Karlheinz Stockhausen zum 80. „Einen besseren Weg konnten wir ...

mwkkoeln

Karlheinz Stockhausen zum 80. „Einen besseren Weg konnten wir ...

DAS MAGAZIN 04

SEP / OKT 2008

Karlheinz Stockhausen zum 80.

„La Fura dels Baus“ inszeniert Stockhausens „Michaels Reise“

„Einen besseren Weg konnten wir nicht gehen“

Günter Pichler über das Alban Berg Quartett, Köln und die Kammermusik

Konzertantes Musiktheater

Susanna Mälkki dirigiert das Ensemble intercontemporain

Marco Blaauw als Michael in „Michaels Reise“


EDITORIAL

Ausgabe 04/2008 September/Oktober

Liebe Besucherinnen und Besucher,

liebe Freundinnen und Freunde der Kölner Philharmonie,

ich heiße Sie herzlich willkommen zur neuen Spielzeit in der Kölner

Philharmonie und freue mich, Ihnen ein komplett neues Magazin

präsentieren zu dürfen. Der große Zuspruch, den wir mit unserer

Publikation „persönlich“ in den vergangenen Jahren erfahren haben,

hat uns dazu ermuntert, unsere Bemühungen zu intensivieren und

noch umfassender über die Konzerte der KölnMusik zu berichten.

Größerer Umfang, vielfältigere Berichte, der Blick vor und hinter die

Kulissen, Interviews, kurze Meldungen und hilfreiche Tipps rund um

den Konzertsaal informieren sowohl die Leser, die mehr über „ihr“

Konzerthaus erfahren möchten, als auch diejenigen, die die Kölner

Philharmonie noch nie besucht haben.

Die Kölner Philharmonie – wiewohl sie auch im Sommer niemals

schließt, sondern mit dem Kölner Sommerfestival ein buntes Programm bietet –,

nimmt bereits am 16. August ihren regulären Betrieb auf, um Ihnen einen fulminaten

Start in den musikalischen Herbst zu bereiten: Am 16. August lockt das

West-Eastern Divan Orchestra, das unter der Leitung von Daniel Barenboim ein

festspielwürdiges Konzert bereiten wird. Am 22. August wäre Karlheinz Stockhausen

80 Jahre alt geworden, und aus diesem Anlass werden zwischen dem 21. und

dem 31. August wichtige Kölner Künstler, Ensembles und Institutionen diesen

weltberühmten Tonkünstler feiern. Allein in der Kölner Philharmonie werden drei

Veranstaltungen stattfinden: Das Gürzenich-Orchester Köln spielt am 21. August

bei einem der kostenlosen PhilharmonieLunch-Konzerte Stockhausens „Punkte“,

und gewiss als Höhepunkt wird am 25. und 26. August mit „Michaels Reise“ in einer

Inszenierung von Carlus Padrissa von der katalanischen Theatergruppe „La Fura dels

Baus“ ein zentraler Teil von Stockhausens Monumentalwerk „Licht“ bei uns szenisch

zu erleben sein. Filme, Uraufführungen Stockhausen’scher Werke aber auch Kompositionen,

die durch ihn inspiriert wurden sowie ein umfangreiches Radioprogramm

erinnern an einen kreativen Geist, der zur Symbolfigur der Avantgarde wurde.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten mehr über die Konzerte im September und

Oktober mit Dirigenten wie Sir John Eliot Gardiner, Susanna Mälkki sowie Gustavo

Dudamel und erfahren Sie mehr über „Rising Star“ Matthias Schriefl, über Katia und

Marielle Labèque, das Mahler Chamber Orchestra und viele mehr.

Freuen Sie sich mit uns auf eine vielversprechende Saison.

Ihr

Louwrens Langevoort

Intendant


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Karlheinz Stockhausens „Michaels Reise“

szenisch in der Kölner Philharmonie

Günter Pichler

im Gespräch

Susanna Mälkki

im Porträt

Tamara Stefanovich

Solo pur!

TITELTHEMA

Der Beginn einer langen Reise

Die Kölner Philharmonie ehrt Karlheinz Stockhausen zu seinem 80.

Geburtstag mit der szenischen Realisierung von „Michaels Reise“,

einem Teil seines Monumentalwerkes „Licht“. Carlus Padrissa von

der katalanischen Theatergruppe „La Fura dels Baus“ inszenierte

dieses denkwürdige Werk.

Seite 6

IM GESPRÄCH

Die Kammermusik aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Nachdem sich das Quartett aus dem Musikgeschehen verabschiedet

hat, ist für Günter Pichler noch lange nicht Schluss. Der Gründer

spricht über seine Zeit mit dem Alban Berg Quartett, Köln und

die Kammermusik. Ein Ausblick auf das Kammermusikprogramm

der Kölner Philharmonie.

Seite 18

PORTRÄT

„Ich wollte selbst gestalten.“

Die finnische Dirigentin leitet das Ensemble intercontemporain im

ersten Konzert der Reihe „Konzertant“. Auf dem Programm steht

u. a. Michael Jarrells Monodram „Cassandre“.

Seite 55

VOR 20 JAHREN

Musik und Maschine

Conlon Nancarrows „Studies für Player Piano“ entfachten im Oktober

1988 in der Kölner Philharmonie einen Sturm der Begeisterung.

Ein erinnerungswürdiges Ereignis.

Seite 60

MELDUNGEN

15 Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra

37 Tamara Stefanovich: Solo pur!

Andy Warhols „Chelsea Girls“

Spannendes Jazz-Debut

47 PhilharmonieLunch: Erfolgskonzept wird fortgesetzt

Tag der offenen Tür: 24. August

57 Hommage à Olivier Messiaen

Dudamel am Pult der Göteborger Sinfoniker

58 Paul McCartneys „Ecce Cor Meum“

Das Gürzenich-Orchester Köln bei den BBC Proms

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26

Die Klavier-Schwestern

Katia und Marielle Labèque

Prégardien

singt Schubert

50

Elbipolis

Märchenhaftes Kinderkonzert

ÜBERBLICK

„Rising Star“

Matthias Schriefl 44

Daniel Harding

und das MCO

6 Der Beginn einer langen Reise

„Michaels Reise“ aus Karlheinz Stockhausens „Licht“

10 Vergessene Innovationen

Das Ensemble Baroque des Limoges

12 Das Ende der Zeit

Ein Konzert mit Messiaen und Larcher

14 Die Grenzen der Welt überwinden

Louwrens Langevoort über Jugendorchester

16 Was liebte eigentlich Brahms?

Sir John Elliot Gardiner dirigiert Brahms‘ dritte Sinfonie

18 Die Kammermusik aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Günter Pichler über Kammermusik

22 Skrupellos und doch charmant

Die Canzonisten sind den Versen auf den Fersen

24 Spanische Seelenschwingungen

Die Klavier-Schwestern Labèque und Mayte Martín

26 (k)ein Affentanz

Ein märchenhaftes Kinderkonzert mit dem Ensemble Elbipolis

27 Hiergeblieben!

Angebote für Nicht-Urlauber

28 Rätsel: Universeller Tonkünstler gesucht

29 Monats-Folder: Alle Termine von August bis Oktober

38 Die letzten Blüten seiner edlen Kraft

Christoph Prégardien mit Schuberts „Schwanengesang“

40 „Comment dire ... ?“

Ein Poesie-Konzert mit unerwarteter Reichweite

42 Irgendwann kommt der Tag ...

SechserHeft und PhilClub für Jugendliche

44 Spaß am Jazz

„Rising Star“ Matthias Schriefl

48 Kurz: KBB

Wolf Geuer ist Mitarbeiter im Künstlerischen Betriebsbüro

50 Wenn eine Ära vorauszusehen ist

Das Mahler Chamber Orchestra unter Daniel Harding

52 Marktplatz DAS MAGAZIN im Abo – Exklusiv für Abonnenten

Neu im Vorverkauf – Tipps

55 „Ich wollte selbst gestalten.“

Susanna Mälkki leitet das Ensemble intercontemporain

60 Am 15. Oktober 1988 in der Kölner Philharmonie

Musik und Maschine

62 Infos zum Kartenkauf – Impressum – Bildnachweis


Unerhörtes hörbar machen

und immer wieder Tore zu neuen

Räumen aufstoßen.

TITELTHEMA

Der Beginn

einer langen Reise

„Michaels Reise“ aus Karlheinz Stockhausens „Licht“

Die Kölner Philharmonie wird sich am 25.

und 26. August in eine Opernbühne verwandeln;

eine spektakuläre szenische Aufführung

von Michaels Reise aus dem monumentalen

Opernzyklus „Licht“ von Karlheinz Stockhausen

steht auf dem Programm. Eine Veranstaltung

anlässlich des 80. Geburtstages des

Komponisten.

Stockhausen war in der Szene der Neuen Musik

seit den 1950er Jahren der „Avantgardist

vom Dienst“: Das Unerhörte hörbar zu machen,

das Unmögliche zu realisieren, immer

wieder das Tor zu neuen Räumen aufzustoßen,

sich neuen Herausforderungen zu stellen,

betrachtete er als seine Lebensaufgabe,

bis zuletzt. Deshalb eignet seiner Musik ein

Zug ins Große, ins Großartige. Immer denselben

Kleingarten zu beackern, an einem einmal

gefundenen Muster weiterzustricken, das

lag ihm nicht. Damit hat er Musiker und Hörer

verschreckt, die in der Musik lediglich dem

Geist vergangener Zeiten begegnen wollten;

damit hat er aber auch viele begeistert, die in

der Kunst die Gegenwart unsere Lebenswelt

reflektiert sehen wollen. Stockhausen wid-

mete eines seiner Hauptwerke („Sirius“) „den

Pionieren der Erde und des Weltraums“ – er

hat sich selbst und alle, die sich intensiv mit

seiner Musik befassen, in dieser Rolle gesehen.

Heute, im Blick auf das vollendete Werk,

ist dieser Pioniergeist immer noch deutlich zu

spüren; zugleich wird aber immer hörbarer,

daß hier einfach schöne Musik erklingt, die

unmittelbar den Hörer zu ergreifen, zu bewegen

vermag.

Wahrhaft groß gedacht ist vor allem Stockhausens

Opernzyklus „Licht“, ein Kranz von

sieben Opern über die Tage der Woche, von

„Montag“ bis „Sonntag“, 29 Stunden Musik,

an denen der Komponist über 25 Jahre gearbeitet

hat. Die Zeitreise durch die Woche, welche

der Zyklus unternimmt, ist zugleich eine

Reise durch die zentralen Lebensthemen, mit

denen jeder Mensch sich auseinandersetzen,

in denen er sich bewähren muss – jedem Tag

ist ein solches Grundthema zugeordnet, das

Stockhausen den Traditionen entnimmt, die

mit den Namen der Wochentage verbunden

sind: Dienstag als Tag von Krieg und Konflikt,

Sonntag als Tag des Gotteslobes etc. In diesen

Aufgaben-Feldern für das menschliche Leben

bewegen sich drei Hauptgestalten aus der

jüdisch-christlichen Tradition: Michael, der

Erzengel, der Mensch wird, um die Menschheit

zu Gott zu führen; Eva als Repräsentatin

himmlischer und irdischer Liebe; und Luzifer,

der gefallene Engel, als Widersacher. „Licht“ ist

ein kosmisches Welttheater. Stockhausen will

kein esoterisches Kunstprodukt auf die Bühne

stellen, sondern vermittelt den Hörern eine

Botschaft: Hier wird Dein Leben verhandelt.

Der Zyklus gehört in die Reihe der großen Bekenntniswerke

der Geistesgeschichte, wie die

„Göttliche Komödie“, wie „Faust“, wie Claudels

„Seidener Schuh“.

Ein solches Werk stellt höchste Ansprüche,

wenn man es auf die Bühne bringen will. Deshalb

ist der Zyklus noch nie komplett aufgeführt

worden; zwei seiner Opern, „Mittwoch“

und „Sonntag“, warten gar noch auf ihre Uraufführung.

In Köln kann man nun mit „Michaels

Reise um die Erde“ den 2. Akt des „Donnerstag“

erleben. Dieser Operntag ist in „Licht“

der Michaels-Tag; nachdem der 1. Akt erzählt

hat, wie Michael als Mensch gewordener


In sieben Stationen von Köln aus

um die ganze Welt – bis schließlich

nach Jerusalem.

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Engel aufwächst, der Liebe begegnet und als

Musiker ausgebildet wird, schildert „Michaels

Reise“ sein Wirken auf der Erde und, in der Begegnung

mit Eva, seinen Aufstieg in den Himmel.

Die Reise, die Michael unternimmt, führt

ihn in sieben Stationen von Köln aus um die

ganze Welt, bis schließlich nach Jerusalem.

Stockhausen hat diesen sieben Stationen

die sieben Tage des Gesamtzyklus mit ihren

Themen zugeordnet, die jeweils kurz aufscheinen;

so ist „Michaels Reise“ eine hervorragende

Einführung in das Werk als Ganzes.

Das Besondere an diesem Opernakt ist, dass

er ohne Sänger auskommt – es werden fast

keine Worte gesprochen. Alle Gestalten stehen

als Instrumentalisten auf der Bühne: Michael

als Trompeter, Eva als Bassetthornspielerin,

Luzifer als Posaunist oder Tubaspieler.

Dennoch erlebt man Oper und nicht nur ein

Trompetenkonzert, denn die Musik ist in sich

selber bildkräftig, szenisch gestaltet; sie ruft

danach, lebendig auf die Bühne gebracht zu

werden. Ein spanisches Regie-Team um den

Regisseur Carlus Padrissa, das mit der katalanischen

Theatertruppe „La Fura dels Baus“ verbunden

ist, hat sich dieser Aufgabe angenommen,

mit großen Bühnenmaschinen, einer

rasanten Bewegungsregie und aufregenden

Videoprojektionen. Es ging dem Team darum,

das 30 Jahre alte Werk in der Theatersprache

von heute zu realisieren, um so, ganz im Sinne

Stockhausens, neue Räume zu eröffnen. Die

Produktion hatte bei den Wiener Festwochen

im Mai Premiere; dort zeigte sich, daß

das Visionäre und groß Gedachte von Stockhausens

Werk sich mühelos erschließt, wenn

das Bühnengeschehen von Theatermachern

gestaltet wird, die das Erstaunliche auf die

Bühne bringen wollen. Aber: Nicht nur das

Kraftvolle, manchmal auch Überrumpelnde

der Tonsprache Stockhausens soll dabei zu

ihrem Recht kommen, sondern ebenso das

Heitere, das Zärtliche und Intime – das ist der

Anspruch, dem dieser ungewöhnliche Musiktheaterabend

sich stellt. Er sollte ein Geschenk

zu Stockhausens 80. Geburtstag am

22. August 2008 sein; schade, dass der Meister,

der am 5. Dezember 2007 plötzlich starb,

nicht mehr erleben konnte, wie sein Werk eine

neue Generation von Künstlern und Musikern

inspiriert und den Weg zu den Hörern findet.

Thomas Ulrich

Karlheinz Stockhausen

in der Kölner Philharmonie, 1998

Konzerttermine

1) 2)

25.08.2008 Montag 20:00

26.08.2008 Dienstag 20:00 2)

jeweils 19:00 Einführung in das Konzert

durch Thomas Ulrich

Marco Blaauw Trompete (Michael)

Nicola Jürgensen Bassetthorn (Eva)

musikFabrik

Peter Rundel Dirigent

Carlus Padrissa (La Fura dels Baus) Inszenierung

Roland Olbeter Bühne

Franc Aleu Video

Thomas Ulrich Dramaturgie

Frank Sobotta Licht

Paul Jeukendrup Klangregie

Karlheinz Stockhausen MICHAELs REISE

DONNERSTAGS-GRUSS

MICHAELs REISE UM DIE ERDE

DONNERSTAGS-ABSCHIED

aus: „DONNERSTAG“ aus „LICHT“

Oper für 14 musikalische Darsteller, Chor, Orchester

und Tonbänder

Szenische Realisierung einer Produktion der

Wiener Taschenoper in Zusammenarbeit mit den

Wiener Festwochen, koproduziert von KölnMusik

und musikFabrik. Gefördert durch das Land

Nordrhein-Westfalen – der Ministerpräsident des

Landes Nordrhein-Westfalen.

Gefördert durch die Kunststiftung NRW.

Veranstaltet im Rahmen von

Karlheinz Stockhausen 80“

1) öffentliche Generalprobe

2) TV-Aufzeichnung

€ 25,–

Weitere Termine

Das Begleitprogramm der KölnMusik im Rahmen von

Karlheinz Stockhausen 80“

27.08.2008 Mittwoch 12:30–15:00

Ausstellung im Foyer der Kölner Philharmonie

Mehr Licht geht nicht!

Der Mensch und Künstler Karlheinz Stockhausen

Eintritt frei

Eine Ausstellung der KölnMusik

Im Filmforum, Bischofsgartenstraße 1, 50667 Köln:

28.08.2008 Donnerstag 12:30

HELIKOPTER-STREICHQUARTETT

Dokumentation (Kurzfassung)

Eintritt frei

Im Rahmen von PhilharmonieLunch.

PhilharmonieLunch wird von der KölnMusik

gemeinsam mit dem WDR Sinfonieorchester Köln

und dem Gürzenich-Orchester Köln ermöglicht.

Medienpartner Kölnische Rundschau.

29.08.2008 Freitag 20:00

In Absentia – Animations- und Spielfilm, 20 Min.

Großbritannien 2000.

Regie: Quay Brothers. Musik: Karlheinz Stockhausen

Experimente – Kunstfilm, 16 Min. USA 1998.

Regie: Mary Bauermeister

EXAMEN – Dokumentation, 38 Min.

Regie: José Montes-Bacquer.

Musik und Klangregie: Karlheinz Stockhausen

€ 6,50 / € 6,– (Karten an der Kinokasse)

KölnMusik gemeinsam mit KinoGesellschaft Köln.

Mit freundlicher Unterstützung des

Westdeutschen Rundfunks.

