DER LIEBESTOLLE BAUER Lustspiel in drei Akten von PETER ...

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DER LIEBESTOLLE BAUER Lustspiel in drei Akten von PETER ...

DER LIEBESTOLLE BAUER

Lustspiel in drei Akten

von

PETER HINRICHSEN

© EVA BIELER VERLAG WIEN

DER LIEBESTOLLE BAUER

Lustspiel in drei Akten

von

PETER HINRICHSEN

Regie- und Soufflierbuch

EVA BIELER VERLAG

Klederinger Str. 62/17

1100 Wien

Österreich

Telefon +43/1/258 99 55

Fax +43/1/258 99 55

Mobil +43/699 19 24 91 47

Email: bieler.verlag@aon.at

Homepage: www.bieler.at

Inhaltsangabe

Das Ehepaar Grundler ist finanziell am Ende. Der Hof und die Familie können nur durch die Heirat

des Sohnes Flori mit einer reichen Bauerntochter gerettet werden, doch der will partout

nicht. Eines Tages erscheint der Huberbauer mit seiner Tochter Cilli am Grundlerhof. Cilli

möchte eine alte Rechnung mit Flori begleichen und seine „wahre“ Liebe erkennen, indem

sie sich einerseits als dümmliche und naive Kathi andererseits als kokette und forsche

Zwillingsschwester Cilli ausgibt. Dies verwirrt nicht nur Flori sondern auch seinen Vater,

der sich in Kathi verliebt. Cilli klärt nach einiger Zeit Frau Grundler auf, gemeinsam lassen

sie die Männer allerdings noch etwas zäppeln, bevor sich alles in Wohlgefallen auflöst.

Personen 2D/3H

Blasi Grundler, Bauer


Resi Grundler, seine Frau

Flori, beider Sohn

Huberbauer (kann auch als Huberbäuerin gespielt werden)

Cilli, seine Tochter

Bühnenbild 1 innen

Zeit: Gegenwart

Dekoration:

Alle drei Akte spielen auf dem Hof von Grundler. Der erste und zweite Akt spielen am selben Tag,

der dritte Akt einen Tag darauf.

1. Akt

1. Szene

Resi und Blasi

Resi: (sitzt bei Tisch mit einigen Briefen, darunter einer vom Gerichtsvollzieher, diesen liest sie

gerade)

Blasi: (sitzt auch bei Tisch) Na, was schreibt denn der Gerichtsvollzieher?

Resi: Frag net so dumm - du weißt genau, wie's um uns steht!

Blasi: Ich will net wissen, wie's um uns steht, ich will wissen, was er schreibt!

Resi: Na dann hör gut zu: (liest) Sehr geehrter Herr Grundler...

Blasi: Aber höflich ist er, der Gerichtsvollzieher.

Resi: Aber nimmer lang... Ihre Zahlungsfrist ist seit acht Tagen abgelaufen. Da die geforderte

Summe bis heute nicht bei mir eingegangen ist, muss ich leider zur Pfändung schreiten.

Ich komme am Montag zu Ihnen... usw. usw.

Blasi: Was meint er denn damit: "Zur Pfändung schreiten"?

Resi: Ja, so Wapperl pickt er auf unsere Sachen.

Blasi: Dann soll er dir gleich eins auf dei Goschen naufpappen.

Resi: Dass ich dir net gleich eine auf dei Salatwaffen naufpapp!

Blasi: Ich hab doch bloß an G'spass g'macht, solche Wapperl klebt der doch nur auf wertvolle

Sachen!

Resi: Jetzt steh'n ma guat da - was mach ma denn jetzt?

Blasi: An guten Eindruck!

Resi: Du immer mit deine blöden Witz!

Blasi: Irgendwas wird ma schon einfallen. Du weißt ja: Die dümmsten Bauern haben die größten

Kartoffel. Resi: Wenn's nach unsere Kartoffel geht, bist du wirklich der Dümmste!

