Kap 7 Anwendungsbereiche der GBK.pdf - Institut für ...

iwhw.boku.ac.at

Kap 7 Anwendungsbereiche der GBK.pdf - Institut für ...

Gewässerbetreuung und

Gewässergestaltung

LVA 816.316

DLWT groß

Dienstag, 14:00 – 18:00

Mittwoch, 10:00 – 14:00

Bernhard PELIKAN

Department für Wasser – Atmosphäre – Umwelt;

Institut für Wasserwirtschaft, Hydrologie und konstruktiven Wasserbau – IWHW.

Universität für Bodenkultur Wien. Muthgasse 18, A-1190 Wien.

Tel: ++43 – 1 – 36006 – 5513 e-mail: bernhard.pelikan@boku.ac.at Web: http://iwhw.boku.ac.at/


Inhalte und Gliederung Kapitel 7

Anwendungsbereiche der GBK

7.1 Vegetation am Gewässer

7.2 Flußaltarme

7.3 Natürliche Überflutungsräume

7.4 Künstliche Überflutungsräume

Bernhard PELIKAN LVA 816.316 Gewässerbetreuung und Gewässergestaltung SS 2008


7.1 Vegetation am Gewässer

7.1.1. Bestandserhaltung

7.1.1.1 Maßnahmen zur Beweissicherung

Vor Beginn der Planungen oder Arbeiten an Gewässern sind die

örtlichen Gegebenheiten festzustellen und zu dokumentieren. Diese

Dokumentationen enthalten - angepaßt an die jeweilige Situation und

Fragestellung -

morphologische,

floristische

faunistische Bestandsaufnahmen

sowie auch Aufnahmen von

landschaftlich prägenden Elementen und

Nutzungsformen

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7.1 Vegetation am Gewässer

Die Dokumentationen dienen

der Beweissicherung,

der ökologischen Bewertung

als Grundlage für die Erzielung standortgerechter

Biotopverhältnissen.

als Schutz vor unbeabsichtigten negativen Auswirkungen

durch geplante Maßnahmen

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7.1 Vegetation am Gewässer

7.1.1.2 Bestandspflege und Bestandsverbesserung

• ökologisch hochwertige Bestände sind einer natürlichen Entwicklung

zu überlassen

• Pflegemaßnahmen sind auf jenes Maß zu beschränken, das für die

Erhaltung des gewünschten Bestandes nötig ist.

• Ziel ist ein Gehölzbestandes in unterschiedlichen Altersstufen

• Entfernung alter Bäume im Böschungsbereich nur bei tatsächlicher

Gefährdung

• Bei Erlen und Weiden eventuell "Auf-den-Stock-Setzen" in kleinen

Teilabschnitten nach einem Pflegeplan

• Totholz nicht entfernen da es Nahrung und Lebensraum für Insekten

und Vögel bietet. (Ausnahme: gravierenden Auswirkungen auf das

Abflußgeschehen und die Vermehrung von Forstschädlingen)

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7.1 Vegetation am Gewässer

Bei Arbeiten im Bestand ist zur größtmöglichen Schonung sorgfältig

auf die Wahl

der Methode,

des Zeitpunktes der Durchführung sowie

der zum Einsatz gelangenden Maschinen und Geräte

zu achten.

Der Zeitpunkt der Pflegearbeiten ist auf

die klimatischen Erfordernisse (Vegetationszeit) und

die Anforderungen des Naturschutzes abzustimmen.

Unrat, unerwünschte Stoffe und standortfremde Pflanzen sind -

abhängig vom erwünschten Bestandstyp- zu entfernen.

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7.1 Vegetation am Gewässer

• In Bestandslücken ist der Boden für eventuelle Nachpflanzungen

vorzubereiten.

• Entstehende Lücken bieten aber auch Möglichkeiten für

natürliche Sukzessionen. Ohne Notwendigkeit einer sofortigen

Begrünung (Erosionsschutz, Schutz vor Eintrag etc.) sollten

derartige Flächen sich selbst überlassen bleiben. Meist genügt

eine Bodenlockerung.

•Inintensiv genutzten Agrargebieten ist darauf zu achten, daß zum

Umland hin zumindest ein ausreichender Strauch- und

Krautsaum bestehen kann.

•Bei Nutzung von Gewässerrandstreifen durch Anrainer sind

Verträge abzuschließen, um sinnvolle Maßnahmen zu fordern

und schädliche zu unterbinden (Schutz vor Überalterung, Vermeidung

von Kahlschlägen über längere Strecken usw.). Ziel dieser Verträge

muß sein, die Schutzfunktion der gewässerbegleitenden Vegetation

zu erhalten und weiter zu verbessern.

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7.1 Vegetation am Gewässer

•In Schilf- und Röhrichtzonen üblicherweise keine Pflegeeingriffe

(Ausnahme: die Erhaltung des Abflußprofils). Der Zeitpunkt ist mit

den Intentionen des Natur- und Artenschutzes abzustimmen.

