Lehrermaterialien - Welthaus Bielefeld

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Lehrermaterialien - Welthaus Bielefeld

Ein anderes Bild von Afrika

Anregungen für den Unterricht

in den Sekundarstufen I und II

Aktualisierte Neuauflage

2009


Die Trägerorganisationen von GEMEINSAM FÜR AFRIKA 2008/09

˘ ADRA Deutschland e.V.: www.adra.de

˘ Aktion Canchanabury e.V.: www.canchanabury.de

˘ africa action / Deutschland e.V.: www.africa-action.de

˘ Ärzte für die dritte Welt: www.aerzte3welt.de

˘ Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V.: www.aswnet.de

˘ Arbeiter-Samariter-Bund: www.asb.de

˘ AWO International: www.awointernational.de

˘ AMREF: www.amrefgermany.de

˘ CARE Deutschland-Luxemburg e.V.: www.care.de

˘ Deutsches Medikamenten-Hilfswerk – action medeor e.V.: www.medeor.org

˘ Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW): www.weltbevoelkerung.de

˘ Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. (DAHW): www.dahw.de

˘ Don Bosco JUGEND DRITTE WELT: www.jugend-dritte-welt.de

˘ EIRENE e.V.: www.eirene.org

˘ Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM): www.elm-mission.net

˘ Hilfswerk der Lions: www.lions-hilfswerk.de

˘ Kinderhilfswerk Global-Care: www.kinderhilfswerk.de

˘ Kindernothilfe e.V.: www.kindernothilfe.de

˘ Malteser International: www.malteser-international.org

˘ missio – Internationales Katholisches Missionswerk (Aachen und München):

www.missio-aachen.de; www.missio-muenchen.de

˘ Mission EineWelt

˘ Opportunity International Deutschland : www.oid.org

˘ Oxfam Deutschland e.V.: www.oxfam.de

˘ Quäker-Hilfe Stiftung: www.quaeker-stiftung.de

˘ Tierärzte ohne Grenzen e.V.: www.togev.org

˘ UNESCO Stiftung: www.unesco-kinder.de

˘ Welthaus Bielefeld: www.welthaus.de

˘ Weltnotwerk e.V. der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung: www.kab.de

˘ World Vision Deutschland e.V.: www.worldvision.de


Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Afrika – eine Zumutung? 2

1 Schwarz-weiße Weltbilder 3

1.1 »In Afrika sind alle Menschen arm« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4

1.2 »Die leben noch wie in der Steinzeit«. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

1.3 Afrikas »Stammeskriege« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8

2 Afrikas Entwicklungserfolge 11

2.1 Überlebenskünstler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11

2.2 Mauritius: Beispiel einer erfolgreichen Ökonomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13

2.3 Ugandas Erfolge im Kampf gegen Aids . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

2.4 Die Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16

3 Zukunftsperspektiven für Afrika 18

3.1

Impressum

Aufbruchst immung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19

3.2 Afrika auf der internationalen Agenda . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

3.3 Kein Interesse an Afrika? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22

4 Unterrichtsskizzen 24

Hinweise auf Materialien/Medien für die Schule 25

Materialien

Die Materialien finden Sie als PDF-Dateien zum Download auf unserer Website:

www gemeinsam-fuer-afrika de/schulen_anmeldung php

M 1 Afrikas Magie des Dschungels

M 2 Afrikabilder

M 3 Die Deutschen

M 4 Tradition und Fortschritt

M 5 Die neuen Kriege in Afrika

M 6 Überlebenskünstlerin

M 7 Afrika: Kleine Schritte in Richtung Entwicklung

M 8 Trotz allem kein Stillstand

Herausgeber: GEMEINSAM FÜR AFRIKA e.V.,

Töniser Str. 21, 47918 Tönisvorst

Redaktion: Georg Krämer, Welthaus Bielefeld.

Satz: Satzbau GmbH, Bielefeld.

Druck: Strothmann, Bielefeld.

Titelfoto: World Vision Deutschland

M 9 Recherchen zu Afrika

M 10 Afrikas Armut – Wer ist schuld?

M 11 Meine Zukunft

M 12 Ansatzpunkte für Afrikas Entwicklung

M 13 Afrika: Welthandel und Entwicklungshilfe

M 14 Ein Brief

M 15 Afrika finde ich wichtig

M 16 Afrika-Quiz

Foto: Don Bosco Jugend

Bezug: Bei den Trägerorganisationen von GEMEINSAM

FÜR AFRIKA und bei der Koordinationsstelle:

c/o CARE Deutschland-Luxemburg e.V.,

Dreizehnmorgenweg 6, 53175 Bonn

www.gemeinsam-fuer-afrika.de

Tel.:+ 49 (0)228 688 22 77

Fax: +49 (0)228 975 63 53

E-Mail: schulen@gemeinsam-fuer-afrika.de

Die Aktion Schulen – GEMEINSAM FÜR AFRIKA wird gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung.


Vorwort zur ersten Auflage:

Afrika – eine Zumutung?

Wer sich mit Afrika befasst, muss zunächst Afrika-Bilder aufarbeiten. Afrika

ist in der allgemeinen Wahrnehmung und in der massenmedialen Vermittlung

der Kontinent mit den 4 Ks: Kriege, Krisen, Krankheiten und Katastrophen.

Wenn uns überhaupt Bilder erreichen, so spiegeln sie diese 4 Ks wieder:

Kriegsszenen aus dem Kongo oder dem Sudan, hungernde Kinder in den

Flüchtlingslagern im Tschad oder in Uganda, Millionen von Aids-Opfern im

Südlichen Afrika. Die Bereitschaft, sich derartigen Elendsbildern zu stellen, ist

gering, auch unter jungen Menschen.

Das auf diese Weise entstandene Afrikabild ist ja

(leider) nicht falsch. Es ist unvollständig, weil es wesentliche

Teile der Realität ausblendet, vor allem den

Lebensmut so vieler Menschen, die trotz widrigster

Umstände es irgendwie schaffen, für sich und ihre

Familien das Überleben zu sichern. Diese Fähigkeit zu

überleben, zu hoffen und immer wieder neu anzufangen,

verdient Bewunderung und Unterstützung – und

genau dies wollen wir auch in den Mittelpunkt dieser

Unterrichtsmaterialien stellen. Sie sollen einen anderen,

weniger üblichen Blick auf Afrika möglich machen.

Es macht aber wenig Sinn, ein negatives oder einseitiges

Afrikabild gegen ein positives Klischee auszutauschen.

Afrika als Thema im Unterricht oder in der

Bildungsarbeit ist und bleibt eine Zumutung. Es mutet

uns zu, die Widersprüchlichkeiten und Ambivalenzen

dieses Kontinents zu ertragen: Engagierte Selbsthilfe

und dumpfe Lethargie, visionäre politische Entwürfe

neben korrupter Selbstbereicherung, zynische Ignoranz

gegenüber den Problemen und die nicht tot zu

kriegende Hoffnung auf Zukunft in einem Meer des

Elends. Manchmal passen nicht einmal die Kategorien unserer Wahrnehmung

– und trotzdem sollen und müssen wir wahrnehmen, uns ein Bild

machen. Alles was wir sagen und feststellen, wird teilweise richtig, aber auch

teilweise falsch sein. Alle Aussagen tragen das „aber“ schon in sich. Nur wenn

wir soviel Zumutung ertragen wollen, lernen wir etwas über Afrika – und

über uns.

Bielefeld, Georg Krämer

August 2006 (Welthaus Bielefeld)

Foto: Welthaus Bielefeld

2 GEMEINSAM FÜR AFRIKA


1.

Schwarz-weiße Weltbilder

Didaktische Zielsetzungen

˘ die eigenen Afrikabilder erinnern, abrufen und

aussprechen

˘ bestehende Bilder und Klischees kritisch überprüfen

Unser Bild von Afrika prägt unsere Wahrnehmungen,

Bewertungen und unser Handeln, deshalb ist eine Beschäftigung

mit diesen Bildern wichtig. Dabei geht es

weniger darum, diese Afrika-Bilder als falsch, dumm

oder rassistisch zu entlarven, sondern sie zu erweitern

durch andere Bilder und Geschichten, Informationen

und Fakten. Wichtig ist: Nicht die unvermeidbare Existenz

unserer Bilder und Klischees ist das Problem, sondern

dass uns Fragwürdigkeit und Reichweite unserer

Vorstellungen nicht bewusst sind. Wie gehen wir also

mit Vorstellungen und Wissen bezüglich Afrika um, deren

Begrenztheit wir kennen, aber die wir auch nicht

durch eigene Erfahrungen „überprüfen“ können?

Fast unvermeidlich sind viele unserer Afrika-Bilder und

Assoziationen von den massenmedial vermittelten

Kriege, Krisen, Katastrophen und Krankheiten geprägt.

Diese Einseitigkeit führt dazu, dass emotionale Sperren

eine nähere Beschäftigung mit Afrika verhindern. Doch

auch der positive Gegenentwurf führt nicht viel weiter;

die afrooptimistischen Analysen scheitern meist schon

in kürzerer Zeit an den Realitäten. Manche versuchen,

ein positives Afrikabild zu retten, in dem alle negativen

Entwicklungen Afrikas zur Folge des Kolonialismus oder

neokolonialer Ausbeutung erklärt werden. Hier treffen

sich in bemerkenswerter Weise die Rechtfertigungen

der Staatsklassen, die für Armut und Unterdrückung in

ihren Ländern nie verantwortlich sind, mit der antiimperialistischen

Rhetorik jener, für die der Kapitalismus

die hinreichende Ursache aller Übel ist.

Wirklich weiterführend wären demgegenüber Einstellungen

und Haltungen, die auch widersprüchliche Phänomene

zu integrieren versuchen. Dies würde für Afrika

bedeuten, die Verantwortung der Regierenden ebenso

einzubeziehen wie die ökonomischen Folgen einer Globalisierung,

die Afrika abgekoppelt hat. Versäumnisse

GEMEINSAM FÜR AFRIKA

Phantasiereise

Foto: Don Bosco Jugend

Die Phantasiereise ist eine Methode, die in einer Atmosphäre

der Ruhe und des Vertrauens die TeilnehmerInnen

einlädt, ihre inneren Bilder wachzurufen.

Nur wenn diese Voraussetzungen (einschließlich

eines ruhigen Raumes) gegeben sind, sollte diese

Methode versucht werden. Die Teilnehmer schließen

die Augen und achten auf ihren Atem. Es darf

nicht mehr gesprochen werden. Der Text wird langsam

– mit langen Pausen vorgetragen. – Nach der

Phantasiereise ist ein Austausch über unsere Phantasiebilder

– ohne Bewertung – wünschenswert.

Ich bitte Euch zunächst, jetzt nicht mehr zu sprechen

und wirklich still zu werden. Bitte setzt Euch

zunächst möglichst bequem auf Euren Stuhl und

versucht, eine gute Sitzposition zu finden. Schließt

jetzt die Augen. Achtet auf Euren Atem. Versucht

bitte, tief und ruhig zu atmen.

Ich will Euch einladen auf eine Phantasiereise nach

Afrika. Du hast eine lange Reise hinter Dir und fühlst

Dich etwas müde. Soeben seid Ihr gelandet. Du gehst

zur Tür und schaust zum ersten Mal auf Afrika.

Was siehst Du? – Wie ist das Wetter? – Du gehst die

Treppe herunter und wirst erwartet. Wer begrüßt

Dich? – Wie ist dieser Mensch gekleidet? – Dann

fahrt Ihr mit dem Auto in ein Dorf. Du schaust links

und rechts neben die Straße. Was siehst Du? Dann

kommt Ihr im Dorf an. Viele Menschen warten dort

auf Dich. Wie sehen sie aus? – Wie sind ihre Gesichter?

– Wie sind sie gekleidet? Man zeigt Dir das

Dorf. Was siehst Du? – Was für Menschen kannst Du

erkennen? – Dann wirst Du vom Chief empfangen.

Was sagt er zu Dir? – Was sagst Du zu ihm? – Dann

überreicht er Dir ein Begrüßungsgeschenk. Was ist

es? – Am Ende musst du dich von ihm verabschieden.

Was sagst Du? – Du blickst noch einmal auf das

Dorf zurück. Was bleibt Dir davon am auffälligsten

im Gedächnis? – Danach setzt Du Dich ins Auto. Ihr

Fahrt los. Die Bilder bleiben zurück. Du kommst wieder

hier im Raum an und öffnest vorsichtig Deine

Augen.

3


der internationalen Politik und die Folgen menschenverachtender

Ausbeutung kämen in den Blick, aber

auch politische und kulturelle Faktoren für Entwicklungsdynamik

oder die Bereitschaft der Afrikaner, Verantwortung

für ihre Zukunft nicht an andere zu delegieren.

Ambivalente Bilder müssen wir ertragen, die uns

auch mit der Erkenntnis konfrontieren, dass wir viele

Entwicklungsfaktoren nicht direkt beeinflussen können.

Vorschläge für Unterricht und Bildungsarbeit

Es geht also darum, mit der Relativität der Bilder leben

und um ihre begrenzte Reichweite zu wissen - auch angesichts

von 53 verschiedenen Staaten, rund 3.000 Ethnien

und gut 967 Mio. Menschen, die alle unter „Afrika“

subsumiert werden. So sollen wir uns also doch ein Bild,

nein viele Bilder machen. Und existierende schwarzweiß-Bilder

immer wieder in Frage stellen. Die folgenden

drei Unterkapitel liefern dafür Material.

˘ Was fällt euch bei „Afrika“ ein? Woher habt Ihr diese Bilder, Erfahrungen, Vorstellungen? Ein solches

„Brainstorming“ ist in allen Klassenstufen möglich und soll die oft unbewussten Ausgangsbedingungen

für eine Beschäftigung mit Afrika erkennbar machen. Die Antworten können z.B. in die Bereiche „Armut/

Krankheit“, „Kriege/Konflikte“, „Kultur und Religion“ und „Fortschritt/Erfolge“ rubrifiziert werden. Zielgruppe:

Alle Klassenstufen

˘ Afrika – das ist der wilde, urtümliche Kontinent mit den eindrucksvollen Tieren. Auf derartige Bilder zielen

viele Reklameflyer oder Fernsehspots. Das Arbeitsblatt M 1 (siehe Download) enthält eine solche Werbung

und fragt nach der ethischen Bewertung solcher Instrumentalisierung. Zielgruppe: ab Klasse 8

˘ Das Arbeitsblatt M 2 (siehe Download) listet 24 „afrikanische Szenen“ oder Ereignisse auf und fordert

dazu auf, diese nach Wertigkeit auszuwählen. Ein Vergleich mit der Auswahl anderer (Kleingruppe) hilft

dabei, Argumente für die Auswahl zu formulieren und abzuwägen. Wenn möglich können die einzelnen

Szenen vom Lehrer/Lehrerin noch kurz erläutert werden. Zielgruppe: Oberstufe

˘ Wenn es die Atmosphäre in der Klasse zulässt, können Sie vielleicht in einer Phantasiereise die Afrika-

Vorstellungen der SchülerInnen wachrufen. Zielgruppe: Ab Klasse 7

˘ Der Film „Befreien Sie Afrika“ (16 mm, 83 Min., 1999) präsentiert Ausschnitte aus rund 500 Filmen, Werbespots,

Printmedien etc. und porträtiert so eindrucksvoll und kurzweilig das deutsche Afrikabild vom

Zweiten Weltkrieg bis 1998. Zielgruppe: Oberstufe Bezug: emz.emh@elk-wue.de.

1.1

»In Afrika sind alle Menschen arm«

Didaktische Zielsetzungen

˘ die große Leistung der Mehrheit der Afrikaner,

die trotz widriger Umstände ihr Über leben

sichern, zur Kenntnis nehmen.

˘ darüber nachdenken, was wir unter Armut

verstehen wollen und was jenseits des Einkommens

dafür von Bedeutung ist.

Afrika ist der Kontinent der Armut. Die Bilder des Fernsehens,

aber auch die Zustandsbeschreibungen vieler

Hilfsorganisationen, lassen eigentlich keinen anderen

Schluss zu. Hunger, schlechte Trinkwasserversorgung,

gesundheitliche Missstände, Bildungsnotstand und

Verwundbarkeit gegenüber Naturereignissen oder

Dürreperioden sind unübersehbar.

Auch die Statistiken bestätigen diese Wahrnehmung.

Nirgendwo ist der Anteil der extrem Armen größer als

in Afrika südlich der Sahara. Laut Weltbank liegt ihr Anteil

(Stand: 2005) bei 50,4 %. Seit 1990 ist die Zahl der

extrem Armen um 100 Millionen Menschen angestiegen.

Auch der „Human Development Index“ (HDI), der

vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen

(UNDP) erhoben wird und die Lebenserwartung, die

Alphabetisierung und das Kaufkraft-berechnete Einkommen

berücksichtigt, sieht Afrika am Ende der Skala:

Alle 22 Länder mit einem geringen HDI liegen in Afrika

südlich der Sahara.

Afrika südlich der Sahara

In den meisten statistischen Erhebungen (UN,

Weltbank) ist es üblich, die Lage in „Afrika südlich

der Sahara“ zu beschreiben. Das umfasst alle

afrikanischen Staaten ohne die fünf relativ reichen

Nordstaaten Tunesien, Algerien, Marokko, Libyen,

Ägypten.

4 GEMEINSAM FÜR AFRIKA


Der Tatbestand großer, in Afrika weit verbreiteter Armut

ist unbestreitbar. Umso mehr muss aber ins Gewicht

fallen, dass es der weitaus größte Teil der Afrikanerinnen

und Afrikaner schafft, irgendwie zu überleben. Es

fehlt an allem und staatliche Hilfe ist kaum zu erhalten.

Trotzdem gelingt es den Menschen, unter oft widrigen

Umständen zu überleben, sich trotz knapper Ressourcen

an Boden, Wasser, geeignetem Saatgut und landwirtschaftlicher

Ausrüstung zu ernähren, Kinder weithin

ohne medizinische Dienste aufzuziehen und sich in

einem von Gewalt und Konflikten geprägtem Umfeld

zu behaupten. Mindestens ebenso bemerkenswert wie

die Armut ist diese Überlebensleistung, wie sie viele

Millionen Afrikaner tagtäglich vollbringen (siehe dazu

auch Kapitel 2).