Blasi: Sonst ham ma keine Post kriegt?

Resi: Da is noch einer vom Bauernverband.

Blasi: Die können uns a net helfen. Resi: Und der ist vom Huberbauern aus Armling. (gibt Blasi

den Brief)

1


Blasi: Was - vom Huberbauern, was will denn der von mir? (öffnet den Brief, liest) Lieber Herr

Grundler... der Brief gehört doch dir...

Resi: Wieso?

Blasi: Weil er schreibt: Lieber Herr - und der Herr im Haus bist doch du!

Resi: Jetzt halt amal deinen Schnabl und lies!

Blasi: Deile Ihnen mit - ah, der ist gut: der schreibt Deile mit weichem D und einem harten Ei -

dass ich ihnere Küh, die wo Sie verkaufen wollen, gerne von Ihnen abkaufe, um dieselben

käuflich wieder einem anderen Käufer zu verkaufen - für mich ist der in a Baumschul

gangen - am Samstag komme ich sowieso zu Euch, weil ich für einen Großbauern von

hier, der wo 28 Kühe, 6 Ochsen und 24 Schweine besitzt und ich eine heiratsfähige

Tochter habe, für die ich einen Mann möchte - zu verkuppeln habe. Reich muss er nicht

sein, nur intel - liegent - Was? liegend - ja möcht der denn an kranken Schwiegersohn?

Resi: Gib her! (nimmt Brief) Des heißt doch intelligent. (gibt Brief zurück) Lies weiter!

Blasi: ... Vielleicht weißt du einen solchenen? - Schad, dass ich net frei bin.

Resi: Auch wenn du frei wärst, tat er dich net nehmen, weil er schreibt "intelligent" - und da

fehlt's bei dir weit. Also a reicher Bauer mit viel Viech und a Tochter, die heiraten möcht - -

- des wär doch was für unsern Flori!?

Blasi: Oder für mich, wenn ich mich scheiden lass!

Resi: Man kunnt aus der Haut fahren mit dir.

Blasi: Ah, des wär a Gaudi, wenn dei Haut da herumflieg'n tat und dei Kuhfleisch hupft rum.

Resi: Die Huabbauerntochter muss unsern Flori heiraten und mir san aus'm Wasser.

Blasi: Und der Bua liegt drin bis über die Ohrwascheln.

Resi: Wenn der Bua nur net so weiberscheu wär - der will doch vom Heiraten durchaus nix

wissen.

Blasi: Des wundert mich net, der hat ja jahrelang unsere Ehe miterlebt - der muss ja die Nas'n

voll haben.

Resi: (drohend) Blasi, ich sag dir - (geht zum Fenster und ruft Flori) - und wenn der Huberbauer

kommt, tust ihm halt a bisserl um den Bart gehen und schön aufwarten!

Blasi: Ich bin doch kein Dackel!

Resi: Aber a Trottl!

Blasi: Des is noch gar nix gegen des, was du bist.

2. Szene

Vorige, dazu Flori

Flori: Was gibt's denn so wichtig's, dass ich von der Arbeit weg muss?

Blasi: Familienrat - der Führer spricht!

Resi: (scharf) 's Maul halt!

Blasi: Rührt euch!

Resi: A Ruah - da hockt's euch her!

Blasi: Ohne Tritt Marsch! (marschieren zum Tisch)

Resi: Was wird denn des?

Blasi: Herbstmanöver.

Resi: (nachdem alle sitzen) Also Bua, du bist jetzt in dem Alter, wo man ans Heiraten denken

muss.

Blasi: Aber bloß dran denken - sei g'scheit, Bua!

Flori: Ja, da hast schon recht, Mutter.

Resi: Hast schon vielleicht eine auf Lager?

2


Flori: O mei, auf Lager hätt ich grad gnua!

Blasi: Genau wie i - i war auch immer ein großer Lagerist - und jetzt hab ich bloß noch an

Ladenhüter da.

