Geschichte der italienischen Literatur

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Geschichte der italienischen Literatur

462 *^etrarca'§ Sanjoiitere.

finb mit einanber oerbunben; aber ]u [inb nid^t me^x ein unb

biefelbe ©ad^e, bie ©d^ön^eit ntd)t blo^ ein ©diatten unb ©t)mbo(

ber SSa^r^eit unb S^ugenb, fonbern fie fetbft etrooö 9iealeä. 3:^ro^

jener ibealen, platonifd^en gärbung ber ^oefie t)ört Saura bod;

nid)t auf ein SBeib gu fein; fie roirb geliebt unb angebetet eben

beö^alb, roeil fie ein SSeib unb weit fie fd^ön ift. 2)ie Siebe ift

nid^t me^r bie mpftifd^e, n)el(^e fic^ oor bem 3Seibe neigt, voeil fie

in if)m ben 3Iu§brud üon etraaä iQö{)erem, oon @ott fie^t; fonbern

eä ift bie Siebe, wie wir fie nod^ ^eute t)erftef)en, unb foi^etrarca

nod^ ^eut ber wa^re ©änger ber Siebe.

®iefe Siebe ^etrarca'ä \)at feine äußere (gntroidelung ; non jenem

2lugenb(ide an, ba er feine Saura jum erften 9}?ale in ©ta. 6{)iara

gefefien Ifiatte, blieb fie immer auf bemfelben fünfte biö ju it)rem

5Cobe nac^ 21 ^al^ren. 6ö giebt ba feine ©reigniffe ober hoä) nur

fotd^e oon fef)r geringer 33ebeutung: er fie^t fie, mie fie ftd^ mit

einem ©d)(eier üeri)üllt; er fiet)t fie meinen; fie giebt i^m ba§

Seben roieber mit einem ©ru^e ; er fiei)t fie in ber ^arfe ober im

SSagen, mäfirenb fie fingt; er fie^t fie auf ber SBiefe unter einem

SBaume unb einen 33tumenregen , ber auf fie f)erabfteigt. Unb fie

geigt fic^ immer ftrenge unb graufam; feine Siebe madit feinen

gortf(^ritt, f)at feine Hoffnung; fie nä^xt fic^ üon S^räumen; fie

fann fid^ einen 3lugenbüd bie (Slüdfeligfeit üorftellen, aber um

alsbalb mit einem ©eufger gur SSirfüd^feit §u ermad^en. @§ ift

eine unglüdtid^e Siebe ; immer ftagt er über fie, münfc^t ben Xoh,

rermag ni(^tö afö gu meinen:

Ed io son un di qiiei, che '1 pianger giova.

tiefes ift ber ^n\)ali aller ©onette unb ©anjonen, ein Etagen

über feinen B^ftanb, eine beftänbige 9tüf)rung unb SSe^mutf) über

fid^ fetbft, bie ©timmung ber ©legie, mie fie am ergreifenbften unb

d^arafteriftifc^ften fi(^ ausbrüdt in bem ©onette : cameretta che

giä fosti un porto.

3(llc biefe 2^t)ränen unb 3BeJ)f(agen mürben ben ©inbrud einer

übertriebenen ©entimentalität mad^en, roenn nid^t bie 9Jiannid)faltig=

feit unb 33eroegung non einer anberen ©eite fäme. ©te ftammcn

nidEit auö bem ©egenftanbe, ber immer berfelbe ift, fonbern aus

ber 2lrt feiner ©arftellung. 2)ie nämlid^en ©mpfinbungen er=

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