An dieser Stelle wäre auch über unser Verständnis von

Armut nachzudenken. Auch in Deutschland versuchen

neuere Armutsdefinitionen, prekäre Lebenssituationen

nicht nur durch statistische Einkommensberechnungen

(wer weniger als die Hälfte des durchschnittlichen

Einkommens hat, gilt als arm) zu erfassen. Qua li tative

Dimensionen (wie die Möglichkeit zur Teilnahme am

gesellschaftlichen und kulturellen Leben oder das Vorhandensein

einer sozialen Absicherung) kommen hinzu.

Auch für Afrika wären qualitative Gesichtspunkte

GEMEINSAM FÜR AFRIKA

Extreme Armut

Die Weltbank spricht von „extremer Armut“, wenn

einem Menschen für die Befriedigung seiner Bedürfnisse

weniger als 1,25 $ pro Tag zur Verfügung

steht. Hinter dieser Zahl verbirgt sich eine aufwendige

Berechnungsweise, die zunächst das Einkommen

von Haushalten zu erfassen versucht. Um

dieses international vergleichbar zu machen, wird

nun dieses Einkommen in Kaufkraft umgerechnet

und mit der Kaufkraft in den USA – auf der Basis

des Dollars in der Kaufkraft von 2005 – verglichen.

Die Berechnungen der Weltbank sind immer

wieder kritisiert worden (vor allem Pogge 2003),

denn die internationale Vergleichbarkeit und die

Umrechnung der Subsistenz (Selbstversorgung)

in Dollar-Kaufkraft führen notwendigerweise zu

Schwierigkeiten. Dennoch sind die Weltbank-Zahlen

das wohl wichtigste statistische Werkzeug, um

weltweite Armut zu erfassen.

bei der Beschreibung der Armut einzubeziehen. Dabei

fällt auf, dass es einerseits tragfähige traditionelle Sozialsysteme

(wie Familie oder Clan) gibt, die viele Notlagen

auffangen oder abfedern; andererseits

ist das „extended family system“ durch die

moderne Entwicklung bedroht. Vor allem Arbeitsmigration

führt dazu, dass immer mehr

Frauen (vor allem in städtischen Gebieten)

alleine für ihre Kinder sorgen müssen und

dass Geldeinkommen, über das jedoch in

erster Linie Männer verfügen, zunehmend

wichtiger wird. Zusätzlich wäre der Stellenwert

von Geldeinkommen für die Lebenssituation

der Menschen zu überdenken. Vor

allem in den ländlichen Gebieten Afrikas hat

die Selbstversorgung (Subsistenz) oder auch

der „informelle Sektor“ weitaus größere Bedeutung

als die Marktproduktion oder gar

die Lohnarbeit. Geldeinkommen erfasst derartige

Lagen nur zu einem geringen Teil.

Foto: Welthaus Bielefeld

Der individuelle Besitz von Land, Vermögen

o.ä. hat zudem in traditionell geprägten Gesellschaften

ohnehin nicht den Stellenwert

wie bei uns. Dass Menschen Teil einer Gemeinschaft

sind, der sie zugehörig sind und

der sie sich zugehörig fühlen, gehört zum

fundamentalen Wissen vieler AfrikanerInnen.

Und: Glück und Lebenszufriedenheit

sind nicht mit Einkommen oder Vermögen

zu verwechseln. Die Lebensfreude vieler AfrikanerInnen,

über die fast alle Europäer staunen,

erinnert daran.

5


Vorschläge für Unterricht und Bildungsarbeit

˘ Das Kapitel 2 enthält eine konkrete Beschreibung, wie der Überlebenskampf unter schwierigen Bedingungen

aussieht. Dieser Text (vgl. M 6 – siehe Download) kann auch hier herangezogen werden. Zielgruppe:

ab Klasse 9

˘ Sind alle Afrikaner arm? Das Arbeitsblatt M 3 (siehe Download) stellt diese Frage und fragt nach den

Gründen für diese (falsche) Wahrnehmung. Zielgruppe: Ab Klasse 5

˘ Wie würdet ihr Armut beschreiben? Lassen Sie die beiden Halbsätze („Armut in Deutschland ist, wenn …“

und „Armut in Afrika ist, wenn …“ auf ein Blatt übertragen und die SchülerInnen mindestens 5 Antworten

für jede Rubrik niederschreiben. Auswertung: Wo finden sich nicht nur quantitative (einkommensbezogene)

Armutsbeschreibungen? Welche qualitativen Merkmale werden genannt? Welche Unterschiede zwischen

Deutschland und Afrika werden hinsichtlich der Armutsdefinitionen formuliert? Zielgruppe: Ab Klasse 7

˘ In Afrika gibt es auch reiche und superreiche Menschen. Ein Zeitungsartikel über den Stamm der WaBenzi

(derjenigen, die Mercedes Benz fahren) könnte das Problem der Arm-reich-Gegensätze, das auch in Afrika

existiert, zur Sprache bringen ( www.abendblatt.de/daten/2005/07/04/455175.html)

˘ Welche Verantwortung haben die Hilfsorganisationen für die ausschließliche und einseitige Gleichsetzung

Afrika = Armut? Ein kritischer Blick auf die Öffentlichkeitsarbeit der Hilfsorganisationen könnte hier

erkenntnisfördernd sein. Einerseits wollen diese Organisationen Spendengelder haben und sind so in der

Versuchung, mit der emotionalen Wirkung von Notlagen zu werben. Andererseits fühlt sich zumindest

ein Großteil auch einer verantwortlichen entwicklungspolitischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit

verpflichtet. Wie lösen die einzelnen Organisationen dieses Dilemma? Lassen Sie die SchülerInnen daraufhin

Websites, Öffentlichkeitsmaterialien oder Plakate begutachten. Auch der Kodex des Verbandes entwicklungspolitischer

Nichtregierungsorganisationen ist hier hilfreich ( www.venro.org/publikationen/

archiv/kodex.pdf). Zielgruppe: Ab Klasse 7 (mit variierbarem Analyseniveau).

Kairo bei Nacht (© Visum)

6 GEMEINSAM FÜR AFRIKA


1.2

»Die leben noch wie in der Steinzeit«

Didaktische Zielsetzungen

˘ statt einer pauschalen Rückständigkeit die

Gleichzeitigkeit von Tradition und Moderne in

den meisten Regionen Afrikas erkennen.

˘ die Ambivalenz des Fortschritts (in Afrika wie in

Europa) reflektieren.

Die Bilder haben weiterhin eine starke Faszinationskraft:

Afrikaner in ihrer „Ursprünglichkeit“, wie wir sie

uns vorstellen, sind in einem Dorf zusammengekommen

und feiern Initiation für die jungen Männer, die

heute in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen

werden. Trommeln sind zu hören, ein Häuptling in bunter

Bemalung spricht zu den sich in Trance bewegenden

Jugendlichen. Die „primitiven halbnackten Wilden“

tanzen um das Feuer und singen in uns völlig unverständlichen

Lauten.

Dies ist der Stoff, aus dem die Filme sind, die Dokumentarfilme

wie die Spielfilme, welche das wilde, ursprüngliche

Afrika zeigen. Sie sind vor allem Projektionsfläche

für zivilisationsüberdrüssige

Europäer, die

dem prämodernen

Leben fast melancholisch

nachtrauern,

ohne allerdings ernsthaft

zu erwägen, ihre

Lebensweise in Richtung

auf diese „Ursprünglichkeit“

oder

auch nur auf eine einfacheren

Lebensstil zu

verändern.

Die Bilder sind nicht

einfach nur Fiktion. Es

existiert noch zumindest

in Teilbereichen,

dieses Leben aus der

Tradition der Ahnen ohne die Veränderungen der Modernisierung.

Die Pygmäen (BaAka) in den zentralafrikanischen

Wäldern oder auch die San (Buschmänner)

in Namibia sind Beispiele für diese Lebensweise. Für

den größten Teil Afrikas aber ist die Situation durch die

Gleichzeitigkeit von Tradition und Moderne geprägt:

Medizinmann und Arzt, Voodoo-Priester und Pfarrer,

Hexerei und Wissenschaft, Tier-Fetische und Handy,

Eselskarren und Auto – das alles existiert in Afrika nebeneinander.

Dies führt zu Verhaltensweisen, die wi-

GEMEINSAM FÜR AFRIKA

dersprüchlich sind: Afrikanische Börsenmanager, die an

Hexerei glauben, Geschäftsleute, die am Wochenende

in ihr Dorf zurückfahren und in beiden Welten gleichzeitig

leben, Menschen, welche die Sprache der Trommel

und die Nutzung des PC gleichzeitig beherrschen.

Doch die „Modernisierung“ mit allen ihren widersprüchlichen

Facetten schreitet auch in Afrika voran.

Längst lebt ein erheblicher Teil der Menschen nicht

mehr in den eher noch durch traditionelle Lebensweise

geprägten Dörfern, sondern in den urbanen Zentren.

Rund 40 % der Afrikaner sind heute Stadtmenschen

(Quelle: DSW Report 2008) – Tendenz stark steigend

(+ 4,6 % pro Jahr). Auch die Nutzung der modernen

Kommunikationstechnologien (vor allem Internet und

Handy) schreitet voran, wenn auch Afrika im Weltmaßstab

hier noch deutlich zurückliegt. Der Leichtwasserreaktor

in Nigeria oder der Laser-Forschungsreaktor in

Südafrika deuten darauf hin, dass auch in Afrika modernste

Technologien zu finden sind.

Das „moderne Leben“ darf aber nicht mit Fortschritt

und „sozialer Entwicklung“ gleichgesetzt werden. Die

oft durch Armut erzwungene Migration endet allzu

häufig in den Slums

der Großstädte, in

denen ebenfalls die

Armut zu Hause ist.

Die Auflösung oder

Relativierung traditionellerFamilienstrukturen

bedeutet

oftmals auch einen

Verlust an sozialer Sicherheit,

während auf

der anderen Seite der

Fortbestand dieser

Foto: Welthaus Bielefeld

Strukturen die Belastbarkeit

der Sozialbeziehungen

auch übersteigen

kann, wenn

beispielsweise der

Sohn, der in der Stadt

eine Lohnarbeit gefunden hat, mit seinem Geld für alle

Bedürfnisse der Großfamilie zahlen soll.

So gilt es, auch hier die Widersprüchlichkeit Afrikas zu

erkennen. Zwischen Tradition und Moderne suchen die

Menschen Afrikas einen Weg. Der unvermeidliche Umbruch

in Richtung Modernisierung ist mit Ungleichzeitigkeiten

und Unsicherheiten verbunden, ein Zustand,

der auch den „postmodernen“ Europäern nachvollziehbar

sein sollte.

7


Vorschläge für Unterricht und Bildungsarbeit

˘ Tradition oder Moderne? Vielleicht fallen den SchülerInnen Bilder, Ereignisse, Gegenstände aus Afrika ein,

die der einen oder anderen Kategorie zugeordnet werden können. Zielgruppe: Ab Klasse 7

˘ Fortschrittliche Afrikaner – rückständige Deutsche? Vielleicht kann die umgekehrte Blickrichtung helfen,

Klischees zu entdecken, zu relativieren und zu befragen. Stichworte: Afrika: Die Skyline von Abidjan, der

Flughafen von Nairobi, die Chip-Fabrik in Südafrika. Deutschland: Okkultismus unter Jugendlichen, der

Aberglaube, zelebriert in Tausenden von Horoskopen und Glücksspielen, das Festhalten an Traditionen

wie Schützenbrüder oder Volkstanz. Gibt es von den SchülerInnen Stichworte für eine solche Zuordnung?

Zielgruppe: Ab Klasse 10

˘ Was ist Fortschritt? Welche Kategorien und Maßstäbe haben wir, Fortschritt zu messen und zu bewerten?

Sind Religion und Tradition per se Beweise für „Rückständigkeit“? Weder die Absolutierung der Wissenschaft

(Rationalismus) noch des ökonomischen Erfolgs (gut ist, was reich macht) scheinen geeignete

Parameter zu sein, die fraglos zu übernehmen wären. Zumindest diese Erkenntnis sollte den SchülerInnen

nachvollziehbar sein. Zielgruppe: Oberstufe

˘ Die Ambivalenz des Fortschritts kann durch das Arbeitsblatt M 4 (siehe Download) herausgearbeitet

und zur Diskussion gestellt werden. Zielgruppe: Ab Klasse 8

˘ Der Film Der Baum der Ahnen scheint geeignet, Eigenheiten traditioneller Lebensweisen in Afrika zu

verdeutlichen. Der Film (47 Min., Mosambik 1994) ist bei vielen kirchlichen und öffentlichen Verleihstellen

(siehe www.eine-welt-medien.de) ausleihbar. Zielgruppe: Ab Klasse 10

˘ Leben in den verschiedenen Welten. Tausende von AfrikanerInnen, die bei uns leben, arbeiten oder studieren,

können von diesem Zwiespalt berichten. Kontakte zu AfrikanerInnen in Ihrer Nähe erhalten Sie womöglich

über entwicklungspolitische Organisationen oder Gruppen. Der World University Service (Projekt:

grenzenlos) vermittelt in einigen Bundesländern Kontakte zu Menschen aus Afrika, die bereit sind, von

ihrem Leben oder ihren Erfahrungen zu berichten ( www.wus.de). Zielgruppe: Ab Klasse 5

1.3

Afrikas »Stammeskriege«

Didaktische Zielsetzungen

˘ die kriegerischen Konflikte Afrikas in ihrer

Vieldimensionalität (nicht nur als ethnische

Auseinandersetzungen) wahrnehmen.

˘ einige Entstehungsbedingungen für die „neuen

Kriege“ und ihre globalen Vernetzungen kennenlernen.

Selbst bis in die seriöse Presse hinein ist immer wieder

von Afrikas „Stammeskriegen“ die Rede. In fast allen

Ländern Afrikas gab oder gibt es (seit 1945) in der Tat

kriegerische Konflikte, die eine ganz wesentliche Ursache

für Armut und Hunger, für den Niedergang der

Wirtschaft und für deprimierende Perspektiven sind.

Doch die Wahrnehmung dieser Kriege als ethnische

Konflikte greift in der Regel zu kurz. Weder im Sudan

(Darfur-Region), noch in der DR Kongo – um zwei aktuelle

Beispiele zu nennen – geht es ausschließlich um

Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Volksgruppen

oder Religionsgruppen.

Beispiel Sudan: Der Krieg in der westsudanesischen

Region Darfur wird zwar häufig als Kampf muslimischer

und arabischer Gruppen gegen die „alteingesessene

schwarzafrikanische“ Bevölkerung dargestellt;

tatsächlich sind aber beide Konfliktparteien

weitgehend muslimisch und leben seit etlichen Jahrhunderten

in der Region. Diese allerdings wurde von

der Zentralregierung in Khartum seit Jahrzehnten

systematisch vernachlässigt, weshalb viele Clanführer

für mehr Eigenständigkeit der Region eintreten.

Die Zentralregierung wiederum vermutet in Darfur

erhebliche Rohstoffquellen (Öl) und will Unabhängigkeitsbestrebungen

auf keinen Fall dulden. Sie

bedient sich deshalb der „Dschandschawid-Milizen“,

die äußerst brutal die Zivilbevölkerung drangsalieren

und für die Entwurzelung von rund zwei Millionen

Menschen gesorgt haben. Es handelt sich also um einen

Konflikt, der ebenso ökonomische und politische

8 GEMEINSAM FÜR AFRIKA


Straßenszene aus dem Kongo (Foto: echo)

wie auch ethnische Komponenten hat.

Unbestritten ist, dass Afrika Schauplatz sehr vieler kriegerischer

Auseinandersetzungen war und ist. In der

Mehrzahl der Fälle handelt es sich nicht um zwischenstaatliche

Kriege – was im Europa des 20. Jahrhunderts

der klassische Kriegsfall war –, sondern um innerstaatliche

Konflikte. Auffällig ist, dass es zu einer Entstaatlichung

(Privatisierung) der Gewalt gekommen ist, in der

das Kriegsziel nicht mehr

die Eroberung der staatlichen

Macht ist, sondern

vorwiegend die ökonomische

Kontrolle über

bestimmte Ressourcen:

Ölfelder, Goldminen, Diamanten-

oder Koltanvorkommen,

die man ausbeuten

und exportieren

kann, Wegezoll für Zufahrtswege

oder Grenzabschnitte,

erpresste

Schutzgelder von Bauern

oder lokalen Unternehmern.

Diese Geschäfte

werden von Warlords,

Milizen oder kriminellen

Banden getätigt, die

GEMEINSAM FÜR AFRIKA

Afrikas Stämme – Europas Völker

Die Wortwahl spricht Bände. Während in Bezug

auf Europa maximal bis ins Mittelalter von „Stämmen“

die Rede ist und heute natürlich nur noch

Völker existieren, sind Literatur und Berichterstattung

mit Blick auf Afrika voll von einer „Stammes-

Terminologie“. Doch das Wort „Stamm“ unterstellt

Rückständigkeit und das Fehlen einer staatlichen

Ordnung. Es ist damit in der Tendenz abwertend

und rassistisch und sollte nicht mehr verwendet

werden, auch wenn gerade in Schulbüchern

diese Praxis noch gang und gäbe ist. Auch mit der

Abgrenzung der „Stämme“ haben die Autoren ihre

Probleme. Mancher angeblicher „Stamm“ entpuppt

sich als Sammelbegriff für viele Ethnien mit

unterschiedlichen Sprachen und Kulturen.

sich dank ihrer Bewaffnung die Ressourcen mit Gewalt

aneignen können. Einige dieser Milizen und Gruppen

sind eher ethnisch formiert, die meisten aber agieren

als wenig ideologische Gewaltakteure, die vorwiegend

ökonomisch orientiert und motiviert sind. Manche Autoren

sprechen in diesem Zusammenhang von „neuen

Kriegen“ (Kaldor, Münkler u.a.).

