Um Himmels Willen (Leseprobe)

id.design

von Bruno Zimmerli

Vollständige Ausgabe als eBook:
https://www.smashwords.com/books/view/32947

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BRUNO ZIMMERLI

UM HIMMELS

WILLEN ...

Die Gemeinde Jesu in der „Endzeit“

– siegreich oder auf der Flucht?

ID-DESIGN - Medien


© 2009 by Bruno Zimmerli

Erschienen bei

ID-DESIGN - Medien

Fichtelgebirgsstr. 49, D-63454 Hanau

2. Auflage – Juni 2009

Die Bibelstellen sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der unrevidierten

Elberfelder Übersetzung (1905) entnommen.

Andere verwendete Bibelübersetzungen:

ELB = Revidierte Elberfelder Übersetzung (1985)

LUT = Luther Übersetzung (1912)

SLT = Schlachter Bibel (1951)

KJV = ins Deutsche übersetzt aus der King James Bibel (1850)

Herstellung und Druck:

KDD Kompetenzzentrum - Digital-Druck GmbH

Leopoldstraße 68 - D-90439 Nürnberg

Umschlag-Photo: © Grace Winter / PIXELIO

ISBN 978-3-941596-01-6

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Verlages, wenden Sie sich bitte an:

ID-DESIGN – Medien

Fichtelgebirgsstr. 49

63454 Hanau

Email: office@id-de-sign.de

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4

Danke

Meiner Frau Claudia für ihre Unterstützung in diesem Projekt

und für die zahllosen Zeiten des Austausches, in denen

mich ihre prophetische Offenbarung und ihr Herz für Gott

zu vielen Gedanken inspiriert haben, die ich in diesem Buch

niedergeschrieben habe. Du bist das größte Geschenk Gottes

in meinem Leben!

Auch an meine Kinder Dominic und Joana, die so oft auf ihren

Papa verzichten müssen. Ihr seid die besten Kinder, die

es gibt!

An Mauro und Susanna, in deren Haus im wunderschönen

Piemont ich die nötige Ruhe und Atmosphäre gefunden

habe, dieses Buch zu vollenden.

An die beste Gemeinde der Welt. Danke für all die Ermutigung,

die ich von euch zu diesem Projekt erhalten habe. Ihr

seid wirklich Gottes Familie und es ist mir ein großes Vorrecht,

euer Pastor zu sein.

All denen, die mir geholfen haben, den Traum dieses Buches

zu verwirklichen, durch praktische Hilfe, Ermutigung oder

finanzielle Unterstützung. Ihr seid die herrliche und siegreiche

Gemeinde, von der Gott geträumt hat!

Und nicht zuletzt meinem Herrn und Erlöser Jesus Christus,

durch dessen Evangelium ich eine neue Schöpfung bin, und

dem ich von ganzem Herzen diene!


VORWORT

Dieses Buch soll nicht in erster Linie ein theologisches Werk zum Thema

Endzeit sein! Ich erachte mich selbst auch nicht als Experte zum

Thema Eschatologie, obwohl ich mich in den letzten Jahren eingehend

mit der Thematik befasst habe. Meine Absicht ist es auch nicht, Christen

zu noch mehr Diskussionen über Lehrfragen anzuregen. Der Grund,

warum ich dieses Buch schreibe, ist ein leidenschaftlicher Ruf an die

Gemeinde Jesus unserer Tage, ihren Platz in der Welt und in der Gesellschaft

wieder einzunehmen.

Immer wieder beobachte ich mit einem unguten Empfinden, wie Prediger

und Leiter in der Gemeinde unermüdlich die Wiederkunft Jesus

propagieren, während die Voraussetzungen dafür bei weitem nicht erfüllt

sind. Unzählige Bücherregale und Zeitschriftenmappen sind gefüllt

worden mit prophetischen Auslegungen, Spekulationen und Weckrufen,

dass das Ende gekommen sei. Prophetische Ankündigungen aus dem

Alten und Neuen Testament werden mit Hilfe der Tageszeitung und den

Abendnachrichten ausgelegt. Viele dieser Werke sind inzwischen überholt

und leider der Lächerlichkeit preisgegeben. Wen wollen wir damit

eigentlich beeindrucken? Denken wir wirklich, dass die Gemeinde dadurch

motiviert wird, dass man ihr immer wieder klar macht, dass es

schon fast zu spät ist? Ändert es den Zustand der Gemeinde? Ändert es

die Tatsache, dass die meisten „überzeugten“ Christen kaum Einfluss

auf diese Gesellschaft nehmen? Ändert es den Zustand, dass der große

Teil der Gotteskinder ganz passiv auf eine Entrückung wartet, die sie

aus diesem mühevollen Erdendasein befreien wird? Ich bin überzeugt,

dass, wenn wir unsere Sicht der Zukunft - unserer Zukunft! - nicht ganz

neu vom Wort Gottes prägen lassen, unsere Botschaft in dieser Zeit ungehört

verklingen wird, weil wir immer noch - bewusst oder unbewusst

- in die angstmachende Drohbotschaft der mittelalterlichen Kirche einstimmen,

die über Jahrhunderte die Menschheit mit Schuldkomplexen

und Angst vor dem Jenseits manipuliert hat.

Lasst uns doch lieber die frohe Botschaft verkündigen. Sie lautet ganz

einfach immer noch: Ändert euer Denken, denn das Reich Gottes ist

nahe herbei gekommen!

