Genua und die mediterrane Weltwirtschaft 1261-1350

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Genua und die mediterrane Weltwirtschaft 1261-1350

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Mitte des 14. Jahrhunderts ihren Niedergang hinnehmen. Verbun­

den durch dieses Scharnier erstreckte sich eine nach Westen

gebogene, bananenförmige Region der frühen Prosperität in Eu­

ropa von Norditalien über die Alpenpässe nach Süddeutschland

und Burgund, durch die Champagne bis nach Flandern mit Ausläu­

fern nach Südengland, in die Nördlichen Niederlande und weiter

in den Ostseeraum. Hauptakteure des Handelsnetzes im Norden

waren die Hansestädte mit ihrem Zentrum Lübec k' und im Süden

die italienischen Hafenstädte insbesondere Genua, das über

die französischen Alpenpässe, und Venedig, das über den Bren­

ner angebunden war.

Genua und Venedig waren aber nicht nur die südlichen Endpunkte

dieses kontinentaleuropäischen Handelsnetzes, sondern neben

Pisa, Amalfi, Ancona u.a. Hafenstädten auch Ausgangspunkte ei­

nes zweiten, mediterranen Handelsnetzes, das vom Schwarzen

Meer bis zum Atlantik reichte. Und sie waren die wichtigsten

Akteure im Handel mit dem Orient, der in Ägypten und Syrien

das Mittelmeer bzw. in Tana an der Mündung des Don das Asow­

sche Meer erreichte. Ein vierter Ausläufer war der Transsaha-

ra-Handel, der in Tunis oder Tripolis das Mittelmeer erreich­

te. Der Fernhandel war damit die "Grenze" der Italiener, der

sie in immer neue Regionen vorstoßen ließ.

Dieses erste Weltsystem unter Einschluss Europas erreichte um

1250 seine größte Ausdehnung. Im Norden sorgten die Mongolen

für eine sichere Landverbindung von Peking bis zum Schwarzen

Meer. Im Süden gab es eine direkte Seeverbindung vom Indischen

Ozean in das Rote Meer und dann den Nil abwärts bis zu den äg­

yptischen Hafenstädten Alexandria und Damiette im Nildelta.

Dieses Nadelöhr wurde von den Mameluken beherrscht. Dazwischen

5 Lübeck wäre aufgrund seiner Vorort- und Vormachtrolle für den Hanseraum

in Nord- und Nordosteuropa es wert gewesen, mit einer eigenen Fallstudie

gewürdigt zu werden. Das "lübische Weltsystem" im Ostseeraum wies jedenfalls

starke Parallelen zu den genuesischen und venezianischen Pendants im

Mittelmeerraum auf. Vgl. dazu Philippe Dollinger, Die Hanse. 5. Aufl.

Stuttgart 1998; Rolf Hammel-Kiesow, Die Hanse. München 2004.

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