Download - Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und ...

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gleichb e r e c h t i g t

60 Jahre Grundgesetz – Meilensteine auf dem Weg zur Gleichberechtigung

gleichb e r e c h t i g t Frauen in Rheinland-Pfalz

S o n d e r b e i l a g e

mit

Sonderbeilage

60 Jahre Grundgesetz –

Meilensteine auf dem Weg zur

Gleichberechtigung

Festakt am 10. Oktober 2009 im Landtag Rheinland-Pfalz

01 | 2009

Frauen in Rheinland-Pfalz

Frauen und Medien

Interview mit Marlies Hesse über

die Zukunft der Medienfrauen

Wie kommen Frauenthemen

auf Sendung?


e d i t o r i a l

Wie vielseitig die Medienwelt ist und

welchen Einfluss sie auf Frauen nimmt,

wollen wir Ihnen in der vorliegenden

Ausgabe der gleichberechtigt

näher bringen. Auch wenn noch immer

zu wenige Frauen in den Chefetagen

vertreten sind, Frauen nehmen Einfluss

auf die Medien, wie der Artikel „Von

Frauen, Macht und Medien“ zeigt. Neben

den beruflichen Aspekten weisen

Berichte wie „Verloren in den virtuellen

Welten“ oder „Für mehr Internetsicherheit

von Kindern und Jugendlichen“ vor

allem auf die medialen Gefahren hin.

Einen Schwerpunkt bildet auch der

„Girls’Day 2009“, der beispielsweise in

Neuwied mit vielfältigen Angeboten

lockte und im ZDF Fernsehen zum Anfassen

bot.

Aus aktuellem Anlass erscheint die

Sonderbeilage „60 Jahre Grund-

gesetz – Meilensteine auf dem Weg zur

Gleichberechtigung“. Hier erinnern wir

an Dr. Elisabeth Selbert, der ganz wesentlich

die Durchsetzung des Artikels 3

Absatz 2 des Grundgesetzes zu verdanken

ist. Ebenfalls viel Diskussionsstoff liefern

seit der Gründung der Bundes-

republik die Gleichstellungsgesetze, die

politische Partizipation von Frauen oder

das Thema Gewalt gegen Frauen.

So hoffen wir, Sie umfassend und anregend

zu informieren!

Ihre Redaktion

gleichberechtigt

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe

der gleichberechtigt ist der

18. 09. 2009.

Die Redaktion im Porträt:

Simone Walka

(SW) Als das Ministerium für Arbeit, Soziales,

Gesundheit, Familie und Frauen die

Gleichstellungsbeauftragten des Landes

bat, jemanden in die Redaktion der

gleichberechtigt zu entsenden,

habe ich mich sofort bereit erklärt.

Warum? Nun, als ich Abitur machte,

wollte ich Journalistin werden und über

weltpolitische Ereignisse berichten. Ausprobieren

konnte ich das Schreiben in

unserer Schülerzeitung und der Abi-

zeitung. Doch mein beruflicher Weg

nahm eine andere Abzweigung, nämlich

die in die Soziale Arbeit und der Gleichstellung.

Hier konnte und kann ich mein

Faible fürs Artikel schreiben durch die

Pressearbeit ausleben – und natürlich

durch die gleichberechtigt. Sie

bringt meine Passionen, das Schreiben

und die Frauenpolitik, zusammen. Eine

ganze Zeitschrift mit Frauenthemen aus

dem Land – das gibt es sonst nirgendwo.

IMPRESSUM

Herausgeberin

Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit,

Familie und Frauen Rheinland-Pfalz

Referat für Reden und Öffentlichkeitsarbeit

Bauhofstraße 9, 55116 Mainz

www.masgff.rlp.de

Broschürenbestelldienst

Broschürentelefon: 06131 16-2016

E-Mail: Bestellservice@masgff.rlp.de

Redaktion

Doris Eyl-Müller (DEM), Gerlinde Schneider (GS),

Stefanie Schneider (ST), Martina Stöppel (MS,

verantwortlich i.S.d.P.), Simone Walka (SW)

Redaktionsanschrift

Postfach 3180, 55021 Mainz

Tel: 06131 16-4155

gleichberechtigt@masgff.rlp.de

Sie arbeiten im Hochschul- oder Wissenschaftsbereich

und wollen ehrenamtlich

bei der gleichberechtigt mitmachen?

Dann melden Sie sich bei Gerlinde Schneider

(gleichberechtigt@masgff.rlp.de)!

Gestaltung

artefont, Ingelheim, www.artefont.de

Titelbild

Tanja Labs

Bildmaterial

Karin Ernst-Betocchi | Doris Eyl-Müller | Club

Aktiv | Internationales Frauenfilmfestival Dortmund/Köln

(© Kulturbüro Dortmund) | Kompetenzzentrum

Verhaltenssucht Universitätsmedizin

Johannes Gutenberg-Universität Mainz | Tanja

Labs | Gabriele Mielke | mvg Verlag | ORF / Carina

Ott | Florian Preßmar | Anna Schroll | Angelika

Stehle | Martina Stöppel | Süddeutsche Zeitung

Photo / deltapress | TV-Mittelrhein | VSA-Verlag |

werberia | ZDF / Astrid Schmidhuber

Druck

gzm Grafisches Zentrum Mainz Bödige GmbH,

Dekan-Laist-Straße 38, 55129 Mainz


S. 6

Frauen und Medien

S. 7

Verloren in den

virtuellen Welten

S. 1

Girls‘s Day im ZDF

gleichberechtigt erscheint zwei Mal im Jahr

und wird kostenlos abgegeben. Nachdruck

unter Quellenangabe erlaubt, bei namentlich

gekennzeichneten Beiträgen nur mit Einwilligung

der jeweiligen Autorinnen und Autoren.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben

nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und

der Herausgeberin wieder. Für unaufgefordert

zugesandte Beiträge und Fotos entsteht kein

Anspruch auf Veröffentlichung.

gleichb e r e c h t i g t

Editorial 2

Kolumne Ministerin 4

Porträt

PD Dr. Susanne Marschall: Frauen, Film und Frauenfilm 5

Hauptthema

Frauen und Medien

Von Frauen, Macht und Medien 6

Verloren in den virtuellen Welten 7

Alle Jahre wieder: Herbsttreffen der Medienfrauen 8

Interview

mit Marlies Hesse über die Zukunft der Medienfrauen 9

Projekte

Mitmach-Aktionen und ungewöhnliche Berufe entdecken 11

Girls‘Day im ZDF 13

Aus den Kommunen

Wie kommen Frauenthemen auf Sendung? 14

„Frauen im Beruf“ 15

Aus dem Ministerium

Für mehr Internetsicherheit von Kindern und Jugendlichen 16

Kurzreport 17

Mädchen surfen anders

„Saure Gurke“ für aussterbende Rollenklischees

Don‘t miss tilly – Hier wird nicht gespült!

i n h a l t

Veranstaltungen

Internationales Frauenfilmfestival 2009 18

Die Schnecke marschiert 19

Tipps und Links 20

Feedback 20


k o l u m n e m i n i s t e r i n

Lieber Leser,

liebe Leserin,

Medien haben eine Schlüsselfunktion,

wenn es darum geht, die tatsächliche

Gleichberechtigung von Frau und

Mann zu verwirklichen. Medienschaffende

produzieren und transportieren

täglich Vorstellungen darüber, wie

Frauen und Männer „sind“ oder sein

sollten. Sie gestalten Rollenbilder und

diese wirken auf uns zurück. Als Leserinnen

und Leser und als Zuschauerinnen

und Zuschauer oder Hörerinnen

und Hörer müssen wir genau hinschauen

und uns einen kritischen Blick erhalten.

Auch Medienschaffende interpretieren

und bewerten und greifen dabei

auf Geschlechterstereotypen zurück.

Alle, die mit Gleichstellungsaufgaben

befasst sind, sollte es deshalb besonders

interessieren, welche Botschaften

Zitat

uns vermittelt, welche Frauen- und

Männerbilder dargestellt werden. Ich

wünsche mir, dass Medien, egal ob

Fernsehen, Radio, Film, Zeitung oder

Zeitschrift, ein realistisches Bild der

Fähigkeiten und Potenziale von Frauen

und Männern in unserer Gesellschaft

zeichnen.

Die in den letzten Jahren so erfolgreichen

Vorabendserien zeigen beispielsweise

vordergründig junge, zielbewusste

und durchsetzungsstarke

Frauen. Aber – das hat die Schriftstellerin

und Medienkritikerin Barbara

Sichtermann vor kurzem in einem Vortrag

sehr klarsichtig beschrieben –,

Frauen haben in gerade diesem Genre

meist nur ein Zentrum, den Mann.

Das medial vermittelte Rollenbild von

Frauen konzentriert sich weiterhin auf

Partnerschaft und Familie, andere Interessen

rangieren erst dahinter.

