Zucht goes DJIM - IPZV

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Zucht goes DJIM - IPZV

24 DIP 5/10 Ressort Jugend

Zucht goes DJIM

Jungzüchterwettbewerb auf der Deutschen Jugendmeisterschaft

Von Daniela Nase

Erste Schritte eines

Pilotprojekts

Wenn die Zuchtleiterin des ipZV Maria-

Magdalena siepe-Gunkel, renate Wagner

vom Zuchtausschuss und namhafte internationale

und nationale Zuchtrichter wie

Mar lise Grimm, Alex Conrad, Jens Füchtenschnieder

und Annette Braun während

der dJiM an der passbahn stehen und beobachten,

bewerten und diskutieren, dann

muss dort etwas Besonderes passieren.

Man sieht Jugendliche und Junioren, ausgestattet

mit Bewertungsbögen, die in kleinen

Gruppen an der Bahn stehen und angespannt

die vorgestellten pferde beobachten.

Man sieht Alex Conrad, der zwischen den

einzelnen Gruppen hin- und herwieselt und

hört, wie er leise tipps verteilt: „Guckt nicht

so lange auf die Zettel, sondern lange aufs

pferd“ oder „Nehmt immer mal das positive“.

Konzentriert verfolgen auch Marlise

Grimm und Jens Füchtenschnieder die pferde

und machen sich Notizen. Eine prüfung

läuft, das ist klar – aber alles ist irgendwie

anders.

Und tatsächlich findet hier etwas ganz Neu-

es statt: der erste Jungzüchterwettbewerb

läuft und damit hat das thema Zucht auf der

dJiM Einzug gehalten.

Als pilotprojekt ist das Ganze gestartet und

ausgedacht haben sich das dani Gehmacher

und Annette Braun. das Ziel ihres Engagements:

„Wir möchten auch Jugendliche für

das thema Zucht begeistern und damit ein

breiteres Wissen über pferde vermitteln.“

Erweiterung des Verständnisses vom pferd

und Förderung von teamarbeit sind dabei

ganz wichtige Aspekte. die initiative des

ressorts Jugend wurde in enger Zusammenarbeit

mit dem ressort Zucht vorbereitet

und durch die ressorts sport, Ausbildung

und Freizeit unterstützt.

ALLE Fotos: ChristophEr sChoFiELd


Beurteilung gerittener

Pferde

Aber nun zurück zur passbahn. Was

hier stattfindet, ist ein teil des Jungzüchterwettbewerbs

für Fortgeschrittene:

die Beurteilung gerittener pferde.

Um zu zeigen, worauf es bei der

Bewertung ankommt, richten Marlise

Grimm und Jens Füchtenschnieder zuerst

ein pferd exemplarisch offen. das

ist ausnehmend lehrreich, nicht nur für

die teilnehmer, sondern auch für die

Zuschauer der prüfung. danach wird

es ernst. schlag auf schlag werden

pferde in den verschiedenen Gangarten

vorgestellt. sie sind gut ausgewählt.

Man sieht alles, vom supertölter

bis zum schweinepasser.

die Jugendlichen müssen nicht nur eine

Note finden, sondern vor allem eine

passende Beschreibung abgeben. da

hört man auch nette sätze wie:

„schreib: icelandic style“. Während die

ersten pferde immer eine ausgewählte

Gangart zeigen, wird es am schluss

noch mal richtig schwierig, als zwei

reiter exemplarisch eine ganze FiZo

prüfung reiten. da wird dann in den

Gruppen auch darüber diskutiert, ob

das jetzt schon starkes tempo tölt war

oder nicht. Eine Frage, die sich sicherlich

auch Zuchtrichter manchmal bei

prüfungen stellen... Während die Jugendlichen

in Zweier- und dreiergruppen

beratschlagen und diskutieren,

richten parallel auch Marlise Grimm

und Jens Füchtenschnieder alle vorgestellten

pferde, denn im Anschluss

werden sie ihre Beurteilung mit der der

teilnehmer abgleichen und bewerten.

so viel sei schon mal vorweg genommen:

die beiden waren beeindruckt

davon, wie fachkundig die Jugend -

lichen die pferde beurteilt haben.

