Was Kindern nach der Trennung bleibt, sind Vater und Mutter als ...

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Was Kindern nach der Trennung bleibt, sind Vater und Mutter als ...

Einleitung > > > > > > > > > > > > > > > > > 3

> Kinderkram > > > > > > > > > > > > > > > > 4

Meine Eltern – unsere Kinder 4

Die Elternrolle in der Entwicklung der Kinder 6

> Die Familie im Ausnahmezustand > > > > > > > 10

Die Trennungssituation der Eltern 10

Reaktionen der Kinder auf die Trennung 12

Entfremdung zwischen Eltern und Kind 16

Eltern, das Jugendamt und die Gerichte 22

Kontaktabbruch durch den Vater 26

> Kühle Köpfe – Neugestaltung des Familienlebens > > 30

Mediation – Hilfe in Konfliktsituationen 30

Das elterliche Sorgerecht 32

Kindgerecht gestalteter Umgang 34

Informationen zum Kindesunterhalt 38

Ein Kind, zwei Betten – Wohnen bei beiden Eltern 40

> Die Gesellschaft – ein Appell > > > > > > > > > > 44

Quellenverzeichnis 50

Literatur 52

Stichwortverzeichnis 54


Seit den Siebziger Jahren haben sich die Rolle der Frau und

die Lebensbedingungen für Frauen in europäischen Ländern

grundlegend geändert. Selbstbestimmung, Sicherheit und De-

mokratie prägen ihr Leben. Ihre Bildungschancen haben sich

deutlich verbessert, was dazu führt, dass sie viel Zeit und

Kraft in ihr berufliches Fortkommen investieren. So erhalten

sie die Bestätigung ihrer Fähigkeiten in der Arbeitswelt und

sichern ihre finanzielle Versorgung oft selbst. Trotzdem möch-

ten sie Mutter sein. Oft geraten dann der Wunsch nach der

bestmöglichen Erfüllung der mütterlichen Rolle und die Aus-

übung eines zufriedenstellenden Berufes in Konflikt. Die Ver-

knüpfung des Idealbildes der Gesellschaft von einer Mutter

und ihren Aufgaben und ihre Beschäftigung in der Arbeits-

welt überfordert viele Frauen. Die überhöhten Erwartungen

an Mütter resultieren aus einer Art Muttermythos. Er »entspringt

einer Zeit, als Frauen als Geheimnisträger der Schöpfung

galten«, da der Zusammenhang »zwischen Zeugung

und Geburt noch unbekannt war« 1 . Aufgrund der Fähigkeit

zu gebären stilisierte man sie zu Göttinnen. Dieses Bild prägt

bis heute das Bild von Müttern in der Gesellschaft.

Zu diesem Druck auf die Mutter kommt hinzu, dass auch die

Ansprüche, die Partner aneinander haben, stark gestiegen

sind. Männer suchen nach einer Partnerin, die trotz Kindern

und Haushalt zu jeder Tages- und Nachtzeit sexy und verführerisch

ist, die trotz größtem Stress vorzeigbar aussieht und

selbst beim Zubereiten des Abendessens gute Laune versprüht.

Und Frauen suchen einen gutaussehenden Mann, der im Be-

ruf erfolgreich ist, aber die Freizeit eines Hausmannes hat.

Da die Realität meist stark von ihren Vorstellungen abweicht,

sind die Partner eher früher als später enttäuscht voneinander.

Realitätsferne Ansprüche, der damit verbundene Druck

und unausgesprochene Lebensvorstellungen sind schlechte

Grundlagen für eine beständige Partnerschaft.

»Fast jede fünfte Familie in Deutschland ist eine Einelternfamilie.

Über 2 Millionen Kinder unter 18 Jahren leben bei einem

allein erziehenden Elternteil.« 2 Davon sind 90 Prozent Mütter.

Die gesellschaftliche Anerkennung dieser Familienform darf

nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Alleinerziehen für

denjenigen mehr Verantwortung bedeutet, mehr Kraft kostet

und Organisation erfordert, als für Familien mit zwei Elternteilen.

Auch die finanziellen Folgen sind nicht zu unterschätzen.

Familien heute – Geburtsort der Gesellschaft von morgen

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter bestätigt,

dass ȟber ein Drittel aller Einelternfamilien Sozialleistungen

vom Staat« 3 beziehen. Zu der erhöhten finanziellen Belastung

kommen die Probleme, die die Kinder mit der Trennung ihrer

Eltern haben. In der Diskussion um Umgang und Unterhalt ge-

raten die Bedürfnisse der Kinder oft ungewollt in den Hintergrund.

Unter schwelenden oder auch offen eskalierenden Streitigkeiten

leiden Kinder oft mehr als es von außen sichtbar ist.

»Wie den Männern das Geld, so dienen die Kinder den Frauen

als Waffe, deren Einsatz als Kampfmittel ihr Leben unerfreulich

macht und nicht selten mit dem Verlust des Vaters endet.« 4

Kinder, Frauen und Männer sind in diesem Konflikt Opfer. Kinder

haben die Einheit aus Vater und Mutter verloren. Frauen

»sind Opfer des Systems und eines ideologischen Trends.«

Sie finden sich in einem ›Beratungsnetz‹ wieder, dass auf ihr

gutes Recht als Frau und Mutter verweist. So verlieren sie

ihre eigene Entscheidungskompetenz im Durcheinander von

Empfehlungen, Hinweisen und Gesetzen und geben sie oft

unfreiwillig an Anwälte, das Jugendamt und andere ›Trennungsexperten‹

ab. 5 Männer sind Opfer, weil sie nur auf die

›Ernährerrolle‹ reduziert werden. So müssen sie nicht nur

finanzielle Einschränkungen verkraften, sondern vor allem

den Verlust ihrer Rolle als fürsorglicher Vater oder sogar

den Kontaktabbruch zu ihren Kindern hinnehmen.

Es ist schwer vorstellbar, dass aus der Mischung aus traurigen

Kindern, überforderten Müttern und verletzten Vätern eine an-

genehme Gesellschaft entstehen kann. Eine Gesellschaft, die

die Wichtigkeit von gewachsenen sozialen Beziehungen frei-

willig oder unfreiwillig verkennt, ist unmenschlich. Ziel ist

nicht, Trennungen zu verhindern, die notwendig sind, sondern

die Aufklärung darüber, was die Trennung der Eltern in den

Kindern auslöst und wie die Trennung die Eltern selbst verändert.

Eltern sollen erfahren, wie viel sie gemeinsam für sich

und vor allem für ihre Kinder im Rahmen einer Trennung

tun können, um ihnen trotz dessen eine schöne Kindheit zu

ermöglichen, damit aus ihnen glückliche und selbstsichere

Erwachsene werden können.


Kinder können sich ihre Eltern nicht aussuchen. Sie haben

ein natürliches Bedürfnis danach, ihre biologischen Eltern zu

kennen und von ihnen Liebe und Fürsorge zu erhalten.

Eltern haben sich mit der Zeugung eines Kindes dazu

entschieden, die persönliche und soziale Entwicklung dieses

Menschen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen

Persönlichkeit zu fördern und ihn mit der Fähigkeit

zur Selbstbestimmung, gesellschaftlicher Mitverantwortung

und sozialem Engagement auszustatten. Dabei ist es laut

Ursula Kodjoe für das Kind ohne Bedeutung, welche rechtliche

Qualität die Beziehung der Eltern zueinander hat. Durch

gegenseitigen Respekt und gute Kommunikation ermöglichen

die Eltern sich, dem anderen Elternteil und ihren Kindern ein

angenehmes Leben, trotz Trennung. Ist dem Kind der Zugang

zu einem Elternteil aufgrund dessen Todes nicht möglich, kann

dieser Verlust durch intensive soziale Beziehungen zu anderen

wichtigen Bezugspersonen wie Verwandten, Freunden oder

Nachbarn in seiner Stärke zumindest gemindert werden.


Die Entwicklungspsychologie geht davon aus, dass ein Kind

etwa ab dem achten Lebensmonat versucht, sich aus der symbiotischen

Verbindung mit der Mutter zu lösen. Diese Loslösung

von der Mutter ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung zu

einer eigenständigen Persönlichkeit. In dieser Phase schwankt

das Kind zwischen dem Wunsch nach Wiederherstellung der

Einheit mit der Mutter und dem unbedingten Willen zur Abgrenzung

und Selbstständigkeit. Diese Gegensätze äußern sich durch

das Suchen der Nähe der Mutter einerseits und der Entwicklung

von Trotz und Abwehr ihr gegenüber andererseits. Die Präsenz

des Vaters gibt dem Kind dann den notwendigen Halt. Er mildert

dessen Verlustängste und hilft dem Kind damit über die Trennung

von der Mutter hinweg. Die Entwicklung dieser Dreiecks-

zu verstehen. Der Junge erlebt seinen Vater als groß, stark,

allwissend und allmächtig und will so werden wie er. Doch da

er sich immer öfter dem Vater unterlegen fühlt, entstehen in ihm

Gefühle der Ohnmacht und Wut. Die Anerkennung seiner wachsenden

Fähigkeiten durch den Vater hilft dem Jungen, diese

Zwiespältigkeit zu überwinden. 9

Während Jungen in dieser Zeit körperlich herausfordernde

Spiele vorziehen, bevorzugen Mädchen soziale, kommunikative

Spiele, beispielsweise das Spiel mit Puppen. Sie identifizieren

sich stärker mit der Mutter und ihrer Weiblichkeit und Mütterlichkeit.

Wächst der eigene Wille der Mädchen und das Gefühl

eigener Identität, wird auch der Wunsch zur Abgrenzung zur

Mutter größer. Es ist folgerichtig, dass Mädchen in dieser Zeit

stärker Zuwendung und Trost vom Vater benötigen, Jungen

Mutter und Vater sind gleich wichtig. Beide sind nur in verschiedenen Phasen der Entwicklung des Kindes von Bedeutung

beziehung zwischen Mutter, Vater und Kind findet zwischen

dem neunten und vierzehnten Lebensmonat des Kindes statt und

wird Triangulierung genannt. Durch dieses Beziehungsdreieck

bekommt das Kind Liebe und Zuwendung von zwei verschiedenen

Menschen. Sie bieten eine weibliche und eine männliche

Identifikationsmöglichkeit. Erst durch die Integration beider

Anteile kann das Kind seine Persönlichkeit aufbauen. 6

Eine gelungene Triangulierung stellt einen »Kreislauf mit wechselseitig

positiven Beziehungen zueinander dar«. Bestätigt der

Mann die Frau in ihrer Mutterrolle und akzeptiert er sie als Partnerin,

ist sie innerlich ausgeglichen genug, um das Kind freizugeben.

Fühlt sich der Mann von der Frau in seinem väterlichen

Engagement bestätigt und von ihr geliebt, wird er seine Vaterrolle

umso besser ausfüllen. 7

In diesem Kreislauf vereinen sich zwei Systeme: das Bindungsverhaltensystem

zwischen Eltern und Kind, das zu dessen Schutz

und Sicherheit dient, und das Explorationsverhaltensystem,

das den Erkundungsdrang des Kindes unterstützt und fordert.

Beide Systeme greifen eng ineinander, sind also in idealer Weise

gegensätzlich, weil sie die wechselnden Bedürfnisse des Kindes

nach Bindung und Freiheit befriedigen. Die Emotionalität und

die sprachliche Kommunikation der Mutter gibt dem Kind in

dieser Phase die nötige Sicherheit. Der Vater vermittelt dem

Kind die Umwelt durch aktive Konfrontation mit der Umgebung

und fordert dessen Erkundungswillen verbunden mit Mut,

Wagnis und Risiko heraus. Die Verbindung dieser zwei Systeme

gibt dem Kind Selbstsicherheit und hilft bei der Bewältigung der

späteren Lebensaufgaben. 8

Die Kraft und die motorischen Fähigkeiten eines Jungen wachsen

im Alter von drei Jahren sprunghaft an. Durch die Unterstützung

seiner motorischen Fähigkeiten durch den Vater lernt er

den kontrollierten Umgang mit seinen Aggressionskräften und

bildet dadurch moralische Werte aus. Laut Petri ist die Beherrschung

der Kraft und das Erlernen von Kontrolle der Aggression

durch Regeln und Gemeinsamkeit eine wichtige Sphäre des

Mannes und nicht nur als Ergänzung zur mütterlichen Fürsorge

dagegen emotionalen Halt bei der Mutter suchen. Entwicklungspsychologen

erachten es als wichtig, die wachsende Stärke,

Aggression und den sich entwickelnden Egoismus der Kinder

mit festen Regeln und Grenzen einzuschränken, um ihnen das

Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln. Daraus

erwächst wiederum eigene Selbstsicherheit im Umgang mit

inneren und äußeren Konflikten. 10

In der Pubertät treffen widersprüchliche körperliche, seelische

und soziale Entwicklungen aufeinander. Die Veränderungen des

Körpers und seiner Funktionen gehen mit Verunsicherungen des

Körpergefühls einher. Jugendliche sollen in dieser Zeit außerdem

die Normen und Werte der Gesellschaft übernehmen, sich dabei

von ihren Eltern innerlich und äußerlich eindeutiger trennen und

den Sinn ihres eigenen Lebens finden. Aufgrund dieser Herausforderungen

kommt es in dieser Phase zur typischen Identitätskrise

mit Selbstzweifeln. 11 Laut Petri benötigen die Jugendlichen

»in dieser Krise [ … ] die Väter stärker als die Mütter« 12 . Während

die Mutter ab der Geburt mit ihren körperlichen und sozialen

Fähigkeiten die wichtigere Person darstellt, ist die Verantwortung

des Vaters für die Kinder in der Pubertät und Adoleszenz

am größten. 13 Die Identität des Sohnes kann aus »der Konfrontation

und der Identifikation mit dem Vater« 14 stark werden. Dabei

spielt das eigene Identitätsgefühl des Vaters in sofern eine wichtige

Rolle, als dass er dem Sohn und auch der Tochter Zuversicht

für ihr Leben geben kann, wenn er trotz Widrigkeiten mutig und

hoffnungsvoll wirkt. 15 Die Tochter identifiziert sich zwar mit

der Mutter, »und doch braucht sie den Vater, um ein positives

Männerbild verinnerlichen zu können« 16 . Durch die Bestätigung

ihrer weiblichen Identität durch den Vater entwickelt sie ein

stabiles Frauenbild und eine angstfreie Sexualität. 17


Was Kindern nach der Trennung bleibt, sind Vater und Mutter als Einzelwesen

Viele Paare, die sich trennen wollen, halten diese Entscheidung

oft aus Rücksicht so lange wie möglich vor den Kindern geheim.