Ein wesentliches Merkmal dieser „neuen Kriege“ (der

Begriff ist in der Friedens-

forschung umstritten) ist

die schwache Staatlichkeit.

Die hier beschriebenen

kriegerischen Konflikte

treten da auf, wo der

Staat wesentliche Funktionen

eingebüßt hat. Er

ist nicht mehr in der Lage,

sein Gewaltmonopol zu

verteidigen. Wenn er nicht

mehr für Sicherheit sorgen

kann, verliert er auf

der anderen Seite seine

Legitimationsbasis. Gruppen

und Milizen greifen

zur „Selbsthilfe“ und regulieren

die Verhältnisse

auf ihre Art. Gleichzeitig

9


gehen dem Staat so auch ökonomische Ressourcen

(Steuereinnahmen, Exportkontrolle) verloren. Zerfallende

oder bereits zerfallene Staaten (failing or failed

states) sind daher ein zentrales Kennzeichen für das

Auftreten dieser „neuen Kriege“. In Afrika sind hier vor

allem die Demokratische Republik Kongo (insbesonde-

Wie gegen die „neuen Kriege“ vorgehen?

re der Osten), Somalia und der Sudan zu nennen, deren

Bevölkerungen schon seit etlichen Jahren die „neuen

Kriege“ erleben müssen. Die große Bedeutung der ökonomischen

Motive macht es wenig sinnvoll, in einem

solchen Kontext von „Stammeskriegen“ zu sprechen.

Das klassische Repertoire internationaler Politik kommt hier schnell an Grenzen, weil es auf die Beziehungen

zwischen handlungsfähigen staatlichen Akteuren ausgerichtet ist. Die „neuen Kriege“ sind aber gerade durch

die Privatisierung der Gewalt – unterhalb der Ebene des Staates – gekennzeichnet. Auch die Versuche, im

internationalen Völkerrecht z.B. einen Schutz der Zivilbevölkerung festzuschreiben, greifen hier also nicht.

Sanktionsdrohungen müssen wirkungslos bleiben, weil sie am wenigsten diejenigen erschrecken, die Güter

ohnehin illegal exportieren.

Dennoch ist die Ökonomie ein wichtiger Ansatzpunkt, gegen die „neuen Kriege“ vorzugehen. Denn die

Gewaltakteure realisieren ihre Einnahmen durch ihren weltweiten Anschluss an die ganz normale (legale)

Ökonomie. Erst durch die Möglichkeit, Öl, Diamanten, Gold, Kupfer, Koltan u.a.m. auf dem Weltmarkt zu

verkaufen, kommen sie zu ihren Einnahmen. Beteiligt an den neuen Kriegen sind also auch die Firmen, Unternehmen

oder Staaten, welche die gewaltsam erworbenen Ressourcen aufkaufen, Banken, die Einnahmen

aus den Gewaltökonomien anlegen, Transportunternehmer, die illegale Exporte mit ihren Fahrzeugen in die

anderen Kontinente bringen. An dieser Stelle könnte und sollte versucht werden, die „neuen Kriege“ ökonomisch

auszutrocknen.

Verschiedenartige Initiativen in dieser Richtung – wie die Zertifizierung und der Ursprungsnachweis von Diaman

ten oder die Offenlegung von Exportgeschäften und Geldtransaktionen – sind bereits in Ansätzen entwickelt

worden. Gleichzeitig braucht es internationalen Druck auf solche Regierungen, welche kriegerische

Konflikte in ihren Ländern unterstützen oder dulden.

Vorschläge für Unterricht und Bildungsarbeit

˘ Wo gibt es momentan Kriege in Afrika? Schon das mangelnde Wissen über die Anzahl und die Orte der

kriegerischen Konflikte sagt viel über unsere Wahrnehmung der afrikanischen Realität. Auf der Website

www.akuf.de finden Sie eine aktuelle Aufstellung der Kriege/Konflikte, verbunden mit einer kurzen

Konfliktgenese. Zielgruppe: Oberstufe

˘ Vielleicht ist es sinnvoll, sich mit einem einzelnen kriegerischen Konflikt zu befassen, um so die Vieldimensionalität

(die politischen, sozialen, ökonomischen, kulturellen, ethnischen Konfliktursachen) herauszuarbeiten.

Der Darfur-Krieg (laut SZ vom 24. 4. 2008 rund 300.000 Tote seit 2003) ist dafür ein gutes Beispiel.

Bei der Don Bosco Jugend ( www.jugend-dritte-welt.de) gibt es eine CD-ROM (Panorama Sudan) mit

diesbezüglichen didaktischen Materialien. Zielgruppe: Ab Klasse 10

˘ Das Arbeitsblatt M 5 (siehe Download) kann dabei helfen, Kennzeichen der „neuen Kriege“ deutlich zu

machen (Klassengespräch). Fragen Sie abschließend danach, warum es besonders schwer ist, die „neuen

Kriege“ einzudämmen und z.B. durch die üblichen internationalen Maßnahmen (Diplomatie, Sanktionen,

Interventionen) zu beenden. Zielgruppe: ab Klasse 12

˘ Kindersoldaten stehen quasi exemplarisch für viele Kennzeichen der „neuen Kriege“. Sie sind leicht und

billig zu rekrutieren und vermehren den ökonomischen Nutzen der Gewaltakteure, ohne dass die gesellschaftlichen

Kosten für diese eine Rolle spielten. In den asymmetrischen Einsätzen gegen meist unbewaffnete

Zivilisten sind Kindersoldaten mit der Kalaschnikow in der Hand äußerst effektiv, um Menschen

zu vertreiben oder ökonomisch auszubeuten. Kindersoldaten sind oft brutale Täter – und gleichzeitig

Opfer. Viele Hilfsorganisationen befassen sich mit der Lage der Kindersoldaten und arbeiten mit an ihrer

gesellschaftlichen Reintegration. Infos u.a. bei der Deutschen Koordination Kindersoldaten unter www.

kindersoldaten.info/. Vgl. Arbeitsblatt M 4 (siehe Download). Zielgruppe: Ab Klasse 11

10 GEMEINSAM FÜR AFRIKA


˘ Die Bedeutung der neuen Kriege und der Gewalt für die Aufrechterhaltung von Armut und Not ist Thema

einer neuen didaktischen Publikation (mit Unterrichtsmaterialien, methodischen Vorschlägen, CD-ROM):

Welthaus Bielefeld/DED/Misereor: Entwicklungshindernis Gewalt, Peter-Hammer-Verlag 2006; 19,90 €.

˘ Nähere Informationen zur weithin erfolgreichen „Diamantenkampagne“ finden Sie im Internet unter

www.medico-international.de (Kampagne: fatal transaction). Um eine Relativierung des Bankgeheimnisses

zur Verhinderung von illegal erworbenen Anlagen bemüht sich die Kampagne Finanzplatz Schweiz

(siehe www.aktionfinanzplatz.ch/.

2.

Afrikas Entwicklungserfolge

2.1

Überlebenskünstler

Von Afrikas „Entwicklungserfolgen“ zu reden ist sicher

ungewohnt und klingt angesichts vorherrschender

Elendsbilder befremdlich (Vgl. dazu auch das Arbeitsblatt

M 11 – siehe Download). Wo allerorts nur von

Misserfolgen und Scheitern die Rede ist, sollte aber dennoch

ein Blick auf die alltägliche Lebenssituation der

Menschen versucht werden. Diese muss auf dem Hin-

GEMEINSAM FÜR AFRIKA

Foto: Welthaus Bielefeld

tergrund der Rahmenbedingungen bewertet werden.

Die Mehrheit der Menschen in Afrika südlich der Sahara

meistert ihr Leben, wenn auch unter Bedingungen,

die wir weitgehend als bedrückende Armut empfinden

würden. Diese Mehrheit überlebt, obwohl die Ressourcen

des Überlebens oftmals gering sind: niedrige

landwirtschaftliche Produktivität, einseitige und un-

11


Didaktische Zielsetzungen

˘ die große Leistung der Mehrheit der Afrikaner,

die trotz widriger Umstände ihr Überleben

sichern, erkennen und anerkennen.

˘ einige konkrete Lebensbedingungen dieser

„ÜberlebenskünstlerInnen“ zur Kenntnis nehmen.

zureichende Ernährung, Verwundbarkeit gegenüber

Naturereignissen (vor allem Dürreperioden), geringe

Transportkapazitäten und schlechte Verkehrswege,

miserable Energieversorgung in vielen Gebieten, Wassermangel

und Wasserverschmutzung, mangelhafte

Gesundheitsversorgung und Impfschutz, fehlende Betreuung

und Hilfe bei Geburt und Schwangerschaft,

Erkrankungen (Malaria, Aids) und Verletzungen ohne

Chance auf medizinische Hilfe, ein desolates Schulsystem

mit miserabel entlohnten Lehrern, die in verfallenden

Gebäuden Dutzenden von Kindern ohne Schulbücher

und Hilfsmittel Bildung vermitteln sollen und vieles

andere mehr. Derartige Faktoren bestimmen – natürlich

in unterschiedlichem Maße je nach Region – das Leben

so vieler Menschen in Afrika. Dass unter solchen Bedingungen

so viele Menschen es schaffen zu überleben, ist

in hohem Maße bemerkens- und bewundernswert.

Der Staat ist in vielen Teilen des Kontinents kaum präsent,

zumindest nicht als Bereitsteller öffentlicher Güter

wie Schutz vor Gewalt, soziale Sicherung oder Bereitsteller

von Infrastruktur. Die Menschen helfen sich

selber. Ihre (nicht nur traditionellen) Sozialsysteme

verhindern den Zusammenbruch und befähigen zum

Überleben. Wo der Staat versagt, versuchen andere, zumindest

Teilfunktionen zu übernehmen. Erst allmählich

entwickelt sich in einigen Ländern Afrikas so etwas wie

eine Zivilgesellschaft, die sich für soziale und politische

Belange der Menschen engagiert. Auch die Entwicklungszusammenarbeit

ist ein Versuch, Unterstützung

von außen zu leisten, was angesichts schwieriger Rahmenbedingungen

allerdings nur begrenzt möglich ist.

Eindrucksvoll bleiben die „Entwicklungs- und Überlebenserfolge“,

wie sie trotz widriger Ausgangsbedingungen

erzielt werden. Es sind besonders häufig die

Frauen, die auf sich allein gestellt – weil die Männer

infolge der Migration weit weg sind – ein ungeheueres

Pensum an täglicher Arbeit absolvieren, um ihre Kinder

„durchzubringen“. Das Beispiel im Arbeitsblatt M 5 ist

dafür ein Hinweis.

Statistische Belege für diese erfolgreiche Bewältigung

des Lebens gibt es kaum. Die Armutsstatistik der Weltbank

besagt: 50,4 % der afrikanischen Bevölkerung gelten

als extrem arm, haben weniger als (kaufkraftangepasst)

1,25 $ pro Tag zur Verfügung. Der größere Teil

dieser Menschen schafft es dennoch, irgendwie satt zu

werden, sich zu kleiden, die Familie unterzubringen und

die Grundbedürfnisse einigermaßen zu befriedigen.

Doch die Überlebensökonomie der Armen entzieht sich

zu weiten Teilen den volkswirtschaftlichen Berechnungen

und den statistischen Durchschnittszahlen. Mehr

als anderswo in der Welt hat der sogenannte informelle

Sektor eine überragende Bedeutung in Afrika. Laut ILO

(International Labour Organisation: Women and men

in the informal economy, Geneva 2002) ist der informelle

Sektor die Lebensgrundlage für rund 90 % der

Menschen in Afrika. Marktproduktion und Lohnarbeit,

die sich im Bruttonationaleinkommen niederschlagen,

haben nur einen geringen Stellenwert.

Einige statistische Hinweise sind aber dessen ungeachtet

auch dafür zu finden, dass in Afrika nicht alle Entwicklungen

zum Schlechteren verlaufen (vgl. M 7). Die

erzielten bescheidenen Verbesserungen reichen sicher

nicht aus, dass Afrika der Armut entkommen könnte.

Auch die „Millennium-Entwicklungsziele“, die eine Halbierung

des Anteils der Armen im Jahre 2015 gegenüber

1990 erreichen wollen, werden in Afrika südlich der Sahara

wohl nicht erreicht.

Afrika – kleine Schritte in Richtung „Entwicklung“

(M 7 – Download)

Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung verlaufen nicht alle

Entwicklungen in Afrika negativ. Zwar ist es richtig, dass im

Vergleich mit anderen Weltregionen (vor allem mit Asien) Afrika

immer weiter zurückfällt. Andererseits gibt es aber auch in

Afrika südlich der Sahara gewisse, bescheidene Fortschritte zu

vermelden. So ist die Kindersterblichkeit – gemessen als der Anteil,

der von 1.000 Lebendgeborenen innerhalb des ersten Jahres

stirbt – in Afrika südlich der Sahara von 1970 auf 2005 um

30 % zurückgegangen. Die Zahl der alphabetisierten Erwachsenen

war gegenüber 1990 um 5 % höher (59 % der Erwachsenen

galten 2005 als alphabetisiert). Es steigt auch die Zahl der Menschen,

die Zugang zu sauberem Wasser haben. 2004 lag der Anteil

bei 55 % der Menschen, eine Verbesserung um 7 % gegenüber

1990. Einige Länder Afrikas sind mittlerweile auch Exporteure

von Industrieprodukten. 34 % der afrikanischen Exporte waren

2005 dieser Kategorie zuzuordnen, eine Steigerung gegenüber

der Vergangenheit. Auch die Exporte sind absolut deutlich gesteigert

worden – von 34 Mrd. $ 1990 auf 232 Mrd. $ 2006. Die

Zahl der Internet-Nutzer ist geradezu rasant gestiegen. 2000 lag

der Anteil der Internetnutzer an der Gesamtbevölkerung Afrikas

(südlich der Sahara) noch bei 0,5 %. 2007 waren es 5,5 %. Alle diese

Verbesserungen müssen zudem auf dem Hintergrund des

noch immer rasanten Bevölkerungswachstums in Afrika gesehen

werden. 2005 lebten 722 Mio. Menschen in Afrika südlich der

Sahara, 206 Mio. mehr als 1990.

* Der Anteil der Internet-Nutzer an der Gesamt-Bevölkerung bezieht

sich auf ganz Afrika.

Quelle: Human Development Report 2007/2008

12 GEMEINSAM FÜR AFRIKA


Vorschläge für Unterricht und Bildungsarbeit

˘ Das Arbeitsblatt M 6 (siehe Download) schildert den unspektakulären Alltag einer jungen Frau aus

Mosambik, die zu den „Überlebenskünstlern“ gehört. Zielgruppe: Ab Klasse 8

˘ Was es bedeutet, unter Armutsbedingungen zu leben, kann sicher nur begrenzt überhaupt nachvollziehbar

gemacht werden. Dessen ungeachtet gibt es Projektvorschläge, die einige dieser Lebensumstände

erfahrbar machen sollen. Unter dem Stichwort „Einmal leben wie in der Dritten Welt“ können Schulklassen

oder Jugendgruppen z. B. einen Tag lang versuchen, ohne Geld auszukommen. Dazu würde gehören:

Sammeln von Lebensmittelresten (z. B. auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt), Bauen einer Kochstelle,

Geldbeschaffung durch Betteln, Sammeln von Pfandglas, einfache Arbeiten (Schuhe putzen, Auto

waschen). Gemeinsames Essen und eine Reflexion der Erfahrungen gehört dazu. Zielgruppe: Ab Klasse 5

˘ Der „Alltag der kleinen Leute“ gehört auch zum Erfahrungshorizont vieler Fachkräfte/EntwicklungshelferInnen.

Kontakte zu Rückkehrern, die in Afrika gearbeitet haben, vermittelt u. a. der Deutsche Entwicklungsdienst

( www.ded.de/Bildungsarbeit unter „Referenten“). Eventuell können auch Migranten oder

Studierende aus Afrika hierzu eingeladen und gehört werden. Zielgruppe: Alle Altersstufen

˘ Die Überlebensleistung vieler AfrikanerInnen kann vielleicht durch einen Film deutlich gemacht werden.

Einige Filme kommen dafür in Frage. Beispiele: Die kleine Verkäuferin der Sonne – Spielfilm über ein Mädchen

im Senegal, 45 Min, 1998. Verleih bei evangelischen und katholischen Medienstellen. Zielgruppe: Ab

Klasse 8 Goldwitwen – Dokumentarfilm über Frauen in Lesotho, die den Alltag alleine bewältigen müssen.

50 Min., 1990. Verleih: Medienwerkstatt Freiburg. Zielgruppe: Ab Klasse 11.

˘ Auch in Afrika gibt es kleine, wenn auch unzureichende statistische Hinweise auf Entwicklung (M 7 – siehe

Download). Wie diese bewertet und auf längere Sicht eingeschätzt werden, kann Thema im Klassengespräch

sein. Zielgruppe: Oberstufe

2.2

Mauritius: Beispiel einer erfolgreichen Ökonomie

Didaktische Zielsetzungen

˘ die beachtlichen ökonomischen und sozialen

Entwicklungserfolge des Inselstaates Mauritius

zur Kenntnis nehmen.

˘ über einige für Entwicklung wichtige ökonomische

Faktoren gemeinsam nachdenken.

Die ökonomischen Daten der meisten afrikanischen

Länder sind wenig ermutigend. Das Wirtschaftswachstum

der meisten Staaten Afrikas ist zu gering, um tatsächlich

armutsvermindernde Effekte zu erzielen. Das

Bevölkerungswachstum „frisst“ die mageren Zuwächse

und führt im Ergebnis zu einem stagnierenden Pro-

Kopf-Einkommen.

Auf diesem Hintergrund fällt (neben einigen wenigen

anderen Ländern wie Botswana oder die Kapverden)

vor allem der Inselstaat Mauritius auf. Das Land konnte

in den letzten fast 30 Jahren (1975 bis 2005) ein durchschnittliches

jährliches Wirtschaftswachstum von 4,4 %

erzielen. Aber auch im sozialen Bereich war das Land erfolgreich.