• Gewässerausbau ist so zu projektieren, daß langfristig

Entkrautungsmaßnahmen nicht erforderlich sind (Beschattung,

Strömungsvielfalt).

• Bei neu gestalteten Gerinnen ist ein Aufwuchs von krautigen

Wasserpflanzen nicht zu verhindern. Wichtig ist der richtige

Zeitpunkt der Entkrautung, die Methode und die Arbeitsgeräte.

Die Gewässersohle ist von mechanischen Beeinträchtigungen frei

halten.

• Das Mähgut muß aus dem Gewässer und von der Böschung entfernt

werden und zwar so, daß ein Rückwandern von Lebewesen

(Amphibien, Insekten, usw.) ins Gewässer möglich ist. (Mähgut

noch einige Stunden im Uferbereich lagern)

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7.1 Vegetation am Gewässer

7.1.1.3 Sichern und Bergen von Beständen

• Flächen mit zu erhaltender Vegetation sind auf Baudauer gegen

Auswirkungen durch das Baugeschehen zu schützen .

(Abplankungen oder auch Erdwälle)

•Zur Feststellung der Reichweite des Wurzelraumes von zu

erhaltenden Gehölzbeständen sind mit Vorsicht Suchschlitze

herzustellen. Ein Abtrennen von Wurzeln ist möglichst zu

vermeiden. Als Faustregel gilt bei Bäumen, daß der Abstand zum

Stamm mindestens 3 m sein soll.

• Um das Austrocknen von freiliegenden Wurzeln während der

Bauarbeiten zu vermeiden, sind diese mit Jutegewebe,

Strohmatten oder ähnlichem Material abzudecken, gegebenenfalls

ist zu bewässern. Gröbere Verletzungen an Gehölzen sind zu

behandeln.

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7.1 Vegetation am Gewässer

• Ist im Zuge des Baugeschehens das Entfernen von Bewuchs

notwendig, sollten geeignete Teile der Bestände möglichst zum

Zweck des späteren Wiedereinbaues geborgen werden.

(Erhaltung des bestehende Artenspektrum und rasche

Wiederbesiedlung)

• Ausgewählte Gehölze werden mit Ballen ausgegraben. Die

Ballengröße richtet sich nach der jeweiligen Pflanze.

• Bis zur Wiederverpflanzung wird die Pflanze an einem bechatteten

Ort eingeschlagen und gepflegt. Besser ist es, sie gleich an

ihren neuen Standort zu pflanzen .

• Obwohl Ausfälle nicht zu vermeiden sind, ist das Verpflanzen

größerer Gehölze zur besseren Strukturierung von

Neubeständen von großer Wichtigkeit.

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7.1 Vegetation am Gewässer

•Die Bergung von Röhrichtbeständen erfolgt nach Möglichkeit in

der Vegetationsruhe. Die Gewinnung der Pflanzen hat so zu

erfolgen, daß die Wurzeln sauber durchtrennt und nicht

gequetscht werden .

• Lagerung auf speziell vorbereiteten Flächen: ca. 20 bis 30 cm tiefe

Mulde mit wurzelbeständiger Folie bzw. Filtermatte. Darüber eine

15 bis 20 cm dicke Schichte aus möglichst dem ursprünglichen

Standort entnommenen Boden aufgebracht und die Pflanzen in

dieser Fläche eingeschlagen.)

• Während der Zwischenlagerung ist auf die ausreichende Pflege

zu achten. (richtiger Wasserhaushalt, eventuell Beschattung). Ein

Weiterwachsen während der Lagerzeit soll möglich sein.

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7.1 Vegetation am Gewässer

•Die Bergung von Rasen erfolgt ähnlich wie bei Röhricht

beschrieben. Er wird auf vorbereiteten Flächen, die keinen

Bewuchs aufweisen dürfen, gelagert. Entsprechend den

Erfordernissen des geborgenen Pflanzenmaterials wird der Boden

vorbereitet und eventuell mit Zuschlagstoffen (z. B. Perlit)

angereichert. Zwischenräume sind mit Boden zu verfüllen,

unmittelbar danach wird bewässert, um Bodenschluß zu erzielen.

Die Pflanzen sind bis zum Wiedereinbau zu pflegen.

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7.1 Vegetation am Gewässer

7.1.2 Bepflanzungsmaßnahmen mit bewurzeltem

Gehölzmaterial

Der Erfolg von Bepflanzungsmaßnahmen hängt nicht zuletzt von

der Qualität und der Herkunft des Pflanzenmaterials ab.

Das zur Verwendung kommende Pflanzenmaterial hat nach

Möglichkeit aus jenem Raum zu stammen, in dem es

weiterverarbeitet wird. Diese Anforderung bezieht sich sowohl auf

die Herkunft von verwendetem Saatgut bzw. von vegetativ vermehrten

Pflanzenteilen als auch auf die Anzuchtflächen.