Das Fernsehen ist das Medium mit der

größten Reichweite; die Bilder der

Fernsehwerbung beeinflussen viele

Menschen. Ich begrüße es deshalb

sehr, dass das Europäische Parlament

am 3. September 2008 eine Entschließung

zu den Auswirkungen von Marketing

und Werbung auf die Gleichstellung

von Frauen und Männern verabschiedet

hat. Die Entschließung

wendet sich gegen die Verbreitung

„Neue diskriminierungsfreie, auf Gleichheit bedachte und partnerschaftliche

Rollenmodelle müssen sich auch in den Medien widerspiegeln.“

Frauenministerin Malu Dreyer

traditioneller, sexistischer, Frauen und

Männer verachtender diskriminierender

Geschlechterstereotypen. Das Europäische

Parlament lehnt es ab, dass in der

Werbung Frauen als Sexualobjekte

vermarktet und Körperbilder vermittelt

werden, die zu Essstörungen beitragen

können. Es kritisiert die Darstellung

traditioneller Stereotypen, die Frauen

auf ein Hausfrauendasein reduzieren.

Es ist mir sehr wichtig, dass Frauen und

Männer die gleiche Chance haben, sich

unabhängig von ihrem Geschlecht als

gleichberechtigte Individuen zu entwickeln.

Dazu ist ein breites Angebot

auch an medial vermittelten Rollenbildern

notwendig, die das Selbstwertgefühl

und die Entwicklungspotentiale

von Frauen und Männern stärken.

Die Wechselwirkung zwischen den Rollenbildern

in den Medien und den gesellschaftlichen

Rollenbildern bleibt

spannend. Ich möchte Sie dazu einladen,

sich einen kritischen Blick zu bewahren.

Ihre Malu Dreyer

Ministerin für Arbeit, Soziales,

Gesundheit, Familie und Frauen

Rheinland-Pfalz


PD Dr. Susanne Marschall:

Frauen, Film und Frauenfilm

Nicht nur durch das Fernsehen, auch

durch die Forschung an der Johannes

Gutenberg-Universität hat sich Mainz

als Medienstadt einen Namen gemacht.

Privatdozentin Dr. Susanne Marschall

leistet hierfür nicht nur als Akademische

Rätin des Seminars für Filmwissenschaft

einen entscheidenden Beitrag. Mit

ihrem Projekt ‚Medienintelligenz’ bringt

sie Medienkompetenz in die Schule, vermittelt

mediales Wissen zwischen Generationen

und Fachrichtungen. Im universitären

Schwerpunkt Medienkonvergenz

arbeitet sie interdisziplinär und setzt

neue Impulse für die Forschung. Ihr eigener

Zugang zu den Medienwissenschaften

über das Studium der Germanistik,

Komparatistik und Philosophie in

Köln und Mainz vereinfacht den Dialog

mit den anderen Disziplinen. Doch auch

PD Dr. Marschalls persönliche Forschungsschwerpunkte

kommen neben

der Arbeit im Bereich der Neuen Medien

nicht zu kurz: Fernsehserien, Genderforschung,

Farbe im Film und indisches

Kino. So engagiert sich die 1963 in Kaiserslautern

geborene Wissenschaftlerin

gegenwärtig für eine Kooperation zwischen

der Mainzer Universität und den

Hochschulen im indischen Pune und veranstaltete

Symposien zu Indiens Kino-

Kulturen, zur Zukunft des Fernsehens

und der Bedeutung von Farbe.

Als Frau in der Wissenschaft ist für PD

Dr. Marschall stets auch die Geschlechterfrage

ein Thema. Daher setzt sie sich

auch intensiv für die Förderung von

Nachwuchswissenschaftlerinnen ein. Als

Frauenbeauftragte des Fachbereichs 02

– Sozialwissenschaften, Medien und

Sport – kann sie in diesem Punkt ihre

Bemühungen weiter ausbauen und

nimmt auch Einfluss in Berufungsverfahren,

in denen Frauen oft noch hinter

ihren gleich qualifizierten Kollegen zurückstecken

müssen. „Nach wie vor

stoßen Frauen in der Wissenschaft und

auch im Filmbusiness auf viele Widerstände“,

beurteilt sie die Situation.

Zusammen mit Jun.-Prof. Dr. Fabienne

Liptay vom Institut für Kunstgeschichte

der Ludwig-Maximilians-Universität

München rief sie daher die Initiative

‚International Women’s Film Research

Network’ ins Leben, die sich mit Werk

und Leben internationaler Regisseu-

rinnen auseinandersetzt. Besonderes

Augenmerk der Initiative liegt gegenwärtig

auf dem Themenfeld interkultureller

Perspektiven in Filmen von

Regisseurinnen. „In vielen Filmen von

Diasporaregisseurinnen ist unübersehbar,

dass traditionelle Rollenbilder

für Frauen an Unterdrückungsmechanismen

gekoppelt sind, so dass sie viel

häufiger als ihre männlichen Kollegen

aus der Grundhaltung des Widerstands

heraus ihre Geschichten erzählen

müssen“, meint PD Dr. Marschall.

Autorin:

Vera Cuntz, M.A., Redaktion AFFA

E-Mail: vera.cuntz@affa-portal.de

gleichb e r e c h t i g t

Archive of Female

Film Art (AFFA)

AFFA ist das laufende Projekt der von PD

Dr. Susanne Marschall ins Leben gerufenen

Initiative International Women’s

Film Research Network. In einem Verbund

nationaler und internationaler Medienwissenschaftlerinnen

und -wissenschaftler

entsteht eine Onlineenzyklopädie,

die das künstlerische Schaffen von

Regisseurinnen aus aller Welt auswerten,

kritisch beleuchten und bewahren soll. In

der akademischen Auseinandersetzung

sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert,

obwohl sie seit der Frühgeschichte

des Kinos Filme produzieren. Gefeierte

Regisseurinnen wie Jane Campion oder

Sofia Coppola erreichen ein breites Publikum,

aber ihre Arbeit wird in der Wissenschaft

bisher weitgehend ignoriert. AFFA

will diese eklatante Forschungslücke

schließen und den Blick auf die vielgestaltige

Filmkunst von Frauen lenken und

schärfen.

Kontakt:

PD Dr. Susanne Marschall

Seminar für Filmwissenschaft

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Wallstraße 11, 55122 Mainz

E-Mail: susanne.marschall@uni-mainz.de

Internet:

www.affa-portal.de

p o r t r ä t


h a u p t t h e m a :

Von Frauen, Macht und Medien

Frauenkarriere im Journalismus

Der Journalismus gilt als Männerdomäne.

Seit einigen Jahren drängen immer

mehr Frauen in die Medienbranche.

Eine von ihnen ist die Wirtschafts-

journalistin Anne-Kathrin Schulz. Die

29-Jährige hat bei einem Finanzmagazin

volontiert und übernahm nach ihrer

Ausbildung eine Ressortleitung.

Jetzt wechselt sie in die Leitungs-

position der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit

eines Versicherungsan-

bieters. Nebenbei promoviert sie. „Ich

will Karriere machen“, erklärt sie. Mit

ihrem Karrierestreben ist sie ein neuer

Typus Journalistin, der die Medienbranche

erobert.

Doch gleichberechtigt sieht es hier

(noch) nicht aus: 37% Frauenanteil

stellte eine Journalistenstudie aus dem

Jahr 2006 fest. Machen die Frauen

noch über die Hälfte der Auszubildenden

aus, schaffen es nur 20% in die

Leitungsfunktionen. Schon früher belegten

Studien, dass Frauen in „männlichen“

Ressorts wie Politik oder Wirtschaft

und in Führungspositionen

kaum vertreten waren, dafür überdurchschnittlich

häufig in den „weichen“

Ressorts wie Familie und Unter-

haltung. Auch bei den tagesaktuellen

Medien liegt der Frauenanteil deutlich

unter dem bei Zeitschriften. Beim privaten

Rundfunk und als Moderatorin haben

die Frauen bessere Chancen.

Wünschenswert wäre eine gleichberechtigte

Teilhabe – auch an den gehobenen

Einkommensgruppen. Durchschnittlich

verdienen die Journalis-

tinnen einige Hundert Euro weniger

als ihre Kollegen – selbst bei formal

höherer Qualifikation und gleicher

Position. Gleich gut bezahlt werden

wie die Kollegen, eine Forderung, die

Anne-Kathrin Schulz in Gehaltsverhandlungen

durchsetzen konnte. „Man

muss den Wert der eigenen Arbeit einfordern“,

meint die 29-Jährige. Manche

kommen nicht in diese Situation,

denn viele Frauen steigen im Alter ab

30 Jahren aus dem Beruf aus. Ein Alter,

das mit der Familiengründungsphase

zusammenfällt. Die Vereinbarung von

Familie und journalistischem Beruf, der

Überstunden und Wochenendarbeit erfordert,

ist schwer.

Eine, die sogar Führungsposition und

Familie miteinander verbindet, ist

Annette Milz, Chefredakteurin des

„Medium Magazins“. Für nichts würde

die Blattmacherin und Mutter einer

Tochter auf eines von beidem verzichten.

Annette Milz wünscht sich einen

Bewusstseinswechsel in der Branche –

darum thematisiert sie die Probleme für

Frauen im Journalismus immer wieder.

Allerdings halten viele das Aufstreben

in eine hierarchische Position für nicht

erstrebenswert. Andere bevorzugen die

Tätigkeit als freie Journalistin – zum

Beispiel Carola Kleinschmidt aus Hamburg.

Die Mutter eines Sohnes hat sich

bewusst für die Freiberuflichkeit entschieden.

Karriere definiert sie über

Selbstverwirklichung und Zeit für Familie.

