Berufskrankheiten – eine Standortbestimmung - DGUV Forum

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Berufskrankheiten – eine Standortbestimmung - DGUV Forum

Quelle: Prae e/Butz

Titelthema

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Abbildung 2: Ausgewählte beruflich verursachte Krebserkrankungen im zeitlichen Verlauf

Nimmt man die Bezeichnungen dieser Erkrankungen,

so fi nden sich zwar nur bei

zehn Berufskrankheiten in der Defi nition

ausdrückliche Hinweise auf Krebserkrankungen,

nämlich bei den BK-Nummern

1301, 4104, 4105, 4109, 4110, 4112, 4113,

4114, 4203 und 5102. Tatsächlich sind

Krebserkrankungen aber auch bei neun

weiteren Listen-Berufskrankheiten unter

den Tatbestand beziehungsweise die Defi

nition zu subsumieren. Hinzu kommen

die Erkrankungen, die nach § 9 Abs. 2 SGB

VII zu beurteilen sind.

Tabelle 1 weist die Verteilung nach der

Berufskrankheit gemäß Anlage 1 zur

BKV aus. Dabei werden die BK-Nummern

4101 / 4102 und 4112 zusammengefasst,

weil sie die nach Eintritt einer Silikose

auftretenden Lungenkrebs-Erkrankungen

umfassen. Ebenfalls zusammengefasst

werden die BK-Nummern 1303 und 1318,

weil mit der Einführung der BK-Nummer

1318 das benzolbedingte Krebsgeschehen

in einer diff erenzierten Weise aus der

bisherigen BK-Nummer 1303 in die neue

BK-Nummer 1318 überführt wurde. Die

rechtliche Änderung der BK-Definition

für BK-Nummer 4104 im Jahr 1993 brachte

eine Beweiserleichterung. Denn ein Lungenkrebs

kann danach auch dann durch

Asbest verursacht sein, wenn die Einwirkung

einer kumulativen Asbeststaub-Dosis

am Arbeitsplatz von mindestens 25 Faserjahren

nachgewiesen wird. Außerdem

wurde ab Dezember 1997 auch die Anerkennung

des asbestverursachten Kehl-

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● Gesamt ● BK 4104 ● BK 4105 ● BK 2402

1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010

kopfkrebses ermöglicht. Einschließlich

der zuvor noch nach § 9 Abs. 2 SGB VII

entschädigten Kehlkopfkrebsfälle wurden

bis Ende 2010 893 dieser Fälle anerkannt.

Tabelle 1: Beruflich verursachte Krebserkrankungen

1978 bis 2010, bis 1990 nur

alte Bundesländer

BK-Nr./Kurzbezeichnung Deutschland

insgesamt

1301 Aromatische Amine 1.945

4104 Lungen-/Kehlkop rebs,

Asbest

15.079

4105 Mesotheliom, Asbest 15.192

4109 Nickel 149

4110 Kokereirohgase 395

4112 Lungenkrebs in

Verbindung mit Silikosen

898

4113 Lungenkrebs, PAK 13

4114 Lungenkrebs, Asbest

und PAK

19

4203 Holzstaub 785

5102 Hautkrebs 292

1103 Chrom 313

1108 Arsen 142

1302 Halogenkohlenwassersto

e

119

1303 / 1318 Benzol 887

1310 Alkyl-, Aryl- und Alkylaryloxide

149

2402 Ionisierende Strahlen 4.178

Gesamt 40.555

Hinweis: Bei jeder Änderung der Berufskrankheiten-

Verordnung werden die zuvor noch nach § 9 Abs. 2 SGB VII

anerkannten Fälle den zutre enden Listen-BKen zugeordnet.

Krebserkrankungen nach dem Jahr der

Anerkennung und im zeitlichen Verlauf

Die Entwicklung der Zahl der Krebserkrankungen

nach dem Jahr der Anerkennung

zeigen Tabelle 2 und Abbildung 2.

Krebserkrankungen sind in aller Regel

schwere Krankheiten, so dass ein Vergleich

mit den anerkannten Berufskrankheiten

insgesamt sinnvoll ergänzt werden

kann um den Vergleich mit den neuen BK-

Renten, als den schweren Erkrankungen

unter den anerkannten Berufskrankheiten.

Die Ursache für die Entwicklung bis Mitte

der 1990er Jahre lässt sich auf die BK-

Nrn. 2402 „Erkrankungen durch ionisierende

Strahlen“ und 4104 sowie 4105, die

durch Asbest verursachten Krebserkrankungen,

zurückführen (vgl. hierzu Abbildung

2). Insbesondere die BK-Nummer

2402 charakterisiert das Krebsgeschehen

des Uranerzbergbaus auf dem Gebiet

der ehemaligen DDR. Erwartungsgemäß

wird die Zahl dieser Fälle nach und nach

zurückgehen.

Bei der BK-Nummer 4104 kommt zwar

auch ein Anteil der Anerkennungen aus

den neuen Bundesländern hinzu, im Wesentlichen

aber wird die Entwicklung

dieser BK in den 1990er Jahren durch die

Einführung der oben genannten Beweiserleichterung

im Jahr 1993 geprägt. Diese

führte zu einem starken Anstieg der anerkannten

Fälle bei dieser BK in den folgenden

Jahren. Dieser Eff ekt verliert sich ab

der zweiten Hälfte der 1990er Jahre, ein

Plateau scheint erkennbar.

Erkrankungsfälle gemäß BK-Nummer

4105, also durch Asbest verursachte Mesotheliome,

finden sich in den neuen

Bundesländern nur sehr selten, so dass

durch die Wiedervereinigung die Fallzahlen

fast nicht berührt wurden. Rechtliche

Änderungen bei der BK gab es zudem

nur bezogen auf die Hinzunahme

der Mesotheliome des Pericards, die aber

äußerst selten sind. Das Fehlen solcher

Besonderheiten führt dazu, dass diese

BK sich sehr gleichförmig entwickelt. Ob

die Veränderungen der vergangenen Jahre

so zu interpretieren sind, dass nicht

nur BK-Nummer 4104, sondern nunmehr

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