Die meisten Kinder bemerken aber doch Veränderungen und

fühlen sich von dieser Ungewissheit bedroht. Die Wahrheit

zu erfahren, macht es ihnen möglich, »auf die grundsätzliche

Weltveränderung mit Gefühlen reagieren zu können, die den

anstehenden Umbrüchen angemessen sind« 18 . Diese können sie

offen gegen die Eltern als Verursacher der Trennung richten.

Es muss ihnen möglich sein, ihren Zorn und die Enttäuschung

über die Trennung ausleben zu dürfen, ohne die Angst, dafür

bestraft zu werden. Wird ihnen diese Möglichkeit genommen,

richten die Kinder ihre »negativen Gefühle gegen sich selbst« 19 .

Studienergebnisse von Anneke Napp-Peters zeigen, dass sie

körperliche oder psychische Krankheiten entwickeln können,

»die einen in minderer Form, die anderen in schwerer, die

einen unmittelbar, die anderen später« 20 .

Nicht nur für die Eltern ist die Trennung eine Krise, auch für

Kinder stellt sie eine Belastung dar. Diese kann sich durch

»Einnässen, Nägelkauen, Hautausschlag, nervöses Augenzucken

oder psychosomatisches Leid wie gestörten Schlaf, Aufmerksamkeitsstörungen,

[ … ] Verträumtheit und Niedergeschlagenheit«

äußern. Oder ganz allgemein: »die Kinder sind einfach

nicht mehr so glücklich wie früher« 21 . Eine Trennung der Eltern

ist für Kinder ein großer Eingriff in ihr Leben, denn sie nimmt

ihnen den gewohnten Alltag mit beiden Elternteilen. Daher

versuchen Eltern oft, die Trennung möglichst wenig belastend

für ihre Kinder zu gestalten. Der Versuch, den Kindern diese

große Veränderung angenehmer machen zu wollen, ist für

Kinder unerheblich, da sie Vater und Mutter »nicht mehr in der

verbundenen Elterlichkeit erleben« 22 werden. »Kinder nehmen

es als Zeichen der elterlichen Abkehr wahr«, 23 dass ihre Eltern

sie nicht mehr als Paar aufwachsen sehen werden.


Kinder können durch den Glauben geschwächt werden,

einen wichtigen und einen verzichtbaren Elternteil zu haben

Mehr noch als von der Trennung selbst, sind die langfristigen

Folgen für Kinder von den Bedingungen danach abhängig.

Aufgrund von Schuldgefühlen versuchen Eltern manchmal, die

Kinder an anderer Stelle für Entbehrtes zu entschädigen. Möglicherweise

versuchen sie, ihnen Schwierigkeiten aus dem Weg

zu räumen, die sie ihnen ohne die Trennung zugemutet hätten.

Wiederholt sich dieses Verhalten, können die Kinder dadurch

hohe Erwartungen entwickeln, da sie gelernt haben, dass ihre

Eltern für die Bewältigung von ihren Schwierigkeiten zuständig

sind. Eltern, denen es schwerfällt, klare Forderungen zu stellen,

werden zum Spielball der Kinder. 24

Oft versuchen Kinder aber auch zum Helfer ihrer Eltern zu

werden, da sie deren Probleme spüren. Zu früh für ihr Alter

und ihre Kräfte übernehmen sie zu viel und teilen die Sorgen

und Pflichten von Mutter und Vater. Häufig fühlen sie sich für

die Atmosphäre zu Hause verantwortlich und gehen manchmal

sogar davon aus, dass sie und ihr Fehlverhalten die Ursache der

Streitigkeiten der Eltern sind. Der Verlust ihres Selbstwertgefühls

und die Entstehung von Schuldgefühlen und kindlicher Depression

können die Folgen dessen sein. Oftmals verhalten sie sich

aggressiv oder aber sehr destruktiv. 25 Ȁltere Kinder glauben, der

Streit findet statt, weil es sie überhaupt gibt,« was im Extremfall

auch zur Entstehung von Suizidgedanken führen kann. 26

Da das Beziehungsdreieck zwischen Mutter, Vater und Kind in

den Gedanken und Gefühlen der Kinder weiterhin wirksam ist,

beschäftigen sie sich außerdem damit, was sie von dem Elternteil

›geerbt‹ haben, bei dem sie nicht dauerhaft leben. Laut Heinz

Offe spielt der nichtbetreuende Elternteil in den Vorstellungen

und Phantasien der Restfamilie weiterhin eine wichtige Rolle,

besonders wenn der Kontakt abgebrochen ist. 27 Dabei können

Kinder teilweise stark idealisierte, aber auch völlig negative

Phantasiebilder entwickeln, die Auswirkungen auf ihre Identitätsbildung

haben, was problematisch ist, da Kinder dazu neigen,

Merkmale ihrer Eltern in ihr eigenes Selbstbild aufzunehmen.

»Für die eigene Identitätsentwicklung ist es daher wichtig

und hilfreich, den anderen Elternteil zu kennen und konkrete

Erfahrungen mit ihm zu machen, um sich nicht mit Phantasien

auseinander setzen zu müssen. Dies gilt auch dann, wenn die

konkreten Erfahrungen möglicherweise enttäuschend sind, weil

der andere Elternteil sich nicht kümmert.« 28

Für Kinder kann die Folge dieser fehlenden Identifikationsmöglichkeit

eine Minderung im Selbstwertgefühl und ihrer Selbstsicherheit

sein. Mangelndes Selbstvertrauen in die eigenen

Fähigkeiten kann das Ergebnis davon sein, dass sie glauben,

dass nur ein Teil von ihnen in Ordnung ist. Nach außen wirken

sie stark und positiv, doch innerlich haben diese Kinder häufig

Probleme mit eigenem Versagen, mit normaler Zerrissenheit.

So kommt es im frühen Erwachsenenalter bei normalen Erfahrungen

mit eigenem Versagen möglicherweise zu Schuldzuschreibungen

an die Eltern und andere, da es immer ein zuverlässiges

Feindbild in ihrem Leben gegeben hat, dem man die

Schuld geben konnte. Auf diese Weise haben die Kinder nicht

gelernt, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen oder anzupassen.

Außerdem fällt es ihnen schwer, »Gefühle und Einstellungen

ihrer Mitmenschen zu akzeptieren, wenn sie von den eigenen

abweichen«. In späteren Freundschaften kann dies Schwierigkeiten

bereiten, »denn es gibt nur die polarisierte Sicht auf die

Welt und die Menschen. Entweder sie sind ihrer Meinung, dann

sind sie als Verbündete akzeptiert oder sie sind es nicht und die

Beziehungen werden abrupt abgebrochen«. Weitere Folgen von

fehlenden Identifikationsmöglichkeiten können das Auftreten

von Leistungs- und Beziehungsängsten, Depressionen oder

aggressives Ausagieren und selbstschädigendes Verhalten im

jungen Erwachsenenalter sein. 29

Der bereits beschriebene Mangel an Identifikationsmöglichkeiten

kann sich auch für die Ausbildung der Geschlechtsrollenidentität

bei Jugendlichen als schwierig gestalten. Jungen, die ihren Vater

ablehnen müssen, fühlen sich gezwungen, die eigene männliche

Seite abzulehnen. 30 Der Versuch, sich aus der »femininen Identifikation

mit der Mutter zu befreien«, 31 äußert sich oftmals

durch antisoziales Verhalten. Dieses erklärt sich damit, dass

ihnen das männliche Vorbild zur Ausbildung ihrer Moral und

Selbstkontrolle fehlt. 32 Für Mädchen, die ihren Vater ablehnen

müssen, kann es sich als schwierig herausstellen, »Vertrauen

in ihre Weiblichkeit zu entwickeln« 33 . Ihnen fehlt der liebevolle

Blick ihrer Väter und dessen positive männliche Bestätigung

ihrer Attraktivität. Auch die spätere Anerkennung durch andere

Männer kann die Selbstzweifel nicht ausräumen. Diese Frauen

verlangen oft nach mehr Aufmerksamkeit und mehr Nähe,

sind sehr liebebedürftig und anhänglich. Doch häufig können

sie die emotionale Leere trotzdem nicht füllen und für sich

kein angenehmes Maß an Zufriedenheit erreichen. Zusätzlich

dazu leiden sie aufgrund ihres schwach ausgeprägten Selbstbewusstseins

häufiger an Essstörungen und Zwangskrankheiten

und werden im jungen Erwachsenenalter häufiger Opfer von

Gewalt und sexuellem Missbrauch. 34 Mädchen, deren Mutter

als ihre ›Freundin‹ gelten will, wird die Loslösung von ihr noch

mehr erschwert, da die Tochter für die notwendige Distanzierung

zu wenig Möglichkeiten hat.

»Eine der gravierendsten Auswirkungen lang anhaltender, ungelöster

Elternkonflikte ist das fehlende elterliche Modell, auch mit

scheinbar schwierigen Beziehungen umgehen zu lernen.« 35 Ihnen

fehlen die direkten Vorbilder für soziale Verhaltensweisen und

Rollenverteilungen, weshalb Kinder häufig nur vermindert

konfliktfähig sind. Sie vermeiden Auseinandersetzungen, da

sie nicht gelernt haben, wie man Probleme miteinander löst.

»Diesen Kindern« fehlt »die Übung mit Dreier-Beziehungen. Ihre

Ur-Erfahrung bleibt auf Zweierkonstellationen beschränkt.« 36

Deshalb fordern sie nicht selten Exklusivität in ihren Beziehungen

zu anderen Menschen, »was in der Regel zu sozialer Isolation

führt« 37 und besonders problematisch wird, wenn diese Kinder

im Erwachsenenalter selbst ein Kind bekommen und dann im

Beziehungsdreieck Mutter-Vater-Kind agieren müssen.


Die Psychologie beschreibt eine Störung, die vor allem im

Zusammenhang mit Sorgerechtsstreitigkeiten auftritt, als das

Parental Alienation Syndrome, PAS. Es äußert sich hauptsächlich

in der Ablehnungshaltung des Kindes gegenüber einem

Elternteil, da Entfremdungsgefühle entstehen, die sich verfestigen.

Sie erreichen verschiedene Ausmaße, welche im Extremfall

bis hin zur krankhaften Ausprägung im Sinne des Parental

Alienation Syndrome reichen können, also einer dauerhaften,

starken Ablehnung eines Elternteils. Im Deutschen hat sich der

Begriff des Eltern-Kind-Entfremdungssyndroms etabliert. 38

Die Entfremdung ist gekennzeichnet durch negative Gefühle, wie

Ablehnung, Ärger und Furcht gegenüber einem Elternteil, die

das Kind wiederholt und von sich aus zum Ausdruck bringt. Sie

erscheinen, »gemessen an den Beziehungserfahrungen, die das

Kind tatsächlich mit diesem Elternteil gemacht hat, als unverhältnismäßig

stark«. 39 Dabei kann es einen Elternteil als ›nur

gut‹ und den anderen als ›nur schlecht‹ wahrnehmen. Es kann

vorkommen, dass die Ablehnungshaltung auch auf Verwandte

und Freunde des entfremdeten Elternteils ausgeweitet wird.

Die Psychologie macht deutlich, dass das entfremdete Kind

aufgrund eines hohen familiären Konfliktniveaus den Elternteil

bevorzugt, bei dem es seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort hat

und mit dem es aus Mitleid und Angst, diesen auch noch zu

verlieren, eine Allianz eingegangen ist. Da das Kind sich in dieser

Situation in einem »schweren Loyalitätskonflikt« befindet und

unter hohen Druck steht, sieht es den einzigen Weg, sich dem zu

entziehen, im Rückzug von einem Elternteil. 40

Die Entfremdung geschieht unbewusst oder bewusst durch den

betreuenden Elternteil. Der Wunsch, nach der Trennung den

Kontakt mit dem Partner zu meiden, ist mitunter sehr groß und

es kann passieren, dass der betreuende Elternteil die Diskrepanz

zwischen den eigenen Bedürfnissen und den Bedürfnissen

des Kindes nicht mehr wahrnimmt. 41 Vielfach wird versucht,

die Enttäuschung oder Trauer über die gescheiterte Partnerschaft

durch die komplette Aufmerksamkeit und Zuwendung

des Kindes auszugleichen. Um das Kind ›zur Ruhe‹ kommen zu

lassen, werden die Kontakte zum anderen Elternteil nicht selten

eingeschränkt und dessen Besuch im ehemaligen gemeinsamen

Haushalt untersagt, da der ›Entfremder‹ sich sicher ist, dass sein

Handeln zum Wohl des Kindes beiträgt. »Später lehnt das Kind

den Besuch von sich aus ab«, womit es versucht, dem inneren

Konflikt zwischen dem Wunsch des betreuenden Elternteils und

seinem eigenen zu entkommen. 42

Wenn das ablehnende Verhalten des Kindes als »dessen ur-

eigenster und unbeeinflusster Wille aufgefasst wird,« ist es auf die

Stufe eines gleichwertigen Partners gestellt worden. Da die Ableh-

Der Rückzug von einem Elternteil ist für das Kind oft der einzige Ausweg aus dem Loyalitätskonflikt

nung des Kindes dem entfremdenden Elternteils entgegen kommt,

wird er es »daher auch nicht auffordern, diese Parteinahme zu

unterlassen,« und den Kontakt zum ›Schutz des Kindes‹ weiter

unterbinden« 43 . Diese Eltern betonen zwar nachdrücklich, dass

das Kind frei über Umgangskontakte entscheiden kann, doch

werden die Versuche der Kontaktaufnahme durch den anderen

Elternteil »häufig als Störung wahrgenommen, was mehr oder

weniger direkt an das Kind vermittelt wird.« 44

Das Auftreten des Entfremdungssyndroms wird häufig bedingt

durch die »offene Verachtung und verbale Abwertung des

anderen Elternteils«. Die Aussagen des Kindes sind dann von

der Sprache des entfremdenden Elternteils und nicht kindgerechten

Formulierungen geprägt. Oft fördert die Angst, das Kind

zu verlieren, Aktionen, die das Kind vom anderen entfremden.

Klinische Untersuchungen zeigen, dass bei dem Entfremder

mit krankhaften Auffälligkeiten zu rechnen ist, wie Probleme

mit der inneren Abgrenzung vom Kind. In Folge von extremen

Trennungs- und Verlustängsten leiden die entfremdenden Elternteile

an einer »unzureichenden Realitätsprüfung sowie projektiver

Identifikation mit dem Kind« 45 . Aber auch der abgelehnte

Elternteil weist kritische Verhaltensweisen auf, »wobei diese

Aspekte [ … ] keine extremen Auffälligkeiten beinhalten und

demzufolge [ … ] keine ausreichende Erklärung für die Verweigerungshaltung

des Kindes und für die radikale Sicht des betreuenden

Elternteils darstellen« 46 . Oft können abgelehnte Elternteile

» nicht zwischen Bedürfnissen und Verhalten des Kindes

und Motivation und Verhalten des betreuenden Elternteils

trennen«. Sie nehmen den Willen des Kindes oft nicht ernst, da

das Verhalten des Kindes ausschließlich auf den Einfluss des

betreuenden Elternteils zurückgeführt wird. 47 Einige entfremdete

Elternteile versuchen dann auf gerichtlicher Ebene, »in

Anbetracht der Realität, irrationale Wünsche durchzusetzen« 48 .

Andere resignieren und ziehen sich nach erfolglosen Versuchen,

Kontakt zum Kind aufzunehmen, zurück. Beides kann

die ablehnende Haltung des Kindes bestätigen, da das Bild des

›bösen‹ Elternteils verstärkt wird. Zusätzlich dazu lässt sich

der Rückzug des Kindes damit erklären, dass bei den Eltern oft

zwei unterschiedliche Erziehungsstile zu finden sind, welche

die Verunsicherung und damit den Rückzug des Kindes von

einem hervorrufen kann.

Die Entfremdung des Kindes von einem Elternteil und eine

Verstärkung des Elternkonflikts können vermieden werden, in

dem Eltern möglichst frühzeitig und eigenverantwortlich Vereinbarungen

für die Zeit nach der Trennung treffen, »denn es hat

einen wesentlichen Einfluß auf die Entwicklung der Kinder, ob

die Eltern nur bis nach der Trennung streiten oder auch noch

Jahre danach.« 49 Ein guter Kontakt des Kindes und dem betreuenden

Elternteil zu Bezugspersonen außerhalb ihrer Familie,

wie Nachbarn, Lehrer, Freunde, Sportvereine und Eltern von

Freunden des Kindes vermindert die soziale Isolation und damit

auch die Intensität des Entfremdungssyndroms.


Der Rechtsstreit zwingt Eltern in extreme Positionen. Sie sind Gegner, keine Verbündeten mehr

Nach Auseinandersetzungen

von Eltern

nehmen diese anwaltliche Hilfe in Anspruch, woraufhin das Familiengericht

einberufen wird und unter der Mitwirkung des Jugendamtes

und Gutachtern die streitige Entscheidung getroffen wird,

dass ›Ruhe einkehren muss‹. Damit ist das vorübergehende, und

das meist darauf folgende endgültige Ausscheiden eines Elternteils

aus dem Leben des Kindes gemeint. Der betroffene Elternteil klagt

in nächster Instanz, die aufgrund der gleichen Verfahrensweise zu

dem gleichen Ergebnis gelangt. Es folgt die nächste Instanz. Diese

Verfahren dauern nicht selten drei bis acht Jahre und verfestigen

die Konfliktfronten weiter, trotz des (auch volks-)wirtschaftlich

aufwendigen Einsatzes vieler ›Trennungsexperten‹. 50

In anhaltenden Konfliktsituationen entsteht eine verzerrte

Wahrnehmung bei beiden Eltern. Sie nehmen oft nur noch

die negativen Züge des Partners wahr und kämpfen deshalb

gegen »unvollständige Bilder voneinander« 51 . Sie glauben, »ihre

eigenen Interessen seien mit denen der Kinder identisch«, 52 da es

ihnen in dieser Situation schwer fällt, die wirklichen Interessen

ihrer Kinder wahrzunehmen. Im Rechtsstreit wird deutlich, dass

»weniger das Recht des Kindes als vielmehr überwiegend das

Recht auf das Kind im Mittelpunkt« 53 steht, womit der Streit auf

Interessenebene der Eltern ausgetragen wird. Dieser Konflikt

macht außerdem gemeinsame Entscheidungen der Eltern nach

der Trennung schwierig. »Während Misstrauen und Ärger in

verschiedenen Graden bis zur Trennung vorhanden sind, kann

ein intensivierter Konflikt während und nach der Trennung

direkt auf den Rechtsstreit zurückgeführt werden«. 54 Da der

Rechtsstreit Sieger und Verlierer produziert, kann der Elternkonflikt

auf diese Weise nur schwer beigelegt werden.

Das Jugendamt vertritt als öffentliche Einrichtung offiziell das

Interesse des Kindes. Väter und Mütter werden hier als »zwei

fast gegensätzliche Pole beschrieben, denen unterschiedliche

Funktionen zugeschrieben werden« 55 . Beim Jugendamt gilt die

traditionelle geschlechtliche Aufgabenteilung: »Die Mutter sorgt,

der Vater versorgt«, 56 was Eltern mit abweichenden Vereinbarungen

in der Beziehung nach einer Trennung wieder in die

klassische Rollenverteilung zwingt. Laut Schölper gibt es Väter,

die nur ernähren sollen und Mütter, die auf Kindererziehung

reduziert werden. Daraus ergibt sich die »Verknüpfung von Frau

und Mutter« 57 als grundlegend unselbstständige und abhängige

Personen. Damit gelten sie als unterstützungsbedürftig. Väter

aber nicht, da ihnen »infolge einer allgemeinen Vorstellung von

der Überlegenheit der Männlichkeit unterstellt« 58 wird, dass

sie grundsätzlich unabhängig und selbstständig sind. Daher ist

Überforderung nach einer Trennung nur den Müttern, nicht aber

den Vätern gestattet. Zusätzlich dazu finden die Belange der

unterhaltspflichtigen Väter beim Jugendamt keine Berücksichtigung,

da ihr Anliegen als gegensätzlich zum Interesse des Kindes

verstanden wird. Dieses wird definiert als: »viel Geld vom Vater

[ … ] bekommen.« Auf diese Weise wird ihnen nicht nur ihr

Recht auf Beratung, sondern auch ihr Recht auf Fürsorge und die

emotionale Verbindung zu ihrem Kind abgesprochen. Sie sollen

›Essen und Trinken sichern‹. 59

Dag Schölper merkt an, dass einige Mitarbeiter der Jugendämter

Unstimmigkeiten im unterschiedlichen und diskriminierenden

Umgang mit Müttern und Vätern bemerken, doch sie berufen

sich oft darauf, dass sie die Gesetze nicht beschließen, sondern

danach handeln. 60 So werden offensichtliche Missstände nicht

nur weiter reproduziert, sondern auch als normal und gerecht

in der Gesellschaft etabliert. Die Vorgehensweise des Jugendamtes

verschärft den vorhandenen Konflikt zwischen getrennten

Eltern oder lässt einen entstehen. Viele Eltern sind unzufrieden

mit den auferlegten Entscheidungen des Jugendamtes, da die

Konsequenzen nicht ihren Vorstellungen von ihrem Leben und

der Realität entsprechen. Abgesehen davon »wird das natürliche

Bedürfnis des Kindes nach seinen zwei sorgenden Elternteilen

nicht berücksichtigt«, 61 wenn sich die Sorge des Vaters

nur durch Geld ausdrückt.

Noch schwerer als die allgemeine Verfahrensweise des Jugendamtes

wiegt diese Beschuldigung: Im Streit um das Umgangsrecht

ist der Vorwurf des Kindesmissbrauchs zur gängigen Taktik

geworden. In etwa 40 Prozent der Sorgerechtsstreitigkeiten wird

dieser Vorwurf erhoben, um den anderen Elternteil aus dem

Leben des Kindes auszugrenzen, »wobei etwa 95 Prozent der

Vorwürfe sich als haltlos und frei erfunden herausstellen« 62 .

Karin Jäckel betont, dass jedes missbrauchte Kind eines zu viel

ist, genauso wie jede falsch beschuldigte Person eine zu viel ist.

Wer sich einer »bereits als Verdacht gesellschaftlich so nachhaltig

ausgrenzenden [ … ] Beschuldigung wie dem sexuellen

Kindesmissbrauch« als Mittel gegen den anderen bedient, »hat

sich damit selbst die Qualifizierung abgesprochen, Kinder zu

verantwortungsbewussten Erwachsenen heranzubilden«. 63

In Gerichtsverfahren um das Sorge- oder Umgangsrecht werden

nicht selten Gutachter hinzugezogen, die entscheiden sollen,

wer der Elternteil ist, der dem Kindeswohl mehr entspricht. Die

Beantwortung dieser Frage ist im Grunde unmöglich, da beide

Elternteile gleich wichtig für die Entwicklung des Kindes sind.

Diese Fragestellung verschärft nicht nur den Elternkonflikt, da

sie Sieger und Verlierer produziert. Ferner empfinden selbst

die meisten Gutachter diese Aufgabe als unbefriedigend, da die

Interessen des Kindes bei dieser Vorgehensweise stark vernachlässigt

werden. Trotzdem wird diese Art Gutachten weiterhin

eingefordert und auch erstellt. 64

Da viele Eltern nicht kompromissbereit sind, geben sie ihre

elterliche Verantwortung an den Staat und seine Mitarbeiter ab.

Sie »lassen sich regelmäßig

entmündigen, um ihre Macht

gegenüber dem Expartner zu demonstrieren. Sie überlassen Richtern

die Entscheidungen über das weitere Leben ihrer Kinder,

anstatt eigene Entscheidungen zu treffen.« 65 »Die Übertragung

der höchst privaten Angelegenheiten auf Professionelle« 66 ist

damit verbunden, dass alle anderen zu Laien erklärt werden

und den Betroffenen die eigene Problemlösungskompetenz abgesprochen

wird. Die Professionellen haben aus sich heraus kein

Interesse an der Beseitigung dieser unsozialen Vorgehensweise,

denn »deren ständige Wiederkehr« sichert zugleich ihre Arbeitsplätze.

