Das Magazin der Bundesimmobiliengesellschaft

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Das Magazin der Bundesimmobiliengesellschaft

www.big.at

Das Magazin der Bundesimmobiliengesellschaft

Ausgabe Nr. 9 • Juni 2011

Wunschkonzert

Beim Schulbau wollen viele mitreden. Nicht

zwangsläufig führt erhöhte Beteiligung zu

einem harmonischeren Ergebnis.

Das Kreuz mit den Kirchen

Gotteshäuser sind nicht gerade die

Cashcow im Portfolio der BIG. Erhalten

werden wollen sie aber allemal.


Inhalt

BIG BuSInESS InHALT

Foto: richard Tanzer

Foto: Fotolia

Foto: michael Grühbaum

Foto: Gisela erlacher

Foto: michael Hetzmannseder

Impressum

02

14

26

48

54

02 Zeitraffer

Spatenstiche, Gleichenfeiern, Eröffnungen oder sonstige Ereignisse,

die die BIG im vergangenen halben Jahr bewegt hat.

14 Babylonische Verwirrung

Zahlen zur Beschreibung von Kosten sind bei Bauprojekten nur dann

etwas wert, wenn die herleitung auch klar ist. Das thema eignet sich

trefflich, um gezielt aneinander vorbeizureden.

20 „Ohne Kompromisse geht es nicht“

Barrierefreiheit ist für „gesunde“ Menschen selbstverständlich.

Viele können aber keine Stufen steigen oder sehen den Eingang

nicht. Das wird vor allem auch in hinblick auf die „alternde“

Gesellschaft eine herausforderung.

26 Das Kreuz mit den Kirchen

Gotteshäuser sind nicht gerade die Cashcow im Portfolio der BIG.

Erhalten werden wollen sie aber allemal.

34 Die Jäger des verlorenen Schatzes

In den häusern der BIG hängen, stehen, schlummern enorme

Kunstschätze. In Einzelfällen verwahrlosen sie aber auch.

40 Basisdemokratisches Wunschkonzert

Der Einfluss des Gebäudes auf die lernergebnisse ist unbestritten.

In der Frage, wie ein optimales Schulgebäude aussehen soll, scheiden

sich allerdings die Geister. Mitreden wollen jedenfalls alle.

48 Das Gebot der Stabilität

Das neue Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen bestimmt,

wie lange ein Meter auf der ganzen Welt zu sein hat. Den Raum

dafür hat die BIG geschaffen.

54 „Schutzbedürftig“

aus angst vor Kriegen hat die Republik Schutzräume geschaffen.

Für den akuten Ernstfall stehen die wenigsten bereit.

58 Lauschangriff aus Muggendorf

auf dem trafelberg in einem eher verschlafenen teil niederösterreichs

ist die Ruhe von enormem Vorteil. Von dort aus wird

nämlich quasi die ganze Welt abgehört.

62 Ein Quantum Erkenntnis

Bis vor Kurzem blieb der atomreaktor im Wiener Prater von der

Öffentlichkeit unbemerkt. Durch das Erdbeben in Japan waren die

Forscher plötzlich medial gefragte Experten.

65 Galerie

Ende Mai war Zeit der Messen. Die BIG präsentierte sich nahezu

gleichzeitig auf der Real Vienna und dem Städtetag in St. Pölten.

IMprESSuM

Ausgabe: Nr. 9/2011 Herausgeber: Bundesimmobiliengesellschaft mbH, Hintere Zollamtsstraße 1, 1031 Wien, T 05 02 44-0, F 05 02 44-1199,

office@big.at, www.big.at Geschäftsführung: Wolfgang Gleissner, Hans-peter Weiss Chefredaktion: ernst eichinger redaktion: Herbert Hutar,

Christian mayr, paul Frühauf produktion und Artdirektion: martin Jandrisevits, Hans Ljung Lektorat: Nicole Tintera Fotos Titelblatt, u4: Harald A. Jahn

Druck: Grasl Druck & Neue medien GmbH, 2540 Bad Vöslau

Dieses Druckwerk zeichnet sich durch eine nachhaltige und ressourcenschonende produktion aus und wurde klimaneutral gedruckt. Das papier dieses

produktes stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern sowie kontrollierten Quellen und ist somit peFC zertifiziert. peFC steht somit als synonym

für nachhaltige Waldbewirtschaftung. Die Zertifizierung der gesamten Verarbeitungskette vom Wald bis zum endprodukt garantiert, dass die Holzherkunft

unzweifelhaft nachvollziehbar ist und geprüft wurde. Durch unabhängige, renommierte Zertifizierungsgesellschaften wird sichergestellt,

dass die Wälder nach hohen peFC-standards bewirtschaftet werden. peFC-Zertifikationsnummer: HCA-CoC-0249. Klimaneutral drucken bedeutet, die

CO 2-emission für die Herstellung eines Druckproduktes durch den erwerb anerkannter umweltzertifikate auszugleichen.

PEFC zertifziert

Das Papier dieses Produktes stammt

aus nachhaltig bewirtschafteten

Wäldern und kontrollierten Quellen

Foto: richard Tanzer

Mit Qualität in die Zukunft

D

ie BIG hat einmal mehr ihre hohe leistungsfähigkeit

und Effizienz unter Beweis gestellt

und im vergangenen Jahr ein Bauvolumen

von insgesamt 636 Millionen Euro abgewickelt.

nie in der zehnjährigen Firmengeschichte – bezogen

auf den Zeitpunkt des Kaufs der liegenschaften – war dieser

Wert so hoch. Ein Symbol für diesen „Bauboom“ ist die

neue Wirtschaftsuniversität Wien (WU), die im Prater seit

anfang 2010 errichtet wird. Das definitiv größte Bauvorhaben

der BIG seit Bestehen des Unternehmens ist voll auf

Schiene. aus heutiger Sicht halten sowohl Zeitplan als auch

Kosten. Das soll selbstverständlich bis zur Übergabe so bleiben

und gilt auch für alle anderen 47 derzeit in ausführung

befindlichen Großprojekte quer durch ganz Österreich, die

in den kommenden Jahren fertiggestellt werden. Diese

solide Dienstleistungsqualität wird nicht nur von Projektpartnern,

sondern auch vom Kapitalmarkt honoriert. Gerade

die Einschätzung der Marktteilnehmer ist für die BIG

von enormer Bedeutung. Denn ob die anleihen – und damit

letztendlich das Unternehmen – bei Investoren gefragt

sind, entscheidet über die Zukunft des Unternehmens.

Generell reagieren wir rasch auf neue herausforderungen,

kennen unsere Stärken, bauen sie kontinuierlich aus

und behaupten uns damit im offenen Wettbewerb. Flexi-

Seit 1. Juni 2011 leitet

die auf fünf Jahre neu

bestellte Geschäftsführung,

bestehend

aus Hans­peter Weiss

(links) und Wolfgang

Gleissner, das unternehmen.

bel waren wir auch bei den Inhalten unseres Magazins BIG

Business. So wurde nach dem nuklearunfall in Fukushima

das Konzept radikal umgestellt. In der aktuellen ausgabe

stellen wir Ihnen daher den neu errichteten Messstollen

vor, in dem Erdbeben zukünftig zeitnah und genauestens

aufgezeichnet werden. Im Zuge der Katastrophe in Japan

hat der Reaktor im Wiener Prater zum ersten Mal die gebührende,

mediale aufmerksamkeit erreicht. nicht zuletzt

stieg bei der Bevölkerung in den vergangenen Monaten

das subjektive Sicherheitsbedürfnis massiv. Daher kamen

auch Schutzräume wieder ins Gespräch, die allerdings derzeit

eher ein Schattendasein fristen. Wir blicken für Sie

nicht nur hinter die Kulissen, sondern in diesem BIG Business

auch in die Keller der amtsgebäude und wünschen

viel Spaß beim lesen!

Wolfgang Gleissner Hans-Peter Weiss

eDITOrIAL

www.pefc.at Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusINess

1


Zeitraffer

Foto: LBs Redl

Foto: boanet.at

Wu

15 Kräne und im Durchschnitt

350 Arbeiter arbeiten pro Tag

mit Hochdruck auf der Baustelle

der neuen WU. Alleine die Kräne

zu koordinieren ist bereits eine

logistische Meisterleistung. Bauliche

Herausforderungen gibt es

auch genug. Im Bild rechts die

„schiefen“ Wände des Learning

and Library Center (LLC) von

Zaha Hadid.

Fotos: Richard Tanzer

Kranballett

im Wiener

Prater

Zügig schreitet der Bau im Wiener Prater

voran: Der Campus WU nimmt Formen an!

Das 492-Millionen-Euro-Projekt stellt

zumindest aufgrund seiner Dimension alle

anderen Bauvorhaben der BIG in den

Schatten.

Von der aussichtsplattform, die übrigens allen interessierten

von 8 bis 20 Uhr offen steht, ist ein Wald

von Kränen zu sehen, schwere Baumaschinen, die

auf den rund 90.000 Quadratmetern in bester innenstadtlage

ein kompliziertes Ballett aufführen. Noch ist schwer

vorstellbar, dass hier bereits im Herbst 2013 die ersten Vorlesungen

stattfinden sollen. Die Größe kann der Besucher

schon erahnen, mit der Leichtigkeit im entwurf der architektin

Zaha Hadid tut man sich noch etwas schwerer. Doch

die künftigen formen sind schon vorgegeben: inmitten der

Betonplatten werden einige schiefe Wände betoniert – die

Grundpfeiler der kühnen, nach vorne geschwungenen

form des künf tigen Library & Learning Centers, Herzstück

des riesigen Bauvorhabens.

Finanzierungsfragen

Vor allem ganz große Bauprojekte haben den ruf, grundsätzlich

später fertig und dafür viel teurer zu werden. Diese

Sorgen zerstreut BiG-Geschäftsführer Wolfgang Gleissner

mit Nachdruck. Selbstverständlich liege man im Zeitplan.

Und auch die Kosten halten. „Zwei Drittel der Bauaufträge

wurden bereits vergeben, bis ende 2011 werden es 90 Prozent

sein. Die meisten davon an inländische Unternehmen.

insgesamt sind bisher rund 100 Millionen euro in den Neubau

geflossen“, sagt Maximilian Pammer, Geschäftsführer

der Projektgesellschaft, die für die abwicklung des Bauvorhabens

zuständig ist.

Zu den Gesamtkosten kommen noch 46 Mil lionen euro

für die inneneinrichtung, sagt Michael Holoubek, rektoratsbeauftragter

der WU für den neuen Campus: „in diesem

Betrag enthalten sind die komplexe Uni-it ebenso wie

der Umzug im Sommer 2013. Darauf richten wir uns jetzt

schon ein. Wenn wir am alten Standort einen Semi nartisch

kaufen, dann schauen wir, dass wir ihn später mitnehmen

können.“

Standortvorteile

Der neue Campus wird so ziemlich alles bieten, was Studenten-

und Lehrendenherzen begehren. Die innerstädtische

Lage direkt an der U2 und radwege im und rund um

das Gelände sorgen für staufreie Verbindungen. Die direkte

Nachbarschaft zum Prater sowie eine Kooperation mit der

USi – „wir verhandeln aber noch“, so Holoubek – sollen für

ausreichend Sportmöglichkeiten sorgen. als Wasserballer

würde sich der Professor eine Schwimmhalle wünschen,

aber „die wird sich nicht ausgehen“.

2 BIG BusiNess Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

3

Wu

Fotos: Zaha Hadid Architects

Foto: Busarchitektur/boanet.at


Zeitraffer

Foto: pittino & ortner architekturbüro

4 BIG BusiNess

AmTsgeBäude BRucK/muR | HTL & HAK sT. PöLTeN

Beim Spatenstich waren neben Bundesministerin

Beatrix Karl auch die Repräsentanten der beteiligten

Institutionen gekommen: der Brucker

Finanzamtsleiter Alfred Brunnsteiner, der Präsident

des Oberlandesgerichts Graz Manfred Scaria, der

Vizepräsident des Bundesamts für Eich- und

Vermessungswesen Johann Pacher, Brucks

Bürgermeister Bernd Rosenberger, der steirische

Landtagspräsident Manfred Wegscheider sowie

BIG-Geschäftsführer Wolfgang Gleissner.

Die neue „Spange“

wird zwei große

Schulen miteinander

verbinden. Alleine

in der Höheren

Technischen

Lehranstalt sind

1.800 Schüler und

rund 200 Lehrer

untergebracht.

ende für schweißtreibende sommer & kalte Winter

Das Amtsgebäude in Bruck an der Mur soll nach

Fertigstellung des Bauvorhabens das Vorzeigeprojekt

der BIG punkto energieeffiziente Sanierung sein.

Die sanierungsbedürftigen und aus allen Nähten

platzenden Schulen HAK und HTL St. Pölten

wachsen zusammen und werden auf

modernsten Stand gebracht.

Foto: www.ypsilonef.com

Foto: Big

■ Die Modernisierung der Liegenschaft in Bruck/Mur, in

dem Bezirksgericht, finanzamt und Bundesamt für eich-

und Vermessungswesen untergebracht sind, wurde im

Mai in angriff genommen. Die neue Hülle für die Gebäude

aus den 60er-Jahren wird mit Solarwaben verkleidet, die

zusammen mit anderen Maßnahmen wie etwa einer tiefbohr-Wärmepumpe

den energieverbrauch auf die Hälfte

senken sollen. eine starke Photovoltaik-anlage auf dem

Dach könnte sogar noch Strom ins Netz einspeisen. außerdem

wird das Gerichtsgebäude aufgestockt und mit einem

kleinen Neubau versehen, um der Justiz dringend benötigten

Platz zu verschaffen.

Die BiG demonstriert mit diesem Projekt, wie viel energie

durch innovative Maßnahmen bei altbauten gespart

werden kann. „Die in Bruck gewonnenen erfahrungen

werden in viele weitere Sanierungen einfließen“, sagt

Wolfgang Gleissner, Geschäftsführer der BiG anlässlich des

Spatenstichs.

Lange ersehntes großprojekt verbindet schulen

■ Die Bauarbeiten an der HtL und HaK St. Pölten haben begonnen!

Die Schulen aus den 60er-Jahren werden nicht

nur von Grund auf saniert, sondern auch räumlich näher

zusammengeführt. Dazu wird ein Campus geschaffen,

während ein neuer, gemeinsamer eingangsbereich neue

städtebauliche akzente setzt. Die weitläufige, transparente

Bauweise nach Plänen der Yf architekten aus Wien und gemeinsam

genutzte einrichtungen wie etwa der Bibliothek

und einer Mensa sollen für offene Kommunikation sorgen.

außerdem bekommt die HtL als eine der größten Schulen

Österreichs den lange gehegten Wunsch nach einem

neuen turnsaal erfüllt.

Die arbeiten an dem über 60 Millionen euro teuren

Großprojekt werden in zwei etappen abgewickelt und

rund vier Jahre dauern – zwei für die Neubauten, zwei, um

den Bestand zu sanieren. Der Unterricht wird in dieser Zeit

in Containern stattfinden, die vor allem im innenhof aufgestellt

werden.

Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Foto: pittino & ortner architekturbüro

der Big verpflichtet“

Seit rund einem Monat amtiert der neue BIG-Geschäftsführer Hans-Peter Weiss.

Im Interview mit BIG Business spricht er über seine Motivation, Leidensfähigkeit

und die kommunikativen Herausforderungen.

■ Was hat Sie bewogen, den Job bei der BIG anzustreben?

Weiss: Die BiG ist für mich ein spannendes Unternehmen

mit einer herausfordernden aufgabenstellung im Spannungsfeld

zwischen Politik und Wirtschaft und ein wirklich

großer Player in der immobilienbranche. ein solches

Unternehmen mitgestalten zu dürfen ist schon eine reizvolle

aufgabe. Und die BiG hat eine unglaubliche Breite

und fülle an aufgaben. aufgrund der themenstellungen

in meiner früheren tätigkeit hatte ich auch mit vielen verschiedenen

institutionen zu tun und genieße es, sowohl

mit Kunden, der Politik als auch der Bevölkerung ständig

Kontakt zu haben – das liegt mir.

Andererseits: Diese Breite, also viele Positionen unter einen

Hut zu bekommen, ist nicht immer einfach. Anders gefragt:

Wie stark ist Ihre Leidensfähigkeit?

Weiss: Das ist keine frage der Leidensfähigkeit, sondern

eher der Leidenschaft, mit der man an eine aufgabe herangeht

und letztlich auch eine frage der Konsequenz. Natürlich

ist die Bewältigung eines breiten Spektrums oder

anders gesagt die erfüllung unterschiedlichster Wünsche

nicht einfach, aber es ist zugleich eine Herausforderung an

das Management. Man könnte es auch Kundenorientierung

nennen.

Der Eigentümer der BIG ist gleichzeitig Hauptmieter. Gelegentlich

vermischen sich diese Positionen. Wie sehen Sie

dieses Spannungsfeld?

Weiss: Das ist mit Sicherheit eine besondere Herausforderung.

es ist aber vor allem eine frage der Kommunikation.

Wir sind gefordert klarzumachen, dass die BiG eigentümer

ihrer immobilien ist und wir im interesse dieses Unternehmens

handeln müssen. Das bedeutet permanente, aktive

Kommunikation. aber ich glaube mit dem nötigen guten

Willen und der Begeisterung für die aufgabe lässt sich das

lösen.

Der BIG wird gelegentlich vorgeworfen, sie wäre zu teuer.

Daneben müssen aber Stollen, Kirchen & Co. mitgetragen

werden. Wie passt das zusammen?

Muss man das, was unter den einzelnen

Segmenten zusammengefasst

ist, noch stärker voneinander

trennen?

Weiss: Man muss die frage präzisieren.

Was heißt zu teuer? Womit vergleicht

man die BiG? Das ist wieder müssen.»

so ein fall von Kommunikations- Hans-Peter Weiss, BIG

und informationsbedarf. So wie ich

Nr. 9 | 2011 | www.big.at

« Wir sind gefordert klarzumachen,

dass die BIG Eigentümer ihrer

Immobilien ist und wir im Interesse

dieses Unternehmens handeln

iNTeRVieW

die BiG bisher kennengelernt

habe, wird hier sehr gute arbeit

geleistet. Die BiG ist in einem

speziellen Umfeld tätig,

in dem auch besondere immobilien

Platz haben. Und im

Gegensatz zu anderen immobilienunternehmen

hat sich

die BiG an besondere richtlinien

wie das Bundesvergabegesetz

zu halten. Wenn nach

diesen Überlegungen noch

immer übrig bleibt, dass wir

zu teuer sind, dann werden

wir das verbessern. auch dafür

bin ich angetreten.

Man sagt: „Der erste Eindruck

zählt.“ Was war Ihrer, nachdem

Sie die BIG das erste Mal

betreten haben?

Weiss: ich hatte sofort den

eindruck, dass eine positive

Stimmung in diesem Haus herrscht und dass alle, die in

diesem Unternehmen arbeiten, genau wissen, welche besonderen

aufgaben sie hier jeden tag erledigen dürfen. Die

BiG ist ein spannendes Unternehmen mit einer breiten

themenstellung – das spürt man sofort. aber man spürt

auch, dass sich die BiG selbst noch zu wenig als Unternehmen

versteht. an diesem Selbstverständnis werden

wir arbeiten.

Wie wichtig ist Ihnen familiäres Klima in einem Unternehmen?

Weiss: Mir ist ein offener, ehrlicher und persönlicher Umgang

sehr wichtig. Das ist die Basis für ein erfolgreiches

Unternehmen, weil es Sicherheit und letztlich auch Verbundenheit

zum Unternehmen vermittelt. Und nur wenn

diese beiden aspekte gegeben sind,

kann man nachhaltig erfolgreich

sein.

Sie sind privat Ehemann und Vater

von zwei Kindern. Wie wichtig ist

Ihnen Familie?

Weiss: Meine familie ist mir sehr

wichtig und gibt mir persönlich

Kraft.

Vielen Dank für das Interview!

BIG BusiNess

gF Weiss

Der neue BIG-

Geschäftsführer

Hans-Peter Weiss

will verstärkt

informieren und

kommunizieren.

5

Foto: Richard Tanzer


Zeitraffer

Fotos: Robert Frankl

Helle Klassen und

eine markante

Fassade für den

Gymnasium-Zubau.

Die mittlerweile

Ex-Justizministerin

Claudia Bandion-

Ortner bei der

Eröffnung des frisch

renovierten

BG Graz-Ost.

Bg KuFsTeiN | BeZiRKsgeRicHT gRAZ-OsT

Neue Flächen für gymnasium im innenhof

Anfang Juli fahren in Kufstein die Bagger auf. Der

Erweiterungsbau setzt architektonische Akzente.

Das mehr als 100 Jahre alte Bundesgymnasium Kufstein

wird ab Sommer 2011 saniert und erweitert. im Bestand

werden die elektroinstallationen, teile der Haustechnik

und der Brandschutz erneuert. Zusätzlich wird ein Neubau

mit insgesamt 15 neuen Klassen errichtet. Dazu kommen

neue Werkräume sowie ein Mehrzwecksaal und eine

Bibliothek. Die wichtigste Änderung am existierenden

Gebäude wird die Bereinigung des innenhofes sein, wo der

eingangsbereich rückgebaut und die ausleuchtung

deutlich verbessert wird. im erdgeschoß entsteht eine

naturwissenschaftliche etage. Die 21 bestehenden Klassenräume

bieten nach abschluss der arbeiten mehr Platz für

zeitgemäßes Lernen. Der Neubau wird modern, lichtdurchflutet

und steht im krassen Gegensatz zu den eher

traditionellen Bauten in der Umgebung.

insgesamt beträgt das investitionsvolumen rund zwölf

Millionen euro und die fertigstellung des Neubaus ist für

Sommer 2012 geplant. Die Sanierung des Bestandes soll ein

Jahr später abgeschlossen sein.

Altbau der Justiz erscheint in neuem glanz

Das Bezirksgericht in der steirischen

Landeshauptstadt wurde vom Keller bis ins Dach

runderneuert. Außen wurde nur „behübscht“.

■ Die Generalsanierung des Bezirksgerichts Graz-Ost wurde

nach rund eineinhalb Jahren im februar 2011 fertiggestellt.

Das Objekt präsentiert sich damit punktgenau zum

100. Geburtstag in neuer frische. Während die historische

Substanz von 1910, von kosmetischen eingriffen abgesehen,

nach außen hin unverändert blieb, wurde das innere

des von architekt anton Spinler gebauten Hauses komplett

umgekrempelt und auf den neuesten Stand der technik

gebracht. Barrierefreiheit und helle, freundliche Warteräume

sind deutliche Zeichen der Modernisierung. auch

Böden, fenster, türen, die gesamte elektro-installation inklusive

eDV sowie die Haustechnik sind jetzt auf dem neuesten

Stand. Vollste Zustimmung zum Projekt kommt auch

von der Grazer altstadterhaltungs-Kommission, deren

strenge auflagen genau eingehalten wurden. Das entstandene

Gebäude vereint damit den Charme des altbaus mit

der effizienten funktionalität des 21. Jahrhunderts.

insgesamt steht dem Bezirksgericht nun eine Nutzfläche

von rund 4.800 Quadratmetern zur Verfügung. Die Gesamtinvestitionen

für alle baulichen Maßnahmen belaufen sich

auf rund 6,5 Millionen euro, und die komplette Sanierung

wurde bei laufendem Gerichtsbetrieb abgewickelt.

