Geschichte der italienischen Literatur

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Geschichte der italienischen Literatur

226 35te aöegorifd^sbibaftifd^e ©tc^tung unb bte pl^ilofopl^ifd^e C^rif :c.

in größter Slbpngtgfeit t)on ben auölänbifd^en 9Jtuftcrn, btc ben

2tntricb ju tf)rer @ntfte{)ung gegeben l^atten, bann bei ben ^irf)tern

beö Ucbergangö, ben Sotognefen unb Florentinern immer me^r fic^

emancipiren, unb ben ßonoentionaliämu^ felbft gegenüber ben

©inflüffcn ber fremben Siteratur einen eigentt)ümlid;en unb fe[b=

ftänbigen ßt)arafter annei)men, einen ftufenweifen j^^ortfd^ritt, ber

enblic^ alö reife 3=rüd)te bie Sprif 3)onte'§ unb ^etrarca'S^eröor;

braute. ®ie erjä^tenbe 2)i(^tung, foroeit fie ritterlirfie ©egenftänbe

be^anbelte, blieb in ber S^ad^al^mung be§ Sluölanbeö unb fogar in

beffen ©prad^e befangen; ber ©toff jum ßpoö roar nidit Vfox^an-

ben; inbeffen bie bunte unb glänjenbe äßelt ber 9titterfagen warb

i)eliebt beim 5ßolf, feffelte bie 9?eugier ber aWenge; lange lebte fie

allein in ben unteren 9iegionen ber ßiteratur, in ber 33änfelfänger==

poefie fort; aber boci^ mar fie bcftimmt, nad^ faft 200 ^a^ren,

befru(^tet burd^ bie ®inmifd^ung beö comifd^en @lemente§, neueä

fünftlerifd^eä Seben ju geroinnen unb firf) ju ben großen romantis

fd^en ^oemen ^ulci'§, ^öojarbo'ä unb Slriofto'ä ju geftolten. ^ie

^iooelle erfd^eint im Novellino nadEt, bürr unb wenig intereffant;

aber biefeö 93u^ ift bod) ber Vorläufer beö Decameron, foroie

^olgore, ßene, ßecco unb 9iuftico bie Vorläufer eines ©acd^etti

unb ^ucci im 14., eines 33urd)ietto im 15., eines Serni im 16.

3ial)r§unbert finb, ^ier fogar, o{)ne üon biefen eigentlid^ übertroffen

§u roerben. 3lllein bie raat)r^aft populäre ^id^tung biefer erften

^eriobe mar bie religiöfe, luie fie als @rsäl)lung unb S)ibaftif er=

fd^cint bei ben Sombarben unb ^ßenetianern, als Stirif unb pri=

mitiocs 2)rama in 9Kittelitalien ; fie ftanb im ©inflange mit bem

©eifte ber ©pod^e, in ber innigften ^erbinbung mit i^rem SDenfen

unb ©mpfinben, mic es feinen gro^artigften 3lusbrudf fanb in

bem t)on ^apft Sonifaj angeorbneten ^ird^enjubiläum bes ^ö^res

1300. S)iefe religiöfe ®i(^tung mar bisher in ben Rauben beS

33ol!cs geblieben; bie ^eime ber ^oefie fd^lummerten in i§r nod^

oerborgcn; aber fie juerft unb cor allen mar bered)tigt unb fä^ig

i^re Entfaltung gu finben. ®as gefd^at) burd^ 5Dante 3lligt)ieri,

unb bie literarifd^e ©ntroiclelung ^t'itiens erreid)te i^reu ®ipfel==

punft, inbem fid^ bie ausgebilbete ^unft ber ©d^ule in feinem großen

(Sebid^te mit bem beliebteften ©egenftanbe ber populären 2^rabition

üerbanb.

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