Versicherungsstudie 2013 - Xapio GmbH

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Versicherungsstudie 2013 - Xapio GmbH

DEUTSCHE UNDÖSTEREICHISCHEVERSICHERER 2012

Et hätt noch immer joot jejange

Wege aus dem Zinsdilemma

|KAPITALANLAGE

|DEUTSCHLAND

|ÖSTERREICH

|ALM-ANALYSE

|BERICHT AUS BRÜSSEL

unterstützt von


2

Inhalt & Impressum

Inhalt

|Editorial 3

1|Kapitalanlage 4

|Asset-Allokaon - Status Quo

|Die Kennzahl L-Rao

|Dossier Asset-Klassen

|Opmale Asset-Allokaon

|Gastbeitrag Kloos

2|Deutschland 24

|Lebensversicherung

|Gastbeitrag Menhart

|Krankenversicherung

|Gastbeitrag Kurtenbach

|Sachversicherung

|Gastbeitrag Kühl

3|Österreich 40

|Lebensversicherung

|Krankenversicherung

|Sachversicherung

4|ALM-Analyse 46

|Kapitalmarkt

|Analyse Lebensversicherung

|Analyse Kompositversicherung

5|Bericht aus Brüssel 72

|Solvency II

|IFRS

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Herausgeber

xapio GmbH

Nymphenburger Straße 90e

80636 München

p://www.xapio.de

Redakon

Impressum

Zielke Research Consult GmbH

Promenade 9

52076 Aachen

p://www.zielke-rc.eu

Autoren

Thomas Buchal, Ulrich Gürster, Uwe Kloos, Michael Kurtenbach,

Helmut Kühl, Dr. Michael Menhart, Dr. Carsten Zielke

Druck

Master Copy oHG

Kirchnerstraße 6-8

D-60311 Frankfurt am Main

Layout, Satz & Litho

Thomas Buchal

Mitarbeit

Wir bedanken herzlich uns für die tatkräige Unterstüzung

des Arbeitskreises ALM unter der Leitung von Prof. Wilhelm

Kirchner.

Disclaimer

Diese Studie und die ihr zugrundeliegenden Analysen sind nach

bestem Gewissen erstellt worden. Die darin enthaltenen Informa-

onen und Aussagen stellen kein Geschäsangebot dar. Das Copyright

liegt bei der Zielke Research Consult GmbH, Aachen.


Dr. Carsten Zielke

Wege aus dem Zinsdilemma

Der Versicherungsmarkt in

Deutschland und Österreich hat

sicherlich schon bessere Zeiten

gesehen. Trotz posiver Meldungen

aus Teilsparten, steht die gesamte

Branche mächg unter Druck. Die dürf-

gen Erträge der Kapitalanlage beschäigen

alle Versicherer und das

spartenübergreifend. Die Situaon ist

alarmierend.

Die Depression scheint vor allem in der

Lebensversicherungsindustrie um sich

zu greifen. Grund ist das hohe Garan-

eniveau bei dauerha niedrigen Zinsniveau.

Doch wir meinen, dass gerade

Depressionen uns nicht weiterbringen

und das Geschäsmodell nicht am

Ende ist. Es besteht jedoch zweifelsohne

ein Opmierungsbedarf bei

Asset Allokaon und Produktgestaltung.

Dann gilt wieder das Kölner Gesetz

"Et hä immer noch joot jejange".

Aggressiver inveseren

In einem anhaltenden Niedrigzinsszenario

muss bereits in vier Jahren um

die Zahlungsfähigkeit einiger Versicherer

gebangt werden. Hier herrscht akuter

Handlungsbedarf in Sachen

Kapitalanlage. Besonders das Damoklesschwert

Solvency II, als bedeutendstes

Invesonshemmnis, hat an

Schrecken verloren. In der Zwischenzeit

stehen wieder Rechnungslegung soder

einfach nur ökonomische Überlegungen

im Vordergrund.

Illiquidität als Königsweg?

Aufgrund von Staatsschuldenkrise und

Regulaonswirrwarr haben die Versicherer

ihr Pulver lange trocken gehalten.

Aber in was sollen Sie aktuell

inveseren? Sichere Staatspapiere ren-

|Editorial 3

eren bei Zinsen unterhalb der Inonsrate;

die Hausse am Akenmarkt

wurde weitesgehend verpasst. Es

scheint, als geraten vor allem illiquide

Assetklassen, wie Infrastruktur und

Loans, in den Fokus von Versicherern.

Hier kann man nur hoen, dass die

Versicherer sich der Implikaonen

einer Porolioumschichtung in illiquide

Assetklassen bewusst sind.

Große Herausforderungen –

keine einfachen Lösungen

Die Rufe nach Prämienanpassungen

bzw. Leistungskürzungen aufgrund der

Niedrigzinsphase werden immer lauter.

Sta nach innovaven Lösungen zu

suchen, wird vereinzelt Berliner Lobbyarbeit

betrieben. Aus unserer Sicht

überschätzt sich die Versicherungsbranche.

Die Verbraucherschützer

haben bereits mit der Entscheidung

zum Beibehalt des Verteilungsmechanismus

der sllen Reserven gezeigt,

dass Sie am längeren Hebel sitzen. In

Österreich verzeichnen schon heute

die Lebensversicherer erheblicher Prämienabgänge.

Die Versicherungsindustrie steht zweifelsohne

vor großen Herausforderungen.

Seit Anfang der 90er-Jahre war sie

nie in einer solch bedrohlichen Situa-

on. Doch wir meinen, dass mit den

richgen Entscheidungen der Fortbestand

der Unternehmen sichergestellt

wird. Es gilt, sich mit einer an die Kunden

angepassten Produktpalee neu

aufzustellen sowie das Assetporolio

an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen.

Carsten Zielke

Geschäsführer

Zielke Research Consult

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


|ASSET-ALLOKATION - STATUS QUO

|DIE KENNZAHL L-RATIO

|DOSSIER ASSET-KLASSEN

|OPTIMALE ASSET-ALLOKATION


1|Kapitalanlage 5

Gedämpe Smmung trotz Erfolgen im Kerngeschä

Die Sachversicherer konnten sich im letzten Jahr über

eine posive Entwicklung der Schadensquote freuen,

bei den Krankenversicherern blieb diese Kennzahl aufgrund

gesegener Beiträge auf Prämienerhöhungen

relav stabil. Trotzdem ist die Smmung gedämp. Der

Grund dafür ist die Kapitalanlageseite, die einfach keinen

ausreichenden Zins mehr erwirtschaet. Der Versicherungsmarkt

in Deutschland und in Österreich

hängt am Tropf der festverzinslichen Wertpapiere.

Diese Dominanz in den Porolien wird im aktuellen

Niedrigzinsszenario zu einer ernsthaen Bedrohung für

die gesamte Versicherungsbranche.

Regulierung ja -

aber die Ergebnisse müssen smmen

Im derzeigen Umfeld leiden darunter vor allem die Lebensversicherer

angesichts ihrer langfrisgen Zinsgaranen.

Getrieben von einem falschen

Asset-Liability-Management-Verständnis, indem das

Duraonsmatching wichger erscheint als die Assetdiversikaon.

Auch an den Architekten des viel beschworenen,

europaweiten Regulierungswerks

Solvency II geht die aktuelle Situaon nicht spurlos vorbei.

Nachdem es schon mehrfach verschoben wurde,

rücken die Bürokraten in Brüssel jetzt sogar vom Prinzip

der marktgerechten Bewertung ab. Zum Wohle ergebnisorienerter

Stresstests wird das Pferd also von

hinten aufgezäumt.

Der neue Königsweg scheint in die Illiquidität zu führen.

Bei den jüngeren Debaen um Solvency II gab es

bereits Berechnungen zu einer Illiquiditätsprämie. Dahinter

steht die Idee, dass gerade Personenversicherer

aufgrund der Struktur ihrer Verbindlichkeiten in der

Lage sind, ihre Akva lange zu halten und dadurch eine

RISIKOFREIER ZINS

Bisher nahm man an, dass Staatsanleihen höchster

Bonität als risikofrei angesehen werden können. Im

Zuge der Staatsschuldenkrise wurde dieses Axiom der

Finanzwirtscha nachhalg beschädigt.

Somit ist die Glaubwürdigkeit mathemascher Modelle,

die auf einem risikofreien Zins basieren, ef erschüert.

Halteprämie vereinnahmen. Durch die weltweite Flutung

der Finanzmärkte mit billigem Zentralbankgeld ist

der risikofreie Zins allerdings so stark gesunken, dass

der Gesamtzins trotz einer höheren Illiquiditätsprämie

nicht erzielt werden konnte.

Volalität = Risiko?

Nun bildet sich ein neuer Konsens: Es wird in Private

Equity und Infrastrukturprojekte invesert, also nichtgelistete

Vermögenswerte. Auch von Banken begebene

Kredite stehen hoch im Kurs. Diese auch Loans genannten

Papiere werden nicht unbedingt verbrie und besitzen

somit auch kein ozielles Rang.

Es ist immer wieder verwunderlich, wie die Vermeidung

von messbarer Volalität ernderisch macht. Zunächst

führte Solvency II dazu, dass Aken als zu volal

angesehen wurden und die Akenquote entsprechend

reduziert werden musste. In der Folge konzentrierte

man sich wieder auf eine bewährte Anlageklasse: Die

Anleihe. Vor allem im langfrisgen Bereich wurde invesert

und bietet so Sicherheit bei gleichzeig annehmbarer

Rendite.

Im Zuge der Subprime-Krise 2008 und der daraus folgenden

Staatsschuldenkrise verlor die Anleihe allerdings

ihren Ruf als „sicherer Hafen“. Die

festverzinslichen Papiere wurden deutlich volaler,

ohne eine Mehrrendite abzuwerfen. Es wurde immer

ensichtlicher, dass eine 0%-Eigenkapitalunterlegung

von Staatsanleihen nicht risikogerecht sein kann. In der

Folge konzentrieren sich jetzt viele Versicherer auf Risiken,

die man nicht oziell messen kann. Die Frage

ist, ob Risiken auören zu exiseren, nur weil man sie

ungenau misst.

Der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank Thomas

Mayer meint in diesem Zusammenhang, „dass

viele Anleger Preisschwankungen mit Risiko verwechseln.

Darin werden sie wieder von der modernen Finanztheorie,

die Risiko mit Volalität gleichsetzt,

bestärkt. So geht der Blick für das eigentliche Invesonsrisiko

verloren: Verlust oder dauerhae Wertminderung.“

(Frankfurter Allgemeine Zeitung vom

22.09.2012)

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


6

1|Kapitalanlage

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Der Herde bedingunglos folgen?

Bevor der Herdentrieb den eingeschlagenen Weg zu

einem ausgewachsenen Trampelpfad werden lässt, gilt

es, folgende Fragen zu berücksichgen:

Kann ein Versicherer Kredite besser beurteilen, wenn

sie direkt von einer Bank begeben werden, sta dass

sie einer Marktbeobachtung ausgesetzt sind?

Trauen Versicherer es sich zu, Infrastrukturprojekte

langfrisg zu begleiten, die stark von polischer Ein-

ussnahme gekennzeichnet sind, ohne das Risiko

genau messen zu können? Wäre ein Marktbeobachtungen

ausgesetztes Akeninvestment nicht zielführender?

Glauben Versicherer, dass sie polisch in diesen beiden

Investmentstrategien unterstützt würden?

Zweifelsohne besteht seitens des Gesetzgebers ein Interesse,

eine Basel III-bedingte Kreditklemme zu vermeiden

(Loans) bzw. die Energiewende zu nanzieren

(Infrastruktur). Bei dieser Rechnung sollte man aber

nicht die Verbraucherschutzverbände vergessen. Bereits

bei der Nichtverabschiedung der Neuregelung der

Verteilung von sllen Reserven oder der Begrenzung

der Einspeisevergütungen haben sie gezeigt, dass mit

ihnen zu rechnen ist.

Wir glauben, dass der Ursprung der oben genannten

Ideen in der Phobie einer Marktwertbetrachtung begründet

ist. Sicher darf ein Versicherer einen längeren

Anlagehorizont haben als z.B. ein Publikumsfonds; dies

ist sogar ausdrücklich erwünscht. Trotzdem muss man

die Risiken weiter bemessen und das Kundenverhalten

abschätzen.


Asset-Allokaon der deutschen Versicherer

Trend zu Festverzinslichen hoher Bonität

Branchenübergreifend dominieren festverzinsliche

Wertpapiere die Kapitalanlagestruktur der deutschen

Versicherer. Diese Entwicklung hat sich seit 2007 noch

weiter verstärkt. Der Anteil der festverzinslichen Wertpapiere

hat sich in der Zwischenzeit von knapp 80% auf

fast 90% erhöht.

Es ist bemerkenswert, dass trotz niedriger Verzinsung

der Anteil der Renten weiter steigt. Das geschieht vorallem

auf Kosten einer deutlich gesunkenen Akenquote,

die aktuelle bei 2,80% liegt. 2007 lag sie mit

8,40%noch dreimal so hoch. Ergänzt wird der Kapital-

ASSETALLOKATION GESAMT 2012

Quelle: BaFin, eigene Schätzung Stand: 31.12.2012

ENTWICKLUNG DER ASSETALLOKATION

Quelle: GDV

1|Kapitalanlage 7

anlagemix durch Immobilien und Beteiligungen, die

seit 2007 auf niedrigem Niveau stagnieren.

Der Anteil der A oder besser gerateten Anleihen ist mit

ca. 90% äußerst hoch. 45% davon besitzen sogar die

Topbonität AAA. Diese Struktur wird sich so nicht fortsetzen

lassen können, da die Spreads, tatsächliche und

im Solvency 2-Modul angenommene, zu niedrig sind,

um in der Neuanlage eine genügende Rendite für den

Versicherungsnehmer erzielen zu können.

Die Gläubigerstruktur ist diversiziert, aber in den einzelnen

Sparten besteht ein Kummulrisiko, das wir nicht

beurteilen können.

BONITÄTSSTRUKTUR LEBEN

Quelle: Geschäsberichte, eigene Berechnungen

GLÄUBIGERVERTEILUNG LEBEN

Quelle: GDV, Geschäsberichte, eigene Berechnungen

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


8

1|Kapitalanlage

Betrachtung nach Sparten

In der Lebensversicherung ist der Anteil der festverzinslichen

Wertpapiere im Porolio von 82,3% (2007) auf

89,6% (2012) gesegen. Die Krankenversicherungen

haben von 87,8% (2007) auf 92,7% (2012) aufgestockt.

In der Sachversicherung liegt der Rentenanteil tradionell

mit 72,1% (2007) etwas niedriger. Nichtsdestotrotz

ist auch hier die Tendenz der letzten Jahren steigend,

mit einem Anteil von milerweile 79,8% (2011). Diese

Bewegungen sind vor allem durch Umschichtungen in

Fonds zum Ausdruck gekommen.

Aken immer unbeliebter

Akeninvestments haben spartenübergreifend massiv

an Bedeutung verloren. So haben die Lebensversicherer

ihre Akenquote zwischen 2007 (8,5%) und 2012

(2,7%) fast gedrielt. Die Krankenversicherer gehen

sogar noch weiter und haben sich fast gänzlich von Ak-

en getrennt. Mit einer Akenquote von nur noch

1,8% (2012). im Vergleich zu 5,9% (2007) haben sie ihr

Akenexposure deutlich zurück gefahren. Die Sachversicherer

halten im Vergleich weiterhin die höchste Ak-

enquote trotz einer deutlichen Reduzierung in den

letzten Jahren von 10,1% (2007) auf 3,9% (2012).

Bei den Rentenbeständen fällt auf, dass gerade Unternehmensanleihen

fast nur indirekt über Fonds gehalten

werden.

ASSETALLOKATION IM DETAIL 2012

Quelle: BaFin, eigene Schätzung Stand: 31.12.2012

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

ASSETALLOKATION LEBEN 2012

Quelle: BaFin, eigene Schätzung Stand: 31.12.2012

ASSETALLOKATION KRANKEN 2012

Quelle: BaFin, eigene Schätzung Stand: 31.12.2012

ASSETALLOKATION SACH 2012

Quelle: BaFin, eigene Schätzung Stand: 31.12.2012


Neuanlage nicht ohne Liquiditätsanalyse

In unserer Analyse der Neuanlagemöglichkeiten haben

wir unseren Fokus auf Liquidität gerichtet, ein Kriterium,

dass von den meisten Versicherern bei Invesonsentscheidungen

immer noch sefmüerlich

behandelt wird. Hierzu haben wir die Kennzahl L-RATIO

entwickelt. Die L-RATIO bewertet die Liquidität einer Assetklasse

im Verhältnis zur erwirtschaeten Rendite.

Um diese Kennzahl zu besmmen, nehmen wir eine

Betrachtung in Kategorien vor, die vom Kapitalmarkt

abhängig sind und solche, die nicht davon tangiert werden,

also als marktunabhängig gelten.

marktunabhängige Faktoren

Wir beginnen mit dem Blick auf die Faktoren, die nicht

direkt vom Marktgeschehen beeinusst werden. Der

Administraons- und Monitoringaufwand ist unseres

Erachtens eines der entscheidenden Kriterien eines Investments.

Ein marktgängiges Instrument erfordert in

der Regel weniger Überwachung, da die Informaon

entlich zugänglich ist. Im Gegensatz dazu ist man im

Bereich Private Equity oder Loans auf selekve Informaon

angewiesen.

ADMINISTRATION/MONITORING

Wie zeit- bzw. kostenintensiv ist die Verwaltung und

Überwachung der Kapitalanlage?

LIQUIDIERUNG (DAUER)

Wieviele Tage/Monate/Jahre benögt die Veräußerung

der Kapitalanlage?

LIQUIDIERUNG (KOSTEN)

Welche Gebühren/Transakonskosten entstehen im

Zusammenhang mit dem Verkauf der Kapitalanlage?

Kommt man in die Situaon, einen Vermögensgegenstand

liquidieren zu müssen, geschieht dies abhängig

von der Assetklasse mit unterschied-

lichen Fixkosten und Gebühren.

Diese können in den verschiedenen

Assetklassen sehr stark variieren. In

der Regel gilt: je weniger standardisiert

der Handel von Vermögenswerten ist, desto

höher die Transakonskosten der Liquidierung. Analog

Die Kennzahl L-RATIO

1|Kapitalanlage 9

dazu verhält sich die Liquidierungsdauer eines Vermögensgegenstandes.

marktabhängige Faktoren

Die Liquidität einer Geldanlage wird entscheidend

durch den verfügbaren Markt besmmt. Hier gilt: je

größer das Handelsvolumen sowie die Anzahl der

Markeilnehmer, desto größer die Liquidität. Des Weiteren

wurde die Krisenresistenz der Anlage untersucht.

Die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass vom einen

auf den anderen Tag Märkte schlichtweg austrocknen

können. So gesehen bei den AAA-gerateten, verbrieften

Hypothekenkrediten oder am Interbankenmarkt.

MARKTTIEFE

Wie groß ist die Zahl der potenellen Käufer? Welche

Volumen werden gehandelt? Wie ist die Infrastrukur

des Martktes?

KRISENRESISTENZ

Wie hoch sind die Wertschwankungen im Krisenfall?

Bestehen Ansprüche auf reale Werte?

Aus diesen Kriterien errechnet sich der Liquiditätsfaktor

und wird den betrachteten Anlagemöglichkeiten

zugeordnet. Bargeld, logischerweise die liquideste

„Wertanlage“, und Infrastrukturinvesonen begrenzen

das Spektrum möglicher Ausprägungen.

Der Liquiditätsfaktor wird, analog zur Kennzahl des

Sharpe Raos, mit der durchschnilich zu erwartenden

Rendite ins Verhältnis gesetzt. Die daraus resulerende

Kennzahl ist die L-RATIO. Sie beschreibt die Gesamtattrakvität

der Assetklasse im Bezug auf ihre Liquidierbarkeit.

Ergebnisse der L-Rao Betrachtung

Aken sind in der Risikoüberwachung recht zeitnah zu

«Unsere Analyse bezweifelt, das Illiquidität

risikofrei eine höhere Rendite liefert!»

beobachten. Auch sind die Kosten hierfür überschaubar,

da die hierzu nögen Informaonen öentlich ver-

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


10

1|Kapitalanlage

fügbar sind. Allerdings muss man ständig auf die Parameter

schauen. Dafür gibt es aber eine sehr große

Markefe, die bei DAX und Stoxx 50 größer ist als bei

Nebenwerten. Diese relav hohe Liquidität wird der erwarteten

Rendite gegenübergestellt. Damit ergibt sich

eine im Vergleich zu den anderen Assetklassen hohe L-

RATIO.

Bei Anleihen ist das Monitoring etwas weniger zeitkri-

sch als bei Aken, doch ist auch die Markefe geringer,

weil es meistens keinen geregelten Markt hierfür

gibt. Die Liquidität ist bei guter Bonität ähnlich hoch

wie bei Aken, allerdings bei geringerer Rendite. Damit

ergibt sich eine relav geringe L-RATIO.

Bei Loans ist das Monitoring aufgrund der fehlenden

Marknformaon sehr aufwendig und es ist so gut wie

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

keine Markefe gegeben. Trotz hoher Renditeerwartungen

ergibt sich damit keine arakve L-RATIO. Bei Infrastruktur

gilt das Gleiche wie bei Loans, nur sind hier

die erwarteten Renditen höher, was die L-RATIO nach

oben zieht.

Timber ist wenig aufwendig im Monitoring, da zumindest

in Westeuropa ozielle Staken und vereidigte

Gutachter zur Preisndung täg sind. Waldinvestments

sind krisenresistent, besitzen allerdings eine geringere

Markefe als z.B. Rohstozerkate. Insgesamt ergibt

sich eine arakve L-RATIO von 0,32.

Rohstoe leiden unter einer Konjunkturabhängigkeit,

zeigen aber immer noch ein akzeptables Niveau von

0,23.

Bewertungsbogen L-Rao

Martkunabhängig

A/M Dauer Kosten

Marktabhängig

Tiefe Krise

Bargeld 9 10 10 10 8

Aken DAX/SX5E 4 9 8 7 5

MDAX 4 9 8 6 5

Nebenwerte 4 9 8 5 4

Anleihen Staaten (AAA/AA) 0-5 Jahre 6 7 8 7 6

5-10 Jahre 6 7 8 7 6

>10 Jahre 6 7 8 7 5

Staaten (A-BBB) 0-5 Jahre 5 7 8 6 5

5-10 Jahre 5 7 8 6 5

>10 Jahre 5 7 8 6 4

Unternehmen (AAA/AA) 0-5 Jahre 6 6 8 6 5

5-10 Jahre 6 6 8 6 5

>10 Jahre 6 6 8 6 4

Unternehmen (A-BBB) 0-5 Jahre 5 6 8 6 4

5-10 Jahre 5 6 8 6 4

>10 Jahre 5 6 8 6 3

Loans 4 3 6 5 5

Infrastruktur 2 2 3 2 6

Timberfonds 7 4 8 4 9

Rohstoe 6 4 8 5 6

Gold 7 6 8 8 9


Gold erscheint vor allem wegen der Krisenresistenz

und geringen Monitoringkosten arakv. Nichtsdestotrotz

ist es kein Asset, das einen laufenden Kupon zahlen

kann.

Extremrisiken beachten

Zusammenfassend kann man sagen, dass in unserer

auf Liquidität abzielenden Betrachtung vor allem Ak-

en- und Timberinvestments gut abschneiden. Bargeld

und AAA-Staatsanleihen sind eher unarakv.

Kriker werden jetzt anmerken, dass Versicherer kaum

auf Liquidität zu achten haben und damit nur auf die

Rendite schauen müssen, die ja weniger volal ist als

Ergebnisse L-Rao

1|Kapitalanlage 11

bei marktgängigen Instrumenten. Wir meinen, dass

diese Sichtweise das tatsächliche Risiko unterschätzt.

Marknformaonen geben eine Risikoindikaon. Sie

können übertreiben, aber ein heiges Abweichen von

einem Durchschniswert kann als Warnsignal genutzt

werden. Diese Möglichkeit besteht nicht bei nicht gelisteten

Instrumenten.

Außerdem muss ein Extremrisiko betrachtet werden.

In diesem müssen Massenstorno bzw. hohe Schadenleistungen,

z.B. im Fall einer schweren Grippewelle,

berücksichgt werden.

Kennzahlen

L-Faktor Rendite L-Rao

Bargeld 9,40 0.00% -0,09

Aken DAX/SX5E 6,60 6.00% 0,33

MDAX 6,40 7.00% 0,38

Nebenwerte 6,00 7.00% 0,36

Anleihen Staaten (AAA/AA) 0-5 Jahre 6,80 1.50% 0,03

5-10 Jahre 6,80 1.80% 0,05

>10 Jahre 6,60 2.00% 0,07

Staaten (A-BBB) 0-5 Jahre 6,20 2.50% 0,09

5-10 Jahre 6,20 3.00% 0,12

>10 Jahre 6,00 3.50% 0,15

Unternehmen (AAA/AA) 0-5 Jahre 6,20 2.00% 0,06

5-10 Jahre 6,20 2.50% 0,09

>10 Jahre 6,00 3.00% 0,12

Unternehmen (A-BBB) 0-5 Jahre 5,80 2.50% 0,09

5-10 Jahre 5,80 3.00% 0,12

>10 Jahre 5,60 3.50% 0,14

Loans 4,60 4.00% 0,14

Infrastruktur 3,00 8.00% 0,21

Timberfonds 6,40 6.00% 0,32

Rohstoe 5,80 5.00% 0,23

Gold 7,60 5.00% 0,30

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


Höhere Renditechancen

Langfrisge Anleger können temporäre

Schwankungen aushalten

hohe Liquidität

Aken

1|Kapitalanlage 13

Aken stellen ein hoch liquides Investment dar, dass

unter starker externer Beobachtung steht. Hohe Renditen

aber auch große Kursschwankungen erfordern

einen langen Anlagehorizont.