Hanau, im Dezember 2008

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INHALT

Vorwort.............................................................................................................................. 6

Vorwort.............................................................................................................................. 6

Inhalt................................................................................................................................... 8

Inhalt................................................................................................................................... 8

Einleitung....................................................................................................................... 17

Einleitung....................................................................................................................... 17

Kapitel 1 – Mein REICH kommt!............................................................................25

Kapitel 1 – Mein REICH kommt!............................................................................25

Himmelreich oder Reich Gottes?....................................................................25

Himmelreich oder Reich Gottes?....................................................................25

Gottes Herrschaftsbereich................................................................................26

Gottes Herrschaftsbereich................................................................................26

Ist die Gemeinde und das Reich Gottes dasselbe?...................................26

Ist die Gemeinde und das Reich Gottes dasselbe?...................................26

Dein Reich komme!..............................................................................................28

Dein Reich komme!..............................................................................................28

Schöpfung, Fall, Erlösung, Wiederherstellung..........................................32

Schöpfung, Fall, Erlösung, Wiederherstellung..........................................32

Die Wiederherstellung der Persönlichkeit...........................................35

Die Wiederherstellung der Gemeinde...................................................35

Kapitel 2 – Die Wiederherstellung des Herrschaftsauftrages....................37

Kapitel 2 – Die Wiederherstellung des Herrschaftsauftrages....................37

8

Ein neuer Anfang..................................................................................................37

Ein neuer Anfang..................................................................................................37


Jesus, der Erbe der Nationen dieser Welt...................................................37

Jesus, der Erbe der Nationen dieser Welt...................................................37

Kapitel 3 – Das Evangelium des Reiches Gottes..............................................40

Kapitel 3 – Das Evangelium des Reiches Gottes..............................................40

Hat Jesus eine Versager-Braut?.......................................................................42

Hat Jesus eine Versager-Braut?.......................................................................42

„Ich komme wieder!“...........................................................................................43

„Ich komme wieder!“...........................................................................................43

Kapitel 4 – Entrückungswahn!...............................................................................46

Kapitel 4 – Entrückungswahn!...............................................................................46

Der Ursprung.........................................................................................................51

Der Ursprung.........................................................................................................51

Luther, Rom und die Jesuiten....................................................................52

Irving, Darby und Scofield..........................................................................53

Du sollst nichts hinzufügen..............................................................................54

Du sollst nichts hinzufügen..............................................................................54

Kapitel 5 – Hoffnungslos Dispensationalistisch..............................................57

Kapitel 5 – Hoffnungslos Dispensationalistisch..............................................57

Das Reich Gottes kommt später......................................................................60

Das Reich Gottes kommt später......................................................................60

Keine Hoffnung für diese Zeit?........................................................................61

Keine Hoffnung für diese Zeit?........................................................................61

Kapitel 6 – Das griechische Vermächtnis (Verhängnis)................................63

Kapitel 6 – Das griechische Vermächtnis (Verhängnis)................................63

Dualismus - Plato oder die Bibel?..................................................................63

Dualismus - Plato oder die Bibel?..................................................................63

Ist Gott Grieche oder Hebräer?........................................................................66

9


Ist Gott Grieche oder Hebräer?........................................................................66

Kapitel 7 – Das Wesen des Reiches Gottes.........................................................68

Kapitel 7 – Das Wesen des Reiches Gottes.........................................................68

Sichtbar oder „inwendig von euch“?.............................................................68

Sichtbar oder „inwendig von euch“?.............................................................68

Ist Gott ein Diktator?...........................................................................................70

Ist Gott ein Diktator?...........................................................................................70

Die ganze Schöpfung wartet ............................................................................72

Die ganze Schöpfung wartet ............................................................................72

Manifestationen des Heils.................................................................................74

Manifestationen des Heils.................................................................................74

Ein wachsender Einfluss....................................................................................76

Ein wachsender Einfluss....................................................................................76

Athanasius...........................................................................................78

Jonathan Edwards ...........................................................................79

Charles H. Spurgeon .......................................................................79

John Wesley .......................................................................................79

Kapitel 8 – Entrückung oder Verwandlung?.....................................................81

Kapitel 8 – Entrückung oder Verwandlung?.....................................................81

Wie in den Tagen Noahs.....................................................................................86

Wie in den Tagen Noahs.....................................................................................86

Kapitel 9 – Die Eschatologie der Hoffnung........................................................92

Kapitel 9 – Die Eschatologie der Hoffnung........................................................92

Kapitel 10 – Zeit und Zeiten....................................................................................96

Kapitel 10 – Zeit und Zeiten....................................................................................96

10

Die Bibel – das Buch, das vom Himmel fiel?...............................................96

Die Bibel – das Buch, das vom Himmel fiel?...............................................96


Schau´ mal zurück!...............................................................................................98

Schau´ mal zurück!...............................................................................................98

1.) Das Wort „bald“........................................................................................99

2.) Reale Worte an reale Menschen......................................................100

BERTRAND RUSSELL.............................................................102

Kapitel 11 – Daniel und das Königreich Gottes.............................................104

Kapitel 11 – Daniel und das Königreich Gottes.............................................104

Babylon.......................................................................................105

Medo-Persien...........................................................................106

Griechenland.............................................................................106

Rom..............................................................................................106

Die Auslegung der Populären Eschatologie.........................107

Die Auslegung der Eschatologie der Hoffnung...................108

Die himmlische Gerichtsverhandlung.............................110

Das Kommen des Menschensohnes.................................110

Kapitel 12 – Daniels 70 Wochen.........................................................................113

Kapitel 12 – Daniels 70 Wochen.........................................................................113

Die Auslegung der populären Eschatologie.........................116

70 kommt unmittelbar nach 69.........................................118

Ein dritter Tempel?................................................................118

Hat Gott zwei Völker?............................................................119

Augustinus, der Kirchenvater ............................................120

Eusebius, ein weiterer Kirchenvater ..............................120

Die Auslegung der Eschatologie der Hoffnung...................121

Er wird den Bund mit seinem Volk stärken..................121

Zur Hälfte der Woche wird er die Schlachtopfer aufhören

lassen...................................................................................122

11


7 Jahre Gunst für Israel.........................................................122

Auf den Flügeln von Gräueln wird ein Verwüster kommen...............................................................................................123