Autorin und Kontakt:

Tina Groll

Diplom-Journalistin

Mozartstraße 2, 28203 Bremen

Telefon / Fax: 0421 4309653

E-Mail: tinagroll@aol.com

Internet:

www.tina-groll.de


Verloren in den virtuellen Welten

Der tägliche Kampf im Kinderzimmer

In Deutschland gelten rund 3% der regelmäßigen

Computerspieler als süchtig,

weitere 10% als gefährdet.

Checkliste Computerspielverhalten unter

www.verhaltensucht.de

Jeden Tag dasselbe: Nico Wagner*

kommt von der Schule und verschwindet

sofort in seinem Zimmer, um am

Computer zu spielen. An Schultagen

spielt der 16-Jährige bis zu acht Stunden.

An den Wochenenden von morgens

früh bis spät in die Nacht.

Familienleben, Freunde oder Hobbies –

Fehlanzeige. „Der ständige Streit um

Nicos Computerspiele hat mich irgendwann

richtig aggressiv gemacht“, erzählt

die Mutter. Als Elisabeth Wagner*

aus Verzweiflung eines Abends den

Stecker zieht, rastet Nico aus und zertrümmert

in seiner Wut einen Stuhl.

„Plötzlich hatte ich das Gefühl, der Nico

ist wie ein Süchtiger.“ Die Mutter sucht

Hilfe bei der Mainzer Ambulanz für

Spielsucht.

gleichb e r e c h t i g t 7

f ra u e n u n d m e d i e n

In der Ambulanz für Spielsucht der

Mainzer Universität haben sich seit Eröffnung

im März 2008 rund 300 Betroffene

und Angehörige gemeldet.

Häufig sind es Mütter, die Hilfe für sich

und ihre Kinder suchen. Im Rahmen

eines Erstberatungsgesprächs klären

die Therapeuten zunächst ab, ob eine

psychologische Beratung angezeigt ist

oder ob eine Abhängigkeitserkrankung

vorliegt. Bei Kindern und Jugendlichen

findet dieses Gespräch unter

Einbeziehung der Eltern statt. Liegt

der Verdacht einer Suchterkrankung

vor, folgen weitere Sitzungen, in denen

mittels umfangreicher Diagnostik

Störungsgrad, Therapiemotivation und

Gruppenfähigkeit des Patienten eingeschätzt

wird. Je nach Befund erhält der

Patient dann das Angebot, an einer

ambulanten Gruppentherapie teilzunehmen.

Hier lernen die Betroffenen

wieder einen kontrollierten Umgang

mit dem Computer und die Rückkehr

in das reale Leben. Dazu gehört auch

zu verstehen, warum so exzessiv gespielt

wird.

Auch der Sohn von Claudia Siebert*

vernachlässigte Ausbildung und

Freunde, um am Computer zu spielen.

Ein Anruf von Julians* Lehrer hatte sie

alarmiert, denn er vermutet eine Computerspielsucht

bei Julian. Die Mutter

sorgt sich um die Zukunft ihres Sohnes.

Im wirklichen Leben scheint der 18-

Jährige antriebslos. Ganz anders in seiner

virtuellen Welt: Hier ist er der Held,

erfährt Anerkennung von seiner Gilde.

„Manchmal fühle ich mich so hilflos“,

erzählt Julians Mutter. Auch die häusliche

Atmosphäre leidet. Julians Vater

ist von seinem Sohn enttäuscht. Es

fällt ihm schwer zu akzeptieren, dass

sein Sohn computerspielsüchtig sein

soll. Claudia Siebert versucht, zwischen

Vater und Sohn zu vermitteln.

Und seit Anfang 2009 fährt sie ihren

Sohn einmal pro Woche 100 km zur

Gruppentherapie in die Mainzer Ambulanz.

Julian sei seit Beginn der

Therapie wieder zugänglicher, berichtet

seine Mutter. Ein erster wichtiger

Schritt.

(* Name von der Redaktion geändert)

Autorin:

Anke Quack

Kontakt:

Ambulanz für Spielsucht am

Kompetenzzentrum Verhaltenssucht

Universitätsmedizin Johannes

Gutenberg-Universität Mainz

Telefonische Erstberatung und

Terminvergabe: 06131 39-24807

Montag bis Freitag 12:00 -16:00 Uhr


h a u p t t h e m a : f ra u e n u n d m e d i e n

Alle Jahre wieder: Herbsttreffen der Medienfrauen

Ein Klassiker des Netzwerkens bleibt aktuell

Seit über 30 Jahren treffen sich Me-

dienfrauen aus ARD, ZDF und ORF im

Herbst. Journalistinnen, Technikerinnen,

Mitarbeiterinnen aus der Verwaltung,

Frauen aus TV, Hörfunk und Online beraten

über Medienpolitik und Veränderungen

in der Rundfunklandschaft,

über Maßnahmen zur Frauenförderung

und den Erfolg der Gleichstellungspläne.

Zwei Intendantinnen gibt es heute

bei der ARD. 1978, als die Frauengruppe

des ZDF zum ersten dieser bundesweiten

Treffen einlud, war keine einzige

Frau Intendantin, hatte überhaupt

erst eine Frau eine Geschäftsleitungsposition

erreicht, alle Sender zusammen

genommen. Die Frauenanteile in

den öffentlich-rechtlichen Sendern liegen

heute zwischen 40 und 50% – damals

lagen sie oft unter einem Drittel.

Viel ist geschehen, genug ist es noch

nicht.

2008 stand das jüngste Treffen beim

ORF in Wien unter dem Motto „Blickwechsel“.

Die Teilnehmerinnen fragten:

Warum sind Frauen heute, so gut ausgebildet,

motiviert und tatsächlich so

zahlreich im Rundfunk vertreten wie

nie zuvor, von echter Gleichstellung

aber immer noch entfernt? Auch in die

Sender kommen junge, selbstbewusste

Das Herbstreffen 2008 stand unter dem Motto „Blickwechsel“

li.: Podiumsdiskussion; re.: Monika Hoffmann

Frauen in dem Glauben, ihnen gehöre

die Welt und stoßen dann, im Beruf, an

die so genannte „gläserne Decke“. Neben

der Vereinbarkeit von Beruf und Familie

– trotz vieler Verbesserungen aus

Frauensicht noch immer das größte

Handlungsfeld – sind vor allem die

gängigen Stereotype die Stolpersteine

für die gleiche Anerkennung von Leistung

und Person. Wenn zwei dasselbe

tun, ist es noch lange nicht das Gleiche.

Alte Rollenbilder führen bis heute dazu,

dass Frauen und Männer unterschiedlich

bewertet werden, ob bei der fachlichen

Kompetenz oder in ihrem Verhalten.

Hier hilft nur: Weg vom Vorurteil,

den Blick wechseln. Und auch, die

„Spielregeln des Erfolgs“, von Männern

bestimmt und genutzt, endlich anwenden

zu lernen.

1978, beim ersten Medienfrauentreffen,

war es noch allen Teilnehmerinnen bewusst:

Frauen sind strukturell, durch

die Verhältnisse in Gesellschaft und Arbeitswelt,

benachteiligt. Dies war das

Motiv für die bundesweiten Treffen

und die Initiativen, die hiervon ausgingen

und die schließlich auch zu einer

Gleichstellungspolitik der Sender führten.

Heute werden Benachteiligungen

eher individuell erlebt. Auf den Herbsttreffen

aber erfahren die Frauen im

Austausch: Du bist nicht allein betroffen.

Vielen geht es ähnlich. Abhilfe gelingt

nur gemeinsam. Erfolg haben

Frauen dann, wenn Frauen sich unterstützen,

in senderinternen Netzwerken

z. B. oder durch Mentoring-Projekte.

Mehrere Workshops in Wien galten

auch den Veränderungen durch die

Digitalisierung der Medien. Sie sind

das Hauptthema des nächsten Herbsttreffens

im November 2009 beim SWR

in Baden-Baden: „Multitasking für

Multimedia“.

Autorin

Monika Hoffmann

Gleichstellungsbeauftragte ZDF

55100 Mainz

Kontakt:

www.medienfrauentreffen.de


Zukunft der Medienfrauen

Über Anspruch und Wirklichkeit für Frauen in den Medien

Samstagabend, 22:45 Uhr: Das aktuelle

Sportstudio beginnt. Moderiert

wird die Sendung von Katrin Müller-

Hohenstein. Immerhin, die sechste Moderatorin

in fast 46 Jahren, in der es

diese Sendung gibt. „In anderen

Sparten der Medienwelt sieht es zwar

besser aus, aber wir sind noch lange

nicht im „mainstream“ angekommen“,

sagt die Geschäftsführerin des Journalistinnenbundes,

Marlies Hesse, im Gespräch

mit der gleichberechtigt.

Gerlinde Schneider (GS): Frau

Hesse, in der heutigen Medienwelt ist

die Präsenz von bekannten Frauen in

Talkshows, Nachrichten- und Sportsendungen

offensichtlich. Warum gelingt

aber nur wenigen Journalistinnen der

Sprung an die Spitze?