30.08.2008 Samstag 20:00

Avantgarde der Töne: MODULATIONS

Dokumentation über die Geschichte der

elektronischen Musik, 75 Min. USA 1998.

Regie: Iara Lee. Musik: Karlheinz Stockhausen

€ 6,50 / € 6,– (Karten an der Kinokasse)

KölnMusik gemeinsam mit KinoGesellschaft Köln

31.08.2008 Sonntag 15:00

HELIKOPTER-STREICHQUARTETT

Dokumentation, OmU, Niederlande 1995, 75 Min.

Regie: Frank Scheffer. Musik: Karlheinz Stockhausen.

€ 6,50 / € 6,– € (Karten an der Kinokasse)

KölnMusik gemeinsam mit KinoGesellschaft Köln

Die Termine anderer Veranstalter

21.082008 Donnerstag 12:30

Kölner Philharmonie

Gürzenich-Orchester Köln

22.08.2008 Freitag ab 19:30

WDR Funkhaus Wallrafplatz

Radiotag auf WDR 3

Westdeutscher Rundfunk

23.08.2008 Samstag ab 16:00

Kölnischer Kunstverein

Kölner Gesellschaft für Neue Musik

24.08.2008 Sonntag 20:00

Kunst-Station Sankt Peter

31.08.2008 Sonntag 20:00

WDR Funkhaus Wallrafplatz

musikFabrik


Vergessene

Innovationen

Zwei besondere Instrumente im

Konzert des Ensemble Baroque des Limoges

Konzerttermin

07.09.2008 Sonntag 16:00

Matthias Loibner Lyra

Thierry Nouat Lyra

Ensemble Baroque de Limoges

Christophe Coin Leitung, Violoncello und Baryton

Joseph Haydn Konzert für zwei Lyren

und Orchester G-Dur Hob. VIIh:3

Divertimento für zwei Klarinetten

und Orchester C-Dur Hob. II:17

Notturno für zwei Lyren

und Orchester F-Dur Hob. II:26

Divertimento für Baryton

und Orchester D-Dur Hob. X:10

Alexandre Pierre François Boëly

Sestetto D-Dur

nach einer Symphonie von A. P. F. Boëly

KölnMusik

w 10,– 12,– 16,– 21,– 27,– 32,–

w 21,– Chorempore (Z)

Im Abo sparen Sie bis zu 25 %!

Dieses Konzert ist auch Teil eines Abonnements.

Weitere Informationen unter

0221-20408-160 oder -150 und im Internet.

Wir leben in einer Epoche des technischen

Fortschritts – sollte man meinen. Für Musikinstrumente

im Konzertbetrieb stimmt das,

sieht man vom Bereich der elektronischen

Musik ab, leider nicht. Kaum eines wurde in

den letzten 100 Jahren wesentlich weiterentwickelt

oder wenn, gar neu erfunden. Wirklich

innovativ waren die Instrumentenbauer dagegen

im 18. und frühen 19. Jahrhundert.

Die Instrumentenbauer des 18. und frühen 19.

Jahrhunderts entwickelten beispielsweise das

Hammerklavier, schenkten den Blechbläsern

die Ventile und den Holzbläsern immer ausgefeiltere

Klappenmechaniken. Doch neben

diesen bahnbrechenden Neuerungen gab

es natürlich auch allerlei kühne Experimente,

die keinen dauerhaften Erfolg hatten. Instrumente,

die bald wieder ausstarben, weil sie zu

kompliziert waren oder einem veränderten

Klangideal nicht mehr entsprachen. Zwei von

ihnen sind im Konzert mit dem Ensemble

Baroque de Limoges am 7. September in der

Kölner Philharmonie zu erleben.

Das bekanntere der beiden ist wohl das Baryton.

Dass es nicht völlig in Vergessenheit geriet,

verdankt es fast ausschließlich zwei Männern:

Zum einen Fürst Nikolaus Esterhazy, der

ein begeisterter Barytonspieler war. Und zum

anderen Joseph Haydn, der die Musizierwut

des Fürsten mit immer neuen Werken zu befriedigen

hatte. Weil er diese Pflicht anfangs

vernachlässigte, holte er sich 1765 einen

schweren Rüffel ab: „Endlich wird ihme Capel-

Meister Haydn bestermaßen anbefohlen, Sich

selbst embsiger als bisher auf die Composition

zu legen, und besonders solche stücke die

man auf der Gamba [gemeint ist das Baryton]

spiellen mag, und wovon Wir noch sehr wenige

gesehen haben, zu componieren.“ In den

nächsten zehn Jahren schrieb Haydn allein

126 Trios mit Baryton, dazu Duette, Quintette,

Oktette, Konzerte und mehr.

Doch was ist nun eigentlich ein Baryton? Im

Grunde eine Tenorgambe, allerdings mit einigen

wichtigen baulichen Veränderungen.

Denn das Instrument ist nicht, wie die Gambe,

nur mit den üblichen sechs bis sieben

Darmsaiten zum Streichen bespannt. In einer

Höhlung an der Rückseite des sehr breiten

Halses befinden sich auch noch zahlreiche

Metallsaiten. Sie haben zwei Funktionen: Erstens

werden sie durch die Darmsaiten zum

Mitschwingen angeregt, was dem Instrument

einen scharfen, obertonreichen Klang gibt,

der es sehr gut von den Begleitinstrumenten

absetzt. Und zweitens können die Metallsai-

ten mit dem Daumen der linken Hand gezupft werden – wie eine versteckte

kleine Harfe.

Ein noch weitaus seltsameres (und selteneres) Misch-Instrument ist

die „Lira organizzata“ oder „Orgelleier“. Sie ist eine Weiterentwicklung

der Drehleier, deren Tonerzeugung ja ohnehin schon recht kompliziert

abläuft: Anders als auf der Geige werden die Saiten nämlich nicht mit

den Fingern, sondern mit einer Tastenmechanik niedergedrückt. Gestrichen

wird nicht einfach mit dem Bogen, sondern mit eine kurbelbetriebenen

Rad. Und als wäre das nicht verzwickt genug, kreuzten

die genialen Mechaniker des 18. Jahrhunderts diese Leier nun mit der

Orgel: Sie bauten Pfeifen an, deren Ventile synchron mit den Saiten

über die Tasten bedient wurden, dazu einen Blasebalg, den (wie das

Rad) die Kurbel in Gang setzte. So entstand ein reizvoller Mixturklang.

Auch an die Lira organizzata würde sich heute wohl niemand mehr

erinnern, wäre da nicht ein höchst adeliger und solventer Liebhaber

dieses Instruments gewesen: Ferdinand IV., König von Neapel, spielte

es gerne gemeinsam mit seinem Lehrer, dem österreichischen Legationssekretär

Norbert Hadrava. Komponisten wie Johan Franz Xaver

Sterkel, Ignaz Pleyel, Adalbert Gyrowetz und Joseph Haydn lieferten

den beiden in den 1780er und 1790er Jahren viele Auftragswerke für

zwei Orgelleiern. Unter diesen Stücken sind vor allem Haydns Konzerte

und Notturni musikalisch derart reizvoll, dass man sie später oft

in Bearbeitungen (etwa für Querflöte und Oboe) spielte – so wie ja

auch die Baryton-Trios in Streichtrio-Fassungen bekannt wurden. Im

Originalklang waren sie allerdings zwei Jahrhunderte lang nicht zu hören:

Spielfähige Orgelleiern konnten erst vor wenigen Jahren wieder

nachgebaut werden. Jürgen Ostmann


„Komponieren ist für mich

ein Rückzug ins eigene Ich.“

Thomas Larcher

Das Ende d er Zeit

Matthias Goerne, Martin Fröst, Viviane Hagner, Matth ew Barley und Thomas Larcher spielen Messiaen und Larcher

Das eigene Ich zu erkunden und dabei neue Wege zu gehen ist das

erklärte Ziel des 1963 in Tirol geborenen Thomas Larcher, der nicht nur

als Komponist, sondern auch als Klaviersolist und Leiter eines Musikfestivals

in Davos tätig ist.

„Wie geht es Ihnen mit einer solchen Dreifachbelastung?“, wurde Thomas

Larcher in einem Interview gefragt. „Als Pianist habe ich durchaus

am meisten zu tun. Was das Festival betrifft, kann ich vieles an kompetente

Mitarbeiter delegieren. Zum Komponieren komme ich in den

verbleibenden Lücken, und das ist für mich ein Rückzug ins eigene Ich.“

Thomas Larcher versteht das Komponieren als beständiges Erforschen.

„Das geht von tonal bis zu ganz experimentellen Dingen. Zum Beispiel

versuche ich, Techno- oder Sampling-Erfahrungen wieder zurück auf

ein natürliches Instrument, das Klavier zu verlagern. Rhythmische Impulsivität

spielt für mich fast immer eine große Rolle.“ Die kompositorische

Arbeit bezieht Thomas Larcher als kritischer Beobachter des

Zeitgeschehens gerne auf „Verdautes und Unverdautes“ in seiner Umgebung.

„Musik betrachte ich aber nicht als gesellschaftsverändernd,

jedoch als wesentliche Äußerung – bewusst oder unbewusst –, um

Strömungen unserer Zeit mitzutragen, zu reflektieren oder in Frage zu

stellen.“

Die musikalischen Sichtweisen und die verwendeten Stilmittel wechseln

nach seiner Aussage von Werk zu Werk. In der Uraufführung seines

neuen kammermusikalischen Werks wird Thomas Larcher den

Klavierpart übernehmen. Zum Instrumental-Ensemble gehört der junge

schwedische Klarinetten-Virtuose Martin Fröst. Er gilt als einer der

interessantesten und wagemutigsten Instrumentalisten der Gegenwart.

Martin Frösts Ehrgeiz, stets neue Aspekte seiner musikalischen

Kreativität zu erforschen, ist eine große Inspiration für viele zeitgenössische

Komponisten wie für Krzysztof Penderecki, dessen Konzert für

drei Klarinetten Fröst uraufführte. Den Violinpart wird Viviane Hagner

übernehmen, deren Kunst einst von der „Washington Post“ als „künstlerische

Darstellung von geradezu beängstigender Meisterschaft“

beschrieben wurde. Der Musiker Matthew Barley gilt als innovativer

Cellist, der gleichermaßen in der Welt der Klassik, des Jazz und der

experimentellen Musik zu Hause ist. Im Mai 2007 gastierte Matthew

Barley im Finalkonzert der Kölner MusikTriennale und ermunterte das

Publikum erfolgreich zum Eingreifen in die musikalischen Abläufe. Das

durfte dann, rechts an der Wendeltreppe startend, eine akustische „La

Ola“ durch das weite Rund des Kölner Konzertsaals geben, und dabei

zischen, pfeifen, trampeln und sich die Hände reiben – eine von den

Zuhörern begeistert aufgenommene Improvisation. Sein neues Werk

hat Thomas Larcher zusätzlich zu den Instrumentalisten um eine Ba-

12

13

riton-Stimme erweitert, die Matthias Goerne

übernimmt. Goerne, seit vielen Jahren mit der

Philharmonie eng verbunden, wird in dieser

Saison für weitere Konzerte erneut nach Köln

kommen: im Februar 2009 mit Liedern von Johannes

Brahms und im Mai mit einer Kantate

von Johann Sebastian Bach.

Larcher orientierte sich vor allem aber an Olivier

Messiaens „Quatuor pour la fin du temps“,

das im zweiten Teil des Konzertes zu erleben

sein wird. Die erste Aufführung seines „Quatuor

pour la fin du temps“, das er im Alter

von 33 Jahren komponierte, fand an einem

kalten Januarabend des Jahres 1941 in einer

ungeheizten Baracke in Görlitz statt. Der Komponist

war Kriegsgefangener der deutschen

Armee. Zentrales Thema des Quartetts ist ein

Bibeltext aus der Offenbarung des Johannes:

Ein Engel verkündet das Ende der Zeit und

damit den endgültigen, ewigen Frieden.

Messiaen konzipierte die Partitur für Klavier,

Violine, Cello und Klarinette – im Lager gab es

keine anderen Musikinstrumente. Rund 500

Häftlinge und ihre deutschen Bewacher bildeten

das Publikum bei der Uraufführung mit

Olivier Messiaen am Klavier, Henri Akoka

(Klarinette), Jean Le Boulaire (Violine) und Etienne

Pasquier (Violoncello). Nie vorher und

niemals danach habe man ihm mit soviel Aufmerksamkeit

und Verständnis zugehört wie an

diesem Abend, erklärte Messiaen später. Aus

diesem Grund und trotz der „abscheulichen

Umstände“ sei dieses Konzert das schönste

seines Lebens gewesen. Jürgen Gauert

Matthias Goerne

Konzerttermin

14.09.2008 Sonntag 20:00

Matthias Goerne Bariton

Martin Fröst Klarinette

Viviane Hagner Violine

Matthew Barley Violoncello

Thomas Larcher Klavier

Thomas Larcher Böhmen liegt am Meer (2008)

für Bariton, Violine, Violoncello, Klarinette und Klavier

Text von Ingeborg Bachmann

Kompositionsauftrag der KölnMusik

Uraufführung

Olivier Messiaen Quatuor pour la fin du temps

für Violine, Klarinette, Violoncello und Klavier

Gefördert

durch das

KölnMusik

w 25,–


Grenzen überwinden

Philharmonie-Intendant Louwrens Langevoort über die Bedeutung von Jugendorchestern

So, wie viele Berufe sich im Laufe der Jahre

gewandelt haben, ist es mit dem des Orchestermusikers

nicht anders: Steigende Anforderungen

und stetig wachsendes Niveau

sind in diesem Berufsbild unverkennbar. Einen

wesentlichen Beitrag dazu leisten auch

die vielen nationalen und internationalen Jugendorchester,

die seit einigen Jahrzehnten

schon früh auf die Entwicklung des musikalischen

Nachwuchses einwirken und somit

sowohl auf die neue Situation reagieren als

auch diese stets forcieren. Aber auch eine Art

Grundlagenwissen wird in diesen Ensembles

vermittelt, denn im späteren Berufsleben ist

nicht nur gefragt, die Noten nach bestem

Können zum Klingen zu bringen. Die Fähigkeit

des Zusammenspiels ist die Grundvoraussetzung

für den homogenen Klang eines

Orchesters.

Es begann damit, dass man die Hochschulstudenten

zum Spiel im Ensemble des Konservatoriums

verpflichtete, um die jungen

Talente hinter ihren Notenständern und Etüden

hervorzulocken und ihnen rechtzeitig

Einblick in das Orchesterleben zu gewähren.

In den 1970er- und 80er-Jahren entstanden

dann die internationalen Jugendorchester

und Orchester-Akademien, wie z. B. das

Gustav-Mahler-Jugendorchester oder das

heutige European Union Youth Orchestra.

Gründungsdirigent beider Orchester, Clau-

dio Abbado, sorgte durch seinen Einsatz für

diese Ensembles dafür, dass weitere große

Dirigenten seinem Beispiel folgten und gerne

mit diesen jungen Menschen auf Tournee

gingen. Für viele ambitionierte Talente wurde

die Teilnahme ein Muss und ein wichtiges

Kriterium in der musikalischen Vita.

Heute ist diese Jugendorchester-Landschaft

zu einem internationalen Phänomen herangewachsen.

Nicht nur, dass dem musikalischen

Nachwuchs ermöglicht wird, wie die

„Großen“ auf der ganzen Welt zu spielen.

Die Leistungen, die diese Ensembles erbringen,

sind von einer besonderen Atmosphäre

geprägt: Presse, Publikum, Solisten und

Dirigenten schätzen Freude und Einsatz der

Instrumentalisten für die Musik, die so hoch

sind, wie in kaum einem Profiorchester. Der

sprichwörtliche Funke, der überspringt, ist

ein Markenzeichen dieser jungen Klangkörper.

Dafür verzeiht man auch manche Ecken

oder Kanten, die im routinierten und fest aufeinander

eingespielten Ensemble nicht mehr

akzeptiert würden. In der Kölner Philharmonie

sind in der kommenden Saison unter

dem Titel „Generationswechsel“ verschiedene

Jugendorchester der Welt eingeladen, mit

ihrem Können das Publikum zu begeistern.

Es ist eine wichtige Aufgabe der Konzerthäuser

der Welt, dieses Potenzial zu fördern, um

einen Beitrag dazu zu leisten, die internatio-

nale Orchesterkultur auf diesem hohen Niveau

zu halten, über das wir heute verfügen.

Aber auch die Einladung an Jugendensembles,

die beispielsweise im Rahmen des Tages

der offenen Tür bei uns auf der Bühne stehen,

sind ein Mittel, junge Talente zu fordern und

zu fördern. Denn auf vielen Wegen müssen

die musikalischen Potenziale zum Einsatz

gebracht werden, was – hierzulande – das

Modell „Jedem Kind ein Instrument“, aber

auch das traditionsreiche venezolanische

System unterstreicht, das als Musterbeispiel

Gustavo Dudamel hervorgebracht hat, der in

dieser Spielzeit bei uns mit den Göteborger

Sinfonikern gastiert. Wichtiger Bestandteil

der Jugendorchesterkultur sind die Ensembles,

die durch den Zusammenschluss von

Musikerinnen und Musikern unterschiedlicher

Nationen Grenzen zerschlagen, die in

der Weltpolitik bisher nicht überwunden

werden konnten. Herausragendes Beispiel

ist das West-Eastern Divan Orchestra, das

zum zweiten Mal bei uns zu Gast ist. Auch

dieses, gegründet von einer herausragenden

Dirigentenpersönlichkeit, Daniel Barenboim,

sorgt dafür, dass Menschen in gegenseitigem

(nicht nur musikalischem) Verständnis

füreinander aufwachsen. Die Grenzen dieser

Welt zu überwinden: Dass Musik das leisten

kann, wird an solchen Projekten wiederholt

manifestiert.

