GANGSTERJAGD AM MOSERHOF Kriminalkomödie in drei Akten ...

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GANGSTERJAGD AM MOSERHOF Kriminalkomödie in drei Akten ...

GANGSTERJAGD AM MOSERHOF

Kriminalkomödie in drei Akten

von

EMIL STÜRMER

© EVA BIELER VERLAG WIEN

GANGSTERJAGD AM MOSERHOF

Kriminalkomödie in drei Akten

von

EMIL STÜRMER

Regie- und Soufflierbuch

EVA BIELER VERLAG

Klederinger Str. 62/17

1100 Wien

Österreich

Telefon +43/1/258 99 55

Fax +43/1/258 99 55

Mobil +43/699 19 24 91 47

Email: bieler.verlag@aon.at

Homepage: www.bieler.at

Inhaltsangabe

Die Bäuerin Lina Moser und ihre Magd Fanny Häferl müssen sich alleine um den Moserhof

kümmern. Sämtliche Versuche Knechte oder sogar Ehemänner zu finden, scheiterten

bisher trotz der Bemühungen der Heiratsvermittlerin Karoline Schindler. Völlig unerwartet

bieten sich eines Tages der junge sowie fesche Michl und der etwas verwahrlost wirkende

Kilian als Knechte an, die prompt eingestellt werden und gute Arbeit leisten. Als Fanny die

zwei für die mutmaßlichen Gangster, die in der Gegend ihr Unwesen treiben, hält, werden

sie vom Hof verjagt. Sowohl Lina als auch ihre Magd leiden seit diesem Zeitpunkt unter

der Mehrarbeit als auch an ihren gebrochenen Herzen. Die glückliche Wiedervereinigung

kann erst nach dem Ausräumen einiger Missverständnisse gefeiert werden.

Personen 3D/2H


Lina Moser, Bäuerin vom Moserhof, Liebhaberin, eine fesche, stattliche Person, Ende der Zwanzig

Fanny Häferl, Magd am Moserhof, Komikerin

Karoline Schindler, Stellen- und Heiratsvermittlerin, Charakterdarstellerin, eine lange, dürre,

unansehnliche Person, die immer altmodisch schwarz" gekleidet ist

Michl, ein Knecht, Liebhaber

Kilian, ein Vagabund, Komiker, ein abgerissenes, unansehnliches ältliches Männlein

Bühnenbild 1 außen

Ein Vorgarten vor einem Bauernhaus. Rechts das gepflegte Haus mit Haustüre und wenigstens

einem sichtbaren Fenster im Erdgeschoß. Links vorne ein Tisch mit mehreren

Sitzgelegenheiten. Im Hintergrund gegen die Straße zu ein Gartenzaun mit Gartentür.

Ausblick auf Wiesen und Berge, aber nicht auf Häuser, da es sich beim Moserhof um ein

abgelegenes Gehöft handelt, das vom Dorf ziemlich weit entfernt liegt.

Der erste Akt spielt an einen Nachmittag, über die ganze Breite der Bühne ist im Hintergrund eine

Wäscheleine gespannt, auf der offensichtlich nach einem Waschtag eine ganze Reihe von

bunten Wäschestücken aufgehängt ist

Rechts und links ist vom Zuschauer aus zu verstehen.

1. Akt

1.Szene

Lina, dann Fanny

Lina: (kommt aus dem Haus und bleibt in der Tür stehen) Ob ich mirs net denkt hab! Meiner

Seel, wenn man net alles selber macht! Da hängt ja noch die ganze Wäsch am Strick! (ruft

ins Haus) Fanny!! Was das Frauenzimmer heut nur wieder im Kopf hat, möcht ich wissen!

(sie geht zur Wäscheleine und nimmt während des Folgenden die Wäsche ab) Ich kann

doch net überall meine Augen haben! (ruft ungehalten) Fanny! Möchst net rauskommen,

wenn i ruf? Fanny!!!

Fanny: (kommt ohne Eile aus dem Haus) Ho, no, tua net gar so! Wird wohl ein bisserl warten

können, die Wäsch!

Lina: Red net so viel, hol lieber ein Wäschkorb! Siehst net, dass i schon den ganzen Arm voll

hab?

Fanny: Nur net übertreiben! Von "ganzen" is vorläufig überhaupt keine Red!

Lina: So geh doch schon, das is ja gleich! Siehst net, dass ich wart?

Fanny: Freilich seh ichs! I bin ja net blind! Bin ja eh schon unterwegs! (sie geht zur Haustür und

dreht sich dort gemächlich zu Lina um) Weilst es aber auch allerweil so eilig haben musst!

Hätt gut noch hängen bleiben können, das Zeug!

Lina: Geh, sei so gut und erzähl ma das später, ja? Den Wäschkorb sollst bringen!

Fanny: (zieht diesen aus der Haustür) Steht ja sowieso schon längst parat! Hättst eigentlich

drüberfallen müssen beim Außagehn! (sie legt mit Lina während des Folgenden die

Wäsche in den Korb)

Lina: Längst hätt das Zeug runterghört vom Strick ! Lassen höchstens die Vögel was drauffallen,

wenn sie alser trockener noch heraußen hängt!

Fanny: Ich kann net mehr so arbeiten! Was willst denn noch von mir? I bin ja sowieso schon wie

ein Windhund! Wann ich mich in der Kuchl drinnen such, bin i bestimmt bereits im Stall!

Bei der nächsten Olimonade meld ich mich an als Langstreckenrennerin!

Lina: Da müssen aber Schnecken deine Konkurrentinnen sein bei deiner Schnelligkeit! Is

übrigens der Kaffee schon fertig?

Fanny: No, da hast es! Is der Kaffee schon fertig? Als ob i Zeit zum Atmen ghabt hätt heute

Nachmittag!

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Lina: Dann stell wenigstens jetzt einen zu! Den Korb da trag i schon allein eine!

Fanny: (mürrisch) Aber, is ja eh schon fertig, der Kaffee! Reg di nur net auf!

Lina: Ha also, warum maulst denn nachher?

Fanny: Weils wahr is! Wie sollen denn wir zwei Weiber allein mit dem großen Anwesen

zrechtkommen? So was gibts ja gar net! Früher waren da allerweil ein paar drei

Mannsbilder auf dem Hof! Und die haben alle Hand voll ztun ghabt, dass s' mit der Arbeit

zsammkommen sind! Und jetzt soll dasselbe gschafft werden von uns Weibsbildern allein!

Und da soll man net maulen!

