Dienen statt herrschen - bei der Velberter Mission

velbertermission

Dienen statt herrschen - bei der Velberter Mission

Nr. 6/2008 – Oktober/November

F KuS

Mıssıon

M I S S I O N S N A C H R I C H T E N D E R V E L B E R T E R M I S S I O N

Demut

Dienen statt herrschen

Nr. 6/2008 – Oktober/November

Außenmission des BFP

Gottes Auftrag

– uns anvertraut

2

In Demut dienen

Wolfgang Petersen

3

Lektionen in Sachen

Demut

Anita Leiner

4

Blickwechsel

Horst Kappl

5

Dienen – aber wie?

Matthias Liebrecht

6

Mut zum Dienen

Siegfried Bongartz

1 0

Der Schlüssel zu einem

gesegneten Leben

Bracha Wegetal

1 2

Mitarbeiterschulung

in der Slowakei

Hartmut Knorr

JuMi

DIE JUNGE

MISSIONSSEITE

S.11

1


Liebe Leserin, lieber Leser!

In Demut dienen

EINE FRAGE DER HERZENSHALTUNG

schaffe ich nie!“ Dieser Gedanke beschlich mich

mitunter bei besonders herausfordernden Predigten

„Das

oder Artikeln. Tatsächlich mutet uns unser Herr viel

zu. So braucht es schon eine Menge Mut, um zu Dienen

– und das in großer Demut. Zweifelsohne kann Dienen

sehr schön sein, aber es ist in aller Regel auch anstrengend

und kostet einen Preis. Er mag Kräfte verzehren und Opfer

fordern. Wir können Verletzungen und Enttäuschungen

davontragen. Vielleicht wird mancher Dienst nicht einmal

wahrgenommen und schon gar nicht belohnt.

Das Dienen kann sogar dazu missbraucht werden, sich

selbst gut darzustellen, was in krassem Gegensatz zu einer

demütigen Haltung stünde. Unser Thema ist also auch eine

Frage nach unserer Motivation, nach unserer Herzenshaltung.

Dienen und Demut gehören zusammen.

Mit menschlichen Möglichkeiten müssen wir da jämmerlich

scheitern. Die menschliche Natur möchte lieber König

sein, nicht Sklave, sie möchte herrschen, nicht dienen.

Wie gut, dass uns der Heilige Geist da zu Hilfe kommt. Er

schickt uns in die Lebensschule der Demut, aber er gibt

auch die nötige Ausrüstung und Kraft. Mit Ihm können

wir den alten Menschen überwinden, ihn „ausziehen“ und

den neuen Menschen „anziehen“. Ohne Gott wären wir

hoffnungslos überfordert. Aber mit Gott können wir eine

Menge ausrichten!

Die Berichte dieser Ausgabe geben auch Beispiele von

der Lebensschule Gottes auf dem Weg zum demütigen

Dienst. Der Weg ist nicht immer leicht und es zeigt sich,

dass Demut wahrlich nichts mit Schwäche oder Weichheit

zu tun hat. Demütig dienende Menschen sind wahre, starke

Persönlichkeiten!

Vielleicht muss noch gesagt werden, dass Dienst nicht

mit Aktivismus zu verwechseln ist. Demütiger Dienst weiß

um eigene Grenzen und Gottes Möglichkeiten. Es ist gerade

das Sich-vor-Gott-beugen, das uns lehrt, wie unsere Zeit und

unsere Kräfte richtig einzuteilen und einzusetzen sind. Es

mag auch durchaus möglich sein, dass beispielsweise die

Familie einmal deutlich hintenan stehen muss, selbst wenn

ihr höchste Priorität zusteht. Gerade im Missionsdienst ist

dies oft der Fall.

Grundsätzlich gilt: Wir haben zu dienen, nicht zu

herrschen. Das ist mehr als ein Fulltime-Job, das ist unsere

Berufung, eine Lebenshaltung – was gerade im Hintergrundartikel

deutlich wird. Sie ist unabhängig von Zeit und

Stunde, von Umständen und Stimmungen. Dies gelingt

nur, wenn wir uns vor Gottes Autorität beugen, uns auf

Seine Ziele ausrichten und von Ihm zurüsten lassen. Dann

aber wird der Dienst Frucht hervorbringen – davon zeugt

die Kirchen- und Missionsgeschichte. Davon dürfen wir

auch in Fokus Mission immer wieder berichten, zur Ehre

unseres Gottes! Wolfgang Petersen

2

Fokus Mission


Nr. 6/2008 – Oktober/November

Lektionen in

Sachen Demut

Fünfeinhalb Jahre sind wir nun im Dienst in Südost-

Asien. Bei der Aussendung wurden viele ermutigende

Worte über uns ausgesprochen. Im Zielland angekommen,

stellten wir fest, dass wir uns unsere „Sporen“

erst noch verdienen mussten, wie Ingolf Ellßel uns einmal

sagte. Keiner sagte uns vor Ort: „Endlich seid ihr da!“, oder

„Danke für Euer Kommen.“ Dagegen brauchte es viel Zeit,

um Freunde zu fi nden und die Sprache zu lernen. Oft kamen

wir frustriert oder müde vom Sprachkurs wieder heim und

fühlten uns wie kleine Kinder, die mit Mühe ihre ersten

Worte lernen.

Auch Gast in einem fremden Land zu sein, war eine neue

Erfahrung, die viel Geduld und Demut erforderte. Die asiatische

Kultur ist sehr indirekt. Geduld ist eine der höchsten

Tugenden. Gerade der Fastenmonat Ramadan dient dazu,

im Verzicht auf Essen und Trinken seine Emotionen zu

beherrschen. Wer es nicht schafft, trotz Hunger und Durst

höfl ich, freundlich und geduldig zu bleiben, der hat damit

sein Fasten ungültig gemacht.

Sich selbst nicht ganz so wichtig nehmen: In unserem

deutschen Kulturkreis hört man ja eher:„Du musst meine

Gefühle ernst nehmen!“ oder „Wer sich nicht durchsetzen

kann, hat das Nachsehen“. Hier haben wir gelernt, dass die

Probleme des Einzelnen dem Wohl der Gruppe untergeordnet

sind. Dazu kommt noch, dass hier fast jeder schon

eine Tragödie erlebt hat, wie z.B. den Verlust eines Kindes.