14

MELDUNGEN

Daniel Barenboim und das

West-Eastern Divan Orchestra

„Was uns die jungen Menschen aus Israel, Palästina und den

arabischen Staaten des Nahen Ostens und ihr Dirigent Daniel

Barenboim vorleben, sollte uns allen ein leuchtendes Beispiel

sein: leben und schaffen im Einklang über alle politischen

Grenzen hinweg. In Harmonie. Im Zusammenspiel. Es ist uns

eine große Freude, diese Idee aus ganzem Herzen mitzutragen“

(Dr. Heitmann von der LANXESS AG).

Der unermüdlichen Arbeit Daniel Barenboims ist es zu verdanken,

dass arabische und israelische Nachwuchsmusiker alljährlich

für mehrere Wochen zusammen proben und Konzerte geben.

Legende ist das gemeinsame Konzert in Ramallah in 2006:

Unmittelbar nach Ausbruch des Krieges zwischen Israel und dem

Libanon reisten die Orchestermitglieder, ausgestattet mit spanischen

Diplomatenpässen, nach Ramallah und bildeten für einen

Abend eine „eigene, unabhängige Republik“, wie Barenboim es

formulierte. Die historische Kraft, die dem Projekt innewohnt, ist

in jedem Konzert zu spüren, so auch am 16. August 2008 in der

Kölner Philharmonie, wenn Daniel Barenboim und das West Eastern

Divan Orchestra Werke von Haydn, Schönberg und Brahms

spielen. Ein unbezahlbares Erlebnis - und ein Konzertabend, der

durch die Unterstützung der LANXESS AG möglich wird. km

16.08.2008 Sonntag 20:00

West-Eastern Divan Orchestra

Daniel Barenboim Dirigent

Werke von Haydn, Schönberg und Brahms

Gustavo Dudamel am Pult

der Göteborger Sinfoniker

Der junge, aus Venezuela stammende Dirigent Gustavo Dudamel

hat mit seinem Enthusiasmus und seinem Charisma das Publikum

stets begeistert. Seine zupackende und der Musik verpflichtete

Herangehensweise springt bei jedem seiner Auftritte auf das Publikum

über. Seine sprühenden Interpretationen sind ebenso detailgenau

wie klangsinnlich und begeistern die Menschen überall

auf der Welt. So kann man auch am 19. Oktober um 20 Uhr einen

außergewöhnlichen Konzertabend erwarten, an dem Gustavo

Dudamel die Göteborger Sinfoniker dirigieren und mit lateinamerikanischer

Leidenschaft Werke nordischer Komponisten wie Carl

Nielsen und Jean Sibelius interpretieren wird. sl

19.10.2008 Sonntag 20:00

Sergey Khachatryan Violine

Göteborgs Symfoniker

Gustavo Dudamel Dirigent

Werke von Carl Nielsen und Jean Sibelius


„Meine Schubert-Liebe

ist eine sehr ernsthafte.“

Johannes Brahms

Sir John Eliot Gardiner öffnet am 22. September

mit dem Orchestre Révolutionnaire

et Romantique und dem Monteverdi Choir

das Gehör für die Vorlieben von Brahms, die,

zu Unrecht, oftmals ungehört bleiben, und

führt uns damit direkt zur Kunst des großen

Melodien-„Zauberers“. Unverzichtbar für alle,

die Brahms lieben.

Johannes Brahms liebte die Musik von Franz

Schubert, dem „Schöpfer des Kunstliedes“, als

welcher dieser im 19. Jahrhundert galt. „Meine

Schubert-Liebe ist eine sehr ernsthafte“,

schrieb Brahms, „wo ist ein Genie wie seines

…?“ Denn Brahms liebte das Lied. Vokalwerke

nehmen in seinem Schaffen eine herausragende

Stellung ein. Beim Komponieren erinnerte

Brahms sich gerne an Volkslieder, da

sich die Melodien dann ganz von selbst einstellten.

Er trug im Laufe seines Lebens sogar

seine eigene umfangreiche Volksliedsammlung

zusammen, und er war mit einigen For-

schern auf diesem Gebiet persönlich bekannt.

Die Volksliedtextsammlung „Des Knaben

Wunderhorn“ war eines der Lieblingsbücher

von Johannes Brahms. Und schließlich liebte

er Alte Musik: Robert Schumann hatte den

„Zauberer“ Brahms, wie er seinen jüngeren

Kollegen einmal bezeichnet hatte, auf die

Mehrstimmigkeit des 16. Jahrhunderts hingewiesen.

Brahms, der auch ein ernsthafter

Musikforscher war, studierte eingehend die

Kompositionstechniken dieser Epoche. Er las

regelmäßig musikologische Fachzeitschriften

und besaß Autographen aus der Renaissance.

All diese Leidenschaften reflektieren Brahms‘

kompositorisches Schaffen deutlich, ja, es

wäre ohne diese gar nicht denkbar.

Brahms hat neben „hoher“ Literatur immer

wieder Volksliedtexte vertont, die er der Wunderhorn-Sammlung

entnommen hatte. Viele

dieser Texte fanden sich bereits in älteren

Liedsammlungen und waren schon in früheren

Zeiten von Kollegen in Musik gesetzt wor-

den. Darum gibt es eine Reihe von Parallelvertonungen

von Brahms und Komponisten aus

dem 15./16. Jahrhundert, jener Musikepoche

also, die so viele Spuren in seinem Schaffen

und Leben hinterlassen hat. Zu diesen Kollegen

zählen Heinrich Isaac, Thomas Stoltzer,

Ludwig Senfl, Matthias Greitter, Caspar

Othmayr und Stephan Zirler, die in mancher

Hinsicht als Brahms‘ musikalische Ahnen betrachtet

werden können. Sie alle zählten auf

dem Gebiet des Liedes zu den besten Musikern

ihrer Zeit. Ihre Melodien erreichten eine

hohe Popularität, durchaus vergleichbar mit

der von Brahms „Wiegenlied“. So griff schon

J. S. Bach für seinen Choral „O Welt ich muss

dich lassen“ auf Isaacs „Innsbruck, ich muss

Dich lassen“ zurück. Und alle diese Musiker

– auch das ist eine weitere Verlinkung zum

tiefgläubigen Protestanten Brahms –, waren

Kinder der Reformation. Ihre Musik und ihre

Vorlieben hallen im Schaffen von Johannes

Brahms nach.

16

Was liebte

eigentlich Brahms?

Sir John Eliot Gardiner dirigiert Brahms‘ dritte Sinfonie und zahlreiche Vokalwerke

Brahms‘ Liebe zu Schubert, zum (Volks-)Lied

und zur Musik der Renaissance haben sein

musikalisches Idiom deutlich geprägt – auch

das seiner Instrumentalwerke: der liedhafte

Duktus, die kunstvolle Polyphonie und die

differenzierte thematische Arbeit. Das Genie

Schubert hatte einst seufzend gefragt, wer

nach Beethoven noch ein symphonisches

Werk schreiben könne – und sprach Brahms

damit aus dem Herzen. Mit keiner anderen

Gattung tat sich Brahms zunächst so schwer.

Doch schuf er gerade auch mit seinen Instrumentalwerken,

und hier besonders mit der

3. Sinfonie, einen überbordenden Fundus

voll inniger und leichter Melodien. Susanne

Laurentius

Rechts: Sir John Eliot Gardiner

Links: Orchestre Révolutionnaire et Romantique

Konzerttermine

22.09.2008 Montag 20:00

The Monteverdi Choir

Orchestre Révolutionnaire et Romantique

Sir John Eliot Gardiner Dirigent

Johannes Brahms Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90

Gesang der Parzen op. 89

Ich schwing mein Horn op. 41, 1.

Altdeutsch aus: Fünf Lieder op. 41

Es tönt ein voller Harfenklang op. 17, 1.

Text von Friedrich Ruperti aus: Vier Gesänge op. 17

Einförmig ist der Liebe Gram op. 113, 13. Text von

Friedrich Rückert aus: Dreizehn Kanons op. 113

Gesang aus Fingal op. 17, 4. Text von Ossian aus:

Vier Gesänge op. 17

Fünf Gesänge op. 104 für gem. Chor a cappella

Stephan Zirler Die Sonn, die ist verblichen

Caspar Othmayr Ich schell‘ mein Horn

Heinrich Isaac Innsbruck, ich muss dich lassen

Franz Schubert Mondenschein D 875

Franz Schubert /Johannes Brahms Ellens Gesang

II D 838 Bearbeitung für Sopran, Frauenchor und

Hörner

KölnMusik

€ 10,– 25,– 35,– 48,– 58,– 68,–

€ 48,– Chorempore (Z)

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Die Kammermusik au s dem

Dornröschenschlaf ge weckt

Oben: Günter Pichler

Unten: das Alban Berg Quartett

Günter Pichler über seine Zeit mit dem Alban Berg Quartett, K öln und die Kammermusik

Bevor Günter Pichler sich dem Gespräch widmen

kann, muss er noch ein Ensemble zu

Ende unterrichten. Ein Trio Dvorˇáks steht auf

dem Programm. Die Freude und der Elan, den

die drei jungen Musiker versprühen, kommen

nicht von ungefähr: Günter Pichler, Gründer

des Alban Berg Quartetts und dessen Primarius

ist in seinem Unterricht mit ebenso viel

Herzblut dabei, wie seine Schüler.

DAS MAGAZIN: Herr Pichler, fast vierzig Jahre

lang zogen Sie mit dem Alban Berg Quartett

durch die Konzerthäuser der Welt. Mit dem

Ende der letzten Spielzeit hat sich Ihr Ensemble

aus dem Konzertbetrieb verabschiedet.

Wenn Sie nun auf die vielen Jahrzehnte Ihrer

Laufbahn zurückblicken: Würden Sie wieder

den gleichen Weg einschlagen?

Günter Pichler: Einen besseren Weg konnten

wir nicht gehen.

DAS MAGAZIN: Mit 18 Jahren schon wurden

Sie Konzertmeister der Wiener Symphoniker,

mit 21 der Philharmoniker. 1963 kam dann die

Professur in Wien, 1993 in Köln. Zudem begannen

Sie zu dirigieren und debütierten 1989 in

Wien mit dem Wiener Kammerorchester. Ist es

der stete Drang, Musik in all ihren Facetten zu

ergründen, der einen Musiker zu solcher Umtriebigkeit

herausfordert? Warum reicht nicht

eine Art der Beschäftigung mit Musik?

Günter Pichler: Musik ist etwas faszinierendes,

ohne Zweifel. Derzeit sind wir in einem

Spezialistentum gefangen, auch wenn sich

das seit 15 bis 20 Jahren ein wenig gelockert

hat. Ein Dirigent dirigiert, ein Solist spielt Solo,

ein Quartett spielt Quartett. Und wenn heute

ein Solist sich zu Recht darüber ärgert, wenn

man ihm vorwirft, nun auch noch zu dirigieren,

dann sollte man wissen, dass dieses

Spezialistentum nicht immer so vorherrschte.

Joseph Joachim zum Beispiel war solistisch

tätig, er hat Quartett gespielt, er hat dirigiert,

er hat unterrichtet, er hat die Berliner Musikhochschule

gegründet und er hat komponiert.

Er war ein „Allrounder“. Das war normal.

Nun ist die Spezialisierung ein allgemeines

Phänomen. Dennoch: Wenn man sich einer

Sache von vielen Seiten nähert, hat das etwas

unglaublich Erfrischendes. Zum Dirigieren

bin ich eher zufällig gekommen. Das macht –

rein egoistisch betrachtet – unglaublich Spaß,

wenn man das richtige Orchester hat. Das

Unterrichten gehört eigentlich zum Spielen

dazu, gerade in unserer Branche ist es so wichtig,

dem Nachwuchs die Erfahrung weiterzugeben.

Ich kann mir die Konzerttätigkeit ohne

das Unterrichten nicht vorstellen. Es ist eine

reine Freude.

DAS MAGAZIN: Ihr Wirken für die Musik wird

mit dem letzten Konzert des Alban Berg Quartetts

nicht aufhören; nun haben Sie Zeit, sich

intensiver den anderen Aufgaben zu widmen.

Dennoch: Welche schönen Seiten aus der Zeit

mit dem Alban Berg Quartett werden Sie am

meisten vermissen?

Günter Pichler: Am meisten natürlich die

Konzerte. Die Probenarbeit ist, wie man sich

leicht vorstellen kann, eine Notwendigkeit.

Aber Probenarbeit bedeutet ein Erlernen, ein

Studieren, eine sehr anstrengende Findung,

um technisch und musikalisch den Weg zu

finden, eine Partitur zu durchleuchten, ein Verständnis

dafür zu finden, sich zu hause zu fühlen

in dem Stück. Auch das alleine Üben ist ein

Privileg, was wir Künstler haben, weil wir uns

IM GESPRÄCH

zurückziehen dürfen und sagen dürfen: Jetzt

ist für etwas anderes keine Zeit. Ich bin jetzt

mit einem der schönsten Dinge, die es auf

der Welt gibt, mit Meisterwerken, beschäftigt.

Trotzdem ist es ein Weg zum Ziel, und das Ziel

ist das Konzert. Und das Konzert ist der Höhepunkt.

Das Arbeiten ist schön, aber Konzerte

zu geben, auf dem Podium zu sein, das Publikum

zu erleben, das ist das allerschönste.

DAS MAGAZIN: Auf ihren vielen Tourneen

um die Welt, haben Sie eine Vielzahl von Konzerthäusern

erlebt. Nicht jede Stadt verfügt

über eigens für Kammermusik konzipierte

Säle, anders als beispielsweise Berlin. Was ist

der Vorteil solcher Säle, neben ihrer Intimität?

Günter Pichler: Wesentlich ist natürlich, dass

der Saal gut klingt. Aber es ist auch ein Phänomen

der Optik. Wir haben in Berlin so lange in

dem großen Saal gespielt, wie es den kleinen

nicht gab, aber auch später ab und zu. Der

große Saal klingt besser, ausgewogener. Man

müsste dann die Augen schließen, damit man

sich nicht die ganze Zeit fragt, „Was machen

denn diese vier Leutchen in diesem riesigen

Saal?“. Andererseits ist das auch eine Frage

der Konditionierung. Ich erinnere mich an

Nathan Milstein, der im Wiener Konzerthaus

„Einen besseren Weg

konnten wir nicht gehen.“

Günter Pichler

während der Signierstunde nach dem Abschiedskonzert in der Kölner Philharmonie.

im großen Saal alle Bach-Sonaten gespielt

hat. Das hat niemanden gestört. In Wien,

wo es wirklich eine intime Atmosphäre gibt,

denn der Mozart-Saal ist so raffiniert gebaut,

dass man ihm weniger als seine 800 Sitzplätze

zutraut, sind die Leute enttäuscht, wenn man

im großen Saal spielt, der über 2000 Zuhörer

fasst, obwohl er fantastisch klingt. Das ist alles

nur eine Frage der Optik.


DAS MAGAZIN: In Köln gibt es noch keinen

Saal, der als qualitativ gleichwertiges kammermusikalisches

Pendant zur Kölner Philharmonie

gesehen werden kann. Dennoch wird

in der kommenden Spielzeit das Programm

mit der Reihe „Trio“ um eine weitere Kammermusikreihe

erweitert und neben die Quartett-

Konzerte gestellt. Ist dies ein Signal für die

Bedeutsamkeit der Kammermusik, die auch

ohne entsprechenden Saal mehr Raum einnehmen

sollte?

Günter Pichler: Gerade wenn kein anderer

Saal da ist, ist das wichtig, gerade in Köln.

Quatuor Ebène

am 26. Oktober im Konzert der Reihe „Quartetto“

Bevor die Philharmonie erbaut wurde, lag

auch die Kammermusik eigentlich im Dorn-

röschenschlaf. Obwohl die Philharmonie prinzipiell

nicht für Kammermusik konzipiert wurde,

hat sie die Entwicklung der Kammermusik

sehr positiv beeinflusst. Und wenn dann auch

bei unseren Konzerten teilweise der Saal nicht

voll war, so ist das doch ziemlich viel für eine

Stadt wie Köln.

DAS MAGAZIN: Die kammermusikalische

Literatur haben Sie spätestens mit dem Alban

Berg Quartett „inhaliert“. Joseph Haydn,

ein Meister des Streichquartetts, hat im kom-

menden Jahr seinen 200. Todestag. Aus

diesem Grund wird in der kommenden

Saison auch jedes der sechs Quartett-

Konzerte in der Kölner Philharmonie mit einem

seiner Streichquartette eröffnet. Worin

sehen Sie heute den Reiz in den Quartetten

Haydns, worin bestand er für Sie vor 40 Jahren?

Günter Pichler: Einen Unterschied gibt es in

dem Sinne nicht. Der Reiz, große Werke zu

spielen, große Kunst zu interpretieren, bleibt

immer. Es wird aber später einfach schöner,

weil man den Weg öfters gegangen ist, weil

man mehr versteht, mehr hineinhören kann,

weil man sich als Quartettspieler mehr als Teil

des Ganzen erlebt, also sich nicht mehr selber

so wichtig vorkommt. So wichtig das ist, dass

man selber spielt, aber es entsteht mehr und

mehr das Gefühl, „es“ spielt, ich höre das Ganze,

ich bin nicht mehr so mit mir beschäftigt,

das heißt, es wird eigentlich immer schöner.

DAS MAGAZIN: Beethoven gilt ebenfalls als

derjenige, der die Kunst des Musizierens zu

viert zu einer Meisterschaft gebracht hat.

Auch seine Trio-Kompositionen sind Meilensteine,

wie bspw. seine Trios op. 9, mit denen

Frank Peter Zimmermann, Antoine Tamestit

und Christian Poltéra die Trio-Reihe in Köln eröffnen.

Was bedeuten für Sie die Beethovenschen

Streichquartette?

Günter Pichler: Zu Beginn des zwanzigsten

Jahrhunderts gab es keine einheitliche

Sprache mehr, wie in der Klassik und in der

Romantik, wo es zwar eine Sprache war, die

sich entwickelt hat, aber es war eine Sprache.