67 Der Staat ermöglicht und finanziert ein Helfersystem,

dessen Existenz die Auseinandersetzung mit diesen gesellschaftlichen

Missständen verhindert und damit gleichzeitig die Nachfrage

nach den Experten gesichert wird, »da sich auf diese Weise

keine Selbstlösungskompetenz bei den Eltern entwickeln kann«.

Die fehlenden Fähigkeiten der Eltern, ihre Probleme zu lösen,

werden staatlich aufrecht erhalten. 68

Zusammenfassend kann man sagen, dass gerichtliche Entscheidungen

in Sorgerechts-, Aufenthalts-, und Umgangsstreitigkeiten

die Konflikte zwar regeln, sie aber so gut wie nie lösen. Damit

ist es im Interesse der Kinder und auch verantwortlichen Eltern,

die Konflikte außerhalb der Gerichte zu klären und konstruktiv

gemeinsame Kompromisse zu erarbeiten. 69


Da Kindererziehung immer noch als Aufgabe gilt, die primär

von Frauen ausgeübt wird, leben Kinder nach einer Trennung

der Eltern zu 90 Prozent bei ihren Müttern. 70 Aufgrund dieser

hohen Zahl hat sich fälschlicherweise das Bild geprägt, dass

die Anzahl kontaktabbrechender Väter ähnlich hoch sei. Doch

statistisch beläuft sich diese Zahl auf etwa 24 Prozent. 71 Da die

Anzahl alleinerziehender Väter so gering ist, gibt es keine statistischen

Erhebungen zum Kontaktabbruch durch die Mutter,

doch auch solche Fälle kommen vor. 72

Mitunter brechen Väter mit dem Ende der Partnerschaft die

Beziehung zu ihren Kindern ab, weil die Arbeitsteilung in der

Partnerschaft sie nicht als aktiven Vater vorsah. Allerdings

brechen Väter den Kontakt meistens als Reaktion auf eine

Vorgeschichte ab. Sie ist von offenen Streitigkeiten und unausgesprochenen

Konflikten geprägt und zeugt meist von der Unfähigkeit,

sich über Probleme verständigen zu können. 73

Die berufliche Tätigkeit des Vaters wird ihm nach einer Trennung

sinnlos erscheinen, wenn »deren Sinn zuvor in Familie bestand.

Wenn der Sinn im verdienten Geld lag, dann wird von diesem

Sinn wenig übrig bleiben.« 74 Hinzu kommt, dass die meisten

Abwertung, die ihr Selbstwertgefühl verletzt und ihre väterliche

Autorität untergräbt. Sie ist eine »rückwirkende Aberkennung

ihrer Bedeutung in der Familie« 79 . Sie glauben, dass ein

Kontaktabbruch in den Kindern eher das Bild des »sicheren und

selbstbewussten Vaters hinterlässt« 80 . Sie möchten sich ihnen

nicht – in ihrem Empfinden – entwürdigt und rechtlos gegenüber

der Expartnerin, dem Jugendamt und den Gerichten zeigen.

Diese Männer scheitern an der »uneingeschränkten Macht der

Mutter über die Kinder«, »mitunter ist es bloß die eigene Phantasie,

die die Exfrau als übermächtig erscheinen lässt.« 81

Gerhardt Amendt, Professor für Geschlechter- und Generationenforschung

an der Universität Bremen fasst die wichtigsten

Begründungen für den Rückzug von Vätern aus dem Leben

ihrer Kinder so zusammen: Manche Väter verzichten auf ihre

Kinder, um sie schlicht vor noch schlimmeren Erfahrungen zu

bewahren. Sie glauben, ihrem Kind geht es besser, wenn sie die

Beziehung aufgeben. Gemäß der Weisheit ›Der Klügere gibt nach

glauben sie der Vorstellung vom guten Vater näher zu kommen,

selbst wenn ihr Kind auf den Vater verzichten muss. 82

Einige Männer verzichten auf den Kontakt mit ihrem Kind,

weil sie meinen, als Vater nicht gut genug und für das Kind

nicht geeignet oder für dessen Entwicklung sogar abträglich

zu sein. Sie sind verstrickt in Schuld– und Schamgefühle, in

Schuldzuweisungen und Versuche, Vorwürfe nicht auf sich

sitzen zu lassen. Sie erreichen nicht ihr Idealbild und auch nicht

die hoch gesteckten Ziele, von denen sie glauben, dass sie alles

umfassen, was eine zufriedenstellendere Beziehung zu den

Kindern ermöglichen würde. 83

Expartnerin erhalten, werden sich am wahrscheinlichsten aus

dem Leben ihrer Kinder zurückziehen. Zur Gruppe, für die das

Risiko des Kontaktverlustes zu ihren Kindern am größten ist,

gehören auch diejenigen, die während der Partnerschaft aktiv

in die Sorge und Erziehung involviert waren und große Befriedigung

daraus zogen. 85

Die Abwesenheit der Kinder ändert die Funktion der Väter als

Elternteil. Sie fühlen sich laut der Studie von Ursula Kodjoe als

Elternteil entwertet und sich selbst entwurzelt, sind angstvoll

und niedergeschlagen, 86 da sie nicht nur die Kinder, sondern

auch die Rolle als Vater verloren haben. Das war eine wichtige

Komponente ihrer Identität. Ihre permanente Beziehung

wird durch gesetzlich vorgegebene Muster eingeschränkt, die

entgegengesetzt zu ihren Vorstellungen stehen. Für sie bedeutet

wirkliche Vaterschaft, mit ihren Kindern das tägliche Leben

zu teilen und sie in ihrer Entwicklung zu begleiten. Sie wollen

keine Freizeitväter sein. Deshalb gelingt es ihnen nur schwer,

sich an die »Beschränkungen einer ›Besuchs‹-Beziehung«

anzupassen. Für viele ist es aufgrund der ›Termine‹ und der

damit verbundenen geringen Teilnahme am Leben ihrer Kinder

unmöglich, den Kontakt aufrechtzuerhalten. »Der Schmerz

über die Besuche, ihre Kürze, Künstlichkeit und Oberflächlichkeit,

verschärft die Empfindung der Väter für den Verlust.« Sie

symbolisieren das abrupte Ende der Vater-Kind-Bindung und

heben die Entbehrungen immer wieder schmerzhaft hervor. 87

Die Männer, die die meiste Bestätigung ihrer Vaterrolle durch die Expartnerin erhalten, beteiligen sich am aktivsten an der Sorge für ihre Kinder

Männer das Scheitern der Partnerschaft und die eigene Unfähigkeit,

die Familie zusammenzuhalten, als Versagen erfahren. Die

ihnen anerzogene Einstellung, »als Sieger durch das Leben gehen

zu müssen«, 75 lässt sie diese Situation nur schwer ertragen.

Deshalb drängt ihr Selbstschutz sie oft dazu, alles, was mit

diesem Versagen zusammenhängt, aus ihrem Leben auszuklammern.

Für einige bedeutet dies die Verweigerung des Unterhalts.

Schwarzarbeit, frisierte Einkommenssteuernachweise, offiziell

gesenkte und frei auf die Hand ausbezahlte Gehälter sowie

willentlich aufrechterhaltene Arbeitslosigkeit, Geschäftsaufgaben

oder Flucht ins Ausland stehen auch auf der Liste. 76

Wenn Männer den Kontakt zu ihren Kindern einstellen, »dann

tun sie das zumeist nicht aus Mangel an Interesse, sondern

nach Kämpfen mit der Expartnerin und Unzufriedenheit über

die gerichtlichen Umgangsfestsetzungen« 77 . Die Selbstverständlichkeit,

als Vater geliebt und geachtet zu werden, gilt nach

der Trennung nicht mehr. So ziehen es einige Väter vor, ganz

auf Kontakt zu verzichten, als sich »ihren Kindern machtlos,

gekränkt und unerwünscht zu präsentieren« 78 . Sie erleben eine

Die Trennungsväter, die sagen, dass das Kind sie nicht mehr

sehen wollte, haben aufgegeben und entziehen sich gekränkt

und wütend zugleich allen Auseinandersetzungen. Sie scheinen

noch weniger als andere die Familie als Beziehungsgefüge zu

sehen, in dem sie einen aktiven Part spielen, egal ob sie sich

aktiv oder passiv verhalten. Diese Väter sind zu sehr mit ihren

Machtkämpfen beschäftigt, als dass sie die Kinder als eigenständige

Akteure wahrnehmen. Manchmal brechen auch Kin-

der die Beziehung ab. Sie wollen einen Elternteil nicht mehr

sehen, um sich vor Überforderung zu schützen, und nicht weil

sie den einen Elternteil mehr lieben als den anderen. 84

Es gibt Väter, die sich trotzig verhalten. Der Trotz ist die indirekte

Bestrafung für Ungerechtigkeiten, die dem Mann widerfahren

sind. Dabei entgeht den Vätern, dass sie nicht nur die

Mütter bestrafen, sondern auch die Kinder. Die Unterstützung

und das Engagement der Expartnerin dabei, den Kontakt zu

den Kinder aufrecht zu erhalten und eine neue Elternrolle zu

entwickeln, ist von großer Bedeutung für die Väter. Diejenigen,

die wenig oder keine Bestätigung ihrer Vaterrolle durch die

Eine Vater-Kind-Beziehung befriedigt Bedürfnisse wie Liebe

und Status sowohl für den Vater als auch für das Kind. Kinder

befriedigen das Verlangen nach Zuneigung, Vertrautheit,

Familienleben und die eigenen Gene weiterzugeben. Dieses

Verlangen ist ein ausschlaggebendes Entwicklungsstadium der

gesunden erwachsenen Persönlichkeit. Eine Weiterentwicklung

der Persönlichkeit macht die Ausübung einer aktiven Elternschaft

also zwingend erforderlich. Die fehlende Möglichkeit,

dieses Verlangen nach der Trennung weiter auszuleben, kann

bei betroffenen Erwachsenen zu einer gewissen Stagnation und

zwischenmenschlicher Verarmung führen.

Die Belastung für Väter, die ihre Kinder seit Jahren nicht gesehen

haben, ist genauso groß wie für diejenigen, die seit kurzer Zeit

keinen Kontakt mehr haben. Die vergangene Zeit kann die Trauer

nicht verringern. Der Vater hat sein Kind verloren, doch es lebt

weiter. Deshalb kann er mit seinem Verlust nicht abschließen

und der Trauerprozess kann zu keinem Ende kommen.


Mediation bedeutet ›Vermittlung‹ und ist ein Verfahren zur

konstruktiven Beilegung oder Vermeidung eines Konfliktes.

Die am Trennungsprozess von Eltern beteiligten Professionen

wie das Jugendamt, Anwälte und Gerichte des Landkreises

Cochem-Zell nutzen diese Methode bei Sorgerechtsstreitigkeiten

schon seit mehr als zehn Jahren. Erst langsam setzt sich

die Mediation bundesweit als eine geeignete Vorgehensweise

bei Paar- und Elternkonflikten durch.

Die Mediation hilft Eltern,

die Bedürfnisse und

Interessen ihrer Kinder

an erster Stelle zu sehen

Die aus psychosozialen und juristischen Berufsgruppen stammenden

Mitarbeiter dieser Projekte arbeiten wie Moderatoren.

In Paar- und Einzelgesprächen suchen sie gemeinsam nach

Lösungen für die Auseinandersetzungen. Jürgen Rudolph, der

zuständige Familienrichter im Landkreis Cochem-Zell erklärt,

dass »die Kommunikation und Kooperation zwischen den Eltern

[ … ] maßgeblich verbessert« 88 wird. Sie lernen, die Paar-

ebene von der Elternebene zu trennen. Es werden für beide

Seiten befriedigende Vereinbarungen getroffen, die aufgrund

dessen viel nachhaltiger sind als Urteile. Eine betreute Trennungsphase

dauert bis zu einem halben oder dreiviertel Jahr.

Zerstrittene Paare finden in diesem Prozess oftmals wieder

zueinander, obwohl die Mediation weder eine Psycho-, Paar-,

oder Familientherapie beinhaltet. Für den Fall der endgültigen

Trennung bereitet der neutrale Vermittler gemeinsam mit dem

Paar einen Vertrag vor, in dem sowohl die Aufteilung des Besitzes

als auch gemeinschaftliche Regelungen zum Sorgerecht

für Kinder und deren Wohnort getroffen werden.

Die Mediation stärkt die Selbstständigkeit der Eltern als Eltern.

Sie führt dazu, dass sie lernen, auch in Zukunft vernünftig mit

Uneinigkeiten umzugehen, sodass gerichtliche Entscheidungen

vermieden werden können. Die Entschärfung des Konflikts

und die Stabilität in Elternschaftsfragen sind nicht nur

für das Kind positiv, sondern auch für die getrennten Eltern.

Eltern ohne Streit vor der Mediation

Eltern ohne Streit nach der Mediation


Aus dem Paragraph 1626 des Bürgerlichen Gesetzbuches geht

hervor, dass, wenn die Eltern verheiratet waren oder jeweils

Sorgeerklärungen für ihr Kind abgegeben haben, sie auch

nach der Trennung die elterliche Sorge gemeinsam ausüben.

