JOURNAL EU (01_M.rz 2007).FH10 - Elde Online

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JOURNAL EU (01_M.rz 2007).FH10 - Elde Online

elde Beilage

Informationen der FDP Gruppe im Europäischen Parlament

Ausgabe 01 > 2007

Kultur: Reichtum Europas > Europa ist Panama > Zwischen Subkultur und Avantgarde > Symbole unserer

Gemeinschaft > Eine Kultur der Aufklärung > Clash of Cultures – die Ossis sind da! > Corporate Citizenship als

unternehmerische Chance > Nur Mut zum Sprachenlernen!

www.fdp-in-europa.de


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Gruppe der FDP im Europäischen Parlament:

Kultur: Reichtum Europas

Kunst und Kultur sind ein Spiegel der Gesellschaft.

Blicken wir Europäer in diesen Spiegel,

sehen wir Vielfalt. 500 Millionen Menschen,

dutzende Sprachen, unterschiedliche Traditionen.

So vielfältig wie die Europäer ist auch ihre

Kultur. Schauen wir aber noch ein zweites Mal

in den Spiegel, sehen wir eine gemeinsame europäische

Kultur, die von der Antike über Mittelalter

und Aufklärung bis heute besteht. Das

steht nicht im Widerspruch zur Vielfalt unserer

Nationen. Denn Vielfalt kann eine gemeinsame

Wurzel haben. Diese europäische Wurzel zu

fördern und zu schützen, ist eine Aufgabe, die

wir Liberale als Herzensangelegenheit angehen,

denn Freiheit und Kultur sind untrennbar miteinander

verbunden, die „künstlerische Freiheit“

vermählt diese beiden als festen Ausdruck zu

einem untrennbaren Paar. Wir Liberale sind überzeugt

davon, dass die Kultur in der Mitte der

Gesellschaft verankert sein muss.

Gute Kulturpolitik macht darum keine Kultur,

sondern räumt denjenigen, die Kultur gestalten

und genießen, Hindernisse aus dem Weg. Die

EU soll den Bürgern den Austausch über Grenzen

hinweg erleichtern. Dabei wollen wir Liberale

keine EU-Vorgaben für eine gemeinsame Kultur,

sondern einen funktionierenden Rahmen, in

dem alle, auch kleinere Länder und Sprachen

Alexander Graf Lambsdorff:

Europa ist Panama

Jedes Kind kennt die Geschichte von Janosch,

der erzählt, wie sich der kleine Tiger und der kleine

Bär auf den Weg nach Panama machen, wo

alles schöner sein soll als zu Hause. Nach vielen

Abenteuern kehren sie in die Heimat zurück und

sehen sie plötzlich mit anderen Augen – zu Hause

ist „Panama“ und es ist wunderschön.

Genauso geht es den meisten Studenten, die

die EU-Austauschprogramme „Erasmus“ und

„Erasmus Mundus“ nutzen: Aufgeregt fiebern

sie einem unbekannten Land entgegen. Das

Gepäck, das die jungen Leute nach einem Jahr

nach Hause bringen, ist unbezahlbar: neue

ihren Platz haben. Schon in jungen Jahren beginnt

die europäische Kulturpolitik: Schüleraustausch,

Erasmus-Studium, Anerkennung von

Abschlüssen. Auch Sprachen zu fördern ist wichtig

für die EU, im Kleinen wie im Großen: In

grenznahen Gebieten die Nachbarsprache fördern

und das Englische – unser neues Latein –

schon in der Grundschule vermitteln, das sind

zwei Seiten derselben Medaille.

Kultur bestimmt aber nicht nur das Bild einer

Gesellschaft von sich selbst, sondern auch den

Eindruck, den andere von uns haben. Seit sich

keine politischen Blöcke mehr feindlich gegenüberstehen

und die wirtschaftliche Abschottung

durch Freihandel und Globalisierung überwunden

wird, ist Kultur eines der letzten Mittel zur

Bestimmung der eigenen Identität. Das gilt gerade

für die Religion. Und hier hat uns die Geschichte

einen Flickenteppich hinterlassen: Katholisch

z.B. in Polen und Irland, reformiert in

Skandinavien, orthodox in Griechenland und

Bulgarien, muslimisch nicht nur auf dem Balkan,

sondern längst auch in Deutschland, Frankreich

und Belgien.

Auch wenn wir Europäer darin das bunte Bild

der Vielfalt sehen mögen, erblickt man andernorts

darin das Europa der Christen, „den Westen“.

