Saubere Fassaden: Nano-Quarz- Gitter Technologie Saubere Fassaden ...

caparol.ua

Saubere Fassaden: Nano-Quarz- Gitter Technologie Saubere Fassaden ...

* Farben

Ausgabe 01| 2008

technikforum

| Lacke | Bautenschutz

Aktuell

Natürlich vergraute

Holzoberflächen:

Ein neues Geschäfts -

feld für das Handwerk

Regeln und Normen

Wärmedämm-

Verbundsysteme:

Windlastnorm

DIN 1055-4

Fokus

Carbonverstärkt:

Emissionsminimierte

Bodenbeschichtungen

Report

Desinfektionsmittelbeständigkeit

von

Innenfarben

Im Brennpunkt

Saubere Fassaden:

Nano-Quarz-

Gitter Technologie


02 Inhalt

Editorial

Fassadenbeschichtungen

Holzbeschichtungen

Wärmedämmung

Sonderthema

„Carbon Edition“

Innenbeschichtungen

Lackierungen

Gestaltung

Im Brennpunkt

Report

Fokus

Aktuell

Regeln und Normen

Kompakt

Fokus

Aktuell

Kompakt

Regeln und Normen

Report

Praxis

Report

Kompakt

Kompakt

Nachweisbare Produktvorteile – Von Franz Xaver Neuer

Nanotechnologie für moderne Beschichtungen:

Fassaden hinter Nano-Quarz-Gitter

Mehr Sauberkeit, höhere Farbbrillanz: Handwerksbetriebe

setzen auf neue High-Tech-Fassadenfarben

Gegen Algen und Pilze:

Klassische Biozide statt alternativer Konzepte

Natürlich vergraute Holzoberflächen:

Ein neues Geschäftsfeld für das Handwerk

Neue Windlastnorm DIN 1055-4

WDVS-Baustellen: Mehr Effizienz, weniger Kosten

Carbon Edition: High-Tech-Schutz für gedämmte Fassaden

Innenwandfarben: Füllstoffe aus Carbon leiten neue Ära ein

Carbon auf den Boden: Emissionsminimierte Beschichtungen

Für ein gesundes Raumklima: Neue Normen für

Bodenbeschichtungen in Innenräumen

Desinfektionsmittelbeständigkeit von Innenfarben:

Im Kampf gegen Viren bleibt die Oberfläche schön

Hochwertige Lackierung: Wenn schon Schleifen, dann richtig

Wasserverdünnbare Lacke: Neue Airless-Spritzgeräte mit dem

richtigen Zubehör ermöglichen hervorragende Ergebnisse

Ausgezeichnete Gestaltungskompetenz:

FantasticFleece erfolgreich

Spectrum 3.0: Innovative Gestaltungssoftware

Impressum

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Technikforum 03

Franz Xaver Neuer ist als

technischer Leiter bei

Caparol für den Bereich

Farben, Lacke, Bautenschutz

zuständig.

Editorial

Nachweisbare Produktvorteile

Von Franz Xaver Neuer

Das Tempo hat zugenommen. Der

globale Markt wird bestimmt von immer

kürzeren Innovations- und Design -

zyklen. Um im Wettbewerb zu bestehen,

müssen Unternehmen flexibel, pro -

duktiv und innovativ sein – immer im

Sinne des Kunden.

Mit der Nano-Quarz-Gitter Technologie

(NQG) hat Caparol jetzt eine neue Gene -

ration von Fassadenfarben auf den Markt

gebracht, die nicht nur die Verschmutzungsneigung

deutlich reduziert und eine wesentlich

höhere Farbbrillanz gegenüber herkömmlichen

Werkstoffen besitzt. In zahlreichen

Langzeituntersuchungen bestätigte sich,

daß die neuen Produkte die Vorteile der Mineralfarben

(Oberflächenhärte und Langlebigkeit)

mit den Vorzügen von Dispersionsfarben

(Kreidungsstabilität und Flexibilität)

auf unnachahmliche Weise kombinieren.

Technikforum berichtet über die wissenschaftlichen

Hintergründe dieses technischen

Quantensprungs und Praxiserfahrungen von

Malermeistern mit den neuen Werkstoffen.

Dabei sei nur am Rande erwähnt, daß es bei

der Weiterentwicklung des Caparol Clean

Concepts mit AmphiSilan (NQG) Nespri-TEC

möglich ist, die dem Produkt innewohnenden

Eigenschaften rationell und umweltschonend

zu nutzen, indem Fassaden im

Spritzverfahren nebelfrei beschichtet werden

können.

Eine weitere Innovation mit Alleinstellungsmerkmal

eröffnet dem Handwerk gleichfalls

erhöhte Marktchancen: Es handelt sich um

emissionsminimierte Bodenbe schichtungen,

die vom TÜV gemäß den strengen Kriterien

des Ausschusses zur gesundheitlichen Bewertung

von Bauprodukten (AgBB) grundgeprüft

und jährlich auf die Einhaltung der

Grenzwerte hin überwacht werden. Dadurch

gewährleisten sie ein gesundes Raumklima.

Carbonfaserverstärkte

Beschichtungen

Mit den neuen Bodenbeschichtungen wendet

sich Technikforum dem Feld carbon -

faserverstärkter Materialien zu. Nachdem im

vergangenen Jahr das erste Carbon-Wärmedämm-Verbundsystem

im Markt etabliert

wurde, hat das Handwerk jetzt auch an

Boden und Wand die Chance, diese neue

Technologie mit belegbaren Produktvorteilen

zu nutzen. Während sich die carbonverstärkten

Bodenbeschichtungen durch ihre besondere

Widerstandsfähigkeit auszeichnen,

ist die matte Innenfarbe PremiumColor selbst

bei kräftigsten Farbtönen weitestgehend

gegen den Schreibeffekt beständig. Die verwendeten

Rohstoffe ermöglichen eine hohe

Strapazierfähigkeit bei gleichzeitiger Farbtonvielfalt

der Beschichtung. Die carbonhaltigen

Füllstoffe schützen die im Bindemittel

verankerten Pigmente durch ihre extreme

Härte vor dem Abrieb und verhindern die

Entstehung der für den Schreibeffekt charakteristischen

Streifen.

Des Algen- und Pilzbefalls an der Fassade

mit biozidfreien Alternativen Herr zu werden,

ist eine Illusion. Dies wird anhand eines

Vergleichs mit wirkstoffhaltigen Fassadenfarben

anschaulich gezeigt. Deutlich wird, daß

moderne, bauphysikalisch optimierte Beschichtungsstoffe

mit nach der Biozid-Produkte-Richtlinie

zugelassener und in der Freibewitterung

erprobter biozider Ausrüstung

einen sicheren Schutz vor einem Befall bieten.

Auch die Desinfektionsmittelbeständigkeit

von Innenfarben ist ein Feld, mit dem

sich der Handwerker befassen sollte. Denn

durch die Auswahl ungeeigneter Beschichtungsstoffe

können Schäden entstehen, die

hohe Sanierungskosten nach sich ziehen.

Praxistips zum richtigen Schleifen und Top-

Lackierungen mit dem Airless-Spritzgerät

runden das aktuelle Technikforum ab.

Viel Freude bei der Lektüre.


4 Fassadenbeschichtungen

Im Brennpunkt

Fassaden hinter

Nano-Quarz-Gitter

Nanotechnologie für moderne Beschichtungen – Von Dr. Thomas Brenner

Die Nanotechnologie gilt als die Schlüsseltechnologie

des 21. Jahrhunderts.

Grundlegende Gedanken zu dieser

Technologie stammen vom amerikanischen

Physiker und Nobelpreisträger Richard

Feynman, der im Jahr 1959 einen

wegweisenden Vortrag mit dem Thema

„There’s plenty of room at the bottom“

(ungefähr: Ganz unten ist eine Menge

Platz) hielt [1] . Nanotechnologie beschreibt

allgemein die Herstellung,

Untersuchung und Anwendung von

Strukturen mit einer Dimension kleiner

als 100 nm. Entscheidend ist dabei,

daß aus der Nanoskaligkeit der Systemkomponenten

neue Funktionalitäten

und Eigenschaftsverbesserungen von

Produkten resultieren. „Diese neuen

Effekte und Möglichkeiten sind überwiegend

im Verhältnis von Oberflächenzu

Volumenatomen und im quantenmechanischen

Verhalten der Materiebausteine

begründet“ [2] .

Das Wort Nanometer leitet sich ab vom

griechischen Wortstamm „nanos“ und

bedeutet Zwerg. Ein Nanometer ist

hierbei der milliardste Teil eines Meters (=

0,000 000 001 m = 10 -9 m). Ein Nanometer

verhält sich zu einem Meter wie der

Durchmesser eines Fußballs zu dem unseres

Erdballs und ist somit fünfzigtausendmal

Ob für klassische Wohn- und Geschäftsobjekte oder für große Flächen: Die High-Tech-Fassadenfarben AmphiSilan

und ThermoSan mit der Nano-Quarz-Gitter Technologie erhalten auch bei der Verarbeitung und beim universellen

Einsatz Bestnoten von Handwerkern und Bauherren.

kleiner als der Durchmesser eines menschlichen

Haares mit ca. 60–70 µm.

Mit rund einer Million Mitarbeitern und

230 Mrd. € Jahresumsatz zählt der Bausektor

zu den wichtigsten Branchen in Deutschland

[2] . Aufgabe der nächsten Jahre wird es

sein, die Chancen der Nanotechnologie für

diesen wichtigen Industriezweig nutzbar zu

machen. Eine in den letzten Jahren entwikkelte

konkrete Anwendung der Nanotechnologie

in Bautenanstrichstoffen ist die Entwicklung

von verschmutzungsarmen Fassa-

denfarben auf Grundlage der sogenannten

Nano-Quarz-Gitter Technologie.

Verschmutzungsresistentere

Fassadenfarben

Fassaden sind jahrein und jahraus der Witterung

ausgesetzt; Sonne, Regen und Frost

belasten die Oberflächen. Hochwertige Fassadenfarben

leisten einen wichtigen Beitrag

zum Werterhalt eines Gebäudes, indem sie

Quellenhinweis:

1. R. Feynman, Engineering and Science, Februar 1960, S. 20 ff.

2. Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung,

Einsatz von Nanotechnologie in Architektur und Bauwesen, Band 7 der Schriftenreihe

der Aktionslinie Hessen-Nanotech, August 2007, S. 9


einen langjährigen Schutz vor diesen schädlichen

Witterungs- und Umwelt einflüssen

bieten. Eine besondere Gefahr für Putz und

Mauerwerk geht von Wasser aus. Deshalb

ist die wichtigste Anforderung an einen Beschichtungsstoff,

Regenwasser und Feuchtigkeit

vom Mauerwerk fernzuhalten, aber

gleichzeitig eine hohe Diffusionsfähigkeit für

Luft- und Wasserdampf (Atmungsaktivität)

zu erzielen. Weiterhin sollen Fassadenfarben

Gebäude verschönern und ansprechend farbig

gestalten.

Mit der Nano-Quarz-Gitter Technologie

ist es gelungen, eine völlig neue Generation

von Fassadenfarben zu entwickeln, die die

Vorteile der Silikatfarben – hohe Wasser -

damp fdurchlässigkeit und geringe Verschmutzung

– mit den Vorteilen der Dispersionsfarben

– geringe Kreidung und universelle

Verarbeitungseigenschaften – vereint. Der

Verursacher der Anschmutzneigung bei Dispersionsfarben,

die Thermoplastizität des

Bindemittels, wird durch die Nano-Quarz-

Gitter Technologie wirkungsvoll reduziert,

weil die Farbe „mineralischer“, d. h. weniger

thermoplastisch wird. Gleichzeitig bleiben

Flexibilität und universelle Verarbeitbarkeit

einer Dispersionsfarbe erhalten.

Im Fall einfacher Mischungen aus Di -

s persionsteilchen und Silika-Sol-Partikeln agglomerieren

letztere in den Zwischenräumen

der Polymerdispersion zu einer Art Wasserglas-Füllstoff,

der die Thermoplastizität des

organischen Bindemittels nicht reduzieren

kann. Bei der Nano-Quarz-Gitter Technologie

enthalten die organischen Bindemittel Silika-Sole,

Wasserglaspartikel von 10–20 nm

Durchmesser als anorganische Nanopartikel,

die feinstverteilt in der organischen Phase

des Bindemittels vorliegen. Hier stellt die organische

Polymermatrix mit den darin chemisch

gebundenen anorganischen Wasser-

NanoHybrid-Dispersion

Teilchengröße ca. 100–150 nm

Quarzteilchen ca. 20 nm

Konventionelle Fassadenfarbe

glaspartikeln eine untrennbare Einheit dar,

und die Silika-Sol-Partikel bilden bei der

Verfilmung des NanoHybrid-Bindemittels

ein dreidimensionales Wasserglasnetzwerk

(Quarz-Gitter) im organischen Dispersionsfilm

aus. Dies ist in Abbildung 1 schematisch

dargestellt. In Abb. 2 sind Raster-Elektronenmikroskopie-Aufnahmen

der Oberflächen von

zwei Fassadenfarben dargestellt. Im Vergleich

zur konventionellen Fassadenfarbe ist bei der

Fassadenfarbe mit NanoHybrid-Bindemittel

das Gitternetzwerk aus Silika-Sol-Nanopartikeln

deutlich zu erkennen. Die Vorteile der

Nano-Quarz-Gitter Technologie konnten in

Konventionelle Fassadenfarbe (links) und

Fassadenfarbe mit Nano-Quarz-Gitter Technologie

Abbildung 1: Schematische Darstellung der Verfilmung der NanoHybrid-Dispersion

Verfilmung

Abbildung 2: Raster-Elektronenmikroskopie-Aufnahmen

Abbildung 3: Freibewitterungsplatten aus

Istanbul (90° für zwei Jahre)

Nano-Quarz-Gitter

Quarzteilchengröße ca. 20 nm

Technikforum

200 nm 200 nm

Fassadenfarbe mit Nano-Quarz-Gitter Technologie

deutlich ist das Netzwerk aus Silika-Sol-Partikeln

erkennbar

vielen anwendungstechnischen Versuchen bestätigt

werden. So zeigte z. B. eine zweijährige

Freibewitterung in Istanbul bei 90° eine

deutlich verringerte Anschmutzneigung der

Fassadenfarbe mit Nano-Quarz-Gitter Technologie

verglichen mit herkömmlichen Fassadenfarben

(Abb. 3). Weiterhin zeigen Produkte

mit der Nano-Quarz-Gitter Technologie

kein Weißanlaufen des Bindemittels (siehe

Abb. 4) und eine reduzierte Brandlast, was

ein hohes Entwicklungspotential dieser Technologie

ermöglicht.

Die Nano-Quarz-Gitter Technologie ist

die konsequente Weiterentwicklung des Ca-

Abbildung 4: Weißanlaufen von Dispersionen

Konventionelle Dispersion (links) und

NanoHybrid-Dispersion

parol Clean Concepts in Richtung mineralischer

und nicht thermoplastischer Ober -

flächen, denn sie vereint die Vorteile der

Silikat farben (nicht thermoplastisch, geringe

An schmut zung, hohe Wasserdampfdurchlässigkeit)

mit den Vorzügen der Dispersionsund

Silikonharzfarbentechnologie (universeller

Einsatz, Flexibilität, Kreidungsstabilität).

<

5


6 Fassadenbeschichtungen

Report

Längere Haltbarkeit, mehr

Sauberkeit, höhere Farbbrillanz

Handwerksbetriebe setzen auf neue High-Tech-Fassadenfarben –

In Verbindung mit Nespri-TEC geht’s auch nebelfrei

Aufsprühen, nachrollen, fertig: So einfach ist es,

Putzfassaden im Kreuzgang mittels Nespri-TEC

zu beschichten. Mit der neuen High-Tech-Farbe

gelingt das nebelfrei.

Aufgeschlossen und experimentierfreudig

müsse ein Handwerker sein, um

sich vom Gros der Mitbewerber abzuheben.

