo noch wunde Punkte liegen und wie sich

die Massnahmen in der Praxis bewähren.

Sicherheitskultur vorleben

Auch auf Kaderstufe verfolgt Holcim die Umsetzung der

Sicherheitsziele mit Nachdruck. Die vor einigen Jahren

in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik

und Wirtschaft in Chur gestartete Führungsausbildung

«TOPsafe» im Zementwerk Untervaz wurde weiterentwickelt

und um das Modul «TOPrelation» erweitert». Dieses

fokussiert speziell auf die Themen Fehlerkultur, Prozessverbesserung

und Umgang mit Stress. Die so geschulten

Führungspersonen reflektieren ihr eigenes Verhalten und

ihre Vorbildfunktion in Sicherheitsfragen. Auf Kader ebene

ist die erfolgreiche Umsetzung der Sicherheits- und

Gesundheitsziele folgerichtig auch massgebend für die

Auszahlung des jährlichen Bonus.

Die Sicherheitskultur hat bei der Holcim Schweiz auf

allen Stufen ein hohes Niveau erreicht. Um dieses Level

zu halten, darf die Aufmerksamkeit nicht erlahmen.

Daher werden weiterhin alle Absenzen infolge von

Berufsunfällen und Berufskrankheiten detailliert abgeklärt.

Die Mitarbeitenden sind aufgefordert, auch alle

Beinaheunfälle und Sachschäden zu melden. Jede dieser

Meldungen wird analysiert, und identifizierte Gefahrenquellen

werden entschärft.

Holcims Augenmerk gilt indes nicht bloss den Arbeitsunfällen,

sondern auch den Nichtbetriebsunfällen (NBU).

Freizeitunfälle sind mit rund 70 Prozent aller Unfälle,

die einen Arbeitsausfall nach sich ziehen, eine eminente

Quelle von Kosten und persönlichem Leid. Die

NBU verursachten in der Berichtsperiode Arbeitsausfälle

von insgesamt über 20 000 Stunden. Holcim sensibilisiert

daher seit 2009 alle Mitarbeitenden regelmässig

für die häufigsten Unfallarten in Haus und Garten,

Verkehr und Sport. Die Zementwerke betreiben jedes

Jahr einen halben Tag NBU-Prävention. Dabei werden

den Teilnehmenden bei einem Postenlauf verschiedene

Themen näher gebracht. Auch werden die Mitarbeitenden

mit Flugblättern und Plakaten sowie mittels einzelner

Aktionstage – unter anderem gemeinsam mit der Suva

– informiert. Dank dieser Anstrengungen waren die

Unfallzahlen 2010 so tief wie nie zuvor. Zu diesem günstigen

Ergebnis beigetragen hat bestimmt auch die hohe

berufliche Sicherheitskultur, die ein risikobewussteres

Verhalten im Privatleben bewirkte.

Sicherheit auch für die Partner

MITARBEITENDE

Werksareale der Schwerindustrie sind keine Kinderspielplätze.

Auch in Zement- und Kieswerken sind Gefahren

allgegenwärtig – nicht zuletzt wegen der riesigen Fahrzeuge

und Anlagen. Um in diesem Umfeld ihre Mitarbeitenden

zu schützen, betreibt die Holcim Schweiz einen

grossen Aufwand. Das alleine reicht aber nicht: Deshalb

bezieht Holcim auch Partnerunternehmen in ihr Sicherheitsdenken

mit ein. Im Rahmen des sogenannten

«Contractor Safety Managements» verlangt das Unternehmen,

dass Mitarbeitende aller beauftragten Firmen

ein Sicherheitstraining durchlaufen, ehe sie für Holcim

tätig werden.

So dürfen zum Beispiel nur entsprechend geschulte Lastwagenchauffeure

in den Werken von Holcim und bei

deren Kunden Zement laden und entladen. Ein persönlicher

Badge belegt, dass der Fahrer das Sicherheitstraining

absolviert hat – und ist Bedingung für die Zufahrt

zum Werksgelände. Auch muss jeder Chauffeur beim

Aussteigen die Sicherheitsausrüstung tragen. Diese umfasst

neben reflektierender Kleidung und Sicherheitsschuhen

in der Regel einen Helm mit Schutzbrille sowie

Gehörschutz und eine Augenspülflasche.

Das Durchsetzen einer hohen Sicherheitskultur erfordert

mitunter beträchtliche Überzeugungsarbeit. So führten

die drei Zementwerke im Jahr 2010 einen Sicherheitstag

für die Partnerunternehmen durch. Die Anlässe

hatten zum Ziel, dass die Sicherheitsvorschriften noch

besser beachtet werden. Mit praktischen Vorführungen

demonstrierte zum Beispiel das Werk Eclépens den Nutzen

der Massnahmen vor Ort. Anschliessend luden die

Verantwortlichen zu einem Imbiss, um im persönlichen

Gespräch für noch mehr Akzeptanz der Sicherheitsmassnahmen

zu sorgen.

Die Botschaften kamen an, wie das positive Feedback bewies.

Insgesamt besuchten Vertreter von 66 Drittfirmen

die Sicherheitstage. Aufgrund dieses Erfolgs führt die

Holcim Schweiz die Veranstaltungen 2011 erneut durch.

Nachhaltigkeitsbericht

25


Umweltschutz

auf drei Säulen

Seit vielen Jahren engagiert sich die Holcim Schweiz für

eine umweltschonende Produktion. Der innovative Zement

Optimo verbessert ihre Energie- und Klimabilanz noch

einmal markant.

26 Nachhaltigkeitsbericht


Jean-Claude Buchs (l.) und Cyrille Roland, die Umweltbeauftragten

des Zementwerks Eclépens, messen die Emissionen.

ÖKOLOGIE

Wie ökologisch ist ein Produkt? Eine oft angewandte

Methode zur Beurteilung dieser Frage bewertet sämt liche

Einflüsse wie Energieverbrauch, Luftschadstoffe und Gewässerbeeinträchtigung

in sogenannten Umweltbelastungspunkten

(UBP). Solche vom Bundesamt für Umwelt

BAFU entwickelten Berechnungen zeigen, dass bei der

Produktion von einem Kilogramm gebräuchlichem Beton

116 UBP entstehen. Damit ist Beton ein vergleichsweise

umweltgerechter Baustoff: Tonziegel erreichen 254, Holz

587 und Stahl 2710 UBP pro Kilogramm*. Vorteilhaft für

seine Ökobilanz ist zudem, dass Beton enorm dauerhaft

ist und daher langfristige Instandsetzungszyklen zulässt.

Dennoch: Die Produktion von Zement und Beton setzt

erhebliche Mengen von Schadstoffen und Treibhausgasen

frei. Die Holcim Schweiz nimmt dieses Thema sehr

ernst. Seit Jahrzehnten ist das Unternehmen bemüht,

Energieverbrauch und Emissionen wo immer möglich zu

senken. So investiert die Holcim Schweiz im Schnitt rund

zehn Millionen Franken pro Jahr, um die Energieeffizienz

ihrer Anlagen zu verbessern und die Filtertechnologie

stets auf dem neusten Stand zu halten.

Die Umweltpolitik der Holcim Schweiz basiert auf dem

Leitbild des Mutterkonzerns Holcim Ltd, das klare ökologische

Ziele und Massnahmen festlegt. Holcim verfügt

über wirkungsvolle Instrumente, um die Umweltleistung

zu steuern und zu überwachen. In der Schweiz betreiben

alle Standorte ein Umweltmanagementsystem und

arbeiten damit an einer stetigen Verbesserung ihrer Umweltleistungen.

Kontinuierlich misst die Holcim Schweiz

ihre Emissionen – und zwar wesentlich genauer und

umfassender, als es das Gesetz vorschreibt.

In der Schweiz gelten strenge Umweltgesetze und

- auflagen. Holcim erfüllt diese und geht zudem weitergehende

freiwillige Verpflichtungen ein. Der Umweltverantwortliche

der Holcim Schweiz ist Mitglied der

Geschäftsleitung und ist dafür besorgt, dass Umwelt-

* Ökobilanzdaten der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane

der öffentlichen Bauherren (KBOB), 2009/1, Stand März

2010, www.bbl.admin.ch/kbob

Nachhaltigkeitsbericht

27


ZEMENTHERSTELLUNG

28 Nachhaltigkeitsbericht

aspekte in Unternehmensentscheidungen einfliessen. In

jedem Werk gibt es einen Umweltbeauftragten, der dafür

verantwortlich zeichnet, dass der Nachhaltigkeitsgedanke

im Alltag umgesetzt wird. Das Unternehmen stellt

auf diese Weise sicher, dass auf allen Ebenen auf einen

schonungsvollen Umgang mit Energie und Ressourcen

geachtet wird.

Der Mutterkonzern Holcim Ltd hat zudem ein eigenes

Umweltbewertungsschema entwickelt. Dieses «Plant

Environmental Profile (PEP)» genannte System gilt für

alle Sektoren und rund um den Globus. Es ermöglicht den

Verantwortlichen anhand eines Fragebogens, die Umweltqualität

und die Umweltleistungen eines Standorts

zu erfassen. Erreicht ein Werk die maximale Punktzahl,

ergibt dies einen Indikatorwert von 100 Prozent. Die

drei Schweizer Zementwerke Eclépens, Siggenthal und

Untervaz erreichten im Jahr 2010 jeweils 89 oder 90 Prozent,

womit sie zu den umweltschonend sten Zementwerken

der Welt gehören.

Pionierleistung für den Klimaschutz

Die Reduktion von Klimaemissionen ist derzeit die

grösste Herausforderung der Schweizer Zementhersteller.

Pro Tonne Zement gelangen rund 700 Kilogramm

Kohlendioxid (CO 2) in die Luft. Davon stammen 240 Kilogramm

aus den Brennstoffen und 460 Kilogramm aus

dem Gesteinsmehl. Zum Vergleich: Ein Mensch atmet

pro Jahr rund 350 Kilogramm CO 2 aus. Vom gesamten

Kohlendioxidausstoss, der hierzulande auf menschliche

Aktivitäten zurückzuführen ist, verursacht die Schweizer

Zementindustrie rund sechs Prozent.

Brecher

Druck oder Schlag

zerkleinern das Material

in Brechern.

Steinbruch

Kalkstein und

Mergel werden

durch Sprengen

gewonnen.

Transport

Das gebrochene

Rohmaterial wird

ins Zementwerk

transportiert.

Meistens erfolgt

der Transport über

Förderbänder.

Die Holcim Schweiz hat 2003 gemeinsam mit den anderen

Zementherstellern des Landes eine freiwillige Zielvereinbarung

mit dem Bund abgeschlossen. Die Zementindustrie

verpflichtete sich, die fossilen CO 2Emissionen

bis 2010 gegenüber 1990 um 44 Prozent zu reduzieren.

Unter Einbezug der Emissionen aus dem Gesteinsmehl

hat die Schweizer Zementindustrie 2009 rund 1,5 Millionen

Tonnen CO 2 weniger ausgestossen als im Vergleichsjahr

1990. Da der erreichte Zielwert nicht im Jahr

2010 ermittelt wird, sondern der Durchschnittswert der

Jahre 2008 bis 2012 gilt, steht erst 2013 definitiv fest, ob

das Ziel erreicht wurde. Die Schweizer Zementindustrie

befindet sich jedoch auf gutem Weg, die ambitionierten

Vorgaben zu erfüllen. Sollte die Branche hingegen ihr Ziel

nicht erreichen, müsste sie im Jahr 2013 die eidgenössische

CO 2-Abgabe rückwirkend nachzahlen.

Optimierte Zementherstellung

Die Zementherstellung ist sehr energieintensiv, da der

Hauptbestandteil – der Klinker – bei Temperaturen

von 1450 Grad Celsius gebrannt werden muss. Die drei

Zementwerke der Holcim Schweiz verbrauchen für die

Produktion von insgesamt 2,6 Millionen Tonnen Zement

rund 7800 Terajoule thermische und elektrische Energie

pro Jahr. Dies entspricht knapp einem Prozent des gesamten

Energieverbrauchs der Schweiz oder etwa viermal der

Menge, welche die Stadt Chur jedes Jahr verbraucht.

Um die Energieeffizienz bei allen Arbeitsschritten zu

erhöhen und den Ausstoss von CO 2 zu senken, hat Holcim

für die Zementproduktion eine Nachhaltigkeitsstrategie

entwickelt, die auf drei Säulen steht: 1. Reduktion des

Mischbett

Im Mischbett

werden Kalk und

Mergel einheitlich

gemischt und vorhomogenisiert.