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Mulchung

7.1 Vegetation am Gewässer

Bei flächigen Bepflanzungen empfiehlt sich die Abdeckung des Bodens mit

einer Mulchschichte. Der Vorteil der Mulchung liegt

* in einer Verbesserung des Wasserhaushalts in Pflanze und Boden,

* im verminderten Aufkommen von Unkräutern.

(Stroh besser bewährt als Grasschnitt). Boden vor der Aufbringung des Strohs

ausreichend anfeuchten. Stärke der Abdeckung ca. 20-30 cm.

Bei Gefahr von Winderosion empfiehlt sich die Verwendung eines

Klebemittels zur Fixierung ( Umweltverträglichkeit sicherstellen, Prüfzeugnis

des verwendeten Materials einfordern).

Auch die Verwendung von Rindenmulch ist möglich. Dabei ist aber unbedingt

darauf zu achten, daß keine Rinde von Nadelhölzern verwendet wird und

kein Befall mit Schädlingen oder Krankheiten vorliegt. Das Material muß

abgelagert sein.

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7.1 Vegetation am Gewässer

7.1.3 Ansaat von Gehölzen

• Diese Methode ist besonders für unwegsames oder steinig-felsiges

Gelände geeignet.

• Einige Gehölze entwickeln sich besonders gut, wenn sie über Saat

ausgebracht werden (Eiche).

• Die Ansaat kann händisch oder als Hydrosaat erfolgen.

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7.1 Vegetation am Gewässer

7.1.4 Bepflanzungsmaßnahmen mit Röhrichten

Voraussetzung: geringe Fließgeschwindigkeit

Ufersicherung kann teilweise mit Röhrichten vorgenommen werden.

(Größere Arten- und Lebensraumvielfalt)

Falls im Oberlauf des Gewässers Röhrichtvorkommen vorhanden sind,

keine künstliche Ansiedlung (rasche Einwanderung ,natürliche

Besiedelung), Bodenvorbereitung am Ufer ist ausreichend

Anderenfalls muß Pflanzenmaterial eingebracht werden in Form von

Initialpflanzung oder Ansaat. (Verbreitung erfolgt sehr rasch). Das

Vermehrungsgut ist aus dem Einzugsgebiet zu gewinnen

(Florenverfälschung verhindern).

Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea), Sumpfschwertlilie (Iris

pseudacorus), Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica), Schmalblättrigem

Rohrkolben (Typha angustifolia), Breitblättrigem Rohrkolben (Typha

latifolia), Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia) etc.

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7.1 Vegetation am Gewässer

7.1.5 Anlage von Wiesen

Wiesen stellen ein wichtiges Element in der Landschaft dar, die

Wurzeln ihrer Gräser und Kräuter bieten zudem einen wirksamen

Schutz gegen Erosion.

Bei Neuanlagen ist das Hauptproblem das Saatgut. Es sollten keine

Arten verwendet werden, die die Entwicklung standorttypischer Wiesen

bzw. den erwünschtem Wildaufwuchs erschweren.

Das Einwandern von in der Umgebung vorhandenen Pflanzen kann

auf verschiedene Weise gefördert werden

• Offenhalten von Sukzessionsflächen,

• geringe Ansaatdichte,

• unterschiedliche Rasenmischungen.

Vor einer Ansaat ist der Boden vorzubereiten. (am Standort

vorhandenes Material). Der Boden wird gelockert und auf +/- 5 cm

planiert.

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7.1 Vegetation am Gewässer

Eine gute Methode für die Primärsicherung ist die Ansaat von

Getreide. Das Auflaufen der Saat erfolgt sehr rasch, ebenso die

Bodendurchwurzelung. Diese Methode kann in Kombination mit anderen

Maßnahmen (Heublumensaat, Beigabe von Standardsaatgut) angewandt

werden.

In trockenen Lagen braucht das Getreide nicht gemäht zu werden; in

feuchteren, sobald es in den Halm schießt. Je nach Standort können

Gerste (Frühjahr), Hafer (Frühjahr, Sommer) oder Wintergerste und

Weizen (Herbst) verwendet werden.

Das Saatgut wird händisch oder maschinell auf den vorbereiteten Boden

gesät, händisch oder mit einer Egge eingearbeitet und mit einer Walze

o.ä. angedrückt.

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7.1 Vegetation am Gewässer

Für exponierte Bereiche eignet sich die Hydrosaat. Dabei wird in

einem Tank ein Gemisch aus Saatgut, Wasser, Dünger, Zuschlagstoffen

und einem Klebemittel hergestellt und mit einer Spritzdüse aufgebracht.

Bei der Mulchsaat wird vor Aussaat eine Mulchschichte aus Stroh o. ä.

aufgebracht und darauf eine Naß- oder Trockensaat vorgenommen.

Bei der "Methode Schiechtl" wird die Mulchung aus Langstroh erstellt,

darauf Saatgut und Dünger ausgebracht und mit einem Klebemittel

fixiert. Im Bereich der häufigsten Wasserspiegellage ist diese Methode

wegen der Abschwemmungsgefahr nicht zweckmäßig.

Die Verwendung von Rasensoden bietet die Möglichkeit, autochthones

Pflanzenmaterial zu erhalten. Sie ist auch als gute Initialmaßnahme

anzusehen.

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7.1 Vegetation am Gewässer

Fertigrasen wird als Rollrasen oder Rasenziegel von eigens dafür

ausgerüsteten Betrieben vorgefertigt. Die relativ hohen Kosten und die

darin enthaltenen Standardgräser schränken seine Verwendung auf

wenige Bereiche ein (sofortige Erosionssicherung).

Eine Alternativmaßnahme ist die Entnahme von Soden aus

gewässernahen Streifen. Die Matten werden auf den gelockerten

Boden aufgebracht. In steilem Gelände sollen sie dachziegelartig

überlappen und mit Holznägeln fixiert werden. Auch eine Kombination

mit Jute o.ä. erscheint sinnvoll.

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7.1 Vegetation am Gewässer

7.1.6 Fertigstellungspflege

Die Pflanzungen sind so lange in ihrem Aufkommen zu unterstützen, bis

ihr weiterer Bestand gesichert ist. (notwendige Ausmaß , keine intensive

Pflege. Jedenfalls ist ein Pflegeplan vorteilhaft.

Um gegenüber der ausführende Firma die Gewährleistung für ihre

Arbeiten über die dem Leistungsverzeichnis gerechte Herstellung hinaus

zu erreichen, ist es It. ÖNORM B 2241 notwendig, für die Dauer der

Gewährleistung einen Pflegevertrag abschließen. Ein Zeitraum von drei

bis fünf Jahren ist sinnvoll. Danach sollten die Pflanzungen einen

soweit stabilen Zustand erreicht haben, daß nur noch korrigierende

Eingriffe nötig sind und die Gesamtanlage nicht mehr gefährdet ist.

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Bewässerung

7.1 Vegetation am Gewässer

Bei Bedarf ist zu bewässern. Es ist aber darauf zu achten, daß keine

Überversorgung mit Wasser auftritt, um die Pflanzen z. B. in trockenen

Klimagebieten nicht zu verwöhnen. Flächenberegnungen sollen

möglichst unterbleiben; wenige, gezielte Wassergaben sind

vorzuziehen.

Bekämpfung von unerwünschtem Aufwuchs

Das Freihalten der Pflanzflächen von krautigem Aufwuchs muß in jenem

Ausmaß geschehen, daß ein artentypischer Aufwuchs der Gehölze

möglich ist. Der Einsatz von chemischen Hilfsmitteln muß

unterbleiben. Es empfiehlt sich das Aufbringen einer Mulchschichte,

um einen Kräuteraufwuchs hintanzuhalten.

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Mähen

7.1 Vegetation am Gewässer

Die Anzahl der Mahden ist möglichst gering zu halten und dem Zweck

entsprechend mit dem Auftraggeber abzustimmen, ebenso der

Zeitpunkt, der speziell an Gewässern auf Erfordernisse des

Natur- und Artenschutzes Rücksicht nehmen muß (Brutzeit von

Bodenbrütern, Samenreife etc.).

Ein auf den Landschaftsraum und die örtlichen Erfordernisse

abgestimmter Mähplan ist auszuarbeiten.

Das Mähgut ist, sofern es nicht zu Mulchzwecken verwendet werden

kann, zu entfernen.

Das Abbrennen von Flächen ist strikt abzulehnen.

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7.2.1 Allgemeines

7.2 Flußaltarme

Flußaltarme sind ökologisch bedeutsame Strukturelemente der

Auen, deren Erhalt einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der

tierischen und pflanzlichen Artenvielfalt darstellen.

Altarme entstehen

durch natürliche Gerinneumlagerungen oder

durch Regulierungsmaßnahmen.

Solche Altarme können Stillwasser (Augewässer) sein, zeitweise von

Fließwasser durchströmt werden oder gänzlich austrocknen.

Aus ökologischer Sicht sind Flußaltarme vergängliche, der natürlichen

Sukzession unterliegende Teile des Ausystems.

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7.2 Flußaltarme

•In naturbelassenen Fließgewässerabschnitten (Mittel- und

Unterläufen) separieren sich ständig neue Flußaltarme. In der

Urlandschaft waren sie dort (mosaikartig verteilt) in allen

Alterungsstadien nebeneinander präsent. Langfristig verlanden sie

und werden von Auwald bestockt.

•Durch Regulierungsmaßnahmen während der vergangenen hundert

Jahre wurden künstliche, pro Bauabschnitt annähernd gleichaltrige

Altarme serienweise separiert. In den vergangenen Jahrzehnten

wurde die Mehrzahl davon zugunsten landwirtschaftlicher Nutzung

eingeebnet.

