Geschichte der italienischen Literatur

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Geschichte der italienischen Literatur

70 2)ie ©iciliaiiifd^e 5)id^teifci^ule.

Einbringen einer ge[unberen, natürlid^eren 3)id^tn)eifc in bie über=

lieferte ajJanier, biefe§ erfte 3tn!Ungen roatirer ^oefie cerbient geroife

unfere befonbere 2tufnter!famfeit, n)enngtei(^ man fic^ babei pten

muB, feine Sebeutung loieberum ju übertreiben, roie eä in lefeter

3eit biäraeilen gefd^e^en ift.

^aft atte Sieber, roeldje in ber großen üaticanifdien Bamm-

lung ber alten 2v)xiUv ben DIamen beg ©iacomino ^ugliefe tragen,

seidenen fic^ burd; einen geroiffen üolfötJ^ümlid^en "iTon unb eine

realiftifi^ere ^^ärbung au§. ^"tnitten einer Siebeäüage raenbet er

fid^ plö^lic^ an feine ©ante mit einer feden Sleufeerung ber Un-

gebulb, unb »erlangt con il)r fein ^er§ jurüd:

©ame, magft ©u mid^ ntd^t lieben,

SBoße miä) nid^t fo betrüben,

ajiein geranbteS ^erj gieb rateber.

2lnber§iüo ^aben mir ein SSed^felgefpräd), eine ^en§one, roie

bie ^rooengalen, einen Contrasto, wie bie Italiener eä nannten,

unb bie S)ame flagt ha über ben böfen ©atten, ber fie eingefd^loffen

l^ält unb fie eiferfüditig in il)rem Siebeöglüde ftort:

Meo Sir, a forza m'avviene *

Ch'io m'appiatti od asconda-,

Ca si distretto mi tene

Quelli cui Cristo confonda;

Non m'auso fare alla porta . . .^)

^icr finben mir unö aus ber leeren 2lbftraftion beö fonft be=

fungenen Siebeöoerpttniffeä in bie ©pl)äre ber 3Bir!lid)!eit werfest,

mit beren Segietiungen bie ©arftellung garbe unb Seben gewinnt.

Unb ebenfo üerl)ält e§ fid^ mit jroei @ebid)ten ©iacomino'ö, meldte

§u einer bei ben Italienern befonberö beliebten ©laffe üon ^oefieen

gel^ören, nömlid) benen, in meldten ber Slbfdiieb ober bie ^Trennung

t)on ber ©eliebten befungen roirb, unb meldte mir alfo fur§meg

©e^nfud^tä; ober ©djeibelieber nennen fönnen. ©d^on bei ben

^rooenjalen jeigen bie ©ebic^te biefer 2lrt nid)t feiten eine befonbere

3öärme unb 2Beid^l)eit be§ ©efülileö; ber 3tuäbrucf ber ©el)nfud^t

^) „9Kein ©eliebter, geijroungen tl^ue id) e§, roenn id^ mid^ oerberge unb

oerftedfe; benn fo ftrenge beroad^t mic^ ber, ben (?t)riftug üerberben möge; id)

roage nid^t an bie i^üre 3U treten."

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