Als unser Sohn starb, wollten unsere Nachbarn uns trösten,

Indonesien

Rick und Anita Leiner*

mit Lita und Josi

Verwendungszweck-Angabe für

Spenden: Leiner 170

indem sie erzählten, wie viele Kinder sie schon verloren

hatten. In unserer Trauer fühlten wir uns dadurch nicht

ernst genommen. Hier mussten wir uns entscheiden, unser

Verletztsein loszulassen, uns selbst nicht ganz so wichtig

zu nehmen.

Man lernt nie aus … Als Missionar bleibt man immer

der Lernende. Immer wieder lachen andere, weil wir wieder

einmal ein Wort falsch angewandt haben. Auch kulturelle

Fauxpas gehören selbst nach fünf Jahren noch zum Alltag.

Vor ein paar Wochen waren wir zum Gedenkgottesdienst

eines verstorbenen moslemischen Freundes eingeladen.

Nach dem Fürbittegebet für den Toten gab es ein gemeinsames

Essen. Wir füllten unsere Teller und genossen das

Fleisch und andere Beilagen. Später erfuhren wir, dass man

bei einer Trauerfeier am besten kein Fleisch nimmt und

sehr wenig auf seinen Teller füllt, als Zeichen, dass man

mit der Familie trauert. Ein anderes Mal entdeckte unsere

moslemische Hausangestellte einen Socken auf unserer

Bibel. Sicherlich keine Absicht von unserer Seite, aber

sie als Muslima war empört, wie wir unser heiliges Buch

behandelten.

Demut bedeutet, zu erkennen, dass wir nicht so perfekt

sind, wie wir gerne sein würden. Wie gut, dass wir aus

Gottes Gnade leben und wissen, dass er am Wirken ist

– trotz uns! Selbst dann, wenn wir Andersgläubigen zum

Anstoß werden. Wir vertrauen immer wieder darauf, dass

Gott die Herzen lenkt.

Praktische Umsetzung der Lektionen: Demut lässt

sich am besten auch in den eigenen Reihen üben. Vor ein

paar Jahren wurden wir von Geschwistern sehr verletzt.

Das Schlimme war, dass sie es gar nicht gemerkt haben und

ihre Wege fröhlich weitergingen. Wir lernten mit diesem

Schmerz in Demut und Stille umzugehen und uns wurde

bewusst, dass es letztendlich nicht um uns geht, sondern

darum, wie wir Gottes Namen auf dieser Welt groß machen

können. Entscheidend ist nicht, ob wir gut dastehen, sondern

ob Er zu seinem Ziel kommt. Wenn wir uns demütigen,

wird der Herr uns erhöhen.

Jesus sagt: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir,

denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet

ihr Ruhe fi nden für eure Seelen“. Der Weg nach „oben“ mag

nicht gleich kommen, aber die „Schule“, in die der Herr uns

steckt, macht uns zuletzt weise.

Eure Anita Leiner – Südost-Asien

3


4

Blickwechsel

VON SICH WEG AUF DEN ANDEREN

Ü ber das Thema „Demut“ habe ich eine witzige Begebenheit

gelesen: „Da sitzen zwei Ehepaare in einem

Restaurant. Sagt die eine Frau mit einem Ton voller

Anerkennung: „Ich habe das Buch Ihrer Tochter gelesen.

Bemerkenswert. Wirklich. Wie sensibel und genau sie

schreibt. Überhaupt: Aus jeder einzelnen Zeile spricht

so viel Demut. Das hat mich sehr angerührt!“ Daraufhin

der Vater: „Tja-Haa! Das hat sie alles von mir geerbt! Ihre

Demut, ihre Güte, ihre Feinfühligkeit, ihre Bescheidenheit!

Alles von mir!!!“

Aufschlussreich fi nde ich diese kleine Geschichte deshalb,

weil sie deutlich macht, was Demut gerade nicht ist! Martin

Luther hat das sicherlich richtig gesehen, wenn er meinte:

„Rechte Demut weiß nimmer, dass sie demütig ist.“

Kinder bringen es auf den Punkt: Vor einiger Zeit

hatten wir im Dorf „Radanovo“ unseren wöchentlichen

Pfadfi nder-Stammtreff. Um die Kinder besser kennenzulernen,

hatte ich einen Fragebogen vorbereitet. Darin waren

Fragen wie etwa: „Was hast du für Hobbies?“ „Was ist dein

Lieblingstier/Lieblingsbuch?“ „Was für Musik hörst du?“

Eine Frage war auch: „Was möchtest du, das wir als Gruppe

gemeinsam machen?“ Ich war doch erstaunt darüber, wie

einige Kinder gerade diese Frage beantwortet haben: „dass

wir einander achten und respektieren!“ Das hatte ich nun

überhaupt nicht erwartet! Warum ist es diesen Kindern so

wichtig, dass wir uns achten und respektieren? Wenn ich

drüber nachdenke, sehe ich darin dieses tiefe Bedürfnis

und auch den Wunsch, akzeptiert und anerkannt zu sein!

Und das gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für uns als

Erwachsene. Wenn man allein die Sportler anschaut bei der

Bulgarien

Horst Kappl

Verwendungszweck-

Angabe für Spenden:

Kappl 260

Olympiade, wie sie sich auf die Hinterbeine stellen für eine

Medaille. Oder vielleicht anders ausgedrückt: Wie sie alles

geben, um Anerkennung oder Achtung zu bekommen.

Wie auch immer: der Wunsch nach Anerkennung steckt

in uns drin! Die Frage ist: wie wird dieser Wunsch gestillt?