Lina: (während sie den Korb ins Haus trägt, von dem sie die Haustür offen lässt) Kannst nix

machen, wenn eben kein Mannsbild im Haus is, dann muss es auch so gehn! Ich kann

keins herzaubern! Bring mir einen ordentlichen Knecht und er is aufgnommen, das

versteht sich sowieso von selber!

Fanny: Aber, was d net sagst? Waren denn net schon etliche da? Hast ja keinen ghalten, waren

dir ja alle zschlecht! (sie nimmt die Leine ab und legt sie zusammen)

Lina: Einen "ordentlichen" hab ich gsagt! Einen andern kann ich net brauchen! (sie kommt

heraus)

Fanny: Aso!? Und der Hartl, der war vielleicht net ordentlich? Was der für "Muscheln" (Muskeln)

ghabt hat! Direkt ein Ausstellunsexemplar von einem Mannsbild is der gwesen! (zeigt es)

Solchene Muscheln hat der ghabt!

Lina: (geht zum Tisch und stellt diesen zurecht) Was du immer von dem Hartl redst! Der hat

zwar so ausgschaut, als ob er arbeiten könnt, doch wirklich gholfen war uns nix mit ihm!

Fanny: Aber mit dem Jogel wär uns gholfen gwesen! Und du hast den auch wieder expediert!

Lina: Der war mir zfrech! Schließlich bin ich da der Herr auf dem Hof und da kann ich mir das

net bieten lassen!

Fanny: (verträumt) Na, und der Joachim! Ein Traum von einem Kerl! So was Schönes gibts auf

der ganzen Welt nimmermehr, wie der war! Diese Haar auf der Brust! Herrlich!

Lina: Von der Schönheit kann man nix unterbeißen! Eine Schönheitskonkurrenz veranstalt ich ja

net!

Fanny: Du hast an jedem was auszsetzen! An jedem! Deswegen sitzen ma ja auch allein da, das

kommt davon!

Lina: Halt keine Vorträg, geh lieber rein und hol den Kaffee! Setzen ma uns daher zum Jausnen,

is kühler heraußen, wie drinnen in der Stuben!

Fanny: (während sie zum Haus geht) Das eine weiß i! Das mit dem Herschaffen von einem

Mannsbild zum Arbeiten, das nehm jetzt einmal ich in die Hand! Der erste beste, der mir

unterkommt, wird gfischt, das is einmal evident!

Lina: Das überlasst gfälligst mir, ja! Die Bäurin da bin schließlich noch allerweil ich und net du,

gell!

Fanny: Ich möcht halt auch einmal müd sein dürfen! (schreit) Jawohl! Müad bin i! Und noch einmal

sag i Dirs: Müad bin i!!!

Lina: Ja, ja, deswegen brauchst ja net glei so zum schrein mit mir! Ich versteh dich schon auch

so!

Fanny: Wann ichs Dir net so reinplärr bei die Ohrwascheln, fällts Dir ja erscht auf, dass ich müad

bin, wanns mich bereits eingraben haben!

Lina: No, no, gar so arg wirds wohl auch wieder net sein! Aber sollst sehn, dass i mir was sagen

lass! Müssen ma halt einmal mit der Schindler Karolin reden, vielleicht weiß die uns wem!

Die hat ja überall ihre Ohren! So, jetzt hol aber den Kaffee raus, sonst können man gleich

zum Nachtessen trinken, wenn ma net weitertun!

2. Szene

Vorige, dazu Schindler

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Schindler: (kommt von rückwärts) Sehr richtig! Her mit einem Kaffee! Da bin ich anscheinend grad

zrecht kommen, wie mir scheint!

Lina: Ah, da is sie ja, die Schindlerin! Grad eben haben ma von dir gredt!

Schindler: Aso? Ich hab aber nur was von einem Kaffee ghört! Das hat allerdings für meine Ohren

vollständig glangt! Weißt, Moserin, wann irgendwo das Wort Kaffee fallt, kanns gar net so

leise ausgsprochen werden, dass ichs net aufschnappen tat! Und riechen, riechen kann

ich den Kaffee bestimmt eine Stund weit! Also mach nur weiter, Fanny! Lass dich nur net

aufhalten! Her mit dem Kaffee! Schad um jede Minuten, die man mitn Warten versäumt!

Fanny: Derstössen werd ich mi net zwegen Deiner! Und außerdem muss ich erscht nachschaun,

ob überhaupt soviel da is, dass für dich ein Häferl übrig bleibt! Is noch gar net so sicher!

Schindler: Ah, das wär ja noch schöner! Vor meiner Kaffeetrinken und ich tat davon nix abkriegen?

Wenn eben zuwenig da is, dann musst halt du auf den deinen verzichten und damit basta!

Fanny: Oha! Da is nix basta! Mir scheint, du bist net recht richtig im Kopf, ha!? Mein Kaffee will sie

haben, na so was?

Schindler: Du hast wohl noch nie was von Gastfreundlichkeit ghört, wie? Egal, wie viel man von

etwas hat, zuerst muss immer der Gast satt werden! Alle andern kommen erst lang

nachher, das is so Brauch auf der ganzen Welt! Aber davon hast du natürlich keine

Ahnung, dazu bist du ja viel zu ungebildet! Du verstehst vielleicht was von die Sau, aber

von der höheren Benehmität hast du jedenfalls keinen Schimmer! Ja, und jetzt steh net da

herum, wo hast ihm denn, dein Kaffee? I möcht net haben, dass er kalt aufn Tisch kommt,

verstanden!?

Fanny: Ja sag einmal, was schaffst denn du da umeinander mit mir? Wie haben mas denn?

Lina: (lachend) Lass gut sein, Fanny, sie meints ja net bös!

Fanny: (während sie ins Haus geht) Wie der der Herrgott das Maul ins Gsicht gschnitten hat,

muss er rein mit dem Messer ausgrutscht sein!

Schindler: Was hat sie jetzt gsagt? Was soll denn das heißen?

Fanny: Wann ma so gebildet is, wie du, versteht man das wohl a ohne Erklärung, oder? (schreit

sie an) Großpappert bist! (für sich im Abgehen) Alter Hinterlader! (sie geht ins Haus)

Schindler: (erregt) Moserbäurin! Hast du das jetzt ghört? Soll ich das auf mir sitzen lassen?

Lina: Aber reg dich doch net auf, Schindlerin, du kennst sie ja!

Schindler: Mich und großpappert nennen! Ausgerechnet mich? Wo ich doch die Demut und Sanftheit

in personam bin! Sowas ghört vorn Bezirksrichter! Man hat doch schließlich seine

Reputation!

Lina: Stund wohl dafür, mit so was zum Gricht zgehn! Schad um die Zeit!