Davon ist Maler- und Lackierermeister

Karl-Heinz Zecher schon seit seiner

Lehrzeit überzeugt. Nach gut einem

Jahrzehnt erfolgreicher Selbständigkeit

arbeitet sein Betrieb heute mehr denn je

nach der Maxime, Kunden durch den

Einsatz erprobter wie auch unkonventioneller

Gestaltungstechniken und Verarbeitungsverfahren

brillante Handwerksqualität

zum wirtschaftlichen

Preis zu garantieren.

Bloß nicht an Althergebrachtem kleben.

„Qualitätsarbeit kann man auf verschiedene

Weise leisten. Die jeweilige

Aufgabe bestimmt die Wahl der Mittel und

den besten Weg zum Ziel.“ Diesen Rat gibt

Karl-Heinz Zecher nicht nur jüngeren Kollegen.

Ein Beispiel aus seinem Erfahrungsschatz

verdeutlicht, was er damit meint: „Als

es galt, die katholische Kirche in Zwingenberg

mit Blattgold zu verschönern, waren restauratorisches

Fachwissen, Kunstfertigkeit

und Fingerspitzengefühl gefragt. An die Neugestaltung

einer großflächigen Fassade

mache ich mich hingegen lieber mit dem

Airlessgerät.“ So erklärt es sich auch, daß

Maler Zecher zu den ersten Betrieben zählte,

die Fassadenfarben mit Nano-Quarz-Gitter

Technologie einem intensiven Praxistest

unterziehen durften: Das von Caparol entwickelte

High-Tech-Produkt wurde mittels

Nespri-TEC nebelfrei auf die Außenwände

eines Drei-Sterne-Hotels appliziert. Mit der

1.500 m² großen Fläche waren sechs Fachkräfte

ruck, zuck fertig. Das Ergebnis begeistert

seither nicht allein die Gastronomin.

Farbwechsel im Vorübergehen

„Daß Sie so schnell fertig sind! Wie haben

Sie das nur geschafft – in dieser ultrakurzen

Zeit?“ Die Überraschung steht Stephanie

Oberpichler förmlich ins Gesicht geschrieben.

Die Inhaberin des idyllisch gelegenen

Drei-Sterne-Hotels „Waldesruh“ in Mühltal

bei Darmstadt wußte natürlich, daß Caparol

eine neuartige Fassadenfarbe an ihrem Haus

erproben wollte. Wie schnell ein Gebäude

sein Antlitz wechseln kann, wurde ihr jedoch

erst beim Betrachten des curryfarbenen

Gästehauses vollends bewußt. Morgens

weiß, mittags gelb – von einem „Farbwech-

sel im Vorübergehen“ hatte die gestandene

Geschäftsfrau bis dahin nicht einmal zu träumen

gewagt.

Ideen für schönere Fassaden

Nebelfreies Spritzen mittels Nespri-TEC ist

schon eine feine Sache. Wo früher Farbkleckse

die Wirkungsstätte praktisch eines

jeden Malers säumten, herrschen heute

klare Verhältnisse. Das von der J. Wagner-

Firmengruppe gemeinsam mit Caparol entwickelte

Aggregat namens Nespray surrt wie

eine Nähmaschine. Mit konstantem Druck

befördert das Airlessgerät die spezifisch eingestellte

Farbe genau dorthin, wo der Auftrag

zu erfolgen hat. Ein sanfter Druck auf

die Sprühpistole, schon strömt der gewünschte

Farbton vom Eimer durch den

schier endlos langen beheizten Schlauch, der

die Farbe auf 40 Grad Celsius erwärmt. Danach

geht’s direkt durch die Doppeldüse an

die Wand. Kennzeichnend für solche Nespri-

TEC-Anwendungen ist das exakte Sprühbild.

Beeinträchtigungen durch Farbnebel, Spritzer

oder Kleckse gehören der Vergangenheit

an. „Mit Nespri-TEC kann der Handwerker

sogar im Sonntagsanzug aufs Gerüst“,

schmunzelt Karl-Heinz Zecher, der das Zukunftspotential

der Airlesstechnologie schon

bei ihrer Markteinführung erkannte. Kurz

darauf schaffte er sein Airlessgerät an: „Diese

Investition habe ich noch nie bereut. Der

Technikeinsatz hat sich in der Praxis längst

bezahlt gemacht, und zwar sowohl in Innenräumen

als auch außen an diversen Fassaden.“

Eigentlich ist das kein Wunder, denn

Karl-Heinz Zecher nutzt technische Neuerungen

gezielt, um sich bei potentiellen Kunden

ins Gespräch zu bringen. Das funktioniert.

Man muß nur die richtigen Worte fin-


Das idyllisch gelegene Hotel Waldesruh in Mühltal ist das erste Nespri-TEC-Objekt, dessen Fassade ein

Nano-Quarz-Gitter schützt. Die neue Technologie wurde von Caparol in Ober-Ramstadt entwickelt.

Technikforum

7

Experten-Meinung

Der Zwingenberger Ma -

ler- und Lackierermeister

Karl-Heinz Zecher

ist Mitglied der Malerund

Lackiererinnung

Bensheim. Er hat die

von Caparol entwickeltenHigh-Tech-Fassadenfarben

mittels Nespri-TEC

nebelfrei auf die Außenwände

eines Hotels appliziert: „Das Ergebnis begeisterte.“

den und ein attraktives Angebot formulieren,

das den Bedarf des Kunden in allen

Schattierungen trifft. Spätestens seit das ZDF

bei ihm gedreht hat, kennt man Maler Zecher

weit über Zwingenberg hinaus als innovationsfreudigen

Betrieb, der auf Caparol-

Produkte und intelligenten Technik-Einsatz

schwört. Die Applikation mittels Nespri-TEC

geht mindestens doppelt so schnell wie ausschließlich

mit der Rolle. Für Fassadenarbeiten

genügen zwei bis drei Fachkräfte; das

schafft Kapazitäten für weitere Objekte.

Obendrein bleibt dem Maler das Schleppen

und Heben schwerer Farbeimer erspart. In

der Regel gelingt der „Neuanstrich“ mit dem

Airlessgerät sehr viel sauberer und gleichmäßiger

als von Hand.

War schon die Entwicklung der Airlessgeräte

ein Meilenstein, so markiert die aktuelle

Markteinführung der Nano-Quarz-Gitter

Technologie den Beginn einer Ära, die

das Handwerk revolutionieren könnte. Diplom-Chemiker

Dr. Stefan Kairies, Produktmanager

bei Caparol, faßt die wichtigsten

Merkmale der neuen Fassadenfarbengeneration

zusammen: „Bislang hatte der Verarbeiter

die Qual der Wahl zwischen Silikatund

Silikonharzfarben. Während Silikatfarben

mit Eigenschaften wie hoher Wasserdampfdurchlässigkeit

und geringer Verschmutzungsneigung

aufwarteten, punkteten

Silikonharzfarben durch ihre hohe

wasserabweisende Wirkung, geringe Kreidung,

einfache Verarbeitung und ihre nahezu

universelle Einsetzbarkeit. Die neuarti-

>


8 Kompakt

„Bislang hatte der Maler die Qual der

Wahl zwischen Silikat- und Silikonharzfarben.

Während Silikatfarben mit

Eigenschaften wie hoher Wasserdampfdurchlässigkeit

und geringer Verschmutzungsneigung

aufwarteten, punkteten

Silikonharzfarben durch ihre hohe wasserabweisende

Wirkung, geringe Kreidung,

einfache Verarbeitung und ihre

nahezu universelle Einsetzbarkeit. Die

neuartigen Fassadenfarben mit Nano-

Quarz-Gitter Technologie vereinen die

herausragenden Vorzüge beider Farbklassen.

Eine neue Broschüre von

Caparol hilft beim Kundengespräch

und informiert über die Vorzüge der High-

Tech-Fassadenfarben. Sie ist unter

dem Stichwort „Nano-Quarz-Gitter

(Artikelnummer 823835) erhältlich bei

Caparol Farben Lacke Bautenschutz,

Werbemittelservice, Roßdörfer Straße

50, 64372 Ober-Ram stadt, Fax 06154-

71544, info@caparol.de. Als besonderen

Service bietet Caparol Handwerksbe -

trieben zudem die Möglichkeit eines

Firmeneindrucks in den Flyern an. Über

das Thema informiert auch ein Film,

der auf der Homepage www.caparol.de

oder www.nano-quarz-gitter.de zu

sehen ist. Weitere Informationen gibt es

bei der Caparol-Presseabteilung unter

Telefon 06154-711097.

gen Fassadenfarben mit Nano-Quarz Gitter-

Technologie vereinen die herausragenden

Vorzüge beider Farbklassen. Wir sprechen

also von einem echten Quantensprung. Län-

Fassadenbeschichtungen

gere Haltbarkeit, vorbildliche Sauberkeit und

höhere Farbbrillanz sind drei weitere Effekte,

die durch den Einsatz von Fassadenfarben

mit Nano-Quarz-Gitter erzielt werden.“

Wie das im Detail funktioniert, kann

man sich in etwa so vorstellen: Möglich

wurde die bahnbrechende Entwicklung

durch eine völlig neuartige Formulierung.

Bei der Nano-Quarz-Gitter Technologie verbinden

sich anorganische Quarzpartikel und

organisches Reinacrylat durch eine chemische

Reaktion. Die wenige milliardstel Millimeter

kleinen Quarzpartikel verteilen sich

gleichmäßig und entwickeln während der

Filmbildung eine dreidimensionale Gitterstruktur.

Das Nano-Quarz-Gitter verkrallt

sich fest im Putz bzw. Mauerwerk, was der

Fassade eine besonders hohe Widerstandskraft

verleiht.

Kalte Dusche für

den Schmutz

Die Gitterstruktur basiert auf Acrylatbrükken,

die benachbarte Quarzteilchen miteinander

verbinden. Diese Verbindungen sind

fest und flexibel zugleich. Das macht die

Oberfläche der Beschichtung extrem robust,

so daß Schmutzteilchen und Sporen nicht

anhaften können. Der Effekt: Die Fassade

bleibt deutlich länger sauber; das Farbbild

wirkt brillant. Sofern es einzelnen, besonders

hartnäckigen Partikeln dennoch gelingen

sollte, sich kurzfristig an die Fassade zu heften,

werden sie spätestens vom nächsten

Windstoß oder Regenschauer wieder abgelöst.

Diese „selbstreinigende“ Eigenschaft

wird von winzig kleinen Quarzteilchen

unterstützt, die eine rauhe Oberfläche erzeugen.

Das begünstigt bei Regen die Bildung

eines hauchdünnen, vollflächigen Wasserfilms,

der sowohl zur umfassenden Reinigung

als auch zur schnellen Trocknung der

Fassade beiträgt. Die Silikonausstattung verhindert

zuverlässig das Eindringen von Wasser

in die Beschichtung. Auf umgekehrtem

Weg aber kann Wasserdampf an die Oberfläche

gelangen, wo er großflächig verdunstet.

Was zu Verschmutzungen führt und die

Optik stört, hat an Nano-Quarz-Gitter-Fassaden

also keine Chance.

Experten-Meinung

Auch Heinz Held,

Geschäftsführer und

Prokurist der Baudekoration

Steuernagel

& Lampert, testete die

neuen Fassadenfarben

in der Praxis: „Was

uns aufgefallen ist,

war die ausgezeich -

nete Verarbeitungsfähigkeit. Hier gab es

keinerlei Probleme. Was uns beeindruckt

hat, war aber die hohe Farbbrillanz, die

sich hier gezeigt hat.“

Das wird von Handwerksbetrieben unisono

bestätigt. Denn bevor das Produkt auf den

Markt kam, wurde die Farbe in der Praxis

getestet. Hierzu Kairies: „Für uns ist es wichtig,

uns vorab der Kritik der Anwender zu

stellen, um mögliche Nachbesserungen noch

durchführen zu können, bevor das Produkt

dann auf den Markt kommt.“ So testete

auch Malermeister Heinz Held die neue

Hight-Tech-Farbe. Er arbeitet seit 39 Jahren

beim Malerbetrieb Steuernagel & Lampert in

Groß-Bieberau und ist dort Prokurist und Geschäftsführer.

Der Betrieb, den er leitet, gehört

zu den größeren der Branchen, rund 70

Mitarbeiter, davon fünf Meister, sind dort beschäftigt.

Steuernagel & Lampert feiert in diesem

Jahr das 60jährige Firmenjubiläum, das

Unternehmen ist der größte Malerbetrieb in

der Region. Für den Test der neuen Farbe

hatte Held einen Auftrag vorgesehen, bei

dem die Fassade eines Kindergartens neu gestaltet

werden mußte. „Was uns aufgefallen

ist, war die ausgezeichnete Verarbeitungsfähigkeit.

Hier gab es keinerlei Probleme. Was

uns beeindruckt hat, war aber die hohe Farbbrillanz,

die sich hier gezeigt hat.“ Für den

Malermeister paßt die neue Technologie

denn auch ins Geschäftskonzept. „Wir sehen

hier eine Möglichkeit, unsere Qualität in der

Ausführung unserer Aufträge für die Kunden

noch einmal steigern und damit unsere Stellung

im Markt behaupten zu können.“


Sträucher und Bäume begünstigen das Wachstum von Algen und Pilzen enorm.

Fokus

Gegen Algen und Pilze

Alles begann vor 13,7 Milliarden Jahren

mit dem Urknall, bevor dann vor ca.

4,7 Milliarden Jahren die Galaxien, die

Milchstraße und unser Sonnensystem

entstanden. Vor ca. 3,5 Milliarden

Jahren erlebte unsere Welt die biologische

Evolution – und die ersten Bakterien

und Algen besiedelten die Erde.

Erst seit ca. 200.000 Jahren gibt es

den Menschen.

Aus dieser kurzen Betrachtung der Lebensgeschichte

unserer Welt wird

schnell klar, über welch langen Zeit -

raum sich Algen und Pilze an die Lebensbedingungen

auf unserem Planeten anpassen

konnten. In dieser Zeit haben sie gelernt, alle

möglichen Lebensräume und Oberflächen

auf dieser Erde zu besiedeln. Die Erde ist ihr

Planet, und so ist es nicht weiter verwunderlich,

daß auch Fassadenbeschichtungen

von ihnen bewohnt werden. Grundvoraus-

setzung für eine Besiedelung sind das Vorhandensein

von Wasser, keine zu extremen

Temperaturen und Nährstoffe. Bedingungen,

die insbesondere an dem Regen ausgesetzten

Nord- und Westseiten von verputzten

Wärmedämm-Verbundsystemen gegeben

sind. Der Mensch als Bauherr versucht den

Algen- und Pilzbefall an seinem Haus längstmöglich

hinauszuzögern. Dies wird heut -

zutage klassischerweise mit organischen

Bioziden (bios = leben und caedere = töten)

erreicht. Diese Biozide oder Filmkonservierungsmittel

schützen einen Beschichtungsstoff

vor dem mikrobiellen Befall durch Pilze

bzw. Algen nach dessen Applikation. Gemeinsam

ist all diesen Substanzen, daß sie

im Rahmen der Biozid-Produkte-Richtlinie

98/8/EG in der Produktart 7 identifiziert

und zukünftig notifiziert sein müssen und

ihre Wirksamkeit in der Beschichtung in

mikrobiologischen Labortests (DIN EN

15457/15458) sowie in einer mehrjährigen

Technikforum

Klassische Biozide statt alternativer Konzepte: Filmkonservierung von Beschichtungen –

Von Dr. Thomas Brenner

9

Freibewitterung unter Beweis gestellt haben.

Diese Freibewitterungen beweisen eindringlich,

daß unausgerüstete Systeme in kritischen

Lagen binnen kürzester Zeit veralgen

und/oder verpilzen können (Abb. 1).

Abbildung 1: Kunstharzputz nach einem Jahr

Freibewitterung, Westexposition, 90°, Standort

Ernsthofen. Links unausgerüsteter, rechts

ausgerüsteter Kunstharzputz


10 Fassadenbeschichtungen

Abbildung 2: Kunstharzputz nach zehn Jahren Freibewitterung, Westexposition, 90°, Standort Ernsthofen.