Fotos: wiesflecker-architekten zt gmbh

Das im letzten Jahr fertiggestellte Neubauprojekt AHS Contiweg

ist beispielhaft für einen massiven Investitionsschub.

investitionsrekord

Das von der BIG abgewickelte Projektvolumen erreichte im Jahr 2010 völlig

neue Höhen. Ein Ende des Baubooms ist nicht in Sicht. Auch in den Jahren

2011 und 2012 bleiben die Investitionen voraussichtlich auf einem Niveau,

das deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre liegt.

im Jahr 2010 hat die Bundesimmobiliengesellschaft (BiG)

massiv investiert. insgesamt wurden 636 Millionen euro

(nach 522 Millionen euro 2009) für neue Bauvorhaben

(inklusive WU-Projektgesellschaft) oder instandhaltungsmaßnahmen

geleistet. Das ist so viel wie nie zuvor in der

über zehnjährigen Unternehmensgeschichte (seit eigentumserwerb

2000/2001).

So flossen 2010, ohne Campus WU, rund 372,4 Millionen

euro (2009: 291,3 Millionen) in Neubauten und Generalsanierungen.

48 Bauvorhaben wurden im laufenden Geschäftsjahr

2010 fertiggestellt. Prominente fertigstellungen

sind: Neubau Lehartrakt tU Wien, Neubau aHS Contiweg

Wien, Neubau Chemiegebäude tU Graz. Die instandhaltungsaufwendungen

zur Wertsicherung der Objekte

betrugen 222,7 Millionen euro (nach 210,7 Millionen euro

im Jahr 2009).

Gewinn gesunken

Bei einer Bilanzsumme von rund 4,6 Milliarden euro stiegen

die Umsatzerlöse der BiG leicht von 791,4 Millionen euro

im Jahr 2009 auf 792,3 Millionen euro im Jahr 2010. Mehr

als 85 Prozent des Umsatzes resultiert aus Mieteinnahmen

(653,4 Millionen euro). Hauptkunde der vermieteten flächen

ist der Bund oder bundesnahe institutionen. 2010

wurde gemäß UGB ein Jahresgewinn von rund 14,7 Millionen

euro (nach 47,7 Millionen euro im Jahr 2009) erwirtschaftet,

der zur Gänze im Unternehmen belassen wird.

6 BIG BusiNess Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

7

Investitionen

Big

Gründe für die Belastung des Jahresgewinnes waren gestiegene

aufwendungen für instandhaltungsmaßnahmen

und abwertungen von immobilien.

insgesamt wurden 2010 Liegenschaften um rund

40,3 Millionen euro verkauft. Daher fließen aus dem titel

der Nachbesserungsverpflichtung 20,6 Millionen euro an

das Bundesministerium für finanzen. Die Nettoverschuldung

betrug zum Stichtag 31. Dezember 2010 rund 3,316 Milliarden

euro.

im Jahr 2010 hat die international renommierte ratingagentur

Moody’s die höchste Bonitätsstufe (aaa) wieder

bestätigt.

700

600

500

400

300

200

100

in Mio. €

Instandhaltung

Neubau &

Generalsanierungen

Gesamt

2001

121 165 183

214 178 206

335 342 388

143

189

332

BiLANZ

Foto: Hertha Hurnaus

FAcTs & FiguRes (Zahlen nach ugB)

Big iN ösTeRReicH 2010

Bilanzsumme ca. 4,6 Mrd. Euro

Umsatz ca. 792 Mio. Euro

Gewinn 14,7 Mio. Euro

Eigenkapitalquote 13,97 Prozent

Projekt-Investitionen ca. 636 Mio. Euro

Mitarbeiter ø 813

Gebäude ca. 2.800

Gebäudefläche ca. 7 Mio. m 2

2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010

135

206

341

116 125 183 210 223

243 187 229 307 413

359 312 412 517 636


Zeitraffer

scHLOss WieseLBuRg

Herrschaftliche

Bildung

Das Schloss Weinzierl in Wieselburg

ist nach der Sanierung beispielhaft

für moderne Schulbauten in altem

Gewand und repräsentiert

gleichzeitig den Schlussstein eines

gewaltigen Bauvorhabens.

sieben seiner neun Jahre als Direktor des francisco

Josephinum in Wieselburg hat alois rosenberger auf

einer Baustelle verbracht. auch angesichts des mehr

als befriedigenden ergebnisses nimmt er die Zeit sportlich.

„Wir kommen aus der Landwirtschaft“, sagt er. „Wir sind

hart im Nehmen!“

Die renovierung des Schlosses war die letzte etappe und

ist jetzt erfolgreich abgeschlossen. Zuvor wurden Neubauten

wie das Lebensmitteltechnische Prüfzentrum, ein turnsaal

mit Photovoltaik-anlage, ein Biomasse-Kraftwerk und

das internat errichtet. Das ergebnis am Standort ist die perfekte

Mischung aus altbau-Charme und modernem funktionsbau

mit dem anspruch, alles, nur nicht fad zu sein. ein

besonderes Zuckerl für den Direktor gibt’s als trost: „ich bin

ziemlich stolz auf mein neues Büro“, sagt rosenberger.

„40 Quadratmeter, Stuck, der einzige raum im ganzen

Schloss mit Originalmöblierung und Originalboden. Noch

mehr persönliche Note geht nicht!“

„ein besonderes anliegen war mir die Gestaltung des

innenhofes. ich wollte, dass so viele Menschen wie möglich

in dieser aula Platz haben, da wir immer wieder Veranstaltungen

im Haus haben, bei denen wir an die Kapazitätsgrenze

stoßen. Daher wurde eine geplante Stiege vom festsaal

im ersten Stock nicht realisiert. auch eine geplante

Glaswand in diesem Bereich ist weggefallen“, so rosenberger.

im Bereich der Schularchitektur spielt das Josephinum

jetzt jedenfalls ganz vorne mit. Die Klassen sind in Neubauten

untergebracht – „aber auch im Schloss selbst, darauf

habe ich bestanden, damit es keine trennung zwischen

Schülern und Verwaltung gibt“ – und nach modernsten pädagogischen

Standards errichtet. alles ist auf teamwork

ausgerichtet, vom Hörsaal für 140 Personen bis zu untereinander

verbundenen räumen für kleine arbeitsgruppen. im

Schloss stehen voll ausgestattete Übungsfirmen zur Verfügung.

aber ist das jetzt eigentlich sicher für Schüler und

Lehrer? „aber natürlich“, lacht rosenberger. „allerdings ist

so ein altes Gemäuer nie ganz berechenbar. Das macht aber

auch den Charme aus und setzt es von modernen funktionsbauten

ab.“

Das Schloss Wieselburg wurde

vom Keller bis zum Dachziegel

generalsaniert. Der überdachte

Hof bietet Platz für diverse

Veranstaltungen. Zuvor wurde

die Schule bereits erweitert.

8 BIG BusiNess Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

9

Fotos: michael grühbaum

Foto: Harald A. Jahn

Foto: Harald A. Jahn

scHLOss

« Ich bin ziemlich stolz auf mein neues Büro

der einzige Raum im ganzen Schloss mit

Originalmöblierung und Originalboden.»

Alois Rosenberger, Direktor des Francisco Josephinum

WieseLBuRg

Die Kletterwand

ist nur eines von

vielen Highlights an

dem mittlerweile

runderneuerten

Bildungsstandort.


Zeitraffer

Der luxuriöse

Innenhof dient

nicht nur der

Erholung, sondern

auch Lernzwecken

in angenehmer

Umgebung.

10 BIG BusiNess

AHs dieFeNBAcHgAsseALZBuRg

Eines der großen Wiener Schulprojekte geht

im Juli an den Start: Baubeginn an der AHS

Diefenbachgasse im 15. Wiener Gemeindebezirk.

„grüne Klasse“

im innenhof

Bei dem Projekt erweiterung und Sanierung aHS Diefenbachgasse

werden nicht einfach nur Klassen und

Gänge im Bestand saniert, sondern auch in einem

Neubau viel Platz für einen fächerübergreifenden Unterricht

geschaffen. es wurde sorgfältig darauf geachtet, sämtliche

fachspezifische Unterrichtsgebiete zu Zentren zusammenzufassen.

Die Schüler werden durch eine Mischung

aus Lernzonen, On- und Offline-Lernräume und freiflächen

motiviert, sich auch außerhalb des regulären Unterrichts

Wissen anzueignen. Durch eine „Grüne Klasse“ im innenhof

wird der Unterricht auch ins freie verlegt. aufatmen

können aber nicht nur die Schüler, sondern auch die (urbane)

Natur: Der Neubau der aHS wird in Niedrigenergie-

Bauweise ausgeführt, was auch die städtebaulich günstige

Kompaktbauweise unterstützt.

Beinahe luxuriös wird die neue Schule für Direktor und

administration: Die Büros sind durch ihre Positionierung

im obersten Geschoß ruhig und überblicken das gesamte

areal. es steht auch eine terrasse zur Verfügung.

Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Fotos: Arch. di Thomas Wagensommerer

„schule plant schule“

In der „business academy donaustadt“ in der Wiener Polgarstraße

(22. Bezirk) werden die pädagogischen Konzepte von

morgen baulich umgesetzt.

mit dem Zubau kommt auch in die architektur der

BHaK/HaS frischer, innovativer Wind. Denn an

der Planung waren nicht nur architekten beteiligt,

auch Vertreter der Schule wurden aktiv eingebunden –

schließlich müssen sie das Gebäude ständig nutzen. Unter

dem Motto „Schule plant Schule“ wurde noch vor der

ausschreibung ein 70-seitiges Pflichtenheft für die architekten

entwickelt. Von der Schule selbst wurden etwa

900 Stunden in die ausarbeitung gesteckt.

Modulares Lernen

Durch diesen direkten input ist ein modulares Clustersystem

entstanden, das Lehrenden erlaubt, während einer

Unterrichtseinheit ohne weite Wege verschiedene räume

und ihre ressourcen zu nutzen. Was natürlich perfekt mit

dem Lehrkonzept von Schuldirektor Christian Posad harmoniert:

Denn der setzt auf modulares Lernen, statt wie

bisher üblich fixe Lehrpläne einfach abzuarbeiten. Das bedeutet

nicht nur sehr viele raumwechsel, sondern auch,

dass während des Unterrichts auf ressourcen von anderen

räumen zugegriffen werden muss. Das traditionelle Schul-

Layout mit aneinander gereihten Klassenzimmern ist dafür

denkbar ungeeignet. So entstand die idee einer wabenförmigen

anordnung rund um ein offenes atrium, das

gleichzeitig als Kommunikations- und Veranstaltungsplatz

dient. Schulchef Posad ist zufrieden: „frontalunterricht ist

out, es muss auch raum für selbstständiges, interdiszipli-

BusiNess AcAdemy

näres arbeiten und teamarbeit geben, um die jungen Leute

auf das Leben nach der Matura und Überleben in der

Wirtschaft vorzubereiten“, betont er.

für den architekten stellte sich eine völlig neue Herausforderung

im Schulbau. Guido Welzl von sglw architekten

musste sowohl die anforderungen der Schule als auch

Platzbeschränkungen und natürlich auch finanzielle anforderungen

unter einen Hut bringen. Gar nicht so einfach:

„Wir mussten natürlich Kompromisse eingehen“, sagt

Welzl. Diese konnten allerdings klein gehalten werden und

stören das neue Schulkonzept nicht.

Ruhezone

ein besonderes Highlight des Neubaus ist die einbeziehung

der außenflächen. Schulräume sind ja eigentlich nicht als

besonders naturnah bekannt, daher hat man sich für eine

bewusste Gegensteuerung entschieden: alle Klassen im

erdgeschoß haben ausgänge ins freie. Das im Übrigen dreigeteilt

wird, geht es nach der Schule. eine ruhezone soll für

entspannung sorgen, Lernzonen für genug Platz, sich im

team Wissen anzueignen, und eine Kreativzone mit Bühne,

um überschüssige energien produktiv abbauen zu können.

Der Neubau besteht aus einem vierstöckigen Gebäude

und wird insgesamt 8.200 Quadratmeter umfassen. Damit

sollte der Platzbedarf der beliebten Schule erst einmal gedeckt

sein: ab Sommer 2013 wird es Platz für rund 570 zusätzliche

Schülerinnen und Schüler geben.

dONAusTAdT

Durch Einbeziehen

von Schülern und

Lehrern soll nach

dem Bauvorhaben

ein hoher

Zufriedenheitsgrad

erreicht werden.

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

11

Foto: sglw architekten


Zeitraffer

12 BIG BusiNess

TOuRismusscHuLe dONAusTAdT | KiNdeRHAus Tu gRAZ LANdesgeRicHT sT. PöLTeN

mehr Platz für

Tourismusschüler

in der donaustadt

Fotos: Helmut Lunghammer

Barrierefreies Gebäude bietet mehr Platz und

Komfort für Schüler und Lehrpersonal.

■ im 22. Wiener Gemeindebezirk wurde der Neubau der

Hertha firnberg tourismusschule am gleichnamigen Platz

feierlich eröffnet. Das barrierefreie Gebäude bietet Platz für

31 Klassen und etwa 600 Schülerinnen und Schüler.

Nachdem der bestehende Standort in der Wassermanngasse

schon aus allen Nähten geplatzt war, kann mit dem

neuen Bauteil auch der lang geplante ausbildungszweig

CSM (Computer Science Management) in den Lehrplan

auf genommen werden. Um ein wenig vom harten Lernalltag

abzulenken, wird die Schule mit Leihgaben der arthotek

Wien auch ästhetisch aufgewertet – ein angebot, das

bei Schülern und Lehrern gleichermaßen gut ankommt!

Die technische

Universität auf den

Inffeldgründen in

Graz wächst

unaufhörlich.

Zukünftig wird auch

der Forscher-

Nachwuchs dort

Platz finden.

Begeistert von der auf moderne pädagogische Erkenntnisse

ausgerichteten Architektur: BIG-Geschäftsführer Wolfgang

Gleissner, Präsidentin des Stadtschulrates Susanne Brandsteidl,

Nationalratsabgeordnete Ruth Becher, Direktorin Marlies Ettl,

Unterrichtsministerin Claudia Schmied, Bildungsstadtrat Christian

Oxonitsch und Bezirksvorsteher Norbert Scheed.

ein Würfel

für die Kleinen

Gleichenfeier im Kinderhaus der TU Graz.

■ rasante fortschritte machen die Neubauten rund um

das neue Produktionstechnikzentrum der tU Graz. Das

würfelförmige Haus des Kindes, unigerecht „Nanoversity“

getauft, hat nach nur einem halben Jahr Bauzeit schon im

februar Dachgleiche erreicht. ab Herbst 2011 werden hier

insgesamt 120 Kinder von Mitarbeitern und Studenten im

alter von null bis zwölf Jahren spielend lernen. Herzstück

ist dabei das Marie-Curie-Zimmer, Labor und Werkstatt in

einem für alle altersstufen. Ganz besonders stolz ist die

Volkshilfe, der zukünftige Betreiber, auf den erlebnisspielpark

rund um das Gebäude. Der wurde nämlich von Pädagogen

gemeinsam mit Kindern entwickelt und bietet jede

Menge alters- und talentgerechter aktivitäten.

Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Fotos: Big

Raumwunder

Am 27. April wurde der neue Bauteil des

Landesgerichts St. Pölten feierlich eröffnet.

der spektakuläre Zubau bietet endlich ausreichend

Platz für Gericht und Staatsanwaltschaft sowie eine

neue Bibliothek. Neben der goldglänzenden fassade

fallen im inneren vor allem die wellenförmigen Gänge auf,

in deren Nischen Wartezonen eingerichtet sind. in den ansprachen

wurde vor allem auf die Wichtigkeit einer starken

Justiz für den Wirtschaftsstandort St. Pölten hingewiesen.

für Diskussionen und kreative Namensgebungen im Vorfeld

sorgte hingegen der Vorplatz zum neuen Gerichtsgebäude.

Der spiegelt nämlich mit verschieden hohen Säulen

die fassade wider und ist nicht nur für St. Pölten ein ungewöhnlicher

anblick. Doch inzwischen sind die Blumentöpfe

begrünt, die Sitzgelegenheiten werden gerne angenommen

und die Bevölkerung freut sich nach einer kurzen

eingewöhnungsphase über ein kleines architektonisches

Meisterwerk in der Stadt.

Viele St. Pöltener

hätten auf dem

nunmehr architektonisch

gestalteten

Platz lieber geparkt.

Der Raum für Kraftfahrzeuge

befindet

sich versteckt darunter,

ist aber nur für

die Justiz reserviert.

Transparente

Flächen sind das

Markenzeichen des

Zubaus.

Landtagsabgeordnete

Heidemaria Onodi, Bgm.

Matthias Stadler, Bischof

Klaus Küng, Pfarrer

Daniel Vögele, Landesgerichtspräsident

Franz

Cutka, Präsident des

Oberlandesgerichts Wien

Anton Sumerauer, Landtagsabgeordneter

Martin

Michalitsch und BIG-

Geschäftsführer

Wolfgang Gleissner.

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

13

Fotos: Thomas Ott

Foto: Big


Thema

Foto: seidl thoma Kummer

BAuKOsteN

Babylonische

Verwirrung

Mediale Diskussionen zu diversen Bauskandalen inklusive Kostenexplosionen

geben selten einblick in die dahinter liegende Problematik. Denn zu einem großen

Bauprojekt gibt es viele unterschiedliche Zahlen. Jede davon kann richtig sein.

Ohne genaue Definition sind aber alle Angaben bloße „Hausnummern“.

Mit Zahlen lässt sich trefflich streiten. Und es

gibt kaum einen Bereich, wo dieser Sinnspruch

so zutrifft wie in der Bauwirtschaft, vor allem

in der öffentlichen. Kostenangaben hängen

vom Standpunkt ab. auf der politischen Bühne sind die

Wortwahl und die Zahlen tendenziell andere als zwischen

auftraggebern, Banken und Baufirmen und – bei Vertragserstellung

oder im Streitfall – den Juristen.

„Beliebte Begriffe sind da Investitionsvolumen oder Bausumme“,

sagt alexandra Petermann, Leiterin der abteilung

Projektcontrolling in der Bundesimmobiliengesellschaft

(BIG), „darunter kann man sich alles mögliche vorstellen,

mit oder ohne Finanzierungskosten, mit oder ohne mehrwertsteuer,

da sollte man doch genauer nachfragen.“

Dabei steht jeder Politiker, der ein Projekt zu vertreten

hat, vor einem Dilemma: Soll er sich den Bürgern als Wohltäter

präsentieren und mit der Faszination der großen Zahl

eindruck machen, oder als sparsamer Verwalter von Steuergeld?

muss ein Projekt etwa vom Gemeinderat genehmigt

werden, werden die Kosten gern kleingeredet. Ist die Genehmigung

über die Bühne, werden spätere Korrekturen

nach oben meist zähneknirschend akzeptiert.

Unvollständige angaben sind oft in der Trickkiste zu finden.

Bei Tunnelprojekten werden gern die Zulaufstrecken

verschwiegen. Oder – nicht nur bei Tunnels – die Finanzierungskosten,

wenn Kredite aufgenommen werden und

diese die Budgets auf Jahrzehnte hinaus belasten. Sind bei

einem öffentlichen Schwimmbad etwa die Grundstückskosten

dabei oder nicht? Die Parkplätze, die Bäume oder

nur das Schwimmbecken?

Festgelegt

Dabei gibt es eindeutiges Regelwerk für Bauleistungen,

nämlich die Önorm. „Nahezu jedes Detail steht in der

Önorm B 1801“, stellt alexandra Petermann fest, „man

müsste sich nur daran halten.“ Da wird genau unterschieden

zwischen Bauwerkskosten (Rohbau, Technik und ausbau),

Baukosten (aufschließung, Rohbau, Technik und ausbau

sowie einrichtung und außenanlagen), errichtungskosten,

bei denen honorare zum Beispiel für architekten und Statiker,

Nebenkosten z. B. für Baustellenbewachung oder Spatenstichfeier

sowie Reserven für böse Überraschungen bei

der Grundbeschaffenheit dazukommen, und schließlich

die Gesamtkosten, bei denen zu den bisherigen Positionen ›

Fotos: BiG

Der Neubau des Zentrums für

Molekulare Biowissenschaften in

Graz wurde quasi „auf der grünen

Wiese“ errichtet. Während der

verschiedenen Projektabschnitte

differieren auch die Kosten zum Teil

erheblich. Alleine vom Ende des

Architekturwettbewerbs bis zur

Einreichplanung beträgt die

Schwankungsbreite bis zu 30

Prozent.

14 BIG BusiNess Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

15

0

1

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8

9

Grund

Aufschließung

Bauwerk-Rohbau

Bauwerk-technik

Bauwerk-Ausbau

einrichtung

Außenanlagen

Honorare

Nebenkosten

Reserven

Foto: BiG

Fotos: Heinz Redl

Bauwerkskosten

Baukosten

Errichtungskosten


BAuKOsteN

Aufschlüsselung der Kosten-

Zusammensetzung eines Projektes.

Gesamtkosten


Foto: BiG

Thema

BAuKOsteN

«Sobald der erste Bagger aufgefahren

ist, sind die Kosten nur mehr schwer

zu beeinflussen.»

Alexandra Petermann, BIG

die Kosten für den Baugrund

dazugerechnet werden.

auf elf Seiten sind die Bauleistungen

und Kostenpositionen

detailliert angeführt,

bis hin zum mobilklo auf der

Baustelle (siehe Tabelle).

Trotzdem ist die Önorm

keine Garantie. Denn jedes

Projekt hat ein eigenleben.

michael Steibl, Geschäftsführer

der Vereinigung Industrieller

Bauunternehmen Österreichs

(VIBÖ), vergleicht: „Jedes

Bauprojekt ist wie ein

Prototyp im autobau. Das ist

– im Gegensatz zur Serienfertigung – ein einzelstück, da

fallen auch unvorhergesehene Kosten an, wenn das Fahrzeug

nicht so wird, wie es sich die Konstrukteure vorstellen.“

Und auf den Bau übertragen: „auch beim Fertigteilhaus

gibt es einen Fixpreis erst ab dem Keller, denn die

Grundbeschaffenheit kann Überraschungen bringen.“

Um dennoch die Gesamtkosten eines Projektes im

Vorhin ein möglichst genau zu bestimmen, verfolgt die BIG

einen festen Stufenplan: Projektidee, Studie, Planersuche,

Vorentwurf, entwurf, ausschreibung und Bauverträge,

dann Baubeginn. allerdings stehen gerade während dieses

Prozesses viele unterschiedliche Zahlen im Raum. Und was

vor drei monaten gegolten hat, kann schon längst überholt

sein. Denn alleine zwischen ergebnis des architekturwettbewerbs

und Baubeginn dürfen die Kosten „ganz legal“ um

rund 30 Prozent differieren.

allgemein gilt: Jede dieser Stufen bringt ein Stück mehr

Kenntnis über die Kosten. Gleichzeitig können die Kosten

aber mit zunehmendem Planungsfortschritt immer weniger

beeinflusst werden. mit anderen Worten: Je früher der

Bauherr die Kostenbremse zieht, indem er zum Beispiel das

Projekt verkleinert, desto wirksamer ist sie.