Schindler: Auf jeden Fall steht fest, dass ich das Weibsbild mein Lebtag nimmermehr anschau! So

ein Fegfeuer!

Lina: Komm Schindlerin, setz dich her zu mir! Gleich wird der Kaffee da sein und dann schaut

die Gschicht gleich wieder viel freundlicher her!

Schindler: (sich setzend) Wetten, dass mir das Laster keinen bringt! Die is so boshaft! Und schon

gar, weil sie weiß, dass mir, wenn ich nur wo das Wort Kaffee aufschnapp, schon die

Zungen bis zum Boden hängt! Die bringt mir bestimmt keinen!

Fanny: (kommt mit einem Tablett, auf dem sich Kaffeekanne, Häferln und Brot befindet, aus dem

Haus) No ja, verdient hast ihn ja net, den Kaffee, aber i will net nachtragerisch sein! Da!

Wenn ma ein bisserl haushalten, haben ma alle drei gnua! (sie stellt das Tablett auf den

Tisch)

Lina: Brav, Fanny (zu Schindler) No siehst, Schindlerin, die Fanny is gar net so graupert, wie sie

allerweil tut!

Schindler: (während Lina den Kaffee verteilt) Also wirklich, ich muss sagen, jetzt bin ich selber paff!

So viel Großherzigkeit hätt ich dieser Person gar nicht zugetraut. Werd ich mich ja doch

herablassen müssen und wieder reden mit ihr! (schnell zu Lina) Tu ja gerecht verteilen, ja?

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Einen Schluck voll derfst der Fanny schon auch geben, gell? (sie sieht genau zu wie viel

Lina einschenkt) Bei mir is noch ein bisserl zwenig drinnen, da kannst du schon noch was

nachgießen!

Fanny: Streng dich net an, es langt sowieso für alle! Deswegen brauchst net glei Stielaugen

zkriegen!

Schindler: Jetzt schau dir dieses Weibsbild an! Sie kann keine Ruh geben! Meiner Treu, die bettelt

mir heut noch eine ab!

Fanny: Waaas!!!??? Jetzt gehst aber, gell! Wann du mir eine gibst, kannst dir die Schnittblumen a

tempo von die Wurzeln aus anschaun, du zaundürrer Hackel, du windschiefer!

Lina: Jetzt aber ruhig, ja! Wenigstens beim Essen soll eine Ruh sein!

Fanny: Weils wahr is! Mir eine antragen! Ha, ha!

Schindler: (zu Lina) Lass sie gagerzen, die Henn! Jetzt hab ich einen Kaffee! Und wenn ich den hab,

dann kann mich auf dar Welt nix, aber auch gar nix mehr aufregen! Wer hat denn den

überhaupt gmacht, den Kaffee? Der is beinahe pompfizinös!

Fanny: (brummend) Ho, wer wird den schon gmacht haben? I natürlich!

Schindler: Sooooo? Das wundert mi aber sehr! Schaust nämlich gar nicht danach aus, als obst so

einen überhaupt zsammbringerst!

Fanny: Wann i gwußt hätt, dass du daher kommst, hätt i sowieso um ein Liter Wasser mehr

einegschütt! Tuat ma eh leid um jeden Tropfen!

Schindler: (während sie ununterbrochen isst und trinkt) Am besten is, man gibt auf so was überhaupt

keine Antwort! Hab ich recht?

Fanny: Wennst noch ein bisserl mehr einepampfst, bringst sowieso nix mehr außa! Also sei schon

stad!

Lina: Na, hoffentlich seids bald fertig mit euerm anregenden Dischkurs! Vielleicht kommen ma

nämlich dann dazu, von dem zreden, was ma eigentlich haben besprechen wollen!

Sohindler: (mit vollem Mund) A ja, richtig, du hast ja gsagt, du hättt grad vorhin gredt von mir!

Brauchst leicht was?

Lina: Wollt dich erst einmal um ein Rat bitten! Später vielleicht auch um eine Hilf!

Schindler: Kannst haben! Kannst immer haben, Moserin! Du weißt ja, das Helfen, das is sozusagen

mein Erwerb!

Lina: Weißt, Schindlerin, die Fanny und ich haben grad vorhin drüber debattiert, dass es auf die

Dauer für uns zwei Weiber unmöglich is, mit der ganzen Arbeit allein fertigzwerden!

Schindler: (unterbricht Lina, ihr in das Häferl schauend) Wart ein bisserl! Sag, hast net noch ein

Schluckerl Kaffee? Meiner is schon gar und ich hab noch so ein großes Trumm Brot da!

Lina: (schiebt ihr ihr Häferl zu) Da hast, trinkt meinen, mir is sowieso net sehr viel drum!

Schindler: Dank dir schön! Vergelts Gott! Ja - und was weiter? Ihr werdets also mit der Arbeit nimmer

allein fertig!?

Lina: Ganz richtig! Und da wollt ich dich bitten, dass d ein bisserl rumhorchst in der Gegend, ob

d net irgendwo vielleicht einen tüchtigen Knecht für uns auftreiben kunntst!?

Fanny: Mit Muscheln einen, weißt, der arbeiten kann!

Schinolor: Ah, Ihr seids guat, Ihr gfallts ma! Einen Knecht wollen s’ haben! Als ob ich Euch net schon

bald ein halbes Dutzend gschickt hätt! Passt Euch ja keiner! Is Euch ja keiner guat gnug!

Fanny: Mir schon! Aber die Lina is so pampig! Der Hartl, zum Beispiel, der mit die Muscheln, der

wär schon richtig gwesen für uns!

Lina: Fängst schon wieder von dem Hartl an!?

Fanny: Na, und der Joachim, der mit die Haar auf der Brust - ha?

Lina: Gar keiner is richtig gwesen! Jedenfalls net für die Dauer!

Schindler: Meine liebe Moserbäurin, was glaubst du eigentlich! Heutzutag.Dienstleut zfinden für die

Bauernarbeit is sowieso net leicht, wo alles, was grade Glieder hat, in die Stadt will und in

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die Fabriken! Da bleibt net so viel übrig, dass man noch lang aussuchen könnt! Ich weiß

wirklich net, wo ich da einen hernehmen sollt, der für Euch zwei gut wär!

Fanny: No, da hast es, Lina! I sags ja, hättest ghalten, den Hartl! Solchene Muscheln hat der

ghabt! Solchene!

Schindler: (schaut Fanny ins Häferl) Trinkst du das noch aus, ha?

Fanny: Aber nimm schon! Bist mirn ja sonst sowieso zneidig, du Nimmersatt!

Schindler: (Fannys Häferl nehmend) Dank schön! Bist mir eigentlich ganz sympathisch, du! Hätt ich

mir gar net dacht! Jaaa, wo sind ma denn stehen blieben? A ja! Wird also gar net so

einfach sein, Euch da was Richtiges zum Schicken! Aber ich will natürlich mein

Möglichstes tun, das versteht sich von selber! Nur muss mir die Moserin halt ein bisserl

mehr Provision zahlen, denn da werd ich eine ganze Menge Arbeit und Laufereien haben

in der Gschicht! Dienstleut zfinden, das is das Schwerste von Allem! Da findet man

weitaus leichter einen Hochzeiter, als einen Knecht heutzutag!

Fanny: Wie? Was sagst da? Leichter einen Hochzeiter?

Schindler: Freilich! Viel leichter sogar! Zehn heiratslustige Mannsleut bring ich dir lieber, als einen

brauchbaren Knecht!

Lina: Was hilft das? Mir brauchen eben einen Knecht und keinen Hochzeiter!

Fanny: Warum? Wanns keine Knecht gibt, nachher musst eben heiraten!

Lina: (lachend) Na, du wärst mir ja noch die Bessere! Was dir net alles einfallt!

Schindler: Recht hat sie! Heiraten musst, dann hast gleich ein Mannsbild im Haus!

Lina: Na, also leicht is das ja auch wieder net! Da ghört doch wohl auch ein bisserl eine Liebe

dazu!

Schindler: A papperlapapp, Liebe! Die kommt schon in der Ehe, die hats vorerst gar net so not!

Fanny: Sehr richtig! Muscheln muss einer haben, dann fehlt sich sowieso weiter nix! A Was,

Schindlerin, da machen ma erseht gar net viel Umständ! Die Lina heirat! Die Gschicht is

bereits so viel wie abgmacht!

Lina: No, ich denk, das is doch meine Sach allein, oder? Wie haben mas denn?

Schindler: Also, ich kann der Fanny da nur beipflichten! Übrigens: Ich hab sie ja sowieso bei mir,

meine Männer-Musterkollektion! Wart ein bisserl, gleich kannst dir einen aussuchen! (sie

packt aus ihrer Tasche eine Reihe von Bögen aus, an die jeweils eine, Photographie

geheftet ist) Muss nämlich nachher noch rüber nach Überalm, dort will sich ein Bauer für

seine drei Töchter was Passendes auswähln! Trifft sich also ausgezeichnet, wenn du jetzt

vorher nachschaust, denn da hast die Vorderhand! Sozusagen - die erste Wahl - das

Vorkaufsrecht, du verstehst mich schon, gell?!

Lina: Streng dich net an, Schindlerin, bei so was mach ich net mit! Das mag ich net!

Fanny: Macht ja nix, anschauen können ma s' uns doch! Zeig nur her, Schindlerin, i bin wirklich

neugierig, was da alles zum Vorschein kommt!

Schindler: (hat die Bögen auf dem Tisch ausgebreitet und gustiert nun) Na, da schau einmal her,

Lina! Was sagst zum Beispiel zu dem da? Is das nicht ein gschmackiges Mannsbild?

Lina: (schaut widerstrebend) Aber geh, was soll denn der Unsinn?

Fanny: O bumm! Lina du, der is wirklich was! Fantastisch!

Schindler: No, was sagst? Is der erste Klasse?

Lina: No ja, net übel! Is ja ganz nett! Zum mindesten äußerlich!

Schindler: (einen anderen Bogen nehmend) Oder der da! Schau her? Ein Bauernsohn! Allerdings

ohne Hof! Aber sonst erste Wahl! Prima Qualität!

Fanny: (schauend) Na, du der is nix, der nat die Nasen schief im Gsicht! So etwas heiraten wir

nicht! Her mit dem nächsten!

Schindler: Jessas ja, da hab ich einen! Das is was! Ein Preisboxer! Der legt mit einem Kinnhaken den

stärksten Neger auf die Planken!

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Lina: Aber Schindlerin, was dir einfallt! Ein Boxer! Da müsst ma sich ja fürchten!

Fanny: A, i net! Ein Boxer wär schon richtig! Du, Lina, schau, was der für Muscheln hat! Und die

Haar auf der Brust! Narrisch guat!

Lina: Jetzt hörst aber schon endlich auf ja, das is doch wirklich zu blöd!

Schindler: Aber warum denn? Die Fanny hat doch recht! Ein Mann muss stark sein, wann er in eine

Sauerei einheiraten will! Schließlich soll er zum Mindesten ein Roß ersparen helfen, zu

was wär er denn sonst gut!? Wart nur, was haben ma denn da noch? Da! Der vielleicht?

Aber nein, der is nix, das is ein Akademischer! Der is zu blöd für die Bauernarbeit! No, und

was haben ma denn da noch?

Lina: Mach Schluß, Schindlerin, es hat ja doch keinen Zweck! Auf solche Art will ich zu kein

Mann kommen! Kaufen tu ich mir einmal keinen!

Fanny: Aber ich, Schindlerin! Ich kauf mir einen! Wenn die Lina net heiraten will, no dann heirat

eben i! Los, Schindlerin, zeig her, dei War! Was is zum Beispiel mit dem, was kostet der?

Schindler: Aber geh, der is ja viel zu jung für dich!

Fanny: Also, zu jung! Du, Schindlerin, täusch dich net! Ich kann noch ganz schön flott sein, wann

ich nur will!

Lina: (lacht) Aber Fanny! Hast du net grad vorhin gsagt, du bist immer so müd? Wie war denn

das nacher jetzt?

Fanny: Jetzt is die Müdigkeit weg! Jetzt bin ich akut! Weißt was, Schindlerin, kommst mit rein in

die Kuchel, i mach dir noch ein Schallerl Kaffee und dann machen ma weiter bei deiner

Tombola, ja!?

Schindler: Vergiß dein Versprechen net, Fanny, aber ich kann jetzt leider net mehr bleiben! Hab Euch

ja gsagt, dass ich noch rüber muss nach Überalm! Und da möcht ich gern vorm

Dunkelwerden zrück sein! Bei der Nacht geh ich net gern allein durch den Wald!

Lina: Aber geh, wer wird dir donn schon was tuan? Is ja noch nie was gschehn bei uns, Gott sei

Dank!

Schindler: Nix gschehn? Ja sag, weißt denn du noch nix?

Fanny: Wieso, was soll ma denn wissen?

Schindlen Is denn das die Möglichkeit, Ihr wißts wirklich noch nix?

Lina: Nein, was is denn los?

Schindler: Verbrecher treiben sich herum in unserer Gegend! Ganz schwere Verbrecher sogar!

Fanny: Verbrecher? Was d net sagst!

Lina: A geh! Was denn für Verbrecher?

Schindler: Ganz-schwere, wann ich Euchs sag! Schon seit vierzehn Tag gehts um in unserer

Gegend! Beim Bäcken hats angfangen! Da habens einbrochen im Gschäft beim

Grauwerden in der Früh, während er in der Stuben hinten Brot bachen hat und haben die

ganze Kassa ausgräumt bis auf den letzten Cent! Als nächstes habens dann beim

Schneider, beim Stamperl, in der Nacht zum Sonntag eine ganze Rollen Stoff gstohlen!

Den nobelsten, den er überhaupt ghabt hat, einen gwalkten Loden! No, und vorgestern, i

versteh gar net, dass ihr das noch not wißts - vorgestern habens die Gugerle Marei genau

in dem Wald überfallen, durch den ich jetzt gehn muss und habens abgräumt, wie einen

Christbaum! Nur weils gar so flehentlich beten hat, habens ihr grad noch die Kitteln lassen,

dies am Leib tragen hat, sonst hätt sie können in der Unterhosen heimgehen! Und das bei

hellichtem Mondschein, stellts Euch vor!

Fanny: Marandana! Also, wann mir das passierert, i glaub, das überleberten die net, die Rauber!

Die murxert i ab! Kaltlächelnd!

Lina: No, und weiß man wenigstens, wies ausschaun, die Gangster?

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Schindler: Aber wo, nix weiß ma! Tragen ja Strumpf übers Gsicht bunden! Und vor Schrecken hat die

Marei net einmal sagen können, obs einer war oder mehrere und obs groß gwesen sind

oder klein!

Fanny: (resolut) Ein Mannsbild muss auf den Hof! Ein Kerl muss her! Einer mit solchene

Muscheln! Ich heirat! Ich will beschützt sein! (zu Lina) Du kannst dir ja von mir aus die

Kitteln ausziagn lassen, von so einem Lotter! I will die meinen anbhalten! Ein Mannsbild

muss her!

Schindler: Recht hast, Fanny! Ganz recht! Ein Mannsbild und nur ein Mannsbild kann dich schützen

in so einem Fall! Weißt was, ich geh jetzt gschwind! Und auf dem Retourweg schau ich

dann wieder her zu Euch und dann such ma einen aus für die Fanny! Und vergiß halt net,

was du ma versprochen hast!

Fanny: Nein, nein, ich weiß schon, einen Kaffee!

Schindler: Also pfiat Euch! Und seids vorsichtig! Denkts dran: Verbrecher gehn um! Bis nachher also!

Wiederschaun! (sie geht schnell nach rückwärts ab)

Lina: (ruft ihr nach) Pfüat di, Schindlerin! Wiederschaun! (zu Fanny) Also hörst, Fanny, das

macht einem wirklich Angst und bang, was die Schindlerin so erzählt! Und mir da in der

Einschicht und allein!

Fanny: Siegst, jetzt habn ma den Salat! Längst hätt ma heiraten sollen! Dann hätten ma jetzt

einen Schutz! Meiner Seel, da is ein so ein junges fesches Weiberts da auf dem Hof und

trotzdem kann jetzt i alser alter noch auf Liebespfaden wandeln, nur weil sich dieses

dalkerte Frauenzimmer einbildet, sie müsst ... a was! I heirat und fertig! Aber bis ’s so weit

is, werd ich dafür sorgen, dass uns die Gangster net überfallen, verlass dich drauf!

Lina: Und wie willst denn das angehn, ha?

Fanny: Das Gwehr von dein seligen Vater hol i runter von oben! Und heut Facht steh ich da, vor

der Haustür mit dem aufpflanzten Bajonett als Schildwach! Mir soll sich einer traun, was

wegnehmen zwollen! Der träumert zehn Jahr später noch vom Teufel (abgehend) Bei mir

schon! (ab ins Haus)

Lina: No, mir is lieber, sie lassen uns in Ruh! Das ging mir grad noch ab! (sie geht zum Tisch

und räumt das Kaffeegeschirr zusammen, ungehalten feststellend) Ja, ja! Vor lauter

Gangster lassts jetzt das ganze Kaffeegeschirr stehn! Und wer muss wieder hinten

nachräumen? Die Lina! Natürlich die Lina! Wer denn sonst als die Lina!

3. Szene

Lina, dazu Michl

Michl: (der die letzten Sätze bereits gehört hat, kommt lustig von rückwärts) Gell ja, ma hats gar

net so leicht im Leben, Lina, was?

Lina: (erschrickt) Mein Gott, bin i jetzt erschrocken!

Michl: Aber geh! Vor mir? So grauslich schau i aus?

Lina: Wer bist denn du überhaupt?

Michl: Das tatst halt gern wissen, ha?

Lina: Und wieso redst denn du mi bei mein Vornamen an? I kenn di ja gar net!

Michl: (lacht) I di ja auch net, also san ma wieder quitt!

Lina: Aber wieso weißt du denn nachher, dass i Lina heiß?

Michl: Du schaust so aus, dass man gar net anders kann, als Lina zu dir zsagen!

Lina: Also, dass ma uns gleich recht verstehn, gell, pflanzen brauchst mi net! Entweder du redst

so, wie sichs ghört, oder du kannst gleich wieder machen, dass d’ weiterkommst!

Michl: Warum net gar! I tat ganz gern noch ein bisserl plaudern mit dir! Überhaupt jetzt, wo i erst

seh, wie liab, dass.du zum anschaun bist!

Lina: Geh, bitt di gar schön, erspar dir die Müh! Solche Sprüch gehn zwölfe auf ein Dutzend, da

kannst vielleicht einer Siebzehnjährigen damit imponieren, mir amol net, das derfst mir

ruhig glauben!

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Michl: Schad! Und grad von solche Kompliment hätt i a ganze Kisten voll auf Lager ghabt!

Lina: Schluß jetzt! Sag ma, woher du weißt, wie ich heiß und was d’ willst von mir! Und wost

herkommst und wost auswillst! Und dann bist so freundlich und haltest mich net weiter auf,

ja!? Zum Tratschen hat da nämlich auf dem Hof keiner Zeit, da musst schon um ein

Häuserl weitergehn I Also!?

Michl: No Kleinigkeit, dir geht das Mundwerk aber gschmiert! Du bist ja eine ganz Scharfe! Aber

bittschön! Ich werds halt probieren, ob ich dir auch so schnell antworten kann, wiest mich

gfragt hast! (er redet wie ein Wasserfall) Also wissen tu ich, wie du heißt, weil du grad, wie

ich kommen bin, mit dir selber gredt hast! Und damit du dir ja auch gwiß zuahörst, hast

dich selber beim Vornamen grufen, und den hab i aufgschnappt! Kommen tu ich vom

Oberland aus Karfreiten, wann du vielleicht weißt, wo das is! Und wollen tu ich nach

Himmelreichstätten! Und weil ich mich anscheinend vergangen hab und jetzt net weiß, ob i

links oder rechts oder gradausgehn soll, wollt i nix anders, als dich bitten, dass du mir

sagst, wie ich den Weg wieder find! Schluss! Punktum! Aus! Zfrieden!?

Lina: (erstaunt) Jetzt weiß ich net, pflanzt du mi schon wieder, oder bist du net ganz richtig im

Kopf! Kein Wort hab ich verstanden! Das is sogar mir jetzt zschwind gangen! Wie war

das? Nach Himmelreichstätten willst? Wo soll denn das liegen?

Michl: No, da hab ich mir ja einen feinen Wegweiser ausgsuacht! Jetzt weißt du auch net, wo das

liegt! Da steh i jetzt ja schön da!

Lina: Himmelreichstätten?! Soll denn das da in der Gegend sein?

Michl: Ja, wenn ich das wüßt! Aber ich weiß eben net!

Lina: Wart ein bisserl! Setz dich derweil einen Moment nieder! Vielleicht weiß, meine Dirn mehr

als ich, ich frag sie halt einmal. Ich bin gleich wieder da! (ins Haus gehend)

Himmelreichstätten!? (sie ruft drinnen) Fanny!

Michl: (sieht ihr angeregt nach) Sauber! Allerhand sauber! Wo man hinschaut, alles da! Da fehlt

nix, alles flott beinand! (er geht zum Fenster und bemüht sich, in das Zimmer

hineinzuschauen, während er sich ein Lied pfeift)

4. Szene

Michl,dazu Lina und Fanny

Lina: (herauskommend) No, wo is er denn!? A, da bist! Ja, es tut mir leid, aber die Fanny, weiß

auch net, wo das is, dein Himmelreichstätten!

Fanny: (die hinter Lina herausgekommen ist) A du bist des, der wissen will, wo das liegt, ha?

Michl: Warum fragst denn? Außer mir is ja keiner mehr da!

Fanny: (lacht schallend) Hörst, der is guat, Lina! Das is ein Frecher, der gfallt ma!

Lina: Also, danach hat er dich bestimmt net gfragt!

Fanny: Lass mi! Wann er ma gfallt! (zu Michl) Wie heißt denn du nachher, ha?

Michl: Michl heiß ich! Gfallt dir das "nachher" auch?

Fanny: Und schon wia! Michl! Lina, der gfallt ma wirklich!

Lina: Aber Fanny, das sagt ma doch net gleich so! Bist gscheit?

Fanny: Und ob i gscheit bin! (zu Michl) Bist du ein Bauer oder bist du ein Knecht?

Michl: Warum? Nein, Bauer bin i keiner!

Fanny: Ein Knecht also! Und ein schneidiger noch dazua!

Michl: A ja, schneidig bin i schon, das wohl!

Fanny: Der is richtig, Lina! Du, weißt was, den bhalt ma! (zu Michl) Was is? Bleibst bei uns? Mir

braucherten nämlich einen männlichen Schutz!

Lina: (verlegen) Aber Fanny, jetzt bist aber ruhig!

Fanny: Warum denn? Brauch ma einen Schutz oder net!? San die Gangster unterwegs oder net!

Lina: (zu Michl) Hör net auf sie! Das is ja alles Unsinn, was sie redt!

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Fanny: Lass mich doch! Wo is denn das ein Unsinn, ha? (zu Michl) San die Gangster unterwegs

oder nicht, frag ich! Ja, oder nein?

Michl: (amüsiert, geheimnisvoll) Freilich sinds unterwegs, die Gangster! Und ganz fürchterbar

zum anschaun sinds! Schwarz! Ganz schwarz! Wie die Nacht! Zum Fürchten!

Fanny: No siegst es, der sagts auch, es is zum Fürchten! (zu Michl) Und stehln tuans? Und

rauben! Und wer weiß, vielleicht morden auch! Hab i recht?

Michl: Genau so is es! So und noch ärger!

Fanny: Noch ärger? (resolut) Du bleibst da! Ganz klar! Du bleibst da!

Lina: Jetzt sei schon einmal still! Wie kannst denn einfach jemand in Beschlag nehmen, ohne

dass d’ weißt, was der Betreffende überhaupt im Sinn hat!

Fanny: Ein Knecht is er - hast es ja ghört! Ein Knecht!!!

Lina: (zu Michl) Nimm ihrs net übel, sie meints ja gut! Weißt, wir haben eben vorhin, grad, wie

du kommen bist, davon gredt, dass ma uns werden um einen Knecht umschaun müssen,

weil mas allein nimmer schaffen! Und da fallt sie eben gleich über den ersten besten her,

der ihr in den Weg kommt!

Michl: No wer weiß, vielleicht is sie gar net so dumm, wies grad herschaut! Wär vielleicht wirklich

gar kein so übles Bleiben da bei Euch! Das heißt, wenn ich dir überhaupt zuasagen tät!

Fanny: (stößt Lina in die Seite) Und ob du uns zuasagst! Guat auch noch! (zu Lina) Schau nur,

Lina, was der für Muscheln hat!

Lina: Jetzt bist aber einmal ruhig! (zu Michl) Machst du Witz oder is das dein Ernst? Du

möchtest wirklich dableiben bei uns als Knecht?

Michl: No, is denn das so unmöglich?

Lina: Das net, aber unwahrscheinlich! Wo ma doch grad gredt haben davon!

Fanny: Das hast du eben nur meinem scharfen Blick zu verdanken!

Lina: (strafend) Fanny!

Fanny: Weils wahr is! I hab ihn gsehn und gwußt: Den Lackel lass ma nimmer aus!

Michl: (zu Lina) Ja, wenns recht is, Bäurin, dann bleib ich, halt da! Wollt sowieso nach einem

Dienstplatz schaun (beziehungsvoll) in Himmelreichstätten! Wer weiß, vielleicht bin ich

schon dort und habs gar net bemerkt!

Lina: (sieht ihn mißtrauisch an) No, mir scheint, so ganz zimmerrein bist du auch net! Dein

Mundwerk gfallt mir jedenfalls net grad extra!

