Geschichte der italienischen Literatur

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Geschichte der italienischen Literatur

SDie ®iciltantfd6e 2)id^terf(f)ule. 61

SfJeuerung \)at bte ^ocfie on äft^etifd^em SBert^c nid^t geroinnen

fönnen, im ©egent^eit üerlor fie in bem nod^ fd^roerfäüigeren

^biom bie SJlnmuti) unb 3^etli($!eit, rcetd^e fie in bem urfprüng?

(id^en kfeffeu i)atte. S)er ©egenftonb ber 3:rou6abourbid)tung, bie

ritterü(^e Siebe erf(^eint t)ier roieber in jenen formen, roeld)e it)r

bort einmal tijpifd^ geworben roaren. S)ie Siebe ift bemüt^ige,

anbetenbe 33ere{)rnng ber ®ome; fie ftellt fid^ beftänbig bar unter

ben 33ilbern ber geubatität, aU ein 2)ienen unb ©e^orc^en, aU

ba§ 3]erpltnife be§ SSafotten gum Sel^nö^erm, 2)ie SDame fte^t

))oä) über bem Sieb^aber, ber ©nabe f(ei)enb fi($ nor i^r neigt;

er ift unroürbig, \i)x §u bienen; aber feine SJiinne gleid^t atte

Unterf(i)iebe an^. ®ie S)ame ift graufam unb läfet i^n oergebtii^

fd)madE)ten, fo ba^ it)n feine ©d^merjen gum ^obe führen ; aber er

barf nitf)t aufi)ören fie ju lieben; benn oon 9Jtinne fommt aller

SBert^ unb aüe 2^ü(^tigfeit ; er mu§ auöl^arren ; benn treuer SDienft

fülirt il)n enblid^ an'§ S^el, unb leibet unb ftirbt er, fo ift eö i§m

dtu^m unb @l)re, ba e§ für bie ^errlii^fte gef(i)iel;t. S)iefer 3been=

freiö, in roetd^em fid^ bie proüengalifcfie Siebeöpoefie beroegte, l)atte

fd^on in \i)x felbft ßont)entionali§mu§ unb 9JJonotonie Ijeroor-

gebra(^t. Slber in ber ^rooence roar er l)eimifc^; l)ier t)atte fi(^

biefe 2luffaffung ber Siebe entroicfelt, roar an^ fünftlid^en, aber

realen 3]erl)ältniffen in bem Seben ber l)öl)eren ©efettfd^aft ent-

fprungen. ©eöroegen fe^lt roenigftenö in ben älteren bid^terifdien

3Serfud)en nid^t bie SBärme ber ©mpfinbung, unb für bie ^Ranniä)-

faltigfeit beö ©el)altö bietet oft bie ä^^t^^it w"^ ^einl)eit einen

©rfa^, mit benen er belianbelt ift. 2lllein, als bie prooensalifd^e

^oefie in ^ialkn neue ^rüdlite tragen follte, l)atte fie felbft fd^on

bie 3eit iljrer 9?eife überfc^ritten unb ging einem fdlineffen SSerfalle

entgegen. Unb ^ier entfprad^en biefe com fremben 33oben importirten

@eban!en unb ©mpfinbungen in fe^r geringem a)?a^e bem roirflid^en

Seben. 2)aö Siittertlium in feiner ibealen 33ebeutung l)atte in

Italien niemals redit SSurjel gefönt

; man gab glän^enbe gefte unb

üeranftaltete furniere ; man fteüte fic^ oerliebt nad^ ber 3Beife ber

X^roubabourä unb fang naä) il)rer a)?anier; aber alles ba§ war

nur äu^erlid^e SRac^al)mung frember ©itte. 3" ^em ^önigreid^e

©icilien gab es einen möd^tigen, friegerifdlien Selinsabel; aber er

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