Geschichte der italienischen Literatur

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Geschichte der italienischen Literatur

^etravca. 457

Petrarca, roetc^er feiber frül^jeitig in ben geiftltd^en ©tanb

getreten, njar aufrichtig religiös; er beftagte tebtioft bie ©otttofig^

feit unb Korruption feiner 3^^*/ «"b befonberä bie, weld^e innere

f)alb bcr ^irc^e fetbft um ^i^ gegriffen {)Qtte. $ßon ^ugenb auf

in ber ^ä^t be§ päpftlic^en ^ofe§ lebenb, iiatte er if)n üerab^

fd^euen gelernt aU ben $Bereinigung§punft aller Safter unb niebrigen

£eibenf($aften. ®ie ©tabt 3It)ignon raar il)m, tro^bem er bort ben

©egenftanb feiner Siebe gefunben ^atte, im ©runbe beä ^er§enä

oer^aBt, f($on beöl^alb, roeit um i^retraiHen bem lieiligen diom bie

9?efiben5 ber ^äpfte entzogen morben; er pflegt fie ha^ neue 93abpton

p nennen mit bem 9iamen jener ©tabt ber i^erberbnife, roetd^e bie

2lpoca(i;pfe befd^reibt. S)ie ©ittenlofigfeit beö ^o^en ©teruä, beö

^apfteö unb ber ©arbinäte, t)at er in groei ©clogen, ber 6. unb 7.,

t)eftig gegeißelt, unb norjüglid; befd^äftigen fic^ mit biefem ®egen=

ftanbe feine Epistolae sine titulo. @§ maren biefes 33riefe, meldte

er an feine ?^reunbe gefdirieben ^atte; aber wegen beö üerfönglid^en

Sn^alteö lie^ er in ilinen ben 9?amen beö ^ibreffaten unb n)ot)(

meift ober immer aud^ ben eigenen fort (f.

Epistola 11, @nbe).

@r nal)m fie ebenbeölialb aud^ nic^t in bie §ur ^Beröffenttic^ung be-

ftimmten Sammlungen feiner anberen Briefe auf, fonbern mieä

ilmen eine befonbere 2lbtf)ei(ung an, o^ne ^itel (sine titulo), im

©egenfa^ gu ben anberen, bie Familiäres unb Seniles betitelt

roaren. 2)iefe steine ©ammtung beabfid^tigte er bei feinen Sebjeiten

nid^t in bie ^änbe berer fommen gu taffen, meldte an ben barin

enthaltenen 2)ingen 2lnftoB nelimen fönnten ; benn er fürchtete ben

^a§, meldten it)m bie l)ier offen unb nid^t, mie in ben (gelogen,

unter bem ©d^leier ber 9ltIegorie au^gefprod^ene SSa^r^eit §u§ie^en

mürbe; erft nad^ feinem S^obe follte biefe »erbammenbe ©timme

laut werben, ^n ber X^ai finb l)ier bie Safter be§ päpfttid^en

^ofeö an mand)en ©teilen, befonberä in bem 18. an granceäco

3tetti [geri(^teten 33riefe mit rücfficl)tälofer Unt)er^ülltl)eit in ben

greUften unb abftofeenbften färben bargeftellt. ®en rottfommenften

Stusbrud aber fanb biefeö @efüt)l ber ©ntrüftung über bie ©d^änbung

beö ^eiligen, wie immer, fobatb er fid^ für benfelben ber a}iutter=

fpraclie bebiente, in ben trei gegen bie ©urie gerid^teten ©onetten.

^ene ©mpfinbungen be§ 2lbfdjeueö, meiere in ben ^Briefen sine

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