Sich selber in den Mittelpunkt zu stellen, kommt ja bekanntlich

nicht so gut an. Und Lob und Anerkennung von

anderen zu erheischen auch nicht. Paulus gibt uns in der

Bibel eine gute Antwort, wie wir uns gegenseitig helfen können,

damit wir in Sachen Anerkennung und Wertschätzung

keinen Mangel haben und nicht zu kurz kommen. So fi nden

wir im Brief an die Gemeinde in Philippi (Kapitel 2, 2 + 3)

folgende Aufforderung: „So erfüllt meine Freude, dass Ihr

dieselbe Gesinnung und dieselbe Liebe habt, einmütig, eines

Sinnes seid, nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht tut,

sondern dass in der Demut einer den anderen höher achtet

als sich selbst; ...“

Weiß ich, für wen ich arbeite? Demut ist, nicht die

eigene Anerkennung zu suchen, sondern Gott in unserem

Leben die Ehre zu geben. Jesus, der Sohn Gottes, hat sich für

uns freiwillig erniedrigt wie ein Sklave, um uns zu dienen

und zu erlösen. Jesus gebührt all` unser Lob und Dank. Fällt

es uns manchmal schwer, anderen zu dienen und sich für sie

einzusetzen? Wer Jesus Christus als „Herrn“ hat, darf sich

als glücklicher Sklave schätzen.

„Was immer ihr tut, das tut von Herzen als für den Herrn

und nicht für Menschen, ..“ (Kolosser 3,23) Horst Kappl

Fokus Mission


Dienen – aber wie?

Nr. 6/2008 – Oktober/November

M an geht als Missionar nach Afrika, um zu dienen. Aber

kaum angekommen, wird man bedient! Weniger betuchte

Menschen wollen einem gern das Zimmer sauber

machen, für einen einkaufen oder kochen. Und schon

wird man zum Arbeitgeber und „dient“ mit seinem Geld statt

mit seinen Fähigkeiten. Wie schon zu biblischen Zeiten ist

es in Afrika heute noch unüblich, Haushaltsarbeiten selbst

zu erledigen. Entweder hat man Hausangestellte, oder eines

der Kinder kann deswegen nicht zur Schule gehen.

Vom Abwasch zum Füße waschen: In diese Zwickmühle

gerieten wir gleich nach unserer Ankunft vor über

10 Jahren. In der afrikanischen Kultur ist es angesehen,

Haushaltsangestellte zu haben. Also haben auch wir einen

Hauswächter, der auch einige Dienste übernimmt, aber wir

erledigen den größten Teil der Haushaltsarbeiten selbst.

Manche sind erstaunt zu sehen, dass man auch selbst

Gäste bewirten und abwaschen kann. Gerade die wenigen

Christen, die es in unserer Umgebung gibt, können dadurch

besser die Bibelstelle beherzigen, in der Jesus seine Jünger

zum Dienen motiviert: „Wie ich, euer Meister und Herr,

euch jetzt die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch

gegenseitig die Füße waschen.“ (Joh. 13,14)

Was die Bibelübersetzung betrifft, können und wollen

wir ja gar nicht ohne Mitarbeiter arbeiten. Zusammen mit

unserem Übersetzer Ousmane haben wir mittlerweile ein

Mali

Matthias und Tanja Liebrecht

Verwendungszweck-

Angabe für Spenden:

Liebrecht 500

knappes Viertel der Bibel in Songhai übersetzt. Unter dem

Vorwand des Dienstes wollte uns ein einheimischer Leiter

unseren Beitrag an dieser Arbeit einfach abnehmen. Dann

hätten wir nur noch mit unserem Geld „gedient“. Aber

weder unserer Berufung von Gott her noch unseren Fähigkeiten

wären wir auf diese Weise gerecht geworden, noch

wäre es zum Vorteil für die Songhai gewesen.

Auf den längeren Atem kommt es an: So haben wir

weiter treu an der Übersetzung gearbeitet, auch wenn diese

Umstände eher schmerzhaft, schwierig und von Feindseligkeiten

uns gegenüber begleitet waren. Man hätte natürlich

auch klein beigeben oder auch, wie später gewünscht, die

Gegend verlassen können. Eine weitere Alternative wäre

gewesen, selbst Druck auszuüben und Gegenmaßnahmen

einzuleiten. Wir zogen es jedoch vor, dies Gott zu überlassen.

In unseren Gebeten dachten wir oft an den Vers

aus Sprüche 16,7: „Wenn der Herr an den Wegen eines

Mannes Wohlgefallen hat, lässt er selbst seine Feinde mit

ihm Frieden machen.“ Offenbar hatte Gott Wohlgefallen

an unserem Dienst, und so kam nach einigen Jahren des

Durchhaltens der Leiter tatsächlich zu uns, um Frieden zu

schließen! Nun ist er ohne unser Zutun nicht mehr vor Ort.

Daran sehen wir: Wenn wir Gott treu dienen, obwohl es uns

schon fast langatmig vorkommt, zeigt sich im Nachhinein

sein langer Atem.

Bis Ende September waren wir im Heimataufenthalt und

danken euch allen, ihr lieben Gemeinden und Freunde, für

eure herzliche Aufnahme und wertvolle Unterstützung.

Herzlich grüßen eure Missionare in Mali,

Matthias & Tanja Liebrecht

Teamwork: Gemeinsam

wurde die Übersetzung der

Apostelgeschichte geprüft

und für gut befunden.

5


Hintergrundartikel

Mut

zum Dienen

Sachen Demut macht mir

keiner etwas vor“, so sagte

„In

wohl jemand scherzhaft oder

ernsthaft. Damit hat er in törichter

Weise nur seinen Stolz und seinen

Hochmut zum Besten gegeben.

Aber versteckt sich nicht oft hinter

der vorgegebenen Demut eine

gehörige Portion Hochmut? Bei

aller Demut gibt es hier für uns

alle noch eine Menge zu lernen.

Besonders der dienende Missionar

mag versucht sein, zwar

nicht laut über seine Demut zu

sprechen, jedoch zu denken, hier

mache ihm niemand mehr etwas vor. Er hatte mit seinem Dienst

in fremder Kultur und Sprache begonnen. Oft hatte er sich hinters

Licht geführt, betrogen, ausgenutzt und missverstanden gefühlt.

Es waren vielleicht 10, 20 oder gar 30 Jahre in extremem

Klima, in bescheidenen und schlichten Lebensverhältnissen und

oft in Lebensgefahr. Ja, da hat man Demut gelernt, oder?