Das überzeugende Argument für ein Akeninvestment

ist die Rendite. Langfrisg kommen Anleger, die gewinnbringend

anlegen und sich vor Inon schützen

möchten, nicht an Aken vorbei.

PRO CONTRA

Tail-Risk: hohe Verluste in Finanz/Wirtschaskrisen

(2000, 2008, 2010)

Feste Ablaueistungen und garanerte

Rückkaufswerte passen nicht zu hoher Volalität

können auch auf lange Frist zu sehr

schwanken

DAX/REXP-Renditen vs. Neoverzinsung (1998-2011)

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


14

1|Kapitalanlage

Besicherte Mielstandsnanzierung (Loans)

Diversikaon von Kapitalanlagen

Geringere Korrelaon mit den Finanzmärkten

relav stabile Erträge

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Eine neue Regulierungsverordnung ermöglicht die Umwandlungunbesicherter

Bankanleihen in potenzielle

Nachrangpapiere. Aufgrund von höheren Kapitalanforderungen

für das Finanzierungsgeschä durch Basel III,

reduzieren Banken ihre Kreditporolien (Deleveraging).

Diese Situaon erönet Versicherern die Möglichkeit

Kredite für mielständische Unternehmen bereit zu

stellen.

PRO CONTRA

Absicherungen für den Insolvenzfall

Substanzieller Eigenbehalt bei den abgebenden Banken

Standardisierung von Geschäsmodalitäten

klare, transparente und einfache Strukturen

Risiken aufgrund von Informaonsasymmetrie

schwer zu beurteilen

mehr konjunkturelle Risiken im Porolio

Hohe Anlauosten

Fehlende Standards, wenig Erfahrung

Auösung der Fristeninkongruenz (z.B. durch längere Kreditlaufzeiten)

Auau von Know-How im Unternehmen

Fristeninkongruenz (Banken geben kurzfris-

ge Kredite – Versicherer legen langfrisg

an)

eher klassisches Bankengeschä. Regulierungsarbitrage

kann durch Gesetzgeber

verhindert werden (Solvency II vs. Basel III)

Welche Voraussetzungen müssen geschaen werden für die Assetklasse?


Immobilien und Covered Bonds

1|Kapitalanlage 15

Immobilien und Covered Bonds sind stabile und werthalge

Assetklassen. Es besteht ein großer Bedarf an

energescher Sanierung. Versicherer können zu diesem

Zweck seit April 2012 erstmals KfW-Darlehen vergeben.

Die Förderkredite bestehen aus nachrangigen Darlehen.

Ein Teil der Finanzierung wird über die KfW abgedeckt;

somit besteht ein größerer Vergabe-Spielraum.

PRO CONTRA

In Abhängigkeit von der Art des Investments

häug wertstabile Entwicklungen

Diversikaon der Kapitalanlagen

Häug langfrisge Anlagehorizont

kalkulierbare und stabile Cashows

Erhöhte Sicherheit durch gesetzliche Vorgaben

bei Deckungsmassen und Rangfolge

(Pfandbrief)

Geringere EK-Unterlegung bei Pfandbriefen

im Vergleich zu Immobilien

Rechtliche Rahmenbedingungen in ausländischen

Covered Bonds-Märkten sehr heterogen

Welche Voraussetzungen müssen geschaen werden für die Assetklasse?

Sachgerechte Reduzierung der Eigenmielanforderung von 25% für sichere Immobilieninvestments

unter Solvency II

Schaung vergleichbarer Standards in den europäischen Covered Bonds-Märkten (vgl. deutscher

Pfandbrief)

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


16

1|Kapitalanlage

Holzpreise korrelieren mit der Inon,

nicht aber mit dem Zinsniveau

Rechtliche Sicherheit durch Grundbucheintrag

Währungssicher

Keine großen Bewertungsschwankungen,

da Waldpreise mit Hilfe von Modellen vereidigter

Gutachter ermielt werden

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Timberfonds

Waldinvestments sind gerade im deutschsprachigen

Raum sichere Investments, die inonsschützend wirken.Der

Holzbedarf nimmt mit steigender Weltbevölkerung

trotz elektronischer Revoluon steg zu.

Dies liegt im Zellstoedarf wie auch in gesteigerten

Ansprüchen in den Schwellenländern. Die erweiterten

Einsatzmöglichkeiten von Holz z.B. im Brückenbau forcieren

die steigende Nachfrage.

Gleichzeig ist das weltweit verfügbare Holz, vor allem

in den südamerikanischen Urwäldern des Amazonas,

rückläug.

PRO CONTRA

Moderate Rendite von ca. 4,00% an laufender

Ausschüung

Keine tägliche Liquidität

Waldmarkt dominiert durch staatlichen

oder kirchlichen Besitz.

Welche Voraussetzungen müssen geschaen werden für die Assetklasse?

Waldinvestments sind nicht in der Anlageverordnung vorgesehen. Invesonen können nur

über die Beteiligungsquote oder miels gut strukturierter Fonds getägt werden, die als offene

Immobilienfonds gelten

Risikomonitoringprozesse müssen angepasst werden.

Akkumulaon von fachspezischen Know-How notwendig


Immobiliennanzierung/Hypotheken

Weniger Eigenkapitalhinterlegung unter

Solvency II (15% sta 25% bei Direknvestment)

Vergleichsweise höhere Verzinsung

Sehr geringe Ausfallquoten (Emoonale

Bindung)

Gut berechenbare Cashows

1|Kapitalanlage 17

Die Begebung von Hypotheken oder Immobilienkrediten

ist eine Alternave zum Immobiliendireknvestment.

Sie bietet eine größere Möglichkeit zur Diversikaon

des Porolios durch eine Vielzahl von Schuldnern.

Gleichzeig kann die Ausgabe von Hypothekenkrediten

zur Adjuserung der Duraon verwendet werden.

PRO CONTRA

Cashows der Annuitätendarlehen vergleichbar

mit denen der Rentenzahlungen

Sicherheiten notariell hinterlegt, Vermögen

zweckgebunden

Langfrisge Kapitalbindung

Hoher Administraonsaufwand

Besmmung von Ausfallwahrscheinlichkeiten

unter Solvency II notwendig

Kein Inonsschutz, Zinsbindung über

lange Zeit

Welche Voraussetzungen müssen geschaen werden für die Assetklasse?

Kapitalanlagenverwaltungssysteme müssen u.U. angepasst werden

Risikomodelle müssen adjusert werden

Ausbau des Front Oce (Werbung/Akquise von Hypothekenkunden)

Ausbau des Back Oce (Kreditprüfung/Abwicklung und Risikobewertung)

Auau von bauspezischen Know-How

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


18

1|Kapitalanlage

Infrastrukturprojekte/Erneuerbare Energien

Diversikaon von Kapitalanlagen

geringe Korrelaon mit Finanzmärkten

langer Anlagehorizont äquivalent zu Passivseite

der Lebensversicherer

stabile Cashows

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende

macht einen Umbau der Energiegewinnung und

–verteilung notwendig.

Hier besteht ein enormer Finanzierungsbedarf für die

Erneuerung der Energieinfrastruktur von Windkrarädern

über Stromleitungen bis zu Umspannwerken. Um

die ehrgeizigen Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen,

muss darüber hinaus ein Großteil der Bausubstanz

des öentlichen Trägers CO2 opmiert saniert

werden.

PRO CONTRA

Neuarge Risiken – Fragen der Risikotragfähigkeit/Monitoring/Experse

bei Projektplanung

Hohe Anbahnungs- und Planungskosten

Polische Unsicherheit

Keine direkten Cashows

Risiko von Sunk Costs

geringe Liquidität

Gesetzliche und aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen

unvorteilha (Solvency II)

Welche Voraussetzungen müssen geschaen werden für die Assetklasse?

Akkumulaon von Infrastruktur-spezischem Know-How in den Unternehmen

Planungssicherheit durch die Polik

Flexibilisierung von Enlechtungsvorschrien

Anpassung Solvency II

o Schaung der neuen Risikoklasse „Grüne Investments“

o Barwert der sicheren Erlöse ansetzen


In der Vergangenheit haben wir sehr häug auf ein zu

niedriges Akenexposure der deutschen Versicherer

hingewiesen. Obwohl Versicherer eher bereit sind, Kreditrisiken

in Form von Unternehmensanleihen einzugehen,

erleben Aken als Assetklasse derzeit keine

Renaissance.

Dabei handelt es sich um eine äußerst liquide Assetklasse,

die gerade in Zeiten massiver Geldschöpfung in-

onsschützend wirkt. Schon heute übersteigen die

Dividendenrenditen bei weitem die durchschniliche

Rendite auf deutsche Staatsanleihen im 10-jährigen.

Umdenken in der Regulierung

Auch möchten wir auf ein Umdenken in der Regulierung

hinweisen. Sowohl in der Rechnungslegung IFRS

wie auch in der Solvenzrechnung Solvency II geht man

jetzt dazu über, die Bewertung der Passivseite mithilfe

der implizierten Rendite der Akva Seite vorzunehmen.

Zugegeben bleiben da Aken in der Solvenzrechnung

außen vor. Hier beschränkt man sich auf festverzinsliche

Coupons. Allerdings ist der Akenstress bei der

letzten Proberechnung auf 22% abgesenkt worden. Bei

der IFRS-Rechnungslegung halten hierzu die Debaen

noch an.

Diese veränderte Haltung zeigt, dass die angenommene

Marktkonsistenz nicht exisert. Bisher vertrat

man den Standpunkt, die Passivseite sei unabhängig

von der Akvseite und als Diskonaktor käme nur der

risikofreie Zins infrage. Da letzterer aber abhandengekommen

ist, funkoniert auch diese Theorie nicht

mehr.

Ökonomische Perspekve stärken

In der Praxis kann die Solvenzquote also viel stärker als

vorher mit dem Risikoprol der Akvseite gesteuert

werden. Dadurch kann sich die zukünige Asset-Allokaon

wieder deutlich mehr an einer ökonomischen

Perspekve orieneren, während regulatorische Aspekte

hinten angestellt werden.

Opmale Asset-Allokaon

1|Kapitalanlage 19

Aus einer ökonomisch sinnvollen Betrachtung heraus

kommen wir zu folgender opmalen Asset-Allokaon.

Dabei wurden spartenspezische Besonderheiten berücksichgt.

Es wurde ein mielfrisger Anlagehorizont

angenommen.

OPTIMALE ASSETALLOKATION

Assetklasse Leben Kranken Sach

Aken 15% 10% 10%

Corporates & Loans 30% 25% 20%

Alternaves 10% 5% 5%

Immobilien 10% 7% 5%

sonst. Festverzinsliche 30% 43% 45%

kurzfrisge Liquidität 5% 10% 15%

Gesamt 100% 100% 100%

Quelle: Zielke Research Consult

Für Sachversicherer müssen die Duraonen kürzer

sein, da der Großteil der Risiken kurzfrisger Natur ist.

Allerdings gibt es hier eine Art „Bodensatz“, den man

strategisch langfrisg anlegen sollte.

Bei Krankenversicherern sollten gerade Inonsgefahren

berücksichgt werden. Diese werden nach wie vor,

voll auf den Kunden abgewälzt. Angesichts einer sich

verbessernden Arakvität der gesetzlichen Krankenversicherung,

halten wir eine solche Kapitalanlagepolik

für gefährlich.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


20

1|Kapitalanlage Gastbeitrag Uwe Kloos

Neue Assetklassen im Universum der Alternaven Investmentfonds

durch das AIFM-Umsetzungsgesetz

Ausgangslage

Mit der Umsetzung der AIFM-Richtlinie der Europäischen

Kommission wird im deutschen Rechtsraum ein

Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) als ein in sich geschlossenes

Regelwerk für alle extern verwalteten

„Fonds“-Vermögen und ihre Manager geschaen, das

bis zum 22. Juli 2013 in Kra treten soll.

Die Regelungen des bisherigen Investmentgesetzes

(InvG) werden in das KAGB (Stand: 12.12.2012) übernommen;

das InvG in der bestehenden Form wird aufgehoben.

Der deutsche Gesetzgeber und die EU-Kommission erwarten

von der Umsetzung der Regelungen:

Beitrag zur Verwirklichung des europäischen Binnenmarktes

Beitrag zur Schaung gleicher Webewerbsbedingungen

Schaung eines einheitlichen hohen Standards zum

der Schutz der Anleger

Verengung des grauen Kapitalmarktes

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

von Uwe Kloos

Schaung eines einheitlichen Rechtsrahmens für

Wagniskapital

Das neue, EU-einheitliche Recht soll die bisherigen Unterschiede

in den Rahmenbedingungen zwischen den

Mitgliedsländern harmonisieren. Allerdings enthält die

EU-Richtlinie keine Anwendungsregelungen für Alternave

Investmenonds (AIF), die weiterhin auf naonaler

Ebene formuliert werden sollen. Somit hindert

die Richtlinie die Mitgliedstaaten nicht daran, für AIF

mit Sitz in ihrem Hoheitsgebiet naonale Anforderungen

festzulegen oder beizubehalten (Textzier 10 der

Einleitung zur Richtlinie 2011/61/EU).

Investmentvermögen

Die bisherigen Organismen für gemeinsame Anlagen

in Wertpapiere (OGAW) sind richtlinienkonforme Sondervermögen,

die für Auage und Vertrieb eine Genehmigung

benögen. Hierzu zählen inländische OGAW

(oene Publikums-Investmentvermögen mit Sitz im Inland)

und EU-OGAW (unterliegen dem Recht eines

Staates des EWR). Alle übrigen Investmentvermögen

gelten künig als alternave Investmenonds (AIF).

Überblick über die Sondervermögen des Kapitalanlagegesetzbuches (Entwurf):


Die alternaven Investmenonds umfassen:

inländische AIF

EU-AIF

ausländische AIF

Der Gesetzentwurf behandelt oene und geschlossene

Sondervermögen sowie Investmentgesellschaen mit

variablem und xem Kapital.

Ein wesentliches Kriterium zur Unterscheidung zwischen

oenen und geschlossenen Investmentvermögen

ist die Ausgestaltung des Rückgaberechts. Bei

enen Sondervermögen können die Anleger nach

den Vereinbarungen mindestens einmal pro Jahr ihre

Anteile oder Aken zurückgeben; alle übrigen Sondervermögen

gelten als geschlossene.

1|Kapitalanlage Gastbeitrag Uwe Kloos 21

Master-Feeder-Strukturen

Weitere Formen von Investmentvermögen sind Master-Feeder-Strukturen

sowie Hedgefonds (§ 171 .

KAGB-E):

Master-OGAW, EU-Master-OGAW, Master-AIF

Master-Fonds werden von mindestens einem Feeder-

Fonds gespeist und halten keine Anteile an Feeder-

Fonds

Feeder-OGAW; EU-Feeder-OGAW, Feeder-AIF

Feeder-Fonds legen mindestens 85% ihres Vermögens

in Masterfonds an

Hedgefonds

Single-Hedgefonds sind oene inländische Spezial-AIF

(§ 283 . KAGB-E)

Dach-Hedgefonds sind oene Publikums-AIF (§ 225 .

KAGB-E)

Überblick über die Gliederung der Investmentgesellschaen gemäß KAGB-E

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


22

1|Kapitalanlage Gastbeitrag Uwe Kloos

Im Folgenden wird das Wort „Fonds“ auch synonym

für den Begri „Sondervermögen“ verwendet. Investmentvermögen

werden als Organismen für gemeinsame

Anlagen deniert, die von einer Anzahl von

Anlegern Kapital einsammeln und nach einer festgelegten

Anlagestrategie zum Nutzen der Anleger inves-

eren. Die Anzahl möglicher Anleger je

Sondervermögen darf nicht auf einen einzelnen Anleger

begrenzt werden. Bei Spezial-Sondervermögen

dürfen deren Anteile oder Aken nach der Satzung

bzw. den Bedingungen ausschließlich von professionellen

oder semi-professionellen Anlegern gehalten werden

(§ 1 Abs. 1-5, 10-18, 32-33 KAGB-E; vgl.

Professionelle Kunden i.S. der Richtlinie 2004/39/EG).

Der zweite Entwurf des KAGB-E behandelt oene und

geschlossene Sondervermögen, die als OGAW oder AIF

ausgestaltet sind, sowie Investmentgesellschaen mit

variablem und xem Kapital.

ene inländische Investmentvermögen dürfen als

Sondervermögen oder als Investment-Akengesellscha

mit veränderlichem Kapital (IAGmvK) aufgelegt

werden. Sofern Anteile nach dem

Gesellschasvertrag keine Anteile an OGAWs darstellen

und ausschließlich von professionellen und semiprofessionellen

Anlegern gehalten werden dürfen,

kann zusätzlich die Rechtsform einer oenen Investment-Kommanditgesellscha

(oIKG) gewählt werden.

Als geschlossene inländische Investmentvermögen

sind im KAGB-E die Investment-Akengesellschaen

mit xem Kapital (IAGmfK) und geschlossene Investment-Kommanditgesellschaen

(gIKG) vorgesehen.

Beispiele

Oene inländische Spezial-AIF

Diese Variante steht nur professionellen und semi-pro

fessionellen Anlegern oen. Der Gesetzentwurf sieht

als Rechtsform Spezial-Sondervermögen, -Investment-

AG und -Investment-KG vor (§ 273 KAGB-E).

Es dürfen nur (i.S. von alle) Vermögensgegenstände für

das Investmentvermögen erworben werden, deren

Verkehrswert ermielt werden kann. Der Gesetzent-

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

wurf stellt keinen Katalog zulässiger Vermögensgegenstände

auf. Oene inländische Spezial-AIF sind jedoch

dem Grundsatz der Risikomischung unterworfen (De-

nion entspricht dem bisherigen InvG).

Die Zusammensetzung der Vermögensgegenstände

des Investmentvermögens muss im Einklang mit den

für das Investmentvermögen geltenden Regelungen

zur Rücknahmen von Anteilen oder Aken stehen ; d.h.

Anlagen in illiquide Instrumente könnten insoweit zulässig

sein, als die Rücknahmebedingungen für Anteile

nicht verletzt werden (§ 282 Abs. 1 und Abs. 2 KAGB-

E).

Die Bewertung der Vermögensgegenstände und die

Berechnung des Neoinventarwerts je Anteil (bzw.

Ake) sind nach gesondert geregelten Verfahren mindestens

einmal jährlich durchzuführen. Die gleiche

Zeitspanne gilt auch für die Ausgabe und Rücknahme

von Anteilen (§ 279 Abs. 1 KAGB-E).

Geschlossene inländische Publikums-AIF (§§ 261 .

KAGB-E)

Die vorgesehenen Rechtsformen geschlossener inländischer

Publikums-AIF sind Publikums-Investment-AG

mit xem Kapital und Publikums-Investment-KG.

Zu den zulässigen Vermögensgegenständen zählen u.a.

Sachwerte, darunter insbesondere Immobilien, einschließlich

Wald, Forste und landwirtschaliche Nutz-

äche. Daneben sind auch Anlagen in Schien, Luund

Landfahrzeugen, Anlagen zur Erzeugung, Transport

und Speicherung erneuerbarer Energien sowie

Anteile an ÖPP-Projektgesellschaen und nicht noerten

Unternehmen zulässig.

Voraussetzung für alle Anlagen sind Bewertbarkeit der

Vermögenswerte sowie mindestens jährliche Bewertung

durch geeignete externe, unabhängige Spezialisten.

Der Grundsatz der Risikomischung gilt als erfüllt, wenn

a) entweder in mindestens drei Sachwerte invesert


wird und die Anteile jedes einzelnen Sachwertes am

Wert des gesamten AIF im Wesentlichen gleichmäßig

verteilt sind, oder

b) eine Streuung des Ausfallrisikos bei wirtschalicher

Betrachtungsweise gewährleistet ist.

Auf die Risikomischung kann vertraglich verzichtet werden,

wenn nur professionelle/semi-professionelle Anleger

für eine Anlage zugelassen werden.

Kredite dürfen bis zu 60% des Wertes des Publikums-

AIF aufgenommen werden. Die Bedingungen der Kreditaufnahme

müssen marktüblich und gemäß

Anlagebedingungen vorgesehen sein.

Die Anlagebedingungen müssen von der BaFin genehmigt

werden und angeben, wie lange die voraussichtliche

Invesonsdauer ist und nach welchen Regeln

Ausgabe und Rücknahme von Anteilen erfolgt.

Geschlossene inländische Spezial-AIF (§§ 285 .

KAGB-E)

Diese Variante ist insbesondere in der Rechtsform einer

Investment-AG mfK oder geschlossenen Investment-

KG u.a. auch für Private Equity-Fonds geeignet. Es dürfen

nur (alle) Vermögensgegenstände für das

Investmentvermögen erworben werden, deren Verkehrswert

ermielt werden kann.

Für die Bewertung, das Bewertungsverfahren, den Bewerter,

die Häugkeit der Bewertung, etc. gelten die

gleichen Vorschrien wie für geschlossene inländische

Publikums-AIF.

ene Aspekte zuküniger Regelung

Für die Anlage des gebundenen Vermögens gemäß Anlageverordnung

(AnlV) und nachgelagerter Vorschriften

in Anteilen an inländischen wie in ausländischen

Sondervermögen oder Investmentgesellschaen ist

(derzeit noch) darauf abzustellen, dass die Regelungen

des Investmentrechts direkt beachtet bzw. – bei ausländischen

Investmentanteilen – Anforderungen unterworfen

werden, die denen für inländische

1|Kapitalanlage Gastbeitrag Uwe Kloos 23

Sondervermögen vergleichbar sind (vgl. § 1 Abs. 2 Nr.

15 – 17 AnlV). Die Anleger müssen die Auszahlung des

auf ihren Anteil enallenden Vermögensteils nach festgelegten

Fristen verlangen können; andernfalls muss

die ausländische Investmentgesellscha in ihrem Sitzstaat

einer öentlichen Aufsicht zum Schutz der Anleger

unterliegen.

Eine Beurteilung der Anlagemöglichkeiten für Anleger,

die gemäß Versicherungsaufsichtsrecht inveseren,

wird derzeit insofern erschwert, als das AIFM-Umsetzungsgesetz

bisher keine Hinweise auf die Anwendbarkeit

des KAGB im Rahmen der Vorschrien des VAG,

der AnlV bzw. der einschlägigen Rundschreiben enthält.

Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt,

dass z.B. die Regelungen des InvG durch den Erlass von

Rundschreiben der BaFin für beaufsichgte Anleger

teilweise verschär oder auch außer Kra gesetzt werden

können (vgl. R 4/2011 zu Anlagen in Anteilen an

Sonder- bzw. Investmentvermögen).

Insofern sind bei der künigen Beurteilung der Inves-

erbarkeit in Finanzinstrumente und andere Anlagen

jeweils die einschlägigen deutschen und ausländischen

Vorschrien zu untersuchen und auf Vereinbarkeit hin

zu überprüfen.

Uwe Kloos

ist Diplom-Volkswirt und Minhaber von

Kloos & Partner GbR Investment Consultants

Unternehmensberatung.

Er war u.a. Finanzvorstand der Agrippina

Versicherungsgruppe in Köln sowie Finanzdirektor

bei der Landesbank Schleswig-Holstein

Girozentrale in Kiel.

Als Partner von ICKloos ist er verantwortlich für den Bereich Investment

Advisory und betreut Projekte bei Versicherungsunternehmen,

Banken und anderen Finanzdienstleistern.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


|LEBENSVERSICHERER

|KRANKENVERSICHERER

|SACHVERSICHERER


2|Deutschland 25

Niedriges Zinsniveau dämp Freude über gutes Schadensjahr

2011 war das Jahr der Überraschung: die Zinsen sanken

erheblich. 2012 ist das Jahr der Ernüchterung, denn die

Zinsen blieben niedrig. Die gute Schadenentwicklung

kann die Mindererträge nicht kompensieren.

Alles in allem lief das Geschäsjahr 2011 für die Versicherer

durchwachsen. Spartenübergreifend weisen die

Bilanzen verbesserte Schadenquoten bei gleichzeig

steigenden Verwaltungskosten auf, vor allem in Leben

haben sich die Abschlussaufwendungen deutlich erhöht.

Demgegenüber steht eine spartenunabhängige,

konnuierlich sinkende Neoverzinsung.

Im vergangenen Geschäsjahr 2012 hat sich unserer

Einschätzung nach diese Tendenz verstärkt. Verbesserte

Schadensquoten bei gleichzeig weiter absinkendem

Zinsniveau.

Lebensversicherungsgeschä noch

zeitgemäß?

Lohnt sich das Lebensversicherungsgeschä noch?

Diese Frage geistert aktuell durch die Konferenzräume

in den Vorstandsetagen. Wieso richtet man sich nicht

neu aus und forciert das lukrave Kompositgeschä?

Liefert die Sachversicherung doch im Vergleich eine höhere

Rendite bei geringerem Kapitalbedarf.

NEUGESCHÄFT LEBEN

2011 2010 +/-

Anzahl Verträge (Mio.) 6,3 6,1 2,9%

Beitragssumme 167,5 157,4 6,4%

Laufende Beiträge 145,7 131,0 11,2%

Einmalbeiträge 21,8 26,4 -17,4%

Quelle: GDV

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Der Vertrieb der

Sachversicherung wird weiterhin hauptsächlich über

das Lebensversicherungsgeschänanziert. Das Kompositgeschä

ohne die Finanzierung durch Leben

scheint uns weniger arakv.