Zweifellos ein Zerrbild, aber es zeigt, dass Europa

in seiner Vielfalt von außen viel stärker als Einheit

wahrgenommen wird. Dies beruht auf Errungenschaften,

auf die gerade wir Liberale stolz

sind: Individuelle Freiheit, Toleranz, Trennung

von Staat und Religion, Rechtsstaatlichkeit und

wirtschaftlicher Erfolg. Wir Europäer sollten uns

deshalb an der Vielfalt unserer verschiedenen

nationalen Kulturen genauso erfreuen wie wir

mit Stolz auf die Geschichte der gemeinsamen

europäischen Kultur blicken. Und: Treten wir ein

in den Dialog der Kulturen – gemeinsam, aber

die Vielfalt Europas nicht versteckend.

wir machen europa besser > Ihre FDP im

Europäischen Parlament

Freunde, neue Erfahrungen, eine neue Sprache,

gestärktes Selbstbewusstsein. Und man entdeckt

Europa. Seine Vielfalt, seine Menschen,

seine Besonderheiten und – gerade wenn man

in ein nicht-europäisches Land geht – das Verbindende.

Für viele Studenten ist der Satz „in

Vielfalt geeint“ dann keine leere Worthülse mehr.

Er ist konkret geworden. Wer das noch früher

möchte, der kann – im Schüleraustausch. Klar

wird auch: So wenig wie Deutschland nur das

Berlin der Politik ist, so wenig ist Europa nur das

Brüssel der EU. Das große, wirkliche Europa zum

Anfassen ist unsere weitere Heimat.

Die Austauschprogramme lassen jede neue

Generation dieses wahre Europa entdecken und

erkennen: Europa ist zu Hause, Europa ist Panama

– und es ist wunderschön.


Dr. Jorgo Chatzimarkakis:

Zwischen Subkultur

und Avantgarde

Die Europäische Union ist die vielfältigste Kulturlandschaft

der Welt. Wem bei dem Begriffspaar

Europa und Kultur zuerst die Wiener Philharmoniker,

Picasso, Goethe oder Mozart einfallen,

der liegt sicher richtig.

Doch Kultur kennt nicht nur Beständigkeit,

sondern auch den schnellen Wechsel. Mit der

digitalen Revolution des letzten Jahrzehnts und

der Verfügbarkeit schneller Breitbandnetze hat

die Kultur einen neuen Kanal für sich erobert –

das Internet und die mobile Welt. Wer dies nur

als Spielerei abtut und das Etikett „Kultur“ hier

für fehl am Platze hält, der übersieht den mäch-

Dr. Silvana Koch-Mehrin:

Symbole unserer

Gemeinschaft

Europa ist Kultur. Sie begegnet uns auf Schritt

und Tritt. Obwohl die historischen und kulturellen

Wurzeln unterschiedlicher kaum sein könnten,

verbindet Kultur die Menschen Europas. Und das

vom Nordkap bis Gibraltar und von den Azoren

bis zum Schwarzen Meer. Die EU schützt die

verschiedenen Sitten und Bräuche, die regionalen

Identitäten, Traditionen und Sprachen. Und damit

zum Beispiel auch die Spezialitäten, die unser

Essen so abwechslungsreich machen: Französischen

Käse, italienischen Schinken, deutsches

Brot oder belgische Schokolade.

Die EU bewahrt unsere kulturelle Vielfalt. Aber

natürlich nicht nur, wenn es um kulinarische

Köstlichkeiten geht. Neben der regionalen Identität

entsteht dadurch auch ein gemeinsames,

europäisches Selbstbewusstsein. Symbole wie

die Europaflagge, die Sterne darauf oder die Europahymne

stärken dieses Gemeinschaftsgefühl

– und sind deshalb sehr wichtig. Unsere Kultur

ist übrigens zum Greifen nahe. Das dürfen Sie

wörtlich nehmen: Schauen Sie sich unsere Geldscheine

genauer an! Auf ihnen sind die verschiedenen

Architekturepochen Europas abgebildet.

tigen Einfluss, den ein Kulturträger auf die Inhalte

haben kann. Wie die Erfindung des Buchdrucks

die Literatur revolutioniert hat, so wirken

heute die 160 Zeichen SMS auf die Sprachstruktur

der Jugend. Digitale Fotographie und die

Möglichkeit unendlichen Versuch und Irrtums

bieten Chance auf Perfektion und Gefahr der

Oberflächlichkeit zugleich. Virale Verbreitung

youtubeistischer Sequenzen offerieren Projektionsfläche

und Einflussnahme einer erstaunlichen

Jugendkultur. Staunend sitzt man hier vor

einer sich ausbreitenden Welt, in der Bilder kommen

und gehen, in der Sentenzen aus Webblogs

Alexander Alvaro:

Eine Kultur der

Aufklärung

Mit Gründung der neuen Fraktion „Identität,

Tradition, Souveränität“ am 15. Januar 2007 ist

die Zunahme von rechtsextremem Gedankengut

in Europa auch am Europäischen Parlament

nicht vorbeigezogen.