Entstaubung

Schlauchfilter oder

elektrostatische

Filter halten die

Staubteilchen in

den Mühlen- bzw.

Ofenabgasen

zurück.

Rohmehlmühle

Das vorhomogenisierte

Material

wird in einer Mühle

gemahlen und

getrocknet.

Vorwärmer

Das Rohmehl wird

aufgeheizt, bevor

es in den Drehrohrofen

kommt.


Klinkeranteils, 2. Einsatz von alternativen Brennstoffen,

3. Optimierte Anlagen.

Ein Beispiel für optimierte Anlagen ist die Abwärmenutzung.

Moderne Anlagen gewinnen einen beträchtlichen

Teil der thermischen Energie zurück, indem sie Wärmetauschverfahren

mit bis zu fünf Stufen einsetzen. Das

Zementwerk Untervaz wird schon bald mit Ofenwärme

eine Turbine antreiben und damit Elektrizität erzeugen

(siehe Seite 33). Das Westschweizer Werk Eclépens versorgt

rund 800 Haushalte, zwei Poststellen und ein Spital

in der Umgebung mit Fernwärme. Das Fernwärmenetz

des Werks Siggenthal, das momentan rund 100 Haushalte

versorgt, wird zurzeit um eine Trocknungsanlage für

Klärschlamm erweitert.

Die erste und allerwichtigste Säule der Umweltstrategie

von Holcim ist indes die Verminderung des Klinker anteils

im Zement, des sogenannten Klinkerfaktors. Dieser

betrug im Portlandzement einst 95 Prozent. Die Holcim

Schweiz hat ihn mittlerweile auf rund 82 Prozent gesenkt,

beispielsweise durch die Zugabe von Kalkstein mit

hohem Kalziumanteil bei der Zementmahlung. Mit einer

Reduktion des Klinkeranteils lässt sich der CO 2-Ausstoss

sehr effizient vermindern. Erstens müssen pro Tonne

Zement weniger fossile Brennstoffe eingesetzt werden,

und zweitens wird das im Gesteinsmehl enthaltene CO 2,

welches beim Brennprozess freigesetzt wird, reduziert.

Drehrohrofen

Bei Temperaturen

bis 1450 °C wandelt

sich das Rohmehl in

Klinkermineralien

um.

Klinkerkühler

Die Klinkermineralien

werden schnell

abgekühlt.

Thermische Aufbereitungsanlage

Im süddeutschen Holcim Werk

Dotternhausen wird Schiefer

abgebaut, gebrannt und gemahlen.

Die Abwärme wird zur Stromerzeugung

genutzt.

Klinkersilo

Im Silo wird der

abgekühlte Klinker

zwischengelagert.

Zementmühle

Hier wird der Klinker

mit etwas Gips

zu Zementpulver

gemahlen.

Schiefertransport

Der gebrannte

Schiefer dient als

Klinkerersatz. Nach

Zwischenlagerung

im Silo wird er

mehrheitlich per

Bahn in die Schweiz

gebracht.

Schieferbeigabe

Der gebrannte Schiefer

wird dem gemahlenen

Klinker beigemischt.

So entsteht der

umweltschonende

Zement.

ÖKOLOGIE

Logistik

Der fertige Zement

wird lose in

Silowaggons und

-fahrzeugen transportiert

oder in

Säcke abgepackt.

Nachhaltigkeitsbericht

29


auch ergieverbrauch Zement Energieverbrauch Zement Zement Alternative Alternative Brennstoffe Alternative Brennstoffe Brennstoffe CO2-Emissionen CO2-Emissionen CO2-Emissionen

brauch nergieverbrauch Zement

ENERGIEVERBRAUCH

Energieverbrauch Zement Zement

ZEMENT

Alternative Alternative Alternative Brennstoffe CO2-Emissionen

[MJ/T] ALTERNATIVE

Brennstoffe Brennstoffe

BRENNSTOFFE

CO2-Emissionen

[%] CO

CO2-Emissionen

2-EMISSIONEN ZEMENT [kg/t]

02-04 05-07 2008 2009 2010

3260

3164

2973

sionen taubemissionen Zement Staubemissionen

STAUBEMISSIONEN

Zement Zement SO2 Emissionen

ZEMENT

SO2

[g/t] SO

Emissionen Zement SO2 Emissionen Zement ZementNOx Emissionen

2-EMISSIONEN ZEMENT [g/t] NO

NOx Emissionen Zement NOx Emissionen

X-EMISSIONEN ZEMENT

Zement Zement

[g/t]

issionen Staubemissionen Zement Staubemissionen Zement Zement SO2 Emissionen SO2 Emissionen Zement SO2 Emissionen Zement ZementNOx Emissionen NOx Emissionen Zement NOx Emissionen Zement Zement

30 Nachhaltigkeitsbericht

3090

2987

Der durchschnittliche Gesamtenergieverbrauch

pro Tonne Zement nahm in den

vergangenen Jahren leicht ab. Die Energieeffizienz

hat sich insbesondere dank der

Modernisierung der Werke Siggenthal und

Eclépens verbessert.

02-04 05-07 2008 2009 2010

20

14

14

Die Holcim Schweiz hat ihre Staubemissionen

in der Abluft der Zementwerke in den

vergangenen Jahren stark vermindert und

innerhalb der Berichtsperiode noch einmal

massiv gesenkt.

Mit dem in der Berichtsperiode neu entwickelten Zement

Optimo ist Holcim ein Durchbruch gelungen, dank dem

der Klinkerfaktor auf 70 Prozent gedrückt werden konnte.

Optimo ist ein Portlandkompositzement, der aus den

Hauptbestandteilen Portlandzementklinker (70 Prozent),

gebranntem Schiefer (13 Prozent) und hochwertigem

Kalkstein (13 Prozent) besteht. Der gebrannte Schiefer

stammt aus dem Schwesterwerk Dotternhausen zwischen

Singen und Stuttgart. Das süddeutsche Werk von

Holcim verfügt über ein grosses Vorkommen an Ölschiefer,

der vor Ort gebrannt und gemahlen wird. Die Energie,

die beim Brennen des Schiefers frei wird, versorgt das

Zementwerk Dotternhausen mit Strom. Optimo spart

gegenüber den herkömmlichen Zementen rund zehn

Prozent CO 2 ein. Mit dem neuen Zement reduziert die

Holcim Schweiz ihren CO 2-Ausstoss jährlich um insgesamt

rund 125 000 Tonnen – so viel wie 20 000 Autos

pro Jahr ausstossen.

7

3

02-04 05-07 2008 2009 2010

41

35

37

37

In der Berichtsperiode hat die Holcim

Schweiz den Einsatz von alternativen Brennstoffen

wieder gesteigert, was sich positiv

auf die CO 2-Emissionen auswirkte.

Der Schwefeldioxidausstoss liegt weit unter

den Grenzwerten. Ursache für die erhöhten

Werte 2008 und 2009 sind schwefelhaltige

Rohmaterialien in Untervaz (siehe Umweltdaten

der einzelnen Werke ab Seite 39).

Die Grafik stellt die Netto-CO 2-Emissionen

pro Tonne Zement nach WBCSD-Protokoll dar.

Der neue Zement Optimo wirkte sich erst

beschränkt auf die Zahlen aus. (Details zur

Berechnung siehe Seite 40.)

Die Holcim Schweiz hat die Stickoxidemissionen

in den vergangenen Jahren insgesamt

gesenkt. Im Jahr 2009 gab es erhöhte Werte

wegen Abstimmungsproblemen nach dem

Ausbau des Werks Eclépens.

eil Bahnanteil Zement Bahnanteil Zement Zement Dieselverbrauch Dieselverbrauch Kies&Beton Dieselverbrauch Kies&Beton Kies&Beton Benzinverbrauch Benzinverbrauch Kies&Beton Benzinverbrauch Kies&Beton Kies&Beton

40

02-04 05-07 2008 2009 2010

174

126

164

162

02-04 05-07 2008 2009 2010

il Bahnanteil Zement Bahnanteil Zement Zement Dieselverbrauch Dieselverbrauch Kies&Beton Dieselverbrauch Kies&Beton Kies&Beton Benzinverbrauch Benzinverbrauch Kies&Beton Benzinverbrauch Kies&Beton Kies&Beton

110

Verwertung statt Entsorgung

Die zweite Säule der Umweltstrategie von Holcim bei

der Zementherstellung ist der Ersatz fossiler Brennstoffe.

Einst wurden die Drehrohröfen zur Klinkerherstellung

ausschliesslich mit Kohle und Schweröl beheizt. Heute

verwerten die Werke bestimmte Abfälle als Alternativbrennstoffe,

die ansonsten in Kehrichtverbrennungen

oder Sondermüllverbrennungsanlagen entsorgt werden

müssten. Dazu gehören etwa Altöl, Trockenklärschlamm,

Altreifen, Kunststoffabfälle, Tiermehl oder Lösungsmittel.

Der Einsatz dieser Ersatzbrennstoffe ermöglicht es

Holcim, die fossilen CO 2-Emissionen stark zu senken. In

der Berichtsperiode betrug der Anteil alternativer Brennstoffe

rund 40 Prozent.

Die Verwertung alternativer Brennstoffe im Zementofen

ist ökologisch sinnvoll und sauber: Die hohen Temperatu-

612

877

633

809

605

722

603

813

590

02-04 05-07 2008 2009 2010

731


en und die lange Verweilzeit im Drehrohrofen zerstören

organische Anteile praktisch vollständig. Der mineralische

Anteil der Brennstoffe wird Bestandteil des Klinkers.

So entsteht keine Schlacke, die entsorgt werden muss.

Im Werk Eclépens ist seit Mitte 2008 ein sogenannter

Vorkalzinator in Betrieb. Das Rohmehl wird über mehrere

Stufen mit der Abgaswärme des Ofens vorgeheizt und in

einem glühend heissen Zyklon von den eingeschlossenen

Gasen befreit. Diese Technik ermöglicht, den Anteil alternativer

Brennstoffe zu erhöhen und gleichzeitig Materialien

mit gröberer Struktur zu verbrennen. So verarbeitet

Holcim in Eclépens jährlich rund 10 000 Tonnen alte Auto-

und Lkw-Reifen.

Labore der Holcim Schweiz überwachen laufend alle für

den Herstellungsprozess relevanten Materialien. In Übereinstimmung

mit den Richtwerten des Bundesamtes für

Umwelt (BAFU) und eigenen Vorgaben gewährleisten sie

so die Sicherheit von Mensch und Umwelt. Das Unternehmen

hat zudem in der Berichtsperiode eine Datenbank

eingerichtet, die den Informationsfluss zwischen

den Beteiligten verbessert. Damit kann der Prozess vom

ersten Gespräch mit dem Zulieferer bis zum Einsatz des

Materials effizienter gesteuert werden.

In den Zementwerken, in denen Abfallstoffe als alternative

Brennstoffe eingesetzt werden, hat die Holcim

Schweiz in der Berichtsperiode Untersuchungen zu den

VOC-Emissionen durchgeführt. Die Messwerte der leichtflüchtigen

organischen Stoffe lagen an allen Standorten

weit unter den gesetzlichen Limiten.

Um zukünftig noch effizientere Lösungen für die

Verwertung alternativer Brennstoffe anbieten zu

können, beschreitet die Holcim Schweiz einen neuen

Weg: Zusammen mit Umweltdienstleistern hat Holcim

das Joint-Venture Neue Plastrec AG gegründet. Dieses

Unter nehmen erbaut am Standort Siggenthal eine

Auf bereitungsanlage für Kunststoffabfall aus Industrie

und Gewerbe. So muss der Kunststoff zur Aufbereitung

nicht mehr von der Schweiz nach Deutschland transportiert

und dann wieder zurückgebracht werden. Ab

Mitte 2011 werden jährlich mehr als 30 000 Tonnen des

von der Neuen Plastrec AG aufbereiteten Materials in

den Zementwerken Siggenthal und Untervaz thermisch

verwertet. So lassen sich nicht nur traditionelle fossile

Energieträger einsparen, sondern auch lokale Lösungen

für einen wichtigen Bereich der schweizerischen Abfallwirtschaft

anbieten.