In die zweite Reihe versetzt: Ich erinnere mich noch gut

an eine der vielen Lektionen, die mich Demut gelehrt haben.

Nach langer und anstrengender Bauzeit mit hohem Einsatz an

Zeit, Kraft und Material, sah ich der Einweihung eines neuen

Kirchengebäudes entgegen. Nach Jahren mühevoller Begleitung

einer Hausgemeinde, endlich eine schöne eigene Kapelle im

Zentrum einer großen Wohnsiedlung. Dafür war ich unzähligen

Male mit dem Lkw unterwegs gewesen. Im unwegsamen

afrikanischen Busch, um Feuerholz für das Brennen der Ziegel

zu transportieren, in verschiedenen Flussläufen, um Berge von

Bausand herbei zu schaffen und um noch viele andere Materialen

auf die Baustelle zu karren, ganz zu schweigen von den

fi nanziellen Opfern, die dabei erbracht wurden. Dann kam der

lang ersehnte Einweihungstag. Ohne Absprache sah ich mich in

die zweite Reihe versetzt. Man hatte einen feurigen Gastredner

engagiert und das gesamte Programm war ohne mich gemacht

worden. Mein Einsatz wurde nur als zu selbstverständlich zur

Kenntnis genommen, wenn nicht sogar noch bewusst ignoriert.

In der Predigt wurden bekannte rassistische Äußerungen mit

eingefl ochten, wie „Ich bin stolz, Schwarzer zu sein“ oder

„Afrika gehört den Afrikanern“ und so weiter. Bei jedem dieser

Sprüche großer Jubel

von den Zuhörern.

Für mich war das

ein Gottesdienst, in

dem mich der Herr

Demut gelehrt hat.

Aus verletztem Stolz

hätte ich die Versammlung

am liebsten

verlassen wollen,

damit aber wäre ich

ein schlechtes Beispiel

gewesen und hätte

ein Zeichen der Trennung

gesetzt. Wahrer

Dienst, im Gegensatz

zu erbrachter Leistung,

erwartet keine Anerkennung

und keinen

Lohn.

Ein merkwürdiges

Angebot: Eine

ungewöhnliche Stellenanzeige

in einer

Londoner Zeitung

lautete folgendermaßen:

„Männer für

eine gefährliche Reise

gesucht. Geringes Gehalt,

bitterkalte Tage,

viele Monate voll-

ständige Dunkelheit, beständige Gefahr, erfolgreiche Rückkehr

zweifelhaft, Ehre und Anerkennung im Falle von Erfolg“. Auf

diese merkwürdige und wenig attraktive Anzeige meldeten sich

viele tausende Männer. Warum? Die Anzeige war gezeichnet

vom berühmten Arktisforscher Sir Ernest Shaeketon und dies

machte den Unterschied.

Die Stellenbeschreibung Jesu für seine Jünger, Mitarbeiter

und Missionare geht in die gleiche Richtung, nur noch viel

konsequenter und deutlicher: „Du wirst oft missverstanden,

sogar von denen, die mit dir arbeiten. Du wirst ständig von

einem unsichtbaren Feind attackiert. Du wirst das Ergebnis

deiner Mühe selber nicht sehen. Die Arbeitsstelle kostet dein

Zuhause, deine Familie, deine Wünsche, ja sogar dein Leben.

Belohnung erst nach dem Tod“. Ein normaler Mensch reagiert

auf eine solche Anzeige empört oder überhaupt nicht, und doch

haben sich Millionen Menschen „einstellen“ lassen für einen

Herrn, der selber alles, ja auch sein Leben, gegeben hat.

Wie wahr ist doch das Wort und Bild vom Samen aus Joh.12,

24-25: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so

bleibt es allein; wenn es aber stirbt, so bringt es viel Frucht. Wer

sein Leben lieb hat, der wird es verlieren; und wer sein Leben hasst,

der wird es erhalten zum ewigen Leben“.

Hinter dem Lebenswerk gesegneter Männer und Frauen

stehen im Verborgenen nicht selten Verzicht und große Opfer.

Paulus, einer der Großen unter den Missionaren, schreibt an die

Korinther in 2. Kor. 6, 3-10: „Weil mir diese Botschaft anvertraut

ist, sehe ich darauf, dass mein Verhalten in jeder Hinsicht einwand-

6 Fokus Mission


frei ist; denn ich möchte nicht, dass der Dienst, der mir aufgetragen

ist, in Verruf kommt. Meine »Empfehlung« ist es, dass ich mich in

allem als Diener Gottes erweise: Mit großer Geduld ertrage ich

Sorgen, Nöte und Schwierigkeiten. Ich werde geschlagen, ich werde

eingesperrt, sie hetzen das Volk gegen mich auf. Ich arbeite mich

ab, ich verzichte auf Schlaf und Nahrung. Ich empfehle mich weiter

durch ein einwandfreies Leben, durch Erkenntnis, durch Geduld und

durch Freundlichkeit, durch Wirkungen des Heiligen Geistes und

durch aufrichtige Liebe, durch das Verkünden der Wahrheit und

durch die Kraft, die von Gott kommt. Meine Waffe für Angriff und

Verteidigung ist, dass ich tue, was vor Gott und vor Menschen recht

ist. Es macht mir nichts aus, ob ich geehrt oder beleidigt werde, ob

man Gutes über mich redet oder Schlechtes. Ich werde als Betrüger

verdächtigt und bin doch ehrlich. Ich werde verkannt und bin doch

anerkannt. Ich bin ein Sterbender und doch lebe ich. Ich werde

misshandelt und doch komme ich nicht um. Ich erlebe Kummer und

bin doch immer fröhlich. Ich bin arm wie ein Bettler und mache

doch viele reich. Ich besitze nichts und habe doch alles.“

Paulus versteht sich ausdrücklich als Diener und dies nach

der Gabe und Gnade Gottes (Eph. 3, 7). Der Gemeinde in Rom

(Römer 1, 9-14) bietet er seinen Dienst an und gleichzeitig

signalisiert er seine Bereitschaft und den Wunsch, auch von ihnen

bedient zu werden. Diener und Bediente sollen gemeinsam

getröstet werden. Paulus wäre aber auch ein Diener gewesen,

hätte er keine Unterstützung aus Rom erhalten. Er versteht

seine Berufung als einen Schuldendienst gegenüber den Griechen,

den Nicht-Griechen, den Weisen und Nicht-Weisen. Für

Paulus war der Dienst am Evangelium uneingeschränkt und

bedingungslos.