• Uferbefestigungen und Sanierungsmaßnahmen nach Hochwässern

verhindern weitgehend ihre natürliche Neuentstehung. Daraus

resultiert ein komplexer Eliminierungsprozeß, dessen negative

ökologische Folgewirkungen auf das regionale Umfeld den lokalen

Landgewinn nicht rechtfertigen.

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7.2 Flußaltarme

7.2.2 Klassifizierung der Altarme

Je nach Entstehung, Morphologie oder Sukzessionsstadium gibt es eine

Reihe unterschiedlicher Klassifizierungsmöglichkeiten und

Bezeichnungen für Flußaltarme und deren Wasserkörper; regional

werden sie im Alltagsgebrauch unterschiedlich interpretiert (vgl. GEPP et

al. 1985).

Definition:

Altarme im weitesten Sinne sind aus Haupt- oder Nebengerinnen

hervorgegangene Vertiefungen der Bach-, Fluß- und Stromlandschaft,

die durch die Dynamik des Fließgewässers oder durch

Regulierungen abgetrennt wurden. Altarme sind zumindest zeitweise

mit Wasser gefüllt und unterliegen mit ihren Uferbereichen

Verlandungs- und Sukzessionsprozessen.

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7.2 Flußaltarme

7.2.3 Ökologisches Funktionsspektrum von Flußaltarmen

Bei Berücksichtigung aller Altarmtypen können unter Einbeziehung des

weiteren Umfeldes folgende Aspekte als Schutzargumente für

Flußaltarme aufgezählt werden:

* Artenschutz:

Rückzugsgebiete und Artenreservoire; Laichplätze für Fische,

Amphibien und Wasserinsekten; Rast-, Schlaf- und

Nahrungsplätze vor allem für Wasservögel.

* Wissenschaftliche Argumente:

Studienobjekte und Anschauungsbeispiele

* Nutzbarkeit der Artenbestände:

Fischerei, Jagd (Wasservogel), Imkerei (Bienenweide),

Wildwachsende Heilkräuter

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7.2 Flußaltarme

* Wirkungen auf das Umfeld:

Ausgangsorte für die Besiedlungen umliegender, intensiv

genutzter Flächen, kleinklimatische Milderung von

Extremsituationen (Feuchtigkeitsanreicherung, Dämpfung der

Temperaturspitzen)

* Wasserwirtschaftliche Argumente:

Vorfluter der Umgebung, Anreicherung des Grundwassers mit

natürlicher Filterwirkung Hochwasserretention, Beteiligung an der

Selbstreinigung der Fließgewässer

* Landschaftliche Aspekte:

Strukturbelebende Landschaftselemente, Erlebnis- und

Erholungsräume

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7.2 Flußaltarme

7.2.4 Reaktivierung und Revitalisierung isolierter Altarme

Maßnahmen zur Sanierung anthropogen beeinträchtigter Altarme :

* Beseitigung von Müll- und Schuttablagerungen

* Minderung von Schadstoffeinträgen (Düngemittel, Pestizide)

* Räumung verlandeter Totarme (ev. partiell)

* Neuanlage von Wasserflächen durch Anschluß an das

Fließgewässer, (bzw. Ermöglichung zeitweiser Flutung) oder

Eintiefung bis unter den Grundwasserhorizont

* Vergrößerung der Strukturvielfalt

* Förderung der natürlichen Pflanzengesellschaften

(u. U. Beseitigung standortfremder Arten)

* Maßnahmen im Rahmen von Artenschutzprogrammen

(Förderung von Horstgelegenheiten, Anpflanzung von

Biberbäumen, etc.)

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7.2 Flußaltarme

Kurzfristige Wirkung: eine beachtliche Restrukturierung

Mittelfristig soll ein weiterführendes Pflegeprogramm folgen

Langfristig kann damit eine "Revitalisierung" erwirkt werden, die die

Fortsetzung des durch Nutzungseingriffe im Wirkungsgefüge gestörten

Sukzessionsprozesses ermöglicht.

Renaturierung dient der Förderung von Pflanzengesellschaften,

Tiergruppen oder einzelnen gefährdeten Arten.

Die Realisierung wird mit technischen Mitteln eingeleitet (z. B.

Erhöhung des Wasserstandes, Sohleintiefung oder Ausweitung der

Wasserflächen). Damit werden die abiotischen Voraussetzungen zur

Erreichung des ökologischen Planungszieles erfüllt.

Ein ökologisch orientiertes Management (Schutz-, Pflege- und

Entwicklungskonzept) führt die Feinjustierung durch.

Reaktivierungsversuche bedürfen einer interdisziplinären

Zielsetzung, Projektierung, überwachten Ausführung und

langfristigen Betreuung.

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7.2 Flußaltarme

Im Rahmen der Wiederherstellung naturgemäßer Bedingungen

könnten beispielsweise für isolierte, großflächige Tiefland-Totarme

folgende Ziele gelten:

* Ermöglichung zumindest sporadischer Fließgewässerkontakte

* Erhaltung einzelner Altwasserzonen durch:

Anhebung des Wasserspiegels

wasservertiefende Baggerungen oder

Förderung der Feststoffausschwemmung.