DAS KÖNIGREICH: JETZT!..............................................................................124

DAS KÖNIGREICH: JETZT!..............................................................................124

Kapitel 13 – Die Endzeitreden Jesu...................................................................125

Kapitel 13 – Die Endzeitreden Jesu...................................................................125

12

Die 1. Frage: Wann wird dies sein?.............................................................125

Die 1. Frage: Wann wird dies sein?.............................................................125

Eusebius.....................................................................................127

Nicht ein Stein..............................................................................................128

John Wesley...............................................................................129

Auf dem Ölberg............................................................................................129

Die erste Frage der Jünger..........................................................130

Innerhalb einer Generation.......................................................130

Origines von Alexandria ......................................................131

Die Antwort Jesus auf die erste Frage der Jünger: Mt 24, 4-22........132

Die Antwort Jesus auf die erste Frage der Jünger: Mt 24, 4-22........132

Falsche Christusse......................................................................................132

Hieronymus ..............................................................................133

John Wesley...............................................................................133

Eusebius.....................................................................................133

Kriege und Kriegsgerüchte......................................................................133

Hungersnöte..................................................................................................134

Eusebius.....................................................................................134

Erdbeben........................................................................................................134

Verfolgung......................................................................................................134


Falsche Propheten......................................................................................135

Judaismus.........................................................................................136

Gnosis.................................................................................................137

Der Antichrist...............................................................................................137

Das Evangelium in aller Welt..................................................................143

Justin der Märtyrer ................................................................143

Eusebius.....................................................................................143

Charles H. Spurgeon...............................................................144

Flieht aus Judäa............................................................................................144

Flieht in die Berge.......................................................................................145

Am Sabbath...................................................................................................146

Auf dem Dach................................................................................................146

Der Gräuel der Verwüstung.....................................................................146

Johannes Chrisostomos .......................................................147

Die grosse Flucht.........................................................................................147

Beda Venerabilis .....................................................................147

Eusebius.....................................................................................148

Kapitel 14 – Die große Trübsal............................................................................149

Kapitel 14 – Die große Trübsal............................................................................149

Während der Belagerung von Jerusalem ….............................................149

Während der Belagerung von Jerusalem ….............................................149

… verhungerten Menschen reihenweise............................................149

FLAVIUS JOSEPHUS ...............................................................150

… assen die Bewohner sich gegenseitig auf......................................150

… wurden unzählige Menschen aufgeschlitzt..................................150

… wurden vielen die Hände abgehackt...............................................150

Bei der Eroberung Jerusalems ….................................................................151

13


Bei der Eroberung Jerusalems ….................................................................151

Falsche Christusse......................................................................................152

Die Leiche und die Adler..........................................................................153

Drei Fragen oder eine?..............................................................................154

Kapitel 15 – Das Kommen des Menschensohnes.........................................155

Kapitel 15 – Das Kommen des Menschensohnes.........................................155

die zweite Frage der Jünger...........................................................................157

die zweite Frage der Jünger...........................................................................157

Sein Kommen in Kraft................................................................................157

Das Neue und das Alte...............................................................................158

Alsbald aber …..............................................................................................159

Johnathan Edwards................................................................159

Die Sonne erlischt.......................................................................................159

Die Lichter gehen aus................................................................................161

Das Zeichen des Menschensohnes.......................................................161

„Erde“ oder „Land“?....................................................................................163

Auf den Wolken............................................................................................164

Engel sammeln die Auserwählten........................................................165

Der Feigenbaum...........................................................................................165

Diese Generation ….....................................................................................166

Johannes Calvin ......................................................................166

Kapitel 16 – Der Tag des Herrn...........................................................................168

Kapitel 16 – Der Tag des Herrn...........................................................................168

14

Die dritte Frage der Jünger.............................................................................168

Die dritte Frage der Jünger.............................................................................168

Himmel und Erde vergehen....................................................................168

Charles H. Spurgeon...............................................................168


Keine Zeitangabe mehr.............................................................................169

Jesus kommt! – Bist du bereit?...............................................................169

Kapitel 17 – Neuer Himmel, neue Erde!?........................................................173

Kapitel 17 – Neuer Himmel, neue Erde!?........................................................173

Anthony Hoekema..................................................................175

Kapitel 18 – Wo um alles in der Welt ist der Himmel?...............................177

Kapitel 18 – Wo um alles in der Welt ist der Himmel?...............................177

Randy Alcorn............................................................................179

Fremdlinge auf Erden?..............................................................................180

Ein Haus im Himmel?................................................................................182

Ein Volk ohne Vision geht zugrunde.................................................................185

Ein Volk ohne Vision geht zugrunde.................................................................185

Schlusswort................................................................................................................. 187

Schlusswort................................................................................................................. 187

Anhang A – Die Offenbarung: Ein Buch mit sieben Siegeln?....................189

Anhang A – Die Offenbarung: Ein Buch mit sieben Siegeln?....................189

Ein Buch der Ermutigung für die erste Gemeinde................................189

Ein Buch der Ermutigung für die erste Gemeinde................................189

Bibeltreu = Wörtlich?.......................................................................................189

Bibeltreu = Wörtlich?.......................................................................................189

Ein prophetisch-poetisches Buch................................................................193

Ein prophetisch-poetisches Buch................................................................193

Vergangenheit oder Zukunft?........................................................................194

Vergangenheit oder Zukunft?........................................................................194

Das Wort „Bald“...........................................................................................195

Die Adressaten.............................................................................................195

Das 1000-jährige Reich.............................................................................197

15


Es wird nur an einer Stelle erwähnt.......................................198

Der Starke ist bereits gebunden!.............................................198

David Chilton............................................................................200

Anhang B – Wann wurde die Offenbarung geschrieben?..........................202

Anhang B – Wann wurde die Offenbarung geschrieben?..........................202

Der sechste König........................................................................................203