Rohmaterial schonen

Ähnlich wie bei den alternativen Brennstoffen setzen

Zementwerke auch alternative Rohmaterialien ein. Seit

Jahren verwertet Holcim Giessereisande, leicht verunreinigtes

Erdreich sowie Bestandteile aus der Sanierung

von Altlasten. Alternative Rohmaterialien decken etwa

drei Prozent des Rohstoffbedarfs des Unternehmens.

ÖKOLOGIE

Thaddeus Galliker

Projektleiter und langjähriger

Präsident der Naturschutz-Stiftung

Lauerzersee

Seit über zehn Jahren arbeiten

wir mit der Holcim Schweiz zusammen,

um vor allem in den Steinbrüchen

Nägeli und Schönenbuch

bei Ingenbohl im Kanton Schwyz die

Natur zu fördern. Trotz der laufenden

Abbautätigkeit konnten wir zahlreiche

Massnahmen umsetzen, um

den Bestand von gefährdeten Arten

zu erhalten – so etwa das Anlegen

von Weihern und Laichplätzen für

Amphibien und Libellen. Holcim ist

erstmals 1999 auf uns zugekommen

und hat seither unsere Bemühungen

stets wohlwollend mit Maschinen

und Arbeitskräften unterstützt. Dank

des guten Willens beider Seiten fand

sich immer eine Lösung. Besonders

freut mich, dass die Arbeiter motiviert

sind und viel Verständnis für

unsere Anliegen zeigen.

Nachhaltigkeitsbericht

31


KIESGEWINNUNG

Kiesgrube

Kies und Sand

werden mittels

Wasserstrahl oder

mit dem Bagger aus

der Wand gelöst.

Laden und Fördern

Das Material wird

für die weitere

Aufbereitung zum

Vorbrecher transportiert.

Transport

Förderbänder

transportieren das

Rohmaterial zur

Weiterverarbeitung.

Absieben

Das Material wird

auf der Rund strasse

gesiebt und in

verschiedene Korngruppen

getrennt.

Brechen

Auf der Splittstrasse

wird Material mit

einem Durchmesser

von mehr als

45 Millimetern

zerkleinert und in

verschiedene Korngruppen

getrennt.

Wasseraufbereitung

Das Prozesswasser

wird in einem Kreislauf

geführt.

Waschen

Das Rundmaterial

wird gewaschen.

Die dabei ausgeschwemmten

Feinstanteile

gelangen in grosse

Absetzbecken.

Klassierung

Förderbänder

transportieren das

Material zwischen

den verschiedenen

Brechern und Siebstationen.

PROZESSENERGIE

Energieverbrauch

KIES

Kies SO2-Emissionen Kies NOx Emissionen Kies

[MJ/t]

02-04 05-07 2008 2009 2010

23,4

22,3

25,5

27,3 665

26,1

Heute vermehrt nachgefragte, kleinere

Korngrös sen erfordern einen höheren Energieeinsatz

beim Brechen. Schwankungen

sind darauf zurückzuführen, dass nicht jedes

Jahr in gleichem Masse Kiesgruben wieder

aufgefüllt und abgedeckt werden.

Zwischenlager

Sand-, Kies- und

Splittfraktionen

warten in getrennten

Silos auf den

Verlad.

Kies SO2-Emissionen SO2-Emissionen Kies

SO Energieverbrauch SO2-Emissionen Kies

2-EMISSIONEN KIES

Kies Beton NOx Emissionen

[g/t] NO NOx Emissionen Kies

X-EMISSIONEN SO2-Emissionen NOx Emissionen Kies KIES [g/t] Beton Kies

CO

CO2-Emissionen CO2-Emissionen

2-EMISSIONEN KIES

KiesNOx

CO2-Emissionen

[kg/t] Emissionen Kies Beto Kies

02-04 05-07 2008 2009 2010

0,42

0,41

0,43

0,32

0,26

Die Schwefeldioxidemissionen sind

im Vergleich zu den vorangegangenen

Berichtsperio den gesunken. Dies unter anderem

durch vermehrten Gebrauch von Erdgas

anstelle von Heizöl.

Die Zahlen beinhalten: Abdeckung, Kiesabbau,

interne Transporte, Kiesaufbereitung,

Kieshaltung, Grubenauffüllung und Rekultivierung.

Nicht berücksichtigt sind sämtliche

externen Transporte und Büromaterial.

02-04 05-07 2008 2009 2010

9,9

8,3

Die Emissionen von Stickoxiden haben sich

gegenüber den letzten Berichtsperioden weiter

verringert. Gründe dafür sind die Erneuerung

von Anlagen und Fahrzeugen sowie der

verstärkte Einsatz von Erdgas.

Beim Kohlendioxidausstoss ist die Tendenz

insbesondere dank sparsameren Fahrzeugen

weiterhin sinkend. Hier spielt die von Jahr zu

Jahr unterschiedliche Auffüllung von Kiesgruben

eine Rolle.

Beton32 SO2-Emissionen Nachhaltigkeitsbericht

SO2-Emissionen Beton SO2-Emissionen Beton Beton NOx Emissionen NOx Emissionen Beton NOx Emissionen Beton Beton CO2-Emissionen CO2-Emissionen Beton CO2-Emissionen Beton Beto

8,5

7,2

6,6

02-04 05-07 2008 2009 2010

1,27

1,16

1,24

0,96

0,83


Logistik

Die aufbereitete

Gesteinskörnung

gelangt per Bahn,

Lastwagen oder

Schiff zu den Verbrauchern.

Die Holcim Schweiz trägt damit zu einer sicheren und

sinnvollen Verwertung dieser Stoffe bei und schont die

natürlichen Ressourcen Kalkstein und Mergel.

In der Schweiz gibt es rund 4000 Altlasten – mit Schadstoffen

belastete Flächen wie Industrie- und Gewerbestandorte

oder Unfallstellen. Solche verunreinigten

Böden sind gemäss Gesetz zu sanieren, weil sie über kurz

oder lang die Umwelt gefährden. Die Holcim Schweiz

kann dieses belastete Aushubmaterial als Teil der Rohmischung

verwerten. Aufgrund der sehr hohen Ofentemperatur

werden Schadstoffe rückstandsfrei zerstört. Dank

dieser Methode müssen jedes Jahr rund 100 000 Tonnen

verunreinigtes Erdreich weder deponiert noch einer

Sonderverwertung zugeführt werden.

Auch in der Betonherstellung schont Holcim Ressourcen.

So hat sie sich an der Société Romande de Recyclage

(SRREC) beteiligt, die Anfang 2010 bei Genf ihre Tore

öffnete. Die SRREC gewinnt Recycling-Gesteinskörnungen

aus Abbruchmaterial. Dadurch benötigt Holcim weniger

natürliche Rohstoffe – und gleichzeitig muss weniger Material

auf Deponien entsorgt werden. Die Anlage ist auf

die Produktion von jährlich rund 50 000 Tonnen Recyclingmaterial

ausgelegt.

Luftschadstoffe vermindern

Bei den hohen Temperaturen im Zementofen bilden sich

neben CO 2 auch Luftschadstoffe wie Stick- und Schwefeloxide

sowie Staub und Schwermetalle. Der Einsatz mo-

Abwärme gut genutzt

ÖKOLOGIE

In einem Zementofen herrschen konstant 1450 Grad Celsius

Hitze. Beim Brennprozess entsteht daher viel Abwärme

– zum einen direkt am Ofen, zum anderen beim Kühlen

des gebrannten Klinkers. Gelingt es, die freigesetzte

Wärme zurückzugewinnen und in Strom umzuwandeln,

trägt dies zu einer besseren Energieeffi zienz und Klimabilanz

des Werks bei.

Das Zementwerk Untervaz setzt nun als erstes Holcim

Werk der Welt ein neuartiges Verfahren zur Nutzung der

Abwärme ein. Das revolutionäre Rückgewinnungssystem

wird 2011 aufgebaut und nimmt 2012 den Betrieb auf.

Es wird jährlich rund 15 Gigawattstunden klimaneutrale

elektrische Energie erzeugen. Dies entspricht dem Stromverbrauch

von rund 2000 Schweizer Haushalten. Das

Zementwerk Untervaz kann damit bis 20 Prozent seines

gesamten Elektrizitätsbedarfs decken.

Abwärmenutzung ist nicht einfach. In einem üblichen

Verfahren wird mit der Abwärme Wasser verdampft und

mit dem Dampf eine Turbine angetrieben. Dies funktioniert

jedoch nur in sehr grossen Werken. Im Zementwerk

Untervaz entsteht indes nicht genügend Abwärme, um

mit Wasserdampf eine Turbine zu betreiben. Nicht zuletzt

auch deshalb, weil das Werk bereits früher Massnahmen

zur Steigerung der Energieeffi zienz traf.

Statt Wasser setzen die Ingenieure in Untervaz daher

eine Flüssigkeit mit tieferem Siedepunkt ein. So gelingt

es, auch mit weniger Abwärme die notwendige Dampfmenge

zu erzeugen, die für den Betrieb einer Turbine

erforderlich ist. Die hochmoderne Technologie stammt

von der ABB.

Die Investition für die Wärmerückgewinnungsanlage

beträgt 13 Millionen Franken. Weil der innovative Ansatz

von anderen Werken übernommen werden könnte, wird

das Pionierprojekt von einem Spezialfonds des Mutterhauses

fi nanziert. Der von Holcim Ltd mit jährlich

100 Millionen Franken gespiesene Fonds fördert weltweit

Projekte, welche die Energieeffi zienz verbessern.

Nachhaltigkeitsbericht

33


2-Emissionen Energieverbrauch Kies Kies SO2-Emissionen Kies NOx Emissionen Kies Energieverbrauch Z

BETONHERSTELLUNG

Anlieferung

Kies und Sand – die

Gesteinskörnung –

werden per Bahn,

Lastwagen oder

Schiff angeliefert.

Zwischenlagerung

Die einzelnen

Korngruppen

(vom Feinsand bis

zum groben Kies)

werden getrennt

gelagert.

Förderband

Die Gesteinskörnung

wird in die

Silos befördert.

Zementsilos

Je nach gewünschtem

Beton gelangt

der dafür optimale

Zement zur Verwendung.

Kies- und Sandsilos

Die Korngruppen

werden in getrennten

Silos aufbewahrt.

Mischer

Die einzelnen

Bestandteile des

Betons werden

in vorgegebener

Reihenfolge miteinander

vermischt.

WASSERVERBRAUCH BETON [l/m

Logistik

Wasser und Zusatz-

Fahrmischer bringen

den Frischbeton

mittel

Aus der Wasserver-

termingerecht zum sorgung oder aus

Verwendungsort. werkseigenen Tanks

werden Wasser und

Zusatzmittel zugeführt.

3 PROZESSENERGIE BETON [MJ/m ]

3 2-Emissionen Energieverbrauch Beton Beton Wasserverbrauch SO2-Emissionen Beton Beton

]

sionen SO2-Emissionen Kies SO2-Emissionen Kies Kies NOx Emissionen NOx Emissionen Kies NOx Emissionen Kies Kies

NOx Emissionen Beton Staubemissionen

CO2-Emissionen CO2-Emissionen Kies CO2-Emissionen Kies Kies

02-04 05-07 2008 2009 2010

02-04 05-07 2008 2009 2010

35,5

31,6

32,1

Energie verbraucht die Betonproduktion vor

allem durch die notwendige Silobeheizung

bei kalten Aussentemperaturen. Der Energieverbrauch

pro Kubikmeter Beton lag in den

letzten drei Jahren auf dem gleichen Niveau

wie in der vorigen Berichtsperiode.

SO2-EMISSIONEN BETON [g/m3 ] NOX-EMISSIONEN BETON [g/m3 ] CO2-EMISSIONEN BETON [g/m3 SO2-Emissionen ionen Beton SO2-Emissionen Beton Beton NOx Emissionen NOx Emissionen Beton NOx Emissionen Beton Beton CO2-Emissionen CO2-Emissionen Beton CO2-Emissionen Beton Beton Wasserverbra Was

]

Bahnanteil Zeme

Schwefeldioxid-Emissionen entstehen

vor allem bei der (witterungsabhängigen)

Silobeheizung und durch die Transporte.

Der Rückgang lässt sich durch vermehrten

Einsatz von Erdgas statt Erdöl erklären.

34 Nachhaltigkeitsbericht

33,0

31,7

02-04 05-07 2008 2009 2010

0,20

0,19

0,20

0,15

0,11

168

149

130

108

166

Der Wasserverbrauch stieg 2010 erstmals

wieder an. Ob es sich dabei um einen einmaligen

Effekt oder um eine Trendumkehr

handelt, liess sich zum Zeitpunkt der Berichtslegung

nicht eruieren.