Je gründlicher geplant wird, je detaillierter die ausschreibung

und die Verträge, umso besser kann der Bauherr die

Baukosten kontrollieren. „Sobald der erste Bagger aufgefahren

ist, sind die Kosten nur mehr schwer zu beeinflus­

sen“, betont Petermann. „Die BIG befasst sich daher besonders

intensiv mit der Frühphase eines Projektes“, erklärt sie,

„die Phase vor Baubeginn dauert bei uns mindestens zwei

Jahre und damit länger als der Bau selbst.“

Pläne und Vorbereitungsarbeiten kosten aber viel Geld.

Zum Beispiel: Wie viele Probebohrungen braucht man, um

die Beschaffenheit des Baugrundes festzustellen? Vom ergebnis

hängt es ab, wie teuer das Fundament dann wird.

„Daher ist es zweckmäßig, Planung und Bauvorbereitung

von der Bauausführung zu trennen“, meint VIBÖ­

Geschäftsführer michael Steibl. „Ich brauche für das eine

architekten und Zivilingenieure, und für das andere die

Baufirma.“

auch lange Bauzeiten treiben die Kosten, nicht nur wegen

der Dauer der Bauarbeiten, sondern auch wegen neuer

technischer Standards, die nachträglich in das Projekt aufgenommen

werden, ob von Behörden verlangt oder vom

Bauherrn gewünscht.

Aktueller Stand

„Besonders sensibel sind öffentliche Projekte mit hohen Sicherheitserfordernissen,

wo es um Brandschutz und Fluchtwege

geht“, sagt Baumeister Walter ester, gerichtlich beeideter

und zertifizierter Sachverständiger für Bauwesen, mit

erfahrung bei der abwicklung von Großprojekten. „Die

Technik ändert sich, und bei öffentlichen Bauten ist der je­ ›

Foto: Fotolia

16 BIG BusiNess Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

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Fotos: Paul Ott

BAuKOsteN

KARl-FRANZeNs-uNi GRAZ

Zentrum für Molekulare

Biowissenschaften

Baubeginn: Juli 2005

Fertigstellung: Dezember 2006

Nutzfläche: 11.350 Quadratmeter

Errichtungskosten netto: 35,29 Mio. Euro


18

Thema

BAuKOsteN

Dass die veranschlagten Kosten für den

überwiegenden Teil der Bauvorhaben

eingehalten werden, beweist die BIG

immer wieder aufs Neue.

weils aktuelle technische Standard gefragt, eine irgendwann

erteilte Bewilligung ist dann überholt.“ Baumeister

ester macht auf ein weiteres merkmal von Großprojekten

aufmerksam: „Funktion und bauliche Gestaltung von

großen Bauwerken sind oft nicht von der Önorm erfasst. In

solchen Fällen ist die Önorm dann die Grundlage für neue,

gesondert auf das Projekt abzustimmende Standards

zwischen Bauherrn, Baufirma und Behörden.“

VIBÖ­Geschäftsführer michael Steibl betont, solche Leistungsänderungen

seien eine Besonderheit der Bauwirtschaft

und oft Bestandteile von Bauverträgen. Und er

nimmt einen weiteren Vergleich zu hilfe: „ein Schneider

kann darauf bestehen, einen braunen anzug zu liefern,

wenn ihn der Kunde so bestellt hat. er ist nicht verpflichtet,

den auftrag nachträglich auf einen blauen anzug zu ändern,

das ist im aBGB geregelt. anders in der Bauwirtschaft:

In der Önorm 2110, in den allgemeinen Vertragsbestimmungen

für Bauleistungen, gibt es ein auftragsänderungsrecht

des auftraggebers.“ Das aber muss der auftraggeber

auch bezahlen. Bei der BIG ist es ähnlich. Vielfach

sind solche Änderungsevidenzen vertraglich abgesichert.

„Wenn ein auftraggeber realisierbare Wünsche hat, die

von der Planung abweichen, erfüllen wir sie ihm als Dienstleister

selbstverständlich. allerdings sollte die höhere abrechnung

dann auch keine Überraschung mehr sein“, sagt

Günther Sokol, Leiter der abteilung Planen und Bauen der

BIG, und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Gelegentlich sind

die Konsequenzen der eigenen Bestellungen aber doch

nicht ganz so klar und wir blicken in lange Gesichter.“

auch unklare Verantwortungsbereiche treiben die Kosten

ebenfalls, betont Steibl: „Wenn ich als Bauherr selbst

einen Dachdecker und einen Spengler beauftrage und es

regnet dann herein, wer ist verantwortlich? Der eine deu­

BIG BusiNess

tet auf den anderen, und als Bauherr bleibe ich dann übrig.“

ein Generalunternehmer als Gegenüber schafft dem

Bauherrn Klarheit. Trotz alledem kann es zwischen den

Partnern am Bau zum Streit kommen. VIBÖ­Geschäftsführer

Steibl räumt ein: „Bei der ausschreibung steht die

Baufirma im Wettbewerb mit anderen anbietern, mehrkosten

werden oft erst auf den Tisch gelegt, wenn der

Zuschlag schon erteilt ist.“ BIG­Projektcontrollerin Petermann

sagt: „Die Baufirmen suchen da besonders gern nach

angeb lichen oder wirklichen mängeln in der Planung und

in der ausschreibung.“ Der Fachausdruck dafür: Claim

management.

„Die Letztverantwortung gegenüber den ausführenden

Firmen hat der Bauherr. er ist dafür verantwortlich, dass

die ausführungsunterlagen termingemäß bereitgestellt

werden, auch wenn eine Planungsfirma nicht rechtzeitig

Nr. 9 | 2011 | www.big.at

liefert“, so Gerichtssachverständiger Walter ester. Und zur

Frage des Delegierens: „Jede machtstellung in einem Projekt

bedeutet auch Verantwortung. Gibt der Bauherr Verantwortung

an einen Totalunternehmer ab, hat er auch

keine einflussmöglichkeit mehr.“

Punktlandung

Dass die veranschlagten Kosten für den überwiegenden

Teil der Bauvorhaben eingehalten werden, beweist die BIG

immer wieder aufs Neue. auch sensible Projekte wie die

Sanierung des Palais epstein in Wien gehören dazu. Die architekten

Georg Töpfer und alexander van der Donk, die

akademie der bildenden Künste, das Bundesdenkmalamt

und die BIG haben an dem Vorhaben zusammengewirkt.

Dabei ging es nicht nur um die Restaurierung, betonen die

architekten: „Die Schwierigkeit bestand darin, einen völlig

Das Palais Epstein, Dependance des Parlaments, wurde in den

Jahren 2004 bis 2005 saniert. Der ursprünglich veranschlagte

Kostenrahmen wurde exakt eingehalten.

neuen Bauteil in den wertvollen Bestand behutsam einzufügen.“

Bange momente haben sie auch erlebt: „Immerhin

mussten Wanddurchbrüche für die haustechnik vorgenommen,

Parkettböden abgetragen und Türen durchgebrochen

werden. Da gab es momente, in denen wir dachten,

wir würden dieses haus nie wieder hinbekommen.“

Letztendlich war es doch eine finanzielle Punktlandung

nach nur 19 monaten Bauzeit. 19.674.000 euro errichtungskosten

netto inklusive honorare und Nebenkosten lautete

die Berechnung zum entwurf. 19.753.000 euro errichtungskosten

netto inklusive honorare und Nebenkosten wurden

abgerechnet. Die Kosten seien nicht nur laufend verfolgt,

sondern auch gesteuert worden, so Projektleiter Karl

Lehner. Immer wieder seien die einzelnen Gewerke, also

ausschreibungen für gesonderte arbeitsschritte, an den

veranschlagten Kostenrahmen angepasst worden. Wenn

etwa die Restaurierung eines Saales teurer ausfiel als geplant,

wurden anderswo billigere Fliesen verwendet.

Zuvor in der allerersten Projektphase, noch vor dem architektenwettbewerb,

waren noch die künstlerischen und

denkmalpflegerischen Grundlagen für die Restaurierung

zu schaffen. Dafür sorgten das Institut für Restaurierung

und Konservierung der akademie der bildenden Künste

gemeinsam mit dem Denkmalamt. „mit dem Skalpell haben

die Studentinnen und Studenten die Wände, Fenster,

Türen, Böden und sonstige Oberflächen untersucht, und

das Denkmalamt hat regelrechte Tabuzonen für künftige

bauliche eingriffe festgelegt“, berichtet Lehner. So konnten

viele möglicherweise teure Überraschungen vermieden

werden. Zufrieden waren schließlich alle: Die akademie

der bildenden Künste, das Denkmalamt, die BIG und – für

den Benutzer des restaurierten Palais epstein – das Präsidium

des Nationalrates. ‹

BAuKOsteN

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

19

Fotos: Helga loidold


Thema

BaRRieReFReiheiT

„Ohne Kompromisse

geht es nicht“

„Barrierefreiheit“. Das oft strapazierte und seit 2006 gesetzlich

verankerte Zauberwort verspricht Menschen mit Behinderungen

spätestens bis zum Jahr 2019 uneingeschränkte Teilhabe am

sozialen Leben und Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum.

Bis dahin gibt’s aber noch einiges zu tun – auch für die BiG.

Foto: Fotolia

S

chwere eingangstüren, die nur mit im Fitnesscenter

gestählter armmuskulatur oder der tatkräftigen

Unterstützung eines hilfsbereiten

adonis zu öffnen sind. enge Stiegenaufgänge,

die den Transport eines Kinderwagens in Schwerarbeit verwandeln.

Paternoster, die nicht nur für menschen mit Krücken

eine spitzensportliche herausforderung darstellen.

Türglocken und Gegensprechanlagen, die für kleinwüchsige

menschen, Kinder und Rollstuhlfahrer so unerreichbar

sind wie der Gipfel des mount everest für hobbysportler.

Die Liste baulicher Barrieren, die es abzubauen gilt, ist

lang. Was jungen, gesunden menschen oft gar nicht auffällt,

stellt für mütter mit Kleinkindern, ältere, gebrechliche

Personen und menschen mit Bewegungs- oder Sinnesbeeinträchtigungen

ein oft unüberwindbares hindernis dar.

Bis spätestens 2019 müssen alle öffentlichen Gebäude des

Landes barrierefrei – das bedeutet für alle menschen ohne

fremde hilfe zugänglich und nutzbar – sein. Die Übergangsfrist,

die das 2006 in Kraft getretene Bundesbehindertengleichstellungsgesetz

für die adaptierung öffentlicher

Gebäude, die vor 2006 errichtet wurden, eingeräumt

hat, läuft dann endgültig aus.

Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) ist als einer der

größten haus- und Grundstückbesitzer des Landes stark

gefordert, ihre 2.800 Objekte, von denen rund 95 Prozent

öffentlich zugänglich sind, barrierefrei zu machen. Dabei

20 BIG BusiNess Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

21

Fotos: hannes Kohlmeier

BaRRieRe

ist allerdings der Kooperationswille aller Beteiligten gefragt.

Denn das Behindertengleichstellungsgesetz richtet

sich nicht vorrangig an die Vermieter und ist vor allem

auch nicht im Detail formuliert. auch der Begriff „Ge

bäude“ existiert nicht, sondern es solle „… im Bereich der

hoheitlichen Vollziehung und der Privatwirtschaftverwaltung

des Bundes ein Diskriminierungsverbot normiert

werden …“, wie es im Gesetzestext heißt. es darf interpretiert

werden. Sinngemäß lautet die Vorgabe des Gesetzgebers

also: „alle Informationen oder Leistungen müssen

ohne fremde hilfe erreichbar sein.“ Bauliche Veränderungen

sind nicht explizit erwähnt.

„So schnell wie möglich“

„Nichtsdestotrotz sieht die BIG es als ethische Pflicht, ihren

Beitrag zur erreichung der gesetzlichen Vorgaben zu leisten.

Das selbst definierte Ziel lautet – unabhängig von den

verlängerten Übergangsregelungen –, den barrierefreien

Zugang für alle im BIG-eigentum stehenden häuser so

schnell wie möglich herzustellen. Derzeit sind rund ein

Drittel der Objekte barrierefrei erreichbar. Insgesamt werden

diese maßnahmen im Bestand rund 20 millionen euro

kosten“, sagt BIG-Geschäftsführer Wolfgang Gleissner.

Für die mit der Umsetzung betrauten BIG-mitarbeiter

eine aufgabenstellung, die „schon ein bisserl schwierig ist“,

wie hausverwalter und BIG-Spezialist für Barrierefreiheit ›

Foto: Richard Tanzer

FReiheiT

Viele scheinbar

belanglosen

Kleinigkeiten

können den

Aktionsradius

beschränken. So

erschweren nicht

nur zu hoch

aufgehängte

„Einwurfkästen“,

sondern auch

bauliche Barrieren

den Alltag von

Menschen mit

Behinderungen.


Thema

BaRRieReFReiheiT

alfred Lazarus vorsichtig ausdrückt.

Dabei bereiten ihm die Neu- und Zubauten

noch am wenigsten Bauchweh,

„weil da können alle nötigen

barrierefreien Bau- und Gestaltungselemente,

die klar in Önormen

deklariert sind, von anfang an mitgedacht

und eingeplant werden“.

aufwendiger, komplizierter und

kostenintensiver wird es allerdings

bei nachträglichen Umbauten und

der adaptierung des alten Gebäudebestands.

„mit der errichtung von

Rollstuhlrampen beim eingang ist es

in den meisten Fällen nicht getan“,

erklärt Lazarus. Oft sind Türen und

Gänge zu eng, um sich mit einem

Rollstuhl mühelos bewegen oder gar

wenden zu können, die bestehenden

WCs zu winzig, um sie behindertengerecht

auszubauen. „Schnell ein

paar mauern einreißen, um Platz zu

schaffen, geht nicht so einfach, weil

oft nicht nur Leitungen in den

Wänden verborgen, sondern auch

Brand- und Denkmalschutz zu berücksichtigen

sind.“

Kompromisse

Zudem darf man beim Wort Barrierefreiheit

nicht nur an Benützer von

Rollstühlen und Kinderwägen denken.

„auch die Bedürfnisse von menschen

mit Sinnesbeeinträchtigungen

müssen berücksichtigt werden

und die lassen sich oft nur schwer

miteinander vereinbaren“, sagt Lazarus

und veranschaulicht dies an

folgendem Beispiel: Schwellen oder

Gehsteigkanten müssen so stark ab-

Bei Sanierungen oder Neubauten sind

sämtliche Standards erfüllt. Im Bestand

müssen diverse Maßnahmen sukzessive

nachgezogen werden.

geschrägt werden, dass man mit einem Rollstuhl oder Kinderwagen

ohne erschütterung drüberrollen kann. Gut für

Rollstuhlfahrer, schlecht für menschen mit Sehbeeinträchtigungen.

Denn die markanten Niveauunterschiede, die

sehschwache menschen zur Orientierung mit dem Blindenstock

benötigen, fehlen dann.

„Ohne Kompromisse geht es nicht“ – so das Resümee der

BIG-Projektleiter. Sie können mittlerweile ein Lied davon

singen, wie schwierig es oft ist, die auflagen der unterschiedlichen

Behörden unter ein Dach zu bringen. ein Beispiel:

In den meisten älteren Gebäuden führen vom eingang

Stufen hinauf ins erdgeschoß. Rampen sind hier unmöglich.

Der Neigungswinkel wäre zu groß, die Rampe somit

zu steil. einziger ausweg: ein Treppenlift. „Geht nicht“,

sagt die Feuerwehr. Der Treppenlift verenge den Fluchtweg

zu stark, die im Brandschutzgesetz vorgeschriebene Durchgangsbreite

könne nicht mehr erreicht werden.

Foto: Fotolia Foto: BiG Foto: BiG

Dies obwohl in den Bauvorschriften

der einbau unter gewissen Bedingungen

erlaubt ist. Was tut ein

BIG-Projektleiter in diesem Fall? „alternativen

überlegen, verhandeln,

hoffen, dass einer der Behördenvertreter

sich überreden lässt, auf einige

wenige Zentimeter zu verzichten

und ein auge zudrückt.“

erfahrungsgemäß ergeben sich

auch Interessenkonflikte durch den

einbau von Brandschutztüren, die

selbstständig schließen und dabei

eine bestimmte mindestkraft erreichen

müssen, um möglichst dicht

abzuschließen. Diese Türmechanismen

müssen deshalb sensibel eingestellt

werden. Nicht zu leichtgängig,

da sonst nach kurzer Zeit der

Druck zu schwach wird, aber auch

nicht zu stark, weil sich die Türen

nur mit mühe öffnen lassen und für

ältere, schwächere menschen oder

Kinder somit nicht mehr nutzbar

sind.

Für frühzeitige ergrauung von

BIG-Objektmanagern sorgen mitunter

auch Denkmalschützer, die die

Bedürfnisse älterer oder gebrechlicher

menschen gnadenlos dem

erhalt des historischen Baustils hintanstellen

oder so wie im folgenden

Fall auch Sicherheitsbestimmungen

ignorieren. Bei der akademie der

bildenden Künste am Schillerplatz

wird gerade darüber gestritten, ob

am festlichen, breiten Stiegenaufgang

zum haupteingang vier handläufe

errichtet werden müssen, können,

sollen, dürfen – oder nicht. Das

Denkmalamt sagt: „Nein, das sieht ja dann aus wie der eingang

zu einem Fußballstadion.“ Die Sicherheitsbestimmungen

im Veranstaltungsstättengesetz schreiben jedoch

in einer entfernung von vier metern handläufe vor. Und in

puncto Barrierefreiheit sind Stiegenaufgänge ohne ausreichende

handläufe und absturz sicherungen per se tabu.

Wer sich bei diesem Streit durchsetzen wird, hänge vom

Verhandlungsgeschick und der Überredungskunst der beteiligten

Behördenvertreter ab, so die erfahrung der BIGexperten.

Eine Frage der Organisation

„Nichts ist unlösbar, alles ist machbar.“ Die Leiterin des

BIG-Objektmanagements, Silvia Gepp, bleibt trotz aller

Schwierigkeiten und Streitfragen, die es auch in Zukunft

noch zu lösen gilt, optimistisch. „Unsere Devise ist es, möglichst

lösungsorientiert und bedarfsgerecht zu arbeiten

und nicht bloß die starren Richtlinien und Normen im Kopf

zu haben“, beschreibt Gepp die weitere Vorgangsweise. „In

vielen Fällen ist es gar nicht notwendig, Barrierefreiheit

baulich umzusetzen. Barrierefreiheit kann auch organisiert

werden, indem beispielsweise im erdgeschoß Informationsschalter

eingerichtet werden, die barrierefrei erreichbar

sind und wo der Kundenverkehr abgewickelt werden kann.

hier muss auch nicht in jedem Stockwerk ein Behinderten-

WC installiert werden, es reicht dann eines im Bereich des

Info-Schalters.“

anders die Situation, wenn mobilitätseingeschränkte

angestellte im Gebäude tätig sind. Für behinderte mitarbeiter

muss die Barrierefreiheit vom hauseingang bis zum

arbeitsplatz gewährleistet sein. In diesem Fall gilt das

Behinderteneinstellungsgesetz.

Barrierefreiheit für alle

Der abbau von Barrieren komme ja nicht nur Rollstuhlfahrern

oder sehbehinderten menschen zugute, er bringe erleichterung

für alle. Lazarus verweist dabei auf die demografische

entwicklung, die für die Zukunft eine stark überalterte

Bevölkerungsstruktur prognostiziert. menschen mit

Gehhilfen werden dann tagtäglich das Straßenbild prägen.

mit zunehmendem alter lässt mitunter auch die hör- und

Sehkraft nach. „Darum ist es wichtig, bei der herstellung

der Barrierefreiheit nicht nur an Rollstuhlfahrer zu denken,

sondern möglichst viele Formen von Beeinträchtigungen

zu berücksichtigen. Nur so können andere Diskriminierungen

vermieden werden“, betont Katharina Kohlmaier, Leiterin

der BIG-Rechtsabteilung. Denn es sei ebenfalls diskriminierend,

wenn zwar Barrieren für Rollstuhlfahrer beseitigt,

für sehbehinderte menschen aber aus Kostenspargründen

keine maßnahmen gesetzt werden. aus diesem

Grund handelt die BIG in der Praxis nach folgendem Prinzip:

„Nur wenn die Umsetzung eines gesamten Konzeptes

22 BIG BusiNess Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

23


Die Aula der Technischen

Universität Wien wurde vor

Kurzem saniert – Leitlinien für

Sehbeeinträchtigte inklusive.

BaRRieRe

Im Wiener Justizpalast müssen

Rollstuhlfahrer nicht die Rampe

bewältigen, sondern können

über einen Seiteneingang ins

Gebäude.

Schwellen oder Gehsteigkanten müssen so

stark abgeschrägt werden, dass man mit

einem Rollstuhl oder Kinderwagen ohne

Erschütterung drüberrollen kann.

Gut für Rollstuhlfahrer, schlecht für

Menschen mit Sehbeeinträchtigungen.

FReiheiT

Fotos: Richard Tanzer


24

Thema

BaRRieReFReiheiT

Barrierefreiheit mit augenmaß

■ Beim Bauen geht es immer auch um

Geld. Wenn Sie auftauchen, wird’s für

den Bauherrn zumindest einmal nicht

billiger. Werden Sie gelegentlich mit

Reaktionen konfrontiert wie: Was will

der denn schon wieder? Wir machen eh

schon alles!

Wassermann: Die Kosten für Barrierefreiheit

sind bei richtiger Planung minimal

– auch bei Sanierungen. Teuer wird

es nur, wenn Fehler passieren. Werden

am anfang die Betroffenen miteinbezogen,

gibt es sicher immer überzogene

Forderungen. Dann muss man sich zusammensetzen

und besprechen: Was ist

notwendig, was ist realisierbar, was ist

finanzierbar? Der Konsens ist wichtig.

Denn das Behindertengleichstellungsgesetz

sagt auch ganz klar: es muss in einem

wirtschaftlichen Kontext stehen und es darf die Leistungsfähigkeit

der Organisation nicht beeinträchtigen. Ich

kann nicht von einem kleinen Greißler erwarten, dass er

um 100.000 euro sein Geschäft barrierefrei macht.