Im zwanzigsten Jahrhundert hatte man dann

die Möglichkeit, in verschiedenen Sprachen

zu schreiben, ein und derselbe Komponisten

konnte einmal seriell, dann wieder post-

20

21

romantisch schreiben. So etwas war um die

Zeit Beethovens nicht da. Auch vor und lange

Zeit nach Beethoven, denn Brahms ist bei seinem

Stil geblieben, gab es keinen, der seinen

Stil so verändert hat wie er.

Es ist unglaublich für mich, dass ein 53-Jähriger,

im Besitz seiner vollen Kräfte und ein Star

in seiner Stadt, sich zurückzieht und zurücknimmt

– nach seiner neunten Sinfonie und

den letzten Klaviersonaten – und anfängt zu

experimentieren. Da ist dann eine Veränderung

eingetreten gegenüber den frühen und

vor allem auch gegenüber seiner mittleren

Schaffensperiode, die fantastisch ist. Daher

ist es auch so immens reizvoll, den frühen

und den späten Stil in einem Zyklus nachzuvollziehen.

DAS MAGAZIN: Große Faszination löst gewiss

auch Bartók aus, der u. a. im ersten Konzert

der Quartett-Reihe auf dem Programm

des jungen Quatuor Ebène steht. Auch seine

Streichquartette haben Sie in den 80er Jahren

vollständig eingespielt. Welchen Stellenwert

nimmt Bartók in Ihrem Wirken als Quartett

ein? Was würden Sie sagen, haben Sie für die

zeitgenössische Kammermusik im Allgemeinen

bewegt?

Günter Pichler: Bartók war einer der ersten

Komponisten des 20. Jahrhunderts, die bald

beim Publikum Anklang gefunden haben. Es

besteht immer die Frage, wie weit die Menschen

die Musik akzeptieren – das haben sie

bei Bartók früh getan – und wann beginnen

sie, dass ihnen die Musik wirklich zu Herzen

geht. Da haben wir sicher einen Beitrag geleistet.

Allerdings eher über unsere Programmierung,

in der wir stets das Bekannte mit

dem Neuen verbunden haben; zum einen,

weil wir gefunden haben, dass die Musik des

20. Jahrhunderts – und da ist Bartók einer der

wichtigsten Vertreter, weil er wirklich hervorragend

ist – gewürdigt und geliebt werden

sollte; zum anderen waren wir stets der Überzeugung,

dass das Musikleben stillzustehen

beginnen wird, wenn nurmehr die populären

Sachen gespielt werden. Das ist ja lange

Zeit so betrieben worden, in Japan zum Beispiel.

Wir haben anfangs mit großen Schwie-

rigkeiten Janáček, Strawinsky, Berg oder

Schostakowitsch gespielt. Als wir dann nach

drei Jahren gesagt haben, jetzt spielen wir

eure Lieblinge, wie Smetana „Aus meinem

Leben“ oder Schubert „Der Tod und das Mädchen“,

wir wollen jetzt auch endlich mal in die

großen Serien kommen, da winkte man ab.

Dann wollten man das nicht mehr, dann wollten

sie nur noch unsere Programme hören.

Unsere Konzerte waren voll, trotz moderner

Musik, während andere große Orchester mit

„Schlagern“ das nicht geschafft haben. Und

das ist das, was ich immer vertreten habe: So

großartig die Fünfte von Beethoven auch sein

mag, wenn das Publikum nichts anderes präsentiert

bekommt, dann geht es nicht zum 20.

Mal in ein Konzert, um sich dieses Werk anzuhören.

Ein Publikum aber, das man langsam

erzieht, sich auf das Neue einzulassen, das

bleibt. Und da kommt auch genügend junges

Publikum nach. Wir haben also dann auch mit

Hilfe von Bartók die Musik unserer Zeit einem

größeren Publikum zugänglich gemacht.

DAS MAGAZIN: Herr Pichler, ich danke Ihnen

für dieses Gespräch.

Das Interview führte Othmar Gimpel.

Konzerttermine

Aus der Reihe „Quartetto“

26.10.2008 Sonntag 20:00

Quatuor Ebène

Pierre Colombet Violine

Gabriel Le Magadure Violine

Mathieu Herzog Viola

Raphaël Merlin Violoncello

Joseph Haydn Streichquartett g-Moll op. 74, 3

Hob. III:74 „Reiterquartett“

Béla Bartók Streichquartett Nr. 3 cis-Moll Sz 85

Claude Debussy Streichquartett g-Moll op. 10

KölnMusik

w 25,–

Frank Peter Zimmermann

am 24. September im Konzert der Reihe „Trio“

Aus der Reihe „Trio”

24.09.2008 Mittwoch 20:00

19:00 Einführung in die Reihe „Trio“

durch Hartmut Hein

Frank Peter Zimmermann Violine

Antoine Tamestit Viola

Christian Poltéra Violoncello

Ludwig van Beethoven

Trio für Violine, Viola und Violoncello D-Dur op. 9, 2

Trio für Violine, Viola und Violoncello c-Moll op. 9, 3

Trio für Violine, Viola und Violoncello G-Dur op. 9, 1

KölnMusik

w 25,–

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Sechs Tote gibt es in Wilhelm Buschs

gleichnamigem Gedicht – und es wird

auf grausame Weise gestorben. „Ach,

wie oft kommt uns zu Ohren,/Dass ein

Mensch was Böses tat,/Was man sehr

begreiflich findet,/Wenn man etwas Bildung

hat.“ Buschs Welt ist voller Tücken

und abgründiger Bosheiten, erträglich

nur mit ausreichend schwarzem Humor,

über den der Dichter bekanntlich üppig

verfügte.

Solche Texte zu vertonen und auf die

Bühne zu bringen, bedarf es neben einer

gehörigen Portion Skrupellosigkeit vor

allem eines: Charme. Davon wiederum

besitzen die Cölner Canzonisten reichlich.

Was das Männergesangsquartett mit

Klavierbegleitung in 16 Jahren kultiviert

hat und in seinem Programm zum 100.

Todestag Wilhelm Buschs präsentiert,

ist eine ganz individuelle Mischung aus

Klassik, Komik und Kleinkunst. Der Wortwitz

Buschs liefert dabei die kongeniale

Vorlage für ein Vokaltheater, das vor

allem späte, weniger bekannte Werke des

Dichters aufgreift. Pianist Peter Schneider

komponierte dazu die Musik. Doch das

Programm hat neben Buschs Versen auch

anderes zu bieten: A-cappella-Klassiker

beispielsweise. Die notorischen Schlager

im Stile der Comedian Harmonists werden

jedoch keineswegs brav adaptiert. Persiflage

und Parodie, das Spiel mit Zitaten

aus 1000 Jahren Musikgeschichte, der

respektlose Blick auf Chor- und Konzertbetrieb,

der sprunghafte Wechsel der Stile –

für all das taugt den Canzonisten etwa

der Schlager von Veronika und dem Lenz.

Skrupellos

und doch charmant

Die Canzonisten mit musikalischen Geschichten um Wilhelm Busch

Konzerttermin

01.10.2008 Mittwoch 20:00

Die Canzonisten

Wolf Geuer Tenor

Markus Francke Tenor

Christoph Scheeben Bariton

Heribert Feckler Bass

Peter Schneider Klavier

Den Versen auf den Fersen.

Musikalische Geschichten um Wilhelm Busch.

KölnMusik

w 19,–

Dabei können die fünf Canzonisten für ihr

Musikkabarett aus dem Vollen schöpfen.

Die ehemaligen Studenten der Kölner

Musikhochschule sind alle auch anderweitig

musikalisch aktiv: Markus Francke

etwa als Sänger im Kölner Rundfunkchor,

Heribert Feckler als Musical-Komponist

und -Dirigent, Christoph Scheben u. a. als

Gesangslehrer an der Folkwang-Hochschule

und Tenor Wolf Geuer im Künstlerischen

Betriebsbüro der Kölner Philharmonie.

Tilman Fischer

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„Vorsicht, das ist

kein Touristen-Flamenco ...“

Im Flamenco dreht sich von jeher alles um

Leiden und Leidenschaften. So auch im Programm

„De Fuego y Agua – Von Feuer und

Wasser“ der Labèque-Schwestern und der

Sängerin Mayte Martín, das am 16. September

zu hören sein wird. Doch stehen dafür

nicht mehr nur spanische Dichterfürsten wie

Federico García Lorca Pate. In diesem Programm

machen Tango und Fusion aus dem

Flamenco einen weltoffenen Blues.

Als Georges Bizet einmal gefragt wurde, ob er

für seine Oper „Carmen“ nicht nach Spanien

reisen wolle, um sich vor Ort auf die Spuren

der Volksmusik zu machen, winkte er nur mit

den Worten ab: „Nein, das würde mich nur

durcheinander bringen.“ Wie sich herausstellen

sollte, war Bizets Entscheidung richtig.

Denn nicht nur mit dem „Habanera“-Tanz hatte

er sich 1875 so erfolgreich in die spanische

Klangseele eingefühlt, dass seine „Carmen“

zur weltweit meistgespielten Oper werden

sollte. Natürlich sagen die musikalischen

Feldforscher zu Recht, dass Bizets damalige

Flirts gerade mit jenem Flamenco wenig

Spanisc he

Seelens chwingungen

Die Klavier-Schwestern Labèque treffen auf die Flamenco-Sängerin Mayte Martín

zu tun haben, wie er heute noch zwischen

Granada und Sevilla zu erleben ist. Doch bei

aller markanten Charakteristik mit dem aufreibend

körperlichen Canto puro hat sich der

Flamenco in den letzten zwei Jahrhunderten

eben immer wieder gehäutet. Den einen Flamenco

gibt es daher nicht. Was auch Mayte

Martín so sieht: „Flamenco hat weder etwas

mit einer bestimmten Volksgruppe noch mit

einem bestimmten Ort zu tun. Um Flamenco

singen können, muss man nur Talent haben –

weshalb es vollkommen gleichgültig ist, ob

man nun ein Zigeuner ist oder nicht.“

Genau das alles trifft auf Mayte Martín selbst

zu. Geboren wurde sie schließlich nicht in

einer andalusischen Flamenco-Hochburg,

sondern im katalanischen Barcelona. Und

dennoch besaß sie schon früh diese riesige

Portion Talent, um den Nerv des Flamencos

bis tief ins Innerste zu treffen. Dort, wo Leiden

und Leidenschaften, Liebe, Enttäuschung und

Verzweiflung aufeinanderprallen. Die weltweit

umschwärmte Cantaora Martín knüpft

dabei an eine der ältesten Formen des Flamenco-Gesangs

an. Es ist der „Cante Jondo“,

dieser mal feierliche, mal dramatisch-erdige

Klagegesang. Von Martíns hoher Kunst waren

somit auch die französischen Klavierschwestern

Katia und Marielle Labèque auf Anhieb

gepackt. So konstatierte Marielle Labèque:

„Ich liebe ihre Stimme! Es gibt ja viele Flamenco-Sängerinnen,

die fantastisch sind, aber die

ich mir nicht lange anhören kann. Da wird vor

allem viel geschrieen. Mayte Martín allerdings

macht Musik – aber Vorsicht! Das ist kein

Touristen-Flamenco mit Kastagnetten, das

ist wunderbare Musik mit vielen langsamen,

sehr traurigen Stücken.”

24 25

Doch diese Bewunderung beruht auf Gegenseitigkeit.

Denn als die Labèques 2005

ein rein spanisches Projekt planten und dafür

bei Mayte Martín anfragten, fühlte sie

sich schlichtweg gebauchpinselt: „Mein Herz

hüpfte vor Freude.“ Für das Programm „De

Fuego y Agua – Von Feuer und Wasser“ suchte

man sich jedoch nicht etwa alte Flamenco-Schlager

aus. Für die Gefühlswelten von

gestern und die Besetzung aus Singstimme

und zwei Klaviere wählte man eigens vertonte

Texte von spanischen Dichterfürsten wie

Federico García Lorca. Und wie musikalisch

offenherzig der Flamenco schon immer war,

zeigen nicht zuletzt die Arrangements eines

sehnsüchtigen Tango-Liedes von Carlos Gardel

oder der „Canción de amor“ der Flamenco-

Fusion-Ikone Paco de Lucia.

Guido Fischer

Konzerttermine

16.09.2008 Dienstag 20:00

Mayte Martín Flamencogesang

Marielle Labèque Klavier

Katia Labèque Klavier

Maurice Ravel Rapsodie espagnole.

Bearbeitung für zwei Klaviere

Joan Albert Amargós

Variaciones sobre un Zorongo (2006)

Capricho por Bulerias

Mayte Martín / Joan Albert Amargós

Soneto de amor. Text von Rafael de León

Acaríciame por dentro. Text von Mayte Martín

Gacela del amor imprevisto. Text von Federico

García Lorca

José Luis Montón / Joan Albert Amargós

Inténtalo encontrar. Text von Mayte Martín

Paco de Lucia / Joan Albert Amargós

Canción de amor für zwei Klaviere

Manuel de Falla Nana aus: Siete canciones populares

españolas (Sieben spanische Volkslieder)

Joaquín Rodrigo Pastorcito santo.

Villancico für Gesang und Klavier

aus: „Retablo de Navidad“. Text von Lope de Vega

Adela aus: Doce canciones españolas

(Zwölf spanische Lieder)

Enrique Granados La maja dolorosa.

Text von Fernando Periquet

Carlos Gardel / Joan Albert Amargós

Sus ojos se cerraron. Text von Alfredo la Pera

Juan Valderrama / Luis Vidal

Vidalita. Text von Mayte Martín

KölnMusik

w 25,–

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(k)ein Affentanz

Ein märchenhaftes Kinderkonzert mit dem Ensemble Elbipolis

William Shakespeares „Sommernachtstraum“

bringt man in der Musik zunächst

mit der berühmten Schauspielmusik von

Felix Mendelssohn Bartholdy in Verbindung.

Den Hochzeitsmarsch zu pfeifen, wird man

nicht so schnell müde. Doch auch schon

vor Mendelssohn haben sich andere von

diesen wundersamen und fantasiereichen

Versen des englischen Dichters begeistern

lassen. So ließ sich Henry Purcell, der etwa

ein Jahrhundert nach Shakespeare und

ein halbes Jahrhundert vor Mendelssohn

lebte, durch die Texte Shakespeares inspirieren

und komponierte nach diesen seine

fünfaktige Semi-Oper „Die Feenkönigin“

(„The Fairy Queen“).

Diese funkelnde, mysteriöse und märchenhafte

Welt von Puck und seinen Freunden

bekommt eine ganz andere Gestalt, wenn

sie sich in den Klängen der Barockmusik

entfaltet.

Das Ensemble „Elbipolis“, das sich in wenigen

Jahren in der vielseitigen Epoche des

Barock einen Namen gemacht hat, erzählt

die Geschichte der Feenkönigin auf eine

Kinder begeisternde Weise. Zusammen mit

der Schauspielerin Christine Marx und dem

Schauspieler Hans-Dieter Heiter wird sich

das Ensemble in einen Wald mit Elfen und

träumenden Musikern verwandeln. Und eh

man sich versieht, werden William Shakespeare

und sein Puck Menschen verzaubern,

Instrumente und sogar die Notenständer,

die sich plötzlich als Bäume erheben. Ein

märchenhaftes Konzerterlebnis für Kinder

ab sechs Jahren. Und wer weiß: Vielleicht

wird man nach diesem Nachmittag nicht

mehr Mendelssohns Hochzeitsmarsch, sondern

lieber den „Tanz der Affen“ aus Purcells

„Feenkönigin“ pfeifen. og

Konzerttermin

14.09.2008 Sonntag 16:00

Christine Marx Schauspielerin

Hans-Dieter Heiter Schauspieler

Elbipolis – Barockorchester Hamburg

Henry Purcell Die Feenkönigin

Semi-Oper in fünf Akten nach William Shakespeares

„Ein Sommernachtstraum“

Gefördert

durch das

KölnMusik

Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre: w 5,–

Erwachsene: w 14,–

Hiergeblieben!

Köln im Herbst ist trist und langweilig? Der

Oktober ist die Zeit, um schnell noch einmal

in den Süden zu reisen? Mitnichten! Sie

müssen nicht verreisen, um einen schönen,

abwechslungsreichen Oktober zu verbringen.

Die Kölner Philharmonie ruft: hiergeblieben!

Wir möchten Ihnen den Herbst in der

Domstadt mit Auftritten der unterschiedlichsten

Künstler versüßen. Hier findet sich

für wirklich jeden Geschmack etwas, denn

im Gepäck haben sie humorvollen Gesang,

zeitgenössische Musik, Lyrik, Klavierwerke

und im Programm „(un)pop“ von den Bang

on a Can All-Stars wird den Klassikern der

Moderne gehuldigt. Am 1. Oktober geht

es los mit dem humorvoll schlagfertigen

Gesangsquartett „Die Canzonisten“ (s. Seite

22). Es folgt vier Tage später das Ensemble

intercontemporain mit dem konzertanten

Monodram „Cassandre“ (s. Seite 54). Poesie

fernab jeder stillen Lesung bietet „Comment

dire …“ am 7. Oktober (s. Seite 40). Tamara

Stefanovich wird am 10. Oktober ihr erstes

Klavier-Recital in der Kölner Philharmonie

geben (s. Seite 37). Leidenschaftlich und

energiegeladen geht es am 11. Oktober bei

den Bang on a Can Allstars zu. Dieses aufregende

Ensemble mit Musikern an Cello,

Bass, Schlagzeug, elektrischer Gitarre, Klarinette

und Klavier feiert in seinem Programm

(un)pop das musikalische New York des 21.

Jahrhunderts: Lärmig wie Thurston Moore

(Sonic Youth), bekenntnisfreudig wie Don

Byron, elektronisch ambitioniert wie Michael

Gordon – und verneigen sich vor Klassikern

der neuen Musik wie Louis Andriessen

und Terry Riley: Das rockt!

Fünf Konzerte zu je

19,–

bzw.

25,–

Hierbleiben und fünf aufregende Abende in der Kölner Philharmonie verbringen

Statt in sonnige Regionen zu flüchten,

sollten Sie im Oktober unbedingt bei diesen

ganz besonderen Konzerten dabei sein.

