Geschichte der italienischen Literatur

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Geschichte der italienischen Literatur

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^^etvarca.

beö volgare mar lieber faft gan§ auf bie Sicbeöpoefie eingefc^ränft,

wie 5U Slnfang ber itattenif(^en Siteratur. Httein immeri)in raar

ha^ Sateinifc^e eine tobte, burd^ ba§ ©tubium erlernte ©prai^e,

unb gerabe ^etrarca'ä 33emüt)ung, baffelbe üon ber rerborbenen

S^rabition feiner 3^it l^^ 9teint)eit unb ©leganj gurüd^ufü^ren,

fcl)nitt noc^ bie raenigen gäben ah, rozi6)e e§ mit bem ©ebraudie

im rair!üd)en ßeben, in ©taat unb ^irctie oerbanben. Bo gro^ bat)er

^ier baö 33erbienft beö @e(ei)rten geraefen ift, ber (Scliriftftetter

mu^te barunter leiben; bie matire poetifc^e 5lraft befi^t nur baö

äßort, meld^eö wir im 3}lunbe führen, burd^ feine unmittelbare

SSerbinbung mit unfcren ©mpfinbungen, burd) bie ^ette von 33or=

ftellungen unb Silbern, bie eö unraittfürlic^ im ©eifte mac^ruft.

^n einer mül)fam erworbenen 3lu§bru(J§roeife mu^te üiel oon ber

Spontaneität, ber perfönlic^en 2Bärme üerloren gelten, unb ber ©tpl

!onnte §u feiner ausgeprägten ^nbioibualität gelangen.

Unb fo wie ^ier bei ©ntle^nung ber Sprache beö 2lltert{)ums,

fo üerplt e§ fid) in geroiffer Sejie^ung überhaupt mit ben (Slementen

ber claffifdien ^unft, toelc^e in ^etrarca'ö ^robuftionen 3tufnat)me

gefunben liaben. ®er eiafficiömuä mar ftar! aud^ oor^er in ber

italienifd^en Siteratur; aber mit ^etrarca reränbert er üöttig fein

9lnfe^en. ®ie 33erfaffer ber Fiori, ber 9ftomane, ber 9iot)ellen,

ber Ueberfe^ungen beö 13. 3al)r^unbertö, meldte baö Slltert^um be-

rounberten unb eö nortrefflid^ ju fennen glaubten, ner!leibetcn e§

fic^ in bie S^^cen unb ©itten ber eigenen ^^it- 2)cinte'ö ßomöbie

ift üoll t)on antuen 3fiamcn; 'öa l)aben mir Sharon, a)iino§, ^luto,

bie gurien, ben 9Jiinotaur, @err)on unb bie Kentauren, bie l)öttifd^en

glüffe, ßato im ^urgatorium unb fo oiele anbere; aber bei il)m

finb es eben nur S^amen unb 2leu§erlidl)feiten, meldje geblieben

finb, unb ganj reränbert, ed^t c^riftlid^ unb mittelalterlidl) bie ^er=

fönen unb S)inge, meldie jene beseid)nen. S)ante er§ä^lt claffifc|e

j^abeln, aber immer mit eigent^ümlidt)er gärbung; er fudf)t fogar

3Scrfe 5ßirgil§ §u überfe|en; allein, wenn biefe in ber ßomöbie er=

fd^einen, finb fie fdl)on nid^t mel^r biefelben, fein mad^tootter ©eniuS

^at fie umgeformt unb ju feinem ©igent^um gemad^t; ber SSirgil,

melden S)ante im ^opfe ^atte, mar fd)on nid^t mel)r ber roal)re aSirgil,

er i)atU eine mittelalterlid^e, eine ^ante'fc^e ^l)t)fiognomie erl)alten.