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Pilotstudie Saigerhütte Olbernhau-Grünthal - Wirtschaftsförderung ...

Pilotstudie Saigerhütte Olbernhau-Grünthal - Wirtschaftsförderung ...

Verarbeitet wurde sowohl

Verarbeitet wurde sowohl sächsisches als auch importiertes Schwarzkupfer. Das in der Saigerhütte Olbernhau-Grünthal gewonnene Silber musste zu einem festgelegten Betrag ebenso wie das in anderen Hütten gewonnene Silber an den Landesherrn verkauft werden und war nicht wie bei anderen Saigerhütten frei verkäuflich. Ohne Einschränkungen verkäuflich waren im Gegensatz dazu das nunmehr hochwertige und begehrte Kupfer, das hier zu Drähten und Kupferblechen weiterverarbeitet wurde. Dieses Halbzeug diente zur Herstellung verschiedenster Gebrauchsgegenstände, technischer Anlagen und wurde auch zur Dachdeckung verwendet. Weiterhin war Kupfer ein gefragtes Metall, das als Legierungsmetall zur Herstellung von Messing und Bronzen diente. Allein von 1568 bis 1648 konnten in der Saigerhütte nahezu 39 t Silber und 5 000 t Garkupfer gewonnen werden. Bis 1853 soll sich diese Summe auf 522 t Silber und etwa 13 755 t Garkupfer erhöht haben. Zeitweise erreichte die Silberproduktion eine Höhe von 1/10 der sächsischen Silbererzeugung 1 . Die Produktion von qualitativ hochwertigem Kupfer führte einerseits zur Kupferverarbeitung und ab 1621 auch zur Einrichtung einer temporären Münzstätte für Kupfermünzen. Die Münzprägungen erfolgten in unregelmäßigen Zeitabständen, so von 1751 – 1755, 1763 – 1764 und 1803 – 1825. Die Saigerhütte Olbernhau-Grünthal war ein montanhistorisch und wirtschaftshistorisch bedeutendes Werk, das sich sowohl von seiner Größe als auch vom Denkmalbestand von anderen erzgebirgischen Hüttenwerken abhebt. Es umfasste einen mit einer Mauer geschütztes Gebäudeensemble und weiteren umliegenden Produktionsstätten. Dabei geht die Mehrzahl der sich heute in diesem Komplex befindlichen Gebäude unmittelbar auf die Betriebsgeschichte der Saigerhütte oder deren Nachfolgeindustrie zurück oder steht zumindest mit deren Geschichte in Zusammenhang. Der überkommene Gebäudebestand umfasst unterschiedlichste Produktionsstätten, Verwaltungsgebäude und Wohnhäuser. Heute ist das Gelände und das nähere Umfeld der Saigerhütte ein als Sachgesamtheit geschützter Denkmalkomplex mit zahlreichen Einzeldenkmalen, der touristisch, handwerklich vermarktet und kulturell genutzt wird. Er ist durch verschiedene Lehrpfade und museale Einrichtungen erschlossen. Die Saigerhütte wurde im Jahr 1537 unter dem ehemaligen Annaberger Bergmeister HANS 1 Wagenbreth (1990); Kasper (1997) S. 10 6 LEONHARDT 2 2,5 km südöstlich von Olbernhau an der Einmündung der Natzschung in die Flöha errichtet und war neben Chemnitz der zweite sächsische Saigerhüttenstandort. LE- ONHARDT war mit dem Zehntner und bedeutenden Montanunternehmer HEINRICH VON ELTERLEIN verwandt, der in dieser Zeit den sächsischen Saigerhandel kontrollierte. Für die Standortwahl dieser neuen Hütte waren vor allem die natürlichen Voraussetzungen von Bedeutung. Dazu gehörten die hier vorhandenen Wasserkräfte, der in der Umgebung vorhandene Waldbestand und die Lage abseits von landwirtschaftlich genutzter Fläche. Mit der Gründung eines solchen frühkapitalistischen Großbetriebes war gleichzeitig die Anlage einer selbstständigen Siedlung mit niederer Gerichtsbarkeit verbunden. Es wurden neben den eigentlichen Produktionsstätten auch unterschiedliche Verwaltungsgebäude, ein Brauhaus, eine Mahlmühle und Arbeiter- und andere Wohnhäuser errichtet. Das für den Bau und den Betrieb notwendige Kapital stammte zum Teil aus verschiedenen Handelsstädten Süddeutschlands. Erhebliche Differenzen zwischen auswärtigen Kapitalgebern und dem Hüttenbetreiber führten um 1550 zu einem Eigentümerwechsel. Neuer Eigentümer der Saigerhütte wurde die Annaberger Montanunternehmerfamilie UTHMANN. Nach dem Tod von CHRISTOPH UTHMANN wurde das Familienunternehmen von seiner Frau BARBA- RA UTHMANN 3 mit ihren Söhnen weitergeführt und weiter ausgebaut. Die erfolgreiche Entwicklung unter der Familie UTHMANn hatte ihren Ursprung durch das von CHRISTOPH UTHMANN vom Kurfürsten erlangte Monopol zum Aufkauf des erzgebirgischen (silberhaltigen) Schwarzkupfers. Damit konnten in der Saigerhütte nicht nur das Kupfererz der eigenen bei Annaberg betriebenen Kupfer-/ Silbererzgruben verarbeitet werden. Nachdem durch den sächsischen KURFÜRST AUGUST das ursprüngliche Privileg des Aufkaufmonopols von Schwarzkupfer im Jahr 1567 nicht erneuert wurde, sah sich die Familie UTHMANN gezwungen, das Werk mit seinen Liegenschaften und Warenbeständen an den Kurfürsten für insgesamt 8 000 Gulden zu verkaufen. Damit setzte der seit 1554 regierende Landesherr auch hier seine Bestrebungen zur Zentralisierung der Silberverhüttung unter landesherrliche Hoheit in die Praxis um. 2 Es gibt unterschiedliche Schreibweisen, so beispielsweise Hanns Lienhard, - Lienhardt, - Lienhart oder - Leonhard; Er war 1530 – 1533 Bergmeister 3 Tochter des Zehntner HEINRICH VON ELTERLEIN