Nirgends ist der Herbst so unterhaltsam und

vielseitig wie in der Kölner Philharmonie.

Warum also in die Ferne schweifen, wenn

das Gute so nah liegt?

Alexander Krafczyk

Konzerttermine

Details zu den einzelnen Konzerten

entnehmen Sie bitte auch dem

Programmfaltblatt in der Mitte

des Heftes.


RÄTSEL

Universeller Tonkünstler

gesucht

Wenn unsere Woche zehn Tage hätte wie die babylonische, dann

hätte der Komponist aus seinem siebenteiligen Opernzyklus eine

Dekalogie entwickelt. Der im Bergischen Gebürtige arbeitete fast

30 Jahre an seinem monumentalen Opernzyklus, der sich thematisch

– im Gang der sieben Wochentage – an ein zutiefst religiöses

Thema hält: die Frage nach dem Verhältnis des Menschen zu Gott.

In den fünfziger und sechziger Jahren, nach einem Klavier- und

Schulmusikstudium an der Musikhochschule Köln, zählt der umstrittene

Komponist zu den Pionieren der Nachkriegsavantgarde.

Sein Leben ist eng mit Köln verbunden, zunächst 1953 als Mitarbeiter,

später Leiter des Studios für elektronische Musik beim Westdeutschen

Rundfunk. Anfang der siebziger Jahre bis 1977 bekleidete

er eine Professur an der Kölner Musikhochschule. Sein Name

ist Künstlern verschiedener musikalischer Stilrichtungen ein Begriff,

auch modernen Popmusikern ist er seit den sechziger Jahren

bis zu seinem überraschenden Tod 2007 musikalischer Mentor. Im

August 2008 wäre der Komponist 80 Jahre geworden.

Von wem ist die Rede? Gesa Köhne

Bitte senden Sie Ihre Lösung bis zum 10. September 2008 unter

dem Stichwort „Rätselhafte Philharmonie“ an die

KölnMusik GmbH, Bischofsgartenstraße 1, 50667 Köln.

Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir 10 x 2 Karten für

das Konzert mit Matthias Goerne am 14. September um 20 Uhr in

der Kölner Philharmonie.

Des letzen Rätsels Lösung: Joseph Haydn.

28

MELDUNGEN

Tamara Stefanovich:

Solo pur!

Tamara Stefanovich ist seit 2000 regelmäßig

in Köln zu Gast. Nachdem sie damals bei der

MusikTriennale Köln in der Basilika St. Maria

im Kapitol zu erleben war, folgte 2001 in

einem Atelier-Konzert ihr Debüt auf dem

Podium der Kölner Philharmonie. Als die

KölnMusik 2003 mit einem ganzen Konzertwochenende

György Ligetis 80. Geburtstag

feierte, war die junge Pianistin kurzfristig

eingesprungen und spielte mit namhaften

Solisten wie Marie-Luise Neunecker, Isabelle

Faust und Pierre-Laurent Aimard Werke von

Bartók, Ligeti, Kurtág und Eötvös. Erst kürzlich,

im November 2007, gab sie dann eine

bemerkenswerte Interpretation des Klavierkonzerts

von György Ligeti zusammen mit

der musikFabrik und dem Rock-Punk-Pop-

Elektroniker Jimi Tenor im Alten Wartesaal

während eines Konzertes der Reihe TRIP. Am

10. Oktober um 20 Uhr gibt sie nun ihr erstes

Klavier-Recital in der Kölner Philharmonie.

„Klassisch“ ist der erste Teil des Abends mit

Bach, Mozart und Haydn, der zweite stellt in

einem Etüden-Dialog Werke Rachmaninows

und Ligetis gegenüber. og

10.10.2008 Freitag 20:00

Klavier-Recital

Tamara Stefanovich Klavier

Werke von Bach, Mozart, Haydn,

Rachmaninow und Ligeti

Andy Warhols

„Chelsea Girls“

Der kultigste aller Undergroundfilme,

hohe Kunst und Zeitdokument zugleich

ist Andy Warhols Film über das legendäre

New Yorker Chelsea Hotel und seine

illustren Bewohner: die Künstler aus der

„Factory“. Hinter der Kamera steht Andy

Warhol selbst und davor zum Beispiel

die Sänger-Ikone Nico, bürgerlich Christa

Päffgen, die mit The Velvet Underground

auftrat und von Köln über New York die

Welt des Underground eroberte. Warhol

beobachtet Nico in ungeschnittenen, halbstündigen

Episoden in ihrem Hotelzimmer,

filmt alltägliche Verrichtungen ebenso wie

emotionale Ausbrüche und das alltägliche

Palaver: Ein Epos der New Yorker Bohème

in den sechziger Jahren. Ein monumentales

Unterfangen: zwölf Rollen Film, die einen

monumentalen Rahmen verdienen und ihn

am Samstag, 13. September 2008 ab 21:00

in der imposanten Architektur des Radstadions

auch erhalten: Wie von Andy Warhol

vorgesehen, laufen die Filme auf zwei

Leinwänden parallel und zusätzlich zum

Gesprächston und der von Warhol ausgewählten

Musik spielt Trance Groove einen

improvisierten Live-Soundtrack. cl

13.09.2008 Samstag 21:00

„Chelsea Girls“, Film von Andy Warhol

Trance Groove Improvisierter Live-Soundtrack

Ort: Radstadion

KölnMusik gemeinsam mit dem Landesmusikrat NRW,

Kino Gesellschaft Köln, Popkultur Köln e.V. und DokPop

w 12,– / w 9,– inklusive Fahrausweis und VVk-Gebühren.

Spannendes

Jazz-Debut

Chick Corea adelte ihn als kreatives Genie,

die Jurys britischer Jazzwettbewerbe überschlagen

sich und der 27-jährige Jazzpianist

macht einfach weiter: Gwilym Simcock

improvisiert, komponiert und gibt am

17. Januar 2009 in Begleitung des Bassisten

Yuri Goloubev und dem Drummer James

Maddren sein Debüt in der Kölner Philharmonie.

Er wird an diesem Abend sicher nicht

nur Chick Corea Tribut zollen, sondern auch

dem kürzlich tödlich verunglückten Esbjörn

Svensson, der an diesem Abend mit dem

e.s.t. auftreten wollte.

Mitreißend, aufregend, unerwartet, reichhaltig

und wunderbar optimistisch ist die

Musik von Gwilym Simcock. Der Waliser gilt

als einer der talentiertesten und innovativsten

Pianisten und Komponisten und verlässt

nur zu gern das gesicherte Terrain der Jazzstandards.

cl

17.1.2009 Samstag 20:00

NEUES KONZERT DER REIHE „TRIO“

(Ersatz für das Konzert des e.s.t.)

Gwilym Simcock Klavier

Yuri Goloubev Bass

James Maddren Drums

Werke von Gwilym Simcock, Chick Corea,

Esbjörn Svensson u.a.


Die letzten Blü ten

seiner edlen Kr aft

Christoph Prégardien mit Schuberts „Schwanengesang“

„Auch Schubert, dieser edle Musenliebling,

ist dahin! Nur zu rasch folgte er, wie auf magischen

Wink, dem großen Meister Beethoven

in das Land der ewigen Harmonien.“ Der

Wiener Verleger Tobias Haslinger beherrschte

das Marketing-Vokabular seiner Zeit aus dem

Effeff. Insgesamt vierzehn Lieder nach Gedichten

von Ludwig Rellstab, Heinrich Heine

und Johann Gabriel Seidl brachte er 1829 unter

dem Titel Schwanengesang als Schuberts

„letztes Werk“ heraus. Christoph Prégardien

und Andreas Staier werden diesen Liederzyklus

am 28. Oktober in der Kölner Philharmonie

darbieten.

Im Frühjahr 1825 reiste der Dichter Ludwig

Rellstab eigens nach Wien, um Beethoven

kennenzulernen. Er überbrachte ihm einige

seiner Gedichte und bat ihn, sie zu vertonen.

Dazu ist es nicht mehr gekommen. Doch berichten

sowohl Rellstab selbst als auch Anton

Schindler, der Beethovens Faktotum war und

auch Freundschaft zu Schubert pflegte, dass

Beethoven mehrere Gedichte mit Bleistiftkreuzen

versehen habe, um sie für eine späte-

Christoph Prégardien

gehört zu den herausragenden lyrischen

Tenören der Gegenwart. Als Domsingknabe

in Limburg kam er früh mit geistlicher

Musik in Berührung und ist heute

ein gefragter Oratoriensänger mit einem

Repertoire, das vom 17. Jahrhundert

bis zur Gegenwart reicht. Die wichtigen

Andreas Staier

stammt aus Göttingen, studierte Klavier

und Cembalo in Hannover und Amsterdam

und war zu Beginn seiner Karriere

Cembalist des Ensembles Musica Antiqua

Köln.

Fast zehn Jahre wirkte er als Dozent für

Cembalo an der Schola Cantorum Ba-

re Vertonung vorzumerken. Nach Beethovens

Tod im März 1807 sollen diese Gedichte in

Schuberts Hände gelangt sein und Schubert

soll eben jene mit Bleistiftkreuzen versehenen

Lieder vertont und so den Grundstock für den

„Schwanengesang“ gelegt haben. Leider ist

Rellstabs Manuskript verschollen – und mit

ihm auch die Bleistiftkreuze. Ob Schubert die

Vorlage für die Rellstab-Lieder tatsächlich aus

Beethovens Nachlass entnahm und sich bei

der Zusammenstellung nach Beethovens Vorauswahl

richtete, um gleichsam dessen letzten

Willen zu erfüllen, wird man nicht mehr

mit Gewissheit herausfinden können, es

bleibt im Bereich des Anekdotischen – umso

mehr fasziniert die Möglichkeit, dass es so gewesen

sein könnte.

Die Lieder nach Texten des mit Schubert

gleichaltrigen Heinrich Heine entstammen

Heines „Buch der Lieder“ von 1827, Schubert

hatte diesen Gedichtband im Januar 1828 bei

Leseabenden seines Freundes Schober kennengelernt.

Karl von Schönstein, ein weiterer

Freund Schuberts und dessen bevorzugter

Opernpartien aus den Opern von Mozart

und Monteverdi hat Christoph Prégardien

an allen großen europäischen Häusern

gesungen. Einen besonderen Schwerpunkt

seiner Arbeit bildet der Liedgesang,

zudem ist er seit 2004 Professor an

der Musikhochschule Köln.

siliensis. Seit über zwanzig Jahren ist

er solistisch tätig und gilt als einer der

führenden Hammerklavier-Solisten der

Welt. Mit Christoph Prégardien verbindet

ihn eine langjährige Zusammenarbeit. Im

Herbst 2008 erscheint ihre Einspielung

von Schuberts Schwanengesang als CD.

38 39

Liedinterpret, hatte sich das „Buch der Lieder“ bei Schubert ausgeliehen

und wusste zu berichten, „dass sämtliche (…) Heineschen Lieder

welche im Schwanengesang erschienen, in diesem Buche enthalten,

die Stellen, wo sie sich im Buche befinden, durch Einbüge, wahrscheinlich

von Schuberts eigener Hand gemacht, bezeichnet sind.“ So sind

gewissermaßen, wenn man den Berichten der Zeitgenossen Glauben

schenken möchte, die von Schubert in den Heine-Band geknickten

Eselsohren und die von Beethoven an den Rellstab-Gedichten angebrachten

Bleistiftkreuze im „Schwanengesang“ aufs Schönste vereint.

Ein Liederzyklus im engeren Sinne wie „Die schöne Müllerin“ oder

die „Winterreise“, deren Lieder durch inhaltliche oder psychologische

Stringenz eine Einheit bilden, ist der „Schwanengesang“ nicht. Aber

bereits die Tatsache, dass Schubert die Rellstab- und die Heine-Lieder

fortlaufend und in einem Zug in ein Liederheft geschrieben und sie unter

einem Datum – August 1828 – zusammengefasst hat, weist darauf

hin, dass er die Lieder als Ganzes verstanden wissen wollte. „Den zahlreichen

Freunden seiner klassischen Muse werden unter obigem Titel

die letzten Blüten seiner edlen Kraft geboten“, heißt es im Subskriptionsaufruf

des Verlegers Haslinger zum „Schwanengesang“. Schubert

hat hier einmal mehr zu einer wunderbaren Einheit von Musik und

Textvorlage gefunden. Christoph Prégardien brachte das Besondere

an seinen Liedern auf den Punkt: „Wie Schubert es schafft, sich musikalisch

ausdrucksmäßig sofort auf den Charakter eines Gedichtes einzustellen:

Das hat in dieser Weise kein anderer vermocht.“ Dorle Ellmers

Konzerttermin

28.10.2008 Dienstag 20:00

Christoph Prégardien Tenor

Andreas Staier Hammerklavier

Franz Schubert „An die Leier“ op. 56 D 737

Text von Franz von Bruchmann

„Herbst“ D 945 Text von Ludwig Rellstab

13 Lieder nach Gedichten von Rellstab und Heine

D 957 „Schwanengesang“

u. a.

KölnMusik

w 25,–

Im Abo sparen Sie mehr als 25 %!

Dieses Konzert ist auch Teil eines Abonnements.

Weitere Informationen unter

0221-20408-160 oder -150 und im Internet.


„Comment dire ...?“

Ein Poesie-Konzert mit unerwarteter Reichweite: Anne Bennent und die Erregung der Sprache

Was passiert, wenn eine singende Schauspielerin

auf der Bühne einen französischen

Rapper trifft und ein komponierender Gitarrenvirtuose

sich dazugesellt? Von allem

etwas oder ein mild gewürzter Crossover-

Eintopf? Weder noch, sondern vielmehr ein

aufregender Abend, an dem die Schauspielerin

Anne Bennent gemeinsam mit dem

Rapper Samuel Veyrat und dem Komponisten

und Gitarrenvirtuosen Karl Ritter Texte

von Bachmann bis Rimbaud zu neuem, wilden

Leben erweckt.

Wie die Sprache zu den Menschen kam, wird

wohl für immer ein Geheimnis der Menschheitsgeschichte

bleiben. Dennoch wird die

Wissenschaft nicht müde, darüber nachzudenken

und Theorien zum Sprachursprung

auszuhecken. Eine dieser Theorien behauptet,

die menschliche Sprache habe sich

Das Verhältnis von

Sprache und Musik ist nie

zur Ruhe gekommen.

aus Arbeitsgesängen heraus entwickelt.

Will sagen: Die Urmenschen lebten in rauer

Umwelt und waren gezwungen, sich zu

verständigen, um Probleme zu lösen. Lag

ein Baumstamm im Weg, musste man ihn

gemeinsam anheben, wozu ein rhythmisch

präzises Kommando nötig war. „Hauruck“

wäre demnach eine der Urzellen der Sprache

und zugleich auch der Musik, deren

erstes Instrument die menschliche Stimme

war. Diese Theorie ist auch insofern reizvoll,

als das Verhältnis zwischen Sprache und

Musik nie zur Ruhe gekommen ist und bis

heute unter sich gegenseitig befruchtender

Spannung steht.

In der Renaissance entstand schließlich aus

einer Annahme, die skandierenden Chöre

des griechischen Theaters wären gesungen

worden, die Gattung der Oper. Innerhalb

dieser, aber auch darüber hinaus, tobte

zwischen Wort und Ton immer wieder der

Kampf um die Vormacht: „Prima la musica

e poi le parole“ oder umgekehrt? Sollte

sich das Wort der Musik unterwerfen oder

sollte die Musik dem Wort dienen? Diese

Frage wird wohl ebenso wenig entschieden

werden, wie die nach dem Ursprung von

Sprache. Die Musikpsychologie allerdings

hat nachgewiesen, dass Vokalmusik generell

viel weniger zu beruhigen vermag, als

rein instrumentale Musik dies gewöhnlich

schafft. Sobald die menschliche Stimme im

Spiel ist, erhöhen sich beim Hörer Aufmerksamkeit

und Erregungsfaktor. Was womöglich

wieder mit dem Anfang von allem in

archaischer Vorzeit zu tun hat?

Samuel Veyrat, Anne Bennent und Karl Ritter

40 41

Archaisch ist auch Anne Bennents Herangehensweise:

„Ohne Poesie gehen wir zugrunde“

behauptet sie aus eigener Erfahrung, und:

„Ein Gedicht hat etwas Archaisches, es ist pure

Energie, wie heute der Rap. Ein Gedicht kann

viel anzetteln, kann einem ins Gesicht schlagen,

einen ins Herz treffen! Es kommt von der

Straße, es gehört nicht in Literaturhäuser!“ Die

Lyrik, also das Gedicht ist eine der frühen literarischen

Formen. Geschriebene Lyrik gab es

schon zu den Zeiten der alten Chinesen, Babylonier,

Perser und Juden, während mündlich

überlieferte Lyrik in die frühesten Zeiten der

Menschheitsgeschichte zurückgehen dürfte.

Im griechischen Kulturkreis der Antike war

die Lyrik zunächst das zur Lyra gesungene

Lied. Heute hat die Rap- und Hip-Hop-Bewegung

eine unverkennbare Verbindung zum

Poetry-Slam, wo die Vortragenden ebenso

wie beim Rap im direkten Vergleich mit- oder

Anne Bennent

nacheinander antreten und das Publikum

schließlich einen Gewinner kürt. „Mit 15 bin

ich in Berlin auf den Kudamm gegangen und

hab mir vorgestellt, ich bin ein Wesen von einem

anderen Stern, ich hab’ eine Botschaft“,

sagt Anne Bennent. Die Sternenbotschaft hat

sie früh schon einfach auf der Straße oder in

der Pariser Metro unters Volk gebracht, als sie

als Schauspielschülerin Rimbaud und Beckett

rezitierte.

Beschaulichkeit und bildungsbürgerliche

Beflissenheit darf man also nicht erwarten,

wenn Bennent Bachmann, Brecht, Baudelaire,

Beckett – auf Deutsch und Französisch –

spricht, singt und tanzt, denn es sei zu wenig,

Gedichte nur zu sagen: „Poesie hat mit Musik

zu tun, mit Gesang, Schreien...“ Womit wir

wieder beim Sprachursprung wären.