Gebäudebeurteilung

insgesamt müssen die Fortgeschrittenen

vier Aufgabenteile erfüllen und einer

der schwierigsten ist wohl die Gebäudebeurteilung.

in kurzer Zeit sollen

Kopf, hals, Widerrist, schulter, rückenlinie,

Kruppe, proportionen, Gliedmaßen,

stellung, hufe, Mähne und

schweif von fünf sehr unterschiedlichen

pferden begutachtet und bewertet

werden. Kritisch werden die tiere

betrachtet: „Findest du wirklich, dass

das durchschnitt ist? Also ich finde,

die Kruppe ist zu flach.“ Über dem diskutieren

und Abwägen wird die Zeit

zum Formulieren der Kommentare oft

ziemlich knapp. dann muss auch mal

ein Kurzkommentar zu proportionen

wie „passt soweit“ reichen, über den

die beiden richter bei der anschließenden

Auswertung herzlich lachen.

im Ergebnis gibt es bei einzelnen pferden

eine erstaunliche Übereinstimmung

zwischen den Urteilen der richter

und der teilnehmer. Jens Füch-


26 DIP 5/10 Ressort Jugend

tenschnieder fasst es so zusammen: „hässliche

bewerten können sie gut, aber schöne

nicht. Aber das ist normal, weil man erst

einmal sieht, was nicht gut ist. das positive

ist schwer zu sehen und erfordert viel

Übung.“

Theorieprüfung

Von der Gebäudebeurteilung geht es direkt

weiter zur theorieklausur. Margit paustian

und horst hilzensauer haben vor der dJiM

das E-Learning durchgeführt, das Lernmaterial

wurde also vorab per internet verschickt.

die teilnehmer haben sich dann

selbständig vorbereitet. Fragen wie „Was

versteht man unter dem Begriff ‚interieur’ in

der ipo-Jungpferdematerialprüfung?“, „Wie

viele Aufnahmen des sprunggelenks werden

beim spatröntgen gemacht?“ oder

„Was bedeutet der Begriff ‚rezessiv’ in der

Vererbung?“ beantworten die meisten feh-

lerfrei. das Ergebnis kann sich sehen lassen:

75% bis 95% richtige Antworten in den

Klausuren.

Vorstellen der Pferde

Vierter und letzter Aufgabenteil ist das Vorstellen

eines pferdes. Was in den seminaren

vor der dJiM geübt wurde, kommt jetzt

zum Einsatz: die pferde werden vor den

richtern aufgestellt, freilaufen gelassen und

zur Beurteilung der stellung an der hand

vorgeführt. Am schluss müssen die teilnehmer

noch erläutern, warum sie ihre pferde

auf eine ganz bestimmte Art aufgestellt und

getrieben haben. Beeindruckend ist dabei,

wie durchdacht die Jugendlichen handeln. Es

wird nicht einfach planlos getrieben, sondern

handwechsel und tempounterschiede

werden bewusst eingesetzt, um stärken der

jeweiligen pferde herauszuarbeiten. Marlise

Grimm ist beeindruckt, wie „gut, mutig,

ernsthaft und kameradschaftlich“ die teilnehmer

agieren.

den Wettbewerb der Fortgeschrittenen gewinnt

schließlich das team aus svenja

Braun (Baden-Württemberg), Lukas hiesinger

(hessen) und Nadine hahn (hessen).

sie sind damit auch deutsche Meister in

dieser prüfung.

