Jour fixe juni 03 - Ludwig Boltzmann Institut für Medizin- und ...

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Jour fixe juni 03 - Ludwig Boltzmann Institut für Medizin- und ...

Unterschiede in

Empowerment und

Gesundheit von

Jugendlichen in

verschiedenen Schulen.

Ergebnisse einer

empirischen Studie

Wolfgang Dür

Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003

Ludwig

Boltzmann-

Institut

für Medizin- und Gesundheitssoziologie

Institut für

Soziologie

Universität Wien

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 1


Ottawa Charter der

Gesundheitsförderung, WHO 1986

„Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozeß, allen

Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung

über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie zur

Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. (...)

Gesundheit entsteht dadurch, daß man sich um sich

selbst und für andere sorgt, dass man in die Lage

versetzt ist, selber Entscheidungen zu fällen und

eine Kontrolle über die eigenen Lebensumstände

auszuüben, sowie dadurch, daß die Gesellschaft in

der man lebt, Bedingungen herstellt, die allen ihren

Bürgern Gesundheit ermöglichen.“

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 2


Empowerment und Partizipation

„These concepts are reflected in the action areas of

the Ottawa Charter for Health Promotion which

fundamentally advocates a basic change in the way

society is organized and resources distributed”.

(Davies/MacDonald 1998:8)

Davies, J., Gordon MacDonald (1998): Quality, evidence and effectiveness in health

promotion: Striving for certainties. Routledge, London

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 3


Die 2 Seiten des Empowerment-

Konzeptes und die Schule

• Empowerment meint zweierlei (Rissel 1994):

a. Stärkung der kognitiven und psychischen Fähigkeiten zur

Selbstbestimmung und Übernahme von Verantwortung

und Kontrolle

b. Umverteilung von Ressourcen und Entscheidungsmacht

zum Wohle der Gemeinschaft

• Im Sinne des Erwerbs kognitiver und psychischer Fähigkeiten

kann die Schule alles in allem als Instanz des

Empowerments interpretiert werden. Nicht jedoch im Sinne

der Umverteilung von Macht und Ressourcen.

• Empowerment ist gerade wegen der disprivilegierten Position

von Kindern und Jugendlichen auch im Schulbereich das

zentrale Konzept der GF (Kalnins et al 1992)

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 4


Was kann Empowerment im Setting

Schule sein?

• Kognitive, psychische Seite:

– Erwerb von Wissen und Kompetenzen

– Erwerb sozialer Fähigkeiten

• Soziale Seite

– Kontrolle über den Lernprozess durch spezielle

Methoden und Lernprogramme (EVA nach Klippert)

– Kontrolle über die schulischen Rahmenbedingungen:

Mitentscheidung bei Fragen der Didaktik, der

Regelbildung und der Schulgestaltung

– Kontrolle über Ressourcen zur Bewältigung der

Kernaufgaben: v.a. Unterstützung durch Lehrer,

Mitschüler, Eltern, allgemein Lehrmittel

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 5


Verwendete Konzepte

• Gesundheit

– subjektive Gesundheit

– psychosomatische

Beschwerden

– Lebenszufriedenheit

• Schule

- Partizipation in

Regelbildung

- Mitentscheiden über

Lehr/Lern-Formen

- Unterstützung durch die

Lehrer/innen

- Unterstützung durch die

Mitschüler/innen

- Schulzufriedenheit

• Familie

- Mit Mutter und/oder Vater gutes

Gesprächsklima

- Unterstützung durch Vater

und/oder Mutter

- Monitoring

- Kontrolle

• Schicht

– Beruf der Eltern

– Familienwohlstandsskala

– selbst eingeschätzter Wohlstand

– Mit Hunger zu Bett

• Persönlichkeitsmerkmale

- Kohärenzsinn (SoC nach

Antonovsky)

- Selbstwirksamkeit (Schwarzer)

- Angepasstheit an Schulnormen

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 6


Fragestellung

• Inwieweit hängt die Gesundheit von Schüler/innen

mit Partizipation und Empowerment in der Schule

zusammen?