Die Kindersterblichkeit wurde in den letzten

GEMEINSAM FÜR AFRIKA

30 Jahren um drei Viertel gesenkt, die Unterernährung

weitgehend überwunden. Die Lebenserwartung auf

Mauritius liegt bei 72,4 Jahren, eine Zahl, die an Europa

fast heranreicht.

Was sind nun die Bedingungen für die Erfolgsstory

Mauritius? Eine Beantwortung der Frage ist nicht ganz

einfach, denn den alles entscheidenden Faktor gibt es

offensichtlich

nicht. Mauritius

hatte als kleiner

Inselstaat mit 1,2

Mio. Einwohnern Afrika

nicht unbedingt

die besten Voraussetzungen

für ökonomische

Prosperität, doch

seit den 70er Jahren

ist es dem

Land gelungen, in

Madagaskar

vielen Bereichen

Réunion

Verbesserungen

zu erreichen: Eine

Mauritius

13


Erfolgsstory Mauritius

erfolgreiche und wettbewerbsfähige Exportorientierung

(vor allem in der Bekleidungsindustrie und im von

der EU hoch-subventionierten Zuckersektor sowie im

Tourismus) wurde begleitet durch gut funktionierende

Mauritius § Afrika

südl d

Sahara

Lebenserwartung (in Jahren) 2005 72 49

Alphabetisierungsquote Erwachs. 2005 84,3 % 60,3%

Menschen ohne sauberes Wasser 1990 0 % 52 %

Menschen ohne sauberes Wasser 2002 0 % 42 %

Anteil der Unterernährten 2003 5 % 32 %

Kindersterblichkeit

je 1000 Lebendgeborene 1970

2005

64

13

staatliche Institutionen (mit geringer

Korruption und einer gelungenen

Befriedungspolitik unter den

verschiedenen ethnischen Gruppen)

und erheblichen öffentlichen

Investitionen in Bildung, Gesundheit

und soziale Sicherung. Dem

ökonomischen Wachstum folgten

rasch soziale Verbesserung, die

u. a. einen deutlichen Rückgang

des Bevölkerungswachstums zur

Folge hatten. Heute scheint Mauritius

sozial und ökonomisch gut

aufgestellt zu sein, auch wenn der

Globalisierungswettbewerb (Bekleidungsindustrie:

China; Zucker:

Abbau der EU-Subventionen) in

nächster Zukunft noch zunehmen

wird. Mauritius zeigt, dass eine

gute Regierungsführung (good

governance) zusammen mit einer

strategisch ausgerichteten und bewusst

gestaltenden Wirtschafts-

politik auch in Afrika Entwicklung im umfassenden

Sinne herbeiführen kann. Warum diese Faktoren in den

meisten afrikanischen Ländern offensichtlich nicht gegeben

sind, wäre zu untersuchen.

14 GEMEINSAM FÜR AFRIKA

144

102

Wirtschaftskraft (Pro-Kopf-Einkommen) 12.715 $ 1.998 $

§ Wirtschaftswachstum pro Kopf

1975 – 2005

Quelle: UNDP, Human Development Report 2007/2008

+ 4,4 % – 0,5 %

Vorschläge für Unterricht und Bildungsarbeit

˘ Afrika – trotz allem kein Stillstand. Lassen Sie den Korrespondentenbericht (M 8 – siehe Download) im

Unterricht lesen und diskutieren Sie, ob den dort gemachten Aussagen zugestimmt werden kann. Zielgruppe:

Ab Klasse 10

˘ Die soziale und ökonomische Lage in den einzelnen afrikanischen Ländern kann als Aufgabe für eigenständige

Internet-Recherchen gestellt werden. Die einzelnen Länder müssten mit den Kleingruppen

vereinbart werden. Hilfreich für die Internet-Recherchen ist das Arbeitsblatt M 9 (siehe Download).

Zielgruppe: Oberstufe

˘ Mauritius als Beispiel für soziale und ökonomische Entwicklung. Lassen Sie Kollagen (aus Reiseprospekten

u.ä.) erstellen, in denen Mauritius aber nicht nur als touristisches Traumziel, sondern auch hinsichtlich

der Entwicklungserfolge dargestellt wird. Zielgruppe: Ab Klasse 5

˘ Eine detaillierte Analyse ökonomischer Entwicklungspotentiale kann hier nicht geleistet werden. Hilfreich

sind hier verschiedene didaktische Materialien, die (Zielgruppe: überwiegend Oberstufe) Quellentexte,

Statistiken etc. zusammentragen und die verschiedenen Facetten beleuchten: Schlechte Regierungsführung

und niedrige Produktivität, Rohstoffexportabhängigkeit und koloniales Erbe, weltwirtschaftliche Benachteiligung

und relative Schwäche im globalen Wettbewerb. Hinweise finden Sie unter „Materialien und Medien“.

˘ Bei der Frage nach den Ursachen für Afrikas Armut stehen sich oft zwei Lager gegenüber. Die einen sehen

das Elend Afrikas als Folge von Ausbeutung und Abhängigkeit, von Kolonialismus und ungerechter Globalisierung.

Die anderen verweisen auf korrupte Regierungen, unfähige und verantwortungslose Staatsklassen,

mangelnde Leistungsbereitschaft und ethnisches Gegeneinander. Weil weder das eine noch das

andere Lager allein „die Wahrheit“ für sich beanspruchen kann, käme es darauf an, Belege und Argumente

für alle Positionen zu suchen und abzuwägen. Eine solche Diskussion wird wohl nie zu einem abschließenden

Ende kommen, schärft aber die Sicht auf die Verhältnisse. Arbeitsblatt M 10 (siehe Download)

soll dies unterstützen. Zielgruppe: Oberstufe


2.3

Ugandas Erfolge im Kampf gegen Aids

Didaktische Zielsetzungen

˘ die große Bedrohung Afrikas durch die Pandemie

Aids erkennen.

˘ die beachtlichen Erfolge Ugandas bei der Eindämmung

der HIV-Verbreitung kennen lernen

und bewerten.

Die Pandemie AIDS schreitet voran. Nach UN-Angaben

waren Ende 2007 rund 33 Millionen Menschen HIV-positiv.

2,5 Millionen haben sich im Jahr 2007 neu mit dem

Virus infiziert, ca. 2 Mio. Menschen sind 2007 an AIDS

gestorben.

Afrika (südlich Sahara) ist weitaus

überproportional von AIDS betroffen.

Zwei Drittel der HIV-Positiven

leben in der ärmsten Region der

Erde. Die Quote derjenigen Erwachsenen

(15 bis 49 Jahre), die

das Virus in sich tragen, ist vor

allem im Südlichen Afrika sehr

hoch. In Swaziland sind (laut UN-

AIDS 2008) 26,1 % der Erwachsenen

HIV-positiv. Botswana (23,7 %),

Lesotho (23,2%) und Südafrika

(18,2 %) sind ebenfalls in starkem

Maße betroffen.

Uganda gehört zu den wenigen

Ländern, die substantielle Erfolge

im Kampf gegen Aids vorzuweisen

haben. Schon in den 80er

Jahren hatte das Land eine hohe HIV-Rate (1989: 14 %)

zu beklagen. Die Regierung machte den Kampf gegen

Aids zur obersten Priorität, investierte erhebliche Mittel

vor allem in die Aufklärung, startete weitreichende

Öffentlichkeitsaktionen, die viele

Menschen erreichten. In Zusammenarbeit

mit medizinischen

Einrichtungen und gesellschaftlichen

Gruppen gelang es, die Rate

der Neuinfektionen zurückzudrängen.

Im Jahre 1989 galten in

Uganda 14 % der „Erwachsenen“

als HIV-positiv, im Jahre 2007 waren

es noch 5,4 %. Fazit: Uganda

hat bereits in frühen Jahren viele

Menschenleben durch Aids verloren.

Eine engagierte Anti-Aids-

Kampagne hat es aber vermocht,

den Trend umzukehren und die

GEMEINSAM FÜR AFRIKA

Ugandas Kampf gegen Aids

Quote deutlich zu senken. Heute stagniert die HIV-

Quote bei 5,4 %, eine Zahl, die im südlichen Afrika von

keinem Land erreicht wird. Kritiker befürchten jedoch,

dass der Stellenwert der Aids-Prävention (hier vor allem

Aufklärung und Kondom-Nutzung) in den neuesten

Programmen reduziert wurde. Die von den USA favorisierte

„Abstinence-only“-Orientierung gewänne an

Boden und gefährde die bisherigen Erfolge. Dass Ugandas

Kampf gegen Aids allerdings bisher erfolgreich war,

wird auch von den Kritikern nicht bestritten.

Die Bedeutung dieses Erfolges wird bei einem Vergleich

mit der Republik Südafrika besonders deutlich. Obwohl

Südafrika 14mal reicher ist (gemessen

als Pro-Kopf-Einkommen)

als Uganda, vermochte es das Land

bisher nicht, wirksam gegen die

HIV-Verbreitung vorzugehen. Südafrikas

HIV-Rate ist weiter ansteigend.

Die regierungsamtlichen

Kampagnen gegen Aids kommen

nur schleppend in Gang. Noch

vor wenigen Jahren hat der damalige

Staatpräsident Mbeki den

Zusammenhang zwischen Sexualkontakten

und Aids geleugnet.

Die Gesundheitsministerin bezeichnete

Aids als eine westliche

Erfindung. Aus diesem und weiteren

Gründen ist das Problembewusstsein

in Bezug auf Aids noch

immer völlig unzureichend – mit

fatalen Folgen für viele Menschen

und für die Entwicklungsperspektiven

des Landes. Uganda hat gezeigt, wie wichtig eine

eindeutige und engagierte Haltung der Politik für den

Kampf gegen Aids ist.

Uganda Südafrika

Lebenserwartung (in Jahren) 2005 49,7 50,8

Wirtschaftskraft (Pro-Kopf-Einkommen) – PPP 1 454 $ 11 110 $

HIV-Rate unter Erwachsenen 1989 14 % 1 %

HIV-Rate unter Erwachsenen 2005 6,7 % 18,8 %

Staatliche Unterstützung für den Kampf

gegen Aids

Quellen: UNAIDS 2008, UNDP 2007/2008

hoch uneindeutig

15


Vorschläge für Unterricht und Bildungsarbeit

˘ Aids ist ein zentrales „Entwicklungsthema“, das aber auch für die Jugendlichen hier bei uns von großer Bedeutung

ist. Beide Dimensionen wären im Unterricht zu beachten. Viele didaktische Materialien nehmen

hierauf Bezug (z. B. www.brot-fuer-die-welt.de – Bestellbox/Kampagnen/AIDS).

˘ Warum ist die Verbreitung des HIV in armen Ländern besonders „erfolgreich“? Den Zusammenhang zwischen

Armut (geringer Bildung und Kenntnisstand über Aids, fehlender Zugang zu Gesundheitsdiensten,

Unerreichbarkeit für Aufklärungskampagnen und Kondome) und Aids gilt es im Klassengespräch zu besprechen.

Die Filme der DVD Steps for the future (siehe unter www.ezef.de) können dabei hilfreich sein.

Zielgruppe: Ab Klasse 7

˘ Warum sind die Aufklärung über die Verbreitungswege des HIV und die Verteilung von Kondomen keine

hinreichende Anti-Aids-Strategie? Die Grenzen der Aufklärung können auch bei uns beobachtet werden.

Wie gehen die Jugendlichen selbst mit der Aids-Gefahr um? Vielleicht ist ein offenes Gespräch darüber

möglich. Welche Bedeutung haben in diesem Zusammenhang „sexuelle Treue“ und „Enthaltsamkeit“ –

Ziele, die im Südlichen Afrika propagiert werden? Zielgruppe: Ab Klasse 10

˘ Umfangreiche Informationen zum Thema HIV/Aids finden Sie bei der Aids-Kampagne ( www.Aidskampagne.de),

beim KinderAidsfonds ( www.kinderAidsfonds.de) und bei der UNO ( www.unAids.org).

˘ Ugandas Erfolg im Kampf gegen Aids und die hier angewandten Strategien können vielleicht durch ein

Schülerreferat noch ausführlicher dargestellt werden. Infoquellen sind hier u.a. www.Aidsuganda.org/,

www.bpb.de (Suchbegriffe: Uganda, Aids), www.swp-berlin.org (Suchbegriffe: Uganda, Aids). Zielgruppe:

Oberstufe

2.4

Die Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit (EZ)

Didaktische Zielsetzungen

˘ selbstständig Berichte über Entwicklungsprojekte

recherchieren, in denen erfolgreiche

Ansätze für Selbsthilfe und Entwicklungsanstoß

geschildert werden. Trotz begrenzter

Reichweite gilt es, diese Erfolge zur Kenntnis zu

nehmen.

˘ die Begrenztheit der Entwicklungszusammenarbeit

und der Projekte angesichts schwieriger

ökonomischer wie politischer Rahmenbedingungen

reflektieren und dabei auch das

Darstellungsinteresse der Hilfsorganisationen

mitbedenken.

Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ist stets nur ein

Versuch, die Lage in den Ländern Afrikas positiv zu

beeinflussen. Sie darf weder in ihrer Größenordnung

– sie schwankt zwischen 1 % und 20 % des Brutto national

einkommens der Empfängerländer – noch in ihrer

Reichweite überschätzt werden. Dennoch gibt es sie, die

Erfolgsgeschichten aus der Entwicklungszusammenar-

beit, wobei hier nur die nicht-staatliche EZ betrachtet

werden soll. Viele einzelne Projekte, aber auch landesweite

Programme von Nicht-Regierungsorganisationen

haben Selbsthilfe und Entwicklung ermöglicht. Die Zuschüsse

zu Produktionsmitteln sind zu nennen, wo z. B.

eine Reisschälmaschine oder eine Nähmaschine, ein

Fahrrad oder ein neuer Außenbordmotor dauerhafte

Einkommensquellen erschlossen haben. Eine große Bedeutung

haben aber auch Investitionen in Schule und

Ausbildung, die individuell und gemeinschaftlich eine

bessere Zukunft erreichbar machen. Weniger spektakulär,

aber nicht weniger wichtig, ist die Unterstützung

für Selbstorganisation, für die Wahrnehmung von

Landrechten (Anwaltskosten), für landgewerkschaftliche

Organisation oder zivilgesellschaftliche Vernetzung.

Diese Projektansätze haben da eine nachhaltige

und positive Wirkung, wo angemessene und behutsame

Unterstützung von außen durch Partner entgegengenommen

wird, die das Entwicklungspotential vor Ort

erschließen, die Menschen beteiligen und ihre eigenen

Interessen einer Kontrolle unterwerfen. Die Websites

und Infomaterialien der Hilfsorganisationen sind voll

von derartigen Erfolgsstories in der Projektarbeit, die

16 GEMEINSAM FÜR AFRIKA


durchaus auch unter Schülern kommuniziert werden

sollten, um dem weit verbreiteten Entwicklungspessimismus

etwas entgegen zu setzen.

Aber: Die Erfolgsstories müssen jedoch in ihrer Reichweite

realistisch eingeschätzt werden. Eine gute, ehrliche

Öffentlichkeitsarbeit darf den Menschen die

Schwierigkeiten und Grenzen der Entwicklungszusammenarbeit

(EZ) nicht vorenthalten. Sie muss vor allem

auf jene Rahmenbedingungen verweisen, die nicht

Vorschläge für Unterricht und Bildungsarbeit

GEMEINSAM FÜR AFRIKA

Foto: Welthaus Bielefeld

durch Spenden, sondern

nur durch politische Korrekturen

zu verändern

sind: Eine andere Welthandelspolitik,

die auch

den ärmsten Ländern

eine effektive, ihnen entsprechende

Beteiligung

an der Weltwirtschaft ermöglicht;

eine Agrarpolitik,

welche die bäuerliche

Landwirtschaft als Basis

der Ernährung in Nord

und Süd erhalten will und

auf Exportsubventionen

verzichtet; eine Entschuldungspolitik,

die Schuldendienste

in Armutsbekämpfungsprogramme

verwandelt u. a. m.

Die im Bündnis „GEMEINSAM FÜR AFRIKA“ zusammengeschlossenen

Organisationen verstehen sich auch in

diesem Sinne als Lobby für entwicklungspolitisch begründete

Veränderungen der deutschen Politik. Sie setzen

sich dafür ein, dass die Belange Afrikas und seiner

Menschen stärker als bisher bei politischen Entscheidungen

berücksichtigt werden. Die Öffentlichkeits-

und Bildungsarbeit – auch diese Unterrichtsmaterialien

– sollen dieses Anliegen unterstützen.

˘ Sie sollten nicht vergessen werden, die Erfolge gelungener Projekte und Programme, die Menschen zu einer

neuen Perspektive verholfen haben. Lassen Sie Ihre SchülerInnen nach diesbezüglichen Berichten (z. B.

auf den Homepages der Organisationen von „GEMEINSAM FÜR AFRIKA“ www.gemeinsam-fuer-afrika.

de) suchen. Zielgruppe: Ab Klasse 6

˘ Die Erfolgsstories aus der Entwicklungszusammenarbeit sollten zusammen bewertet werden. Was ist erfreulich

an dem geschilderten Erfolg? Wie vielen Menschen kommt der Erfolg zugute? Was hat sich durch

das Projekt dauerhaft geändert? In welchem Maße waren die Armen/Betroffenen an den Entscheidungen

beteiligt? Derartige Fragen können z. B. auch direkt an die durchführenden Entwicklungsorganisationen

gerichtet werden und so den Horizont erweitern. Zielgruppe: Alle Altersstufen

˘ Selbstkritische Öffentlichkeitsarbeit? Lassen Sie Kleingruppen eine Entwicklungsorganisationen auswählen

und recherchieren, inwieweit dort auch die Wirkungsgrenzen der Projekte und die Rahmenbedingungen

des Entwicklungsprozesses geschildert werden. Auch die kritische Frage „Gibt es bei Ihnen

Projekte, die gescheitert sind (woran)?“ könnte erkenntnisfördernd sein. Zielgruppe: Oberstufe

˘ Der Wunsch, durch Spenden und Geldbeschaffung einen direkten Beitrag zur Verringerung von Armut

und Not zu leisten, ist gerade auch unter jungen Menschen weit verbreitet und sollte als eine unterstützenswerte

Haltung hohes Ansehen genießen. Es wäre wichtig, gemeinsam zu überlegen, welches Projekt

finanziert werden soll, also möglichst konkret eine Auswahl zu treffen und sich auch über den Projektverlauf

in der weiteren Zukunft zu informieren. Den vielfältigen Aktionen der Spendenbeschaffung (vom

Benefizkonzert bis zum Sponsorenlauf) sind keine Grenzen gesetzt. Viele SchülerInnen zeigen hier eine

erstaunliche Kreativität und ein beachtliches Engagement. Zielgruppe: Alle Altersstufen

17


3.