Resi: Du wirst schon g'merkt haben, Bua, dass's bei uns in Graben 'neingeht - nächste Wochen

kommt noch der Gerichtsvollzieher und will bei uns pfänden!

Flori: Ja, Mutter, dann is doch ganz verkehrt, wenn ich heirat - schau, jetzt san ma noch drei, du,

der Vater und ich - wenn ich heirat, sam ma schon viere - dann kommen Kinder daher, so

Stucker viere...

Blasi: Dann san ma schon achte.

Flori: Die heiraten wieder, dann san ma schon sechzehn!!!

Blasi: Die kriegen wieder Kinder, macht zweiunddreißig!

Flori: Hör auf, Vater, des wird ja a Siedlung!

Resi: Aber Bua, du sollst doch net heiraten, dass ihr euch vermehrt's wie die Karnickl - du sollst

eine heiraten mit an Geld.

Flori: Ach, du meinst so a Goldfischerl!?

Blasi: Da darfst aber obachtgeben, dass du kein Karpfen rausziehst.

Resi: Meinst du mich mit dem Karpfen?

Blasi: Aber Reserl, du bist doch kein Karpfen - schon eher a Rollmops.

Flori: Schau, Mutter, mir haben doch keine solche im Dorf.

Blasi: Auf alle Fälle kein Goldfischerl - unser Dorf ist eher zu vergleichen mit einer

Heringsbüchse.

Resi: Blasi!!!

Flori: Vorig's Jahr, da hab ich auf'm Volksfest eine kenneng'lernt, die hätt ich sofort g'heirat.

Blasi: Bua, sei vorsichtig! Ich hab dei Mutter a am Volksfest kenneng'lernt - weißt es noch,

Reserl?

Resi: Ja, am Glückshafen war's.

Blasi: Des war schon eher ein Frachthafen.

Resi: Pass auf, Bua - der Huberbauer aus Armling kommt zu uns mit seiner Tochter - a

Großbauer, verstehst - für die er an Mann aus unserer Gegend sucht. Sie hat an großen

Hof, viel Geld und Vieh - kurz und gut: a prima Partie!

Flori: Geh, Mutter, wenn's der Hausierer schon frei Haus liefert, kann's doch nix G'scheites sein.

Resi: Schau dir's halt amal an, vielleicht geh'n dir die Augen auf!?

Blasi: Mir sans übergangen.

Flori: (steht auf) I muss jetzt wieder an mei Arbeit geh'n - meine Küh brauchen was zum

Fressen. (ab)

Resi: Derselbe Dickschädl wie du - aber jetzt geht's an die Arbeit. Du gehst 'nauf und tust die

obere Stuben putzen - und wenn der Huberbauer kommt, dann musst'n einwickeln,

verstehst - damit ma des Madl rumbringen für unsern Flori. Hast mich verstanden - was

musst tun??

Blasi: Die obere Stuben einwickeln, den Huber putzen und's Madl umbringen.

Resi: Ich gib's auf! (ab)

Blasi: (holt sich Eimer und Schrubber) O mei, Reserl, was hast du aus mir gemacht? So viel

Weiberl gibt's auf der Welt - liebe Weiberl, nette Weiberl - mir haben direkt an Überschuss

an Weiber - ich hab an Ausschuss erwischt! (ab)

3. Szene

Huberbauer mit seiner Tochter Cilli

Huber: So - rein da und stad sei!

Cilli: Ich hab ja so nix g'sagt.

3


Huber: Aber du hätt'st was sagen können.

Cilli: Derf i jetzt was sagen?

Huber: Freilich, Madl, red nur!

Cilli: Warum möchst mich denn unbedingt mit dem Sohn von hier verkuppeln?

Huber: Weil ich g'hört hab, dass er a sauberer und a fleißiger Bua sein soll.

