Attila Csörgő Björn Dahlem José Dávila Simon ... - Zeppelin Museum

gcdr8GtPBz

Attila Csörgő Björn Dahlem José Dávila Simon ... - Zeppelin Museum

Dymaxion-Weltkarte

Bei der Dymaxion-Weltkarte handelt es sich um die Projektion einer

Weltkarte auf ein Polyeder. Seit 1927 hatte Buckminster Fuller an

diesem Projekt gearbeitet. Zunächst lief es unter dem Projekttitel

The One-Town World. Als er sich das Projekt 1946 patentieren ließ

nannte er es kurzerhand The Airocean World Map (englisch für

Luftozean-Weltkarte).

Die Dymaxion-Weltkarte ist nur für Darstellungen der ganzen

Erdkugel gedacht. Die Vorteile dieser Darstellung lagen für Fuller

auf der Hand. Sie zeichnete sich durch eine geringere Verzerrung

der Flächen aus und es gab kein Oben und Unten auf der Weltkarte.

Die Karte erfreute sich großer Beliebtheit und wurde von verschiedenen

Magazinen und Zeitungen, u.a. auch dem LIFE Magazine

(Ausgabe vom 1. März 1943) abgedruckt oder als Schnittbogen

beigelegt.

Dymaxion Airocean World map, 1954 © Eric Gaba

Fullerene

Als Fullerene bezeichnet man in der Wissenschaft sphärische Moleküle

aus Kohlenstoffatomen. Das bekannteste Fulleren trägt den

Namen C60 und wurde zu Ehren Richard Buckminster Fullers Buckminster-Fulleren

(auf Englisch auch buckyball) genannt. Diese Ehre

wurde Fuller zu Teil, weil seine geodätischen Kuppeln sehr dem

Aufbau solcher Kohlestoffatome ähneln. Wie ein Fußball besteht

das Fulleren (C60) aus 12 Fünfecken und 20 Sechsecken, die zusammen

einen Ikosaeder bilden.

C60 Molekül, auch Fulleren oder buckyball genannt,

© Michael Ströck (mstroeck), 2006

Fuller und die Kunst

Der japanische Künstler Isamu Noguchi war nur einer von vielen

Künstlern mit denen Fuller zeit seines Lebens kooperiert hatte. Naguchi

kam 1929 in die USA und arbeitete mit Fuller an den verschiedensten

Projekten. So auch an dem Dymaxion Car, an dessen

Gestaltung er maßgeblich beteiligt war.

Geodätische Kuppeln

Sein wohl bekanntestes Bauwerk – die sogenannte Biosphère – war

der US-amerikanische Pavillon bei der Expo 1967 in Montreal.

Diese geodätische Kuppel wurde aus Stahl und Acryl gebaut, hatte

einen Durchmesser von 76 Metern und war erstaunliche 62 Meter

hoch. Die Temperaturen wurden durch ein komplexes System von

Blenden geregelt. Als weiteres architektonisches Highlight galt die

37 Meter lange Rolltreppe. Es war die damals höchste Rolltreppe,

die bis dahin gebaut worden war. Unglücklicherweise fi ng das Gebäude

während Renovierungsarbeiten im Mai 1976 Feuer und die

ganze Acrylhülle brannte ab. Allein das stählerne Gerüst blieb stehen.

Erst 1992 beschloss die kanadische Regierung und die Stadt

Montreal, das Gerüst der Kuppel zu restaurieren und in seinem

Inneren das Biosphère Environment Museum zu errichten. Die fullerschen

Kuppeln fanden eine rasante Verbreitung, als militärisch

genutzte Anlagen oder für Ausstellungsarchitekturen. Auch in Vergnügungsparks

fanden die Kuppeln ihre Anwendung. So fährt der

Eurosat im Europa-Park in Rust in einer solchen Kuppel. Bautechnisch

basieren sie auf einfachsten geometrischen Grundkörpern

(Tetraeder und Oktaeder), sind extrem stabil und mit geringstem

Materialaufwand realisierbar. Fuller ließ das Konstruktionsprinzip

1954 patentieren.