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 7


Daten und Analysen

• HBSC-Studie

– Forschernetzwerk in 34 + x Ländern

– enge Partnerschaft mit WHO

• 5. und 6. Survey in den Schuljahren 1997/98 und 2001/02

• 15-jährige Schüler/innen, n = 1456; n = 1.277

• Repräsentatives Cluster-Sample auf Klassenebene

• multivariate Mehrebenen-Analysen auf Schulebene

n = 178; n = 165

• Auftraggeber: BMSG BMBWK FGÖ

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 8


Subjektive Gesundheit und

Schulzufriedenheit

Jugendliche mit „ausgezeichneter“ Gesundheit

60

50

40

30

20

10

0

16,8

28,7

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 9

48,1

nicht/wenig zufrieden zufrieden sehr zufrieden

r = .255

p = .000


Subjektive Gesundheit und

Unterstützung durch die LehrerInnen

Jugendliche mit „ausgezeichneter“ Gesundheit

50,0

45,0

40,0

35,0

30,0

25,0

20,0

15,0

10,0

5,0

0,0

26,4

30,5

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 10

47,0

wenig neutral viel

r = .156

p = .000


Subjektive Gesundheit und Mitbestimmung

von Regeln in der Schule

45,0

40,0

35,0

30,0

25,0

20,0

15,0

10,0

Jugendliche mit „ausgezeichneter“ Gesundheit

5,0

0,0

22,0

stimmt

überhaupt nicht

30,3 31,0 31,7

stimmt nicht weder richtig

noch falsch

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 11

39,9

stimmt stimmt genau

r = .070

p = .013


Subjektive Gesundheit und Ermutigung zur

Meinungsäußerung in der Schule

50

45

40

35

30

25

20

15

10

5

0

Jugendliche mit „ausgezeichneter“ Gesundheit

29,6

stimmt

überhaupt nicht

22,1

29,2

stimmt nicht weder richtig

noch falsch

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 12

34,9

43,6

stimmt stimmt genau

r = .143

p = .000


Subjektive Gesundheit und Interesse der

LehrerInnen an den Schülern/innen

Jugendliche mit „ausgezeichneter“ Gesundheit

50

45

40

35

30

25

20

15

10

5

0

32,2

stimmt

überhaupt nicht

22,1

30,4

stimmt nicht weder richtig

noch falsch

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 13

38,4

46,6

stimmt stimmt genau

r = .165

p = .000


Subjektive Gesundheit und

Unterstützung durch Mitschüler/innen

Jugendliche mit „ausgezeichneter“ Gesundheit

50

45

40

35

30

25

20

15

10

5

0

27,2

28,4

r = .136

p = .000

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 14

36,4

44,6

sehr schlechtes schlechtes gutes sehr gutes


Problem der Interpretation

• Belegen diese Zusammenhänge nun einen Einfluss der

Schule auf die subjektive Gesundheit der österreichischen

Jugendlichen? Oder sind diese Zusammenhänge nur

statistische Artefakte, erzeugt durch Faktoren, die sowohl der

Schulbewertung bzw. Schulerfahrung wie der Gesundheit der

Schüler/innen zugrundeliegen?

unbekannte

Faktoren

real

Gesundheit

Schulbewertung

Schulerfahrung

statistisch

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 15


Beispiel 1: Korrelation von individuellen

Merkmalen

Bewertung

der Schule

Unterschicht-Jugendliche

bewerten ihre Gesundheit

aus vielen Gründen schlechter

und fühlen sich aufgrund geringerer

Kompetenzen in der

Schule wenig unterstützt.

Oberschicht-Jugendliche haben

eine bessere Gesundheit und

bewerten das objektiv gleich

hohe Unterstützungsniveau

in der Schule als gut.

Schicht

Familie

Persönlichkeit

Bewertung der

Gesundheit

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 16


Beispiel 2: Korrelation von individuellen

Merkmalen - Allokationseffekt

Bewertung

der Schule

Unterschicht-Jugendliche, die

ihre Gesundheit aus vielen

Gründen schlechter bewerten,

gehen systematisch in

„schlechtere“ Schulen.

Oberschicht-Jugendliche, die

eine bessere Gesundheit haben,

gehen systematisch auch in

„bessere“ Schulen.