Unser Dienst darf nicht vorbehaltlich und an Bedingungen

geknüpft sein!

Manche leben in der Täuschung, man könne dem Herrn

dienen ohne Dienst am Nächsten. Die Wahrheit ist, dass wir

ihm nur dienen können durch unseren Dienst an Menschen.

Oft sind es gewöhnliche, stolze, undankbare, verletzende oder

gar abstoßende Zeitgenossen (Typen).

In Mt. 25, 35-40 hören wir von Jesus folgende Worte: „Denn

ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig

und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt

mich bei euch aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir etwas

anzuziehen gegeben; ich war krank und ihr habt mich versorgt; ich

war im Gefängnis und ihr habt mich besucht.

Dann werden die, die den Willen Gottes getan haben, fragen:

Herr, wann sahen wir dich jemals hungrig und gaben dir zu essen?

Oder durstig und gaben dir zu trinken? Wann kamst du als Fremder

zu uns und wir nahmen dich auf, oder nackt und wir gaben

dir etwas anzuziehen? Wann warst du krank oder im Gefängnis

und wir besuchten dich? Dann wird der König antworten: Ich

versichere euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder

für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für

mich getan.“

Unser Dienst an Menschen darf nicht verwechselt werden

mit dem Dienst an einer Idee oder einem Ideal:

Eine andere allgemein weit verbreitete Täuschung ist die

Verwechselung von der Vorstellung über einen Dienst mit dem

tatsächlichen Dienen. Als engagierte Christen mögen wir Dienst-

Ideale und Dienst-Richtlinien hochhalten und verteidigen und

dabei den eigentlichen Dienst an Menschen übersehen oder

Nr. 6/2008 – Oktober/November

total vergessen. An dessen Stelle treten hohe Standards und edle

Prinzipien. Ehe wir es merken, ist der Buchstabe unser Gesetz

geworden. Solche vermeintlichen Diener mit dieser Neigung,

sind schwierige und anspruchsvolle Leute. Oft fühlen sie sich

enttäuscht, übersehen, und vernachlässigt. Sie verlangen und

erwarten, dass ihre Rechte berücksichtigt werden. Sie dienen

der Mission, anstatt dem Herrn.

Unser Dienst darf nicht mit Leistung verwechselt werden:

Durchaus kann Dienst als Leistung verstanden werden, jedoch

nicht in dem Sinne, dass er unbedingt vergütet werden müsse.

Nicht selten wird jedoch von einem Dienst ein Anspruch abgeleitet.

Der Dienst im Reich Gottes läuft aber nicht nach einem

40-stündigen Wochenplan ab. Es gibt keine geistliche Gewerkschaft,

die eine Stundenzahl festgelegt, die der Firma (Mission

und Gemeinde) zusteht und der Rest einem selber gehört. Gibt

es überhaupt so etwas wie „meine“ Zeit? Wie behandeln wir die,

die unsere so genannte „freie“ Zeit belegen? Bemitleiden wir uns

noch wenn unser höchst persönlicher Plan durchkreuzt wird?

Verstehen wir uns als Professionelle mit dem Dienstansatz: „So

weit und nicht mehr“?

Unsere Dienstgesinnung sollte viel mehr eine Herzenshaltung,

eine grundsätzliche Lebenseinstellung sein. Hier können

wir vor allem von Jesus selber lernen.

Im Dienst unseres Herrn sehen wir uneingeschränkte

Bereitschaft. Der Ansturm der Massen, Tag und Nacht, hat

ihn nicht ungeduldig werden lassen, noch hat er seine Pläne

durchkreuzt. In Lukas 22, 27 sagte er: „Ich aber bin unter euch

wie der Dienende“. In Markus 10, 45 wiederholt Jesus es noch

einmal: „Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen,

dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein

Leben als Lösegeld.“ Unser Herr Jesus Christus erniedrigte sich

selbst bis an das Kreuz. Der Sohn Gottes, von Ewigkeiten her,

stirbt den schmählichen und grausamen Tod eines Sünders und

Verbrechers, stellvertretend und freiwillig. Welch ein Absturz!

Aus der Herrlichkeit in die Vergänglichkeit dieser Welt! War

es wirklich ein Absturz, eine grenzenlose Erniedrigung und

Demütigung? Verachtender Hohn und Spott war das Urteil

der Menschen. Doch der Vater im Himmel sprach: „Dies ist

mein lieber Sohn, auf ihm ruht mein Wohlgefallen“. Darauf

zurückblickend ermahnt und erinnert Paulus die Philipper im

zweiten Kapitel, Vers 5: „Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie Jesus

Christus auch war“.

Für uns ist es gerade die praktizierte Gesinnung unseres

Herrn, die überwältigt und überzeugt. Es ist die 24-stündige

Bereitschaft zum Dienst, die dem Evangelium die Glaubwürdigkeit

schenkt. Vertrauen und Gefolgschaft kann nicht herbei

kommandiert werden, sie müssen erarbeitet (erdient) werden.

Gesandte und Sender brauchen eine Dienstgesinnung. Am Markenzeichen

„Dienst“ müssen wir wiedererkannt werden, sonst

stehen wir im direkten Widerspruch zum Evangelium, das wir

verkündigen. Dabei muss verstanden werden, dass wir keine

Dienstleister, mit Betonung auf Leistung sind, sondern Dienstspender.

Wir haben keinen Kundenstamm, der zufrieden gestellt

werden, noch eine Konkurrenz, die überboten werden muss,

sondern auf ewig verlorene Menschen, Völker und Nationen,

die nur durch selbstlosen und glaubwürdigem Dienst erreicht

werden können. Haben wir Mut zum Dienen?