* Verminderung des Schwebstoff- und Geschiebeeintrages

* Verminderung der anthropogen verursachten Eutrophierung

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7.2 Flußaltarme

7.2.5 Biotoppflege für denaturierte Altarme

In natürlichen Auen sind Pflegemaßnahmen aus naturschutzorientierten

Erwägungen nicht erforderlich und möglichst zu

vermeiden.

In denaturierten Auresten hingegen läuft die Gewässerentwicklung

meist irreversibel bis zur vollständigen Verlandung aller Altwässer ab.

Dort kann Biotoppflege als Kompromiß im Dienste lokaler Vielfalt

gesehen werden. Im Sinne eines ökologischen Managements gilt es, für

jedes denaturierte Augewässer individuell zu entscheiden, ob

* eine sukzessive Verlandungsentwicklung mit absehbarem

Endstadium (meist Auwald),

* ein bestimmtes Sukzessionsstadium,

* oder ein individuell zu betreuender Sonderstandort anzustreben ist.

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7.2 Flußaltarme

Als Biotoppflege zur Erhaltung und Förderung lokaler Augewässer

wurden bisher folgende Maßnahmen praktiziert:

* Zyklische Entschlammung oder Spülung

* Schaffung von Pionierzuständen durch Baggerungen

* Ermöglichung der Sonneneinstrahlung durch Auflichtung der

Ufersäume

* Künstliche Dotierung über Einleitungen (Gießgänge) und

Pumpwerke.

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7.2 Flußaltarme

7.2.6 Natürliche und gesteuerte Neuentstehung

Den dynamischen Kräften der Fließgewässer soll wieder breiter

Spielraum gewährt werden, was keineswegs nur durch

Artenschutzargumente begründet ist, sondern auch auf sonstigen

angewandten Überlegungen beruht wie:

* Vermeidung finanzieller Dauerbelastungen durch wiederkehrende

Sanierungsmaßnahmen

* Rückführung von regulierten Flußläufen in naturgemäße Bahnen

* Vergrößerung der Kontaktzonen zu Grundwässern

* Vergrößerung der Retentionswirkung

* Lokale Freiräume für Geschiebeablagerungen

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7.2 Flußaltarme

Hochwasserschutz durch Aufschüttung weit versetzter Dammufer

bietet einer Neuentstehung und Umlagerung von Augewässern

beachtliche Chancen.

Ähnliches gilt für "lebende Retention": Der Flußlauf wird an der Grenze

des Mäanderbandes durch mehrreihige Gehölzpflanzungen und lokalpräventive

Sicherungsmaßnahmen am Überschreiten dieser Grenzen

behindert, bleibt jedoch innerhalb seines "Mäander-Spielraumes"

umlagerungsfähig.

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7.2 Flußaltarme

Der mitteleuropäische Bestand an Flußaltarmen bedarf eines

übergeordneten Schutz- und Pflegekonzeptes. Eine Umorientierung

des konservierenden Naturschutzes auf pflegliche Maßnahmen ist

erforderlich. Folgende Ziele sind vordringlich zu diskutieren und parallel

anzustreben:

* Stärkung der naturschutzbezogenen Rechtsgrundlagen.

* Erhalt der sich noch dynamisch regenerierenden Augewässervielfalt

in ihren (nur noch regional intakten) natürlichen Ausystemen.

* Sanierung und Reaktivierung isolierter Altarme

* naturschutzorientierte Pflege äquivalenter Biotope als Teile eines

Augewässernetzes.

* Förderung der Neuentstehung von Augewässern auch an regulierten

Flußsystemen und ihre ökologische Einbindung sollte

ermöglicht und gefördert werden.

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7.3 Natürliche Überflutungsräume

7.3.1 Allgemeines

Die nachstehenden Überlegungen beziehen sich auf die in mehr oder

weniger häufig überfluteten Talabschnitten gegebene bzw. vertretbare

land- und forstwirtschaftliche Nutzung. Siedlungsgebiete sind

ausgeschlossen.

Die Betreuung solcher Flächen hat auf

* wirtschaftliche,

* ökologische bzw.

* Iandschaftsästhetische Gesichtspunkte

Bedacht zu nehmen .

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7.3 Natürliche Überflutungsräume

Die für Flußlandschaften typischen, in einer Kulturlandschaft aber

räumlich stark eingeengten Biotope sollten aber gezielt gefördert

werden.

Unter den Möglichkeiten einer ökologisch orientierten Betreuung mit

limitierten Eingriffen muß auch eine finanzielle Nutzungsablöse in

Betracht gezogen werden.

Bei Überflutungen von Talräumen wird Schwemm- und Treibgut

abgelagert, das zur Behinderung der Bewirtschaftung und zur

Beeinträchtigung des Landschaftsbildes führt.

Für das Einsammeln von unverrottbarem Treibgut wie Kunststoffe

(Plastikflaschen, Plastikfolien, Styropor usw.), Aluminiumdosen und

dergleichen ist ebenfalls vorzusorgen .

