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WANDERN

Gert Bieler

Wandern auf dem „Pfad der Götter“

Der HWGV-Kassel hatte erneut zu einer

Wanderwoche in der süditalienischen Provinz

Kampanien eingeladen. 40 Anmeldungen

lagen vor, 36 Wanderfreudige kamen

mit. Wir starteten am 18. September

2008 zum Flughafen Hannover, checkten

ein und flogen nach Neapel. Dort holte

uns ein Bus ab und brachte uns gen Süden

fahrend nach S. Marco zur Fondazione

Passarelli. Gegründet wurde das Haus von

einem Pater, der nach dem Krieg elternlosen

Kindern ein Heim und eine Ausbildung

geben wollte. Das Haus wurde

Heimvolkshochschule und bietet unter

anderem Wanderwochen an.

Freitag: S. Marco liegt am Mittelmeer, am

Südrand der Bucht von Salerno und

gehört zur Gemeinde Castellabate. Dieser

Ort, 380 m hoch gelegen, war unser erstes

Wanderziel. Dort, wo einst eine Burg

thronte, entstand der Ort, dessen malerischen

Häuser und Gärtchen sich an den

Berg schmiegen. Enge Gassen und schmale

Treppen verbinden

die Häuser

und führen

hinauf zur

Burg und

Auf dem „Pfad der Götter“ erlebten und

erblickten wir die Amalfi-Steilküste.

20 – HESSISCHER GEBIRGSBOTE 1-2009

zur Kirche. Der Blick von oben auf

S. Marco, auf Santa Maria, auf den Strand

und das Meer ist herrlich. Im Dunst sind

die Amalfiküste und Capri erkennbar.

Am Nachmittag baden einige im warmen

Meer und treffen die anderen danach

beim Eisessen in Santa Maria.

Samstag: Das „Cilento“ gehört zum Weltkulturerbe.

Die Wandergruppe fährt mit

unserem Wanderführer, Herrn Blechschmidt,

hinauf in die Berge nach Magliano

Nuovo. Wir verlassen den Bus und steigen

in der Schlucht des wilden Wassers

des Calore ab nach Remolino. Der Pfad

am Hang ist schmal, steinig und führt in

Serpentinen hinunter zum rauschenden

Calore, den wir auf einem abgestürzten

Felsen überqueren. Der Weg ist romantisch

und beschwerlich. Ein Rätsel bleibt:

ein Mühlrad liegt zerbrochen in einer

Kehre. Wer oder besser wie wurde es

dorthin gebracht? Bei Rotwein, Brot und

Käse erholen wir uns und fahren weiter

ins Tal des Calore zur Wallfahrtskirche

„Madonna del Gratana“. Von dort steigen

wir auf zur Burgruine „Capaccio Mediccio“.

Hoch oben vom Berg haben wir

einen herrlichen Ausblick auf die fruchtbare

Ebene rund um Paestum, auf das

Meer und auf einige Wasserbüffel-Farmen.

Sonntag: Wir fahren mit dem Bus nach

Agropoli an die Küste und wandern von

dort zurück nach Santa Maria und einige

weiter bis S. Marco. Der Weg oberhalb des

Meeres führt durch Pinienhaine, an einem

Weingut vorbei, das wir umgehen müssen,

wir sehen verfallene

Höfe und blicken immer

wieder auf das

blaue Meer,

zur Amalfiküste und nach Capri. Barfuß

laufen wir am Strand zurück nach

S. Marco, freuen uns aufs Essen und das

Bad im Meer.

Montag: Bei prächtigem Wetter fahren wir

gen Norden zur Amalfisteilküste. Auf Serpentinen

geht es hoch hinauf in die Berge

und durch einen Tunnel nach Agerola.

Wir steigen aus und wandern auf dem rotweiß

markierten „Weg der Götter“ nach

Montepertuso und Positano.

Als die Götter diesen Weg

schufen, hatten sie noch Flügel!

Immer am Steilhang entlang

wandern wir durch Weinberge,

durch Eichen-, Pinienund

Kastanienwälder, an steilen

Felswänden entlang,

600 m unter uns das wunderschöne

blaue Meer! Das war

schön und anspruchsvoll!

An der Costira Amalfitana

fahren wir zurück, legen eine

Pause in Amalfi ein, um dort

in die Kirche zu gehen, zu

schauen, zu schoppen und

Eis zu schlecken. Die Busfahrt

an der Steilküste ist etwas

fürs Auge und den Fahrer.

Er muss oft hupen, sich

an den Rand drängeln, halten,

zurücksetzen, dem Gegenverkehr

die Chance geben,

weiterfahren zu

können.

Dienstag: Wir haben

am Vormittag frei

und gehen

baden.


Castellabate, fast wie im Mittelalter, ein Ort

zum Träumen.

Nach dem Essen fahren wir nach Paestum.

Am Wege zum Tor liegt eine Wasserbüffel-Farm.

Wir dürfen sie besichtigen.

Die Tiere stehen im Freien, nur die Futterflächen

sind überdacht. Gefüttert wird

vor allem Maissilage, gemolken im Melk -

stand. 300 Rinder stehen in der Farm, die

uns der Besitzer gerne zeigt. Die gekühlte

Milch holt die Molkerei ab und erzeugt

den Mozzarella-Käse.