Siegfried Bongartz

7


Lebensrettende Hilfe für China

In unserer Juni/Juli-Ausgabe des Fokus Mission

hatten wir um Unterstützung für die Erdbebenopfer

in China gebeten. Dank unseres

Hilfsfonds „Katastrophenhilfe 85“ konnten

wir schnell und gezielt fi nanzielle Mittel auf den

Weg bringen. Von unserer Mitarbeiterin Anna

König*, die vor Ort die Hilfe koordinierte, haben

wir eine erste Rückmeldung erhalten:

Durch eure Hilfe haben 7 Personen bei einem

Einsatz im Erdbebengebiet in Sichuan, China, in

nur 4 Tagen 200 Menschen mit den notwendigs-

Vom heißen Malawi in den

kühlen Norden Finnlands

Diesen Wechsel hat Familie Strohbehn

im August 2008 für ein Jahr

vollzogen.

Die Ausbildung und Entwicklung der

drei Mädchen erforderte einen vorübergehenden

Umzug in Kirsis Heimatland.

Ulf hat in Finnland die Möglichkeit, in

einer Gemeinde mitzuarbeiten und

ten Lebensmitteln und weiteren kleinen Dingen

wie Zahnbürste, Zahnpasta, Handtücher und

Wannen versorgen dürfen. Viele von ihnen haben

uns gesagt, dass es für sie keinen Grund mehr

zum Leben gegeben hat, da sie sämtliche Familienmitglieder

in diesem

Unglück verloren haben

und ihr Haus über ihnen

zusammengestürzt ist. Da

gab es im wahrsten Sinne

des Wortes nichts mehr. Als meine Schüler ihnen

dann von Jesus erzählt haben, kam Hoffnung in

ihr Leben und über 100 Menschen nahmen Ihn

als ihren Herrn an. Das war Rettung in letzter Sekunde!

Die Worte, die wir bei diesem Einsatz am

allermeisten gehört haben, waren: Danke! Danke!

Vielen herzlichen Dank! Und diese Worte gelten

euch, die ihr es den 7 ermöglicht habt, dorthin zu

fahren! Im Namen der chinesischen Freunde und

Geschwister bedanken wir uns ganz herzlich für

eure Hilfe! Anna König

gleichzeitig wird er die Arbeit an der

Bibelschule Malawi weiter betreuen,

indem er des Öfteren nach Afrika fl iegt,

zunächst im Oktober zur Nationalkonferenz

und zur Bibelschulabschlussfeier.

Das Leitungsteam der Schule ist sehr

gut und so weiß er die Arbeit für diese

Zeit in guten Händen. Im August 2009

VM

wird Familie Strohbehn voraussichtlich

wieder nach Malawi zurückkehren,

doch im Moment stehen erst einmal

die Kinder im Vordergrund.

Bitte betet für Familie Strohbehn,

dass sie eine gesegnete Zeit in Finnland

haben und dass die Arbeit in Malawi

gut weiterläuft.

8 Fokus Mission


News

Nr. 6/2008 – Oktober/November

Abschied aus Rupaidiha

Daniela Steinhaus*, die im

Herbst 2007 zusammen mit

Familie Johan* nach Indien

ausgereist ist, musste leider

schon wieder Abschied nehmen, da

ihr Visum auf ein Jahr befristet war.

In ihrem letzten Rundbrief bringt

sie ihre Gedanken zu Papier:

Der Abschied von den Kindern und

auch den einheimischen Mitarbeitern

ist mir nicht leicht gefallen. Obwohl

es nur eine kurze Zeit war, entstanden

Freundschaften und man lernte sich

gegenseitig schätzen trotz der so unterschiedlichen

Kultur.

Endspurt für Horst Kappl

Bevor sich Horst Kappl Ende September auf

den Weg nach Deutschland machte zum

Heimataufenthalt, legte er noch einen wahren

Endspurt hin. Der Abschluss des Alpha-Kurses

im Gefängnis mit anschließender Auswertung

und Nachbetreuung und mehrere Royal-Ranger

Camps standen noch auf dem Programm.

Tatkräftige Unterstützung bekam er von einer

Gruppe aus Furtwangen, die zusammen mit

Pastor Peter Otparlik anreiste, um bei den

Camp-Vorbereitungen zu helfen.

Bis Mitte Januar 2009 bleibt Horst Kappl

nun in Deutschland und wird so manche Gemeinden

besuchen. Termin-Anfragen können

gerne an das VM-Büro gerichtet werden.

Die politische Lage erfordert leider,

dass ich vorerst meinen Einsatz in Indien

beende. Wir hatten in der letzten

Zeit viele Schwierigkeiten mit den

lokalen Behörden bekommen. Es ging

sogar so weit, dass sie mit Gefängnisstrafen

drohten. Es ist nämlich nicht

mehr erlaubt, mit einem Touristenvisum

länger als ein paar Tage auf der

Missionsstation zu bleiben. Und da

diese genau zwischen zwei Grenzen

liegt, sind wir ständig unter Beobachtung

der Behörden.

So werde ich ab Oktober vorerst

wieder in Heilbronn sein.

Es wird eine Zeit der Refl ektion

und Neuorientierung sein und ich

bin gespannt, wie Gott weiter führt!

Ein herzliches Dankeschön an alle,

die mich in diesem Jahr so großartig

unterstützt haben!

Herzliche Grüße und Gottes Segen

Eure Daniela Steinhaus*

Fleißige

Helfer aus

Furtwangen

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Die Arbeit der Velberter

Mission e.V. und der Förder-

Stiftung Velberter Mission

ist als steuerbegünstigt

anerkannt. Spenden werden

im Rahmen der Satzung entsprechend

der Zweckbestimmung,

oder, bei ausreichender

Finanzierung des Projektes,

für einen ähnlichen satzungsgemäßen

Zweck eingesetzt.

