Prof. Dr. Haim Omer (PDF)

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Prof. Dr. Haim Omer (PDF)

Univ. Prof. Haim Omer

Berliner Tage Neuer Autorität

03-05.02...2012


Beschützende Eltern (Merkmale 1)

Bestimme ich über meine Zeit oder mein Kind mit

seinen Ängsten? Sind meine Arbeitszeit oder meine

Freizeit beeinträchtigt?

Wird mein eigener Freiraum durch die Ängste des

Kindes eingeschränkt? Schläft unser Kind im

Elternschlafzimmer? Kann es uns jederzeit stören? Hat

es uneingeschränkten Zugang zu unserem Telefon oder

anderen persönlichen Gegenständen?

Bin ich beunruhigt, dass mein Kind Angst haben

könnte? Glaube ich, sofort reagieren zu müssen, wenn

mein Kind Angst hat?


Beschützende Eltern (Merkmale 2)

Wird mein Alltag von den Ängsten des Kindes

bestimmt? Übernehme ich bestimmte Pflichten meines

Kindes?

Stört mich mein Kind bei Gesprächen oder bei

persönlichen Erledigungen, weil es Angst hat und

beruhigt werden will?

Habe ich ein Recht auf meine eigenen Pläne und

Bedürfnisse? Nehme ich mir dieses Recht?

Verliere ich meine Selbstkontrolle, wenn mein Kind

Angst spürt? Neige ich dann dazu, alles andere beiseite

zu schieben, um die Angst um jeden Preis abzuwehren

und es auf der Stelle zu beruhigen?


Fordernde Eltern

Sage ich meinem Kind, dass seine Ängste unbegründet

sind und dass es mit dem Unsinn aufhören muss?

Schimpfe ich mit meinem Kind wegen seiner

ängstlichen Reaktionen?

Denke oder sage ich, dass die Ängste nur Theater sind

oder gar eine Manipulation darstellen?

Glaube ich, dass das Problem sich geben wird, wenn wir

streng unsere Forderungen stellen?

Passiert es häufig, dass ich aufgebe und mich von der

ganzen Angelegenheit zu distanzieren versuche?


Ankündigung „Angst“

„Mira, wir wissen, dass Du furchtbar leidest, wenn Du alleine zu Hause

bleiben musst oder wenn es Zeit ist, ins Bett zu gehen. Wir sehen, wie

schwer diese Momente für Dich sind und wie stark die Ängste Dein Leben

beeinträchtigen. Wir haben jedoch erkannt, dass die Tatsache, dass wir

bisher immer bei Dir geblieben sind und Du in unserem Bett schlafen

durftest, nicht geholfen hat, sondern das Problem sogar verschärft hat.

Deswegen haben wir beschlossen, dass wir in Zukunft das Problem nicht

mehr ignorieren und den Ängsten nicht mehr nachgeben wollen. Wir

werden Folgendes tun: Wir werden das Haus verlassen: anfangs für kurze

Zeitspannen und allmählich für längere Zeit. Wir werden Dich nicht

länger in unserem Bett schlafen lassen. Wir geben Dir gerne jede

erdenkliche Hilfe, um die Ängste zu überwinden, auch eine

Psychotherapie, wenn Du möchtest. Aber wir werden nicht mehr den

Ängsten nachgeben. Deine Dich liebenden Eltern!“


Grundbedingungen der Angst

1) Graduelle Abschaffung von

Vermeidungsbedingungen (Vernachlässigung

alltäglicher Pflichten, Selbstabschottung, virtuelle

Welt)

2) Graduelle Abschaffung von elterlicher Anpassung

und unangebrachter Hilfestellungen

3) Diskussionen und Überzeugungsversuche

4) Einseitige Schritte in Richtung Normalisierung des

Familienlebens


Young Driver‘s Graph


Computer Abuse Graph 1


Computer Abuse Graph 2


Computer Abuse Graph 3


Traditionelle Autorität – Neue Autorität

Distanz Präsenz

Kontrolle Selbst-Kontrolle

Hierarchie Netzwerk

Unmittelbarkeit Beharrlichkeit

Vergeltung Wiedergutmachung

Immunisierung gegen Kritik Transparenz


Abgeschlossene Studien über NA/NVR

Weinblatt, U. & Omer, H. (2008) Non-violent resistance: A treatment

for parents of children with acute behavior parents. Journal of Marital

and Family Therapy, 34, (pp.75-92)

Ollefs, B., von Schlippe, A. & Omer, H.. Kritz, J. Youngsters with

externalizing behavior problems: Effects of parent-training (in

German) (2009). Familiendynamik .vol 34, 256-265.

Levavi, I., Shachar, I., & Omer, H. (submitted). Parental helplessness

and escalation in NVR treatment of children with acute behavior

disturbances: the special plight of mothers.

Lebowitz, E., Dolberger, D., Nortov, E. & Omer, H. (in press). NVR

treatment for the parents of adults with entitled dependency. Family

Process

Omer, H., Irbauch, R., Berger, H., & Katz-Tissona, R.(2006) Nonviolent

resistance and school violence: Program description and first

findings. Mifgash Leavodah Hinukhit Sotzialit, Vol. 23, (pp. 103-119)

(In Hebrew)


Wissenschaftliche Artikel zur

Ankerfunktion / Bindungstheorie

Omer, H., Guttman, S., Carthy, T., & von Schlippe, A. (submitted). The

anchoring function: an attachment-oriented view of authority

Omer, H. & von Schlippe, A. (2011). Die Ankerfunktion: Elterliche

Autorität und Bindung. In Schindler, H., Loth, W. & von Schlippe, A.

(Hrsgb): "Systemische Horizonte", Goettingen, Vandenhoeck &

Ruprecht


Work in Progress

Shimshoni Y. (Or Yarok Organization) Parental involvement and riskdriving

of young male drivers: a controlled study

Geyra Y. & Alexandroni A. Parental vigilant care and computer abuse

Van Holen, F. (Flemish Welfare Authority for Foster Placements) A

comparison of NVR and behavior modification in the training of

foster-parents: a three-year controlled study

Shilo H. NVR treatment for the parents of adults with Asperger-

Syndrome: analysis of four cases with a qualitative and single-case

quantitative methodology

Gershy, N. Combination of NVR with mindfulness training for the

parents of children with ADHD: a controlled study

Schorr-Sapir, I. Training in NVR for the parents of children with

ADHD: an examination of parental-self-anchoring, parental

phenomenology and child symptoms


Schulankündigung 1

Veröffentlichung auf der Klassenebene

„Wir haben von einem gewalttätigen Vorfall erfahren, bei dem ein Schüler

einen seiner Mitschüler geschlagen hat und ihm gedroht hat, dass er

ihn wieder verprügeln werde. In unserer Schule wollen wir solche

Ereignisse nicht schweigend übergehen. Wir werden uns der Gewalt

widersetzten. Wir werden Maßnahmen zum Schutz des verletzten

Schülers und zur Wiedergutmachung des angerichteten Schadens

ergreifen. Ich werde Euch über unsere Entscheidungen und

Maßnahmen weiter informieren!“


Schulankündigung 2

„Ich möchte Euch von unseren Maßnahmen erzählen, die wir

bezüglich des gestrigen gewalttätigen Vorfalls unternommen haben.

Wir haben ein Gremium zusammengestellt, das über

Reaktionsmöglichkeiten beraten wird. Dem Gremium gehören

folgende Personen an: ich selbst, der Präsenzmentor und die Eltern

des Kindes, das für die Gewalttat verantwortlich ist. Die Eltern sind in

die Schule gekommen, und wir haben gemeinsam mögliche

Maßnahmen besprochen. Zuerst haben wir dafür gesorgt, dass das

verletzte Kind Schutz erhält. Es hat nun die Telefonnummern von

Personen, die es jeder Zeit anrufen kann, sollte es sich wieder bedroht

fühlen. Der gewalttätige Schüler wird in der kommenden Woche nach

Unterrichtsende noch 20 Minuten in der Schule bleiben, um

sicherzustellen, dass der bedrohte Schüler nach Hause gehen kann,

ohne Angst haben zu müssen, verletzt zu werden.“


Bei Entscheidung zur Wiedergutmachung

„Zu dem Vorfall von letzter Woche möchte ich Euch Folgendes

mitteilen: Der gewalttätige Schüler hat sich einverstanden erklärt, dass

er sich gemeinsam mit seinen Eltern bei dem verletzten Kind und

dessen Eltern entschuldigen wird. Ich habe ein rührendes

Telefongespräch mit den Eltern des verletzten Kindes geführt. Sie

meinten, dass die Schule auf die bestmögliche Art und Weise mit dem

Vorfall umgegangen sei. Der gewalttätige Schüler konnte wählen, ob er

in der nächsten Woche von einem seiner Eltern oder einem anderen

Familienmitglied im Laufe des Schultages begleitet werden möchte,

oder ob er lieber drei Mal nachmittags nach Unterrichtsende

„Arbeiten für das Gemeinwohl“ leisten möchte. Er hat sich für das

Letztere entschieden, und wir haben schon ein Treffen mit unserer

Bibliothekarin vereinbart. Wir sind nicht wütend oder nachtragend,

und wir haben keine schlechte Meinung von ihm. Wir sehen ihn nach

wie vor als einen von uns! Wir betrachten also die Angelegenheit als

abgeschlossen!“


Grundsätze für die Einschätzung von Drohungen

a) Ist die Drohung eine allgemeine („Ich werd’ es Dir noch

zeigen!“) oder konkret und detailliert („Ich werde Dir das

Gesicht zerschneiden!“)?

b) War die Drohung ein impulsiver Akt oder eine

überlegte, kaltblütige Handlung?

c) Gibt es Anzeichen dafür, dass die Ausführung der

Drohung schon in Planung ist?

d) Hat der drohende Schüler Details geliefert über Ort,

Zeitpunkt oder Art und Weise der Verletzung?


Grundsätze für die Einschätzung von Drohungen

e) Hat er versucht, andere Schüler für seinen Plan zu

rekrutieren?

f) Stehen ihm Gegenstände oder Mittel zur Ausführung

der Drohung zur Verfügung?

g) Hat er andere Kinder eingeladen, den Vorfall zu

beobachten?

h) Hat er früher schon ähnliche Drohungen wahr

gemacht?


Übungsfälle für Dringlichkeitseinschätzung 1

Zwei Schüler der 6ten Klasse prügelten sich auf dem Schulhof. Eine

Lehrerin, die vor Ort war, versuchte anfangs vergeblich, die beiden zu

trennen. Erst als die Schüler sahen, dass sie über Handy Hilfe holte,

ließen sie voneinander ab. Auf dem Weg zum Direktorat schrie ein

Schüler den anderen an: „Ich werde Dich umbringen!“ Der Vertreter des

Schulleiters führte ein Gespräch mit jedem Schüler, bei dem der eine

zugab, den anderen bedroht zu haben, behauptete aber, dass dies aus

Wut und ohne wirkliche Absicht erfolgt sei. Er legte seine Version über

die Provokationen dar, die zur Prügelei geführt hatten. Auch der andere

Schüler wurde zu einem Gespräch eingeladen. Der Vertreter des

Schulleiters kannte die beiden Jungen und fragte auch die Lehrerin, ob

sie sich in der Vergangenheit gewalttätig verhalten hätten. Die Lehrerin

antwortete, dass obwohl beide undiszipliniert und eins von ihnen

ADHD hatte, die beiden nicht gewalttätig waren.


Übungsfälle für Dringlichkeitseinschätzung 2

Dirk und Anton waren zwei Achtklässler, die sich in der Vergangenheit

ständig gestritten und gegenseitig belästig hatten. Nachdem es wieder

zu gegenseitigen Beleidigungen gekommen war, übergab Dirk Anton

eine schriftliche Nachricht: „Wenn Du Mumm hast, warte heute Abend

um acht auf mich neben dem Einkaufszentrum!“ Anton zeigte den Zettel

der Vertrauenslehrerin, die sich an den Schulleiter wandte. Dirk war

auch in der Vergangenheit in Prügeleien und Mobbing-Vorfälle

verwickelt gewesen.


Übungsfälle für Dringlichkeitseinschätzung 3

Sascha, ein Schüler der 9ten Klasse, sagte zu zweien seiner Freunde: „Ich

habe es satt, dass man sich auf der Busfahrt über mich lustig macht und

mich umherschubst! Morgen bring ich was mit und setz dem ein Ende!“

Etwa zwei Wochen vorher, hatte einer der Freunde Sascha zu Hause

besucht, wo Sascha ihm die Pistole seines Vaters gezeigt hatte, die in der

obersten Ecke des Kleiderschrankes versteckt war. Der Freund erzählte

einem anderen Klassenkameraden von der Drohung, und gemeinsam

entschieden sie, der Klassenlehrerin darüber zu berichten. Die

Schulleiterin erfuhr davon durch die Klassenlehrerin. Sie lud Sascha zu

einem Gespräch ein und entschied sich, ihn nach Unterrichtsende für

ein gründlicheres Klärungsgespräch in der Schule zu behalten. Während

des Gespräches mit der Schulleiterin leugnete Sascha seine Absicht, eine

Pistole in die Schule mitzubringen. Er erzählte, dass einige Jugendlichen

aus der 10ten und der 11ten Klasse ihn regelmäßig während der

Busfahrten drangsalierten und erniedrigten und dass er das nicht mehr

ertragen könne.


Danke für Ihre

Aufmerksamkeit!

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