Geschichte der italienischen Literatur

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Geschichte der italienischen Literatur

gortfe^ung ber Iprifd^en 5Dtd^tung in 2J?itteIttalten. 89

gebot. (Sein ©tonbpunft voax nun gänjlid^ geönbert; bie Siebe,

bic er gepriefen liatte, fd^mäl^te er je^t auf ba§ ^eftigfte unb pries

ftatt iiirer allein bie n)Qt)re Siebe §u ©ott. 9^unmel^r leugnet er,

ha^ 9)?inne ^repc^feit gebe; eä fei anä) nii^t toatir, ba§ man

üerliebt fein muffe, um fingen p fönnen; im ©egentiieil fei Siebe

£ran!{)eit unb ^()orf)eit, unb ha^ 9^ed^te unb 3Sortrepd^e leiftet

nur ber 2Beife unb nicfit ber X^ox. @r »erurtlieilt fein eigenes

frül^ereä Seben, feine eigene Sichtung, ma^nt, mon folle feine

SiebeöHeber nid;t lefen. 2ln benfetben 3Jteifter Sanbino, ben er §u=

erft um 33elet)rung in ber ^unft ber Siebe gebeten t)atte, rid^tet er

jefet ein (Sonett in ganj anberem ^one {^x. 164), roo er fagt, es

wäre oernünftig aud^ oon it)m, bie Tlinm gu laffen, foraie er es

get{)an t)at, unb in einer ßangone (^x. XXIV) giebt er an, bur(i^

TOetd^e 9)?itte[ man fid^ non biefer ^ranfljeit {)eiten fönne, nämtid^

burd^ ben ©ebanfen an @ott, burd^ ?^aften, ^afteiung unb @ei§e=

lung bes roiberfpenftigen ^(eif(^es.

Sold^e 9fieue unb Umfel^r mar im SJtittelalter etwas fetir ge=

roöiinlidEieS; ber Siitter, roeld^er fein Seben im SBaffenlärm f)ingebrad[)t,

ber ^roubabour, raetdier bie 2)omen gefeiert i)atte, ging in ben

fpäteren ^af^xzn in baS ^tofter unb fud^te bei @ott 3Sergebung für

feine ©ünben. S8ei ben ^rot)en§a(en finb bie 33uBgebic^te 5a{)(=

reid^, unb aud^ oon ^tolienern jener 3eit giebt es bereu met)rere.

2lber ©uittone mar ^ier nur ju fid^ felber §urücfgefel;rt ; ber 3}Jobe

ber 9)tinnepoefie §u folgen, fiel it)m fc^raer ; je^t giebt er fid^ gang

feiner Sf^eigung gum trocfenen 9ftaifonniren t)in; er fd^reibt nic^t

me^r @ebid)te, fonbern ^raftate unb ^rebigten in 5ßerfen. So

ift §. 33. bie 7. ©anjone über boS ©afein ©ottes unb bie Unfterb=

Iic£)!eit ber Seele eine 3itfommenreit)ung t)on Stittogismen in ber

Sd^ulfprac^e mit ©itirung oon 2:ullius, 2lriftotetes, 33oetiuS unb

Seneca. @r befi^t nid^t jene @(utt) ber ©mpfinbung, nid^t jene

©infalt, meldte bie t)ot!stt)ümlid)e religiöfe ^oefie uns angieiienb

mad^t. ®r ift ein falter unb fubtiler SSerftanb; mir achten bie

©efinnung beS ajJenfdEien; aber es fel)tt ber ®id;ter. Seine @e=

banfen bringt er jum SSorfd^ein, mie ber B"f

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