Die Harmonie ist aber eher utopisch. So gibt es viele Arten

von Beeinträchtigungen. Daraus resultieren unterschiedliche

Anforderungen, die einander sogar widersprechen.

Zusätzlich gibt es scheinbar keinen einheitlichen Verband,

der gleichzeitig alle Menschen mit Beeinträchtigung vertritt.

Sind da nicht auch die Grenzen eines Bauherrn schnell

erreicht?

Wassermann: es gibt einen Verband, der alle gemeinschaftlich

vertritt: die Österreichische arbeitsgemeinschaft

für Rehabilitation. Das ist der Dachverband für alle

Behindertenorganisationen,

der auch maßgeblich

an Themen wie dem Behindertengleichstellungsge-

setz mitgearbeitet hat. Ziel

ist, mindeststandards und

damit ein größtmögliches

maß an Barrierefreiheit zu

schaffen. es stimmt: In

Teilbereichen kann es bei

schlechter ausführung Probleme

geben. So kann ein

BIG BusiNess

Mark Wassermann, Behindertenbeauftragter der universität Klagenfurt,

über die Kosten des barrierefreien Bauens, die schwächen des

Behindertengleichstellungsgesetzes und über das nicht immer

glückliche Zusammenwirken öffentlicher institutionen.

« Das Behindertengleichstellungsgesetz

muss in einem wirtschaftlichen Kontext

stehen und es darf die Leistungsfähigkeit der

Organisation nicht beeinträchtigen.»

Mark Wassermann, Behindertenbeauftragter der Universität Klagenfurt

Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte

für gehbehinderte Personen natürlich

zum hindernis werden. aber auch da

gibt es möglichkeiten, wie man das umgehen

kann.

Sind Sie prinzipiell mit dem Behindertengleichstellungsgesetz

und auch dessen

Umsetzung zufrieden?

Wassermann: Prinzipiell geht es von der

Grundidee in die richtige Richtung. aber

in Teilen ist es einfach zu schwammig

formuliert. ein Beispiel: Wenn ich nicht

in ein Gebäude hineinkomme, kann ich

sagen: mir wird diese Leistung nicht angeboten.

Daraus resultiert ein persönlicher

Schaden. Den kann ich einklagen.

aber ich kann im Zuge dieses Verfahrens

nicht erreichen, dass die Behinderung,

die Barriere – menschen mit Behinderungen

werden meist behindert und erst dadurch entsteht

ihre Behinderung – beseitigt wird. Das kann ich rechtlich

nicht einfordern. Ich kann zwar am nächsten Tag wieder

sagen, diese Barriere behindert mich und wieder Schadenersatz

einklagen, aber das ist ein endloses Spiel. Da ist der

große Schwachpunkt.

Wie sind Sie – ich denke jetzt an das Bezirksgericht Klagenfurt

– mit dem Zusammenspiel mehrerer öffentlicher

Institutionen zufrieden?

Wassermann: Da hapert es sicher ganz extrem. Viele Köche

verderben den Brei. es ist sehr mühsam, wenn zuerst geklärt

werden muss, wer überhaupt zuständig ist. Beispiel

Leitsystem. Die BIG hat ein relativ gutes Leitsystem vom

eingang des Gerichtsgebäudes Richtung Gehsteig gelegt.

Dann hat die Stadt oder das

Land oder wer auch immer

so ein mini-Leitsystem

daraus gemacht. Darüber

Foto: hannes Kohlmeier

hinaus ist noch das aufmerksamkeitsfeld

bei der

haltestelle völlig falsch

ausgeführt. es ist schwierig

mit der Bürokratie. aber

das Thema gibt es ja nicht

nur beim barrierefreien

Bauen. ‹

Nr. 9 | 2011 | www.big.at

« Barrierefreies Bauen ist noch immer nicht

verpflichtend in die Architekturausbildung

integriert.»

Monika Klenovec, TU Wien

erfolgt, bei dem sowohl mieter/Nutzer als auch die BIG

ihren Beitrag leisten, ist diese sinnvoll. Die barrierefreie

adaptierung soll ja möglichst umfangreich und nicht nur

eine Pseudo-maßnahme sein“, versichert Lazarus. „Ich stehe

auch regelmäßig den mietern als Berater zur Verfügung.

Wir machen gemeinsame Sanierungs- und Umbaukonzepte

und erstellen etappenpläne.“ Je nach Dringlichkeit und

Zumutbarkeit müssen die Umbaumaßnahmen bis spätestens

2016 umgesetzt werden.

Ermessenssache

Der aufwand, bestehende Gebäude barrierefrei zu gestalten,

ist von Fall zu Fall verschieden. So wird bei unter Denkmalschutz

stehenden Gebäuden vorrangig der eingangsbereich

barrierefrei gestaltet. Wenn dies nicht möglich ist,

dann ist der hinweis auf einen barrierefreien Neben- oder

hintereingang erlaubt. Wenn in öffentlichen Gebäuden

Kundenverkehr in mehrstöckigen Gebäuden angeboten

wird, dann müssen diese mit Treppenliften oder barrierefreien

aufzügen, taktilen und akustischen Leitsystemen

und Behinderten-WCs in jedem Stockwerk ausgestattet

sein.

In vielen Fällen ist es ermessenssache der mieter, Nutzer

und eigentümer, die Dringlichkeit oder Nicht-Durchführbarkeit

bestimmter adaptierungsmaßnahmen begründen

zu müssen. Gebäude, die niemals barrierefrei zugänglich

sind, brauchen eine Zumutbarkeitsprüfung. Beispiele für

solche Gebäude sind der Stephansdom oder Burgruinen.

Genormte Menschlichkeit

Generell ist für Neubauten und Generalsanierungen die

einhaltung folgender mindeststandards wie stufenlose

eingänge, genügend große Türdurchgangsbreiten von

mindestens 80 Zentimeter, bequem begehbare geradläufige

Treppen mit stabilem Geländer, ausreichend Platz in

den Sanitärräumen und der einsatz von akustischen und

optischen hilfssystemen verbindlich umzusetzen. allzu oft

scheitere die barrierefreie Gestaltung jedoch an der Unwissenheit

der architekten, kritisiert monika Klenovec, Lehrbeauftragte

an der TU Wien, architektin und Gründerin

des Zentrums für barrierefreie Lebensräume „design for

all“. Barrierefreies Bauen sei noch immer nicht verpflichtend

in die architekturausbildung integriert. 85 Prozent der

architekturabsolventen haben keine ausbildung in barrierefreien

Gestaltungsgrundsätzen. So passiert es immer

wieder sogar bei Neubauten, dass die in den Bauordnungen

verankerten Richtlinien zur barrierefreien Gestaltung

Foto: Richard Tanzer

BaRRieRe

und die dazugehörenden Önormen nicht eingehalten werden.

Bei „design for all“ macht man fehlende effiziente baupolizeiliche

Kontrollen dafür verantwortlich. „Wenn sich

jemand diskriminiert fühlt, kann er zwar beim Bundessozialamt

ein Schlichtungsgespräch und bei Nichteinigung

auch Klage einreichen, aber der vorgesehene Schadenersatz,

der schlimmstenfalls zu bezahlen wäre, ist so gering,

dass er niemanden abschreckt“, wettert Bernhard hruska,

architekt, Berater und Gutachter für barrierefreies Gestalten

(design for all). hruska fordert diesbezüglich auch die

BIG auf, strengere Kontrollen durchzuführen.

Vom Zwang zur Normalität

„Die BIG würde sich viel Geld ersparen, wenn sie die korrekte

Umsetzung der Baumaßnahmen prüfen und Rückforderungen

an die architekten stellen würde. Denn es ist

auch bei der Sanierung von BIG-Gebäuden schon passiert,

dass um teures Geld nachgebessert werden musste, weil

Rampen die maximale Steigung von zehn Prozent oder die

in den Önormen vorgegebenen Türbreiten nicht eingehalten

wurden“, weiß hrsuka zu berichten. „Ich kenne wenige

solcher Fälle“, so BIG-Chef Wolfgang Gleissner, der hinzufügt:

„Dabei handelt es sich ausschließlich um Gewährleistungen.

Das ist zwar unangenehm, geht aber nicht

zulasten der BIG.“

„Solange die architekten barrierefreies Gestalten als

Zwang und einschränkung sehen, werden diese Fehler

auch weiterhin passieren“, ist sich die design for all-expertin

Klenovec sicher. „Die architekten müssen lernen, den

menschen in den Vordergrund ihrer Planung zu rücken

und den menschen in all seiner Vielfalt (Diversity) zu berücksichtigen.

Denn den Idealtypus mit modelmaßen gibt

es nicht. Die wenigsten menschen sind starke muskelprotze,

die locker die schweren Brandschutztüren öffnen

können.“ Ihr Resümee: „es ist an der Zeit, dass menschenfreundliche

Bauweise selbstverständlich wird und nicht

eine Vision von ein paar wenigen Idealisten bleibt.“ ‹

FReiheiT

Auch die Überalterung

unserer

Gesellschaft wird in

den kommenden

Jahren ein massives

Thema. Denn

viele ältere

Menschen sind im

Normalfall keine

Leistungssportler

mehr.

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

25


Foto: Günter Kresser

Thema

KircheN

26 Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Nr. 9 | 2011 | www.big.at

27

BIG BusiNess

Die Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes beim

Kolarik

Wiesenhof liegt an der Straße nach Gnadenwald auf

dem Areal des ehemaligen Wiesenhofes. Sie wird

von der Ausbildungseinrichtung des

Andreas

Innenministeriums genutzt. Foto:

Das Kreuz mit

den Kirchen

Die BiG ist eigentümer einiger Gotteshäuser,

deren instandhaltung aufgrund von

Verpflichtungen aus dem Konkordat immer wieder

teuer kommt. Nicht zuletzt sorgen komplizierte

Nutzungsverhältnisse wie bei der salzburger

Kollegienkirche für besondere Kraftanstrengungen.

Der Altarraum der

Kollegienkirche in

der Stadt Salzburg

erstrahlt in neuem

Glanz: Um

1,4 Millionen Euro

wurde die von

Barockbaumeister

Fischer von Erlach

konzipierte Stuckglorie

restauriert.

BIG BusiNess


KircheN


Thema

KircheN

D

ass in heimischen Klassenzimmern Kreuze

hängen, ist in einer schriftlichen Übereinkunft

zwischen dem Vatikan und Österreich aus dem

Jahr 1933 geregelt. Dieses viel zitierte Konkordat

regelt nicht nur diese zuletzt oftmals diskutierte Frage,

sondern auch die Instandhaltungspflicht der Republik für

alle im Bundesbesitz stehenden kirchlichen Gebäude – was

rund 80 Jahre später mitunter zu einer millionenschweren

Last geworden ist. Laut Paragraf 8 des Konkordats verpflichtete

sich der damalige Ständestaat, dass alle „Gebäude und

Grundstücke des Bundes, welche gegenwärtig unmittelbar

oder mittelbar kirchlichen Zwecken dienen“ auch weiterhin

„diesen Zwecken überlassen“ sein müssen. Dieser Passus

ist auch für die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) insofern

von großer Bedeutung, als diese Verpflichtung im

Zuge des Bundesimmobiliengesetzes im Jahr 2001 auf die

BIG übertragen wurde und daher „namens des Bundes“ zu

erfüllen ist. Und das nicht selten unentgeltlich.

„Alles sehr kompliziert“

Rund eine handvoll Kirchen und Kapellen sind es, die nun

im Portfolio der BIG als Sonderimmobilien geführt werden

– kleine andachtsstätten und Gebetshäuser auf Friedhöfen

ebenso wie bedeutsame Kirchen, die für etliche millionen

saniert und in Schuss gehalten werden müssen. Sowohl

Rechtskonstruktionen als auch finanzielle Rahmenbedingungen

sind höchst unterschiedlich. So gehört beispielsweise

das rund 4.000 Quadratmeter große Grundstück am

Georgenberg in Wien Liesing, auf dem 1974 die Wotruba-

Kirche erbaut wurde, der BIG. Das Gebäude selbst jedoch

nicht. „erst 50 Jahre nach der errich-

KircheN im BiG-eiGeNtum

tung dürfen wir miete einheben.

aber auch danach halten sich die ein-

St.-Markus-Kirche, Klagenfurt, Kaufmanngasse 11, nahmen in Grenzen, zumal sich die

Altkatholische Kirchengemeinde

damals vereinbarten Konditionen,

Sacellum, Salzburg, Universitätsplatz/Uni Salzburg selbst bei einrechnung der Inflation,

Kollegienkirche, Salzburg, Universitätsplatz/

in überschaubarer höhe bewegen“,

Uni Salzburg

sagt BIG-Objektmanager Thomas

Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes, Absam, Peneder. mehr aufwand verursachen

Walderst/BMI

da schon andere Kirchen, wie die im

Jesuitenkirche, Innsbruck, Karl-Rahner-Platz/

Jahr 2002 sanierte Schlosskapelle

Universität Innsbruck

Weinzierl. Inklusive vergoldeter

St.-Ursula-Kirche, Wien, Johannesgasse 8

Turmspitzen wurden dabei

Wotruba-Kirche, Wien, Mauer-St. Georg

406.000 euro investiert. Die Kehrseite

Kapelle, Wien, Ungargasse 69/HTL

der medaille: „Wir heben dort weder

Patrozinium zur heiligen Gottesmutter, Wieselburg hauptmietzins noch anteilige Be-

an der Erlauf, Francisco Josephinum

triebskosten ein“, sagt Irene haiden,

Objektmanagerin bei der BIG. Zusam-

mengefasst: null einnahmen. auf der anderen Seite wartet

das Portal der frühbarocken Schlosskapelle im Jahr 2011 auf

seine Sanierung. Kosten: immerhin rund 6.000 euro.

Freiwillige Leistungen

Grundsätzlich wird der heilige Boden seitens der BIG-Techniker

ohne besondere ehrfurcht begangen. Nämlich standardisiert

zwei mal im Jahr, um allfällige bau- oder haustechnische

mängel aufzunehmen. Wobei die Frage der rechtlichen

Verpflichtung keineswegs eindeutig geklärt ist. „Unbestritten

ist unsere Zuständigkeit bei erhaltung der Gebäudehülle

und Wahrung der Sicherheit“, sagt Katharina Kohlmaier, Leiterin

der BIG-Rechtsabteilung. Ob der Innenraum dagegen

repräsentativ ist oder eher weniger Glanz und Gloria versprüht,

falle nicht in den Kompetenzbereich des Unternehmens.

Wenn die ,BIG in solchen Fällen in die eigene Tasche

greift, handelt es sich eindeutig um freiwillige Leistungen.

Bestes Beispiel ist die Kollegienkirche im herzen der

Stadt Salzburg: Überdeutlich nagt an dem von Johann

Bernhard Fischer von erlach in den Jahren 1696 bis 1707 erbauten

Gotteshaus der Zahn der Zeit. Doch für eine umfassende

und nachhaltige Sanierung, die in Summe mehr als

16 millionen euro kosten würde, fehlt nicht zuletzt aufgrund

der komplizierten eigentümer-, miet- und Nutzungsverhältnisse

das Geld. Denn die Kollegienkirche fällt

einerseits in die Zuständigkeit der Theologischen Fakultät

der Paris-Lodron-Universität Salzburg, andererseits natürlich

auch in jene der katholischen Kirchen, namentlich der

erzdiözese Salzburg. Da aufgrund der Über einkunft keine

mieten gezahlt werden, greift das etwa bei Universitäten

angewandte bewährte BIG-System, über befristete Zuschlagsmieten

eine Sanierung zu finanzieren, in diesem

Fall nicht. außerdem hat das Unternehmen den klaren

auftrag vom Gesetzgeber, dass die Bewirtschaftung des

Portfolios nach marktorientierten Kriterien zu erfolgen hat

– in diesem Fall können aber nicht einmal die anfallenden

Betriebskosten vollständig abdeckt werden. Das gesamte

Interieur einer Kirche plus die Innensanierung fällt, wie die

BIG-Chefjuristin Katharina Kohlmaier nicht müde wird zu

betonen, streng nach den Bezug habenden Regelwerken in

die Verpflichtung des mieters respektive des Nutzers und

nicht des eigentümers.

Qualität erkennen

also waren und sind im Fall Salzburg Sonderlösungen nötig

geworden: Für eine erste Bauphase verpflichtete sich

die BIG, rund 3,2 millionen euro in das Objekt zu investieren

– unter der Bedingung, dass auch die anderen Institutionen ›

In mühevoller

Handarbeit wurde

der erste Teil der

Kollegienkirche vom

Schmutz befreit und

konserviert.

Mehrere Monate war der hintere Bereich

der Kollegienkirche eingerüstet. Erst nach

dem Abbau wurde der Blick wieder frei für

jenen Gegenlichteffekt, den der Architekt

konzipiert hatte (siehe Bild Seite 27).

28 BIG BusiNess Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Nr. 9 | 2011 | www.big.at

29

BIG BusiNess

KircheN

Fotos: stefan Zenzmaier


30

Thema

Die Wotruba-Kirche

am Wiener

Georgenberg ist auf

BIG-eigenem Grund

gebaut. Ab 2021

darf die BIG pro Jahr

349 Euro dafür in

Rechnung stellen.

KircheN

kräftig mitziehen. So gelang es unter anderem über Spenden

rund 1,3 millionen euro aufzutreiben; der World monuments

Fund – eine internationale Organisation mit Sitz in

New York, die sich weltweit für die erhaltung von Denkmälern

und historischen Stätten einsetzt – steuerte als größter

einzelspender 500.000 Dollar bei. Seit Jahren engagiert

ist auch der „Verein Kulturerbe Salzburg“, der möglichst

viele private und öffentliche Quellen anzuzapfen versucht.

mit diesen mitteln konnte die Sanierung des Dachs sowie

der Türme (Fertigstellung 2011), aber auch der apsis im

Inneren finanziert werden.

Wie Ronald Gobiet, Leiter des Salzburger Denkmalamtes

und Schaltstelle bei den Restaurierungsarbeiten, erklärt,

soll über allen anstrengungen die Rückführung des barocken

Prachtbaus in den ursprünglichen Zustand stehen:

„Wir wollen zu den Intentionen von Fischer von erlach zurück,

damit man dessen Qualität auch erkennt.“ Bestes Beispiel

ist etwa der teils gelungene Plan, das von Fischer von

erlach konzipierte raffinierte Spiel mit Licht und Gegenlicht

wieder zum Leben zu erwecken. So erstrahlt die zentrale

Figur der maria Immaculata wieder in natürlichem

Licht. „es gelang uns nämlich, ein jahrhundertelang geschlossenes

Fenster über dem altar in den früheren Zustand

zu versetzen, weshalb nun das Licht wieder einfallen

kann“, so BIG-Projektleiter Karl Lehner.

Doch diese arbeiten waren erst der anfang, denn für eine

umfassende, große Lösung fehlen noch etliche millionen

euro. auch für die zweite Bauphase hat die BIG zugesagt,

weitere 3,5 millionen euro aufzuwenden. Laut Lehner

gehe es nun vorrangig darum, das Bauwerk für die Besucher

sicher zu machen und allen voran die marmor-Fußböden,

die weiteren Fenster und den durchfeuchteten Putz in

Ordnung zu bringen. allerdings hört beim Wandanstrich in

BIG BusiNess

etwa zwei meter höhe die Zuständigkeit des eigentümers

auf, weshalb Lehner für eine Gesamtlösung plädiert. „es

wird wenig Sinn machen, wenn wir dann bei zwei metern

einfach aufhören.“ außerdem hielte er eine nachhaltige Lösung

betreffend Lüftung für angebracht, damit neuerliche

Schäden vermieden werden können – dazu bräuchte es

aber etwa auch einen neuen eingangsbereich.

„Es läppert sich“

Für die große Innensanierung inklusive neuer elektroinstallation

fehlen laut Landeskonservator Gobiet dann noch

etwa acht millionen euro, die über verschiedenste Kanäle

fließen sollen: „Wir werden wieder unsere anstrengungen

unternehmen, wobei diese art von Lobbyismus nicht unsere

eigentliche aufgabe ist.“ So habe Gobiet mit dem World

monuments Fund bereits eine grundsätzliche Vereinbarung

für eine weitere Unterstützung akkordiert, von einer

münchner Stiftung gebe es 50.000 euro, das Kunstministerium

habe 100.000 euro zugesagt: „So läppert sich das zusammen.“

Zukünftig sollen die Salzburger Festspiele und

konkret Dirigent Ricardo muti noch stärker mit Veranstaltungen

eingebunden werden, auch plant Gobiet eine art

Spenden-Canossagang zu den Benediktinern: „Früher wurde

die Universität von diesem Orden geführt, daher sollen

sie jetzt auch ein Scherflein beitragen.“

„Spendenanimation“

Die rechtliche Konstruktion als Universitätskirche ohne

faktische Pfarrgemeinde macht die Finanzierung laut Gobiet

nicht gerade einfacher: „eine Pfarre hat ja gewisse einnahmen

und Latifundien. aber hier gibt es ja gar nicht so

viele theologische Studenten.“ Kein Geld zu haben, also

eine nicht dotierte Universitätspfarre zu sein, gibt auch ›

Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Foto: BiG

Foto: Günter Kresser

Foto: michael Grühbaum

Die Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes wurde ab 1723 durch

Graf Ferdinand Karl von Wicka als Familiengrablege der Wicka

errichtet, die Weihe erfolgte 1732. Das Kirchlein selbst schmücken

ein prachtvoller Altar sowie ein herrliches Fresko. Das

Stifterehepaar selbst ruht in einer Gruft unter dem Steinboden.

Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Das Patrozinium zur heiligen Gottesmutter befindet sich auf dem Areal

der niederösterreichischen Landwirtschaftsschule Francisco Josephinum

in Wieselburg. Der frühbarocke Saalbau mit nachgotischen Elementen

wurde urkundlich erstmals 1675 erwähnt.

BIG BusiNess

KircheN

31

Foto: Günter Kresser

Foto: michael Grühbaum


Thema

Auf der Orgel in

St. Ursula in Wien

werden Musikstudenten

auf ihre

erlernten Fähigkeiten

geprüft.

KircheN

Christian Wallisch-Breitsching, Verwaltungsdirektor der Universitätspfarre

und seitens der Diözese für die Renovierung

zuständig, unumwunden zu. „Unsere mitglieder sind sehr

vage. Jeder, der studiert, ist eigentlich mitglied der Pfarre.

Wir sind also eine Pfarre, die auf Personen und nicht auf ein

Territorium bezogen ist.“ Dementsprechend gibt es nur ein

mal pro Woche eine heilige messe; zum Winter-Semesterstart

leitet der Salzburger Bischof alois Kothgasser einen

Gottesdienst.