US-Pavillon für die Expo 1967 nach einem Entwurf von

Fuller

Nachhaltigkeit

Fuller machte sich angesichts des herrschenden ökonomischen

und sozialen Systems Sorgen hinsichtlich der Nachhaltigkeit, blieb

dabei aber immer optimistisch im Hinblick auf die Zukunft des

Menschen. Er war fest davon überzeugt, dass die Ansammlung

relevanten Wissens, kombiniert mit den zur Verfügung stehenden

Massen an recyclebaren Rohstoffen, die der Erde bereits entnommen

wurden, einen kritischen Stand erreicht haben. Die angesagte

Überlebensstrategie liege in der Kooperation und nicht mehr im

Wettkampf (um Ressourcen z. B.).

sehr leicht mit den „fl iegenden Häusern“ von Buckminster Fuller in

Verbindung bringen lässt. Doch schaut man genauer hin sieht man,

dass fast ausnahmslos schwere, backsteinerne oder gar aus Beton

gegossene Architekturfragmente durch die Bilder Grafs schweben,

die nicht das entfernteste mit der Leichtigkeit Fullerscher Architekturen

gemein zu haben scheinen. So wirken die Arbeiten wie ein

ironischer Kommentar, der sich der Umkehrung des Eigentlichen

auf paradoxe Art und Weise der Vision Fullers wieder annähert.

7 Die Arbeit Buckminsterfullerene von Kerstin Stoll zeigt

den Versuchsaufbau und die Herstellung von Fulleren im Physiklabor.

Der poetisch-abenteuerliche Charakter des Sternenstaubs

wird von populärwissenschaftlichen Texten unterlaufen, die von der

wirtschaftlichen Verwendung und dem Streit um die Urheberschaft

berichten.

8 Einen naturwissenschaftlichen Ausgangspunkt hat Ocellus

von Albrecht Schäfer (*1967 in Stuttgart, lebt in Berlin). Der

Begriff bezeichnet die Lichtsinnesorgane von Quallen. Eine Malerfolie

wird durch Wärme wie eine Traglufthalle gewölbt und empor

gehoben bis die warme Luft entweicht und die Folie wieder nach

unten sinkt – ein Prozess, der wie beim Ein- und Ausatmen stets aufs

Neue beginnt.

9 Scale No. 2 von Ai Weiwei (*1957 in Peking, China) thematisiert

den Übergang vom Raum in die Fläche. Die Anordnung

der Kupferplatten lässt auf einen auseinandergefalteten Würfel als

Ausgangsform schließen, wobei die Seiten des Würfels zu Romben

verzerrt sind, die gefährlich in den Raum hineinragen.

10 Wie in einem mechanischen Marionettentheater versetzt

Attila Csörgő (*1965 in Budapest, Ungarn, lebt in Budapest)

in Untitled (Dodecahedron = Icosahedron) Formen in Bewegung

und verwandelt einen Zwölffl ächner aus Fünfecken (Dodecahedron)

in einen Zwanzigfl ächner aus Dreiecken (Icosahedron). Diese

Magie der Formverwandlung, ausgelöst durch zahlreiche Fäden,

Gewichte und Räder, steht im reizvollen Kontrast zur geometrischmathematischen

Grundlage dieser platonischen Körper.

11 Der 16 mm-Film 20th Century Architecture von Simon

Dybbroe Møller (*1976 in Aarhus, Dänemark, lebt in Berlin)

zeigt die Handhabung eines gefalteten Körpers, der endlos von innen

nach außen gekehrt wird. Die zu Grunde liegenden Materialen

symbolisieren die architektonischen Komponenten – Beton (grau),

Stahl (metalisch) und Glas (verspiegelt) – die in der modernen Architektur

des 20. Jhds. immerfort wiederkehren.

12 Die zarten Strukturen von Tobias Putrih (*1972 in Kranj,

Slovenien, lebt in Cambridge und New York) beziehen sich direkt

auf Fullers Cloud-Nine-Projekt. Mit den unterschiedlichen Spielarten

und Verformungen der Kugel legt er jedoch nahe, dass diese

Himmelsstädte von den Bewohnern nach eigenem Belieben gestaltet

werden können.