Schicht

Familie

Persönlichkeit

Bewertung der

Gesundheit

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 17


Subjektive Gesundheit und Schicht

60,0

50,0

40,0

30,0

20,0

10,0

0,0

Jugendliche mit „ausgezeichneter“ Gesundheit

26,0

26,3

Unterschicht untere

Mittelschicht

33,4

mittlere

Mittelschicht

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 18

44,8

obere

Mittelschicht

49,0

Oberschicht

r = -.127

p = .000


Subjektive Gesundheit und

Selbstwirksamkeit

Jugendliche mit „ausgezeichneter“ Gesundheit

60

50

40

30

20

10

0

17,7

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 19

30,2

54,2

wenig mittel hoch

r = .252

p = .000


Subjektive Gesundheit und Monitoring

in der Familie

Jugendliche mit „ausgezeichneter“ Gesundheit

50

45

40

35

30

25

20

15

10

5

0

28,5 28,0

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 20

34,2

47,4

wissen gar nichts wissen wenig wissen viel wissen sehr viel

r = .149

p = .000


Subjektive Gesundheit und

Unterstützung durch den Vater

Jugendliche mit „ausgezeichneter“ Gesundheit

60

50

40

30

20

10

0

20,6

30,2

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 21

30,5

50,6

gar keine wenig viel sehr viel

r = .216

p = .000


Subjektive Gesundheit und

Gesprächsklima mit dem Vater

Jugendliche mit „ausgezeichneter“ Gesundheit

50

45

40

35

30

25

20

15

10

5

0

20,8

27,3

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 22

39,2

45,5

sehr schlecht schlecht gut sehr gut

r = .210

p = .000


Subjektive Gesundheit und Kontrolle in

der Familie

Jugendliche mit „ausgezeichneter“ Gesundheit

45

40

35

30

25

20

15

10

5

0

41,2

34,5

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 23

23,7

25,0

gar keine wenig viel sehr viel

r = -.174

p = .000


Zwischenbilanz

• Es gibt ebenso viele empirische Hinweise in die eine

wie in die andere Richtung

• Wie können diese Fragen empirisch-analytisch

getrennt werden?

• Statistisch-rechnerisch hilft hier die

Mehrebenenanalyse

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 24


3 Hypothesen

H1: Es handelt sich um ein Schulproblem, das unabhängig von

anderen Einflüssen besteht.

H2: Es handelt sich um ein Schulproblem, welches teilweise durch

günstige Einflüsse der Schicht, der Familie und/oder der

Persönlichkeit kompensiert wird. Abhängig von diesen Faktoren ist

der ungünstige Einfluss der Schule auf die Gesundheit mehr oder

weniger groß.

H3: Es handelt sich um ein von der Schule unabhängiges Problem

der Armut und/oder der Familien. Bei dem Zusammenhang von

Schule und Gesundheit handelt es sich demnach um ein

statistisches Artefakt, das durch die schichtspezifische Zuweisung

von Schülern zu Schulen erzeugt wird.

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 25


Modell der 3 Hypothesen

Schule

H3

Schulproblem

H2

Faktoren

moderieren

den Schuleffekt

Schicht

Familie

Persönlichkeit

Gesundheit

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 26

H1

H3

Schicht/Familien -

problem


Überprüfung

• H1 gilt, wenn der Schuleffekt in einem multivariaten

Mehrebenenmodell nicht ganz oder teilweise hinter den Effekten

der anderen Faktoren verschwindet, bzw., wenn er durch diese

Kovarianzen nicht erklärt werden kann (d.h.: er bleibt signifikant)

• H2 gilt, wenn in einem multivariaten Mehrebenenmodell der

Zusammenhang von Schule und Gesundheit nach Schulen variiert,

wenn also Schüler/innen in manchen Schulen trotz schlechter

Qualität dennoch eine gute Gesundheit erreichen. Das gilt, wenn

der u-Wert in einem Mehrebenenmodell signifikant ist.

• H3 gilt, wenn der Schuleffekt in einem multivariaten

Mehrebenenmodell völlig durch die Kovarianzen der anderen

Faktoren erklärt werden kann. Das gilt, wenn der Beta-Wert der

Variable Schule im Modell nicht signifikant ist. Zwischen Schule

und Gesundheit besteht dann eine Scheinkorrelation.

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 27


Zur Logik der Mehrebenenanalyse (1)

Gesundheit

ausgezeichnet schlecht

M100_1

3,5

3,0

2,5

2,0

1,5

1,0

,5

3

hoch

SRLE_1

4

5

LehrerInnenunterstützung

6

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 28

7

8

gering

9

Jede bivariate Korrelationsberechnung

legt eine

Regressionsgerade in eine

Punktwolke


Zur Logik der Mehrebenenanalyse (2)

Inhomogenität des Samples

Gesundheit

ausgezeichnet schlecht

M100_1

3,5

3,0

2,5

2,0

1,5

1,0

,5

3

4

5

hoch gering

SRLE_1

Schicht

6

Die errechnete Korrelation

(Regressionsgerade)

zwischen Gesundheit und

Schicht könnte die

Mittelung von zwei oder

mehr verschiedenen

Korrelationen sein, die sich

jeweils in Sub-Samples

ergeben.