Das Gros der Kirchenbesucher bilden laut Wallisch-Breitsching

die Touristen, sommers treten pro Tag etwa 300 bis

400 Personen über die Kirchenschwelle. Und selbstverständlich

versucht man sie zum Spenden zu animieren. Die

Konkurrenz im herzen der mozartstadt sei allerdings groß:

es gibt gleich daneben den Dom, St. Peter, und die Franziskanerkirche.

an eintritt zur Finanzierung der arbeiten

wird freilich (noch) nicht gedacht: „Das wäre in Salzburg

ein absolutes Novum. Wenn man die Diskussionen in Wien

um Stephansdom und Karlskirche ansieht, weiß man, wie

sensibel das ist“, gesteht Wallisch-Breitsching. Was es gebe,

seien verschiedene andere Ideen, die allesamt aber noch

nicht ausgereift seien.

Geschenkt ist noch zu teuer

Was sicher nicht dazugehöre, sei aber eine Übernahme der

Kirche von der BIG – denn worüber sich in früheren Zeiten

wohl viele gefreut hätten, gilt heute als klassisches Danaergeschenk:

„hier hat es nie offizielle Gespräche gegeben“,

winkt Wallisch-Breitsching ab. auch Gabriele Pfeifer, Sprecherin

des Rektorats der Universität Salzburg, hat in Zeiten

klammer Uni-Budgets andere Sorgen: „herschenken ist so

eine Sache, da halst man sich eine Riesengeschichte auf.

auch wenn es ein wertvolles Bauwerk ist, würde uns das

ein Vermögen kosten. Und unsere aufgabe kann es nicht

sein, Kirchen zu sanieren.“ Und eigentlich geht der Trend in

Österreich in die umgekehrte Richtung: aufgrund der missbrauchsskandale

samt austrittswellen ist es die katholische

Kirche, die mittlerweile Gotteshäuser notgedrungen

an verwandte Religionsgemeinschaften abgeben muss –

etwa in Wien die Neulerchenfelder Kirche in Ottakring an

die serbisch-orthodoxe Gemeinde.

Bleibt die Frage, wie lange wohl für die Kollegienkirche

gesammelt werden muss, um die Restaurierung finanzieren

zu können. Schon ein mal hat die BIG einen ähnlich

heiklen Fall wie die Kollegienkirche positiv über die Bühne

gebracht: Im Jahr 2004 konnte die Innsbrucker Jesuitenkirche,

ebenfalls eine Konkordatskirche in universitärer

Nutzung, nach jahrelangem Tauziehen fertig saniert neu

eröffnet werden. „auch damals ging es um die Zurückführung

der Kirche in den Originalzustand. Und aufgrund des

vehementen engagements des damaligen Bürgermeisters

herwig Van Staa konnte eine große Lösung, bei der alle an

einem Strang gezogen haben, realisiert werden“, erinnert

sich Gerald Lobgesang, BIG-Objektmanagement Teamleiter

Tirol.

Generalsanierung

Nachdem zunächst von 1990 bis 1998 die erneuerung der

Fassade vorgenommen worden war, startete im Jahr 2003

die Sanierung des Innenraumes in dem Frühbarock-Kleinod

(von 1627 bis 1646 erbaut). Im Zweiten Weltkrieg war das

Bauwerk von Bomben getroffen und schwer beschädigt

worden, unter anderem war der hochaltar dabei vollkommen

zerstört worden. Im Zuge der Sanierung wurden diese

Kriegsschäden allesamt behoben, und auch der hochaltar

wurde wiederhergestellt, was freilich bei Denkmalschützern

nicht wirklich auf ungeteilte Zustimmung stieß, da es

sich um eine historisierende Form handelte. So wie nun in

Salzburg geplant, gelang eine völlige erneuerung der Fenster,

außerdem wurde ein neuer Zugang zur Krypta geschaffen.

Zugleich wurde der Sakralbau, um ihn auch für Veranstaltungen

nutzen zu können, mit einer Sanitärgruppe versehen

sowie beleuchtungs- und tontechnisch auf den letzten

Stand der Technik gebracht. Die Investitionskosten im

Fall Innsbruck betrugen für die BIG rund drei millionen euro,

insgesamt kostete das Projekt fast neun millionen euro

– Land, Bund und zahlreiche private Spender retteten

schließlich das Barockjuwel dauerhaft. Wobei es damit keineswegs

getan ist. „Die laufende technische Betreuung ist

für uns keineswegs Routine“, so Lobgesang. Der Umgang

mit zerfallenden Sarkophagen oder barocken Blasengerln

sei doch immer wieder herausfordernd.

So sehr sich die Kollegien- und Jesuitenkirche in der

Restaurierungsgenese ähneln, so unterschiedlich seien die

beschrittenen Wege gewesen, betont BIG-Chef Wolfgang

Gleissner: „einen fix fertigen Plan, wie wir als BIG mit unseren

Kirchen umgehen, gibt es leider nicht. Jeder Fall muss

im einzelnen betrachtet werden. Und nur weil wir ein Projekt

freiwillig mitfinanzieren, ist das noch kein Präjudiz.“

Göttlicher Beistand für zündende neue Ideen im Umgang

mit geweihten Flächen kann also nicht schaden. ‹

32 BIG BusiNess Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Nr. 9 | 2011 | www.big.at

33

Fotos: helga Loidold

BIG BusiNess

KircheN

Der markante und geschichtsträchtige Bau ist eines

der hervorragenden Beispiele des frühen Barocks in

Westösterreich. Die Jesuitenkirche in Innsbruck wurde ab 1627

nach den Plänen des Schweizer Architekten Santino Solari

errichtet. Im Zuge der Generalsanierung der alten Innsbrucker

Universität wurde auch die betont strenge, elegante Fassade

der Kirche zwischen 1990 und 1998 saniert. Anfang 2003

begann in Absprache mit dem Bundesdenkmalamt die

behutsame Restaurierung und Adaptierung des Innenraumes

nach Plänen des Haller Architekten Helmut Dreger.


Thema

Missachtete Kunst

in der HTBLA Salzburg:

Vor den 1985

entstandenen

Bildern des österreichischen

Malers

Lucas Suppin sind

Getränkeautomaten

und Kopierer

platziert, manche

der Werke sind

sogar mit

Schautafeln

behängt (rechts

oben).

Die Stahlplastik

Tomas Hokes im

Stiegenhaus des

Klagenfurter

Landesgerichts wird

gelegentlich als

Aschenbecher

verwendet (rechts

unten).

KuNst

Von der

Schulleitung

unerwünscht: Eine

Raumplastik Gustav

Trogers in einem

Grazer Gymnasium

soll abgehängt

werden (oben).

Die Jäger des

verlorenen

Kunstschatzes

in der bis dato wohl aufwendigsten Kunstinventarisierung

des Landes hat die BiG alle ihre

Objekte nach Kunstwerken durchforsten lassen. Nun

gibt es eine Datenbank mit 7.000 Datensätzen und

Zigtausenden Fotos. und die Debatte, wem was

gehört beziehungsweise wie wertvoll dies alles ist.

Fotos: Kunsterkennung

V

on a wie abondio, Isella, bis Z wie Zumbusch,

Kaspar. Zigtausende Fotos, 7.000 Datensätze

mit 50 Gigabyte Speichervolumen, gesammelt

aus 800 Gebäuden mit fast sieben millionen

Quadratmetern Nutzfläche. Das Ganze in fast fünf Jahren

arbeit bei 30 Stunden wöchentlich. Das sind die nackten

Zahlen eines der größten und aufwendigsten Kunst-Inventarisierungsprojekte

der Republik Österreich, das vor Kurzem

zu einem vorläufigen ende gekommen ist. Im auftrag

der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), des größten Immobilienbesitzers

des Landes, hat die Firma Kloser & Pointner

Kunstverwaltung in den vergangenen Jahren alle BIG-

Objekte in ganz Österreich untersucht und die dort vorhandenen

Kunstwerke dokumentiert. eine Vermessung von

Österreichs Kunstschätzen am und im Bau, bei dem auch

teils vergessene und teils unbekannte Werke wieder an die

Oberfläche befördert wurden.

Das Zwei-mann-Team, bestehend aus den Kunsthistorikern

alexander Pointner und Peter Kloser, war es auch, das

im Jahr 2006 für eine kleine Kunstsensation gesorgt hat –

gleichsam als auftakt der Inventarisierungsarbeit für die

BIG. Damals wiederentdeckten sie im Palais Sturany

am Wiener Schottenring vier Deckengemälde, an denen

Gustav Klimt maßgeblich mitgearbeitet hat. Das Besonde-

re an diesem Kunstwerk ist, dass es sich um eines der ersten

auftragswerke des jungen Klimt handelt und sich dort

auch sein Bruder ernst künstlerisch verewigte. „Wir haben

das aus dem Dehio (dem handbuch der Kunstdenkmäler,

anmerkung) irgendwie schon gewusst und uns das dann

einfach näher angeschaut“, berichtet Pointner, der damals

bescheiden in der zweiten Reihe geblieben ist und anderen

den Vortritt gelassen hat. „Durch den Namen Klimt wurde

es auch etwas hochgepusht und so gesehen ist das die vielleicht

wichtigste entdeckung für unsere Datenbank.“ Persönlich

freilich hätte Pointner, der mittlerweile auch die

Kunstdatenbank für die albertina betreut, auf seiner

Kunst-Tour quer durchs Land ganz andere Werke zu schätzen

und lieben gelernt – beispielsweise das Landesgericht

Krems.

Inventur

Was ist bitte so faszinierend an einem so schlichten wie

unspektakulären Gebäude aus der Zwischenkriegszeit des

20. Jahrhunderts? „es ist von der ausstrahlung und der

Schlichtheit ziemlich lässig“, schwärmt Pointner. Fast skurril

für den Schauplatz nimmt sich etwa die Wandmalerei

im Schwurgerichtssaal aus, prangen doch ausgerechnet

dort die sieben Todsünden. Fasziniert ist Pointner aber ›

34 BIG BusiNess Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

35

Foto: Kunsterkennung

KuNst

„Wiederentdeckung“

eines

Frühwerks von

Gustav Klimt.

Historistische

Ausstattungskunst

für das Palais

Sturany an der

Wiener Ringstraße.

Das Palais wurde

vor Kurzem

verkauft.

Fotos: Gisela erlacher


Thema

KuNst

In einer Salzburger Schule

landete eine vom Direktor

als Schrott verunglimpfte

Installation kurzerhand

im Müll.

auch von den eleganten Stiegenhäusern oder den edlen

messingleuchten, die das Landesgericht zu einem Geheimtipp

für Kunstfreunde mache – vor allem, da Bauwerke aus

dieser Zeit selten seien, aber von immer größerer Bedeutung

wären.

Warum die BIG in dieses Inventarisierungsprogramm investiert

hat, ist leicht erklärt: „In jedem unserer Gebäude

wird permanent irgendetwas repariert oder saniert. Bisher

war es ein großes Übel, dass die Kollegen vor Ort zwar mit

den Kunstwerken konfrontiert waren, aber nicht wussten,

was es damit auf sich hat. außerdem wurden sie vielfach

auch gar nicht als Kunst wahrgenommen“, beschreibt Ute

Woltron von der BIG das Grundpro blem. Nunmehr sei die

Information über all diese Kunstwerke in den einzelnen

BIG-Gebäuden sofort per mausklick verfügbar, haben doch

grundsätzlich alle mitarbeiter Zugriff auf diese neue

Datenbank.

Kunst im Sperrmüll

auf Basis von microsoft-access bietet die Kunst-Datenbank

mehrere Suchfunktionen an – etwa nach dem

Gebäude namen, dem Künstler (von denen rund 1.000 angelegt

wurden) oder einem Kunstbegriff. Die jeweilige Datei

enthält dann kurze Beschreibungen des Gebäudes, des

Denkmalschutz-Status und wo sich genau die Kunstwerke

befinden, inklusive einer Kurzbiografie des Schöpfers. „So es

etwas dazu gibt“, ergänzt Pointner. Denn etwa bei der erstgenannten

Isella abondio gebe es schlichtweg keine Informationen,

sondern nur mehr ihre arbeiten.

Und ganz wichtig sind die angefügten Fotos, damit auch

für die mitarbeiter sofort erkennbar ist, worum es sich handelt.

Denn wie das bei moderner Kunst durchaus möglich

ist, kann es schon einmal zu missverständnissen kommen,

wie Kloser & Pointner am eigenen Leib erfahren mussten.

In einer Salzburger Schule etwa landete eine vom Direktor

als Schrott verunglimpfte Installation kurzerhand im müll.

„Im Sperrmüll liegen noch zwei Satelliten-Schüsseln, falls

Sie noch Fotos machen wollen“, ließ ihnen ein hausangestellter

ausrichten, nachdem die beiden eilig zur Rettung

angetreten waren. auch dieser Frevel wurde nichtsdestotrotz

dokumentiert.

Hausbesuche

ansonsten lernten die beiden die üblichen Licht- und

Schattenseiten im Querschnitt der Republik kennen –

freundliche und interessierte menschen hier, grantige und

ignorante Zeitgenossen dort. „In Wien waren viele eher genervt,

was es am Land teilweise aber natürlich auch gab.

Regelrecht stolz über das Kulturgut zeigten sich vor allem

die Tiroler“, erzählt Pointner. Nach dem motto „Gut geplant,

ist halb inventarisiert“ organisierten sie ihre Reisen gründlich

im Voraus und vereinbarten mit den jeweiligen haus-

Barockes Theatrum Sacrum im ehemaligen Ursulinenkloster

und der jetzigen Universität für Musik und darstellende

Kunst in der Seilerstätte, Wien 1. Der Zustand ist allerdings,

wie anhand der Klebstreifen sichtbar, eher schlecht.

verwaltungen Besuchstermine. etwa eine Woche wurde

pro Bundesland veranschlagt, Linz wurde in drei Tagen

durchforstet, am aufwendigsten sei Salzburg-Stadt gewesen:

„Kunstmäßig ist das sehr üppig“, so Pointner. Und

Wien sei quasi immer wieder zwischendurch begutachtet

worden, schließlich haben die beiden Kunsthistoriker ihr

Büro in der Seidengasse im 7. Bezirk.

Zurück zu Tirol: Dort machten die beiden nicht nur eine

ihrer seltsamsten entdeckungen. Im abgelegenen Brixental

wurde das schaurige Folterzimmer in der Polizeistation

hopfgarten dokumentiert – ein Stück Zeitgeschichte, aber

auch Theatergeschichte. Felix mitterer habe dieses Zimmer

zum anlass seines Stückes „Die drei Teufel“ gemacht, erklärt

Pointner. Und im Zuge der Inventarisierung der Geisteswissenschaftlichen

Fakultät in Innsbruck wurde man

wieder auf ein 25 meter großes Wandmosaik des zeitgenössischen

österreichischen Künstlers hubert Schmalix

aufmerksam, das bereits 1985 realisiert worden war. „Das

ist ein gutes Beispiel von exzellenter und ausgesprochen

36 BIG BusiNess Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

37

Fotos: Kunsterkennung


Die in den frühen 1990ern entstandenen

sechs Kontinente von Maitre Leherb sind

mit acht mal acht Metern die größten

Fayencen des 20. Jahrhunderts: Was damit

nach Auszug der Wirtschaftsuniversität

Wien passiert, ist offen (oben).

„Bedrohte Kunst“: Feuchtigkeit

droht eine „Akkord“ genannte

Installation von Erwin Wurm

vor der Musikuniversität in

Graz zu zerstören.

KuNst


38

Thema

KuNst

BIG BusiNess

Beliebte Kunst im BG

Vöcklabruck: Der „Fliegende

Teppich“ Ulrike Lienbachers

aus dem Jahr 2006 dient als

Treffpunkt, als Freiluftklasse

und als Sitz­ und

Liegegelegenheit in den

Pausen und Freistunden

(oben).

Elegantes

Gesamtkunstwerk

der frühen 30er­Jahre:

das Landesgericht

in Krems.

wertvoller zeitgenössischer Kunst am Bau“, meint Pointner.

Prinzipiell regierte bei der Inventarisierung das Prinzip

Neugier: „Wir haben alles mit der Kamera aufgenommen,

was wir gesehen und für Kunst gehalten haben. Der Wert

der einzelnen Stücke war nachrangig.“ So finden sich nun

in der Datenbank auch jede menge unscheinbarer Fassadenmalereien,

eine Sonnenuhr von Raiffeisen, gusseiserne

Öfen, Dekorationen auf Kriegerfriedhöfen oder monstranzen

in Kirchen. „Uns ging es nicht um den Wert, sondern

die Vollständigkeit“, fasst Pointner zusammen.

Vereinbarung in Arbeit

Um die Bewertung dieses gesammelten Datenschatzes soll

es nämlich erst im zweiten Schritt gehen, der derzeit in

eine Intensiv-Phase gekommen ist. Nun ist die Frage zu

klären, wem genau diese Kunstwerke gehören und wer sie

zu erhalten hat. experten von BIG, Wirtschaftsministerium

und Finanzprokuratur haben ein Konzept dazu erarbeitet.

eine grund legende Vereinbarung gibt es bereits. „ Prinzipiell

gehören alle beweg lichen Kunstwerke in Gebäuden der

BIG dem Bund. Daher sollen diese auch in die Bundesmobilienverwaltung

des hofmobiliendepots übernommen

Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Fotos: Kunsterkennung

werden“, so Ilsebill Barta, Leiterin des hofmobiliendepot.

„Grundsätzlich sind wir in dieser Frage einer meinung“,

sagt Katharina Kohlmaier, Leiterin der BIG-Rechtsabteilung,

fügt aber hinzu: „es gibt dabei auch eine Grauzone.“

Bestes Bespiel sind etwa Fresken, die eigentlich mit dem

Gebäude direkt verbunden sind – was sie zum eigentum

der BIG macht; handelt es sich jedoch um Fresco-Secco (also

Trockenfresken) wären sie theoretisch abnehmbar und

dem Bund zugehörig.

ein weiterer Diskussionspunkt betrifft all jene Kunstwerke,

die historisch mit dem Gebäude verbunden sind.

Würde etwa der Justizpalast zu einem hotel umgebaut,

wäre die Justitia eine art Scheidungskind. Wird wiederum

ein Gebäude abgerissen und ein mit dem haus verbundenes

Werk gerettet, dann könnte am ende auch ein Verkauf

durch die BIG stehen. ein Beispiel wäre etwa das große

Leherb-Werk an der Wiener Wirtschaftsuniversität, die ja

2013 an einen neuen Standort ziehen wird. Wobei sich die

BIG laut experten bei solchen Transaktionen keineswegs

eine goldene Nase verdienen würde. „Das Werk ist aufgrund

seines Formates und der Substanz eher schwer verkäuflich“,

so die einschätzung eines Kunsthändlers. ‹

So gut wie unberührt:

Hubert Schmalix 1985

entstandenes

monumentales

Wandmosaik für die

Geisteswissenschaftliche

Fakultät in Innsbruck

(oben).

Raum einer Polizeistation

in Hopfgarten im Tiroler

Brixental, der früher als

Gefängniszelle gedient

haben soll. Felix Mitterer

hat 1999 in „Die drei

Teufel“ ein Stück über diese

dunkle Legende verfasst.

KuNst

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

39


Diskussion

schulen

Das Thema schule hält sich

bereits seit längerem auf

den Aufmacherseiten der

österreichischen Tageszeitungen

und Magazine. und das nicht

erst seit mäßigen Resultaten

heimischer schüler bei PisA. Der

einfluss des Gebäudes auf die

lernergebnisse ist unbestritten.

in der Frage, wie ein optimales

schulgebäude aussehen soll,

scheiden sich allerdings die Geister.

Mitreden wollen jedenfalls alle.

Basisdemokratisches

Wunschkonzert

Foto: Manfred seidl

40 BIG Business nr. 9 | 2011 | www.big.at

nr. 9 | 2011 | www.big.at

BIG Business

41

schulen

Die Bullaugen in der

HAK II in Salzburg

sind bei den

Schülern vor allem

in den Pausen sehr

beliebt und stark

frequentiert.


Diskussion

schulen

Die Heustadelgasse

in Wien ist eine

architektonisch

bemerkenswerte

Schule. Rundum

zufrieden sind die

Nutzer dort aber

aus zum Teil

nachvollziehbaren

Gründen nicht. Da

ist auch die BIG

gefragt, für die

Zukunft zu lernen. Fotos: harald A. Jahn

42 BIG Business

S

chon die alten Lateiner wussten: „Quod licet

Jovi, non licet bovi.“ Frei und auch ein wenig

beschönigend übersetzt, dürfen nicht alle das

Gleiche. Das erzeugt mitunter sogar ein gerüttelt

Maß an Missgunst. Auch unter schulen gibt es also so

etwas wie Wettbewerb. Wer unterrichtet nicht gerne die

besten schüler im modernsten Gebäude. Der kommunistische

Ansatz ist dabei eher weniger gefragt. Denn Geschmäcker

sind ebenso verschieden wie Führungsstile

oder unterrichtsformen. An diesem Punkt beginnen auch

schon die Herausforderungen bei neubauten oder sanierungen.

Wer soll die Linie vorgeben? Wie viel Basisdemokratie

verträgt ein Planungsprozess? und ist ein vielstimmiges

konzert am Ende noch harmonisch?

ingeborg schneider, Direktorin der AHs Heustadelgasse

im 22. Wiener Gemeindebezirk, hat die Errichtung „ihrer“

neuen schule bereits hinter sich. sie zeigt sich von dem Gebäude

„eigentlich“ begeistert. Angetan hat es ihr die helle

und transparente Bauweise der Architekten Henke und

schreieck. „Viel Licht und offenheit zur Außenwelt sind,

was sich moderne Pädagogen unter einer schule vorstellen“,

sagt schneider. Zusätzlich, und das ist in einem schnell

wachsenden Bezirk wie der Donaustadt besonders wichtig,

sorge die Breite der Gänge für genug Platz, um Reibereien

zwischen Pubertierenden gleich gar nicht erst aufkommen

zu lassen. Entsprechend harmonisch geht es in der Heusta­

delgasse auch zu. Allerdings werde auch jetzt der Raum

schon wieder eng, da deutlich mehr klassen als geplant in

der schule unterrichtet werden. sprich rund zehn Jahre

nach Errichtung des objekts platzte man schon wieder

„aus allen nähten“.

und auch bei anderen kleinigkeiten liege der Teufel bekanntlich

im Detail. so wäre nicht bedacht worden, dass

die Reinigung der gläsernen Fassade aufwendig und teuer

sei. und so sehr die Direktorin ihren auch bei den schülern

sehr beliebten innenhof schätzt, die schneeräumung sei

nur händisch möglich, weil Maschinen den schicken steinboden

beschädigen könnten. im sommer ist schatten Mangelware.

Ähnliches gilt für die Glasfassade: im sommer

werden die innenräume sehr schnell sehr warm, im Winter

ist die Beheizung kaum möglich, ohne das schulbudget zu

sprengen. „Das sind“, so schneider, „Dinge, die man erst im

laufenden Betrieb herausfindet.“ insgesamt wünscht sie

sich aber trotz aller Liebe zum objekt ein „völlig neues konzept

beim schulbau“.

