Geschichte der italienischen Literatur

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Geschichte der italienischen Literatur

204 ®ic aßegorif(i^=biba!tif(3^e ©td^tung unb bie pl^ilofopl^tfd^e S^rif jc.

gab, lüie baö franjöfifc^e Chastoiement des Dames ron Stöbert

üon 33loi§, fo raaren fie bo(^ fei)r aügemein gehalten unb (offen

fi(^ mä)t mit grance§co'§ eingc^enber unb betaiUirter Betrachtung

rergleid^en. ®aä S9u(^ beftel)t auö tneift reimlofen SSerfen in

TOed^felnbem 3)kBe, t)ermifd)t mit ^rofa; oft genug finb auc^ bie

erfteren faum von ber ungebunbenen 9iebe gu unterf(^eiben. Madonna

forbert ju Slnfang ben ©id^ter auf, feinen ^raftat abgufaffen, unb

fü^rt i^n beä^alb ror Onestä, meldte Eloquenza unb Industria

beftimmt feine ?^eber gu leiten, fic^ feiner aU Organ für i^re Seigren

gegenüber ben SJienfc^en §u bebienen. ^rancesco giebt nerfi^iebene

3]orfd)riften einerfeitö nad) ben Derfd^iebenen Sebenöaltern, ober je

nad^bem bie grau nermö^It ober lebig, Söittwe ober 9bnnc ift,

anbererfeitä nad^ bem nerfc^iebeuen ©taube, non ber ^aiferin unb

Königin bi§ l^inab §u ber 9)iagb unb 93äuerin. ^n ben legten

ber 20 3lbf(^nitte, raetdie oudf) l^ier mit allegorifc^en ^eid^nungen

ber jebeömal ijaffenben ^ugenb ober ßt)araftereigenfd)aft unb furjen

Dialogen groifdien it)r unb ber §u bele^renben f^^rau eingeleitet

werben, folgt nocE) jiemlic^ unorbentlid^ eine 9^eit)e non Sebenö^

unb ©ittenregeln für baö gange @efd)ledf)t ; l^ier läfet fid^ ber 2lutor

fogar §u Semerfungen über ben ^u|, ju 9iecepten für ßonfernirung

unb görberung ber ©cE)önf)eit ^erab. ^n ben profaifc^en ©tücfen

^)flegt er moralif(^e SfJooetten §ur 33e!räftigung feiner ße^ren §u

ergä^len, nüd^terne @efc^id)t(^en o^ne niel ©eift, ttieitmeife fold^e,

bie er felbft auf feinen Steifen in granfreict) gefammett ^attc.

^nbeffen ift biefeä jmeite SBerf bod^ intereffanter als baö erfte,

meit eä unö in p()erem SJtafee einen ©inblid in bie ©itten, 2lns

fd^auungen unb 33orurt^eite ber ßeit gemährt. @ä mar eine ftrenge,

^jebantifc^e 3ud^t, ber fid^ ehrbare grauen unb Wläh6)en ber i)ö^eren

©täube §u fügen tiatten, unb neben ber matiren unfd^utbigen @üte

unb ^ieiniieit mürbe üon i^nen aud^ ein gut Streit ^eud^elei unb

SSerftettung »erlongt.

3Son Seit gu 3ßit ift tiefer 2^ra!tat unterbrod^cn burd^ atte-

^orifd^e Steifen beö SSerfafferä gu Madonna unb ©efprädic mit i^r,

in benen er fid^ nod) feiner SJlü^e erquidfen unb neue ^nfpi^^tion

fammcin roitt. Madonna ift ein attegorifd^eö SBefen, eine |ol^e

Königin, nom ^immel gekommen, bie erftgeborene S^od^ter bes ^öd^=

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