Geschichte der italienischen Literatur

booksnow2.scholarsportal.info

Geschichte der italienischen Literatur

J)ie Qtomöbie. 339

fpirituale ßcbcn brüdt fid^ aitö bur(^ ba§ reinfte Sid^t, bie füBefte

Harmonie, bie gefdjrainbefte 33en)e9ung unb bie ebetfte, b. f). bie

im Greife. Üuette ber 33en)egimg ift bie Siebe unb ba§ $8erlangen

nad^ bem pd^ften @ute, unb je nä^er biefem ^rinjipe, ©ott, um

fo gtüt)enber ift bie Siebe, um fo lebfiafter baä Sic^t, um fo ge=

fc^rainber bie 5Dref)ung. ©o bie 9 ©ppren ber ^immet; fo aud;

bie Seelen, raeld^e 2)ante t)ier trifft ; fie tiaben feinen Körper mel^r,

aud^ ni^t jenen ättierifdien beä Purgatorio ; fie ftellen fid^ nid^t

mef)r aU erfennbare 3)?enfd^en bar ; fie muffen felbft erflären, mer

fie waren, ©ie finb Sid)ter, meldte fi(^ ron einanber bur(^ ^tart)eit

unb ©tärfe unterfd^eiben ;

je me^r ©nabe, um fo mef)r ©rfenntni^

je met)r ®r!enntniJ3, um fo metir Siebe ; je met)r Siebe, um fo ftär=

fereö Si(^t, um fo füfeerer ©efang, um fo fd^nettere 33eroegung. ®a§

(cbenbigfte Sii^t ift im ©mpireo fetbft, unb nur t)ier erfc^einen bie

©eelen anä) in if)rem roatiren menfd^lid^en 3luöfet)cn, cerftärt in

f)immUfd^er ©(^öntieit, beficibet mit meinen ©eraänbern, unb in

ben anfteigenben S^ieitien it)rer ©i^e eine unge{)eure Stofe bilbenb,

meldte in if)rer 9Jlitte einen t)on bem göttUd^en Sid^te au§geftrat)lten

Sid^tfee umf(^(ie§t, unb auf bie Blätter ber mt)ftifd^en D^iofe fteigen

t)on ©Ott bie ©nget wie ©dimetterlinge nieber unb U\)xen mieber

§u it)m jurüdf, unb l^inauf= unb ^inabfliegenb bringen fie ^rieben

unb Siebe.

Slber biefeö immaterielle 9ieid^, mie fott e§ in ber ^unft bar=

gefteUt merben ? ^^ür bie pttifd^en ©cenen gab bie ©rbe itire berben

unb fraftooüen 33ilber t)er, unb itire jarteften unb tiebUd^ften gc=

nügten für bo§ ^urgatorium. ^a§ ^arabies bagegen l^at nid^t§

^ienieben, mag it)m ä(;nelte; auä) bie fd^önften, reinften unb glän=

jenbften ^inge finb nic^t§ im SSergleid^e mit ber ©(orie ba broben.

3ebe§ 33ilb für ba§ ^arabieö ift ein 3Ser!leinern, inbem e§ ba§

©nblid^e für baä Unenbtid^e, ba§ SBefd^ränÜe für ha§> Unermefetid^e

fe^t. 3ßo finb bie aJiittel ber ©arftettung für ba§, maö bie 9Zatur

unb bie SBot)rne!^mung, ja maS baö 2)enfen felber überfd^reitet ?

Sßitt man i)ier malen, fo bleiben bennod^ mieber feine anberen

färben atö bie ber @rbe ; benn anbere befi^t bie menfd^lid^e ^^an--

tafie nid^t, unb aud^ ber größte ^ünftler fd^afft nid^t au§ bem

Md^t§. Saute will ben ^immet be§ reinften Sid^teä befd^reiben

22*

;

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine