kritisch nachgefragt

animal2000

kritisch nachgefragt

Spezial zur Bundestagswahl

Sie haben es in der Hand -

Bundestagswahl am 27.September 2009

* * * der neue Vorstand stellt sich vor * * *

* * * Wahlprogramme - kritisch nachgefragt * * *


Liebe Mitglieder und Freunde,

zum ersten Mal darf ich Sie von dieser Stelle aus als neuer

Vorsitzender begrüßen.

Frau Brücklmeier hatte sich bekanntlich nach vielen Jahren

an der Spitze des Verbands entschlossen, nicht mehr zu

kandidieren. Ihr sei auch an dieser Stelle ganz herzlich

gedankt für die vielen Opfer, die sie in dieser Zeit für die

Tiere auf sich genommen hat. Nachdem alles gute Zureden

bei ihr nicht half, habe ich mich als einer ihrer Stellvertreter

in die Pflicht nehmen lassen und bereit erklärt, den Vorsitz

zu übernehmen. Herzlichen Dank an meine Wähler bei der

letzten Mitgliederversammlung für das Vertrauen, das sie mir

entgegen gebracht haben. Ich verspreche, mein bestes für

den Verein, vor allem aber für die Tiere zu geben.

Meiner Ansicht nach ist unser Verband gut aufgestellt und

es besteht keinerlei Notwendigkeit, wesentliche Dinge zu

ändern. Mit der Wahl eines Münchner Vorstandsmitglieds

(Kathrin Schmid) ergibt sich aber hoffentlich die Möglichkeit,

unsere Münchner Aktivitäten zu intensivieren. Außerdem

wäre es uns ein Anliegen, den Kreis unserer Aktiven

zu erweitern. Hierzu wollen wir versuchsweise unsere

Vorstandssitzungen für Vertreter von Mitgliedsvereinen und

von befreundeten Gruppen öffnen. Des weiteren wollen

wir unsere Internet-Präsenz nicht nur durch Überarbeitung

Kathrin Eva Schmid 27, Vorstandsmitglied

unserer Homepage

verbessern, sondern auch

versuchen, die Leute (vor

allem junge Leute) über

modernere elektronische

Kommunikationswege

(facebook, twitter…) zu

erreichen. Hierzu suchen wir

einige „Internetsüchtige”.

Mein gesamtes

Vorstandsteam und ich

wünschen Ihnen eine

erholsame Urlaubszeit.

Tanken Sie bitte viel

Kraft, damit wir uns dann

gemeinsam stark machen

können für die Sache der

Tiere. Auch wenn es uns stets

zu langsam erscheint, es

lohnt sich, denn wir Tierschützer und Tierrechtler erreichen

durchaus etwas mit unserem Engagement

Dr. Pedro de la Fuente, Vorsitzender

Die beiden neuen Vorstandsmitglieder stellen sich vor

Ich bin seit über 15 Jahren Vegetarierin und ungefähr genauso lang auch schon

Mitglied bei animal 2ooo. Ich verurteile jegliche Art der Tierausbeutung. Darum

nutze ich jede Gelegenheit meine Mitmenschen auf dieses Unrecht aufmerksam zu

machen.

Oft werde ich gefragt, warum ich mich gerade für Tiere einsetze, wenn doch so

viele Menschen Hilfe benötigen würden. Ich finde, kein Leben ist mehr wert als

das andere.

Wir Menschen haben nicht das Recht uns über die Tiere zu stellen, nur weil wir

mächtiger sind. Erst wenn wir selbst uns zivilisiert verhalten, können wir auf

andere Länder deuten und auf deren Regierungen einwirken, für mehr Recht

und Gerechtigkeit und eine bessere Verteilung zwischen arm und reich unter den

Menschen sorgen.

Jürgen Kunz, stellvertretender Vorsitzender

Seit Anfang 1983 bin ich aktiv als Tierversuchsgegner in verschiedenen

Initiativen/Vereinen. Mitte 1983 wurde ich Vegetarier. Seit 1994 bin ich

Mitglied bei animal 2ooo.

In dieser Zeit habe ich zahlreiche Infostände, Mahnwachen,

Kundgebungen und Demonstrationen vorbereitet und durchgeführt.

Am „Welt-vegan-Tag“ 2003 wurde durch meine Initiative das „bündnis

tierrechte“ (www.tie-re.de) gegründet, dessen Sprecher ich bis heute

bin.

Meine Themenschwerpunkte sind Tierversuche, vegane Ernährung, Zoo

und Zirkus sowie Tierrechte allgemein. Neben animal 2ooo bin ich noch

für den Vegetarier Bund Deutschland und die tierbefreier aktiv.


Wahlprogramme – kritisch nachgefragt

Anstatt die üblichen Wahlprüfsteine an die Parteien zu schicken, haben wir uns diesmal überlegt, die Wahlprogramme von

Parteien, die wahrscheinlich im nächsten Bundestag vertreten sein werden, auf Tierschutz-Aussagen zu prüfen und kritisch

zu hinterfragen. Uns ist bewusst, dass die eine oder andere Frage schon als provokant kritisch aufgefasst werden könnte,

doch ist es unsere Überzeugung, dass dies die richtige Reaktion auf manch eine butterweiche Schönfärberei ist. „Böse” sind

unsere Fragen jedenfalls nicht gemeint und so hoffen wir, dass die Parteien uns dennoch antworten werden. Sowohl die

Fragen als auch evtl. Antworten sind nachzulesen unter http://wahlblog.animal2000.de/. Kommentare aus der Bevölkerung

sind dort erlaubt und erwünscht.

Machen Sie sich Ihr eigenes Bild und treffen Sie eine gute Wahl am 27. September 2009

CDU/CSU-Aussagen:

Gemeinsames Regierungsprogramm 2009 - 2013 von CSU und CDU zur

Bundestagswahl

CDU und CSU fühlen sich dem Tierschutz in besonderem Maße verpflichtet. Es ist uns

wichtig, den Tierschutz in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung im Einklang mit der

Wirtschaftlichkeit voranzubringen. Wir wollen unsere hohen Tierschutzstandards

EU-weit durchsetzen. Wir setzen uns dafür ein, dass Tiertransportzeiten in der EU weiter begrenzt werden. Zur Reduzierung

von Tierversuchen werden wir die Entwicklung von Ersatzmethoden weiter fördern. Auch im internationalen Tier- und

Artenschutz werden wir uns weiter engagieren.

Fragen von animal 2ooo:

„Wir wollen unsere hohen Tierschutzstandards EU-weit durchsetzen”: eine solche Formulierung ist bereits in dem vor 4

Jahren vereinbarten schwarz/roten Koalitionsvertrag enthalten. In der Zeit der „großen” Koalition wurde aber beispielsweise

unter der Federführung von Horst Seehofer in der EU ein Wert für die Besatzdichte von Masthähnchen festgelegt, der

nicht nur weit über dem wissenschaftlich empfohlenen liegt, sondern auch über den bisher in Deutschland geltenden

Maximalwert. Wie sollen wir einer Partei glauben, die bereits gestern nicht das eingehalten hat, was sie heute noch

verspricht?

SPD-Aussagen:

Sozial und Demokratisch. Anpacken. Für Deutschland.

Das Regierungsprogramm der SPD

Reform des Tierschutzgesetzes. Tierschutz ist uns ein wichtiges Anliegen. Wir würdigen

das hohe Engagement vieler Bürgerinnen und Burger in den Tierschutzverbänden. Die SPD hat

durchgesetzt, dass der Tierschutz im Grundgesetz verankert wird. Wir streben eine Novellierung

des Tierschutzgesetzes an. Wir wollen eine Reduzierung der Tierversuche. Wir wollen die

Bedingungen von Haltung und Transport landwirtschaftlicher Nutztiere tiergerechter ausgestalten.

