Handout - Dr. Karin Reber

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Handout - Dr. Karin Reber

LMU München, Institut für Sonderpädagogik, Lehrstuhl Sprachheilpädagogik, WS 2006/07

Seminar: Sprachbehinderte Kinder als Sprachforscher?! Systematische Förderung der Laut- und Schriftsprache in

Unterricht und Therapie

Seminarleitung: Karin Reber

Sprache untersuchen: Bauelemente der Sprache

(Klasse 1/2)

Überblick

1 Linguistische Grundlagen 2

2 Sprache als Zeichensystem verstehen 3

3 Phonologisches Bewusstsein im weiteren Sinn: Geräusche 4

4 Phonologisches Bewusstsein im weiteren Sinn: Wort 4

4.1 Reimaufgaben mit Wörtern........................................................................................ 4

4.2 Wortbegriff ................................................................................................................ 4

5 Phonologisches Bewusstsein im weiteren Sinn: Silbe 5

5.1 Einführung der Silbe ................................................................................................. 5

5.2 Ideen zum Üben der Silbe.......................................................................................... 5

6 Phonologisches Bewusstsein im engeren Sinn: Laute und Buchstaben 6

6.1 Erkennen der An-, In- und Endlaute .......................................................................... 6

6.2 Segmentieren eines Wortes in Phoneme .................................................................... 6

6.3 Selbstlaute und Mitlaute............................................................................................. 7

6.4 Umlaute...................................................................................................................... 7

6.5 Doppellaute................................................................................................................ 7

7 Sprachheilpädagogische Tipps und Spielideen 8

8 Literatur und Materialien 9

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1 Linguistische Grundlagen

Theoretische Grundlagen zum phonologischen Bewusstsein vgl. letzte Seminarstunde

Die kleinsten Einheiten der Lautsprache stellen die Phone dar. Sie sind „minimale, nicht weiter zerlegbare Einheiten“

[POMPINO-MARSCHALL 1995, S. 168], die ein Sprecher durch die Segmentierung des Schallkontinuums aufgrund

kleinster wahrnehmbarer Merkmale feststellen kann. Jede Sprache greift dabei nur auf einen Bruchteil – meist

ca. 30-50 – der vom Menschen bildbaren Laute zurück. In Extremfällen können es aber z.B. auch nur 13 (Hawaii)

oder gar 141 (bestimmte afrikanische Sprachen) sein.

Wenn diese nun der Bedeutungsunterscheidung dienen, werden sie Phoneme genannt: „Phoneme sind die kleinsten

bedeutungsdifferenzierenden Einheiten“ [GREWENDORF/ HAMM/STERNEFELD 1998, S. 86] einer Sprache. Ein Phonem

kann also unter Umständen in Form verschiedener Laute realisiert werden (z.B. /x/ als [x] oder []) und lässt

sich meistens mit Hilfe der Minimalpaarmethode nachweisen (Bsp.: Kasse – Gasse, d.h. /k/ und /g/ haben bedeutungsunterscheidende

Funktion und scheinen Phoneme des Deutschen zu sein). Das muss aber nicht immer der Fall

sein: „Entsteht durch Austausch eines Lautes durch einen anderen ein anderes Morphem (/mos/ vs. /mus/) oder

ein ‚Nicht-Morphem’ (/mos/ vs. /mes/), dann kontrastieren die ausgetauschten Laute und bilden Phoneme.“

[VATER 1996, S. 45].

„Bleibt jedoch bei Austausch eines Lautes durch einen anderen das Morphem erhalten, dann sind die betreffenden

Laute Allophone, d.h. Varianten des gleichen Phonems.“ [VATER 1996, S. 45]. Hier gibt es verschiedene Arten:

freie Allophone (z.B. aspirierte versus unaspirierte Plosive wie in [lop] oder [lop]), regionale Allophone (z.B.

Realisierung des Phonems /r/ als [r] (alveolar) oder [] (uvular), abhängig vom Aufwachsen in bestimmten Regionen

Deutschlands) und komplementäre Allophone (z.B. /x/ als [x] („ach-Laut“) nach hinteren Vokalen und als []

(„ich-Laut“) nach vorderen Vokalen).

