austausch mit China - Hamburger Bildungsserver

bildungsserver.hamburg.de

austausch mit China - Hamburger Bildungsserver

Schüleraustausch mit China

Die Jahresprogramme von AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.


V.i.S.d.P.

Michael Pahl

c/o AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.

Postfach 50 01 42

22765 Hamburg

Stand: Februar 2005


Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Pioneers go East!.............................................. Seite 2

AFS - wir stellen uns vor................................................ Seite 4

Austausch mit China........................................................Seite 6

Gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Kontext..............Seite 8

Der chinesische Partner: AFS in China........................... Seite 10

Das Schülerprogramm “Ein Schuljahr in China”............Seite 12

Das Gastfamilienprogramm............................................ Seite 14

Lehreraustausch............................................................... Seite 16

Interkulturelles Lernen.................................................... Seite 18

Herausforderungen und Chancen.................................... Seite 20

Förderung des Austauschs mit China.............................. Seite 22

AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.

Postfach 50 01 42 Telefon: 040/399 222 0

22701 Hamburg Telefax: 040/399 222 99

Friedensallee 48 E-Mail: germany@afs.org

22765 Hamburg www.afs.de

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AFS ist die erste Organisation weltweit, die einjährige

Schüleraustauschprogramme mit China

durchführt.

Der Austausch zwischen AFS und China begann

bereits 1982, damals als Lehreraustauschprogramm.

Mehr als 800 chinesische Lehrer haben an

diesem Programm seither vor allem in den USA

teilgenommen. Unsere Partnerorganisation in

Peking ist die "China Education Association for

International Exchange (CEAIE)", früher Bestandteil

des Erziehungsministeriums.

Viele der chinesischen Lehrer engagierten sich

nach ihrer Rückkehr für den Beginn eines

Schüleraustausch-Programms. 1997 war es dann

soweit: Die ersten chinesischen Schüler verbrachten

ein Schuljahr im Ausland.

Ein Austausch in beide Richtungen wurde erst vier

Jahre später möglich, denn vorher war es chinesischen

Familien noch nicht gestattet, für ein

Schuljahr ausländische Gastschüler zu beherbergen.

Eine Unterbringung in Internaten kam für

AFS nicht in Frage, weil der Familienaufenthalt

aus unserer Sicht für die interkulturelle

Lernerfahrung unverzichtbar ist.

Im Jahr 2001 also reisten auch die ersten deutschen

und amerikanischen Schüler als echte

Pioniere für ihr Auslandsschuljahr nach Peking

und Tianjin. Später kamen die Städte Shanghai,

Nanjing, Xi'an, Chengdu, Chongqing und Dalian

hinzu. Die Teilnehmerzahlen verdoppeln sich seitdem

fast jedes Jahr (mit Ausnahme des Zeitraums

der SARS-Krise).

Im laufenden Austauschjahr sind 36 chinesische

Schüler in Deutschland und 22 deutsche

Gastschüler in China. Neben dem Aufenthalt in

einer Gastfamilie ist der Schulbesuch Pflichtbestandteil

des AFS-Programms. Die 16 bis 18jährigen

Teilnehmer erleben nicht nur die großen kulturellen

Unterschiede zwischen Asien und Europa,

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Schüleraustausch mit China: Pioneers go East!

sondern sie werden Teil einer Annäherung und Öffnung,

die immer noch recht frisch ist.

Das Interesse an einem Gastschuljahr in China wächst

mit der allgemeinen Aufmerksamkeit gegenüber dem

Riesenreich. Trotzdem sind die Teilnehmerzahlen -

gemessen an dem weiterhin dominanten Schüleraustausch

mit den USA, an dem gegenwärtig ingesamt etwa

8.000 deutsche Schüler teilnehmen - vergleichsweise

gering.

Um eine größere Aufmerksamkeit auf Schüleraustausche

mit China zu richten und finanziell bedürftigen

Schülern die Teilnahme zu ermöglichen, kooperiert AFS

mit Sponsoren, die zum Beispiel Teilstipendien für

Austausche mit Asien zur Verfügung stellen. Andere

wiederum unterstützen uns bei der Entwicklung von

ehrenamtlichen Strukturen in China. Dort wird das interkulturelle

Lernprogramm - wie weltweit im AFS üblich

- von ehemaligen Austauschschülern, ehemaligen

Gasteltern und anderen Freiwilligen ehrenamtlich unterstützt.

Auf diese Weise leistet AFS auch einen Beitrag zur

Entwicklung bürgerschaftlichen Engagements in

Shanghai.

Jedoch: diese Aktivitäten sind nur ein erster Schritt, und

AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. sucht weitere

Kooperationspartner für die Stärkung von Jugendbegegnungen

zwischen Deutschland und China. Ich

hoffe, dieser Reader gibt Ihnen dazu nicht nur ausreichend

Hintergrundinformationen, sondern animiert auch

Sie, den AFS in seiner Arbeit zu unterstützen.

Mick Petersmann

Geschäftsführer von AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.


Pioniere: damals und heute

1951: Die ersten deutschen Austauschschüler gehen in die USA

2001: Die ersten deutschen Austauschschüler gehen nach China

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AFS - wir stellen uns vor

AFS ist eine der größten Jugendaustauschorganisationen

der Welt. AFS arbeitet nicht-kommerziell

und auf ehrenamtlicher Basis. Deutschland ist

bereits seit 1948 Teil der AFS-Welt. Der deutsche

Verein AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. ist

als gemeinnützig anerkannt und Träger der freien

Jugendhilfe.

