Geschichte der italienischen Literatur

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Geschichte der italienischen Literatur

^Petrarco. 455

unb tücit er ein guter 6f)rift fei, jene atfo bes Unglaubens befd^ul*

bigt, unb fid^ beüagt, ba§ man in 33enebig ber 9iebe eine ju

f(i^ranfenrofe ^reifieit gönne, fo bafe fein nod^ fo berüf)mter 3larm

fidler fei. @r felbft i)at fid^ oft genug in übertriebener Sefdieibem

fieit l^erabgefe^t ; aber er t)ermod^te e§ nid^t, frcmbe ©riti! gu er=

tragen ober gu »erachten.

3Baö feine ©tettung in ber SBelt anbetrifft, war Petrarca ge=

TOiB ein fef)r glüdüd^er aJienfc^. @r war, wenn auc^ nid^t reid§,

fo bod^ bur^ bie ©infünfte feiner ^frünben ^inreid^enb n)oI)t^abenb,

um fid) feinen Steigungen Eingeben §u fönnen, feiner ßeibenfcbaft

für Sucher, für roeite Steifen, für ben ruhigen 3lufentt)att auf bem

Sanbe, o^ne bie Störung burd^ ^äuötid)e ©orgen ; t)on ungeroö^n:

tid^er Begabung marb er von SlUen berounbert, von ben ?^ürften

mit @f)ren überhäuft. Unb bennod^ finb feine ©d^riften fo doU

öon ^^ränen unb Samentationen, unb er flagt, bafe baö @(üc!

i^m beftänbig feinbfetig fei. 2ttö er feine ^Sriefe fammelte, be=

merfte er felbft mit 93iiMallen, rote in i^nen bie 3Seinerlic^!eit immer

me^r junel^me (Praef. Farn.), unb al§ ©runb bafür gab er ben

^^erluft fo üieler ron feinen 2::^euren an. @r, ber ein fo garteö

©efü^l für bie ^reunbfc^aft befafe, mu^te befonbers ftar! bie Sücfen

empfinben, meldte ber ^ob geliebter ^erfonen in fein 5Dafein ri^.

©eine unablöffig mieberfe^renben klagen unb 33etra($tungen über

bie ^infäHigfeit beö menfd^lii^en 2^h^m merben begreiflid^er in

einer 3eit fo unget)eurer ©terblic^feit, wie e§ jene geroefen, mo bie

1348 jum erften SKale aufgetretene ^eft immer oon neuem ju

TOütt)en begann unb ja^ofe Opfer, unter il)nen niele il)m 9Jal^e=

fte^enbe forbertc. @r felbft mar fein ftarfer ©eift, ber männti(^

mit bem Unglüd ^ätte ringen fönnen; roie oft er fic^ biefeö aud^

oorfe^te, ber ©d^merj machte i^n raeict) unb beugte it)n barnieber.

Unb ^ierju !am ein tief melancbolifdier 3w9 i" feiner Statur, »er;

möge beffen er auä) gegen bie fleinen Sitterleiten beö Sebenö em;

pfinblidier mürbe, ein gemiffeö ^Kifebe^agen über bie menfctilid^en

2)inge im allgemeinen füt)lte unb pglei(^ eine beftänbige Unju-

frieben^eit mit bem eigenen inneren ßiifta^i^ß ^^^ ©ünbigfeit. 2)af)er

rührte feine Unrube unb Unftätigf eit ; er felber ^at in ber poeti-

fd^en ©piftel an ©iacomo ßolonna (I, 7) bie Ba6)t fo borgeftellt^

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