Jungzüchterwettbewerb für

Einsteiger

im schnitt deutlich jünger sind die teilnehmer

des Jungzüchterwettbewerbs für Einsteiger.

ihre Aufgabe ist es, ein pferd ähnlich

einer FiZo Jungpferdeprüfung vorzustellen

und dazu noch einige theoretische Fragen zu

beantworten.

tiptop sauber die pferde und schick und ordentlich

die teams. der erste Eindruck lässt

hoffen. Nach einer kurzen Vorstellung geht

es an einen kniffligen teil der prüfung: das

Freilaufen lassen. schnell zeigt sich, welche

teams gut eingespielt sind, wo die Absprachen

funktionieren und sich die pferde dann

entsprechend energievoll, aber nicht hektisch

präsentieren. Und – ganz nebenbei –

auch nicht die beiden richter umrennen.

das schätzen Marlise Grimm und Jens Füchtenschnieder

sehr.

Zur Gebäudebeurteilung muss das pferd als

nächstes vor den richtern aufgestellt wer-


den und dabei gibt es viel zu beachten: Bitte

nicht zu nah an den richtern, offen zum Betrachter,

natürlich aufgestellt in einer Form,

die an das Gebäude angepasst ist und dabei

noch still und aufmerksam. Vor allem die

Feinjustierung kostet Mühe und manches

pferd macht den gerade erreichten Erfolg

mit einem einzigen schritt nach vorne wieder

zunichte. schön zu beobachten, dass die

richter auch immer wieder kleine tipps am

rande geben. steht das pferd nicht offen

zum Betrachter, zeigt Jens Füchtenschnieder,

wie man die position durch rückwärts

richten viel leichter erreichen kann als durch

vorwärts ziehen.

Fein abgestimmtes teamwork wollen die

beiden richter beim Vorstellen an der hand

sehen. Unterstützt der treiber den Führer

und erkennt er, ob er zu viel druck macht

oder das pferd zu wenig energisch treibt?

schafft das team es, das pferd auf einer

wirklich geraden Linie zu führen und hält der

Führer auch genug distanz zum pferd? im

detail ist das alles viel schwieriger, als es

von außen betrachtet aussieht.

Zum schluss testen Marlise Grimm und

Jens Füchtenschnieder noch das theoretische

Grundwissen und nehmen dabei auch

Bezug auf das, was ihnen vorher präsentiert

wurde. War das pferd beim Aufstellen eben

eher gelangweilt, dann wird gefragt, wie

man ein aufmerksameres Vorstellen erreicht.

Und natürlich gehören auch Fragen

zum Körperbau dazu – Basiswissen für die

Zucht also.

Einige der teams treten zur prüfung schon

in den neuen, grünen poloshirts des „teams

Junge Züchter ipZV“ an, die auch gleich zu

Marlises Lieblingsoutfit avancieren. Gut erdacht,

danny Greis!

Am schluss siegen bei den Einsteigern Josje

Bahl und Yvonne Mangels (beide Baden-

Württemberg),

die sieger und platzierten beider Wettbewerbe

freuten sich nicht nur über das Lob

der beiden richter, sondern auch über die

vielen, großzügig von sponsoren gestifteten

preise, wie decksprünge namhafter hengste,

teilnahme an Zucht- und reitlehrgängen

und sachpreise wie Vorführzäume, overalls

und Bücher. Einen ganz besonderen preis

erhielten die Gewinner der Fortgeschritte-

Der neue BÖCKMANN für Isy Rider.

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nen-prüfung: der Wiesenhof zeichnete sie

mit dem Bruno-podlech-preis aus.

Nicht nur die Gewinner der prüfungen konnten

sich am Ende über den gelungenen Auftakt

dieser neuen prüfung freuen. Auch dani

Gehmacher und Annette Braun erhielten

viel Lob von der an der passbahn versammelten

Elite aus dem Bereich Zucht. das pilotprojekt

„team Junge Züchter ipZV“ ist

nicht nur eine wirklich gute neue idee, deren

Fortführung sich lohnt, sondern der erste

testlauf auf der dJiM ist, wie Marlise

Grimm es ausdrückte, „annähernd perfekt“

verlaufen.

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