Tierschutzsiegel. Der so genannte „Tierschutz-TÜV”, von der SPD durchgesetzt, bildet die

Grundlage für die Einführung von Tierschutzsiegeln. Wir werden diese, wenn nötig, auch als Vorreiter auf nationaler Ebene

einfuhren, wenn keine europaweite Regelung kurzfristig möglich ist. Verbraucherinnen und Verbraucher können dann beim

Einkauf direkt Einfluss auf mehr Tierschutz nehmen.

Fragen von animal 2ooo:

Als mündige Verbraucher wissen wir, dass viele Qualitätssiegel nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt werden. Um

dem entgegenzuwirken ist – eigentlich eine Selbstverständlichkeit – eine Beteiligung von Tierschützern bei der Erstellung

der Richtlinien für den „Tierschutz-TÜV” zu fordern. Ist dies im SPD-Konzept vorgesehen? Ferner ist zu befürchten, dass der

„Tierschutz-TÜV” dort vorankommt, wo es um die Legalisierung dubioser Standards geht (z.B. Kleinvoliere). Dort aber, wo

derzeitige Haltungsbedingungen verbessert werden müssten (z.B. Schweinemast), ist die Sache absehbar „zu bürokratisch”

oder aus anderen Gründen nicht angebracht. Wie will die SPD hier dagegen agieren?

FDP-Aussagen:

Die Mitte stärken. Deutschlandprogramm 2009

Programm der FDP zur Bundestagswahl 2009

Für die FDP hat der Tierschutz seit Jahren eine zentrale Bedeutung. Ein Meilenstein ist die

Verankerung des Tierschutzes als Staatsziel im Grundgesetz, die durch mehrere Initiativen der

FDP erreicht wurde. Im Mittelpunkt unserer zukünftigen Bemühungen steht die Verringerung der

Anzahl von Tierversuchen durch den verstärkten Einsatz von Alternativmethoden. Erfolgreicher

Tierschutz kann nur auf europäischer und internationaler Ebene und nicht durch nationale

Sonderwege verwirklicht werden. Schließlich setzt sich die FDP für eine artgerechte Tierhaltung

und -ernährung ein.


Fragen von animal 2ooo:

Wir wollen die Verdienste einzelner Politiker der FDP um den Tierschutz in der Vergangenheit nicht schmälern. Wir erinnern

uns ganz besonders an die klaren Worte von Theodor Heuss zur Jagd. Auch später hat sich die FDP um die Aufnahme

des Tierschutzes ins Grundgesetz zugegebenermaßen sehr verdient gemacht. Doch das war 2002 oder davor und seitdem

ist uns die FDP nicht als besonders tierschutzfreundlich aufgefallen. Im Gegenteil, wir erinnern uns daran, dass der in

der FDP für den Tierschutz verantwortliche Bundestagsabgeordnete die Einführung der „Kleinvoliere” für Legehennen als

Fortschritt gefeiert hat. Dürfen wir Ihre Ausführungen zum „erfolgreichen Tierschutz” so verstehen, dass die heutige FDP

es für nicht gut hält, wenn Deutschland voran geht und in einem Tierschutzbereich für andere in Europa oder international

Beispiel gebend ist? Wir erinnern z.B. daran, dass der EU-weite Handel mit Robbenprodukten als Folge einzelner nationaler

Alleingänge (auch Deutschlands) verboten worden ist.

Aussagen von Bündnis 90/Die Grünen:

Der grüne neue Gesellschaftsvertrag. Bundestagswahlprogramm 2009 von

Bündnis 90/Die Grünen

Auch der Schutz von Umwelt und Tieren macht Grenzziehungen für die Forschung nötig.

Alternativen zu Tierversuchen müssen konsequent an gewandt werden, die Erforschung von

Ersatzmethoden wol len wir verstärken. (…)

Grüne Verbraucherpolitik dient dem Klimaschutz. Gutes Le ben hängt für uns mit einem

nachhaltigen Lebensstil zusam men. Wer die quälerische Massenhaltung bei Tieren ablehnt und

saisonale Biolebensmittel kauft, tut sich etwas Gutes und sorgt außerdem für eine bessere Umwelt und sichere Arbeits plätze

in der Region. (…)

Staatsziel Tierschutz umsetzen

Das Staatsziel Tierschutz muss im Tierschutzrecht konsequent umgesetzt werden.

