Geschichte der italienischen Literatur

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Geschichte der italienischen Literatur

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5Dante.

bern, bafe ©ante nirgenbä bagegcn proteftirt i)at. Unb c§ bot fi(^

i^m eine ©etegenl^eit, welche i^n fogar jur 33erid)tigun9 bes lanb-

läufigen SDHfeoerftänbniffeg brängte, wenn es ein folc^eä gab. 2Bi>

er in feinem fpäteren SSerfe, bcm Gonvivio, beftänbig bie 33eatricc

unb jene anbete atö Donna pietosa ober Donna gentile bejeidinete

©eliebte einanber gegenüberftellte, unb wo er oon ber (enteren fo

einge^enb barlegte, ha'^ fie eine blo^e 2lllegorie gewefen, roarum

t^at er eö non ber erfteren nic^t aud^? @r geigt fid^ fo ängftlic^

beforgt, man lönne bie in feinen attegorifcl)en ^anjonen 33efungene

für eine grau oon gleifct) unb ^lut l^alten; bie ©efa^r roar bod^

ebenfo grofe für bie Seatrice, fogar größer, ba er oon i^r in

^^rofa mit Slngabe einiger genauerer ßebenöumftänbe gel)anbelt

^atte, unb er wenbete foldje @efal)r nicl;t ah; alfo mußte er eö für

angemeffen galten, ba| man fie als eine reale ^erfönlid^feit anfal),

mie fie eä n)irllid) mar.

2lngeblid;e SSiberfprüdie , Unroa^rfc^einlid^feiten unb ^nconoeniengen

in einer folc^en ©tjäl)lung ju entbecfen, menn man

fie an unferen lieutigen ©itten unb unferer je^igen S)enfn)eife

mi^t, ift leidjt ; meit fc^mieriger ift es, mit ber allegorifdien Seutung

©ruft §u machen unb alle 33ejüge auf reale ^er^ältniffe am il;r

§u erllären. ^ier fommen bie älbfurbitäten unb ©efdjmacflofigfeiten

gum ^orfc^ein, unb um ben 2)id;ter oon bem S^oriourfe angeblid;er

Unfc^idlic^feiten gu befreien, werben i^m ba :^l)or^eiten unb ^l)an=

taftereien gugemuttjet, meiere il)n roirflid) üerlleinern, unb S^ß^ßw,

melctie feiner 3cit gerabegu unmöglich waren. 5Diefe ßonfequenjen,

weld;e fid; auä jenem 6i)ftem ber fubtilen S)eutelei ergeben, genügen

eigentlich fc^on, um baffelbe §u oerurtl;eilen. 33eatrice würbe 2)ante

jum ©gmbol, unb in ber ©omöbie bebeutet fie baö ^immlifd;e

Sic^t, bie Offenbarung, bie ^^eologie; aber baS ©gmbot ift, 'nac^

S)ante'5 2lrt §u allegorifiren, an bie concrete ^^erfon geheftet, auö

i^r erwadjfen, unb bie reale ^i^erfönlic^feit bleibt befielen oon

Slnfang biö ju @nbe; ber ft)mbolif(^e ift i^r untergelegt als ein

^weiter ©inn.

Seatrice ftarb, als ber :4)ic^ter 25 ^a^ve alt war, unb bamit

enbete bie ^eriobe ber erften ßprif, weld^e fie infpirirt ^atte. ^n

feinem großen ©c^merje fuc^te er eine Seru^igung in ber Mtüre

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