Offenheit und Orgien

Wesentlich kritischer als seine kollegin steht Manfred

Hofer, Direktor der HAk ii in salzburg, seiner 2007 erweiterten

schule gegenüber. und ein kleiner, nur bedingt ernst

gemeinter seitenhieb illustriert dennoch den Wettbewerb

der Bildungseinrichtungen untereinander. „offensichtlich

nr. 9 | 2011 | www.big.at

war, nachdem die Heustadelgasse gebaut wurde, kein Geld

mehr da“, so Hofer und war, als es dann doch ernst mit dem

neubau wurde, eher überrascht: „ich habe jahrelang für

einen Zubau gekämpft, ohne Fortschritte zu erzielen“, erzählt

er. „Dann ist es plötzlich viel zu schnell gegangen.

Man sollte sich vorher ein konzept überlegen und dann

erst zu planen anfangen.“

Eines seiner Hauptprobleme mit dem Bau ist gleichzeitig

das herausragende architektonische Merkmal: Eine geschwungene

spange, die zwei nebeneinander liegende

schulen verbindet und einen offenen innenhof erzeugt.

„Die war wohl ausschlaggebend, warum

der Entwurf den Architektenwettbewerb

gewonnen hat“, glaubt Hofer. Die spange

ist bei genauerer Betrachtung aber auch

ein Problem. Denn die Bauweise auf stelzen

verschwendet Raum, den der von

chronischem Platzmangel geplagte Direktor

sehr gut brauchen könnte. nicht

nur das: Bei Regen zieht dieser praktische

unterstand sämtliche Raucher aus der

umgebung magisch an, was nicht gerade für ordnung und

sauberkeit sorgt. Ein „schildbürgerstreich“ sei der Aufzug

im inneren, der nicht alle stockwerke erreichen kann und

daher im sinne der Barrierefreiheit durch einen zweiten ergänzt

werden muss. und was sich eines nachts im nach au­

« Wir nutzen wirklich

jede Flexibilität aus, die wir

bekommen können.»


Elke Delugan, Architektin

schulen

nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG Business

43

Foto: Michael

hetzmannseder


Diskussion

44

schulen

„Verordneter

lebensraum“

Der lehrer und Publizist niki Glattauer sieht im Gespräch

mit BiG Business Vorteile für benachteiligte Kinder bei der

Ganztagsschule und stellt PisA schlechte noten aus.

■ Sie fordern, dass die Schule von

allen Beteiligten als Lebensraum betrachtet

wird. Würden Schüler und

Lehrer das akzeptieren?

Glattauer: Am Anfang wahrscheinlich

nicht. ich bin aber dafür, so etwas

von oben zu verordnen, dann

beginnt es von selbst zu laufen. Lehrerproteste

kamen vor allem von

einer bestimmten Fraktion und ein

paar alten Lehrern. in den nächsten

Jahren werden sehr viele in Pension

gehen, das ist die Gelegenheit für

Foto: Michael hetzmannseder

Glattauer spricht

sich vehement

für eine Gesamtreform

des

„Systems“ aus.

Länder sieht er

nicht in der

Verantwortung.

einen Paradigmenwechsel. in Wahrheit

nimmt eine Ganztagsschule

doch Druck von den Lehrern, denn

Arbeiten, die jetzt zu Hause passieren

müssen, könnten dann an einem

gut ausgestatteten Arbeitsplatz in

der schule erledigt werden. Was die

schüler betrifft: ich denke da vor allem

an jene, die zu Hause kein gutes

umfeld haben. ich selbst unterrichte

zum Beispiel welche, die sich daheim

zu viert ein Zimmer teilen müssen.

Da kann Lernen nicht funktionieren.

Eine Ganztagsschule wäre für alle

von Vorteil, aber ganz besonders für

diese benachteiligten kinder.

Wie viel Freiraum haben Lehrer, was

eventuelle Abweichungen vom klassischen

Frontalunterricht betrifft?

Glattauer: Das kommt auf den schultyp

an. in meiner schule gibt es nicht

BIG Business

viel spielraum. Räumliche Beschränkungen

einer hundert Jahre alten

AHs, die schulglocke … Es gibt kleine

Reformen, aber die nützen gar nichts.

An anderen schultypen wie HTLs

gibt es aber positive Entwicklungen

wie zum Beispiel in Richtung Cluster.

Das bedeutet klare Zielvorgaben für

schüler, die am Ende des Jahres erfüllt

werden müssen. Welcher Lehrer

ihnen das Geforderte in welcher Einheit

beibringt, ist eigentlich egal.

Sind die berüchtigten PISA-Ergebnisse

eine Folge der angesprochenen

veralteten Konzepte?

Glattauer: Dieser Test taugt meiner

Meinung nach gar nichts und wird

dann auch noch falsch interpretiert.

Wie stellen Sie sich eine bessere

Vernetzung zum Thema Schule vor?

Eine Art Schulparlament vielleicht?

Glattauer: ich möchte, dass sich endlich

alle Verantwortlichen an einen

Tisch setzen. Ganz wichtig dabei ist,

dass die einzelnen Bundesländer zusammenkommen,

denn dort bewegt

sich gar nichts. Meiner Meinung

nach sollten die Länder ihre Verantwortung

für schulen überhaupt verlieren

– das ganze system gehört

zentralisiert. so wie es heute läuft,

kommen ideen und konzepte dort

nämlich nicht an. Was in Wien funktioniert,

davon hat man in Vorarlberg

vielleicht noch nie was gehört und

umgekehrt.

Welche Schulen halten Sie für die

besten? Ganz allgemein?

Glattauer: Die, an denen nichts mehr

funktioniert. Das sind zum Beispiel

die Polytechnischen Lehrgänge. Dort

finden sich kreative Lösungen im

sinne jener schüler, von denen alle

glauben, die sitzen eh nur ihre Zeit

ab. ‹

ßen hin offenen schulhof abgespielt hat, darüber schweigt

der diskrete schuldirektor am liebsten ganz. Die aus lockeren

steinen gebauten sitzgelegenheiten, die sich trefflich

zum Hineinstecken von schwer zu entfernendem Müll

aller Art eignen, waren jedenfalls im Gegensatz zu einer

sandkiste nicht involviert.

Ein Dorn im Auge sind Manfred Hofer auch scheinbare

kleinigkeiten mit großer Wirkung. Ein von ihm gern genanntes

Beispiel sind die nicht verfliesten Toiletten. „Die

Farbe ist nach nur drei Jahren ab“, sagt er und zeigt dazu

gerne das entsprechend unappetitliche Beweisbild.

nicht alle seitens der Direktoren erkannten Mängel sind

aber baulicher natur. so wurde in beiden Praxisbeispielen

eine Lösung gewählt, die mit dem Vorteil der offenen Bauweise

den nachteil bringt, dass theoretisch auch unerwünschte

Personen Zugang zu dem jeweiligen Grundstück

haben. Also eher ein Grundsatzproblem. Auch andere „unpässlichkeiten“

sind zu relativieren. „Punkto Hygiene sind

auch Fliesen mit ihren Fugen nicht das optimum. uns

wurde sogar bereits einmal behördlich untersagt, die nassräume

einer schule zu verfliesen“, so BiG­Chef Wolfgang

Gleissner auf den Vorwurf Hofers. Auch der „schildbürgerstreich“

Aufzugseinbau sei so nicht ganz nachzuvollziehen,

da das Behindertengleichstellungsgesetz vorrangig auf

organisatorische Lösungen abziele.

Foto: Manfred hofer

Foto: Manfred seidl

Foto: Manfred seidl

Generell würde der eine oder andere schuldirektor aber

vermutlich trotzdem gerne mit Manfred Hofer oder ingeborg

schneider tauschen. so können von der Fußbodenheizung

im Winter und entsprechender kühlung im sommer

viele Direktoren anderer Bildungsbauten im umfeld der

HAk ii in salzburg nur träumen, wie der Direktor einräumt.

und die Weitläufigkeit der Heustadelgasse findet man

auch nicht oft in Österreichs schulen. All diese Aspekte

heben zwar die existierenden Probleme nicht auf, relativieren

sie aber doch erheblich.

Mehr Mut zum Spielraum!

Die Lösung für ultimative Zufriedenheit

liegt für beide Direktoren auf der Hand:

Mehr Mitspracherecht bei schulbauten,

auch um neue konzepte in der Pädagogik

umsetzen zu können. und im Übrigen

müsse man die Gebäude noch nutzen,

wenn sich die Erbauer schon lange anderen

Projekten zugewandt haben. Derselben Meinung ist

auch Architektin Elke Delugan, der allerdings die bürokratischen

Grenzen des schulbaus nur allzu bekannt sind. „ich

würde gerne neue Erkenntnisse in meine Planungen einfließen

lassen“, sagt sie. „Das wird jedoch oft von der relativ

starren Vorgehensweise beim schulbau verhindert.“

« Die BIG sieht es natürlich

als ihre Pflicht, auf etwaige

Planungsmängel hinzuweisen.»

Wolfgang Gleissner, BIG-Geschäftsführer)

schulen

nr. 9 | 2011 | www.big.at nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG Business

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In der HAK II Salzburg wurde neben ein

klassisches 70er­Jahre­Gebäude eine

futuristisch anmutende Spange gebaut –

mit Vor­ und Nachteilen.

Foto: Michael

hetzmannseder


Diskussion

schulen

sonDeRFAll PolGARsTRAsse

Ein Projekt, an dem ein Beteiligungskonzept der

Lehrerschaft bewusst erprobt wird, entsteht gerade

in der Wiener Polgarstraße im 22.Wiener Gemeindebezirk

(siehe Zeitraffer Seite 11). In über

900 Stunden arbeitete ein Team aus Schulvertretern

der „business academy donaustadt“ ein Wabensystem

aus, das der modernen pädagogischen

Linie von Schulleiter Christian Posad entgegenkommt.„Die

Schule hat sich genau an die Größenvorgaben

gehalten und sehr gut gearbeitet. Die

Grundidee konnte übernommen werden.“ Sind die

Erkenntnisse aus diesem Bau auch auf andere

Schulen umlegbar? „Eher nein“, sagt Regina

Stiassny, Asset Managerin Schulen.„Das ist eine

HAK und die Konzepte können nicht einfach auf

andere Schultypen umgelegt werden. Gelernt

haben wir aber natürlich in diesem Prozess!“

46 BIG Business

« Man sollte erst ein Pilotprojekt

evaluieren, bevor man die traditionelle

Bauweise einfach abschafft.»

Die erklärt BiG­Geschäftsführer Gleissner genauer: „Das

Bundesministerium für unterricht, kunst und kultur

(BMukk) bestellt eine schule oder einen Zubau. Es hat bestimmte

Wünsche, die wir erfüllen. Grundsätzlich gibt es

als Rahmen ein Raum­ und Funktionsprogramm, auf die

der Architektenwettbewerb aufsetzt, und eine Jury entscheidet

sich schließlich für die beste Arbeit. nach weiterer

Abstimmung mit dem BMukk wird mit dem Bau begonnen.“

Die BiG habe aber selbstverständlich die Pflicht,

auf etwaige Mängel hinzuweisen und tut das auch regelmäßig.

klare kritik an dieser Vorgehensweise äußert Autor und

Lehrer niki Glattauer. „Früher waren schulen als kasernen

gedacht, in denen kinder aufbewahrt wurden. Ein Quadratmeter

pro kind, eineinhalb für den Lehrer und noch einmal

so viel für einen Holzofen, das war eine klasse. nach

diesem Muster wird noch heute gebaut. neubauten sind

einfach bessere kasernen.“ Dem stimmt Elke Delugan nicht

ganz zu: „Es gibt schon eine gewisse Flexibilität“, sagt sie.

und in Richtung unterrichtsministerium: „Die erfordert

aber viel Überzeugungsarbeit.“ noch prägnanter auf den

Punkt bringt es Delugans kollege Peter Riepl und fordert:

„Wir brauchen mehr Mut zum spielraum!“

Punkto Mutlosigkeit fühlt man

sich im BMukk nicht angesprochen.

Denn man müsse den

vorhandenen spielraum halt auch

nutzen. Grundsätzlich betreibe das

BMukk gerade einmal zehn Prozent

aller schulen in Österreich. Generell

sei man aber der einzige

schulerhalter ohne gesetzliche oder

auf Verordnung basierenden Raumvorgaben.

Anhand eines norm­

Modells werde jenes Gesamtflächenanbot

errechnet, das einen

lehrplangemäßen unterricht sicherstellt.

Die Raumgestaltung, Abfolge

von Räumen und Funktionen

selbst obläge „idealtypisch“ den

Planern im Dialog mit der schule.

„Allerdings mit der Einschränkung,

dass diese Planung auch den unterricht

ermöglicht“, sagt Helmut

Moser, sektionschef im BMukk,

und betont: „Man könnte bei Bundesschulen

daher auch sechseckige

Roland Köll, Asset Manager Schulen

Foto: BiG

oder runde Räume bauen. Die scheinen sich aber bisher als

nicht sonderlich praktikabel herausgestellt zu haben.“

Die Form obliegt also dem Geschmack von Architekten,

Direktoren oder Lehrern. „Zu viele köche verderben nicht

zwangsläufig den Brei“, meint jener Mann, der in der BiG

als Asset Manager für schulbauten verantwortlich ist.

Roland köll hat einen differenzierteren Blick und spielt den

Ball nicht zum Ministerium, sondern vor allem zu den

schulen. „ich glaube nicht“, sagt er, „dass Lehrer, die Frontalunterricht

gewohnt sind, plötzlich mit einer 280­Quadratmeter­klasse

umgehen können, wo in einer Ecke die Bastelgruppe

der ersten klasse Lärm macht. ich finde, man

sollte zuerst ein Pilotprojekt in offener Bauweise starten

und danach evaluieren. können die kinder aus so einer

klasse besser rechnen, besser lesen? An diesen Ergebnissen

sollte man zukünftige Planungen ausrichten, bevor man

die traditionelle Bauweise einfach so abschafft.“

Grenzen ziehen

köll kennt natürlich auch die Direktoren sehr gut. „ich hatte

zum Beispiel ein Projekt in salzburg, das recht typisch für

die Wünsche von schulen ist. Gefordert wurden ein

Beachvolleyball­Platz und spielflächen auf dem Dach. Diese

Wunschlisten werden endlos. Da muss man Grenzen ziehen.

Als Auftragnehmer des BMukk müssen wir in erster

Linie dessen Anforderungen entsprechen, auch bei der Finanzierung.

Es ist trotzdem so, dass die Direktoren immer

in den Planungsprozess eingebunden sind.“

Aufgrund der letztgenannten Tatsache kann er auch die

kritik von Manfred Hofer nicht ganz verstehen. „Die hätte

schon lange vor Baubeginn geäußert werden können“,

wundert sich köll. „Die BiG bekennt sich zu guter Architektur.

Es ist aber so, dass der Funktionsplan Vorrang hat. unsere

Devise ist ‚Form follows Function‘. Durch unsere Erfahrung

im schulbau sind wir in der Lage, Architekten wertvolle

Hinweise zu geben. sinnlose Bauteile, die ausschließlich

der Form dienen, werden im Prozess hinausreklamiert.

Am schluss steht ein Gebäude, das eine Einigung zwischen

mehreren Beteiligten darstellt.“ Außerdem merkt köll an:

„kein Mitarbeiter in einem unternehmen kann seinen

Arbeitsplatz selbst planen. Man kann ihn sich herrichten,

aber nur selten selbst entscheiden, ob man ein Einzel­ oder

Großraumbüro haben will. Man muss mit dem arbeiten,

was man bekommt.“

Auch auf das spezielle Toilettenproblem von Manfred

Hofer geht köll noch einmal ein, da es ein bisschen symptomatisch

sei. „Erstens sind die Vorschriften der Bundes­

nr. 9 | 2011 | www.big.at

Foto: Fotolia

länder unterschiedlich. Zweitens halten wir uns an die

Vorgaben der Architekten und drittens – wenn der Mieter

etwas will, dann bekommt er es auch. Wir haben auch eine

schule mit schwarzen Fliesen, was für mich persönlich

ebenfalls etwas befremdlich ist. Das war mit allen Beteiligten

so abgestimmt.“ insgesamt sieht köll die Thematik

sehr abgeklärt: „Man kann es sowieso nicht allen recht

machen.“

Im Kompetenzdschungel

Ein Beispiel dafür, wie kompliziert ein schulbau sein kann,

ist der geplante in der seestadt Aspern im norden Wiens.

20.000 Menschen sollen im Endausbau auf diesem aufgelassenen

Flugfeld wohnen, ebenso viele Arbeitsplätze sollen

entstehen. Diese Zahlen verlangen natürlich nach einer

schule. „und zwar eine, die alles vom kindergarten bis zur

Matura in sich vereint“, sagt Roland köll. Das ist allerdings

leichter gesagt als getan. Denn Gymnasien sind Bundessache,

während die Volksschulen dem Land gehören. und

hier beginnt es sich zu spießen. Die körperschaften haben

beispielsweise unterschiedliche Vorschriften, wie klassenzimmer

auszusehen haben. Auch grundsätzliche Fragen

des Betriebes – etwa wer die Reinigung von gemeinsamen

Bereichen bezahlt – sind stolpersteine auf dem Weg zur gemeinsamen

Errichtung einer schule. Dem Asset Manager

schwebt eine salomonische Lösung vor: „Von außen wird

die schule wohl wie aus einem Guss aussehen. innen wird

aber eine strikte Trennung herrschen. Das ist auch in Anbetracht

der Altersunterschiede eine gute idee – wer sagt,

dass sich Gymnasiasten und Volksschüler verstehen? Wir

arbeiten aber auf einige gemeinsame Bereiche hin, um

synergien ausnutzen zu können.“

Die Nachfolgefrage

Mitreden wollen bei der Gestaltung

von schulen praktisch alle. Menschen

arbeiten allerdings nur auf

Zeit in einem bestimmten Gebäude.

Viele der Betroffenen möchten

unbedingt ihre eigenen Vorstellungen

durchsetzen, was aber den

jeweiligen nachfolgern nicht

zwangsläufig gefallen muss. Die

klügste Lösung ist daher der Mittelweg.

BiG­Geschäftsführer Wolfgang

Gleissner pragmatisch: „Die

nutzungsdauer muss länger sein,

als einzelne Personen in einem Gebäude

arbeiten. Es ist aber so, dass

sich nutzererfahrungen wiederholen,

wir daraus lernen und das auch

an die Planer weitergeben.“ ‹

schulen

DATen, FAKTen, ZAhlen

Beachvolleyball­

Plätze stehen auf

der Wunschliste der

Schulen weit oben.

Alles ist aber nicht

machbar. Gelegentlich

sind die Forderungen

seitens der

Nutzer leicht überzogen

und müssen

daher auf ein realistisches

Maß reduziert

werden. Denn

irgendwer muss das

ja auch zahlen.

40 Prozent des Portfolios der Bundesimmobiliengesellschaft

(BIG) besteht aus Schulen. Insgesamt

verwaltet die BIG 2,8 Millionen Quadratmeter

Schulfläche. Für Direktoren und andere Nutzer ist

sie erster Ansprechpartner für Wünsche und

Beschwerden. Derzeit befinden sich 16 Projekte

mit einem Volumen von 192 Millionen Euro in

Ausführung. In Planung sind Investitionen von

rund 327 Millionen Euro. Besonderen Wert legt

Geschäftsführer Wolfgang Gleissner auf die Feststellung,

dass die BIG Schulen nach dem Bau nicht

abgibt, sondern über die Lebensdauer betreut. Bauund

Sanierungsarbeiten werden hauptsächlich über

regionale Klein­ und Mittelbetriebe abgewickelt.

nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG Business

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48

Thema

BeV

Das Gebot

der Stabilität

Das neue Bundesamt für eich- und Vermessungswesen

in Wien Ottakring setzt globale Maßstäbe – beispielsweise

wie lange ein Meter auf der ganzen Welt zu sein

hat. Dabei bewegen sich die Techniker in Dimensionen,

mit denen Normalsterbliche kaum in Berührung

kommen. Den Raum dafür hat die BiG geschaffen.

Man nimmt es genau im Bundesamt für eich-

und Vermessungswesen (BeV) in Wien, sehr

genau: es geht um Billiardstelsekunden, millionstelmillimeter

sowie milli- und um mikrogramm.

In so extremen Bereichen des messens und Wägens

ist jede erschütterung, jede Temperaturschwankung,

ja selbst der Schritt eines menschen in den messraum eine

Fehlerquelle. Die messgeräte müssen besonders ruhig

gestellt sein. Der Bau bedarf daher maximaler Stabilität.

Stabilität – eine Grundvoraussetzung also für den Neubau

des Labortraktes im BeV.

Die anforderungen an die architekten und Bauleute waren

außergewöhnlich. ein Beispiel: ein Labortisch mit einer

rund 15 Zentimeter starken Platte aus Granit ruht seinerseits

auf einem bis zu sieben Tonnen schweren Betonblock.

Der wiederum ist auf Luftfedern gelagert. Die fangen

Schwingungen ab. „Diese Betonblöcke mussten, obwohl sie

Teile der einrichtung sind, vorgefertigt bereits mit dem

Rohbau eingebracht werden und wurden erst später ausgegossen“,

erläutert andreas Stampfer, Projektleiter in der

BIG, den baulichen und logistischen aufwand, die schwierige

Planung.

Und weil jedes Gebäude eine eigenschwingung entwickelt,

die mit der höhe zunimmt, wurden besonders sensible

Labors möglichst weit unten im Gebäude, also eher

im Keller, angesiedelt.

BIG BusiNess


Foto: Gisela erlacher

Die Fassade des Erweiterungsbaus in der

Wiener Arltgasse ist jedenfalls ein

Blickfang. Gleich daneben ist das

Stammhaus.

Nr. 9 | 2011 | www.big.at Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

49

BeV


Thema

« Wir haben

sozusagen eine

Wanne gebaut,

und in diese

Wanne dann erst

das Gebäude.»

Andreas Stampfer,

BIG-Projektleiter

BeV

Schwingungen und erschütterungen von außen kommen,

wie im Fall des BeV im 16. Bezirk in Wien, vor allem

von der Straße. Und deswegen werden sie schon ganz weit

„draußen“ am Bau abgefangen. Zwischen dem massiven

Baukörper des Kellers und der Umschließung der Baugrube

stecken Streifen aus Sylomer. Sylomer ist ein extrem verformungsbeständiger

Polyurethan-Schaum. Die massive

Bodenplatte des Gebäudes ruht auf einer Kiesschicht, und

die wiederum auf einer Unterbetonlage. auch Boden und

Keller sind wärmegedämmt. „Wir haben sozusagen eine

Wanne gebaut, und in diese Wanne dann erst das Gebäude“,

sagt andreas Stampfer. „Das nennen wir Schwingungsentkopplung.“

Logo als Verbindung

architekt Franz Bernhart erklärt: „In Wien hat man mit

dieser Technik der Schwingungsentkopplung Neuland betreten.