Cilli: Kann ich ihn mir net erst amal anschaun - weißt so aus der Ferne, wenn er mir g'fallt, kann

ich ja allerweil noch ja sagen.

Huber: Es is a Kreuz mit euch Weiberleut - allerweil Extrawürscht müßt's haben.

Cilli: Den Buam, den i damals auf dem Volksfest kenneng'lernt hab, den hätt i sofort g'heirat.

Huber: Hat der a Geld g'habt?

Cilli: Ich glaub net.

Huber: Dann is er schon g'strichen. Jetzt pass auf, Cilli: Ich hab erfahren, dass da ein

heiratsfähiger Bua sein soll, der einzige Sohn. Du musst also a bisserl nett zu ihm sein

und sagst ihm, was du alles hast und dass du a gute Partie bist.

Cilli: Ich weiß doch, was mir alles haben.

Huber: Dann sei a bisserl lieb zu ihm - anschmiegend.

Cilli: Was, anschmiegend? Wie meinst denn des?

Huber: Wennst'n siehst, dann blinzelst ihn a bisserl an, weißt a so - (zeigt es ihr) - dann tust dich

anschmiegen mit'm Ellerbogen, weißt a so - (zeigt es ihr) - und dann gibst ihm an kleinen

Schubser, weißt a so - (zeigt es ihr)

Cilli: Sag amal, Vater, hast du die Mutter auch so kenneng'lernt?

Huber: Freilich!

Cilli: Meinst net, Vater, dass des heutzutag ganz anders geht?

Huber: Kein bissel anders - die alten Bräuch san immer noch die besten.

Cilli: (lacht) Wennst meinst, Vater - und wie geht's dann weiter?

Huber: Dann musst'n recht sinnig anlachen - Lach amal sinnig!

Cilli: (verzieht ihr Gesicht) Ist des sinnig?

Huber: Des is schon mehr irrsinnig - da meint ma ja, du hast a Zitron gessen.

Cilli: Und was kommt nacha?

Huber: Ja mei - wenn er dann a lacht, hast g'wonnen.

Cilli: Und wenn er net lacht?

Huber: Nacha hast du a nix mehr zum Lachen, dann bist nämlich ausg'rutscht. Also: recht

g'schamig tun, allerweil mit'm Schürzenzipfel spiel'n und recht keusch tun, du weißt schon,

wie ich's mein.

Cilli: Vater, du meinst ma's ja recht gut, aber i glaub, auf die Art kriegt ma heut kein Buam

mehr.

Huber: (hat sich nun etwas in der Stube umgesehen) Ich weiß net - ich weiß net, gar so reich

schaut mir die Stub'n net aus.

Cilli: (ist zum Fenster gegangen und schaut hinaus, sieht Flori) Um Gottes willen! Mei Bua vom

Volksfest!

Huber: Was ist los?

Cilli: Vater, i bin doch dein einzigs Kind!

Huber: Freilich.

Cilli: Und du willst doch, dass dein einziges Kind glücklich wird?

Huber: Freilich.

Cilli: Da draußen steht der Bua vom Volksfest und wenn ich richtig g'seh'n hab, ist des der

Sohn vom Hof da.

4


Huber: Der wo kein Geld hat? So schaut's a aus da herin.

Cilli: Bitte, Vater, du musst jetzt mit mir a kleine Komödie spiel'n. Du hast ab heute zwei

Töchter!

Huber: Was hab i???

Cilli: Zwei Töchter.

Huber: Ja, wo soll i denn so schnell a zweite Tochter hernehmen?

Cilli: Die zweite Tochter bin a ich.

Huber: Cilli, bist plötzlich krank worden?

Cilli: Na, Vater - so g'sund wie heut war i noch nie.

Huber: Möchst ma jetzt net sagen, warum du auf amal spinnst - i hab jetzt zwei Töchter - die

zweite Tochter bist a du?

Cilli: Pass auf, Vater: Mir haben doch unsere Zimmer im Postbräu drüben, i geh jetzt nüber und

richt mi a bisserl her als dei zweite Tochter und komm als Kathi wieder - a bissel damisch,

verstehst?

Huber: Kein Wort!

Cilli: Ich möcht dem Herrn da draußen an kleinen Denkzettel verpassen. Du bleibst derweil da

und sagst in unserm Namen Grüß Gott und erzählst, dass du mit deine zwei Töchter da

bist und an Mann für die zwei suchst; bei der Gelegenheit kann i feststellen, ob mi der Bua

wirklich so gern hat, wie er mir am Volksfest vorg'macht hat - und wenn des stimmt, dann

hast du die glücklichste Tochter auf der ganzen Welt.

Huber: Wennst meinst, Cilli, nacher machen ma halt die Gaudi - wenn's net hinhaut, können ma

immer wieder heimfahren - aber ganz wohl fühl ich mich net in meiner Haut.

Cilli: Des wird schon gut ausgehen - du bist der beste Vater, den's gibt!

Huber: Und du bist die frechste Wanzen, wo rumlauft!

Cilli: Also, pfüat dich derweil und vergiß net, amal heiß i Kathi und amal bin i wieder die Cilli.

(ab)

Huber: Wenn des nur gut geht - - -

4. Szene

Huber, Blasi, später Resi

Blasi: Ja, wen siech i denn da: der Huaber Michl - hast a gute Reise g'habt?

Huber: Dank der Nachfrag - gut is alles gangen.

Blasi: Hast du net g'schrieben, du bringst dei Tochter mit?

Huber: Töchter, Blasi, Töchter!

Blasi: Ich hör allerweil: Töchter. Du hast nur von einer heiratsfähigen Tochter g'schrieben!

Huber: Ja weißt, Blasi, i hab no a ledige Tochter und die is a no net verheirat. Nacher hab i ma

denkt, nimmst es a gleich mit, vielleicht bring i die a gleich unter die Hauben.

Blasi: Wo hast nacher deine Töchter?

Huber: Die san drüben beim Postbräu, de richten sich a bisserl her.

Resi: (Auftritt) Wenn mi net alles täuscht, bist du der Huaberbauer aus Armling.

Huber: Freilich bin ich's und du bist an Blasi sei Frau. Hab schon viel von dir g'hört.

Blasi: Aber nix Gutes.

Resi: Wo hast denn dei Tochter?

Blasi: Töchter, Resi, Töchter!

Resi: Wieso Töchter?

Huber: Ja, ich hab's an Blasi schon g'sagt, ich hab no a ledige Tochter und die is a mitg'fahren.

Resi: Soll die a heiraten?

Huber: Wenn ich einen für sie krieg - schon.

5


Resi: Des is gar net so schlecht; nacher kann sich der Bua eine aussuchen. Wenn ihm die eine

net g'fallt, g'fallt ihm vielleicht die andere.

Huber: Und wenn ihm gar keine g'fallt?

Resi: Nacher ham ma Pech g'habt...

5. Szene

Vorige, dazu Kathi

Katl: (Cilli kommt als Kathi verkleidet und spielt eine doofe Bauerndirn mit roten Wangen und

Sommersprossen und stupidem Gesichtsausdruck) Grüß Gott, jetzt bin i da!

Alle: (schauen verdutzt auf Kathi)

Huber: Ah, die schaut guat aus.

Blasi: Wer bist denn du?

Katl: (zu Huberbauer) Papa, sag's ihnen halt, wer i bin!

Resi: Was, Papa???

Blasi: I hör allerweil Papa!

Huber: (leise) Jessas, des is ja mei Cilli - ah des is jetzt eine von meine Töchter, die Kathi.

Blasi: Ich hab schon viel g'seh'n, aber...

Resi: Mich trifft der Schlag.

Katl: Die Cilli kommt später, soll ich dir ausrichten.

Blasi: Wer is denn die Cilli?

Huber: Mei andere Tochter.