Zukunftsperspektiven für Afrika

Didaktische Zielsetzungen

˘ die Aufmerksamkeit auf Afrikas Zukunftsaussichten

richten.

˘ einige wichtige (interne wie externe) Faktoren

für die Entwicklung Afrikas benennen können.

Welche Zukunftsperspektiven hat der afrikanische Kontinent?

Die Prognosen der „Afro-Optimisten“ und der

„Afro-Pessimisten“ fallen weit auseinander. Eine gewisse

Einigkeit herrscht jedoch darüber, dass viele politische

und ökonomische Weichen neu gestellt werden

müssen, wenn Afrika nicht „der verlorene Kontinent“

werden soll.

Die Notwendigkeit der Veränderung

gilt für die internen politischen

Machtstrukturen in Afrika, aber auch

für ökonomische und politische

Rahmenbedingungen im internationalen

System (siehe Übersicht

auf M 12). Gute Regierungsführung

ist eine zentrale Voraussetzung für

positive Entwicklungsperspektiven,

weil ohne sie Anreize für ökonomisch

effizientes Handeln verhindert und

die Belange der Bevölkerungsmehrheiten

unberücksichtigt bleiben.

Gleichzeitig brauchen die Menschen

die Chance auf demokratische Teilhabe

und Kontrolle der Regierenden

(z.B. um Korruption zu verhindern) –

und sie brauchen Frieden, das Ende

der kriegerischen Gewalt und der Gewaltherrschaft.

Vorschläge für Unterricht und Bildungsarbeit

Diese „Hausaufgaben“ kann Afrika aber nur leisten,

wenn sie von außen politisch und ökonomisch unterstützt

werden. Afrika braucht die Chance auf wirtschaftliches

Wachstum. Dazu kann eine faire Einbeziehung

in den Welthandel eine wichtige Voraussetzung

sein, was entsprechende Anfragen an WTO-Regeln und

an die Subventionspolitik der Industrieländer auslöst.

Afrika muss von der drückenden Schuldenlast befreit

werden, was durch eine Umwidmung des Schuldendienstes

in Finanzen zur Armutsbekämpfung zu bewerkstelligen

wäre. Und schließlich wäre eine erhöhte

und verlässliche Finanzierung durch Mittel der Entwicklungszusammenarbeit

ein weiterer wichtiger Faktor,

zukunftsfähige Veränderungen anzustoßen.

Foto: Welthaus Bielefeld

˘ Welche Phantasien haben die SchülerInnen über die Zukunft Afrikas? Anhand einer konkreten Person

können diese Phantasien vielleicht thematisiert und ausgetauscht werden (M 11 – siehe Download).

Zielgruppe: ab Klasse 7

˘ Das Arbeitsblatt M 12 (siehe Download) listet wesentliche interne wie externe Faktoren auf, die für

Afrikas Entwicklung entscheidend sind und zielt auf einen Gesamtüberblick. Jeder dieser Faktoren kann

im Unterricht natürlich vertieft und erläutert werden. Hier wird allerdings unterstellt, dass die einzelnen

Stichworte durchaus schon im Unterricht vorgekommen sind. Zielgruppe: ab Klasse 12

˘ „Afrikas Zukunft darf uns nicht gleichgültig lassen, weil …“. Bitten Sie die Schülerinnen und Schüler, politische,

ökonomische, humanitäre, flüchtlingspolitische, ökologische oder friedenspolitische Argumente

zu benennen, warum das Schicksal des Nachbarkontinentes uns nicht kalt lassen sollte. Zielgruppe: Ab

Klasse 8/9

18 GEMEINSAM FÜR AFRIKA


3.1

Aufbruchstimmung

Didaktische Zielsetzungen

˘ die Bedeutung eines selbst verantworteten

politischen Aufbruchs in Afrika erkennen.

˘ einige Anzeichen für einen derartigen Aufbruch

in verschiedenen Ländern zur Kenntnis

nehmen.

Afrikas Zukunft liegt zuallererst in der Hand der Afrikaner

selbst. Sie müssen die notwendigen politischen

Strukturveränderungen wollen und durchsetzen. Es

gibt Belege dafür, dass diese Aufgabe von vielen Menschen

in einer wachsenden Anzahl von Ländern erkannt

wird, auch wenn die durchgreifenden Reformen

an vielen Orten noch auf sich warten lassen. Immerhin

haben sich die politischen Verhältnisse in den letzten

Jahren deutlich in Richtung Demokratie verschoben. Ein

Indiz dafür kann der „Freedom House Index“ ( www.

freedomhouse.org) sein, der die demokratische Öffnung

(Mehrparteiensystem, Meinungsfreiheit u.ä.) zu

erfassen versucht. Diesem Index 2009 zufolge galten

lediglich noch 15 Staaten Afrikas als „unfrei“.

Länder 1973 1990 1994 1998 2002 2006 2008

»frei« 2 4 8 9 11 11 10

»teilweise

frei«

GEMEINSAM FÜR AFRIKA

9 15 17 20 21 24 23

»unfrei!« 28 28 23 19 16 14 15

Demokratiebewegung und Zivilgesellschaft sind zwar

in vielen Ländern Afrikas noch „in den Kinderschuhen“,

doch stimmt die Tatsache hoffnungsvoll, dass in sehr

Vorschläge für Unterricht und Bildungsarbeit

vielen Ländern mittlerweile Intellektuelle und Repräsentanten

gesellschaftlicher Gruppen den demokratischen

Wandel auch öffentlich einfordern. Entscheidend

ist hierbei, dass die Kritik an der Verhältnissen nicht

mehr allein nur im Ausland formuliert wird, sondern

dass im eigenen Land – oftmals unter erheblicher Gefährdung

der eigenen Person – die Forderung nach

Transparenz, Partizipation und Meinungsfreiheit formuliert

wird.

Die „Neue Partnerschaft

für Afrika“ (NEPAD) ist

ein institutionalisierter

Versuch, Eigenverantwortung

und Eigeninitiative

der Afrikaner zusammenzubringen

mit

einer entwicklungsförderlicheninternationalen

Entwicklungspolitik

und Entwicklungszusammenarbeit.

In den

letzten Jahren hat sich

Foto: Welthaus Bielefeld

die Erkenntnis durchgesetzt,

dass die von außen induzierten Programme und

Projekte scheitern, wenn die Afrikanerinnen und Afrikaner

sie sich nicht zu eigen machen und Verantwortung

für ihre Realisierung übernehmen. „Ownership“ heißt

das diesbezügliche Schlagwort, das dieses Erfordernis

beschreibt. Dabei ist nicht unerheblich, dass keine fertigen

Lösungskonzepte aus Europa im Mittelpunkt stehen,

sondern ein kritischer Dialog gerade innerhalb der

afrikanischen Staaten zustande kommt. Dieser „African

Peer Review Mechanism“ hat begonnen und soll systematisch

ausgeweitet werden.

˘ Viele Menschen in Afrika treten für Demokratie, Meinungsfreiheit und Rechtstaatlichkeit ein und riskieren

dafür ihr Leben. Lassen Sie solche Beispiele mutiger Männer und Frauen in der Klasse vorstellen.

Die Berichte und urgent actions von amnesty international liefern dafür Material ( www2.amnesty.de).

Vielleicht kann sich die Klasse auch für einen solchen Menschen einsetzen. Zielgruppe: Ab Klasse 8

˘ NEPAD (The New Partnership for Africa’s Development) ist eine Initiative von fünf afrikanischen Staaten,

die Erfordernisse für die Entwicklung Afrikas formuliert haben und dabei vor allem die Eigenverantwortung

der Afrikaner zur Ausgangsbedingung machen. Dieser Ansatz könnte z.B. in Schülerreferaten vorgestellt

werden ( www.nepad.org). Zielgruppe: Oberstufe

˘ Aufbruch in Afrika. Auch in der Afrikanischen Union formiert sich jetzt die Zivilgesellschaft. Einige Selbstdefinitionen

und Strategiepapiere (englisch) können im Internet eingesehen und analysiert werden

( www.africa-union.org/organs/ecosocc/). Zielgruppe: Ab Klasse 12

19


3.2

Afrika auf der internationalen Agenda

Didaktische Zielsetzungen

˘ die Bedeutung der Außenbeziehungen für die

Zukunft Afrikas reflektieren;

˘ notwendige Veränderungen bei den Welthandelsstrukturen

exemplarisch (Beispiele: Baumwolle

oder EPAs) nachvollziehen und durch

Aktivitäten nach außen bekannt machen.

Was kann durch eine Neugestaltung der internationalen

Beziehungen zur Entwicklung Afrikas beigetragen

werden? Die meisten internationalen Programme – so

auch die „Millenniums-Entwicklungsziele“ der Vereinten

Nationen – beziehen sich auf drei wesentliche

Felder der internationalen Beziehungen: Welthandel,

Entschuldung, Entwicklungszusammenarbeit. Hier

kann aus Platzgründen nur

der Bereich des Welthandels

angesprochen werden. Mehr

Infos unter www.millennium-entwicklungsziele.de

Afrikas Anteil am Welthandel

liegt bei rund 1,9 % (2006).

1970 waren es noch 4 %. Der

relative Rückgang verweist

auf eines der ökonomischen

Probleme: Mangelnde Produktivität

und Effizienz lassen

Afrika im Vergleich mit

anderen Weltregionen immer

mehr zurückfallen. Außerdem

exportiert eine Vielzahl

gerade der ärmsten Länder

Afrikas lediglich agrarische

(Kaffee, Baumwolle, Tee, Kakao)

oder mineralische (Öl,

Erze, Kupfer, Gold, Diamanten,

Koltan) Rohstoffe. Deren Preise

(bis auf Öl und Gold) sind

tendenziell sinkend. Hinzu

kommt die Problematik der

Handelsschranken und der Agrarsubventionen. Hiermit

verhindern die EU, die USA und Japan Importe aus

„Dritte-Welt-Ländern“. Dieser behinderte Marktzugang

kostet laut Weltbank die „Entwicklungsländer“ jährlich

17 Mrd. $. Auch Afrika könnte (Baumwolle, Zucker,

Rindfleisch) mehr exportieren, wenn der Marktzugang

frei wäre und wenn andere Handelshemmnisse (Ursprungsregelung,

Produktstandards) mehr auf afrikanische

Befindlichkeiten ausgerichtet wären.

750 Millionen der ärmsten Menschen der Welt sind durch

neue EU-AKP Freihandelsabkommen (EPAs) gefährdet!

✔ EPAs sind unfair

EPAS sehen keine Sonderbehandlung

für die ärmeren Länder vor, welche dem

Wettbewerb mit der EU nicht gewachsen sind.

✔ EPAs sind WTO-plus

Die EU führt durch die Hintertür die Liberalisierung

neuer Bereiche ein (Investitionen, Wettbewerb und

öffentliches Beschaffungswesen).

✔ EPAs sind ungerecht

Die EU weigert sich bislang, faire und nachhaltige

Alternativen zu diskutieren.

stop

EPAs

Stoppt EU-Freihandelsabkommen mit den AKP-Staaten!

attac WTO-AG

Die Frage, wie die Handelsbeziehungen zwischen Europa

und den wirtschaftlich deutlich schwächeren Staaten

in Afrika südlich der Sahara zu gestalten sind, steht

auf der internationalen politischen Agenda, seitdem

das bisherige Abkommen zwischen der EU und den so

genannten „AKP-Staaten“ Ende 2007 ausgelaufen ist.

EU und afrikanische Länder verhandeln über neue sog.

„Wirtschaftspartnerschaftsabkommen“ (englisch Economic

Partnership agreements – EPA). Diese haben zum

Ziel, neue, WTO-konforme Handelsregeln zu vereinbaren

und den Handel zu verstärken, außerdem die regionale

Integration zu fördern und zur Armutsverminderung

beizutragen.

Doch die Ausgestaltung dieser EPAs war von Anfang an

umstritten. Die EU hat – eng an der WTO orientiert – den

Freihandel zur alles beherrschenden Leitidee der EPAs

erklärt und drängt auf die Abschaffung der Handelsschranken

für mehr als 90 %

Näheres zur Kampagne und

Postkartenaktion unter:

www.stopepa.de

Unterstützen Sie

die StopEPA-Kampagne jetzt!

Die StopEPA-Kampagne wird von mehr als 130

Organisationen in Europa, Afrika, der Karibik und

dem Pazifik (AKP-Staaten) unterstützt.

www.stopepa.de

V.i.S.d.P.: Dieter Simon, StopEPA-Kampagne, c/o KOSA, August-Bebel-Str. 62, D-33602 Bielefeld

des gemeinsamen Handels

innerhalb einer kürzestmöglichen

Übergangsperiode.

Zu sätz lich fordert die EU die

Aufnahme von Verhandlungen

in den Bereichen Investitionen,

Wettbewerb, Handelserleichterungen,

öffentliches

Beschaffungswesen, Datenschutz

und im Dienstleistungssektor.

Wegen des großen politischen

Drucks seitens der EU haben

sich viele „Partnerländer“ veranlasst

gesehen, den EPAs

oder zumindest Interimsabkommen

mit der EU zuzustimmen.

Die Bedenken sind

jedoch vielerort geblieben.

Der geforderte Zollabbau wird

für viele afrikanische Länder

erhebliche Mindereinnahmen

bedeuten. Europäische

Produkte, konkurrenzlos billig

und teilweise auch noch subventioniert, drohen, die afrikanischen

Märkte zu überschwemmen und die einheimischen

Produzenten ökonomisch zu vernichten. Auch

der Aufbau regionaler Handelskooperation innerhalb

Afrikas könnte durch diese erzwungene Weltmarktausrichtung

eher behindert werden. Die ungleichen Partner

gleichen Regelungen zu unterwerfen ist eine fragwürdige

Strategie, die am Ende zu ökonomischer Schwächung

und zu mehr Armut führen könnte.

20 GEMEINSAM FÜR AFRIKA


M 13 – Afrika: Welthandel

und Entwicklungshilfe

Das Schaubild M 13 (siehe Download) stellt einige

(ökonomische) Außenbeziehungen Afrikas südlich

der Sahara dar. Obwohl dort rund 11 % der Weltbevölkerung

(722 Mio. Menschen) leben, hat Afrika

südlich der Sahara lediglich einen Anteil von 1,9 %

an den Exporten. Nur 1,7 % der Auslandsinvestitionen

fließen dorthin (Weltbankzahlen für 2006).

Beide Kennziffern deuten auf die schlechte ökonomische

„Performance“ Afrikas im globalen Kontext.

Andererseits geht rund ein Drittel der (staatlichen)

Gelder für Entwicklungszusammenarbeit

(meist „Entwicklungshilfe“ genannt) nach Afrika

südlich der Sahara. Dies waren 2007 knapp 31,5

Mrd. $. Diese Summe klingt gewaltig, beträgt

aber nicht einmal ein Fünftel (13,5 %)der afrikanischen

Exporteinnahmen (232 Mrd. $). Könnten

die afrikanischen Staaten südlich der Sahara ihre

Exporterlöse substantiell verbessern, würde dies

wohl mehr ins Gewicht fallen als jede in Zukunft

auch nur einigermaßen realistisch erscheinende

Erhöhung der Entwicklungshilfe.

Quelle: Daten der Weltbank (Internet 2008)

Dabei müssten die „Industrieländer“ in Sachen Freihandel

ihre Hausaufgaben erst einmal selber erledigen. Das

Beispiel Baumwolle macht dies besonders deutlich.

GEMEINSAM FÜR AFRIKA

Die USA subventionieren ihre Baumwollproduktion inkl.

Exportkredite mit rund 4 Mrd. $ pro Jahr – und sind dank

dieser staatlichen Beihilfen der größte Baumwollexporteur

(ca. 40 %) der Welt. Zweimal (2005 und 2007) hat die

WTO diese Praxis verurteilt; geändert aber hat sich nur

wenig. Auch die EU ist mit ca. 800 Mio. € Unterstützung

für griechische und spanische Baumwollproduzenten

dabei. Gegen soviel ökonomische Übermacht haben die

10 bis 15 Millionen westafrikanischen Baumwollproduzenten

keine Chance. Obwohl sie deutlich kostengünstiger

produzieren, bleibt ihr Weltmarktanteil gering. Laut

Weltbank bedeuten die amerikanischen und europäischen

Baumwoll-Subventionen für sie jährliche Verluste

von 283 Mio. $ (vgl. World Development Report 2008).

Reformen im Welthandelssystem, die Afrika nützen

könnten, betreffen nicht nur den Marktzugang in die

Märkte der westlichen Industrieländer oder den Verzicht

der reichen Länder auf wettbewerbsverzerrende

Subventionen. Viele weitere Themen (z. B. Zugang zu

patentgeschützten Medikamenten, Öffnung der Märkte

Afrikas für Importe, Verbesserung der Wertschöpfung

durch eigene Weiterverarbeitung und Abbau diesbezüglicher

Zölle in Europa) wären anzusprechen. Wesentlich

ist: Diese Außenbeziehungen – das gilt für den Welthandel

wie für die Entschuldung – müssen entwicklungsförderlicher

gestaltet werden. Nutzen kann dies aber nur,

wenn in den Ländern Afrikas Produktivitätsentwicklung

gewollt ist und Märkte funktionieren können. Ohne diese

„internen Reformen“ werden die Außenbeziehungen

kaum Entwicklungsimpulse bewirken.