Fanny: Fang ja net schon wieder mit dem Ausstallieren an, Lina! San ma froh, dass ma uns einen

gangelt haben! Und denk an die Gangster!

Lina: (zu Michl) No, also guat! Wenn du einverstanden bist, probieren mas halt einmal

miteinander! Wer weiß, vielleicht hat da der Zufall wirklich einmal was Gscheites zwegen

bracht. Eingschlagen also?

Michl: Eingschlagen! Auf ein gutes Auskommen!

Lina: So! Dann komm also rein ins Haus, ja! Wegen dem Lohn müssen ma noch reden! Und

dann, ich zeig dir gleich, wo du schlafen wirst (zu Fanny) Und du, du räumst jetzt endlich,

einmal das Kaffeegeschirr weg, sonst stehts am End morgen früh auch noch heraußen!

(zu Michl) Kommst mit? (sie geht ins Haus)

Michl: Bin schon da! (er folgt Lina)

Fanny: (geht zum Tisch) Freilich, freilich! Nur anschaffen mit der Fanny! Als wenn sie für gar nix

wär! Und dabei, wenn ich meinen Geist nicht täte leuchten lassen, das letzte Hemmat

tätens uns ausziagen, die Gangster! Guat schauert ma aus, wenn ich net wär mit meinem

scharfen Verstand!

5. Szene

Fanny, dazu Kilian

Kilian: (sieht rückwärts um die Ecke, ruft leise) He! Du!

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Fanny: Ha! Wer hat da gruafen?

Kilian: (der nur den Kopf hinter dem Haus vorstreckt) Du! Weiberts! Hörst net?

Fanny: (dreht sich zu ihm hin) Ja!? Wer is denn da!?

Kilian: (leise) Bist allein?

Fanny: Bin i! Warum?

Kilian: Bist bestimmt allein? (er sieht sich vorsichtig um)

Fanny: Wirst wohl sehn, hast ja Augen im Kopf, oder net? Wer bist denn du?

Kilian: (kommt nach vorne) Pscht!!! Net so laut!! Es könnt uns am End wer hören!

Fanny: Ha und? Vor wem sollt i mi denn verstecken?

Kilian: Du net, aber vielleicht i!

Fanny: Wieso? Hast leicht was angstellt? (sie misst ihn von oben bis unten) O jegerl, o jegerl! Wie

schaust denn du überhaupt her? Du bist ja ganz abgrissen!

Kilian: (gespielt) Arm bin i halt! Soviel arm, was kannst machen?

Fanny: Aso, das is es, betteln willst? No wart ein bisserl, i bring dir was raus! Bist sicher hungrig,

ha?

Kilian: Also nein, bittschön, betteln tua i net! Alles, wae recht is, aber das bringert ich gar net

zsmm! Höchstens einmal um ein Quartier für eine Nacht, wenns grad einmal hagelt oder

stürmt! Aber das is ja ein anständiger Christenmensch seinem Nächsten schuldig! Und

wenn ich dann bei dieser Gelegenheit was mitnehm - ich mein - ein Nachtmahl oder sonet

irgendein Anhängsel - will sagen - als Anhängsel eine Nachspeis oder einen Nachtrank -

das is doch auch noch keine Bettelei nicht oder?

Fanny: Ha ja, das grad net! Aber Vagabundage is es doch, oder wie man da sagt! Anständige

Menschen san nämlich irgendwo daheim, mein halt ich!

Kilian: (gespielt weinerlich) Du hast leicht reden, du! Aber wer nimmt denn schon ein ältliches

Mannsbild? Traut einem ja keiner mehr was zu!

Fanny: Na ja das is schon wahr auch! Da kannst schon recht haben!

Kilian: Und dabei haben die Leut keine Ahnung, was mir alles zuzutraun is.

Fanny: A wirklich? Was denn nachher zum Beispiel? Sagst mirs halt!

Kilian: (fromm) Nur arbeitsmäßig, natürlich! Nur arbeitsmäßig! Sollst einmal sehn, wie ich

arbeiten kann! Wann ich wo hingreif, da mach ich ganze Arbeit, da bleibt aber auch schon

gar nix unbearbeitet!

Fanny: Was? So tüchtig bist! Schaust gar net so aus!

Kilian: Das is es ja eben! Man sieht mir meine Qualitäten nicht an! Gott sei Dank!

Fanny: Wieso Gott sei Dank?

Kilian: Ah, ich wollt sagen: Gott seis geklagt! Das wollt ich sagen!

Fanny: (überlegt) Schad eigentlich - tuast mir direkt leid! Wannst nur um ein bisserl früher

kommen wärst, vielleicht hätt ich da was tun können für dich! Jetzt is leider schon ein

anderer da! Grad hat die Bäurin nämlich einen neuen Knecht aufgnommen!

Kilian: (gespielt) O nein, wirklich? Das is aber fürchterlich! Siegst es, überall komm ich zu spät!

Das is mein Schicksal! Zum Schaffen komm ich zu spät! Zum Heiraten, komm ich zu spät!

Und heut oder morgen komm ich bestimmt auch noch zum Sterben zu spät! Traurig, was?

Fanny: Ah, du warst leicht nia verheirat?

Kilian: Nie! Es hat mich ja keine mögen!

Fanny: Net? Arm! Bist ja gar net so graupert! Wann ma dich ein bisserl reparierert, kann sein, aus

dir wurd sogar heut noch ein recht passables Mannsbild!

Kilian: (zutatig) Glaubst wirklich? Und ganz passabel sagst?

Fanny: No ja, Muscheln hast zwar keine! Aber mit ein bisserl gutem Papperl und ein bisserl gutem

Gluckgluckgluck könnt sein, es tat sogar noch was Rechts werden aus dir!

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Kilian: (anschmiegsam) Und das, das tätest du für mich, ja? Du tätest meine verbogene

Karosserie wieder in Ordnung bringen? Frisch lackieren und so? Du tätest mich

verwöhnen? Mich, den Kilian?

Fanny: Aso Kilian heißt? Liab 1!

Kilian: (anlehnungsbedürftig) Gell ja! Und du? Wie heißt denn du?

Fanny: (verschämt) Fanny! Fanny sagens zu mir! Fanny Häferl heiß ich! (sie macht einen Knicks)

Fanny Häferl bittschön!

Kilian: Und das Häferl hat keinen Deckel? Ich mein,du bist auch net verheiratet, wie?

Fanny: (in Auflösung) Nein, ich bin nicht verheiratet! Ich bin noch zu haben!

Kilian: (verliebt) So, so? Und was Erspartes hast wohl sicher auch, gell?