Marlies Hesse: Richtig ist, es gibt

keinen sichtbaren Mangel von Frauen

in den Medien zu beklagen. Sie

sprechen Nachrichten, sie moderieren

Sendungen, interpretieren die Börsenkurse,

sie sagen das Wetter voraus. Sie

mischen längst bei Sport-Reportagen

mit und vor allem prägen sie den Polit-

Talk. Längst kennt man ihre Namen

und Gesichter. Mit ihren beachtlichen

Karrieren avancierten sie zu Vorbildern.

Weniger bekannt ist, dass überall, wo

sie auftauchen, im Hintergrund überwiegend

Männer die Programmstrukturen

bestimmen. Das gilt für die aktuellen

Nachrichtensendungen bei der

ARD und beim ZDF ebenso wie für politische

und kulturelle Magazine.

Gelegentlich präsentieren Moderatorinnen

auch Themen, die für Frauen von

besonderem Interesse sind. Aber aus

Furcht, ins Abseits zu geraten, wird

dabei auf feministisch geprägte Ansichten

allzu gern verzichtet. Inzwischen

gibt es kaum eine Männerdomäne, die

Frauen nicht eroberten. Ganz langsam

haben die Journalistinnen auch bei der

meinungsbildenden Vergabe der ARD-

Kommentare aufgeholt, wenngleich sie

dort noch immer viel zu wenig zu Wort

kommen.

GS: Was muss sich strukturell ändern,

damit „gender“ im “mainstream” ankommt?

Hesse: Die Frauenkarriere in den elektronischen

Medien endet in der Regel

auf der Ebene der Abteilungsleitung.

Ihre Unterrepräsentanz in Führungspositionen

wird bereits seit geraumer Zeit

auch von der EU als gravierend erkannt.

Um Familie und Beruf unter einen Hut

zu bringen, müssen deshalb bessere Ar-

Gender ist der englischsprachige Begriff für das „soziale Geschlecht“

im Gegensatz zum biologischen Geschlecht – und steht für die

gesellschaftlichen Rollen, die Frauen und Männern zugeschrieben werden.

Mainstreaming leitet sich von Mainstream, der Hauptströmung,

ab und bedeutet, die Frage nach der Geschlechtergerechtigkeit zum

ganz alltäglichen Bestandteil der eigenen Arbeit zu machen.

gleichb e r e c h t i g t 9

i n t e r v i e w

Kurzbiografie

Marlies Hesse

1935 geboren in Peine

1954-1957

Lehre als Buchhändlerin

1958-1961

Ausbildung zur Diplom-Bibliothekarin

1961-1965

Leiterin der Bibliothek des Hans-Bredow-Instituts,

Universität Hamburg

1965-1994

Redakteurin beim Deutschlandfunk in

verschiedenen Funktionen, u. a.

seit 1979 Leiterin des Referates für

Aus- und Fortbildung

seit 1994

freie Journalistin und Geschäftsführerin

des Journalistinnenbundes

2003

ausgezeichnet mit der Hedwig-Dohm-

Urkunde für ihr Lebenswerk und dem

Bundesverdienstkreuz am Bande für

ihren Einsatz um die Gleichstellung der

Frauen


i n t e r v i e w

beitszeit-Modelle für Frauen und

Männer entwickelt werden. Teilzeit zu

arbeiten, kann nur eine Notlösung

sein.

Auch wenn es bislang nur wenigen

Frauen gelang, höchste Führungspositionen

zu erobern, so kann aber auch

für diese Frauen nicht behauptet

werden, dass sie dazu beitrugen, die

Berichterstattung unter geschlechterdemokratischen

Aspekten sichtlich verändert

zu haben. Erst wenn es gelingt,

die Themen mit der Zuordnung

„weiblich“ in den klassischen Medien

nicht mehr weitgehend als nachrangig

anzusehen, kann auch davon gesprochen

werden, im „mainstream“

angekommen zu sein.

GS: Als Aus- und Fortbildungsbeauftragte

beim Deutschlandfunk waren

Sie maßgeblich an der Entwicklung

des „Rahmenkonzeptes für die journalistische

Ausbildung bei ARD/ZDF“ beteiligt.

Was raten Sie Frauen heute, die

einen Medienberuf ergreifen wollen?

Hesse: Angesichts der andauernden

Medienkrise rate ich jungen Frauen

davon ab, wenn sie nur die Vorstellung

haben „irgend etwas mit Medien“

machen zu wollen. Sofern sie auf freiberuflicher

Basis tätig sind, empfehle

Zitat

ich ihnen, sich Bürogemeinschaften

anzuschließen und verstärkt Netzwerke

zu nutzen. Auch eine Spezialisierung

ist ratsam, um als Expertin mit

einer „Nische“ am Ball zu bleiben.

Nur wer genug Selbstvertrauen und

Durchsetzungsvermögen hat, flexibel

ist und auf der Karriereleiter keine Verantwortung

scheut, bleibt auf Dauer

der männlichen Konkurrenz gewachsen.

Wer als Feste aufsteigen will,

kommt nicht umhin, sich den Normen

und Werten anzupassen, die in den

Medienbetrieben vorherrschen. Jede

sollte sich genau überlegen, ob ihre

zeitlichen, physischen und psychischen

Kräfte ausreichen, um den Anforderungen

an den Beruf bei unzureichender

Bezahlung standzuhalten.

GS: Sie selbst haben einen ungewöhnlichen

Karriereweg durchlaufen.

Als persönliche Referentin des Intendanten

beim Deutschlandfunk und

später als Programmkoordinatorin

waren sie als Frau eine Ausnahme in

einer solchen Position. Haben Sie das

auch so empfunden?

Hesse: Dass ich die erste persönliche

Referentin eines Intendanten innerhalb

der ARD war, habe ich anfangs nicht

einmal direkt wahrgenommen. Mehr

zufällig und ungefragt wuchs ich in

„Ich beobachte, dass Frauen fragen, weil sie wirklich etwas

wissen wollen – nicht, um bestätigt zu bekommen,

was sie schon zu wissen glauben.“

Anne Will

den Aufgabenbereich hinein. Erst als

in den Sendern die Frauenförderung

eine Rolle zu spielen begann, wurde

mir meine Ausnahmesituation bewusst.

Von da an setzte ich mich im

Sender verstärkt für die Gleichstellung

bei der Aus -und Fortbildung bis hin

zur Umsetzung eines ersten Frauenförderplans

ein.

GS: Was wünschen Sie den Journalistinnen

und medienschaffenden Frauen

für die Zukunft?

Hesse: Für die Zukunft der Medienbranche

wünsche ich mir mehr Frauen

in der Hierarchie. Eine absolute Gleichbehandlung

von Frauen und Männern,

bei der es ausschließlich auf Professionalität,

Kompetenz und Leistung ankommt.

Ich verspreche mir zugleich

von mehr Frauen in Spitzenpositionen,

dass sie Frauen nachziehen, sodass

sich ihr Anteil auf höchster Ebene vergrößert.

Auch sollten Gremien angehalten

werden, bei der Besetzung von

Führungspositionen künftig auf den

Parteienproporz zu verzichten, um

einen Einfluss zu Gunsten von männlichen

Partei-Mitgliedern auszuschließen.

Aus der Sicht der Rezipientinnen

wünsche ich mir, dass die Qualität der

journalistischen Produkte nicht dem

Sparzwang zum Opfer fällt. Und was

die Sichtbarkeit von Frauen in der Berichterstattung

der Medien angeht, so

wird es höchste Zeit, dass Deutschland

künftig im internationalen Vergleich

einen der ersten Plätze in der Länder-

Liste einnimmt.


(DEM) Fest in Mädchenhand war die

Agentur für Arbeit in Neuwied beim

diesjährigen Girls’Day. Über 450 Mädchen

waren der Einladung der Beauftragten

für Chancengleichheit, den

Gleichstellungsbeauftragten von Stadt

und Landkreis sowie der Jugendpflege

des Landkreises und dem Kinder- und

Jugendbüro der Stadt Neuwied gefolgt.

Sie alle nutzten die Gelegenheit, selbst

zu schrauben, zu hämmern oder zu

bohren. Weitere Einblicke in die Berufswelt

und viele Gelegenheiten zum Ausprobieren

erhielten die Mädchen an

den Stationen des Berufsparcours. Zum

Beispiel konnten sie mit binären Zahlensystemen

rechnen, Winkel montieren,

Blumen aus Kupferdraht biegen, Werkzeuge

bestimmen oder – was ungemein

„cool“ aussieht, aber spätestens nach

der ersten Minute viel Kraft kostet –

Dachziegel werfen.

Der Berufsparcour konnte von den Neuwieder

Akteurinnen mit Hilfe des Mainzer

Frauenministerium finanziert

werden und kam bereits zum zweiten

Mal beim Girls’Day zum Einsatz. Sein

Konzept wird sowohl von den Mädchen

als auch von den begleitenden Pädagoginnen

und Pädagogen sehr positiv bewertet.

„Bei den einzelnen Stationen

des Parcours sind Tätigkeiten und Fähigkeiten

gefordert, die auch in den verschiedenen

Berufen notwendig sind“,

erläutert Sandra Thannhäuser, Frauen-

und Gleichstellungsbeauftragte der

Stadt Neuwied, das Konzept des Berufsparcours.