21

Foto: Welthaus Bielefeld


Vorschläge für Unterricht und Bildungsarbeit

˘ Einen gut verständlichen Überblicksartikel über Afrikas Position im Welthandel finden Sie unter

www.weltpolitik.net (Regionen–Afrika–Afrikas Position im Welthandel).

˘ Die Verhandlungen zwischen der EU und den „AKP“-Staaten über neue Wirtschaftsabkommen (Economic

Partnership Agreements) sind vielleicht ein Thema für die Oberstufe, an dem sich Entwicklungspolitik im

Dschungel von widerstreitenden Interessen und Politikfeldern gut analysieren lässt. Zahlreiche Materialien

und Positionsbeschreibungen finden Sie auf der Seite der Kampagne „Stop EPA“ www.stopepa.de.

Zielgruppe: Oberstufe

˘ Entwicklungspolitik findet stets in einem Konfliktfeld widerstreitender Interessen statt. Das Thema

„Baumwolle“ ist hier besonders eindrucksvoll, um den unsäglichen und teuren Protektionismus der

OECD-Staaten zu Lasten der ärmsten Länder (vor allem Westafrika) zu analysieren. Das BMZ (Bundesministerium

für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat eine DVD mit dem Titel „King Cotton“

herausgegeben, die neben zwei Filmen zahlreiche weitere Materialien umfasst und die kostenlos zu

beziehen ist ( www.bmz.de ( Service Publikationen Interaktive Medien). Zielgruppe: Oberstufe

˘ Der „faire Handel“ ist weiterhin ein wichtiger Kristallisationspunkt für entwicklungspolitisches Lernen,

weil er weltwirtschaftliche Zusammenhänge aufgreifen kann und gleichzeitig konkrete Aktivierungsmöglichkeiten

bietet, die jedem und jeder offen stehen. Ein Besuch im Weltladen kann ihren Schülerinnen

und Schülern vielleicht die Ansätze und Ziele des fairen Handels näher bringen. Adressen von Weltläden

in Ihrer Nähe gibt es u.a. beim Weltladendachverband ( www.weltlaeden.de) und bei der Gepa

( www.gepa.org). Zielgruppe: Ab Klasse 5

˘ Ein wichtiger Bereich der internationalen Beziehungen für Afrika ist die Verschuldung. Die Verschuldung

einzelner Länder Afrikas und die eingeleiteten Entschuldungsinitiativen werden ausführlich beschrieben

auf der Website www.erlassjahr.de. Dieses Angebot macht es möglich, z. B. Schülerreferate zu einzelnen

Ländern zu vergeben. Zielgruppe: Oberstufe

3.3

Kein Interesse an Afrika?

Didaktische Zielsetzungen

˘ überprüfen, ob und inwieweit ich selbst daran

interessiert bin, mich mit Afrika näher zu beschäftigen.

˘ einige Argumente für die Annahme kennenlernen,

dass eine Beschäftigung mit Afrika in

unserem langfristigen Eigeninteresse liegen

könnte.

Interesse an entwicklungspolitischen Fragen kann man

nicht verordnen und das politische Desinteresse vieler

Schülerinnen und Schüler bleibt eine permanente Herausforderung

für den Unterricht. Über die rein subjektive

emotionale Befindlichkeit der SchülerInnen hinaus

(„Afrika interessiert mich nicht“) wäre es aber wichtig,

anhand einiger Kategorien darüber nachzudenken,

warum uns der weitere Entwicklungsweg Afrikas nicht

gleichgültig sein kann. Wenn wir bejahen, dass wir eine

politische Zukunft für unsere Welt wollen, in der nicht

Kriege und Gewalt die Tagesordnung bestimmen, wenn

wir verhindern wollen, dass die Pandemie Aids zur töd-

Foto: Welthaus Bielefeld

22 GEMEINSAM FÜR AFRIKA


lichen Bedrohung aller wird und dass immer mehr

Afrikaner ohne Zukunft illegal nach Europa strömen,

kann dies nur Einmischung bedeuten: Einmischung

in die Gestaltung der internationalen Beziehungen, in

Welthandelsfragen und Verhandlungen über die Entschuldung,

in Entscheidungen über Entwicklungszusammenarbeit

u.a.m. Klimaschutz und Artenvielfalt,

die Sicherheit der Meere und eine nachhaltige Energieversorgung

– auch dies alles kann nicht ohne Afrika

sichergestellt und erreicht werden. Wenn wir uns hier

– als Staat oder auch individuell – engagieren, handeln

wir im wohl-verstandenen Eigeninteresse.

Sicher gibt es für ein Interesse an Afrika auch andere,

unmittelbare und emotionale Beweggründe. Die Begeisterung

für Afrikas Menschen, für ihr Lebensfreude

und ihren Lebensmut, für Musik, Tanz und herausragende

sportliche Qualitäten können dazu gehören.

Vorschläge für Unterricht und Bildungsarbeit

Lösungen M 16 – Afrika-Quiz (siehe Download)

GEMEINSAM FÜR AFRIKA

Afrika bleibt aber immer auch eine moralische Herausforderung,

auch wenn sich die meisten auf dieses Unbehagen

nur ungern ansprechen lassen.

Wie gehen wir mit der Tatsache um, dass offensichtlich

auf dem Nachbarkontinent Afrika viele Menschen

in empörender Armut leben und tausende Kinder ihr

erstes Jahr nicht überleben? Wie können wir derartige

Verhältnisse einfach so hinnehmen und leben, als würde

nichts dergleichen geschehen? Warum tun wir nicht

– ohne Selbstüberschätzung und Selbstüberforderung

– dasjenige, was wir tun könnten, auch wenn es nur

wenig ist? Afrika ist eine Anfrage an unser Selbstverständnis,

an die Frage, nach welchen Maßstäben und

ethischen Prinzipien wir leben wollen. Die Antworten

darauf muss jeder selber finden. Aber die Konsequenzen

können wir nur gemeinsam ziehen: GEMEINSAM

FÜR AFRIKA.

˘ Gibt es bei den Schülern ein Interesse an Afrika? Antworten, die diese Frage verneinen, müssen möglich

sein. Vielleicht ist sogar ein offenes Klassengespräch darüber möglich, warum die meisten Afrika „nicht so

interessant“ finden. Zielgruppe: Ab Klasse 7

˘ Was könnte „Interesse an Afrika“ bedeuten? Einen Kinofilm oder eine Fernsehsendung über Afrika anschauen,

einen Artikel über Afrika lesen, eine Musikveranstaltung mit einem afrikanischen Künstler besuchen,

ein Afrika-Projekt unterstützen, in einer entsprechenden Aktionsgruppe mitarbeiten? Wer kennt

einen Afrikaner bzw. eine Afrikanerin persönlich? Versuchen Sie, das „Interesse an Afrika“ zu konkretisieren.

Zielgruppe: Ab Klasse 8

˘ Gute Gründe, sich mit Afrika zu beschäftigen. Das Arbeitsblatt M 14 (siehe Download) verweist explizit

auf die berechtigten Eigeninteressen, die wir bezüglich Afrikas Entwicklung haben sollten, und fordert die

SchülerInnen zur Stellungnahme auf. Zielgruppe: Ab Klasse 9

˘ „Ich finde Spenden für Projekte in Afrika sinnlos.“ Der Brief eines Schülers (M 15 – siehe Download) provoziert

mit dieser Aussage und behauptet, dass Kriege und Diktaturen jede Entwicklung verhindern. Eine

Antwort darauf verlangt die Auseinandersetzung mit der Frage, welcher Entwicklungsspielraum trotz der

schwierigen Rahmenbedingungen in Afrika bleibt. Zielgruppe: Oberstufe

˘ Unser Afrika-Quiz (M 16 – siehe Download) kann z. B. in Vertretungsstunden eingesetzt werden und

verbindet ein Interesse an Quiz mit einem möglichen Interesse an Afrika. Zielgruppe: Ab Klasse 7/8

˘ Interesse an Afrika braucht eine positive Vision, Begeisterung für Afrikas Menschen. Direkte Begegnungen

mit Musikern und Künstlern sind hier oft hilfreich. Trommelworkshop, Tanzgruppe oder Musikveranstaltung

können positive Impulse geben. Adressen afrikanischer Künstler (die Kosten sind oft nicht unerheblich)

vermitteln entwicklungspolitische Gruppen vor Ort. Ein regelmäßiges Angebot hält auch die Kinderkulturkarawane

( www.kinderkulturkarawane.de/) bereit. Zielgruppe: Ab Klasse 5

˘ Schulpartnerschaften mit afrikanischen Schulen sind eine große Lernchance, aber auch eine zeitraubende

und andauernde Arbeitsbelastung. Hilfestellung gibt es bei Schulministerien und auf den „Bildungsservern“.

Eine praxisnahe Materialie („Schulpartnerschaft – wie geht das?“) finden Sie als Download unter

http://internationale-begegnungen.lernnetz.de/docs/broschuere_doppelseitig_.pdf

Frage 1: A; 2: C; 3: A; 4: B; 5: B; 6: C; 7: D; 8: D; 9: D; 10: B; 11: A; 12: C; 13: A; 14: B; 15: B; 16: B; 17: A; 18:C; 19: C; 20: A;

21: A; 22: B; 23: B; 24: D; 25: B; 26: A; 27: B; 28: D; 29: B; 30: A.

23


4. Unterrichtsskizzen

Unterstufe: Klassen 5 – 7

Zeit Ziele/Methoden Inhalt Materialien

10

Min.

15

Min.

20

Min.

35

Min.

10

Min.

Thema: Unsere Afrikabilder

Die Afrikabilder der Schüler abfragen – Klassengespräch „Was fällt Euch beim Stichwort Afrika ein?“

Jeder nennt fünf Stichworte.

Die Bilder ordnen. Rubriken: Tiere/Menschen/soziale Situation/

politische Situation/Kultur/Sonstiges

Armut als relativen Begriff reflektieren – Einzelarbeit

und zusammenfassendes Klassengespräch.

Verschiedene Ansätze der Projektarbeit kennenlernen

(Land, Zielgruppe, Sektor (Bildung, Gesundheit, Ernährung,

politische Partizipation). Kleingruppen-Vortrag

Hilfe von außen und Selbsthilfe in Beziehung setzen.

– Klassengespräch

Mittelstufe: Klassen 8 – 10

Woran liegt es, dass wir alle Menschen in

Afrika für arm halten?

Thema: Selbsthilfe und Projektunterstützung

24 GEMEINSAM FÜR AFRIKA

Tafel

vgl. Kapitel 1.1

M 3 (für alle

kopieren)

Hausaufgabe: Die kleinen Erfolge der

vgl. Kap. 2.4

Entwicklungszusammenarbeit. Schüler

recherchieren im Internet.

Unterricht: Einzelne Afrika-Projekte von

Entwicklungsorganisationen vorstellen.

Stellenwert der Selbsthilfe. Tafel

Zeit Ziele/Methoden Inhalt Materialien

15

Min.

25

Min.

5

Min.

10 +

25

Min.

10

Min.

Die Eindeutigkeit von (traditionellen) Afrika bildern in

Frage stellen – Einzelarbeit

Die Widersprüchlichkeit (moderner wie auch traditioneller)

Verhaltensweisen in Afrika reflektieren. – Klassengespräch.

Die Fragwürdigkeit unserer Fortschrittsbewertung

anhand widersprüchlicher Phänome erkennen (z. B.

Astrologie, Aberglaube, Kulturrituale beim Fußball oder

bei Musikevents etc.).

Thema: Verunsicherte Afrikabilder

Thema: Afrikas Zukunftsperspektiven

Unterschiedliche individuelle wie politische Motive für eine

stärkere Beachtung Afrikas kennenlernen – Einzelarbeit

– Austausch im Klassengespräch

Kleine positive Entwicklungen in Afrika zur Kenntnis

nehmen und bewerten – Lehrervortrag/Klassengespräch.

Oberstufe: Klassen 11 – 13

Bewertung „traditioneller Orientierungen“

in Afrika.

Die Gleichzeitigkeit von Tradition und

Moderne in Afrika und ihre Auswirkung auf

Entwicklung.

Überkommene vs. moderne Verhaltensweisen

in unserer Gesellschaft.

M 4 (für alle

kopieren)

Vgl. Kapitel 1.2

Die Bedeutung Afrikas für unsere Zukunft. M 14 (für alle

kopieren)

Auch in Afrika ist kein Stillstand. –

Zeit Ziele/Methoden Inhalt Materialien

20

Min.

25

Min.

15

Min.

25

Min.

5

Min.

Thema: Unsere (widersprüchlichen) Afrika-Bilder

Afrikabilder der Schüler abrufen – Einzelarbeit. „Was fällt Euch beim Stichwort Afrika ein?“

Jeder nennt fünf Stichworte.

Die Wahrnehmungen vergleichen. Die Widersprüchlichkeit

der Bilder akzeptieren lernen. Klassengespräch.

Gleichzeitigkeit von Armut und Lebenstüchtigkeit,

von Tradition und Moderne.

Thema: Ansatzpunkte für eine positive Entwicklung in Afrika

Interne und externe Verursachungen abwägen und in

ihrer Verschränktheit erkennen. – Kleingruppen.

Kontrovers diskutieren und Gegensätze bestehen lassen.

– Klassengespräch.

Die gleichzeitig wichtigen strategischen Punkte für

Afrikas Entwicklung kennenlernen. Begriffe erläutern

– Klassengespräch.

Wer ist schuld an Afrikas Misere? Welche

Bedeutung haben interne vs. externe Verursachungen?

Gleichzeitigkeit externer und interner Verursachung.

Notwendigkeit gleichzeitiger interner wie

globaler Veränderungen.


M 2 (für alle

kopieren)

vgl. Kapitel 1.2

M 10 (für alle

kopieren)


M 12 Tafelbild

oder Folie


M 1

Afrikas Magie des Dschungels

Dieses Plakat wirbt für eine „märchenhafte Circusrevue mit Artisten, Tänzern und Tieren aus der magischen

Welt Afrikas“, in der „Afrikas Magie des Dschungels“ präsentiert werden soll. Afrika ist hier der

wilde, urtümliche Kontinent, in dem die Grenzen zwischen Mensch und Tier verschwimmen. Halb Löwe

und halb Mensch – so werden uns die Bewohner Afrikas dargestellt. Hinzu kommen noch Kriegsbemalung

und Elfenbeinstoßzahn.

Aufgaben

Foto: C. Walger

1. „Man muss auf diese drastische Art werben. Anderenfalls kommen nicht genug Leute“, sagen die

Veranstalter. Haben sie recht?

2. „Für die Europäer sind die Afrikaner wilde Tiere, die gerne wie im Zoo bestaunt werden“, behaupten

manche Afrikaner. Haben sie recht?

3. Versuchen Sie einen Plakattext zu formulieren, der Ihnen angemessen vorkommt, eine „afrikanische

Revue“ vorzustellen.

© GEMEINSAM FÜR AFRIKA


M 2

Afrikabilder

Uns allen fallen beim Stichwort „Afrika“ bestimmte Bilder oder Ereignisse ein, die wir mit Afrika verbinden.

Vielleicht sind die hier beschriebenen Stichworte darunter. Bitte

˘ Bilden Sie Kleingruppen (3 – 5 Personen);

˘ Lesen Sie die einzelnen Stichworte;

˘ Nummerieren Sie dann unter A die fünf Stichworte, die für Sie Afrika am besten beschreiben;

˘ Vergleichen Sie dann Ihre Nennungen mit den Nennungen der anderen aus Ihrer Kleingruppe;

˘ Begründen Sie in der Gruppe Ihre Auswahl;

˘ Versuchen Sie dann eine begründete gemeinsame Gruppenliste für die fünf wichtigsten Stichworte zu

erstellen und nummerieren sie (1 bis 5) unter B.

˘ Stellen Sie Ihre Ergebnisse nachher im Plenum vor.

Nr. Stichwort/Ereignis A B

1 Frau Wangari Maathai (Kenia) erhält den Friedensnobelpreis.

2 Ein Medizinmann versucht mit Beschwörungen, ein krankes Kind zu heilen.

3 In einem afrikanischen Dorf findet ein Palaver statt.

4 Eine Trommlergruppe aus Gambia bringt 1.000 Partygäste in Bewegung.

5 Eine Herde Elefanten zieht zu einer Wasserstelle.

6 Kindersoldaten haben in Liberia Hunderten Arme und Beine abgehackt.

7 Der 10.000 Meter-Lauf wird von drei Afrikanern gewonnen.

8 Zaires früher Staatspräsident Mobutu hat 14 Mrd. Dollar beiseite geschafft.

9 Auf einem staubigen Feld zieht ein Bauer Furchen mit einem Holzpflug.

10 Ein Häuptling präsentiert lachend seine 5 Frauen und 27 Kinder.

11 In Tansania endet eine von Entwicklungshilfegeldern gebaute Straße mitten

im Nirgendwo.

12 In einem Dorf ohne Strom und Wasser gibt es eine Coca-Cola-Verkaufsstelle.

13 Vor einer Krankenstation mit weißen Ärzten warten Hunderte von Patienten.

14 In einem Flüchtlingslager leben auf engstem Raum mehr als 30.000 Menschen.

15 Äthiopien feiert die Anschaffung eines MiG 29 Düsenjets.

16 Die südafrikanische Gesundheitsministerin verweigert die Annahme von kostenlosen

Aids-Medikamenten und bestreitet das Ausmaß der Erkrankungen.

17 42 Schulkinder sitzen in einem Klassenraum ohne Bänke auf dem Boden.

18 Ein bis auf das Skelett abgemagertes Kleinkind liegt wimmernd in den Armen

einer ausgemergelten afrikanischen Frau.

19 Auf einem Marktplatz irgendwo in Afrika stehen lachend und fröhlich viele

Menschen zusammen.

20 Ein Voodoo-Priester bringt fünf junge Frauen in einen Trance-Zustand.

21 Somalische Rebellengruppen schleifen einen toten US-Soldaten durch

Mogadischu.

22 Nelson Mandela wird nach 27 Jahren im Gefängnis erster Staatspräsident eines

freien Südafrika.

