Geschichte der italienischen Literatur

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Geschichte der italienischen Literatur

SDte ottegorifd^^bibafttfd^e ©id^tung unb bie pl^tlofopl^ifd^e S^rif k. 217

gefüJirten, fc{)r c^arafteriftifcEicn 33aIIabe Sapo @iannt'§ her 3Sors

gang befdörieben, an§) bem ^erjen ber SDame burd) bie Stugen ^er=

oorfotnmenb, get)t burd^ bie 2lugen beö 5Di(i)ter§ ein unb ntac^t

baö ^er§ unb bie ©eete fliegen, inbcm fie hen Xo'ö fürd^ten ; „bann,

at§ bie Seele i^re ^raft n)ieberer(angt ^atte, rief fie bem iperjen

5U : bift bu nun tobt, ha i^ bid) nid)t an beinern Orte füf)(e ? @ö

antwortete baö ^er§, njefdieö nur raenig fieben ^atte, unb einfam,

rerirrt, o^m ^ilfe, faft uerge^enb, nid)t fpred^en fonnte : o Seele,

l^ilf mir mid) ju ertieben" . . . @ä ift ein neuer ©onoentionaüämuö,

ein neues Stepertorium oon ©ebanfeu unb 3luöbrüden, menigcr

feid)t unb füfelid) alö baä ber Sicilianer, aber um fo abftrafter.

^mmer^in bleibt jebod) in biefer neuen florentinifc^en ©d)ule ein

bebeutenberer 9?eft inbioibueller ©mpfinbung, unb roas fie bann

auszeichnet, ift bie §unet)menbe £raft unb 9leife ber ^orm; bie

Sprache ift fd^on ein biegfames ^nftrument, roeld^es ben fdiroierigften

©egenftänben genügt. So geigt fie fid), aufeer bei ©uibo, befonbers

in ben ßanjonen 2)ino ^reöcobalbi'ä.

ferner aber begegnete fi(^ liier mit bem Streben nad^ STiefe

be§ ©ebanfens bie ben ST^oöfanern eigent^ümlidie ^^eigung §u einer

natürlii^eren, üolfät§ümlid)en SBeife, unb belebte bie S)ic^tung nid^t

feiten mit einem frifdieren ^au(^e. ©uibo ßaüalcanti felbft ^at

fi(^ mit jmei SaUaben in ber altfranjöfifc^en unb proüenjalifc^en

©attung ber ^aftorelle rerfui^t, unb e§ ift il)m fe^r n)ol)l gelungen,

ben ß^arafter ber länbli(^en ^oefie in it)rer fc^li(^ten S^iaicetät ju

n)al)ren. 3" ^ßw einen ©ebic^te (Era in pensier d'amor) trifft

er, nerfunfen in bie @eban!en an feine touloufanifd^e SJJanbetta,

jmei junge, ^übfd^e Sanbmäbd^en, weldtie it)n anfd^auen unb fefien,

wie fel)r er üerliebt ift, unb il)n nedifd^ frogen, ob er fi(^ ber

2lugen erinnern fönne, bie i^n fo oermunbet l)aben. 3" ^ß*^ anberen

(In un boschetto trovai pastorella) finbet er eine Sd^äferin ein=

fom im Sßalbe unb bittet fie um Siebe, mie bie 9iitter ber fran*

^öfifc^en unb prouenjalifctien ^irtengebic^te ju tl)un pflegen ; aber

bie ©eftalt beö 3Jiäbdl)en§ unb i§r ©efpräc^ mit il)m erhält, bei

aller 3^atürlict)feit, eine geroiffe ibeale gärbung unb bamit einen

eigent^ümliclien Rauhet. 3)ie frembe ©attung ber ^aftorelle ijl

mit ©efc^id unb Originalität belianbelt, fo bafe man nidtit fomol^l

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