Arten von Lauten:

• Selbstlaute (Vokale)

• Mitlaute (Konsonanten),

• Umlaute

• Doppellaut (Diphtonge)

Grapheme stellen in Analogie zur Terminologie der Lautstruktur „die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten

eines Schriftsystems .. [dar – Einfügung K. R.]: Die unterschiedliche Bedeutung der Wörter Ratte und Matte

leitet sich aus den Buchstaben R und M ab, die folglich als zwei verschiedene Grapheme anzusehen sind.“ [CRYS-

TAL 1995, S. 194]. Zu den Graphemen des Deutschen gehören z.B. die 26 Buchstaben und die Umlaute, aber auch

Satz- und Sonderzeichen des Schriftsystems. Zu einem Graphem gehören alle verschiedenen Zeichengestalten eines

Buchstabens, es ist aber nicht direkt schreibbar (das sind nur die Allographe [COLOCKAJA/MOLOŠNAJA/NIKOLAEVA

1964 nach GLÜCK H. 1987, S. 63]). Die wichtigsten Grapheme des Deutschen sind , , , …, ,

, , sowie die Mehrgraphe , , [DUDENREDAKTION, DUDEN GRAMMATIK 1998, S. 60].

Hinzu kommen noch Grapheme für Fremdwörter (z.B. ) und einige seltene Mehrgraphe (z.B. ).

Grapheme – als abstrakte Einheiten – können nun in verschiedenen Formen auftreten: in Druck- oder Schreibschrift,

handgeschrieben oder maschinengedruckt. All diese Varianten, die nicht zur Bedeutungsunterscheidung beitragen,

nennt man Graph. [CRYSTAL 1995, S. 194]. Das Graphem könnte man also als A, a, A, a oder in anderen

Schrifttypen schreiben, es würde trotzdem erkennbar bleiben. „Graphen, die Varianten eines Graphems bilden, werden

als Allographen bezeichnet“ [Hervorhebung im Original; CRYSTAL 1995, S. 194].

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Weitere sprachliche Einheiten:

Wort: intuitive sprachliche Einheit, die nach folgenden Kriterien näher bestimmbar ist (vgl.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wort)

• morphologisches Kriterium: Ein Wort ist eine möglichst kleine sprachliche Einheit, die eine Bedeutung trägt und

frei vorkommen kann.

• orthographisches Kriterium: Ein Wort ist eine Buchstabengruppe zwischen zwei Trennzeichen, meistens Leerzeichen.

• phonetisch/phonologisches Kriterium: Wörter sind Lautfolgen, die durch Grenzsignale wie zum Beispiel Pausen

voneinander abgehoben sind.

• semantisches Kriterium: Wörter zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine Bedeutung tragen.

• syntaktisches Kriterium: Wörter sind Einheiten, die sich innerhalb eines Satzes verschieben, durch andere austauschen

und durch das Einfügen weiterer Wörter voneinander trennen lassen.

Silbe:

Die Silbe (v. lat.: syllaba, griech.: συλλαβή "Zusammenfassung". Hier: Zsf. von Lauten oder Phonemen) ist ein

grammatischer beziehungsweise linguistischer Begriff, der eine Einheit aus einem oder mehreren aufeinander folgenden

Lauten (Phonemen) bezeichnet, die sich in einem Zug aussprechen lassen (Sprecheinheit). Sie stellt die

kleinste Lautgruppe im natürlichen Sprechfluss dar. Sie ist eine phonetische und keine Sinneinheit. Das bedeutet,

dass die Einteilung in Silben oft nicht mit der Einteilung in bedeutungstragende Einheiten (Morpheme) übereinstimmt.

(vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Silbe)

2 Sprache als Zeichensystem verstehen

Graphische Symbole in der Klasse und im Alltag:

• Tagesplan

• Gesprächsregeln, Wochenplanregeln

• Symbole für Freiarbeitsmöglichkeiten

• Schilder für die einzelnen Sozialformen

• Schilder für gebrauchtes Material

• Klassendienste

• Symbole an Fächern

• Firmenschilder und gängige Alltagssymbole

• Verkehrszeichen

Akustische Signale mit Symbolcharakter:

• Startsignal: Unterrichtsbeginn

• Ruhesignal: Unterbrechung der Arbeit

• Aufräummusik

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3 Phonologisches Bewusstsein im weiteren

Sinn: Geräusche

• Geräusche erkennen, z.B. Computerprogramm paLABra „Geräusche erkennen“

• Computerprogramm MiniLÜK Hörspaß: verschiedenste Übungen zur auditiven Wahrnehmung (vgl. Coninx,