In Deutschland berechnen wir eine durchschniliche

Abschlußkostenquote in Leben (auf die Prämeinein-

nahmen gerechnet) von 10,7% und eine gewichtete

Kostenquote in Sach von 26,4%.

Über die analysierten Unternehmen errechnet sich in

Leben ein Gesamtwert von 8,1 Milliarden Euro an Abschlusskosten,

die Vertriebskosten für Sach belaufen

sich auf 6,7 Milliarden Euro. Unter der Annahme, dass

die Häle der 8,1 Milliarden Euro aus Leben von Sach

getragen werden müssten, würde sich die gewichtete

Kostenquote von 26,4% auf 33,2 % erhöhen. Das

würde einer “Combined Rao (CR)” von 104% (vorher

97,1%) entsprechen.

Daher gilt, selbst wenn die Lebensversicherung das ungeliebte

Kind der Versicherer geworden ist, so braucht

man sie dennoch um rentables Sachversicherungsgeschä

zu schreiben.

4%er werden immer mehr zur Last

Die Lebensversicherung in Deutschland verkommt

immer mehr zum Klotz am Bein der Versicherer. Besonders

an den Verträgen, mit einem Garanezins von

4,00%, die um die Jahrtausendwende geschrieben

wurden, tragen die Versicherer schwer. Bei einem

durchschnilichen Garanezins von aktuell ca. 3,30%

müssen immer mehr Gewinne realisiert werden um die

Garaneversprechen zu erfüllen. 2010 realisierten die

Versicherungsunternehmen 2,16 Milliarden Euro, 2011

sogar 2,85 Milliarden Euro. Der Grund ist nicht ausschließlich

der Aufwand für die Zinszusatzreserve. Vor

allem 2011 wurden deutlich mehr Umschichtungen

vorgenommen. Doch eine Erhöhung der Zinszusatzreserve

lässt sich zweifelsohne feststellen. Der Anteil beträgt

unseren Schätzungen nach 2011 ca. 1,41

Milliarden Euro.

Die Zinszusatzreserve entsolidarisiert das

Kollekv

Die Zinszusatzreserve für 2012 beträgt ca. 1,0% der Deckungsrückstellung.

Bei den 73 untersuchten großen

deutschen Lebensversicherungen würde dies einen zusätzlichen

Aufwand von 6,5 Milliarden € bedeuten.

2013 ein weiterer zusätzlicher Aufwand von 1,6% der

Deckungsrückstellung (absolut 10,46 Milliarden Euro).

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


26

2|Deutschland

Bei einem Kapitalanlagevolumen (Stand 2011) von

738,45 Milliarden Euro entspricht dies einem Anteil

von 1,42%.

Die daraus resulerende Reduzierung der Geldanlage

würde den laufenden Zins der Versicherer weiter nach

unten drücken. In der Folge wird der Versicherungsbestand

immer weiter entsolidarisiert. Waren es 2012

nur die Verträge mit einem Garanezins von 4,00%,

die „subvenoniert“ werden mussten, so kommen

2013 noch die Verträge mit einem Garanezins von

3,50% hinzu.

Nach unseren Erwartungen werden sich die Belastungen

durch die Zinszusatzreserve in einer erhöhten Stornowahrscheinlichkeit

der nicht subvenonierten

Verträge bemerkbar machen. Zunächst werden die

Versicherer versuchen, diesen Umstand mit erhöhten

realisierten Gewinnen im Zinsbereich zu kompensieren.

Als langfrisge Lösung überzeugt das nicht, da bei

gleichbleibendem Zinsniveau die Puer schätzungsweise

2017 aufgebraucht sind.

Eine Stornierungswelle würde darüber hinaus die sllen

Reserven gefährden. Scheidenden Kunden steht

ein Großteil der sllen Reserven bei Vertragskündigung

zu. Dies haben Verbraucherschützer in der Polik

durchgesetzt. Auch wenn die ökonomische Realität

lehrt, dass man nichts verteilen kann bevor es verdient

wurde, so setzen sich doch immer wieder populissche

gegen raonale Argumente durch. Der Mensch handelt

nicht immer raonal, nicht zuletzt die Suprime-

Krise hat das gezeigt.

Die Versicherer müssen sich von dem Gedanken verabschieden,

die Gesetzgebung durch reine Finanzmarktraonalität

zu beeinussen zu können. Vielmehr

müssen sie ihre Risikosysteme an die aktuelle Situaon

anpassen und auch Massenstornierungsszenarien als

Möglichkeit in Betracht ziehen.

Zins als versicherungstechnisches Risiko

Für ähnlich unwahrscheinlich halten wir die Umsetzung

des Vorstoßes einer Frakon der Versicherer, die

den Zins als versicherungstechnisches Risiko betrach-

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Die deutschen Lebensversicherer

tet sehen möchte. Somit soll das Niedrigzinsumfeld als

Begründung für Leistungskürzungen herhalten. Der zu

erwartende Aufschrei in der Bevölkerung wäre immens

und die Verbraucherschützer haben bereits bei

der Debae um die sllen Reserven bewiesen, dass sie

in der Lage sind ihren polischen Einuss geltend zu

machen.

Ein wahrscheinlicheres Szenario ist, dass einige Versicherer

bei gleichbleibendem Niedrigzinsniveau in den

Run o gehen. Durch den Wegfall von Abschlusskosten

könnte man so wenigstens einigermaßen rentabel

sein.

Für freiwillige Umdeckung bei Kunden

werben

Wenn wir annehmen, dass sich das Storno verdoppelt,

dann wären davon vor allem niedrigere Garanen betroen

mit der Folge, dass der durchschniliche Rechnungszins

sich wieder erhöht.

Dem steht die aktuelle Tendenz, in illiquide Assets zu

inveseren, diametral entgegen. Wir raten Lebensversicherern

dringend alternave Versicherungsprodukte

mit ins Portefeuille aufzunehmen sowie Kunden unter

vollständiger Aulärung zur Umdeckung zu bewegen.

Sollten Lebensversicherer es schaen, 30% ihres Bestandes

auf diesem Wege umzudecken, ergäbe sich

eine verbesserte Ausfallwahrscheinlichkeit. Die ALM-

Analyse wird diesen Aspekt näher beleuchten.

Das Gegenargument der Versicherer ist, dass Umdeckungen

einen schlechten Ruf haben und steuerlich

schädlich sind. Wir meinen, dass Kunden über Chancen

und Risiken ihrer Umdeckung ohne hohe Provision aufgeklärt

werden sollten. Zur steuerlichen Behandlung

gibt es nach unseren Informaonen ein Verständnis

bei der derzeigen Bundesregierung, das genutzt werden

sollte. Dieses sieht vor, das Altverträge steuerneutral

exibler gestaltet werden können.


Aktuelle Kennzahlen

Rein auf die Kennzahlen bezogen, haben sich die Abschlußaufwendungen

von 2010 auf 2011 leicht erhöht.

Es fällt auf, dass die Spreizung höher geworden ist. Einige

Versicherer nehmen bewusst einen Rückgang

ABSCHLUSSAUFWENDUNGEN LEBEN

Kennzahl 2011 2010 +/-

Min 1,34% 2,16% -60,93%

Max 31,38% 28.36% 9,65%

Mielwert 10,66% 9,77% 8,33%

Standardabweichung 5,51% 4,63% 15,93%

Median 10,22% 9,48% 7,23%

Quelle: KIVI-Datenbank, eigene Berechnungen

ihres Neugeschäs hin, während andere mit höheren

Provisionen scheinbar dagegen ankämpfen.

Es ist auällig, dass das Einmalbeitragsgeschä weiter

rückläug ist. Anscheinend nehmen die Versicherer die

aktuelle Zinssituaon für ernst und verzichten auf „Arbitragisten“.

Bei der Neoverzinsung scheint die Realität die Akteure

eingeholt zu haben. Die maximale Neoverzinsung

hat sich um über 100 Basispunkte verringert. Der

NETTOVERZINSUNG LEBEN

Kennzahl 2011 2010 +/-

Min 3,10% 3,25% -4,77%

Max 5,09% 6,33% -24,38%

Mielwert 4,17% 4,47% -7,11%

Standardabweichung 0,42% 0,48% -13,88%

Median 4,19% 4,42% -5,39%

Quelle: KIVI-Datenbank, eigene Berechnungen

Mielwert scheint immer noch hoch.

Die Stornoquoten sind 2011 rückläug, da die Kunden

aufgrund des Niedrigszinsniveaus nicht unzufrieden

sind mit der Überschussbeteiligung. Allerdings könnte

sich dieses Verhalten mit steigenden Zinsen ändern.

Wir glauben, dass negave Realzinsen kein dauerhaer

Zustand sein kann.

Ausblick

STORNOQUOTE LEBEN

2|Deutschland 27

Kennzahl 2011 2010 +/-

Min 1,42% 1,45% -1,89%

Max 17,29% 18,30% -5,84%

Mielwert 4,42% 4,61% -4,37%

Standardabweichung 2,11% 2,28% -7,94%

Median 4,11% 4,32% -4,97%

Quelle: KIVI-Datenbank, eigene Berechnungen

Der Ausblick für 2012 und 2013 ist ernüchternd. Alles

hängt vom Zinsniveau ab. Derzeit hat die Bevölkerung

noch ein hohes Vertrauen in die Lebensversicherungsbranche.

Dieses gilt es mit ausreichenden Renditen

und nicht mit Leistungskürzungen zu schützen.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


28

2|Deutschland Gastbeitrag Dr. Michael Menhart

Inon in Deutschland ist keine Alternave

von Dr. Michael Menhart

Die Krisenländer der Eurozone ächzen unter dem „Austerity-Kurs“.

Massenarbeitslosigkeit und wirtschaliche

Stagnaon prägen das Leben in Griechenland, Portugal

und Spanien seit Jahren. Reform-Regierungen werden

in den Wahlen abgestra, Populisten mit scheinbar einfachen

Rezepten gewinnen an Zuspruch. Nun wird vermutlich

auch Zypern den schmerzhaen Weg der

Konsolidierung einschlagen müssen, der Blick in die anderen

Krisenländer verspricht der zyprischen Bevölkerung

nichts Gutes.

Die „Safe Heaven-Flows“ in deutsche Rentenpapiere

sind gleichzeig immer noch hoch, ein Ende des Niedrigzinsumfeldes

ist noch nicht in Sicht. Die EZB hat mit

ihrer Ankündigung, noalls unbegrenzt Staatsanleihen

der Krisenländer aufzukaufen, für eine Beruhigung der

Märkte gesorgt. Doch das Vertrauen in die nachhalge

Stabilität der Peripherieländer – und damit auch der

gesamten Währungsunion ist noch nicht zurückgekehrt.

Wie sollte es auch anders sein, in Anbetracht des weiterhin

pessimisschen Ausblicks? Auch für das Jahr

2013 muss der Süden Europas mit einer Schrumpfung

seiner Wirtschasleistung rechnen. Eine Entspannung

am Arbeitsmarkt scheint in weiter Ferne zu liegen. Es

kann auch nicht überraschen, dass die wirtschaliche

Erholung auf sich warten lässt. Deutschland weiß – 10

Jahre nach den Hartz-Reformen und viele Jahre nach

Beginn der strukturellen Umbrüche in den neuen Bundesländern

– aus eigener Erfahrung, dass die Webewerbsfähigkeit

einer Volkswirtscha nicht von heute

auf morgen wiederhergestellt werden kann.

Dabei besteht im Zuge der Diskussionen über Lösungsansätze

in der Eurokrise sogar weitgehend Einigkeit darüber,

dass in den krisengeschüelten

Peripherie-Staaten die Preise (einschließlich der für Arbeit)

spürbar sinken müssen, damit diese Länder ihre

Webewerbsfähigkeit wieder erlangen. Mit Blick auf

Deutschland werden aber Smmen lauter, die vor dem

Hintergrund der guten Wirtschaslage, der niedrigen

Arbeitslosigkeit, aber v.a. aufgrund der hohen Exportüberschüsse

gegenüber den Peripherie-Staaten das Zulassen

höherer Inonsraten fordern.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Könnte Deutschland nicht dem Rest Europas etwas

„entgegenkommen“? Wäre nicht allen geholfen, wenn

wir in Deutschland etwas mehr Inon zuließen?

Könnte nicht Deutschland bei entsprechendem Lohnanseg

seine Binnenkonjunktur stärken, während

gleichzeig die relave Webewerbsfähigkeit der Krisenländer

über ihre Exporte wieder zurück auf den

Wachstumskurs kämen? Könnten höhere Inonserwartungen

in Deutschland nicht vielleicht sogar den

Weg in Richtung eines auch für die Versicherungsindustrie

auskömmlicheren Zinsumfeldes weisen?

DER EFFEKTIVE WECHSELKURS

Der eekve Wechselkurs misst die Wertentwicklung

der inländischen Währung gegenüber dem (mit der Bedeutung

der Handelsbeziehungen) gewichteten Durchschni

wichger anderer Währungen und ist damit ein

Indikator für die internaonale Webewerbsfähigkeit.

Interner Abwertungsbedarf in den

Peripheriestaaten

Um über eine interne Abwertung (Deon) auf eine

tragfähige außenwirtschaliche Posion zu kommen,

werden in den Peripheriestaaten Preisanpassungen

zwischen 10% und 30% erforderlich sein. Die preisliche

Webewerbsfähigkeit der Peripheriestaaten hat sich

in den Jahren nach der Euro-Einführung konnuierlich

verschlechtert. Der sogenannte eekve Wechselkurs

Abb. 1: realer eekver Wechselkurs

Quelle: Munich Re


eg in den Jahren 2001-2009 deutlich an. Hauptursache

hierfür waren Lohnsteigerungen, die deutlich

höher waren als die realisierten Produkvitätszuwächse.

Abb. 2: reale Lohnstückkosten

Die Verschlechterung der Webewerbsfähigkeit zeigt

sich im gleichen Zeitraum auch in der Leistungsbilanz

(d.h. dem Saldo der Handels- und Dienstleistungsbeziehungen

mit dem Ausland) der betreenden Länder.

Die Leistungsbilanzsalden sind negav, d.h. die Exporte

sind im Vergleich zu den Importen zu gering.

Abb. 3: Leistungsbilanzüberschuss in % des BIP

Quelle: Munich Re

Quelle: Munich Re

Zwar ist – mit Ausnahme von Italien – seit 2009 bei effekvem

Wechselkurs und Lohnstückkosten eine Trendumkehr

zu beobachten. Damit die Peripherieländer

aber wieder webewerbsfähig werden, muss das

Lohn- und Preisniveau in diesen Ländern relav zum

Rest des Eurowährungsraums noch deutlich stärker

nach unten korrigiert werden („interne Abwertung“).

2|Deutschland Gastbeitrag Dr. Michael Menhart 29

Denn die Möglichkeit einer „externen Abwertung“

exisert mangels eigener Währung natürlich nicht.

Eine Abwertung – intern wie extern – wirkt sich posiv

auf die Leistungsbilanz eines Landes aus: Importe werden

teurer, wodurch die Nachfrage nach ausländischen

Gütern zurückgeht. Die Preise der eigenen Exporte hingegen

sinken und so besteht gegenüber Gütern und

Dienstleistungen aus anderen Ländern ein Webewerbsvorteil.

Das notwendige Ausmaß der internen Abwertung ist

von Land zu Land unterschiedlich: Gemäß jüngsten

Schätzungen müsste in Spanien das Preisniveau um

20% sinken, in Griechenland um 30% und in Portugal

sogar um 35%.

Die Erreichung höherer Webewerbsfähigkeit der Peripherieländer

funkoniert nur, wenn die Preis- und

Lohnzuwächse niedriger ausfallen als die der konkurrierenden

Exportländer wie z.B. Deutschland. Möglich

wird dies durch fallende Preise in den Peripherieländern

oder durch stärker ansteigende Preise in den konkurrierenden

Exportländern (oder durch einen

Kombinaon dieser beiden Varianten).

Doch die interne Abwertung der Peripheriestaaten allein

führt nicht automasch zu einer höheren Inon

in Deutschland. Denkbar ist, dass die Teuerung in

Deutschland zwar aufgrund der Deon in den Peripheriestaaten

deutlich höher als dort ausfällt, gleichzeig

aber das heuge Inonsniveau von rund 2%

nicht überschrien wird. Dies allerdings würde implizieren,

dass die durchschniliche Inonsrate in der

Eurozone unter dem Zielwert der EZB von „knapp 2%“

liegen würde.

Lohnerhöhungen sprechen für einen

Inonsanseg in Deutschland

Unabhängig von diesem Aspekt ist jedenfalls klar, dass

bei gegebener Deon in den Krisenländern die Verbesserung

der Webewerbsfähigkeit umso schneller

verläu, je höher die Inon in Ländern wie Deutschland

ausfällt. Aus dieser Perspekve würde eine stär-

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


30

2|Deutschland Gastbeitrag Dr. Michael Menhart

kere Inon in Deutschland also die notwendigen Anpassungen

in der Eurozone erleichtern. In der Tat gibt

es auch Gründe, die für höhere Teuerungsraten in

Deutschland sprechen.

Die anhaltend hohe Nachfrage im Immobilien- und

Bausektor hat in einigen städschen Regionen

Deutschlands bereits zu deutlich gesegenen Immobilien-Preisen

geführt. Dieser Trend wird durch die anhaltend

niedrigen Zinsen unterstützt und könnte

zumindest indirekt die Inonsrate beeinussen.

Abb. 4: Harmonisierter Verbraucherpreisindex

In den jüngsten Tarifverhandlungen in Deutschland

konnten für viele Arbeitnehmer unter Verweis auf die

gute Konjunktur kräige Lohnerhöhungen durchgesetzt

werden. Unternehmen werden versuchen, die

höheren Kosten aufzufangen, indem sie ihre Preise anheben.

Bei der derzeigen Kapazitätsauslastung dürften

sie dazu auch in der Lage sein. Verteuert sich die

Lebenshaltung dadurch (und aufgrund der höheren

Konsum-Nachfrage) merklich, könnten die Gewerkschaen

in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich

verlangen. Die gute Beschäigungssituaon erhöht

zudem die Verhandlungschancen der Arbeitnehmer

für höhere Löhne. Es droht eine Spirale, bei der sich

Löhne und Preise gegenseig nach oben treiben.

Um eine solche Lohn-Preis-Spirale in Deutschland zu

unterbrechen, müssten die Zinsen angehoben werden,

um so die Nachfrage zu dämpfen. Die Geldpolik der

EZB zielt jedoch auf die wirtschaliche Lage in der ge-

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Quelle: Munich Re

samten Eurozone ab – eine „Sonderkonjunktur“ in

Deutschland mit dort höheren Inonsraten allein

düre kein Grund sein, die Leitzinsen zu erhöhen.

Signikanter Inonsanseg trotzdem

unwahrscheinlich

Die hohen Lohn- und Gehaltsabschlüsse in Deutschland

düren allerdings eher kurzfrisger Natur sein.

Die deutsche Wirtscha zeigt schon erste konjunkturelle

Schwächetendenzen und auch die posiven Entwicklungen

am Arbeitsmarkt düren nicht auf Dauer

anhalten. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass

spätestens ab 2014 die Tarif-Verhandlungen wieder zu

geringeren Lohnzuwächsen führen. Die Gefahr einer

länger anhaltenden Lohn-Preis-Spirale scheint folglich

kaum gegeben zu sein. Selbst bei einem kurzfrisgen

Anseg der Inon aufgrund der verzögerten Auswirkungen

gesegener Ölpreise und der hohen Tarifabschlüsse

im Jahr 2012 könnte die Teuerungsrate in

naher Zukun wieder sinken. Dafür sprechen u.a. die

bereits wieder deutlich gesunkene Ölpreise ebenso

wie die dämpfenden Eekte rückläuger Kapazitätsauslastungen

im Zuge der erwarteten Konjunkturabschwächung.

Die polischen Einussmöglichkeiten sind

gering

Höhere Inon in Deutschland könnte prinzipiell Teil

einer Lösungsstrategie zur Unterstützung der Peripherieländer

und von daher polisch gewollt sein. Allerdings

sind die Einussmöglichkeiten der Polik auf die

Preisentwicklung insgesamt gering. Die EZB kann die

Zinsen aufgrund des bereits sehr niedrigen Niveaus

kaum noch weiter senken und muss zudem bei ihren

Entscheidungen die Entwicklungen in der gesamten

Eurozone im Auge haben. Die Polik kann sich zwar generell

für höhere Löhne aussprechen, die Entscheidung

darüber obliegt allerdings in Deutschland den Tarifparteien.


Eine indirekte Möglichkeit für die Wirtschaspolik bestünde

in Maßnahmen zur Stärkung der Binnennachfrage,

insbesondere des privaten Konsums, z.B. durch

Steuern- und Abgabesenkungen. Dies könnte prinzipiell

über die Nachfrageeekte zu einer höheren Ina-

on führen. Allerdings düren Steuersenkungen im

größeren Umfang nicht mit den mielfrisgen Konsolidierungszielen

für den Staatshaushalt im Einklang stehen.

Hinzu kommt die in Deutschland historisch

verwurzelte sprichwörtliche „Inonsangst“, die es

der Polik schwer machen düre, höhere Inon als

opportun erscheinen zu lassen.

Fazit: „Austerity“ ist unumgänglich -

Preissteigerung in Deutschland ist keine

Alternave

Es bleibt dabei: In den Peripherieländern ist eine interne

Abwertung durch Preisanpassungen unumgänglich.

Lohnkürzungen wurden bereits umgesetzt.

Weitere müssen aber folgen, um die Webewerbsfähigkeit

wieder herzustellen. Es ist keine Alternave,

durch deutlich höherer Inon in Deutschland (und

anderen „Kern-Ländern“ der Eurozone), den Lohnsenkungsdruck

von den Peripheriestaaten zu nehmen.

Dies gilt umso mehr, als auch in Deutschland zuletzt

die realen Lohnstückkosten wieder gesegen sind.

Eine Inon von deutlich über 2% über mehrere Jahre

bleibt natürlich trotzdem ein bedeutsames Risikoszenario

– für Deutschland ebenso wie für die Eurozone

insgesamt. Auslöser hierfür könnten eine zu lange anhaltende

expansive Geldpolik der EZB oder auch eine

polisch gewollte Inonierung der Staatsschulden

sein. Als kurzfrisges Miel zur Lösung des Anpassungsdrucks

in den Krisenstaaten fällt es jedoch aus.

Was heißt das für die

Versicherungsindustrie in Deutschland?

Einen raschen Zinsanseg am kurzen Ende aufgrund

von erwarteten höheren Preissteigerungsraten wird es

2|Deutschland Gastbeitrag Dr. Michael Menhart 31

vorerst nicht geben. Es ist in Anbetracht des konjunkturellen

Umfeldes nicht damit zu rechnen, dass die Kapazitäten

der deutschen Volkswirtscha bald

ausgeschöp sind. Inonssorgen vor dem Hintergrund

der expansiven Geldpolik der EZB sind nicht unberechgt,

allerdings erst langfrisg. Vorerst hat das

Zentralbankgeld seinen Weg in die Realwirtscha noch

nicht gefunden. Und ein Inonsanseg in Deutschland

als Alternave zum Sparkurs der Peripherieländer

fällt, wie oben erläutert, ebenfalls aus. Ein Ende der

Safe-Heaven-Flows in deutsche Staatsanleihen ist

ebenso wenig zu erwarten, solange die Probleme in

der Peripherie nicht nachhalg gelöst sind.

Genauso wie die Krisenstaaten der Eurozone durch das

lange Tal der Konsolidierung und „Austerity“ gehen

müssen, wird auch den Versicherungsunternehmen in

Deutschland daher wohl nichts anderes übrig bleiben,

als sich auch in Zukun auf ein anhaltendes Niedrigzinsumfeld

einzustellen. Diese Herausforderung wird

den Asset Managern der Versicherungsindustrie weiter

erhalten bleiben.

Dr. Michael Menhart

Seit 2007 ist er Chefvolkswirt bei Munich Re

(Gruppe). Bevor er 2005 zu Munich Re kam,

arbeitete Dr. Menhart bei der Unternehmensberatung

McKinsey & Company, wo er

sich auf Themen der Versicherungs- und Finanzdienstleistungsindustrie

spezialisierte.

Nach dem Studium zum Diplom-Ökonom promovierte

Dr. Menhart an der wirtschaswissenschalichen Fakultät

der Universität Augsburg. Außerdem erwarb er einen M.A. in

Economics an der Wayne State University in Detroit/USA.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


32

2|Deutschland

Die private Krankenversicherung in Deutschland bendet

sich im Zustand des Verurteilten, der das Strafmaß

abwartet. Die Vollkostenversicherung wird mit höheren

Leistungszahlungen schon allein wegen der alternden

Bevölkerung belastet.

Zudem geraten sie in stärkere Konkurrenz zu den gesetzlichen

Krankenversicherern, deren Image sich

durch hohe Überschüsse schlagarg verbessert hat.

Das Niedrigzinsniveau fordert schon jetzt Prämienanpassungen.

Das Prämienvolumen und der Neobestand

zeigen weiterhin eine dynamische Entwicklung,

wie die folgende folgende Tabelle aufweist.

Beiträge

(Mrd. €)

Bestand

(x1000)

NETTOBESTAND KRANKEN

Der Großteil der Prämienzuwächse kommt allerdings

durch Prämienerhöhungen bei den Vollversicherten

und Zugängen lediglich bei den Zusatzversicherungen.