Blasi: Schaut die a so gut aus?

Huber: Die is a bisserl schöner.

Resi: Ich geh jetzt in die Küch und mach uns an Kaffee. (im Abgehen) Der arme Flori! (ab)

Blasi: Komm, Kathi, setz dich a bisserl her!

Katl: Dank schön! (setzt sich)

Huber: Na, wie g'fallt dir nacher mei Tochter?

Blasi: I kann gar nimmer wegschau'n, so guat.

Katl: Wo is nacha der Bua, den i heiraten soll?

Huber: Jetzt lass dir nur Zeit, der wird nacher schon kommen.

Katl: I freu mich schon so aufs Heiraten, weil ich's no net probiert hab - - - tut des weh?

Blasi: (steht auf) Ich schau amal, was mei Resl mit dem Kaffee macht. (dreht sich an der Tür

noch mal um) Die fragt, ob des weh tut - - - (schnell ab)

Huber: (lacht von ganzem Herzen)

Katl: (lacht von ganzem Herzen)

Huber: So blöde Gesichter hab i schon lang nimmer g'seh'n - Jetzt macht's ma erst an Spass und

auf des G'sicht vom Flori freu ich mich erst!

Katl: Und ich erst! Jetzt lasst mi allein, Vater, denn i glaub, der wird nimmer lang aus sein und

jetzt mach i genau des, was du mir g'sagt hast.

Huber: Treib's aber net zu weit!

Katl: Nur ka Angst, Vater.

Huber: Ich geh derweil zum Postbräu und kauf ma a Maß, die brauch i. (ab)

Katl: Jetzt muss i aufpassen, dass ich nix durcheinander bring. Also erst anschmiegen, dann

mit die Augendeckel klappern und sinnig lachen, dann wird's schon hinhauen.

6. Szene

Cilli (Kathi) und Flori

Flori: (sieht Cilli) Jessas Maria! Wer is denn des?

6


Cilli: Jetzt geht's an. (umkreist ihn und zwinkert)

Flori: Was hat denn die? An Drehwurm?

Cilli: Jetzt kommt's anschmiegen. (reibt sich ein paarmal an Flori, gibt ihm einen kräftigen

Schubs)

Flori: Des is ja der reinste Goaßbock!

Cilli: Jetzt kommt das Sinnige. (grinst ihn blöde an)

Flori: Du bist fei a nettes Muckerl!

Cilli: Ich g'fall ihm schon - jetzt komm ich ihm no amal sinnig. (grinst und klappert mit den

Augendeckeln)

Flori: Ist dir was ins Aug neing'fallen?

Cilli: Und jetzt sag ich ihm, was i hab. (leiert) I bin die Huaber Kathi, i hab an großen Hof, 80

Tagwerk Wies'n, 30 Tagwerk Kartoffel und 40 Tagwerk Wald. Im Stall ham ma 20 Küh, 6

Ochsen, 24 Säu, 180 Hennen und bloß ein Gockel. Muttergut krieg i 25.000 Mark. Unsere

Küh und Säu san fruchtbar und werden in 4-6 Wochen kalben und farkl'n. Sie nehmen

laufend auf und a sonst san ma g'sund.

Flori: Des hört sich alles sehr schön an und jetzt sag ma noch, was du da bei uns willst?

Cilli: Mit'm Huaber, mein Vater, bin i da, weil da a Bauernsohn is, den i z'sammpacken,

mitnehmen und heiraten soll.

Flori: Ja, kennst du denn den Sohn überhaupt?

Cilli: Na, aber i mein, des könnterst du sein.

Flori: Ja, i bin's schon, aber du gehst ma a bisserl zu scharf ins Zeug - wir müssen uns doch erst

amal kennenlernen. Cilli: Is ma recht - geh'n ma!

Flori: Wohin denn?

Cilli: Mir Wurscht - irgendwohin zum Kennalernen.