Paestum war die um 700 v. Chr. gegründete

griechische Siedlung Poseidonia. Sie

war und ist von einer 4 750 m langen Mauer

umgeben, Türme bewachten die Tore.

Die Stadt hatte einen Hafen, über den der

Handel mit Griechenland lief. Auffallend

gut erhalten sind drei, aus hellem Travertin

erbaute Tempel, die in der Sonne

leuchten. 273 v. Chr. eroberten die Römer

die Stadt und nannten sie Paestum. Römische

Bauten, wie das Forum ergänzen das

Bild. In einem Museum kann man Ausgrabungsfunde

bewundern. – Als Goethe

Paestum besuchte, war das Ruinenfeld

von einem Sumpfgebiet umgeben. Geröll

und Sand aus den Bergen hatten den Wasserabfluss

verstopft. Malaria trat auf und

nur die aus Indien stammenden Wasserbüffel

fühlten sich noch wohl. Ab 1850

entwässerte man das Land. Es wurde wieder

bewirtschaftet und wird durch intensiven

Gemüseanbau genutzt.

Mittwoch: Wir brechen früh auf gen Süden,

es regnet. Auf der Autobahn fahren

wir durch eine gebirgige Landschaft,

durch Tunnel und über Brücken. Durch

ein enges Tal erreichen wir die Ferienregion

und den Hafen von Marina di Camerota.

Nach der Cappuccino-Pause geht es an

Bord zweier kleiner ehemaliger Fischerboote.

Mit ihnen schippern wir gen Süden,

immer an der Küste entlang. Wir fahren in

Buchten, in Grotten, sehen einen Eisvogel,

versteinerte Löwenköpfe und Menschen,

bis wir den Naturhafen Porto degli

infreschi erreicht haben. Wir steigen aus

und verzehren unser Lunchpaket. Danach

geht es auf einem steilen Weg bergauf.

Durch den Regen ist der Boden anhänglich

und glitschig, obwohl es inzwischen

aufgeklart hat. Oben angekommen, müssen

wir auf einem kaum erkennbaren, zugewachsenen

Pfad ins Tal – und dann erneut

den Hang hinauf. Wir kommen alle

ins „dampfen“, bis wir den Höhenweg erreicht

haben. Es ist eine wilde Landschaft,

einzelne Weingärten, kleine Wiesen und

viel buschiges Brachland, in dem einige

Wachtürme stehen. Sie erinnern an die

Zeit der Normannen, die nach den Staufern

hier sesshaft waren, bis die Spanier

sie verdrängten. Nach einem steilen Ab-

Im Cilento auf steinigem Pfad abwärts ins

wilde Tal des Calore.

stieg sind wir wieder an der Küste. Am

Ortsrand von Camerota wartet der Bus.

Diesmal fahren wir an der Küste entlang

durch kleine Orte. In einem hat Hemingway

gelebt – der wusste, wo es schön ist!

Donnerstag: Wir wandern diesmal von

S. Marco aus am Abhang des Licosa an

der Küste gen Süden. Mal umgibt uns

Wald, mal Weingärten oder Obstwiesen,

Schafe weiden am Hang, Villen tauchen

auf und der Hafen Licosa. Auf der Mole

wird gerastet und wir schauen hinüber zur

Insula Lucosa mit dem kleinen Leuchtturm.

Herr Blechschmidt spricht über die

Irrfahrten des Odysseus und von den Sirenen

auf einer der Inseln. Ob Odysseus

hier verführt wurde? Erst auf einem

schmalen Pfad am Steilufer, dann durch

einen Kiefernwald und weiter auf der

Die Amalfitana wurde in und an die

Felswände gebaut.

WANDERN

Straße eilen wir nach Olgliastro Marina.

Drei Minuten später kommt der Linienbus

und mit ihm fahren wir zurück nach

S. Marco. – Mittag essen, Abschiednehmen,

Koffer packen und im Bus verstauen, noch

ein Gruppenfoto und ab geht die Fahrt

nach Neapel. Den Vesuv umhüllen dunkle

Wolken, es blitzt. Wir erreichen die Großstadt

Neapel, durchqueren sie auf der

Stadtautobahn, an Häuserblocks vorbei,

durch Tunnel und über abenteuerliche

Brückenkons truktionen. Auf einem Berg

an der Küste im Norden Neapels machen

wir Halt und blicken auf die Inseln Ischia

und Procida sowie auf den Golf von Neapel

mit seinem regen Schiffsverkehr. Gegenüber

die Halb insel Sorrent – dort wanderten

wir auf dem „Pfad der Götter“.

Wir nehmen Abschied von Italien und

fahren im abendlichen Verkehr zum Flughafen.

Wir danken Herrn Blechschmidt

für diese wunderschöne Wanderwoche.

Sie wird noch lange in uns nachklingen.

Einchecken – einsteigen – fliegen. Am

27. September landen wir nach einem

ruhigen Flug in Hannover. Der Busfahrer

empfängt uns, wir steigen ein und sind um

drei Uhr wieder in Kassel. Es war sehr

schön – und wiederholenswert!

Ohne Wasserbüffel keinen echten

Mozarella-Käse.

HESSISCHER GEBIRGSBOTE 1-2009 – 21

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