23 Ein afrikanischer Chor singt Lieder unter einem Baobab-Baum.

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M 3

Eine Familie aus Mali

Sind alle Menschen in Afrika arm?

Foto: World Vision

Viele Menschen glauben, dass in Afrika alle Menschen arm sind oder gar verhungern. Doch dies stimmt

sicher nicht.

Wie kommt es, dass ein solcher Eindruck entsteht?

Was unterscheidet die Lebenssituation der Menschen in Afrika von derjenigen in Deutschland?

Vielleicht kannst Du hierzu einige Gedanken aufschreiben!

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M 4

Tradition und Moderne in Afrika

Auf dieser Seite gibt es angefangene Sätze, die Sie bitte – gerade wie es Ihnen einfällt – schriftlich vervollständigen

sollen.

1) Die meisten Afrikaner leben heute …

2) Leute, die an Hexen glauben, sind für mich …

3) Wenn die Menschen in Afrika nicht mehr an Ahnen und böse Geister glauben würden, …

4) Ein Afrikaner, der mit Krawatte und Jacket in einem Hochhaus arbeitet, ist für mich …

5) Von der Entwicklung in Europa könnte Afrika lernen, dass …

6) Viele Menschen aus Europa blicken mit einer gewissen Wehmut nach Afrika, weil dort …

7) Ich beneide die Afrikaner darum, dass sie …

© GEMEINSAM Gemeinsam FÜR für Afrika AFRIKA

Foto: Don Bosco Jugend Dritte Welt


M 5 Kennzeichen der »neuen Kriege«

Entstaatlichung Krieg zur Verteidigung des Staatsgebietes

oder der Regierungsmacht

»alte Kriege« »neue Kriege«

„Kriege“ ohne das Ziel der

Machtübernahme

Privatisierung Staaten führen Kriege „Warlords“ oder bewaffnete Gruppen

führen Kriege

Autonomisierung Kriege sind eingebundenen in internationales

Völkerrecht (UN-System)

Asymmetrierung Soldaten und Armeen kämpfen

gegeneinander

Kommerzialisierung zwischenstaatliche Kriege werden

immer teurer und ruinieren die

Staatsfinanzen

Fragen

˘ Wie würden Sie in einem Satz (13 Worte) das

Phänomen der „neuen Kriege“ beschreiben?

˘ Kindersoldaten entsprechen besonders gut

den Erfordernissen der „neuen Kriege“. Bitte

prüfen Sie diese Behauptung und begründen

Sie Ihre Antwort.

internationale Vereinbarungen

haben keinerlei Verbindlichkeit

Bewaffnete terrorisieren

Unbewaffnete

„neue Kriege“ versprechen Beute

(Rohstoffe, Vermögen der Opfer) und

sind deshalb ökonomisch attraktiv

Foto: Welthaus Bielefeld

˘ Wo sehen Sie strategische Anknüpfungspunkte, die „neuen Kriege“ zu beenden oder zumindest

einzudämmen?

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M 6 Überlebenskünstlerin

In einer Filmreportage von Martin Buchholz sitzt

Florence Nasamula im Eingang einer wackeligen

Lehmhütte und antwortet auf die Frage

des Filmemachers nach ihren drei Wünschen:

„Eine Nähmaschine, … ein neues Haus …“ Dann

schweigt sie, und Martin Buchholz kommentiert,

Florence sei das Träumen nicht gewöhnt, sie

müsse sich um das Überleben kümmern.

Die Szene spielt 1995 in Uganda. Florence ist 15

Jahre alt. Mit 11 Jahren hat sie ihre Eltern verloren.

Seit vier Jahren lebt sie mit ihren zwei jüngeren

Brüdern allein auf dem kleinen Hof der Eltern.

Spätestens seit dem Tod der Eltern, vermutlich

aber schon früher, hat das Mädchen erfolgreich

die Aufgabe übernommen, für sich selbst und

ihre Brüder zu sorgen. Sie bestellt irgendwie das

Feld, erntet, sucht Feuerholz, holt Wasser, kocht

und bewahrt die Hütte vor dem totalen Einsturz.

Bisher ist sie dabei glücklicherweise nicht ernsthaft

krank geworden, weder sie noch die beiden

Jungen …

Etwa zu dieser Zeit baut die christliche Organisation

MAHCOP, die in Deutschland von der Kindernothilfe

unterstützt wird, im Distrikt die Hilfe für

Aidswaisen auf. Die Ausbreitung von HIV/Aids hat

in Uganda mittlerweile eine große Zahl Kinder

elternlos zurückgelassen. Viele Großmütter

haben verwaiste Enkel aufgenommen, oft zehn

Kinder und mehr, und arbeiten hart für deren

Versorgung. Kinderfamilien wie die von Florence

sind keine Seltenheit. Die Hilfe für die Aidswaisen

orientiert sich nicht an Wunschvorstellungen

von einer sorgenfreien Kindheit, sondern an der

Realität und den begrenzten Möglichkeiten in

einem armen Land. Mit geringen finanziellen Mitteln

sollen möglichst viele Kinder vor der totalen

Verelendung bewahrt werden. Die Unterstützung

soll den Betroffenen helfen, das Elend selbst zu

überwinden.

Im Fall von Florence bedeutet dies, dass sich

die Frauen aus der Nachbarschaft zusammenschließen,

um den Aidswaisen besser helfen zu

können. Statt der bisherigen spontanen Hilfe der

Nachbarinnen, sprechen sich die Frauen jetzt ab

und verabreden sich zu gemeinsamen Aktionen.

So treffen sie sich an einem Tag und bauen mit

Florence eine Kochhütte, an einem anderen Tag

helfen sie ihr, das Feld in Ordnung zu bringen.

Daneben übernimmt das Hilfsprojekt die Kosten

für den Schulbesuch der beiden Jungen. Ein

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Foto: Welthaus Bielefeld

Sozialarbeiter sieht bei den Kindern regelmäßig

nach dem Rechten.

Und Florence? Sie ist weiterhin die Ernährerin der

Familie. Sie lernt in einem Kurs, wie Gemüse und

Obst angebaut werden, und setzt das Erlernte auf

dem eigenen Feld sofort um. Die Ernten werden

besser. Irgendwann bekommt sie die Chance,

einen Schneiderlehrgang zu besuchen. Zum

Abschluss erhält sie die erträumte Nähmaschine

und erarbeitet sich und ihren Brüdern damit

langsam eine Existenzgrundlage.

2006 ist wieder ein Filmteam bei Florence zu Besuch.

Sie ist jetzt 26 Jahre alt, verheiratet und hat

drei Kinder. Ihr Mann ist LKW-Fahrer und deshalb

oft nicht zu Hause. Doch das Einkommen reicht

für ein Haus aus Stein, für eine ausreichende

Ernährung und für das Schulgeld des jüngsten

Bruders, der mittlerweile die Oberschule besucht.

Florence betreibt ein kleines Geschäft, und auch

die Nähmaschine ist noch in Gebrauch: „Mit dem

Gewinn aus den Schneiderarbeiten habe ich jahrelang

meine Brüder versorgt. Mittlerweile kaufe

ich mit dem Erlös Produkte für meinen Laden,

mache so mehr Profit und kann meinen Bruder

auch weiterhin unterstützen“, berichtet die junge

Frau. Florence hat es geschafft, doch wie schwer

das war, lässt dieser Ausspruch nur erahnen:

„Der frühe Tod meiner Eltern macht mich immer

noch traurig. Wir Kinder haben sehr gelitten, weil

wir ohne Vater und Mutter auskommen mussten.

Nun bin ich selber Mutter. Ich schaue meine

Kinder an und will so lange für sie da sein, bis sie

auf eigenen Füßen stehen.“

Text: Imke Häusler

Hinweis:

Video Zukunft für Nachibes Kinder, Kindernothilfe

1995 (kostenloser Verleih: www.kindernothilfe.de)


M 7 Afrika – kleine Schritte in Richtung Entwicklung

Indikator Veränderungen

Kindersterblichkeit

(gestorbene Kinder auf 1.000

Lebendgeborene)

Alphabetisierung

Erwachsene

Zugang zu sauberem

Wasser

Exporte

(wertmäßig)

Internet-Nutzer

(pro 1.000 Einwohner)

1970: 144

2005: 102

1990: 54,2 %

2005: 59,3 %

1990: 48 %

2004: 55 %

1990:

34 Mrd. $

2006:

232 Mrd. $

2000: 5,5

2007: 55

Quelle: ITU 2008; Human development Report 2007/2008; Wold Development Report 2008.

Die Zahlen gelten für Afrika südlich der Sahara. Die Internet-Nutzer-Zahlen beziehen sich jedoch auf ganz Afrika.

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– 30 %


+ 5,1 %


+ 14,6 %


+ 682 %


+ 1000 %


M 8 Afrika – trotz allem kein Stillstand

Netzwerk Afrika – Artikel von W. Schoenecke, KNA (25.5.2006)

«Wenn wir uns am Bild der Massenmedien orientieren, lernen wir heute alles darüber, wie Afrikaner sterben,

aber nichts darüber, wie sie leben», schreibt der schwedische Afrika-Kenner und Schriftsteller Henning Mankell.

Konflikte und Katastrophen, das sind die Klischees, unter denen Afrika in Europa wahrgenommen wird.

Dazu ein bisschen Trommeln, Tanz und Tierpark-Romantik. Fast unbemerkt aber verändert sich die politische,

soziale und kulturelle Landschaft Afrikas mit der Geschwindigkeit eines ICE.

Was jedem Besucher auf dem Weg vom Flughafen

sofort auffällt, ist der Bauboom in fast allen Städten

des Schwarzen Kontinents. Auch traditionelle

Grashütten auf dem Land werden immer mehr

durch stabile Häuser ersetzt. Doch der erste Eindruck

eines Wirtschaftswunders wird vom Massenelend

der Slums eingeholt. Die Kontraste sind krass – und

wachsen weiter. Kriege und Konflikte gibt es im Dutzend.

Im Tschad droht gerade ein neuer zu beginnen.

Lang ist aber auch die Liste der Länder, die nach Jahrzehnten

mörderischer Auseinandersetzungen einen

oft noch brüchigen Frieden gefunden haben: Angola

und Mosambik, Sierra Leone und Liberia, Südafrika

und der Süden des Sudan. Ethnisches Denken dominiert

immer noch das politische Handeln. Zugleich

wissen afrikanische Politiker, dass sie in der globalen

Welt nur eine Chance haben, wenn sich ihre Länder

regional zusammenschließen. Die westafrikanische

Wirtschaftsunion ECOWAS hat sowohl die wirtschaftliche

Integration vorangetrieben als auch

stark zur Sicherheit in der Region beigetragen. Man

träumt bereits von einer gemeinsamen Währung.

Auch die neu geschaffene Afrikanische Union (AU)

ist trotz Defiziten stärker als ihre Vorgängerorganisation.

Sie arbeitet aktiv als Schlichter in Krisengebieten

wie Darfur oder der Elfenbeinküste. Die

Machtverschiebungen in der Welt verschaffen Afrika

neue Optionen. Die Schwellenländer China, Indien

und Brasilien drängen mit Macht auf die afrikanischen

Märkte – auf der Suche nach Rohstoffen und

Absatzmöglichkeiten.

Sie brechen das alte bipolare Nord-Süd-Schema auf

und geben Regierungen einen größeren Spielraum

gegen Preisdiktate und Ausbeutung der ehemaligen

Kolonialherren. Zugleich bieten sie billigere Waren

und Technologie an. Chinas Handel mit Afrika hat

sich in den vergangenen 30 Jahren auf 40 Milliarden

verzehnfacht.

Aufgaben:

Die größte Revolution geschieht in der Kommunikation.

Auch in kleineren Orten in Afrika findet

sich heute oft ein Internet-Cafe. Wer etwas auf

sich hält, hat zumindest eine E-Mail-Adresse. Der

deutsche Besucher staunt, wenn die Nomaden-Oma

ihr Handy hervorkramt und mit den Enkeln in der

Stadt telefoniert. Auch wo nichts mehr funktioniert

– wie in Teilen des Kongo – zumindest das Satellitentelefon

tut seinen Dienst. Wenn Afrikas technologischer

Rückstand auch in der jahrhundertelangen

Isolierung des Kontinents begründet liegt, dann ist

die Bedeutung des Anschlusses an das Weltkommunikationssystem

nicht zu überschätzen.

Wird Afrika derzeit demokratischer? Weder

Simbabwes Robert Mugabe noch Ugandas Yoweri

Museveni lassen sich noch als die Hoffnungsträger

für eine afrikanische Demokratie bezeichnen, als

die sie viele sehen wollten. Die forcierte Demokratisierung

Afrikas nach dem Fall des Kommunismus

ist einer Enttäuschung bei Bürgern und Geldgebern

gewichen. Geblieben ist die große Bandbreite von Informationsangeboten.

Im wichtigsten afrikanischen

Medium, dem Radio, muss die politische Propaganda

der Regierungssender heute mit Dutzenden

privater, kommerzieller und kirchlicher Radiostationen

konkurrieren. Eine neue Klasse kompetenter

und couragierter Journalisten verteidigt die neue

Medienfreiheit – oft unter Gefahr für persönliche

Freiheit und Leben.

Zumindest zum jährlichen Afrika-Tag (25. Mai) sollte

der Westen nicht nur an Aids-Kranke, hungernde

Kinder und korrupte Diktatoren denken, sondern

auch Schlagzeilen wie diese wahrnehmen: «Internationale

Atombehörde besichtigt zwei nigerianische

Forschungsreaktoren.» – «Präsident Mbeki eröffnet

größtes Teleskop der südlichen Hemisphäre» oder

«Elektronische Vernetzung der ostafrikanischen

Börsen».

Fassen Sie bitte in einer 25 Worte-Meldung zusammen, was in dem o. a. Artikel ausgesagt wird.

˘ Welche Belege hat der Autor für Fortschritte in Afrika? Welche davon finden Sie überzeugend?

˘ Wie könnte dem Eindruck entgegengewirkt werden, dass Afrika ein Kontinent ist, der ausschließlich

aus Katastrophen und Krisen besteht? Welche Forderungen würden Sie an die Massenmedien

(Fernsehen, Zeitungen) richten?

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M 9 Internet-Recherchen zu Afrika

Das Internet ist heute die wohl wichtigste Quelle der Informationsbeschaffung. Allerdings ist es nicht

immer einfach, sich in der unüberschaubaren Fülle der Informationsangebote und Websites zurecht zu

finden. Außerdem muss die Seriosität der Anbieter überprüft werden, wenn man nicht das Opfer von

Manipulationen werden will. Viele Websites sind in englischer Sprache gestaltet.

Dies alles gilt es einzuüben.

Anbei werden Hinweise gegeben, wo Informationen zu einzelnen afrikanischen Ländern im Internet zu

finden sind. Im Mittelpunkt stehen hier entwicklungspolitische Informationen über die soziale, politische

und ökonomische Lage in den einzelnen Ländern. Es ist sinnvoll, die wichtigsten Informationen

herauszuschreiben und so ein Länderprofil zu erstellen. Die Infoquelle (Website) sollte jeweils vermerkt

werden. Weitere Infoquellen sollten durch die einschlägigen Suchmaschinen recherchiert werden.

Erstelle ein Länderprofil zu einem afrikanischen Land

˘ landeskundliche Daten

˘ ökonomische Situation

˘ soziale Lage der Bevölkerung

˘ besondere Krisen und Herausforderungen

˘ kulturelle Faktoren

˘ politische Entwicklungen der letzten Zeit

Übergreifende

Informationsangebote

www.africa-live.de

www.epo.de (Länder/Regionen)

www.worldbank.org (data & research)

www.bpb.de (Suchwort: Afrika)

Landeskundliche Informationen www.globalesLernen.de ( Ländersuche)

www.inwent.org ( Bildung für Entwicklung Dokumentation

Bibliothek Datenbanken)

ökonomische Situation

entwicklungspolitische / soziale

Lage der Bevölkerung

besondere Krisen, Kriege etc. www.akuf.de

www.hiik.de

www.icrc.org

kulturelle Faktoren

www.imf.org/external/country/index.htm

www.erlassjahr.de/themen/laenderinfo

www.weed-online.de

www.prsp-watch.de

www.un.org/millenniumgoals

hdr.undp.org/statistics/data

www.deine-stimme-gegen-armut.de

www.geolinde.musin.de/afrika/html

www.bmz.de/de/laender/index.html

www.bpb.de/themen/FXRG74,0,0,Kultur.html

africa-live.de

neuere politische Entwicklungen www.paperball.de/ (Zeitungsmeldungen)

www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/LaenderReiseinformationen.jsp

www.swp-berlin.org ( Naher Osten & Afrika)

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M 10 Afrikas Armut – Wer ist schuld?

Zwei Lager stehen sich gegenüber: Die einen sagen, Afrika sei an Armut und Elend selber schuld, die

anderen sehen Afrika als Opfer von Abhängigkeit und Ausbeutung durch den Westen. Wer hat recht?

A: Afrika ist selber schuld, B: Der Westen ist schuld,

A 1 weil die Leute zu viele Kinder kriegen und

diese nicht ernähren können.

B 1 weil er im Kolonialismus die Gesellschaften

der „Dritte Welt Länder“ zerstört hat.

A 2 weil dort ständig Krieg geführt wird. B 2 weil er Waffen liefert und Diktatoren

unterstützt.

A 3 weil die Landwirtschaft vernachlässigt

wird und die Bauern nicht genug für ihre

Produkte bekommen.

A 4 weil die Wirtschaft unproduktiv und

dadurch im globalen Handel nicht wettbewerbsfähig

ist.

A 5 weil die Regierungen das Geld für fragwürdige

Großprojekte ausgeben oder sich nur

selbst bereichern.

A 6 weil es an Demokratie fehlt und die Mehrheit

der Menschen politisch nicht beteiligt

ist.

Arbeitsaufgaben

˘ Bitte Kleingruppen bilden.

B 3 weil seine Nahrungsmittelhilfe die dortige

Landwirtschaft zerstört.

B 4 weil er durch ungerechte Welthandelsverhältnisse

verhindert, dass Afrika seine

Güter zu guten Preisen exportieren kann.