Verlockend und zahlreich sind die Versuche,

diesen Tendenzen durch Gesetze Einhalt zu

gebieten. Dabei kann die strafrechtliche Ahndung

der Leugnung des Holocaust ebenso wie

der Versuch, entsprechenden Gruppierungen

juristisch die Handlungsfreiheit zu nehmen,

nicht zum Kern des Problems vordringen: Die

Gedanken der Menschen lassen sich nicht verordnen,

sondern allenfalls durch Erziehung und

Bildung positiv beeinflussen. Hier kommen die

errungenen Werte europäischer Kultur zum

Tragen, die auf der Meinungsfreiheit als tragende

Säule jeder freiheitlichen Gesellschaft

fußt und andererseits die Aufklärung historischer

und ethischer Art in den Mittelpunkt

stellt. Nur über die gedankliche und pädagogische

Auseinandersetzung von der Schule an

lassen sich über die Symptome hinaus auch

die Ursachen behandeln.

kurzfristig viel Einfluss haben können, aber mittelfristig

vergessen sind.

Europapolitik muss einerseits die künstlerische

Freiheit dieser neuen Kultur respektieren

und sichern. Andererseits müssen wir aber einen

Rahmen setzen, dort, wo die neuen Kulturkanäle

ausufernd wuchern. Etwa beim Jugendschutz,

damit Gewalt und Pornographie nicht am Gesetz

vorbei hunderttausendfach verbreitet werden,

oder beim Ausbau der Breitbandnetze, um

zu verhindern, dass ganze Regionen von diesem

wunderbaren Kaleidoskop des Web 2.0 abgehängt

werden.

Holger Krahmer:

Clash of Cultures –

die Ossis sind da!

106 Abgeordnete aus 22 Nationen versammeln

sich in der Fraktion der ALDE, der Allianz der Liberalen

und Demokraten in Europa – ein gut

gemischter Haufen. Aber so richtig bunt ist die

Fraktion erst durch die neuen Kollegen aus den

ehemaligen Ostblockstaaten geworden. In einer

der letzten Fraktionssitzungen geht es um unsere

Präsenz für eine wichtige Ausschussabstimmung,

als eine bulgarische Abgeordnete sich zu

Wort meldet: „Da müssen aber die richtigen

Leute hin, die sich an die Linie halten!“ Entsetzen

in den Gesichtern ringsum, Empörung! Ja, dem

bürgerlich geprägten Liberalen an sich ist solche

Idee zutiefst zuwider. Dagegen sind die sozialistisch

geprägten Neuzugänge nicht zimperlich.

Der Zweck heiligt halt zuweilen die Mittel.

Manchmal passieren kleine Kollisionen wie

diese. Ein anderes Mal stellt uns das tadellose

Deutsch der Polen bloß, weil es besser ist als das

Englisch der Meisten. Die Osterweiterung hat

unsere Fraktion zum Glück der deutschen Delegation

aber auch liberaler gemacht, wettbewerbsorientierter

und weniger staatsgläubig.

Europa braucht uns.

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Willem Schuth:

Nur Mut zum

Sprachenlernen!

Wenn wir im Urlaub junge Familien beispielsweise

aus den Niederlanden oder Schweden

kennen lernen, staunen wir mitunter darüber,

wie gut der nur wenige Lenze alte Nachwuchs

des Englischen bereits mächtig ist. Für gewöhnlich

tun wir dies mit dem Argument ab, dass

dort sowieso jeder Englisch spricht. Doch weshalb

ist dies nicht auch bei uns zu Hause so

selbstverständlich?

Die Größe eines Landes bringt augenscheinlich

eine gewisse Behäbigkeit und Selbstgefälligkeit

mit sich. So profitieren wir in Deutschland

davon, dass der „Markt“, in dem unsere Sprache

gesprochen wird, sehr viel größer ist, als derjenige

für niederländisch oder schwedisch. Der „Wettbewerbsdruck“

für unsere europäischen Mitbürger

ist ungleich größer, da es nicht ausreicht, sich

allein auf dem heimischen Markt zu behaupten

und allein dort nach Kunden zu suchen.

Unsere Kinder studieren gerne in Amsterdam

oder Stockholm, weil sie dort schneller ihren

Abschluss machen können, sich besser betreut

fühlen und größtenteils auf Englisch büffeln

Dr. Wolf Klinz:

Corporate

Citizenship als

unternehmerische

Chance

Mehrere Jahrhunderte lang konnten sich Kunst

und Kultur dank staatlicher Kulturpolitik, ergänzt

durch das großzügige Engagement wohlbetuchter

Mäzene, in Städten und Gemeinden entfalten.

Traten damals eher einzelne Personen auf

lokaler Ebene aus einem gewissen Idealismus

können. Die Anzahl deutscher Studenten in den

Niederlanden hat sich in den vergangenen 5

Jahren mehr als verdoppelt. Auf der Beliebtheitsskala

deutscher Studenten nehmen die Niederlande

inzwischen den 3. Platz ein – knapp hinter

Großbritannien und den USA.

Im Fernsehen und in den Kinos ist es in den

Niederlanden selbstverständlich, Filme im Original

mit Untertiteln zu sehen. Dabei könnte

dies auch in Deutschland bei Kindern und Jugendlichen

das Erlernen von Fremdsprachen

fördern. In Deutschland meinen wir immer noch,

ausländische Filme synchronisieren zu müssen

und sehen dies als einen Beitrag zum Schutz

heraus als Förderer in Erscheinung, so ist es heute

der „Corporate Citizen“, für den sich ein solches

Engagement lohnen muss. „Corporate Citizenship“

beinhaltet die Idee, gesellschaftliche

Verantwortung mit deutlichem Nutzen für das

Unternehmen zu verbinden. Dahinter steht der

Gedanke, dass Gemeinnützigkeit nicht nur der

Gesellschaft insgesamt dient, sondern auch der

Imagepflege des einzelnen Unternehmens, der

Identifikation und damit Motivation der eigenen

Arbeitnehmer und letztendlich dem Unternehmenserfolg

ingesamt.

Im Gegensatz zu früher erfolgt die Wertschöpfung

eines Unternehmens heute zunehmend

in verschiedenen Ländern und Kulturkreisen.

Um eine einheitliche Konzernwahrnehmung

zu gewährleisten, konzentrieren sich

Firmen deswegen vermehrt auf Kulturereignisse

von internationaler Bedeutung wie beispielsweise

Ausstellungen bekannter Künstler,

Vergabe renommierter Preise aus den Bereichen

Literatur und Musik oder Filmfestivals.

Eine solche Strategie bewirkt, dass das gemeinnützige

Engagement auch in den Nachbarländern

wahrgenommen wird.

Diese globale Ausrichtung gewinnt gerade

vor dem Hintergrund eines zusammenwachsenden

Europas immer mehr an Bedeutung. Weltweit

gesehen muss es das gemeinsame Ziel von

Politik und Industrie sein, stärker als bisher Kultur

als harten Standortfaktor zu verstehen.

unserer eigenen kulturellen Identität. Doch geben

die Niederländer oder Schweden deshalb

ihre Sprache und ihre Kultur auf? Das Gegenteil

ist der Fall. Gerade in kleineren Mitgliedstaaten

wird über die eigene kulturelle Identität aufmerksam

gewacht. Doch wird dieses nicht mit

der Frage nach der Synchronisierung ausländischer

Filme in Verbindung gebracht.

Sprache vereint und grenzt uns zugleich von

anderen ab. Sobald wir den warmen und behaglichen

Platz hinter unserem Kachelofen verlassen,

sehen wir uns Sprachbarrieren gegenüber, die es

zu überwinden gilt. Eines ist jedoch gewiss: Bisher

hat sich dieses Unterfangen noch immer gelohnt!

herausgeber > Gruppe der FDP

im Europäischen Parlament

FDP Europabüro

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redaktion > Isabel Siebert

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erscheinung > Das 'JOURNAL eu' erscheint viermal

im Jahr als Beilage der ‘elde‘ und wird

für die FDP-Mitglieder im Rahmen der

Mitgliedschaft ohne Erhebung eines

besonderen Bezugspreises geliefert.

Die Auflage beträgt 70.000 Exemplare.

kontakt zu den mdep > Dr. Silvana Koch-Mehrin

...@europarl.europa.eu silvana.koch-mehrin@...

Alexander Graf Lambsdorff

alexandergraf.lambsdorff@...

Dr. Jorgo Chatzimarkakis

jorgo.chatzimarkakis@...

Dr. Wolf Klinz

wolf.klinz@...

Willem Schuth

willem.schuth@...

Alexander Alvaro

alexander.alvaro@...

Holger Krahmer

holger.krahmer@...

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