Geschichte der italienischen Literatur

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Geschichte der italienischen Literatur

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2)onte.

mit feiner ^bee über baö t)err[(^enbc SSorurtl^eit ert)ebt, fo !ontt

er fi(^ in ben ©ingel^eiten noc^ ni(^t üon i^nt to§macf)en, nnb wenn

er fid) ein bebeutenbeä ^robtem ftettt, fo »ermag er nid^t, eö Tüir!=

lic^ §u löfen; beim feiner 9}Jeti)obe mußten bie %ti)kx anhaften,

TOeld^e ber ©(i)ule feiner 3ßit ß^Ö^i^ f^ii^- Slber zhen bie ^bee beg

3Berfeö geigt iinö bie 5^üt)nt)eit feineö ©eifteö ; er juerft oon feinen

Sanbsleuten raupte von bem regetlofen öJebraud^e beg volgare ju

einem tt)eoretifd)en 33erou^tfein §n gelangen; fein 33üd)Iein ift bie

erfte raiffenfdiaftüd^e 33efci)äftignng mit ber itatienifc^en ©prac^e,

unb eö ift auc^ §um erften 3}^ale eine regetred)te Ars poetica für eine

SSulgärfprad^e überhaupt, wie man beren fonft nur für baö Sateinif(^e

getiabt §atte. • ©o mar bie italienifd)e 2)ic^tung, meiere unter ben

romanifdien jule^t begann, biejenige, meldie fic^ burd^ einen fo

originellen ©eift wie ©ante, juerft unb nal)e i^rem 2lnfange fd)on

mit ber 9iefleyion, ber ^^Ijeorie ber J^unft üerbanb.

SDer rafttofe ©ifer beö Sernenä unb gorfdlienö uerbunfeltc

na^ S3eatrice'§ 5t^obe eine 3ßit lang in 5Dante baö biö bat)in einzige

3»beal, ben l)errf(^enben @eban!en feiner ©eele. Unb nod) anbere

©inflüffe be!ämpften ba§ 2lnbenfen ber 3?er!lärten. @egen ®nbe

ber Vita Nuova erjä^lt 2)ante, mie er einft, ba er tief in 2^rauer

üerfunfen raor, an einem ^enfter eine fd^öne ^rau bemerft; l)abe,

roeldie il^n oott SJiitleib anfd^aute, unb mie er fie mieber unb mieber

fe^enb, allmäl)li(^ fold)e§ ©efallen an i^rem Stnblide gefunben t;abe,

bafe er in ©efatir gerietl), ben ©c^merj um bie t)erftorbene beliebte

3u nergeffen, unb wie barauä ein heftiger ^ampf in feinem Innern

entftanb, ber aber nac^ einer $8ifion mit bem ©iege ber Seatrice enbete.

3)ante felbft ^at fpäter bicfe ^Tröfterin, biefe donna pietosa ober donna

gentile, mie er fie ju nennen pflegt, mit Madonna la Filosofia, ber

©eliebten ber allegorifc^en ßanjonen unb beö Convivio ibentifijirt

an il)rer urfprünglid)en -Weatität !ann fein Zweifel fein; aber an^

biefer fleinen 3:^öuf(^ung, bie fid) ber SDid^ter erlaubte, barf man

i^m fein $Kerbrcd)en ma^en ; benn feine ©mpfinbung für bie donna

gentile, meldje il^m in feiner ©yaltation guerft fo fträflid) erfd^ien,

mar bod^ in 2Birflid^feit nur eine unfd^ulbige unb f^neU t)orüber=

gegangene -Jieigung, bie er ah fold^e aud^ felbft fpätert)in er=

fennen mufete.

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