Die Erwähnung des Tempels..................................................................204

Die Rolle des Kaisers Nero.......................................................................204

Das jüdische Christentum........................................................................206

Der drohende Krieg....................................................................................207

Anhang C – Bibliographie......................................................................................209

Anhang C – Bibliographie......................................................................................209

Weitere Literatur......................................................................................................210

Weitere Literatur......................................................................................................210

Anhang D – Anmerkungen....................................................................................213

Anhang D – Anmerkungen....................................................................................213

16


EINLEITUNG

Die Bibel ist ein Buch des Sieges, ein Buch des Glaubens und der

Hoffnung! Sie beschreibt den Sieg des Guten über das Böse, den Sieg

des Himmels über die Hölle, den Sieg der Erlösung über die Sünde,

den Sieg der Kinder Gottes über Satan und den Sieg des Evangeliums

in der ganzen Schöpfung. Während die Gemeinde diese Wahrheit

des Sieges im Leben des einzelnen Gläubigen immer mehr zu verstehen

und zu praktizieren beginnt, blieb bisher ein Gebiet davon meist

unberührt: die Eschatologie i .

Ich bin als Sohn eines Predigers – so nannte man die Leiter von Gemeinden

damals - in einer Pfingstgemeinde der 70er und 80er Jahre

des letzten Jahrhunderts aufgewachsen. Dazu muss ich sagen, dass

ich Gott und meinen Eltern für dieses Erbe von ganzem Herzen

dankbar bin. Neben der Lehre über die Geistestaufe und die Geistesgaben

war immer wieder das Thema „Endzeit“ tonangebend. Besonders

bei Evangelisationen wurde die baldige Wiederkunft Jesus

häufig erwähnt. Der Satz „Jesus kommt bald! Bist du bereit?“, war

schon fast zum Schlachtruf geworden. Das Thema „Entrückung“

sorgte in meinem jungen Leben so manches Mal für eine ehrfürchtige

Gänsehaut. Natürlich wollte keiner von uns - ich habe noch vier

weitere Geschwister - zurückbleiben, wenn der Herr kommt. So geschah

es nicht nur einmal, dass wir als Kinder zu Hause ängstlich

auf die verspätete Rückkehr unserer Eltern von der Gebetsstunde

warteten, in der bangen Hoffnung, dass die Entrückung noch nicht

gewesen sei.

Im Lauf meiner christlichen Erfahrung bin ich immer wieder lieben

Mitgläubigen begegnet, die von großer Angst und Sorge geplagt

schienen, wenn es um das Thema Endzeit ging. „Werde ich wohl genug

Kraft haben in der Verfolgung der „großen Trübsal“? Was ist,

wenn ich als Märtyrer sterben muss? Werde ich meinen Glauben widerrufen

oder Jesus treu bleiben? Werde ich wirklich bereit sein,

wenn Jesus kommt?“

Da ich mich bei diesem Thema nie wohl fühlte, trat es in meinem Bewusstsein

allmählich immer mehr in den Hintergrund. Ich beschäftigte

mich mehr mit anderen, viel freudigeren und angenehmeren

Themen des Wortes Gottes. Schließlich rief Gott mich in seinen

Dienst und ich begann mein Studium an einem theologischen Semi-

17


nar. Auch in dieser Zeit widmete ich dem Thema Endzeit nicht mehr

Aufmerksamkeit als gerade nötig. So fiel es mir nicht im Traum ein,

Studienkurse wie „Eschatologie“ oder „biblische Prophetie“, die als

Wahlfächer angeboten wurden, zu belegen. Stattdessen bewegten

uns Themen wie „körperliche Heilung“ oder „Befreiung von dämonischen

Bindungen“ und natürlich mussten wir uns mit der damals gerade

in Deutschland aufbrechenden Glaubensbewegung auseinandersetzen.

Eines hat mich schon damals bewegt und wird mich immer

antreiben: Ich möchte genau dort sein, wo der Heilige Geist mit

seinem lebendigen, erfrischenden und erneuernden Wirken im Leib

Jesus an der Arbeit ist.

Schon vor meiner Zeit auf der Bibelschule war landauf und landab in

Predigten, Konferenzen und Seminaren immer mehr zu hören von

der „herrlichen Gemeinde“. Eine regelrechte Lobpreis- und Anbetungs-Welle

schwappte über die charismatisch-pfingstliche Gemeindelandschaft.

Während manche in abschätzigem Ton die verschiedenen

Wellen als geistliche Modetrends kritisieren, glaube ich, dass

diese Wellen gottgegeben und sehr wirksam sind. Die Flut kommt

durch Wellen! Und das erwarten wir: die Herrlichkeit Gottes, die die

Erde bedeckt, wie die Wasser das Meer. Im Zuge der damaligen Lobpreiswelle

hörte ich zum ersten Mal etwas von der Wiederherstellung

der Hütte Davids und davon, dass es Gottes Absicht sei, die ganze

Erde mit seiner Herrlichkeit zu erfüllen. „Der Bräutigam kommt

wieder, für eine herrliche Braut“. Diese Botschaft packte mich und

wurde in mir zu einem tiefen Verlangen: ich möchte dabei helfen,

dass diese Gemeinde herrlich wird. Ich kann mich noch sehr gut an

einen Moment in einem Gottesdienst auf der Bibelschule erinnern,

als wir während einer Anbetungszeit ein Lied sangen, von dem eine

Zeile hieß: „... herrlich schreitet seine Braut einher“. Während ich

diese Worte sang, packte mich der Heilige Geist mit einem starken

Weinen unter einer Fürbittelast, so dass ich in meinem Herzen

schrie: „Aber Herr, deine Braut ist doch alles andere als herrlich!