SHA 6/2005)

• Computerprogramm Audiolog: verschiedenste Übungen zur auditiven Wahrnehmung

• Spiel „Bello und der Knochen“: ein Kind sitzt im Kreis und bewacht als Bello seinen Knochen mit geschlossenen

Augen. L zeigt auf ein Kind, das sich anschleichen darf, um den Knochen zu klauen. Hört das Kind in der

Mitte ein Geräusch, zeigt es in die vermutete Richtung. Stimmt diese Richtung, muss das Kind zurück auf seinen

Platz. Gelingt es einem Kind den Knochen zu klauen, darf es selbst in die Mitte.

• Stille Post

• Geräuschquelle im Raum vestecken, die ein Kind dann suchen muss

4 Phonologisches Bewusstsein im weiteren

Sinn: Wort

4.1 Reimaufgaben mit Wörtern

• Kinderreime und Abzählverse, vgl. Zusammenstellung in Forster/Martschinke

• Sprechzeichnen

• Reimwörter erkennen

• Spiele mit Reimwörtern: Quartett, Memory, Paare finden, Domino

• Spiel „Mein rechter, rechter Platz ist leer, da wünsch ich mir ... her“

• Hexensprüche ausdenken: z.B. „Ene mene Knall, ich wünsch mir einen Ball“

• Reimwörter bilden (der Mitlaut verändert das Wort: z.B. Hase – Nase); Achtung: Was sind Kriterien für Reimwörter?

(Wörter, die ab dem ersten Vokal identisch zum vorgegebenem Wort sind und zwar im Idealfall nicht

nur phonetisch, sondern auch orthographisch identisch; Wörter, die die gleiche Silbenzahl haben)

4.2 Wortbegriff

Unterrichtsstunde „Wir bauen Sätze“: Sätze bestehen aus Wörtern (inkl. Visualisierungsmöglichkeit)

http://www.rechtschreiben-steinleitner.de/tipps/tipp1.pdf

Spielideen:

• Welches Wort ist länger / kürzer? vgl. Übungen zur Silbe und zu Lauten

• Wörter in einem Satz zählen

• eine bestimmte Anzahl von Lernwörtern aufschreiben

• eine bestimmte Anzahl an Wörtern zu einem Thema aufschreiben

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5 Phonologisches Bewusstsein im weiteren

Sinn: Silbe

5.1 Einführung der Silbe

(vgl. Merzinger: Sprache untersuchen 1/2, S. 258 ff.)

Einstieg:

• Kinder hören die Tonbandaufnahme „Robotersprache“, in der sich ein kleiner Sprachroboter vorstellt (mit kurzen

Pausen zwischen den Silben gesprochener Text) → Kinder erzählen, Begriff Roboter klären, Kinder bewegen

sich wie Roboter durch den Raum

Erarbeitung:

• „Der Roboter hat merkwürdig gesprochen“: Roboter hat nicht nur zwischen den Wörtern, sondern auch in den

Wörtern Pause gemacht

• Gruppenarbeit: Kinder erhalten Satzstreifen und Roboterkopf, Aufgabe: Satz in Robotersprache sprechen, sich

dazu bewegen

• Vorstellen der Ergebnisse: L hängt Satzstreifen an die Tafel, die während der Vorstellung in Silben zerschnitten

werden: zunächst in Wörter, dann manche Wörter auch noch in Silben

• Einführen und Visualisieren der Begriffe „Wort“ und „Silbe“ (Silbenbogen)

Sicherung:

• Wörter nach der Anzahl der Silben ordnen und klatschen/hüpfen

• Gruppenarbeit: WKen in Silben gliedern (Striche als Silbengrenze eintragen, klatschen, hüpfen etc.) und durch

ein Lösungsblatt kontrollieren

5.2 Ideen zum Üben der Silbe

• Vorübung: Bewegen zur Trommel , auch als Stoppen-Spiel: Wenn die rhythmischen Schläge aufhören, müssen

alle Kinder einfrieren: Wer sich als letzter noch bewegt, scheidet aus

• Vorübung: Bewegen zur Musik

• Abzählverse

• Robotersprache

• Sprechzeichnen

• Hüpfsiel auf dem Boden: Gitternetz aufzeichnen, WKen mit mehrsilbigen Wörter, Wörter hüpfen

• Silben angeln: Angelspiel mit Silbenkärtchen (Tipp: WKen mit Büroklammern), SS angeln Silben und setzen sie

zu Wörtern zusammen, schreiben Wörter in Silben getrennt auf

• Freiarbeitsmaterial für Getrenntschreibung: Lernmaschine (Merzinger: Sprache untersuchen 1/2, S. 265 ff.)

• Wörter getrennt aufschreiben: Ro-bo-ter

• Wörter aus Silbenbausteinen zusammensetzen (Silbensalat)

• Memory mit Silben (zwei- oder dreisilbige Wörter), vgl. Littera

• Würfelbrettspiele zum Klatschen von Silben: statt des Einsatzes eines Würfels müssen die Kinder Wörter klatschen

und dürfen dann die entsprechende Silbenzahl vorrücken

• Würfelbrettspiel „Silben sammeln“

• „Ich sehe was, was du nicht siehst“ mit Silbenhinweisen

• Rätsel über die Silbenzahl stellen: Gegenstände mit ... Silben auswählen, Gegenstände mit ... Silben im Klassenzimmer

finden

• Kinder durch Klatschen in den Kreis rufen: z.B. alle Kinder, deren Namen zwei Silben haben (L klatscht zwei

mal)

• Länge von Wörtern bestimmen: Welches Wort ist länger? Marienkäfer oder Kuh? SS sollen die Länge von Wörtern

auf die Silbenzahl zurückführen und nicht auf semantische Eigenschaften des Begriffs

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• Arbeitsblätter aus Littera (z.B. unter Bilder die entsprechende Anzahl von Silben malen)

• Arbeitsblätter aus Lesen, denken, schreiben: Segmentationstraining auf der Ebene der Silben

• Arbeitsblätter zur Silbe auf http://www.rechtschreiben-steinleitner.de/

• Computerprogramm paLABra: Silbensegmentierung, Vokale im Silbenkern, Silben-Memory

6 Phonologisches Bewusstsein im engeren

Sinn: Laute und Buchstaben

6.1 Erkennen der An-, In- und Endlaute

• alle Gegenstände, die einen bestimmten Laut enthalten, finden und die Lautposition erkennen (Anfang, Mitte,

Ende). Für Kinder ist es am Anfang schwer, die Position zu benennen, da die Begriffe Anfang, Mitte und Ende

sehr abstrakt sind. Leichter wird es z.B. durch eine Veranschaulichung durch ein Krokodil

• in einem Situationsbild alle Wörter mit einem bestimmten Laut finden und ebenfalls die Position bestimmen

(Anfang, Mitte, Ende) (Verknüpfen mit Wortschatzarbeit!)

• Anlautwörter schreiben

• Welche Wörter gehen gleich an? z.B. Computerprogramm paLABra, Phonemvergleich

• Minimalpaare unterscheiden: Wort wird vorgesprochen, welches Bild passt? z.B. Computerprogramm paLABra,

Minimalpaare, Audiolog

• Lausch-Feuer-Wasser-Blitz: Kinder bewegen sich im Raum. Beim Stoppen der Musik nennt L einen Buchstaben

und die Kinder müssen reagieren (z.B. T – Tisch, F – Fenster, ...)

• Aufwärmen mit Anlautwörtern: Lehrer zählt lauter Anlautwörter, die meist zu einem bestimmten Laut passen,

auf. Sobald aber ein Wort nicht mit diesem Laut anfängt, müssen die Kinder eine Kniebeuge machen.

• „Ich sehe was, was du nicht siehst“ mit Anlauten

• Spiele mit Anlauten: Memory, Domino, Quartett, ...

• Anlautsprüche: Susi sagt sieben Sätze, Fischers Fritz fischt frische Fische, ...

• Bilderjagd: Bilder im Klassenzimmer verteilen, SS in Gruppen einteilen, die jeweils Bilder zu ihrem Anlaut

finden sollen

• Koffer packen: Nur Dinge zu einem bestimmten Anlaut einpacken

• Würfelspiel mit Anlauten: Kommt man auf ein Bild, muss man ein Wort nennen, das mit dem gleichen Anlaut

beginnt

• Anlaut-Endlaut-Schlange: Schlange aus Wörtern bilden, wobei der letzte Buchstabe des ersten Wortes zugleich

der erste des zweiten Wortes ist

• Hörbilder

• Arbeit mit der Anlauttabelle (Tipps zur Einführung: Frohes Lernen: Hören und Schreiben, Klett Verlag)

6.2 Segmentieren eines Wortes in Phoneme

Tipps:

• Prozess für Kinder in Handlungsschritte gliedern: deutlich sprechen – langsam sprechen – immer wieder sprechen,

für jeden Laut einen Stein legen, tippe und sprich dazu, sprich noch einmal – stimmt es? (vgl. Forster/Martschinke

2001, 49)

• mit 3-4-lautigem Wortmaterial beginnen, dann steigern

• lautgetreues Wortmaterial am besten mit CVCV-Struktur und Kontinuenten verwenden

• schwächere Schüler durch Lauthandzeichen unterstützen

• für schwächere Schüler z.B. mit Teppichfließen arbeiten und beim Lautieren des Wortes diese abschreiten

• vorher auf jeden Fall das Abhören von Anlauten sichern!

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Übungsideen:

• Lautkette: eine Perle für jeden Laut, Wörter buchstabieren üben

• Muggelsteine: für jeden Laut einen Muggelstein legen

• für jeden Laut einen Punkt malen

• Übungen zum Verschriften von Wörtern: mit Anlautschrift, mit vorgegebener Graphemzahl, ohne Hilfe

• Computerprogramm paLABra: Phonemsegmentierung, Phonemsegmentierung mit Schreiben, Synthesefähigkeit

Lautieren

6.3 Selbstlaute und Mitlaute

Übungsideen:

• nur die Selbstlaute oder Mitlaute eines Wortes aufschreiben

• Lückenwörter: Selbstlaute oder Mitlaute einsetzen

• Reimwörter bilden (der Mitlaut verändert das Wort: z.B. Hase – Nase); Achtung: Was sind Kriterien für Reimwörter?

(Wörter, die ab dem ersten Vokal identisch zum vorgegebenem Wort sind und zwar im Idealfall nicht

nur phonetisch, sondern auch orthographisch identisch; Wörter, die die gleiche Silbenzahl haben)

• Spiele mit Reimwörtern: Memory, Domino, Quartett

• der Selbstlaut verändert das Wort: z.B. die „Schale“ wird zu einem Gebäude: „Schule“

• Rebusrätsel (Bilderrätsel)

• Würfelbrettspiel „Selbstlaute sammeln“, vgl. Littera 59

• Hinzufügen oder Weglassen einzelner Laute kombiniert mit semantischen Rätseln: z.B. einen Buchstaben in

„auf der Schaufel kannst du wippen“ austauschen und es entsteht ein sinnvoller Satz (vgl. Merzinger 1/2, S. 281

ff.)

• Arbeitsblätter aus Lesen, denken, schreiben zur Silbensegmentation

• Computerprogramm paLABra: Vokale im Silbenkern (Selbstlaute in die Silbenbögen einsetzen), Konsonanten

initial/final/medial (Konsonanten einsetzen)

6.4 Umlaute

vgl. Rechtschreiben Rechtschreibtrick „Verwandte Wörter“ (ä, ö, ü, äu) → Bezeichnung „Umlaute“ einführen

Anwendungen des Rechtschreibtricks „Verwandte Wörter“ bzgl. Umlauten:

• Pluralbildung (Haus – Häuser, Ofen – Öfen, Fuß – Füße, Ball – Bälle

• Umlautung von Tunwörtern: laufen – er läuft

• bei Verkleinerungsformen benötigt man Umlaute (z.B. Katze, Kätzchen)

6.5 Doppellaute

vgl. Rechtschreiben ei, eu, au → Bezeichnung „Doppellaut“ einführen

Übungsideen:

• Doppellaute einsetzen

• Doppellaute sind durch Kleckse etc. verdeckt

• Geheimschrift: eu, au, ei sind in Texten durch Bilder, Symbole, etc. ersetzt

• Klammerkarten

• Hörübungen: hörst du eu, au oder ei; Wörter mit Doppellauten in Gruppen ordnen

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7 Sprachheilpädagogische Tipps und

Spielideen

• Für Kinder in der 1. Klasse schlägt Steinleitner vor, eine Materialbox zusammenzustellen, die jedes Kinder hat

und mit der man dann regelmäßig im Unterricht arbeiten kann. Schön ist, dass die abstrakten Begriffe „Wort“,

„Laut“, „Silbe“ etc. mit Hilfe dieser Materialien gut visualisierbar sind:

(http://www.rechtschreiben-steinleitner.de/tipps/tipps.htm)

• Es empfiehlt sich zum Training der phonologischen Bewusstheit zu Beginn der 1. Klasse ein Trainingsprogramm

mit der gesamten Klasse durchzuführen. Dazu eignet sich das systematische Konzept „Leichter lesen und

schreiben lernen mit der Hexe Susi“ (Forster/Martschinke 2001).

• Die Spiele zur phonologischen Bewusstheit lassen sich auch gut in eine Rahmengeschichte einbinden: Eine beispielhafte

Umsetzung liefert z.B. das Trainingsprogramm zur phonologischen Bewusstheit „Leichter lesen und

schreiben lernen mit der Hexe Susi“. Es bettet die Übungen in eine Hexengeschichte ein. Zu allen Figuren werden

Stab- oder Handpuppen verwendet: Leitfigur ist die 133 Jahre alte Hexe Susi, die aber leider die Zaubersprüche

im Hexenbuch nicht lesen kann. Um also hexen zu lernen, muss sie zuerst lesen lernen. Dabei helfen ihr

verschiedene Figuren: Der Rabe Kunibert bringt ihr die Silbensprache bei und ihr Kater Niko übt mit ihr, Laute

aus einem Wort herauszuhören.

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8 Literatur und Materialien

Bayerischer Schulbuch Verlag (bsv): Das Sprachbuch 1/2 & 3/4. Schülerbuch, Arbeitsheft und Lehrerhandbuch.

Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (2000): Lehrplan für die bayrische Grundschule.

http://www.isb.bayern.de (02.08.2006).

Forster, M./Martschinke, S. (2001): Diagnose und Förderung des Schriftspracherwerbs. Leichter lesen und schreiben

lernen mit der Hexe Susi. Übungen und Spiele zur Förderung der phonologischen Bewusstheit. Auer Verlag,

Donauwörth.

Gombert, J. E. (1992): Metalinguistic development. University of Chicago Press, Chicago. (Kapitel Phonologisches

Bewusstsein)

Grissemann, H./Roosen, H. (1989): Trainingsprogramm lesen denken schreiben. Bd. 1 und 2 inklusive Lehrerkommentar.

Lipura Verlagsgesellschaft, Luzern.

Hartmann, E. (2003): LRS-Prävention bei sprachentwicklungsgestörten Kindern durch vorschulische Förderung

phonologischer Bewusstheit: Grundlagen, Forschungsbilanz und Perspektiven. In: mitSPRACHE 1/2003, S. 7

ff.

Jansen, H./ Marx, H.: Phonologische Bewusstheit und ihre Bedeutung für den Schriftspracherwerb. In: Forum Logopädie

2/1999. S. 7 - 16.

Klett Verlag: Frohes Lernen. Lesen und Schreiben. (Ergänzung zur Fibel „Frohes Lernen“). Wien/Leipzig 2004.

(Vorgehen und Materialien zur Einführung der Anlauttabelle)

Küspert, P./Schneider, W. ( 2 2002): Hören, lauschen, lernen: Sprachspiele für Kinder im Vorschulalter. Würzburger

Trainingsprogramm zur Vorbereitung auf den Erwerb der Schriftsprache. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.

Merzinger, A. (2002): Sprache untersuchen im 1. und 2. Schuljahr. Oldenbourg Schulbuch Verlag, München/Düsseldorf/Stuttgart.

Reber, K./Steidl, M. (2002): paLABra. Software für Metalinguistische Sprachtherapie. http://www.palabra-info.de

Reber, K. (o.J.): Kurshomepage. http://www.karin-reber.de/sprachforscher.htm

Steinleitner, U. (2001): Zauberlehrling. Richtig schreiben. Verlag Moritz Diesterweg. Frankfurt a. M. Arbeitsheft,

Lehrerband sowie Zusatzmaterialien unter http://www.rechtschreiben-steinleitner.de/.

Wildegger-Lack, E. (2003): Littera – Metalinguistische Schriftsprachtraining in sechs Stufen. Verlag Wildegger,

Germering.

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