Geschichte der italienischen Literatur

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Geschichte der italienischen Literatur

148 3!)ic religiöfe Sprif in Umbtien,

ging ha§> religiöfe Sieb oom Sateinifc^en befinitio jum ©ebrauc^e

beö 3tatienifd;en über, wie biefeä juerft ^ranciscuä angeraenbet

t)alte. 2)ie ©ommlungeu oon umbrifc^en Sauben, rceld^e un§

erhalten finb, raurben erft im 14. ^a^r^unbert oufgejei(^net ; aber

unter ben in i^nen enthaltenen Siebern finb üiele älter, unb mani^e

fönnten noc^ §u benen gepren, welche bei ben burc^ ben ©remiten

gafani angeregten ^roceffionen gefungen würben. 9)bnaci »er-

mut^ete biefeö »on meieren, welche gan§ befonberä ben Stempel

einfai^er unb urfprüngli(^er ^oefie an fic^ ju tragen fd^einen, roie

5. 35. bie folgenben SSerfe, welche fid^ an baö gleid^ einem Banner

ben ©(paaren oorangetragene ^reu§ rid^ten:

Or esguardate, crudei peccatore,

Co dura morte fe Cristo per noie.

Che lo suo corpo si fo forte frustato,

De Corona de spine si fo encoronato;

Come um mal uomo si era menato,

Ciascun gridava: muoia el ladrone.

E noie taupine non de volem pensare,

Como per noie se lasö flagellare,

Su nella croce con gran chiuove chiavare,

Fuoro spuntate per piü gran dolore . . .^)

®ie ^fJamen ber älteften Saubefen finb üergeffen; i^re ^ro-

buftionen würben gemeinfameö ©ut, raie bie 33olfglieber. 3fiur

einer oon iljnen ift unö rao^l befannt, ein SJiann, welcher geraiffer-

ma^en bie ^erfonification ber gangen ©attung geworben ift, fo

ha^ i§m an6) ni(^t feiten Sieber 2lnberer beigelegt würben; eä ift

^ra 3ttcopone üon S^obi. ©ein eigenes Seben ift eine Segenbe.

kx ftammte aus ber Familie ber 33enebetti ju S^obi, ftubierte bie

diid)k, warb 2lboocat, t)erl)eiratl)ete fid^ unb fül)rte in feiner 33ater=

ftabt in 9ieic^tl)um unb @enu§ ein glü(fti(^eä Seben. Xa ereignete

eö fi(^, gegen 1268, bei einem ^oclijeitöfefte, ba^ inmitten ber

^) „'ytnn fd^auet, l^artJ^er^igc ©ünber, roie furd^tbaren Xoh ß^rifiuS für

un§ erlitt, ©ein 2eib rourbe l^eftig gef (plagen, mit ber ©ornenfrone roarb er

gefrönt; roie ein Sßerbred;er roarb er bal^ingefül^rt, jeber rief: e§ fterbe ber

9iäuber. Unb roir ©lenbe rooHen nid^t baran benfen, roie er für un§ fid^

geißeln liefe, auf bem Äreuge broben annageln mit großen Sfiägeln, abgeftumpft

roaren fie, um mel^r ©d^merg ju »erurfad^en."

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