Wir GRÜNE setzen in der Landwirtschaft auf die artgerechte Haltung von allen Nutztieren. Dafür wollen wir die

Rahmen bedingungen schaffen, unter anderem durch Reformen und strikte Anwendung des Emissions-, Bau- und

Planungsrechts, um industrielle Massentierhaltungsbetriebe zu verhindern. So muss jegliche Käfighaltung von Legehennen

ausnahmslos verboten werden ebenso wie sämtliche Qualzuchten. Es darf bei allen mit Schmerzen verbunden Eingriffen

an Tieren keine Ausnahme von der Pflicht zur Schmerzausschaltung geben – auch für das Schlachten nicht. Tiertransporte

müssen zeitlich begrenzt werden. Auch in der Fischerei müssen Tier- und Ar tenschutz deutlich gestärkt werden.

Im Rahmen eines Nachhaltigkeitssiegels wollen wie eine Tier schutzkennzeichnung für alle Lebensmittel, um den

Verbrau cherinnen und Verbrauchern die Möglichkeit zu geben, sich be wusst für Produkte aus tiergerechter Haltung zu

entscheiden.

Tierversuche darf es nur dort geben, wo es keine Alterna tive gibt, die Gesundheit von Menschen, Umwelt und Tieren zu

schützen. Tierversuchsfreie Ersatzmethoden müssen besser erforscht und schneller in der Praxis eingesetzt werden. Als

Einstieg in den Ausstieg fordern wir eine jährliche Reduktion der Tierversuche in Deutschland um zehn Prozent.

Wir fordern ein Klagerecht für Tierschutzorganisationen und eine Bundesbeauftragte oder einen Bundesbeauftragten für

Tierschutz.

Fragen von animal 2ooo:

Viele der Aussagen Ihres Wahlprogramms entsprechen unseren Wünschen an die Politik. Doch ein wichtiger Aspekt

fehlt unserer Meinung nach: Wenn Sie von grüner Verbraucherpolitik und nachhaltigem Lebensstil schreiben, die dem

Klimaschutz dienen, warum wird zwar die Ablehnung der Massentierhaltung angesprochen, nicht aber der (mehr oder

weniger vollständige) Verzicht auf Nahrungsmittel tierischen Ursprungs? Gerade in Ihrer Partei müsste es sich doch

herumgesprochen haben, dass unsere Tierhaltung und der Verkehr ähnlich schädlich sind für die Umwelt. An sich wäre ja

eine Ökosteuer für Kühe angesagt…

Aussagen von Die Linke:

Konsequent sozial. Für Demokratie und Frieden.

Bundestagswahlprogramm 2009 der Partei DIE LINKE

DIE LINKE fordert:

- nachhaltige Landwirtschaft ausweiten: (…) den Tierschutz bei der Haltung und beim Transport deutlich verbessern; (…)

EU-Subventionen für soziale und ökologische Leistungen der Agrarbetriebe einsetzen und ihre Verteilung transparent

machen; (…)

- Natur bewahren und nachhaltig nutzen: (…) umfassende Informations-, Beteiligungs- und Klagerechte für Bürgerinnen

und Bürger sowie Umwelt- und Naturschutzverbände; generelles Verbot von Tierversuchen, die nur in besonderen

Ausnahmefällen durchgeführt werden dürfen – alternative Testmethoden müssen energischer erforscht werden;

Fragen von animal 2ooo:

Die Linke hat in ihrem Wahlprogramm eine Vielzahl von Forderungen aufgestellt, die in unserem Sinne sind. Angesichts der

Vielzahl interessiert uns aber eher, was in dem Forderungskatalog nicht enthalten ist: Hält Ihre Partei eine Forderung nach

der Verteilung von EU-Subventionen auch nach Tierschutzgesichtspunkten nicht für sinnvoll? Gibt es einen Grund, weshalb

ein Klagerecht für Tierschutzverbände nicht im Wahlprogramm gefordert wird?

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