AFS steht für "American Field Service" - in den

beiden Weltkriegen engagierten sich junge Männer

als ehrenamtliche Ambulanzfahrer auf den

Schlachtfeldern in Europa, Afrika und Asien. Nach

dem zweiten Weltkrieg gründeten die Ambulanzfahrer

die erste Schüleraustauschorganisation der

Welt - um durch den Austausch zwischen verschiedenen

Kulturen zukünftigen Kriegen vorzubeugen.

Für den Einsatz für Frieden und Völkerverständigung

wurde AFS inzwischen von der

UNESCO ausgezeichnet.

Über 10.000 Jugendliche und Familien nehmen

jedes Jahr an einem AFS-Programm teil. Mehr als

60 Länder gehören zum weltweiten AFS-Netzwerk.

Alleine in Deutschland engagieren sich über

2.400 ehrenamtliche Mitarbeiter für AFS in über

80 lokalen Komitees. Sie betreuen Schüler und

Gastfamilien und geben so ihre eigenen Erfahrungen

weiter. Dabei werden sie unterstützt von 50

hauptamtlichen Mitarbeitern der Geschäftsstelle in

Hamburg.

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Die Programme von AFS leben insbesondere von dem

Engagement, der Begeisterung und der Erfahrung der

ehrenamtlichen Mitarbeiter. Generationen von ehemaligen

Programmteilnehmern unterstützen die nachrückende

"AFS-Jugend", wodurch eine intensive und spezifische

Betreuung und Vor- und Nachbereitung der

Programmteilnehmer möglich wird.

Die Freude am interkulturellen Austausch und die

Kenntnisse und Fähigkeiten, die Menschen jeden Alters

bei ihrem Engagement für AFS erwerben, tragen sie in

den Alltag und ihr Umfeld zurück. So werden die Ziele

von AFS, die Förderung von Toleranz und Völkerverständigung,

erfolgreich umgesetzt und über den eigentlichen

Teilnehmerkreis hinausgetragen.

Die drei zentralen Programme von AFS Deutschland

sind das Schüleraustauschprogramm, das Gastfamilienprogramm

und Freiwilligendienste im Ausland. Auch

Lehreraustausche finden gelegentlich statt.

AFS versteht sich nicht hauptsächlich als Anbieter von

Sprachreisen. Im Mittelpunkt steht bei AFS das

Interkulturelle Lernen der Programmteilnehmer, welches

auch durch begleitende Seminare und Workshops

gefördert wird.

AFS ist Mitglied im Arbeitskreis gemeinnütziger

Jugendaustauschorganisationen (AJA). AJA basiert auf

gemeinsam erarbeiteten Qualitätskriterien für den internationalen

Jugendaustausch wie Gemeinnützigkeit,

ehrenamtlicher Mitarbeit sowie bildungsorientierten

Seminarangeboten.

AFS steht für:

10.000 Programmteilnehmer an Schüleraustausch,

Lehreraustausch und Freiwilligendiensten - jedes

Jahr, in 60 Ländern weltweit

Vollständige Integration in die Gastkultur durch

Gastfamilienaufenthalt und Besuch von weiterführenden

Schulen

Strukturiertes Interkulturelles Lernen und Betreuung

während des Austauschs

Ehrenamtlich basierte Austauschprogramme

Erfahrungsbasiertes Lernen


AFS: Diversität von AFS Deutschland und weltweites Netzwerk

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Austausch mit China

1997 erlaubte das chinesische Bildungsministerium

erstmals chinesischen Schülern ein Auslandsschuljahr.

1998 verbrachten daraufhin die

ersten chinesischen Gastschüler ein Schuljahr in

Deutschland. Sie lebten in einer deutschen Gastfamilie

und gingen auf weiterführende Schulen,

wie andere Jugendliche ihres Alters auch. Durch

diese Einbindung in den Schüleralltag des Gastlandes

will AFS ein wirkliches Eintauchen in die

andere Kultur erreichen.

Im Jahr 2001 gingen dann auch die ersten deutschen

Austauschschüler für ein Schuljahr nach

China - als echte Pioniere. AFS war die erste

Organisation, die es deutschen Schülern ermöglichte,

ein Schuljahr in China zu verbringen.

Seither sind die Austauschzahlen zwischen China

und Deutschland kontinuierlich gestiegen (siehe

Grafik rechts). Konnten anfangs nur schwer

Bewerber für China gefunden werden, bewarben

sich für das kommende Jahr über 50 interessierte

Schüler, von denen 29 im Sommer 2005 nach

China gehen werden.

Auch nach Deutschland kommen jedes Jahr eine

wachsende Zahl chinesischer Schüler, im Jahr

2004/2005 sind es bereits 40 - Tendenz steigend.

In dieser Entwicklung zeigt sich deutlich, dass

China als attraktives Land und in seiner Bedeu-

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tung als "global player" in das Bewusstsein der deutschen

Bevölkerung und auch der Jugendlichen rückt.

Schulen reagieren darauf mit einem wachsenden

Angebot an Chinesischunterricht, auch die Universitäten

verzeichnen einen Zuwachs an Studenten in Fächern mit

Chinabezug. Der gleiche Lernbedarf besteht natürlich

auch in China in Bezug auf das Ausland: Das AFS-

Programm wird hier gut angenommen, obwohl der einjährige

Aufenthalt in einem anderen Land den straffen

Bildungsweg zur Universität unterbricht. Die Möglichkeit,

in so jungen Jahren einen tiefen Einblick in eine

andere Kultur zu bekommen, besitzt hier vor dem

Hintergrund eines lange Jahre sehr geschlossenen

Landes einen ganz besonderen Stellenwert.

AFS Deutschland gestaltet diese Entwicklung aktiv und

bewusst mit. Als Bildungsorganisation trägt AFS wesentlich

zum Interkulturellen Lernen zwischen China

und Deutschland bei.