Aktuelle Kennzahlen

In diesem Geschäsumfeld haben sich die Kostenquoten

leicht erhöht und liegen mit knapp 13% aus unserer

Sicht sehr hoch.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Die deutschen Krankenversicherer

2011 2010 +/- 07-11

Gesamt 34,69 33,27 4,3% 4,9%

KrankenV 32,58 31,17 4,5% 5,2%

egeV 2,11 2,10 0,4% 0,4%

KrankenV 8976 8896 0,9% 1,7%

egeV 9667 9593 0,8% 1,4%

ZusatzV 22511 21969 2,5% 4,7%

KOSTENQUOTE KRANKEN

Quelle: GDV

Kennzahl 2011 2010 +/-

Min 3,56% 3,54% 0,39%

Max 31,64% 32,36% -2,28%

Mielwert 12,79% 12,54% 1,93%

Standardabweichung 5,83% 5,79% 0,82%

Median 11,69% 11,69% 0,05%

Quelle: KIVI-Datenbank, eigene Berechnungen

Bei der Neoverzinsung sehen wir eine ähnliche Entwicklung

wie bei den Lebensversicherern. Die Neoverzinsung

geht weiter zurück und die Spreizung

erhöht sich. Generell scheint sich auch hier abzuzeichnen,

dass die Krankenversicherer das aktuelle Niedrigzinsniveau

ernst nehmen und nicht für eine temporäre

Erscheinung halten.

NETTOVERZINSUNG KRANKEN

Kennzahl 2011 2010 +/-

Min 2,80% 3,43% -22,25%

Max 4,67% 4,98% -6,70%

Mielwert 3,82% 4,11% -7,51%

Standardabweichung 0,43% 0,32% 26,30%

Median 3,93% 4,12% -5,00%

Quelle: KIVI-Datenbank, eigene Berechnungen


2|Deutschland Gastbeitrag Michael Kurtenbach 33

Quo vadis Private Krankenversicherung?

von Michael Kurtenbach

Am Vorabend der Bundestagswahl wird wieder verstärkt

die Frage diskuert, ob unser duales Krankenversicherungssystem

noch zeitgemäß und sinnvoll ist.

Diese Frage besmmt auch den Wahlkampf im Polikfeld

Gesundheit und Pege. Während bspw. SPD und

Grüne die Überführung des dualen Krankenversicherungssystems

in eine Einheitsversicherung in Form

einer Bürgerversicherung anstreben, sprechen sich FDP

und CDU/CSU für die Beibehaltung des dualen Systems

aus, bisweilen jedoch im Sinne einer reformierten Dualität.

Diese unterschiedlichen Zielvorstellungen über

die zukünige Ausrichtung unseres Krankenversicherungssystems

belegen, dass die kommende Bundestagswahl

für die Entwicklungsperspekve der Privaten

Krankenversicherung von hoher Bedeutung sein wird.

Zustandsbeschreibung der PKV

Zu den besonders bemerkenswerten Ereignissen der

jüngeren Vergangenheit zählte sicherlich die Medienkampagne

im ersten Halbjahr 2012. Zwischen März

und Juni 2012 sah sich die PKV mit einer Vielzahl von

Medienberichten in kurzer zeitlicher Abfolge konfron-

ert, die sich sehr krisch mit der Privaten Krankenvollversicherung

auseinandersetzten und die Reputaon

der Branche spürbar belastet haben. Bei all diesen Medienberichten

ging es im Kern stets um folgende Krikpunkte

bzw. Vorwürfe:

1. hohe Beitragsanpassungen und die

Frage der Bezahlbarkeit der Beiträge im

Alter

Nahezu jeder privat Krankenversicherte weiß um die

Themak von manchmal hohen und sprunghaen Beitragsanpassungen.

Neu war jedoch die Art und Weise,

wie die Presse mit dieser eigentlich immer schon vorhandenen

Problemak umgegangen ist. So wurden von

der Presse willkürlich einige Einzelfälle – fast ausnahmslos

Rentner – aufgegrien und die PKV als Verursacher

einer nanziellen Überforderung dieser

Versicherten im Alter angeprangert.

Dass diese Einzelfälle bei einem Vollversicherungsbestand

von rund neun Millionen Personen in keiner

Weise repräsentav waren, sei nur am Rande bemerkt.

2. ein unzureichendes Leistungsniveau

vieler PKV- Volltarife

Der zweite Krikpunkt bezog sich auf ein unzureichendes

Leistungsniveau vieler PKV-Volltarife, insbesondere

im Vergleich zum Leistungsniveau der gesetzlichen

Krankenversicherung. Anlass war eine im Juni 2012 publizierte

Studie, die das Leistungsniveau zahlreicher

PKV-Tarife untersucht hae und zu dem Ergebnis kam,

dass insbesondere Tarife im sogenannten Einsteigersegment

Leistungslücken im Bereich der ambulanten

Psychotherapie und im Bereich der Hilfsmielkataloge

aufweisen.

3. Der Vorwurf vereinzelter

Provisionsexzesse

Dieser Vorwurf wurde sowohl in der Presse als auch im

Fernsehen an einem konkreten Fall festgemacht, nämlich

dem Aufseg und Fall der Vertriebsgesellscha

MEG. Die Fachzeitschri „Versicherungsmagazin“

fasste die öentlichkeitswirksame Krik Mie letzten

Jahres unter der Überschri zusammen: „Baustellen an

allen Fronten. Die private Krankenversicherung gerät

immer mehr unter öentlichen Druck. Viele Probleme

sind hausgemacht, etwa in der Beitragsentwicklung.

Besserung ist in Sicht – falls alle Akteure mitmachen.“

Entscheidend ist nunmehr, wie die PKV-Branche auf die

vorgebrachten Krikpunkte reagiert hat, ob sie diese

beispielsweise als Chance begrien hat, Reformen und

Veränderungen aus sich selbst heraus anzugehen?

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


34

2|Deutschland Gastbeitrag Michael Kurtenbach

Veränderungbereitscha bewiesen

Rückblickend betrachtet lässt sich feststellen, dass die

Branche ihre Veränderungsbereitscha und Veränderungsfähigkeit

eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

So sind in einem relav kurzen Zeitraum über den PKV-

Verband Empfehlungen für einen Mindest-Leistungsumfang

des Produktes PKV-Vollversicherung erarbeitet

worden („PKV-Mindeststandard“) und von der Mehrheit

der PKV-Unternehmen kurzfrisg im Rahmen der

Unisex-Umstellung in die Produkte integriert worden.

Des Weiteren haben fast alle Unternehmen die Unisex-Umstellung

dazu genutzt, den Rechnungszins in

der Kalkulaon abzusenken. Damit soll nicht nur dem

niedrigen Zinsniveau Rechnung getragen, sondern

auch das Ziel verfolgt werden, wieder in stärkerem

Maße Überzinsergebnisse zu generieren, die wiederum

eine beitragsstabilisierende Wirkung im Alter

enalten. Dabei herrscht weitgehend Konsens in der

Branche, dass dies nur ein erster Schri auf dem Weg

einer verbesserten Beitragsstabilität sein kann und diesem

Schri noch weitere folgen müssen. So sind beispielsweise

einige PKV-Anbieter derzeit dabei, ihr

Produktangebot um sogenannte Beitragsentlastungstarife

zu erweitern, die ab einem besmmten Lebensalter

(z.B. 65) zu einer Redukon des dann gülgen

Zahlbeitrags in einer vereinbarten Höhe führen.

In Bezug auf den drien Krikpunkt, den Vorwurf vereinzelter

Provisionsexzesse, ist der Gesetzgeber bekanntlich

eingeschrien und hat sowohl die Höhe der

in der Vollversicherung maximal zulässigen Vergütung

als auch die Länge der Stornohaungszeit zum 1. April

2012 neu geregelt. Insbesondere die auf fünf Jahre verlängerte

Provisionshaung wird im Lauf der kommenden

Jahre sukzessive zu einer Marktverkleinerung im

Segment der PKV-Binnenwechsler führen, da die in der

Vergangenheit prakzierten Umdeckungsakvitäten

einzelner Vertriebe deutlich an nanzieller Arakvität

verloren haben.

Wachstumsperspekve der PKV

Um die Wachstumsperspekve der PKV-Branche zu

beurteilen muss zwischen den Geschäsfeldern Voll-

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

versicherung und Zusatzversicherung unterschieden

werden:

Geschäsfeld Vollversicherung

In der Zehnjahresbetrachtung ist zu erkennen, dass die

Branche in der Vollversicherung noch jedes Jahr Neowachstum

aufweisen konnte, die Neozuwächse jedoch

vom Trend her deutlich abnehmen. Es ist zu

erwarten, dass dieser rückläuge Wachstumstrend in

den kommenden Jahren in Richtung Stagnaon oder

gar eines leichten Bestandsrückganges umschlägt,

zumal ab dem Jahr 2013 zwei dämpfende Eekte zu

verzeichnen sind: zum einen die bereits erwähnte Provisionsregulierung

und Provisionshazeitverlängerung,

was in der Konsequenz auch zu rückläugen Vertriebskapazitäten

führen wird. Der andere Dämpfungseekt

resulert aus der Unisex-Umstellung, die ein deutlich

gesegenes Beitragsniveau in der Vollversicherung zur

Folge hat, womit wiederum der Beitragsvorteil gegenüber

dem GKV-Höchstbeitrag entsprechend kleiner geworden

ist.

Geschäsfeld Zusatzversicherung

Wie sieht demgegenüber die Wachstumssituaon im

Geschäsfeld der Zusatzversicherung aus. Der etwas

seltsam anmutende Wachstumsverlauf, insbesondere

das hohe Wachstum im Zeitraum 2004 bis 2008, wir

Fragen auf, die sich jedoch relav einfach erklären lassen.

Das hohe Wachstum in den Jahren 2004 . ist auf

das Inkratreten des GKV-Modernisierungsgesetzes

Anfang 2004 zurückzuführen. Dieses Gesetz gestaete

erstmals Kooperaonen zwischen gesetzlichen Kran-


kenkassen und privaten Krankenversicherern, die in

der Praxis auch zahlreich umgesetzt wurden. In der

Folge wurden ab dem Jahr 2004 die Kundenbestände

der meisten gesetzlichen Kassen regelmäßig mit Zusatztarifen

der jeweiligen privaten Kooperaonspartner

beworben und auf diesem Weg eine große Zahl an

Vertragsabschlüssen getägt. Nachdem die Potenziale

aus den Kooperaonen weitgehend realisiert waren

(erkennbar ab dem Jahr 2008), kehrte die PKV-Branche

ab dem Jahr 2009 wieder zu „normalen“ Neozuwächsen

in der Größenordnung von 500 Tausend Verträgen

pro Jahr zurück.

Es liegt auf der Hand, dass eine Marktsägung im Bereich

der Zusatzversicherung noch bei weitem nicht erkennbar

ist und sich in diesem Geschäsfeld noch

enorme Wachstumspotenziale für PKV-Branche bieten.

So wird beispielsweise die Anfang 2013 eingeführte

und staatlich geförderte

egeergänzungsversicherung („Pege-Bahr“) zu einer

deutlichen Marktbelebung in der Pegeversicherung

führen.

Ausblick PKV

In Anbetracht der polischen Abhängigkeit lässt sich

ein Ausblick nur schwer geben. Auf der anderen Seite

sind allgemeine Entwicklungen erkennbar:

Größe und Finanzstärke von privaten Krankenversicherern

werden an Bedeutung zunehmen. Dies resul-

ert sowohl aus dem mit nahezu jeder

Gesundheitsform einhergehenden Invesonsbedarf

(aktuelle Beispiele: Einführung Unisex, Pege-Bahr) als

auch aus der Erfordernis, Netzwerke und Strukturen

2|Deutschland Gastbeitrag Michael Kurtenbach 35

auf der Ebene der Leistungserbringung (Versorgung)

aufzubauen.

Auf der Produktseite werden viel stärker als in der

Vergangenheit Preis-Leistungs-Verhältnis, Beitragsstabilität

im Zeitablauf sowie Innovaonsfähigkeit eine

Rolle spielen. Die inzwischen vorhandene Transparenz

über Vergleichsportale und dergleichen verstärkt diesen

Trend.

Das abnehmende Wachstum im Kerngeschäsfeld

Vollversicherung führt zu einer deutlich höheren Webewerbsintensität

im Bereich der Zusatzversicherung.

Diesbezüglich werden auch innovave Wege zur Erschließung

dieses Geschäsfeldes beschrien.

Kollekvverträge werden in zunehmendem Maße

Einzug in den deutschen Markt halten. Die betriebliche

Krankenversicherung zählt bereits zu den neu entdeckten

Wachstumsfeldern der Branche. Viele Arbeitgeber

werden solche Verträge, omals erweitert um Angebote

des betrieblichen Gesundheitsmanagements,

ganz oder anteilig nanzieren.

Fazit

Alles in allem wird der Gesundheitsmarkt auch in Zukun

zu den wichgsten Wachstumsmärkten unserer

Volkswirtscha zählen. Die Alterung der Gesellscha

und der medizinische Fortschri werden die Kosten

des Gesundheitswesens weiter in die Höhe treiben und

immer neue Anpassungen notwendig machen. In welchem

Maß die privaten Krankenversicherer hierbei mit

gestalten können, hängt von den vom Gesetzgeber

festgelegten Rahmenbedingungen ab. Diese ändern

sich jedoch mit nahezu jeder Gesundheitsreform. In

dem Maß, wie es den privaten Krankenversicherern

gelingt, sich an die verändernden Rahmenbedingungen

anzupassen, wird ihnen auch im Gesundheitsmarkt

der Zukun eine wichge Rolle zukommen.

Michael Kurtenbach

Seit 2003 ist er Mitglied der Vorstände der

Gothaer Versicherungen und seit März 2008

Vorstandvorsitzender der Gothaer Krankenversicherung

AG.

Daneben trägt er auch die konzernweite Verantwortung

für das Ressort Personal und ist

in dieser Funkon auch Arbeitsdirektor des

Gothaer Konzerns.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


36

2|Deutschland

Sachversicherer

Die Sachversicherer werden häug als die Ertragsperle

der deutschen Versicherungsindustrie betrachtet. Häu-

g überkapitalisiert, bringen sie trotzdem eine annehmbare

Rendite.

OPERATIVER ROE

Kennzahl 2011 2010 +/-

Min -122,66% -110,16% -10,19%

Max 178,07% 187,56% -5,33%

Mielwert 13,26% 17,33% -30,72%

Standardabweichung 28,93% 30,81% -6,49%

Median 12,30% 11,93% 3,00%

In der Neoverzinsung schneiden die Sach- schlechter

als die Personenversicherer ab. Das können sie allerdings

durch die Schadenkostenquoten kompensieren,

die meist unter 100% liegen.

Es wird also schon durch das reine Versicherungsgeschä

Geld verdient. Aufgrund eines guten Schadenjahres

und teilweiser vorsichger Prämienerhöhungen

hat sich die Schadenkostenquote erneut verbessert.

NETTOVERZINSUNG SACH

Kennzahl 2011 2010 +/-

Min -1,51% 0,71% -147,05%

Max 13,83% 18,36% -32,74%

Mielwert 3,46% 4,32% -24,67%

Standardabweichung 1,66% 2,16% -30,25%

Median 3,32% 3,98% -19,84%

Die Spreizung erscheint erschreckend hoch. Je nach

Spartenausrichtung fällt vor allem die Höhe der Schadenquote

unterschiedlich aus. Hierzu gibt es im Gastbeitrag

von Helmut Kühl eine genauere Analyse. Aber

die Ergebnisse zeigen, dass 49 von 107 untersuchten

Gesellschaen, also knapp die Häle, eine Schadenkostenquote

von über 100% haben. Folglich brauchen

diese Gesellschaen ein angemessenes Kapitalanlageergebnis,

um rentabel arbeiten zu können. Schaen sie

das nicht, müssen sie stärker als ihre Mitbewerber an

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Die deutschen Sachversicherer

Quelle: KIVI-Datenbank, eigene Berechnungen

Quelle: KIVI-Datenbank, eigene Berechnungen

der Prämienschraube drehen und büßen mielfrisg

ihre Webewerbsfähigkeit ein. Ein weiterer Grund für

die äußerst breite Spreizung sind die Kreditversicherer.

Mit ihren niedrigen Schadenquoten um die 50% drücken

sie den Mielwert stark nach unten.

SKQUOTE SACH

Kennzahl 2011 2010 +/-

Min 49,62% 49,99% -0,74%

Max 140,93% 138,03% 2,06%

Mielwert 97,73% 99,50% -1,82%

Standardabweichung 12,09% 12,53% -3,67%

Median 98,39% 100,58% -2,22%

Quelle: KIVI-Datenbank, eigene Berechnungen


Gesamtmarkt

2|Deutschland Gastbeitrag Helmut Kühl 37

Deutsche Sachversicherer - Quo vadis?

von Helmut Kühl

Die Sachversicherer konnten in 2011 mit 63,515 Mrd.

€ Beitragseinnahmen einen Zuwachs von knapp 2,5

Mrd. (+4,0%) verbuchen.

Eliminiert man den PSV (2011: 1,127 € Mrd.; 2010:

1,105 € Mrd.) und rechnet die Zurich dazu, die seit

2010 nicht mehr im BaFin-Geschäsbericht ausgewiesen

wird, ergibt sich ein Beitragseinnahmen von 64,3

€ Mrd. gegenüber 2010 von 61,8 € Mrd. – also ein Plus

von 4,02% der in Deutschland im Webewerb bendlichen

Versicherer.

Dabei erzielten die Sachversicherer im direkten Geschä

eine Steigerung von 2,8% (GDV + 2,5%), während

hingegen das indirekte Geschä eine Steigerung

von 24% aufweist und bereits ein Volumen von über

4,2 Mrd. erreicht hat.Das Wachstum im direkten Geschä

resulert im Wesentlichen durch ein Wachstum.

in der K-Versicherung von ca. 3,5%.

Abb. 1: 4 %-Steigerung im Erstversicherungsmarkt

Quelle: BaFin, eigene Berechnungen

Die Schadenquote (bruo) seg von 70,2% auf 71,1%

insbesondere bedingt durch deutlich reduzierte Abwicklungsgewinne

in Haicht- und Krafahrt-Ha-

ichtversicherung, die Geschäsjahrschadenquote

vor Abwicklung ist um 0,6% Punkte gesunken.

Die Kostenquote ist nahezu unverändert mit 26,0% (im

Vorjahr 26,1%), so dass sich das Bruoergebnis knapp

um 1 Prozentpunkt verschlechtert hat.

Der Rückversicherungs-Markt konnte überproporonal

an dem Wachstum parzipieren, mit ca. 10% seg der

Rückversicherungsbeitrag von 11,857 € Mrd. auf

13,042 € Mrd. Der Eigenbehalt sank von 80,6% auf

79,4%.

Nach einem überragenden Jahr 2010 mit 84,6% Schaden-Kostenquote

für den Rückversicherungs-Markt

wird in 2011 mit einer Schaden-Kostenquote von 90,1

% immer noch Geld verdient, deutlich mehr als der

Erstversicherungsmarkt. Damit verschlechtert sich die

Neo Schaden-Kostenquote gegenüber der Bruo

Schaden-Kostenquote um 1,8 % Punkte und weist mit

0,7% Punkte eine posive Entwicklung aus gegenüber

einem ausgeglichenem Ergebnis in 2010.

Durch Auösung von Schwankungsrückstellungen wird

das Ergebnis um 0,8% verbessert (Vorjahr: 1,0%).

Spartenbetrachtung

Die Ergebnisse in den einzelnen ausgewiesenen Sparten

haen unterschiedliche Schaden-Kostenquoten.

Nur gut 50% der Beitragseinnahmen erzielen also versicherungstechnische

Gewinne, die andere Häle ist

damit im Minus und trägt nichts zur Ergebnisverbesserung

bei.

Abb. 2: Nur gut 50 % der Beitragseinnahme erzielt der versicherungstechnische

Gewinn

Quelle: BaFin, eigene Berechnungen

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


38

2|Deutschland Gastbeitrag Helmut Kühl

Gegenüber dem Vorjahr haben sich die Schadenquoten

nur wenig verändert. Die Anstrengungen einer Sanierung

spiegeln sich auch in den Wachstumsraten

wider.

Abb. 3: Nur geringe Veränderung der Schadensquote (in %)

Abb. 4: Sanierung durch Wachstum? (in %)

Weitere Einußfaktoren

Weitere Ergebniseinussfaktoren im deutschen Sachversicherungsmarkt

können nach folgenden Kriterien

beurteilt werden:

1. Veränderung des Spartenmixes

Durch die Veränderung des Spartenmixes gegenüber

den Vorjahren ergibt sich eine Beeinussung auf die

Schadenquote von ca. 1% Punkt, weil die Sparten mit

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Quelle: BaFin, eigene Berechnungen

einer unterdurchschnilichen Schadenquote ein unterdurchschniliches

Wachstum aufweisen.

Abb. 5: Unterdurchschniliche Wachstumsraten bei guten Schadenquoten

2. Wachstum

Die Wachstumsraten in den einzelnen Sparten haben

Auswirkungen auf die Ergebnissituaon in den Sparten

durch den zusätzlichen Auau in den Schadenreserven,

die bei der jeweiligen Ergebnissituaon berücksichgt

werden sollte. So ist zum Beispiel in der

Krafahrt-Haichtversicherung durch das Wachstum

von über 3% ein zusätzlicher Auau von Schadenrückstellungen

notwendig, der mit ca. 1,5% der

Schadenquote bilanziert werden muss.

Sparte

WachstumsrateBruorückstellung

Einuß

Kfz-Haicht 3,37% 45,50% 1,50%

Haicht 2,70% 53,20% -1,40%

Unfall 0,30% 42,50% -0,10%

Rechschutz 1,90% 53,00% -1,00%

3. Abwicklung

Quelle: BaFin, eigene Berechnungen

Die Ergebnisse aus der Abwicklung der Vorjahresschadenrückstellungen

sind insgesamt um 1% Punkt von

8,9% Punkten auf 7,9% Punkte gesunken, insbesondere

durch den Rückgang in der Krafahrt-Haichtversicherung

von 15,4% Punkten auf 12,3% Punkte, ein

historisches Tief in den letzten Jahren, sowie in der allgemeinen

Haichtversicherung von 11,5% Punkten


auf 8,3% Punkte. Diese beiden Sparten beeinussen

die Ergebnisse zu knapp 50%.

Abb. 6: Stabile Ergebnissituaon für den Rückversicherer

4. Rückversicherung

Die Rückversicherung hat in den einzelnen Sparten unterschiedlich

verdient und beansprucht einen Großteil

des Erstversicherungsmarktes.

Abb. 7: Historischer Tiefstand?

5. Kapitalanlagen

Quelle: BaFin, eigene Berechnungen

Quelle: BaFin, eigene Berechnungen

Die Kapitalanlagen haben sich von 138,063 € Mrd. auf

138,804 € Mrd. um + 0,5% posiv entwickelt.

Bei einer Steigerung der laufenden Verzinsung von

4,3% auf 4,5% ist der Ertrag um 5,2% gesegen und

führt zu einer überproporonalen Ergebnissteigerung.

Der Anseg beruht auf der Passivseite durch die Erhö-

2|Deutschland Gastbeitrag Helmut Kühl 39

hung der Schadenrückstellung (neo + 1,202 € Mrd.)

während sich hingegen die Schwankungsrückstellung

um 366 € Mio. reduziert hat.

Ausblick 2012

Das Wachstum wird in der GDV-Hochrechnung vom

22.03.2013 mit +3,7% prognosziert. Überproporonale

Wachstumsraten verzeichnen die Sparten verbundene

Gebäudeversicherung und Krafahrt, während

die in 2011 ertragreichen Sparten unterdurchschniliche

Wachstumsraten aufweisen.

Der Aufwand für Geschäsjahrschäden steigt nur mit

1,4%, so dass die Schadenquote (vor Abwicklung) um

1,4% Punkte sinkt.

Aufgrund geringerer prognoszierter Abwicklungsergebnisse

sinkt die Schaden-Kostenquote um knapp 1%

Punkt; allerdings stärker in den in 2011 wesentlichen

Verlustsparten Krafahrt-Haicht, Krafahrt- Kasko

sowie verbundene Gebäudeversicherung (VGV).

Insoweit sind die Probleme der vergangenen Jahre

auch die, die in 2013 weiter im Fokus stehen werden:

die Sanierung des VGV– Portefeuilles, die Fortsetzung

der Preiserhöhung in den Krafahrt-Sparten, insbesondere

im noch dezitären Floenbereich sowie Wachstumsimpulse

in den protablen Sparten Unfall und

Hausrat organisieren.

Helmut Kühl

Der studierte Dipl. Kaufmann Helmut Kühl

war zwischen 1994 und 2006 Vorstandsmitglied

der Volksfürsorge-Gesellschaen für

das Ressort Kompositversicherung und stellvertretende

Vorstandsvorsitzender der

Volksfürsorge Deutsche Sachversicherung

AG.

Helmut Kühl ist erfolgreich in verschiedenen Fachgremien des

Gesamtverbandes der Versicherungswirtscha täg.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


|ÜBERBLICK

|LEBENSVERSICHERER

|KRANKENVERSICHERER

|SACHVERSICHERER


Österreich Leben out, Sach und Kranken oho!

Es sieht nicht gut aus für die österreichischen Lebensversicherer.

Die Prämienerträge brechen deutlich ein

und gleichzeig schwächelt die Kapitalanlageseite,

auch wenn in 2012 weniger Abschreibungen anelen.