Flori: Weißt was, Kathi, sagst deim Vater an schönen Gruß...

Cilli: Dank schön!

Flori: ... und sagst ihm, i lass seinen Küh und Zuchtsau a gute Niederkunft wünschen...

Cilli: Dank schön!

Flori: Und dir wünsch i a gute Besserung! (tippt auf die Stirne, ab)

Cilli: Dank schön - hahahaha - der hat blöd g'schaut - und jetzt schnell umzieh'n als Cilli. (ab)

7. Szene

Resi, Flori und Blasi

Resi: (tritt mit Flori auf) Bua, i kann dich ja versteh'n - schön is die wirklich net, aber Geld wie

Heu hat's.

Flori: Und dumm wie Stroh!

Resi: Sei doch g'scheit, Bua - in acht Tag kommt der Gerichtsvollzieher.

Flori: Also, Mutter, schlag dir des aus dem Kopf - die nimm i nie - mit dera kann i mi ja nirgends

seh'n lassen. (setzt sich)

Blasi: Doch - auf'm Volksfest in der Geisterbahn!

Flori: Lass deine blöden Witz, Vater, mir is wirklich net zum Lachen.

Blasi: Jetzt wart halt noch a bisserl und schau dir erst amal die andere Tochter an - vielleicht is

die schöner!?

Flori: Des kann i mir net vorstellen.

Blasi: So viel ich weiß, is des sei ledige Tochter - also san die Mütter ganz verschieden.

Resi: Aber der Vater ist der gleiche und auf den kommt's an.

7


Blasi: Sehr richtig! Stell dir vor, wenn i net so a hübscher Mensch g'wesen wär, schauert der Bua

so aus wia die Kathi.

Flori: Damit's ihr zwei a Ruh gebt's, schau i mir die andere Tochter a an, aber wenn's net a

bisserl schöner is, bleib ich allein.

Resi: Aber a junge Bäuerin muss auf den Hof und damit basta!

Blasi: Des hat doch noch Zeit.

Resi: Eben net - a Nachkommenschaft muss her - so verlangt's der Bauernstand.

Blasi: Auf mich kannst di da nimmer verlassen.

Resi: Wer red denn von dir - ich mein doch den Flori - der soll heiraten und glücklich werden.

Blasi: Warum is ma da glücklich, wenn ma verheirat is?

Resi: Du warst doch a glücklich, wie's d' mi g'heirat hast oder net?

Blasi: Des ist schon so lang her - des weiß i nimmer.

Resi: So! Hast du net g'sagt, wennst mi net kriegst, wanderst aus??

Blasi: Wenn i nur net so schlecht auf de Füß g'wesen wär, i wär g'wandert und g'wandert...

Resi: Jetzt is da drüber genug debatiert worden - der Flori soll sich jetzt die andere a no

anschau'n und eine von den zweien wird g'heirat! (ab)

Blasi: So - jetzt wiss ma Bescheid.

Resi: (Tür auf) Jetzt weiter Holz reintragen. (Tür zu)

Blasi: (deutet auf Tür) I tat ma's Heiraten noch amal sehr gründlich überlegen. (ab)

Flori: Die zwei ham gut reden...

8. Szene

Flori, Cilli

Cilli: (normal) Grüß Gott!

Flori: (dreht sich um und will "Grüß Gott" sagen, springt auf) Heilige Maria!

Cilli: Falsch - Cilli heiß ich - kennst mi nimmer?

Flori: Die Cilli vom Volksfest!

Cilli: Sehr richtig, die Cilli vom Volksfest - und du bist der Bua, der ma lauter so schöne Sachen

erzählt hat und ein Bussl ums andere g'stohlen hat.

Flori: Jetzt mach kein so Aufhebens wegen die paar Bussl, gleich gib ich's dir wieder z'ruck!

Cilli: Wenn i ganz ehrlich bin, hab ich's mir a ganz gern stehlen lassen, aber du warst ja mit den

Busseln net z'frieden - du wolltest ja unbedingt no auf mei Zimmer mitgeh'n.