Aus der Erfahrung der Programme mit unserem chinesischen

Partner ist in den letzten Jahren zunehmend deutlich

geworden, dass der chinesische und der deutsche

Kulturkreis sich doch noch sehr fremd sind. Daher unternimmt

AFS bei der Vorbereitung und Betreuung dieser

Austauschprogramme besondere Anstrengungen, um

den Herausforderungen - wie deutlich unterschiedliche

Kommunikationsstile, Unterschiede im Rollenverständnis

eines Teenagers und im Stellenwert der Schule -

gerecht zu werden.

Wenjia Jiang aus China, Deutschland 2004/2005:

“Das Leben hier ist sehr unterschiedlich zum Leben

in China. Die tägliche Schulzeit ist kürzer und wir

haben nicht so viele Hausaufgaben. Ich denke, es ist

wirklich gut, dass die Schüler mehr Freizeit haben.

Ich liebe die frische Luft, die schönen Farmen und die

Küche hier. Es war auch das erste Mal, dass ich so

viele Kühe und Pferde gesehen habe.

In der Weihnachtszeit saßen wir zusammen, packten

Geschenke aus und sangen “fröhliche Weihnachten”!

Das kannte ich aus China nicht - es war mein erstes

wirkliches Weihnachten überhaupt.”


Austausch mit China: Wachstum in beide Richtungen

AFS-Schüleraustausch mit China: Die Austauschzahlen seit 1998

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Gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Kontext

Ausbildung und Erziehung sind von brennender

Aktualität. Die Erfordernisse einer sich schnell

verändernden globalen Gesellschaft und ihrer fortschreitenden

Vernetzung rufen nach "global players".

AFS setzt durch sein interkulturelles

Bildungsprogramm genau diese Erfordernisse um.

China verändert sich - am augenfälligsten sind die

wirtschaftlichen Entwicklungen und der Bauboom

in den chinesischen Großstädten der Ostküste.

Dem Aufschwung in den Küstenprovinzen stehen

aber auch Stagnation und Armut im Landesinneren

und in den westlichen Landesteilen gegenüber.

Auch die Gesellschaft ändert sich. Die Regierung

ist zwar nach wie vor autoritär, doch viele Entscheidungsprozesse

sind inzwischen dezentralisiert.

Eigeninitiative ist in vielen Bereichen zugelassen

und erwünscht. In ihrer privaten Lebensgestaltung

haben die Menschen inzwischen mehr

Wahlmöglichkeiten als je zuvor - Auslandsreisen,

eine gute Ausbildung für das Kind, eine eigene

Wohnung, die nach dem persönlichen Geschmack

eingerichtet ist, ein eigenes Auto - diese Ziele sind

für Chinas wachsende städtische Mittelklasse in

erreichbare Nähe gerückt.

Bildung ist in China ein Schlüsselthema. Eine gute

Ausbildung ist das wichtigste Ziel chinesischer

Eltern für ihre Kinder. Der Abschluss an einer

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(möglichst guten) Hochschule ist Voraussetzung für eine

erfolgreiche Berufslaufbahn. Die Konkurrenz um die

wenigen Studienplätze ist hart und führt zu einem enormen

Leistungsdruck.

Ausgewählte Schulen werden besonders gefördert und

bieten Schülern, die die Leistungsvoraussetzungen erfüllen,

viele Möglichkeiten. Wer eine solche "Schlüsselschule"

besuchen kann, hat gute Chancen, die Hochschulzulassungsprüfungen

zu bestehen. Frontalunterricht

ist noch die Regel, aber da mehr junge, gut ausgebildete

Lehrer an die Schulen kommen, ändern sich auch

die Methoden.

China ist ein Schlüsselmarkt der Zukunft mit immenser

Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Das wirtschaftliche

Engagement in China stellt auch in Deutschland

ergänzende Anforderungen an die Bildung. Gefragt sind

gute Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle

Kompetenz für die Arbeit in internationalen

Unternehmen bereits in sehr jungen Jahren. AFS bietet

hier die Möglichkeit, China und seine Menschen ganz

intensiv zu erleben und für ein Schuljahr lang Teil der

chinesischen Gesellschaft zu werden.

Seit 1997 wächst das AFS-Austauschprogramm mit

China beständig. Grund dafür ist ein zunehmendes

Interesse an den Austauschländern China und

Deutschland, das sich aus der oben beschriebenen wachsenden

Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen

speist.

Hendrik Trau, China 2003/2004:

“Die Geschichtslosigkeit vieler Plätze und Orte in

Shanghai ist etwas gänzlich Neues für mich. Das, was

Shanghai ausmacht, findet sich daher in der Stimmung,

den Möglichkeiten, den Menschen dieser Stadt.

Jeder wird in Shanghai seinen Flecken Erde finden.

Die Masse der Menschen schafft Freiräume für die

verschiedenesten Gruppen und Typen. Wenn ich eine

Stadt in China aussuchte zum Leben, dann wäre es

Shanghai.

In Deutschland zu sagen, dass ich nach China gehen

würde, sorgte für Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Das wiederum verschaffte Kraft, dafür zu arbeiten.”


Gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Kontext

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Der chinesische Partner: AFS in China

Bereits 1982 begann die Zusammenarbeit von

AFS mit dem chinesischen Partner, der “China

Education Association for International Exchange”

(CEAIE). Diese Organisation verwirklichte

im Auftrag des Erziehungsministeriums und

einzelner Bildungseinrichtungen internationale

Austausche. CEAIE arbeitet auf nationaler Ebene

in Peking und hat Partnerorganisationen auf der

Ebene der chinesischen Provinzen.

Das erste AFS-Programm mit China war ein

Lehrer-Austauschprogramm mit den USA. Bis

heute haben an diesem Programm mehr als 800

chinesische Lehrer teilgenommen, die inzwischen

ein wichtiges Rückgrat für das Jahresschülerprogramm

von AFS bilden, mit dem AFS in China

1997 beginnen konnte.

Nachdem die Bedenken der chinesischen Seite

gegenüber Gastschüleraufnahmen in Gastfamilien

ausgeräumt werden konnten (bis weit in die 90er

Jahre war es offiziell nicht erlaubt, als Ausländer

in einer chinesischen Familie zu wohnen), wurden

ab 2001 AFS-Schüler auch nach China gesandt.

Da das AFS-Programm ein interkulturelles

Bildungsprogramm ist, kam für uns die Unterbringung

in Internaten nicht in Frage. Ein einjähriger

Gastfamilienaufenthalt ermöglicht erfahrungsgemäß

viel mehr Einblick in die Alltagskultur

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einer anderen Gesellschaft als eine internationale

Campus-Situation.

Die Initiative von AFS Deutschland geht noch einen

Schritt weiter: In China ist das Konzept einer ehrenamtlich

getragenen Organisation noch weitgehend unbekannt.

Seit Juli 2003 arbeitet eine Mitarbeiterin von AFS

Deutschland in Shanghai, die dort mit der

Partnerorganisation auf Provinzebene, SEAIE (“Shanghai

Education Association for International Exchange”),

eine ehrenamtlich basierte AFS-Programmarbeit aufbauen

hilft.

Seitdem haben die chinesischen Ehrenamtlichen mit

großem Einsatz ihre ersten Orientierungsveranstaltungen

für Gastschüler organisiert. Sie sind dabei, Informationsmaterialien

zu entwickeln und Kontakte für die

Öffentlichkeitsarbeit zu knüpfen. Sie haben die ersten

Erfahrungen mit einem ehrenamtlichen Betreuersystem

gemacht. Wir beobachten mit Spannung, wie die Ehrenamtlichen

lernen und wie sie langsam selbständiger werden.

Die Ehrenamtlichen sind hochmotiviert und haben

die volle Unterstützung unseres lokalen Shanghaier Partners

SEAIE.

So gewinnt AFS einerseits deutsche Experten für China,

andererseits steigt in China die Zahl der ehrenamtlichen

Mitarbeiter, die nach ihrem Auslandsjahr das Austauschprogramm

mit Deutschland vor Ort intensiv unterstützen.


Der chinesische Partner: AFS in China

Das Bürogebäude von SEAIE in Shanghai

AFS-Mitarbeiterin Indre Bermann kümmert sich in Shanghai um den

Aufbau ehrenamtlicher Strukturen

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Das Schülerprogramm “Ein Schuljahr in China

Seit über 50 Jahren hat AFS inzwischen Erfahrung

im Schüleraustausch. Mit AFS fahren Schüler

zwischen 15 und 18 Jahren derzeit in über 40

Gastländer weltweit und auf allen Kontinenten.

Für elf Monate leben sie in einer Gastfamilie und

tauchen so tief in den Alltag ihres Gastlandes ein.

Gleichzeitig ist der regelmäßige Besuch einer weiterführenden

Schule fester Bestandteil des AFS-

Programms. Durch die tägliche Einbindung in die

Schulklasse und die Anforderungen im Unterricht

lernen die Schüler nicht nur die Sprache ihres

Gastlandes, sondern auch, sich die Umgangs- und

Verhaltensweisen der fremden Kultur anzueignen.

Nebenbei knüpfen sie rasch Kontakte zu anderen

Jugendlichen ihres Alters.

AFS bietet den Schülern Hilfestellung, indem

nicht nur Vorbereitungen und Nachbereitungen,

sondern auch Treffen und Veranstaltungen im

Gastland organisiert werden. Sie sollen dem

Schüler das Einleben in die fremde Kultur erleichtern

und gleichzeitig Unterstützung beim

Interkulturellen Lernen bieten.

Unser weltweites Netzwerk von ehren- und hauptamtlichen

Mitarbeitern macht eine intensive

Betreuung aller Austauschschüler möglich. Die

meisten ehrenamtlichen Mitarbeiter von AFS

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waren früher selbst mit AFS im Ausland. Sie können

sich daher gut in die Lage der Austausschüler versetzen

und qualitativ hochwertigen Support leisten.

Vor der Abreise finden mehrere Vorbereitungsseminare

statt. Im Gastland bietet AFS nicht nur weitere

Orientierungsveranstaltungen, sondern auch begleitende

Seminare und Veranstaltungen an.

Nach der Rückkehr bieten wir den Schülern auch

Nachbereitungen an, die zur Reflexion des Erlebten dienen

und auch das Wiedereinleben in Deutschland

erleichtern sollen.

Über 30% aller deutschen Teilnehmer an einem AFS-

Schuljahr erhalten ein Teilstipendium. Aber auch an

Gastschüler, die aus anderen Ländern nach Deutschland

kommen, schüttet AFS Deutschland Stipendien aus. In

Kooperation mit vielen Stiftungen und Firmen führt AFS

mehrere Stipendienprogramme durch, darunter auch

mehrere Stipendienprogramme für den Austausch mit

Asien. Ausführliche Informationen über die

Stipendienprogramme von AFS gibt es unter

www.afs.de/stipendien.

Seit dem Beginn des Schüleraustauschs von

Deutschland nach China sind die Teilnehmerzahlen

beständig gestiegen und tun es auch weiterhin. Im laufenden

Programmjahr verbringen nicht weniger als 22

deutsche Schüler mit AFS ein Schuljahr in China.

Felix, China 2002/2003:

“Meine Eltern sind die besten Gasteltern, die man

sich wünschen kann. Ich kann mit ihnen über alles

reden und sie erlauben fast alles und sind auch bereit,

mal Neues kennen zu lernen. Wir scherzen die ganze

Zeit und haben eine super Zeit zusammen.

Meine Zukunft ist auch schon verplant: Ich werde hier

studieren, arbeiten, heiraten und jedes Wochenende

meine Eltern besuchen kommen, wie es sich für einen

richtigen Chinesen gehört. Meine Mutter sucht auch

schon eine Chinesin für mich. Tja, das soll halt zeigen,

wie sehr sie mich lieben und in ihre Familie aufgenommen

haben.”


Deutsche Schüler in China

Wohin gingen 2004/2005 die deutschen AFS-Austauschschüler in Asien?

Homepage der deutschen AFS-Austauschschüler in China

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Das Gastfamilienprogramm

Was viele nicht wissen: auch das Gastfamilienprogramm

von AFS in Deutschland gibt es bereits

seit 1952. Damals nahmen im Nachkriegsdeutschland

die ersten deutschen Familien amerikanische

Gastschüler bei sich zu Hause auf.

Die AFS-Programme beruhen auf Gegenseitigkeit.

Genau so, wie wir es deutschen Schülern

ermöglichen, ein Jahr im Ausland zu leben, kümmern

wir uns auch darum, dass ausländische

Schüler in Deutschland ein neues "Zuhause auf

Zeit" finden. AFS vermittelt Gastfamilien und

Schulen, die die Gastschüler für elf Monate aufnehmen.

Alle AFS-Gastfamilien engagieren sich ehrenamtlich

und unentgeltlich. Sie nehmen einen Schüler

bei sich auf aus Interesse an einem anderen Land

und einer anderen Kultur. Der Schüler wird als

Familienmitglied auf Zeit in das Familienleben

integriert - mit allen Rechten und Pflichten.

Über 10.000 Gastfamilien weltweit nehmen jedes

Jahr am Gastfamilienprogramm teil. Alleine in

Deutschland begrüßt AFS jährlich über 650

Schüler aus über 40 Ländern - mit steigender

Tendenz.

Durch einen Gastschüler bereichern die AFS-

Familien ihr eigenes Familienleben. Sie haben

Spaß daran, eine andere Kultur “im eigenen

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Wohnzimmer” kennen zu lernen und an der Entwicklung

der Austauschschüler teil zu haben. Gleichzeitig entdekken

viele Familien auch ihre eigene Umgebung ganz

neu, wenn sie mit ihrem Gastschüler Aktivitäten planen.

AFS schüttet besonders für Gastschüler aus Asien eine

Reihe von Stipendien aus, damit ihnen ein Austauschjahr

in Deutschland ermöglicht werden kann.

Im Programmjahr 2004/2005 verbringen bereits 40

Chinesen und 17 Hongkong-Chinesen ein Schuljahr in

Deutschland. AFS plant, diese Zahlen in den kommenden

Jahren weiter zu steigern.

Rong Liu aus Shanghai, Deutschland 2001/2002:

“Hier in Deutschland habe ich viele Dinge zum ersten

Mal getan. Ich habe gelernt, selbständiger zu leben,

ohne meine leiblichen Eltern jedes Mal um Rat fragen

zu können. Ich glaube, ich bin in diesem Jahr persönlich

sehr gewachsen. Ich habe gelernt, andere

Sichtweisen zu akzeptieren.

Die Deutschen denken immer, sie wären hektisch. In

Wirklichkeit leben sie sehr langsam und denken lange

nach, bevor sie etwas tun. Die deutsche Zeit rennt

nicht, sie fließt in langsamen Kurven. Vielleicht ist das

so, weil in Deutschland so wenig Menschen leben und

es so viel Platz für alle gibt. Ich plane, nach meinem

Schulabschluss nach Deutschland zurückzukommen

und hier zu studieren.”


Chinesische Schüler in Deutschland

Woher kamen 2004/2005 die asiatischen Gastschüler nach Deutschland?

Zeitungsartikel über eine chinesische Gastschülerin in Deutschland

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Lehreraustausch

Damit der Austausch zwischen Deutschland und

Asien funktioniert, muss auch auf der Lehrerebene

ein Verstehen der anderen Kultur und ein

Einstellen auf die Gastschüler stattfinden.

Im Jahr 2001 führte AFS Deutschland daher erstmals

einen Lehreraustausch mit China und anderen

Ländern Asiens durch. Im Rahmen einer

Studienfahrt erhielten 18 Deutsch- und Englischlehrer

aus China, Hongkong und Thailand durch

Besuche und Hospitationen einen Einblick in die

Praxis des deutschen Bildungssystems. Ihre deutschen

Kollegen lernten im Gegenzug die asiatische

Art zu unterrichten kennen. Begleitet wurde

dieser im Auftrag der Stiftung Mercator GmbH

vom AFS organisierte Austausch mit Diskussionsveranstaltungen

und Vorträgen. Wegen des großen

Erfolges wurde diese Studienfahrt bereits 2002 für

Lehrer aus China, Hongkong, Thailand und

Malaysia wiederholt.

