Sexualität in der Postmenopause - Prof-ahrendt-frauenarzt.de

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Last oder Lust?

S e x u a l i t ä t i n d e r P o s t m e n o p a u s e

Der Exklusive Ratgeber von Prof. Kurt Starke und Prof. Hans-Joachim Ahrendt


Last oder Lust?

S e x u a l i t ä t i n d e r P o s t m e n o p a u s e

TEIL 1: „Postmenopause und Sexualität

Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von Prof. Kurt Starke

TEIL 2: „Sexualstörungen in der Peri- und Postmenopause

Wissen und Unterstützung für die tägliche Praxis von Prof. Hans-Joachim Ahrendt


Zum Geleit

Die beiden Teile dieser Handreichung sind nur äußerlich geschieden. Innerlich gehören sie

zusammen und ergänzen sich, eben wie zwei Hände oder Hand in Hand. Das trifft auch

auf die Autoren zu: Wir kennen uns schon sehr lange. Der eine, der sexuologisch ambitio-

nierte Mediziner, hat seine Habilarbeit über Jugendsexualität geschrieben, und der andere,

der sexualmedizinisch interessierte Jugendforscher, hat dieses empirisch angelegte Vorha-

ben an seinem Forschungsinstitut unterstützt. Wir gehörten beide der interdisziplinären

Arbeitsgemeinschaft Sexualität an, die von der Leipziger Medizinprofessorin Lykke Aresin,

Gründerin der ersten Ehe- und Sexualberatungsstelle, geleitet wurde.

Aus dieser Arbeitsgemeinschaft entstand die Gesellschaft für Sexualwissenschaft, in de-

ren Vorstand wir lange Jahre zusammengearbeitet haben. Wir waren gemeinsam auf Kon-

ferenzen und Weiterbildungsveranstaltungen aktiv und gestalteten auch diese und jene

Fernseh- oder Funksendung und manches andere gemeinsam. Die fachliche Kompetenz

des anderen achtend, gingen wir stets davon aus, dass es sich lohnt, furchtlos über den

Rand der eigenen Disziplin hinauszuschauen und die Erkenntnisse des anderen zu nutzen

und zu stützen. Wir freuen uns darüber, dass wir dem Wunsch von Kollegen nachkom-

men können, wesentliche Ergebnisse der Studie aus sexualwissenschaftlicher Sicht zu do-

kumentieren. Die damit verbundenen Erkenntnisse aus sexualmedizintheoretischer und

Erfahrungen aus medizinpraktischer Sicht teilen wir in dieser Sonderausgabe mit unseren

Kolleginnen und Kollegen.

Anerkennung verdient Jenapharm, das das ungewöhnliche Projekt in Gang gebracht hat.

Dankbar sind wir allen Mitwirkenden: Der eine vor allem den befragten Frauen, die offen

und ehrlich über sich Auskunft gegeben haben. Der andere bedankt sich vor allem bei den

Patientinnen, von denen immer zu lernen ist und denen die Konsequenzen unserer Arbeit

zu gute kommen sollen. Bei aller Ernsthaftigkeit des Anliegens wäre es schön, wenn das

Lesen wenigstens ab und an vergnüglich wäre. Das würde dann auch unserer Auffassung

von Sexualität entsprechen.

Unterschrift Unterschrift

Kurt Starke Hans-Joachim Ahrendt


Prof. Kurt Starke

Prof. Dr. habil Kurt Starke, Jg. 1938, studierte in Leipzig und promovierte über öffent-

liche Meinung. 1967 wechselte er zum eben gegründeten Zentralinstitut für Jugend-

forschung Leipzig. Er leitete die Abteilung Studentenforschung und die Abteilung

Partner- und Sexualforschung und war Forschungsdirektor. Nach Schließung des Ins-

tituts 1990 gründete er die Forschungsstelle Partner- und Sexualforschung Leipzig.

Er war Gründungsvorsitzender der Gesellschaft für Sexualwissenschaft Leipzig und

der Gesellschaft für Jugend- und Sozialforschung Leipzig. 1981 war er von der Hum-

boldt-Universität Berlin, an der er sich 1977 habilitiert hatte, zum Professor für

Soziologie berufen worden. Seit 1987 ist er Fullmember der International Academy

of Sex Research und der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung.

Seit 1972 hat Kurt Starke empirische Untersuchungen zu Liebe, Partnerschaft und

Sexualität unter mehr als 80000 Personen beiderlei Geschlechts und verschiedener

Generationen in Ost und West durchgeführt, meist in nationaler oder internationa-

ler Kooperation, insbesondere mit dem Institut für Sexualforschung der Universität

Hamburg. Aus seiner Feder stammen zahlreiche wissenschaftliche und populäre

Publikationen, zuletzt die Bücher „Mehr Lust an der Lust. Ein Ratgeber nicht nur fürs

Bett“, „Nichts als die reine Liebe. Beziehungsbiographien und Sexualität im sozialen und

psychologischen Wandel: Ost-West-Unterschiede“ und (gemeinsam mit Gunter Schmidt,

Silja Matthiesen und Arne Dekker) „Spätmoderne Beziehungswelten. Report über Part-

nerschaft und Sexualität in drei Generationen. “ Das „Lexikon der Erotik“ (mit Lykke

Aresin) erschien in mehreren Auflagen und auch im Ausland.

Der Soziologe und Sexualwissenschaftler ist in den Medien präsent, als Kolumnist,

Interviewpartner und Experte. Beim MDR 1 Radio Sachsen ist er seit 1994 14täglich

in seiner Sendung „Liebe, Liebe...“ zu hören.

Kurt Starke ist seit 51 Jahren verheiratet, seine Frau PD Dr. habil. Uta Starke lehrt

am Institut für Soziologie der Universität Leipzig. Sie haben drei Kinder und drei

Enkel. Er wohnt in Zeuckritz bei Leipzig.

Prof. Dr. Hans-Joachim Ahrendt

Prof. Ahrendt arbeitet als Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in eigener

Praxis mit Tagesklinik. Seine Schwerpunkte sind die gynäkologische Endokrinologie und

Sexualmedizin.

Das Medizinstudium absolvierte er an der Medizinischen Akademie (jetzt Otto-von-

Guericke-Universität) in Magdeburg. Danach arbeitete er 20 Jahre an der Universi-

täts-Frauenklinik in Magdeburg. Dort machte er seine Facharztausbildung, Promoti-

on und Habilitation.

Sein fachliches und wissenschaftliches Interesse galt seit jeher der hormonalen Kon-

trazeption, der Endokrinologie und Sexualmedizin. Seine Habilitationsschrift beschäf-

tigte sich mit dem Sexualverhalten und der Kontrazeption von Teenagern. Er war

Mitbegründer der Teenager-Sprechstunden in der Gynäkologie und hat dazu auch

sehr viel populärwissenschaftliche Arbeit in Schulen und Medien geleistet

In dieser Zeit etablierte er auch sexualmedizinische Aus- und Weiterbildungen in

der Frauenheilkunde und hat dazu einen Lehrauftrag an der Medizinischen Fakultät

Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg.

In seiner wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt er sich einerseits mit soziologischen

Studien zum sozialen, sexuellen und kontrazeptiven Verhalten und andererseits mit

klinischen Studien insbesondere zur Entwicklung von hormonalen Kontrazeptiva, zur

Hormonersatztherapie, zur nichthormonellen Behandlung des klimakterischen Syn-

droms, zu Störungen der sexuellen Lust u.a.

Zu diesen Themen hat er mehr als 100 wissenschaftliche und allgemeine Publika-

tionen verfasst und weit über 300 wissenschaftliche Vorträge auf Fachtagungen und

Kongressen gehalten.


TEIL 1: „ Postmenopause und Sexualität

E r g e b n i s s e e i n e r r e p r ä s e n t a t i v e n B e f r a g u n g

v o n P r o f . K u r t S t a r k e


Stichwortverzeichnis

Familienstand Seite XX

Figur Seite XX

Fremdgehen Seite XX

Funktionen der Sexualität Seite XX

Gefühl, begehrt zu werden Seite XX

Geschlechtsverkehr Seite XX

Gesundheitszustand Seite XX

Häufigkeit von Geschlechtsverkehr Seite XX

Hormone Seite XX

Humor Seite XX

Keine Lust auf Sex Seite XX

Koituspartner Seite XX

Körpergewicht Seite XX

Kuss Seite XX

Langzeitbeziehungen Seite XX

Lebenszufriedenheit Seite XX

Liebe Seite XX

Orgasmusraten Seite XX

Partnermobilität Seite XX

Partnerstand: feste Beziehung Seite XX

Partnerstand: keine feste Beziehung Seite XX

Potenzschwierigkeiten Seite XX

Selbstbewusste Generation Seite XX

Selbstbildtest Seite XX

Selbstwertgefühl Seite XX

Sexuelles Verlangen Seite XX

Sinnlich Seite XX

Stellenwert des Sexuellen Seite XX

Wohlbefinden und sexuelle Aktivität Seite XX

Wohlfühlen in der Beziehung Seite XX

Wünsche und Hoffnungen Seite XX

Zärtlichkeit Seite XX

Postmenopause und Sexualität

Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 1040 Frauen

im Alter von 50 bis 60 Jahren

Rund 5 Millionen 50-60jährige Frauen leben in Deutsch-

land. Sie stellen eine bedeutende Altersgruppe der

Bevölkerung dar. Das wird sich in den nächsten Jahr-

zehnten zunächst noch verstärken. Diese Frauenkohor-

te ist nicht nur quantitativ von Bedeutung, sondern sie

hat qualitative Besonderheiten, zum einen als Alters-

gruppe auf Grund des höheren Alters und der Post-

menopause, zum anderen als Generation. Sie ist unter

ganz anderen gesellschaftlichen und familiären Bedin-

gungen sozialisiert worden als ihre Eltern und wurde

mit den Werten und Normen der Nachkriegszeit und

der beiden deutschen Staaten konfrontiert, auch in Be-

zug auf Partnerschaft und Sexualität. Für diese Genera-

tion war die sexuelle Liberalisierung in den 70er Jahren

und die emanzipatorischen Prozesse selbstverständli-

che Zeiterscheinungen, die zu ihrem jetzigen Selbstbild

beigetragen haben.

Die Forschung hat sich bisher kaum für diese Frauen

und für dieses Alter interessiert. Komplexe sexual-

wissenschaftliche Studien sind kaum zu finden, gleich

mit inhaltlichen Aspekten wie Post-menopause, Selbst-

bild, Körperlichkeit, Gesundheit und Hormontherapie.

Stattdessen bestehen Vorurteile über das Sexualleben

der Frauen dieses Alters. Sie reichen von sexueller Hy-

peraktivität bis zu sexueller Verödung, von der lustigen

Witwe bis zum lustlosen Neutrum. Weil sie ihre Ferti-

lität verloren hat, scheint sie als Frau verloren. Weil sie

10 11

ihre Jugend hinter sich hat, scheint sie ihr Leben hinter

sich zu haben. Weil sie von den Medien nicht geliebt

wird, scheint sie liebesunfähig. Weil sie in die Wechsel-

jahre gekommen ist, scheint ihr Alltag von unverwech-

selbaren Leiden beherrscht zu sein. Weil Anmut, Glanz

und Schönheit mit 50+ nicht dieselben sind wie mit

15+, erscheint dieser Lebensabschnitt traditionell als

defizitär.

Dem folgenden Text liegen Ergebnisse der empirischen

Studie „Postmenopause und Sexualität“ unter 1040

Frauen zu Grunde. Die anonyme schriftliche posta-

lische Befragung wurde im TPI Panel von TNS Infratest

per standardisiertem Fragebogen vom 20. Mai – 21. Juni

2007 vom TestPanel-Institut Wetzlar / TNS Healthcare

GmbH München durchgeführt. Die Rücklaufquote be-

trug 70,3%. Fragebogen und Forschungsbericht: Kurt

Starke. Die Untersuchung ist repräsentativ für Frauen

in Deutschland im Alter von 50 bis 60 Jahren (nur deut-

sche Staatsbürgerschaft).


Frauen jenseits der letzten Regelblutung wird gern

nachgesagt, sie verlören schnell die Lust am Sexuel-

len. „Der Augen Feuer weichet, die Brunst wird Eis.“

So heißt es in einem Gedicht von Martin Opitz vor

380 Jahren. Diese Frauen, so wird angenommen, sähen

sich selbst nicht mehr als Sexualwesen. Sie wären keine

sinnlichen, liebesfähigen Frauen mehr und, von Leiden

aller Art geplagt, untauglich fürs Küssen und Kosen.

Dem ist keineswegs so. Für die meisten Frauen liegt

der letzte „richtige“ Kuss nicht länger als ein Woche

zurück. Das ist freilich nur für Frauen in fester Bezie-

hung so. Für 70% der Singles liegt der letzte „richtige

Kuss“ über ein Jahr zurück. Bei den Partnergebundenen

sind es 13%. (Abbildung 1)

Die Frauen dieser Altersgruppe sind eine Kussgenera-

tion und haben das weder in der Ehe oder in einer

anderen Beziehung noch mit zunehmendem Alter ganz

aufgegeben oder verlernt. Genauso ist es mit dem Ge-

schlechtsverkehr. 51% der Partnergebundenen (6%

der Singles) hatte in der letzten Woche Geschlechts-

verkehr und weitere 26% in den letzten vier Wochen.