Lass´ sie herrlich werden!“

Während mein Herz immer mehr für die herrliche und siegreiche

Gemeinde entbrannte, drängte ich unbewusst immer wieder die leisen

Anfragen meiner eschatologischen Prägung zurück. Doch war

ich mir stets der Diskrepanz bewusst, mit der ich mich nicht zu befassen

wagte. Sie lautete ungefähr so:

18


Wenn die Gemeinde herrlich sein wird, warum muss sie sich

dann aus Angst vor dem Zeichen des Tieres im Wald verstecken?

Wenn die Gemeinde siegreich sein wird, warum muss Gott

sie dann in einer Rettungsaktion „entrücken“, um sie vor

dem totalen Untergang zu bewahren?

Wenn die ganze Erde voll sein wird mit der Herrlichkeit des

Herrn, wo bleiben dann der Antichrist und sein satanisches

Weltreich?

Man könnte noch einige Fragen hinzufügen. Ich denke jedoch, dass

diese genügen, um das Wesen der von mir empfundenen Diskrepanz

aufzuzeigen. Es geschah vor ca. vier Jahren, dass ich sehr deutlich

hörte, wie Gott mich rief: „Studiere mein Wort in Bezug auf die Endzeit!“

Das vorliegende Buch ist das Resultat dieses Studiums. Ich war

überrascht, als ich zu entdecken begann, dass das Thema Endzeit

nicht irgendein unbedeutendes Randthema ist, über das man ruhig

unterschiedlicher Meinung sein kann. Unsere Überzeugungen vom

Ende sind sehr wohl prägend und bestimmend für unser momentanes

Handeln. Vielleicht, lieber Leser, bewegen dich auch ähnliche

Fragen, wie ich sie oben formuliert habe. Eventuell hast auch du die

Schlagzeilen und -worte über die „herrliche Gemeinde“ in manchen

Predigten und Konferenzen gehört, aber nie wirklich tiefere Erklärungen

dazu bekommen. Sollte dies der Fall sein, dann hoffe ich,

dass dieses Buch dir einige Antworten geben wird.

Der Leser wird bald feststellen, dass ich in diesem Buch nicht in erster

Linie versuchen werde, einzelne Aussagen der Endzeitreden

oder biblischer Prophetie zu nehmen, um sie irgendeinem zukünftigen

Ereignis zuzuordnen. Dieses Vorgehen wird leider allzu oft von

Endzeitlehrern angewendet. Dabei entstehen zwar packende und

spannende Romane, mit denen man auch gut Geld verdienen kann.

Doch kein ernsthafter Theologe wird die Bibel mit der Abendzeitung

auslegen. Mein Anliegen ist ein anderes: um den Plan Gottes mit der

Erde zu verstehen, müssen wir sein Wesen, sein Herz und seine Absichten

(er)kennen. Ich versuche, mit diesem Buch zuallererst darüber

Einsicht zu schenken. Nur wenn wir die allgemeinen und

grundsätzlichen Gedanken Gottes verstehen, können wir daraus auf

die Bedeutung einzelner Ereignisse schließen und die Aussagen der

Bibel richtig einordnen.

19


Dieses Prinzip möchte ich am Beispiel des vor einiger Zeit in den Kinos

gezeigten Films „Die Passion Christi“ von Mel Gibson verdeutlichen.

Der Film zeigt auf eindrückliche und realistische Weise die

konkreten Ereignisse um die Kreuzigung und das Leiden Jesus. Leider

konnten viele Kinobesucher diesen Film nicht verstehen, weil

sie nur sahen, WAS geschah, aber nicht verstanden, WARUM es geschah.

Erst im Licht von Gottes Wesen der selbstlosen und bedingungslosen

Liebe einerseits und der absoluten Gerechtigkeit und

Heiligkeit andererseits, kann man die Notwendigkeit eines solch blutigen

Opfers verstehen. So ist es auch mit den Einzelaussagen der

Offenbarung und der Endzeitreden Jesus. Nur durch eine tiefe Erkenntnis

über das Wesen und die Absichten Gottes kann Licht in diese

oft schwer verständlichen Aussagen kommen und wir können

plötzlich Zusammenhänge verstehen, die uns zuvor verschlossen

waren. Deshalb möchte ich zuallererst etwas über den Charakter

und die grundlegenden Absichten und Gedanken Gottes vermitteln.

Erst in zweiter Linie werde ich versuchen, einzelne Aussagen der Bibel

über die Endzeit verständlich zu machen. Dass meine Auslegungen

in vielem von den gängigen evangelikalen und charismatischen

Auslegungen abweichen, möchte ich jetzt schon erwähnen. Wäre

dies nicht der Fall, gäbe es keine Notwendigkeit für dieses Buch.

Zum Schluss dieser Einleitung muss ich unbedingt erwähnen, dass

ich mehr denn je von der herrlichen Gemeinde der Endzeit überzeugt

bin. So wie ein mit uns verbundener Missionar und Apostel

aus Mexiko zu pflegen sagt: „God's planning on winning!“ (Gott hat

vor, zu gewinnen). Bei allem „Gemeindefrust“, der sich mancherorts

in unserer Zeit breit macht, glaube ich zutiefst, dass es am Ende nur

EINE wirklich große Erfolgsstory auf der ganzen Erde geben wird,

nämlich die von Jesus Christus und seiner Gemeinde! Zugegeben, im

Moment sehen wir die herrliche Gemeinde noch nicht in ihrer vollen

Pracht. Doch was hindert uns, gerade deswegen für eine neue Reformation

aufzustehen!

20


TEIL 1:

DAS

REICH

GOTTES

Unser Vater in dem Himmel!

Dein Name werde geheiligt.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.

Unser täglich Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie wir unseren Schuldigern vergeben.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Übel.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft

und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen!

23


KAPITEL 1 – MEIN REICH KOMMT!

„Das Reich Gottes“ ist eines der Hauptthemen des Neuen Testaments.

Dieses Reich anzukündigen, war die zentrale Botschaft von

Jesus Christus.

