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• Die Werkzeuge und Geräte, die Homo faber für sein Herstellen

und Fabrizieren benötigt und entwirft, stecken das Feld ab, in

welchem Zweckdienlichkeit und das rechte Verhältnis zwischen

Mitteln und Zwecken ursprünglich erfahren werden.

Wie viele von Arendts wichtigen Aussagen und Definitionen findet

sich auch diese in einem Nebensatz. Dieser Nebensatz ist oben

hervorgehoben und besagt: Ein Werkzeug ist ein Ding, das zum

Herstellen benutzt wird. Und was Arendt im Zusammenhang mit dem

Arbeiten sagt, daß nämlich Werkzeuge die einzigen Dinge sind, die ...

den Arbeitsprozeß ... überdauern 63 , das gilt ganz ähnlich auch für das

Herstellen: Das Werkzeug überdauert den Herstellungsvorgang im

Wesentlichen unverändert. Damit sind die Elemente des Herstellens

vollständig: Hersteller, Modell, Material, Werkzeug, Produkt.

Das Material wird geformt, damit das Produkt entsteht. Vor der

Herstellung gibt es das Produkt noch nicht, nach ihr gibt es das

Rohmaterial als solches nicht mehr. Was unverändert bleibt, sind

Hersteller, Modell und Werkzeug. Das Werkzeug unterscheidet sich

vom Modell dadurch, daß es mit dem Material notwendig in direkten

Kontakt kommt. Das Modell braucht diesen Kontakt nicht unbedingt.

Außerdem kann es im Gegensatz zum Werkzeug auch völlig

immateriell sein, denn es mag dem inneren Blick des Herstellenden nur

vorschweben. 64 Der Hersteller unterscheidet sich von allen anderen

Komponenten natürlich dadurch, daß er ein Mensch ist, ein bewußtes

Subjekt im Gegensatz zu Material, Werkzeug und Produkt, die dem

Bereich der Objekte angehören und auch im Gegensatz zum Modell,

das im Wesentlichen eine kognitive Entität ist, vielleicht repräsentiert

durch Text, Grafik oder ein dreidimensionales Objekt.

Natürlich gibt es hier wie bei den meisten Definitionen Grenzfälle,

vor allem bei der Unterscheidung von Modell und Werkzeug. Solche

Grenzfälle sind zum Beispiel Druckplatten oder Prägestempel, die

Werkzeug und Modell in sich vereinen. Gußformen, die nach dem

Abguß zerschlagen werden, fallen völlig aus dem Rahmen: Sie sind

Modelle, weil sie die gewünschte Form repräsentieren; sie sind

Werkzeuge, weil sie mit dem Material Kontakt haben, aber sie

überstehen den Herstellungsvorgang nicht.

63 Vita activa, S. 131.

64 Vita activa, S. 128.

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