Regine Müller

Konzerttermin

07.10.2008 Dienstag 20:00

Anne Bennent Schauspielerin

Samuel Veyrat Sänger, Rapper

Karl Ritter Gitarre, Komposition

Poesie-Konzert: Comment dire ...

KölnMusik

€ 25,–


Irgendwann kommt d er Tag...

Laura

>

<

... an dem man sich fragt, ob man nicht doch

für kulturelle Familienunternehmungen wie

etwa den Besuch des Kindertages der Kölner

Philharmonie schon zu alt geworden

ist. Vor Entdeckerfreude platzende Kinder

zerren ihre erschöpften Eltern durchs Foyer,

es krabbelt und kräht überall, es rasselt und

trötet aus sonst verborgenen Räumen. Und

dann die Kinder, die zur Belustigung aller

Zuschauer in einer der wenigen Generalpausen

des Orchesterkonzerts rufen: „Papa,

was macht der Mann da vorne im Pinguin-

Kostüm?!“

Spätestens der übervolle Kinderwagenparkplatz

und die kniehohen Basteltische mögen

untrügliche Zeichen sein, dass das Ganze für

den einen oder die andere dann doch eine

Nummer zu klein geworden ist. Ehrgeizige

Pia

Eltern, die sich oft als Missionare in Sachen

Kultur begreifen, übersehen das vielleicht

im Eifer: Da wird man ganz einfach „mitgenommen“.

Schönen Dank… aber immer

Schlepptau der Familie? Zeit für einen Richtungswechsel!

Das Sixpack ab zehn

Wie wäre es, wenn es zum Schnuppern für

selbständige Philharmonie-Entdecker ab 10

Jahren ein SechserHeft gäbe: 6 Konzerte für

je 6 Euro mit 6 unterschiedlichen Musikrichtungen

an 6 ausgewählten Wochenendterminen

der Saison? Das gibt’s und das Beste

daran ist, dass auf dem Sitz nebenan ein

Freund oder eine Freundin deiner Wahl zum

selben Preis Platz nehmen kann. Die Musik

der ausgewählten Konzerte zeigt den gan-

Lars

>

zen Reichtum der Musikwelt: satter Orches-

terklang, romantische Cello-Klänge, Popmusik

mit traditionellen türkischen Instrumenten,

ein ganz junger Klassik-Pianist, der alle

mit seinen schnellen Fingern verblüfft und

augenzwinkernde Jazz-Musiker, die keine

Grenzen in der Musik kennen. Und zum

Schluss eine Sängerin, die den ganzen Saal

in ein Wechselbad der Gefühlen taucht: mal

frech, mal dramatisch, mal herzzerreißend.

Für jedes besuchte Konzert kommt ein

Stempel ins SechserHeft und wenn der 6er

voll ist, gibt es einen exklusiven Blick hinter

die Kulissen der Philharmonie.

Wer neugierig ist, gerne Musik hört und

sieht (denn das Auge hört mit!), der ist hier

genau richtig und trifft vielleicht andere

SechserHeft-Besitzer, denen es auch so geht.

Zur Bestellung des Sechserhefts einfach eine

E-Mail an jugendprojekte@koelnmusik.de

schicken!

Willkommen im Club

Für die Älteren, die noch mehr Auswahl bei

den Konzerten haben wollen, gibt es den

PhilClub ab 14 bis 19 Jahre. Das ist der Freundeskreis

für Eingeweihte mit der Lizenz zum

Mehr-Hören: Eine Riesenauswahl von 30 Top-

Konzerten einer Saison aus allen Musikrichtungen,

die jeweils für € 5 besucht werden

können. Und auch hier ist der Nebenplatz

frei für einen Freund oder eine Freundin zum

selben Preis auch ohne Clubmitgliedschaft.

Eins ist klar: Musik hören und sehen macht

Spaß – aber erst so richtig, wenn man sich

darüber austauschen und mehr erfahren

Miriam

>

kann, wenn man andere Mitglieder kennen

lernen kann, die vielleicht ähnliche Interessen

haben. Clubmitglied sein heißt nicht nur

ins Konzert gehen, sondern auch im Clubbereich

im Internet mitmischen, z. B. mit Konzertkritiken

schreiben oder sich bei einem

Workshop intensiver mit dem Programm

eines Konzerts beschäftigen und regelmäßig

Clubmails bekommen, um immer aktuell

informiert zu sein. Das sollte man einfach

nicht verpassen! Andrea Tober

Jana

>

Paul

>

Drei Schritte zur Club-Mitgliedschaft

1. Im Internet unter

koelner-philharmonie.de/philclub den

Log-in beantragen: Anmelden mit Angabe

des Namens, Alters und der E-Mail-

Adresse

2. Persönlichen Clubausweis gegen

Vorlage des Schülerausweises in unseren

Läden abholen und den eigenen Club-

Zugang fürs Internet freischalten lassen.

3. Tickets für das Konzert besorgen

solange der Vorrat in unseren Läden und

an der Abendkasse gegen Vorlage des

Clubausweises reicht.


„Rising Star“ Matthias Schriefl

Spaß am Jazz

Matthias Schriefl‘s Shreefpunk plus Strings

featuring Django Bates

Jazz, Punk und Streichquartett? Kein Problem

für Matthias Schriefl und Shreefpunk:

Diese Formel lösen sie mit Bravour.

Logisch, dass der junge Trompeter dieses

Jahr zum „Rising Star“ ernannt wurde, auf

Vorschlag der Kölner Philharmonie, und

dass er mit seiner Band sowie vier Streichern

auf gleichnamige Konzertreise

durch die wichtigsten europäischen Konzertsäle

geht.

Am 25. Oktober macht er Station in der

Kölner Philharmonie – mit dem Engländer

Django Bates als Gast.

44 45

Das Wörtchen „Punk“ im Bandnamen

Shreefpunk sagt bereits viel über den Menschen

Matthias Schriefl aus. Nein, Punk-

Rock als Musikstil spielt für den Trompeter

keine Rolle. „Ich will mit meiner Musik tatsächlich

zu einer ähnlichen gesellschaftlichen

Aussage finden wie damals die

Punks“, betont Schriefl im Gespräch mit

dem Journalisten Wolf Kampmann. „Mich

fasziniert diese Energie, mit dem, was man

sagt, etwas zu verändern.“ Wer schon einmal

ein Konzert mit Shreefpunk erlebt hat,

der wird die Einschätzung dieses jungen

Matthias Schriefl (vorne) und Shreefpunk: (von links) Johannes Behr, Robert Landfermann und Jens Düppe

Musikers bestätigen. Seine Musik ist ruppig,

roh und frech. Sie lebt von Brüchen,

die den Verlauf ebenso stören wie sie ihn

strukturieren. Aber aller Heterogenität zum

Trotz klingt dieses Quartett wie eine kompakte

Einheit. Und bei allem, was Schriefl

mit seiner Band anstellt, sitzt ihm stets der

sprichwörtliche Schalk im Nacken, und er

hat eine diebische Freude daran, mit der

Hörerwartung des Publikums zu spielen.

Hedonismus als Formprinzip im Jazz des

Matthias Schriefl? Diese Frage lässt sich

„Ich will mit meiner Musik zu einer

ähnlichen gesellschaftlichenAussage

finden, wie damals die Punks.“

rasch beantworten: nein. Dafür hat sich

der 1981 in Kempten im bayerischen Allgäu

geborene Schriefl schon früh viel zu

ernst- und gewissenhaft mit Musik im Allgemeinen

und Jazz im Besonderen auseinandergesetzt.

Als Siebenjähriger beginnt

er mit dem Trompetenspiel, als Elfjähriger

ist er Bundessieger bei „Jugend musiziert“.

Mit 15 ist er Mitglied im LandesJugend-

JazzOrchester Bayern und in der bundesdeutschen

Talentschmiede BuJazzO. Nachdem

er als Jungstudent das Konservatorium

in München besucht hatte, kommt er 2000


Matthias Schriefl

Konzerttermin

25.10.2008 Samstag 20:00

Shreefpunk plus Strings featuring Django Bates

Matthias Schriefl‘s Shreefpunk

Matthias Schriefl tp, flh, comp

Johannes Behr g, el-g

Robert Landfermann b

Jens Düppe dr

Hannah Weirich v

Juditha Häberlin v

Axel Porath va

Micha Hablitzel vc

KölnMusik

w 19,–

Im Abo Sparen Sie bis zu 25%!

Dieses Konzert ist auch Teil eines Abonnements.

Weitere Informationen unter

0221-20408-160 oder -150 und im Internet.

ins Rheinland, um sich an der Jazzabteilung

der Musikhochschule Köln von Andy

Haderer auf der Trompete unterrichten zu

lassen. Hier in der Domstadt findet Schriefl

den Nährboden, auf dem er und seine verschiedenen

Projekte prächtig gedeihen. Als

Gast beispielsweise mit der WDR Big Band

(hin und wieder typisch bayerisch in Lederhosen

und Wams auf der Bühne), oder

mit „Deujazz“ und „2 Generations Of Trumpets“

mit seinem (mittlerweile ehemaligen)

Trompeten-Professor Haderer. Und

natürlich mit Shreefpunk. Dieses Quartett

mit den gleichaltrigen Musikern Johannes

Beer (Gitarre), Robert Landfermann (Bass)

und Jens Düppe (Drums) kennt keine musikalischen

Grenzen: Expressiv-eruptiver

Bebop prallt unvermittelt auf bayerische

Blasmusik, zeitgenössische Avantgarde

bricht aus in strubbeligen Punk-Rock, New

Orleans Jazz wird nonchalant mit Modern

Jazz europäischer Prägung ausgebremst.

Auch die Streicher, die seit geraumer Zeit

mit im Boot sind, setzt Matthias Schriefl

nicht in einer für den Jazz typischen „with

strings“-Manier ein. „Ich arbeite mit dem

Streichquartett so, dass sie grooven und

teilweise wie die Bläsersektion einer Soul-

Band klingen. Andererseits sind sie das

Fundament, auf dem die Band spielt. All

das sind Sachen, die für Streicher entweder

als zu aufwändig oder gar als unausführbar

gelten“, beschreibt er seine Arbeitsweise

mit den vier klassisch geschulten Streichern.

Konsequent ist ebenfalls die Wahl

des Gastsolisten, der den Trompeter auf

seiner „Rising Star“-Konzertreise begleiten

wird: Django Bates. Dieser englische Komponist

und Bandleader, Keyboarder und

Tenorhornist ist rund 20 Jahre älter als

Schriefl und seit den frühen 1980ern ein

Enfant terrible in der Jazzszene, der mit

seiner stilistisch vielgestaltigen Musik das

Publikum gleichermaßen begeistert wie

irritiert zurück lässt. Ein Aufeinandertreffen

der Generationen also?

Martin Laurentius

46

MELDUNGEN

PhilharmonieLunch

Erfolgskonzept wird fortgesetzt

Mitten in der Woche mittags in ein Konzert gehen? So richtig

glauben konnte man das anfangs nicht. In den letzten zwei Jahren

fanden nun schon über 60 Lunch-Konzerte statt (rechnet

man die MusikTriennale Köln einmal nicht ein, während der man

jeden Tag den MusikTriennaleLunch an verschiedenen Orten

in Köln erleben konnte). Donnerstags um 12.30 kamen bis zu

1.000 Besucherinnen und Besucher, um einen kostenlosen musikalischen

Appetithappen zu genießen und zu erleben, wie das

Gürzenich-Orchester Köln, das WDR Sinfonieorchester Köln und

andere Ensembles mit namhaften Solisten sich in einer Probe

auf das abendliche Konzert vorbereiteten. PhilharmonieLunch

ist so erfolgreich, dass es schon über die Landesgrenzen hinaus

Nachahmer gefunden hat. In Köln kann man in der Spielzeit

2008/2009 gleich an über 35 Donnerstagen die Mittagspause in

der Philharmonie (oder im angrenzenden Filmforum) genießen.

Weitere Informationen unter koelner-philharmonie.de im Kapitel

PhilharmonieLunch og

„Sesam, öffne dich!“

Tag der offenen Tür: 24. August

Am 24. August heißt es wieder: Türen auf! Denn an diesem Tag

ist die Kölner Philharmonie für Jung und Alt geöffnet. Ein buntes

Programm auf der Bühne, Informatives und Unterhaltsames rund

um die Kölner Philharmonie und viele Kultureinrichtungen Kölns

im Foyer, Instrumente zum Ausprobieren oder einfach nur der

Blick hinter die Kulissen locken in jedem Jahr viele tausend Besucher

aus Köln und dem Umland an. Die Türen öffnen um 11 Uhr

und werden erst am späten Nachmittag geschlossen. Genügend

Zeit, um sich alles in Ruhe anzuschauen. og


Kurz: KBB

Wolf Geuer ist Mitarbeiter im Künstlerischen Betriebsbüro der Kölner Philharmonie

Wolf Geuer ist seit Eröffnung der Kölner

Philharmonie für das Haus tätig. Er begann

als Mitarbeiter des Foyerteams und ist seit

Anfang der Neunziger Jahre Mitarbeiter im

Künstlerischen Betriebsbüro, was im abkürzungsfreudigen

Kulturbetrieb schlicht „KBB“

genannt wird.

Wie viele, die gerne beruflich etwas mit Musik

zu tun haben wollen, aber noch nicht wissen,

in welche Richtung sie sich später beruflich

ausrichten möchten, studierte Wolf Geuer

Schulmusik, um ein möglichst breit gefächertes

Spektrum der Musik kennenzulernen. Die

Kölner Philharmonie warb bei ihrer Eröffnung

u. a. bei den Schulmusikern per Aushang

um Mitarbeiter für das Foyerteam. „Auf

eine solche Stelle habe ich mich beworben,

und ich bekam den Job. Danach ging es relativ

schnell: Zunächst wird jemand gesucht

BACKSTAGE

180 Mitarbeiter – über 30 Berufsbilder

für eine Aushilfstätigkeit, dann macht man

das, und macht es noch einmal. Man ist

recht zufrieden mit dir, und schließlich wurde

ich ständige Aushilfe mit immer größer

werdender Stundenzahl und wachsendem

Aufgabenbereich. Nach zwei, drei Jahren

war ich quasi die zweite Kraft bei der ‚Disposition’,

wie es damals hieß. Und bald hatte ich

auch einen festen Vertrag.“ Ohne es geplant

zu haben, war das für Wolf Geuer der Schuss

ins Schwarze, das, was er gesucht hatte. „Ich

habe, wenn ich als Sänger mit Chören unterwegs

war, schon einiges vom Konzertbetrieb

mitbekommen, wie die Organisation funktioniert.

Dass das dann irgendwann mein Beruf

würde, habe ich damals nicht gedacht. Aber

es war Liebe auf den ersten Blick.“

Wie jeden Beruf kann man auch den des

KBB-Mitarbeiters – in der Kölner Philharmo-

48

nie gibt es insgesamt drei – schwer in wenigen

Worten beschreiben. „Es beginnt unsere

Arbeit, wenn Intendanz und Konzertplanung

die Konzerte ‚dingfest’ gemacht haben. Zunächst

müssen wir die Konzertintformationen

zur Veröffentlichung erarbeiten. Man

muss recherchieren, also bei den Agenturen

und bei den Künstlern anfragen, wie die exakte

Schreibweise der Namen ist, welche

Werke genau gespielt werden.“ Eine Vielzahl

von Verträgen muss auf den Weg gebracht

werden, Künstlerverträge, Mietverträge. Es

muss Transfers organisiert, Hotels reserviert

werden. Die technischen Details einer jeden

Veranstaltung müssen u. a. mit der Inspezienz

abgeklärt werden, „damit bspw. nicht bei

einer Veranstaltung ein Kamerateam mit 10

Kameras anrückt, aber keine Plätze im Saal

dafür gesperrt sind.“ Und schließlich muss

„Unsere Arbeit beginnt,

wenn Intendanz und Planung

die Konzerte ‚dingfest’

gemacht haben.“

alles für den Vorverkauf Wesentliche zusammengestellt werden,

damit auch das Publikum über die Vorverkaufsstellen die Karten beziehen

kann. Kommunikationsfreude ist bei alledem das A und O.

„Man muss schon hinterher sein, damit man alle Angaben rechtzeitig

bekommt. Immerhin gibt es für über vierhundert Veranstaltungen

auch Proben etc., so dass es über eintausend Einzeltermine einzurichten

gibt.“ Der Kontakt mit den Künstlern ist für einen KBB-Mitarbeiter

natürlich auch Teil des Berufes. „Die meisten Künstler“, so Wolf Geuer,

„sind sehr pflegeleicht, das macht es sehr angenehm. Die sprichwörtlichen

Extrawürste gibt es nur sehr selten. Die sind dann aber auch

manchmal extrem. Das fängt an beim achtlagigen, rosafarbenen Toilettenpapier

und geht weiter beim Limousinenservice vom zwanzig

Meter entfernten Sofitel zur Philharmonie.“ So etwas macht man natürlich

möglich. „Der Fahrer damals dachte aber schon, man wolle ihn

veräppeln. Den ausdrücklichen Wunsch eines Künstlers, ein Hotel zu

finden, das nicht in der Nähe einer Kirche ist – in Köln! –, war jedoch

unmöglich.“ Warum die Arbeit auch nach zwanzig Jahren noch so

viel Freude bereitet? „Die große Vielfalt, die die Kölner Philharmonie

bietet. Das ist immer noch begeisternd.“ Othmar Gimpel


Wenn eine Ära

vorauszusehen ist

Das Mahler Chamber Orchestra unter Daniel Harding mit Werken von Brahms und Boulez

Konzerttermin

27.10.2008 Montag 20:00

19:00 Einführung in das Konzert,

in Zusammenarbeit mit dem Fono Forum

Chiara Tonelli Flöte

Christian Tetzlaff Violine

Mahler Chamber Orchestra

Daniel Harding Dirigent

Johannes Brahms

Konzert für Violine und

Orchester D-Dur op. 77

Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 7

Pierre Boulez Mémoriale für Flöte

und Kammerensemble

Gefördert

durch das

KölnMusik

w 10,– 19,– 27,– 38,– 42,– 48,–

w 27,– Chorempore (Z)

Im Abo sparen Sie bis zu 15 %!