Links ausgerüsteter, rechts unausgerüsteter Kunstharzputz

Andererseits bleiben ausgerüstete Systeme

unter extremen Bedingungen über viele

Jahre nahezu befallsfrei (Abb. 2). Heutzutage

werden Mischungen aus zumeist einem

Algizid und zwei Fungiziden eingesetzt, die

sich in ihrer Wirksamkeit gegenseitig unterstützen

und evtl. vorhandene Wirkungslükken

ausgleichen.

Die in der Farbenindustrie verwendeten

Filmkonservierungsmittel finden z.T. breite

Anwendung als Pflanzenschutzmittel

bzw. in Kosmetika. So ist beispielsweise

Carbendazim ein sehr häufig eingesetztes

Fungizid um den Verderb von Erdbeeren

und anderem Obst zu vermeiden. Irgarol

und Terbutryn finden als Herbizid bzw. Unkrautvernichtungsmittel

in der Landwirtschaft

breite Verwendung, und Zinkpyrithion

ist bis zu einer Konzentration von

einem Prozent in Schuppenhaarshampoos

zugelassen.

Als in der Praxis bewährte Grundregel

gilt, daß die Kombination von bauphysikalisch

optimierten Beschichtungen in Verbindung

mit konstruktiven Regeln (ausreichender

Dachüberstand etc.) und geeigneten Bioziden

einen optimalen Schutz der Beschich -

tung vor Algen- und Pilzbefall bietet.

Alternative

Filmkonservierungsmittel

Trotz der zweifelsfrei nachgewiesenen schützenden

Wirkung von Bioziden und der vorgeschriebenen

behördlichen und gesetzlichen

Registrierung derselben stehen selbi-

ge aufgrund ihrer Wirkungsweise auch in

der öffentlichen Kritik. Die Diskussion hierzu

wird in der Fachwelt und in einer breiten

Öffentlichkeit mit hoher Emotionalität und

oftmals mit wenig Sachverstand geführt. Als

alternative „biozidfreie“ Schutzsysteme werden

u. a. diskutiert:

Silikatfarben/Kalkfarben

Farben mit Silber/Nanosilber

Photokatalytische Beschichtungen

Hydrophile/Hydrophobe Systeme

IR-reflektierende Farben

Farben mit Hohlraumkugeln

Farben mit Phase Change Materials

(PCM)

Silikatfarben und Kalkfarben bieten aufgrund

ihres hohen pH-Wertes einen temporären

Schutz vor mikrobiologischem Befall der

Oberfläche. Allerdings ist die Oberfläche

nach ca. einem Jahr neutralisiert und die

Oberflächenbesiedelung setzt ein (Abb. 3).

Zudem gibt es Pilzspezies, die bei hohen pH-

Werten überleben.

Von Algen und Pilzen befallene Oberfläche unter dem

Mikroskop

In jüngster Zeit wurde von manchen die

positive Wirksamkeit von (Nano-)Silber in

den Vordergrund gestellt. Es sei an dieser

Stelle betont, daß Silber im Rahmen der

Biozid-Produkte-Richtlinie prinzipiell wie

jedes andere Biozid behandelt werden

muß, d. h. auch Silber muß in der Produktgruppe

7 unterstützt werden. Die landläu -

fige Meinung, Silber sei kein Biozid im

klassischen Sinne, ist also definitiv falsch.

Bereits in der Antike nutzte man die hervorragende

bakterizide Wirkung von Silber,

indem man Wasser vor Verderb durch eine

Lagerung in Silberkesseln schützte. Weniger

bekannt ist, daß es eine schlechte biozide

Wirksamkeit gegen Algen und Hefen sowie

Schimmelpilze besitzt. Dies läßt sich schön

in mikrobiologischen Labortests und in Freilandversuchen

zeigen. Die allein mit (Nano-)

Silberbiozid ausgerüsteten Proben bestehen

die Tests nicht bzw. bewachsen, während

mit konventioneller biozider Ausrüstung

sehr gute Ergebnisse erzielt werden. Ein wei-

Abbildung 3: Silikatputz nach fünf Jahren Freibewitterung, Westexposition, 90°, Standort Ernsthofen.

Von links: Silikatputz mit 1 %, 0,5 %, 0,2 % Algizid ausgerüstet sowie unausgerüstet (rechts)


teres unüberwindliches Problem mit (Nano-)

Silber ist dessen Neigung zu Verfärbungen,

die ab Konzentrationen von ca. 30 mg/kg

für pigmentierte Anstrichsysteme als nicht

mehr tragbar bezeichnet werden muß (siehe

Abbildung 4). Im Bereich der Filmkonservierung

sind daher die Erwartungen, die in

eine allein silberhaltige Konservierung gesetzt

wurden, als maßlos übertrieben und absolut

unrealistisch zu bezeichnen.

Eine in den letzten Jahren immer wieder

ins Feld geführte und diskutierte Methodik,

den Algen- und Pilzbefall zu bekämpfen, ist

die Photokatalyse. Hierbei wird die Fähigkeit

des Halbleiters und Weißpigmentes Titandioxid

genutzt, bei Bestrahlung mit UV-Licht

Redoxreaktionen einzugehen und mit an der

Ländliche Stadtumgebung sorgt für guten Nährboden für Algen und Pilze.

Oberfläche angelagerten organischen Substanzen

zu reagieren. Bekannt ist die entfärbende

Wirkung gegenüber Kaffee-, Tee-,

Rotwein-, Senf-, Ketchup- oder Tabakflecken

bzw. eine abbauende Wirkung gegen organische

Schadstoffmoleküle wie Formaldehyd,

Stickoxide oder Fettsäuren. Die photokatalytische

Wirksamkeit läßt sich auch

gegenüber Bakterien und Pilzen nachweisen,

ist allerdings alleine nicht ausreichend, um

Abbildung 4: Durch Silberbiozide hervorgerufene Verfärbungen einer Fassadenfarbe.

Links konventionelle Filmkonservierung; Mitte 360 mg/kg Ag2O; rechts 30 mg/kg NanoSilber

eine Fassade vor Pilz- und Algenbefall sicher

zu schützen.

Seit einigen Jahren werden in der Fachwelt

(super-)hydrophobe und (super-)hy -

drophile Systeme kontrovers diskutiert.

Als superhydrophob werden Systeme bezeichnet,

die mit einem Wassertropfen einen

Randwinkel von > 130° bilden. Bei einem

Randwinkel < 90° spricht man von hy -

drophilen Systemen. Von superhydrophoben

Systemen ist aus langjähriger Praxis

bekannt, daß sie ohne organische biozide

Ausrüstung nicht ausreichend vor einem

Algen- und Pilzbefall geschützt sind. Die

Technikforum

11

Argumentationskette für hydrophile Systeme

ist die, daß sich auf der Beschichtung

niederschlagende Feuchtigkeit bzw. Wasser

gleichmäßig über die Oberfläche verteilt, ein-

zieht und in Summe schneller verdunstet.

Die dadurch insgesamt trockenere Oberfläche

(gemessen in Stunden) ist besser vor

Algen- und Pilzbefall geschützt, und auf

organische Biozide kann angeblich verzichtet

werden. Auch in diesem Fall zeigen die

Freibewitterungsergebnisse an einem Wärmedämm-Verbundsystem

bereits nach einem

halben Jahr beginnenden Pilzbefall (vgl. Abbildung

5).

>


>

12 Fassadenbeschichtungen

Abbildung 5: Hydrophiler Putz nach einem halben Jahr Freibewitterung in Ernsthofen, Westexposition 90°

Kompakt

Rechtzeitig schützen, bevor die

Fassade grün wird. Mit der Zeit nehmen

immer mehr Oberflächen eine unschöne,

grünliche Verfärbung an. Über die Ursachen

hierfür informiert die Broschüre

„Stop für Algen und Pilze“. Sie ist

erhältlich bei Caparol Farben Lacke

Bautenschutz, Werbemittelservice,

Roßdörfer Straße 50, 64372 Ober-

Ram stadt, Fax 06154-71544,

info@caparol.de, www.caparol.de

Seit einigen Jahren hofft man, den Algenund

Pilzbefall mit sogenannten IR-reflektierenden

Systemen zu bekämpfen. Ziel wäre

die Entwicklung von Fassadenfarben mit reduzierter

Wärmeemission zur Vermeidung

von Taupunktunterschreitung und damit zur

Taubildung auf Fassaden. Es handelt sich um

eine interessante Grundlagenforschung, die

dieses Stadium bisher nicht verlassen hat.

Dies liegt unter anderem daran, daß IR-reflektierende

Pigmente bisher nicht in der

Farbe Weiß zu erwerben sind und nicht jedermann

eine silber- bzw. aluminiumfarbige

Fassade schätzt.

Ein weiterer Ansatz ist der prozentuale

Zusatz von Mikrohohlkugeln aus Borosilikatglas,

Keramik, geblähter Perlite in unterschiedlichen

Größen (10–120 µm) und

Wanddicken (0,5–2 µm). Angeblich kann

durch die feuchtigkeitsregulierende Wirkung

der Mikrohohlkugeln eine unerwünschte Begrünung

der Fassade verhindert werden.

Allerdings konnten an mit Hohlraumkugeln

versetzten Beschichtungen bisher keine bauphysikalischen

oder thermischen Effekte gemessen

werden, und entsprechende Systeme

in der Freibewitterung sind bereits nach

kurzen Zeiträumen von einem Jahr massiv

veralgt (vgl. Abb. 6).

Seit Jahren schon werden Latentwärmespeichersysteme

diskutiert, die mit sog. Phasenwechselmaterialien

(Phase Change Materials

= PCM) arbeiten. Herzstück derartiger

PCM-Systeme sind Paraffinwachse

unterschiedlicher Schmelztemperatur, die in

einer Acrylathülle eingeschlossen sind. Beim

Schmelzen des Wachses wird nun latent

(verborgen) Energie gespeichert, die nachts

bei tieferen Temperaturen durch die Kristallisation

wieder freigegeben wird. Die Oberfläche

eines Wärmedämm-Verbundsystems

kann somit länger von Tauwasser freigehalten

werden und der Algenbefall wird reduziert.

Erste Annäherungen zeigen, daß der

Einfluß des PCM-Materials auf die Oberflächentemperatur

gering ist, da die in einem

Strukturputz maximal einsetzbare PCM-

Menge bei ca. 25 % liegt. Versuche zeigten,

daß die Betauungszeit lediglich um 2–5 %

verringert werden konnte. Als einen absolut

gravierenden Nachteil muß die brandthermische

Last angesehen werden, die über die

PCM ins System gelangen.

Fazit

Die Ursachen für Algen und Pilzbefall auf Beschichtungen

sind vielfältig, entscheidend ist

aber die Verfügbarkeit und Anwesenheit von

Wasser. Wichtigste Grundregel ist daher, die

Fassade trocken zu halten. Moderne, bauphysikalisch

optimierte Beschichtungsstoffe,

mit nach Biozid-Produkte-Richtlinie zugelassener

und in der Freibewitterung erprobter

biozider Ausrüstung bieten einen sicheren

Schutz vor Algen- und Pilzbefall. „Biozidfreie“

Alternativen gibt es zuhauf, aber es

ist festzustellen, daß keines der oben diskutierten

Konzepte überzeugend ist und in der

Praxiserprobung zweifelsfrei seine Wirksamkeit

auch über Jahre unter Beweis stellen

konnte. Es gibt kein biozidfreies Allheilmittel,

das mit erprobten biozidausgerüsteten

Beschichtungen in puncto Wirksamkeit

und Dauerhaftigkeit mithalten könnte. <

Abbildung 6: Farbe mit Hohlraumkugeln nach einem Jahr Freibewitterung in Ernsthofen, Westexposition 90°


Holzbeschichtungen

Aktuell

Natürlich vergraute

Holzoberflächen

Ein neues Geschäftsfeld für das Handwerk – Von Franz Xaver Neuer

Holz muß nicht geschützt werden. Holz

schützt sich selber. Mit dieser Einstellung

wird im modernen, aber auch traditionellen

Stil Holz im Außenbereich oft verwendet.

Dabei werden vornehmlich Holzfassaden

und Dachuntersichten (nicht

maßhaltige Holzbauteile) unbeschichtet

verbaut und sollen sich durch die Bewitterung

schön grau färben. Als Vorbild

hierfür dienen im wesentlichen Berghütten

und Scheunen, die viele Jahrzehnte,

oft über 100 Jahre dem Wetter trotzten

und so silbriggrau in Erscheinung treten.

Mythos Lärche

Bei der Wahl des „richtigen“ Werkstoffs achten

Planer, Architekten und Bauherren auf

die Holzqualität und verwenden gerne Lärche.

Sie soll zahlreichen Fachleuten zufolge

sehr beständig sein gegenüber anderen Holzarten.

Ihr wird attestiert, daß auf einen Holzschutz

im wesentlichen verzichtet werden

kann. Dieser Frage ist differenzierter nachzugehen,

indem die Lärche mit Fichte und

Eiche verglichen wird. Die Fichte ist preiswert

und die am häufigsten verwendete

Technikforum

Beispiel eines modernen Holzfertighauses mit Capadur GreyWood gestaltet. Insbesondere im Holzfertighausbau wird die spezielle Holzlasur GreyWood gerne eingesetzt, um

die gewünschte Vergrauung von Beginn an zu garantieren.

13

Holzart in Deutschland. Die Eiche hat sich

traditionell als hochwertiger Baustoff für

Fenster und Fachwerke bewährt, allerdings

ist sie auch teuer.

Die Tabelle auf Seite 14 zeigt, daß die

Lärche im Vergleich zur Fichte harzreicher

und etwas dauerhafter ist. Die Dauerhaftigkeit

von Hölzern ist von der Klasse 1 mit

sehr dauerhaft bis zur Klasse 5 mit nicht dauerhaft

eingeteilt. Alle Splintholzanteile, unabhängig

von der Holzart, sind in der Dauerhaftigkeitsklasse

5 (nicht dauerhaft) eingeteilt.

Es gibt Holzarten, vornehmlich bei

>


14 Holzbeschichtungen

Tabelle: Vergleich von Holzarten, Quelle BFS-Merkblatt Nr. 8

Holzart

Fichte

Lärche

Eiche

Nadelholz

den Nadelhölzern, die einen hohen Splintholzanteil

haben wie z. B. die Fichte. Einen

ausgeprägten Kernholzanteil haben in der

Regel nur Laubhölzer wie etwa die Eiche.

Der grundsätzlich beständigere, da dichtere

und holzinhaltsstoffreichere Baustoff ist

immer das Kernholz. Deshalb ist im Vergleich

der Dauerhaftigkeitsklasse die Eiche

wesentlich beständiger als die Lärche. Der

hohe Harzanteil der Lärche ist aber gleichzeitig

anstrichtechnisch ein riesiger Nachteil.

Fazit: Die Lärche ist durchaus ein hochwertiges

Nadelholz, doch Laubhölzer wie

z. B. die Eiche sind leistungsfähiger. Wenn

Lärche an der Fassade zum Einsatz kommt,

dann wird es mit Sicherheit kein reines

Kernholz sein, sondern immer eine Mischung

aus Splint- und Kernholz. Deshalb

sind mindestens konstruktive Maßnahmen

zu ergreifen, am besten kombiniert mit chemischen

Holzschutzmaßnahmen, um Verfärbungen

wie Bläuepilze zu verhindern. Bei

der Beschichtung ist immer mit Harzfluß zu

rechnen, auch wenn im Vorfeld sorgfältig

jeder Harzaustritt und Harzgallen entfernt

wurden. Die Lärche hat sehr viele versteckte

Reservoirs an Harz, die in keinem Fall sicher

vollständig entfernbar sind. Darauf sollten

Auftraggeber hingewiesen werden (Sorgfaltspflicht).

Natürlich vergraut

X

X

Laubholz

Zurück zur Vision der silbergrauen Berghütten

– der Traum beim Einsatz von Holz an

der Fassade. Weshalb Traum? Aufschluß da rüber

geben Objekte, bei denen Holz natürlich

vergrauen soll. Es zeigt sich, daß der

Vergrauungsprozeß viele Jahre benötigt und

nur an den direkt bewitterten Stellen stattfindet.