02-04 05-07 2008 2009 2010

4,8

3,9

3,9

3,4

2,7

Stickoxide entstehen bei der Verbrennung

von Treib- und Brennstoffen. Der Rückgang

lässt sich durch vermehrten Einsatz von

Erdgas statt Erdöl und durch ausgelagerte

Transporte erklären, die nicht in der Statistik

erscheinen.

Die Zahlen beinhalten: Kieshaltung, interne

Transporte, Betonproduktion. Nicht berücksichtigt

sind sämtliche externen Transporte

und Büromaterial.

02-04 05-07 2008 2009 2010

609

551

568

454

336

Auch CO 2-Emissionen entstehen vor allem

durch die notwendige Beheizung der Silos

bei kalten Aussentemperaturen und bei den

Transporten. Der Rückgang ist teilweise

durch vermehrte externe Transporte zu

erklären.


derner Filteranlagen oder die Zugabe von Harnstoff oder

Ammoniak zu den Abgasen verhindern weitgehend, dass

diese Schadstoffe in die Umwelt gelangen. Holcim überprüft

permanent, ob die Öfen alle Grenzwerte einhalten,

und ergreift wenn nötig Massnahmen zur Verbesserung.

Die Holcim Schweiz und die anderen Zementhersteller

des Landes hatten 1998 mit den Behörden der Standortkantone

die erste Branchenvereinbarung der Schweiz

zur Verminderung des Ausstosses von Stickoxiden (NO x)

abgeschlossen. Die Vorgabe war, die NO x-Emissionen bis

2009 um insgesamt 20 Prozent zu reduzieren. Die Zementhersteller

erreichten dieses Ziel früher als erwartet

und verlängerten 2006 die Branchenvereinbarung mit

weitergehenden Reduktionszielen bis 2015. Auf nationaler

Ebene wird die neue Vereinbarung den NO x-Ausstoss

zusätzlich um rund zehn Prozent gegenüber dem früheren

Abkommen senken.

Konkret verpflichtete sich die schweizerische Zementindustrie

auch zur Einhaltung zweier Emissionsgrenzwerte:

Der erste gilt für die einzelnen Zementwerke und

beträgt 500 Milligramm NO x pro Kubikmeter. Beim zweiten

Grenzwert von 450 Milligramm NO x pro Kubikmeter

handelt es sich um einen nationalen Durchschnittswert,

den die Branche einzuhalten hat. Auch dank dieser neuen

Grenzwerte gehören die Schweizer Zementwerke zu den

saubersten der Welt.

Umweltschonende Betonproduktion

Nicht nur die Zementproduktion ist umweltrelevant. Um

einen Kubikmeter Beton herzustellen, braucht es neben

1,4 Tonnen Kies, 600 Kilogramm Sand und 300 Kilogramm

Zement rund 150 Liter Wasser. Die meisten

Betonwerke verfügen mittlerweile über einen geschlossenen

Wasserkreislauf, mit dem das Restwasser wieder

für die Produktion nutzbar gemacht wird. So konnte die

Holcim Schweiz den Wasserbedarf pro Kubikmeter Beton

während der vergangenen Jahre mit Ausnahme von 2010

kontinuierlich senken.

Im Vergleich mit dem Zement hat die Betonproduktion

wesentlich geringere Auswirkungen auf die Umwelt.

Holcim versieht rund die Hälfte aller Betonmischungen

mit chemischen Zusatzstoffen, um bestimmte Eigenschaften

wie zum Beispiel ein schnelleres Aushärten zu

erzielen. Bei diesen Zusatzstoffen achtet Holcim darauf,

nur Zusatzmittel einzusetzen, die das Umwelt-Gütesiegel

des Fachverbandes Schweizerischer Hersteller von Betonzusatzmitteln

(FSHBZ) tragen. Diese sind für Mensch

und Umwelt unbedenklich. Die Betonherstellung hat ansonsten

kaum negative Folgen für die Umwelt. Deshalb

liegen weitergehende Sparmöglichkeiten vor allem beim

Transport des Materials.

Vom Kiesabbau zur Naturoase

ÖKOLOGIE

Die erfolgreiche Renaturierung des Hardgebiets beim

Zementwerk Siggenthal beweist, dass Wirtschaft und

Natur keine Gegensätze bilden, sondern sich ideal ergänzen

können. Bis Ende der 1990er-Jahre baute die Holcim

Schweiz im 2,5 Hektar grossen Gelände Kies ab. Dank

der rücksichtsvollen Nutzung war das Gebiet bereits

in dieser Zeit ein vielfältiger Lebensraum für Pflanzen

und Tiere. Nach der Stilllegung des Werks hat Holcim

zwischen 2003 und 2008 aus dem ehemaligen Abbaugebiet

eine eigentliche Naturoase geschaffen – in enger

Zusammenarbeit mit der zuständigen Gemeinde und

Umweltorganisationen.

Ziel der Renaturierung war, die bestehende Naturvielfalt

zu erhalten und sogar noch zu erhöhen. Dazu wurden

einerseits trockene, kiesige Bereiche und andererseits

lehmige Flächen mit Kleingewässern geschaffen. Zum

Auffüllen des ehemaligen Kiesabbaugebiets verwendeten

die Landschaftsarchitekten Erdreich aus dem Tunnel

von Ennetbaden. Sie füllten das Areal drei Meter über die

ursprüngliche Terrainhöhe auf, um die Fauna vor Scheinwerferlicht,

Verkehrslärm und Hunden zu schützen.

Damit die Tiere ungestört bleiben, werden Spaziergänger

auf einem Gehweg um das Areal herumgeführt. Besucherinnen

und Besucher können das Naturschutzgebiet über

einen markierten Feldweg betreten, wo ihnen Informationstafeln

Auskunft über die Tierarten, die Bodenbeschaffenheit

und die Pflege des Naturschutzgebietes geben.

Nach Abschluss der Renaturierung hat die Holcim

Schweiz das Gebiet an die Ortsbürgergemeinde Untersiggenthal

zurückgegeben. Damit ist das Kapitel der Kiesnutzung

im Hard abgeschlossen – und die Natur kann

sich wieder entfalten: Heute brütet hier der Flussregenpfeifer,

eine höchst selten gewordene Vogelart. Kreuzkröten,

Geburtshelferkröten und Gelbbauchunken vermehren

sich. All diese Tiere stehen auf den Roten Listen der

gefährdeten Arten der Schweiz. Der Kanton Aargau hat

die ehemalige Kiesabbaustätte daher zum Amphibienlaichgebiet

von kantonaler Bedeutung erklärt.

Nachhaltigkeitsbericht

35


auch rgieverbrauch Zement Energieverbrauch Zement Zement Alternative Alternative Brennstoffe Alternative Brennstoffe Brennstoffe CO2-Emissionen CO2-Emissionen CO2-Emissionen

Transporte mit Partikelfiltern

Bei Massengütern wie Zement, Sand, Kies und Beton

macht der Transport rund einen Drittel der gesamten

Kosten und einen bedeutenden Teil der Umweltbelastung

aus. Holcim optimiert deshalb die Transportlogistik seit

Jahren kontinuierlich. Lastwagen fahren wenn möglich

nur auf den letzten Kilometern zum Endverbraucher,

ansonsten setzt Holcim auf den Schienentransport. Rund

die Hälfte aller Zementtransporte erfolgen per Bahn oder

kombinierten Verkehr. Auch der gebrannte Schiefer für

den Zement Optimo kommt auf dem Schienenweg aus

Süddeutschland in die Schweizer Zementwerke Untervaz

und Eclépens. In Siggenthal soll die Infrastruktur für den

Bahntransport in den nächsten drei Jahren bereitgestellt

werden.

Im Jahr 2010 setzte die Holcim Schweiz rund 7 Millionen

Tonnen Kies, Sand und Schotter um. Wo möglich

transportiert das Unternehmen auch diese Güter auf der

Schiene – jede siebte Tonne verlässt das Werk per Bahn.

Viele Werke verfügen über einen eigenen Gleisanschluss.

Über diesen wird nicht nur Kies abtransportiert, sondern

auch Aushubmaterial zum Auffüllen der Abbaugebiete

angeliefert. Holcim ist deshalb einer der grössten

Güterkunden der SBB Cargo und der Rhätischen Bahn.

Die Holcim Schweiz nutzt auch den Wasserweg: Auf dem

Rhein liefern zwei Frachtschiffe Kies aus dem Elsass an

das Betonwerk in Birsfelden (BL). Eine einzige Schiffsladung

ersetzt rund 60 Lastwagenfahrten.

Der Fuhrpark von Holcim teilt sich auf in Strassenfahrzeuge

und Baumaschinen. Zu den letzteren gehören

insgesamt rund 230 Bagger, Bulldozer, Dumper und

Transportlader. Sie sorgen in den Steinbrüchen und

Kiesabbaugebieten für einen effizienten Abbau des

Gesteins. Bei der Neuanschaffung von Baumaschinen ist

ein Partikelfilter seit 2005 Pflicht. Zudem rüstet Holcim

ältere Fahrzeuge mit Dieselpartikelfiltern nach: In der

ersten Phase wurden alle Baumaschinen mit mindestens

800 Stunden Jahresbetriebsdauer umgebaut. Danach

erhielten auch die meisten Offroad-Fahrzeuge mit

mehr als 400 Jahresbetriebsstunden einen Partikelfilter.

Maschinen, die weniger zum Einsatz kommen, rüstet das

Unternehmen nach, wenn die Einsparung an Emissionen

den beträchtlichen Umbauaufwand rechtfertigt.

Die Auslieferung der fertigen Produkte geschieht neben

der Bahn mit Strassenfahrzeugen wie Betonfahrmischern

und Zementsilofahrzeugen. Diese fahren Zement, Kies

und Beton zu den Baustellen. Praktisch alle Fahrten von

Betonfahrmischern sind kürzer als 20 Kilometer. Sämtliche

der 277 firmeneigenen Strassentransportfahrzeuge

erfüllen beim Schadstoffausstoss mindestens die Euro-

Norm 3, die meisten sogar die strengere Euro-Norm 5.

Zudem achtet Holcim bei jeder Neuanschaffung darauf,

dass die neusten Techniken zur Schadstoffverminderung

zum Einsatz kommen und sämtliche europäischen Vorschriften

eingehalten werden.

ionen aubemissionen Zement Staubemissionen Zement Zement SO2 Emissionen SO2 Emissionen Zement SO2 Emissionen Zement ZementNOx Emissionen NOx Emissionen Zement NOx Emissionen Zement Zement

Die Holcim Chauffeure wissen, wie man beim Fahren den

Treibstoffverbrauch tief halten kann, denn sie haben alle

einen Kurs im ökologischen Fahren absolviert. Sie fahren

demnach im optimalen Drehbereich und kontrollieren

regelmässig den Reifendruck der 40 Zement-Lastwagen,

um den Rollwiderstand zu minimieren. Den grössten

Teil der Zement-Strassentransporte wickeln allerdings

rund 30 Partnerunternehmen mit 170 Lkws und etwa

340 Chauffeuren ab. Auch bei diesen überprüft die

Holcim Schweiz mit regelmässigen, unangemeldeten

Kontrollen die Einhaltung der internen Sicherheits- und

Umweltweisungen.

BAHNANTEIL

DIESELVERBRAUCH

BENZINVERBRAUCH

l ahnanteil Zement Bahnanteil Zement Zement Dieselverbrauch Dieselverbrauch Kies&Beton Dieselverbrauch Kies&Beton Kies&Beton Benzinverbrauch Benzinverbrauch Kies&Beton Benzinverbrauch Kies&Beton Kies&Beton

ZEMENTSPEDITION [%]

KIES UND BETON [Mio. l]

KIES UND BETON [Tausend l]

02-04 05-07 2008 2009 2010

57

55

54

Der Bahnanteil bei den Zementlieferungen

hat in den letzten Jahren etwas abgenommen.

Mit einer Transportleistung von jährlich

rund 300 Millionen Tonnenkilometern bekennt

sich die Holcim Schweiz weiterhin zur

Bahn. Weniger als die Hälfte der Lieferungen

erfolgt per Lkw.

36 Nachhaltigkeitsbericht

53

52

02-04 05-07 2008 2009 2010

2,72

2,57

2,44

2,93

2,88

Der Dieselverbrauch der Sparte Kies und

Beton ist durch die unterschiedliche Abbautätigkeit

erheblichen Schwankungen

unterworfen. Dies betrifft vor allem die

Abdeck ungen und die Wiederauffüllung

der Kiesgruben, die nicht jedes Jahr im

gleichen Umfang erfolgen.