Nachdem aber Johannes überliefert war, kam Jesus nach Galiläa,

predigte das Evangelium des Reiches Gottes und sprach:

Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen.

Tut Buße und glaubt an das Evangelium. (Markus 1,14+15)

Jesus tat dies unter anderem mit vielen Gleichnissen, die das Reich

Gottes beschreiben. Auch heute ist dieser Begriff in der christlichen

Szene in aller Munde. Doch habe ich festgestellt, dass nicht jeder, der

diesen Begriff benutzt, dasselbe meint. Was bedeutet es also, wenn

die Bibel vom „Reich Gottes“ oder auch vom „Himmelreich“ redet?

HIMMELREICH ODER REICH GOTTES?

Manche Ausleger unterscheiden zwischen dem Himmelreich und

dem Reich Gottes. Sie sprechen vom Reich Gottes als dem momentanen

(nur geistlichen) Reich in uns durch Jesus Christus und auf der

anderen Seite vom Himmelreich als dem zukünftigen und sichtbaren

Reich Gottes.

Diese These ist meiner Meinung nicht haltbar, da die Begriffe von Jesus

selbst austauschbar benutzt werden. Auch die Schreiber der

Evangelien benutzen die beiden Begriffe synonym. So nimmt Matthäus

sehr oft den Begriff „Himmelreich“, während Markus an denselben

Stellen den Begriff „Reich Gottes“ benutzt. Wenn wir in einem

späteren Kapitel näher auf die Bedeutung und Definition des Begriffes

„Himmel“ eingehen, wird es klarer werden, warum die beiden

Begriffe austauschbar sind. Im Moment sei nur eine Stelle aus dem

Alten Testament zitiert, die den Zusammenhang verdeutlicht:

Jahwe hat in den Himmeln festgestellt seinen Thron, und sein

Reich herrscht über alles. (Psalm 103,19)

Ausgehend vom Thron Gottes, der in den Himmeln ist, erstreckt sich

Gottes Herrschaft über die ganze Schöpfung. Die Himmel sind übrigens

auch ein Teil von Gottes Schöpfung:

Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. (1. Mo 1,1)

25


Dies vergessen wir nur allzu oft, - doch auch dazu später mehr. Als

David diese Wahrheit in Vers 19 erkennt, ruft er voller Begeisterung

in den nächsten Versen alle Geschöpfe Gottes, angefangen von den

Engeln über die Heerscharen und alle Werke Gottes bis hin zu seiner

eigenen Seele dazu auf, Gott anzubeten und zu preisen. Dankbarkeit,

Lobpreis und Anbetung ist übrigens immer eine Auswirkung der Königsherrschaft

Gottes. Es ist zudem eine interessante Tatsache, dass

in den Psalmen Davids fast die einzigen Stellen zu finden sind, wo

der Begriff des „Königreichs Gottes“ im Alten Testament benutzt

wird.

Das „Reich Gottes“ ist also auch gleichzeitig das „Himmelreich“, da

der Ursprung der göttlichen Autorität von den Himmeln ausgeht.

Diese „Stoßrichtung“ vom Himmel auf die Erde wird uns auf den Seiten

dieses Buches noch öfter beschäftigen. Doch was hat es nun mit

diesem Reich auf sich, das Jesus angekündigt hat?

GOTTES HERRSCHAFTSBEREICH

Der hebräische Begriff MALKUTH für Königreich im Alten Testament

ist von der Bedeutung her ziemlich deckungsgleich mit dem griechischen

BASILEIA, das im Neuen Testament dafür verwendet wird.

Beide Begriffe beschreiben den Einflussbereich und die Herrschaftsautorität

eines Königs. Wenn wir vom „Reich Gottes“ sprechen, dann

meinen wir also nicht eine Organisation oder eine Gruppe von Menschen,

sondern wir sprechen von der dynamischen Herrschaft oder

der Einflussnahme Gottes. Aus diesem Grund können wir das Reich

Gottes auch nicht „bauen“, wie wir es so oft in christlichen Kreisen

hören: „Wir bauen Reich Gottes!“. Das ist Unsinn. Gottes Herrschaft

und Autorität ist kein Gebäude. Man kann sie nicht bauen, man kann

sie höchstens ausbreiten und anwenden.

IST DIE GEMEINDE UND DAS REICH GOTTES DASSEL-

BE?

Im Gegensatz zum Reich Gottes kann die Gemeinde sehr wohl gebaut

werden, weil sie in Wirklichkeit ein geistliches Gebäude ist –

sein Tempel. Doch selbst hier geht die Initiative nicht in erster Linie

von uns aus, hat doch Jesus gesagt:

26


Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen

will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen

sie nicht überwältigen. (Mt. 16,18 - SLT)

Während BASILEIA (Königreich) im Neuen Testament von der dynamischen

Herrschaft Gottes und seinem Einflussbereich spricht, bezeichnet

das Wort EKKLESIA (die Herausgerufenen/die Gemeinde)

die Menschen, durch die Gott seinen Einflussbereich und seine Herrschaft

aufrichten will.

Der Begriff EKKLESIA ist für sich ein Studium wert. Sehr oft wird in

der Verkündigung die wörtliche Übersetzung dieses griechischen

Begriffs verwendet: „die Herausgerufenen“. Das beschreibt mit Sicherheit

sehr gut einen wichtigen Aspekt der Gemeinde. Wir sind

das von Gott abgesonderte „Volk seines Eigentums“, eine „heilige Nation“.

Jeder wiedergeborene Mensch, der zur EKKLESIA gehört, wurde

von Gott aus dem Reich der Finsternis heraus gerettet und in sein

eigenes Reich hinein versetzt. „Die Herausgerufenen“ beschreibt somit

wunderbar, wer die Gemeinde ist.