Zunächst wird die Süd- und Südwestausrichtung

am schnellsten grau. Die

Ausrichtungen nach Osten oder Norden

brauchen zum Teil wesentlich länger. Wie

X

Harzaustritt

X

gering

X

stark

Verfärbungen

X

Äste

X

Äste

X

Eisen

Bläuegefahr

X

X

X

Splint

Dauerhaftigkeitsklasse

Kern Splint

sieht es aber jetzt mit geschützten Bereichen

aus wie etwa Dachvorsprüngen, Nischen, Erkern,

Fensterbänken? Diese Fassadenbereiche

färben sich wesentlich langsamer grau

als die umliegenden Stellen. Es entsteht ein

uneinheitliches und fleckiges Aussehen.

Bei den Eigentümern und Bewohnern

solcher Häuser führt dieses optische Defizit

oft zu Kritik. Zumal der Eigentümer die

Optik der einheitlich silbergrauen Berghütte

erwartete. Verstärkt wird das Problem dadurch,

daß sich das Holz, neben der Grauverfärbung

durch Sonnenlicht, durch einen

Befall mit Bläuepilzen auch schwärzlich verfärbt.

Deshalb ergibt sich neben der uneinheitlichen

Vergrauung durch Sonnenlicht

auch eine Schwarzfärbung durch Pilzbelag.

Die silbergraue Berghütte bleibt mithin zunächst

Utopie.

Woran liegt der große Unterschied zwischen

dem Vorbild silbergrauer Berghütten

und der Realität moderner Gebäude? Ein

Grund besteht darin, daß die Berghütten oft

über 100 Jahre alt sind und Zeit zum Ausbleichen

hatten. Die Konstruktion der Häu-

4

3–4

2

5

5

5

ser ist zudem sehr einfach und weist wenig

Verschnörkelungsdetails auf. Zurückliegende

und vorstehende Bauteile sind nur verschwindend

gering an diesen Gebäuden vorhanden.

Deshalb gibt es mehr einheitliche

Flächen, die gleichmäßig vergrauen können.

Außerdem sind die klimatischen Bedingungen

und die saubere Luft zum Teil ungünstig

für schwarzfärbenden Pilzbefall.

Moderner Hausbau hingegen ist geprägt

von Erkern, Nischen, vielen Fenstern, vorstehenden

Fensterbänken und weiteren feinen

Details, welche die Attraktivität dieser

Gebäude im wesentlichen ausmachen. Sie

befinden sich zumeist in Siedlungen und

Städten. Dadurch sind Verschmutzung und

Luftschadstoffe durch Industrie und Verkehr

deutlicher ausgeprägt. Hinzu kommt, daß

die Gebäude anders als die Berghütte nicht

alleine für sich stehen. Durch diese Unterschiede

zeitigt der natürliche Vergrauungsprozeß

zwangsläufig andere Resultate als bei

der Berghütte.

Wie läuft der natürliche

Vergrauungsprozeß ab?

Frisches, unbehandeltes Holz wird der Witterung

ausgesetzt. Konstruktiv geschützt, so

daß Feuchtigkeit zwar die Oberfläche berührt

und erreicht, aber immer abläuft, ohne

Natürlich: Unbehandelt präsentiert sich eine etwa zehn Jahre alte Holzfassade uneinheitlich vergraut und verfärbt.


In ansprechender Optik zeigt sich die Fassade nach der Bearbeitung mit einer

speziellen Holzlasur.

in Wasserfallen aufgefangen zu werden. Zu

beachten ist, daß möglichst keine Hirnholzflächen

direkt der Witterung ausgesetzt sind.

Sonne, Regen und Wind wirken im Freien

gleichermaßen auf Holz beständig ein.

Die UV-Strahlung aus dem Sonnenlicht

schädigt das Lignin (Bindemittel des Holzes),

so daß es wasserlöslich wird. Während dieses

Prozesses verfärbt sich das Holz bräunlichrot

bis dunkelbraun. Dieser Vorgang wird

auch als Verbrennen der Holzoberfläche bezeichnet.

Im zweiten Schritt wäscht der

Regen das wasserlöslich gewordene Lignin

aus. Sobald es aus der Oberfläche des Holzes

ausgewaschen ist, liegt die Zellulosefaser

in der obersten Holzschicht ungeschützt

vor. Jetzt setzt erneut die Kraft der UV-Strahlung

aus dem Sonnenlicht der Zellulose zu,

indem sie diese ausbleicht. Dadurch wird

das Holz silbriggrau.

Überlagert wird dieser Vorgang durch

einen zum Teil sehr schnellen Befall mit

Bläue pilzen und einer damit einhergehenden

Schwarzfärbung. Dann ist die silbriggraue Färbung

des Holzes natürlich nicht sichtbar. Sowohl

die silbergraue Färbung des Holzes als

auch der Befall mit dem schwarzen

Bläue pilz hat eine UV-schützende Wirkung

für das darunterliegende Holz. Beim Abschaben

der obersten geschädigten Holzschicht

kommt das gesunde unbelastete Holz wieder

zum Vorschein. Deshalb ist es durchaus richtig,

daß sich Holz selber schützen kann. Ob

es allerdings bezüglich der Optik den Ansprüchen

genügt, ist in Frage zu stellen.

Optisches Defizit: Wie kann

der Verarbeiter das nutzen?

Da die Holzfassaden ursprünglich nicht beschichtet

wurden, werden sie zumeist auch

nicht durch Anstrichmaßnahmen renoviert.

Sollten sich die Eigentümer gleichwohl dazu

entschließen, wenn sie mit dem optischen

Ergebnis nicht zufrieden sind, ist folgendes

zu beachten: Es sind große Vorarbeiten zu

leisten. Die verwitterte oberste Holzschicht

muß komplett entfernt werden. Andernfalls

ist die Tragfähigkeit des Anstrichs, ob Holzlasur

oder Holzfarbe, nicht sichergestellt.

Außerdem muß in der Regel eine deckende

Beschichtung eingesetzt werden, da sonst

die Gefahr einer fleckigen Optik besteht.

Es wäre allerdings viel besser, bereits bei

Erstbeschichtung und Neubau als Verarbeiter

mit einbezogen zu sein. Dies möglichst

lösungsorientiert, um den Wünschen des

Planers und Architekten, aber auch des Auftraggebers

gerecht zu werden. Die Aufgabenstellung

ist an sich einfach. Es muß eine

anstrichtechnische Lösung gefunden werden,

welche die natürliche Vergrauung simuliert.

Die Ursprünge hierfür liegen bei der

Holzfertighausindustrie, die sich genau mit

diesen Konzeptionen vor allem in Österreich

intensiv beschäftigt hat. Ähnlich wie in Süddeutschland

hat Bauen mit Holz dort Tradition.

So wurde gemeinsam mit namhaften

Herstellern der Holzfertighausindustrie und

der zur Caparol-Firmengruppe gehörenden

Synthesa in den Jahren 2003–2005 ein Pro-

Technikforum

Natürlich: Bläuepilze auf Holz lassen sich ohne geeignete anstrichtechnische

Maßnahmen nicht verhindern.

15

jekt gestartet, um die natürlich vergraute

Holzfassade mit anstrichtechnischen Mitteln

zu realisieren. Die silbergraue Optik sollte

dabei den silbergrauen Berghütten möglichst

ähneln. Hierfür sind folgende Voraussetzungen

zu erfüllen:

Dünnschichtige Holzlasur oder

ähnliches mit hoher Transparenz

und geringem Schichtaufbau

Abwitterung durch UV-Licht der

Sonne, Wind und Wettereinflüsse,

ohne daß es zur Abblätterung kommt

Silbriggraue Erscheinung

Wenn möglich, holzschützende

Wirkungsweise

Wenn möglich, farblich auswählbares

Spektrum an Vergrauung.

Nach umfangreichen Versuchsserien kristallisierte

sich heraus, daß mit wasserverdünnbaren

Werkstoffen auf Basis von Alkydharz-Dünnschichtlasuren

eine ideale Lösung

gefunden wurde. Die neuen Lasuren

haben den Vorteil, daß sie im Abwitterungsverhalten

gleichmäßig abbauen, ohne

abzublättern. Es liegen außerdem bei der

Fertighausindustrie und im Verarbeiterhandwerk

in Österreich langjährige Erfahrungen

hinsichtlich solcher Werkstoffe vor.

Das ist wichtig, weil man sich nicht auf absolutes

Neuland begeben wollte. Da eine

einfache Graufärbung nicht die Lösung für

die silbergraue Optik war, wurde mit Effektpigmenten

wie Alubronze und Iriodinen

experimentiert. Nach zahlreichen Mischversuchen

wurde eine Lösung mit mehreren

>


16 Holzbeschichtungen

speziellen Iriodinen gefunden, welche die

silbergraue Optik ideal imitieren konnte.

Diese Lösung war gleichzeitig geeignet, über

heutige Mischsysteme (ColorExpress) im

Werk wie auch beim Händler verschiedene

Graunuancen nach Wunsch des Auftraggebers

zu realisieren. Nach etlichen Feldversuchen

mit verschiedenen Holzfertighausbauern

konnte sich diese Neuentwicklung

etablieren.

Die Wirkungsweise des Iriodins in der

wasserverdünnbaren Alkydharz-Dünnschichtlasur

bewirkt, daß je nach Sonneneinfall und

Licht die Holzoberfläche unterschiedlich

grau wirkt – einmal stumpfer, einmal silbriger.

Dies analog einer natürlich vergrauten

Holzoberfläche. Damit war die anstrichtechnische

Lösung für ein neues Geschäftsfeld

des Verarbeiters gefunden.

Bearbeitet der Verarbeiter unbehandeltes

Holz, ist wie folgt vorzugehen:

Holzimprägnierung mit wasserverdünnbarem

Capacryl Holzschutzgrund

Zwei bis drei Holzlasuraufträge mit der

iriodinpigmentierten, silbriggrauen und

wasserverdünnbaren Alkydharzholzlasur

(Capadur GreyWood).

Durch den Filmschutz ist gewährleistet, daß

die Oberfläche auch gegenüber einem

Schimmelpilzbefall geschützt ist und die

silb riggraue Optik erhalten bleibt. Sollte sich

der Auftraggeber dazu entschließen, daß er

die silbriggrau lasierten Holzflächen ohne

weitere Pflege und Renovierungsmaßnahmen

der Sonne und dem Wetter aussetzen

möchte, so ist dies durch eine gleichmäßige

Abwitterungstendenz möglich. Der Vorteil

liegt darin, daß auch die geschützten Bereiche

bereits zu Anfang silbriggrau sind und

ein einheitliches Bild auf lange Zeit erhalten

bleibt. Ein Nebeneffekt durch die Pigmentierung

mit Iriodinen besteht darin, daß die

UV-Beständigkeit dieser Lasuren gegenüber

normal pigmentierten Lasuren deutlich

steigt. Das haben Feldversuch und Freibewitterung

gleichermaßen gezeigt. Erklärt

werden kann das dadurch, daß Iriodin ähnlich

wie Alubronze die UV-Strahlung stärker

reflektiert und nicht in Wärme umwandelt.

Deshalb sind auch dunkle Farben wie Anthrazit

damit möglich, ohne daß Temperatureffekte

so stark wie bei einer Ebenholzlasur

zum Tragen kommen. Die Oberfläche

heizt sich weniger stark auf. Das vermindert

die Gefahr der Rißbildung, reduziert die Belastung

von Oberfläche und Lasur und führt

zu einer längeren Haltbarkeit. Der Einsatz

dieser Speziallasur ist auf allen Holzbauteilen

wie maßhaltigen, begrenzt maßhaltigen

und nicht maßhaltigen möglich – aufgrund

des enthaltenen Filmschutzes begrenzt auf

den Außenbereich.

In der Regel wird der Verarbeiter weniger

die neue Fassadenverkleidung oder das

neue Holzhaus beschichten, sondern eher

zur Sanierung beauftragt. Auch in diesem

Fall kann dem Wunsch entsprochen werden,

die Holzbauteile mit der zuvor beschriebenen

künstlichen Vergrauung zu versehen. Da

im Sanierungsfall in der Regel Altbeschichtungen

vorliegen und/oder durch Abwitterungen

ein uneinheitliches und fleckiges

Aussehen vorhanden ist und dies durch die

Überarbeitung mit Holzlasuren weiterhin

sichtbar bleibt, kommt idealerweise die Maseriertechnik

als Methode zur Anwendung.

Bei der Sanierung sollte der Verarbeiter

wie folgt vorgehen:

Alle rohen Holzbauteile werden mit

einem Holzschutzgrund imprägniert

Deckende Grundierung mit Capacryl

Haftprimer im Farbton 3D Palazzo 250

Zwei Holzlasuraufträge mit iriodinpigmentierten,

silbriggrauen, wasserverdünnbaren

Alkydharzholzlasuren.

Mit diesem Aufbau erreicht man, obwohl

der Untergrund vollständig abgedeckt ist,

eine silbriggraue Holzoberfläche. Damit

ist für den Fachhandwerker neben der Neu -

bearbeitung auch die Renovierung und

Sanierung ideal möglich. <

Kompakt

„Natürlich inspiriert“: Unter diesem

Titel präsentiert Caparol eine 30seitige

Broschüre, die sich mit den aktuellen

Möglichkeiten der Gestaltung von Holzoberflächen

befaßt. Dabei gibt Grau

den Ton an, weil das natürliche Erscheinungsbild

abgewitterten Holzes zunehmend

präferiert wird. Dazu wurde mit

Capadur GreyWood eine neue, nicht

schichtbildende Holzlasur auf Alkyd-Acrylharzbasis

entwickelt, die spezielle

Effektpigmente enthält und mit einer Filmkonservierung

ausgestattet ist. Mit ihr lassen

sich die unterschiedlichen und lebendig

wirkenden Effekte von natürlich vergrautem

Holz erzielen, wie sie von der

Sonneneinstrahlung erzeugt werden.

Die Broschüre gibt es bei Caparol Farben

Lacke Bautenschutz, Werbemittelservice,

Roßdörfer Straße 50, 64372 Ober-

Ram stadt, Fax 06154-71544,

info@caparol.de, www.caparol.de


Wärmedämmung

Regeln und Normen

An der Fassade

weht ein neuer Wind

Technikforum

Wärmedämm-Verbundsysteme in der Praxis: Auswirkung der Windlastnorm DIN 1055-4

Von Oliver Berg

> Die überarbeiteten Vorschriften

der Windlastnorm traten Anfang

vorigen Jahres in Kraft. Dennoch

gibt es noch häufig Unklarheiten,

welche Auswirkungen die neue Norm

in der Praxis mit sich bringt. Was

bedeutet sie in der Umsetzung für

Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS),

was ändert sich dadurch in der

täglichen Arbeit?

Windzonen-Karte: Aufteilung in vier Zonen

Von den Kräften, die auf Gebäude und

Tragwerke einwirken, sind Windbeanspruchungen

wohl am häufigsten und

intensivsten. Die normalerweise im Hochbau

verwendeten Materialien weisen glücklicherweise

auch für kurzzeitige Beanspruchungen

(Wind, Sturm) deutlich höhere Festigkeiten

auf als bei dauerhaft einwirkenden

Lasten. Dennoch: Untersuchungen von Meteorologen

und Versicherungen haben ergeben,

daß sich die Zahl weltweiter Sturmka -

tastrophen seit 1950 versechsfachte, die daraus

resultierenden volkswirtschaftlichen

Schäden an Gebäuden jedoch 16 Mal höher

ausgefallen sind.

Diese veränderten Bedingungen wurden

in der Windlastnorm DIN 1055, Teil 4, berücksichtigt.

Sie ist seit 1. Januar 2007 rechtskräftig

und hat damit auch entsprechenden

Einfluß auf die Anzahl der Dübelmengen

beim Verarbeiten von WDVS. Erstmals

wurde dabei das europäische Konzept zur Ermittlung

von Windkarten auf der Grundlage

von Windzonen auf Vorschriften für Bauwerke

übertragen.

Der Einfluß des Windes auf die Gebäude

wird jetzt viel differenzierter und genauer betrachtet

als zuvor. So sind nun umfangreiche,

ingenieurmäßige Berechnungen erforderlich.