So können etwa die Mädchen

ihr räumliches Vorstellungsver-

mögen, das in vielen Handwerksberufen

gefordert ist, testen, indem sie eine aus

Knetmasse bestehende Kugel nach

einem Modell zerteilen müssen. An anderen

Stationen steht das Ausprobieren

von körperlicher Stärke im Vordergrund,

z. B. beim Dachziegelwerfen. Was ver-

gleichb e r e c h t i g t 11

p r o j e k t

Mitmach-Aktionen und ungewöhnliche

Berufe entdecken – viele Attraktionen beim Girls’Day 2009 in Neuwied

Girls‘Day

Der bundesweite Girls‘Day –

Mädchen-Zukunftstag findet

jedes Jahr am letzten Donnerstag

im April statt. Am Aktionstag können

Mädchen Berufe entdecken,

in denen Frauen bisher noch unterrepräsentiert

sind. Schülerinnen

ab Klasse 5 erleben am Girls‘Day

die Arbeitswelt zukunftsorientierter

Berufe aus den Bereichen

Technik, Handwerk, Ingenieur-

und Naturwissenschaften oder

lernen Führungskräfte aus Wirtschaft

und Politik kennen, die

Vorbildfunktion haben. Rheinland-

Pfalz beteiligt sich seit 2002 am

Girls‘Day. Landesweit nehmen

über 42.000 Mädchen an etwa

2.700 Aktionen teil.

deutlicht, dass trotz des immensen

technischen Fortschritts in manchen

Bereichen Kraft noch immer not-

wendig ist.

Am Stand des Bildungszentrums

Rheinbrohl der Handwerkskammer

war vor allem die Kreativität der Schülerinnen

gefordert, indem sie modische

Kupferarmreifen herstellten

oder Holztiere bemalten. Jede, die Lust

hatte, konnte sich auch am „Girls’Day-

Mosaik“ beteiligen. Dafür hatten die

Auszubildenden des Bildungszentrums

den Schriftzug „Girls’Day“ vorbereitet,

der nun mit kleinen Mosaik-Steinchen

gefüllt werden musste.

Auch die beteiligten Firmen boten attraktive

Aktionen. Dabei entstanden

unter Anleitung einer Auszubildenden

des Bäckereihandwerks auch leckere

Marzipanschweinchen, was großen

Zuspruch fand. Unübersehbaren Spaß

hatten manche Schülerinnen daran,

am Steuer eines modernen Reisebusses

Probe zu sitzen.


p r o j e k t

„Auf der Suche nach Ausstellerinnen

und Ausstellern finden wir immer wieder

ungewöhnliche Berufe, wie z. B.

die Fachkraft für Abwassertechnik oder

die Fach- bzw. Servicekraft für Schutz

und Sicherheit“, erläutert Gisela

Kretzer, Beauftragte für Chancengleichheit

am Arbeitsmarkt der Arbeits-

agentur Neuwied. Durch die Vorstel-

lung von eher unbekannten Ausbil-

dungsberufen sollen Ideen gegeben

und Impulse gesetzt werden, damit

sich die Berufswahlpalette der Mädchen

erweitert und möglichst viele

Chancen für eine gute und zufriedenstellende

Ausbildung genutzt werden.

„Dass dabei die Arbeitsagentur als Veranstaltungsort

gewählt wurde, ist von

Vorteil, denn viele Schülerinnen informieren

sich direkt im Berufsinforma-

tionszentrum (BIZ) über die präsen-

tierten Berufe oder vereinbaren einen

Termin bei der Berufsberatung“, weiß

Doris Eyl-Müller, Gleichstellungsbeauftragte

des Landkreises Neuwied.

Der Robotertechnik stehen gerade junge

Mädchen sehr aufgeschlossen gegenüber,

wie die ROBERTA-Projekt-

gruppe der Maximilian-zu-Wied-Real-

schule deutlich machte. Das Projekt

der „tanzenden“ oder „sehenden“

Roboter wird von der Landesregierung

unterstützt und steht Schulen offen,

um Schülerinnen an technische Berufe

heranzuführen. Unter fachlicher Anleitung

der Universität Koblenz werden

von den Teilnehmerinnen aus LEGO-

Steinen Roboter gebaut und diese anschließend

entsprechend ihrer ge-

planten Funktion programmiert.

Für „richtigen“ Tanz sorgten – als kulturelles

Rahmenprogramm – die „New

Girls on the Block“ der Pestalozzi Schule

mit ihrer Hip-Hop-Musik oder das

Tanzstudio „STEP IN“ aus Altenkirchen.

Die Idee der zentralen Veranstaltung

fasst Tanja Benscheikh vom Kinder-

und Jugendbüro der Stadt zusammen:

„Weg vom Give-away-sammeln hin zu

Mitmachaktionen, das ist die Grundidee

unseres Girls’Days, der eine kleine

Ausbildungsbörse für Mädchen

darstellt. Dabei können sich die Schülerinnen

über frauenuntypische Berufe

– sei es nun Fachinformatik, das Bäcke-

reihandwerk, den Maurerberuf, die Berufskraftfahrerin

oder eine Ausbildung

bei der Feuerwehr – informieren.“ Die

Neuwiederinnen sehen im Girls’Day einen

Mosaik-Stein bei der Berufswahl

der Mädchen. „Es ist wichtig, das jede

Instanz, ob nun Schule, Eltern, die Berufsberatung

oder auch die Medien, ihren

Teil zur vorurteilsfreien Berufswahl

der jungen Menschen beiträgt, das gilt

für Mädchen ebenso wie für Jungen.

Immerhin lebt man vielleicht sein ganzes

Leben lang mit der Entscheidung.

Da müssen Interessen und Fähigkeiten

und nicht Vorurteile und Rollenklischees

die Entscheidung beeinflussen“, appelliert

Sandra Thannhäuser.

Der nächste Girls‘Day findet

am 29. April 2010 statt!

Weitere Informationen auf der

landesweiten Homepage

www.girls-day.rlp.de oder bei

der Girls‘Day-Landeskoordinierungsstelle,

Telefon: 06131 16-4188,

E-Mail: ute.springstubbe@masgff.rlp.de


Girls‘Day im ZDF:

Mädchen machen Fernsehen

Rund 330 Mädchen besuchten anlässlich

des Girls’Day am 23. April 2009

das ZDF. Sowohl im Sendezentrum in

Mainz als auch in den meisten Inlandstudios

hatten die Schülerinnen Gelegenheit,

Berufe in der Fernsehproduktion

und -technik kennen zu lernen. In

Berlin informierte sich Bundesministerin

Ulla Schmidt gemeinsam mit 25 Mädchen

aus Berliner Schulen über den Produktionsalltag

im ZDF-Hauptstadtstu-

dio. In Mainz erlebten 210 Mädchen,

wie Fernsehen gemacht wird, welche

Abteilungen dabei direkt oder indirekt

mit technischen Leistungen beteiligt

sind und welche interessanten und vielfältigen

Berufsfelder es in einem Rundfunksender

gibt.

Schülerinnen aus Mainz und Umgebung

nahmen im Sendezentrum an ganztägigen

Workshops teil und durften sogar

selbst Fernsehen machen. ZDF-Moderatoren

und Moderatorinnen wie Petra

Gerster, Dunja Hayali und Michael

Opoczinsky waren ihre prominenten

Studiogäste, als sie mit Unterstützung

von Profis vor und hinter der Kamera

standen und „Girls’Day TV“ produzierten.

Die viertelstündige „Sendung“

wurde zwar nicht ausgestrahlt, aber jedes

Mädchen erhielt zur Erinnerung einen

Mitschnitt auf DVD. Außerdem waren

die Schülerinnen im Rechenzentrum

und bei den Fachleuten der Systemtechnik

zu Besuch oder mit einem Kamerateam

unterwegs. Sie lernten die hochmodernen

Schnitt-Computersysteme

kennen, erlebten, wie Fernsehdesign

entsteht, und stellten einen Weblog

zum Girls’Day ins Netz. Das praktische

Erleben stand im Vordergrund: Studiosendungen

produzieren, Filme drehen

oder schneiden, PCs in Betrieb nehmen.

Maßgeschneidert für jüngere Mädchen

waren Aktionen in den handwerklichen

Abteilungen wie Bühnenbau oder Hausdruckerei.

In den Inlandstudios des ZDF und bei

PHOENIX in Bonn waren über 100

Mädchen zu Besuch, sogar das ZDF-

Börsenstudio in Frankfurt hatte Mädchen

bei den Live-Sendungen des

ZDF-Börsenteams zu Gast. Bei 3sat

produzierten Schülerinnen des Wilhelm-

gleichb e r e c h t i g t 1

p r o j e k t

Remy-Gymnasiums in Bendorf einen

kurzen Film und besuchten 3sat Online.

Warum engagiert sich das ZDF so,

welches sind die Motive des öffentlichrechtlichen

Unternehmens? Das ZDF

betreibt seit Jahren eine aktive und erfolgreiche

Gleichstellungspolitik, das ist

einer der Gründe für sein großes Engagement.

Aber auch das ZDF weiß um

den demografisch bedingten Fachkräftemangel

und will das Interesse der Mädchen

an den technischen Berufen wecken.