02-04 05-07 2008 2009 2010

56,2

33,1

35,2

21,2

10,4

Der Benzinverbrauch der Sparte Kies und

Beton ist zurückgegangen. Zum einen ist

dies auf betriebliche Gründe (geringere

Fahrdistanzen und Beauftragung von externen

Unternehmen) zurückzuführen. Zum

anderen wurden Benzinfahrzeuge durch

dieselbetriebene ersetzt.


Innerhalb des Werksgeländes braucht es für Transporte

nicht immer Motorfahrzeuge. Es gibt andere Möglichkeiten,

grosse Mengen an Material mit geringem Energieverbrauch

zu verschieben. In Siggenthal etwa wird das

Rohmaterial auf einem knapp vier Kilometer langen,

zweiteiligen Förderband vom Steinbruch zum Werk

transportiert. Das obere Band liefert dabei beinahe so

viel Bremsenergie, wie das untere Band zum Antrieb

benötigt. Auch im Kieswerk Hüntwangen macht seit

2008 eine neue Förderanlage Transporte mit dem

Dumper unnötig.

Die Holcim Schweiz versucht weitere Sparmöglichkeiten

in der Logistik zu nutzen. So beim Papierverbrauch: In

der Berichtsperiode hat das Unternehmen die Zementlogistik

auf ein neues, webbasiertes System umgestellt.

Dieses System koordiniert die Zusammenarbeit zwischen

Kunden, Auftragsmanagement, Transporteuren und

Chauffeuren in Echtzeit. Bisher mussten von den Zementbestellungen

bis zur Auslieferung diverse Faxnachrichten

verschickt und Telefongespräche geführt werden. Heute

kann der Kunde im Internet bestellen. Ein kleiner, aber

konkreter Beitrag zum Umweltschutz.

Kies- und Zementwerke entstaubt

Staubentwicklung ist eine Begleiterscheinung, welche

die Zement- und Kiesproduktion mit sich bringt. Holcim

arbei tet seit Jahren erfolgreich an Strategien zur Verminderung

von Staubemissionen – sei es beim Abbau oder

bei der Zerkleinerung des Rohgesteins, bei der Verarbeitung

im Zementofen oder auf unbefestigten Transportpisten

im Sommer.

Die Zementwerke konnten dank Filtern ihre Staubabgabe

während der Berichtsperiode markant reduzieren: Die

durchschnittliche Staubkonzentration in der Kaminabluft

sank von früher rund 9 auf 2 Milligramm pro Kubikmeter.

Im Aussenbereich mancher Kiesabbaugebiete berieseln

zudem fest installierte Anlagen im Sommer die exponierten

Verkehrswege mit Wasser. Abrollstrecken auf dem

Werkareal und Radwaschanlagen verhindern, dass Staub

aus den Werken auf öffentliche Strassen gelangt. Damit

Mitarbeitende nicht in staubigen Räumen arbeiten

müssen, verfügen überdies zahlreiche Kieswerke über

Entstaubungsanlagen, die den Staub ansaugen und

abführen.

Im Kampf gegen den Staub schloss sich die Holcim

Schweiz einer europäischen Initiative des Mutterkonzerns

an und liess während der Berichtsperiode Arbeitsplätze

in Kies- und Zementwerken auf lungengängigen

Feinstaub untersuchen. Personen- und arbeitsplatzbezogene

Messungen sollten zeigen, ob die gesetzlichen und

die strengeren internen Richtwerte eingehalten werden.

Die Überprüfung ergab in den allermeisten Fällen

Entwarnung. An jenen wenigen Stellen, wo Überschreitungen

vorkamen, wurden technische oder betriebliche

Massnahmen eingeleitet.

Sanfte Sprengungen

ÖKOLOGIE

Zementwerke finden sich immer an Lagen mit günstigen

geologischen Voraussetzungen – so auch die Schweizer

Holcim Werke Eclépens, Siggenthal und Untervaz. Um

jedoch das Rohmaterial aus dem Fels herauszubrechen,

sind Sprengungen notwendig, die Lärm und Erschütterungen

verursachen.

Der Einsatz hochmoderner Techniken ermöglichte es

in den letzten Jahren, die Stärke der Erschütterungen

wesent lich zu vermindern. Durch die Verwendung neuer

Sprengstoffe und Zündmittel liess sich darüber hinaus

auch die Zahl der Sprengungen um etwa ein Drittel

reduzieren. Holcim misst rund um die Zementwerke

Siggenthal und Eclépens permanent die Erschütterungen

im bewohnten Gebiet und macht die Resultate öffentlich.

Um weitere Optimierungsmöglichkeiten zu eruieren,

gab Holcim im Jahr 2010 für das Werk Siggenthal eine

Studie beim Lehrstuhl für Bergbaukunde, Bergtechnik

und Bergwirtschaft der Montanuniversität im österreichischen

Leoben in Auftrag. Die Experten stellten fest,

dass die rund 40 Sprengungen pro Jahr fachlich einwandfrei

durchgeführt werden und die Erschütterungswerte

in den Anliegergemeinden weit unter den gesetzlichen

Richtwerten liegen. Zulässig wäre ein Wert von 3 Millimetern

pro Sekunde, effektiv gemessen wurde im Durchschnitt

bloss 1 Millimeter.

Die Fachleute installierten im ganzen Umfeld des Steinbruchs

bis hin zu den umliegenden Gemeinden Sensoren

und massen die Sprengvibrationen. Die eigenen Messungen

der Universität bestätigten die Messungen des

Zementwerks. Die Wissenschaftler kamen zum Schluss,

dass die Erschütterungswerte nun in einem so tiefen

Bereich liegen, dass eine Änderung der Sprengtechnik in

naher Zukunft keine erkennbare Verbesserung mehr bringen

kann. Nichtsdestotrotz arbeitet Holcim permanent

an Optimierungen. Auch wenn sich Erschütterungen und

Lärm im Steinbruch nie ganz vermeiden lassen – das Ziel

bleibt, die Anwohnenden so wenig wie möglich zu stören.

Nachhaltigkeitsbericht

37


So haben einige Werke neue Entstaubungsanlagen in Betrieb

genommen oder bestehende erweitert. Im Kieswerk

Hüntwangen wurde beispielsweise im August 2009 eine

imposante Anlage installiert, die 210 000 Kubikmeter

Luft pro Stunde reinigt. Neue Messungen ergaben einen

Restgehalt von 1 Milligramm Staub pro Kubikmeter Luft –

deutlich weniger als der vom Gesetz vorgeschriebene Wert.

In anderen Werken werden nach Abschluss der Massnahmen

im Jahr 2011 Nachmessungen durchgeführt.

Steinbrüche und Kieswerke sind Lebensräume

Der Abbau von Kies und Gestein hinterlässt Spuren in der

Landschaft. Die Abbaugebiete bieten jedoch gleichzeitig

wertvolle ökologische Nischen. Pionierpflanzen können

Geröllflächen besiedeln, die anfangs brach liegen. Auch

Tiere profitieren: So lebte die Kreuzkröte früher entlang

von Flüssen, wo es Kiesflächen im Uferbereich gab. Heute

sind viele Bachläufe verbaut, weshalb Kiesgruben zu

Ersatzlebensräumen werden. Die Holcim Schweiz freut

sich über die Gäste und versucht, die Betriebsabläufe so

einzurichten, dass sich die Tiere und Pflanzen ausbreiten

können. Mit Erfolg: Fünf Kiesabbaugebiete der Holcim

Schweiz fanden sogar als Wanderobjekte Aufnahme ins

Bundesinventar der Amphibiengebiete von nationaler

Bedeutung.

Jedes Jahr ergreifen die Werke unzählige Mass nahmen

für die Natur. Einige Beispiele: Kieswerke, etwa in

Mülligen (AG), legen periodische Tümpel an, die je nach

Abbautätigkeit verschoben werden. In Oberdorf (NW)

führten Spezialisten im Frühjahr 2007 ein Amphibienmonitoring

durch, um einen idealen Lebensraum für

Erdkröten, Fadenmolche, Grasfrösche und andere Arten

zu schaffen. Das Monitoring wird mit Unterstützung

der Holcim Schweiz im Jahr 2011 wiederholt. In Kehrsiten

(NW) organisieren Amphibienfreunde jedes Jahr

ein gefahrloses Überqueren der Kehrsitenstrasse für

Erdkröten. Sie stellen Zäune auf und bringen die Kröten

auf ihrer Laichwanderung sicher auf die andere Strassenseite.

Holcim unterstützt dieses Engagement seit

Jahren mit einem finanziellen Beitrag. In Kirchberg (SG)

wurden durch den Kiesabbau steile und unzugängliche

Lehmwände freigelegt – ideale Nistplätze für die seltene

Uferschwalbe. Im Sommer 2010 bauten sich dort rund

30 Brutpaare ihre Nisthöhlen.

Eine neue Herausforderung stellen dagegen die sogenannten

Neophyten dar: Pflanzen, die nicht in der

Schweiz heimisch sind und sich hier sehr schnell

ausbreiten. Oft sind es Zierpflanzen wie zum Beispiel

Sommerflieder, Goldrute, Japanknöterich oder Riesenbärenklau,

die sich aus Gärten versamen und Brachflächen

besiedeln, wie es Kiesabbaugebiete häufig

sind. Viele einheimi sche Pflanzen können sich gegen

die schnell wachsende Konkurrenz kaum behaupten.

An vielen Standorten bekämpft Holcim die Neophyten

deshalb gezielt, sei es durch Abbrennen, Aufschütten

oder Ausreissaktionen. Dieses Engagement ist eines

38 Nachhaltigkeitsbericht

der Kriterien zur Verleihung des Qualitätslabels der

Stiftung Natur & Wirtschaft. Das Zertifikat für naturnah

gestaltete Firmengelände, das 8 Kiesabbaustellen der

Holcim Schweiz erlangt haben, ist für das Unternehmen

Auszeichnung und Verpflichtung zugleich.

Zum Schluss der Abbautätigkeit ist eine Renaturierung

der Flächen für Holcim eine Selbstverständlichkeit. Die

Werke füllen sämtliche der über 30 Kiesabbaustellen in

der Schweiz in der Regel zu etwa zwei Dritteln wieder mit

Aushubmaterial von Tagbaustellen und Tunnels auf. Das

Aushubmaterial wird durch ein neutrales Labor zuvor auf

Schwermetalle wie Blei, Zink oder Kadmium untersucht.

Nach der Auffüllung werden die betroffenen Stellen

entweder renaturiert oder für die landwirtschaftliche

Nutzung rekultiviert. Holcim betrachtet Umweltmassnahmen

als integralen Teil ihrer Abbautätigkeit und

arbeitet dabei eng mit Naturschutzorganisationen wie

WWF oder Pro Natura zusammen. Oft werden ehe malige

Kies abbaugebiete und Steinbrüche so zu wertvollen

Lebensräumen, die eine ausserordentliche Tier- und

Pflanzenvielfalt beheimaten (siehe auch Seite 35).


UMWELTDATEN

Nachstehend finden sich detaillierte Angaben zu allen

Zementstandorten der Holcim Schweiz. Da es den

Rahmen des Berichts sprengen würde, sämtliche Kies-

und Betonwerke abzubilden, ist jeweils beispielhaft

ein Werk aufgeführt.

Nachhaltigkeitsbericht

39


Zementwerk Eclépens

Das Zementwerk Eclépens, zwischen Neuenburger- und Genfersee gelegen,

ist seit 1953 in Betrieb. Der wichtigste Standort von Holcim in der Westschweiz

beschäftigt rund 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jährlich

etwa 800 000 Tonnen Zement produzieren. Erfahrung und modernste Technik

machen das Werk zu einem Vorreiter in der Zementproduktion.

Die Rohstoffe für die Zementproduktion gewinnt das Zementwerk in zwei

Steinbrüchen – am «Hausberg» Mormont baut es Kalkstein ab, am Hang auf

der gegenüberliegenden Talseite Tonmergel. 2006 kamen im Steinbruch Mormont

keltische Relikte zum Vorschein. Seither finden auf dem Gelände immer

wieder Grabungen von Fachleuten statt. Die Archäologen entdeckten über

300 Opfergruben – mit Knochen, Werkzeugen, Gefässen und Schmuck aus der

Zeit 100 Jahre vor Christus. 2009 lief die bereits vierte Ausgrabungsetappe an.

