Nutzungsmöglichkeiten der tiefen Geothermie in Deutschland

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Nutzungsmöglichkeiten der tiefen Geothermie in Deutschland

Nutzungssysteme der tiefen Geothermie

Abb. 16: Hydraulische Stimulation

in den Tiefbohrungen

des HDR-Projektes

Soultz-sous-Forêts (Frankreich)

(weidl er et al. 2002):

Jeder Punkt kennzeichnet

ein mikroseismisches Ereignis

verursacht durch das

Einpressen von Wasser; die

Punktwolken zeigen die

künstlich erzeugten Wärmetauschflächen.

26

3.3.3 Vorerkundungen

Im Zuge von Erkundungsmaßnahmen wird zunächst die ggf. existierende Prospektions-Seismik

der Erdöl-/Erdgasindustrie geologisch zu interpretieren sein (eventuell

Reprozessing). Das Ziel sollte in einer genauen Aufnahme von Störungen liegen.

Auf der Basis dieser Ergebnisse ist über die Notwendigkeit weiterer seismischer

Untersuchungen zu befinden. Die Erkundung des Verlaufs von Störungen im kristallinen

Grundgebirge ist generell wesentlich schwieriger als in Sedimentgesteinen. Die

Interpretation seismischer Profile wird jedoch durch die Möglichkeit einer Extrapolation

des Verlaufs von Störungen durch die Sedimente ins kristalline Grundgebirge

hinein erleichtert.

Im Rahmen der Vorerkundung wäre es günstig, eine Erkundungsbohrung ins kristalline

Grundgebirge (bzw. in das zu stimulierende Gestein) abzuteufen. Diese Bohrung

könnte später u. a. zur Aufzeichnung seismischer Signale bei den Stimulationsversuchen

in den HDR-Tiefbohrungen verwendet werden. In der Erkundungsbohrung

sollten für das kristalline Grundgebirge hydraulische Versuche vorgesehen werden,

um sowohl Aussagen zur Durchlässigkeit und zum Speichermögen des Untergrundes

vor der Stimulation als auch zu den hydrochemischen Eigenschaften der Wässer inklusive

deren Gasgehalte zu erhalten. Dadurch kann bspw. rechtzeitig die Problematik

der Ausfällungen behandelt werden. In der Regel wird wegen der hohen Kosten

die erste Bohrung aber gleich als spätere Produktionsbohrung abgeteuft, in der die

Stimulationsmaßnahmen durchgeführt werden. Grundsätzlich sind die Bohrungen und

Stimulationsarbeiten durch geophysikalische Bohrlochmessverfahren zu begleiten.

Unter Umständen kann in Gebieten mit natürlicher

Seismizität diese durch das HDR-Verfahren insbesondere

während der notwendigen Stimulationsverfahren

beeinflusst werden. Es besteht die Möglichkeit,

dass die entstehenden Erschütterungen die

Wahrnehmbarkeitsschwelle an der Erdoberfläche

überschreiten. Das Auftreten von durch HDR induzierter

Seismizität hängt von der Beschaffenheit des

geologischen Untergrundes (Kristalline Gesteine

oder Sedimente), den tektonischen Spannungen,

Injektionsdrucken bzw. Fliessraten und wahrscheinlich

auch von der Größe des stimulierten Riss-

Systems ab (Abb. 16). Das Auftreten von induzierter

Seismizität wird aber bis zu einem gewissen Grade

als beurteilbar, prognosefähig und zum Teil als beeinflussbar

angesehen. Schlüssel hierzu sind laufende

Messungen und Kontrolle des Injektionsdrucks

und ein seismologisches Monitoring in der näheren

und weiteren Umgebung der Anlage. Gegebenenfalls

sind die Injektionsdrucke bzw. Injektionsmengen

zu reduzieren. In den Regionen, in denen

mit erhöhter Seismizität nach DIN 4149 zu rechnen

ist, sollte der örtlich zuständige Erdbebendienst zur

Beurteilung mit einbezogen werden.

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