Der Einfluß der Windlast hängt neben der

entsprechenden Windzone, der regionalen

Lage, der Topographie des Geländes auch wesentlich

von der jeweiligen Bodenrauhigkeit

des Standortes sowie der Geometrie und

Höhe des Gebäudes ab.

Um die jeweils vorherrschenden Windlasten

zu berechnen, eröffnet die Norm zwei

Varianten: das sogenannte „Standard-Verfah-

Windzone 4

Windzone 3

Windzone 2

Windzone 1

Nach der neuen Norm werden vier regionale Windlastzonen über der Fläche Deutschlands definiert. Sie

berücksichtigen die unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten und stellen damit einen Parameter zur Ermittlung

der Windbeanspruchungen. Jeder Windlastzone wird eine bestimmte Windbeanspruchung zugeordnet.

17

ren“ und das „Vereinfachte Verfahren“. Bei

beiden Varianten ist die erforderliche Dübelmenge

rechnerisch zu ermitteln.

Da selbst das „Vereinfachte Verfahren“

noch mit einer individuellen Betrachtung

jedes einzelnen Gebäudes und einem großen

Rechenaufwand verbunden ist, wurde zwischen

dem Fachverband WDVS und dem

>


18 Wärmedämmung

Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) ein

„Praxisgerechtes Verfahren“ abgestimmt.

Hier werden die Windlasten bei Gebäuden

mit einer maximalen Höhe von 25 Meter zusammengefaßt

und die dafür klassifizierten

Dübelmengen angegeben. Die erforderliche

Anzahl ist Tabellen zu entnehmen, die bei

Caparol angefordert werden können. Mit diesem

Verfahren werden über 90 Prozent aller

WDVS-Anwendungsfälle bundesweit abgedeckt.

Für Gebäude über 25 Meter oder der

Windzone 4 müssen Dübelmenge und flächenmäßige

Dübelanordnung jedoch rechnerisch

nach dem „Standard-Verfahren“ ermittelt

werden. Dies muß im Rahmen der

klassischen Ausführungsplanung bzw. bei der

Vorbereitung der Vergabe und dem Aufstellen

des Leistungsverzeichnisses für das jeweilige

Bauwerk durch ein nachweisberechtigtes Ingenieur-Büro

oder einen nachweisberechtigten

Tragwerksplaner geschehen. Grundsätzlich

stehen zur Bemessung der jeweils erfor-

derlichen Dübelanzahl also folgende drei Berechnungsvarianten

zur Verfügung:

Das „Standard-Verfahren“

(generell für Gebäude über 25 m Höhe

oder/und für Gebäude in Windzone 4,

rechnerisch ermittelte Dübelmenge)

Das „Vereinfachte Verfahren“

(für Gebäude bis max. 25 m Höhe und

Windzonen 1–3, rechnerisch ermittelte

Dübelmenge)

Das „Praxisgerechte Verfahren“

(für Gebäude bis max. 25 m Höhe und

innerhalb der Windzonen 1–3, Dübelmenge

aus Tabellen)

Der Einfachheit halber sollte der WDVS-Verarbeiter

das „Praxisgerechte Verfahren“

durchführen. Hier läßt sich die erforderliche

Dübelmenge – wie bisher auch – leicht aus

entsprechenden Tabellen bestimmen. Es

müssen dafür lediglich zuerst die Windzone

(aus der Windzonentabelle für den jeweiligen

Standort des Gebäudes), die dazugehörige

Gebäudehöhe (max. 25 m) und der

Abbildung: Bewertung der drei Varianten zur Berechnung der erforderlichen Dübelmenge anhand eines Praxis-Beispiels

Auf sie kommt es an: Die neue Windlastnorm definiert,

wie viele Dübel beim Befestigen der Dämmplatten

an den jeweiligen Gebäuden in unterschiedlichen

Regionen zu verwenden sind.

Dämmplattentyp ermittelt werden. Dann

kann über die gesamte Gebäudefläche hinweg

eine einheitliche Dübelmenge/m² verwendet

werden. Während bei den anderen

Verfahren für die jeweiligen Flächen- und Höhenbereiche

eine unterschiedliche Dübelanzahl

in Ansatz gebracht werden muß, entfällt

hier ein aufwendiges „Rastern“ der Fassade

mittels Einschnüren.


Carbonbeschichtungen Technikforum

Fokus

High-Tech-Schutz

für gedämmte Fassaden

Carbonfaserverstärktes System erhöht die Stoß- und Schlagresistenz enorm

Schnitt durch nanokristalline Einbettung einer

Carbonfaser in CarboNit: Als extrem belastbar,

schlagfest und sicher erweist sich eine carbonfaserverstärkte

Fassadendämmung. Carbon wird häufig

eingesetzt, wenn Materialien höchsten Belastungen

standhalten müssen.

Mit der neuen Carbon Edition hat

Caparol ein System auf den Markt gebracht,

das die Stoß- und Schlagresistenz

von Wärmedämm-Verbundsystemen

(WDVS) enorm steigert. Durch das

leistungssteigernde High-Tech-Material

erhöht sich die Widerstandsfähigkeit

gegen mechanische Belastungen wie

Hagel oder Vandalismus. Aber auch

die kleinen Vergehen des Alltags wie

umgeworfene Fahrräder oder verirrte

Fußbälle hinterlassen keine Spuren.

Die Dämmung erhält somit jahrzehntelang

sicher ihre Funktion.

Hauptrolle in diesem System spielt die

Armierung Capatect CarbonSpachtel.

Ihr Aufbau bestimmt entscheidend Festigkeit

und Stabilität. Schon heute übertrifft

dieses Produkt die bereits eingeführte europäische

WDVS-Richtlinie ETAG 004, die die

höchste mechanische Widerstandsfähigkeitsklasse

mit zehn Joule festgelegt hat, um

über 50 Prozent. Gleichzeitig puffert der Bau-

stoff thermisch bedingte Spannungen ab, da

er die innerhalb der Armierungsschicht entstehenden

Kräfte aufnimmt und sie gleichmäßig

an das spezielle Carbongewebe weitergibt.

Das bedeutet auch, daß Bauherren nun

dunklere Farben zur Außengestaltung wählen

können. Wo bisher die Grenze des spezifischen

Hellbezugswertes bei 20 lag, kann

er dank der Carbonfasern auf 15 reduziert

werden.

Hoch widerstandsfähig gegen

mechanische Beschädigungen

Wer die häufig in Mitleidenschaft gezogenen

Sockel- und Eingangsbereiche seines Gebäudes

zusätzlich gegen potentielle Stoßbelastungen

sichern möchte, sollte zusätzlich zu

CarboNit greifen. Diese Armierungsmasse

wird zweilagig verarbeitet (inklusive Gewebe

in jeder Lage). Dadurch nimmt die Widerstandskraft

zu. In Zahlen ausgedrückt, bedeutet

das eine Schlagfestigkeit von bis zu 50

Joule.

Eine Broschüre mit weiteren Informationen

über Carbon-WDVS kann bei Caparol

Farben Lacke Bautenschutz angefordert werden

(Werbemittelservice, Roßdörfer Straße

50, 64372 Ober-Ramstadt, Fax 06154-

71544, info@caparol.de, www.caparol.de).

<

Der Kugelfalltest ermittelt die Widerstandsfähigkeit

von Wärmedämm-Verbundsystemen

mit Putzschichten nach der europäischen

Prüfvorgabe „Leitlinie für Europäische Technische

Zulassung/ETAG 004“. Beide Armierungsmassen

der Edition Carbon sind deutlich besser, als es

die Prüfgrenze der Norm mit zehn Joule

vorsieht. Die Produkte der Edition Carbon

widerstehen Schlagstärken von 15 bzw.

50 Joule – die Oberflächen bleiben

also bei sehr starken Belastungen intakt.

19


20 Carbonbeschichtungen

Aktuell

Farbbrillant

und strapazierfähig

Innenwandfarben: Füllstoffe aus Carbon leiten neue Ära ein – Von Rudolf Kolb

Die aktuellen Farbtrends für Innenwände

bieten viele Möglichkeiten, individuelle

Vorstellungen zu verwirklichen.

Die Farben- und Lackindustrie bietet

dazu passende Wandfarben, die in

unterschiedlichsten Farbtönen und

Glanzstufen geliefert werden können.

Leuchtende und kräftige Farben lassen

ehemals langweilige Wände jetzt zu

einem besonderen Blickfang werden.

Die zunehmende Anfrage nach kräftigen

Farbtönen stellt den Verarbeiter

oft vor eine Reihe von Problemen, die

zu lösen sind. Dazu gehören unter anderem

Deckvermögen, Farbbrillanz und Ausbesserungsfähigkeit

getönter Ware sowie deren

Strapazierfähigkeit. Insbesondere der sogenannte

Schreibeffekt, auch bekannt als

Weißbruch, ist bei dunklen Farbtönen matter

Innenwandfarben besonders stark ausgeprägt.

Sogar Beschichtungen der Naßabriebbeständigkeitsklassen

1 und 2 stoßen bei

diesem Thema schnell an ihre Grenzen.

Bereits eine geringe mechanische Beanspruchung

der Oberfläche, z. B. Kratzen mit

dem Fingernagel, sorgt für die Entstehung

von hellem Abrieb, der im Streiflicht glänzend

erscheint. Dieses Phänomen bewirkt

eine unerwünschte optische Einschränkung

der Wandoberfläche und führt nicht selten

zu einer Beanstandung durch den Kunden.

Füllstoffe auf Carbonbasis

Der Grund für die Streifenbildung ist folgender:

Jede deckende Farbe enthält bekanntlich

neben Pigmenten auch Füllstoffe.

Sie werden bei farbigen Beschichtungen von

Pigmenten überlagert. Bei glänzenden Anstrichen

werden die Pigmente durch das Bin-

Die carbonverstärkte Innenfarbe (links) verhindert den Schreibeffekt, während er auf üblichen Beschichtungen

nicht zu vermeiden ist (rechts).

demittel umhüllt, bei matten liegen sie hingegen

an der Oberfläche frei. Bei Berührung

oder Reibung matter Oberflächen werden

die Pigmente sozusagen zur Seite geschoben

– die hellen Füllstoffe treten zutage. Dadurch

erscheint die Stelle jetzt heller. Gleichzeitig

entstehen an den betroffenen Stellen

glatte Oberflächen, wodurch das auftreffende

Licht in Richtung des menschlichen

Auges reflektiert.

Bislang konnte der Schreibeffekt nur

durch den Einsatz glänzender, bindemittelreicher

Beschichtungen (zum Beispiel Latex

Satin 20) vermieden werden. Eine seidenglänzende

Oberfläche ist jedoch bei Auftraggebern

und Architekten sowie Planern

nicht immer erwünscht. Daher mußte bisher

immer ein Kompromiß in Kauf genommen

werden.

Dieser Problematik hat sich Caparol

angenommen und nach intensiver Forschungsarbeit

eine matte Innenfarbe mit

dem Namen PremiumColor entwickelt. Die

Beschichtung ist selbst bei kräftigsten Farbtönen

gegen den Schreibeffekt weitgehend

beständig. Ermöglicht wird diese bislang einzigartige

Eigenschaft durch den Einsatz spezieller

Bindemittel und Füllstoffe auf Carbonbasis.

Die verwendeten Rohstoffe ermöglichen

eine hohe Strapazierfähigkeit bei

gleichzeitiger Farbtonvielfalt der Beschichtung.

Die carbonhaltigen Füllstoffe schützen


die im Bindemittel verankerten Pigmente

durch ihre extreme Härte vor dem Abrieb

und verhindern die Entstehung der für den

Schreibeffekt charakteristischen Streifen. Zugleich

ermöglichen die verwendeten Füllstoffe

aufgrund ihrer geringen Eigenfärbung

eine hohe Farbintensität und Brillanz einzelner

Farbtöne.

Höchst strapazierfähig

Bei PremiumColor handelt es sich um eine

Beschichtung der Naßabriebbeständigkeitsklasse

1, die als farbtongleicher Schutz-Finish

auf bereits mit Indeko-plus im gewünschten

Farbton gestrichenen Oberflächen

eingesetzt werden kann. Durch den

Einsatz von PremiumColor wird die Strapazierfähigkeit

einer Innenwandoberfläche erhöht

und vor dem Schreibeffekt geschützt.

Das Einsatzgebiet dieser Farbe ist breit gefächert.

Sie kann in hoch frequentierten Treppenhäusern,

Aufenthaltsräumen, Industrieund

Produktionshallen sowie aufgrund der

Desinfektionsmittelbeständigkeit auch in Kliniken

und Krankenhäusern eingesetzt werden.

Das Produkt ist emissionsminimiert und

lösemittelfrei. Es kann somit selbst in Kinderzimmern

und Kindergärten bedenkenlos

genutzt werden.

PremiumColor ist derzeit ausschließlich

als Basismaterial erhältlich und muß vor

der Ver arbeitung im gewünschten Farbton

über das ColorExpress-System abgetönt

werden. <

Dunkel abgetönt: Dann ist der sogenannte Schreibeffekt

bei herkömmlichen matten Innenwandfarben

deutlich zu erkennen.

Kompakt

PrimaKlima!

Emissionsminimierte Bodenbeschichtungen sorgen für ein gesundes Raumklima.

CAPAROL Bautenschutz

Technikforum

Da bleibt das Klima prima

Carbon auf den Boden:

Emissionsminimierte Beschichtungen

für eine gesunde Raumluft

Böden in Haushalten, aber auch in Kindergärten, Schulen,

Krankenhäusern und vielen anderen öffentlichen Gebäuden

benötigen unempfindliche Beschichtungen, die keine

Schadstoffe an die Raumluft abgeben. Neue emissionsminimierte

Bodenbeschichtungen von Caparol machen das

1

jetzt möglich. Sie wurden vom TÜV auf ihre Unbedenklichkeit

hin geprüft und gewährleisten ein prima Raumklima.

Die neuen Bodenbeschichtungen sind nicht nur unter gesundheitlichen Aspekten zu

empfehlen, sie bieten auch eine Vielzahl attraktiver Gestaltungsmöglichkeiten. Die Bodenflächen

sind daher nicht nur strapazierfähig, sie präsentieren sich auch in hochwertiger

Oberflächenoptik.

Die neuen Beschichtungen von Caparol eigenen sich für Abstellräume, Aufenthaltsräume,

Ausstellungsräume, Balkone und Büroräume. Aber auch auf Bodenflächen in

Kellerräumen, Fluren, Treppenhäusern, Garagen, Ölauffangwannen und auf Treppen

haben sie sich bewährt. Disbon 404 Acryl-BodenSiegel und Disbopox 442 GaragenSiegel

sind außerdem carbonverstärkt und dadurch besonders widerstandsfähig.

Caparol setzt seit 2007 auf Carbon. Bildlich gesprochen, kann man sich die Kohlenstoffaserverstärkung

in Boden-, Wand- und Fassadenbeschichtungen als netzartige

Struktur vorstellen. Genaugenommen handelt es sich um eine Matrix, die zumeist aus

mehreren Lagen besteht. Sie wirkt stabilisierend und wird in das jeweilige Trägerprodukt

anwendungsspezifisch eingebunden. Dabei gilt: Je höher der Faservolumenanteil,

desto größer die Widerstandskraft gegen Abrieb, Schlageinwirkungen, mechanische

Stöße und Verschleiß. Der qualitative Unterschied zu herkömmlichen Vergleichsprodukten

ist beträchtlich.

Disbon 404 Acryl-BodenSiegel ist die ideale Beschichtung für alle Räume, die

einfache, pflegeleichte Oberflächen brauchen. Die einkomponentige Rollbeschichtung

eignet sich für alle glatten Estrichböden, kann auf ColorExpress-Stationen in zahlreichen

Farben abgetönt werden und läßt sich mit Chipseinstreuung und anschließender

Deckversiegelung mit dem gleichfalls emissionsarmen Disbon 405 Klarsiegel noch

attraktiver gestalten.

Disbopox 442 GaragenSiegel ist für Garagenböden oder Fahrradkeller prädestiniert.