Bewerbungen für Praktika und

Ausbildungsplätze belegen, dass dies

gelingt. Als „Mädchenzukunftstag“ für

mehr weiblichen Nachwuchs in technischen,

handwerklichen oder naturwissenschaftlichen

Berufen ist ein solcher

Aktionstag hervorragend geeignet,

Impulse für eine breitere Berufswahl zu

geben, deshalb beteiligen sich mittlerweile

bundesweit so viele Betriebe. Das

ZDF selbst ist zum achten Mal beim

Girls’Day vertreten und ist in Rheinland-

Pfalz das Unternehmen, das die meisten

Plätze anbietet.

Autorin

Monika Hoffmann

Gleichstellungsbeauftragte ZDF

55100 Mainz


a u s d e n k o m m u n e n

Wie kommen Frauenthemen auf Sendung?

Frauenalltag bei TV Mittelrhein

Montagmorgen. Themenkonferenz bei

TV Mittelrhein. Alle sind noch müde,

das Wochenende war hart. Die Chefin

vom Dienst hat die Polizeimeldungen

dabei. Ein ganzer Stapel, es ist jede

Menge passiert. Und da beginnt das

Problem, eine Flut von Informationen

strömt über die verschiedenen Kanäle

in die Redaktion. So auch die Mitteilungen

der Polizei: zwei Fälle von

Fahrerflucht, Alkohol am Steuer, ein

Wohnungseinbruch und geschlichtete

Familienstreitigkeit.

Eine Kollegin stutzt: Familienstreitigkeit?

Geht es da nicht um Gewalt in engen

sozialen Beziehungen? Wurde der

Mann weggewiesen? War da nicht

letzte Woche eine ähnliche Meldung?

Fragen tauchen auf. Und schon ist eine

Idee für ein Thema geboren. Wer könnte

einen O-Ton geben? Welche Bilder bieten

sich an?

Im regionalen Fernsehen ist das meist

der normale Werdegang eines Berichtes.

Vielleicht bedeutet dies ein wenig mehr

Freiheit als bei großen Redaktionen.

Freiheit, weil eine Redakteurin, die eine

Idee hat, sie mit ihren Kolleginnen bespricht

und schon mit der Arbeit beginnen

kann. Aber, gerade in kleinen Redaktionen

gibt es oftmals keine klaren

Zuständigkeiten, Jede und Jeder muss

und darf alle Themen bearbeiten und

immer fehlt die Zeit.

Welches Thema es bis auf den Bildschirm

schafft, hängt von der Aktualität

oder Brisanz ab. Ganz wichtig ist, das

Medium selbst im Blick zu behalten.

Ein Vortrag ist ein klassisches Thema

für die Zeitung, nicht für das Fernsehen:

Das braucht Bilder. So ist das Thema

„Gewalt in engen sozialen Beziehungen“

besonders schwer zu bearbeiten. Es

gibt viel zu erklären und wenig, das

man zeigen kann oder will. Der zweite

wichtige Punkt, um Themen zu platzieren,

ist der persönliche Kontakt. Erreicht

eine Mail die Redaktion, hängt es vom

Verständnis desjenigen ab, der sie bekommt,

ob er etwas daraus macht oder

nicht. Im persönlichen Kontakt kann

man gezielt informieren, (Termin)

Schwierigkeiten benennen, Interesse

wecken und bei der Umsetzung helfen,

das ist der Weg.

Zugegeben, der journalistische Alltag ist

chaotisch und da geht schon mal eine

Mail unter. Aber, Handynummern tauschen

und einen freundlichen Draht

halten, ab und zu einen Promi im Gepäck

und ein Feedback auf das Gesendete

können die Zutaten sein, mit denen

man den Kanal für Frauenthemen

zum Glühen bringt.

Sicher, mancher Kollege kann sich den

dummen Spruch nicht verkneifen, wenn

die Redakteurinnen vor dem internationalen

Frauentag diskutieren, wen sie

zum Talk einladen, aber immerhin wissen

die meisten mittlerweile, dass, statistisch

gesehen, jede vierte Frau einmal

in ihrem Leben Opfer von Gewalt wird.

Es ist wie überall im Leben, man muss

miteinander reden, um sich zu verstehen.

Das ist in einer Fernsehredaktion

nicht anders als anderswo.

Autorin und Kontakt:

Katrin Wolf

Redaktionsleitung TV Mittelrhein

Im Klosterfeld 1, 56182 Urbar

Telefon: 0261 667579 -31

E-Mail: info@tv-mittelrhein.com

Internet: www.tv-mittelrhein.com


„Frauen im Beruf“

Ein Filmprojekt für Frauen mit und ohne Migrationshintergrund

Am 08. März 2009 feierte der Film

„Frauen im Beruf“ Premiere. Bereits

zum zweiten Mal kooperierten dabei

die Frauen des Projekts „Leben und

Arbeiten in Deutschland“ mit dem Offenen

Kanal (OK 54) sowie dem MedienKompetenzNetzwerk

(MKN) in Trier.

„Leben und Arbeiten in Deutschland“

ist ein Projekt des Club Aktivs in Zusammenarbeit

mit der Arbeitsgemeinschaft

der Agentur für Arbeit und der

Stadt Trier. Das gemeinsame Ziel ist

die Arbeitsmarktintegration von Frauen

mit und ohne Migrationshintergrund,

die Arbeitslosengeld II erhalten.

Wie lässt sich in diese Arbeit die Realisierung

eines Filmprojekts integrieren?

Die Projektleiterinnen, Swetlana

Rafalkes und Kristin Brackhahn, fassen

es so zusammen: „Für uns bedeutet

das Medium Film eine Form für Frauen,

sich in Bild und Wort auszudrücken

und so Kommunikation auszuprobieren

und zu entwickeln.“

Zu Beginn des Projekts einigten sich

die Teilnehmerinnen zunächst auf das

Thema „Frauen und Beruf“. Darauf

folgten die Vorbereitung, wie z. B. die

Auswahl der zu filmenden Plätze und

der Kontakt zu den Interviewpartnerinnen.

Die Frauen hatten alle vorher noch nie

mit einer Kamera gearbeitet und

wagten sich zunächst zögerlich an die

Technik heran. Ängste konnte ihnen

aber Otto Scholer, MKN-Koordinator in

Trier, während der dreitägigen Einfüh-

gleichb e r e c h t i g t 1

a u s d e n k o m m u n e n

rung in die Film- und Kameraarbeit

nehmen. Selbstbewusst machten sich

anschließend die Frauen auf den Weg,

um die erstellten Drehbücher filmisch

umzusetzen. Sie besuchten die Frauenbeauftragte

der Uni Trier, Claudia Winter,

um sie zur Situation der Frauen an

der Uni zu befragen, interviewten in

einem Autohaus eine weibliche Auszubildende

und ihren Ausbilder und filmten

beim Netzwerkstatt e. V. zum Thema

„Frauen und Computer“.

Mit diesem Rohmaterial ging es in den

Schnitt. Sehr schnell erkannten die

Teilnehmerinnen, wie viel Arbeit die

Fertigstellung eines Films macht. Dennoch

waren sie engagiert bei der Sache,

denn die richtige Musik mussten

sie auch noch finden sowie den Text

zum Film einsprechen. Pünktlich zum

Internationalen Frauentag war es

dann soweit, der Film wurde sowohl

bei einer Veranstaltung als auch im OK

54 ausgestrahlt. Die aufwendige Produktion

des Films hat von den Frauen

viel Motivation und Mut erfordert, da-

her waren die Teilnehmerinnen zurecht

stolz darauf, „ihren“ Film zu präsentieren.

Zum Schluss fassen die Projektleiterinnen

zusammen: „Die Zusammenarbeit

mit dem OK 54 und dem MKN Trier

war sehr erfolgreich. Sie hat geholfen,

manche Hemmschwelle zu nehmen und

wichtige Kompetenzen zu stärken, die

bei der Suche nach einer dauerhaften

sozialversicherten Tätigkeit weiterhelfen.“

Autorin und Kontakt:

Kristin Brackhahn

Club Aktiv

Schützenstraße 20, 54295 Trier

Telefon: 0651 97859-147

E-Mail: brackhahn@clubaktiv.de

Internet: www.clubaktiv.de

Am 19. November 2009 findet in

Mainz die Auftaktveranstaltung

zur Kampagne für Wiedereinsteigerinnen

„Plan W: Wiedereinstieg hat Zukunft“

statt, die das MASGFF in Kooperation

mit der Bundesagentur für Arbeit –

Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-

Saarland – durchführt.

Kontakt:

Sigrid Pöllmann, Telefon: 06131 16-4187;

Cornelia Rapp, Telefon: 06131 16-4189.


a u s d e m m i n i s t e r i u m

Für mehr Internetsicherheit von Kindern und Jugendlichen

Jugendmedienschutz ist der Landesregierung ein wichtiges Anliegen

Das Medium Internet ist mittlerweile

fester Bestandteil der Lebenswelt von

Kindern und Jugendlichen, Eltern und

Lehrkräften. Häufig werden jedoch

wichtige Regeln zur Nutzersicherheit

missachtet.

Um immer häufiger auftretenden Problemen

wie Mobbing oder sexueller

Belästigung im Internet zu begegnen,

über Kostenfallen und Fragen des Datenschutzes

aufzuklären, hat die Landesregierung

Rheinland-Pfalz einen

Zitat

„Behalte stets die Gegenwart im Auge, die Du gestaltest.

Sie sollte die Zukunft sein, die Du haben willst“.