Ähnlich konstruierte Gebäude in Bern oder in Otaniemi

in Finnland stehen jedoch in Ortsrandlagen. In Wien

Ottakring sind die Rahmenbedingungen also um einiges

schwieriger.“ Warum ist nicht das BeV überhaupt an den

Stadtrand übersiedelt, wenn schon der Labortrakt so aufwendig

gebaut werden musste? Das gesamte amt zu ver-

legen wäre noch teurer gekommen, sind sich die experten

einig.

Und so wurden in zwei Jahren Bauzeit um rund zwölf

millionen euro zunächst der aus dem Jahr 1960 stammende

Bauteil in der arltgasse und der 27 meter hohe und

95 Jahre alte Wasserturm im hof abgebrochen. an dieser

Stelle steht jetzt der neue Labortrakt. Der funktionale Stil

des goldfarbenen Neubaus mit großen Fenstern in den

Obergeschoßen und mit dem fast schwarzen hochgezogenen

Sockel kontrastiert auffallend mit dem unmittelbar

anschließenden altbau aus dem Jahr 1916 in beiger Farbe,

der art-déco-Stilelemente erkennen lässt. Nur das Logo des

BeV an beiden Gebäudeteilen zeigt, dass sie zusammengehören.

Im altbau mit der Front zur Koppstraße wurde das Tiefparterre

mit diversen messlabors umgebaut. In einem etwas

mehr als 50 meter langen Stollen werden maßbänder

kalibriert. „ein Gebäude im Gebäude, weil der Stollen auch

in sich stabil sein muss“, erläutert andreas Stampfer. auch

darf kein Lufthauch die messungen stören, keine Temperatur-,

keine Feuchtigkeitsschwankung. „hier haben wir in

zwei monaten zwischen 19,5 und 19,6 Grad, und die

Luftfeuchte liegt konstant bei 40 Prozent“, sagt Robert

Fotos: Gisela erlacher

edelmaier, Leiter des physikalisch-technischen Prüfdienstes

im BeV, und er setzt hinzu: „So konstant müssen die Bedingungen

auch in den neuen Labors sein.“ Wegen des

Dehnungsverhaltens der Referenz- und Prüfkörper sind

nur sehr geringe Temperaturschwankungen in den messlabors

tolerierbar.

hier kommt die extrem aufwendige Gebäudetechnik

zum Zug. Robert edelmaier führt durch die erstaunlich

große und umfangreiche haustechnikzentrale im Dachgeschoß

des Laborneubaues. ein zentraler Technikschacht

zwischen dem alten Gebäudeteil und dem neuen Gebäudeteil

für die Labors versorgt alle Räume mit Luft und Klima,

mit Wasser, Strom und Gas, mit Druckluft oder Stickstoff.

Das kann kompliziert sein, denn unterschiedliche

messvorgänge brauchen in den einzelnen Labors unterschiedliche

klimatische Voraussetzungen“, sagt edelmaier,

„und die wiederum müssen jeweils möglichst stabil gehalten

werden.“

Belüftung

Die Räume werden zu 90 Prozent mit Umluft versorgt, es

werden jeweils nur zehn Prozent Frischluft zugemischt. Die

Luftmengen, die durch die Labors geschleust werden, sind

Wer schon einmal in einem klassischen

Wiener Zinshaus war, an dem die

Straßenbahn vorbeigefahren ist, hat im

Regelfall gespürt, wie die Erde bebt. Im BEV

Arltgasse herrscht dagegen absolute Ruhe.

gewaltig. eine anlage pumpt 4.800 Kubikmeter Luft pro

Stunde in zwei Laborräume. Das ist das hundertfache des

natürlichen Luftaustausches in einem Gebäude. Die großen

Luftmengen bewirken eine konstante Temperatur und

konstante Feuchte, und Zugluft wird vermieden.

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Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

51


BeV


Thema

BeV

«Jedes Land hat sein eigenes Labor, in dem

dieses Metermaß mit maximaler

Genauigkeit erzeugt wird.»

Michael Matus, Leiter des Labors für Längenmessung

„manche Labors werden durch zahlreiche Löcher im

Boden von unten be- und nach oben hin entlüftet“, sagt

andreas Stampfer, „oder durch sogenannte Quelllüfter

kommt Luft herein. Das heißt, die Luft quillt über große Flächen

aus Lochblech in den Raum, sie strömt nicht. man

spürt nichts von den immensen Luftmengen, die durch den

Raum gepumpt werden.“

auch die anordnung der Räume im Gebäude folgt dem

Ziel der gleichmäßigen Klimatisierung: Im Zentrum ist der

Technikschacht, links und rechts davon sind die Labors, und

außen sind die Gänge. „ein Zwiebelschalen-modell“, sagt

Robert edelmaier. „Über den Technikschacht sind die Labors

mit Luft, Wasser oder Strom einfach zu versorgen, und

die außen liegenden Gänge wirken wie Temperaturpolster.“

andreas Stampfer ergänzt: „Betonwände und Decken

sind aktiviert, das heißt auf 20 Grad vortemperiert.“ Zwischen

Gang, Kontrollraum und messraum muss dann nur

mehr ein geringer Temperaturunterschied ausgeglichen

werden.

Auf die Länge kommt es an

ein Laborraum erhält außerdem eine abschirmung gegen

elektromagnetische Strahlung um den Faktor 100 gegenüber

der Umgebung, denn auch messgeräte für Strom werden

hier geeicht. Das BeV ist ein amt, wissenschaftliches

Zentrum für metrologie, also für die Wissenschaft vom

Fotos: Gisela erlacher

ZahleN, DaTeN, FakTeN

Baubeginn Februar 2009

Fertigstellung Februar 2011

Nettogrundfläche Laborneubau 2.436 m 2

Nettogrundfläche Sanierung (Bestand) 1.793 m 2

Nutzfläche Laborneubau 1.325 m 2

Nutzfläche Sanierung (Bestand) 1.338 m 2

Investitionen 12,1 Mio. Euro

messen, und das BeV bietet eine Reihe von Dienstleistungen

für die Wirtschaft.

Längenmessgeräte werden im BeV kalibriert. Wenn es

Lasergeräte sind, wird der Femtosekunden-Kammgenerator

eingesetzt. eine Femtosekunde ist eine Billiardstel Sekunde.

eine Sekunde ist mit 9.192.631.770 Schwingungen

definiert, die vom Cäsiumatom –133 ausgestrahlt werden.

Diese Sekunde wird in den drei „atomuhren“ des BeV dargestellt.

Zeit und Raum sind im BeV keine Gegensätze.

Gütesiegel

alle Zeitmessgeräte können danach eingestellt, also kalibriert

werden. Strommessgeräte nach ampere, Volt und Ohm

werden eingestellt. Wasserzähler, Gaszähler, Durchflusszähler

für Tankstellen werden geeicht. Geräte zur Prüfung von

Flüssigkeiten, Laserpistolen für die Polizei und vieles mehr

erhält das Gütesiegel der technischen Verlässlichkeit im BeV.

allein das Kilogramm ist noch eine physisch vorhandene

Größe: es ist die Kopie Nr. 49 des internationalen Kilogrammprototyps

aus einer Platin-Iridium-Legierung.

Das BeV leitet die internationale Koordination des metermaßes.

ein meter ist jene Strecke, die Licht im leeren

Raum in einer Zeit von 1/299.792.458 Sekunde, also in

knapp einer 300-millionstelsekunde, durchläuft. Dieser

Definition haben sich in der meterkonvention 87 Länder

angeschlossen. michael matus, Leiter des Labors für Längenmessung,

erklärt: „Jedes Land hat sein eigenes Labor, in

dem dieses metermaß mit maximaler Genauigkeit erzeugt

wird. Wir in Wien vergleichen im auftrag der meterkonvention

die angaben der Länder und sehen, wie nahe jedes

Land an diese Definition herankommt, und wir machen

Rückmeldungen.“ man könnte sagen: Das Pariser Urmeter

hat ausgedient. Jetzt zeigt Wien, wie lange ein meter tatsächlich

ist. ‹

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Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

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BeV


THEMA

Foto: istock

schutzRäume

„Schutzbedürftig“

Aus Angst vor Kriegen hat die

Republik schutzräume geschaffen.

275 dieser Relikte des Kalten Krieges

werden derzeit von der BiG

verwaltet und unterschiedlich

genutzt. Der größte für 1.062

Personen befindet sich im

Regierungsgebäude in der

Radetzkystraße – und steht für

den akuten ernstfall eher nur

bedingt bereit.

«Ich werde daher in meinem

Geschäftsbereich bei jedem Neubau

zumindest Grundschutzräume vorsehen

und über Wunsch des beteiligten

Ressortministers Schutzräume mit

höherem Schutzumfang anordnen.»

Vinzenz Kotzina, ehemaliger Bautenminister

A

ngeblich halten die das aus. Selbst wenn jemand

100 Kilogramm wiegt. Ich kann das nicht

glauben.“ Walter Lorenz, Objektmanager der

Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), richtet

einen zweifelnden Blick auf das Bettgestell. Statt Matratze

und Lattenrost ist die massive Eisenkonstruktion mit

einem grünen Synthetikstoff umspannt – Marke Baumarkt,

allerdings für den Garten-Sichtschutz. Gleich sechs

Schlafplätze auf drei Ebenen bietet die Vorrichtung, die naturgemäß

weder Luxus noch Intimsphäre bieten kann; jeder,

der sich hier zur Ruhe betten möchte, hat nicht einmal

Platz, um sich nachts sorgenfrei umdrehen zu können.

Denn eine Pritsche misst nur 40 Zentimeter in der Breite

bei fast zwei Metern Länge. Die einzige vorgebliche Privatsphäre

sollen cremefarbene Vorhänge um die Bettenlager

bieten. Benutzt hat sie jedoch noch niemand, denn der

Schutzraum im Regierungsgebäude in der Radetzkystraße

2 musste bisher noch nicht in Betrieb genommen werden.

Mit Platz für 1.062 Personen ist er der wohl größte seiner

Art in Österreich und einer von insgesamt 275, die von

der BIG betreut werden. Die meisten davon sind Kinder des

Kalten Krieges.

Reale Bedrohung

Urvater der öffentlichen Schutzräume ist der damalige

Bautenminister Vinzenz Kotzina. Er schreibt am 24. Juli

1967 in einem Vortrag an seine Ressortkollegen: „Ich werde

daher in meinem Geschäftsbereich bei jedem Neubau zumindest

Grundschutzräume vorsehen und über Wunsch

des beteiligten Ressortministers Schutzräume mit höherem

Schutzumfang anordnen.“ So richtig wollte, trotz „realer“

Bedrohung aus dem Osten, das Thema aber scheinbar

nicht in Schwung kommen. Jahre später kritisiert Bautenminister

Karl Sekanina fehlende Klarheit der Zuständigkeiten:

„Wenngleich alle wesentlichen Planungs- und Baumaßnahmen

in diesem Zusammenhang getroffen werden,

sind die meisten so errichteten Schutzräume derzeit noch

nicht funktionsfähig, weil ihre Grundausstattung durch

das Bundesministerium für Bauten und Technik und die

Restausstattung der Schutzräume durch die verwaltenden

Ressorts ebenso wie ihre Wartung bis dato nicht geregelt

sind.“ Allerdings bleibt in diesem Ministerratsvortrag vom

17. März 1981 ein Hintertürchen offen, um doch noch eine

Nutzung zu sichern: „Ferner soll in Zukunft den Möglichkeiten

der Doppelverwendung von Schutzräumen besondere

Aufmerksamkeit geschenkt werden.“ Wir schreiben

das Jahr 1986. Am 26. April explodiert der Kernreaktor in

Tschernobyl, halb Europa wird durch den nuklearen Super-

Gau verstrahlt. Damit wird die atomare Angst, die der Kalte

Krieg all die Jahre davor schon verbreitet hat, noch weiter

verstärkt. Im Jahr 1986 wird auch das große Regierungsgebäude

in der Landstraßer Radetzkystraße eröffnet, wo sich

heute Verkehrs- und Gesundheitsministerium befinden.

Und ebendort sollten im Fall des Falles die Minister und

Beamten Schutz finden, weshalb im dritten von vier Untergeschoßen

der Groß-Bunker eingerichtet wird. Nach der

Reaktorkatastrophe in der Ukraine ist allerdings das Schutzbedürfnis

konstant gesunken. Somit ist auch der „Keller“ im

Bundesamtsgebäude Radetzkystraße in einen Dornröschenschlaf

gefallen. Genau 25 Jahre später, im Jahr 2011, ruft

das Drama in Japan die teilweise vergessenen Schutzräume

in Erinnerung.

„Eigentlich ist das ja eine Ebene der Tiefgarage. Wenn es

einmal nötig wird, kann man den Schutzraum sofort anders

nutzen. 26 Pkw hätten hier Platz“, berichtet Lorenz. 26 Autos

oder 1.062 Menschen also – ein Vergleich, der erst die unvorstellbare

Enge beschreibt, die bei Vollbesetzung entstehen

würde. „Eintritt verboten. Lebensgefahr“, prangt pikanterweise

oberhalb der massiven Eisentür, durch die es in

den Bunker geht. Der (nicht leuchtende) Schriftzug bezieht

sich allerdings auf die Garage, falls es etwa einmal brennen

sollte.

Es riecht modrig dort unten. Die Luft steht, wie in Kellern

alter Häuser. „Wir haben hier ein Umluftsystem ohne Luft

von außen. Mittels Sandfilter wird die Luft immer gereinigt“,

erzählt der BIG-Objektmanager. Allerdings wäre,

wenn draußen alles zusammengebrochen ist, die Luft irgendwann

zu dünn. „Nach drei Wochen ist der Diesel für

das Notstromaggregat aus. Was dann passieren würde,

weiß keiner.“ Es ist einer von vielen Punkten, die den riesigen

Bunker hinterfragenswert machen. „Man hat sich zwar

überlegt, wie man all die Leute hier unterbringt und entsprechend

versorgt, aber wie man sie dann hier beschäftigt,

hat sich keiner überlegt“, merkt Lorenz an. Gegen den sicher

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55

schutz


Räume

Foto: michael hetzmannseder

Wie viele

Schutzräume in

Österreich existieren,

weiß niemand so

genau. In den

Gebäuden der BIG

sind es fast 300. Die

wenigsten davon

sind allerdings für

den Ernstfall bereit.


THEMA

schutzRäume

Kuscheln ist gefragt.

Auf den Notschlafstellen käme man

einander zwangsweise näher.

Infrastruktur wie Elektrizität und

Wasser existiert. Und auch bei

Stromausfall fände man den Weg.

scheinenden Lagerkoller gebe es weder

Spiele noch Handy oder Internet.

„Hier herunten hat man keinen Empfang.

Der einzige Draht nach außen ist

eine Telefonverbindung.“ In einem Eck

steht tatsächlich ein Telefon, mit Wählscheiben

aus den 70er-Jahren. Funktionieren tut es

nicht. „Wir haben das abgedreht, weil sonst Leute herunterkommen

und gratis raustelefonieren.“

Volle Infrastruktur

Die Basisversorgung wäre aber – zumindest theoretisch –

gegeben: Eine Zisterne für 20.000 Liter und eine Küche

wurden eingeplant. Allerdings ist beides derzeit nicht für

den Ernstfall vorbereitet. Aus Kostengründen ist weder die

Zisterne befüllt noch die Küche mit Lebensmitteln oder Tellern

bestückt. „Anfangs wurden die Vorräte immer wieder

vernichtet und neue gekauft. Das hat man dann aufgegeben“,

erzählt Lorenz. Und aus der Küche seien auch immer

wieder Besteck und Geschirr entwendet worden, weshalb

man auch das rausgeräumt habe. So konnten die den Mietern

verrechneten Kosten für den Schutzraum auf ein Minimum

gesenkt werden; pro Jahr sind es in der Radetzkystraße

rund 12.000 Euro – vorwiegend für Wartungsarbeiten. Und

geheizt werden kann der Raum mangels Heizung auch

nicht: „Jeder Mensch strahlt pro Stunde etwa 40 Watt ab.

Also bräuchte hier herunten niemand Wärme“, gibt Lorenz

zu bedenken. Nachsatz: „Klimaanlage gibt’s selbstverständlich

aber auch nicht.“

Funktionstüchtig sind hingegen die Toiletten, denn die

sind derzeit an die Hauswasserleitung angeschlossen. WCs

mit fließendem Wasser gibt es seltsamerweise im großen

Bunkerraum für die Beamten, nicht aber im separaten Teil

für die Minister. Diese beiden Räume, die sich hinter extra

dicken Tresortüren befinden, bieten nur Toiletten-Vorrichtungen

mit Auffangsackerl. „Wahrscheinlich deshalb, weil

es bei 1.000 Leuten sonst zu viel stinken würde“, mutmaßt

Lorenz über die Beamten-Privilegien im Bunker. Spiegel –

auch nicht für die Damen – gibt es da wie dort nicht, damit

sich niemand freiwillig oder unfreiwillig verletzt. Ansonsten

hätte es die Ministerriege etwas bequemer in ihrem

Separee: orange Scheibtischsessel im 70er-Jahre-Chic,

Schreib tischkojen im Design-Mix aus Heurigenbank und

Fotos: michael hetzmannseder

Volksschulgarderobe, extra mit Schaumstoff im Rücken gestärkt.

Und wer von hier nach draußen will, kann durch ein

Loch in der Mauer entfliehen. „Dieser Notausgang geht auf

die Vordere Zollamtstraße raus“, sagt Lorenz. Leuchtstreifen,

die im Finsteren grell-grün strahlen, weisen den Weg

hinaus; und auch andere wichtige Leitungen sind derart

markiert. Ein Hauch von Disco-Feeling im finsteren Bunker

kommt auf. „Sie werden es nicht glauben, aber vor Jahren

gab es eine Anfrage, ob man hier ein Clubbing veranstalten

könne“, erzählt Lorenz. Das Begehren wurde ebenso abgelehnt

wie der Wunsch, eine ORF-Sendung hier auszurichten.

„Für die Scheinwerfer wäre der Raum zu niedrig

gewesen.“

Zweckentfremdet

Ob der Schutzraum im Krisenfall wirklich zur rettenden Einrichtung

werden kann, ist fraglich. Vor allem sei ungeklärt,

wer die Organisation übernimmt: „Wer stellt sich hin und

bewacht den Eingang? Was passiert, wenn der Raum bereits

voll ist und noch jemand hinein will?“, skizziert Fritz Seda

von der BIG offene Fragen, auf die es keine Antworten gibt.

Nicht nur aus diesem Grund werden in neue Gebäude keine

Schutzräume mehr eingebaut. Denn mit dem Kauf des Immobilienportfolios

der Republik durch die BIG sind die Karten

neu gemischt. Schutzräume müssen seit mittlerweile

rund zehn Jahren bei Neubauten oder Erweiterungen explizit

bestellt und damit auch bezahlt werden. Die Nachfrage

tendiert aktuell gegen null.

Allerdings hat die BIG mit den existierenden 275 sowieso

genug zu tun. Einige davon werden indes schon anderweitig

genutzt – teilweise in einer Form, die man eher nicht erwarten

würde. Bestes Beispiel ist der Schutzraum im Institutsgebäude

der Karl-Franzens-Universität in der Grazer Schubertstraße:

Dort nutzen Psychologen den Bunker als Schreiraum,

wo sich Patienten im Zuge einer Therapie so richtig die Seele

aus dem Leib brüllen können. Schließlich ist der Schutzraum

ob seiner (Schall-)Isolierungen besonders gut dafür geeignet.

Der Bunker im Amtsgebäude am Josef-Holaubek-Platz 1

in Wien-Alsergrund wiederum wird von der dort ansässigen

Polizei zum Einsatztraining genutzt; Betten und Sanitäranla-

Rund zwei Millionen Schutzraumplätze

gibt es in Österreich, die meisten davon in

Privathäusern. In Bundesbauten stehen

rund 160.000 Plätze zur Verfügung, allerdings

ist ein Großteil der Räumlichkeiten

nicht für den Ernstfall gerüstet. Laut Experten

stehen nur für rund vier Prozent

der Bevölkerung einsatzfähige Schutzräume

bereit. Auch von den 275 Schutzräumen

der BIG werden nur 64 regelmäßig

gewartet, und in knapp der Hälfte der

Räume befindet sich überhaupt eine Einrichtung.

Drei der Schutzräume wurden

von der BIG bereits verkauft.

Gemäß Önormen müssen die Schutzgen

sind dort im Originalzustand erhalten, daräume nach dem Typus„Grundschutz“ gemit

könnte der Raum auch theoretisch weiter gen das Eindringen chemischer und bio­

als Schutzraum genutzt werden. Zu einem richlogischer Schadstoffe gerüstet sein und

tigen „Krisenzentrum“ ausgebaut haben Mit- bei nuklearer Rückstandsstrahlung einen

arbeiter des Oberlandesgerichts Linz in der Schutzfaktor kleiner als 1/250 (= 0,004) er­

Gruberstraße den vorhandenen Schutzraum: reichen. Außerdem müssen sie erdbeben­

Sollte es also etwa zu einem Anschlag oder sicher sein, Einstürzen, Bränden sowie

einer Naturkatastrophe kommen, würde der Explosionen standhalten können.

mit EDV-Arbeitsplätzen ausgestattete Raum

zum Refugium der Entscheidungsträger, um

im Notfall Zugriff auf wichtige Dateien zu haben. Andere

Lösungen gibt es in Form von Bibliotheken („Zahngebäude“

der Universität Graz), Tischtennis- und Tischfußball (Villacher

St. Martin-Gymnasium) oder Garderoben (Gymnasium

Polgarstraße in Wien 22). Für die Zukunft schwebt der BIG

ein Modell vor, bei dem auch all die anderen Schutzräume

sukzessive anderweitig genutzt werden können, ohne dass

neue Kosten entstehen. „Umbauten und Umwidmung

sollen aber nur auf schriftlichen Wunsch des Bundesmieters

und natürlich unter Zustimmung der Baubehörden erfolgen“,

so BIG-Manager Fritz Seda.

Übrigens ist generell zweifelhaft, ob die Regierungsspitze

im Ernstfall tatsächlich in die hauseigenen Bunker flüchten

würde – immerhin gibt es in St. Johann im Pongau ja auch

den sagenumwobenen „Regierungsbunker“, der vom österreichischen

Bundesheer betrieben wird. Der ein Kilometer

lange Stollen gilt als Österreichs Lebensnerv im Katastrophenfall

und wird daher rund um die Uhr voll in Betrieb gehalten

– allein 250 Beschäftige arbeiten für die „Einsatzzentrale

Basisraum“, wie es offiziell heißt. Im Ernstfall wären

laut Bundesheer die Spitzen des Staates da, denn eine eigene

Etage im Bunker ist für das staatliche Krisenmanagement

reserviert, inklusive voll ausgestatteter Sitzungszimmer

und Büros. Auch verfügt das Bundeskanzleramt über

ein eigenes Rechenzentrum im Berg. Laut Insidern ist der

Pongauer Bunker gegen Angriffe von außen besser geschützt

als die Al Kaida in ihren Höhlen. Insgesamt könnten

rund 500 Personen völlig autark im Berg existieren – allerdings

nicht nur drei Wochen wie in der Radetzkystraße,

sondern gleich bis zu drei Monate. ‹

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Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

57

Foto: BiG

Das Amtsgebäude in der Radetzkystraße im 3. Wiener Bezirk hat den

größten funktionierenden Schutzraum im Untergeschoß.

schutz

FActs

Räume


Thema

Diese fein gesponnenen

Tentakel lauschen rund um

die Uhr in die Erde.

MuggeNdorf

400 Meter bohrt sich der

Stollen durch den Berg. Im

Vordergrund die Abdeckung

einer Tiefbohrung, die

150 Meter tief reicht und

Messgeräte aufnehmen wird.

Insgesamt wurden

30.000 Kubikmeter Gestein

ausgehoben.

Lauschangriff aus

Muggendorf

Auf dem Trafelberg im verschlafensten Teil

Niederösterreichs werden ereignisse von

globaler Bedeutung erforscht.

E

igentlich erwartet man hier nichts mehr. außer

vielleicht einen schnellen Blick auf einen Fuchs

und einen hasen, die sich Gute Nacht sagen.

eine Forststraße voller Schlaglöcher führt durch

den Paßtaler Wald, Felswand auf der einen, abgrund auf

der anderen Seite. Doch kommt man in rund 1.000 metern

Seehöhe an, tun sich ganz neue Perspektiven auf. auf einer

Fläche von rund einem hektar Größe liegen in dieser sehr

ruhigen ecke merkwürdige Gebilde auf dem Boden und

strecken Tentakel in alle Richtungen. Dicke Rohre verbinden

kleine Kieshaufen. eine surreale marslandschaft?

mitnichten. Willkommen im Conrad­Observatorium der

Zentralanstalt für meteorologie und Geodynamik (ZamG).

Geodynamik ist die Lehre von den erdbewegungen. Weil

der Trafelberg so weit abseits liegt, durch besonders eisenarmes

Gestein fast kein magnetfeld aufweist und sich

nicht einmal Touristen hierher verirren, ist er die ideale Basis

für eine Forschungsdisziplin, die allerhöchste Präzision

erfordert. Keine leichte aufgabe für die Bundesimmobiliengesellschaft

(BIG), die auch im momentan laufenden zweiten

Bauabschnitt Stollen und ein Gebäude errichtet.

Das Observatorium liegt, trotz sichtbarer außenbauten,

im Berginneren. Im ersten Bauabschnitt wurden Büros im

Fels errichtet, im laufenden zweiten kommt zu neuen

Stollen auch ein holzgebäude dazu.

Space Weather, GPS und launische Magnetfelder

Der herr über den Trafelberg ist Roman Leonhardt, Leiter

des Conrad­Observatoriums. „Im zweiten Teil, der gerade

gebaut wird, führen wir ausschließlich magnetische Forschung

durch. Dabei geht es einerseits um das erdmagnetfeld

als auch die Wechselwirkung mit der Sonne. Der Fachbegriff

dafür ist Space Weather.“

Und was hat das mit uns zu tun? „Sehr viel“, so Leonhardt

weiter. „Beispielsweise mit der Navigation auf der erde.

Neben GPS muss immer ein zweites System verfügbar sein,

MuggeNdorf

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fotos: Big


fotos: Big

Thema

MuggeNdorf

denn ein Satellit kann ausfallen. Das erdmagnetfeld ist da

verlässlicher, bewegt sich aber auch ständig – um mehr als

20 Grad zwischen dem magnetischen und dem geografischen

Nordpol seit Beginn der aufzeichnung. hier liefern

wir die Daten zur Nachjustierung von Navigationsinstrumenten.

außerdem wird das magnetfeld immer schwächer.

Insgesamt um zehn Prozent seit Beginn der Beobachtungen

vor 170 Jahren. Das ist eine ganze menge für etwas,

das seit drei milliarden Jahren existiert. Wir forschen, was

da gerade passiert, denn solche Schwankungen können

auch auf der erde große auswirkungen haben. Das magnetfeld

wirkt nämlich wie ein Schutzschild für die erde.

Wird es schwächer, erreicht uns mehr Sonnenwind. Das

gibt einerseits schöne Polarlichter, kann aber auch zum

ausfall von technischen Geräten führen.“

Ein metallfreier Berg

Um diese messungen möglich zu machen, muss das Observatorium

strengen Vorschriften entsprechen. Zum Beispiel

was störende magnetfelder betrifft – und damit praktisch

jedes metallteil in der Umgebung. Die Bauhütte, einige

meter unterhalb der eigentlichen Baustelle, zeigt, worauf

die Wissenschaftler der ZamG viel Wert legen: Sie ist aus

holz. „Und natürlich hatten wir mäuse drin“, lacht BIG­Projektleiter

Gerald Kaufmann. „Im ernst: Die Forscher sind

sehr heikel, was magnetismus betrifft.“

Wegen dieser Besonderheit durfte auch in der Konstruktion

kein metall verwendet werden, was die traditionelle

Bauweise mit Stahlbetonmantel über den haufen warf.

Kaufmann musste daher tief in die Trickkiste greifen, um

den anforderungen der ZamG gerecht werden zu können.

ersatz aus Kunststoff wurde gefunden, leichter, aber ge­

Außerirdische Perspektiven im

tiefen niederösterreichischen

Wald: Diese Messtürme

versorgen sich selbst mit Strom.

nauso tragfähig. außenkonstruktionen werden aus holz

errichtet. Trotz aller Planung und expertise bleibt so ein

Tunnel immer ein wenig unberechenbar. „Bei so einem

Projekt freut man sich, wenn man das Licht auf der anderen

Seite sieht und es ist nichts passiert“, sagt Kaufmann.

„Über dem Stollen sind immerhin 50 meter massives Gestein,

und während der Bauarbeiten sind wir immer wieder

auf höhlen gestoßen, die in der geologischen Untersuchung

nicht gefunden wurden. außerdem ist im Berg viel

Wasser, das wir erst unter Kontrolle bringen mussten.“

Für Gerald Kaufmann eine ganz neue erfahrung: „Jede

verlorene Schraube wurde buchstäblich mit metalldetektoren

gesucht.“

Diese Voraussetzung für die magnetfeldforschung hat

übrigens auch Nebenwirkungen, die nicht einkalkuliert

waren. „So richtig sauer ist zum Beispiel die örtliche Jägerschaft“,

erzählt Kaufmann. „Nicht nur, dass rund um die

empfindliche Station Jagdverbot herrscht, weil das metall

und der Lärm von Flinten die Geräte durcheinanderbringen.

Das Wild ist so schlau, sich in diese ruhige Zone

zurückzuziehen. Das ärgert die umliegenden Pachten.“

Katastrophen unter dem Paßtaler Wald

Deutlich mehr Konsequenzen als ein Geweihmangel an so

manches Waidmanns Wand hat die arbeit, die in den Kavernen

verrichtet wird. Die werden nicht nur genutzt, um

nach erdbewegungen zu lauschen oder magnetfelder zu

messen. Das Conrad­Observatorium ist Teil eines internationalen

Verbundes ähnlicher einrichtungen und die

Wiener UN­Vorfeldorganisation CTBTO (Comprehensive

Nuclear­Test­Ban Treaty Organization/Vertragsorganisation

über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen) be­

treibt dort ein Testgelände. Sie lauschen nach Infraschall­

Wellen (also solche weit unter dem menschlichen hörbereich),

die sich durch den erdmantel ausbreiten. hervorgerufen

werden sie durch tektonische Verschiebungen oder

eben große explosionen wie atomtests. Die CTBTO ist mit

rund 320 ähnlichen messstationen in aller Welt vernetzt,

die verschiedene aufgaben im Bereich der Überwachung

von atom­Sperrverträgen erfüllen. In dieser einsamen

Gegend mit Blick auf die Rückseite des Schneeberges ist es

also möglich, einen nordkoreanischen atombombentest

zu hören – oder auch das erdbeben in Japan, das im märz

2011 zur Katastrophe von Fukushima geführt hatte.

messungen von geodynamischen ereignissen, die am

anderen ende der Welt stattfinden, werden mit Seismografen

durchgeführt. Die schlagen zwar auch aus, wenn jemand

auch nur denselben Raum betritt, können aber unter

ruhigen Bedingungen weltweite tektonische Bewegungen

erfassen. Für solche Zwecke verwenden die Wissenschaftler

Detektoren, die dank Tiefbohrungen noch 150 meter

tiefer im Berg liegen als die Forschungsstation selbst.

Die messdaten dieses hochempfindlichen globalen

Lauschnetzwerkes haben neben den militärischen auch

zivile anwendungsmöglichkeiten: So werden seismische

Daten selbstverständlich an Tsunami­Warnstationen weitergereicht.

Insgesamt gibt es weltweit rund 60 messstationen,

die mittels dieser methode nicht nur ein ereignis

erfassen, sondern auch seine genaue Ursache herausfinden

können.

Tiefbau-Probleme in luftiger Höhe

Die nur in liberalster auslegung so zu nennende „Straße“

auf den Trafelberg stellt auch Laien vor die Frage: Wie soll

da jemals eine Baumaschine hinkommen? „Wir arbeiten

mit erfahrenen Tunnelbauern zusammen“, sagt Gerald

Kaufmann dazu. „Diese Firma war zum Beispiel in Chile

und hat 2010 mitgeholfen, die gefangenen Bergleute zu

befreien.“

Trotzdem: es ist eine herausforderung für mensch und

maschine, die Tonnen an benötigtem material hinauf­ und

rund 30.000 Kubikmeter aushub hinunterzubringen. als

wäre das nicht genug herausforderung, kommen auch

Querschüsse von unerwarteter Seite. So bestand der Brandschutz­Beauftragte

von muggendorf etwa auf einen Löschteich

mit 50.000 Litern. Doch die nächste

Feuerwehr ist etwa zehn Kilometer entfernt

im Tal. „Bevor die hier sind und den

Teich anzapfen, brennt schon der ganze

Berg“, ist Kaufmann sicher. „außerdem,

was soll hier brennen? es ist eine höhle.“

Die Wissenschaftler, die hier bald einziehen,

werden eine perfekte arbeitsumgebung

vorfinden, an der nichts mehr an die

kleinen Ärgernisse der insgesamt erfolgreichen Bauphase

erinnern wird. Der Baulärm der Bagger wird abgelöst sein

durch die grollenden Geräusche von fernen erdbewegungen.

Und vielleicht einem hasen, der dem Fuchs leise „Gute

Nacht“ sagt. ‹

Letzte Arbeiten am zweiten Bauabschnitt, bevor die

Wissenschaftler mit ihren Geräten einziehen.

Hinter dieser Fassade verbergen sich die Büros im Berg.

« Jede verlorene Schraube wurde

buchstäblich mit Metalldetektoren

gesucht.»

Gerald Kaufmann, BIG-Projektleiter

MuggeNdorf

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Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

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Thema

AtomiNstitut

Bis vor Kurzem schossen

im Wiener Prater die

Atomteilchen von der

Öffentlichkeit unbemerkt,

aber selbstverständlich

kontrolliert hin und her.

Durch das erdbeben in Japan

waren die Forscher des

Atominstituts plötzlich

medial gefragte experten.

Ein Quantum Erkenntnis

E

s ist ruhig in der halle, die von dem hohen Reaktorgefäß

in der mitte beherrscht wird. Über

eine metalltreppe kann man an den Rand des

Reaktors hinaufsteigen und hineinschauen in

das ruhige, bläulich-helle Wasser, in dem die Brennstäbe

gekühlt werden. Um den Reaktor herum sind arbeits- und

Labortische gruppiert, an denen Wissenschaftler vor

Computerbildschirmen arbeiten. Das Gemurmel leiser Gespräche

ist zu hören, ab und zu unterbrochen von einem

deut lichen Schnalzen, gefolgt von einem sekundenlangen

Zischen. „Was Sie da hören, sind experimente mit

Neu tronen“, erläutert Universitätsprofessor hannes-Jörg

Schmied mayer, Leiter des atominstitutes der Technischen

Universität Wien (aTI), und deutet auf lange, weiße Schläuche,

die vom oberen Rand des Reaktorgefäßes hinunterreichen

zu den Labortischen. Durch die Schläuche werden

Proben vom Labor in den Reaktor geschossen und nach der

Bestrahlung wieder in das Labor zurückgeholt, ohne dass

der Wissenschaftler seinen arbeitsplatz verlassen muss.

„Unser Reaktor wird in erster Linie als Neutronenquelle

benützt“, fährt der Physikprofessor fort, „die Leistung mit

250 Kilowatt thermisch ist nicht höher als die eines mittleren

PKWs.“ Der Reaktorkern besteht aus 80 Brennelementen.

Die maximale Temperatur liegt bei 200 Grad. Im Notfall

wird der Reaktor automatisch oder von hand aus in

einer Zehntelsekunde abgeschaltet. Wegen der geringen

Foto: tu Wien

Leistung des Reaktors, der 1962 erstmals kritisch wurde,

können noch 50 Brennelemente von der ersten Ladung verwendet

werden. ausgebrannte Brennelemente werden an

die USa zurückgestellt. hersteller des Forschungsreaktors

vom Typ TRIGa mark II ist General atomic. Weltweit sind

50 Reaktoren dieses Typs in Betrieb, davon zehn in europa.

Der Prater-Reaktor, wie er auch wegen seines Standortes

am Rand des Wiener Praters heißt, dient der Forschung und

der ausbildung in atom- und Reaktorphysik, Strahlenphysik

und Strahlenschutz, Umweltanalytik und Radiochemie,

messtechnik und Festkörperphysik. „Wir haben während

der Reaktorkatastrophe in Japan ganz bewusst unsere

jungen Wissenschaftler den medien als experten zur Verfügung

gestellt, um unsere Kompetenz unter Beweis zu

stellen“, betont der Dekan der Fakultät für Physik an der

TU Wien, Gerald Badurek.

Stabiles Land

am Prater-Reaktor werden auch experten der Internationalen

atomenergie Organisation (IaeO) ausgebildet, deren

aufgabe es ist, rund um die Welt atomprogramme der

einzelnen Länder zu überprüfen, ob nicht unerlaubt an

atomwaffen gebastelt wird, ob also der atomwaffensperrvertrag

eingehalten wird. „Unser Reaktor ist daher wichtig

für Wien als Standort der IaeO und der UNO“, sind sich

Dekan Badurek und aTI-Leiter Schmiedmayer einig. „Die

ausbildung auf einem so heiklen Gebiet in einem westlichen

und politisch stabilen Land, keine zehn minuten mit

dem Taxi von der UNO-City entfernt, ist ein wesentlicher

Standortvorteil“, meint Schmiedmayer.

er gehört zu jenen Professoren, die in den letzten Jahren

neu an das atominstitut berufen wurden, und die neue

Schwerpunkte gesetzt haben, vor allem auf dem Gebiet der

Quantenphysik. „Die internationale Bedeutung des atominstitutes

steht und fällt mit den richtigen Berufungen“,

betont Dekan Badurek, selbst Forscher auf dem Gebiet der

Quantenphysik. er sieht die besten Chancen für das atominstitut

in der Tradition eines helmut Rauch, ein Koryphäe

der modernen Quantenphysik in Österreich. Zu dessen

Schülern zählt auch anton Zeilinger. Zeilinger ist zum

ersten mal eine Form der Quan -

ten- Teleportation gelungen. auch

helmut Rauch war Leiter des aTI,

Schmiedmayer ist einer seiner

Nachfolger: ausgebildet in Wien,

nach Zwischenstationen in harvard

und am massachusetts Institute

for Technology (mIT), war er

zuletzt Physikprofessor an der Uni-

Gerald Badurek, TU Wien

versität heidelberg und hatte eine

Gastprofessur in Beijing.

Jüngster Streich von Schmiedmayer

und seinem Forscherteam:

Bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt ist es

gelungen, atompaare zu erzeugen. Jedes fliegt in eine andere

Richtung, sie gelten jedoch als quantenphysikalische

AtomiNstitut

62 BIG BusiNess Nr. 9 | 2011 | www.big.at

Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

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Foto: BiG

Quasi im Wiener Prater, umgeben

von Kleingärten, werden auch die

Atomphysiker von morgen ausgebildet.

« Die internationale

Bedeutung des

Atominstitutes steht

und fällt mit den

richtigen Berufungen.»


Foto: tu Wien


Foto: tu Wien

Thema

AtomiNstitut

Kopien voneinander. Das eine atom kann nicht beschrieben

werden, ohne auch das andere zu beschreiben. Ähnliche

experimente sind bisher nur mit Lichtteilchen gelungen,

jetzt also auch mit materie. Diese atom-Zwillinge

könnten zu Quanten-messverfahren führen, deren Präzision

jene der klassischen Physik weit übertrifft, meint

Schmied mayer.

Aus Minus wird Plus

Fernziel der Forschung am aTI ist die technische Nutzung

der Quantenwelt. Die aber zeichnet sich vor allem dadurch

aus, dass sie mit dem hausverstand kaum zu begreifen ist.

Schmiedmayer: „Was wir jetzt und hier machen, sind experimente,

die man vor 50 Jahren erst als Gedankenexperimente

bloß angedacht hat. Jetzt

können wir sie im Labor ausführen.

Zum Beispiel, dass sich ein

Neutron, also materie, zugleich

an zwei Punkten aufhalten kann.

Dass materie genauso wie Licht

Interferenzen aufweisen kann.

Oder zum Beispiel ein Neutron,

also ein Teilchen, das einen Drehimpuls

hat: Wenn man es einmal

um 360 Grad dreht, bekommt es ein minuszeichen, es verändert

sich. man muss es zweimal um 360 Grad drehen, damit

es wieder identisch wird. Das ist eine ganz fundamentale

Quanten eigenschaft von materie, die hier das erste mal gezeigt

wurde.“

Dekan Gerald Badurek zeigt gern einen kurzen Film, der

am atominstitut gedreht wurde, und in dem versucht

wird, die Quantenphysik verständlich zu machen. eine

Darstellung betrifft das sogenannte Doppelspalt-experiment,

in dem Teilchen ihr Verhalten ändern, je nachdem,

ob sie gemessen werden oder nicht. Irgendwann stellte

«Wenn ich wüsste, wie man

Quantencomputer baut, würde

ich nicht hier sitzen …»

Hannes-Jörg Schmiedmayer, TU Wien

Das Element Wasser ist zur Kühlung der Brennstäbe essenziell.

sich einer der Physiker die Frage: „Treten Gegenstände oder

Phänomene in den Zustand der existenz erst ein, wenn sie

beobachtet und gemessen werden? Sind sie sonst gar nicht

vorhanden?“ Das geht natürlich sehr stark in den philosophischen

Bereich – sozusagen ein Quantum erkenntnistheorie

am atom institut.

Im Bereich der angewandten Quantenphysik arbeitet

Professor arno Rauschenbeutel an ultradünnen Glasfasern,

die hochempfindliche Sensoren und Werkzeuge darstellen,

mit denen atome und moleküle im Nanobereich nachgewiesen

und manipuliert werden können.

Grundlagenforschung in neuen Büros

Im hintergrund geistert immer wieder der Quantencomputer

durch die Diskussion, der den binären Computer unserer

Tage alt aussehen ließe. Da ist Schmiedmayer vorsichtig: es

könnte in den nächsten Jahren schon experimente geben,

meint er, die an die Grenze der Leistungsfähigkeit heutiger

Rechner stößt. aber für einen Quantencomputer fehlt einfach

die Technologie, wie wir sie in der halbleitertechnologie

bei unseren Computern haben. „Wenn ich wüsste, wie

man Quantencomputer baut, würde ich nicht hier sitzen,

sondern etwas Geld an der Börse holen, und ich würde es

sicher kriegen. aber wir betreiben hier Grundlagenforschung,

die extrem spannend ist. man darf sich nicht dazu

versteigen, Dinge jetzt zu fordern, die 50 Jahre oder mehr in

der Zukunft liegen“, bremst er die erwartungen.

Für die neuen Forschungsschwerpunkte braucht es neue

Labors. Und so hat die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG)

im atominstitut am Prater in Wien ein großes Umbauprogramm

gestartet. Insgesamt 15 Labors wurden neu gebaut,

davon zehn für quantenoptische und neutronenphysikalische

experimente der drei in den letzten Jahren

neu berufenen Professoren Jörg Schmiedmayer, arno

Rauschenbeutel und hartmut abele. Fünf neue Labors sind

den traditionellen arbeitsbereichen Radiochemie, Röntgenologie

und Tieftemperatur zugeordnet.

Zugleich wird eine neue Kälteanlage installiert, die elektroinstallationen

erneuert und die heizung von Öl auf Gas

umgestellt. „man darf nicht vergessen, dass der Bau aus

den Fünfzigerjahren stammt“, sagt Johannes Sterba, ausgebildeter

Strahlenphysiker, jetzt aber für den Umbau verantwortlich.

Nächstes Jahr werden 50 Jahre atominstitut gefeiert.

Und da wird der Prater-Reaktor in neuem Glanz erstrahlen.


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Nr. 9 | 2011 | www.big.at BIG BusiNess

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Fotos: BiG

Fotos: BiG

Real Vienna 2011

Am 24. und 25. mai fand wieder die real

Vienna im messezentrum statt. Die BiG

war natürlich mit dabei!


Rafael Reinisch, BIG

Facility Services,

informiert

Interessenten

genauestens über

die Angebote.


Auch die Politik fand sich am Stand ein:

Geschäftsführer Wolfgang Gleissner mit LH

Erwin Pröll und EU-Kommissar Johannes

Hahn. Rechts: Gerhard Baumgartner,

Objektmanagement-Team NÖ Süd &

Burgenland.


Die BIG informierte

Vertreter der

österreichischen

Städte in

entspannter

Atmosphäre über

ihre Leistungen.


Die Hofburg gehört

zwar nicht der BIG,

Hausherr

Bundespräsident

Heinz Fischer ließ

sich aber ein Kickerl

mit Geschäftsführer

Wolfgang Gleissner

nicht entgehen!


BIG-Geschäftsführer

Wolfgang Gleissner

im entspannten

Gespräch mit

Geschäftspartnern.

GAlerie

Städtetag 2011

Der weithin sichtbare orange stand zog

auch am städtetag vom 25. bis 27. mai in

st. Pölten jede menge interessierte an.

��

Starker Andrang,

denn die Services

der BIG werden für

Städte immer

attraktiver!


Am Stand der BIG

herrschte reges

Treiben. Besonders

interessant für die

Besucher: das

Modell Campus WU

in Wien …

� �

… das von den ProjektmanagernMaximilian

Pammer und

Christoph Sommer

(WU) auch ausführlich

präsentiert wurde.

Mehr zur neuen

Uni lesen Sie auf den

Seiten 2 und 3!


In stimmungsvollem

Rahmen lässt es

sich trefflich über

künftige Geschäfte

reden.


BIG Businesss Nr. 9 • Juni 2011 • www.big.at

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