Dieses Konzert ist auch Teil eines Abonnements.

Weitere Informationen unter

0221-20408-160 oder -150 und im Internet.

Zu den apostrophierten Klassikern, die dem

Konzertabend am 27. Oktober den Titel vorgeben,

wird man das Mahler Chamber Orchestra

wohl noch nicht zählen können. Dazu

ist die Tradition zu kurz. Aber der Weg dahin

ist unübersehbar vorgezeichnet. Hier hat sich

ein Klangkörper formiert, an dessen Anfänge

man schon in wenigen Jahrzehnten mit Ehrfurcht

erinnern wird.

Das Ensemble formierte sich 1997 auf Initiative

von Claudio Abbado. Mitglieder des

Gustav Mahler Jugendorchesters, die mit Erreichen

der Altersgrenze von 26 Jahren die

Talentschmiede verlassen mussten, suchten

nach einem Freiraum, in dem professionelles

Musizieren jenseits eines von Subventionen

und Wirtschaftlichkeitserwägungen gegän-

gelten Orchesterbetriebs möglich war. Für die

ambitionierten Nachwuchskünstler fand sich

in dem jungen britischen Dirigenten Daniel

Harding ein adäquater Orchesterleiter. Harding

ist ein wahrer Musik-Maniac. Mit 15 fasste

er den Plan, Schönbergs „Pierrot Lunaire“

aufzuführen. Mit einem Schulorchester. Dazu

wollte er sich bei dem erfahrenen Kollegen

Sir Simon Rattle ein paar Tipps holen, worauf

der den offenbar größenwahnsinnigen

Oberschüler zu seinem Assistenten machte.

So hat eine der aufregendsten Karrieren in

der jüngeren Musikgeschichte ihren Anfang

genommen.

1994 gab Harding sein Debüt mit dem City of

Birmingham Symphony Orchestra und wurde

Christian Tetzlaff Chiara Tonelli

50 51

mit dem Best Debut Award der Royal Philharmonic

Society ausgezeichnet. 1996 leitete

der 20-Jährige bei den Salzburger Osterfestspielen

erstmals die Berliner Philharmoniker

und war im selben Jahr mit gleich zwei Programmen

der jüngste Dirigent, der je bei den

BBC Proms aufgetreten war. Ein Wunderkind,

ein Himmelsstürmer, ohne Frage, und doch

vor allem ein besonnener Künstler, der mit

Umsicht und ohne Kompromisse sein Talent

entwickelt.

Harding war seit der Gründung erster Gastdirigent

des Mahler Chamber Orchestra und

in dieser Funktion maßgeblich beteiligt an

dessen sprunghaftem Erfolg. Fast folgerichtig

arbeitet er seit 2003 als erster Musikalischer

Direktor in der noch jungen Geschichte des

Orchesters. Und er wird es – wer wollte daran

zweifeln –, in eine bedeutende Ära führen.

Immerhin hat er dafür seinen Job als Leiter

der renommierten Deutschen Kammerphilharmonie

Bremen aufgegeben. Die Musiker

hier seien jünger, das komme ihm entgegen,

deutet Harding an, dass sein künstlerisches

Credo nicht dem Bewahren eingefahrener

Traditionen gilt. Ihn drängt es nach innovativer,

wagemutiger Programmgestaltung.

Dazu findet Harding in den jungen Musikern

des MCO die kongenialen Partner. Die 48 Instrumentalisten

aus derzeit 17 Nationen entdecken

ständig erfrischend neue Perspektiven

auf vermeintlich abgespielte Klassiker. Ihr Repertoire

vom Barock bis zeitgenössischer Mu-

... erfrischend neue Perspektiven

auf vermeintlich abgespielte Klassiker.

Daniel Harding in der Kölner Philharmonie

sik eröffnet Spielraum für denkwürdige Programmkombinationen.

Ziele, denen sich auch

die Solisten des Abends verschrieben haben,

die Flötistin Chiara Tonelli, selbst Gründungsmitglied

des MCO, und der Geiger Christian

Tetzlaff, ein Interpret von höchstem internationalen

Rang und sicher eine der vielseitigsten

künstlerischen Begabungen unserer Zeit.

Eine massive Ansammlung von Talenten, die

sich da zu einer schwierigen Gratwanderung

zwischen Johannes Brahms und Pierre Boulez

aufmachen, zwischen hochromantischer Empathie

und kalkuliertem Konstruktivismus.

Ein riskantes Unterfangen. Aber keine Angst,

hier sind musikalische Spurensucher von untrüglichem

Instinkt unterwegs.

Manfred Müller

Daniel Harding und das Mahler Chamber Orchestra


01/08

MARKTPLATZ

DAS MAGAZIN im Abo

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nach Hause geschickt. Damit können Sie

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die Konzerte in der Kölner Philharmonie

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Karlheinz Stockhausen

Rudolf Frisius schrieb 1996

den ersten Band einer „Einführung

in das Gesamtwerk“

Karlheinz Stockhausens,

eine Monographie über sowie Ge-

Ja, ich will DAS MAGAZIN der Kölner Philharmonie

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KölnMusik Betriebs- und Servicegesellschaft mbH

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nachstehenden Konto ein!

Kontonummer

BLZ / Geldinstitut

Datum Unterschrift

#

spräche mit Stockhausen. Band II, eine

Werkanalyse, erscheint im Spätsommer

dieses Jahres. Abonnenten von DAS MA-

GAZIN können ein Exemplar des 1. Bandes

gewinnen. Artikel: Seite 6

Karten gewinnen

MAGAZIN-Abonnenten können je 2 Karten

für das Konzert mit dem Bundesjugendorchester

und Trompeter Reinhold

Friedrich unter der Leitung von Peter

Hirsch am Freitag, 17. April 2009 um 20

Uhr in der Kölner Philharmonie gewinnen.

Artikel: Seite 14

Monteverdi Choir

Zum 40-jährigen Bestehen

des Monteverdi Choir vor

vier Jahren pilgerten die

Sänger auf dem berühmten Jakobsweg

nach Santiago de Compostela. Zurück in

London, unter dem Eindruck der Pilgerreise,

nahm das Ensemble unter Sir John

Eliot Gardiner 21 Vokalwerke auf, die in

französischen und spanischen Kirchen

entlang des Jakobswegs gesungen werden.

Abonnenten von DAS MAGAZIN

können die CD „Pilgrimage to Santiago“

gewinnen. Artikel: Seite 16

Katia und

Marielle Labèque

Auf dem Programm am

16. September steht u.

a. die „Rhapsodie Espagnole“,

ein Werk, das sich auch auf der im

letzten Jahr eingespielten CD „Maurice Ravel“

der Klavier-Schwestern wiederfindet.

MAGAZIN-Abonnenten können die CD

gewinnen. Artikel: Seite 24

Programmheft kostenlos

Abonnenten von „Das Magazin“ erhalten

das Programmheft zum Konzert mit Susanna

Mälkki und dem Ensemble intercontemporain

kostenlos. Bitte lösen Sie

den der Abo-Ausgabe beiliegenden Coupon

am Veranstaltungsabend imFoyer der

Kölner Philharmonie ein.

Artikel: Seite 54

Comment dire…

MAGAZIN-Abonnenten, die mehr von

Burgschauspielerin Anne Bennent,Tochter

des Schauspielers Heinz Bennent und

der französischen Tänzerin

Paulette Renou, hören

möchten, können die

Doppel-CD „Die Stimmen

von Marrakesch“, ein Hörbuch

nach dem berühmten

Reisebericht von Elias Canetti, mit Musik

von Otto Lechner, gewinnen..

Artikel: Seite 40

Über das Musizieren zu Viert

Das Kammermusik-Ensemble als Lebensform,

Konzertagentin Sonia Simmenauer

hat ein Buch darüber geschrieben:

„Muss es sein?

Leben im Quartett“. MA-

GAZIN-Abonnenten können

es gewinnen.

Artikel: Seite 18

Programmheft kostenlos

MAGAZIN-Abonnenten erhalten das Programmheft

zum Konzert mit Christoph

Prégardien und Andreas Staier kostenlos.

Bitte lösen Sie den der Abo-Ausgabe beiliegenden

Coupon am Veranstaltungsabend

im Foyer der Kölner Philharmonie

ein. Artikel: Seite 38

Karten gewinnen

Die Musik von Ahoar

klingt nach Jazz, aber

auch sehr orientalisch; sie

klingt nach irakischer Folklore,

aber irgendwie auch

wieder jazzig. Ahoar führen zwei so verschiedene

Musikstile zu einem unerhörten

Klang zusammen und zeigen, dass

diese Kulturen weit besser miteinander

harmonieren können, als die täglichen

Nachrichten vermuten lassen. Abonnenten

von DAS MAGAZIN können Karten für

das Konzert der Reihe TRIPCLUBBING im

Alten Wartesaal am 13. Februar 2009 um

21 Uhr gewinnen.

awi

52

53

Money makes the world go round…

… und dennoch (oder deswegen?) ist es

gut, seine Finanzen unter Kontrolle zu haben.

Hierfür gibt Ihnen die Website der Kölner

Philharmonie die Möglichkeit, bei der

Konzertsuche ein bestimmtes Budget einzubeziehen.

Drei Möglichkeiten sind vorgegeben:

„Kein Sitzplatz kostet mehr als …“,

„Gleicher Preis auf allen Plätzen in Höhe von …“

und „Gibt es einen Sitzplatz für …“ km

Es gibt noch Abos

Für eine Abo ist es (noch) nicht zu spät: Via

Internet und telefonisch per Kreditkartenzahlung

oder in unseren Läden können Sie

bis zu einem Werktag vor der ersten Veranstaltung

der Abo-Reihe noch Abonnements

kaufen. Nutzen Sie die Vorteile, bspw. die

Musiktheater-Reihe „Konzertant“ mit einer

Ersparnis von bis zu 30 % zu erleben. Das

erste Konzert dieser Reihe findet am 5. Oktober

statt (s. hierzu den Artikel über Susanna

Mälkki auf den Seiten 54–56). km

Neu im Vorverkauf: Sofort wissen, ab wann

es Karten gibt

Sicher kennen Sie schon unsere Online-

Konzertsuche und die Möglichkeit, Eintrittskarten

direkt im Internet zu bestellen.

Die von Ihnen gewählte Veranstaltung

ist noch nicht im Vorverkauf? Ab sofort

können Sie sich an den Vorverkaufsstart

per E-Mail erinnern lassen (Vorverkaufs-

Reminder) und sich so die besten Plätze

für die Konzerte Ihrer Lieblingskünstler

sichern. Tragen Sie dazu einfach Ihre E-Mail-

Adresse in das Feld in der Konzertansicht,

Sie erhalten daraufhin eine Nachricht mit

der Bitte um Bestätigung Ihrer Angaben.

Einige Tage bevor die Veranstaltung in den

Vorverkauf geht, werden Sie per E-Mail daran

erinnert. pk

Wozu eigentlich Vorverkaufsgebühr?

Im Vorverkauf haben Sie u. a. die Möglichkeit,

sich den Platz Ihrer Wahl zu sichern. Auf

dem Weg zum Platz Ihrer Wahl unterstützen

wir Sie mit einem großen und serviceorientierten

Vertriebsnetz, das die Kölner Philharmonie

zusammen mit vielen Partnern

aus der Vorverkaufsgebühr finanziert. Wie

sehen die Möglichkeiten aus, die dieses

Vertriebsnetz bietet? Jeder, der sich gerne

persönlich beraten lassen möchte, kann

zahlreiche Vorverkaufsstellen in Köln und

deutschlandweit nutzen. Ebenso kann man

telefonisch von zu Hause oder vom Büro

aus die Bestellung tätigen. Dabei kommen

einem die ausgedehnten Beratungszeiten

zugute und darüber hinaus bekommt man

die Karten per Post zugeschickt. Wer sich

seiner Wahl bereits sicher ist, kann überall

dort, wo er Internetzugang hat, die Eintrittskarten

unabhängig von der Uhrzeit online

bestellen und sich die Tickets ebenfalls nach

hause schicken lassen. Kurzentschlossene

können telefonisch und online sogar bis 90

Minuten vor dem Konzert ihre Karten kaufen,

die dann an der Abendkasse hinterlegt

werden. Ab 90 Minuten vor dem Konzert

entfällt dann die Vorverkaufsgebühr. Karten

sind dann – solange das Konzert noch nicht

ausverkauft ist – an der Abendkasse erhältlich.

km


„Ich weiß genau, was

von mir erwartet wird.“

PORTRÄT

„Ich wollte

selbst gestalten.“

Die finnische Dirigentin Susanna Mälkki leitet das Ensemble intercontemporain

Wenn sie sich etwas wünschen dürfte,

dann das: Orchester, die leichten Herzens

die schwergewichtigen Partituren der

neuen Musik auf ihre Pulte packen. Und

ein Publikum, das sich nach ungehörten

Klangwelten sehnt. Ein Publikum, dem kein

Werk zu sperrig, kein Komponist zu experimentell,

keine Note zu fremdartig klingt,

das Britten und Schostakowitsch, Webern

und Schönberg endlich in die Ahnengalerie

der Klassiker eingereiht hat und jetzt auf

neuen Marschrouten die flüchtige Welt des

Schalls durchstreift.

Susanna Mälkki lebt ihren Traum. Seit die

finnische Dirigentin 2006 die Leitung des

Ensemble intercontemporain übernommen

hat, sitzt sie im Epizentrum des zeitgenössischen

Klangs. Von hier aus trägt

sie das Feuer weiter, das Pierre Boulez vor

rund 30 Jahren mit der Gründung des französischen

Spezialorchesters entzündet hat.

Und wer Susanna Mälkki einmal in Aktion

erlebt hat, weiß, hier ist die richtige Person

am richtigen Ort. Energischer Blick, souveränes

Lächeln: Die Neununddreißigjährige

weiß, was sie will. Ihre Interpretationen

bestechen durch Klarheit und Präzision.

Unaufgeregt und ohne jedes Machtgebaren

kreiert sie einen fein ausbalancierten

Gesamtklang, lässt musikalische Verläufe

ausschwingen, spannt große Bögen, spürt

sensibel auch den stillen, kantablen Momenten

der Musik nach.

Den rechten Sinn für einen stimmigen Orchesterklang

erwarb Susanna Mälkki, lange

bevor sie zu einer der gefragtesten Dirigentinnen

ihrer Generation aufstieg: als

Solocellistin bei den Göteborger Symphonikern.

Nach und nach tauschte sie dann

den Cellobogen gegen den Taktstock aus.

„Ich wollte einfach selbst gestalten. Und

ich habe in so vielen Orchestern gespielt,

dass ich genau weiß, was von mir als Dirigentin

erwartet wird.“ Den Grundstein für

dieses Wissen legte sie während ihres Studiums

an der Sibelius-Akademie bei Leif

Segerstam und Esa-Pekka Salonen. Ein solides

Fundament, denn heute steht Susanna

Mälkki am Pult der Orchester von Welt, wie

dem BBC Philharmonic und den Münchner

Susanna Mälkki

Philharmonikern, den Stockholmer Philharmonikern

und den Göteborger Symphonikern.

Bis 2005 war Susanna Mälkki Künstlerische

Leiterin und Chefdirigentin des

Stavanger Symphony Orchestra, in diesem

Frühjahr gab sie ihr Debüt bei den Berliner

Philharmonikern. Außerdem gastiert Susanna

Mälkki europaweit an renommierten

Opernhäusern und auf Festivals.

Überflüssig zu erwähnen, dass mit Susanna

Mälkki eine Frau als Dirigentin den Ton

angibt. Oder nicht? Tatsächlich haben bis

heute gerade fünf Prozent Dirigentinnen

einen festen Platz in der Männerdomäne

erobert – internationale Größen wie Simone

Young, Marin Alsop oder Julia Jones

inklusive. Ist der Bann doch noch nicht

gebrochen? Gelten Dirigentinnen immer

noch als Exotinnen? Hat sich noch nicht

überall herumgesprochen, dass Frauen

ihren männlichen Kollegen in nichts nachstehen?

Das Klischee von der Macht des

Dirigenten jedenfalls hat sich gewandelt.

Despoten à la Karajan sind passé. Wer heute

vor einem Orchester bestehen will, braucht


„Auf neuen Marschrouten

die flüchtige Welt des Schalls

durchstreifen.“

Konzerttermin

05.10.2008 Sonntag 20:00

19:00 Einführung in das Konzert

Christophe Desjardins Viola

Astrid Bas Schauspielerin

IRCAM

Susanna Mälkki Dirigentin

Gérard Grisey Prologue für Viola

und Live-Elektronik

aus: Les Espaces Acoustiques

Michael Jarrell Cassandre

Monodram für Schauspielerin, Ensemble

und Elektronik nach der Erzählung

„Kassandra“ von Christa Wolf

Konzertante Aufführung in französischer Sprache

KölnMusik

w 25,–

Im Abo sparen Sie bis zu 30 %!

Dieses Konzert ist auch Teil eines Abonnements.

Weitere Informationen unter

0221-20408-160 oder -150 und im Internet.

neben allen fachlichen Qualifikationen vor

allem eins: Teamgeist. Kooperation statt

Konfrontation lautet die Devise. Soziale

Schlüsselkompetenzen sind gefragt, mit

denen (vor allem?) Frauen punkten können.

Susanna Mälkki meistert die diversen

Anforderungen mit Bravour – vor allem

in Programmen, die ganz auf ihrer Wellenlänge

liegen. Da ist bei ihrem Konzert

am 5. Oktober zum einen das gewaltige

Monodram „Cassandre“ für Sprechstimme

und Orchester von Michael Jarrell.

Ein Werk, das dem Vokalen enorme Ausdrucksfacetten

eröffnet und Jarrell als

faszinierenden Klangmagier auszeichnet.