Alice Walker

der Schwerpunkte des 10-Punkte-Programms

„Medienkompetenz macht

Schule“ auf den Jugendmedienschutz

gelegt.

„Medienkompetenz macht Schule“ hat

in Zusammenarbeit mit jugendschutz.

net beispielsweise das Projekt „Medienscouts“

entwickelt. Nach einem

speziell auf die Bedürfnisse der jeweiligen

Schule zugeschnittenen Konzept

wird einer Gruppe von Schülerinnen

und Schülern das richtige Verhalten

beim Surfen und Chatten vermittelt.

Dieses Wissen geben sie als „Medienscouts“,

z. B. durch Vorträge in

Klassenleiterstunden oder eigenen

Sprechstunden, an ihre Mitschülerinnen

und Mitschüler weiter. Angenommen

wird dieses Angebot von

beiden Geschlechtern gleichermaßen

gut – etwa die Hälfte der im vergangenen

Jahr ausgebildeten Medienscouts

sind Mädchen.

Ein weiteres Plus des 10-Punkte-

Programms: Eltern haben die Möglichkeit,

Informationsveranstaltungen mit

fachkundigen Referentinnen und Referenten

über eine eigens eingerichtete

Agentur zu buchen und sich auf diesem

Weg ausführlich und kostenlos

beraten zu lassen.

Interessierte Lehrkräfte können sich über

„Medienkompetenz macht Schule“ zur

Jugendmedienschutzberaterin“

oder zum „Jugendmedienschutzberater“

weiterbilden. Im vergangenen Jahr haben

über 280 Lehrerinnen und Lehrer im

Land diese Weiterbildungsmöglichkeit

genutzt. In diesem Jahr sollen es noch

einmal so viele werden.

„Schüler meiner Klasse haben immer mal

wieder von ihrem – leider eher sorglosen

– Umgang mit Internet, Handy und Computerspielen

erzählt. Dabei ist mir so einiges

aufgefallen, was sie lieber nicht

machen sollten. Ich dachte mir, wenn ich

mehr dazu weiß, kann ich dieses Wissen

viel besser weiterleiten.“ So formuliert

eine Landesmoderatorin Jugendmedienschutz,

warum sie sich auf dem Gebiet

des Jugendmedienschutzes fit hält. Als

Lehrerin den Kontakt zur Alltagswelt der

eigenen Schülerinnen und Schüler zu halten,

„mitreden“ zu können und damit

kompetente Ansprechpartnerin für deren

Ängste und Probleme zu sein, ist ihre Motivation.

Gleichzeitig will sie auch andere

Kolleginnen und Kollegen auf diese Thematik

aufmerksam machen.

Autorin und Kontakt:

Gabriele Lonz, Geschäftsstelle

„Medienkompetenz macht Schule“ im

LandesMedienZentrum Rheinland-Pfalz

Hofstraße 257c, 56077 Koblenz

E-Mail: gabriele.lonz@lmz.rlp.de

Internet:

www.medienkompetenz.rlp.de


Mädchen surfen

anders

In den vergangenen Jahren hat sich nach

Ergebnissen der aktuellen JIM-Studie

2008 die Intensität der Nutzung des Internets

durch Mädchen und Jungen

weitgehend angeglichen. Deutliche geschlechtsspezifische

Unterschiede bestehen

aber bei den genutzten Online-Angeboten:

Mädchen verbringen vergleichsweise

mehr Zeit mit E-Mails,

Chats oder Internet-Communities (z. B.

schülerVZ), während Online-Spiele für

sie eine untergeordnete Rolle spielen.

Neben anderen Gefährdungspotenzialen

sollten deshalb (sexuelle) Nachstellungen,

Belästigungen oder Bedrohungen in

Chat-Räumen und Online-Communities

sowie die Sensibilisierung für das Problem

der leichtfertigen Veröffentlichung

persönlicher Informationen im Netz in

die Medienerziehung von Mädchen einfließen.

Ausführliche Informationen zu den oben

genannten Themen können Eltern auf

der Webseite des EU-Projekts „klicksafe“

finden (www.klicksafe.de).

Autor und Kontakt:

Stephan Stengel

Referent EU-Projekt „klicksafe“

Landeszentrale für Medien und

Kommunikation (LMK)

Turmstraße 10, 67059 Ludwigshafen

E-Mail: info@klicksafe.de

Internet:

www.klicksafe.de

„Saure Gurke“

für aussterbende

Rollenklischees

Die Medienfrauen von ARD, ZDF und

ORF verleihen seit 1980 einmal im Jahr

die „Saure Gurke“. So sollen Frauen

diskriminierende Sendungen in den

öffentlich-rechtlichen Programmen

„gebührend“ honoriert werden. Beim

31. Treffen im September 2008 in Wien

ging der Preis an den (damaligen) Programmdirektor

der ARD, Günter Struve,

für seine „Programminnovationen“.

Seinem steten Bemühen ist es nach

Auffassung der Jury zu verdanken, dass

vom Aussterben bedrohte Rollen-

klischees erfolgreich reanimiert würden.

Sie fänden sich inzwischen an immer

mehr Abenden zur besten Sendezeit in

Werken wie „Liebe nach Rezept“ oder

„Der Traum ihres Lebens“. Struve, der

einen Monat später aus dem Amt

schied, zeigte sich von der „Auszeichnung“

freudig bewegt. Er sei stolz auf

diesen Preis, sagte er, und wollte das

blaugrüne Kunstwerk aus Ton am

liebsten mit nach Hause nehmen.

Unmöglich – die „Saure Gurke“ ist und

bleibt ein Wanderpreis.

Autorin und Kontakt:

Brigitte Reimer

Bayerischer Rundfunk

HF Wissenschaft und Bildung

Redaktion RadioWissen

Rundfunkplatz 1, 80335 München

gleichb e r e c h t i g t 17

k u r z r e p o r t

Don‘t miss tilly –

Hier wird nicht

gespült!

Leserinnen haben mehr verdient als

die üblichen Themen wie „Schlank-in-

2-Tagen“, „10 Wege zum knackigen Po“

oder Flirttipps. Das findet das Autorenteam

von MissTilly.de. „Nix mit rosarot“

ist das Motto des Frauen-Onlinemagazins,

das sich der überholten

Frauenklischees annimmt.

Selbstbewusst, intelligent und humorvoll

geht es auf MissTilly.de zu. Erfrischend

anders wird über gesellschaftspolitische

Themen wie Spätabtreibung,

das Hausfrauenmodell oder Zwangsprostitution

geschrieben. Und Unterhaltung

kommt auch nicht zu kurz: Wenn

MissTilly über die Angela-Merkel-Barbie

berichtet oder in ihren Tillyskopen die

Horoskope aufs Korn nimmt.

Das Magazin hat den Mut zu anderen

Themen und Sichtweisen und belegt

den freien Stuhl zwischen „Brigitte“

und „Emma“.

Autorin und Kontakt:

Dr. Bärbel Kerber

Redaktion MissTilly

Petzower Straße 7, 14109 Berlin

E-Mail: redaktion@misstilly.de

Internet:

www.MissTilly.de


v e r a n s t a l t u n g e n

Internationales Frauenfilmfestival 2009

Filme erzählen von Grenzen und Freiheit

Das Thema FREIHEIT steht im Mittelpunkt

des diesjährigen Internationalen

Frauenfilmfestivals. In themtischen

Reihen, etwa zu den Themen „Grenzen“

oder „Innere Freiheit“, bieten

Filmemacherinnen aus aller Welt ungewohnte

Einblicke in verschiedenste

Lebensentwürfe.

Unter der Reihe „Fronterismo – Grenzen“

wird die Dokumentation VERRIE-

GELTE ZEIT der Regisseurin Sibylle

Schönemann vorgestellt. Sie gehört

zur letzten Regiegeneration der volkseigenen

Filmstudios DEFA in der DDR.

Nach der Wende zeichnet sie in ihrem

autobiografischen Dokumentarfilm die

Stationen ihrer einjährigen Freiheitsstrafe

als politische Gefangene auf.

Vor laufender Kamera befragt sie die

Personen, die damals die „Rädchen im

Szene aus ALLE ANDEREN

Szene aus ALLE ANDEREN

Getriebe“ waren, nach dem „Warum“.

Die Antworten sind so verschieden

wie absurd. Durch die direkte

Konfrontation der ehemaligen Täter

durch ihr Opfer entsteht eine Intimität,

die einen ungewohnten Einblick in

das System der DDR gewährt.

Zum dritten Mal wird in Dortmund ein

mit 25.000 Euro dotierter Interna-

tionaler Spielfilm-Wettbewerb für Regisseurinnen

vergeben. Nach einem

Jahr ohne deutsche Beteiligung ist

wieder ein deutscher Film unter den

konkurrierenden Beiträgen. Die Regisseurin

Mare Ade erzählt in ALLE AN-

DEREN von den widersprüchlichen

Sehnsüchten eines Paares auf der Suche

nach der eigenen Identität und

gewinnt damit den begehrten Spielfilmpreis.

Die internationale Jury begründet

ihre Entscheidung wie folgt:

„Ein wundervoll inszenierter Film, [...]

ebenso unterhaltsam wie intelligent.

Das älteste aller Themen – die Liebe –

wird uns mit immenser Ehrlichkeit,

mit Mut und Leidenschaft präsentiert.