Sie ist beständig gegen Weichmacherwanderung (also im haushaltsüblichen Sinne reifenfest),

aber auch überall dort gut geeignet, wo es bisweilen auch einmal zu einer kleinen

Überschwemmung kommen kann (z. B. in Wäschekellern oder in Wasch- und Sanitärräumen).

Durch die Beschichtung mit Disbopox 442 GaragenSiegel mit Carbon bekommt

der Boden besondere Schlag- und Abriebfestigkeit, hohe Verschleißfestigkeit

und läßt sich sehr gut reinigen. Idealerweise wird man in solchen Räumen auch eine

rutschhemmende Versiegelung aufbringen, die sich mit dem gleichfalls emissionsminimierten

Disbopur 458 PU-AquaSiegel ausführen läßt.

Mit den neuen Werkstoffen hat Caparol eine neue Generation

emissionsminimierter Bodenbeschichtungen entwickelt, die

vom TÜV gemäß den strengen Kriterien des AgBB grundgeprüft

und jährlich auf die Einhaltung der Grenzwerte hin überwacht

werden. Weitere Informationen bietet eine neue Broschüre.

Sie ist unter dem Stichwort „PrimaKlima“ bei Caparol Farben

Lacke Bautenschutz kostenlos erhältlich (Werbemittelservice,

Roßdörfer Straße 50, 64372 Ober-Ramstadt, Fax 06154-71544,

info@caparol.de, www.caparol.de).

21


22 Innenbeschichtungen

Regeln und Normen

Damit das Raumklima stimmt

Neue Normen für Bodenbeschichtungen in Innenräumen – Von Marcus Kopp

Zur Egalisation strahlrauher Untergründe ist das 2-K-Expoxidharz Disboxid 420 E.MI Primer bei mechanisch stark

belasteten Bodenflächen bestens geeignet.

Menschen benötigen eine Umwelt, in

der sie gesund leben können. Sie verbringen

viel Zeit in Innenräumen. Daher

ist die Qualität der Luft wichtig für die

Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden.

Für eine bestmögliche Raumluft

sollten die eingesetzten Materialien

weitestgehend emissionsminimiert

rezeptiert sein.

Für die Verwendung von Bauprodukten

gelten in Deutschland die Bestimmungen

der Landesbauordnungen. Danach

sind bauliche Anlagen so zu errichten und

instand zu halten, daß „die öffentliche Sicherheit

und Ordnung, insbesondere Leben,

Gesundheit oder die natürlichen Lebensgrundlagen

nicht gefährdet werden dürfen“

(§ 3 Musterbauordnung, MBO). Bauprodukte,

mit denen Gebäude errichtet oder die

in solche eingebaut werden, haben diese An-

forderungen so zu erfüllen, daß „durch chemische,

physikalische oder biologische Einflüsse

Gefahren oder unzumutbare Belästigungen

nicht entstehen“ (§ 16 MBO).

In Deutschland gründeten die Umweltund

Gesundheitsbehörden gemeinsam mit

den Baubehörden den „Ausschuß für die gesundheitliche

Bewertung von Bauprodukten“,

kurz AgBB. Der Ausschuß entwickelte

ein Schema zur gesundheitlichen Bewertung

flüchtiger organischer Verbindungen

(VOC) aus Bauprodukten, die in Innenräumen

Verwendung finden. Für die Emissionsuntersuchungen

sind vornehmlich Produkte

von Interesse, die in direktem Kontakt

mit der Innenraumluft stehen. Je größer die

Fläche des Produktes, desto größer ist die Relevanz

der abgebenden Stoffe des Materials.

Das AgBB-Schema ermöglicht eine einheitliche

und vor allem nachvollziehbare Bewertung

von Bauprodukten. Diese geht

Grundierungen mit Disboxid 420 E.MI Primer

werden mit einem Gummischieber flutend

im Gegenzug aufgebracht.

davon aus, daß bei Einhaltung der im Schema

vorgegebenen Grenzwerte die Mindestanforderungen

der Bauordnungen zum

Schutz der Gesundheit im Hinblick auf die

Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen

erfüllt sind.

Die rechtlichen Grundlagen sind geschaffen.

Sie verpflichten alle Beteiligten, die

gesundheitlichen Auswirkungen von Baupro -

dukten, die in Verkehr gebracht und verwen -

det werden, zu prüfen und zu bewerten.

In der Bauregelliste B, Teil 1, wurden

unter 1.18.1 bereits Bodenbeläge aufgenommen.

Die dazugehörige Anlage 06

(2006/2) besagt: „Das Bauprodukt/der Bausatz

darf aus Gründen des Gesundheitsschutzes

in Aufenthaltsräumen einschließlich

zugehöriger Nebenräume nur verwendet

werden, wenn der Nachweis der

gesundheitlichen Unbedenklichkeit durch

eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung

geführt wird.“

Hauptsächlich sind davon Innenräume

betroffen wie z. B. private Wohn- und Aufenthaltsräume

(Wohn-, Schlaf- und Badezimmer,

Küche und Hobbyräume). Aber

auch öffentliche Gebäude wie zum Beispiel

Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser,

Sporthallen, Bibliotheken, Gaststätten und


andere Veranstaltungsräume fallen unter die

Vorschrift.

Die europäische Norm DIN EN 13813

(Estrichmörtel, Estrichmassen und Estriche)

legt Anforderungen an Estrichmörtel fest, die

für Fußbodenkonstruktionen in Gebäuden

eingesetzt werden. Beschichtungssysteme

werden nach dieser Norm klassifiziert und

erhalten nach einer Konformitätsbewertung

das CE-Zeichen. Für die sensiblen Innenraumbereiche

werden neben den CE-gekennzeichneten

Produkten künftig auch

nach AgBB-Schema vom Deutschen Institut

für Bautechnik zugelassene Beschichtungsstoffe

erforderlich. Mit der neuen Bauregelliste,

die im Sommer 2008 erscheint, werden

diese Änderungen festgeschrieben. Ab

dann dürfen in Gebäuden nur noch zugelassene

Produkte eingesetzt werden.

Strenge Prüfkriterien

Caparol hat sich bereits heute dieser He r -

ausforderung bei der Entwicklung von speziellen

Beschichtungsstoffen für Innenräume

gestellt. In Zusammenarbeit mit dem akkreditierten

Fraunhofer Wilhelm-Klauditz-

Institut für Materialanalytik und Innenluftchemie

für die Grundprüfungen sowie dem

TÜV Nord für die Produktionsüberwachung

wurden namhafte Stellen mit den AgBB-Prüfungen

zur Einhaltung der strengen Kriterien

Tabelle: Emissionsminimierte Bodenbeschichtungen und ihre Einsatzbereiche

Produkt

Disbon 404 Acryl-BodenSiegel und

Disbon 405 Klarsiegel

Disbopox 443 EP-Imprägnierung und

Disbopox 442 GaragenSiegel

Disboxid 420 E.MI Primer und

Disboxid 421 E.MI Coat

Disbopur 458 PU-AquaSiegel und

Disbopur 459 PU-AquaColor

beauftragt. Dabei wird ausschließlich der

Einsatz der Produkte in klassischen Wohnund

Aufenthaltsräumen vorausgesetzt, in

denen sich Menschen besonders lange aufhalten.

Hierfür wird die Raumluft in der

Prüfeinrichtung (Prüfkammer) nach aufgebrachter

Beschichtung nach drei und nach

28 Tagen auf die Menge der festgestellten

gesundheitsgefährdenden Stoffe hin geprüft.

Über ein fortlaufendes Ausschlußverfahren

werden die austretenden Stoffe ermittelt.

Wird die Konzentration in einer Stufe überschritten

(siehe Schaubild), ist die Prüfung

nicht bestanden. Umgekehrt ist ein Bauprodukt,

welches die im Ablaufschema geforderten

Bedingungen erfüllt, für die Verwendung

in Innenräumen in Gebäuden geeignet.

Hierbei werden die sogenannten NIK-Werte

(niedrigste interessierende Konzentrationen)

für die Auswertung zur Hilfe genommen.

Die NIK-Wert-Liste wird ausschließlich

durch das Gremium des AgBB unter Beteiligung

von Industrie und Herstellerverbänden

festgelegt und veröffentlicht. Diese Liste

dient den Prüfinstituten zur Bewertung der

VOC (flüchtige organische Verbindungen),

SVOC (schwerflüchtige organische Verbindungen)

und TVOC (Summe aller VOC).

Bereits bestehende und langjährig erfolgreich

im Markt eingesetzte Produkte,

aber auch Neuentwicklungen wurden diesen

harten Prüfungen unterzogen. Die

Schwierigkeit lag darin, Inhaltsstoff-Kombi-

Einsatzbereiche

Abstell-, Aufenthalts-, Ausstellungs-, Hobbyund

Kellerräume. Personal-, Technik-, Vorrats- und

Versorgungsräume sowie Flure und Treppenhäuser

Abstell-, Aufenthalts-, Ausstellungs- und Hobbyräume

sowie Keller-, Personal- und Technikräume. Vorrats-,

Wasch-, Sanitär- und Versorgungsräume sowie

Flure, Treppenhäuser, Garagen und Werkstätten

Produktionsbereiche mit Gabelstaplerverkehr,

Kantinen, Aulen, Treppenhäuser, Aufenthaltsund

Veranstaltungsräume

Klassenräume, Büros und Industriehallen

Weitere Informationen zu Einsatzgebieten, Untergründen und Verarbeitung sind den aktuellen

„Technischen Produkt-Informationen“ im Internet (unter www.caparol.de) zu entnehmen.

Technikforum

23

Schema zur gesundheitlichen Bewertung von

VOC- und SVOC-Emissionen aus Bauprodukten

1. Messung (3 Tage nach Auftrag der Beschichtung)

Prüfung auf:

1) 3 TVOC ≤ 10 mg/m 3 ? nein Ablehnung

ja

Summe aller ermittelten

Kanzerogene ≤ 0,01 mg/m 3 3 ? nein Ablehnung

ja

2. Messung (28 Tage nach Auftrag der Beschichtung)

Prüfung auf:

TVOC 28 1) ≤ 1,0 mg/m 3 ?

Summe aller

2) 3 SVOC ≤ 0,1 mg/m ? 28

Summe aller ermittelten

Kanzerogene 28 ≤ 0,001 mg/m 3 ?

nein Ablehnung

ja

nein Ablehnung

ja

nein Ablehnung

ja

Bewertbare Stoffe:

Gilt bei Betrachtung aller

VOC mit NIK 3) R = ∑ C i / NIK i ≤ 1 ?

Nicht bewertbare Stoffe:

Ist die Summe aller VOC ohne NIK

∑ VOC 28 ≤ 0,1 mg/m 3 ?

ja

Das Produkt ist für die Verwendung

in Innenräumen geeignet !

nein Ablehnung

nationen in den Rezepturen zu verwenden,

die keinen Ausschluß bei den strengen Messungen

zur Folge hatten.

Das Ergebnis sind die emissionsminimierten

Bodenbeschichtungen der Caparol-

„primaKlima“-Serie. Die geprüften und

fremdüberwachten Produkte können nach

den jeweiligen Anforderungen hinsichtlich

mechanischer Belastbarkeit und Einsatzzweck

ausgewählt werden.

Von der Methacrylat-Dispersion für

Nebenräume wie Keller, Vorratsraum über

2K-Wasserepoxidharze für Flure, Büros oder

Hobbyräume bis hin zu lösemittelfreien

2K-Epoxidharzen für mechanisch stark belastete

Bereiche wurde eine Reihe von Produkten

positiv bewertet. Hinzu kommen 2Kwäßrige

Polyurethane, die als Reno vierungs -

anstriche auf bestehenden 2K-Beschichtun-

gen aufgebracht werden können. Da die Produkte

zum Teil auf ColorExpress-Maschinen

getönt werden können, wurden auch alle

Farbtöne mit geprüft und bewertet. <

ja

nein Ablehnung

1) Total Volatile Organic Compounds =

Summenkonzentration der flüchtigen organischen

Verbindungen

2) Semi Volatile Organic Compounds =

schwerflüchtige organischen Verbindungen

3) Niedrigste interessierende Konzentration


24 Innenbeschichtungen

Report

Im Kampf gegen Viren

bleibt die Oberfläche schön

Desinfektionsmittelbeständigkeit von Innenfarben – Von Rudolf Kolb

Wandoberflächen in Krankenhäusern präsentierten sich in der Vergangenheit eher schlicht und eintönig.

Daher war die Auswahl des richtigen Anstrichmittels eher leicht.

Arbeiten in Krankenhäusern, Praxisräumen,

Alters- und Pflegeheimen sind bei

vielen Handwerksbetrieben begehrt. In

früheren Jahren gestalteten sich die Anstricharbeiten

in solchen Einrichtungen

unkompliziert und wenig problematisch.

Die Wände waren zumeist mit

Glasgewebe beklebt und mit einer einheitlichen

Latexfarbe beschichtet. Die

Wandoberfläche sollte strapazierfähig

und gut zu reinigen sein. Auf die Farbigkeit,

Gestaltung und Oberflächenstruktur

wurde weniger Wert gelegt, so

daß zumeist ein seidenglänzender Anstrich

in Weiß ausreichend war.

Doch die Ansprüche der Planer, Architekten

und Auftraggeber haben sich

mittlerweile geändert. Nicht zuletzt

durch die Erkenntnis, daß sich eine „rich -

tige“ Raumgestaltung positiv auf den

Menschen auswirkt, wird es zunehmend farbiger.

Dabei müssen die oft steril und kalt

wirkenden weißen und glänzenden Wandoberflächen

einem matten Anstrich weichen.

Gleichzeitig sollen die eingesetzten Werkstoffe

dieselben Anforderungen hinsichtlich

Strapazier- und Reinigungsfähigkeit sowie

Desinfektionsmittelbeständigkeit erfüllen.

Diskussion um Prüfzeugnisse

Vor diesem Hintergrund gewinnt insbesondere

die Desinfektionsmittelbeständigkeit

von Innenfarben immer mehr an Bedeutung.

In vielen Ausschreibungen wird diese Anforderung

zum Hauptkriterium für die Produktauswahl.

Die meisten Hersteller haben

sich darauf eingestellt und lassen Prüfzeugnisse

erstellen, die eine Beständigkeit ihrer

Produkte gegenüber Desinfektionsmitteln

bestätigen. Daher ist zu erörtern, was Desinfektionsmittelbeständigkeit

bedeutet und

warum sie immer wichtiger wird.

In einem Behandlungszimmer kann es je

nach Krankheitsbild des Patienten zu einer

hohen Konzentration ansteckender Viren

und gefährlicher Bakterien in der Raumluft

und an den Oberflächen kommen. Das liegt

u. a. daran, daß der Patient und andere Menschen

selbst eine Quelle der Kontamination

sind. Während des Aufenthaltes im Raum

kommen sie mit vielen Gegenständen in Berührung.

Dazu gehören auch Wandflächen,

die sich insbesondere in der Nähe des Bettes

und der Lichtschalter befinden. Bei

jedem Kontakt mit der Oberfläche besteht

die Gefahr der Virus- bzw. Keimübertragung.

Außerdem können Mikroorganismen durch

Speichel- und Bluttröpfchen oder andere

Körperflüssigkeiten in der Umgebung verteilt

werden. Da sich in Klinken häufig immunschwache

Personen aufhalten, ist die Ansteckungsgefahr

durch vorhandene Erreger

hoch.

Praxisnah: Die Desinfektionsmittelbeständigkeit von

Caparol-Innenfarben wird im Dr. Robert-Murjahn-Institut

für Beschichtungsstoffe, Fassadensysteme und gesundes

Wohnen mittels Scheuerprüfgerät nach ISO

11998 ermittelt.


Kein Reibungsverlust: Das Standardverfahren zur

Prüfung der Desinfektionsmittelbeständigkeit

vernachlässigt mechanische Einflußgrößen. Daher

wird die Fläche nicht so stark belastet, wie es in

der Praxis üblich ist.