Sie integriert Kinder und Eltern und sichert ihren Unterhalt.

»Sie bietet dem betreuenden Elternteil bessere Möglichkeiten

zur eigenen Berufstätigkeit und dem umgangsberechtigten

Elternteil einen intensiven Kontakt zu seinen Kindern. Das

gemeinsame Sorgerecht und ein verlässlicher Umgang dienen

insofern nicht nur dem Kindeswohl, sondern auch der

Entlastung des hauptbetreuenden Elternteils.« 89

Bei gemeinsamer elterlicher Sorge trifft der Elternteil die

Entscheidungen in Angelegenheiten des täglichen Lebens,

bei dem das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. In

Angelegenheiten der tatsächlichen Betreuung, beispielsweise

den Schlafenszeiten oder der Ernährung, entscheidet der

umgangsberechtigte Elternteil, solange sich das Kind bei

ihm aufhält. Entscheidungen in Angelegenheiten von erheb-

licher Bedeutung treffen die Eltern gemeinsam. Hierbei handelt

es sich um Angelegenheiten, die nicht häufig vorkommen

und deren Entscheidung nur schwer zu ändern ist, beispielsweise

der Wohnort des Kindes, die religiöse Erziehung, die

Gesundheitsfürsorge wie Operationen oder Impfungen, die

Wahl der Schule oder die Schulart sowie Entscheidungen

über das Vermögen des Kindes.

Auch in Familien, die zusammen leben, gehen Mutter und

Vater unterschiedlich mit bestimmten Situationen um. Die

Deutsche Liga für das Kind betont, dass Kinder durchaus in

der Lage sind, mit unterschiedlichen Erziehungsstilen umzugehen.

Deshalb sollten auch getrennt lebende Eltern die Entscheidungen

und den Erziehungsstil des anderen Elternteils

akzeptieren und auch vom Kind erwarten, dass es dies tut.


Laut Paragraph 1684 des Bürgerlichen Gesetzbuches hat »je-

des Kind [ … ] ein eigenständiges Recht auf Umgang mit bei-

den Eltern« 90 . Die Eltern haben das Recht und die Pflicht zum

Umgang mit dem Kind. »Es wird nicht mehr dahingehend

unterschieden, ob die Eltern des Kindes verheiratet waren.

Das Umgangsrecht geht von dem Grundsatz aus, dass der

Umgang mit beiden Eltern zum Wohle des Kindes ist.« 91 Der

Kreis der umgangsberechtigten Personen umfasst auch Groß-

eltern, Geschwister, Stiefeltern, frühere Pflegeeltern und andere

enge Bezugspersonen des Kindes. Die im Gesetz verankerte

›Wohlverhaltensklausel‹ beschreibt die wechselseitige

Pflicht der Eltern, alles zu unterlassen, was das Verhältnis

des Kindes zum jeweils anderen Elternteil belasten würde.

Die Eltern müssen über Kinderthemen kommunizieren (lernen).

Es sollte eine Elternvereinbarung geschlossen werden,

um die Rahmenbedingungen klar abzustecken und nicht im-

mer wieder ausdiskutieren zu müssen. Es genügt, wenn die

Eltern so eine Vereinbarung formlos aufsetzen. Sie kann aber

auch mit Hilfe des Jugendamts oder Mediatoren erstellt werden.

Dabei müssen gemeinsam langfristige Umgangsregelungen

gefunden werden, die der Lebensrealität beider Elternteile

entsprechen: Zu beachten sind dabei der Ort der Arbeit, die

Arbeitszeiten der Eltern, Ferienzeiten in Kindertagesstätten

und Schulen, Elternabende und Kinderfeste, Regelungen für

Fest- und Feiertage, Freizeitaktivitäten der Kinder, gemeinsame

Erziehungsziele, das Abholen und Zurückbringen des

Kindes vom anderen Elternteil und der Umgang mit anderen

Bezugspersonen. Haben sich die Eltern dafür entschieden,

dass das Kind dauerhaft bei einem Elternteil lebt, so muss der

Wohnort des Kindes von den Eltern festgelegt und beim Amt

Alltäglicher Umgang ermöglicht dem Kind und dem umgangsberechtigten Elternteil eine intensive Beziehung

gemeldet werden. Das Bundesministerium für Familie, Senioren,

Frauen und Jugend macht darauf aufmerksam, dass die

Zeitabstände zwischen den Treffen mit dem anderen Elternteil

nicht zu groß sein sollten, damit das Kind nicht immer wieder

der Erfahrung ausgesetzt wird, der andere Elternteil verlässt es

jetzt endgültig. Dies steht »dem Aufbau einer vertrauensvollen

Beziehung im Wege« 92 . Laut Fthenakis spielt das Alter des Kindes

bei der Häufigkeit der Kontakte eine entscheidende Rolle.

Nicht immer können vereinbarte Termine eingehalten werden.

Diese »Termine sollten nach einer festen Regel nachgeholt

werden« 93 . Bei kurzfristigen Absagen ist es wichtig, zuerst

den anderen Elternteil und dann persönlich das Kind zu in-

formieren. »Grundsätzlich ist der Ort des Umgangs beim umgangsberechtigten

Elternteil. Allerdings ist es aus der Sicht von

Säuglingen und Kleinkindern günstig, wenn der Umgang an

dem für das Kind gewohnten Lebensort stattfinden kann«. 94

Die »Übergabesituation sollte zeitlich nicht zu knapp kalkuliert«

95 werden. Eine kurze Unterhaltung der Eltern vermittelt

dem Kind das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen gegenüber

beiden. Es sollte Gelegenheit haben, mit dem umgangsberechtigten

Elternteil erst wieder warm zu werden, bevor sich

der betreuende Elternteil aus dem Geschehen zurückzieht. 96

Es sollten weder Konfliktthemen zur Sprache kommen, noch

Schweigen herrschen. Die Eltern sollten sich um eine warme

Atmosphäre bemühen. Wenn es schwerfällt, sich mit dem Ex-

partner zwanglos zu unterhalten, kann das Kind dazu ermuntert

werden, von seinem Erlebnissen zu erzählen.

Umgangskontakte sollten nicht nur den Besuch von Eisdielen,

sondern auch den Alltag einschließen. Der umgangsberechtigte

Elternteil wird vom Kind als erziehende und fürsorgliche

Autorität akzeptiert, wenn Übernachtungen stattfinden und er

Einfluss auf die täglichen Dinge des Kindes wie seine Schularbeiten,

Sorgen mit Freunden oder seine Kleidung nimmt. 97

Wenn ein Kind nach einem Wochenende bei dem umgangsberechtigten

Elternteil aufgewühlt oder auch sehr ruhig ist, also

von seinem ›normalen‹ Verhalten abweicht, bringt es dadurch

oft seine ganz normale Trauer über die Trennung der Eltern

zum Ausdruck. Das Pendeln zwischen den Elternteilen ist für

die Kinder anfangs oft mit Ängsten verbunden: Angst, dass der

umgangsberechtigte Elternteil nicht kommen könnte oder auch

die Angst, den anderen allein zu lassen, ›zu verraten‹. Zuverlässigkeit

in den Umgangskontakten ist also von großer Bedeutung

für das Sicherheitsgefühl des Kindes. 98 Die Eltern müssen dem

Kind deutlich machen, dass es in Ordnung ist, zu dem jeweils

anderen Elternteil zu gehen, dass es nicht verlassen wird und

es auch niemanden verlässt. Sie sollten dem Kind signalisieren,

dass sein Verhalten richtig ist. Nur so kann es sich auf beide

Eltern einlassen und sich bei ihnen wohlfühlen. 99

Durch regelmäßigen Umgang können Eltern und Kind Erfahrungen

mit den festgelegten Regeln sammeln. Jede Umgangs-

regelung muss nach einer gewissen Zeit »überprüft und gege-

benenfalls angepasst [ … ] werden« 100 . Mindestens einmal im

Jahr sollte die bestehende Regelung von den Eltern geprüft werden.

Sie sind verpflichtet, sich gegenseitig über alle Umstände,

die für das Befinden und die Entwicklung des Kindes wesentlich

sind, zu informieren. Es kann sinnvoll sein, in größeren

Abständen ein Elterngespräch zu vereinbaren, um sich in Ruhe

über die Entwicklung des Kindes austauschen zu können. 101


Laut Paragraph 1601 des Bürgerlichen Gesetzbuches hat jedes

minderjährige, nicht verheiratete Kind ab seiner Geburt einen

Unterhaltsanspruch, unabhängig davon, ob seine Eltern miteinander

verheiratet waren. 102

Der Elternteil, bei dem das Kind lebt, leistet Unterhalt durch die

Pflege und Erziehung des Kindes und der Elternteil, mit dem das

Kind nicht zusammenlebt, durch finanzielle Zuwendungen. Die

Höhe des Kindesunterhalts bemisst sich nach dem Einkommen

des unterhaltspflichtigen Elternteils und dem Al ter des Kindes.

Richtlinie hierfür ist die Düsseldorfer Tabelle, deren Grundlage

der gesetzlich definierte Mindestunterhalt bildet. Die Düsseldorfer

Tabelle ist auf der Internetseite des Bundesministeriums

für Familie, Senioren, Frauen und Jugend abrufbar. Damit ge-

sichert ist, dass der unterhaltspflichtige Elternteil für den eige-

nen Lebensunterhalt sorgen kann, gibt es einen gesetzlich geregelten

Mindestbetrag, den Selbstbehalt, den der unterhaltspflichtige

Elternteil einbehält.

Wohnt das Kind abwechselnd bei beiden Eltern, kann die

Unterhaltspflicht ganz oder teilweise entfallen.

Der Unterhaltspflichtige ist nicht berechtigt, seine Zahlungen

davon abhängig zu machen, ob die vereinbarten Umgangskon-

takte stattfinden. Verweigerter Unterhalt ist auch kein zulässi-

ges Mittel, um eine gewünschte Änderung der Umgangsverein-

barung oder im Verhalten des anderen Elternteils zu erzwingen.

Ausbleibende oder zu geringe Unterhaltszahlungen berechtigen

den betreuenden Elternteil ebenso wenig dazu, den

Umgang des Kindes mit dem anderen Elternteil einzuschränken

oder auszuschließen. Das gilt selbst dann, wenn der Unter-

haltspflichtige seine Zahlungen trotz Leistungsfähigkeit verringert

oder einstellt.


Die zwei häufigsten Wohnformen für Kinder nach Trennungen

sind das häufiger praktizierte Residenz– oder Einzelresidenzmodell

und das Doppelresidenzmodell. Beim Doppelresidenzmodell

bieten beide Elternteile dem Kind ein Zuhause, in dem

es sich abwechselnd aufhält. Dieses Modell wird auch als

Wechsel– oder Paritätmodell bezeichnet. Im Gegensatz zum

Einzelresidenzmodell, bei dem das Kind sich überwiegend bei

einem Elternteil aufhält, sind beim Doppelresidenzmodell die

Betreuungszeiten beider Elternteile (nahezu) gleich.

Beim Doppelresidenzmodell verbringen die Kinder typischerweise

jede zweite Woche sowie die Hälfte der Ferien beim je-

weils anderen Elternteil. Bei Kindern unter sechs Jahren sind

auch kürzere Intervalle üblich, da diese einen Wochenzeitraum

noch schwer überblicken können. Umgekehrt können

bei größeren Kindern die Intervalle auch ausgedehnt werden.

Zu den Voraussetzungen gehört die räumliche Nähe der Eltern,

sodass gewährleistet werden kann, dass das Kind seine Kon-

takte zu Schulfreunden ohne größeren Aufwand pflegen kann.

Bei älteren und sehr jungen Kindern sind auch Modelle mit

größerer Entfernung denkbar. Außerdem ist es wichtig, dass

die Kinder diese Art des Wohnens akzeptieren und beide

Beim Doppelresidenzmodell gibt es weder Alltagsmama, noch Wochenendpapa

Eltern genug Zeit haben, die Hälfte der Betreuungszeit zu

übernehmen. Die erfolgreiche Verwirklichung des Doppelresidenzmodells

hängt von gut organisierten Abläufen und guter

Kommunikation zwischen den Eltern ab. Aber auch streitenden

Eltern kann die Durchführung dieser Wohnform dabei helfen,

dass sie wieder lernen, gemeinsam Entscheidungen zu treffen

und respektvoll miteinander umzugehen.

Die Vorteile des Doppelresidenzmodells sind vielfältig. Der

mit Sicherheit größte ist »der gleichwertige und regelmäßige

Kontakt des Kindes zu beiden Elternteilen. Es erlebt Alltag und

Sonntage bei beiden Eltern« 103 . Sie bleiben in der Verantwortung

für ihre Kinder, sind finanziell und im Alltag gleichermaßen

belastet (und damit auch entlastet) und in die Kindererziehung

integriert. So besteht außerdem für beide Eltern die

Möglichkeit, ihren Beruf auszuüben, anstatt einen Elternteil

als Hauptbetreuer des Kindes einzusetzen und ihn so von sei-

nem beruflichen Fortkommen auszuschließen. 104 Die finanzielle

Belastung durch die Unterhaltspflicht ruht auf beiden El-

tern statt auf einem Elternteil, da die Unterhaltsansprüche sich

gegeneinander aufheben. Außergewöhnliche Aufwendungen,

beispielsweise für Klassenfahrten, werden entsprechend der

elterlichen Einkommenssituationen aufgeteilt. Zur Regelung

des Doppelresidenzmodells gibt es keine gesetzlichen Bestim-

mungen. So darf das Kind melderechtlich nur einen Hauptwohnsitz

eintragen lassen, obwohl es zwei hat und das Kindergeld

ist unteilbar an einen Elternteil auszuzahlen.

Im Doppelresidenzmodell benötigt das Kind bei beiden Eltern

seinen eigenen Bereich. Dies erscheint im ersten Moment als

finanzielle Mehrbelastung. Doch rechnet man diese Kosten

gegen die wegfallenden Unterhalts- und Umgangskosten, ergibt

sich oft eine geringere Gesamtbelastung. Verringern die

Doppelresidenz-Eltern ihre Arbeitszeit zugunsten der Kinder,

ist natürlich mit Einschnitten im Einkommen zu rechnen. Sollte

trotz Ausübung des Doppelresidenzmodells eine Unterhaltspflicht

bestehen, beispielsweise weil die Betreuungszeit nicht

zu gleichen Teilen auf beide Eltern verteilt ist, so werden die

Zahlungen im Gegensatz zum Einzelresidenzmodell zuverlässiger

erbracht. Das wird darauf zurückgeführt, dass die hohe

Beteiligung am weiteren Leben des Kindes, den Eltern das Ge-

fühl gibt, immer noch Teil der Familie zu sein. So haben sie

nicht das Gefühl, den Partner, das Familienleben und auch

die Kinder verloren zu haben. Abwechselnd betreuende Eltern

haben weniger Konflikte mit dem Expartner und wenden sich

seltener an Gerichte. 105

In verschiedenen Studien von Steinman, Irving und Benjamin

beschreiben Doppelresidenz-Mütter ihren Expartner als verständnisvoll

und als Stütze und schätzen seine väterlichen

Fähigkeiten als hoch ein. Sie empfinden ihren Alltag weniger

als Last, begrüßen den fehlenden Druck durch die geteilte

Verantwortung und sind zufriedener mit ihrem Leben. Die

Doppelresidenz-Väter fühlen sich nach der Trennung stärker

in ihre Rolle als Vater eingebunden und betrachten die NachzDie

Eltern sind über die positive Entwicklung der Kinder trotz

der Trennung zufrieden, und die Kinder darüber, dass die

Spannungen zwischen den Eltern vermindert sind und dass

sie so beide Eltern und auch ihre Freunde ›behalten‹ können.

Für die Kinder ist das Doppelresidenzmodell die beste aller

Nachtrennungssituationen. Susan Steinman erklärt, dass, obwohl

die Kinder die »Trennung ihrer Eltern als unerwünscht

erfahren, [ … ] sie trotzdem nicht das überwältigende Gefühl

der Abweisung [erleben], das man bei den Kindern aus der

üblichen Aufenthaltsregelung vorfindet« 106 . Nur eine Minderheit

der Kinder zeigt ein gewisses Maß an Schwierigkeiten,

sich an die Bedingungen der abwechselnden Beherbergung

anzupassen, aber: Der Prozentsatz solcher Kinder und die In-

tensität ihrer Probleme sind nicht höher, als die der Kinder,

die von nur einem Elternteil versorgt werden.

Kinder können sich sehr gut in verschiedenen Lebenswelten

orientieren. Sie »schaffen das auch in der Schule, bei Internatsaufenthalten,

längeren Besuchen bei anderen Verwandten,

in den Ferien. Kein Kind lebt immer nur in einer Umgebung,

genauso wenig wie Erwachsene« 107 . Der vorhersehbare Wechsel

bedeutet auch Kontinuität. Laut Deutscher Liga für das Kind

ist es lediglich notwendig, dass die Eltern die Unterschiede

akzeptieren können und dass sie den anderen Elternteil und

dessen Erziehungsstil respektieren.


Der Verlust des Vaters ist nicht nur durch die Eltern verschuldet, sondern wird auch durch die Gesellschaft mitproduziert

Die Sorge für das Kind wird immer noch als Sinn des mütterlichen

Lebens und die finanzielle Sicherung für Kind und

Familie als Sinn der väterlichen Erwerbsarbeit rekonstruiert,

wodurch das Bild von der geschlechtsspezifischen Rollenverteilung

weiter gefestigt wird. Die Vorstellung des ›Familienernährers‹

lässt sich immer noch in Gesetzen finden: Das

Steuerrecht gewährt Ehepaaren Steuervorteile, deren Einkommen

sehr unterschiedlich sind, weil er Vollzeit arbeitet und

sie nur Teilzeit oder gar nicht. Das Sozialversicherungsrecht

lässt erwerbslose Ehefrauen die kostenlose Kranken- und

Pflegeversicherung ihrer Männer in Anspruch nehmen. Wolfgang

Uchatius erläutert, dass die Hartz-Gesetze festlegen,

dass »arbeitslose Frauen berufstätiger Männer keinen Anspruch

auf Stellenangebote von der Bundesagentur für Arbeit

haben«, da sie mit ihren Männern Bedarfsgemeinschaften

bilden. »Soll heißen: Er ernährt sie.« 108 Selbst in Tarifverträgen

lässt sich diese Rollenvorstellung wieder finden, bemerkt

die Sozialwissenschaftlerin Karin Tondorf. 109 Aus denselben

Vorstellungen ergibt sich auch die schlechtere Bezahlung von

Frauen meint Elke Holst, Ökonomin am Deutschen Institut für

Wirtschaftsforschung in Berlin: »Ein Vorgesetzter, der glaubt,

eine Frau habe sich in erster Linie um Haushalt und Kinder zu

kümmern, während ein Mann die Familie ernähre, wird einer

Frau immer ein niedrigeres Gehalt anbieten als einem Mann,

denn sie ist in seinen Augen ja nur die Zuverdienerin.« 110

Von der Partnerin getrennte Männer, die arbeitslos sind, bekommen

durch das Beharren auf ihre Ernährerrolle oft das

Gefühl, in ihrer ›Lebensaufgabe‹, ihre Familie zu versorgen,

versagt zu haben. Diese Kombination aus materieller Not und

psychischer Belastung führt bei vielen fast zwangsläufig

nach mehr oder weniger kurzer Zeit zum Rückzug von der

Familie. Unterstützt und beschleunigt wird er durch Reaktionen

der Umwelt, besonders der Partnerin und Kinder. »Ein

Vater, der nicht zahlt und damit seine ›Hauptpflicht‹ nicht

erfüllt, verwirkt seine Rechte.« 111

Doch Kinder brauchen das Gefühl, dass sie ihre Beziehung

zu beiden Eltern nach einer Trennung weiterhin ausreichend

ausleben dürfen. Sie müssen erfahren, dass sie vom betreuenden

Elternteil nicht am Kontakt zum anderen gehindert und

vom anderen Elternteil nicht aufgegeben werden. Wenn Eltern

lernen, ihre Sprachlosigkeit zu überwinden und die Paarebene

von der Elternebene zu trennen, dann können sie über die direkte

Kommunikation Fragen klären, die die Kinder betreffen,

auf deren Probleme eingehen und ihnen Unterstützung bei

der Bewältigung dieser Lebensveränderung bieten. Da Kinder

jetzt erst recht emotional und real verfügbare Eltern benötigen,

ist es von großer Bedeutung, dass Eltern trotz emotionaler

Turbulenzen ihre Erziehungsfähigkeit nicht verlieren. So ist

es wichtig für Kinder, dass von beiden Eltern realitätsnahe

Bilder erhalten bleiben. Deshalb sollten keine Idealisierungen

des einen oder Abwertungen des anderen Elternteils statt-

finden. Des Weiteren brauchen Kinder klare Grenzen und

Regeln, altersgemäße Forderungen und Aufgaben, die an die

neue Situation angepasst sind. Ein liebevolles und verständnisvolles

Eingehen auf die Kinder ist unabdingbar. 112 Es hilft

Kindern in dieser Situation sehr, wenn die Veränderungen

ihrer Lebenswelt auf einen minimalen Teil beschränkt bleiben.

So sollten Rituale bei Tisch oder beim Zubettgehen, die Spielsachen,

der Kontakt zu Freunden, der Tagesmutter, Kindertageseinrichtung

oder Schule, Sportverein oder Musikunterricht

beibehalten werden. Ratsam wäre auch das Vermeiden eines

Kindergarten- oder Schulwechsels. Es ist sinnvoll, die Kontakte

zu den Großeltern oder anderen für das Kind bedeutsamen

Personen weiterhin zu pflegen. Joop meint, dass Kinder auch

»keine Freunde oder Geschwister als Eltern wollen – die haben

sie hoffentlich sowieso. Sie brauchen Eltern, mit denen sie sich

auseinandersetzen können. Und: zu denen sie aufschauen und

welche sie respektieren können. Dafür ist es wichtig, dass

Eltern ihre Probleme nicht vor den Kindern austragen und

sich mit Respekt behandeln.« 113


Petri meint: »Auch wenn der Verlust des Vaters nicht ersetzt

werden kann, so ist er doch insoweit kompensierbar, als po-

sitive Bindungen an andere Menschen gröbere Fehlentwicklungen

verhindern können. Dieser für die Mutterentbehrung

gesicherte Erkenntnisstand [ … ] gilt ebenso für die Vaterentbehrung«

114 . Bei aller berechtigter Kritik an Eltern und Politik

darf man nicht verkennen, dass wir uns noch nie so intensiv

mit dem Wohl unserer Kinder beschäftigen konnten wie in unserer

heutigen Gesellschaft. Die außerfamiliäre Umwelt bietet

unseren Kindern viele neue Erfahrungsräume, in denen es zu

reichen Begegnungen mit Gleichaltrigen und anderen Erwachsenen

kommt. Besonders für traumatisierte Kinder sind das

so gewonnene Gefühl der Gemeinschaft und diese Bindungen

elementar, weil sie die soziale und emotionale Isolation überwinden

helfen. Leider arbeiten in diesen Institutionen überwiegend

Frauen, was männliche Vorbilder vermissen lässt. 115

Der Appell von Soziologen gilt vor allem natürlich allen Eltern,

ob getrennt lebend oder nicht, aber auch Arbeitgebern, Unternehmern

und Gewerkschaften, familienorientierte Mitarbeiterprogramme

einzurichten, damit es erwerbstätigen Eltern in

Vollzeit oder Teilzeit möglich ist, ihre Arbeitszeiten unabhängig

von Kindergartenplätzen und Schulzeiten einzuteilen. So

könnten ein Ausbau von Teilzeitarbeitsmöglichkeiten, noch

flexibleren Arbeitszeiten, die Möglichkeit, sich zu zweit einen

Arbeitsplatz zu teilen und Maßnahmen zur Beteiligung von

Vätern an der Erziehungsarbeit eine neue Form von Familie

begründen. Damit könnten tatsächlich alte Rollenmuster

durchbrochen werden und somit langfristig eine gleichbe-

rechtigte Beteiligung der Frauen am Erwerbsleben garantiert

werden. Auch Männer sind hier strukturellen Benachteiligungen

ausgesetzt, da die patriarchalisch organisierte Arbeitswelt

wenig Raum für die Neuordnung der Aufgaben innerhalb der

Familie lässt. Bei staatlich finanzierten Maßnahmen zur Wiedereingliederung

in den Beruf werden Männer als Zielgruppe

nicht berücksichtigt. Die Solidarität der momentanen Politik

orientiert sich am Geschlecht und nicht am Problem. Wenn

aber Politik und Wirtschaft Männern die Möglichkeit geben

würden, einen Teil ihrer Macht über das Geld an Frauen abzugeben,

sind Frauen wahrscheinlich viel eher bereit, ihre Macht

über die Kinder mit den Männern zu teilen. Deshalb sollten die

Männer genauso wie Frauen daran interessiert sein, dass beide

für ihr berufliches Engagement gleich entlohnt werden. Wenn

Frauen ihr Recht einfordern, in die ›Männerdomäne‹ Arbeit

einzudringen, sollten sie den Männern in gleichem Maß deren

Recht zugestehen, am Leben ihrer Kinder genauso aktiv teilzunehmen

wie sie selbst. Wenn wirkliche Gleichberechtigung

entstehen soll, dann müssen beide Geschlechter die Spielregeln

der öffentlichen und der privaten Welt beherrschen und

auch einsetzen. 116

Eine angenehme Gesellschaft kann erst entstehen, wenn jeder

Bürger lernt, den Wandel in den Geschlechterrollen und den

damit verbundenen Veränderungen der Lebensrealitäten zuzulassen.

Die meisten Frauen wollen nicht mehr an den Herd

zurückkehren, und davon abgesehen können sie es auch nicht

mehr, denn immer seltener reicht ein Gehalt in Deutschland

aus, um die gesamte Familie zu ernähren. Aufgrund dessen

können Väter auch nicht mehr die alleinige finanzielle Last

für die ganze Familie tragen. Außerdem wollen sie mehr Zeit

mit ihren Kindern verbringen. Sie fordern dieses Recht nicht

aufgrund des alten Dominanzanspruchs gegenüber Frauen,

sondern wegen ihres neuen Verständnisses von Männlichkeit

und Väterlichkeit, was doch von den meisten Frauen heute

gewünscht, wenn nicht sogar erwartet wird.


Quellenverzeichnis

1 Lainer, Hans »Die Göttin und ihr Heros. Vom Mutterrecht zum Vaterrecht«,

[23.03.2008]

2, 3 VAMV e.V. (Hg.) »Allein erziehend – Tipps und Informationen«, S. 11

4 Amendt, Gerhard »Scheidungsväter. Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben«, S. 285

5 Matussek, Matthias »Der entsorgte Vater«, Der Spiegel 47/1997, S. 102

6, 7 Petri, Horst »Das Drama der Vaterentbehrung. Chaos der Gefühle – Kräfte der Heilung«, S. 31 – 33

8 Petri, Horst »Das Drama der Vaterentbehrung. Chaos der Gefühle – Kräfte der Heilung«, S. 35 – 39

9, 10 Petri, Horst »Das Drama der Vaterentbehrung. Chaos der Gefühle – Kräfte der Heilung«, S. 39 – 42

11, 12, 13, 14 Petri, Horst »Das Drama der Vaterentbehrung. Chaos der Gefühle – Kräfte der Heilung«, S. 42 – 44

15, 16, 17 Petri, Horst »Das Drama der Vaterentbehrung. Chaos der Gefühle – Kräfte der Heilung«, S. 46 – 48

18, 19, 20 Amendt, Gerhard »Scheidungsväter. Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben«, S. 299

21, 22 Amendt, Gerhard »Scheidungsväter. Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben«, S. 288

23 Amendt, Gerhard »Scheidungsväter. Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben«, S. 290

24 DAJEB (Hg.) »Eltern bleiben Eltern – Hilfen für Kinder bei Trennung und Scheidung«, S. 12 –16

25, 26 Kodjoe, Ursula »Elternverantwortung und Generationenethik in einer freiheitlichen Gesellschaft«, S. 39

27, 28 Offe, Heinz »Neue Wege und Konzepte in der Rechtspsychologie«, S. 110

29, 30 Kodjoe, Ursula »Forschungsevidenz über Langzeitfolgen für die Entwicklung von Kindern aus

hoch konflikthaften Trennungsfamilien«, S. 1 –2

31 Petri, Horst »Das Drama der Vaterentbehrung. Chaos der Gefühle – Kräfte der Heilung«, S. 163

2 Petri, Horst »Das Drama der Vaterentbehrung. Chaos der Gefühle – Kräfte der Heilung«, S. 164

33, 34 Kodjoe, Ursula »Forschungsevidenz über Langzeitfolgen für die Entwicklung von Kindern aus

hoch konflikthaften Trennungsfamilien«, S. 1

35 Petri, Horst »Das Drama der Vaterentbehrung. Chaos der Gefühle – Kräfte der Heilung«, S. 165

36, 37 Fischer, Wera »Wieviel Vater braucht ein Kind« [11.04.2008]

38 Labner, Irene F. »Entfremdung im Vater-Kind-Kontakt nach der Scheidung«, S. 7 –9

39 BMfFSFJ (Hg.) »Facetten der Vaterschaft«, S. 111

40 Fthenakis, Wassilos »Väter, Band II – Zur Vater-Kind-Beziehung in verschiedenen Familienstrukturen«, S.82

41 Labner, Irene F. »Entfremdung im Vater-Kind-Kontakt nach der Scheidung«, S. 12 –13

42, 43 Labner, Irene F. »Entfremdung im Vater-Kind-Kontakt nach der Scheidung«, S. 16 –17

44, 45, 46 BMfFSFJ (Hg.) »Facetten der Vaterschaft«, S. 113 – 114

47 BMfFSFJ (Hg.) »Facetten der Vaterschaft«, S. 115

48 BMfFSFJ (Hg.) »Facetten der Vaterschaft«, S. 114

49 BMfFSFJ (Hg.) »Facetten der Vaterschaft«, S. 113 – 114

50 Rudolph, Jürgen »Du bist mein Kind, Die ›Cochemer Praxis‹ –Wege zu einem menschlicheren Familienrecht«, S. 90 – 91

51 Kodjoe, Ursula » Forschungsevidenz über Langzeitfolgen für die Entwicklung von Kindern aus

hoch konflikthaften Trennungsfamilien «, S. 1

52 Rudolph, Jürgen »Du bist mein Kind, Die ›Cochemer Praxis‹ –Wege zu einem menschlicheren Familienrecht«, S. 93

53 Rudolph, Jürgen »Du bist mein Kind, Die ›Cochemer Praxis‹ –Wege zu einem menschlicheren Familienrecht«, S. 36

54 Kruk, Edward »Psychological and Structural Factors Contributing to the Disengagement of Noncustodial Fathers After Divorce«

[12.05.2008]

55, 56 Schölper, Dag »Jugendämter und ihre Bedeutung für die Situation kindesunterhaltsverpflichteter Väter«, S. 94

57, 58 Schölper, Dag »Jugendämter und ihre Bedeutung für die Situation kindesunterhaltsverpflichteter Väter«, S. 90 – 92

59 Schölper, Dag »Jugendämter und ihre Bedeutung für die Situation kindesunterhaltsverpflichteter Väter«, S. 76

60, 61 Schölper, Dag »Jugendämter und ihre Bedeutung für die Situation kindesunterhaltsverpflichteter Väter«, S. 99

62 Jäckel, Karin »Der gebrauchte Mann. Abgeliebt und abgezockt –Väter nach der Trennung«, S. 42

63 Jäckel, Karin »Der gebrauchte Mann. Abgeliebt und abgezockt –Väter nach der Trennung«, S. 214

64 Rudolph, Jürgen »Du bist mein Kind, Die ›Cochemer Praxis‹ – Wege zu einem menschlicheren Familienrecht«, S. 42

65 Rudolph, Jürgen »Du bist mein Kind, Die ›Cochemer Praxis‹ – Wege zu einem menschlicheren Familienrecht«

66, 67, 68 Carsten Rummel »Elternverantwortung und Generationenethik in einer freiheitlichen Gesellschaft«, S. 21 –22

69 Rudolph, Jürgen »Du bist mein Kind, Die ›Cochemer Praxis‹ –Wege zu einem menschlicheren Familienrecht«, S. 29

70 VAMV e.V. (Hg.) »Allein erziehend – Tipps und Informationen«, S. 11

71, 72 Amendt, Gerhard »Scheidungsväter. Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben«, S. 229

73 Amendt, Gerhard »Scheidungsväter. Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben«, S. 226 –227

74 Schölper, Dag »Jugendämter und ihre Bedeutung für die Situation kindesunterhaltsverpflichteter Väter«, S. 98

75, 76 Joachim Matthies »Der gebrauchte Mann. Abgeliebt und abgezockt –Väter nach der Trennung« Autor: Jäckel, Karin, S. 202 –203

77 Amendt, Gerhard »Scheidungsväter. Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben«, S. 226 –227

78, 79, 80, 81 Amendt, Gerhard »Scheidungsväter. Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben«, S. 235 –236

82 Amendt, Gerhard »Scheidungsväter. Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben«, S. 237

83, 84, 85 Amendt, Gerhard »Scheidungsväter. Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben«, S. 240 –244

86 Labner, Irene F. »Entfremdung im Vater-Kind-Kontakt nach der Scheidung«, S. 28

87 Labner, Irene F. »Entfremdung im Vater-Kind-Kontakt nach der Scheidung«, S. 32 –33

88 Rudolph, Jürgen »Du bist mein Kind, Die ›Cochemer Praxis‹ –Wege zu einem menschlicheren Familienrecht«

89 Deutsche Liga für das Kind e.V. (Hg.) »Wegweiser für den Umgang nach Trennung und Scheidung«, S. 21

90 Bürgerliches Gesetzbuch, Buch 4 (Familienrecht), Abschnitt 2, Titel 5 (Elterliche Sorge), Paragraph 1684

91 VAMV e.V. (Hg.) »Allein erziehend – Tipps und Informationen«, S. 35

92 Fischer, Wera »Wieviel Vater braucht ein Kind« [11.04.2008]

93 VAMV e.V. (Hg.) »Allein erziehend – Tipps und Informationen«, S. 42

94 VAMV e.V. (Hg.) »Allein erziehend – Tipps und Informationen«, S. 37

95 VAMV e.V. (Hg.) »Allein erziehend – Tipps und Informationen«, S. 45

96, 97 Fischer, Wera »Wieviel Vater braucht ein Kind« [11.04.2008]

98, 99, 100 VAMV e.V. (Hg.) »Allein erziehend – Tipps und Informationen«, S. 42

101 VAMV e.V. (Hg.) »Allein erziehend – Tipps und Informationen«, S. 45

102 [12.04.2008]

103, 104 de Man, Jan Piet H. »Ergebnisse internationaler Tatsachenforschung zum Wohl des Trennungskindes«

105 Irving /Benjamin »Shared parenting in Canada: Questions answers, and implications.«

106 Steinman, Susan »The experience of children in a joint custody arrangement: A report of a Study.«

107 de Man, Jan Piet H. »Ergebnisse internationaler Tatsachenforschung zum Wohl des Trennungskindes«

108 Uchatius, Wolfgang »Die Hausfrau im Kopf« aus Die Zeit, 11/2008

109 Tondorf, Karin »Die Hausfrau im Kopf« aus Die Zeit, 11/2008, Autor: Wolfgang Uchatius

110 Holst, Elke »Die Hausfrau im Kopf« aus Die Zeit, 11/2008, Autor: Wolfgang Uchatius

111 Petri, Horst »Das Drama der Vaterentbehrung. Chaos der Gefühle – Kräfte der Heilung«, S. 196

112 Kodjoe, Ursula »Elternverantwortung und Generationenethik in einer freiheitlichen Gesellschaft«, S. 41 – 42

113 Joop, Wolfgang »Was anders werden muss in der Erziehung« aus Tempo 2006, S. 356

114 Petri, Horst »Das Drama der Vaterentbehrung. Chaos der Gefühle – Kräfte der Heilung«, S. 206

115 Petri, Horst »Das Drama der Vaterentbehrung. Chaos der Gefühle – Kräfte der Heilung«, S. 209

116 Bauer-Jelinek, Christine »Die helle und die dunkle Seite der Macht«, S. 109 – 111


Literatur

Amendt, Gerhard ›Frankfurt am Main: Campus Verlag, 2006

»Scheidungsväter. Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben«

Andritzky, Walter ›Psychotherapie, Band 7, Heft 2, 2002

»Verhaltensmuster und Persönlichkeitsstruktur entfremdender Eltern«

Bauer-Jelinek, Christine ›Klosterneuburg/Österreich: Edition Va bene, 2000

»Die helle und die dunkle Seite der Macht«

Boch-Galhau /Kodjoe /Andritzky /Koeppel ›Berlin: VWB Verlag, 2003

»Das Parental Alienation Syndrome (PAS)«

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hg.) ›Berlin, 2008

»Beruflicher Wiedereinstieg nach der Familiengründung«

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hg.) ›Berlin, 2006

»Facetten der Vaterschaft«

Deutsche Liga für das Kind e.V. (Hg.) ›Berlin, 2005

»Wegweiser für den Umgang nach Trennung und Scheidung«

Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugend und Eheberatung e.V. (DAJEB) (Hg.) ›München, 2000

»Eltern bleiben Eltern – Hilfen für Kinder bei Trennung und Scheidung«

Fabian, Thomas /Nowara, Sabine (Hg.) ›Berlin: LIT Verlag, 2006

»Neue Wege und Konzepte in der Rechtspsychologie«

Figdor, Helmuth ›Gießen: Psychosozial-Verlag, 1998

»Scheidungskinder – Wege der Hilfe«

von Friesen, Astrid ›Hamburg: Ellert & Richter Verlag, 2006

»Schuld sind immer die anderen! Die Nachwehen des Feminismus: frustrierte Frauen und schweigende Männer«

Fthenakis, Wassilios ›Weinheim: Beltz Verlag, 1994

»Trennung, Scheidung und Wiederheirat: Wer hilft dem Kind?«

Fthenakis, Wassilos ›München: BeltzPVU Verlag, 1985

»Väter, Band II – Zur Vater-Kind-Beziehung in verschiedenen Familienstrukturen«

Gorges, Monika ›Diplomarbeit an der Fachhochschule Koblenz, 2005

»Eltern sein – Eltern bleiben«

Hetherington / Kelly ›Weinheim: Beltz Verlag, 2003

»Scheidung – Die Perspektiven der Kinder«

Irving /Benjamin ›Canadian Family Law Quarterly, 1/1986

»Shared parenting in Canada: Questions answers, and implications.«

Joop, Wolfgang ›Tempo, 2006

»Was anders werden muss in der Erziehung«

Jäckel, Karin ›München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2000

»Der gebrauchte Mann. Abgeliebt und abgezockt – Väter nach der Trennung«

Kelly / Johnston › Family Court Review, 39 /2001

»The alienated child: A reformulation of parental alienation syndrome.«

Krieger, Wolfgang (Hg.) ›Berlin: VWB Verlag, 2000

»Elterliche Trennung und Scheidung im Erleben von Kindern«

Kruk, Edward ›Family and Conciliation Courts Review, 29 /1993

»Psychological and Structural Factors Contributing to the Disengagement of Noncustodial Fathers After Divorce«

Krupa, Matthias ›Die Zeit, 52 /2007

»Das Schweigen der Väter«

Labner, Irene F. ›Diplomarbeit an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, 2005

»Entfremdung im Vater-Kind-Kontakt nach der Scheidung«

Largo, Remo H. /Czernin, Monika ›München: Piper Verlag, 2003

»Glückliche Scheidungskinder. Trennungen und wie Kinder damit fertig werden«

de Man, Jan Piet H. ›Edegem /Belgien, 1997

»Ergebnisse internationaler Tatsachenforschung zum Wohl des Trennungskindes«

Matussek, Matthias ›Der Spiegel, 47 /1997

»Der entsorgte Vater«

Matussek, Matthias ›Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 2006

»Die vaterlose Gesellschaft. Eine Polemik gegen die Abschaffung der Familie«

Napp-Peters, Anneke ›München: Kunstmann Verlag, 1995

»Familien nach der Scheidung«

Otten, Dieter ›Bergisch Gladbach: Gustav Lübbe Verlag, 2000

»MännerVersagen. Über das Verhältnis der Geschlechter im 21. Jahrhunder

Pagels, Herbert ›Saarbrücken: VDM Verlag, 2007

»Väter und ungewollte Trennungen. Trennungsverläufe, Gefühle und Bewältigungsversuche«

Petri, Horst ›Freiburg im Breisgau: Herder Verlag, 2006

»Das Drama der Vaterentbehrung. Chaos der Gefühle – Kräfte der Heilung «

Proksch, Roland ›Köln: Bundesanzeiger Verlag, 2002

»Rechtstatsächliche Untersuchung zur Reform des Kindschaftsrechts«

Rill, Bernd / Rummel, Carsten (Hg.) ›München: Hanns-Seidel-Stiftung e.V., 2001

»Elternverantwortung und Generationenethik in einer freiheitlichen Gesellschaft«

Rudolph, Jürgen ›Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 2007

»Du bist mein Kind, Die ›Cochemer Praxis‹ – Wege zu einem menschlicheren Familienrecht«

Rückert, Sabine ›Die Zeit, 19 /2002

»Unrecht im Namen des Volkes«

Schuler, Katharina ›Die Zeit, 20 /2008

»Wie Eltern Karriere machen«

Schölper, Dag ›Diplomarbeit an der Freien Universität Berlin, 2003

»Jugendämter und ihre Bedeutung für die Situation kindesunterhaltsverpflichteter Väter«

Steinman, Susan ›American Journal of Orthopsychiatry, 51/1981

»The experience of children in a joint custody arrangement: A report of a Study.«

Tazi-Preve, Mariam I. ›Wiesbaden: VS Verlag, 2007

»Väter im Abseits«

Uchatius, Wolfgang ›Die Zeit, 11/2008

»Die Hausfrau im Kopf«

VAMV e.V. (Hg.) ›Berlin, 2007

»Allein erziehend – Tipps und Informationen«

Weiterführende Informationen im Internet

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend — www.bmfsfj.de

Cochemer Praxis — www.ak-cochem.de

Verein Väteraufbruch für Kinder — www.vafk.de


Stichwortverzeichnis

Aufenthaltsbestimmungsrecht

Dieses Recht ist Teil des Personensorgerechts. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht

kann von der Personensorge getrennt werden,

wenn dies dem Kindeswohl am besten entspricht. Dabei kann es

im übrigen bei bisherigen Sorgerechtsregelungen bleiben.

Auskunftsanspruch (§ 1686 BGB)

Der Elternteil kann vom anderen Elternteil bei berechtigtem

Interesse Auskunft über die persönlichen Verhältnisse des Kindes

verlangen, soweit dies dem Wohl des Kindes entspricht.

Barunterhaltspflicht (§ 1612 BGB)

Als Barunterhalt wird die Erfüllung der Kindesunterhaltspflicht

durch Zahlung von Geld bezeichnet. Dies kann eine laufende Geldrente

sein oder ein einmaliger Betrag.

Bindungsverhaltenssystem

Dieses System dient der Suche und dem Aufrechterhalten von Nähe

und steuert im Bedarfsfall Erleben und Verhalten so, dass das Kind

die Nähe einer beschützenden Person sucht. Das vom Kind gezeigte

Bindungsverhalten löst beim Erwachsenen ein komplementäres

Fürsorgeverhalten aus.

Bürgerliche Gesellschaftsideologie

In der bürgerlichen Gesellschaftsideologie unterschieden sich die

Rollen für Männer und Frauen klar voneinander. Männer waren

für die finanzielle Versorgung der Frau und der Familie zuständig.

Frauen erzogen die Kinder und organisierten den Haushalt.

Cochemer Praxis

Die Cochemer Praxis bezeichnet eine vernetzte Arbeitsweise der

Professionen, die am Trennungs- und Scheidungsprozess beteiligt

sind. Sie hat das Ziel, den Eltern wieder die eigenständige Eltern-

verantwortung für ihre Kinder zu ermöglichen. Sie wurde im

Arbeitskreis aus dem Cochemer Familiengericht, den Jugendämtern,

Anwälten und Gutachtern erarbeitet.

Doppelresidenzmodell (Paritätmodell, Wechselmodell)

Dabei lebt das Kind in periodischen Abständen abwechselnd bei

dem einen oder dem anderen Elternteil.

Düsseldorfer Tabelle

Dabei handelt es sich um eine von den Familiensenaten der Oberlandesgerichte

entwickelte und geführte Tabelle zur Vorgabe von

Leitsätzen bei Unterhalt.

(Einzel-)Residenzmodell

Beim Einzelresidenzmodell leben die Eltern getrennt. Das Kind

wohnt fest bei einem Elternteil und hat regelmäßigen Umgang

mit dem anderen Elternteil.

Explorationsverhaltenssystem

Gegensätzlich zum Bindungsverhaltenssystem ist das Explorationsverhaltenssystem.

Exploration bedeutet hierbei das Erkunden

der Umwelt. Durch motorische Handlungen fördern eher Väter den

Erkundungsdrang des Kindes, seine Neugier, Risikobereitschaft und

seine kognitiven und instrumentellen Fähigkeiten bei der schrittweisen

Aneignung der Welt.

Gleichstellung der Geschlechter

Unter der Gleichstellung der Geschlechter versteht man die faktische

Angleichung von Frau und Mann in allen Lebensbereichen.

Ziel der Gleichstellung ist eine »Gleichbehandlung der Geschlechter«,

bei der, nach dem Erreichen der faktischen Gleichstellung,

keine unmittelbare oder mittelbare Diskriminierung auf Grund des

Geschlechts geschieht.

Jugendamt

Die Jugendämter beziehen ihre gesetzliche Legitimation aus dem all-

gemein formulierten Auftrag, dass die staatliche Gemeinschaft über

die Betätigung der Eltern wacht. Der Aufgabenkatalog ergibt sich

aus den allgemeinen Zielen der Jugendhilfe. Als öffentlicher Jugendhilfeträger

ist das örtliche Jugendamt für die Vergabe von Leistungen

und für die so genannten »anderen Aufgaben der Jugendhilfe«

zuständig. Der konkretere Schutzauftrag des Jugendamtes ergibt

sich aus dem einfachgesetzlichen Auftrag, Kinder und Jugendliche

vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen.

Kindesunterhalt (§ 1601 BGB ff.)

Unterhaltsberechtigt ist nur, wer außer Stande ist, sich selbst zu unterhalten.

Ein minderjähriges unverheiratetes Kind kann von seinen

Eltern, auch wenn es Vermögen hat, die Gewährung des Unterhalts

insoweit verlangen, als die Einkünfte seines Vermögens und der

Ertrag seiner Arbeit zum Unterhalt nicht ausreichen.

Mediation

Die Mediation (Vermittlung) ist ein freiwilliges Verfahren zur konstruktiven

Beilegung oder Vermeidung eines Konfliktes. Die Konfliktparteien

wollen mit Unterstützung einer dritten unparteiischen

Person, dem Mediator, zu einer einvernehmlichen Vereinbarung zu

gelangen. Bei Sorgerechtsstreitigkeiten haben die Bedürfnisse der

Kinder Vorrang vor Elterninteressen.

Mindestunterhalt (§ 1612a BGB)

Der gesetzliche Mindestunterhalt bestimmt den mindestens zu

zahlenden Betrag für minderjährige Kinder. Danach kann ein

minderjähriges Kind von dem unterhaltspflichtigen Elternteil

einen Prozentsatz des jeweiligen Mindestunterhalts verlangen.

Nestmodell

Die Eltern leben in eigenen Wohnungen. Das Kind verbleibt in der

ehemaligen gemeinsamen Wohnung und wird dort von den

Eltern abwechselnd versorgt.

Parental Alienation Syndrome (PAS)

Das Parental Alienation Syndrome ist eine Störung, die fast ausschließlich

im Zusammenhang mit Sorgerechtsstreitigkeiten

auftritt. Sie beschreibt die kompromisslose Zuwendung eines

Kindes zu einem Elternteil und die ebenso kompromisslose Abwendung

vom anderen Elternteil.

Selbstbehalt (§ 1603 BGB)

Der Selbstbehalt ist der dem Unterhaltspflichtigen auf jeden Fall

verbleibende Mindestbetrag zum eigenen Unterhalt.

Sonderbedarf

Der Sonderbedarf bezeichnet einen unregelmäßigen außergewöhnlichen

Bedarf des Unterhaltsberechtigten. Von der Rechtsprechung

als Sonderbedarf anerkannt sind beispielsweise Umzugskosten,

Kosten einer (zahn-)ärztlichen Behandlung oder eine Säuglings-

Erstausstattung.

Sorgerecht (§ 1626 BGB)

Das Sorgerecht ist das Recht und die Pflicht, für ein minderjähriges

Kind zu sorgen. Das Sorgerecht unterteilt sich in die Personensorge

und die Vermögenssorge. Auch im Rahmen der Scheidung bleiben

beide Eltern ohne gerichtliche Entscheidung gemeinsam sorgeberechtigt.

Jedoch kann auch dann ein Elternteil beantragen, dass ihm

das alleinige Sorgerecht übertragen wird.

Triangulierungstheorie

Die Triangulierungstheorie beschreibt die Entwicklung des Kindes,

Beziehungen mit mehr als zwei Menschen entwickeln zu können.

Die psychische Entwicklung basiert laut Triangulierungstheorie

wesentlich auf der Fähigkeit, flexibel zwischen dualen Beziehungen

und triadischen Beziehungen (drei Menschen, kleinste Form einer

Gruppe) wechseln zu können. Die Triade schafft ein Ungleichgewicht

und dadurch einen Entwicklungsanreiz, der Gewohntes und Bekanntes

infrage stellt, während die Dyade mit Übereinstimmung und

Harmonie verbunden ist, was aber auch zu Stillstand führen kann.

Umgangsrecht (§ 1684 BGB)

Das Umgangsrecht ist das Kontakt- und Besuchsrecht, das dem

umgangsberechtigten Elternteil oder, wenn es dem Wohl des Kindes

entspricht, auch den gesetzlich vorgesehenen Dritten (Großeltern,

Geschwister, Pflege- und Stiefeltern) zusteht. Der nicht eheliche

Vater hat auch gegen den Willen der Mutter ein Recht auf Umgang

mit seinem Kind. Der Ausschluss des Umgangsrechts des nicht ehelichen

Vaters ist verfassungswidrig.

Wohlverhaltensklausel

Sie ergibt sich aus § 1684 BGB. Sie ist ein an die Eltern gerichtetes

Gebot, alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum je-

weils anderen Elternteil beeinträchtigt oder die Erziehung erschwert.


»Drucksache Kind – wenn Eltern sich trennen«

Eine Diplomarbeit von Romi Klockau,

entstanden im Studiengang Visuelle Kommunikation

an der Bauhaus-Universität-Weimar.

Betreut und geprüft durch Professor Jay Rutherford } und die künstlerische Mitarbeiterin Gaby Kosa. }

Mein Dank für die bedingungslose Unterstützung und Motivation

gilt vor allem meiner intakten Zweielternfamilie. }}

Besonderer Dank auch an Jennifer Hübner und Sina Georgy. }}

© 2008

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