Das Zementwerk ist stolz auf die Funde und unterstützt die archäologischen

Arbeiten des Kantons logistisch und finanziell. Die Öffentlichkeit konnte so

viel Neues über das Leben der alten Helvetier erfahren.

Seit 2010 stellt Eclépens den umweltschonenden Zement Optimo her, der

auf gebranntem Schiefer basiert. Dafür hat Holcim in etliche neue Anlagen

investiert. Das Resultat: Das Werk Eclépens spart mit dem neuen Zement jedes

Jahr etwa gleich viel CO 2, wie 6000 Autos ausstossen. Der gebrannte und

gemah lene Schiefer kommt per Eisenbahn aus Süddeutschland nach Eclépens

und wird hier dem Zement zugefügt. Der Bahnanschluss dient aber auch dem

Vertrieb: Fast 60 Prozent des Zements verlassen Eclépens auf der Schiene.

Das Werk ist besonders auf die Reduktion der CO 2-Emissionen bedacht und

legt deshalb grossen Wert auf die Nutzung der Abwärme. Diese speist das

Werk in ein Fernwärmenetz ein und versorgt so rund 800 Haushalte, zwei

Paketzentralen der Post und ein Spital in den umliegenden Gemeinden mit

Wärme. Dank einer ausgeklügelten Technik kann die Abwärme sogar zur

Kühlung der Grossgebäude genutzt werden.

Führend ist Eclépens auch beim Einsatz alternativer Brennstoffe, welche die

CO 2-Bilanz weiter verbessern. Altreifen, Trockenklärschlamm, Lösungsmittel

oder Plastik decken 50 Prozent der thermischen Energie. Seit 2008 ist ein

sogenannter Vorkalzinator in Betrieb. Er heizt das Rohmehl mit der Abgaswärme

des Ofens auf, bevor es zum Brennen in den Drehrohrofen gelangt.

Der innovative Vorkalzinator hat den Einsatz von alternativen Brennstoffen

markant erhöht.

40 Nachhaltigkeitsbericht

ZEMENTPRODUKTION [1000 t]

Zementproduktion Schweiz Zementproduktion Eclépens

02-04 05-07 2008 2009 2010

609

655

688

754

Das Westschweizer Werk hat seine Zementproduktion

seit dem Einbau des Vorkalzinators

Mitte 2008 deutlich steigern können.

Bemerkungen zu den Zahlen

817

In die Energie- und Emissionsbetrachtungen

einbezogen sind Rohmaterialgewinnung,

interne Transporte sowie sämtliche Produktionsschritte.

Nicht einbezogen wurden

Büromaterial und externe Transporte (weder

An- noch Auslieferung). Der Bahnanteil

bezieht sich indes ausschliesslich auf die

externen Transporte.

Die Holcim Schweiz bilanziert Kohlendioxidwerte

nach dem international festgelegten

Protokoll des World Business Council for

Sustainable Development (WBCSD Cement

Sustainability Initiative, CO 2 Emissions Inventory

Protocol, Version 2.0). Die Gutschrift

für CO 2 stammt allein aus der Verwendung

von fossilen alternativen Brennstoffen und

aus der Abwärmenutzung. Alternative

Brennstoffe aus Biomasse wie Trockenklärschlamm

oder Tiermehl werden dabei nicht

berücksichtigt, weil sie CO 2-neutral sind; bei

ihrer Verbrennung entsteht genau gleich viel

CO 2, wie ihr Aufbau erfordert hat.

Der Wert von CO 2 thermisch berücksichtigt

gemäss GHG-Protokoll 59b keine Brennstoffe

aus Biomasse.

Alle Emissionen beziehen sich auf Norm

(1013 mbar, 0 °C), trocken und 10 % O 2.


In Eclépens bewegt sich der Netto-CO 2-Ausstoss

dank dem Einsatz von alternativen

Brennstoffen auf tiefem Niveau. Weil der

Markt für alternative Brennstoffe volatil ist,

kommt es zu jährlichen Schwankungen.

UMWELTDATEN

CO2-EMISSIONEN [kg/t]

SO2-EMISSIONEN [g/t]

NOX-EMISSIONEN [g/t]

CO2-Emissionen Zement Eclépens SO2 Emissionen CO2-Emissionen Zement Eclépens Zement NOx Siggenthal Emissionen SO2 Emissionen Zement CO2-Emissionen Eclépens Zement Siggenthal Zement NOx Untervaz Emission SO2

02-04 05-07 2008 2009 2010 02-04 05-07 2008 2009 2010 02-04 05-07 2008 2009 2010

554

596

579

596

577

Produktion und Verbrauch 2008 2009 2010

Zementproduktion [t] 687 853 753 795 817 360

Klinkerproduktion [t] 471 197 605 715 662 057

Klinker/Zement-Faktor [%] 82 81 79

Versand per Bahn [%] 59 60 55

Energie elektrisch [TJ] 277 273 287

Energie thermisch [TJ] 1 625 2 085 2 251

Energie total [TJ] 1 902 2 359 2 538

Energie spezifisch [MJ/t Zement] 3 211 3 150 3 038

Alternative Brennstoffe [%] 53 41 44

Alternatives Rohmaterial [t] 9 557 18 478 7 669

Die Schwefeldioxidemissionen sind in den

vergangenen Jahren erheblich angestiegen.

Grund dafür ist ein höherer Schwefelgehalt

in den Rohmaterialien. Die Grenzwerte

werden indes weiterhin eingehalten.

In Eclépens hat die Holcim Schweiz ähnlich

wie in Siggenthal zusätzliche Anstrengungen

unternommen, um die Stickoxidemissionen

mittels einer speziellen Anlage (SNCR) zu

verringern. Nach Einbau des Vorkalzinators

gab es Abstimmungsprobleme mit dieser

Anlage, worauf sich die Werte im Jahr 2009

vorübergehend erhöhten.

SO2 Emissionen Zement Eclépens SO2 Emissionen Zement Siggenthal SO2 Emissionen Zement Untervaz

NOx Emissionen Zement Eclépens

55

88

268

343

278

NOx Emissionen Zement Eclépens

802

762

Emissionen 2008 2009 2010

Staub [mg/m 3 Abluft] 9,7 4,8 0,2

Staub [t/a] 10 6 0,2

SO 2 [mg/m 3 Abluft] 181 198 155

SO 2 [t/a] 184 259 227

NO X [mg/m 3 Abluft] 423 512 409

NO X [t/a] 431 669 590

CO 2 thermisch [1000 t/a] 146 161 174

CO 2 geogen [1000 t/a] 325 329 360

CO 2 total brutto [1000 t/a] 471 490 534

NOx Emissionen Zement Siggenthal NOx Emissionen Zement Untervaz

Gutschrift [1000 t/a] 53 46 54

CO 2 total netto [1000 t/a] 418 445 480

CO 2 spezifisch netto [kg/t Zement] 579 596 577

626

888

721

NOx Emissionen Zement Siggenthal NO

Nachhaltigkeitsbericht

41


ZEMENTPRODUKTION [1000 t]

Zementproduktion Schweiz Zementproduktion Eclépens Zementproduktion Siggenthal

Zementwerk Siggenthal

Das Zementwerk Siggenthal ist seit fast 100 Jahren in Betrieb: Es begann

1912 mit der Zementproduktion und beschäftigt heute rund 110 Mitarbeitende.

Der Standort im Mittelland ist das grösste Werk der Holcim Schweiz,

es produziert jährlich rund eine Million Tonnen Zement. Mit zum Leistungsangebot

gehören ein profundes Know-how sowie technischer und logistischer

Support, auch durch das eigene Labor. Siggenthal verfügt zudem über

ein Fernwärmenetz, womit es in der Berichtsperiode rund 100 Haushalte

versorgte – dieses wird nun noch erweitert.

Die Rohstoffe Kalkstein und Mergel gewinnt das Werk im Steinbruch Gabenchopf.

Ein Förderband transportiert das gebrochene Rohmaterial ins Werk.

Die Mitarbeitenden achten auf einen schonenden Abbau des Gesteins – so

konnte die Anzahl der Sprengungen in den letzen Jahren reduziert werden.

Sowohl eigene wie auch unabhängige externe Messungen zeigen, dass die

Erschütterungen weit unterhalb der Normen liegen.

Seit Ende 2009 hat die Holcim Schweiz mehrere Millionen Franken in den

Standort Siggenthal investiert. Das Werk hat ein neues Silo gebaut, dazu diverse

Installationen und technische Applikationen. So ist es in der Lage, den umweltschonenden

neuen Zement Optimo auf der Basis von gebranntem Schiefer

herzustellen. Siggenthal erhält den gemahlenen Schiefer – wie Untervaz und

Eclépens – vom Schwesterwerk Dotternhausen in Süddeutschland und mischt

ihn dem Zement bei. Die Anlieferung nach Siggenthal erfolgt vorerst noch per

Lkw, soll aber bis 2013 auf die Schiene verlagert werden. Mit Holcim Optimo

spart Siggenthal pro Jahr gleich viel CO 2, wie 7500 Autos ausstossen.

Das Werk setzt auf die Verwendung von alternativen Brennstoffen und

Rohmaterialien. Alternative Brennstoffe wie Trockenklärschlamm, Altreifen,

Tiermehl, Plastik und Lösungsmittel decken über 35 Prozent der Wärmeenergie.

Um die Kunststoff-Logistik zu optimieren, entsteht neben dem Werk im

Jahr 2011 die Neue Plastrec AG, ein Joint Venture von Holcim mit Umweltdienstleistern

aus Deutschland und Österreich. Die neue Einrichtung kann

jährlich mehr als 30 000 Tonnen Kunststoff aus Industrie und Gewerbe für die

Zementherstellung aufbereiten. Die eine Hälfte verwendet das Zementwerk

Siggenthal, die andere das Holcim Werk in Untervaz.

Mit seiner Filtertechnik und dank dem eigenen Labor ist Siggenthal zudem in

der Lage, verunreinigtes Aushubmaterial zu verarbeiten. Die hohen Temperaturen

im Zementofen zerstören die Schadstoffe rückstandsfrei. Dank dieser

ökologischen Entsorgungsmethode landen jedes Jahr über 100 000 Tonnen

verunreinigte Böden weniger in Deponien.

42 Nachhaltigkeitsbericht

02-04 05-07 2008 2009 2010

771

841

948

993

Bemerkungen zu den Zahlen

1003

Das Werk in Siggenthal ist das leistungsfähigste

der Holcim Schweiz und konnte

seine Produktion in den vergangenen Jahren

dank der Ofenvergrösserung im Jahr 2007

weiter steigern.

In die Energie- und Emissionsbetrachtungen

einbezogen sind Rohmaterialgewinnung,

interne Transporte sowie sämtliche Produktionsschritte.

Nicht einbezogen wurden

Büromaterial und externe Transporte (weder

An- noch Auslieferung). Der Bahnanteil

bezieht sich indes ausschliesslich auf die

externen Transporte.

Die Holcim Schweiz bilanziert Kohlendioxidwerte

nach dem international festgelegten

Protokoll des World Business Council for

Sustainable Development (WBCSD Cement

Sustainability Initiative, CO 2 Emissions Inventory

Protocol, Version 2.0). Die Gutschrift

für CO 2 stammt allein aus der Verwendung

von fossilen alternativen Brennstoffen und

aus der Abwärmenutzung. Alternative

Brennstoffe aus Biomasse wie Trockenklärschlamm

oder Tiermehl werden dabei nicht

berücksichtigt, weil sie CO 2-neutral sind; bei

ihrer Verbrennung entsteht genau gleich viel

CO 2, wie ihr Aufbau erfordert hat.

Der Wert von CO 2 thermisch berücksichtigt

gemäss GHG-Protokoll 59b keine Brennstoffe

aus Biomasse.

Alle Emissionen beziehen sich auf Norm

(1013 mbar, 0 °C), trocken und 10 % O 2.