B 5 weil Afrika zu wenig Unterstützung erhält

und zuviel für die Rückzahlung der Schulden

ausgeben muss.

B 6 weil Afrika auf Weltebene (UN, Weltbank,

IWF) zu wenig Mitspracherecht hat.

˘ Jeder und jede überlegt für sich, ob er oder sie eher zum Lager A oder in das Lager B

gehören möchte.

˘ Jeder und jede sucht sich fünf Argumente (aus beiden Lagern) heraus, die er oder sie am

überzeugend sten findet.

˘ In der Kleingruppe wird dann über diese Argumente diskutiert und versucht, eine

Gruppenmeinung herauszufinden: Welche fünf Argumente werden für die Wichtigsten

und Überzeugendsten gehalten.

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M 11 Meine Zukunft

Dies ist Hortencia aus Mosambik. Sie ist 17 Jahre alt.

Welche Zukunft erwartet sie wohl? Macht Euch

darüber Gedanken.

Überlegt bitte, wie wohl in 20 Jahren ihr Leben

aussehen wird.

˘ In was für einem Umfeld wird sie leben?

˘ Wie sieht wohl ihre Wohnung aus?

˘ Wird sie in Armut oder im Wohlstand leben?

˘ Wird sie Familie haben und Kinder?

˘ Wodurch wird sie ihren Lebensunterhalt

verdienen?

˘ Wie hat sich in 20 Jahren wohl ihre Umwelt

verändert?

˘ Wie wird es ihrem Land Mosambik gehen?

˘ Wird die allgemeine Stimmung in Mosambik

eher optimistisch oder eher pessimistisch sein?

Niemand kann diese Fragen sicher beantworten.

Aber hier ist gefragt, was Ihr vermutet, welche

Vorstellungen Ihr habt.

Schreibt bitte einen Steckbrief über Hortencia – heute in 20 Jahren.

Ich heiße Hortencia und bin 37 Jahre alt. Ich …

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Foto: Welthaus Bielefeld


M 12 Ansatzpunkte für Afrikas Entwicklung

fairer, entwicklungsfördernder

Handel

gute

Regierungsführung

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Schulden erlass

zugunsten

der Armutsbekämpfung

Befriedung und

Konfliktregulierung

zielgenaue

Entwicklungszusammenarbeit

Demokratie und

Teilhabe


M 13 Afrika: Welthandel und Entwicklungshilfe

Exporteinnahmen

232 Mrd. $

31,5 Mrd. $

1,9 %

Anteil am

Welthandel

Entwicklungshilfe

30,3 %

Anteil an ausgezahlter

Entwicklungshilfe

Quelle: World Development Report 2008. DAC: List of ODA Recipients 2008

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1,7 %

Anteil an

Auslandsinvestitionen

11,8 %

Anteil an der

Weltbevölkerung


M 14 Afrika finde ich wichtig, weil …

1. … weil ich afrikanische Menschen fremd und

interessant finde.

2. … weil ich nicht möchte, dass immer mehr

Afrikaner als Flüchtlinge nach Europa

kommen.

3. … weil wir Afrika brauchen, wenn wir die

Umwelt erhalten wollen.

4. … weil Afrika ein guter Absatzmarkt für

europäische Waren werden kann.

5. … weil ich die Musik aus Afrika liebe.

6. … weil ohne Afrika der Kampf gegen AIDS

nicht gewonnen werden kann.

7. … weil Afrika uns daran erinnert, dass nicht

alle Menschen genug zum Leben haben.

8. … weil unsere Fußballspieler von deren

Ball gefühl viel lernen können.

9. … weil wir Deutschen dort Menschen

entdecken können, die wirklich Grund hätten

zu jammern.

10. … weil Afrika Europas Nachbar ist – und mit

den Nachbarn sollte man gut auskommen.

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Foto: Welthaus Bielefeld

A Halte ich für völlig richtig

B Halte ich überwiegend für richtig

C Sowohl – als auch

D Halte ich für nicht zutreffend

E Halte ich für absolut unzutreffend


M 15 Ein Brief

Den untenstehenden Brief erhielt eine Hilfsorganisation, die wir hier nicht nennen wollen, von einem

Schüler. Wir glauben, dass der Brief es verdient, ernst genommen zu werden. Was ist Eure Meinung

hierzu? Könnt Ihr das Anliegen verstehen? Welche Argumente findet Ihr überzeugend, welchen würdet

Ihr widersprechen? Was könnte man dem Sascha entgegnen?

Überlegt dies bitte und schreibt einen Antwortbrief an Sascha.

Sehr geehrte Damen und Herren,

unsere Schule hat vor drei Wochen einen Mittelstufen-Sponsorenlauf

durchgeführt und dabei mehr als 1.800 Euro eingenommen. Das Geld haben

Sie erhalten – für ein Kinderhilfsprojekt in Uganda.

Wir haben in der Schülervertretung darüber diskutiert, wofür das

Geld verwendet werden soll. Ich war dagegen, das Geld für das Afrika-

Projekt zu nehmen. Damit will ich aber gar nichts gegen Ihre Arbeit sagen.

Ich habe aber grundsätzliche Schwierigkeiten, immer wieder Geld für

Afrika zu spenden, weil ich finde, dass dies alles ohnehin nichts nützt.

In Deutschland wird sehr viel Geld für Afrika gesammelt. Verbessert

hat sich die Lage der Menschen dort nicht oder nur wenig. Das liegt

daran, dass es dort immer wieder Krieg gibt. Alles, was mit ausländischer

Hilfe aufgebaut wird, wird in kürzester Zeit durch Waffengewalt wieder

zerstört. Was nutzt es, wenn wir heute Kindern in Uganda helfen und

morgen erfahren müssen, dass diese Kinder als Soldaten verschleppt

werden? Solange es immer wieder Krieg gibt, kann man sich die Projekte

sparen.

Ich finde, dass die Regierungen den größten Teil der Schuld haben.

Die Regierenden geben viel Geld für sich und ihren Luxus aus und

kümmern sich nicht darum, wie es den Armen geht. Wenn wir dorthin noch

Geld schicken, lachen die sich doch ins Fäustchen. Wenn das Ausland für

ihre Bürger sorgt, brauchen die das ja nicht mehr. So helfen wir letztendlich

den Diktatoren.

Zuerst müssen die Menschen in Afrika diese Diktatoren vertreiben

und Demokratie aufbauen. Es darf keine Korruption mehr geben und

es muss eine Politik für die Armen gemacht werden. Dann macht es vielleicht

auch Sinn, vom Ausland aus zu helfen. Solange diese Voraussetzungen

nicht geben sind, nützen unsere Spenden nichts. Sie beruhigen nur

unser Gewissen. Und das finde ich eigentlich peinlich.

Mit freundlichen Grüßen

Sascha R.

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M 16 Afrika-Quiz

Frage 1: Die meisten der ärmsten Länder

(least developed countries) liegen in

A Afrika

B Asien

C Lateinamerika

D Australien

Frage 2: Ordnen Sie bitte diese Länder nach

der Lebenserwartung seiner Bürger (mit der

niedrigsten beginnend): Äthiopien, Deutschland,

Mauritius, Niger

A Äthiopien, Niger, Mauritius, Deutschland

B Niger, Äthiopien, Deutschland, Mauritius

C Niger, Äthiopien, Mauritius, Deutschland

D Mauritius, Niger, Äthiopien, Deutschland

Frage 3: Je ärmer ein Land ist, desto …

A mehr Kinder werden dort geboren

B weniger Kinder werden dort geboren

C häufiger leben die Menschen als Singles

D häufiger wollen die Frauen keine Kinder

haben

Frage 4: Ein Kind in Deutschland hat

statistisch eine Lebenserwartung von gut

78 Jahren. In Afrika südlich der Sahara liegt

die Lebenserwartung bei …

A 41 Jahren

B 46 Jahren

C 52 Jahren

D 66 Jahren

Frage 5: Die Wirtschaft Nigerias lebt vom …

A Fischexport

B Erdölexport

C Baumwollexport

D Uranexport

Frage 6: Was importieren wir aus der

Elfenbeinküste?

A Elfenbein

B Baumwolle

C Kakao

D Tee

Frage 7: Ghana ist bekannt für seine …

A Fischmehlexporte

B Rhababerexporte

C Zitronenexporte

D Kakaoexporte

Frage 8: Die Weltmarktpreise für Rohstoffe

sind in den letzten Jahrzehnten …

A kräftig angestiegen

B leicht angestiegen

C nahezu unverändert geblieben

D deutlich gefallen

Frage 9: Die afrikanischen Länder müssen

für bestimmte Produkte Importzölle bezahlen,

wenn sie diese in die EU einführen

wollen. Für welches dieser Produkte sind die

Importzölle am höchsten?

A Rohkakao

B Kakaopulver

C Kakaobutter

D Schokolade

Frage 10: Die am stärksten von AIDS betroffene

Region ist …

A Lateinamerika

B das Südliche Afrika

C Westeuropa

D die USA

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Frage 11: In Deutschland ist ca. jeder 1 000.

Erwachsene HIV-positiv. In Botswana ist es …

A jeder 4. Erwachsene

B jeder 30. Erwachsene

C jeder 300. Erwachsene

D jeder 3000. Erwachsene

Frage 12: Wangari Maathai erhielt 2004

den Friedensnobelpreis. Sie kommt aus …

A Nigeria

B Südafrika

C Kenia

D Tansania

Frage 13: Koltan ist ein Rohstoff, den man

benötigt für …

A Handys und Prozessoren

B Autos und Motorräder

C Torten und Gebäck

D Kunststoff- und Metallverarbeitung

Frage 14: UNO-Truppen wurden entsandt …

A nach Südafrika

B in den Kongo

C nach Ägypten

D nach Guinea Bissao

Frage 15: Der tägliche Pro-Kopf-Wasserverbrauch

liegt in der Sahelzone bei 30 Litern

In Deutschland beträgt er …

A 3 Liter

B 30 Liter

C 126 Liter

D 1300 Liter

Frage 16: Bei uns wird praktisch jedes

Kind eingeschult. In Afrika dagegen sind es

rund …

A 30 % der Kinder

B 70 % der Kinder

C 90 % der Kinder

D 100 % der Kinder

Frage 17: Laut UNO hat ein großer Teil der

Menschheit noch nie in seinem Leben ein

Telefon bedient. Dies trifft zu auf …

A die Hälfte der Menschheit

(gut 3 Mrd. Menschen)

B ein Viertel der Menschheit

(gut 1,5 Mrd. Menschen)

C ein Zehntel der Menschheit

(gut 600 Mio. Menschen)

D ein Hundertstel der Menschheit

(gut 60 Mio. Menschen)

Frage 18: Dodoma ist die Hauptstadt von …

A Burundi

B Ruanda

C Tansania

D Botswana

Frage 19: Kenias Hauptstadt heißt …

A Kairo

B Kampala

C Nairobi

D Maputo

Frage 20: In Südafrika liegt die Stadt …

A Kapstadt

B Freetown

C Maputo

D Windhoek

Frage 21: Casablanca („Ich seh’ Dir in die Augen,

Kleines“) heißt heute Ad-Dar-el- Beida

und liegt in …

A Marokko

B Tunesien

C Ägypten

D Saudi Arabien

Frage 22: Die ältesten archäologischen

Funde von Menschen fand man in …

A Asien

B Afrika

C Amerika

D Europa

Frage 23: Elefanten gibt es nicht in …

A Südafrika

B Peru

C Kenia

D Indien

Frage 24: Der berühmte „Serengeti-Nationalpark“

liegt in …

A Kenia

B Uganda

C Südafrika

D Tansania

Frage 25: Deutschlands erster schwarzer

Fußballnationalspieler ist …

A R. Tjikuzu

B G. Asamoah

C V. Agali

D S. Branco

Frage 26: Äthiopien hatte bei den letzten

olympischen Spielen hervorragende Erfolge

zu vermelden …

A beim 10 000 Meter-Lauf

B beim 800 Meter-Lauf

C beim Synchronschwimmen

D beim Degenfechten

Frage 27: Zimbabwe stöhnt unter der

Schreckensherrschaft seines Präsidenten …

A Mbeki

B Mugabe

C Mubarak

D Moi

Frage 28: Er ist ein Symbol geworden für

den Kampf gegen Rassismus und Apartheid.

Er war 26 Jahre seines Lebens im Gefängnis.

Er erhielt den Friedensnobelpreis und

wurde der erste schwarze Staatspräsident

Südafrikas.

A Th. Mbeki

B H. Mubarak

C J. Nyerere

D N. Mandela

Frage 29: Seit 1981 ist Mohamed Hosni

Mubarak als Staatspräsident im Amt. Sein

Land ist …

A Marokko

B Ägypten

C Tansania

D Tunesien

Frage 30: Der Zusammenschluss der afrikanischen

Staaten heißt:

A AU – African Union

B OA – Organisation for African Unity

C UA – United Africans

D AAA – All African Association


Gemeinsam für Afrika: DVD für die Schulen

DVD, Tönisvorst 2006. Kostenloser Bezug über

www.gemeinsam-fuer-afrika.de 02 28 / 688 222 77

Beschreibung: Die DVD umfasst u.a. die CD „Panorama

Sudan“ der Don-Bosco-Jugend („Jugend Dritte Welt“)

mit didaktischen Materialien und einer „Rundprojektion“

eines Dorfes, ferner alle bisherigen Unterrichtsmaterialien

von GEMEINSAM FÜR AFRIKA sowie weitere

Texte und Infoquellen.

Misereor: Fragen an Afrika und an uns.

Materialien für die Schule Nr. 39, DIN A4, 136 S., Aachen

2008. Preis: 9.50 €. Bezug: www.eine-welt-shop.de.

Beschreibung: Acht Unterrichtseinheiten mit komprimierten

Informationen, vielen Arbeitsaufträgen und

zahlreichen (86) Arbeitsblättern/Kopiervorlagen stehen

mit diesem Materialienband für den Unterricht in der

Sekundarstufe (Klassen 6 – 12) zur Verfügung. Die Themen

der Einheiten umfassen zentrale Entwicklungsfragen

des afrikanischen Kontinentes: Geografische und

politische Fakten, Hunger, Armut, Desertifikation, Krieg,

Aids, Straßenkinder und Flüchtlinge werden in den

einzelnen Bausteinen inhaltlich dargestellt und erläutert

– und vor allem didaktisch kommentiert. So ergibt

sich eine umfangreiche Sammlung, die sicher nur zu

ausgewählten Teilen im Unterricht umgesetzt werden

kann. Die Texte und Arbeitsaufträge sind zum Teil recht

anspruchsvoll, weshalb diese Schulmaterialien auch in

der Sek. II und in der Erwachsenenbildung Verwendung

finden können.

Kindernothilfe: Kinder in Afrika –

dargestellt am Beispiel Kenia.

Hinweise auf Materialien/Medien für die Schule

Broschüre A4, 32 S., Duisburg 2007. Kostenloser Bezug:

www.kindernothilfe.de ( Material).

Beschreibung: Die Unterrichtseinheit eignet sich für

den fächerübergreifenden Unterricht in Deutsch, Kunst,

Musik und Religion in den Jahrgangsstufen 5 und 6.

Eingebettet in die Frage nach der Gemeinschaft aller

Menschen und nach den Rechten von Kindern bietet sie

authentisches Material, um sich einen Einblick in das

Leben von Kindern in Afrika am Beispiel Kenia zu verschaffen.

Die Unterrichtseinheit besteht aus acht Bausteinen

und einer Sachinformation. Zu den Bausteinen

gehören jeweils Hinweise für den Unterricht mit Lernzielen

und Ideen für die praktische Durchführung sowie

Arbeitsmaterialien wie Arbeitsblätter, Fotos, Lieder

und Geschichten..

BPB: Afrika verstehen lernen.

12 Bausteine für Unterricht und Projekttage. 362 S.

Bonn 2007. Preis: 4,00 €. Bezug: www.bpb.de

(Publikationen Themen und Materialien)

Beschreibung: Die umfangreiche Sammlung „Afrika

verstehen lernen“ ist Teil eines groß-angelegten Projektes

der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB),

das auf eine differenziertere Wahrnehmung des Kontinents

zielt. 12 Einheiten – jeweils mit Grundinformationen

für die Lehrenden, mit Anmerkungen zum Unterrichtsverlauf

und mit Arbeitsmaterialien – bieten

hierzu das notwendige Rüstzeug. Inhaltlich geht es um

grundlegendes Orientierungswissen (I), um das Thema

Aids (III) und um die große Migration (IV), um die Folgen

des Kolonialismus am Beispiel Mali (VI), um Kulturfragen

(XIII), Schulsystem (IX), moderne Informationstechnologien

(XI) und die Bedeutung der Frauen (XII).

Die Sammlung umfasst eine gute Aufarbeitung der

Themen, bietet zahlreiche (farbige) Materialienseiten

zum Einbringen in den Unterricht (Oberstufe) oder die

Erwachsenenbildung. Die „Bemerkungen zum Unterricht“

hätten indes häufig etwas kreativer, konkreter

und abwechslungsreicher ausfallen können.

Trotz dieser Einschränkung ist „Afrika verstehen lernen“

ein guter, wirklich hilfreicher Fundus, für alle, die in

Schule oder EB Afrika zum Thema machen wollen.

Nützliche Internetseiten

˘ www.gemeinsam-fuer-afrika.de

(Bündnis GFA mit allen Angeboten und Aktionsvorschlägen)

˘ www.globalesLernen.de

(Portal zum Globalen Lernen mit Möglichkeiten der

Länderrecherche)

˘ www.eine-welt-unterrichtsmaterialien.de

(Datenbank über aktuelle Unterrichtsmaterialien)

˘ www.inwent.org (Bildung für Entwicklung

Dokumentation & Bibliothek Datenbanken)

˘ www.bpb.de

(Bundeszentrale für politische Bildung, Suchwort

„Afrika“)

˘ www.litprom.de/tellerrand.html

(Afrikanische Literatur im Unterricht)

˘ www.lehrer-online.de/kinderalltag-afrika.php

(UE über Kinderalltag in Afrika für Sek. I)

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