Um andere Patienten und die Klinikbelegschaft

vor Ansteckungen zu schützen, werden

Oberflächen und Räume in Abhängigkeit

von der zu erwartenden Infektionsgefahr

gezielt oder vorbeugend gereinigt und

desinfiziert. Die hygienisch einwandfreie

Reinigung und Flächendesinfektion in Krankenhäusern

und anderen medizinischen Bereichen

dient sowohl der Sauberkeit als auch

der Infektionsverhütung zum Patienten- und

Personalschutz. Es ist selbstverständlich, daß

das Patientenumfeld frei von Staub und Verunreinigungen

und damit für Patienten, Besucher

und Mitarbeiter in einem ansprechenden

Zustand sein muß. Durch die Desinfektion

soll der Raum so hergerichtet

werden, daß er ohne Infektionsgefährdung

genutzt werden kann.

Den Räumen einer Praxis oder Klinik

muß je nach Nutzung unterschiedliche hygienische

Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Diese führt zu individuellen Desinfektionsplänen,

in denen die Häufigkeit, das zu

verwendende Desinfektionsmittel und das

Verfahren beschrieben werden. Außerdem

ist zu kontrollieren, ob Keime und Bakterien

erfolgreich beseitigt wurden. Das liegt in der

Verantwortung des Hygienebeauftragten der

jeweiligen Einrichtung.

Doch nicht nur Kliniken und Krankenhäuser

unterliegen strengen Hygieneanforderungen.

Auch zahlreiche Laborräume,

lebensmittelverarbeitende Unternehmen,

Tierkliniken und andere Einrichtungen benötigen

ein hohes Maß an Sauberkeit. Überall

dort, wo hohe Anforderungen an die Hygiene

gestellt werden, ist der Einsatz von

Desinfektionsmitteln innerhalb der Wandflächen

nicht auszuschließen.

Desinfizierung

auf dem Prüfstand

Die Desinfizierung von Wandflächen erfolgt

in der Regel durch die sogenannte Flächendesinfektion.

Darunter ist die Abtötung oder

Inaktivierung von Mikroorganismen auf

Oberflächen durch chemische Mittel zu verstehen.

Flächendesinfektion kann gleichzeitig

mit oder im Anschluß an eine Flächenreinigung

erfolgen. In der Praxis existieren

im wesentlichen zwei Arten von Flächendesinfektionen.

Die am häufigsten eingesetzte

Methode ist das Aufbringen von Desinfektionsmitteln

auf die Oberfläche mit anschließender

mechanischer Verteilung

(Scheuer- und/oder Wischdesinfektion).

Dabei muß die vorgeschriebene Einwirkzeit

dringend eingehalten werden. Durch dieses

Verfahren kann eine mehr oder weniger hohe

Beanspruchung der Wandoberfläche erfolgen.

Eine weitere Möglichkeit der Flächendesinfektion

ist bei Nichtanwesenheit von

Personen das Vernebeln oder Verdampfen

von Formaldehyd und wird, wenn überhaupt,

nur bei extrem seltenen und aerogen

übertragbaren Krankheiten eingesetzt.

In der Humanmedizin werden zur Flächendesinfektion

Präparate verwendet, die

Technikforum

25

Kliniken legen heute zunehmend

Wert auf anspruchsvolle

farbige Wände. Die Wahl des

optimalen Beschichtungsstoffs

gestaltet sich somit deutlich

schwieriger.

geprüft und zugelassen sind. Sie werden zumeist

als Konzentrate geliefert und müssen

nach Vorschrift der Hersteller verdünnt angewendet

werden. Unter der Einwirkzeit

versteht man die Zeitspanne zwischen dem

Auftragen des Desinfektionsmittels und der

Abtötung bzw. Inaktivierung von Mikroorganismen.

Während des Einwirkens muß die

zu desinfizierende Fläche mit dem Desinfektionsmittel

benetzt sein.

Für eine wirksame Desinfizierung sind

Einwirkzeit und Konzentration des verwendeten

Wirkstoffs verantwortlich. Chemische

Desinfektionsmittel können eine Reihe von

unterschiedlichen Wirkstoffen beinhalten.

Dazu zählen Phenole, Alkohole, Aldehyde,

oberflächenaktive Verbindungen, Halogene,

Oxidantien, Metalle und Metallsalze sowie

Säuren und Laugen. Diese Wirkstoffe sind

nicht nur für Mikroorganismen tödlich, sondern

können auch Oberflächen angreifen

und beschädigen. Dazu gehören auch Wandfarben.

Auf den ersten Blick erscheinen

einige der erwähnten Wirkstoffe gegenüber

herkömmlichen Farben aggressiv, hierbei

sind jedoch die Konzentration und die Einwirkzeit

entscheidend. Bei ungeeigneten

Wandfarben kann sich die Oberfläche in Abhängigkeit

von der Wirkstoffkonzentration

oder/und der Einwirkzeit verändern. Dies

äußert sich häufig durch eine klebrige Oberfläche,

Verfärbung der Beschichtung, Glanzveränderung

und starke Verschmutzung.

Diese möglichen Schäden bewirken eine unerwünschte

optische Einschränkung der Gesamtoberfläche.

Sie können jedoch durch die

Auswahl geeigneter, desinfektionsmittelbeständiger

Produkte vermieden werden.

In der heutigen Zeit sind die meisten Farbenhersteller

in der Lage, Innenwandfarben

zu produzieren, die unabhängig von ihrem

Glanzgrad eine Beständigkeit gegenüber herkömmlichen

Flächendesinfektionsmitteln

>


26 Innenbeschichtungen

Tabelle: Caparol-Innenfarben und Desinfektionsmittelbeständigkeit

Wirkstoffgruppe

MattLatex

Indeko-plus

Latax Samt 10

Amphibolin ELF

Sylitol-LithoSil

PremiumColor

Wasser

Wasser

++

++

++

++

++

++

Amocid ®

Phenole

++ = sehr beständig / es treten keine Veränderungen auf

+ = beständig / kaum wahrnehmbare Veränderungen der Oberfläche

– = gering beständig / deutlich wahrnehmbare Veränderungen

* Bei dem Produkt Incidur ® Spray handelt es sich um ein Desinfektionsmittel, das in der Regel zur Desinfizierung von Metallen, Kunststoffen

und lackierten Oberflächen eingesetzt wird (weniger auf gestrichenen Wandflächen).

aufweisen. In der Regel handelt es sich dabei

um hochwertige Produkte der Naßabriebbeständigkeitsklasse

1 oder 2.

Die Beständigkeit der Werkstoffe gegenüber

Desinfektionsmitteln wird zumeist

durch akkreditierte Institute getestet und

durch entsprechende Prüfzeugnisse belegt.

Da für die Ermittlung der Desinfektionsmittelbeständigkeit

von Innenfarben noch kein

speziell genormtes Verfahren existiert, wird

in den meisten Fällen eine Prüfmethode angewandt,

die auf die DIN EN ISO 2812-4

(Beschichtungsstoffe – Bestimmung der

Beständigkeit gegen Flüssigkeiten, Teil 4

Topf-/Fleckenverfahren) zurückgreift.

Mechanischen Effekt beachten

Bei diesem Prüfverfahren wird eine beschichtete

Oberfläche mit unterschiedlichen

Desinfektionsmittelkonzentraten – entsprechend

den Angaben der Hersteller verdünnt

– auf die zu prüfende Oberfläche getropft.

Zur Verhinderung einer übermäßigen Verdunstung

werden die Tropfen mit einer Glasschale

abgedeckt. Nach der vorgeschriebenen

Einwirkzeit bei Raumtemperatur wird

die Platte unter fließendem Wasser gereinigt

+

+

+

++

+

+

Cloramin T Trihydrat

Org. Chlorverbindung

++

++

+

++

++

+

Dismizon ® pur

Per-Verbindung

und auf sichtbare Veränderungen untersucht.

In der Ergebnisdokumentation werden

die wahrnehmbaren Oberflächenveränderungen

anschließend dokumentiert und

bewertet. Mit der beschriebenen Prüfmethode

läßt sich zwar der Einfluß von Desinfektionsmitteln

auf einer Farbschicht ermitteln,

jedoch fehlt der realistische Bezug zur

Praxis, da bei der Prüfung keine mechanische

Beanspruchung der benetzten Oberfläche

stattfindet. Bei der Flächendesinfektion

muß das Desinfektionsmittel grundsätz lich

auf die Fläche aufgebracht und mecha - nisch

verteilt werden (Scheuer- und/oder Wischdesinfektion).

Der mechanische Effekt spielt

für den Desinfektionserfolg eine wichtige

Rolle. Durch die Bewegungen und den

Druck können Verschmutzungen aufgebrochen

werden, was die Einwirkung des Desinfektionsmittels

erleichtert. Aufgrund der

zusätzlichen mechanischen Belastung findet

eine wesentlich höhere Beanspruchung der

Oberfläche statt als bei der Prüfmethode in

Anlehnung an die DIN EN ISO 2812-4.

So kann es also passieren, daß eine Beschichtung

beim bloßen Benetzen ihrer

Oberfläche mit einem Desinfektionsmittel

zunächst keine optischen Veränderungen

aufweist. Kommt es dabei jedoch zusätzlich

+

+

+

++

++

+

Incidur ® Spray*

Alkohole




++

++


Buraton® 10F

Aldehyde

+

+

+

++

++

++

Microbac ® forte

Amine

++

++

zu einer mechanischen Belastung (Scheuern,

Wischen), wird die Oberfläche angegriffen

und in Glanz, Oberflächenstruktur oder Farbigkeit

verändert.

Um die Prüfsimulation so realistisch wie

möglich zu gestalten, hat das Dr. Robert-

Murjahn-Institut in Ober-Ramstadt ein Prüfverfahren

entwickelt, das die Desinfektionsmittelbeständigkeit

von Beschichtungen

unter der Simulation mechanischer Einwirkung

testet. Dabei wird die Farbe zunächst

mit einem Rakel (300 µm Spalthöhe) auf

eine neutrale PVC-Folie aufgezogen und 28

Tage im Normalklima (23° C/50 % relative

Luftfeuchtigkeit) getrocknet. Die beschichtete

Folie ist anschließend auf einem Scheuerprüfgerät

nach ISO 11998, das auch für

die Prüfung der Naßabriebbeständigkeit

nach DIN EN 13 300 verwendet wird, zu

befestigen und mit der Desinfektionsmittellösung

zu befeuchten. Danach wird die Beschichtung

mit einem Zellstoffschwamm, der

ebenfalls mit der Desinfektionsmittellösung

getränkt ist, mit 40 Prüfzyklen (Wischbewegungen)

belastet. Im Anschluß wird die

Testfläche mit klarem Wasser abgespült und

visuell beurteilt. Mit dem beschriebenen

Prüfverfahren kann die Belastung der Beschichtung

bei einer herkömmlichen Flä-

+

++

++

+


chendesinfektion realistisch dargestellt werden.

Die Ergebnisse der Testversuche werden

in einem vom Dr. Robert-Murjahn-Institut

erstellten Prüfbericht ausführlich dokumentiert

und zusammengefaßt. Durch die

Auswertung ist ersichtlich, mit welchen Veränderungen

das getestete Produkt auf unterschiedliche

Desinfektionsmittelgruppen unter

Einfluß mechanischer Belastung reagiert.

Aufgrund der steigenden Nachfrage nach

desinfektionsmittelbeständigen Produkten

und den dazugehörigen Prüfzeugnissen hat

Caparol das Dr. Robert-Murjahn-Institut mit

der Prüfung aller relevanten Latex- sowie

Innendispersionsfarben der Naßabriebbeständigkeitsklasse

1 und 2 beauftragt. Die

Prüfergebnisse liegen nun vor und können

bei Bedarf angefordert werden.

In der Tabelle auf Seite 26 sind einige

Innenfarben aus dem Caparol-Sortiment mit

der entsprechenden Beständigkeitsstufe

gegenüber getesteten Desinfektionsmitteln

aufgelistet.

Fazit

Desinfektionsmittelbeständigkeit von Innenfarben

ist ein Thema, mit dem sich sowohl

die Klinikleitung als auch der Planer und

Verarbeiter befassen sollten. Durch die Auswahl

ungeeigneter Beschichtungsstoffe können

Schäden entstehen, die hohe Sanierungskosten

nach sich ziehen. Grundsätzlich

sollte im Vorfeld geklärt werden, durch welches

Verfahren, wie oft und mit welchen

Mitteln eine Flächendesinfektion in der jeweiligen

Einrichtung durchgeführt wird. Anhand

dieser Daten läßt sich anschließend

über die Einsicht in die Produktauslobung

und die entsprechenden Prüfberichte ein

passendes Produkt ermitteln. Da kein Farbenhersteller

in der Lage ist, alle auf dem

Markt befindlichen Desinfektionsmittel auf

die Verträglichkeit mit seinen Produkten zu

testen, wird vor dem Einsatz unbekannter

Mittel grundsätzlich eine Probereinigung

empfohlen. Dabei sollte das jeweilige Desinfektionsmittel

an einer wenig sichtbaren

Stelle der Wand auf die Verträglichkeit mit

dem Anstrich getestet werden. Idealerweise

sollte der Verarbeiter diesen Test vor Beginn

der Anstricharbeiten auf einer Probeplatte

durchführen. <

Lackierungen

Praxis

Mehr Effizienz

beim Schleifen

Technikforum

Damit auch weiche Acryllacke bestens vorbereitet werden

Füllungstüren werden mit dem Exzenterschleifer (Schleifhub 5 mm) und Abranet-Schleifnetz

(Körnung P 320) angeschliffen.

Schleifen gehört nicht zu den

beliebtesten Tätigkeiten, erst recht

nicht, wenn man sich auch noch

mit thermoplastischen Altbeschichtungen

herumquälen muß. Für eine

hochwertige Lackierung ist richtiges

und gründliches Schleifen jedoch

zwingend erforderlich.

Das wissen auch die Mitarbeiter der Caparol-Anwendungstechnik

in Ober-Ramstadt.

Nach Schulungen müssen die Kollegen die

lackierten Füllungstüren wieder anschleifen

und für die nächste Schulung vorbereiten.

Da kommt einiges zusammen. Glücklicherweise

ist die Zeit auch bei der Entwicklung

von Schleifmitteln nicht stehengeblieben. So

werden in der Anwendungstechnik wasserverdünnbare

Lacke, aber auch alle anderen

Lacke, schon lange nicht mehr mit dem klassischen

Schleifpapier geschliffen. Für das Anund

Abschleifen lackierter Flächen wird

27

heute das Schleifnetz Abranet von Mirka

verwendet. Die Vorteile gegenüber dem konventionellen

Schleifpapier werden bei der

Arbeit schnell deutlich. Die offene Netzstruktur

ermöglicht eine wirkungsvolle

Staubabsaugung über die gesamte Fläche des

Schleifnetzes. Beim Schleifpapier kann das

bestenfalls über wenige Löcher in der

Schleifscheibe erfolgen. Der Schleifstaub

setzt dann die Oberfläche schnell zu. Wenn

der Untergrund nun auch noch thermoplastisch

reagiert und durch Reibungswärme

weich wird, ist ein frühzeitiger Wechsel der

Schleifscheibe fällig.

Durch die offene Struktur wird auch Reibungswärme

besser abgeführt, was ebenfalls

zur bis zu sechsmal höheren Standzeit des

Schleifnetzes beiträgt. All das führt zu einer

deutlich effektiveren Schleifleistung. Für das

Anschleifen von Lackoberflächen ist eine

Körnung von P 320 völlig ausreichend. Bei

konventionellem Schleifpapier greift der

>


28 Lackierungen

Lackierer häufig zu gröberen Körnungen,

um die schnell nachlassende Schleifleistung

durch das Zusetzen der Oberfläche

aus zugleichen. Das führt jedoch gerade

bei einer nachfolgenden Spritzlackierung

zu Schleif- bzw. Kratzspuren, die dann im

Streiflicht störend sichtbar werden.