Während die österreichischen Lebensversicherungen

ein rückläuges Prämienauommen hinnehmen müssen

konnten die Schaden- und Krankenversicherer zulegen.

Insgesamt verzeichnet die österreichische

Versicherungswirtscha im 2011 einen Rückgang der

Prämieneinnahmen um 1,70% auf 16,45 Milliarden

Euro. Im 4. Quartal 2012 lag der Rückgang sogar schon

bei 3,92%. Die gesamten Versicherungsleistungen des

PRÄMIENVERTEILUNG 2011

Sparte in Mio € +/-

Leben 6.988 -7,50%

Kranken 1.697 3,60%

Schaden/Unfall 7.769 2,90%

Gesamt 16.454 -1,70%

LEISTUNGEN 2011

Quelle: VVO Jahresbericht 2011

Sparte in Mio € +/-

Leben 6.624 14,60%

Kranken 1.103 1,60%

Schaden/Unfall 5.059 2,30%

Gesamt 12.785 8,30%

Quelle: VVO Jahresbericht 2011

Jahres 2011 beliefen sich auf 12,79 Milliarden Euro –

das ist ein Plus von 8,30% im Vergleich zum Vorjahr.

Den größten Anseg mit 14,60% mussten die Lebensversicherer

hinnehmen. Milerweile muss annähernd

das gesamte Prämienauommen zur Deckung der Versicherungsleistungen

aufgewandt werden. Ein Spielraum

für die Kapitalanlage besteht so gut wie nicht.

Der Grund ist immer noc h in der Verlängerung des

Mindestanlagezeitraums für die Steuerfreiheit auf 15

Jahre imFrühjahr 2011 zu sehen. Gerade ältere Versicherungsnehmer

entscheiden sich bei einer Wiederanlage

nun eher für kurzfrisge Sparprodukte.

3|Österreich 41

Für das vergangene Jahr 2012 liegen nur vereinzelt

spartenspezische Aueilung vor. Im Aggregat hat sich

der Trend in abgeschwächter Form bestägt. Die Prämieneinnahmen

sind um 0,9% auf ca. 16,3 Milliarden

Euro gefallen, die gesamten Versicherungsleistungen

beliefen sich auf 12,8 Milliarden Euro und legten somit

um 0,3% zu.

Nach vorläugen, ersten Prognosen wird das Gesamtprämienauommen

2013 bei ca. 16,3 Milliarden Euro

stagnieren. Bei der Lebensversicherung gingen die Prämien

um 6,7% zurück, während sie in der Schaden- und

Unfallversicherung um 2,7% und in der Krankenversicherung

um 3,6% zunahmen.

NETTOVERZINSUNG GESAMT

Kennzahl 2011 2010 +/-

Min 1,03% 0,90% 14,28%

Max 6,05% 5,69% 6,39%

Mielwert 2,84% 3,39% -16,30%

Standardabweichung 1,06% 0,99% 6,39%

Median 2,73% 3,37% -18,85%

Immobilien sind in

Quelle: Geschäsberichte, eigene Berechnungen

Analog zu den deutschen Versicherern musste auch die

österreichische Versicherungsindustrie herbe Verluste

bei den Kapitalanlageerträgen hinnehmen. Der branchenübergreifende

Mielwert für die Neoverzinsung

liegt nur noch bei 2,84% und ist damit bedenklich nie-

KAPITALANLAGEN GESAMT 2011

Assetklasse Anteil

Schuldverschreibungen 45,50%

Kapitalanlagefonds (Renten) 17,50%

Beteiligungen, Aken, Parzipaonsscheine 14,90%

Immobilieninvestments 6,30%

Darlehen und Vorauszahlungen auf Polizzen 5,50%

Guthaben bei Kredinstuten 3,00%

Depoorderungen aus RV-Geschä (nur RV) 2,10%

Hedgefondsinvestments 0,70%

Werte der „Önungsklausel“ 4,50%

Gesamt 100%

Quelle: VVO Jahresbericht 2011

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


42

3|Österreich

rig. Während Kranken- und Sachversicherer den Einschni

durch deutlich verbesserte Combined Raos

kompensieren können wird die Lu für die Lebensversicherer

immer dünner.

Auch in Österreich beherrschen ganz klar festverzinsliche

Wertpapiere die Kapitalanlagestruktur der Versicherer.

Im Vergleich zu Deutschland ist die Dominanz

allerdings etwas weniger ausgeprägt. Mit über 20% an

Beteiligungen, Aken, Immobilien, etc. sind die östereichischen

Unternehmen hier breiter aufgestellt. 2011

verzeichnete sie eine reine Akenkernquote bzw.

Kernakenquote ohne Beteiligungen von 3,97%. Ende

2012 lag diese bei 3,57%. Allerdings halten die östereichischen

Versicherer viele Beteiligungen und strukturierte

Schuldverschreibungen bzw. Darlehen ohne

Kapitalgarane. Diese eingeschlossen lag die erweiterte

Akenquote Ende 2012 bei 15,38% nach 15,54%

Ende 2011.

Lebensversicherung

Die Abschlussaufwendungen der östereichischen Versicherer

sind 2011 stark angesegen. In erster Linie

sind hierfür die gesunkenen Prämieneinnahmen verantwortlich.

Eine bedeutende Rolle hierbei der Einbruch

der Einmalerträge gespielt. Sie verzeichneten

mit einem Prämienvolumen von 1,1 Milliarden Euro

ein Minus von 18,8 Prozent.

ABSCHLUSSAUFWENDUNGEN LEBEN

Kennzahl 2011 2010 +/-

Min 7,87% 5,48% 43,56%

Max 27,30% 18,32% 49,03%

Mielwert 27,30% 18,32% 49,03%

Standardabweichung 4,70% 3,07% 53,01%

Median 16,09% 10,39% 54,85%

Quelle: Geschäsberichte, eigene Berechnungen

Auch 2012 sank das Prämienvolumen der Lebensversicherung

mit einem Minus von 6,7 Prozent auf 6,5 Milliarden

Euro deutlich.

Die Branche zeigt sich hier aber eher heterogen, was

an der gesegenen Spreizung abzulesen ist. Während

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Unternehmen ihre Abschlussaufwendungen relav

konstant auf nierigem Niveau halten konnten, mussten

andere deutliche Verschlechterungen hinnehmen.

Gründe sind vor allem in den Vertriebsstrukturen der

einzelnen Lebensversicherer zu suchen. Vorallem der

Bankvertriebsweg scheint die Kunden eher in Banksparprodukte

geleitet zu haben.

Prämienbegünsgte Zukunsvorsorge

Das im September 2002 vom Naonalrat beschlossene

private Pensionsvorsorgemodell wird weiterhin gut angenommen.

Ziel der prämienbegünsgten Zukunsvorsorge

ist es, allen Bürgern in Österreich ein

rakves Zukunsvorsorge-Produkt mit staatlicher

COMBINED RATIO KRANKEN

Kennzahl 2011 2010 +/-

Min 71,93% 87,65% -17,93%

Max 122,37% 108,33% 12,96%

Mielwert 87,01% 101,43% -14,21%

Standardabweichung 16,55% 7,55% 119,25%

Median 81,97% 104,07% -21,23%

Förderung auf freiwilliger Basis anzubieten. Milerweile

bestehen bei den heimischen Versicherungsunternehmen

rund 1,5 Millionen Verträge, das

Prämienvolumen daraus beläu sich auf rund 1,0 Milliarden

Euro.

Im Jahr 2013 düre die Lebensversicherung nach ersten

Prognosen weitere Einbußen bei den Prämieneinnahmen

verzeichnen. Der östereichische

Versicherungsverband (VVO) prognosziert ein Minus

von 3%, was einem Volumen von 6,3 Milliarden Euro

entspräche.

Krankenversicherung

Quelle: Geschäsberichte, eigene Berechnungen

In Österreich versteht sich die PKV als komplementärer

Partner der gesetzlichen Krankenversicherung. Über

die Sonderklassehonorare trägt sie zum Erhalt erstklassiger

medizinischer Versorgung für alle Bürger bei.

Damit wird ein entscheidender Beitrag zur Qualität des

östereichischen Gesundheitssystems geleistet.


Die Schadenszahlen für 2011 elen bei den privaten

Krankenversicherern äußerst erfreulich aus. Mit durchschnilich

87,01% konnte die Combined-Rao also die

Schadenkostenquote deutlich verringert werden.

Für 2012 weist die private Krankenversicherung ein voraussichtliches

Plus von 3,4 Prozent mit einem Gesamtprämienvolumen

von 1,8 Milliarden Euro auf.

Eine erste Prognose bestägt den posiven Trend für

2013 und sagt ein Wachstum von rund 3,2 Prozent auf

Gesamtprämien von 1,8 Milliarden Euro voraus.

Schaden-Unfallversicherung

Auch bei den Schaden-Unfallversicherern lässt sich ein

posives Bild bei den Schadenszahlen zeichnen. Auch

hier konnten die Combined-Raos im Durchschni

deutlich unter 100% gedrückt werden. Die Unternehmen

schreiben also mit der reinen Versicherungstechnik

bereits schwarze Zahlen. Das vermindert den Druck

auf die Kapitalanlageseite deutlich. Dieser Trend hat

sich in 2012 fortgesetzt.

Das Prämienvolumen der Schaden-Unfallversicherung

(inklusive Kfz-Haichtversicherung) wuchs 2012 auf

8,0 Milliarden Euro an und zeigt somit eine Steigerung

von 3,4 Prozent.

Marktanteile

COMBINEDRATIO SACH

Kennzahl 2011 2010 +/-

Min 38,15% 44,29% -13,86%

Max 109,03% 121,71% -10,42%

Mielwert 90,82% 100,14% -9,30%

Standardabweichung 15,73% 14,94% 5,26%

Median 92,66% 102,68% -9,76%

Quelle: Geschäsberichte, eigene Berechnungen

Im Jahr 2011 rückten die Markührer enger zusammen.

Die Generali nimmt der Wiender Städschen

Marktanteile ab und droht diese zu überholen. Bei den

anderen Gesellschaen halten sich die Marktanteile

relav stabil. Der österreichische Versicherungsmarkt

3|Österreich 43

zeigt sich daher weiter sehr konzentriert. Knapp die

Häle des Prämienvolumens wird durch vier Unternehmen

(WIENERSTÄDTISCHE, Generali, UNIQA, Allianz)

vereinnahmt.

MARKTANTEILE GESAMT

Sparte 2011 2010 +/-

WIENER STÄDTISCHE 13,77% 14,45% -4,71%

Generali 13,60% 12,85% 5,84%

UNIQA Personen 7,95% 7,76% 2,45%

UNIQA Sach 6,03% 5,81% 3,79%

Allianz Elementar 5,49% 5,25% 4,57%

Sparkassen 5,19% 5,38% -3,53%

Donau 4,64% 4,24% 9,43%

FINANCE LIFE 3,79% 4,71% -19,53%

Zürich 3,58% 3,32% 7,83%

Raieisen 3,54% 3,56% -0,56%

Bank Austria 3,02% 3,55% -14,93%

Wüstenrot 2,86% 2,86% 0,00%

Allianz Elementar Leben 2,65% 2,51% 5,58%

Grazer Wechselseige 2,61% 2,54% 2,76%

OBERÖSTERREICHISCHE 2,30% 2,25% 2,22%

Merkur 2,09% 1,96% 6,63%

Niederösterreichische 1,55% 1,48% 4,73%

Helvea 1,37% 1,32% 3,79%

Victoria 1,37% 1,58% -13,29%

BAWAG P.S.K. 1,26% 1,59% -20,75%

Skandia Leben 1,15% 1,13% 1,77%

Österreichische Beamten 1,00% 0,98% 2,04%

Sonsge 9,19% 8,92% 3,03%

Gesamt 100% 100%

Quelle: VVO Jahresbericht 2011

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


44

3|Österreich

Asset-Liability Situaon in Österreich

Die österreichischen Versicherer zeichnen sich durch

eine etwas aggressivere Kapitalanlagepolik als die

deutschen Branchenvertreter aus.

Asset-Allokaon Österreich 4. Quartal 2012

Günsgere Rahmenbedingungen für die

Risikokapitalsituaon

In Österreich verfügen die Unternehmen über erleichterte

Spartenverrechnungsmechanismen die dazu führen,

dass das Risikokapital leichter als in Deutschland

zwischen den Sparten übertragen werden kann. Aber

das ist nicht der einzige Grund der geringeren Risikoaversion.

Kürzere Duraonen auf der Passivseite und ein

höherer Risikokapitalanteil ermöglichen vor allem den

österreichischen Lebensversicherern eine renditeträch-

gere Kapitalanlagenpolik. Dies drückt sich sowohl in

der globalen Assetallokaon, wie auch in der Gläubigeraufstellung

aus.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Quelle: FMA

Schuldverschreibungen im Detail 4. Quartal 2012

Risikokapitalsituaon leicht verbessert

Die Risikokapitalsituaon hat sich 2012 wieder leicht

erholt im Vergleich zu 2011. Hauptgrund ist die Reduzierung

vieler Anleihenspreads sowie Wertsteigerungen

auf der Akenseite. Allerdings steigen die sllen

Lasten der Passiva mit fortwährendem Niedrigzinsniveau

und nehmen bedrohliche Dimensionen an. Diese

berechnen wir allerdings mit dem risikofreien Swapsatz,

sodass unter Annahme der Erleichterungen durch

die EIOPA sich hier ein besseres Bild abzeichnen würde.

RISIKOKAPITAL

Quelle: FMA

2010 2011 2012e

Eigenkapital 5,7% 5,1% 5,0%

Freie RfB 0,9% 1,1% 1,2%

lle Reserven KA 7,2% 7,9% 13,5%

lle Reserven Passiva 3,3% -6,1% -10,0%

Risikokapital gesamt 17,1% 8,0% 9,7%

Quelle: FMA, eigene Berechnungen


Ländervergleich Deutschland - Österreich

Im Vergleich zu Deutschland steht die österreichische

Lebensversicherungsindustrie in der Risikokapitalausstaung

etwas besser dar.

Risikokapitalsituaon Deutschland

Risikokapitalsituaon Österreich

3|Österreich 45

Schaden und Kranken besser als Leben

Bezüglich der beiden anderen Sparten ist die Situaon

deutlich entspannter, da sich in der Schaden- und Unfallversicherung

die Versichertungstechnik deutlich

verbessert hat. In der Krankenversicherung werden nur

Zusatzprodukte angeboten, die der Sachversicherung

ähneln.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


|KAPITALMARKT

|ANALYSE LEBENSVERSICHERUNG

|ANALYSE KOMPOSITVERSICHERUNG


Über den Bedarf, Risiken zu „managen“

Ein Grundbedürfnis des Menschen ist das Streben nach

Schutz und Sicherheit. Bedarf oder Nachfrage scha

über kurz oder lang ein entsprechendes Angebot. In

unserem Fall führte die Nachfrage am 30. November

1676 zur Gründung der Hamburger Feuerkasse und

damit zum ersten und ältesten Versicherungsunternehmen

der Welt. Im Laufe der Zeit hat sich daraus ein großer

Wirtschaszweig entwickelt, dessen Entwicklung

wir nun schon über mehrere Jahre mit unseren Studien

interessiert beobachten und analysieren.

Rufen wir uns nochmal kurz das Grundprinzip der Versicherung

ins Gedächtnis: „Kollekve Risikoübernahme“

– also der Risikoausgleich über die Zeit und

über das Kollekv. Der zentrale Begri hierbei ist: Risiko.

Deswegen scheint es zunächst verwunderlich,

dass Risikomanagement erst in den letzten Jahren von

der Polik und Öentlichkeit zum Thema gemacht

wird. Hierzu sei nur auf die Schwörter „MaRisk VA“

und „Solvency II“ verwiesen.

Versicherungen betreiben Risikomanagement nun seit

knapp 340 Jahren. Doch auch hier gilt: Nichts ist so beständig

wie der Wandel. Veränderungen am Kapitalmarkt,

bei biometrischen Risiken oder Georisiken

nehmen an Intensität zu, die Herausforderungen steigen

beständig.

Aus diesem Grund reagiert der Gesetzgeber. Risiken,

also „die Möglichkeit des Nichterreichens eines explizit

formulierten oder sich implizit ergebenden Zieles“ (Vgl.

Rundschreiben 3/2009 VA), sollen und müssen transparent

gehandhabt und dokumenert werden. Dazu

müssen Risiken schon vor ihrem Eintreten erkannt werden.

„Alle von der Geschäsleitung idenzierten Risiken,

die sich nachhalg negav auf die Wirtschas-,

Finanz- oder Ertragslage des Unternehmens auswirken

können, werden als wesentlich erachtet. Zur Beurteilung

der Wesentlichkeit hat sich die Geschäsleitung

einen Überblick über das Gesamtrisikoprol des Unternehmens

zu verschaen“, so das Rundschreiben.

Dem Thema Asset Liability Management kommt somit

eine immer größere Bedeutung zu. Gerade die parallele

Betrachtung von Akv und Passivseite ermöglicht

4|ALM-Analyse 47

den Überblick über das Gesamtrisikoprol, die prospekve

Ausrichtung lässt Risiken bereits im Frühstadium

erkennen. Zieldenionen und

Limit-Überwachung sind somit mehr denn je zentrale

Bestandteile einer erfolgreichen Unternehmenssteuerung.

Die folgenden Ausführungen analysieren den Versicherungsmarkt

bezüglich der Risikokapitalausstaung, den

Kapitalanlagenporolien und damit auch der Risikotragfähigkeit

mit Methoden des Asset-Liability-

Managements. Dazu berücksichgen wir

unterschiedliche Kapitalmarktszenarien in Kombinaon

mit individuellen Unternehmensentwicklungen und

geben einen Gesamtüberblick über die aktuelle Situa-

on der Assekuranz.

Ulrich Gürster

Managing Consultant

xapio GmbH

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


48

4|ALM-Analyse

Analog zum Verfahren der letzten Jahre modellieren

wir die Entwicklung der Kapitalmärkte miels der drei

Dimensionen

Zins (Entwicklung des sicheren Marktzinses, modeliiert

über Bundesanleihen),

Risikoaufschläge (Entwicklung von Credit-Spreads selekerte

Indexklassen),

Performance (Entwicklung von börsennoerten Indizes).

Diese Entwicklungen werden anhand von „Szenario-

Vorgaben“ beschrieben. Da die Analyse auf dem Bilanz-

chtag 31.12.2011 aufsetzt, werden die bereits

bekannten Entwicklungen des Jahres 2012 in die Szenario-Vorgaben

eingearbeitet. Die Analyse umfasst die

Entwicklung von fünf Jahren. Die Entwicklung der Jahre

2013 – 2016 wird anhand von Vorgaben zu drei möglichen

Kapitalmarktszenarien umgesetzt. Betrachten wir

zunächst die Entwicklung des Jahres 2012.

1|Rückblick

Der Jahresverlauf 2012 auf den Zinsmärkten war geprägt

von Risikoaversion und die einhergehender

Flucht in risikoarme Papiere. Die Nachfrage nach deutschen

Staatspapieren hat vor allem im zweiten Quartal

zu einem starken Rückgang der Renditen geführt. Vor

allem Papiere im miel- und langfrisgen Bereich

waren sehr gefragt. Dieser Trend setzte sich auch im

drien und vierten Quartal fort, wobei der Zinsverfall

etwas an Dynamik verloren hat. Dennoch ist festzustellen,

dass Zinssätze immer neue historische Tiefstände

erreichen. Am Ende des Jahres lag die deutsche Bun-

Abb. 1: Zinsentwicklung 10-jährige Bundesanleihe

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

I. Kapitalmarkt

desanleihe mit einer Rendite von 1,32% nur 15 Basispunkte

über dem absoluten Tiefstwert des Jahres.

Zinsentwicklung

Die Entwicklung auf den europäischen Zinsmärkten hat

sich wieder etwas angeglichen. Das Jahr 2011 war von

einem starken Auseinanderdrien der Risikoaufschläge

für Staatsanleihen süd- und nordeuropäischer Länder

geprägt. Diese Tendenz konnte im Jahr 2012 durch Entscheidungen

der Polik und der EZB gestoppt und teilweise

umgekehrt werden. Risikoaufschläge für die

Länder Frankreich, Österreich und Deutschland verliefen

wieder parallel, der zeitweise über 500 Basispunkte

große Abstand zu Italien konnte ebenfalls etwas verringert

werden.

Abb. 2: Zinsentwicklung GER-FRA-AUT-ITA

Allgemein ist das Zinsniveau in Europa in 2012 zurückgegangen.

Wie die Übersichtskarte der Zinsentwicklung

im Euroraum zeigt, sind die Renditerückgänge vor

allem im südeuropäischen Raum teils immens. Hier

zeigte die Polik der „Euroreung um jeden Preis“ ihre

Abb. 3: Entwicklung Zinsstruktur Deutschland

Quellen:

Abb. 1-4: Europäische Zentralbank

Abb. 5-50: xALM, KIVI-Datenbank, eigene Berechnungen


Abb. 4: Zinsentwicklung Euroraum

Auswirkung. Dennoch bleibt der Euroraum weiterhin

gespalten zwischen einen stabilen Raum im Norden

mit zwischen ein und zwei Prozent und einem wirtschalich

angeschlagenen Süden mit einem Rendite-

Niveau zwischen fünf und elf Prozent.

Am Beispiel Spanien ist auch die weiterhin anhaltende

Skepsis der Markeilnehmer spürbar. Die strukturellen

Probleme innerhalb des Landes lassen die Renditen auf

Staatspapiere nur um 14 Basispunkte sinken. Italien,

von der Ausgangslage vergleichbar, konnte die Renditen

seiner Papiere im selben Zeitraum um mehr als 200

Basispunkte drücken.

Abb. 5: Entwicklung Risikoaufschläge

Risikoaufschläge

4|ALM-Analyse 49

Bei den Risikoaufschlägen stand auch im Jahr 2012 allgemein

das Auf und Ab der Kapitalmärkte im Fokus.

Nach einer starken Einengung der Risikoaufschläge im

ersten Quartal kam es mit dem erneuten Auammen

der Eurokrise erneut zu einer Ausweitung der Credit

Spreads. Neben Staatsanleihen vor allem aus dem südeuropäischen

Raum waren Anleihen sowohl von Finanzdienstleistern,

als auch Unternehmensanleihen

betroen. Auf der Suche nach „sicheren“ Kapitalanlagen

waren neben deutschen Staatsanleihen aber auch

Pfandbriefe gefragt, was im Zeitraum zwischen April

und Juli gegen den Trend zu geringeren Risikoaufschlägen

bei diesen Kapitalanlagen geführt hat.

Abb. 6: Entwicklung im Detail

Im drien sowie im vierten Quartal gaben die Credit

Spread Werte in allen Anlageklassen wieder deutlich

nach. Aussagen der EZB hinsichtlich uneingeschränkter

Stützungskäufe sowie die Entscheidung zum ESM aus

Karlsruhe ließen das Vertrauen der Anleger in die Kapitalmärkte

zurückkehren.

Performance

Abb. 7: Performance der einzelnen Assetklassen

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


50

4|ALM-Analyse

Für Aken und Private Equity verlief das Jahr 2012 wesentlich

besser als das Vorjahr. So konnten die Verluste

des Jahres 2011 aufgeholt oder sogar egalisiert werden.

Größere Nachfrage und Umschichtungen in Ak-

en und akenähnliche Kapitalanlagen wirkten sich

jedoch auch auf die Kurse von sicheren Anlageformen

aus. Die Nachfrage nach Immobilen ging etwas zurück,

dennoch war das Jahr 2012 für diese Anlageart ein

Wachstumsmarkt. Im Bereich der Rohstoe hingegen

mussten leichte Abschläge hingenommen werden. Die

Ursache ist hier aber wohl in der kriselnden Weltkonjunktur

und der damit einhergehenden sinkenden

Nachfrage auf den Weltmärkten zu suchen.

Resümee

Im Wirtschasjahr 2012 konnten sich die Kurse von Kapitalanlagen

im Euroraum maßgeblich erholen. Maßnahmen

von EZB und Polik wirkten vertrauensbildend

und ließen die Nachfrage nach riskanteren Anlagen

wieder etwas anwachsen. Risikoaufschläge verringerten

sich. Vor allem Anleihen von Krisenstaaten konnten

davon proeren. Allerdings ist die Eurokrise noch

nicht ausgestanden. Dies spiegelt sich vor allem im

niedrigen Zinsniveau deutscher Staatsanleihen sowie

der erhöhten Volalität der Kapitalmärkte wieder.

2|Ausblick

Die mielfrisge Risikosituaon der Versicherungsbranche

analysieren wir mit determinissch vorgegebenen

Szenarien. Die denierten Entwicklungen

spiegeln dabei jeweils ein Kapitalmarktszenario wider.

Folgende Szenarien werden dabei betrachtet:

Best Esmate – die wahrscheinlichste Entwicklung

Inon – schnelles Wirtschaswachstum mit Zinsanseg

Niedrigzins – unveränderte Lage mit anhaltenden

Niedrigzinsen

Die Szenarien werden anhand der Dimensionen

Zinsentwicklung

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Entwicklung der Credit Spreads

Performance ausgewählter Indizes

dargestellt. Die Ausprägung der einzelnen Dimensionen

wollen wir im Folgenden etwas genauer betrachten.

Best Esmate-Szenario

Die Annahmen gegenüber der letzten Prognose haben

sich grundsätzlich nicht geändert. Es wird weiter von

einer leichten Erholung der Eurokrise ausgegangen.

Der Risikoappet der Investoren nimmt zu, die Nachfrage

nach sicheren Papieren nimmt im Gegenzug ab.