Flori: Ich!!?? - Ja so was - jetzt weiß ich's wieder: Du hast auf Zimmer zwei g'wohnt und i auf

Zimmer drei.

Cilli: Ja, direkt nebeneinander.

Flori: Mei, wär des praktisch g'wesen.

Cilli: Wie i dir aber g'sagt hab, dass i kein Handtuch bin, bist ganz beleidigt auf dein Zimmer

gangen.

Flori: Ja, weil's a mir g'stunga hat.

Cilli: Lang hat aber dei Kränkung net dauert, weilst gleich nach dem Zimmermadl g'läut hast

und an Wein bestellt hast.

Flori: Weil i plötzlich so an Durscht kriegt hab.

Cilli: Des Zimmermadl hat den Wein bracht, aber mit zwei Glasl!

Flori: Ja, im Fall, dass eines kaputt geht.

Cilli: Und dann ist dir no a kleine Verwechslung passiert - statt der Weinflaschen hast des

Zimmermadl beim Hals packt.

Flori: Da kann i nix dafür - es war so finster im Zimmer, des war ein Irrtum.

Cilli: Der Irrtum ist dir aber erst in der Früh um sechse aufg'fallen!

8


Flori: Sei mir halt nimmer bös, des ist doch schon verjährt und jetzt wär's a soweit, dass i di

heiraten kann.

Cilli: Und wer bin dann ich: die Braut oder's Zimmermadl??? Wahrscheinlich die Letztere, weil

du ja zum Heiraten schon a andere, die Kathi hast.

Flori: Waaas hab i???

Cilli: Jawohl, mei Vater hat's extra herbracht.

Flori: Dei Vater? Ja, wer ist denn des?

Cilli: Der Huaberbauer - und die Kathi is dei Braut, wie er mir sagt.

Flori: Aber Cilli, des is a Irrtum! I mag die Kathi net - mein Herz schlagt nur für dich - wie im

Fieber.

Cilli: Des muss a Wechselfieber sein.

Flori: I weiß schon - wegen der G'schicht von damals magst mi nimmer.

Cilli: Ich schick dir zum Trost die Kathi rüber.

Flori: Ja, Himmelstern und Zwetschgenbrüh! (schlägt wütend auf den Tisch)

9. Szene

Flori, Resi und Blasi

Resi: He, Flori! Hau mir den Tisch net z'samm!

Blasi: Den brauch ma noch - was bist denn so narrisch?

Flori: I hab euch doch erzählt, dass i voriges Jahr beim Volksfest a Madl kenneng'lernt hab - ein

Madl, sag ich euch - ein Madl...

Blasi: Des san ja drei Madln.

Flori: I sag euch, a paar Augerln wie Blaubeer'n - Lippen wie Kirschen - Backerl wie Aprikosen...

Blasi: Der reinste Fruchtsalat!

Flori: ... kurz und gut, des war genau mein Typ. Resi: Wo ist denn dann dei Typ?

Flori: Fort - sie mag mi nimmer.

Blasi: Dann hast eben typt.

Resi: Derf i jetzt amal endlich erfahren, wer des Madl is?

Flori: Die zweite Tochter is vom Huaberbauern - ihr Vater hat ihr g'sagt, dass i die Kathi heiraten

soll, jetzt will's nix mehr von mir wissen. - I sag dir's, Mutter, wenn i die Cilli net krieg,

schieß i mi maustot. Resi: Blödsinn - wenn i mi wegen jeden Mann derschießen hätt

wollen...

Blasi: Hättst du da a Maschineng'wehr braucht?

Flori: Wie bist nacher drüber wegkommen?

Resi: I hab allen Männern Rache g'schwor'n und dein Vater g'heirat.

Blasi: Mir wär's lieber g'wesen, du hättst dich derschossen.

Vorhang

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