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7.3 Natürliche Überflutungsräume

7.3.2 Forstliche Maßnahmen in Auen und Ufergehölzen

Auwälder werden häufig wie Wirtschaftswälder einer forstlichen

Betreuung unterzogen. Diese soll nicht in Form von Kahlschlägen

erfolgen, sondern ist als Durchforstung und Gehölzpflege

vorzunehmen. Ziel: die Entnahme von geschädigten (Sturmschaden,

Blitzschlag, Unterspülungen usw.) Bäumen Einzelne Altbäume sollten

aber als Horst- oder Samenbäume erhalten bleiben.

Im Ufergehölz ist das "Auf-den-Stock-Setzen" (ausreichende

Schnitthöhe, nicht unter 30 cm) eine geeignete Maßnahnme. Eingriffe

über längere Uferstrecken sind dabei zu vermeiden. Neu- und

Nachpflanzungen sind mit heimischen Gehölzen in standorttypischer

Artenfülle und Bestandsdichte vorzunehmen. Wenn möglich, sollte

Setzmaterial aus der unmittelbaren Umgebung oder zumindest von

klimatisch ähnlichen Standorten herangezogen werden.

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7.3 Natürliche Überflutungsräume

7.3.3 Freihaltung bestehender Abflußrinnen und

Abflußmulden

• In Freilandbereichen tragen bei Überschreitungshochwässern die

Vorländer in der Regel wesentlich zum Abfluß bei.

• Besondere Bedeutung haben dabei allenfalls vorhandene

Abflußrinnen und Abflußmulden, auf deren Freihaltung großes

Augenmerk zu legen ist. Eine Unterbrechung (Auffüllung für

landwirtschaftlichen Nutzung, Wegquerungen (ohne ausreichendes

Flutobjekt) hat unbedingt zu unterbleiben.

• Eine Verbindung nicht zusammenhängender Abflußrinnen und

Abflußmulden ist meist anzustreben. Vorhandene Engstellen und

Anlandungen sind eventuell zu beseitigen, um die Abflußleistung zu

erhöhen.

• Verklausungsursachen sind zu entfernen.

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7.3 Natürliche Überflutungsräume

7.3.4 Bewirtschaftung und Nutzungsbeschränkungen

Die Bewirtschaftung der Überflutungsräume hat sich sowohl nach den

Hochwasserabflußerfordernissen, als auch nach der

Überflutungsverträglichkeit der Nutzung zu richten.

• Für Talräume mit Hochwasserfreiheit < HQ5 keine Ackernutzung

(Hochwasserrisiko, Erosionsgefahr mit Materialverlagerung)

• In häufiger überfluteten Teilbereichen ist neben dem Auwald allenfalls

noch Grünland angebracht.

• Konkrete Nutzungsbeschränkungen: kein Acker wegen

Erosionsgefahr, keine Hecken quer zum Hochwasserabfluß u.ä.

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7.3 Natürliche Überflutungsräume

7.3.5 Biotoperhaltung und Biotopentwicklung

Mit Zunahme der Überflutungshäufigkeit tritt eine Abnahme der

wirtschaftlichen Wertigkeit zugunsten der ökologischen ein.

Biotopgestaltende Maßnahmen und angepaßte Nutzungsformen

(z.B. extensive Wiesenbewirtschaftung statt intensiver

Grünlandnutzung) sind sinnvoll.

In speziellen Fällen können auch von jeglicher Nutzung

ausgenommene Auwaldflächen vorgesehen werden, denen als

biogenetischem Reservoir eine wesentliche ökologische Bedeutung

zukommt. (Grundstücke der öffentlichen Hand, Möglichkeit einer

Entschädigung)

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7.4 Künstliche Überflutungsräume,

Hochwasserrückhalteanlagen

7.4.1 Allgemeines

Mit Hochwasserrückhalteanlagen werden durch technische

Maßnahmen Überflutungsräume geschaffen. Die Erfordernisse für die

Funktion und die Sicherheit solcher Anlagen in den Bauwerksbereichen

(Grundablaß, Hochwasserentlastung, Wildholzrechen udgl.) sind als

wasserbauliche Grundvoraussetzung zu sehen.

Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich daher nur auf

Maßnahmen und Veranlassungen im Stauraum. Da die

Stauraumflächen je nach Einstauhäufigkeit in der Regel abgelöst bzw.

entschädigt werden, besteht hier auch die Möglichkeit, Maßnahmen

zur Biotopverbesserung vorzunehmen.

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7.4 Künstliche Überflutungsräume,

Hochwasserrückhalteanlagen

7.4.2 Säuberung

Nach Hochwässern, die einen Aufstau im Becken bewirkten, ist

verstärkt mit Ablagerungen von Treibgut zu rechnen. Insbesondere

unverrottbare Anteile (Kunststoff in jeder Form) stören das

Landschaftsbild und sind vom Betreiber der Anlage zu entfernen.