(Abbildung 2)

Abbildung

1

80 %

70 %

60 %

50 %

40 %

30 %

20 %

10 %

0 %

55 %

in der

letzten

Woche

Wann haben Sie das letzte Mal

„richtig“ geküsst?

22 %

6 % 6 %

in den

letzen 4

Wochen

9 %

16 %

im

letzten

Jahr

13 %

70 %

vor

über einem

Jahr

1 % 2 %

noch

nie

in fester

Beziehung

Singels

Stellenwert des Sexuellen. Wie wichtig ist

Sexualität für die Frauen zwischen 50 und 60?

Nur ganz wenige Frauen meinen, die Sexualität sei für

die Liebesbeziehung unwichtig. (Abbildung 3)

Sie wird aber auch nicht als das Absolute betrachtet, nicht

als das Einzige, was zählt. Diese Relativierung findet sich

nicht nur in dieser Altersgruppe, sondern auch bei Jün-

geren (Schmidt 2000, Starke 2005). Partnerschaftliche

Sexualität gehört für Frauen und Männer sehr wohl zu

den invarianten Elementen der Liebesbeziehung. Sie ist

aber nicht allein das, was die Beziehung zusammenhält.

Die Beziehung wird zwar als idealer und geschützter

Raum auch für Sexualität geschätzt.

Aber Sexualität gilt nicht oder nur augenblickhaft als

die Hauptsache einer Beziehung. Sie ist eingebettet in

das Insgesamt der Lebensaktivitäten des Paares. Das

schließt nicht aus, dass das Sexuelle die schönsten Ge-

fühle auslösen und zu den größten Glücksmomenten

im Leben führen kann, nicht nur im Stadium des Ver-

liebtseins, das temporär alles überflutet oder in einer

spontanen Begegnung, sondern auch in der Vertrautheit

der langen Liebe.

Abbildung

2

80 %

70 %

60 %

50 %

40 %

30 %

20 %

10 %

0 %

51 %

in der

letzten

Woche

Wann hatten Sie den letzten

Geschlechtsverkehr?

26 %

6 % 6 %

in den

letzen 4

Wochen

12 %

10 %

im

letzten

Jahr

13 %

vor

über einem

Jahr

76 % in fester

Beziehung

noch

nie

Singels

Abbildung

3

Wich wichtig ist die Sexualität

gegenwärtig für Ihre Beziehung?

Frauen, die im Zusammenhang mit den Wechseljahren

Hormone nehmen, bezeichnen häufiger als Frauen,

die noch nie Hormone genommen haben, und häufiger

als Abbrecherinnen die Sexualität als „sehr wichtig“ für

ihre Beziehung. Das deutet daraufhin, dass bei einer

HRT-Überlegung der Stellenwert des Sexuellen nicht

ohne Bedeutung ist. Generell messen HRT-Verwende-

rinnen dem Sexuellen einen größeren Stellenwert als

Nichtverwenderinnen zu. Sie haben häufiger sexuelles

Verlangen. Sie sind sexuell aktiver und haben mehr da-

Abbildung

5

12 13

Abbildung

4

Sexualität bedeutet für mich ...

Sexualität als „eher belebend“

von. Sie finden Sexualität etwas häufiger belebend als

Frauen, die keine Hormone nehmen. (Abbildung 4)

Der Unterschied ist zwar nicht übergroß, aber doch

deutlich, und zwar bei allen Parametern zur Sexualität.

Funktionen der Sexualität Sexuelles bedeutet für

nur wenige Frauen Pflicht und Stress, für die allermeis-

ten aber Lebensfreude, Lust, körperliches Vergnügen

und vor allem Zärtlichkeit und Nähe. (Abbildung 5)


In dem sexuellen Miteinander sehen sie ihre Weiblich-

keit bestätigt und fühlen sie sich begehrt. Das Sexual-

verhalten auf Triebbefriedigung und Orgasmus zu re-

duzieren, widerspricht den vielfältigen Funktionen der

menschlichen Sexualität. Sexualität wird mit Liebe und

Zärtlichkeit assoziiert. Die Intimfunktion oder Nähe-

funktion ist in den Vordergrund gerückt. Mittels des

Sexuellen wird eine Intimität hergestellt und eine Ver-

trautheit gewünscht, wird Nähe, Wärme und Gebor-

genheit gesucht, die anders so nicht zu finden ist und

die die Isoliertheit zweier Individuen aufhebt. Das ist

schon in jungen Jahren wichtig und gewinnt mit zuneh-

mendem Alter eher noch an Bedeutung. Freilich finden

sich auch Frauen zwischen 50 und 60, die körperlich

genug von ihrem Mann oder von Männern haben, die

körperliche Berührungen scheuen, die Erotisches in ih-

rem Alter als unpassend betrachten, die den Sex der

Not gehorchend ad acta legen und dem eigenen Triebe

entsagen. Aber sie sind die Ausnahme, und selten die

glückliche.