Produktion und Verbrauch 2008 2009 2010

Zementproduktion [t] 948 311 992 634 1 003 157

Klinkerproduktion [t] 740 254 767 607 775 149

Klinker/Zement-Faktor [%] 80 80 80

Versand per Bahn [%] 45 44 46

Energie elektrisch [TJ] 326 334 344

Energie thermisch [TJ] 2 461 2 535 2 562

Energie total [TJ] 2 787 2 869 2 906

Energie spezifisch [MJ/t Zement] 3 005 3 008 3 013

Alternative Brennstoffe [%] 37 33 40

Alternatives Rohmaterial [t] 102 439 117 945 116 576

Emissionen 2008 2009 2010

Staub [mg/m 3 Abluft] 5,8 0,9 0,8

Staub [t/a] 9 1,4 1,4

SO 2 [mg/m 3 Abluft] 14 0,9 1,1

SO 2 [t/a] 22 1,4 1,8

NO X [mg/m 3 Abluft] 499 497 499

NO X [t/a] 777 802 809

CO 2 thermisch [1000 t/a] 205 210 207

CO 2 geogen [1000 t/a] 405 419 423

CO 2 total brutto [1000 t/a] 610 629 630

Gutschrift [1000 t/a] 58 50 61

CO 2 total netto [1000 t/a] 552 579 569

CO 2 spezifisch netto [kg/t Zement] 593 599 587

UMWELTDATEN

CO2-EMISSIONEN [kg/t] SO2-EMISSIONEN [g/t] NOX-EMISSIONEN [g/t]

O2 Emissionen CO2-Emissionen Zement Eclépens Zement NOx Siggenthal Emissionen SO2 Emissionen Zement CO2-Emissionen Eclépens Zement Siggenthal Zement NOx Untervaz Emissionen SO2 Emissionen Zement Siggenthal Zement Untervaz NOx Emissione

02-04 05-07 2008 2009 2010 02-04 05-07 2008 2009 2010 02-04 05-07 2008 2009 2010

630

612

593

599

587

Die Kohlendioxidemissionen sind in den

vergangenen Jahren in Siggenthal leicht

gesunken. Ein wichtiger Grund dafür ist der

zusätzliche Einsatz von alternativen Brennstoffen

in diesem Werk. Die Grafik zeigt die

Netto-CO 2-Emissionen gemäss WBCSD-

Protokoll.

SO2 Emissionen Zement Siggenthal SO2 Emissionen Zement Untervaz

NOx Emissionen Zement Eclépens

12

21

NOx Emissionen Zement Siggenthal NOx Emissionen Zement Untervaz

NOx Emissionen Zement Siggenthal NOx Emissionen Zement Untervaz

23

1

2

Siggenthal ist weltweit das einzige Zementwerk

von Holcim mit einem Aktivkohlefilter.

Dank dieser Investition kann das Werk

Trockenklärschlamm und Erdreich aus Altlasten

gemäss den gesetzlichen Vorschriften

verwerten. Die Schwefeldioxidemissionen

bleiben dabei ausser ordentlich tief.

1257

1071

819

808

806

Das Werk Siggenthal verfügt über eine

Anlage zur Verminderung der Stickoxidemissionen

(SNCR). Damit kann es die Grenzwerte

einhalten und trägt zur Zielereichung der

Branchenvereinbarung mit dem Bund bei. Die

Emissionen sind in den vergangenen Jahren

entsprechend deutlich zurückgegangen.

Nachhaltigkeitsbericht

43


ZEMENTPRODUKTION [1000 t]

Zementproduktion Eclépens Zementproduktion Siggenthal Zementproduktion Untervaz

Zementwerk Untervaz

Im Zementwerk Untervaz arbeiten gut 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

aus der Region. Der Standort in Graubünden besteht seit 1957 und produziert

heute rund 800 000 Tonnen Zement pro Jahr. Neben den qualitativ hochwertigen

Baustoffen bietet das Werk die passende technische Unterstützung sowie

eine massgeschneiderte Logistik.

Kalkstein und Mergel werden durch Sprengung in den drei Steinbrüchen

Kleine Fenza, Grosse Fenza und Haselboden am Fusse des Calanda gewonnen.

Diese Abbaugebiete sichern die Rohstoffe für die nächsten 30 Jahre. Nach

dem Abbau transportieren Förderbänder das gebrochene Rohmaterial leise

und energieeffizient ins Werk.

Damit das Zementwerk Untervaz den CO 2-reduzierten Zement Optimo

herstellen kann, investierte Holcim in den letzten Jahren stark in neue

Anlagen. So entstand unter anderem ein neues Silo. Seit 2010 bringt nun ein

Blockzug mit 13 Waggons rund zweimal pro Woche gebrannten Schiefer aus

Süddeutschland nach Untervaz. Durch die Umstellung auf den umweltschonenden

Zement Optimo reduziert das Werk seine CO 2-Emissionen markant

und verbessert seine Klimabilanz. Untervaz spart pro Jahr so viel CO 2, wie

6000 Autos ausstossen.

Eine Vorreiterrolle bei der Reduktion der CO 2-Emissionen hatte das Zementwerk

Untervaz allerdings schon viel früher übernommen: Bereits seit mehr als

25 Jahren verwendet es alternative Brennstoffe wie Trockenklärschlamm und

Kunststoff zum Befeuern des Drehrohrofens. Solche klimaneutralen Brennstoffe

decken heute über 40 Prozent des Wärmebedarfs.

Die Bündner setzen zudem als erstes Holcim Werk der Welt ein pionierhaftes

Verfahren zur Nutzung der Abwärme ein (siehe Seite 33). Das neue Rückgewinnungssystem

wird 2011 eingebaut und kann 2012 den Vollbetrieb

aufnehmen. Dann erzeugt es jährlich rund 15 Gigawattstunden elektrischer

Energie – was bis 20 Prozent des Stromverbrauchs des Werks deckt. Einzigartig

in der Zementindustrie ist auch der Nasswäscher, der die Staub- und

Schwefeldioxidemissionen auf ein tiefes Niveau senkt.

Den ökologischen Leistungsausweis für das Werk Untervaz rundet der Bahntransport

ab. Rund 60 Prozent des ausgelieferten Zements verlassen das Werk

auf der Schiene.

44 Nachhaltigkeitsbericht

02-04 05-07 2008 2009 2010

892

1027

885

810

Bemerkungen zu den Zahlen

805

Untervaz produzierte von 2005 bis 2007

am meisten Zement aller Werke der Holcim

Schweiz. Inzwischen steigerten die beiden

anderen Werke ihre Produktion, so dass

Untervaz die Leistung drosseln und den

zweiten Ofen ausser Betrieb nehmen konnte.

In die Energie- und Emissionsbetrachtungen

einbezogen sind Rohmaterialgewinnung,

interne Transporte sowie sämtliche Produktionsschritte.

Nicht einbezogen wurden

Büromaterial und externe Transporte (weder

An- noch Auslieferung). Der Bahnanteil

bezieht sich indes ausschliesslich auf die

externen Transporte.

Die Holcim Schweiz bilanziert Kohlendioxidwerte

nach dem international festgelegten

Protokoll des World Business Council for

Sustainable Development (WBCSD Cement

Sustainability Initiative, CO 2 Emissions Inventory

Protocol, Version 2.0). Die Gutschrift

für CO 2 stammt allein aus der Verwendung

von fossilen alternativen Brennstoffen und

aus der Abwärmenutzung. Alternative

Brennstoffe aus Biomasse wie Trockenklärschlamm

oder Tiermehl werden dabei nicht

berücksichtigt, weil sie CO 2-neutral sind; bei

ihrer Verbrennung entsteht genau gleich viel

CO 2, wie ihr Aufbau erfordert hat.

Der Wert von CO 2 thermisch berücksichtigt

gemäss GHG-Protokoll 59b keine Brennstoffe

aus Biomasse.

Alle Emissionen beziehen sich auf Norm

(1013 mbar, 0 °C), trocken und 10 % O 2.


CO2-EMISSIONEN [kg/t] SO2-EMISSIONEN [g/t] NOX-EMISSIONEN [g/t]

ionen lO2 Emissionen Zement CO2-Emissionen Eclépens Zement Siggenthal Zement NOx Untervaz Emissionen SO2 Emissionen Zement Siggenthal Zement Untervaz NOx Emissionen Zement Untervaz

02-04 05-07 2008 2009 2010 02-04 05-07 2008 2009 2010 02-04 05-07 2008 2009 2010

634

655

642

l SO2 Emissionen Zement Untervaz

Produktion und Verbrauch 2008 2009 2010

Zementproduktion [t] 885 288 810 005 805 328

Klinkerproduktion [t] 745 220 700 002 610 091

Klinker/Zement-Faktor [%] 78 78 78

Versand per Bahn [%] 63 59 57

Energie elektrisch [TJ] 311 283 271

Energie thermisch [TJ] 2 613 2 388 2 128

Energie total [TJ] 2 924 2 671 2 399

Energie spezifisch [MJ/t Zement] 3074 2 984 3 075

Alternative Brennstoffe [%] 27 37 36

hal NOx Emissionen Zement Untervaz

614

609

Der CO 2-Ausstoss konnte in der Berichtsperiode

vermindert werden, da mehr

alternative Brennstoffe eingesetzt wurden.

Die Grafik zeigt die Netto-CO 2-Emissionen

gemäss WBCSD-Protokoll.

NOx Emissionen Zement Siggenthal NOx Emissionen Zement Untervaz

Alternatives Rohmaterial [t] 1 806 13 638 6 410

299

123

243

190

73

Der Schwefeldioxidausstoss im Werk

Untervaz unterliegt wegen des Roh materials

und prozessbedingter Faktoren grossen

Schwankungen, liegt aber weit unter den

gesetz lichen Grenzwerten.

635

639

Emissionen 2008 2009 2010

Staub [mg/m 3 Abluft] 7,2 6,1 4,7

Staub [t/a] 18 9 6,1

SO 2 [mg/m 3 Abluft] 88 100 45

SO 2 [t/a] 215 154 59

NO X [mg/m 3 Abluft] 351 396 398

NO X [t/a] 646 606 521

CO 2 thermisch [1000 t/a] 222 196 175

CO 2 geogen [1000 t/a] 415 390 343

CO 2 total brutto [1000 t/a] 637 586 518

Gutschrift [1000 t/a] 35 47 41

CO 2 total netto [1000 t/a] 602 540 477

CO 2 spezifisch netto [kg/t Zement] 642 614 609

729

748

646

Der Ausstoss von Stickoxiden unterliegt

prozessbedingten Schwankungen. Die

Grenzwerte wurden jederzeit eingehalten.

UMWELTDATEN

Nachhaltigkeitsbericht

45


Kieswerk Kirchberg

Das Kieswerk in Kirchberg ist seit 1963 in Betrieb und beschäftigt rund ein

Dutzend Mitarbeitende. Im Jahr 2000 hatte die Holcim Schweiz das Kieswerk

vorübergehend stillgelegt – um 2008 am selben Standort ein modernes Werk

in Betrieb zu nehmen, das hochwertige Zuschlagstoffe für die ganze Region

Ostschweiz produziert.

Holcim pflegte bei der Projektierung des Werks einen offenen Dialog mit Gemeinde

und Bevölkerung und ging bereits bei der Planung auf deren Anliegen

ein: Auf Wunsch der Gemeinde passte Holcim die Farbgebung und Giebeldächer

des Kieswerks der Umgebung an. So fügen sich die neuen Anlagen

harmonisch in die Landschaft ein – mit Dachformen, die den Scheunen der

umliegenden Höfe nachempfunden sind.

Das Abbaugebiet des Kieswerks Kirchberg liegt im Untertoggenburg. Es

erstreckt sich im Gebiet Riedenboden-Chalchbüel über rund 33 Hektaren.

Bagger und Pneulader tragen das Rohmaterial stufenweise aus der Wand ab,

bevor ein gut 1000 Meter langes Förderband es zu den Aufbereitungsanlagen

transportiert. Dort wird es vorgewaschen und veredelt. Das Kiesvorkommen

rund um Kirchberg lässt sich zu Sand, Kies und Splitt von bester Qualität aufbereiten.

Diese Rohstoffe können sowohl in der Beton- und Belagsproduktion

wie auch als Material für den Strassenbau verwendet werden.

Bei der Planung des neuen Werks war der sorgsame Umgang mit natürlichen

Ressourcen genauso wichtig wie ausreichende Produktionskapazitäten. Das

neue Werk in Kirchberg erhielt aus diesem Grund eine eigene Wasseraufbereitungsanlage.

Diese sammelt das Produktions- und Oberflächenwasser, reinigt

es und stellt es im geschlossenen Kreislauf zur Wiederverwendung bereit.

