Geschichte der italienischen Literatur

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Geschichte der italienischen Literatur

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^Petrarca.

feiner 6ee(e offenbaren; e§ follte feine (iterorifc^e Seiftung fein,

nid)t beftimmt, rote anbere i8ü(^er, il)m dtu^m §u oerfcE)affen, fonbern

gu feinem eigenen ©ebrani^e bienen, i^m feinen «Seelenpftanb

ft^tö üon neuem rergegenmärtigen. 6r nennt beö^olb in ber '^ox-

rebe ba^ 33u(^ fein „©efieimni^" (Secretum) unb erma{)nt e§, bie

Ceffent(id}!eit §u f(iel)en. greilic^ ein rairfti^ ganj anfpruc^ö=

lofeä ©etbftbefenntni^ , ben ©rgufe eine§ ^erjenä, baä mit fid^

felbft bef^äftigt bie Stn^enraelt gan§ üergeffen t)ätte, fud^en mir

boc^ t)ier oergeblid^. 3lu(^ ^ier citirt er bie 2llten, bemerkt am

@nbe ber 33orrebe an^hvMü^, er gebrauche bie S)ia(ogform, mie

er fie üon ßicero unb biefer fie üon ^tato gelernt l)abe ; er intern

pretirt eine ©teile ßtcero'ö (p. 381), meift eine anbere atö ben

©runbgebanfen in einem Suc^e Sluguftinä nad^ (p. 382); er prebigt

gegen bie 9iut)mfud)t, unb lä^t ficf) Don bem ^eiligen 33erfe feiner

Africa mit Belobigungen anfül)ren (befonberä p. 413). Sie lite^

rarifc^en ^rötenfionen, meiere er ableugnete, finb bemnac^ bod; nid^t

gän§li(^ oerfc^rounben.

S)aä Secretum marb fc^on 1342 ober 1343 gefd^rieben, ba

eö im 3. Dialoge (p. 398) l)ei^t, er nät)re im 16. ^a^re bie Siebe

§u Saura. ©ö ift alfo ber frül)efte ber 3)^oraltraftate unb jeigt fo

ben ^ampf in feiner «Seele nodj befonberö lebenbig. ©er ^eil.

3luguftin ift bie ^erfonification einer (Stimme, meldie §u iener ßeit

immer pufiger in i^m laut ^u werben begann, einer Stimme,

meldte baö rerbammte, an raa§ fid; fein ^erj gel)ängt ^atte, roaö

ben '^xü)ait feines Strebend unb ©mpfinbenö auömac^te, feine ir=

bifd^en S^^eigungen, t)or allem feine Siebe gu Saura unb fein $8er:

langen nad) 9tul)m unb literarifd^er Unfterblid)feit. ®iefe 2)ialoge

finb bie ©arftellung ber inneren kämpfe, meldje fid^ fo oft in il)m

raieber^olten , aber aufgefaßt in einem 9J?omente, mo bie aöcetifd^e

Beltanfcliauung bie Dberl)anb ju geroinnen fdiien. 2luguftinu§,

bie prebigenbe 35ernunft beö Spiritualismus, ift fcEieinbar ftets fieg-

reid^ in feinen 3lrgumentationen ; ber Sßerfaffer gefielet bemütliig

atte feine Sdiroäc^en ein, gefte^t, ba^ feine Siebe fünbig, roennfd;on

fie ber tugenb^afteften ?^rau gelte, ba^ ber 9iu^m, nad^ roeld^em

er mit fo oielen 9Jtül)en ringe, ein luftiges 2:rugbilb fei, ba^ nur

eine 33efd^äftigung bes 9)Zenfd^en SSertt; ^aU, bie mit ben eroigen

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