… der uns errettet hat aus der Gewalt der Finsternis und versetzt

in das Reich des Sohnes seiner Liebe. (Kol. 1,13)

Das Wort EKKLESIA hat jedoch neben der wörtlichen auch eine historische

Bedeutung, die man nicht außer Acht lassen darf. Es

scheint, als ob Paulus und die anderen Schreiber des Neuen Testaments

einen völlig neuen Begriff suchen mussten, um diese neu entstandene

Gemeinschaft der Heiligen zu bezeichnen. Das Wort SYN-

AGOGE konnte dabei nicht dienen, da es die offizielle Bezeichnung

für die jüdische Gemeinschaft war, von der sich die erste Gemeinde

unterschied und sich zwangsläufig von ihr distanzieren musste.

Wenn wir nun die historische Bedeutung des Wortes EKKLESIA betrachten,

dann könnte man davon sehr wohl etwas vom Selbstverständnis

der ersten Gemeinde und der Apostel ableiten. Weshalb hat

die erste Gemeinde diesen Begriff gewählt?

EKKLESIA war die damalige Bezeichnung für den Stadtrat oder das

Parlament einer griechischen Stadt. Es war eine Gruppe von „herausgerufenen“

oder „ausgewählten“ Männern, die regelmäßig zusammen

kamen, um die Stadt zu regieren. Sie erließen Gesetze, auch

Dekrete (= amtliche Beschlüsse), und waren die Gerichtsbarkeit der

27


damaligen griechischen Stadtstaaten. Die EKKLESIA war sozusagen

die Regierung der damaligen Gesellschaft.

Indem nun die erste Gemeinde diesen Begriff für sich selbst wählte,

brachte sie zum Ausdruck, wovon sie überzeugt war: die Autorität

des Reiches Gottes ist uns gegeben! Die Gemeinde ist berufen und

bestimmt, mit Christus zu regieren!

Das Reich Gottes und die Gemeinde sind nicht dasselbe. Aber die Gemeinde

ist das Werkzeug oder das Mittel, wodurch Gott sein Reich,

seine Regierung auf dieser Erde aufrichtet.

DEIN REICH KOMME!

Seine Herrschaft auszubreiten - genau das ist Gottes Verlangen und

seine Absicht von Anfang an.

Als Gott Adam und Eva erschuf, gab er ihnen einen dreifachen Auftrag:

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und

mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan

und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel des

Himmels und über alles Lebendige, was auf Erden kriecht! (1.

Mo 1,28)

Als Erstes sollten die Menschen sich vermehren. Das nenne ich den

„Multiplikations-Auftrag“. Auch im Neuen Testament sehen wir enormes

Wachstum, wo Gott durch den Heiligen Geist zu wirken beginnt.

Die Gemeinde in Jerusalem hatte bald nach Pfingsten über 10.000

Mitglieder und „der Herr tat täglich hinzu“. Gott ist ein Gott der Multiplikation,

und weil wir in seinem Bild geschaffen sind, hat er auch

uns diesen Auftrag gegeben.

Der letzte Auftrag war der „Herrschafts-Auftrag“. Der Mensch war

bestimmt, über den Rest von Gottes Schöpfung zu herrschen. Dies

drückt sich - zu oft leider auch durch Sünde pervertiert - in der

enormen Entwicklung von Technologie, Wissenschaft und Kunst aus,

durch die der Mensch eindeutig als „herrschende Spezies“ in dieser

Welt regiert.

Doch um in Gottes Sinn über die Erde zu herrschen, musste der

Mensch sie sich zuerst „untertan“ machen (hebr. KABASH). Dies war

der zweite Auftrag, der „Unterwerfungs-Auftrag“. Dieses „Untertan

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machen“ oder wie andere es mit „Unterjochen“ oder „Unterwerfen“

übersetzen, beinhaltet ohne Zweifel den Aspekt der Gewaltanwendung.

An einer Stelle im Buch Ester wird dieses Wort sogar für eine

Vergewaltigung verwendet 1 . „Die Erde untertan machen“ bedeutete

nicht einfach, dass Adam und Eva und ihre Nachkommen sich langsam

über die Erde ausbreiteten, sondern sie sollten sie erobern. Hier

entdecken wir zum ersten Mal in der Bibel die Anwendung dieser

Regierungsgewalt oder Autorität des Reiches Gottes, von der wir gerade

sprechen. Gott selbst überträgt also Adam und Eva seine Herrschaft

über die ganze Erde und gibt ihnen den Auftrag, diese Autorität

anzuwenden. Doch wieso sollten sie die Erde erobern? Wenn es

ein Land zu erobern oder zu unterwerfen gilt, dann gibt es auch immer

einen Feind, dem man es abnehmen muss. Eine weitere Stelle

im Alten Testament, wo KABASH verwendet wird, verdeutlicht dies:

Ist nicht der HERR, euer Gott, mit euch und hat euch Ruhe gegeben

umher? Denn er hat die Einwohner des Landes in meine

Hand gegeben, und das Land ist unterworfen (hebr.: KABASH)

dem HERRN und seinem Volk. (1. Chr. 22,18 - LUT)

Hier spricht David von seinen Eroberungen. Der Herr und sein Volk

haben das Land dadurch unterworfen (KABASH), dass die vorherigen

Bewohner des Landes in ihre Hände gegeben wurden. Nun, wir

wissen aus der Geschichte der Landeinnahme, dass es Gottes Auftrag

an das Volk Israel war, alle Bewohner des verheißenen Landes

als Feinde zu besiegen und zu vernichten. Dieses Vorgehen ist eindeutig

die Kernbedeutung von KABASH.