Der Betrieb der Saigerhütte unterstand verwaltungsmäßig dem Freiberger Oberhüttenamt 4. In den nachfolgenden Jahrhunderten wurde der Hüttenkomplex als landesherrliche Anlage bis 1873 betrieben. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts war aufgrund technologischer Entwicklungen das Saigerverfahren überholt und wurde 1853 in Grünthal eingestellt. Nachfolgend wurde das Unternehmen als Königlich- Sächsischer Kupferhammer betrieben. Im Kontext der Betriebsumstellung wurde 1847 der Betrieb mit einem Kupferwalzwerk modernisiert. Im Zuge der Liberalisierung von Gewerbe und Industrie wurde schließlich das Werk 1873 reprivatisiert und an den Besitzer der Argentanfabrik Auerhammer FRIEDRICH AUGUST LAN- GE verkauft. Die späteren Betriebserweiterungen unter dem neuen Besitzer erstreckten sich zum großen Teil auf vorher anderweitig genutzte Areale. Das Werk wurde in der Zeit von 1873 bis 1945 unter der Bezeichnung „Sächsische Kupfer- und Messingwerke F.A. Lange“ nachfolgend „F.A. Lange Metallwerke AG“ betrieben. In dieser Betriebsperiode wurden im Komplex der alten Saigerhütte einige Neubauten in typischer Industriebauweise errichtet bzw. vorhandene Gebäude umgenutzt. Unter der Leitung LANGEs errichtete man weiterhin auf böhmischer Seite ein Zweigwerk, welches aber bereits 1930 aus dem Unternehmen wieder ausgegliedert und verkauft wurde. Die auch überregional erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens hielt an. Im Jahr 1935 unterhielt der Betrieb in 28 Ländern Firmenvertretungen. 1937 erfolgte die Eingemeindung des vormals selbstständigen Ortes Grünthal nach Olbernhau. Das Unternehmen wurde 1945 von der sowjetischen Militäradministration beschlagnahmt und im Rahmen der zu erbringenden Reparationsleistungen teilweise demontiert. Zwei Jahre später, 1947, wurde der Betrieb verstaatlicht und 1952 der volkseigene Betrieb Blechwalzwerk Olbernhau gegründet. Nach 1991 stellte der Betrieb seine Produktion ein und verschiedene Betriebsbereiche wurde erneut teilprivatisiert. 4 Im Bergarchiv Freiberg hat sich von der Saigerhütte Olbernhau-Grünthal (- VEB Blechwalzwerk Olbernhau) ein Bestand von lfd. 108 m Akten, 5 645 Rissen und 11 500 Fotos erhalten. 7

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