Fanny: O ja, freilich! Sogar sehr viel! Verhältnismäßig versteht sich!

Kilian: Versteht sich! Versteht sich!

Fanny: Wenn ich einen gern haben tät, für den gäbert ich das Letzte!

Kilian: Das müsserst auch! Ich mein, da müsserst bei mir aber schon tief in die Taschen greifen,

wenn d’ mich,zum Beispiel natürlich,so herrichten möchst, wie du mich gern haben tatst!

Fanny: Oh, das machert ich! Das machert ich sogar gern! Für einen, den ich mag, da zerreißert

ich mich! So bin i! (plötzlich wild) Himmeltausendstern - so eine Sauerei.

Kilian: No, no, was hast denn auf einmal?

Fanny: Ärgern tu ich mich! Blöd bin ich gwesen! Saublöd sogar! Wer hat aber auch wissen

können, dass du jetzt daherkommst? Jetzt hab ich mich so angstrengt, dass die Lina den

andern aufnimmt! Und jetzt kann ich selber durch die Finger schaun! Jetzt is für dich kein

Platz mehr da auf dem Hof! Was tuan ma denn da?

Kilian: Muss ich eben wieder wandern! (gespielt) Weit fort in die Fremde! Und nirgends wird

wieder so ein gütiges Herz für mich schlagen, wie das deine is! Freiwillig hat mir noch

keine ihr ganzes Erspartes antragen! Ich mein, ihr ganzes erspartes Gefühl, dass ma uns

net am End falsch verstehn! Leb also wohl, Fanny! Fannylein! Häferl! Leb wohl!

Fanny: (heult heraus) Nein! Nein! Ich kann nicht! Kilian! Ich lasse dich nicht! Fannylein hast du zu

mir gsagt! Fannylein! Das gibt meinem Herzen einen Stößer! Kilian! Weißt was! Ich geh

mit dir!

Kilian: (entsetzt) Heiliger Paffnutius, das fehlert mir grad!

Fanny: Ich geh mit dir! Wir ziehen zusammen in die Welt! Kilian, is das ein Entschluss, ha?

Kilian: (entsetzt) Nein! Nein, das geht nicht!

Fanny: Alles geht! Bei mir geht alles!

Kilian: Entsetzlich! Der Himmel soll mich bewahren!

Fanny: Was?

Kilian: (sich verbessernd) Dich bewahren natürlich! Dich! So hab ich sagen wollen! Aber das is

gänzlich ausgeschlossen!

Fanny: (plötzlich) Nein! Du! Was anderes! Ich weiß was! Ich red mit der Lina! Sie muss dich auch

nehmen! Warum denn nur den einen? Es können ja auch zwei sein!

Kilian: (verständnislos) Ha? Wieso zwei?

Fanny: No, zwei Knecht! Du bleibst als zweiter! Und du wirst so viel arbeiten, dass ma dich gar

net mehr hergeben könnten!

Kilian: So viel soll ich arbeiten? Ich????

Fanny: (begeistert) Ja, Kilian! Arbeiten wirst du! Arbeiten! Und arbeiten und arbeiten!

Kilian: (entgeistert) Ja, ja, is schon gnua! Hör auf! Ich bitt dich!

Fanny: Du wirst vor lauter Arbeit den Sieg davontragen! Du wirst mehr leisten, als der andere,

dafür garantier ich! Du vwirst bleiben, dafür garantier ich auch! Der andere hat sowieso

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heut schon ein loses Mundwerk! Der wird fliegen! Dafür garantier ich auch! Du wirst kein

loses Mundwerk haben! Dafür garantier ich auch!

Kilian: Und mi holt der Teufel, dafür garantier ich auch!

6. Szene

Vorige, dazu Lina

Lina: (kommt aus dem Haus) Du Fanny!

Fanny: (eilt zu ihr) Lina! Guat, dass d’ kommst! Da schau her! Weißt, wer da steht?

Lina: Nein, aber du wirst mirs schon noch sagen!

Fanny: Das is unser neuer Knecht!

Linai Was? Du weißt doch, dass ich schon einen aufgnommen hab!

Fanny: Der war für dich! Aber der da, der is für mich!

Linas Ich versteh kein Wort!

Fanny: No, das is doch ganz einfach! Mir haben eben zwei!

Lina: Sag, spinnst du? Das kommt doch gar net in Frage! Und noch dazu so einen abgrissenen

Kerl!

Fanny: Ich flick ihn zsamm! Ich flick ihn zsamm hinten und vorn! Der wird noch ein Gustostückerl,

wann ich den in meine Finger krieg!

Lina: Nein, also da is mit mir nix zum reden! Was dir net alles einfallt! Mir scheint, du bist

wirklich schon ganz wirr im obern Stockwerk, ha? (will ins Haus)

Fanny: (verstellt ihr den Weg) Lina! Net geh eine! Ich bitt dich! Nimm den auch! Schenk mirn!

Schenk mirn zum Namenstag!

Lina: (lacht) Sag, hast du narrische Schwammerl gessen? Was is los mit dir?

Fanny: Pass auf, Lina! Wenn mir zwei haben, dann lassen mas miteinander wetteifern! Und den,

der dann der bessere Arbeiter is, den behalten ma! Einverstanden?

Lina: Aus dem da wird im Leben nix mehr! (kopfschüttelnd) Fanny, Fanny!

Fanny: Bitt schön, Lina, sag ja!

Lina: Der schaut mir net grad sehr vertrauenserweckend aus!

Fanny: Er is es aber! Einwendig is ers! Da drauf versteh ich mich!

Lina: A geh, was d’ net sagst!

Fanny: Sag ja, Lina, sag ja!

Linas: Also von mir aus! Soll eben der auch dableiben! Is schon egal! (zu Kilian) Aber das sag ich

dir, wie heißt denn überhaupt?

Kilian: Kilian, Kilian heiß ich!

Lina: So, Kilian? No ja, so schaust ja auch aus! Also, Kilian, das sag ich dir gleich für Faulenzer

hab ich keinen Platz da auf dem Hof! Und für Schnapsler schon gar net! Das nur zur

Warnung, damit ma uns gleich richtig verstehn, gell? (geht zur Haustür) Ideen sind das!

(ab ins Haus)

Fanny: (freudig) Was sagst! Kilian! Du kannst bleiben! Du kannst bleiben, Kilian! Jetzt .hast eine

Freud, gell?

Kilian: (sauer) Und was für eine!

Fanny: Kilian! Jetzt fangt für dich ein neues Leben an! Arbeiten derfst! Arbeiten! Kilian! Komm an

mein Herz! (sie reißt ihn an sich)

Vorhang

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