Der Film fokussiert ein scheinbar normales

Paar [...] und allmählich erlaubt

er den Zuschauern, ihre eigene Liebesfähigkeit

und die Werte unserer Gesellschaft

zu hinterfragen. [...].“

Besonders beeindruckend sind die offene

Grundstimmung des Filmfestivals

und der spontane Austausch zwischen

Gästen, Regisseurinnen und

Fachleuten. Diese angenehme Atmo-

sphäre rundet das gelungene Konzept

ab und macht Lust auf einen Besuch

im nächsten Jahr. Dabei ist dieses

Das Team des IFFFs

weltweit bedeutendste Frauenfilmfestival

kein reines Event zur Präsentation

von Frauenfilmproduktionen. Denn es

werden Lehrgänge in Theorie sowie Diskussionsforen

zu Fachthemen rund um

die Filmproduktion angeboten. Aber

auch die Jugendarbeit kommt nicht zu

kurz. Workshops für Mädchen in praktischer

Medienarbeit und das parallel

zu dem Festival stattfindende Schulfilmprogramm

setzen deutliche Akzente. Diese

vielseitigen Ansätze verdeutlichen,

dass der „Frauenfilm“ nicht nur gezeigt,

sondern auch langfristig durch Vernetzung,

Austausch und Weiterbildung in

seiner Entwicklung gefördert werden soll.

Autorin:

Ruth Ebling, 55118 Mainz

Kontakt:

Internationales Frauenfilmfestival

Dortmund/Köln

Internet:

www.frauenfilmfestival.eu


Die Schnecke marschiert

50 Jahre Gleichberechtigung: Anspruch – Wirklichkeit – Perspektiven

Auch 50 Jahre nach dem ersten Gleichberechtigungsgesetz

verdienen Frauen

in Deutschland trotz besserer Schulabschlüsse

im Schnitt 23% weniger als

Männer. An der Spitze der Regierung

steht zwar eine Frau, aber keines der

30 Dax-notierten Unternehmen in

Deutschland wird von einer Frau geleitet.

Und Teilzeit ist immer noch eine

Frauendomäne, weil hauptsächlich

Frauen Beruf und Familie vereinbaren

müssen.

Damit die Gleichberechtigung auch in

Rheinland-Pfalz nicht weiter im Schneckentempo

vorangeht, haben Landesfrauenbeirat,

DGB sowie die beiden

Landesarbeitsgemeinschaften der verwaltungsinternen

und kommunalen

Gleichstellungsbeauftragten unter dem

Motto „Die Schnecke marschiert“ zu

einer Tagung eingeladen. Über 130

Gleichstellungsbeauftragte, Politikerinnen

und Vertreterinnen von Frauenverbänden

kamen dazu in den Wappensaal

des Mainzer Landtages.

Gisela Bill, Vorsitzende des Landesfrauenbeirats,

stellte klar: Eine Demokratie

verdient nur dann ihren Namen,

wenn Frauen und Männer, ihrem Anteil

in der Bevölkerung entsprechend, im

öffentlichen und privaten Leben ihren

Platz haben. Denn das Grundgesetz

verlangt ausdrücklich, dass der Staat

sich für die Umsetzung der Gleichstellung

einsetzt. Christine Morgenstern,

Leiterin der Abteilung Frauen im Ministerium

für Arbeit, Soziales, Gesundheit,

Familie und Frauen, sagte: „Frauenpolitik

heißt immer, sich ergeizige Ziele zu

setzen“, deshalb ist es notwendig,

dass Rheinland-Pfalz eine Vorreiter-

Rolle einnimmt. So setzt sich die Landesregierung

aktiv beim Interventionsprojekt

gegen Gewalt in engen

sozialen Beziehungen (RIGG) oder

bei der Vernetzung der behördlichen

Gleichstellungsbeauftragten ein.

„Nur wenn wir wissen, was war,

können wir etwas ändern“, reflektierte

Gisela Abts als Gastrednerin. In einem

sehr persönlich geprägten Vortrag

zeigte die ausgewiesene Feministin die

Erfolge, aber auch Rückschritte auf

dem Weg zur Umsetzung der tatsächlichen

Gleichstellung auf.

In den Arbeitsgruppen ging es dann

um Erfahrungsaustausch, Vernetzung

und gemeinsame Positionierung.

Dabei wurden in intensiven Gesprächsrunden

Forderungen wie „gleicher

Lohn für gleichwertige Arbeit“ sowie

„eine noch effizienter ausgerichtete

Frauenförderung“ aufgestellt.

Autorinnen:

Barbara Lampe,

Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung

der Universität Mainz

Beate Ullwer, Gleichstellungsbeauftragte

Kreisverwaltung Montabaur

gleichb e r e c h t i g t 19

v e r a n s t a l t u n g e n

Zur Tagung ist ein Reader

mit allen Wortbeiträgen sowie

den Ergebnissen der Arbeitgruppen

erschienen. Er ist erhältlich bei der Geschäfts-

führung des Landesfrauenbeirates Rheinland-Pfalz:

E-Mail: Brigitte.Blum-Kipphan@masgff.rlp.de

Als Download im Internet: www.masgff.rlp.de/frauen/landesfrauenbeirat


t i p p s u n d l i n k s

Funk und Fernsehen

für alle

Für einen zukunftsfähigen

öffentlich-rechtlichen Rundfunk,

Frank Werneke (Hrsg.), VSA-Verlag, 272 Seiten, 16,80 €,

ISBN 978-3-89965-330-4

VS V

Frank Werneke (Hrsg.)

Funk & Fern sehen

für alle

Für einen zukunftsfähigen

öffentlich-rechtlichen Rundfunk

(ST) Die Medienordnung in Deutschland befindet sich in

einem rasanten Wandel – es ergeben sich neue Gefährdungen,

aber auch neue Perspektiven. Die Zukunft des öffentlich-rechtlichen

Rundfunks als wichtige Instanz der

demokratischen Gesellschaft ist davon direkt betroffen.

Dazu will das Buch von Frank Werneke einen Beitrag für

eine offene Diskussion leisten. Es untersucht die Entwicklung

und Struktur der Medien sowie ihren Einfluss auf das

politische Denken.

Ein Kapitel widmet sich der Gleichstellungspolitik im öffentlich-rechtlichen

Rundfunk. Es beschreibt die Anfänge,

Ziele und Etappen der Gleichstellung von Frauen und

zeigt, mit welcher Wut, Zielstrebigkeit und Kreativität

Frauen die Zustände in den Medien verändert haben. Die

Autorinnen Angelika Lipp-Krüll und Ute Mies-Weber, beide

selbst als Gleichstellungsbeauftragte im Südwestrundfunk

und der Deutschen Welle aktiv, zeigen, was bis heute

erreicht wurde und wo die Wirklichkeit noch hinter den

Zielen zurückliegt. Sie liefern viele Argumente, warum Geschlechtergerechtigkeit

und die Arbeit von Gleichstellungsbeauftragten

unverzichtbar sind.

Sie möchten die gleichberechtigt downloaden

oder einen Link auf Ihrer Homepage setzen?

Kein Problem: Besuchen Sie einfach die

Homepage des Frauenministeriums unter

www.masgff.rlp.de

f e e d b a c k

Absender

Warum Frauen nicht mehr länger

die zweite Geige spielen,

Heide-Ulrike Wendt, mvg Verlag, 160 Seiten, 15,90 €,

ISBN 978-3-636-06360-1

(ST) Die Autorin Heide-Ulrike Wendt fordert „Frauen an die

Macht!“ und stellt in ihrem Buch zwölf erfolgreiche und prominente

Frauen vor, die dieses Ziel bereits erreicht haben;

darunter sind Frauenministerin Ursula von der Leyen, Bischöfin

Dr. Margot Käßmann, Ralleyfahrerin Jutta Kleinschmidt

und die Köchin Sarah Wiener. Zu jeder Frau stellt die Autorin

die wichtigsten Informationen zu den beruflichen Stationen

und Erfolgen zusammen.

Ihre individuellen Erfolgsgeschichten, auch über Umwege

und Widerstände hinweg, erzählen die Frauen in persönlichen

Rückblicken und in Interviews. Die Lebenswege und

Erfahrungen der ganz unterschiedlichen Frauen sind interessant

und spannend zu lesen. Sie sollen die Leserinnen dazu

ermuntern, über ihren eigenen Erfolg und ihre Karriere nachzudenken

und bewusst ihren eigenen Weg zu gehen.

Die Autorin Heide-Ulrike Wendt arbeitete viele Jahre als Reporterin

bei verschiedenen Tageszeitungen und Magazinen.

Seit 1997 ist sie freie Autorin und schreibt für „Die Zeit“,

„Brigitte“, „Spiegel-Special“ und weitere Print- bzw.

Hörfunk-Medien.

Einfach abschneiden und per Post oder Fax schicken:

Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen

Bauhofstraße 9, 55116 Mainz, Fax 06131 16-4636

E-Mail: gleichberechtigt@masgff.rlp.de

Ansprechpartnerin:

Frau Gerlinde Schneider, Tel.: 06131 16-4155 – Fax: 06131 16-4636

Die Redaktion nimmt gerne Textbeiträge, Terminhinweise

etc. im Rahmen des vorhandenen Platzes entgegen.

Erfolg ist weiblich

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