Diese Einschätzung spiegelt sich in einem Großteil der

Zinsmeinungen führender Kredinstute wider, die

alle mit einem Anseg des risikofreien Zinsniveaus ausgehen.

Das Anlageverhalten wird risikoaner, die

Nachfrage nach sicheren Papieren geht dadurch zurück,

was zu einem Anseg der Renditen führt.

Jedoch wird sich dieser Eekt nur in einem moderaten

Zinsanseg widerspiegeln. Betrachtet man den fünfjährigen

Durchschni für Bundesanleihen mit einer

Laufzeit von zehn Jahren, so ist die Annahme eines An-

egs dieser Papiere auf 1,87% nur eine leichte Erholung.

Der Wert liegt immer noch 63 Basispunkte unter

dem Durchschniswert.

Gegenüber der allgemeinen Prognose des drien

Quartals ist man jedoch wieder etwas opmisscher.

Der prognoszierte Wert der 10 jährigen Bundesanleihe

lag im letzten Quartal mit 1,77% zehn Basispunkte

unter der neuen Schätzung. Die im vierten

Quartal befürchtete Zinssenkung durch die EZB blieb

ebenfalls aus.

Die Prognose der Wertentwicklung nimmt Bezug auf

die Einschätzung der wirtschalichen Entwicklung der

Deutschen Bundesbank und des Instut für Wirtschasforschung

an der Universität München (ifo).

Kurzfrisg ein leichter konjunktureller Einbruch, mielfrisg

leichtes Wachstum. Mit diesen Worten lässt sich

die Grundaussage beider Arbeiten zusammenfassen.

So formuliert die Deutsche Bundesbank: „Die konjunkturellen

Perspekven haben sich in Deutschland ein-


getrübt. Für das Winterhalbjahr 2012/2013 deutet sich

sogar ein Rückgang der wirtschalichen Akvität an.

Hierbei spielt neben den zum Teil schweren Anpassungsrezessionen

im Euro-Gebiet auch die Verlangsamung

der globalen Konjunktur eine Rolle. Es gibt

jedoch die begründete Aussicht, dass die wirtschaliche

Schwächephase nicht allzu lange anhalten wird

und Deutschland bald wieder auf einen Wachstumspfad

zurückkehrt“ . Die Ausführungen von ifo gehen in

die gleiche Richtung. Die Prognose zu den konjunkturellen

Aussichten ist wie folgt: „Die Weltwirtscha

düre im Prognosezeitraum […] nicht in eine Rezession

abgleiten. Aber nahezu alle wichgen fortgeschrienen

Volkswirtschaen und Schwellenländer werden

voraussichtlich im Winterhalbjahr 2012/13 eine konjunkturelle

Schwächephase erleben. Im Verlauf des

Jahres 2013 düre sich die weltwirtschaliche Expansion

wieder etwas beschleunigen.“

Somit ist für die nahe Zukun mit einer leichten konjunkturellen

Schwächephase zu rechnen. Ein vorrübergehender

Rückgang der Industrieprodukon mit einer

hauptsächlich unveränderten Beschäigungslage prägt

das Bild. Mit einer langsam steigenden Arbeitslosigkeit

muss gerechnet werden. Dagegen stehen jedoch die

robuste deutsche Wirtscha und vor allem auch der

4|ALM-Analyse 51

Anseg bei den Auragseingängen, der bereits im letzten

Quartal des Jahres 2012 spürbar war.

Im Bereich der Risikoaufschläge wird sich diese Entwicklung

widerspiegeln. Am 31.12.2012 erreichten die

Risikoaufschläge in sämtlichen Anlageklassen extrem

niedrige Stände. Im Zuge der erwarteten „Konjunkturdelle“

kann von einer Ausweitung der Spread-Werte

ausgegangen werden. Höchststände, wie z.B. zum

31.12.2011, sind jedoch zunächst nicht zu erwarten,

wenn der erwartete konjunkturelle Aufschwung der

zweiten Jahreshäle auch die Risikosituaon entspannen

wird.

Inons-Szenario

In diesem Szenario kommt es zu einer raschen Erhohlung

der wirtschalichen Lage in Europa. Die Folgen

sind eine Hausse auf dem Akenmarkt, eine Erhöhung

der Güterpreise und ein Absinken der Kauar (Boomszenario).

Zur Sicherung der Preisstabilität kommt es

zu einem Anseg des allgemeinen Zinsniveaus.

Das niedrige Ausgangsniveau sollte relav schnell verlassen

werden. Im Bereich zehnjähriger Staatsanleihen

erwarten wir einen Anseg auf 5,5% innerhalb des

Prognosezeitraums. Dieser Wert, der auf den ersten

Blick unrealissch hoch erscheint, liegt immer noch

Abb. 8:Entwicklungen Best Esmate Szenario Abb. 9:Entwicklungen Inons-Szenario

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


52

4|ALM-Analyse

unter dem 30-jährigen Schni für deutsche Staatsanleihen.

Aufgrund der stabilen wirtschalichen Lage gibt es bei

den Risikoaufschlägen zumindest im mielfrisgen

Prognosezeitraum keine wesentlichen Änderungen.

Hier gehen wir nur von einer leichten Ausweitung aus,

deren Niveau im Prognosezeitraum gehalten wird.

Niedrigzins-Szenario

Im zweiten Extremszenario werden die Folgen einer

anhaltenden Stagnaon im Euroraum betrachtet. Die

Krise fördert weiterhin die Nachfrage nach risikoarmen

Kapitalanlagen. Niedrige Erträge aus Zinseinnahmen

werden dafür in Kauf genommen. In dieser Kombina-

on gehen wir des Weiteren auch davon aus, dass die

Risikoaufschläge auf relav niedrigem Niveau verharren,

sodass festverzinsliche Kapitalanlagen im Allgemeinen

nur eine sehr geringe Rendite erwirtschaen.

Im Bereich der Akenmärkte, hier vor allem im nordeuropäischen

Raum, rechnen wir mit einem langsamen

Wachstum. Der Bereich der Immobilien gewinnt wie

im Krisenjahr 2011 wieder mehr an Wert. Allgemein

wird es jedoch schwierig, mit einem konservaven

Porolio eine ausreichende Rendite zu erwirtschaen.

Abb. 10:Entwicklungen Niedrigzins- Szenario

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Unternehmensentwicklung in der

Lebensversicherung

Neben der Situaon des Kapitalmarkts ist die individuelle

Unternehmensentwicklung das zweite entscheidende

Kriterium für die Analyse. Kosten und Erträge

spielen hier die maßgebliche Rolle. Im Bereich der Lebensversicherung

wollen wir das Hauptaugenmerkt

auf die Veränderung der Haupteinnahmequelle, folglich

auf die Veränderung der Versicherungsbeiträge

legen.

Entwicklung im Jahr 2011

Eine Analyse der Beitragssituaon der Jahre 2010 und

2011 zeigt, dass sich die Lage etwas stabilisiert hat. Das

Jahr 2010 zeigte sich sehr uneinheitlich. Annähernd

20% der untersuchten Unternehmen mussten einen

Rückgang von mehr als 20% bei Beitragseinnahmen

hinnehmen, wohingegen ca. 25% ein Beitragswachstum

von mehr als 20% verzeichneten. Im Jahr 2011 war

bei einem Großteil der Versicherungsunternehmen

(ca. 75%) Beitragsstagnaon oder leichtes Beitragswachstum

festzustellen.

Diese Betrachtung bezieht dabei das Geschä gegen

Einmalbeitrag mit ein. Die Analyse der Beitragsentwicklung

ohne Einmalbeitragsgeschä zeigt für das

Jahr 2011 eine ähnliche Situaon zum Vorjahr auf,

wobei auch hier die Tendenz zu einem leichten Wachstum

ersichtlich wird. Das bedeutet, dass es der Branche

gelungen ist, den Abwärtstrend der letzten Jahre

auch im klassischen Geschä zu überwinden.

Abb. 11:Beitragsveränderung


Die Betrachtung des Geschäs gegen Einmalbeitrag

zeigt dagegen eine allgemein leicht rückläuge Tendenz.

Dies ist jedoch nicht weiter verwunderlich, da

diese Geschäsart in den letzten Jahren stark forciert

wurde, was nicht zuletzt auch uns zu Krik veranlasste.

Einmalbeiträge bei fällig werdenden Versicherungen

stehen unserer Auassung nach konträr zum Kollekvgedanken,

da sie dem Einzelnen die Möglichkeit einer

höheren Verzinsung bieten, wohingegen das klassische

Neugeschä mit einem niedrigeren Rechnungszins vorlieb

nehmen muss. Gerade in Zeiten von historisch

niedrigen Zinsen subvenoniert somit ein Großteil des

Bestandes einzelne Individuen, nur um Kapitalabuss

aus dem Unternehmen zu verhindern. Diese Krik wollen

wir auch in diesem Jahr aufrechterhalten, zeigt

doch die Detailauswertung des Einmalbeitrag-Geschäs,

dass bei einigen Unternehmen diese Geschäsart

gegen den Branchentrend weiter ausgebaut

wurde.

Abb. 12:Anteil Einmalbeitrag am BBE

Prognose der Entwicklung

Für die Simulaon treen wir pauschale Annahmen

über das Neugeschä, den zu erwartenden Abgang,

sowie zur Entwicklung des Einmalbeitragsgeschäs.

Diese Annahmen werden auf jedes untersuchte Unternehmen

projiziert.

Für die ersten Jahre erwarten wir eine Steigerung des

Neugeschäs. In den letzten Jahren musste die Branche

teilweise starke Einbrüche hinnehmen. Mit gezielten

Werbeakonen wird versucht, diesen Trend zu

brechen. Diese Maßnahmen werden in nächster Zeit

für das klassische Geschä Wirkung zeigen. Für das Einmalbeitragsgeschä

gehen wir jedoch von einem Rück-

4|ALM-Analyse 53

gang aus. Grund hierfür ist das nach wie vor sehr hohe

Ausgangsniveau. Aus Vorsichtsgründen berücksichgen

wir ab dem Jahr 2014 keine Veränderungen mehr

beim Neugeschä.

Für jedes Unternehmen wird ein individuelles Szenario

erstellt. Die Entwicklung der Bruobeiträge ermielt

sich dabei aus den historischen Werten für das jeweilige

Unternehmen in Verbindung mit den oben beschriebenen

Erwartungen für das Neugeschä. Dies

führt bei der Mehrzahl der Unternehmen zu einem

Abb. 13:Prognose Entwicklung BBE

Abb. 14:Entwicklung BBE in der Lebensversicherung

Rückgang der Beitragseinnahmen in den ersten Jahren

des Prognosezeitraums. In den Folgejahren gehen wir

jedoch von einer Trendwende aus. Bei mehr als 70%

der Unternehmen prognoszieren wir einen erneuten

Zuwachs der Bruobeitragseinnahmen.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


54

4|ALM-Analyse

Der demographische Wandel wird immer spürbarer.

Schon lange ist klar, dass die klassische Rentenversicherung

in Deutschland nicht mehr ausreicht, den Lebensstandard

im Alter auch nur annähernd halten zu

können. Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung,

private Rentenversicherungen, aber auch Kapitallebensversicherungen

werden deswegen neben der

klassischen Risikovorsorge immer wichger.

Die zweite und drie Säule der Altersversorgung in

Deutschland spielt somit eine unumstriene Rolle für

die soziale Gerechgkeit im Rentenalter. Eine stabile

Risikosituaon liegt somit im allgemeinen Interesse. Im

Folgenden wollen wir eine Analyse zur derzeigen Situaon

und der Risikotragfähigkeit der Branche machen.

1|Poroliogestaltung

Unser Analyseansatz basiert auf den Geschäsberichtsdaten

von 67 deutschen Lebensversicherungsunternehmen

zum Bilanzschtag 31.12.2011. Im ersten

Schri betrachten wir die Situaon der Assekuranz an

diesem Schtag. Dazu wollen wir unser Augenmerk zunächst

auf die Kapitalanlagenporolios legen.

Hier zeigen sich leichte Verschiebungen gegenüber den

Vorjahren in Form einer gewissen Risikoaversion. War

im Jahr zuvor noch ein Rückgang bei gesicherten Anlageformen

wie Pfandbriefen spürbar, so seg die Nachfrage

nach diesen Papieren im Jahr 2011 über alle

Laufzeiten wieder deutlich an. Auch Papiere öentlicher

Emienten, meist in Form von Staatsanleihen, erfreuten

sich steigender Beliebtheit und wurden damit

zur zweit-größten Kapitalanlageart im Porolio der Lebensversicherer.

Im Gegensatz dazu ließ das Interesse nach Anleihen

von Finanzinstuten als Folge des Vertrauensverlusts

im Zuge der Finanzkrise spürbar nach. Risikoucht und

allgemein niedriges Zinsniveau drücken allerdings auf

die Kapitalerträge. Die Erwirtschaung des Rechnungszinssatzes

wird immer mehr zum Problem. Anlagen mit

höheren Renditen, die sich noch in den Porolios be-

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

II. Analyse Lebensversicherung

Abb. 15:Verteilung Buchwerte nach Anlageform

Abb. 16:Verteilung Zeitwerte nach Anlageform

nden, erreichen in naher Zukun ihre Fälligkeitstermine.

Um die Tendenz der sinken Poroliorendite

etwas entgegen wirken zu können, fragen die Versicherungsunternehmen

wieder mehr Unternehmensanleihen

nach. Vor der Finanzkrise wurde diese Anlageform

etwas zu Gunsten der Finanzanleihen vernachlässigt.

Unsere Analyse zeigt nun eine Umkehr dieses Trends.

Entsprechend den Kapitalmarktbewegungen ergeben

sich auch leichte Verschiebungen bei der Verteilung der

Reserven in den Kapitalanlageporolios. Aufgrund des

niedrigen Zinsniveaus waren vor allem bei Festzinsanleihen

Reserven zu erwarten. Bei der Betrachtung „Verteilung

der sllen Reserven nach Anlageform“ zeigen

sich diese auch deutlich bei Pfandbriefen. Allerdings ist

dies nicht bei allen Festzinsanleihen der Fall. Die Unsicherheit

der Anleger, die sich in Form der Risikoaufschläge

ausdrückt, ist hier deutlich zu spüren. Entgegen

der eigentlichen Erwartung sind die Reserven beispielsweise

bei Finanzanleihen rückläug.

Allgemein zeigt sich die Reservesituaon bei den untersuchten

Lebensversicherungsunternehmen uneinheitlich.

15% dieser Unternehmen müssen slle Lasten


ausweisen, bei den restlichen Unternehmen reicht die

Spanne der sllen Reserven von 0% bis zu 11% des Kapitalanlageporolios

zu Buchwerten.

Abb. 17:Verteilung der sllen Reserven nach Anlageform

Abb. 18: Verteilung Reserven bei untersuchten Unternehmen

2|Risikosituaon der deutschen

Lebensversicherungen

Die Risikolage der Lebensversicherungsbranche hat

sich im Jahr 2011 etwas entspannt. Eine Entwarnung

kann allerdings noch nicht gegeben werden. Zwar erholen

sich die Ausfallwahrscheinlichkeiten der einzelnen

Unternehmen von den Extremwerten des

Vorjahres, das Niveau des Jahres 2010 kann jedoch

noch nicht erreicht werden.

Abb. 19:Ausfallwahrscheinlichkeit 2010/2011/2012

4|ALM-Analyse 55

Als Ausfallwahrscheinlichkeit denieren wir analog zu

den Studien der Vorjahre die Wahrscheinlichkeit eines

100%-gen Verlustes des Risikokapitals. Als Risikokapital

sehen wir weiterhin an:

Eigenkapital

Freie RfB

SÜA Fonds

Saldo Zeitwert – Buchwert der Kapitalanlagen

Saldo Zeitwert – Buchwert der versicherungstechnischen

Passiva

Bei dieser ökonomischen Betrachtungsweise zeigte

sich bereits im Vorjahr der Eekt, dass bei einigen Unternehmen

das Risikokapital nach obiger Denion negave

Werte annehmen konnte. Wie wir in der Folge

erläutern werden, ist die Ursache dafür im historisch

niedrigen Zinsniveau zu suchen. Wie die Analyse zeigen

wird, verbessert die Entwicklung der Kapitalmärkte die

Risikosituaon am Schtag 31.12.2012. Die Reservesituaon

der Kapitalanlage der Lebensversicherer ist

deutlich stabiler und hat zu einem Zuwachs beim Risikokapital

geführt.

Gerade die Verteilung der Ausfallwahrscheinlichkeiten

zeigt die verbesserte Risikosituaon. Nach unserer vollökonomischen

Bewertung haben wir für das Jahr 2011

bei knapp 78% der untersuchten Unternehmen nega-

ves Risikokapital berechnet. Am Schtag 31.12.2012

betri dies noch ca. 30%. Auch die gewünschte Ziel-

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


56

4|ALM-Analyse

Abb. 20:Ausfallwahrscheinlichkeit 2010/2011/2012 Verteilung

größe, eine Ausfallwahrscheinlichkeit unter 0,5%, erreichen

mit 10,3% im Jahr 2012 mehr als doppelt so

viele Unternehmen wie noch im Vorjahr.

Ein genauerer Blick auf das Risikokapital zeigt auch die

Gründe für die festgestellten Entwicklungen.

Abb. 21:Risikokapital

Erwartungsgemäß zeigen sich die Posionen Eigenkapital,

freie RfB sowie SÜA Fonds als stabile Größen.

Große Ausschläge ergeben sich jedoch bei den ökonomisch

bewerteten Anteilen des Risikokapitals. Hier

zeigt sich für das Jahr 2011 ein Rückgang des durchschnilichen

Risikokapitals um über 8 % auf 2% der Bilanzsumme.

Der Haupreiber liegt in der Bewertung

der versicherungstechnischen Passiva. Wie später genauer

analysiert wird liegt die Ursache hierfür im niedrigen

sicheren Marktzins zu diesem Zeitpunkt. Für die

Bewertung der zu einem sehr großen Teil aus festverzinslichen

Papieren bestehenden Kapitalanlage sind

neben dem sicheren Marktzins jedoch auch noch die

Risikoaufschläge zu berücksichgen.

Am Bilanzschtag 31.12.2011 waren diese aufgrund

der anhaltenden Finanz- und Eurokrise aber auf teil-

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

weise extrem hohe Werte angewachsen und stellten

damit eine Gegenbewegung zum Zinsrückgang dar. Die

Bewertungsreserven auf Kapitalanlagen zeigten sich

deswegen nur leicht verändert gegenüber dem Vorjahr

und konnten die Lastenausweitung der Passivseite

nicht kompensieren. Für den Bilanzschtag 31.12.2012

gehen wir von einem durchschnilichen Risikokapitalanteil

von 8% der Bilanzsumme aus. Zwar hat sich das

Zinsniveau des sicheren Marktzinses weiter gesenkt,

jedoch zeigte sich die Lage am Kapitalmarkt wesentlich

entspannter. Die Risikoaufschläge gingen teilweise extrem

zurück. Einerseits bedeutet dies eine niedrige

Rendite für die Wiederanlage. Der Tatsache, dass die

Erwirtschaung des Rechnungszinses immer schwieriger

wird, trägt das Model mit einer weiteren Ausweitung

der Lasten für Bewertung von

versicherungstechnischen Passiva Rechnung.

Allerdings bedeutet eine niedrige Rendite auf den Kapitalmärkten

steigende Reserven im bestehenden Festzinsporolio.

Für das Jahr 2012 gehen wir von

steigenden Reserven vor allem in den Bereichen Pfandbriefe,

Anleihen bei Kredinstuten und von öentlichen

Anleihen aus.

Abb. 22:Verteilung der sllen Reserven nach Anlageform


3|Marktgerechte Bewertung

versicherungstechnischer Passiva –

Diskonaktorenbesmmung

Marktkonsistente Bewertung versicherungstechnischer

Passiva; ein Thema, welches die Lebensversicherungsbranche

bereits seit langer Zeit beschäigt. Der Zweitmarkt

für Versicherungspolicen steckt wenn man so

will noch in den Kinderschuhen und auch die Wahrscheinlichkeit,

dass eine große Anzahl von Versicherungsunternehmen

gleichzeig ihre

Versicherungsporolien verkaufen können, schätzen

wir als sehr gering ein.

Folglich muss mangels eines Marktes mit ausreichender

Tiefe bei der ökonomischen Bewertung des Versicherungsporolios

auf Modelle zurückgegrien

werden. Wie die Diskussion zu Solvency II in der Lebensversicherung

zeigt, lässt sich das Modell relav

schnell auf einen großen Hebel reduzieren: den Diskonaktor

zur Abzinsung der zukünigen Cashows.

Zunächst wählte man dafür den sicheren Marktzins. Bis

vor ein paar Jahren schien dies auch kein Problem zu

sein, lagen diese Zinssätze doch über dem gerade für

deutsche Versicherungen relevanten Rechnungszins.

Mit dem sicheren Marktzins schien man auch eine relav

stabile ökonomische Größe gewählt zu haben. Mit

dem Auommen der Finanz- und Eurokrise änderte

sich die Situaon jedoch grundlegend. Nicht nur dass

der Wert des Zinssatzes auf einmal sehr stark

schwankte, auch viel er von einem historischen Tiefstand

zum nächsten. In den Solvency II Rechenvorschrien

versucht man seitdem mit Mieln wie

Counter Cyclical Premium (Anzyklischer Prämie) oder

dem Matching Adjustment den negaven Auswirkungen

Rechnung zu tragen.

Das von uns verwendete Modell zeigt die gleichen Erscheinungen.

Wie die obigen Auswertungen zeigen,

schwankt das durchschniliche Risikokapital der Lebensversicherer

allein in den letzten drei Jahren zwischen

zwei und elf Prozent. Das Modell überträgt

kurzfrisge Kapitalmarktschwankungen direkt auf die

Risikobewertung von Lebensversicherungen. Bei einem

4|ALM-Analyse 57

eher langfrisg angesetzten Geschäsmodell muss

diese Tatsache bei der Risikobetrachtung berücksichgt

werden.

Wie bereits im letzten Jahr wollen wir unsere Betrachtung

um Analysen mit unterschiedlichen Modellansätzen

zur Bewertung versicherungstechnischer Passiva

erweitern. Analog zum Vorgehen von Solvency II wird

der Diskonerung um die anzyklische Prämie sowie

eine dem Matching Adjustment angelehnte Methode

(Asset Based Discount Rate) erweitert. Betrachten wir

die Auswirkungen der Modellerweiterung:

Abb. 23:Reserven der versicherungstechnischen Passiva mit unterschiedlen

Diskonaktoren

Die Bewertung miels des risikofreien Zinses (Riskfree,

linker Bereich der Graphik) spiegelt genau den Zinsverlauf

wider. Die historisch niedrigen Zinsstände, vor

allem aber der milerweile nicht unerhebliche Unterschied

zum Rechnungszins führen zu einer enormen

Ausweitung der Lastensituaon bei der Bewertung ver-

ANMERKUNG

Die Anzyklische Prämie wird von EIOPA vorgegeben.

Da es sich dabei um ein „polisches Instrument“ handelt,

wir die Modellierung stark erschwert. Gerade für

prospekve Analysen muss auf ein Modell zurückgegrien

werden, welches die Anzyklische Prämie approximiert.

In diesem Modell spielen Risikoaufschläge

auf festverzinsliche Papiere eine maßgebliche Rolle.

Die Entwicklung der Kapitalmärkte im Jahr 2012 im

Festzinsbereich beeinusst somit auch diese Bewertungsmethode

und erklärt den relav großen Sprung

bei der Bewertung zwischen den Jahreswerten 2011

und 2012.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


58

4|ALM-Analyse

sicherungstechnischer Passiva (ca. 18% der Bilanzsumme).

Bei der Bewertung über die anzyklische Prämie

kommt es im Jahr 2012 ebenfalls zu einer

Lastensituaon. Diese fällt mit ca. 6,5% der Bilanzsumme

jedoch deutlich niedriger aus als im ersten Fall.

Jedoch ist auch bei dieser Methode nun eine gewisse

Tendenz zur Schwankung zu erkennen.

Die letzte Bewertungsmethode, die wir an diese Stelle

betrachten wollen, ermielt den Diskonaktor über

die Rendite des Kapitalanlagenporolios. Dies scheint

uns auch ein durchaus gangbarer Weg zu sein, da der

Rechnungszins nicht über einen polisch vorgegeben

Zinssatz sondern durch das eigene Porolio erwirtschaet

werden muss. Bei der Ertragsanalyse über die

letzten Jahre zeigt sich auch, dass die Neoverzinsung

zwar von Jahr zu Jahr schwankt, die Schwankungsbreite

jedoch wesentlich geringer ausfällt als die Vola-

lität der Diskonaktoren der beiden anderen

Methoden. Dem langfrisgen Charakter des Geschäsmodells

einer Lebensversicherung wird hier am ehesten

Rechnung getragen.

Abb. 24:Risikokapital in Buchwerten mit unterschiedlichen Diskonaktoren

Die Kombinaon der ökonomischen Bewertung sowohl

der Akv- als auch der Passivseite kann der Aufstellung

des Risikokapitals entnommen werden.