13 David Maljkovic (*1973 in Rijeka, Kroatien, lebt in Zagreb)

beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit den vergessenen Dingen.

Die Serie von Collagen zeigt Variationen einer Ansicht vom

Amerikanischen Pavillon des Architekten John Johansen, den dieser

1956 für die Messe in Zagreb, einem ökonomischen Zentrum

östlicher wie westlicher Staaten, baute. Johansens biomorphe Ar-

chitektur aus Beton grenzte sich nicht nur entschieden von der Bauhaustradition

ab, sondern stand auch in deutlichem Gegensatz zur

sozialistischen Architektur. Mit dem Titel Lost Pavilion markiert der

Künstler einen verloren gegangenen Teil kollektiver Erinnerung.

14 Die Werke von Beat Zoderer (*1955 in Zürich, Schweiz,

lebt in Wettingen) basieren auf geometrischen Strukturen, die er

jedoch immer wieder ironisch bricht. So widerspricht die scheinbare

Perfektion in Supramat der optischen Illusion, dass das Relief

aus einander überlagerten Diagonalen stets aus dem Lot zu fallen

scheint. Denselben Widerspruch zwischen Vollendung und Unperfektheit

vermittelt die als Ball betitelte Eiform aus gebrauchtem Bodenbelag.

15 Die verformbare Kugel Lazy Bugger von Kai Schiemenz

(*1966 in Erfurt, lebt in Berlin) lädt die Besucher ein, vorsichtig

die Fullerschen Formprinzipien zu erkunden. Der Einsatz einfacher

Materialien und Techniken lässt zugleich das spontane Entwickeln

von Ideen und Formen wiedererkennen, wie es für Fullers Werk

bestimmend ist.

16 Der Bildhauer Hermann Maier Neustadt (*1955 in

Neustadt, †2008 in München) setzte sich intensiv mit den Konstruktionsformen

von Fuller auseinander. Die Gruppe von Zeichnungen

und Modellen entstand für ein Ausstellungsprojekt in der

Städtischen Galerie Nordhorn. AtuckY ist eine Wortverbindung aus

dem Brüsseler „Atomium“ und „Bucky“. Über Gänge miteinander

verbunden boten die halbkugelförmigen Bauten einen Rahmen für

verschiedene Video- und Soundprojektionen mit Refl exion der politisch-gesellschaftlichen

Situation.

17 Der Turm von Lucas Lenglet (*1972 in Leiden, Niederlande,

lebt in Amsterdam) schafft gleichermaßen eine Verbindung vom

Boden in die Höhe. Die elegant auf den Ecken balancierten Aluminiumkreuze

beschreiben eine dynamisch nach oben strebende

Spirale. Trotz dieser beinah tänzerischen Bewegung der Skulptur ist

der militärische Charakter in der aggressiven Form und dem kühlen

Aluminium deutlich präsent.

18 Das Ciclomóvil von Pedro Reyes (*1972 in Mexico City,

Mexiko, lebt in Mexico City) darf als Anspielung auf Fullers Dymaxion

Car verstanden werden. Als Fortbewegungsmittel für Mexico

City wurde es in Zusammenarbeit mit einem regionalen Betrieb

montiert und könnte, in Serie gefertigt und als Taxi eingesetzt, die

Umwelt schonen und Arbeitsplätze schaffen.

19 Die Projekte der Architektengruppe N55 (gegr. 1994 in Kopenhagen)

verbinden experimentelle Architektur und Design mit

angewandter Urbanismus-Kritik ganz im Sinne von Fullers ganzheitlichem

Designbegriff. Die abstrakte Landschaft aus geometrisch

geformten Hockern und Leuchten lässt so einen Fuller-Bezug erkennen:

mit Public Things entwickelte N55 fl exible Grundelemente, die

unterschiedliche Funktionen im öffentlichen Raum übernehmen.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine