LAUTER ERPRESSER Lustspiel in drei Akten von PAULA ...

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LAUTER ERPRESSER Lustspiel in drei Akten von PAULA ...

LAUTER ERPRESSER

Lustspiel in drei Akten

von

PAULA POLZSCHUSTER

bearbeitet von PETER STEINER

© EVA BIELER VERLAG WIEN

LAUTER ERPRESSER

Lustspiel in drei Akten

von

PAULA POLZSCHUSTER

bearbeitet von PETER STEINER

Regie- und Soufflierbuch

EVA BIELER VERLAG

Klederinger Str. 62/17

1100 Wien

Österreich

Telefon +43/1/258 99 55

Fax +43/1/258 99 55

Mobil +43/699 19 24 91 47

Email: bieler.verlag@aon.at

Homepage: www.bieler.at

Inhaltsangabe

Kasimir, der Bürgermeister von Witzbach, hat große Sorgen. Seit dem Schützenfest im Nachbarort,

an das er sich nur mehr dunkel erinnert, bekommt er Erpresserbriefe und lebt dauernd in

Angst vor seiner Frau, die er angelogen hat. Auch die Familienverhältnisse sind sehr

verworren und klären sich erst allmählich auf. Außer der Frau Bürgermeister helfen alle

dem armen Kasimir bei der Aufklärung der Angelegenheit und haben schließlich auch

Erfolg damit.

Personen 3D/3H


Bauer Kasimir, Bürgermeister von Witzbach

Walburga, seine Frau

Leni, beider Tochter

Burgl, Magd bei Kasimir

Hias, Altknecht bei Kasimir

Martin, Jungknecht bei Kasimir

Bühnenbild 1 innen

Zeit: Gegenwart

Dekoration:

Alle drei Akte spielen bei Kasimir in der Stube.

Rechts und links vom Zuschauer aus zu verstehen.

1. Akt

1. Szene

Burgl, Bäuerin, dann Hias

(wenn der Vorhang aufgeht ist die Bühne leer, das Telefon läutet, Burgl eilt herein)

Burgl: Ja, ja, ich komm schon, du ekelhaftes Trum. (hebt ab) Ja, was ist denn? Ich bin die

Stallmagd. Der Bauer, wollt sagen der Bürgermeister, ist net da. Weiß ich net, rufen sie

halt später noch mal an. Ja, Pfüat Gott. (hängt ein) Also, lang mach ich das nimmer mit!

Bäuerin: (tritt auf) Hat jetzt net grad das Telefon geläutet?

Burgl: Ja, zum 20. Mal schon. Man kommt ja zu keiner Arbeit mehr!

Bäuerin: Und ich kann net immer von der Küche rein sausen, wenn ich die Hände voller Knödelteig

habe.

Hias: (tritt auf) Ich hab’s Telefon läuten hören!

Bäuerin: Da wärst früh dran. Du bist doch nie da, wenn man dich braucht.

Burgl: Eins sag ich dir, Bäuerin, 21 Jahre bin ich jetzt bei euch im Dienst, aber so hab ich noch

nie rennen müssen wie in der letzten Zeit, seit wir das Glump (deutet auf das Telefon) im

Haus haben. Bei der nächsten Olympiade bin ich im Langlauf dabei - raus, rein, raus, rein!

Hias: Heute Nacht hat’s sogar um 12 geläutet! Stell dir vor, du bist grad frisch verheiratet, gehst

ahnungslos ins Bett, bist gut aufg’legt und möchtest grad - möchtest grad ...

Bäuerin: Was möchtest grad?

Hias: Na ja, du möchtest halt grad - du weißt doch, was man grad möchte!

Bäuerin: Na, das weiß ich net!

Hias: Na ja, bei deinem Alten!

Bäuerin: Was sagst?

Hias: Nix! Also, du willst grad eine Familie gründen, da läutet das blödsinnige Telefon und aus

ist’s!

Burgl: Dann hebst halt ab und sagst: Kein Anschluss unter dieser Nummer.

Hias: Mit der Erfindung wird die Bevölkerungszahl bald rapide zurückgehen.

Bäuerin: Schon gut! Für dich ist’s besser, du gehst aufs Dach und reparierst die kaputte Schindel,

als über Familienbildung nachzudenken.

Hias: Und wer ist schuld? Ihr! Weil ich über 30 Jahr bei euch als Knecht gearbeitet hab und nie

Zeit für die Liebe g’habt hab. Bloß einmal, vor 35 Jahr zu Sylvester, da hab ich eine

kennen g’lernt. War ich verliebt! Ich hab nämlich einen Sohn!

1


Bäuerin: Du hast einen Sohn? - Wann ist denn der geboren?

Hias: Im Mai wird er 35 Jahre!

Bäuerin: Im Mai? Und Sylvester?? Moment, das sind ja bloß 5 Monate!

Hias: Das war so, das war ein Siebenmonatskind. Und sie hat zu mir gesagt,

Siebenmonatskinder kommen immer zwei Monate früher auf die Welt.

Burgl: Und, hast auch Alimente gezahlt?

Hias: Freilich, 16 Jahr. (Telefon läutet, Hias hebt ab) Hier Hias, wer dort? Was möchst? Den

Bürgermeister?... Der ist nicht da, das hab ich schon heute früh um 8 gesagt!... as ist?

Jetzt ist schon Nachmittag, das stimmt.(hängt ein)

Bäuerin: Wer war’s denn?

Hias: Weiß ich net. Übrigens, das Dach soll der Martin richten, ich bin schon zu alt dafür. Ich

werd überhaupt nimmer so viel tun, ich bin schon ein Rentner!

Bäuerin: Burgl, schau wo der Martin ist!

Burgl: Ist recht (ab)

Bäuerin: So, Rentner bist, aha, aber Telefondienst kannst noch machen, und das Gnadenbrot

kriegst auch bei uns. Aber von einem Gnadenschweinsbraten weiß ich nix. Den musst du

dir schon noch verdienen (ab in die Küche)

Hias: Wie die mit einem Vollwaisen umgehen, die trauen sich was!

Bäuerin: (kommt zurück) Wo ist denn das Radl?

Hias: Wozu brauchst denn das Radl?

Bäuerin: Ich muss auf den Friedhof fahren.

Hias: Und wer bringt das Radl wieder heim?

Bäuerin: Wo das Radl ist, möchte ich wissen!

Hias: Verschwunden!

Bäuerin: Wieso? Es ist doch niemand gefahren damit außer meinem Alten. Und der ist am Samstag

bloß zum Müller rüber wie immer, zum Kartenspielen.

Hias: (leise) Hast du eine Ahnung!

Bäuerin: Was sagst?

Hias: Ich hab keine Ahnung.

Bäuerin: Wenn mein Alter kommt und fragt wo ich bin, dann sagst, bei der Nachbarin.

Hias: (leise) zum Ratschen! (laut) Ich sag’s ihm! Kommst du diese Woche noch heim?

Bäuerin: Du wirst gleich ein fangen! (geht in die Küche ab)

Hias: Ja, das kannst, einen alten Rentner schlagen!

2. Szene

Hias, Bauer

Bauer: (tritt auf) Gott sei Dank, endlich wieder daheim. Hat jemand angerufen?

Hias: Jemand ist gut, wir sind das reinste Telefonamt. Lang mach ich das nimmer mit! Übrigens,

unser Radl ist verschwunden!

Bauer: Depp, mit dem bin ich grad gekommen. Also, wenn ich gewusst hätt, dass das

Bürgermeisteramt ein solcher Stress ist, dann hätt ich die Wahl net angenommen.

Hias: Ich hab dich net g’wählt!

Bauer: So? Und warum net?

Hias: Weil du alle Voraussetzungen für einen Bürgermeister net hast!

Bauer: Ah, da schau her! Wie muss denn dann bei dir ein Bürgermeister sein?

Hias: Genau das Gegenteil von dir. Der hat alles, was du net hast!

Bauer: Und was hab ich zum Beispiel net?

Hias: Ein Hirn!

2


Bauer: Ja, wie redest du denn mit deinem Herrn und Bürgermeister? Dass ich dich net gleich

fristlos entlass!

Hias: Aber wahr ist’s! Wennst nämlich mehr Hirn hättest, dann hättest am Samstag in Kreiling im

Vollrausch nicht deinen Namen auf einen Schuldschein über 1000,-- Euro geschrieben!

Spielschulden! Hast mich? Spielschulden - Rrrroulette!

Bauer: Ich? Spielschulden? Was redest denn da? Da weiß ich gar nix davon! Und woher weißt

du, dass ich am Samstag in Kreiling war?

Hias: Mit dem Lastwagen haben’s dich heim gebracht, haben dich vor das Haus hingelegt, und

du bist mit deinem Vollrausch prompt eingeschlafen. Der gute Kerl, der ich halt bin, hat

dich dann ins Haus geschleppt, weil ein Gewitter im Anzug war!

Bauer: In meinem Anzug war ein Gewitter? Und trotzdem will ich wissen, woher du weißt, dass

ich in Kreiling war?

Hias: Weil der Lastwagen ein Kreilinger Kennzeichen g’habt hat, nämlich KL für Kreilinger und

Nr. 2666! Sei froh, dass deine Alte am Samstag bei ihrer Schwester war! Ich hab ihr nix

g’sagt - noch nix! Wie wär’s denn mit ein paar Euro Schweigegeld und für deine

Lebensrettung?

Bauer: Ja, da hört sich doch alles auf. Ich hätte einen Schuldschein unterschrieben - davon weiß

ich doch gar nix!

Hias: Dafür weiß der Gangster alles: 1.000,-- Euro bis morgen Abend um 8 Uhr oder…

Bauer: Ja, was tu ich denn da?

Hias: Was ist jetzt mit meinem Schweigegeld? Sagen wir 50,-- Euro? Und bei deinem

Gehirnschwund gleich zahlen und in bar!

Bauer: Also gut, weilst dein Maul gehalten hast, aber erpressen lass ich mich wirklich net! (gibt

ihm 50,-- Euro)

Hias: Das macht schon ein anderer!

Bauer: Und wehe, du hast mich ang’logen, dann mach ich Hackfleisch aus dir! Außerdem, woher

weißt denn du das mit dem Schuldschein?

Hias: Ganz einfach, weil der Gangster heue früh schon angerufen hat und mir alles erzählt hat.

Er war nämlich der Meinung, ich bin du, und ich hab nix g’sagt, dass ich ich bin. Du hättest

beim Roulett alles verloren und dann hast unterschrieben!

Bauer: Ich muss einen Vollrausch gehabt haben. Ich weiß davon gar nix! Und sag ja nix meiner

Alten!

Hias: Na, na, ich sag nix. Ist das eigentlich bei den 50,- Euro schon dabei? Oder zahlst du das

extra?

Bauer: Du spinnst ja wohl, ich bin doch kein Wohlfahrtsamt.

Hias: Weißt was, den Gangster rufen wir jetzt gleich an!

Bauer: Ja, hast denn du die Nummer von dem?

Hias: Freilich! Nr. 2666!

Bauer: Ja du Rindviech, das ist doch die Autonummer von Kreiling. (Telefon läutet, Bauer hebt

ab) Ja, hier Bürgermeister von Witzbach. Ah, der Thomas, der Bürgermeister vom

Nachbarort, du bist es! Was ist passiert? So, das Bauholz kommt morgen. Ja, ja, der Hias

hat schon bestellt - zum alten Preis - danke für den Anruf. Servus Thomas!

Hias: Jessas, das Holz hätt ich bald vergessen!

Bauer: Hast du gesagt, dass wir es unbedingt noch zum alten Preis wollen!

Hias: Freilich, zum alten Preis. Du glaubst gar net, wie lange ich auf den einreden hab müssen,

dass wir das Holz zum alten Preis kriegen!

Bauer: Warum denn?

Hias: Weil ab Montag der Kubikmeter um ein paar Euro billiger ist!

Bauer: Was! Und das sagst mir jetzt! Du g’hörst wirklich ung’spitzt in den Boden reingehaut.

3


Hias: Aber du hast doch das Holz unbedingt zum alten Preis wollen! Da kann doch ich nix dafür.

Wie du’s machst ist’s falsch!

Bauer: Geh mir aus den Augen!

Hias: (will gehen) Halt! Ich hab noch was vergessen. Der Gangster, der heut angerufen hat, der

hat g’sagt, wenn du bis heute Abend um 8 Uhr die 1.000,-- Euro net zahlst, dann zünd’t er

dir den Hof an. Und den Schuldschein kriegst erst, wenn er das Geld hat.

Bauer: Und das sagst du mir erst jetzt? Mich trifft der Schlag - meinen Hof anzünden!

Hias: Soll ich die Feuerwehr anrufen?

Bauer: Jetzt brennt’s doch noch net, du Depp!

Hias: Aber die Feuerwehr wäre schon da! Ich hab mir denkt, lieber zu früh als zu spät!

Bauer: Mir bleibt nix anderes übrig, ich muss zahlen, ich brauch unbedingt den Schuldschein!

Hias: Dann trag ich heute Abend um 8 Uhr mit dem Martin das Geld hin. Wie hat denn der

Gangster ausg’schaut? Net dass wir das Geld einem Falschen geben!

Bauer: Soweit ich mich erinnern kann, wie ein Boxer: eine breite Nase, so ein bisserl eindruckt,

genau weiß ich es auch nimmer.

Hias: Wie ein Boxer sagst, aha, also der letzte, den ich niedergeschlagen habe - das war vor 20

Jahr - der war 3 Stunden bewusstlos. (prüft seine Muskel) Für ein halbe Stunde reicht’s

vielleicht noch!

3. Szene

Vorige, dazu Martin

Martin: (tritt auf) Du Bauer, brauchst du mich heute noch?

Bauer: Ja, Martin, so dringend wie noch nie! Ich bin in einem furchtbaren Schlamassel drin. Ihr

müsst mir jetzt helfen!

Martin: Was ist denn passiert?

Bauer: Ich muss dir was anvertrauen. Ich war am Samstag net wie ich meiner Alten erzählt habe,

beim Kartenspielen, sondern ...

Martin: ... in Kreiling beim Schützenfest!

Bauer: Hat der Depp sein Maul net halten können (deutet auf Hias)

Martin: Nein! Weil ich auch dort war und dich g’sehen hab!

Bauer: Gott sei Dank! Hast du vielleicht auch gesehen, dass ich was unterschrieben hab?

Martin: Ja, das ist einer zu dir hin, und du hast was g’schrieben. Aber den hab ich nur von hinten

g’sehen. Außerdem warst du ganz schön besoffen!

Bauer: Stell dir vor, Martin, das war ein Gangster, und das was ich unterschrieben hab, das war

ein Schuldschein über 1000,-- Euro, und jetzt erpresst er mich. Bis heute Abend um 8 Uhr

muss ich die 1000,- Euro zahlen oder er zünd’t mir den Hof an!

Hias: Soll ich net doch die Feuerwehr...?

Bauer: Halt die Pappen!

Martin: Und wo musst du das Geld hinbringen?

Hias: Hinter die alte Kapelle am Moosgrund!

Martin: Ja, so eine Gemeinheit. Aber da geh ich mit, mit dem Radl. Dann nehm ich gleich die

Verfolgung auf.

Bauer: Das wichtigste ist, dass der Gangster dem Hias den Schuldschein gibt!

Hias: Also mir wär ehrlich lieber, du gibst dem Gangster das Geld und ich fahr mit dem Radl! (zu

Martin)

Martin: Geh, ich kann doch viel schneller fahren als du! Wenn der dir den Schuldschein net gibt,

dann pfeifst. Und wenn er mit dem Geld abhauen will, dann nehm ich sofort die Verfolgung

auf.

4


Hias: Kannst du boxen? Der Bauer meint, das ist ein Boxer.

Martin: Mit dem werd ich schon fertig!

Hias: Wenn ich so deine Fäuste anschau, ist es g’scheiter, wir holen die Polizei.

Bauer: Um Gottes willen, dann erfährt ja meine Alte alles. Die fürcht ich noch mehr als 10

Gangster. Wir machen das genau wie besprochen.

Martin: Jetzt muss ich dich aber noch was fragen, Bauer. Wer war denn die Rothaarige, die auf

deinem Schoß g’sessen ist?

Bauer: Was? Auf meinem rothaarigen Schoß ist eine g’sessen? Das weiß ich ja gar nicht!

Martin: Doch, die ist nachher mit dir rausgegangen. Schau bloß nach, ob du die Brieftasche noch

hast, das war ein ziemlich heißer Typ!

Bauer: Ja, ja, die hab ich schon noch!

Hias: Jessas, da fallt mir was ein. Der Brief ist heute früh vor der Haustür gelegen. An den

Bauer - das bist doch du!

Bauer: Her damit! Und net vergessen, heute um 8 geb ich euch dann das Geld.

Martin: Keine Angst, Bauer! Schuldschein - Übergabe - Verfolgung - alles klar!

4. Szene

Vorige, dazu Leni

Hias: (setzt sich auf die Ofenbank)

Leni: (tritt auf) Da bist du ja, Martin. Hast du’s dem Vater schon g’sagt?

Martin: Na, noch net, aber jetzt haben wir gleich die beste Gelegenheit dazu. Liebes Lenerl, komm

bitte einmal her zu mir! (zieht Leni zu sich und küsst sie)

Bauer: Hallo! Brems dich ein! Ja, wo sind wir denn?

Martin: Auf alle Fälle net in Kreiling. Ich hab dir bloß was demonstriert. Genau so hat’s der eine,

du weißt schon, mit der anderen gemacht, bloß war die halb nackt!

Leni: Was soll denn das alles bedeuten, was du da erzählst?

Martin: Eine kleine Chance deinem Vater beizubringen, was wir wollen. Jetzt sagt er viel eher ja,

und wenn die Mutter auch noch ein bisserl was hört von einem Casanova, der bei uns im

Haus wohnt, sagt er bestimmt ja!

Bauer: Und zu was soll ich ja sagen?

Martin: Wir zwei sind narrisch verliebt und möchten heiraten!

Leni: Sag halt ja, Vater!

Martin: Wennst net ja sagst, muss ich mit der Mutter reden und ihr einiges erzählen!

Bauer: Schon wieder ein Erpresser! Aber erpressen lass ich mich net, merk dir das!

Martin: Aber das will ich doch gar net, man redet ja nur!

Leni: Von was redet’s ihr denn überhaupt, ich komm gar net mehr mit?

Martin: Das erzähl ich dir ein anderes Mal. Also, Bauer, was ist jetzt? Ich halte hiermit um die

Hand deiner Tochter Leni an. Wenn ich auch nur ein Knecht bin, aber ich hab zwei

g’sunde Hände zum arbeiten und genug Hirn!

Hias: (zum Bauern) Im Gegensatz zu dir!

Bauer: So, so! Heiraten möchst! (verzweifelt) Was hab ich nur verbrochen, lieber Gott, dass du

mich so strafst! Aber heut ist schon alles wurscht, ich bin fix und fertig! Mein lieber Martin,

einmal musst du es ja doch erfahren. Weißt du, wer deine Mutter ist?

Martin: Freilich. Meine Mutter ist die Magdalena Fischer aus Kreiling. Mein Onkel hat mich

aufgezogen, weil meine Mutter in eine andere Stadt arbeiten gegangen ist, denn ich hätt’s

einmal besser haben sollen. Leider ist sie gestorben.

Bauer: Bis dahin stimmt alles! Und weißt du auch, wer dein Vater ist?

Martin: Na, das weiß ich leider nicht, das hat mir meine Mutter nimmer sagen können.

5


Bauer: Darum sag dir’s jetzt ich: Dein Vater bin ich!

Martin: Was, du bist mein Vater? Du bist wirklich...

Leni: Na, das darf doch net war sein, du bist sein Vater? Ich werd verrückt! (rennt hinaus in die

Küche)

Bauer: Was hat’s denn jetzt? Das ist doch net so schlimm!

Martin: Ja, denk doch einmal nach.

Hias: Da wird er sich hart tun!

Martin: Es freut mich doch, dass du mein Vater bist, aber dann ist doch die Leni meine Schwester.

Das gibt eine Katastrophe. Da hast was Sauberes angestellt. (rennt hinaus in die Küche)

Bauer: (ruft ihm nach) Vergiß net, heute Abend um Halb 8 Uhr!

Hias: Hast du überhaupt 1000,- Euro?

Bauer: Frag mich jetzt bloß net, wo ich das Geld her hab, außerdem geht’s dich sowieso nix an.

Hoffentlich überleb ich die Katastrophe! Wenn ich an meine Alte denke. Wie der liebe Gott

den Mann erschaffen hat, dann hätte er aufhören sollen mit dem Herumbasteln.

Martin: (kommt zurück) Ich finde die Leni nirgends. Aber jetzt habe ich noch eine Frage an dich.

Hast du noch mehr so Kinder wie mich? Net dass, wenn ich auf Brautschau gehe, in der

ganzen Umgebung auf lauter Schwestern triff!

Bauer: Aber Martin! Das war nur eine einzige schwache Stunde.

Hias: Was? Eine ganze Stunde? So lang hab ich nie gebraucht.

Martin: Also um kurz vor 8 Uhr bin ich da, und jetzt muss ich schauen, wo mein Lenerl ist. Net

dass sie sich was antut (ab Mitte)

Bauer: Und ich geh jetzt zum Wirt, ich brauch ein Bier (zu Hias), und du kannst mitgehen!

Hias: Ich kann dich sowieso net allein lassen, du brauchst jetzt einen festen Halt! (beide Mitte

ab)

5. Szene

Leni und Burgl

Leni: (kommt aus der Küche) Ja was tu ich denn bloß? Wenn das wirklich alle stimmt, dann geh

ich ins Wasser!

Burgl: (tritt auf) Da bist du ja, der Martin sucht dich überall, und ganz aufgeregt ist er. Was ist

denn los?

Leni: Burgl, ich glaub, ich geh ins Wasser.

Burgl: Das wollt ich auch einmal, aber dann hab ich’s lassen, weil ich net schwimmen kann. Jetzt

sag schon, was ist denn los?

Leni: Burgl, ich muss dir was anvertrauen: Stell dir vor, ich hab einen Bruder!

Burgl: Blödsinn, da müsst doch ich auch was wissen davon.

Leni: Doch das stimmt schon. Und weißt du, wer mein Bruder ist? Der Martin, unser Knecht,

und sein Vater ist unser Bauer. Er hat’s grad dem Martin eingestanden. Und weil aber

unser Bauer auch mein Vater ist, so ist doch der Martin mein Bruder. Und wir wollten

nächsten Monat heiraten!

Burgl: Es wird alles net so heiß gegessen wie’s gekocht wird!

6. Szene

Vorige, dazu Martin

Martin: (tritt auf) Gott sei Dank, da bist du ja!

Burgl: Und ich bin froh, dass du grad kommst. Komm, setz dich einmal zu uns, ich hab was

Wichtiges mit euch zu reden. Also, vor 23 Jahren ist vor der Tür von dem Bauernhaus ein

Findelkind gelegen.

Martin: Wenn man wo ein Kindl find’t, so nennt man es ein Findelkind.

Leni: Bitte Martin, sei stad!

6


Burgl: Und dieses Findelkind, liebe Leni, warst du!

Leni: Was! Ich bin ein Findelkind? Dann hab ich gar keine Eltern?

Burgl: Doch, doch. Lass dir nur Zeit. Ein paar Wochen später bin dann ich auf dem Hof als

Dienstmagd eintreten, und weißt du warum, weil ich in deiner Nähe hab sein wollen, denn

ich bin deine Mutter! Der Bauer und seine Frau haben g’sagt, ich soll nix sagen und haben

dich als ihr eigenes Kind aufgezogen.

Leni: Du bist meine Mutter? Ist das auch wirklich wahr?

Burgl: Ja, das ist wirklich wahr, und ich bin jetzt richtig froh, dass du endlich weißt, wer deine

richtige Mutter ist.

Martin: Ja, wenn die Burgl deine Mutter ist, dann bist ja du gar net meine Schwester.

Leni: Ach Martin, bin ich froh!

Burgl: Aber der Bauer und die Bäuerin werden net recht begeistert sein, wenn sie hören, dass du

jetzt alles weißt!

Martin: Das war Notwehr, da können’s nix machen!

Leni: Aber jetzt muss ich schon ganz damisch fragen, wer ist denn eigentlich mein Vater?

Burgl: Dein Vater ist der Bürgermeister von Kreiling, der war mit einer verheiratet, die einen

Buben in die Ehe mitgebracht hat, aber leider verstorben ist. Der Bub warst du, Martin!

Leni: Das ist ja ein schönes Durcheinander. Dann ist jetzt dein Schwiegervater eigentlich dein

Stiefvater, und der Bauer wird mein Schwiegervater...

Martin: Hör auf, sonst werden wir wieder verwandt. (geht ab)

Leni: So, so, der Bürgermeister von Kreiling, der Thomas, ist also mein Vater. Darum ist er

immer so freundlich zu mir, wenn wir uns treffen! Warum kommt er nie zu uns ins Haus,

der ist doch dem Bauern sein bester Freund?

Burgl: Da ist nun wieder die Bäuerin schuld, die Walburga, sie war dem Thomas seine

Jugendliebe!

Leni: Und du, Burgl, wie bist denn du zum Thomas kommen?

Burgl: Ja, das war eigentlich eine recht verzwickte Angelegenheit. Aber du bist alt genug und

kannst es heute bestimmt verstehen. Es war Kirchweihtanz. Der Thomas war seit einem

Jahr Witwer. Ich hab auch gern getanzt und hab den Thomas gern gesehen. Ein paar

Gläser Wein, ein paar Busserln, Walburga hab ich auch geheißen - und dann ist es

passiert!

7. Szene

Vorige, dazu Hias

Hias: (tritt auf) Einen Moment, bitte. Ihr müsst entschuldigen, aber ich muss schnell telefonieren

(er wählt) Gleich hab ich’s! Hallo! Wer ist da? Vogel? Ich glaub, du hast einen Vogel!

Falsch verbunden? Warum, bist du verletzt? Wer hat dich falsch verbunden? Bei welchem

Doktor bist denn du? Jetzt hängt der Depp auf, und ich hätte so dringend einen Tierarzt

braucht.

Leni: Du wirst eine falsche Nummer erwischt haben!

Hias: Und ich hätte so dringend einen Tierarzt gebraucht. Was tu ich nur mit alle 25?

Burgl: Was ist denn los? Was hast du denn mit deinen 25?

Hias: Na, na, das sind nicht meine 25. Stellt’s euch vor, grad seh ich, wie unsere schwarze

Katze sechs Junge kriegt. Die anderen drei Katzen haben vor ein paar Tagen jede fünf

Junge gekriegt. Jetzt haben wir vier Katzen und 21 Junge - sind insgesamt 25 Stück. So

viele Mäuse haben wir ja gar net. Also, ich versteh das alles net, ich hab doch allen Kater

in der Umgebung die Pille gegeben.

Leni: Was für eine Pille?

Hias: Die, die ich dir einmal von der Apotheke aus der Stadt mitgebracht hab. Weißt schon, die

du mir angeschafft hast, so ganz im Vertrauen!

7


Leni: (entsetzt) Ja, was nimm denn dann ich für Pillen?

Hias: Ich hab mir gedacht, lieber ein Kind als wie 25 Katzen. Die liegen sonst alle 25 in meinem

Bett. Und wo soll dann ich schlafen?

Burgl: Geh, stell dich doch net so blöd. Dann nimmst ein Körberl und tust sie rein!

Leni: Ja, um Gottes willen, was hast denn dann du mir gegeben? Was sind denn das für Pillen

in dem Flascherl drin, die ich die ganze Zeit nehme?

Hias: Auf dem Flascherl ist drauf gestanden „Liebesperlen“.

Leni: Jetzt gibt dieses Rindvieh meine Pillen den Katern, und ich krieg ein Kind!

Burgl: Seit wann kriegt man denn von Liebesperlen ein Kind?

Hias: Net von Liebesperlen, aber von lieben Kerlen!

Leni: Was wird denn erst die Bäuerin sagen. Die meint doch, ich weiß von gar nix. Die hat doch

immer aufgepasst, dass ich nix hör und seh.

Hias: Dann sagst ganz einfach, das Kind ist vom Storch!

Vorhang

2. Akt

1. Szene

Bauer, Leni

Bauer: (geht auf und ab) Hoffentlich klappt das heute Abend mit dem Geld! Jessas, den Brief

habe ich auch noch net gelesen (öffnet ihn), liest: Na, mein Süßer, wie gefallen dir die

Fotos aus Kreiling? Wie viel sind dir denn die Negative wert? 1000,- Euro für die

Vergewaltigung? Oder soll ich die Fotos an deine Alte schicken? Letzter Zahlungstermin

ist morgen Abend beim Wirt, um 8 Uhr. Ich warte auf dich und auf das Geld. Wenn du

nicht zahlst, kriegst du Besuch von meinem Freund, der ist Boxer! Tschüß Lolita! Elendes

Weib, widerliches! Auf dem Bild gibt sie mir ein Busserl. 1000,- Euro für ein Busserl? Da

wär meine Alte ja ein Sonderangebot. Und auf dem Bild schau ich ja aus, als wenn sie

mich vergewaltigen würd.

Leni: (tritt auf) Du, Vater!

Bauer: (lässt schnell Fotos und Brief verschwinden) Was willst denn, Leni?

Leni: Ich bin so froh, dass der Martin net mein Bruder ist. Und die Burgl hat mir auch reinen

Wein eing’schenkt, dass sie meine Mutter ist und ihr meine Pflegeeltern.

Bauer: Ja, ja, ich weiß schon alles. Die Burgl hat mir schon alles g’sagt. Auch dass der Thomas

dein Vater ist, und du kriegst auch ein Kind! Bei uns da rührt sich was! (Telefon läutet,

Bauer hebt ab) Bürger... ah du bist es Thomas, du kommst mir grad recht! Grad hab ich an

dich gedacht! (gibt Leni ein Zeichen, sie soll still sein) Ich war immer der Meinung, du bist

mein Freund. Und jetzt stellt sich heraus, was du für ein hundsgemeiner Bazi bist! Wieso?

Da fragst du noch? 23 Jahre lang lässt du deine Tochter Leni von uns aufziehen und

zahlst keinen Cent. - Ja, morgen schick ich die Rechnung. Jetzt sag net, du hättest es

nicht gewusst! So! Du kannst nix dafür! - Der Alkohol! - Zwei Walburgas haben sich in dich

verliebt! - In der Dunkelheit hast du die falsche erwischt! Aha, und wer wäre dann die

Richtige gewesen? Was? Meine Alte? - Deine große Liebe - und du die ihre? Na wart,

mein Freund, das zahl ich dir noch heim! (hängt ein)

Leni: Ach, Vater, jetzt hast...

Bauer: Ich bin nimmer dein Vater, jetzt kannst Onkel zu mir sagen!

Leni: ... jetzt hast wegen mir bloß Aufregungen!

Bauer: Aber dem werd ich noch was erzählen!

2. Szene

Vorige, dazu Bäuerin, später Burgl

Bäuerin: (tritt auf) Ah da bist ja, Alter, wo sind denn der Martin und der Hias?

Leni: Soll ich schauen, Onkel?

8


Bäuerin: Wieso Onkel?

Leni: Ich hab mich bloß verredet.

Bauer: Du brauchst net schauen, Leni, die zwei sind dienstlich unterwegs. Die holen die Bretter

für die neue Festhalle. Da bau ich eine Bühne mit rein, und unser Ort wird ein

Kulturzentrum. Außerdem kommt da ein Haufen Geld rein mit meinen Festspielen. Und ich

spiel auch mit! Denen leg ich einen Othello hin, der sich gewaschen hat!

Leni: Na, waschen darfst den nicht, sonst wird er ja ganz weiß!

Bäuerin: Du möchtest auch mitspielen? Den Othello? Es wär gescheiter, du spielst den Kasperl, der

passt besser zu dir!

Bauer: Aber nur, wenn du auch mitspielst. Wir brauchen doch auch ein Krokodil!

Leni: Vater, darf ich heute Abend fernsehen? Heut läuft um 10 Uhr ein Sexfilm: Liebe auf den

ersten Blick!

Bauer: Aber freilich, schau nur hin, damit du was lernst!

Bäuerin: Das kommt ja gar net in Frage, so ein sündhaftes Zeug! Seit 23 Jahr halten wir alles fern

von dem Madl, und in einer Stunde ist die Erziehung brutal vernichtet! Das unschuldige

Madl, das weiß ja noch nix!

Leni: Gut, dann geh ich heute Abend ein bisserl zur Kathi rüber, da ist heut Hausmusikabend.

Pfüat euch (ab)

Bäuerin: Lass dem Dirndl ja nie so einen Film anschauen, das sag ich dir. Ich erzähl ihr dauernd

nur vom Storch, und mit so einem Film ist sie rücksichtslos aufgeklärt. Dann wär ja alles

umsonst g’wesen.

Bauer: Was machst du eigentlich, wenn das Madl nimmer an den Storch glaubt? Die wird doch

bestimmt einmal heiraten wollen.

Bäuerin: Das hat noch Zeit. Bis dahin pass ich schon auf. Die rührt mir so schnell keiner an. Jeder

zweite von euch ist doch ein Gauner!

Bauer: Ich net, ich war bei den ersten dabei.

Bäuerin: Ausgerechnet du! Ich möchte net wissen, wie oft du mich in unserer Ehe schon

angeschmiert hast.

Bauer: Das weiß ich auch nimmer!

Bäuerin: Was sagst?

Bauer: Ich will sagen, niemals ist das passiert.

Bäuerin: Das wird auch dein Glück sein, Manderl, sonst kracht’s!

Bauer: Dasselbe könnte ich ja dich auch fragen! Wie ist das denn bei dir?

Bäuerin: Da brauchst gar net fragen, bei mir ist alles sauber!

Bauer: Warum wirst du dann so nervös? Ha? Das kommt mir sehr verdächtig vor! Du hast mir

noch nie erzählt, wie deine Jugendliebe geheißen hat!

Bäuerin: Ja, sag einmal, spinnst denn du jetzt? So alte Geschichten aufwärmen.

Bauer: Gerade so alte Geschichten sind oft interessant. Also, raus mit der Sprache, wer war

deine Jugendliebe?

Bäuerin: Lass mich doch in Ruh! Bei mir hat’s immer geheißen: Bis das der Tod euch scheidet!

Bauer: Soll das eine Morddrohung sein? Oder gibt’s heut Schwammerl?

Bäuerin: Ich hab noch nie einen anderen ang’schaut!

Bauer: Ja, weil’s so finster war. Also, raus damit!

Bäuerin: Ich lass mich net erpressen!

Bauer: Heißt deine Jugendliebe vielleicht Thomas? Und ist Bürgermeister von Kreiling?

Bäuerin: Kein Wort red ich mehr mit dir! Wennst mich suchst, ich bin beim Wäscheaufhängen, du...

du...

Burgl: (tritt auf)

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Bäuerin: ... du, du Simandl (ab)

Burgl: Wer von euch zwei hat jetzt g’wonnen?

Bauer: Da fragst du noch?

Burgl: Na, wie ein Sieger schaust du grad net aus.

Bauer: Was möchtest denn?

Burgl: (studiert) Jetzt weiß ich’s nimmer, jetzt muss ich noch einmal raus gehen. Ich komm gleich

wieder (ab)

3. Szene

Bauer, dann Burgl

Bauer: (allein) Ja, was tu ich denn bloß mit der Lolita? Wie bring ich die bloß los? Lieber Gott,

lass mir was einfallen.

Burgl: (tritt auf) Jetzt weiß ich’s wieder! Ich wollt dich fragen, ob du mir bös bist wegen dem

Findelkind? Und ob’s die Bäuerin auch schon weiß?

Bauer: Na, na, das erfahrt sie noch früh genug. Aber du kommst mir grad recht. 23 Jahre hab ich

dir g’holfen. Jetzt musst du mir helfen.

Burgl: Gern, Bauer, was muss ich tun?

Bauer: Bei mir ist der Teufel los. Ein Erpresser nach dem andern. Ich war nämlich am letzten

Samstag net Kartenspielen, sondern in Kreiling auf dem Schützenfest. Und jetzt schau dir

die Bilder an, da ist mir das passiert! (gibt ihr die Bilder)

Burgl: Ah das ist aber scharf sexy, das hätt ich dir gar net zutraut! Und auf dem Boden, und sie

ist halb nackert, das ist ja pornös!

Bauer: Und da hat sie mich wahrscheinlich vergewaltigt.

Burgl: Ja, wie ist denn das gangen?

Bauer: Wenn ich das wüßt! Ich weiß doch nix mehr, ich war ja so besoffen!

Burgl: Und jetzt?

Bauer: Jetzt will das Luder für die Negative 1000,- Euro, oder sie gibt die Bilder meiner Alten und

behauptet, ich hätte sie vergewaltigt. Ich weiß gar net, wie das geht.

Burgl: Bauer, ich glaub, ich kann dir helfen. Das machen wir ganz detektivisch. Ich schreib ihr so,

als wenn ich deine Frau wär...

Bauer: Geht net, ich habe von ihr keine Adresse. Ich weiß bloß, dass sie Lolita heißt. (Telefon

läutet, Bauer hebt ab) Ja, Bürgermeister... Was? Wer? Du traust dich was, bei mir

anzurufen. - Ja, du Luder, du unverschämtes... (winkt Burgl) ... das ist sie, geh her!

Burgl: (nimmt Hörer) Ja, hier Frau Bürgermeister - und dass du dich gleich auskennst, du

Mistamsel, du grausliche, bei mir gibt’s keine Erpressung, verstanden. Mein Alter hat mir

die Bilder schon gezeigt - was möchst? Die Bürgermeisterin hängt grad am Balkon die

Wäsche auf! - Wo bist du denn? - Gegenüber, beim Wirt (hängt ein) So eine Schei... Die

steht drüben im Hauseingang vom Wirt beim Telefonieren und schaut deiner Alten beim

Wäscheaufhängen zu. Jetzt musst du zahlen, sonst schickt sie ihren Freund, den Boxer!

Bauer: Die gehören zusammen, das ist ein Gangsterpaar. Er hat den Schuldschein von mir über

1000,- Euro, und wenn ich net zahle, dann zünd’t er meinen Hof an. Der Hias und der

Martin sind schon unterwegs zum Zahlen. Da hast 1000 Euro (gibt ihr Geld) und du gehst

zu ihr hin und holst die Negative. Schau aber nach, ob’s die richtigen sind, ich will net

zweimal zahlen. Ich verlass mich auf dich!

Burgl: 100%ig, ich bin doch net blöd.

Bauer: Bist du da sicher?

Burgl: Freilich! Oder ich geh halt doch zur Polizei!

Bauer: Um Gottes willen, dann zünd’t er mir erst recht den Hof an. Und dann kommt alles raus,

und meine Alte erfahrt’s!

Burgl: Gut, ich pass schon auf (ab)

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4. Szene

Bauer, Martin und Hias

Bauer: Jetzt kann bloß noch ein Wunder helfen! (geht zur Anrichte, da steht eine leere

Schnapsflasche) So ist’s recht, Schnaps ist auch keiner da, wenn man einen braucht!

Hias: (kommt zurück) Da sind wir.

Martin: (kommt zurück) Da sind wir.

Bauer: Was? Ihr seid schon zurück? Wie ist’s denn gegangen?

Martin: Operation misslungen!

Hias: Das Geld ist auch beim Teufel!

Bauer: Ja, wieso denn? Was ist denn passiert?

Martin: Ich kann nix dafür, ich bin genau nach Plan vorgegangen. Ich hab mich mit meinem Radl

hinterm Gebüsch versteckt, und er ist vorgangen.

Hias: Genau wie abgemacht. Und da ist er g’sessen.

Bauer: Wer ist da g’sessen?

Hias: Genau wie du g’sagt hast, wie ein Boxer, eine breite Nase. Ich bin so erschrocken, dass

es mich hing’haut hat. Da springt er mich an, reißt mir den Umschlag mit dem Geld aus

der Hand und saust mit dem Geld im Maul davon!

Bauer: Wieso im Maul und net in der Hand?

Hias: Der Boxer war ja ein Hund!

Bauer: Was war der? Ja, das gibt’s doch net. Und dem gibst du mein Geld ins Maul?

Martin: Nie im Leben hätt ich an einen Hund denkt.

Hias: Und ich war ganz durcheinander. Du hast ja immer von einem Boxer geredet.

Bauer: Und mein Schuldschein?

Hias: Hat er mir keinen geben. Am Halsbandl war auch nix. Ich wollt ihn noch am Schwanz

festhalten, aber Boxer haben ja keinen Schwanz. Außerdem lass ich mich net beißen.

Bauer: (zu Martin) Und du? Warum bist du ihm net gleich nach mit dem Radl?

Martin: Ist net gangen, auf einmal war im Hinterradl keine Luft mehr drin.

Bauer: Die reinste Sabotage!

Martin: Ich denk doch net, dass der Gangster einen Hund schickt! Der war bestimmt dressiert, der

riecht das Geld.

Bauer: Dann war’s ein Weiberl.

Martin: Jetzt müssen wir halt schauen, dass wir den Hund erwischen. Also ich weiß in der ganzen

Gegend niemand, der einen Boxer hat.

Bauer: Ausgerechnet jetzt, wo ich noch so einen wichtigen „Fall für zwei“ gehabt hätt, noch eine

Erpressung! Eine Lolita hat von mir zwei Bilder, wo ich ihr grad… (gibt den beiden die

Bilder)... da, schaut’s es selber an, (Reaktion von beiden) und jetzt will’s 1000,- Euro für

die Negative oder sie sagt es meiner Alten. Ich pack das nervlich nimmer! Wenn ich

morgen net zahl, schickt’s mir Ihren Freund, den Boxer!

Hias: Schon wieder ein Boxer?

Bauer: Da muss irgendwo ein Boxernest sein.

Martin: Ich hab dir’s doch g’sagt, dass eine Rothaarige auf deinem Schoß gesessen ist in Kreiling!

Also gut, dann gehen wir morgen Abend um 8 Uhr zum nächsten Einsatz! (Martin ab)

Bauer: (ruft ihm nach) Na, das macht die Burgl. Das Geld hab ich ihr schon gegeben. (Telefon

läutet, Bauer hebt ab) Ja, Bürgermeister... Was ist? Was heißt da letzte Warnung? -

Morgen um 8 Uhr - sonst brennt der Hof? Ja, du Hammel, du g’scherter, wie oft soll ich

denn noch zahlen? Kein Wort hast g’sagt, dass du einen Hund schickst, einen Boxer, du

Schlawiner. Was? Du hast keinen Hund, keinen Boxer? Lass mich in Ruh. (hängt ein) Der

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weiß nix von einem Hund. Er hat g’sagt, er hat eine Viertelstunde gewartet.

Hias: Geh, der lügt doch!

Bauer: Wie viel Uhr ist es jetzt?

Hias: (schaut auf seine Uhr) ½ 8 ist’s!

Bauer: Was? Das war’s doch schon wie ihr weg seid’s. Der Prater steht doch. Ihr wart’s doch viel

zu früh dort.

Hias: Das begreif ich net, ich hab meine Uhr genau nach der Sonnenuhr draußen gestellt. Da

war bestimmt die Sommerzeit drauf!

Bauer: Schleich dich, aber schnell! (Hias ab) Mit den zwei Deppen geht meinganzes Geld zum

Teufel. Jetzt muss ich mir was einfallen lassen, das gibt jetzt ein dramatisches Ende! Jetzt

kann nur noch der Wolferl helfen! (die Dekoration sollte einen kleinen Wandschrank

vorsehen, aus dem der Bauer nun den Revolver herausnimmt) Wolferl, du bist jetzt meine

letzte Rettung! (will gerade abgehen, da läutet das Telefon, er hebt ab) Ja, Bürgermeister

... ah, du bist es, lieber Thomas, druckt dich dein Gewissen? ... Da schau her... du hättest

einen Bräutigam für meine - für deine - für unsere Tochter! Da brauchen wir dich net dazu,

die Leni hat schon einen, und von dir braucht sie nur eine schöne Mitgift. Und ich krieg

noch 16 Jahre Alimente von dir... Wen sie heiratet? Das siehst schon nächsten Monat. Der

g’fallt dir bestimmt, mir g’fallt er auch, das ist nämlich mein Sohn. Ich hab nämlich auch

was zamgebracht! ... Seine Mutter? Das war deine erste Frau, die Magdalena! So, jetzt

sind wir quitt (hängt ein) Und jetzt löse ich diesen Kriminalfall auf meine Weise! (geht

hinaus - draußen fallen drei Schüsse)

5. Szene

Hias, Martin, Burgl, Bäuerin, Leni

Hias: (tritt auf) Wenn mich net alles täuscht, dann hat’s jetzt g’schossen! (Telefon läutet) Ja, hier

Hias ... haben sie geschossen? ... Net, aha (legt auf)

Martin: (tritt auf - Mitte) Das waren doch drei Schüsse! Hast du grad g’schossen?

Hias: Ich riech nix, ich wollt sagen: ich war’s net.

Leni: (tritt auf - Küche) Was ist denn passiert?

Burgl: (tritt auf - Küche) Da hat’s doch dreimal g’schossen, habt’s es g’hört?

Hias: Dann kann’s bloß draußen gewesen sein, ich schau nach (ab)

Bäuerin: (tritt auf - Kammer) Was ist denn passiert? Hat’s net grad g’schossen?

Leni: Wir wissen auch nix, aber der Hias schaut grad nach.

Hias: (ruft zum Fenster herin) Da heraußen liegt der Bauer!

Bäuerin: Um Gottes willen, bringt ihn rein!

Alle: (außer Leni laufen ab)

Leni: Hoffentlich ist ihm nix Schlimmes passiert, das wäre ja furchtbar, grad hat der Martin

seinen Vater kennen g’lernt und schon verliert er ihn wieder.

Hias: (tritt auf, stützt Bauer und bringt ihn in seine Kammer, kommt gleich wieder zurück)

Bäuerin: (ruft zur Tür hinaus) Kasimir! Was hast denn wieder Blödes g’macht?

Martin: Vielleicht ist er bloß ohnmächtig?

Bäuerin: Oder besoffen!

Hias: (ruft) Lieber Bauer, sag halt was! Lebst noch? Sag wenigstens ja oder nein.

Martin: (ruft auch zur Tür hinaus) Hallo! Vater! Hörst du mich?

Bäuerin: Moment einmal. Wieso sagst du Vater zu ihm?

Martin: Aber das ist doch jetzt gleich. (ruft) Vater, ich bin’s, dein Martin!

Bäuerin: Na, das ist mir net gleich! Wieso ist der dein Vater?


Martin: Später! Der Vater ist jetzt wichtiger.

Burgl: (ist zum Telefon gegangen, hat gewählt) Hallo, seid’s einmal stad! Ja, Pfarrersköchin, da

ist die Burgl, ich brauch den Herrn Pfarrer... der ist net da... Wenn er kommt, soll er gleich

kommen. Auf den Bauern ist geschossen worden, er braucht die letzte Ölung. (legt auf)

Hias: Und wenn wir einstweilen von uns ein Öl nehmen?

Bäuerin: Jetzt ruft das Rindviech den Pfarrer an statt den Doktor. Hias, hol den Doktor, aber

schnell!

Hias: Jawohl, den Doktor, wern wir gleich ham. (geht ans Telefon und wählt)

Bäuerin: Leni, du holst ein Essigtuch, das legen wir aufs Herz.

Leni: Net aufs Hirn?

Bäuerin: Na, weil er keins hat!

Leni: Ja, gleich. (ab)

Bäuerin: Und du, (zu Martin) wie ist das jetzt mit dem Vater?

Martin: Er ist halt mein Vater, das ist doch jetzt wurscht!

Bäuerin: Dir vielleicht. Seit wann ist er dein Vater?

Martin: Seit meiner Geburt. Mehr weiß ich net, ich hab’s selber erst erfahren.

Bäuerin: Burgl, bring mir einen Schnaps. Den Vater muss ich nunter trinken, der liegt mir im Magen.

- Was ist denn jetzt mit dem Doktor?

Hias: (hält immer noch den Hörer in der Hand) Ja, wenn er net hingeht. Halt, jetzt kommt er. Ja,

hier ist der Hias, bist du der Doktor? ... Ja, der Kasi ist umg’fallen, er rührt sich

nimmer...Ob er was? Ob er zuviel g’fressen hat? Weiß ich net... Ob das Herz noch

schlagt? Moment, wie oft muss es denn schlagen? ... Was? Ob er schon einmal Staupe

g’habt hat?...

Bäuerin: (springt auf) Ja sag einmal, mit wem redst denn du? Geh weg, lass mich hin. (nimmt Hias

den Hörer aus der Hand) Mein Alter hat noch nie Staupe g’habt, auf den haben sie dreimal

g’schossen... Ich rede doch net vom Hunde sondern vom Kasimir, meinem Mann! ... Was?

Nix für ungut, pfüat Gott! (legt auf) Jetzt ruft dieses Rindviech den Tierarzt an.

Hias: Was kann ich denn dafür, wenn der eine falsche Nummer hat.

Bäuerin: Was ist jetzt mit meinem Schnaps, Burgl?

Burgl: Ach so. Freilich (schenkt ein) - für mich war das ein Überfall! (trinkt den Schnaps selber)

Bäuerin: Net du, ich krieg einen Schnaps!

Burgl: (schenkt erneut ein und stellt Bäuerin den Schnaps hin)

Bäuerin: Wie kommst du denn auf einen Überfall?

Martin: Ein Selbstmord kann’s net sein, der schießt doch net dreimal auf sich selber!

Leni: (tritt auf) Da ist das Essigtuch! (bringt es in die Kammer und kommt gleich zurück)

Burgl: Vielleicht hat der Bauer den Täter erschossen. Habt’s nix gesehen draußen?

Leni: Ich schau einmal. (geht ab)

Martin: Und ich schau einmal nach seinem Puls. (will abgehen)

Hias: Wie machst denn das?

Martin: Da, am Handgelenk 1, 2, 3!

Hias: G’suffa!

Leni: (stürzt herein) Ich hab ihn g’funden, ich hab ihn g’funden!

Hias: Ist er tot?

Martin: Hat ihn der Vater erschossen?

Bäuerin: Moment! Wen hast denn g’funden?

Leni: Den Revolver.

Bäuerin: Das ist unser Revolver. Mein Alter hat bestimmt jemanden erschossen.

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Burgl: Vielleicht hat jemand einbrechen wollen und alles klauen.

Bäuerin: Jessas, unser Sparbuch! (rennt ab und kommt gleich wieder zurück) Gott sei Dank, alles

da! (schlägt Buch auf) Ja, was ist denn das? Ja, da fehlen ja die 5000,- Euro, die ich

meinem Alten zum Einzahlen gegeben hab: Die sind ja gar net eingetragen! (ruft in

Richtung Kammertür zum Bauern) Du Schlawiner! Wo ist das Geld? Wach auf, sonst

schmier ich dir eine!

Martin: Jetzt beruhig dich doch, wir wissen doch noch gar net, wie es gewesen ist. Komisch ... drei

Schüsse... kein Blut... keine Verletzungen?

Hias: Wahrscheinlich haben sie dreimal daneben g’schossen. (geht ab)

Leni: Die Hauptsache ist, dass ihm nix fehlt!

Bäuerin: Nix fehlt ist gut! 5000,- Euro fehlen! Einen Streifschuss hätt er schon verdient, dass er vier

Wochen nimmer sitzen kann. (trinkt vom Schnaps)

Martin: Bestimmt hat er vergessen einzuzahlen, jeder macht einmal einen Fehler!

Bäuerin: Wer ist denn eigentlich deine Mutter?

Martin: Das war dem Thomas seine zweite Frau, die Magdalena. Sie ist schon g’storben.

Bäuerin: Wie alt bist du denn?

Martin: 27 Jahr.

Bäuerin: Hast du ein Glück, Kasimir, das war noch vor unserer Hochzeit! (trinkt vom Schnaps)

Leni: Und ich bin froh, dass der Martin net mein Bruder ist, sonst könnten wir net heiraten!

Bäuerin: Was? Heiraten? Den Martin? Wer hat dir denn eigentlich das vom Findelkind gesagt?

Leni: Die Burgl!

Bäuerin: (zu Burgl) Und wie kommst denn du dazu, dass du der Leni das sagst?

Burgl: Ich hab’s ihr sagen müssen, weil ich ihre Mutter bin!

Bäuerin: Was! Und das hast du ihr jetzt g’sagt, nach 23 Jahr!

Leni: Ich muss dir auch noch was sagen.

Bäuerin: Nur raus damit, heut komm ich mir vor wie ein Pfarrer im Beichtstuhl. Und wer ist dein

Vater? Vielleicht auch mein Alter? Dann seids ja schon wieder Bruder und Schwester!

Leni: Na! Mein Vater ist der Bürgermeister von Kreiling, der Thomas!

Bäuerin: (schreit) Was? Wer? Der Thomas? Sag, dass das net wahr ist! Mich trifft der Schlag. Von

meinem Thomas. Ich war doch seine große Liebe!

Burgl: Er wollt ja dich, hat er g’sagt, er hat mich bloß damals in der Nacht mit dir verwechselt

Bäuerin: Ja, wie kann man denn dich mit mir verwechseln, das versteh ich net!

Burgl: Ich war ja so verliebt in den Thomas. Ich hab doch g’meint, er mag nur mich. Erst wie ich

die Leni kriegt hab, hat er mir g’sagt, dass du seine große Liebe bist. Dann bin ich nimmer

nach Kreiling!

Leni: Jetzt nimm’s net so tragisch, Bäuerin, das kann doch passieren. Übrigens, ich krieg auch

ein Kind, jetzt weißt es!

Bäuerin: (entsetzt) Was kriegst du? Ja, was kommt denn heut noch alles auf mich zu? Von wem?

Leni: Vom Storch, Bäuerin, vom Storch!

Vorhang

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