Alle Bewertungsmodelle zeigen einen Zuwachs beim

Risikokapital. Die Methode der Anzyklischen Prämien

zeigt sich als die Wertstabilste. Da hier wie erläutert

der Einuss der Risikoaufschläge sowohl akv- als auch

passivseig Berücksichgung ndet, neutralisieren sich

die Eekte gegenseig. Die größte Wertschwankung

ist in diesem Fall bei der Diskonerung über die Kapitalanlagenverzinsung

zu beobachten. Hier stellt sich

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

der Eekt ein, dass die aufgrund der Bewertungsmethode

geringe Volalität der Passivseite die hohe

Wertschwankung der Akvseite nicht kompensieren

kann. Die Ursache ist in den unterschiedlichen Herangehensweisen

zu suchen. Die Passivseite wird über

einen Diskonaktor besmmt, dessen Wert sich als

ein langfrisger Durchschniswert unterschiedlicher

Renditen bezeichnen lässt. Dagegen ist die Bewertung

der Akvseite dem Kapitalmarkt des jeweiligen Bilanz-

chtags unterworfen.

Analog stellt sich die Risikosituaon gemessen in Form

von Ausfallwahrscheinlichkeiten dar. Interessant sind

vor allem die Werte des 99,5% Sicherheitsquanls, was

einer Ausfallwahrscheinlichkeit von weniger als 0,5%

entspricht. Im Jahr 2012 kann in allen Bewertungsmethoden

der Anteil an untersuchten Unternehmen, die

dieses Sicherheitsquanl erreichen, ungefähr verdoppelt

werden. Die absoluten Zahlen zeigen jedoch ein

etwas widersprüchliches Bild: Die Bewertung „Asset

Based Discountrate“ gibt mit 98,6% für nahezu alle Unternehmen

ein posives Bild. Dieselben Unternehmen

schneiden mit der Bewertung über risikofreien Zins jedoch

signikant schlechter ab, nur knapp 10% schaen

hier den Sprung über die Hürde des 99,5% Sicherheitsniveaus.

Abb. 25:Ausfallwahrscheinlichkeiten mit unterschiedlen Diskonaktoren

Es bleibt folglich festzustellen, dass die absoluten Zahlen

immer einer Interpretaon bedürfen. Ohne das je-


weilige Bewertungsmodell zu kennen, sind Aussagen

über die Risikotragfähigkeit nur schwer möglich. Solange

Modelle Interpretaonsspielraum gestaen, ist

ein Vergleich der absoluten Zahlen eigentlich nicht

möglich. Als Beispiel sei hier auf die Auswertungen

zum „Market Consistent Embedded Value“ verwiesen.

Für die Öentlichkeit hat es sich als schwierig bis unmöglich

erwiesen, die errechneten Zahlen unterschiedlicher

Gesellschaen in Relaon zueinander zu bringen.

Aufgrund der Komplexität, die das Solvency II – Rechenwerk

bereits erreicht hat, muss die Befürchtung

geäußert werden, dass auch hier ein Vergleich der Zahlen

nur schwer möglich sein wird.

4|Mielfrisge Analyse –

Risikosituaon Best Esmate Entwicklung

Nach der Analyse der Ist-Situaon wollen wir nun

einen Blick in die mielfrisge Zukun wagen. Dazu Simulieren

wir die Entwicklung der deutschen Lebensversicherung

miels der oben dargestellten Szenarien.

Um eine einheitliche Vorgehensweise auch gegenüber

den Studien der Vorjahre zu gewährleisten, wählen wir

für die Risikobewertung weiterhin die Methode der

Diskonerung über den sicheren Marktzins.

Zunächst wollen wir uns der Entwicklung im Best Esmate

Fall widmen. Die Analyse zeigt eine weitere Entspannung

der Risikosituaon. Innerhalb des

Simulaonszeitraumes erreichen knapp 23% der untersuchten

Unternehmen ein Sicherheitsniveau von

99,5%. Vor allem hohe Ausfallwahrscheinlichkeiten von

über 15,5% gehen signikant zurück.

Abb. 26:Best Esmate – Verteilung der Ausfallwahrscheinlichkeit

4|ALM-Analyse 59

Die Auswertung zum Risikokapital zeigt einen Anseg

des durchschnilichen Risikokapitals auf 13% der Bilanzsumme.

Obwohl die Reserven der Kapitalanlagen

aufgrund von Zinsanseg und rückläugen Restlaufzeiten

zurückgehen, kann dieser Eekt durch die Reduzierung

der Lasten versicherungstechnischer Passiva mehr

als kompensiert werden.

Abb. 27:Best Esmate – Entwicklung Risikokapital

Auch bei den Reserven der Kapitalanlage können gegenläuge

Tendenzen festgestellt werden. Sind zu Beginn

der Prognoserechnung vor allem Finanzanleihen

und Pfandbriefe die Haupräger der Bewertungsreserve,

werden gegen Ende wegen der eingeschätzten

Marktentwicklung vor allem Aken und Immobilien begünsgt.

Diese bremsen den Reserverückgang signikant

ein und zeigen die Notwendigkeit eines gut

diversizierten Porolios.

Obwohl sich die Situaon spürbar bessert, ist bei

immer noch 77% der Unternehmen Handlungsbedarf

gegeben, wenn auch hier das Sicherheitsniveau von

99,5% erreicht werden soll. Hierzu sind Absicherungsmaßnahmen

zur Senkung des Risikokapitalbedarfs

oder eine Erhöhung der Risikomiel denkbar. Ohne

Abb. 28:Best Esmate – Entwicklung Reserven Kapitalanlagen

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


60

4|ALM-Analyse

Hedging-Maßnahmen stellt sich die Situaon so dar,

dass für das Jahr 2013 ca. 40 Milliarden € an zusätzlichen

Mieln notwendig wären.

Abb. 29:Best Esmate – Zusätzlicher Risikokapitalbedarf

Im Vergleich dazu möchten wir an dieser Stelle auch

die beiden anderen Bewertungsmethoden für die Bewertung

der versicherungstechnischen Passiva mit ein-

ießen lassen. Hier zeigt sich, dass mehr Risikokapital

zur Verfügung steht, als für eine durchschniliche Ausfallwahrscheinlichkeit

von 0,5% benögt wird. Im Gegensatz

zur rückläugen Tendenz des

Risikokapitalbedarfs im „Riskfree“-Fall, nimmt der Risikokapitalüberschuss

jedoch ebenfalls ab. Die Bewertungsmethoden

gleichen sich in diesem Fall einander

an.Hintergrund ist eine stabile Zinsentwicklung, so wie

wir sie im Best Esmate Szenario angenommen haben.

5|Garanen im Bestand –

Garaneverzicht ein Ausweg?

Die bisherige Analyse hat gezeigt, dass ein wesentliches

Risiko der Lebensversicherung der aktuelle Policenbestand

ist, genau genommen die ausgesprochenen Zinsgaranen.

Je größer die Duraonslücke zwischen Akvund

Passivseite der Bilanz ist, desto stärker wirkt ein

Zinsrückgang und desto mehr Risikokapital ist aufzuwenden.

Gegenmaßnahmen, wie beispielweise akvseige

Absicherungsmaßnahmen, sind milerweile

extrem teuer geworden. Einige Unternehmen beginnen

über Rückversicherungsstrategien nachzudenken,

die die sehr langen Duraonen der Passivseite senken

können.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Alternav zu diesen klassischen Methoden möchten

wir an dieser Stelle die Diskussion der letzten Studie

aus dem Jahr 2012 nochmals aufgreifen. Hier haen

wir die Möglichkeit vorgestellt, Bestandskunden miels

rakver Produkte zu einem Garaneverzicht zu bewegen.

Die aktuelle Berechnung zeigt, dass bereits eine Kürzung

der Garanen im Bestand um 10% zu einer wesentlichen

Verbesserung der Risikolage führt. So

können auf diese Weise bereits über 40% der untersuchten

Unternehmen das 99,5% Sicherheitsniveau erreichen.

Eine Kürzung der Bestandsgaranen um 30% würde die

Risikolage weiter verbessern. Allerdings zeigt die Simulaon,

dass diese Maßnahme alleine zur Risikominderung

nicht ausreichend ist. Zwar stellt die Bewertung

der versicherungstechnischen Passiva nach wie vor

einen wesentlichen Bestandteil der Risikobetrachtung

dar, allerdings gewinnen die anderen Posionen, vor

allem die Bewertungsreserven der Kapitalanalgen zunehmend

an Gewicht. Die Auswertungen zur Best Es-

mate Entwicklung hat die rückläuge Tendenz der

akven sllen Reserven gezeigt. Dieser Eekt führt bei

unserer Betrachtung dazu, dass im Laufe der Simula-

Abb. 30:Auswirkung Garanekürzung auf Ruinwahrscheinlichkeit


Abb. 31:Auswirkung Garanekürzung auf zusätzlichen Risikokapitalbedarf

on die Ausfallwahrscheinlichkeiten trotz Garaneverzicht

in geringem Maß wieder zunehmen. Dies zeigt

umso mehr den starken Einuss der Kapitalanlage in

der Lebensversicherung.

Betrachten wir den zusätzlichen Risikokapitalbedarf

unter der Annahme des Garaneverzichts in unterschiedlicher

Höhe, so zeigt sich, dass ein Verzicht von

30% ausreichen würde, Risikomiel frei zusetzten.

Diese Risikomiel könnten dann anderweig eingesetzt

werden, beispielsweise zu Diversikaon des Kapitalanlageporolios

und zur Absicherung der

Bewertungsreserven.

Die von uns vorgeschlagenen Möglichkeiten der Senkung

der durchschnilichen Rechnungszinsen des Bestandes

haben teilweise zu heigen Diskussionen

geführt. Gerade der Vertrieb, der letztendlich für den

Erfolg solcher Maßnahmen entscheidend ist, steht

dem Vorgehen krisch gegenüber. Neben der Frage,

wie Kunden zu einer Vertragsinnovaon bewegt werden

können stehen vor allem die rechtlichen Folgen

einer solchen Beratung im Raum. Dieser Problemak

wollen wir uns im folgenden Exkurs kurz widmen.

6|Exkurs: Herausforderung Zinsgarane

„Kürzung der Überschussbeteiligung! Modell der Kapitallebensversicherung

am Ende?“. Mit diesen oder

ähnlichen Schlagzeilen ist nun auch die Presse auf ein

Themengebiet aufmerksam geworden, welches die Assekuranz

schon seit geraumer Zeit beschäigt: das ge-

4|ALM-Analyse 61

genwärg historisch niedrige Zinsniveau. Wie die Meldungen

suggerieren scheint das Thema nun endgülg

auch beim Verbraucher angekommen zu sein. Lange

konnte die Branche mit dem Modell „Kapitallebensversicherung

mit Zinsgarane“ ein sehr gutes Geschä

verzeichnen. Mehrere große Versicherer mussten eine

Reduzierung der Überschussbeteiligung bekannt

geben. Die Werte pendelten dabei zwischen 0,3 und

0,6 Prozentpunkten. Damit wird das Modell Lebensversicherer

für Kunden immer weniger arakv. Doch

auch die Assekuranz selbst beginnt das vormals so gute

Verkaufsargument einer hohen garanerten Verzinsung

plus einer zusätzlichen Überschussbeteiligung

einzuholen.

Analysen zeigen das Problem schon seit längerem:

Hohe Garanen im Bestand machen es den Lebensversicherungen

schwer. Festzinsrenditen im Bereich von

europäischen Staatsanleihen benden sich auf absoluten

Tiefständen, hochverzinsliche Anleihen, die sich

noch in den Porolien benden, werden in absehbarer

Zeit fällig werden. Zwangsläug sinken auch die ausgewiesenen

Neoverzinsungen, die zur Erwirtschaftung

der Verpichtungen dringend notwendig sind.

Trotzdem gilt weiterhin: „Pacta sunt servanda“, Verträge

und damit die gegebenen Garanen sind zu halten.

Versicherungsaufsicht und Finanzministerium sind

milerweile ebenfalls akv geworden. Mit Wirkung

des 6. März 2011 wurde die Deckungsrückstellungsverordnung

geändert. Seit diesem Jahr müssen Lebensversicherungsunternehmen

erstmals eine spezielle

Reserveposion für gegebene Zinsgaranen bilden, die

sogenannte Zinszusatzreserve. Diese Reserve muss gebildet

werden, wenn das zehnjährige arithmesche

Miel der Umlaufrenditen der Anleihen der öentlichen

Hand unter dem für die Tarierechnung verwendeten

Rechnungszins liegt. Diese Referenzrendite lag

im Jahr 2011 bei einem Wert von 3,92% und damit

erstmalig unter 4,0%. Damit mussten für Verträge mit

einem Rechnungszins von 4,00% die erwähnte Rückstellung

gebildet werden. Die Versicherer mussten

dafür zusätzlich eine Summe zurückstellen, die im

Durchschni 0,2% der Deckungsrückstellung ent-

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


62

4|ALM-Analyse

sprach. Diese Summe muss aus den laufenden Erträgen

nanziert werden, schmälert folglich den Überschuss

und damit die Überschussbeteiligung des

Kollekvs.

Die Garanen stellen damit ein aktuelles Problem dar,

welches sich in der Zukun jedoch noch weiter ausweiten

könnte. Es ist bereits absehbar, dass das Zinsniveau

kurz bis mielfrisg auf dem niedrigen Niveau verharren

wird. Damit wird sich auch die durchschniliche

Umlaufrendite weiter verringern. Für das Jahr 2012

kann von einer Durchschnisrendite von 3,62% ausgegangen

werden, über einen Musterbestand berechnet

bedeutet dies einen zusätzlichen Aufwand von 1,0%

der Deckungsrückstellung. Bleiben die Zinsen weiter

so niedrig würde sich für Jahr 2013 eine durchschniliche

Umlaufrendite von 3,45% ergeben. In diesem Fall

wäre mit den Verträgen mit Rechnungszins 3,5% eine

Abb. 32: Umlaufrendite Anleihen öentliche Hand

weitere Tarifgeneraon betroen. Für den Musterbestand

bedeutet dies einen zusätzlicher Aufwand von

1,6% der Deckungsrückstellung. Der Rückstellungsbedarf

gegenüber 2011 würde sich somit gut verachachen!

In mielfrisger Zukun wird sich das Problem folglich

immer weiter ausweiten. Eine Extrapolaon der Umlaufrenditen

auf dem heute gülgen Stand sowie die

Berechnung des unter dieser Annahme gülgen arithmeschen

Miels zeigen, dass sukzessiv immer mehr

Verträge von einer zusätzlichen Rückstellung betroen

sein werden. Ab dem Jahr 2016 gilt dies auch für Verträge

mit Rechnungszins 3,0%.

Unter Solvency II zeigt sich die Problemstellung bereits

seit Längerem. Mit Maßnahmen wie Counter Cyclical

Premium oder Matching Adjustment wird gerade ver-

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Abb. 33: Umlaufrendite Anleihen öentliche Hand – Entwicklung bei

konstantem Zinsverlauf

sucht, mit technisch-mathemaschen Hilfsmieln die

hohen Risikokapitalanforderungen etwas in den Gri

zu bekommen. Mit dem aktuell durchgeführten „Impact

Assessment“ werden die Auswirkungen dieser

Modelländerung gerade getestet.

Auch wenn neben anderen Schwierigkeiten das Niedrigzinsniveau

eine Einführung der europäischen Aufsichtsrichtlinien

im Moment verhindern, sollten die

Augen keinesfalls vor dem eigentlichen Problem geschlossen

werden: Den Zinsgaranen im Bestand.

Wie kann man diesem Problem nun begegnen? Eine

Möglichkeit ist, Bestandskunden dazu zu bewegen, auf

Ihre Garanen zu verzichten. Die oben ausgeführten

Beispielrechnungen zeigen, dass bereits ein Verzicht

von 10% der Kunden das Risiko eines Totalausfalls des

Versicherers maßgeblich senken kann. Können 30%

der Kunden von einem Garaneverzicht überzeugt

werden, ist der Großteil der Unternehmen aus der Gefahrenzone.

Allerdings stellt sich die Frage, wie Kunden zu so einem

Verzicht bewegt werden können. Prinzipiell gehen wir

von einem freiwilligen Verzicht aus, auch wenn eine

solche Maßnahme von der Aufsichtsbehörde als letztes

Miel durchaus angeordnet werden könnte. Dem

Kunden müssten Alternaven und Vorteile aufgezeigt

werden, die Ihn zu einer Änderung des Vertrages veranlassen.

Das Versicherungsunternehmen sollte ein

starkes Interesse daran haben, möglichst viele Kunden

zu so einem Schri zu bewegen. Dem Vertrieb als ausführendes

Organ müssen deswegen starke Argumente

an die Hand gegeben werden. Innovave Produkte

sind deswegen gefragt.


Solche Produktlösungen benden sich bereits in der

Entwicklung oder werden auch schon vertrieben.

Hauptsächlich handelt es sich dabei um kapitalbildende

Lebensversicherungen mit Akenoponen oder

auch dynamische Hybridversicherungen.

Bei einem Vertragswechsel oder Vertragsänderung

sollte jedoch auch die rechtliche Situaon nicht außer

Acht gelassen werden. Kann der Vertrieb zur Rechenscha

gezogen werden, wenn sich für den Kunden

durch den Wechsel ein Nachteil ergeben sollte? Größere

Unternehmen spürten im drien Quartal bereits

einen starken Gegenwind von Seiten der Verbraucherschützer.

Negave Schlagzeilen erschweren es seitdem

Versicherungen und Vertrieb. Das Vertrauen der Kunden

muss zunächst gewonnen oder wieder zurückgewonnen

werden. Dies kann nur durch Oenheit und

Transparenz geschehen. Betrachten wir nun kurz die

rechtliche Ausgangslage:

Anknüpfend an die vorherigen Ausführungen ist noch

einmal der Grundsatz „pacta sunt servanda“ hervorzuheben.

Danach müssen die Versicherer damit leben,

dass sie aktuell unter Umständen nicht die Renditen

auf dem Markt erzielen können, die sie ihren Versicherungsnehmern

vor Jahren oder Jahrzehnten bei Vertragsabschluss

als Rechnungszins zugesagt haben.

Eine einseige Veränderung der Verträge ist im Gesetz

nicht vorgesehen. Zwar sind Anpassungsklauseln bekannt.

Diese beziehen sich regelmäßig aber auf ganz

andere Situaonen. Bei den Anpassungen geht es z.B.

um eine Erhöhung der Prämien aufgrund gesegener

Schadensvolumen. Das ist namentlich bekannt im Rahmen

von Hausratversicherungen, Gebäudeversicherungen,

aber auch bei der Krankenversicherung.

Sollte sich die bereits oben dargestellte Arithmek als

für die Versicherer erhebliches Problem darstellen,

könnte eventuell mit Hilfe der BaFin angeordnet werden,

dass die Versicherungsnehmer „freiwillig verzichten

sollen“… Das wäre dann zwar kein freiwilliger

Verzicht, weil von der BaFin mehr oder weniger angeordnet.

Es wäre aber eine Möglichkeit, die aktuelle Negaventwicklung

abzufedern. In Betracht kommen

4|ALM-Analyse 63

aufsichtsrechtliche Verordnungen. Allerdings stehen

diese Instrumente der BaFin unter dem Vorbehalt

einer ulma rao - Regelung (vgl. z.B. §§ 48 . KWG für

Verfahren nach dem Restrukturierungsgesetz). Es darf

angenommen werden, dass das Aufsichtsamt erst

dann zu solchen Maßnahmen greifen wird, wenn andere

Möglichkeiten ausscheiden.

Damit erönet sich die Frage, ob eine einvernehmliche

Änderung der Verträge denkbar ist. Das ist vom Ansatz

her grundsätzlich zu bejahen. Verträge können einvernehmlich

abgeändert werden. Das folgt aus der im Zivilrecht

herrschenden Privatautonomie.

Voraussetzung ist allerdings, dass der Kunde bzw. Versicherungsnehmer

über die damit verbundenen Nachteile

hinreichend belehrt wird, was Aufgabe des

Versicherers ist (§ 6 Abs. 4 VVG).

An dieser Stelle soll eine konkrete Fragestellung aus

dem Außendienst kurz dargestellt werden: Der Außendienst

erhält vom Versicherer massiv Hinweise, er

möge darauf hinwirken, Verträge mit hohem Rechnungszins

in der Weise zu ändern oder aufzuheben,

dass dem Kunden die Vorteile eines neuen Tarifes dargestellt

werden. Der hat zwar einen geringeren Rechnungszins,

hat aber eventuell andere Vorteile. Der

Kunde soll in den neuen Tarif „wechseln“. Der Außendienst

macht sich dann auch auf den Weg und versucht,

den Kunden von den Vorteilen des neuen Tarifes

zu überzeugen und dies gelingt ihm unter Umständen

auch. Erst viel später merkt der Kunde, dass in dem

neuen Tarif ein viel geringerer Rechnungszins eingerechnet

wird (nicht mehr 4 % wie damals, sondern

eventuell nur noch 1 %). Fraglich ist, welche Rechtsfolgen

sich daran anknüpfen.

Eine Anfechtung der Willenserklärung des Kunden zur

Beendigung/Veränderung des alten Vertrages wegen

Irrtums düre regelmäßig wegen Ablaufes der Frist zur

Erklärung der Anfechtung ausgeschlossen sein (§§ 119,

121 BGB). In Betracht bleibt aber eine Anfechtung

wegen arglisger Täuschung, die Frist dort beträgt ein

Jahr ab Kenntnis, maximal 10 Jahre (§§ 123, 124 BGB).

Das arglisge Fehlverhalten des Vertreters, welches

sich der Versicherer wie Eigenes zurechnen lassen

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


64

4|ALM-Analyse

müsste, liegt in dem Verschweigen, dass mit der Vertragsänderung

der günsge Rechnungszins aus dem

alten Vertrag regelmäßig verloren geht.

Sollte die Anfechtung nicht greifen, kommt zu Gunsten

des Versicherungsnehmers ein Anspruch auf Schadensersatz

wegen fehlerhaer Beratung beim Neuabschluss

bzw. der Vertragsänderung in Betracht. Dieser Anspruch

richtet sich jedenfalls gegen den Versicherer (§

6 Abs. 4 VVG). In Betracht könnte auch eine Eigenhaftung

des Vertreters kommen (§ 63 VVG).

Fazit

Eine Änderung der Verträge ist rechtlich möglich. Mit

Blick auf drohende Anfechtungen und Schadensersatzansprüche

sollte der Versicherer bzw. der Vertreter

dem Kunden aber mit „oenen Karten“ gegenüber treten.

Nur so lässt sich das notwendige Vertrauen herstellen

damit das Produkt „Lebensversicherung mit

Kapitalgarane“ auch in Zukun ein wichger Eckpfeiler

sowohl des Angebotsporolios der Assekuranz, als

auch Versorgungsporolios des Versicherungskunden

bleiben kann.

Exkurs von U. Gürster, A. Sitz, C. Zielke

7|Mielfrisge Analyse –

Risikosituaon bei Extremszenarien

„Prognosen sind schwierig – besonders wenn sie die

Zukun betreen…“ dieses weitverbreitete Zitat ist

allen bekannt, die prospekve Entwicklungen abschätzen.

Für die meisten Fälle ist die Betrachtung der Entwicklung,

wie sie als am Wahrscheinlichsten

angesehen wird, ausreichend.

Doch gerade für die Betrachtung der Risikolage ist

neben dieser „Best Esmate“ Analyse die Auswertung

der Entwicklung unter Extremszenarien von entscheidender

Bedeutung. Für diese Studie haben wir als Extremszenarien

zwei potenelle Marktentwicklungen

gewählt, die wir oben bereits beschrieben haben. Im

Folgenden wollen wir nun die Auswirkungen der Sze-

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

Abb. 34: Szenarienvergleich – Verteilung Ausfallwahrscheinlichkeiten

narien „Inon“ sowie „Niedrigzins“ auf die Lebensversicherungsbranche

analysieren. Bilden wir uns zunächst

ein Bild über die allgemeine Risikolage durch

Betrachtung der Verteilung der Ausfallwahrscheinlichkeiten:

Betrachten wir die Ränder der Verteilung, also die

Werte für Unternehmen mit Ausfallwahrscheinlichkeit

15,5%

oder mit ökonomischen Ausfall (negaves Risikokapital)

unter den jeweiligen Szenarien. Hier zeigt sich im

Best Esmate Fall, dass die Ausfalltendenz stark abnimmt

und die Anzahl der Unternehmen, welche das

99,5%-Sicherheitsquanl erreichen, zunimmt.

Der Inonsfall führt zunächst dank des erwarteten

Zinsansegs zu einer stärkeren Entspannung der Risikolage

der Lebensversicherungen als im Best Esmate

Fall. Im Laufe der Simulaon sinkt jedoch die Anzahl

der Unternehmen mit Ausfallwahrscheinlichkeit


Zuwachs festzustellen. Hierbei handelt es sich jedoch

vor allem um Unternehmen, die annahmegemäß angefangen

haben, ihren Versichertenbestand abzuwickeln.

Diese Unternehmen stehen nicht oder nicht in

dem Maß vor dem Problem der Wiederanlage im Niedrigzinsumfeld.

Abb. 35: Szenarienvergleich – Entwicklung Risikokapital

Für den Durchschni der untersuchten Unternehmen

gilt jedoch noch immer: Das Inonsszenario verbessert

die Risikotragfähigkeit, das Niedrigzinsszenario

führt zu einer erhöhten Ausfalltendenz. Der Vergleich

des jeweils vorhandenen Risikokapitals spiegelt diesen

Fakt ebenfalls wider.

Jedoch zeigt der Vergleich im Gegensatz zu den Auswertungen

der letzten Jahre, dass im Inonsszenario

nur zu Beginn des Prognosezeitraums mehr Risikokapital

zur Verfügung steht. Danach sind die Werte rückläug,

gegen Ende der Simulaon ist im Best Esmate

Fall sogar mehr Risikokapital vorhanden.