Der französische Komponist Gérard Grisey

steht dem in nichts nach: „Wir sind Musiker

und unser Modell ist der Klang und

nicht die Literatur, der Klang und nicht

die Mathematik, der Klang und nicht das

Theater, die bildenden Künste, die Quantenphysik,

die Geologie, die Astrologie,

die Akupunktur!“ Grisey gehörte zu den

Feinmechanikern seiner Zunft. Der 1998

gestorbene Komponist erforschte das In-

nenleben der Klänge, ihre Obertöne, ihre

physikalischen Gesetze. Für ihn war Klang

ein lebendiger Organismus, der Leben

und Tod durchläuft. Vorstellungen, die in

seinem Werk „Prologue“ unmittelbar ins

Ohr gehen. Folgt man Susanna Mälkki und

dem Ensemble intercontemporain durch

die labyrinthisch verzweigten Wege dieser

Klangkosmen, öffnet man sich leichten

Herzens der zeitgenössischen Musik

und durchstreift für einen Moment auf

neuen Marschrouten die flüchtige Welt

des Schalls. Sylvia Systermans

56 MELDUNG

Hommage à

Olivier Messiaen

Als Organist für seine Interpretation komponierter Musik und als

Improvisator hoch geschätzt, hat sich Thierry Escaich auch international

gerade als Komponist einen Namen gemacht. Am 11.

September ist dieser Organist um 20 Uhr in der Kölner Philharmonie

bei einem Orgelkonzert zu erleben, in dem sich die Vielseitigkeit

seines Schaffens zu einem dichten musikalischen Gesamterlebnis

fügt. Über all dem steht das Gedenken an den größten

Orgelkomponisten der Neuzeit, Olivier Messiaen, der in diesem

Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Die KölnMusik ehrte bereits

in der vergangenen Spielzeit diesen faszinierenden Künstler mit

einer reichen Werkschau in einer eigenen Konzertreihe, die sich

in der Saison 2008/2009 in vielen weiteren Konzerten mit Werken

Messiaens fortsetzt. Im Konzert von Thierry Escaich erklingen

neben Werken Messiaens und Escaichs und dessen geschätzten

Improvisationen auch Kompositionen von Charles Tournemire,

Jehan Alain und Maurice Duruflé. og

11.09.2008 Donnerstag 20:00

Olivier Messiaen zum 100.

Thierry Escaich Orgel

Werke von Messiaen, Escaich, Tournemire,

Alain und Duruflé

Korrigenda

In der Ausgabe 02/08 des Magazins „persönlich“ hieß es auf Seite

10 im Artikel zu Alfred Brendel: „Schließlich schlug Alfred Brendel

auch in Sachen Beethoven ein neues Kapitel auf, als er Anfang der

1960er Jahre dessen Sonaten vollständig einspielte – als erster Pianist

überhaupt.“ Es hätte allerdings heißen müssen: „…als er Anfang

der 1960er Jahre dessen Klavierwerk vollständig einspielte“.


MELDUNGEN

Paul McCartneys

„Ecce Cor Meum” erstmals in der

Kölner Philharmonie

Paul McCartney, der Ex- Beatle, der in der jüngsten Vergangenheit

mehr als Rosenkrieger unterwegs war und die Berichte über die

im Rosengarten geschlagenen Schlachten die Gazetten füllten, ist

nicht nur Ex-Beatle und Ex-Mann, sondern auch einer der erfolgreichsten

Komponisten der Gegenwart. Keiner hat so viele Werke

geschrieben, die gleichzeitig so erfolgreich waren wie er. Zugegeben,

vor allem auf dem Gebiet der Pop- Musik. Seine Musik war und

ist stilbildend für so manchen Musiker oder war der Startschuss für

die eine oder andere steile Karriere. Paul McCartney ist aber keineswegs

ein, übrigens geadelter, einspuriger U-Musiker. Nein, er teilt

die Musik nicht auf in Lager, sondern bewegt sich im gesamten

Musik- Universum, liebt Bach und Beethoven und kennt sich in der

Musikgeschichte aus. Da ist es nur konsequent, dass er auch ein

Oratorium und andere „klassische“ Werke geschrieben hat. Zuletzt

erregte er mit seinem Chorwerk „Ecce Cor Meum” für Sopran, Chor

und Orchester Aufsehen, ein außergewöhnliches Stück mit Klangfülle

und Sinn fürs Detail. In der Kölner Philharmonie können Sie es

hören, und zwar am 13. September 2008 um 20 Uhr mit dem Köln-

Chor unter Wolfgang Siegenbrink. Gehen Sie hin! Es lohnt sich. sl

13.09.2008 Samstag 20:00

KölnChor

Wolfgang Siegenbrink Leitung

Paul McCartney Ecce Cor Meum für Sopran,

Chor und Orchester

58

59

Markus Stenz

und das Gürzenich-Orchester

bei den BBC Proms

Markus Stenz, Generalmusikdirektor der Stadt Köln und Gürzenich-Kapellmeister,

ist zum Ersten Gastdirigenten des Hallé

Orchestra ernannt worden. Ab der Spielzeit 2009/10 wird er pro

Konzertsaison mindestens drei Wochen lang das Hallé Orchestra

dirigieren und bedeutende Projekte verantworten. Das Hallé

Orchestra, das seinen Sitz in Manchester hat und in diesem Jahr

seinen 150. Geburtstag feiert, ist das älteste Sinfonieorchester

Großbritanniens und zählt dort zu den führenden Klangkörpern.

Zudem wird Markus Stenz das Gürzenich-Orchester Köln am

22. August 2008 bei seinem Debüt bei den BBC Proms in London

leiten. Auf dem Programm steht u. a. Karlheinz Stockhausens

PUNKTE. Ein Werk, das man bereits am Vortag bei einem

PhilharmonieLunch wird erleben können: Markus Stenz und sein

Orchester werden im Rahmen von „Karlheinz Stockhausen 80“,

einer Konzertreihe anlässlich Stockhausens 80. Geburtstags, mit

diesem Werk an den im letzten Jahr verstorbenen Tonkünstler erinnern.

In London wird zudem Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 5 auf dem Programm

stehen, die das Gürzenich-Orchester Köln uraufführte. Für

Markus Stenz ist dies bereits der vierte Auftritt bei den Londoner

Proms: Neben Konzerten mit der London Sinfonietta und der Jungen

Deutschen Philharmonie dirigierte er 1997 eine Aufführung

von Henzes „Venus und Adonis“. km

21.08.2008 Donnerstag 12:30

Kölner Philharmonie

22.08.2008 Freitag 20:00

BBC Proms in London

Gürzenich-Orchester Köln

Markus Stenz Dirigent

Karlheinz Stockhausen PUNKTE für Orchester


Fast 8.000 Konzerte fanden seit ihrer

Eröffnung in der Kölner Philharmonie statt.

Mehr als elf Millionen Besucher hörten diese

dort an. Zeit, sich an ein paar besondere

Veranstaltungen und Ereignisse zu erinnern.

VOR 20 JAHREN

... rasende Skalen

und pittoreske Tonfolgen ...

György Ligeti und Conlon Nancarrow

Musik und Ma schine

Am 15. Oktober 1988 in der Kölner Philharmonie

Hand aufs Herz: Wir kannten ihn alle nicht,

den 1988 aus Mexiko angereisten Komponisten

und Ex-Revolutionär. Conlon Nancarrow

(1912-1997) erinnerte in seinem ebenso bescheiden

zurückhaltenden wie weisen Auftreten

ein wenig an Yoda aus Star Wars, doch

seine „Studies for Player Piano“ durchtosten

die Kölner Philharmonie wie die Sturmtruppen

des Imperators. Kein Pianist kann Nancarrows

Werke spielen, deshalb stanzte der

musikalische Perfektionist seine Kompositionen

Loch für Loch in Pappstreifen, die von

einem Ampico-Selbstspiel-Klavier vorgetragen

werden. „Vortrag“ ist allerdings ein unzureichender

Begriff für die Klangfluten, die

sich in das Kugelauditorium ergossen.

John Cage hatte den eigenwilligen Künstler

1960 im mexikanischen Exil entdeckt, und in

den 1980er Jahren machte György Ligeti das

europäische Publikum mit Nancarrows Werk

vertraut. Jürgen Hocker restaurierte einen originalen

Ampico-Bösendorfer-Selbstspielflü-

gel aus dem Jahre 1927, so dass Nancarrows

„Studies“ in europäischen Konzertsälen erklingen

konnten: im Juni 1987 im „Holland

Festival“ in Amsterdam und im Herbst 1988

in Köln, Hamburg, Hannover und Berlin.

Mit Hilfe des WDR erlebten die Kölner am

15. Oktober 1988 in der Philharmonie gleich

drei Konzerte als Festival „Musik und Maschine“,

das in die Annalen der Neuen Musik

einging.

Wer könnte je das Interview vergessen, das

Ligeti mit Nancarrow auf der Bühne führte,

Ligetis ausführlichste Fragen, die die „Studies“

des Exilanten schon musikgeschichtlich

fixierten, und die kargen „yeap“- und „nope“-

Antworten Nancarrows, der sich hinter seinem

Bart sichtlich unwohl fühlte angesichts

der Hunderte von Besuchern und der Mikro-

60 61

phone des WDR. Und wer genoss nicht Ligetis Werke selbst, die dieser

unprätentiös neben seine Nancarrow-Entdeckungen setzte.

Erinnert sei nur an Ligetis Studie für 100 Metronome. Die mechanische

Hundertschaft nahm einen guten Teil der Bühne ein, wurde von

mehreren Helfern gestartet und tackte und klackte, dass es eine rhythmisch

flirrende Freude war. Eine vollendete Realisation – wäre da nicht

ein Metronom gewesen, dessen Feder an Ausdauer die der anderen

weit übertraf, so dass es auch dann noch immer weiter klackte, als die

anderen längst verstummt waren – bis Ligeti selbst es nicht mehr aushielt,

auf die Bühne sprang und das Metronom strangulierte.

Und dann eben die „Studies“ Nancarrows! Waren sie Kunst, diese rasenden

Skalen und pittoresken Tonfolgen, die mitten in der Philharmonie

neue Architekturen zu formen schienen? Durchaus kontrovers

sprach man über sie. Das sollte sich ändern. Die Donaueschinger

Musiktage öffneten sich Jahre später den „Studies for two Player Pianos“,

und zur MusikTriennale Köln 1997 konnten in der Kölner Philharmonie

durch Jürgen Hocker gleich sämtliche Werke für Selbstspielklavier

Nancarrows erklingen – rundherum anerkannt und bewundert. Im

selben Jahr starb Conlon Nancarrow in Mexico City. Robert von Zahn


KARTENKAUF IMPRESSUM 62

Vorverkaufsstellen

Roncalliplatz, 50667 Köln, direkt neben dem Kölner Dom

Montag – Freitag 10:00 – 19:00 Uhr sowie Samstag 10:00 – 16:00 Uhr

In der Mayerschen Buchhandlung,

Neumarkt-Galerie, 50667 Köln sowie Montag –Samstag 9:00 – 20:00 Uhr

Karten-Telefon

Philharmonie-Hotline: 0221 - 280 280

KölnTicket Callcenter: 0221 - 280 1

Montag – Freitag 8:00 – 20:00 Uhr

Samstag 9:00 – 16:00 Uhr / Sonntag 10:00 – 16:00 Uhr

Internet

www.koelner-philharmonie.de

Hier finden Sie auch aktuelle Informationen zu besonderen Angeboten sowie

zur Baustelle vor der Philharmonie.

Zahlung

Zahlen Sie Ihre Tickets bequem mit Kreditkarte, per Bankeinzug (nur

telefonisch), mit EC-Karte oder einfach bar (nur bei unseren Vorverkaufsstellen).

Zur Zeit gelten für den Vorverkauf von Veranstaltungen in der Kölner

Philharmonie alle Preise zuzüglich 10 % Vorverkaufsgebühr. Wenn Sie

Eintrittskarten telefonisch oder über das Internet erwerben, kommt eine

Service- und Versandpauschale je Versandvorgang hinzu.

Ermäßigungen

Bei Konzerten der KölnMusik erhalten Schüler, Studenten (bis 35 Jahre),

Auszubildende, Schwerbehinderte, Wehr- und Zivildienstleistende und Familien-

Pass-Inhaber 25 % Rabatt. Bitte beachten Sie: Es kann nur jeweils eine Preisermäßigung

beansprucht werden. Der Ermäßigungsnachweis ist beim Kauf der Karte

und Einlass in den Saal unaufgefordert vorzuzeigen.

Vorverkauf

Der Kartenvorverkauf für Veranstaltungen der KölnMusik beginnt 4 Monate im

Voraus. Im Übrigen beachten Sie bitte die in unseren Veröffentlichungen

angegebenen Vorverkaufsfristen.

Abonnement

KölnMusik Ticket: Tel.: 0221- 20 40 8 160 / Fax: 0221- 20 40 8 161

KölnMusik Event: Tel.: 0221- 20 40 8 150 / Fax: 0221- 20 40 8 155

abo@koelnmusik.de

Kasse

Die Konzertkasse der Kölner Philharmonie öffnet 90 Minuten vor Konzertbeginn.

Kurzfristig über die Philharmonie-Hotline 0221- 280 280 gebuchte und per

Kreditkarte bezahlte Tickets liegen hier für Sie bereit.

Fahrausweise

Ihre Eintrittskarte ist zugleich Hin- und Rückfahrkarte im Verkehrsverbund

Rhein-Sieg. Die Hinfahrt darf frühestens vier Stunden vor Beginn der Veranstaltung

angetreten werden. Die Rückfahrt muss spätestens um 10 Uhr des

Folgetages abgeschlossen sein, wenn am Abend keine Züge mehr verkehren.

Danke!

Wir tun alles, um Programm-, Besetzungs- oder Terminänderungen zu vermeiden.

Trotzdem lassen sie sich manchmal nicht umgehen. Beachten Sie deshalb unsere

Mitteilungen in der Tagespresse und im Internet (www.koelner-philharmonie.de).

Grundsätzlich berechtigen Besetzungs- und Programmänderungen nicht zur

Rückgabe bereits erworbener Eintrittskarten oder Abonnements.

Adresse

Unseren Konzertsaal finden Sie in der Bischofsgartenstraße 1, 50667 Köln –

im Schatten des Kölner Doms.

Plätze

Besucher in den Blöcken C und F kommen schneller ins Foyer, wenn sie die

oberen Ausgänge benutzen! Gehbehinderte brauchen für die X- und Y-Balkone

jeweils nur 9 Stufen zu überwinden. Die Plätze in Block Z erreichen Sie mit

einem Aufzug. Bitte halten Sie den auf Ihrer Eintrittskarte vermerkten Platz ein.

DAS MAGAZIN ist die Zeitschrift der Kölner Philharmonie und erscheint alle

zwei Monate. Das Heft ist im Abonnement für € 16,– jährlich

im Postversand zu beziehen und liegt darüber hinaus in der

Kölner Philharmonie sowie in ausgesuchten Verteilstellen aus.

Abonnenten genießen besondere Vorteile.

Herausgeber: Kölner Philharmonie, KölnMusik GmbH

Bischofsgartenstraße 1, 50667 Köln

V.i.S.d.P.: Louwrens Langevoort

Redaktion: Othmar Gimpel (og), mit Beiträgen von

Dorle Ellmers, Guido Fischer, Jürgen Gauert, Peter Kautz (pk),

Gesa Köhne, Alexander Krafczyk, Martin Laurentius, Susanne

Laurentius, Christiane Linnartz (cl), Louwrens Langevoort,

Sebastian Loelgen (sl), Julia Lyß, Manfred Müller, Regine Müller,

Jürgen Ostmann, Sylvia Systermans, Andrea Tober, Anke

Wildhusen (awi), Robert von Zahn

Gestaltung: MWK Zimmermann & Hähnel GmbH Köln

www.mwk-koeln.de

Druck: Graphischer Betrieb Henke GmbH, Brühl

Anzeigen: MWK Zimmermann & Hähnel GmbH Köln

Ute Singer, Ralf Zimmermann

Fon: 0221- 1234 35 / Fax: 0221- 8 20 09 25

Elisenstraße 24, 50667 Köln

Mediaunterlagen auf Anfrage oder unter

www.mwk-koeln.de

Partner:

Bildnachweis:

Konzertsaal:

Kulturpartner der Kölner Philharmonie

Seite Autor

Titel: Klaus Rudolph

6: Klaus Rudolph

7: Rolando Paolo Guerzoni

8: Klaus Rudolph (oben)

Reinhard Maximilian

Werner (unten)

9: Klaus Rudolph

12: Priska Ketterer (oben/unten)

13: Marco Borggreve

14: Klaus Rudolph

16: Mathew Andrews

17: Decca/Sheila Rock

18: Klaus Rudolph (oben/unten)

19: Hyou Vielz

20: Julien Mignot

21: Franz Hamm

22-23: Die Canzonisten

24: Brigitte Lacombe

28: Jörg Hejkal

29: Manfred Esser (links)

Mary Dunkin (rechts)

38: Challenge Records Intern. /

Marco Borggreve (oben/Mitte)

38: harmonia mundi /

Alvaro Janez (unten)

47-49: Jörg Hejkal

50: Alexandra Vosding (links)

Elisabeth Carecchio (rechts)

51: Hyou Vielz

53: Jörg Hejkal

54: Anna Hult

55-56: Aymeric Warmé-Janville

57: Ralph Hinterkeuser

58: Harry Borden

59: Gürzenich Orchester/Catrin Moritz

60-61: Peter Boettcher

Für die Überlassung der übrigen Fotos danken wir den Künstleragenturen.

VI R S U X Stehplätze, Balkone (Gehbehinderte s. Hinweis)

V T Y Seitenplätze G M Reihe 29 und 30 I K O P

IV I K O P Reihe 32 und 33 L Q

III G H L M N Q Seitenplätze A D

II A C D F

I B E

Z Chorempore und Behindertenplätze Z, Reihe 4

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