Geschichte der italienischen Literatur

booksnow2.scholarsportal.info

Geschichte der italienischen Literatur

©mite. 255

bie aIIegorif(^en (Sanjonen. Unb ba§u fomtnt nod) eine anbete

©tgentt)ümlic^feit, roetdie biefe ©ebid^te jum ^f)ei( ju ben it)al)r-

^aften ^ßortäufern ber ©omöbie mac^t, nämlid^ bie felbftänbige

Entfaltung beö 33ilbeg, raeli^eä a(ä 3lIIegorie bod^ eigentlid) nur

auf ein anbereä i)in§utt)eifen beftimmt ift, ^ier aber eine baoon unab=

pngige Sebeutung für fid; felbft gerainnt, fo ba^ rair uns aud^

mit ber ^üUe begnügen fönnen, ot)ne unä um ben ^ern §u flim-

mern. ®at)er iä^t 3)ante feine ßanjone Voi che intendendo

benen, roeldie nid^t tiefer in i^ren getieimen Sinn einju=

bringen oermögen, jurufen, fie füllten menigfienö bead^ten, roie

fd)ön fie fei:

Ponete meute almen com' io son bella.

S8ei ben großen '^iUn mar er gemö^nt an bie patpable @e=

ftaltung bcffen, roa§ er für bie blo^e ^ülle ^ielt, unb fie entfprad^

feinem ^i^ftinfte a(s ^ünftler, ber fii^ nidjt mit bloßen ©diemen be^

rut)igte. @r ging in biefer 33e5iet)ung fo roeit, ba§, aU jene 6an=

gonen befannt mürben, üiete glaubten, fie feien an eine roirflii^e

©eliebte gerichtet, unb eä mar eine ber 2lbfic^ten beö Convivia

ebtn biefe, i^n oon folc^em ^erbacl)te ju befreien.

^ener ßanjone über bie S^ifion üon 33eatrice'g ^obe, ber

üoUfommenften ber erften Stjrif, fann man au§ biefer jroeiten eine

anbere oon !aum geringerer ^ebeutung gegenüberfteHen, bie, meldte

beginnt: Tre donne intorno al cor mi son venute. 3)iefe brei

aUegorifc^en {grauen ftellen bie ©erei^tigfeit in ben üerfd^iebenen

AOrmen il^rer 9)Janifeftation bar, atö natürliche 2lnlage (Drittura),

at§ attgemein menfd)lic^eö unb al§ ftaatlid)e§ @efe^. 33erad)tet unb

mife^anbelt oon ben ^JJienfd;en, ^aben fie fi($ gu bem bergen be&

^i(^ter§ als ilirem 2tft)le geflüd^tet; benn in biefem ^erjen mo^nt

2lmore. @r rebet ju ben brei grauen, mal)nt fie, nid)t §u meinen

unb ju trauern; ba§ mögen bie aJienfdtien t^un, meld)e ben ©c^a*

ben baoon liaben, roä^renb fie in i^rer eroigen ^ö^e unoerle^t

bleiben, unb ber 2)id)ter, bamalä fd)on in ber 33erbannung irrenb,

ergebt fid§ fto% ba er oernimmt, mit roem er fein ©c^icffat tl)eilt:

3etjt fü^r i^ mic^ buvd^ mein (Sril geeiert:

äßeun @ott«§ atat^fd^Iut ober ©d^idCfdämad^t