Das Verlangen nach sexuellem Austausch und die Häu-

figkeit von Geschlechtsverkehr sind je nach Tempe-

rament und Laune und den aktuellen Befindlichkeiten

Abbildung

6

Geschlechtsverkehr

in der letzten Woche

von vielen Bedingungen abhängig. Frauen mit hohem

Selbstwertgefühl haben häufiger Geschlechtsverkehr

als Frauen mit niedrigem Selbstwertgefühl, Mütter et-

was häufiger als Nichtmütter. Glückliche sind sexuell

erheblich reger als nicht Glückliche (und umgekehrt).

(Abbildung 6)

Frauen, die ihren Partner sehr lieben – und das sind die

meisten (siehe Abb. ... weiter hinten) – haben im Durch-

schnitt 6,2 mal Geschlechtsverkehr im Monat, die ihn

nur etwas lieben aber nur 2,5 mal. (Abbildung 7)

Ein gute Beziehung zu haben und sich in ihr wohl zu

fühlen, ist die wichtigste Bedingung für sexuelle Aktivi-

tät und bleibt sie auch in den meist langen Beziehungen

in diesem Alter. Freilich lassen mit zunehmendem Al-

ter Koitusfrequenz und sexuelles Verlangen etwas nach.

Beides ist zu Beginn der Beziehung am größten, vor

allem in den ersten beiden Jahren, und sinkt nach fünf

bis zehn Jahren, um sich dann auf einem bestimmten

und individuell sehr unterschiedlichem Niveau zu sta-

bilisieren. (Abbildung 8 und 9) Ganz geht die Lust auch

nach 20 oder 40 Ehejahren nicht verloren, in gewisser

Hinsicht sogar im Gegenteil: Ältere Frauen in Lang-

zeitbeziehungen kommen häufiger zum Orgasmus als

Abbildung

7

Monatliche Koitushäufigkeit nach Liebe

Abbildung

8

jüngere in kürzeren Beziehungen. Sie haben zwar nach

und nach etwas seltener Verkehr (aber immer noch

weit häufiger als Single-Frauen, auch als die ganz jun-

gen). Aber ihre sexuelle Reaktionsfähigkeit schwindet

keineswegs dahin. Genau drei Viertel der befragten

Frauen (75%) sagen, dass sie beim jüngsten Mal zum

Orgasmus gelangt sind, 59% einmal und 16% mehrmals.

(Abbildung 10)

Die Orgasmusraten liegen bei den Frauen 50+ über

dem Durchschnitt. Der Orgasmus wird mit der Dau-

er der Beziehung (und dem Alter) eher stabiler. Dafür

spricht auch der hohe Anteil an Mehrfachorgasmen.

Von herausragender Bedeutung ist das emotionale Ver-

hältnis zum Partner. Bei sehr großer Liebe steigt die

Orgasmusrate auf 86% (und die der Mehrfachorgasmen

auf 23%).

Koitusfrequenz nach Beziehungsdauer

(Gesamtgruppe)

Singles haben eine etwas niedrigere Orgasmusrate, vor

allem dann, wenn der Partner nicht gerade die große

Liebe oder nicht gut bekannt ist. Neben der Qualität

der Beziehung der beiden Geschlechtspartner spielt

selbstverständlich die Einstellung zur Sexualität und

die orgastische Potenz der jeweiligen Frau eine Rolle.

Sinnliche und genussfähige Frauen mit hohem Selbst-

wertgefühl kommen häufiger zum Orgasmus als ande-

14 15

Abbildung

9

Abbildung

9

Sexuelles Verlangen

nach Beziehungsdauer

re, Frauen, die gern und oft küssen, häufiger als Frauen,

die weniger gern küssen.

Ein allgemeiner Zusammenhang findet sich in unserem

Material zwischen der Orgasmusrate und dem sich

Rundum-glücklich-Fühlen. Von den glücklichen Frauen

hatten 87% beim letzten Mal (mindestens) einen Or-

gasmus, von den weniger oder nicht glücklichen nur

58%.

Sind Sie während des letzten sexuellen Zu-

sammenseins zum Orgasmus gekommen?


TEIL 2: „ Sexualstörungen in der Peri-

und Postmenopause

W i s s e n u n d U n t e r s t ü t z u n g f ü r d i e t ä g l i c h e P r a x i s

v o n P ro f . H a n s - J o a c h i m A h r e n d t

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