Satz und Gestaltung

Daniel Zabel

www.smartart24.de

Druck

Schönbach-Druck GmbH,

Erzhausen

Erscheinungsweise

alle zwei Monate

9


Verschlossene Welten

„W er sich aber selbst erhöht, der wird erniedrigt werden,

und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht

werden.“ (Mt. 12, 12)

Im christlichen, wie auch im jüdischen Denken spielt die

Demut eine besondere Rolle. Im Alten und im Neuen Bund

(NT) zeichnet sie den wahren Gläubigen aus, einen Menschen,

der mit Gott im Reinen ist. Im Hebräischen hat die

Wurzel des Wortes Demut (ANaVá) oder demütig (ANàV)

die Bedeutung von „sich beugen“, „herabbeugen“ oder auch

„sich unterwerfen“ oder „nachgeben“ (lehikana). Das Wörterbuch

beschreibt Demut u. a. als die „Eigenschaft, sich und

seine Interessen zurückzunehmen, meistens gegenüber einer

höheren Macht ... oder gegenüber einer Gemeinschaft“

Gehorsamkeit bringt ungeahnte Perspektiven: Immer

wieder stehen wir im täglichen Leben vor neuen Herausforderungen,

Demut zu üben und die Gesinnung Jesu

anzunehmen, der für uns das größte Beispiel ist.

Demut bedeutet auch, mal Arbeiten zu übernehmen, die

nicht so „angesehen“ sind, wo keine großen Erfolgszahlen

geschrieben werden; hinter den Kulissen und nicht im

Rampenlicht zu stehen, Hilfe zu leisten, ohne etwas zurück

zu erwarten.

In meiner beruflichen Aufgabe als Assistentin eines internationalen

Direktors stehe ich permanent in einem öffentlichen

Umfeld, das ich mir ursprünglich nicht gewünscht

oder ausgesucht hatte. Als ich zu dieser Aufgabe vor einigen

Jahren ja sagte und gehorsam war, hat Gott mich gesegnet

und Gelingen und Freude geschenkt. Er beförderte mich

sogar, da ich mit der Zeit viel mehr Verantwortung bekam

und mich ganz anders entfalten konnte. Indem ich mich den

persönlichen Herausforderungen stellte, konnte Gott mich

verändern, heilen und freisetzen.

Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt,

das habt ihr mir getan: In diesem Sommer hatte ich Gelegenheit,

gemeinsam mit meiner holländischen Kollegin

Corrie, Leiterin der Häuslichen Pflegeabteilung, den älteren

Zu Besuch bei

Babuschka Ellie*,

einer russischen

Jüdin aus Rostov,

die mit ihrem Mann

Georgi* und Familie

eingewandert ist.

Verwendungszweck-

Angabe für Spenden:

Wegetal 980

Der Schlüssel zu einem gesegneten Leben

russischen Einwanderern zu dienen. Diese meist kranken

und behinderten Menschen leben oftmals in schwierigen

Verhältnissen; sie haben alles zurück gelassen, um das

Wagnis eines neuen Lebens einzugehen.

Bei diesen Besuchen hatte ich die Möglichkeit, ihnen

ganz praktisch zu dienen – und sie auch zu trösten und

zu ermutigen. Gott hat es uns, den Gläubigen aus den

Nationen aufgetragen, Sein Volk zu trösten (Jesaja 40,1-2);

und wir können Menschen in schwierigen (demütigenden)

Situationen nur wirklich trösten, wenn wir uns selbst demütigen.

Für diese älteren, oft einsamen Juden war es ein Highlight

in der Woche, wenn wir kamen, um sie zu pflegen, zu

duschen, ihnen ein frisches Bett zu bereiten und einfach ein

wenig Aufmerksamkeit zu schenken. „Dankescheeen“ und

„Ich lieäbe dich“, waren die Abschiedsworte der weit über

80jährigen Babuschka (russisch für Großmutter) Ellie*. Und

sie ließ es sich nicht nehmen, extra für mich ein kleines Gedicht

in Jiddisch aufzusagen, das sie einmal in ihrer Kindheit

in Russland gelernt hatte. Ich war wirklich beschenkt.

Georgi* - ein weiterer Patient, den wir besuchten, ist nach

einem Schlaganfall schwer behindert. Als junger russischer

Soldat hatte er gegen die Nazis in Polen gekämpft und viele

seiner jüdischen Landsleute aus dem Warschauer Ghetto

retten können. Als wir ihm dienten, wurde ich erinnert an

den Bibelvers aus Jesaja 60,14: „Und gebeugt (demütig)

werden zu dir kommen die Söhne (und Töchter) deiner

Unterdrücker, und alle, die dich geschmäht haben, werden

sich niederwerfen zu deinen Fußsohlen“.

Nach solchen Diensten ging ich jedes Mal erfüllt und

froh nach Hause. Diese und manch andere Demuts-Gelegenheiten

haben mir schließlich Frieden und Freude

vermittelt. Auch wenn es im täglichen Leben nicht immer

leicht ist, Demut zu üben, eines ist sicher – wir sind letztlich

die Gesegneten. Bracha Wegetal

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Fokus Mission


Da saß ich nun auf meiner ersten

Nordafrikareise. Ich war

jung und ausgezogen, um das

Evangelium in diese so fremde Welt

zu bringen. Vor mir stand Redouane,

mein algerischer Freund, und bemühte

sich seit Stunden, meine scheinbar festgefahrene Idee von Jesus

und seiner Gemeinde zu erschüttern. Was war passiert? Redouane

und ich befanden uns in der tunesischen Stadt El Kef und sprachen

über verschiedene Möglichkeiten, das Evangelium in dieses Land

zu bringen. Und so kam ich mit meinen Ideen über Gemeinde

und christlichen Lebensstil und überschüttete meinen Freund mit

neuen Ideen. Doch wir kamen an einen Punkt, da rief Redouane

nur noch und bat mich, ihm zuzuhören.

UM WEN GEHT ES EIGENTLICH?

Worte wie „wir wollen keinen europäischen Jesus“ oder „Gemeinde

fängt bei uns mit zwei Personen an, denn mehr sind wir nicht“,

sollten die nächsten Stunden auf mich einprasseln und mein Verhalten

für die nächsten Jahrzehnte beeinfl ussen. Ich musste lernen,

mich als Christ, der von Gott zu den Menschen gesandt war, so

zu verhalten, dass ich diese Menschen verstehen konnte. Dazu

musste ich ihr Leben kennenlernen und ihnen nicht mein Leben

aufdrücken. Ich musste ihre Andersartigkeit entdecken, respektieren

und lieben lernen. Mir wurde klar, dass ich nur so verstehen

würde, wie Jesus ihnen begegnen möchte und was er ihnen sagen

möchte. Weit weg vom Wohlstand unserer westlichen Gemeinden

und auch weit weg vom christlichen Lebensstil, der durch unsere

Kultur mitgeprägt wurde.