Doch wen sollten Adam und Eva besiegen? Ein weiterer Auftrag Gottes

an die ersten Menschen hilft uns, diese Frage zu beantworten:

Und Jehova Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den

Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren (hebr..:

SHAMAR). (1. Mo 2,15)

Der wunderschöne Garten Eden bedurfte also bereits im paradiesischen

Zustand der Bebauung und der Bewahrung. Das Erste ist ein

Hinweis darauf, dass Arbeit als solches keine Folge des Sündenfalls

ist. Deshalb werden wir auch in der Ewigkeit nicht von Gottes Arbeitslosengeld

leben, sondern eine sinnvolle Tätigkeit haben. Allerdings

ist Arbeit, die keine Früchte trägt, sehr wohl ein Fluch.

1 Ester 7, 8

29


Neben dem Bebauen sollten die Menschen den Garten auch bewahren.

Ganz eindeutig bedeutet das hebräische Wort SHAMAR: „Etwas

vor Eindringlingen schützen“. Dasselbe Wort wird später verwendet,

als beschrieben wird, wie die Engel mit dem flammenden Schwert

den Garten nach dem Sündenfall bewachten:

Und er vertrieb den Menschen und ließ östlich vom Garten

Eden die Cherubim lagern mit dem gezückten flammenden

Schwert, zu bewahren (hebr.: SHAMAR) der Weg zum Baume

des Lebens. (1. Mose 3,24)

Hier wird die Bedeutung des Wortes SHAMAR sehr schön deutlich.

Der Mensch sollte also den Garten Eden vor Eindringlingen bewahren.

Die fatalen Folgen dessen, dass der Mensch bei diesem Auftrag

versagte, lesen wir in der Geschichte des Sündenfalls in Kapitel 3.

Woher kam nun plötzlich diese Schlange? Hatte nicht Gott gerade

die Erde geschaffen? War die Schöpfung nicht vollkommen und perfekt?

Ich möchte an dieser Stelle nicht darüber argumentieren, ob in

1. Mose 1 die Neuschöpfung der Erde oder eine Wiederherstellung

von etwas Verwüstetem beschrieben wird. Beide Möglichkeiten stehen

vom Text her offen. Ob es nun der Satan war, der nach seiner Rebellion

auf die Erde geworfen, Gottes Schöpfung verwüstete, wird

uns nicht gesagt. Auf jeden Fall wird uns mitgeteilt, dass er auf der

Erde war und dass Adam und Eva den Garten vor ihm bewahren

sollten. Die Erde war also kein unbesetztes Land. Da gab es bereits

von Anfang an einen Feind, den es zu besiegen galt und dem man

das Land abnehmen und die Erde untertan machen musste.

Doch dazu kam es gar nicht. Satan - der größte Feind des Menschen -

drang in Form der Schlange in den Garten ein und verführte den

Menschen zum Unglauben und Ungehorsam gegenüber Gott. Dieser

Hochverrat an der Liebe Gottes hatte den totalen Verlust der Herrlichkeit

Gottes auf ihrem Leben und ihren geistlichen Tod zur Folge.

Während sie zuvor mit der Herrlichkeit Gottes umkleidet waren,

fühlten sie sich nun plötzlich nackt. Schließlich wurden sie aus dem

Garten verbannt und ein Tod auf Raten begann.

Der Mensch hatte bereits beim Auftrag, den Garten zu bewahren,

versagt. Was wäre denn Gottes Plan gewesen, falls Adam und Eva

nicht versagt hätten? Ich könnte es mir ungefähr so vorstellen:

Adam und Eva als „Agenten Gottes“ sollten nicht nur den Garten bewahren,

sondern die Herrlichkeit und Gegenwart Gottes auch außer-

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halb des Gartens überall auf der Erde ausbreiten. Dabei wäre der

„Unterwerfungs-Auftrag“ zum Tragen gekommen. Spätestens außerhalb

des Gartens wären sie - früher oder später - sowieso der

Schlange begegnet. Doch diesmal nicht defensiv, sondern offensiv.

Gottes Absicht war es also, dem Menschen Autorität und Herrschaftsgewalt

zu übertragen, damit dieser mit seinen Nachkommen

in Gottes Auftrag die ganze Erde mit seiner Gegenwart und Herrlichkeit

erfüllen sollte. Gott wollte durch den Menschen auf Erden herrschen.

Adam und Eva hatten den Auftrag, den Teufel von der Erde

zu verbannen. Wenn wir diesen Zusammenhang verstanden haben,

wirft dies plötzlich auch ein ganz neues Licht auf das viel diskutierte

Thema der geistlichen Kampfführung und des territorialen Gebets.

So sagt Jesus an einer Stelle:

Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe,

so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen! (Lk 11,20)

Mit ganz einfachen Worten gesagt: Das Reich Gottes auszubreiten

bedeutet, den Teufel und seine Dämonen raus zu werfen.

Da der Mensch jedoch in seinem Auftrag, Herrscher zu sein, versagte,

wurde er zum Sklaven und Handlanger des Teufels. Als Nachäffer

Gottes will dieser selbst genau dasselbe wie Gott: die Erde mit seiner

„Herrlichkeit“ erfüllen. So lesen wir dann, was schon nach einigen

Generationen geschah:

Als aber der HERR sah, dass des Menschen Bosheit sehr groß

war auf Erden und alles Gebilde der Gedanken seines Herzens

nur böse allezeit, ... (1. Mose 6,5)

Satan war dabei, die Erde mit seiner Bosheit zu erfüllen. Doch bereits

beim Sündenfall kündigte Gott durch Prophetie an, dass der

Kampf auch nach dem Versagen des Menschen weitergehen würde.

Es würde nämlich einmal einer geboren werden; auch ein Mensch -

„der Same der Frau“ - der all das wieder rückgängig machen und

dem Teufel den Kopf zertreten würde. Der Kopf spricht von Herrschaft,

aber auch von Plänen und Gedanken. Jesus Christus hat diese

Prophetie letztendlich erfüllt und er ist gerade in diesem Moment

dabei, nachdem er auf Golgatha die Herrschaft des Teufels und seine

Pläne entmachtet hat, den Plan Gottes durch dich und mich wiederherzustellen.

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