Im Clustersample der

HBSC-Studie können die

einzelnen Schulen als

Subsamples interpretiert

werden. Man kann also

überprüfen, ob ein

Zusammenhang für alle

Schulen gilt oder nur für

bestimmte.

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 29

7

8

9


Durchschnittliche Schichtzugehörigkeit der

Schüler/innen in österreichischen Schulen

hoch

soziale Schicht

niedrig

UNGLEICH

30

24

20

10

3

0

0

max. Wert

min. Wert

200000

Schulnummer

Schoolnumbe

400000

600000

1000000

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 30

800000

Durchschnittliche

Schichtzugehörigkeit

der SchülerInnen einer

Schule aufgelistet nach

Bundesländern in Ö.

In allen Bundesländern

variiert die durchschnittliche

Schichtzugehörigkeit

nach Schulen deutlich. Es

gibt Schulen mit durchschnittlich

niedriger und

solche mit durchschnittlich

hoher Schichtzugehörigkeit


Durchschnittliche Unterstützung der Schüler/innen

durch LehrerInnen in österreichischen Schulen

gering

SRLE_N_1 LehrerInnenunterstützung

hoch

2,6

2,4

2,2

2,0

1,8

1,6

1,4

1,2

0

200000

Schulnummer

Schoolnumbe

400000

600000

800000

1000000

Durchschnittliche

LehrerInnenunterstützung

der SchülerInnen einer

Schule aufgelistet nach

Bundesländern in Ö.

In allen Bundesländern

variiert die durchschnittliche

Lehrerunterstützung

nach Schulen deutlich. Es

gibt Schulen mit durchschnittlich

niedriger und

solche mit durchschnittlich

hoher LehrerInnenunterstützung

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 31


Schicht und Lehrerunterstützung:

Mittelwerte für die einzelnen Schulen

hoch

soziale Schicht

UNGLEI_1

19

18

17

16

x1

15

14

13

niedrig

12

2

3

4

5

6

hoch gering

SRLE_1

LehrerInnenunterstützung

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 32

x2

7

r = .031

p = .072

x1 =15,6

s1 = 2,9

x2 = 4,94

s2 = 1,81


Schicht und Gesundheit nach Schule

Durchschnittliche Schicht und durchschnittliche

Gesundheit für die einzelnen Schulen

hoch

soziale Schicht

UNGLEI_1

niedrig

19

18

17

16

x2

15

14

13

12

1,2

hoch

M100_1

1,4

1,6

x1

1,8

Gesundheit

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 33

2,0

2,2

2,4

niedrig

2,6

r = -.124

p = .000

x1 = 1,88

s1 = 0,74

x2 = 15,64

s2 = 3,06


LehrerInnenunterstützung und Gesundheit

der 15-Jährigen für einzelne Schulen

ausgezeichnet schlecht

Gesundheit

M100_1

3,5

3,0

2,5

2,0

1,5

1,0

,5

3

hoch

SRLE_1

4

5

LehrerInnenunterstützung

6

Dargestellt sind die Mittelwerte

für Gesundheit und

das

Ausmaß an Unterstützung

durch die LehrerInnen für

die einzelnen Schulen.

r = .156

p = .000

In Schulen mit hoher

Lehrer-

Innenunterstützung ist der

Anteil ausgezeichnet

gesunder Kinder (Wert 1)

signifikant höher.

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 34

7

max. Wert

8

gering

9


Selbstwirksamkeit und Gesundheit der

15-Jährigen nach Schule

3,5

schlecht

Gesundheit

M100_1

3,0

2,5

2,0

1,5

1,0

ausgezeichnet

,5

6

8

10

12

14

hoch gering

SELB_1

Selbstwirksamkeit

max. Wert

Quelle: WHO-HBSC-Survey 2002

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 35

16

r = .252

p = .000


Modell 1: multivariates Mehrebenen-Modell mit

Persönlichkeit, Schule und Schicht zur Erklärung

der Gesundheit bei 15-Jährigen

logit Gesundheit

fixed effects significance

cons2 -1.238(0.113)

selb Selbstwirksamkeit 0.414(0.105) ja

par1 Partizipation 1 0.063(0.065) nein

par2 Partizipation 2 -0.057(0.112) nein

koh2_1 Kohärenzgefühl 0.0686(0.135)ja

ang1 Angepasstheit -0.073(0.113) nein

schi soziale Schicht 0.403(0.132) ja

srle Lehrerunterstützung -0.326(0.128) ja

ls Unterstützung Mitschüler -0.262(0.128) ja

Unter Berücksichtigung der Kovarianzen haben die Selbstwirksamkeit, das Kohärenzgefühl, die Schicht,

die Lehrerunterstützung und das Klassenklima. einen jeweils unabhängigen Einfluss auf die Gesundheit

der SchülerInnen.

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 36


Modell 2: multivariates Mehrebenen-Modell mit

Persönlichkeit, Familie, Schicht und Lehrerunterstützung

zur Erklärung der Gesundheit bei 15-J.

logit fixed effects significance

cons2 0.346(0.273)

selb 0.346(0.098) ja

koh2_1 0.340(0.107) ja

schi 0.290(0.142) ja

srle 0.201(0.093) ja

gesmu -0.081(0.099) nein

gesva -0.141(0.107) nein

untva -0.275(0.092) ja

eltern 0.224(0.241) nein

Unter Berücksichtigung

der Kovarianzen haben

die Selbstwirksamkeit,

das Kohärenzgefühl,

die Schicht,

die Lehrerunterstützung

und die Unterstützung

durch den Vater einen

jeweils unabhängigen

Einfluss auf die

Gesundheit

der SchülerInnen.

Das Gesprächsklima

mit Vater und Mutter,

sowie die Hilfe der

Eltern in Schulfragen

sind nicht signifikant.

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 37


Modell 3: multivariates Mehrebenen-Modell mit

Persönlichkeit, Peers, Schicht und Schule zur

Erklärung der Gesundheit bei 15-Jährigen

logit fixed effects significance

cons2 -0.526(0.180)

selb 0.407(0.099) ja

koh2_1 0.389(0.105) ja

schi 0.290(0.142) ja

srle 0.225(0.093) ja

untva -0.358(0.080) ja

gesfss 0.189(0.097) nein

gesfos 0.002(0.085) nein

kontakte 0.062(0.143) nein

Unter Berücksichtigung

der Kovarianzen haben

die Selbstwirksamkeit,

das Kohärenzgefühl,

die Schicht,

die Lehrerunterstützung

und die Unterstützung

durch den Vater einen

jeweils unabhängigen

Einfluss auf die

Gesundheit

der SchülerInnen.

Das Gesprächsklima

mit Freunden des

gleichen (ss) oder

anderen Geschlechts

(os) sowie die Kontakthäufigkeit

mit Freunden

sind nicht signifikant.

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 38


Zwischenbilanz: Es bleiben als

signifikant im Modell ...

• Persönlichkeitsmerkmale

• Schicht

• Unterstützung durch LehrerInnen

• Unterstützung durch MitschülerInnen

• Unterstützung durch den Vater

Offenkundig sind die formal-partizipativen,

schuldemokratischen Ansätze für sich allein

nicht ausschlaggebend!!

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 39


Modell 4: multivariates Mehrebenen-Modell mit

Persönlichkeit, Schule und Schicht zur Erklärung

der Gesundheit bei 15-Jährigen auf Personen- und

Schulebene: gibt es Varianz nach Schulen?

logit fixed effects significance random effectsignificance

cons2 -1.265(0.104)

selb -0.387(0.105) ja 0.110(0.159) nein

koh2_1 -0.699(0.132) ja 0.125(0.162) nein

schi 0.346(0.130) ja 0.000(0.000) nein

srle -0.382(0.109) ja 0.004(0.169) nein

ls -0.288(0.125) ja 0.204(0.203) nein

Für alle Faktoren des Modells (Selbstwirksamkeit, Kohärenzgefühl, Schicht, Lehrerunterstützung, Klassenklima)

gilt, dass ihr Einfluss in allen 167 untersuchten Schulen der gleiche ist. Es gibt also zwischen den Schulen

keinen signifikanten Unterschied. Das heißt: es kann ausgeschlossen werden, dass sich die berechneten

Effekte der Inhomogenität des Samples oder einer zufälligen Überlagerung von Merkmalen verdanken.

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 40


Schlussfolgerung

• Unterschiede im Gesundheitszustand bzw. im subjektiven

Gesundheitsempfinden und in der Lebenszufriedenheit bei

Schüler/innen sind zu einem wesentlichen Anteil auch durch

die Qualität der Schule im Sinne von Empowerment und

Partizipation bedingt.

• Wesentlich ist dabei aber weniger die formale Einbindung in

Entscheidungsprozesse, sondern das Ausmaß an

Hilfestellungen, das die Schüler/innen bei der Bewältigung

ihren Aufgaben von den Lehrer/innen und Mitschüler/innen

erhalten.

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 41


Schule A

(I = Interviewer, S = Schüler)

• I: Habt ihr irgendwelche Möglichkeiten, wenn wir jetzt bei diesen Regeln sind,

wenn es um Regeln geht, habt ihr die Möglichkeit da mitzubestimmen? Gibt es ein

Forum?

• S: Nein.

• I: Habt ihr einen Klassenlehrer, mit dem ihr reden könnt?

• S: Nein.

• I: Wo ihr sagen könnt, das stört uns eigentlich. Als Beispiel das Klassenbuch, wir

werden da eingetragen, wir finden das unfair, wenn wir 2 Minuten zu spät

gekommen sind?

• S: Wir reden zwar mit den Lehrern, aber die machen auch nichts.

• S: Wir könnten mit unserem Klassenvorstand reden, aber das bringt auch nichts

und ist zwei Tage später wieder vergessen (SA, FG3, Z289).

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 42


Schule A

(I = Interviewer, S = Schüler)

I: Habt ihr das der [Schulleitung] gesagt?

S: Nein, weil wenn wir das sagen, dann...

S: Wir trauen uns schon gar nichts mehr sagen.

S: Vor der [Schulleitung] haben alle wirklich die Ur-Angst.

S: ... anschreien.

I: Von wem denn?

S: Von der [Schulleitung].

S: Da wird man gleich immer eingetragen.

S: Wenn die [Schulleitung] kommt, dann stellen sich gleich alle auf (SA, FG3, Z1345).

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 43


Schule A

(I = Interviewer, S = Schüler)

S: Zuerst kommen die Putzfrauen, dann kommen die

Lieblingslehrer und dann irgendwann einmal wir (SA, FG1,

Z1578)

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 44


Schule B

(I = Interviewer, S = Schüler)

I: Könntet ihr dem Turnlehrer sagen, wir würden lieber Völkerball spielen?

S: Nein.

S: Na, du, das machen wir.

S: Nix da! Du, Alter, was ist mir dir, er sagt, du kannst höchstens eine

Watschen haben.

S: Der haut mich wirklich manchmal.

I: Der droht mit Watschen?

S: Ich hab einen Salto gemacht und Wisch.

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 45


Schule C

(I = Interviewer, S = Schüler)

S: Da haben wir ein Problem gehabt, und überlegt wie wir es

behandeln könnten. Man kann mit der Frau Professor L nicht

reden. Die Frau Professor W ist unser Klassenvorstand,

glaube ich, seit 5 Jahren. Da sind wir dann zur Frau

Professor W gegangen und haben gefragt, was wir mit der

machen sollen, so kann das nicht weitergehen. Die hat da

dann etwas eingeleitet, hat zuerst mit Frau Professor L extern

geredet, dann mit der Klasse, dann mit den Klassenlehrern

und so weiter. Also, man kann schon etwas machen. Wenn

wirklich ein Problem ist, dann kann man drauf vertrauen,

dass irgendwelche Lehrer da sind, die da auch etwas

unternehmen (SC1, FG4, Z914).

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 46


Schule C

(I = Interviewer, S = Schüler)

S: Wir sind vielleicht davor eine Laptop-Klasse zu werden. Dass heisst, wir

erkundigen uns schon, welche Angebote es gibt, welche Lernmethoden,

welche Lehrer sind dafür, welche dagegen, welche Lehrer könnten wir

umtauschen dann. Wir wollen aber nicht so viele Lehrer umtauschen, z.B.

die Frau Professor, unsere Englisch-Lehrerin, die ist nicht so dafür, weil

sie glaubt, sie kann nicht soviel am Computer, aber der Herr Professor,

der Informatik-Lehrer hat uns angeboten, einen Kurs zu machen.

I: Wenn du sagst, ihr erkundigt euch, heisst das ihr, die Schüler?

S: Ja.

S: Alle, auch der Professor hat sich erkundigt, ich habe mich erkundigt.

S: Ich habe mich auch erkundigt (SC1, FG4, Z269).

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 47


Schule C

(I = Interviewer, S = Schüler)

S: Was gut läuft in unserer Klasse ist, dass Eltern, Schüler,

Lehrer gut in einem Team zusammenarbeiten (SC2, FG3,

Z482).

W. Dür (2003): Partizipative Strukturen in Schulen und die Gesundheit von Jugendlichen, Jour fixe des LBIMGS, 11.6.2003 / 48

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