Staubfreies Schleifen, Standfestigkeit und

Effektivität und dadurch niedrigere Kosten

des Schleifnetzes haben mittlerweile dazu

geführt, daß in der Caparol-Anwendungstechnik

kaum noch Schleifpapier zu finden

ist. < Bernhard Linck

Staubdurchlässiges Schleifnetz mit Siliziumoxidkorn und weißer Steratbeschichtung:

Die zusätzliche Beschichtung mit Sterat bewirkt ein gleichmäßigeres Schleif -

ergebnis. Das Schleifen ist am Anfang nicht zu aggressiv. Die offene Struktur und

optimale Staubabsaugung verhindert die Bildung von Staubknoten und vermeidet

Riefen in der Oberfläche.

Kompakt – Wärmedämmung

Die Kombination von OneWayBox und Capa-M-Durchlaufmischer

ist gerade bei Ein- und Zweifamilienhäusern

von großem Nutzen. Die innovative Baustellenlogistik

ermöglicht es, WDVS gerade auf kleinen bis

mittelgroßen Baustellen deutlich schneller zu verlegen.

Beim Dämmen mit dem Einweg-Container begnügt

sich neuerdings nicht nur der mit knapp 50 kg

Gewicht kleinste Durchlaufmischer der Welt mit 230-

V-Strom, sondern auch die neue Mörtelpumpe.

Der Exzenterschleifer wird an einen Industriestaubsauger angeschlossen. Die Netzstruktur der Schleifscheibe

saugt den Staub vollflächig ab. Voraussetzung ist ein passender Schleifteller (wie hier zu sehen).

Die Profile der Füllungstür werden mit einem Schleifvlies (z. B. Mirka Mirlon)

angeschliffen. Das Schleifvlies eignet sich hier besonders, da die Gefahr des

Durchschleifens der Profilkanten deutlich geringer ist als bei Schleifpapier.

Ausgereifte Maschinentechnik

WDVS-Baustellen: Mehr Effizienz, weniger Kosten

Bei der Fassadendämmung mit Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) entfallen heute ca.

70 % der Gesamtkosten auf den Lohnanteil. Erfolgreiche Unternehmer haben dies erkannt

und setzen auf Maßnahmen und Techniken mit hohem Rationalisierungspotential. Gefragt

sind Wärmedämm-Verbundsysteme, die schnell und sicher aufgebracht werden können.

Weniger Arbeitsschritte, eine ausgereifte Maschinentechnik und eine baustellengerechte

Logistik sind Ansatzpunkte zur Kostenminderung.

Gerade im Ein- und Zweifamilienhausgeschäft mit Fassadenflächen von weniger als 200

Quadratmetern hat sich die OneWayBox auf WDVS-Baustellen etabliert. Im praktischen

Einweg-Container von Caparol können pulvrige Kleber- und Armierungsmasse sowie pastöse

Produkte transportiert werden. Je nach Material faßt das Mini-Silo bis zu eine Tonne Inhalt.

Der dazugehörige Capa-M-Durchlaufmischer läuft mit einem gängigen 230-V-Stromanschluß,

der an jeder Baustelle zur Verfügung steht. Als Ergänzung hat Caparol nun auch eine Mörte l -

pumpe entwickelt, die mit 230 Volt funktioniert und gerade auf kleineren WDVS-Baustellen

kürzere Rüstzeiten ermöglicht.


Report

Damit Lackierungen

perfekt gelingen

Wasserverdünnbare Lacke: Neue Airless-Spritzgeräte mit dem richtigen

Zubehör ermöglichen hervorragende Ergebnisse – Von Bernhard Linck

Die ersten Airless-Spritzgeräte kamen

eher bei hochviskosen Beschichtungsstoffen

und großflächiger Anwendung

zum Einsatz. Lackierungen wurden mit

Druckluft, HVLP oder druckluftunterstützten

Spritzverfahren (AirCoat) ausgeführt.

Die Airless-Spritztechnologie

hat sich jedoch in den vergangenen

Jahre beträchtlich weiterentwickelt. So

stehen heute handliche und leistungsfähige

Geräte zur Verfügung, mit denen

sich besonders wasserverdünnbare Lacke

in perfekter Oberflächenqualität lackieren

lassen. Davon konnten sich kürzlich

alle Caparol-Anwendungstechniker

überzeugen, die im Umgang mit neuen

Airless-Spritzgeräten geschult wurden.

Diese Schulung war zugleich auch ein Vergleichstest

zweier Gerätetypen. Dem Graco

ST MAX 395 und dem Wagner Finish 350

TempSpray. Welches Gerät würde mit Capacryl

PU-Satin die besseren Spritzergebnisse

auf einer Füllungstür liefern? Das Grundprinzip

beider Geräte ist vergleichbar. Eine

elektrisch betriebene Pumpe fördert den

Technikforum

Zwei Airless-Spritzgeräte, zwei Konzepte: Links das Graco ST MAX 395 und rechts das Wagner Finish 350

mit nachgerüstetem TempSpray.

Lack zur Düse. Die Pumpe setzt den Lack

unter Druck und preßt diesen durch eine

kleine Düsenbohrung. Dies erfolgt ohne zusätzliche

Luft – auf englisch: airless. Durch

den plötzlichen Druckabfall beim Verlassen

der Düse wird der Beschichtungsstoff zerstäubt.

Der Unterschied liegt im Detail. So

arbeitet das Graco ST MAX 395 mit einer

Kolbenpumpe, die den Druck elektronisch

gesteuert erzeugt, während das Wagner

Finish 350 mit einer Membranpumpe arbeitet.

Nervenschonender Vorteil des Graco

war das niedrige Betriebsgeräusch, welches

nur beim Betätigen des Abzughebels an der

Pistole zu hören war. Grundsätzlich bringen

beide Geräte bis zu 200 bar gleichmäßigen

Spritzdruck, d. h. ohne daß dieser pulsiert

oder beim Spritzen abfällt. Auch der Austausch

von Schlauch und Pistole der beiden

Wagner TempSpray: Lack kann von 20° C bis 60° C

im Schlauch erwärmt werden.

29

Hersteller an das jeweils andere Gerät zeigte

hier keine Differenzen.

Interessant sind die beiden unterschiedlichen

Varianten der Airless-Lackapplikation.

Graco setzt auf eine optimierte Düsentechnologie,

Wagner auf eine zusätzliche Erwärmung

des Beschichtungsstoffes mittels

Schlauchheizung TempSpray. Durch das

neue WAGNER Heizschlauch-System Temp-

Spray wird der Lack, elektronisch geregelt,

je nach Bedarf von 20 bis 60° C erwärmt.

Das geschieht im Schlauch und ist bei

lösemittelhaltigen Lacken nicht unproblematisch.

So ist unbedingt die Flammpunkttemperatur

des Lackes zu berücksichtigen.

Der Lack darf also keinesfalls über die vom

Lackhersteller angegebene Flammpunkttemperatur

aufgeheizt werden, und diese

kann je nach Produkt auch schon bei 35° C

liegen. >


30 Gestaltung

Ausgezeichnete Gestaltungskompetenz

FantasticFleece erfolgreich

Die Leser des Groß- und Einzelhandels-Magazins „eurodecor“ haben entschieden: Das

„Beste Produkt in Sachen Verkäuflichkeit“ heißt „FantasticFleece“. Sie begründeten die

Entscheidung für die Caparol-Oberflächentechnik mit den ganz besonderen Effekten, die

FantasticFleece in Verbindung mit Lasuren entstehen läßt. Raffinierte Tiefenwirkung und

transparente Mehrschichtigkeit durch einmaligen Lasurauftrag ermöglichen eine einzigartige

Optik. Die Auszeichnung ist ein weiterer Beleg für den Anspruch des Farbenherstellers,

Innovationsführer für Gestaltungskompetenz zu sein. Produktmanager Ernst

Hübner und Ute Schader von der Caparol-Presseab teilung hatten daher allen Grund zur

Freude, als sie die Urkunde von „eurodecor“-Redakteur Alexander Radziwill entgegennahmen.

Hübner verwies bei der Ehrung auf erste Resonanzen bei der Produkteinführung

während der internationalen Fachmesse „Farbe – Ausbau und Fassade“ im vergangenen

Jahr in Köln. „Wir merkten gleich, welch vielversprechendes Produkt wir mit Fantastic-

Fleece bieten. Die Verkaufszahlen spiegeln das eindrucksvoll wider.“ Die „eurodecor“-

Redaktion führte ihre Handelsumfrage nach dem bestverkäuflichen Produkt im vergangenen

Jahr bereits zum vierten Mal durch. Dabei konnten die Leser in zwölf verschiedenen

Kategorien ihr „Unternehmen 2007“ bestimmen.

Hell und freundlich präsentiert sich das Foyer des Schulungszentrums der ThyssenKrupp Steel AG in

Duisburg-Hamborn seit der fachgerechten Renovierung. Die vormals gefliesten Wände wurden mit dem

neuartigen Glasvlies FantasticFleece bekleidet. Für einen kreativen Verarbeiterbetrieb wie die Malerwerkstatt

Rust war der Wunsch des Auftraggebers Verpflichtung und Ansporn zu gleich, eine außergewöhn -

liche Gestaltungsidee zu präsentieren und mit höchster Handwerkskunst vollendet umzusetzen.

Innovative Gestaltungssoftware

Caparol hat im März beim Innovationspreis 2008 für die

Gestaltungssoftware SPECTRUM 3.0 eine Auszeichnung

erhalten. Bei dem Wettbewerb der Initiative Mittelstand

wurden mehr als 1.600 Produkte, Lösungen und Dienstleistungen

eingereicht. Mit Spectrum 3.0 hat Caparol die Optionen

zur Gestaltung von Fassaden und Innenräumen nochmals deutlich erweitert. Dem

Anwender steht ein Marketingtool mit Alleinstellungsmerkmal zur Verfügung. Die

kostengün stige Anschaffung sowie deutschlandweite Tagesschulungen gewährleisten

eine kundenorientierte Beratung. Die DVD ermöglicht eine ganzheitliche Raumgestaltung,

die neben Farben und Strukturen eine Vielzahl von Materialien für Böden wie Teppich,

Linoleum und Parkett umfaßt und Stoffe für Vorhänge, Möbel sowie Innenraumprofile

einschließt. Abgesehen von einer großen Bilddatenbank können Fassaden und Innen -

räume von Kunden fotografiert, nach individuellen Wünschen aufbereitet und zur

Präsentation ausgedruckt, digital versandt oder in einer Diashow gezeigt werden.

Nachdem die Software auch im Ausland für große Nachfrage sorgte, wurde eine mehrsprachige

Version entwickelt. Weitere Informationen zur ausgezeichneten Gestaltungssoftware

im Internet unter www.spectrum3.eu.

Auf einer Testfläche werden die unterschiedlichen

Spritzwinkel der Düsen erläutert.

>

Bei der Schulung der Caparol-Anwendungstechniker

wurde jedoch ausschließlich

mit wasserverdünnbaren Lacken wie dem

Capacryl PU-Satin gespritzt. Hier besteht

keine Gefahr, daß sich Lösemitteldämpfe

entzünden.

Die Vorgabe war, daß der Capacryl PU-

Satin unverdünnt, d. h. in Lieferkonsistenz

gespritzt werden sollte. Um es vorwegzunehmen:

Mit beiden Geräten gelang den Anwendungstechnikern

nach kurzer Einweisung

ein sehr gutes Lackierergebnis auf den

vorlackierten Füllungstüren. Die Oberflächen

boten ein makelloses Bild. Durch die

fehlende Verdünnung zeigte der Lack ein

hervorragendes Standvermögen und damit

auch für weniger geübte Spritzlackierer eine

hohe Lackiersicherheit. Dabei überraschte

vor allem die geringe Spritznebelbildung.

Das, was als Spritznebel zu Boden fiel, war

trockener Staub und nicht – wie bei löse-

Durch die Erwärmung des Lackes trocknet dieser an

der Düse und am Berührungsschutz an. Das macht

eine gelegentliche Reinigung erforderlich.


So macht Spritzlackieren Freude: Sehr standfester

Lack und wenig Spritznebel.

mittelhaltigen Lacken üblich – ein klebriger

Film.

Für beide Geräte wurde eine Düse mit

einem Durchmesser von 0,008 inch und

einem Spritzwinkel von 40° C gewählt

(Düse 408). Die Lacktemperatur betrug

17° C. Das war auch die Umgebungs- und

Untergrundtemperatur. Die Arbeiten fanden

unter Bedingungen statt, wie sie an der Baustelle

üblich sind. Das Graco erforderte bei

dieser Temperatur einen Spritzdruck von

180 bar (Spritzdruck = Druck bei voll gezogenem

Abzugshebel an der Pistole). Das

Wagner Finish 350 mit TempSpray ließ auf-

Ausgabe 01| 2008

* technikforum

Farben

| Lacke | Bautenschutz

Aktuell

Natürlich vergraute

Holzoberflächen:

Ein neues Geschäfts -

feld für das Handwerk

Regeln und Normen

Wärmedämm-

Verbundsysteme:

Windlastnorm

DIN 1055-4

Fokus

Carbonverstärkt:

Emissionsminimierte

Bodenbeschichtungen

Report

Desinfektionsmittelbeständigkeit

von

Innenfarben

Im Brennpunkt

Saubere Fassaden:

Nano-Quarz-

Gitter Technologie

Top-Ergebnisse mit beiden Geräten und Capacryl PU-Satin, ob naß (links) oder trocken.

grund der Materialerwärmung auf 60° C

einen etwa 20 bar niedrigeren Spritzdruck

zu. Trotz des niedrigeren Druckes beim Wagner-Gerät

konnten keine sichtbaren Unterschiede

in der Spritznebelbildung festgestellt

werden. Hier verhält sich der Capacryl PU-

Satin offenbar sehr tolerant.

Es ist jedoch nicht auszuschließen, daß

andere Lacke deutlicher reagieren. Auch

wenn sich bei diesem begrenzten Test

keine Vorteile durch die Erwärmung des

Lackes zeigten, so ist dieser Ansatz sicher

richtig. Besonders bei stark schwankenden

Verarbeitungsbedingungen wird mit der ge-

Impressum Technikforum – Farben Lacke Bautenschutz

Herausgeber

Redaktion

Autoren dieser

Ausgabe

Gestaltung

Litho

Druck

Anschrift der

Redaktion

Caparol Farben Lacke Bautenschutz GmbH

Roßdörfer Straße 50

64372 Ober-Ramstadt

www.caparol.de

Franz Xaver Neuer (verantw.), Dr. Franz Dörner

Oliver Berg, Rudolf Kolb, Marcus Kopp, Bernhard Linck,

Franz Xaver Neuer (alle Caparol-Technik), Dr. Thomas Brenner

(Dr. Robert-Murjahn-Institut, Ober-Ramstadt)

Jost Design, Darmstadt

data-graphis, Wiesbaden

MDV, Merzig/Saar

CAPAROL Farben Lacke Bautenschutz GmbH

Presseabteilung Redaktion Technikforum

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Telefon: 06154 71-1097

Telefax: 06154 71-643

E-Mail: franz.doerner@daw.de

Veröffentlichung von Bildern und Texten nur

mit Genehmigung der Redaktion.

www.caparol.com

Technikforum

31

regelten Materialtemperatur eine Konstante

geschaffen. Hier dürfte dann auch ein Vorteil

des TempSpray liegen. Das Graco ST

MAX 395 gefiel mit der FineFinish-Düse

(auch von Wagner erhältlich) durch einen

sehr feinen und weichen Spritzstrahl, der ein

sehr kontrolliertes Spritzen ermöglichte.

Es ist ein sehr erfreuliches Ergebnis, daß

der Lackierer mit beiden Geräten in der

Lage ist, wasserverdünnbare Lacke wie den

Capacryl PU-Satin in hervorragender Oberflächenqualität

zu lackieren. Die Kombination

von fortschreitender Gerätetechnik und

Lacktechnik bringt sichtbaren Fortschritt. <

Jo · DG · MDV · 05/08 · 824582


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Polymer-Matrix, bilden ein dichtes, „mineralisch“ hartes dreidimensionales Quarz-Netzwerk

gegen den Schmutz. Schmutz partikel können sich auch bei starker Wärmeentwicklung kaum

halten. Die Fassadenfarben Amphi Silan und ThermoSan – jetzt mit der Nano-Quarz-Gitter

Technologie – sind der entscheidende Schritt zu nachweisbar besseren Ergebnissen: längere

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