Bei Nebennutzungen (Freizeit, Erholung und Fremdenverkehr) stellen

auch Ablagerungen anderer Art, wie Feingeschiebe und Schlamm, eine

starke Beeinträchtigung dar. Es ist daher ebenfalls für deren

Beseitigung vorzusorgen.

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7.4 Künstliche Überflutungsräume,

Hochwasserrückhalteanlagen

7.4.3 Bewirtschaftung

Bei der Bewirtschaftung des Stauraumes sind

Einstauhäufigkeit,

Einstaudauer und

Überflutungsverträglichkeit zu berücksichtigen.

Für die verschiedenen Nutzungsarten ist insbesondere folgendes zu

beachten:

Landwirtschaft:

Für eine Ackernutzung scheiden Flächen aus, die bei Ereignissen ab

HQ5 (eventuell schon ab HQ10) eingestaut werden. Hier sind nur

Nutzungen als Grünland vertretbar.

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7.4 Künstliche Überflutungsräume,

Hochwasserrückhalteanlagen

Forstwirtschaft:

Diese Bewirtschaftungsform ist bezüglich der Artenwahl auf die

Überflutungsverträglichkeit bzw. Standorttauglichkeit des Bewuchses

abzustimmen.

Da diese Nebennutzung einen besonderen Einfluß auf die Sicherheit

der Anlage darstellt, ist darauf zu achten, daß jede Lagerung von Holz

und Astwerk im Einstaubereich untersagt wird (Schaffung

hochwassersicherer Lagerplätze).

Außerdem sind umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste aus dem

Einstaubereich zu entfernen.

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7.4 Künstliche Überflutungsräume,

Hochwasserrückhalteanlagen

Freizeit, Erholung und Fremdenverkehr:

Einrichtungen hierfür sind entweder überflutungsverträglich

herzustellen oder außerhalb des Stauraumes anzuordnen.

Die Benutzer sind auf die Gefahren durch die Rückhalteanlage und

deren Betrieb hinzuweisen.

Das Benutzen des Stauraumes, beispielsweise als Park- oder

Campingplatz, ist aus Sicherheitsgründen zu untersagen.

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7.4 Künstliche Überflutungsräume,

Hochwasserrückhalteanlagen

Energienutzung, Niederwasseraufbesserung, Speicherung von

Trink- und Nutzwasser:

• Der erforderliche Hochwasserrückhalteraum ist auch bei eventueller

Speicherbewirtschaftung stets bereitzuhalten (u. U. durch

Vorabsenkung).

• Ein Schwellbetrieb sollte nur in Verbindung mit einer

Mindestwasserabgabe (Pflichtwasserabgabe) oder einem

Ausgleichsspeicher möglich sein.

• Limnologische Gesichtspunkte sind dabei besonders zu beachten und

die Betriebskriterien darauf abzustimmen.

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7.4 Künstliche Überflutungsräume,

Hochwasserrückhalteanlagen

7.4.4 Sicherung und Schaffung von Feuchtgebieten

Die Stauräume von Hochwasserrückhalteanlagen bieten sich für die

Schaffung von Feuchtgebieten an, da die land- und

forstwirtschaftliche Nutzung zumeist stark eingeschränkt wird. Sowohl

diese neu geschaffenen als auch vorhandene Feuchtbiotope in

Stauräumen werden durch den Betrieb der

Hochwasserrückhalteanlagen beeinflußt und bedürfen eines

entsprechenden ökologischen Managements, sofern die andernfalls

einsetzende Biotopumwandlung (Sukzession) vermieden werden soll.

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7.4 Künstliche Überflutungsräume,

Hochwasserrückhalteanlagen

7.4.5 Räumung

Zur Sicherheit und zur Erhaltung der Funktionsfähigkeit von

Hochwasserrückhalteanlagen sind nach Hochwasserereignissen

folgende Maßnahmen notwendig:

• Entfernung von Ablagerungen (besonders Wildholz), die zur

Verklausung des Einlaufrechens beim Grundablaß und eventuell bei

der Hochwasserentlastung führen können

• Räumung von Geschiebeanlandungen im Gewässerbett

• Räumung von Geschiebe- und Schlammanlandungen im Stauraum,

wenn eine nicht vertretbare Minderung des Speichervolumens

eintritt.

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7.4 Künstliche Überflutungsräume,

Hochwasserrückhalteanlagen

7.4.6 Instandhaltung von Bauwerken

Die Instandhaltung erstreckt sich auf folgende Bereiche:

• die ständige Betriebsbereitschaft muß gegeben sein

• die Anlage mit ihren Anlageteilen darf keinen Schaden erleiden

Vom Konsensträger ist eine Betriebsordnung aufzulegen, die

• die Pflichten des Rückhaltebeckenverantwortlichen,

• die Pflichten des Rückhaltebeckenwärters sowie

• Anleitungen für Betrieb und Instandhaltung

zu enthalten haben.

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