Mir wurde klar, dass Jesus etwas Ähnliches getan hatte, indem

er uns nie einen Vorwurf gemacht hat, dass das Leben auf der Erde

dem himmlischen nicht sehr ähnlich ist. Jesus war nicht gekommen

zu richten, sondern zu retten (Johannesevangelium).

Als Missionare müssen wir lernen zu dienen, damit wir

nicht herrschen. Als Diener sind wir dazu berufen, mit

viel Liebe und Feingefühl das andere Leben dieser

Menschen zu entdecken und Wege zu suchen, um

Jesus zu predigen.

UNGESCHMINKTE EINBLICKE IN EINE

FREMDE WELT

Nach meinem Gespräch mit Redouane beschloss

ich, die nächsten Reisen damit zu verbringen,

Nr. 6/2008 – Oktober/November

Verwendungszweck-Angabe

für Spenden: Lütke 230

JuMi

DIE JUNGE

MISSIONSSEITE

Anders

diese neue Welt zu entdecken. Weit entfernt von

den Tourismuszentren an der Ostküste von Tunesien

verbrachte ich meine Nächte in den billigsten

Unterkünften bei den einfachen Menschen dieses

Landes. Für drei bis fünf Dinare (1 bis 2 Euro) hatte

man ein Zimmer mit Bett oder für den halben Preis

eine Matratze auf dem Flur. Die sanitären Anlagen,

als du denkst

wenn vorhanden, waren ekelerregend. Ich war

erstaunt, wie viele Menschen so lebten. Es gab

Nächte, in denen ich nicht schlafen konnte, weil die großen Kakerlaken

über meinen Körper liefen und als ich endlich vor Müdigkeit

einschlief, fi ng der Moscheevorbeter mit seinem Gebetsaufruf an

und ich war wieder hellwach. Aber es lohnte sich. Reise um Reise

konnte ich in vielen unzähligen Gesprächen mit den Einheimischen

entdecken, was ihr Herz bewegt, ich durfte ein wenig verstehen,

wie sie denken und wofür sie leben.

Auch heute noch kostet es uns, als Botschafter Christi, immer

wieder viel Hingabe und Demut, den Menschen, zu denen Jesus

uns sendet, das Gefühl der Annahme zu geben. Ohne ein Dienerherz

ist das nicht möglich. Wir können hingehen und unsere

Ideen und Lebensstile aufdrücken, weil wir davon überzeugt sind

oder wir können hingehen und nach der Tür suchen, die es uns

erlaubt, das Evangelium hineinzutragen. Der demütige Diener

wird die Herzen gewinnen und wird erleben dürfen, wie Jesus ihn

gebraucht.

Ich wünsche mir viele junge Leute, die aufstehen

und in die Welt hinausgehen – ohne Angst zu

haben, das in Deutschland lieb gewonnene

Leben aufzugeben; um für den, der sein

Leben für uns aufgegeben

hat, andere Leben

zu gewinnen:

JESUS.

Björn Lütke

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P O S T V E R T R I E B S S T Ü C K K 8 4 2 3

DPAG, Entgelt bezahlt

Velberter Mission e.V.

Kollwitzstraße 8 · 42549 Velbert

Abgabe erfolgt un ent gelt lich

Die Slowakei kannte ich aus meiner Kindheit

nur in der sprachlichen Verbindung

von „Tschecho-Slowakei“. So musste

ich mich zunächst bei dem Missionar Stefan

Horn, den ich im Rahmen der Kandidatenausbildung

im BFP kennenlernte, nach den

Verhältnissen in dem Land erkundigen. Von

den 5,5 Mill. Einwohnern sind etwa 10 %

Zigeuner. Unter diesen, in der Hauptsache

Roma, arbeitet Stefan Horn in Gemeinde-

Neugründung und Befestigung der jungen

Gläubigen. Er selbst leitet eine Gemeinde

aus Slowaken und Zigeunern in Kosice, der

zweitgrößten Stadt im Land.

Vom 16.-20.07.2008 waren nun die Leiter

und Mitarbeiter der neuen Gemeinden zu

einem dreitägigen Seminar zum Thema: „Wie

studiere ich die Bibel?“ eingeladen. Zu diesem

Zweck hatte Stefan Horn ein „einfachstes“

Freizeithaus angemietet.

Aufgefallen ist mir gleich die enorme Offenheit

der Teilnehmer für Gottes Wort und

Gottes Wirken. Die Frage: Wie motiviere ich

Mitarbeiter? stellt sich hier nicht. Mit großer

Dankbarkeit nahmen die Seminarteilnehmer

an den Veranstaltungen teil und studierten

fl eißig in der Bibel. An den Abenden fanden

wir uns zu Gottesdiensten zusammen. Gottes

Wirken und seine Gegenwart war enorm

aufbauend. Abgeschlossen haben wir diesen

Kurzeinsatz mit einem Gottesdienst am Sonntag-Vormittag

in der Hauptgemeinde in Kosice,

an dem etwa 80 Personen teilnahmen.

Ich bin sicher, dass wir aus dieser Arbeit

noch viel Gutes hören werden und bin dankbar

und beschenkt und mit einem neuen

Blick für dieses kleine Land in Europa nach

Hause zurück gekehrt.

Hartmut Knorr, BFP-Bundessekretär

BFP

Bund Freikirchlicher

Pfi ngstgemeinden KdöR

Mitarbeiterschulung in der Slowakei

Hartmut Knorr, Bundessekretär des BFP, war zu Besuch bei Stefan Horn in der Slowakei.

Auf einer 3-tägigen Schulung für Mitarbeiter konnte er Einblicke in die Gemeindearbeit gewinnen und den

Mitarbeitern gute Impulse weitergeben. Seine Eindrücke schildert er uns im folgenden Bericht:

12 Fokus Mission

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