2004 dann ermöglichte es die Stiftung Mercator

auch deutschen Lehrern, nach China zu reisen um

hautnah Einblicke in das chinesische Schul- und

Bildungssystem zu bekommen. Die “Teacher

China Study Tour” führte die Lehrer zunächst zu

Schulbesuchen nach Beijing; dann teilte sich die

Gruppe, um Schulen in Shanghai und Xian zu

besuchen, AFS-Mitarbeiter, Ehrenamtliche und

Austauschschüler zu treffen. Die Unterkunft in

Familien vermittelte den Gästen einen kleinen

Eindruck vom Leben und der Alltagskultur. Dass

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chinesische Schüler einem Jahr im Ausland sehr offen

gegenüberstehen, wurde den Tour-Teilnehmern, unter

denen sich nicht nur AFSer befanden, sehr schnell klar.

Das Ziel der “Teacher China Study Tour” war, den

Austausch zwischen Deutschland und China zu fördern

sowie die Betreuung deutscher und chinesischer

Gastschüler zu verbessern und ein gegenseitiges

Verständnis für die kulturell bedingten Unterschiede aufzubauen.

Auch zukünftig wird AFS versuchen, Lehrern aus Asien

und Deutschland die Gelegenheit zum Austausch und

Kennenlernen des jeweils anderen Landes und seines

Bildungssystems zu geben.

“Wenn ich nach Hause komme, werde ich versuchen,

meine Stunden “bunter” zu gestalten. Besonders

beeindruckt hat mich das Engagement der AFS-

Ehrenamtlichen und der Spirit, dass man alles

machen kann, man muss es nur anpacken. Ich bin

sehr dankbar dafür, dass wir in Gastfamilien leben.

Man lernt so viel mehr über eine Kultur, wenn man in

einer Familie lebt.”

(Lehrerin Tan Hong aus China, Teilnehmerin der

Studienfahrt asiatischer Lehrer nach Deutschland

2002)

“Die Lu He Middle School gilt als die beste Schule

Pekings. So eine gute Selbstdarstellung, eine

Bewusstmachung der “corporate identity”, eine stringente

Zielfindung hat keiner von uns je an einer deutschen

Schule gesehen. Was lässt sich aus dem System

Schule machen, wenn der Bildung tatsächlich absolute

Priorität eingeräumt wird - man könnte anfangen

zu träumen” (Christa Bade-Eschtricht, Teilnehmerin

der ‘Teacher China Study Tour’ 2004).

“Bislang sind, aufgrund der gesellschaftspolitischen

Situation Chinas, Hospitationen in dieser Form an

den Schulen Chinas kaum oder gar nicht möglich.

Aufgrund der Kontakte zu chinesischen Lehrern

(ehrenamtliche AFSer) sind diese Kontakte möglich

geworden und wurden von den Teilnehmern als besonders

aufschlussreich empfunden.” (Marlene Treimer,

Teilnehmerin der ‘Teacher China Study Tour’ 2004)


Lehreraustausch / Teacher Study Tour 2004

The Stiftung Mercator GmbH and AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.

TEACHER CHINA STUDY TOUR

From April 3rd to 18 th , 2004

DISCOVERING THE PEOPLE’S REPUBLIC OF CHINA AND ITS EDUCATIONAL SYSTEM

Promoting exchange between Chinese and German communities

Seite 17


Interkulturelles Lernen

Ein Jahr im Ausland mit AFS ermöglicht eine

interkulturelle Erfahrung, die weit über das Jahr

hinausgeht.

Die Stärke von AFS ist seine jahrzehntelange

Erfahrung mit interkulturellen Programmen. Alle

Teilnehmer, die in die AFS-Programme eingebunden

sind, lernen auf individuelle Weise den Umgang

mit einer fremden Kultur und damit auch die

eigene besser kennen. Interkulturelles Lernen

beinhaltet mehr, als sich Faktenwissen über ein

anderes Land anzueignen.

Interkulturelles Lernen ist ein Prozess, in dem

während des Austauschs soziale Komponenten

wie Kommunikations- und Anpassungsfähigkeit

entwickelt werden. In der fremden Kultur ist es

nötig, eigene kulturelle Aufnahmen, persönliche

Haltungen und Vorurteile kritisch zu reflektieren.

Daraus resultiert die Fähigkeit, die eigene Kultur

zu relativieren und einen Perspektivwechsel vornehmen

zu können. Hinzu kommt die Fähigkeit,

Konflikte konstruktiv zu bewältigen, die in

Situationen entstehen, in denen verschiedene

Kulturen miteinander agieren. Zurück im Heimatland

findet ein Transfer des Gelernten auf die dortigen

Gegebenheiten statt. So fördert das

Austauschjahr flexible Denkmuster, auf die ein

Leben lang zurückgegriffen wird.

Seite 18

AFS ist es wichtig, die persönliche interkulturelle

Erfahrung durch ein intensives pädagogisches Begleitprogramm

zu unterstützen: ausführliche Vorbereitungen

und intensive Auswertungen finden in den unterschiedlichsten

Seminaren vor, während und nach dem

Austauschjahr statt. Hier kommen die Teilnehmer aus

über 40 Ländern zusammen und reflektieren über ihr

Gastland, vergleichen ihre Beobachtungen und denken

über Sitten und Gebräuche ihres Heimatlandes nach.

Während eines 2-wöchigen Seminars nach der Hälfte

des Austauschjahres beschäftigen die Jugendlichen sich

zudem mit globalen Fragestellungen: Toleranz und

Zivilcourage, Umwelt und Nachhaltigkeit, Rassismus

und Migration, deutsche Geschichte und europäische

Zukunft.

AFS versteht sich somit als Bildungsorganisation und

setzt sich daher für den verstärkten Schüleraustausch

zwischen Asien und Deutschland ein, der besonders gute

Chancen zum Interkulturellen Lernen bietet.

"Nadelstreifen rekrutieren sich nicht nur aus den

Klassenbesten, sondern auch aus Menschen mit interkultureller

Kompetenz."

Dr. Ulrich Weiss, ehemaliges Vorstandsmitglied der

Deutschen Bank, Initiator des gemeinsamen

Stipendienprogramms von AFS und der Deutschen

Bank AG

Jan, China 2002/2003:

“So viele Dinge, die anfangs überwältigend waren,

sind jetzt für mich zur Normalität geworden - zum

Beispiel sich eine Ente zum Abendessen aussuchen

und dann zusehen, wie sie für einen geköpft wird...

Es ist nicht immer einfach, hier in China ein

Ausländer zu sein, weil viele noch nie einen Ausländer

gesehen haben und einen anstarren. Aber inzwischen

habe ich in der Schule viele Freunde gefunden und

werde immer mehr zu einem Chinesen.

Die asiatische und europäische Kultur sind wirklich

kaum vergleichbar, weswegen jeder Tag neue Überraschungen

bringt! ”


Interkulturelles Lernen

AFS Impact Study: Teilnehmer des AFS-Programms entwickeln Kompetenzen

und Qualifikationen, über die Nicht-Teilnehmer nicht verfügen

Nachwirkung: Präsentation eines Schülers über sein AFS-Jahr in China

Seite 19


Herausforderungen und Chancen

Der Schüleraustausch zwischen Deutschland und

China bedeutet für die Teilnehmer nicht nur das

Lernen einer neuen Sprache und das Kennenlernen

eines neuen Schulsystems, sondern auch die

Begegnung mit völlig anderen Wertesystemen und

Verhaltensmustern.

In China werden Höflichkeit, Respekt und

Zurückhaltung geschätzt. Von Jugendlichen wird

erwartet, dass sie sich gegenüber Eltern, Lehrern

und älteren Verwandten besonders respektvoll verhalten

und sich nicht in den Vordergrund drängen.

Familie, Bildung und Leistungsorientierung sind

weitere Bereiche, die einen hohen Stellenwert im

täglichen Leben einnehmen. Auch die Möglichkeit,

ein Schuljahr in Deutschland zu verbringen,

stößt auf großes Interesse.

Deutsche Jugendliche in China müssen sich daran

gewöhnen, wieder als Kind behandelt zu werden.

Chinesische Schüler in Deutschland müssen lernen,

mit mehr Selbständigkeit und Verantwortung

umzugehen.

Chinesische Kultur:

- Wohlergehen der Gesellschaft kommt vor

Rechten des Individuums

- Konfuzianische Werte: Gegenseitige, auch

moralische Verpflichtung von Vorgesetzten und

Untergeordneten (in Familie, Betrieb und Staat)

- Harmonie als Ziel: Kompromisse sind immer

nötig, Lösungen werden ausgehandelt

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- Ausgeprägter Pragmatismus

- Bildung als hohes Gut

Deutsche Kultur:

- Erziehung zu Selbständigkeit und Verantwortung

- Offenheit und Direktheit als Basis für tragfähige

Beziehungen

- Diskussionskultur und Konfliktbereitschaft

- Regelorientierung

Die größeren kulturellen Unterschiede als z.B. zwischen

Europa und den Amerikas bieten großartige Chancen für

Interkulturelles Lernen. AFS will diesen Lernprozess

erleichtern, so dass alle Teilnehmer (Schüler,

Gastfamilien, Schulen etc.) daran teilhaben und davon

profitieren können.

AFS unternimmt bei der Vorbereitung und Betreuung

dieser Austauschprogramme besondere Anstrengungen,

um den Herausforderungen - wie deutlich unterschiedliche

Kommunikationsstile, Unterschiede im Stellenwert

der Schule und im Rollenverständnis eines Teenagers -

gerecht zu werden.

Yiming Li aus China, Deutschland 2003/2004:

“Mit meinen Gasteltern rede ich oft über unser Leben

und unsere verschiedenen Sichtweisen. Wir sind nicht

immer einer Meinung, aber wir respektieren uns

gegenseitig und lernen dabei gerade durch diese

Unterschiede die Kultur des anderen besser kennen.

Dieses Jahr ist für mich ein Geschenk, weil ich mich

persönlich sehr weiterentwickle.”


Herausforderungen und Chancen

“Lessons to be Learned”

Die chinesischen Schüler lernen umzugehen mit:

Einer anderen und direkteren Art der zwischenmenschlichen Kommunikation

Mehr Selbständigkeit und Selbstverantwortung (soziale Regeln sind schwächer

definiert)

Weniger Druck in der Schule

Mehr Freizeit, die es sinnvoll zu gestalten gilt

Offeneren Gesellschaften, die weniger hierarchisch und individualistischer aus

gerichtet sind

Dem Überdenken bisheriger Gewohnheiten

Die deutschen Schüler lernen umzugehen mit:

Schule als einem bestimmenderen Teil des täglichen Lebens

Einer Gesellschaftsordnung, in der berufliche Qualifikation und Karriere einen

extrem hohen Stellenwert hat

Weniger Freizeit außerhalb der Schule

Dem Leben in einer Gesellschaft, in der soziale Regeln und Rollen klar definiert

sind

Der fehlenden Anerkennung als erwachsenes Mitglied der Gesellschaft, das in

der Position wäre, eigene Entscheidungen zu treffen und sich völlig frei zu

bewegen

Dem Überdenken bisheriger Gewohnheiten

Das Interesse von chinesischen Schülern an einem Austauschjahr in Europa

übersteigt das Interesse von europäischen Schülern an einem

Austauschjahr in China.

Herausforderungen für den Schüleraustausch von China nach Deutschland:

Finden von Gastfamilien in Deutschland

Ausstellung von Visas durch die deutschen Konsulate

Steigern der sozialen Diversität der chinesischen Schüler, besonders aus

Entwicklungsregionen

Herausforderungen für den Schüleraustausch von Deutschland nach China:

Steigerung des Interesses an einem Austauschjahr in China

Steigerung der sozialen Diversität der Teilnehmer

Anerkennung des Schuljahres im Ausland

Seite 21


Förderung des Austauschs mit China

AFS arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich mit

Stiftungen, Firmen und Einzelspendern zusammen,

um z.B. verschiedene Stipendienprogramme

aufzulegen. So können sozial schwächer gestellte

Teilnehmer oder der Austausch mit bestimmten

Regionen gefördert werden.

Folgende Kooperationspartner konnte AFS für die

Förderung des Austausches zwischen Deutschland

und China bereits gewinnen:

Bayerisches Staatsministerium für

Unterricht und Kultus

DaimlerChrysler AG

a

Degussa AG

Stiftung Landesbank Baden-Württemberg

Stiftung Mercator GmbH

Voith AG

ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius

Unter anderem das Engagement der Stiftung

Mercator GmbH machte es möglich, die Austauschzahlen

zwischen Deutschland und Asien seit

1999 mehr als zu verdreifachen.

Länderspezifische Stipendienprogramme sind ein

neuer Ansatz mit zukunftsweisender Dimension

im und für den internationalen Schüleraustausch.

AFS möchte weitere Partner gewinnen, um das

bestehende Stipendienprogramm zwischen China

Seite 22

und Deutschland auszubauen und parallel dazu die

ehrenamtlichen Strukturen in China zu stärken.

Das Vorhaben beinhaltet die Förderung des Jahres-

Austauschprogramms zwischen China und Deutschland

für 15-17jährige deutsche und chinesische Schüler. Für

ein Jahr leben die Schüler in Gastfamilien, besuchen

eine Gastschule und erleben Land, Leute und Kultur

"hautnah".

Neben dem Erlernen einer neuen Sprache steht der

Erwerb von interkultureller Kompetenz sowie die

Erweiterung des persönlichen Erfahrungshorizontes im

Vordergrund.

Stipendien ermöglichen eine Erhöhung der Anzahl der

Teilnehmer an einem interkulturellem Austauschprogramm

zwischen Deutschland und China. Insbesondere

in China sollen durch die Stipendienmöglichkeit Schüler

erreicht werden, die beste Voraussetzungen mitbringen,

aber aus Familien mit einem nur durchschnittlichen

Einkommen stammen.

Die Stärkung der ehrenamtlichen Strukturen in China

geschieht vor allem über systematische Schulungsangebote

und Veranstaltungen, um Ehrenamtliche in die Lage

zu versetzen, selbständig und verantwortlich Aufgaben

durchzuführen und das AFS-Programm mit zu gestalten.

Wenn Sie AFS und den Austausch zwischen

Deutschland und China unterstützen möchten, wenden

Sie sich an:

Barbara Bretschneider

AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.

Postfach 50 01 42

22701 Hamburg

Tel.: 040/399 222-37

Fax: 040/399 222-99

E-Mail: Barbara.Bretschneider@afs.org

Die rechts genannten Förderungsmöglichkeiten sind

Beispiele. Gerne arbeiten wir gemeinsam mit Ihnen spezielle

Förderungsvarianten aus, die Ihren Vorstellungen

und Bedürfnissen entsprechen.


Förderung des Austauschs mit China

Beispiel für die Wirkung eines Stipendienprogramms: Entwicklung der

Austauschzahlen zwischen Asien und Deutschland mit Hilfe von Stipendien

der Stiftung Mercator GmbH

Beispiele für konkrete Förderungsmöglichkeiten des Schüleraustauschs zwischen

Deutschland und China mit AFS:

Beispiel 1:

Auslobung von Stipendien für AFS-Austauschprogramme zwischen Deutschland

und China. Ein volles Jahresstipendium für einen deutschen Schüler nach China

beträgt rund 7000,- Euro (Stand: 2005) inkl. Flug, Versicherung, Betreuung,

Gastfamilienaufenthalt, sowie vorbereitenden, begleitenden und nachbereitenden

interkulturellen Orientierungsveranstaltungen. AFS empfiehlt, den Teilnehmer mit

einem Eigenanteil an den Kosten von mindestens 2.000,- Euro zu beteiligen.

Beispiel 2:

Finanzielle Unterstützung der Organisationsentwicklung in China.

Förderung des Aufbaus einer ehrenamtlich basierten Organisation in China, wie

z.B. Unterstützung von systematischen Schulungsmaßnahmen für ehrenamtliche

Betreuer von Gastschülern und Gastfamilien sowie die Förderung von

Ehrenamtlichenaustauschprogrammen.

Seite 23


Die Programmländer des AFS Deutschland

Ägypten Argentinien Australien Belgien Bolivien Bosnien-Herzegowina Brasilien

Bulgarien Chile China Costa Rica Dänemark Deutschland Dominikanische

Republik Ecuador Estland Finnland Frankreich Ghana Griechenland

Großbritannien Guatemala Honduras Hongkong Indonesien Irland Island Italien

Japan Kanada Kolumbien Kroatien Lettland Liechtenstein Litauen Luxemburg

Malaysia Malta Mexiko Neuseeland Niederlande Norwegen Österreich

Panama Paraguay Peru Polen Portugal Rumänien Russland Schweden

Schweiz Slowakei Slowenien Spanien Südafrika Thailand Tschechische Republik

Türkei Ungarn USA Venezuela Zypern

AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. Fon: 040/399 222-0, Fax: 040/399 222-99

Friedensalle 48 E-Mail: germany@afs.org

Postfach 50 01 42, 22701 Hamburg http://www.afs.de

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