Die Ursache hierfür zeigt die Detailauswertung. Die Bewertung

der versicherungstechnischen Passiva dreht

zwar ins Posive, sodass es hier zu einer Reservesitua-

on kommt, allerdings stehen auf der Akvseite keine

Reserven auf Kapitalanlagen für das Risikokapital zur

Verfügung. Die Annahme schnell steigender Zinsen

Abb. 36: Szenarienvergleich – Entwicklung Risikokapital Detail

4|ALM-Analyse 65

zeigt hier die Nachteile einer stark festzinsanen Anlagepolik

der Versicherungsunternehmen.

Im Falle anhaltend niedriger Zinsen stellen nach wie

vor die Lasten der versicherungstechnischen Rückstellungen

aufgrund der Bestandsgaranen die Unternehmen

vor große Probleme.

Die beschriebenen Eekte lassen sich auch auf den zusätzlichen

Risikokapitalbedarf übertragen. Für das Jahr

2011 haben wir mit einem Bedarf von ca. 80 Milliarden

€ gerechnet. Dieser Wert hat sich im Jahr 2012 wie bereits

beschrieben merklich reduziert.

Abb. 37: Szenarienvergleich – Risikokapitalbedarf

Für das Best Esmate Szenario sowie das Inonsszenario

kann von einer weiteren Redukon ausgegangen

werden. Lediglich ein anhaltendes Niedrigzinsszenario

würde gegen Ende der Simulaon einen Risikokapitalbedarf

ähnlich des Jahres 2011 verursachen.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


66

8|Fazit

4|ALM-Analyse

Die Risikolage der deutschen Lebensversicherung hat

sich gegenüber dem letzten Jahr etwas entspannt.

Grund dafür ist vor allem die verbesserte Kapitalanlagensituaon.

Die Maßnahmen zur Entspannung der

Eurokrise durch Regierung und EZB haben dazu deutlich

beigetragen.

Die Probleme auf der Passiv-Seite der Bilanz bleiben jedoch

erhalten. Nach wie vor benden sich Zinsgaran-

en im Bestand, die höher sind als die Umlaufrendite

der öentlichen Hand. Auch wenn das temporäre Bilden

einer Zinszusatzreserve den Zeitpunkt für die Rückstellungsbildung

nur vorverlegt, wird das aktuelle

Unternehmensergebnis dadurch belastet. Risikokapital

steht damit unter Umständen nicht in benögter Höhe

zur Verfügung. Die Auswertungen zu unseren Extremszenarien

zeigen, dass die Probleme sehr schnell zurückkehren

können, sollte die Eurokrise erneut

auammen.

Die Analysen zeigen, dass gut diversizierte Porolien

auf Seiten der Kapitalanlage gegenüber stark zinsanen

Anlagestrategien im Vorteil sind. Gerade bei

schnell steigenden Zinsen erweisen sich eine stabile

Aken- und Immobilienquote als Inonsabsicherung

von Vorteil.

Bei anhaltender Niedrigzinsphase sollte über Möglichkeiten

nachgedacht werden, die Zinsgaranen des Bestandes

abzusichern. Hierfür sind entweder geeignete

Rückversicherungsstrategien oder die von uns beschriebenen

Programme zur Bestandsrestrukturierung

denkbar.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


Widmen wir uns nun dem Bereich „Nicht-Leben“, der

Kompositversicherung. Für die Analyse greifen wir

auch hier auf die beschriebenen Marktszenarien zurück.

Analog zum Vorjahr fokussieren wir uns im Bereich

der versicherungstechnischen Szenarien auf die

Ausgabenseite. Für den Best Esmate Fall sowie das

Niedrigzinsszenario gehen wir von einem Anseg der

Schadenaufwendungen von 2,0% p.a. aus. Das Inonsszenario

suggeriert neben steigenden Zinsen auch

steigende Kosten, denen wir mit einer Zunahme der

Ausgaben für die Schadenregulierung in Höhe von

5,0% p.a. Rechnung tragen.

1|Poroliogestaltung

Die Anlagestrategie der Kompositversicherer ist seit

mehreren Jahren nahezu unverändert. Nach wie vor

besteht der Großteil aus festverzinslichen Anleihen,

wobei Finanzanleihen immer noch bevorzugt werden.

Leichte Veränderungen sind im Bereich der Pfandbriefe

zu erkennen, deren Anteil in den letzten drei Jahren

rückläug ist.

Abb. 38: Verteilung Buchwerte nach Anlageform

Abb. 39: Verteilung Marktwerte nach Anlageform

III. Analyse Kompositversicherung

4|ALM-Analyse 67

Analog zur Lebensversicherung ist ein Ausbau bei Unternehmensanleihen

zu erkennen. Auch die Akenquote

wurde bei den untersuchten Unternehmen

leicht erhöht, liegt jedoch mit ca. 6% immer noch eher

am unteren Ende des Möglichen. Beteiligungen spielen

hingegen eine immer größere Rolle und machen bereits

über 10% des durchschnilichen Kapitalanlageporolios

aus.

Auch das Bild der Verteilung der sllen Reserven der

unterschiedlichen Anlageklassen weist keine signikant

strukturellen Änderungen auf. Die Anlageklasse der Ak-

en (EU), die bei unserer Analyse für die Modellierung

der Beteiligungen verwendet wird, stellt nach wie vor

den größten Posten dar. Hierbei handelt es sich zumeist

um Konzernbeteiligungen im Versicherungsumfeld, die

bereits seit mehreren Jahren entsprechend hoch bewertet

werden.

Abb. 40: Verteilung Reserven nach Anlageform

Bei den Kapitalanlagen aus dem Festzinsbereich muss

mit Ausnahme der Pfandbriefe ein Rückgang der Reserve

festgestellt werden. Zwar war im Jahr 2011 ein

Zinsrückgang von durchschnilich 100 Basispunkten zu

verzeichnen, was eigentlich zu einem Anseg der Bewertungsreserven

häe führen müssen. Allerdings

kam es gleichzeig zu einer starken Ausweitung der Risikoaufschläge,

welche die Renditen der Papiere sogar

noch erhöht haben.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


68

4|ALM-Analyse

2|Risikosituaon der deutschen

Kompositversicherungen

Die Risikotragfähigkeit der Kompositversicherungen ist

schon fast tradionell gut. Dank eines nachhalgen Geschäsmodells

sind die Unternehmen vor Turbulenzen

der Kapitalmärkte weitgehend verschont geblieben.

Die Auswertung zu den Ausfallwahrscheinlichkeiten

zeigt zwar für den Bilanzschtag 31.12.2011 eine

leichte Zunahme, alle untersuchten Unternehmen liegen

jedoch unter der Grenze von 0,5%. Die Prognose

für den Schtag 31.12.2012 zeigen analog zur Lebensversicherung

eine Stabilisierung aufgrund der posiven

Kapitalmarktentwicklung des Jahres 2012.

Abb. 41: Ausfallwahrscheinlichkeiten

Für den Schtag 31.12.2012 ergibt die Risikoanalyse

für alle untersuchten Unternehmen eine Ausfallwahrscheinlichkeit

von unter 0,1% was einem Sicherheitsquanl

von 99,9% entspricht.

Abb. 42: Verteilung Ausfallwahrscheinlichkeiten

Die stabile Risikolage verdanken die Versicherungsunternehmen

der starken Risikokapitalausstaung. Nach

wie vor verfügen die Unternehmen über einen großen

Eigenkapitalanteil, der im Durchschni milerweile bei

über 22% angelangt ist. Bis zum Jahr 2012 war das Eigenkapital

auch der größte Posten innerhalb des Risi-

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

kokapitals. Zum Schtag 31.12.2012 übernehmen die

llen Reserven der Kapitalanlage diesen Part. Diese

konnten im Durchschni von ca. 16% auf über 30% der

Bilanzsumme ausgebaut werden.

Abb. 43: Aueilung Risikokapital

Der Anseg der sllen Reserven der Kapitalanlagen

und damit des Risikokapitals ist hauptsächlich einer Kapitalanlageart

zu verdanken, den Finanzanleihen. Wie

die oben dargestellte Porolioanalyse zeigt, macht

diese Anlageart über 30% des Kapitalanlageporolios

aus. Die Kapitalmarktanalyse zeigt für das Jahr 2012

einen Rückgang der Risikoaufschläge auf Finanzanleihen

mit Laufzeiten zwischen fünf und zehn Jahren in

Höhe von ca. 290 Basispunkten was zu einer entsprechenden

Hebelwirkung auf Papiere im Porolio führt.

Abb. 44: Entwicklung slle Reserven der Kapitalanalgen


3|Mielfrisge Betrachtung der

Risikosituaon: Szenario-Analyse

Im Folgenden Abschni wollen wir den Einuss der

oben denierten Szenarien auf die Kompositversicherer

analysieren. Unser Hauptaugenmerk gilt dabei weiterhin

der Risikotragfähigkeit und der Entwicklung des

Risikokapitals.

Die Verteilung der Ausfallwahrscheinlichkeiten bestä-

gt weiter die stabile Risikosituaon. Die Risikotragfähigkeit

wird bei dem untersuchten mielfrisgen

Simulaonszeitraum kaum von den Entwicklungen des

Kapitalmarkts beeinusst.

Lediglich das Inonsszenario lässt bei einigen Unternehmen

die Ausfallwahrscheinlichkeit ansteigen. Im

Vergleich zur Lebensversicherung sind die Auswirkungen

jedoch relav gering. Der Anteil der Unternehmen

mit einem Sicherheitsniveau von 99,5% geht um 20%

zurück. Diese Unternehmen sollten besondere Vorkehrungen

gegen die Auswirkungen einer erhöhten Schadenaufwendung

in Kombinaon mit steigenden

Kapitalmarktzinsen treen.

Abb. 45: Verteilung Ausfallwahrscheinlichkeiten

Die Betrachtung des Risikokapitals bestägt das stabile

Bild. Die Durchschniswerte weisen in keinem Szenario

eine größere Schwankungsbreite auf. Der Risikokapitalanteil

liegt bei dieser Betrachtungsweise in allen

Fällen über 50% der Bilanzsumme.

Auch das Inonsszenario weist steigende Risikokapitalanteile

aus. Gegen Ende der Simulaon gleichen

sich die Werte der unterschiedlichen Szenarien sogar

wieder einander an.

Abb. 46: Entwicklung Risikokapital (gesamt)

4|ALM-Analyse 69

Die Detailanalyse gibt Aufschluss über die Zusammensetzung

des Risikokapitals. Es wird deutlich, dass den

größten Anteil in allen Szenarien nach wie vor die sllen

Reserven der Kapitalanlagen darstellen. Die restlichen

Anteile ändern sich nur marginal. Dazu sei jedoch

krisch angemerkt, dass die Modellierung miels öffentlich

zugänglicher Zahlen keine genaueren Detailierungsgrad

zulassen, weswegen wir den Fokus bei

unseren Auswertungen weiter auf die Entwicklung der

Kapitalanlagen legen.

Abb. 47: Entwicklung Risikokapital (Detail)

Abb. 48: Entwicklung slle Reserven aus Kapitalanlagen (gesamt)

Im Fall des Inonsszenarios zeigen sich die sllen Reserven

zunächst etwas niedriger als in den anderen

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


70

4|ALM-Analyse

beiden Fällen. Für die Folgejahre zeigt die Auswertung

jedoch, dass diese Lücke geschlossen werden kann.

Bei der Analyse der sllen Reserven gilt es jedoch ein

besonders Augenmerkt auf die Herkun zu legen. Hier

sei vor allem auf das Inonsszenario verwiesen. Laut

Prognose entwickeln sich unter dieser Marktannahme

Aken und akenähnliche Kapitalanlagen besonders

gut. Da von dieser Annahme auch Beteiligungen betroen

sind, proeren die Kompositversicherungen

mit überdurchschnilich hohem Beteiligungs-und Ak-

enanteil überproporonal gut. Dagegen zeigt die Entwicklung

von Anleihen, dass Unternehmen mit großem

Festzinsanteil im Porolio eher zur Bildung von sllen

Lasten neigen.

Abb. 49: Entwicklung slle Reserven aus Kapitalanalgen (Detail)

Gerade hier ist in Verbindung mit dem erhöhten Kostenaufwand

das Risiko zu sehen, welches die Risikoauswertung

der Ausfallwahrscheinlichkeiten

quanziert.

4|Fazit

Die Branche ist gut durch die Krisen der letzten Jahre

gekommen. Mit dem stabileren Kapitalmarkt des Jahres

2012 konnten die Risikokapitalposionen weiter

ausgebaut werden. Das stabile Geschäsmodell rundet

das gute Bild der Kompositversicherung ab.

Eine Gefährdung der Risikotragfähigkeit kann jedoch

dann eintreten, wenn mehrere Faktoren gleichzeig

zutreen. Unsere Analyse hat gezeigt, dass ein erhöhtes

Schadenauommen in Verbindung mit schnell ansteigenden

Zinsen zu Problemen führen kann. In

diesem Fall sind Liquiditätsrisiken besonders im Auge

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

zu behalten. Ein Porolio welches hauptsächlich auf

nicht fungible festverzinsliche Titel setzt, kann dann

zum Problem werden.

Krisch sehen wir desweitern auch die Bewertung der

Beteiligungen bei einigen Unternehmen. Diese führen

zu einer stalichen Ausstaung an sllen Reserven, die

wir für die Risikobetrachtung berücksichgen. Bei diesen

Beteiligungen handelt es sich hauptsächlich um Engagements

innerhalb des eigenen Konzerns und damit

der Versicherungsbranche. Sollte es zu einer Krise in

diesem Sektor kommen, sind die Bilanzen damit einem

verstärkten Stress ausgesetzt. Kumulrisiken müssen

beachtet werden.

Abb. 50: Verteilung der ökonomischen Solvenzquoten

Die Ausstaung der Kompositversicherungen mit Eigenmieln

ist jedoch nach wie vor sehr hoch, sodass

die beschrieben Risiken zumindest kurzfrisg zu keinen

Problemen führen. Die seit Jahren festgestellte Überkapitalisierung

hält an, was auch die aktualisierten

ökonomischen Solvenzquoten belegen. Mehr als die

Häle der Unternehmen verfügen über mehr als doppelt

so viel Risikokapital, wie zum Erreichen einer Solvenzquote

von 100% notwendig wäre.

Angesichts der immer noch sehr zinslasgen Porolien

kann jetzt die Chance zu Restrukturierung genutzt werden.

Viele Investments werden bereits in Fonds getä-

gt, die sich für weitere Investments, beispielsweise in

fungiblere und/oder nachhalgere Kapitalanlagen

durchaus eignen. Eine stabile Kapitalanlage und Ertragslage

ist nicht nur im Sinne der Investoren sondern

auch der Kunden, deren Versicherungsbeiträge so auch

langfrisg stabil gehalten werden können.


4|ALM-Analyse 71

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


|SOLVENCY II

|IFRS


Solvency II

Mit der Pensionierung des Projektleiters Karel van

Hulle sowie der Verschiebung durch den Trilog hat das

Regelwerk Solvency II erheblich an Dynamik eingebüßt.

Der Trilog hae beschlossen, dass EIOPA einen weiteren

Solvencytest durchführt, der die Vertragserfüllungskapazität

für langfrisge Garanen sicherstellen

soll. EIOPA brauchte sehr lange, die Testvorgaben zu

liefern. Diese wurden erst im Januar deniert und die

Eingaben müssen von den Unternehmen bis Ende

März geliefert werden.

Interessant ist, dass eine Vielzahl von Zinsszenarien getestet

wurden, die weit über dem derzeigen Zinsniveau

liegen. Auch Aken werden anscheinend generell

nur noch mit 22% gestresst. Dieser reduzierte Stress

war vorher strategischen Beteiligungen vorbehalten.

Aus unserer Sicht sollen damit akzeptable Ergebnisse

erzielt werden, um den polischen Pro-

zess zu vereinfachen.

Mit Risikomanagement hat das allerdings

nichts zu tun. Aus heuger Sicht

werden viele deutsche Lebensversicherer ab 2017 Probleme

haben, ihre Garaneleistungen zu erfüllen. Der

derzeige Test wird dies aber nur in einer Minderheit

Abb. 1: verschiedene Szenarien im Vergleich zur aktuellen EU-Yieldcurve

(AAA)

Die aktuelle Regulaonsdebae

der Szenarien wiedergeben.

Kommt Solvency II 2017?

5|Bericht aus Brüssel 73

TRILOG

Zusammenschluss zwischen den wichgsten europäischen

Instuonen: Europäischer Rat (Vertreter der

einzelnen Regierungen), Europäische Kommission und

das Europaparlament

EIOPA

Steht für European Insurance and Occupaonal Pensions

Authority. Europaweite Instuon für Versicherungsaufsicht.

Planmäßig berichtet EIOPA am 14.6.2013 über die Testergebnisse

an die Trilog-Parteien. Am 12.7.2013 soll

der Abschlussbericht der EU-Kommission erfolgen. Dieser

Bericht ist die Voraussetzung für eine Absmmung

über die Rahmenrichtlinie OMNIBUS 2. Dies könnte im

Herbst 2013 geschehen,

noch

vor dem Europawahljahr

2014. Ein zugegeben enger Zeitplan, der überdies voraussetzt,

dass die Trilog-Parteien keinen großen Widerspruch

leisten. Angesichts der deutschen Wünsche

nach einer Erleichterung für Infrastrukturprojekte erscheint

das als unwahrscheinlich, besonders da diese

Entscheidung in die heiße Phase des deutschen Bundestagswahlkampfs

2013 fällt. Die bisherigen Erfahrungen

sowie die aufgezeigten Schwierigkeiten bestärken

uns in der Annahme, dass eine Einführung von Solvency

II vor 2017 unwahrscheinlich ist.

«Einführung von Solvency II vor

2017 ist unwahrscheinlich»

Der deutsche Weg (in der Regulierung)

Es gibt bereits deutsche Versicherungsgesellschaen,

die ihre Solvency II-Budgets eingefroren haben und dieses

Projekt in seiner Priorität herabgestu haben.

In Deutschland soll die 2. Säule, die das Risikomanage-

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


74

5|Bericht aus Brüssel

mentsystem betri, vorgezogen werden. Aus unserer

Sicht bewirkt das nur eine leichte Ausweitung der bestehenden

MaRisk-Anforderungen. Deutlich größerer

Diskussionsbedarf besteht bei der 3. Säule, dem Berichtswesen.

Hier geben zahlreiche Templates der Aufsicht

den Analysten ein sehr genaues Bild der

Risikolage. Dies ist allerdings mit einem erheblichen Reporngaufwand

verbunden und vor allem für einen typischen

deutschen mielständischen Versicherer

ungewohnt.

Wir begrüßen, dass nun die implizite Verzinsung der

Kapitalanlagen den Diskontsatz für die Passivseite vorgeben

kann („extended matching adjustment“). Dies

haben wir immer wieder gefordert. Damit wird endlich

der Verbindung des Kapitalanlagenmanagements mit

der Passivseite Rechnung getragen und nicht an künstlichen

„marktkonsistenten“ Theorien festgehalten, die

sich aufgrund des Niedrigzinsniveaus als nicht nachhal-

g erweisen.

Wir bedauern allerdings, dass andere Assets als Rentenpapiere

keine Würdigung erfahren. Damit wird wieder

der Diversikaonsgedanke bestra. Aken,

Immobilien, Private Equity, Waldinvestments sind alles

Assetklassen, die zur Gesamtverzinsung des Portefeuilles

beitragen und letztendlich dem Versicherungsnehmer

zugutekommen. Bei diesen Assetklassen

lassen sich schon allein durch die laufenden Ausschüttungen

gewisse Renditeannahmen treen.

Miels CAPM-Modellen könnte man auch zukünige

Kurssteigerungen mit in die Renditeermilung einbauen.

Wir halten es für wichg, dass das tatsächliche

Anlagenporolio mit in die Bewertung einbezogen

wird und nicht nur ein Teilporolio.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER

IFRS

Es sieht ganz danach aus, dass wir im nächsten Jahr

nach 17 Jahren Debae einen IFRS-Versicherungsstandard

sehen, der dann 2018 erstmals zur Anwendung

kommen soll. Das internaonale Rechnungslegungsgremium

IASB hat sich entschlossen, Teile des Exposure

Dras neu zur Debae zu stellen. Damit ist der Diskussionsprozess

aber eingeschränkt.

Buchwerte oder Marktwerte?

Es wird hitzig debaert, ob Versicherern eine weitere

Assetkategorie zugestanden werden soll. Im Rahmen

der Revision des Finanzinstrumentenstandards IAS39,

der in IFRS 9 übergehen soll, war entschieden worden,

sich auf eine Kategorie zu Buchwerten (at cost) und

eine zu fairen Werten zu beschränken, die erfolgswirksam

ist. Ausnahmen bestehen nur bei Aken, die zwar

zu fairen Werten, aber außerhalb der Gewinn- und Verlustrechnung

gebucht werden.

Während sich die Banken über die Einschränkung der

Fair Value-Bilanzierung freuten, schienen die Versicherer

darüber gar nicht glücklich. So widersprach es dem-

Solvency II-Ansatz einer ökonomischen Bilanz. Die alte

„available-for-sales“-Kategorie ermöglichte doch diesen

ökonomischen Ansatz, ohne die GuV durcheinander

zu bringen. Das wäre mit der Revidierung nun nicht

mehr möglich.

Interessant ist, dass Banken sich wohler fühlen mit

einem kürzer laufenden Porolio mit Buchwerten; Versicherer

hingegen mit lang laufenden Verträgen bei fairen

Werten. Banken renanzieren sich kurz und

nanzieren lang. Bei Versicherern ist es umgekehrt.

Während Banken hierin ihr Geschäsmodell denieren,

sehen Versicherer in dem Mismatch ein Risiko.

Banken ziehen vor, dieses Risiko über Poroliohedges

zu schließen, während Versicherer diesen Mismatch

nicht unbedingt hedgen, aber aus der GuV heraushal-


ten möchten. Hier zeigt sich unseres Erachtens, dass

die Unternehmenskulturen doch recht unterschiedlich

sind. Wir glauben, dass Versicherer gut beraten wären,

einen bankähnlichen Ansatz zu fahren, wie er ja auch

heute schon implizit in den naonalen Rechnungslegungsstandards

gefahren wird.

Drie Assetklasse für festverzinsliche

Wertpapiere

Nichtsdestotrotz hat das IASB die Bedenken der Versicherer

aufgenommen und beschlossen, eine drie Assetkategorie

einzuführen, die nur für festverzinsliche

Papiere gilt. Dort können Marktwertschwankungen außerhalb

der Haupt-GuV im sogenannten „Other Comprehensive

Income“ geführt werden. Die Banken sind

damit eher unzufrieden. Sie befürchten, Teile ihres Liquiditätsportefeuilles,

das viele Staatsanleihen umfasst,

in diese drie Kategorie buchen zu müssen. Dies

häe negave Auswirkungen auf ihren Basel III-Ausweis.

Als Reakon drohten die Banken, in der Folge weniger

Euro-Staatsanleihen zu kaufen. Kaum

überraschend funkonierte dieses und so sollen doch

Abgrenzungen möglich sein.

Bei den Versicherern selbst ist man sich aber auch nicht

einig, ob diese drie Kategorie angewendet werden

muss. Also wird es vermutlich auch auf eine oponale

Verwendung hinauslaufen. Wir glauben, dass diese

drie Kategorie weder notwendig ist, noch dass eine

Oponalität die Vergleichbarkeit fördert.

Der Mirrowing Approach

Aus unserer Sicht ermöglicht der „Mirrowing Approach“,

ähnlich wie bei Solvency II, dass der Akvzins

den Zins der Passivseite vorgibt, wenn es sich um überschussbeteiligte

Verträge handelt. Das düre den

Großteil der Lebensversicherungsverträge betreen

und damit eine große Bilanzerleichterung darstellen.

Ein darüber hinaus gehendes Mismatch könnte aus un-

5|Bericht aus Brüssel 75

serer Sicht auch über einen Poroliohedgeansatz gelöst

werden. Nur müsste man hier die nögen Vorarbeiten

leisten. Hierzu wäre es z.B. nög,

Kundenverhalten und Stornowahrscheinlichkeiten genauer

zu modellieren. Aus unserer Sicht wurden hier

bereits Vorarbeiten im Zuge von Solvency II geleistet.

Eine Umsetzung des „Mirrowing Approach“ würde die

Vergleichbarkeit gegenüber anderen Akteuren, wie z.B.

Banken, erhöhen. Sollte sich die Branche hierzu durchringen,

düren Analysten das begrüßen. Es ist allerdings

fraglich, ob die Branche das möchte. Eine

Entscheidung zur besseren Vergleichbarkeit wurde bereits

vom IASB getroen. Die Prämien in der Lebensversicherung

sollen ähnlich wie in der

Sachversicherung nach dem „earned premium“-Konzept

ermielt werden. Dieses richtet sich stark am Umsatzgedanken

der Industrie. Umsätze werden bei

Erfüllung der Verpichtungen gebucht, nicht bei Vertragsabschluss.

Auch hier gibt es erwartungsgemäß Widerstand.

Wir glauben trotz aller Widrigkeiten, dass je vergleichbarer

die Versicherungsbranche mit Banken und anderen

Industrien wird, desto leichter ihr

Kapitalmarktzugang wird. Denn Eigenkapital könnte in

einer gestressten Branche willkommen sein. Der Gipfel

des Ganzen könnte eine Solvenzmessung sein, die auf

diesen transparenten Standards auaut. Aber das ist

vielleicht nur ein Traum.

DEUTSCHE UND ÖSTERREICHISCHE VERSICHERER


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