Text Kleingruppendiskussion

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Text Kleingruppendiskussion

VO Lektüre Psychoanalytischer Texte - SoSe2011

Publikationen zur Psychoanalytischen Pädagogik

PD Dr. Urte Finger-Trescher

1. Vorlesung - 25.3.2011

In der 1. Vorlesung wurde ein Text von Sigmund Freud aus seinen Gesammelten Werken

von 1909 vorgetragen. Es handelt sich um die 4. Vorlesung "Über Psychoanalyse".

Die zu bearbeitende Fragestellung in Kleingruppen bezieht sich auf diesen Text und lautet:

Worin sehen Sie die Relevanz der Thesen Freuds für die heutige

erziehungswissenschaftliche und psychoanalytisch – pädagogische

Kleingruppenarbeit - Diskussion

Diskussion?

• Kirchberger:

Diese Gruppe hat sich von zwei Seiten an die Frage heran gearbeitet.

Zum Einen betrachtet sie die theoretische Ebene, zum Anderen die praktische

Ebene. Es gibt viele Theorien, die umstritten sind, jedoch anerkannt werden. Von

der praktischen Ebene aus betrachtet, stellt die Theorie der infantilen Sexualität

nach wie vor ein Tabuthema dar. Es wurde ein Beispiel genannt, in welchem ein

Kindergarten Kind im Kindergarten masturbiert hatte. Die Betreuerin konnte mit der

Situation nicht umgehen und wurde über dieses Thema informiert. Im Anschluss

daran war es ihr möglich, die Situation in einer angemessenen Weise handhaben

zu können.

• Berger:

Viele Analytiker beziehen sich auf Freud, da dessen Verständnis die

Grundlage der Psychoanalyse darstellt. Es erscheint für die Mehrheit normal zu

sein, dass ein Kind an einem Schnuller nuckelt (sich oral befriedigt). Wenn ein Kind

masturbiert, dann wird es heute nicht mehr mit Strafe bedroht sondern es wird mehr

ins Lächerliche gezogen, bzw. wenig beachtet. Auch hat sich die Frage ergeben, ob

zu viel Aufklärung dem Kind schaden könne (im Sinne einer Überforderung). Es

könnte sein, dass die Aufklärungsinformationen zu offen gestaltet sind und das Kind

diese Informationen in einem zu frühen Alter erhält. Dies wirft jedoch auch die

Gegenfrage auf ob man Kinder so sehr schonen muss?

• Daniela, Azime:

Einige Freuds Theorien wurden widerlegt, bspw. die

Traumdeutung. Auch denken Menschen heute über die Sexualität des Kindes nach.

Infantile Sexualität (oder allgemein die Sexualität) ist im Islam ein großes Tabu-

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PD Dr. Urte Finger-Trescher

Thema. In Österreich ist das Thema Sexualität sehr offen gestaltet. Es stellt sich die

Frage, ob diese Extreme beide für sich positiv sind oder ob es wichtig wäre einen

Mittelweg zu finden, der beide Extreme vereint.

Dabei stellte sich die Diskussionsfrage:

Ist die mangelnde Aufklärung des Kindes Ursache für Neurosenbildung?

Sowie die Annahme:

Kinder verfügen von Geburt an über Sexualtriebe

• Veronika:

Es gibt psychosexuelle Phasen und Kinder sollten diese durchleben

können, jedoch sollte ihren Trieben auch nicht zu sehr freier Lauf gelassen werden.

Es wurde die These aufgestellt, dass Eltern aufgrund des frühen Wiedereinstiegs

ins Berufsleben, wenn sie ein zweites Kind bekommen, die Aufmerksamkeit dem 1.

Geborenen nicht zu sehr entziehen (aufgrund der Berufstätigkeit). Dadurch wird die

Geschwisterrivalität nicht zu sehr gefördert. Es stellt sich nun die Frage, ob das in

einem Zusammenhang mit dem Ödipuskonflikt stehen könnte und für Selbigen

förderlicher ist. Infantile Sexualität wird heute vielleicht als Lustbefriedigung

angesehen und stellt auch heute noch ein Tabu-Thema dar.

• Ludescha:

In der Erziehungswissenschaft wird die Sexualität des Kindes nicht

mehr verleugnet, es ist bekannt, dass Kinder sexuelle Wesen sind. Es stellt sich die

Frage, wie Erziehung gestaltet werden sollte? Inwieweit kann die Erziehung das

Kind weiter schädigen (durch weitere Unterbindung der Triebe), wenn es in einer

Entwicklungsphase schon ein Trauma erlebt hat?

• Stifter:

Mittlerweile hat der Begriff der infantilen Sexualität große Relevanz und ist

zu einem Grundgerüst geworden. Es stellt sich aber auch die Frage, wie man das

Unbewusste beweisen, bzw. widerlegen kann? Die Theorie der infantilen Sexualität

ist revolutionär und es stellt sich auch die Frage, wie diese Tabus, das Thema

betreffend, zustande kommen und wie verhält sich das heute? Sexualität wird heute

sehr freizügig gehandhabt. Wie kann jedoch das Kind mit dieser Reizüberflutung

umgehen (Magazine, Videos, etc.)? Schon Volksschulkinder haben

pornographische Filme auf ihrem Handy und zeigen diese offen in der Klasse ihren

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PD Dr. Urte Finger-Trescher

Mitschülern. Diese Kinder wissen jedoch nicht, was sie da sehen, sie können das

Gesehene nicht deuten bzw. zuordnen. Wie kann man das Kindern begreiflich

machen? Welches ist der richtige Weg es den Kindern zu erklären? Ist das die neue

Form der Tabuisierung? Oder handelt es sich um eine Ent-Tabuisierung?

• Steinböck/Lozic:

Freud hat mit seiner Theorie zur infantilen Sexualität den

Grundstein für die Kinderpsychologie gelegt. Kinder sollten heute aufgeklärt sein

und Erwachsene sollen auf ihre Fragen eingehen und sie nicht sofort verneinen.

Auch auf Kinder mit Migrationshintergrund soll eingegangen werden (im

Schulzweig)

Weiterführend kann man die Frage aufwerfen, inwieweit infantile Sexualität in der

Pädagogik ausgelebt und behandelt werden soll! Gibt es überhaupt heute noch ein Tabu

die infantile Sexualität betreffend und wie ist das kultur- und gesellschaftskritisch

handzuhaben?

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