Wie bei all ihren Standorten sorgt die Holcim Schweiz bereits während des

Betriebs für die Wiederauffüllung und Renaturierung des Geländes nach

einem langfristig angelegten Konzept. Das Renaturierungsprojekt wurde in

Zusammenarbeit mit dem WWF erarbeitet, der den Kiesabbau ökologisch

begleitet. So entstehen in den genutzten Zonen hochwertige Biotope für Flora

und Fauna. Das Resultat: Das Kiesabbaugebiet ist als Amphibienlaichgebiet

von nationaler Bedeutung eingestuft.

46 Nachhaltigkeitsbericht

KIESPRODUKTION [1000 t]

Kiesproduktion Kirchberg

02-04 05-07 2008 2009 2010

NOCH NICHT IN BETRIEB

NOCH NICHT IN BETRIEB

60

383

Bemerkungen zu den Zahlen

556

Das Kieswerk nahm 2008 Ende den Betrieb

auf und steigerte seine Produktion kontinuierlich.

Das Werk ist mit einer Jahresproduktion

von einer halben Million Tonnen Kies

eines der grössten der Holcim Schweiz.

Die Schadstoff- und CO 2-Emissionen wurden

auf der Basis der Verbrauchsdaten der Treib-

und Brennstoffe hochgerechnet.

Berücksichtigt wurden: Abdeckung, Kiesabbau,

interne Transporte, Kiesaufbereitung,

Kieshaltung, Grubenauffüllung und Rekultivierung.

Nicht berücksichtigt sind sämtliche

externen Transporte und Büromaterial.

Der Wasserverbrauch ist Schwankungen

unterworfen, da Kieswerke vielerorts Niederschlagswasser

verwenden. Auch existieren

bei Fluss- oder Grundwasserentnahmen

keine exakten Messungen, sondern es muss

aufgrund der Betriebsstunden der Pumpen

und der Pumpenleistung die Wassermenge

abgeschätzt werden. Die Schwankungen

des Wasserbedarfs sind zudem auf die

unterschiedlich intensive Reinigung der Lkws

zurückzuführen. Diese ist notwendig, damit

bei nasser Witterung die Strassen im Bereich

Aushub-Rückfuhren nicht verschmutzt

werden.


02-04 05-07 2008 2009 2010 02-04 05-07 2008 2009 2010 02-04 05-07 2008 2009 2010

NOCH NICHT IN BETRIEB

NOCH NICHT IN BETRIEB

Produktion und Verbrauch 2008 2009 2010

Kiesproduktion [t] 59 955 383 248 556 408

Energie elektrisch [kWh] 789 691 2 381 000 2 429 644

Diesel [l] 79 347 188 486 192 009

Benzin [l] 1 350 1 410 1 015

Heizöl [l] 21 387 7 800 46 300

Gas [m 3 ] 0 0 0

Prozessenergie [MJ/t Kies] 107 41 31

Wasserverbrauch [m 3 ] 21 875 69 971 74 139

Wasserverbrauch [l/t Kies] 365 183 133

NOCH NICHT IN BETRIEB

NOCH NICHT IN BETRIEB

NOCH NICHT IN BETRIEB

NOCH NICHT IN BETRIEB

Emissionen 2008 2009 2010

SO 2 [g/t Kies] 1,48 0,36 0,37

SO 2 [kg/a] 88 137 204

NO X [g/t Kies] 33,7 12,3 8,8

NO X [kg/a] 2 020 4 720 4 873

CO 2 [kg/t Kies] 4,40 1,33 1, 11

CO 2 [t/a] 264 510 619

UMWELTDATEN

CO2-EMISSIONEN [kg/t] SO2-EMISSIONEN [g/t] NOX-EMISSIONEN [g/t]

ionen O2-Emissionen Kies CO2-Emissionen Kirchberg Kies Kirchberg Kies Kirchberg SO2-Emissionen SO2-Emissionen Kies SO2-Emissionen Kirchberg Kies Kirchberg Kies Kirchberg NOx-Emissionen NOx-Emissionen Kies NOx-Emissionen Kirchberg Kies Kirchberg Kies Kirchberg

4,40

1,33

1,11

Vor der Inbetriebnahme führte das Werk

zahlreiche Tests durch, ohne namhafte

Mengen zu produzieren. Daher fielen der

spezifische Energieverbrauch und damit

die CO 2-Emissionen im ersten Betriebsjahr

aussergewöhnlich hoch aus.

1,48

0,36

sionen CO2 Emissionen Beton CO2 Bussigny Emissionen Beton Bussigny Beton Bussigny SO2 Emissionen SO2 Emissionen Beton SO2 Bussigny Emissionen Beton Bussigny Beton Bussigny NOx Emissionen NOx Emissionen Beton NOx Bussigny Emissionen Beton Bussigny Beton Bussigny

0,37

Die Emissionen in Kieswerken stehen in

engem Zusammenhang mit dem Energieverbrauch

(Brenn- und Treibstoffe). Daher

fielen auch die spezifischen SO 2-Emissionen

im ersten Betriebsjahr besonders hoch aus.

33,7

12,3

8,8

Die Stickoxidemissionen liegen dank der modernen

Anlagen und Fahrzeuge im Kieswerk

Kirchberg auf tiefem Niveau. Die Anlaufphase

fiel jedoch auch hier stark ins Gewicht.

Nachhaltigkeitsbericht

47


BETONPRODUKTION [1000 m 3 ]

Kiesproduktion Kirchberg Betonproduktion Bussigny

Betonwerk Bussigny

Das Betonwerk in Bussigny ging 1999 in Betrieb und wurde Anfang 2004

von der Holcim Schweiz übernommen. Die sieben Mitarbeitenden im Werk,

darunter vier Chauffeure, produzieren und liefern rund 65 000 Kubikmeter

Beton pro Jahr an ihre Kundschaft im Kanton Waadt. Laufende technische

Optimierungen sorgen dafür, dass das Werk stets die höchsten ökologischen

Anforderungen erfüllt.

Das Herz der Anlage bildet ein Betonmischer, der über eine Produktionsleistung

von 75 Kubikmetern Beton pro Stunde verfügt. Gespiesen wird

der Mischer von acht Silos mit Zuschlagstoffen sowie sieben Zementsilos

und zehn Zusatzmittelbehältern. Spezielle Sonden der neusten Generation

überwachen den Feuchtigkeitsgehalt der Zuschlagstoffe und garantieren eine

hohe Produktequalität. Darüber hinaus verfügt das Werk über sieben grosse,

in den Boden versenkte Silos mit einem Gesamtfassungsvermögen von

1100 Tonnen, die eine staubfreie Lagerung von Sand und Kies sicherstellen.

Die Logistik folgt Ökologie- und Qualitätsansprüchen zugleich: Dank dem

computerbasierten Steuersystem und der damit verbundenen automatischen

Regulierung des Wasserkreislaufs können die Fahrmischer rasch beladen und

mit gleichbleibender Betonqualität versorgt werden. Die unlängst erfolgte

Zusammenlegung von Fahrzeugparks und Wartungsgarage führte zu eingesparten

Wegen von rund 40 000 Kilometern pro Jahr.

Der sorgsame Umgang mit Wasser ist essenziell: Ein 120 Kubikmeter grosses

Auffangbecken ermöglicht die direkte Wiederverwendung des Wassers, das

zum Auswaschen des Mischwerks und der Lastwagen benutzt wurde. Jüngste

Anpassungen an dieser Anlage erlauben es, jährlich 200 Tonnen Restschlamm

zu vermeiden, die vorher deponiert werden mussten.

Absetzbecken und Ölabscheider verhindern jegliche Verunreinigung von

Kanalisation und natürlichen Gewässern. Zudem sind sämtliche Lagerbehälter

für Stoffe wie Zusatzmittel und Öl mit Rückhaltewannen ausgestattet. Diese

Vorkehrungen garantieren, dass die Chemikalien selbst im Falle einer Störung

nicht in die Umwelt gelangen können.

48 Nachhaltigkeitsbericht

02-04 05-07 2008 2009 2010

KEINE DATEN VERFÜGBAR

70

60

60

Bemerkungen zu den Zahlen

66

Das Werk in Bussigny wurde 2004 von der

Holcim Schweiz übernommen. Es gehört zu

den mittelgrossen Betonanlagen und produziert

rund 60 000 Kubikmeter Beton pro Jahr.

Die Finanzkrise drückte in den Jahren 2008

und 2009 auf den Absatz.

Das Werk in Bussigny wurde 2004 von der

Holcim Schweiz übernommen. Daher sind

für die Berichtsperiode 2002–2004 keine

Daten verfügbar.

Die Schadstoff- und CO 2-Emissionen wurden

auf der Basis der Verbrauchsdaten der Treib-

und Brennstoffe hochgerechnet.

Berücksichtigt wurden Kieshaltung, interne

Transporte, Betonproduktion. Nicht berücksichtigt

sind sämtliche externen Transporte.

Bei Betonwerken ist der Heizölverbrauch für

die Siloheizung ein grosser Einflussfaktor.

Schwankungen der spezifischen Prozessenergie

sind zum grossen Teil auf klimatische

Bedingungen und auf die Auslastung der

Werke zurückzuführen.


CO2-EMISSIONEN [g/m3 ] SO2-EMISSIONEN [g/m3 ] NOX-EMISSIONEN [g/m3 ]

onen O2 Emissionen Beton CO2 Bussigny Emissionen Beton Bussigny Beton Bussigny SO2 Emissionen SO2 Emissionen Beton SO2 Bussigny Emissionen Beton Bussigny Beton Bussigny NOx Emissionen NOx Emissionen Beton NOx Bussigny Emissionen Beton Bussigny Beton Bussigny

02-04 05-07 2008 2009 2010 02-04 05-07 2008 2009 2010 02-04 05-07 2008 2009 2010

KEINE DATEN VERFÜGBAR

144

173

142

181

Bei Betonwerken hat der Heizölverbrauch

für die Siloheizung einen grossen Einfluss

auf Energieverbrauch und CO 2-Emissionen.

Diese sind daher stark witterungsabhängig.

Ebenso spielt die Auslastung eine Rolle. Eine

hohe Auslastung trägt in der Regel zu geringeren

spezifischen Emissionen bei.

Produktion und Verbrauch 2008 2009 2010

Betonproduktion [m 3 ] 59 577 59 427 66 239

Diesel [l] 450 250 350

Benzin [l] 0 0 0

Heizöl [l] 3 500 3 000 4 250

Gas [m 3 ] 0 0 0

Prozessenergie [MJ/m 3 Beton] 12,0 12,2 12,1

Wasserverbrauch [l/m 3 Beton] 103 108 103

KEINE DATEN VERFÜGBAR

0,09

0,10

0,09

0,11

SO 2-Emissionen stammen mehrheitlich aus

dem für die Siloheizung benötigten Heizöl.

Daher sind sie stark witterungsabhängig.

Warme Winter haben geringere Emissionen

zur Folge.

KEINE DATEN VERFÜGBAR

O,23

Emissionen 2008 2009 2010

SO 2 [g/m 3 Beton] 0,10 0,09 0,11

SO 2 [kg/a] 6,2 5,2 7,4

NO X [g/m 3 Beton] 0,29 0,19 0,24

NO X [kg/a] 17,2 11,3 16,0

CO 2 [g/m 3 Beton] 173 142 181

CO 2 [t/a] 10,3 8,5 12,0

0,29

0,19

0,24

Stickoxidemissionen stammen aus der

Silobeheizung sowie aus dem Verbrauch von

Treibstoffen wie Diesel und Benzin. Auch sie

hängen von Auslastung und Witterung ab,

allerdings in geringerem Ausmass.

UMWELTDATEN

Nachhaltigkeitsbericht

49


impressum

Produktion: Locher, Schmill, Van Wezemael & Partner AG,

Basel, www.comm-care.ch

Fotos: Alain Bucher, Bern (Titel, Kapiteltitel, Porträts),

Bildarchiv Holcim Schweiz (restliche Bilder)

Druck: klimaneutraler Druck durch Druckerei Feldegg AG,

Schwerzenbach

Papier: das Papier besteht aus 60 Prozent FSC-zertifi -

zierten Recyclingfasern und 40 Prozent FSC-zertifi zierten

Zellstoffen.

Sprachversionen: Dieser Bericht ist in Deutsch, Französisch

und Italienisch verfügbar. Massgeblich ist die

deutsche Sprachfassung.


Holcim (Schweiz) AG

Communications

Hagenholzstrasse 83

Postfach

8050 Zürich

Schweiz

Telefon +41 58 850 68 48

Telefax +41 58 850 68 33

communications-ch@holcim.com

www.holcim.ch

05/11

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine